12.3 Digitalisierung des Kulturerbes
1 Einleitung
Die Digitalisierung von sorbischem Kulturerbe ist eine historische Chance für uns Sorben, eine Chance, unser kulturelles Erbe neu zu entdecken, es für kommende Generationen zu erhalten, für eine breitere Öffentlichkeit zugänglich zu machen und dabei die eigene Deutungshoheit zu stärken. Das erfordert neben Mut, einer klaren gemeinsamen Vision, starker Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Akteuren auch die notwendigen Ressourcen in Form von Personal mit entsprechenden Kompetenzen, passender Technik sowie einer nachhaltig gesicherten Finanzierung.
Im folgenden Abschnitt werden Zielbilder für die Digitalisierung des sorbischen Kulturerbes entworfen mittels lang- und kurzfristiger Visionen sowie konkreter Ziele.
1.1 Vision und Ziele für die sorbische digitale Welt
Vision
Sorbisches materielles und immaterielles Kulturerbe ist systematisch digital erfasst, rechtssicher und langfristig gesichert, leicht auffindbar, offen nutzbar und wird aktiv von Interessierten genutzt.
Konkrete Ziele
Bis 2032 ist ein tragfähiges, finanziell und organisatorisch abgesichertes Modell etabliert, das:
- Ein zentrales (oder föderiertes) digitales Langzeitarchiv nach OAIS-Referenzmodell betreibt,
- klare Zuständigkeiten, Prozesse und Budgets definiert,
- regelmäßige Qualitätssicherung und Technik-Updates vorsieht.
Bis 2030 sind wichtige sorbische Kulturerbe-Bestände (Kernbestände nach fachlicher Festlegung) in hoher Qualität digitalisiert, beschrieben und im Langzeitarchiv gesichert.
Bis 2028 liegt eine institutionenübergreifende Übersicht über relevante Kulturerbe-Bestände (analog und digital, materiell und immateriell) vor, einschließlich einer Prioritätenliste für die Digitalisierung.
Bis 2028 existiert ein zentrales, nutzerfreundliches „Sorbisches Kulturerbe-Portal“, das:
- Suchzugang über alle teilnehmenden Institutionen ermöglicht,
- grundlegende Inhalte frei zugänglich bereitstellt,
- mehrsprachige Oberflächen anbietet (Deutsch, Obersorbisch, Niedersorbisch, Englisch).
2 Ist-Analyse „Digitalisierung von Kulturerbe“
Das Ziel in diesem Themenbereich ist es, sorbisches Kulturerbe digital zu verwalten und damit langfristig für Recherche, Nutzung und Präsentation vorzuhalten.
Im Abschnitt "IST-Analyse“ werden die folgenden Fragen beantwortet: Was ist sorbisches Kulturerbe und was zählt alles dazu? Welche Schritte durchläuft ein Kulturgut, um zum digitalen Kulturerbe zu gehören? Wie können die digitale Verwaltung, Archivierung, Nutzung und Präsentation von Kulturgütern umgesetzt werden?
Die grundlegenden Terminologien des Kulturerbes sollen im Folgenden festgelegt werden.
2.1 Terminologie – von Kultur zu Kulturerbe
In diesem Abschnitt werden die Begriffe rund um das Kulturerbe grundlegend definiert. Es soll ein Verständnis über die Begriffe Kultur, kulturelle Ausprägung, Kulturgut und Kulturerbe erreicht werden.
2.1.1 Kultur
Kultur bezeichnet hier die Gesamtheit aller vom Menschen geschaffenen und erlernten Ausdrucksformen des Lebens, die auf gemeinsamen Werten und Verhaltensweisen beruhen.[2] Dazu zählen materielle Ergebnisse (z. B. Kunstwerke, Technik) ebenso wie immaterielle Praktiken (Sprache, Bräuche, Wissen). Kultur umfasst laut der UNESCO geistige, materielle, intellektuelle und emotionale Merkmale, die eine Gesellschaft oder soziale Gruppe kennzeichnen.[3] [4] Sie ist dynamisch und wird von jeder Generation neu gestaltet.
Das deutsche Wort „Kultur“ ist eine Eindeutschung des lateinischen Worts „cultura“. Dieses bedeutet ursprünglich „Bebauung, Bearbeitung, Bestellung, Pflege“ und meinte sowohl die physische Bearbeitung als auch die Pflege geistiger Güter, z. B. der Sprache.
2.1.2 Kulturelle Ausdrucksform
Eine kulturelle Ausdrucksform ist eine konkrete, gegenwärtige oder historische, Manifestation von Kultur, bspw. eine Zeichnung, eine Tracht oder ein Lied: Sie macht die Kultur sichtbar und erlebbar. Im engeren Sinne ist es eine Ausdrucksweise, die aus der Kreativität einer Person, Gruppe oder Gesellschaft entsteht und kulturellen Inhalt trägt (symbolische Bedeutung, künstlerische Dimension, kulturelle Werte).[5] Sie wird innerhalb und zwischen Gemeinschaften weitergegeben.
Alle kulturellen Ausdrucksformen bilden einen wesentlichen Kern von Kultur, aber Kultur enthält auch latente Dimensionen (Werte, Normen, Vorannahmen etc.), die nicht unmittelbar als Ausdrucksform erscheinen.
2.1.3 Kulturgut
Ein „Kulturgut“ ist eine einzelne kulturelle Ausdrucksform, der ein besonderer kultureller Wert zugemessen wird (durch Anerkennung, Schutz, Bedeutung). Es ist somit ein Erzeugnis menschlicher Kreativität oder Zeugnis menschlichen Lebens, welches Bedeutung für die Kultur einer Gemeinschaft hat und daher Bestand haben und bewahrt werden soll.
Die Summe aller Kulturgüter einer Gemeinschaft wird als dessen Kulturerbe bezeichnet.
2.1.4 Kulturerbe
Kulturerbe ist die Summe der materiellen und immateriellen Ausdrucksformen (= Kulturgüter) einer Kultur, die als „bewahrenswert“ anerkannt wurden. International umfasst das u. a. das Welterbe (Denkmäler, Ensembles, Stätten)[6] und das Immaterielles Kulturerbe (Praktiken, Wissen).[7]
Ob etwas „zum Kulturerbe“ zählt, ist Ergebnis von Bewertung, Diskurs und teils formellen Verfahren. Dem Sorbischen Kulturregister (SKR) zufolge ist „sorbisch-wendisches Kulturerbe“ eine Zuschreibung, die durch Gesellschaft, Museen, Archive und Wissenschaft erfolgen kann.[8]
2.1.5 Abgrenzung: Kultur und Kulturerbe
Kultur / Kulturelle Ausdrucksform sind als Begriffe weiter gefasst als Kulturgut / Kulturerbe. Kulturelle Ausdrucksformen umfassen alles Gelebte und Gestaltete einer Gemeinschaft in Gegenwart und Vergangenheit, während Kulturgut / Kulturerbe diejenigen kulturellen Güter und Traditionen meint, denen eine Bedeutung beigemessen wurde und die als bewahrens- und weitergebenswert erkannt wurden. Kultur ist der „aktuelle“ kreative Prozess (einschließlich Popkultur, Alltagskultur), Kulturerbe der daraus überkommene Schatz. Dennoch sind die Grenzen fließend: Was heute nur Kultur ist, kann morgen zum Kulturerbe erklärt werden – abhängig von Wertzuschreibung und Diskurs.
Im Rahmen dieses Dokuments werden für den sorbischen Kontext die Begriffe „kulturelle Ausdrucksform“ und „Kulturgut“ weitgehend synonym verwendet, sofern nicht ausdrücklich anders gekennzeichnet. Hintergrund ist, dass die Gesamtzahl der identifizierbaren kulturellen Ausdrucksformen einer kleinen Minderheit wie der Sorben/Wenden im Vergleich zu großen Mehrheitsgesellschaften überschaubar ist. Zugleich ist der Anteil dieser Ausdrucksformen, denen in der Community ein besonderer Wert beigemessen wird und die daher faktisch als Kulturgut wahrgenommen und behandelt werden, sehr hoch: Ein großer Teil des gelebten kulturellen Repertoires wird als identitätsstiftend und bewahrenswert verstanden und damit dem Kulturerbe zugerechnet.
2.2 Klassifizierung von Kulturgütern
Im Folgenden soll eine griffige Klassifizierung von Kulturgütern entwickelt werden, so dass pro Kulturgut-Klasse später auf die Besonderheiten ihrer Digitalisierung eingegangen werden kann.
2.2.1 A. Materiell - unbeweglich 🏛️
„Materiell - unbeweglich" bezeichnet ortsfeste Kulturobjekte wie Bauwerke, Ensembles, Gebäudekomplexe und Stätten/Kulturlandschaften, wie sie in Art. 1 der UNESCO-Welterbekonvention als Kategorien des kulturellen Erbes definiert sind.[10]
2.2.2 B. Materiell - beweglich 🖼️
Die Kategorie „Materiell - beweglich" umfasst bewegliche Sachen bzw. Sachgesamtheiten von kulturellem Wert (z. B. Objekte, Sammlungen), wie sie das deutsche Kulturgutschutzgesetz (§ 2 KGSG)[11] als „Kulturgut“ beschreibt.
- B1 Schriftgut - Bücher, Zeitungen, Handschriften, Archivgut, Graphiken, Pläne, Karten
- B2 Fotografien & Bildträger
- Fotografisch erzeugte statische Bildträger, auch Stillbildträger genannt, z. B. Positive/Negative auf Film/Platte/Photopapier, Dias, Abzüge, Mikrofilm/-fiche und vergleichbare fotografische Repro-Träger.
- B3 Analoge AV-Träger (Audio/Video/Film)
- Analoge zeitbasierte Medien, z. B. Magnetton (Tonband, Kassette), Schallplatte, Videobänder, Film.
- B4 3D-Objekte - Gegenstände, „sachkulturelle Artefakte“[12]
2.2.3 C. Immateriell 🎭
Meint lebendige Praktiken, Darstellungen, Ausdrucksformen, Ideen, Werte, Wissen und Fertigkeiten, die von Gemeinschaften getragen und weitergegeben werden, gemäß der folgenden 5 UNESCO ICH-Domänen.[13]
- C1 Orale Traditionen/Ausdrucksformen - Sprache, Gesangstraditionen
- C2 Darstellende Künste - Musik, Tanz, Theater
- C3 Rituale & Feste - Bräuche und soziale Praktiken des Kalenders und Lebenslaufs
- C4 Wissen & Praktiken zu Natur & Universum - Heil- und Sammelkenntnisse, ökologisches und astronomisches Wissen, Glaube, Religion
- C5 Traditionelles Handwerk - Techniken, Werkzeuge und Gestaltungsmuster
2.2.4 D. Digital 💾
Bezeichnet in digitaler Form vorliegende Ressourcen menschlichen Wissens und Ausdrucks. Diese können sowohl born-digital sein als auch digitalisierte Repräsentationen von materiellen und immateriellen Kulturgütern.[14]
- D1 Born-digital (ursprünglich digital erzeugt, kein analoges Original), z. B. Webseiten, Social-Media-Beiträge, Software, Apps, Spiele, digitale Fotos/Audio/Video.
- D2 Digitalisate - Digitalisierte Repräsentationen/Derivate aus den Klassen A, B und C.
2.3 Begriffe und Kernfunktionen
Die vorherigen Abschnitte haben geklärt, was unter Kulturerbe verstanden wird und welche Arten von Kulturgütern unterschieden werden. Bevor der nachfolgende Abschnitt den Prozess der Kulturerbe-Digitalisierung beschreibt, werden in diesem Abschnitt die dafür wichtigsten Arbeitsbegriffe und Funktionen erläutert. Der Abschnitt soll dabei die Frage beantworten: Welche Arbeitsabläufe und Funktionen sind notwendig, damit Kulturgüter nicht nur digital erfasst, sondern auch gefunden, verstanden, gesichert und genutzt werden können?
Die Erläuterungen sollen eine gemeinsame und leicht verständliche Grundlage schaffen für alle, die an der Digitalisierung von Kulturerbe interessiert sind.
2.3.1 Vom Kulturgut zur digitalen Repräsentation
Dieser Abschnitt erklärt, was bei einer Digitalisierung entsteht und wie sich das digitale Ergebnis vom ursprünglichen Kulturgut unterscheidet.
| Begriff | Erklärung |
|---|---|
| Digitalisierung von Kulturerbe | Digitalisierung bezeichnet in diesem Konzept den gesamten zusammenhängenden Prozess: Kulturgüter erfassen, beschreiben und bewerten, digitale Repräsentationen erzeugen oder übernehmen, ihre Qualität prüfen, sie sichern und für die Nutzung zugänglich machen.[15] Bei ursprünglich digital entstandenen Kulturgütern – auch born digital genannt – entfällt die Überführung aus einem analogen Original; die weiteren Aufgaben bleiben bestehen. |
| Digitalisat und digitale Repräsentation | Ein Digitalisat ist ein digitales Abbild eines analogen Kulturguts, beispielsweise ein Scan einer Handschrift oder ein Foto eines Museumsobjekts. Der weitere Begriff digitale Repräsentation umfasst auch Audio-, Video- oder 3D-Dokumentationen einer immateriellen kulturellen Praxis. Die digitale Repräsentation ersetzt weder das materielle Kulturgut noch die lebendige Praxis. |
| Masterdatei und Nutzungsderivat | Die Masterdatei ist die möglichst hochwertige und qualitätsgeprüfte Ausgangsdatei. Sie wird für die langfristige Sicherung und spätere Bearbeitungen aufbewahrt. Ein Nutzungsderivat ist eine daraus erzeugte, an einen bestimmten Zweck angepasste Datei, beispielsweise ein kleineres Bild für eine Internetseite. |
| Digitales Objekt | Als digitales Objekt wird in diesem Konzept eine zusammengehörige digitale Einheit bezeichnet. Sie kann aus einer oder mehreren Dateien, den zugehörigen Metadaten und ihren Verknüpfungen bestehen. Ein digitales Objekt kann ein Digitalisat oder ein ursprünglich digital entstandenes Kulturgut sein. |
Beispiel: Das verzierte sorbische Osterei bleibt das materielle Kulturgut. Hochauflösende Fotografien, ein 3D-Modell und die dazugehörigen Beschreibungen bilden gemeinsam seine digitale Repräsentation.
2.3.2 Vier Kernfunktionen
Als Kernfunktionen der Kulturerbe-Digitalisierung werden im Folgenden vier dauerhaft zu erfüllende Aufgabenbereiche bezeichnet. Sie beschreiben, was für eine nachhaltige Digitalisierung von Kulturerbe geleistet werden muss, unabhängig davon, welche Institution oder welches technische System die jeweilige Funktion übernimmt.
| Kernfunktion | Typische organisatorisch-technische Umsetzung | Hauptaufgabe |
|---|---|---|
| Nachweisen, beschreiben und verknüpfen | Register oder Katalog | Macht sichtbar, welche Kulturgüter vorhanden sind, wo sie sich befinden und in welchem Zusammenhang sie stehen. Ein Registereintrag kann bereits bestehen, bevor ein Digitalisat angefertigt wurde. |
| Digitalisieren und Qualität sichern | Digitalisierungszentrum oder Digitalisierungsdienst | Erzeugt bzw. übernimmt digitale Repräsentationen, prüft sie und bereitet Dateien und Metadaten für die weitere Verarbeitung vor. Geliefert werden bspw. geprüfte Masterdateien und Nutzungsderivate. |
| Langfristig erhalten | Repositorium oder digitales Langzeitarchiv | Übernimmt Dateien und Metadaten, speichert und verwaltet sie und erhält sie über technische und organisatorische Veränderungen hinweg dauerhaft nutzbar. |
| Zugänglich machen und Nutzung ermöglichen | Präsentations- und Nutzungssystem | Führt beschreibende Informationen und digitale Medien für Nutzerinnen und Nutzer zusammen. Es ermöglicht beispielsweise Suche, Anzeige, Kontextualisierung, Vermittlung und – soweit zulässig – Nachnutzung. |
Diese Kernfunktionen beschreiben zunächst nicht zwingend getrennte Institutionen oder Systeme. Eine Einrichtung kann mehrere Kernfunktionen übernehmen. Umgekehrt kann eine Kernfunktion auf mehrere Einrichtungen oder technische Systeme verteilt sein. Entscheidend sind klare Zuständigkeiten, verlässliche Übergaben und gemeinsame Standards.
Vereinfacht lässt sich das Zusammenspiel so zusammenfassen:
- Das Register oder der Katalog beschreibt und verknüpft das Kulturgut.
- Der Digitalisierungsdienst erzeugt und prüft seine digitale Repräsentation.
- Das Repositorium oder digitale Archiv übernimmt und erhält die Dateien.
- Das Präsentationssystem führt Beschreibungen und Medien für die Nutzung zusammen.
Die konkrete Ausgestaltung kann zentral, dezentral oder als Verbund mehrerer Systeme erfolgen.
2.3.3 Register
Die folgende Tabelle erklärt, wie Kulturgüter so erfasst, beschrieben und verknüpft werden, dass sie eindeutig zugeordnet, wiedergefunden und nach einheitlichen Regeln weiterverarbeitet werden können.
| Begriff | Erklärung |
|---|---|
| Erschließung, Verzeichnung und Registrierung | Erschließung ist der übergeordnete Vorgang, bei dem ein Kulturgut identifiziert, beschrieben und in seinen Zusammenhang eingeordnet wird. Verzeichnung bezeichnet seine strukturierte dokumentarische Beschreibung. Registrierung bedeutet die Aufnahme in ein konkretes Register, einen Katalog oder ein Sammlungssystem. Ein Kulturgut kann bereits registriert werden, bevor ein Digitalisat vorhanden ist. |
| Metadaten | Metadaten sind strukturierte Informationen über ein Kulturgut und seine digitalen Repräsentationen. Dazu gehören beispielsweise Titel, Herkunft, beteiligte Personen, Ort, Zeit, kultureller Kontext, Rechte, Dateieigenschaften und Bearbeitungsschritte. Je nach Zweck werden beschreibende, technische, rechtliche und erhaltungsbezogene Metadaten unterschieden. Sie machen Kulturgüter auffindbar, verständlich, verwaltbar und langfristig nutzbar.[16] |
| Persistenter Identifikator | Ein persistenter Identifikator ist eine dauerhafte und eindeutige Kennung für ein Kulturgut, einen Datensatz oder eine digitale Ressource. Die Kennung bleibt bestehen, auch wenn sich der technische Speicherort oder die Internetadresse ändern. Dadurch können Kulturgüter dauerhaft zitiert und zwischen Systemen verknüpft werden.[15] |
Metadaten sind keine bloße Beigabe zu einer Datei. Ohne ausreichende Beschreibungen kann ein Digitalisat zwar technisch vorhanden sein, später aber kaum gefunden, verstanden oder zuverlässig zugeordnet werden.
2.3.4 Digitalisierungsdienst und Archiv
Die folgende Tabelle erklärt was erforderlich ist, damit Kulturgüter digitalisiert werden und nicht nur heute gespeichert sind, sondern auch nach technischen und organisatorischen Veränderungen noch gefunden, verstanden und genutzt werden können.
| Begriff | Erklärung |
|---|---|
| Repositorium | Ein Repositorium, auch Repository genannt, ist eine verwaltete technische Umgebung, in der digitale Objekte und ihre Metadaten übernommen, gespeichert, geordnet, verwaltet und bereitgestellt werden. Ein Repositorium kann Teil eines digitalen Archivs sein. Nicht jedes Repositorium erfüllt jedoch automatisch alle Anforderungen der Langzeiterhaltung. |
| Digitales Archiv oder digitales Langzeitarchiv | Ein digitales Archiv ist mehr als ein Server oder ein Speicherprogramm. Es verbindet eine verantwortliche Organisation, fachkundiges Personal, Regeln, Arbeitsabläufe und technische Systeme. Es übernimmt die Verantwortung dafür, digitale Informationen langfristig zu erhalten und für festgelegte Nutzergruppen zugänglich zu machen. Das internationale Referenzmodell Open Archival Information System (OAIS, offenes Archiv-Informationssystem) bietet hierfür einen fachlichen Rahmen.[17] |
| Ingest oder kontrollierte Übernahme | Ingest bezeichnet die kontrollierte Übernahme digitaler Dateien und Metadaten in ein Repositorium oder digitales Archiv. Dabei werden beispielsweise Vollständigkeit, Dateiformate, Metadaten und Dateiintegrität geprüft und die Übernahme dokumentiert. |
| Langzeitverfügbarkeit und digitale Langzeiterhaltung | Langzeitverfügbarkeit ist das Ziel, digitale Inhalte über technische und organisatorische Veränderungen hinweg auffindbar, lesbar, verständlich und nutzbar zu halten. Digitale Langzeiterhaltung bezeichnet die dafür notwendigen fortlaufenden Maßnahmen. Dazu können mehrere Speicherorte, regelmäßige Prüfungen, Formatüberwachung, technische Migrationen und eine nachvollziehbare Dokumentation gehören. „Langfristig“ bezeichnet dabei keine feste Zahl von Jahren, sondern einen Zeitraum, in dem mit veränderten Technologien, Formaten und Nutzungsanforderungen gerechnet werden muss.[17] |
| Datensicherung oder Backup | Ein Backup ist eine zusätzliche Sicherungskopie, aus der Dateien nach einem Verlust oder technischen Ausfall wiederhergestellt werden können. Backups sind notwendig, ersetzen aber keine Langzeiterhaltung: Sie regeln allein noch keine dauerhaften Zuständigkeiten, Metadaten, Formatüberwachung, Integritätsprüfungen oder langfristige Zugänglichkeit.[18] |
| Integrität und Authentizität | Integrität bedeutet, dass unbeabsichtigte Veränderungen oder Beschädigungen einer Datei erkannt werden können. Dafür werden häufig Prüfsummen verwendet - digitale Kontrollwerte, die regelmäßig verglichen werden. Authentizität bedeutet, dass Herkunft, Identität und Bearbeitungsgeschichte eines digitalen Objekts nachvollziehbar sind und belegt werden kann, dass es das ist, was es zu sein vorgibt. |
| Dateiformat und Datenformat | Ein Dateiformat legt den technischen Aufbau einer einzelnen Datei fest. Ein Datenformat beschreibt, wie Informationen strukturiert und zwischen Systemen ausgetauscht werden. Gut dokumentierte, verbreitete und möglichst offen beschriebene Formate erleichtern den Austausch und die langfristige Nutzung. Sie ersetzen jedoch keine aktive Langzeiterhaltung. |
Merksatz: Speichern ist nicht dasselbe wie langfristiges Erhalten. Auch ein vorhandenes Backup ist noch kein digitales Langzeitarchiv.
2.3.5 Präsentationssystem
Die folgende Tabelle erklärt, wie aus langfristig gesicherten Dateien ein digitales Kulturerbe wird, das von Menschen gefunden, verstanden und sinnvoll genutzt werden kann.
| Begriff | Erklärung |
|---|---|
| Zugänglichmachung und Präsentation | Zugänglichmachung bedeutet, dass digitale Objekte auffindbar und im rechtlich sowie technisch zulässigen Umfang abrufbar sind. Präsentation geht darüber hinaus: Inhalte werden ausgewählt, miteinander verknüpft, erklärt und für bestimmte Zielgruppen vermittelt. Dazu gehören verständliche Kontextinformationen, klare Rechteangaben, Mehrsprachigkeit und möglichst barrierearme Zugänge. Abhängig von Rechten, personenbezogenen Daten oder kulturellen Schutzbedarfen kann der Zugang offen oder eingeschränkt sein. |
| Nutzung und Nachnutzung | Nutzung umfasst beispielsweise das Betrachten, Lesen, Anhören, Erforschen oder Vermitteln eines digitalen Kulturguts. Nachnutzung bedeutet seine weitere Verwendung in einem neuen Zusammenhang, etwa in Bildung, Forschung, Publikationen, Ausstellungen, Anwendungen oder kreativen Werken. Dafür werden geeignete Dateien, verständliche Metadaten und klare Rechteinformationen benötigt. |
| Rechteinformation und Lizenz | Eine Rechteinformation beschreibt den rechtlichen Status eines digitalen Objekts und mögliche Einschränkungen seiner Nutzung. Eine Lizenz räumt durch eine dazu berechtigte Person oder Institution konkrete Nutzungsrechte ein. Ein allgemeiner Rechtehinweis ist daher nicht automatisch eine Lizenz.[19] |
| Interoperabilität | Interoperabilität bezeichnet die Fähigkeit von Systemen und Organisationen, Daten auszutauschen und in gleicher Bedeutung zu verstehen. Dafür werden gemeinsame Metadatenmodelle, Begriffe, Identifikatoren und technische Schnittstellen benötigt. So können beispielsweise Register, Repositorien, Präsentationsportale und externe Kulturplattformen miteinander verbunden werden.[20] |
Digitalisierte Inhalte entfalten ihren kulturellen und gesellschaftlichen Nutzen erst dann vollständig, wenn sie auffindbar, verständlich, rechtlich klar und für unterschiedliche Zielgruppen tatsächlich verwendbar sind.
Der folgende Abschnitt 2.4 beschreibt, wie diese Kernfunktionen innerhalb des gesamten Prozesses der Kulturerbe-Digitalisierung zusammenwirken.
2.4 Prozess der Digitalisierung von Kulturerbe
Die Digitalisierung von Kulturgut ist kein rein technischer Arbeitsschritt, sondern ein vielschichtiger, oft langfristiger Prozess, der bereits mit der Wahrnehmung und Identifikation einer kulturellen Ausdrucksform beginnt. Ziel dieses Abschnitts ist es, diesen Gesamtprozess systematisch darzustellen: von der gelebten Kultur über das identifizierte Kulturgut bis hin zur digital nutzbaren Repräsentation.
Die hier entwickelte Prozessdarstellung soll als praxisorientierter Überblick dienen für die Digitalisierung des sorbischen Kulturerbes. Sie berücksichtigt die Anforderungen sorbischer Einrichtungen ebenso wie die international etablierten Referenzmodelle und Standards, darunter:
- das OAIS-Referenzmodell (ISO 14721) für digitale Archivierung[21],
- das DCC Curation Lifecycle Model für kuratorische Entscheidungsprozesse[22],
- das Spectrum-Modell für museale Objektverwaltung[23],
- die UNESCO-Leitlinien zur Inventarisierung immateriellen Kulturerbes[24],
- sowie technische Vorgaben wie die DFG-Praxisregeln Digitalisierung[25] und die FADGI-Richtlinien[26].
In der Folge soll der „Lebenslauf“ eines Kulturguts dargestellt werden, also der Weg, den ein Objekt oder eine kulturelle Praxis vom Zeitpunkt der Entstehung über die Erfassung, Digitalisierung und Archivierung bis zur Veröffentlichung in einem digitalen Präsentationsmodul durchläuft. Hierfür erläutert der folgende Abschnitt die einzelnen Prozessschritte im Detail, jeweils mit Akteuren und Beispielen.
2.4.1 Vorüberlegungen zum Prozess
Im hier vorgestellten Prozess wird auf eine harte, systematische Filterung verzichtet, welche kulturellen Ausdrucksformen „nur“ Kultur und welche bereits Kulturgut sind. Ein solcher Bewertungs- und Abgrenzungsprozess wäre ressourcenintensiv und würde den vorhandenen Kapazitäten in den beteiligten Einrichtungen nicht entsprechen. Stattdessen folgt das Konzept einer inklusiven Logik: Alle dokumentierten Ausdrucksformen werden zunächst als potenzielle Kulturgüter erfasst. Eine feinere Auswahl und Priorisierung erfolgen erst in einem späteren Schritt, nämlich dann, wenn konkret entschieden wird, welche Ausdrucksformen bzw. Kulturgüter in welcher Tiefe digitalisiert, archiviert und präsentiert werden sollen.
Dieses Vorgehen schließt an das SKR-Konzept an, das bewusst auf eine frühe normative Trennung zwischen „kultureller Ausdrucksform“ und „Kulturgut“ verzichtet. Auch hier steht zunächst der möglichst vollständige, strukturierte Überblick über die sorbischen Kulturgüter im Vordergrund. Die differenzierte Bewertung und Schwerpunktsetzung werden als anschließende fachliche Aufgabe verstanden.
2.4.2 Prozessschritte im Detail
Das folgende Diagramm gibt einen Überblick über die sechs Kernschritte des Gesamtprozesses der Digitalisierung von Kulturgut – von der ersten Wahrnehmung einer kulturellen Ausdrucksform bis zu ihrer digitalen Präsentation als Kulturgut. Die Abfolge zeigt zugleich die Entwicklungsstufen: von gelebter Kultur zur kulturellen Ausdrucksform, von dort zum Kulturgut und schließlich zum digitalen Kulturgut. Die Schritte sind als generischer Ablauf zu verstehen: Je nach Art des Kulturguts können einzelne Tätigkeiten unterschiedlich aufwendig sein oder parallel erfolgen.
Der Prozess zeigt, dass Digitalisierung von Kulturgut mehr ist als das Erstellen digitaler Dateien. Sie umfasst eine Reihe aufeinander bezogener Schritte – von der ersten Wahrnehmung einer kulturellen Ausdrucksform über ihre Erfassung, Bewertung und Digitalisierung bis hin zur langfristigen Sicherung und Präsentation. Dabei sind je nach Schritt unterschiedliche Akteure beteiligt, etwa Gemeinschaften, Museen, Archive, Fachgremien, Digitalisierungsstellen oder IT. Die folgenden Beschreibungen erläutern diese Schritte so, dass nachvollziehbar wird, was jeweils mit einem Kulturgut geschieht, wer daran beteiligt ist und wie sich der Ablauf in der Praxis vorstellen lässt.
1. Sammeln & erfassen
Hier wird eine kulturelle Ausdrucksform erstmals wahrgenommen, benannt und mit ersten Informationen erfasst: Was ist es, wer macht es oder hat es geschaffen, wo kommt es vor, warum ist es bedeutsam für die Gemeinschaft?
Akteure: Community, Vereine, Museen, Archive, Forschende, Privatpersonen.
Beispiel: Auf einem Dorffest zeigt eine Frau das Verzieren sorbischer Ostereier. Jemand fotografiert dies und notiert Technik, Ort und Namen.
2. Registrieren & beschreiben
Hier wird aus der ersten Beobachtung ein strukturierter Nachweis. Das Kulturgut oder die kulturelle Ausdrucksform wird in ein Register, eine Sammlung oder einen Katalog aufgenommen und mit strukturierten Metadaten beschrieben, damit es wiedergefunden, zugeordnet und verstanden werden kann. Dazu gehören z. B. Titel, Ort, Zeit, Technik, Funktion, beteiligte Personen und der kulturelle Kontext.
Akteure: Registerverantwortliche, Kurator:innen, Sammlungsmitarbeitende, Community für Kontextinformationen.
Beispiel: Das Osterei erhält einen Eintrag mit Angaben wie „Wachsbatik“, „Schleife“, „Osterei-Verzierung“, Name der Trägerin und Entstehungsjahr.
3. Bewerten & freigeben
In diesem Schritt wird entschieden, ob und in welcher Priorität ein Kulturgut oder die kulturelle Ausdrucksform digitalisiert werden soll und ob dies rechtlich und ethisch möglich ist. Dabei spielen fachliche Kriterien wie Bedeutung, Repräsentativität, Seltenheit oder Gefährdung eine Rolle, aber auch Fragen des Urheberrechts, Datenschutzes und möglicher kultureller Sensibilitäten. Am Ende steht eine begründete Entscheidung, ob und in welchem Umfang das Kulturgut weiterbearbeitet und später veröffentlicht werden darf.
Akteure: Kurator:innen, Fachgremien, Community-Vertretungen, Register/SKR, ggf. Rechteverantwortliche und Behörden.
Beispiel: Es wird entschieden, dass die Osterei-Technik wegen ihrer Bedeutung für die sorbische Identität digital gesichert werden soll; die Kunsthandwerkerin stimmt der Veröffentlichung zu.
4. Digitalisieren & prüfen
Nun wird das Kulturgut technisch erfasst, also in eine digitale Form überführt. Das kann je nach Objektart durch Scan, Fotografie, Audio- oder Videoaufnahme oder 3D-Erfassung geschehen. Dabei entstehen hochwertige Master-Dateien und nutzbare Derivate. Die Digitalisierung folgt qualifizierten Standards, um Reproduzierbarkeit, Farbkonsistenz und Nutzbarkeit zu gewährleisten. Anschließend wird geprüft, ob Schärfe, Farbe, Vollständigkeit und Dateiformate den Anforderungen für Archivierung und Nutzung entsprechen.
Akteure: Digitalisierungszentrum, Foto-/AV-/3D-Spezialist:innen, externe Dienstleister bei Spezialfällen.
Beispiel: Das Osterei wird fotografisch hochauflösend aufgenommen und zusätzlich als 3D-Modell erfasst. Danach werden Schärfe, Farbe und Dateiformate geprüft.
5. Archivieren & sichern
Die entstandenen digitalen Dateien werden geordnet abgelegt, mit den zugehörigen Metadaten verknüpft und für die langfristige Erhaltung gesichert. Dazu gehören sichere Speicherorte, Backups, Integritätskontrollen und – wenn nötig – spätere technische Migration auf neue Systeme. Ziel ist, dass das digitale Kulturgut langfristig erhalten bleibt, auch wenn sich Technik und Formate verändern. Das Original bleibt in der Regel weiterhin am Sammlungs- oder Aufbewahrungsort.
Akteure: Archiv, Repository, IT-Betrieb, ggf. Sorbisches Kulturarchiv bzw. Digitalisierungszentrum.
Beispiel: Die Bilder und das 3D-Modell des Ostereis werden auf gesicherten Servern gespeichert; das Original bleibt im Museum oder bei der Eigentümerin.
6. Präsentieren & nutzen
Im letzten Schritt werden die digitalen Objekte so bereitgestellt, dass sie gefunden, verstanden und genutzt werden können, z. B. in Portalen, digitalen Sammlungen oder virtuellen Ausstellungen. Dafür reicht es nicht, nur Dateien anzuzeigen: Es braucht auch verständliche Kontexte, Rechteangaben, Mehrsprachigkeit und möglichst barrierearme Zugänge. So wird aus der technischen Digitalisierung eine tatsächliche kulturelle Nutzung.
Akteure: Kurator:innen, Vermittlung, Web/IT, Museen, Kulturinformationen, Community.
Beispiel: Das Osterei erscheint in einer Online-Ausstellung, kann herangezoomt oder als 3D-Modell gedreht werden und wird mit einem kurzen Text zur Technik erklärt.
2.4.3 Organisatorische Perspektive
Die folgende Abbildung ist entnommen aus einem Poster des Sorbischen Instituts zu dessen Digitalisierungsstrategie, gefunden auf der Projektseite des Digitalisierungszentrums.[28] Die Digitalisierungsstrategie des Sorbischen Instituts zeigt die Erfassung, Registrierung, Digitalisierung und Archivierung bis zur Präsentation von Kulturgütern aus organisatorischer Sicht. Sie basiert auf einem 3-Säulen-Modell aus Kulturregister, Digitalisierungszentrum und Präsentationsumgebung.
Beide Sichtweisen - die fachliche "Prozess-Sicht" und die "organisatorische Sicht" lassen sich wie folgt in einer Darstellung zusammenfassen:
Der "Prozess der Digitalisierung von Kulturerbe" beschreibt, was mit einem Kulturgut geschieht; das 3-Säulen-Modell zeigt, wo diese Aufgaben organisatorisch verortet sind. Bezogen auf die oben beschriebenen Prozessschritte der Digitalisierung von Kulturerbe steht das Sorbische Kulturregister für den Prozessschritt „2. Registrieren“ und dient dabei vor allem der Verzeichnung und Metadatenverwaltung. Das Digitalisierungszentrum steht für die Prozessschritte „4. Digitalisieren“ und „5. Archivieren“ und dient dabei der technischen Erfassung, Bearbeitung und Sicherung der Digitalisate. Die Präsentationsumgebung steht für den Schritt „6. Präsentieren“ und dient der öffentlichen oder kuratierten Bereitstellung zur Nutzung. Ergänzende Konzepte des SI machen dabei deutlich, dass die Digitalisierung im Regelfall eine vorherige Verzeichnung im Register voraussetzt.
| Prozessschritt | Verantwortliche Organisation | Funktion im Gesamtsystem |
|---|---|---|
| 2. Registrieren | Sorbisches Kulturregister | Kulturgüter werden als Entitäten nachgewiesen, beschrieben, mit Metadaten versehen und miteinander verknüpft. Das Register erfüllt damit eine katalogähnliche Funktion: Es macht sichtbar, welche Kulturgüter es gibt, wo sie sich befinden und in welchem Kontext sie stehen. |
| 4. Digitalisieren | Digitalisierungszentrum | Kulturgüter werden technisch erfasst, z. B. durch Scan, Fotografie, Audio-/Videoübertragung oder 3D-Erfassung. Das Digitalisierungszentrum erzeugt und prüft die Digitalisate, ist aber nicht selbst primär ein Präsentationssystem. |
| 5. Archivieren | Digitalisierungszentrum / Repositorium / Archiv | Die digitalen Dateien werden geordnet gespeichert, mit Metadaten verbunden und langfristig gesichert. Dazu gehört auch die Sicherstellung der Langzeitaufbewahrung, etwa durch geeignete Speicherorte, Prüfroutinen und spätere Migrationen. |
| 6. Präsentieren | Sorabicon / weitere Präsentationsumgebungen | Die digitalen Inhalte werden für Nutzer:innen sichtbar, erfahrbar und verständlich gemacht, z. B. in Portalen, digitalen Sammlungen oder virtuellen Ausstellungen. Die Präsentation greift dafür auf Metadaten aus dem Register und auf Digitalisate aus dem Repositorium bzw. dem Digitalisierungszentrum zurück. |
Der Schritt 1. Sammeln liegt vor diesen drei Säulen. Er betrifft die Sammlungsorte selbst, also z. B. Museen, Archive, Heimatstuben, Vereine, Projekte, Gemeinden oder Privatpersonen. Dort entstehen oder befinden sich die Kulturgüter zunächst, bevor sie systematisch registriert, bewertet oder digitalisiert werden.
Der Schritt 3. Bewerten ist ebenfalls keine eigene technische Säule, sondern ein steuernder Entscheidungsschritt. In ihm wird geklärt, welche Kulturgüter priorisiert digitalisiert werden, welche fachliche Bedeutung sie haben, welche Rechte zu beachten sind und ob eine öffentliche Präsentation möglich ist.
Damit wird deutlich: Register, Digitalisierungszentrum und Präsentation erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Das Register beschreibt und verknüpft Kulturgüter, das Digitalisierungszentrum erzeugt und sichert Digitalisate und die Präsentationsumgebung macht ausgewählte Inhalte verständlich zugänglich. Gerade diese Trennung schafft klare Zuständigkeiten und erleichtert die Zusammenarbeit zwischen Sammlungsorten, Fachstellen, technischen Dienstleistern und Öffentlichkeit.
2.5 Beispiele anderer Kulturen
Die Digitalisierung des Kulturerbes kleiner, autochthoner, indigener und sprachlicher Gemeinschaften weist häufig vergleichbare Herausforderungen auf: Kulturgüter und Bestände sind auf viele Institutionen, Vereine, lokale Einrichtungen und private Träger verteilt. Personelle und finanzielle Ressourcen sind begrenzt, mehrere Sprachen und Beschreibungstraditionen müssen berücksichtigt werden und nicht alle kulturellen Inhalte dürfen oder sollen ohne Einschränkung öffentlich zugänglich gemacht werden.
In einer vergleichenden Recherche wurde daher untersucht, wie andere Gemeinschaften und Regionen ihr Kulturerbe erfassen, beschreiben, digitalisieren, langfristig sichern und zur Nutzung bereitstellen. Dabei wurde nicht nach einer universell „idealen“ technischen Lösung gesucht. Untersucht wurde vielmehr, welche organisatorischen, technischen, rechtlichen und gemeinschaftlichen Modelle unter welchen Rahmenbedingungen funktionieren, welche Schwierigkeiten auftreten und welche übertragbaren Erfolgsfaktoren erkennbar sind.
Die nachfolgenden Beispiele verdeutlichen unterschiedliche Schwerpunkte: gemeinschaftliche Steuerung, institutionsübergreifende Register und Suchsysteme, Digitalisierung verteilter Bestände, Sprach- und Tonarchive, abgestufte Zugänge, Unterstützung kleiner Kulturgutträger sowie die Überführung zeitlich begrenzter Projekte in einen dauerhaften Betrieb.
Die daraus abgeleiteten Kriterien bilden einen Referenzrahmen. Anhand dieses Referenzrahmens kann in einer späteren Ist-Analyse geprüft werden, welche Funktionen bereits vorhanden, nur konzeptionell beschrieben, in Pilotprojekten erprobt oder dauerhaft im Regelbetrieb verankert sind.
Die ausführlichen Fallprofile, Vergleichsmatrizen, Quellen sowie ein Hinweis zur KI-gestützten Erstellung befinden sich in der ausführlichen Vergleichsrecherche.
2.5.1 RomArchive – Digitales Archiv der Roma
Roma und Sinti sind eine transnationale Minderheit, die in zahlreichen europäischen Staaten lebt. RomArchive wurde von 2015 bis 2019 mit 3,75 Millionen Euro durch die Kulturstiftung des Bundes gefördert. Weitere Unterstützer waren unter anderem die Bundeszentrale für politische Bildung, das Auswärtige Amt und das Goethe-Institut. Seit 2019 wird das Archiv durch das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg betrieben.[30]
Das Archiv präsentiert Kunst, Geschichte und Kultur aus der Perspektive der Roma. Kuratorische Teams und Beirat waren überwiegend mit Angehörigen der Minderheit besetzt. Neben öffentlich zugänglichen Inhalten existiert ein internes Archiv mit beschränktem Forschungszugang. Besonders lehrreich ist der bereits zu Projektbeginn geplante und später tatsächlich vollzogene Übergang an einen dauerhaften Betreiber.
Erfolgsfaktoren und Learnings:
- Angehörige der Gemeinschaft sollten nicht nur Inhalte zuliefern, sondern festgelegte Entscheidungsrechte bei Auswahl, Beschreibung, Kontextualisierung und Zugangsregeln besitzen.
- Bereits zu Beginn einer Projektphase verbindlich klären, welche Institution das Register, Archiv oder Portal nach dem Ende der Förderung dauerhaft betreibt, pflegt und finanziert.
2.5.2 Nuohtti – Zugang zum Sámi-Kulturerbe
Die Sámi sind ein indigenes Volk im nordeuropäischen Sápmi, das sich über Teile Norwegens, Schwedens, Finnlands und Russlands erstreckt. Viele historische Sámi-Materialien befinden sich außerhalb der Sámi-Institutionen in europäischen Archiven und Museen.
Nuohtti ist ein gemeinsamer Suchdienst für digitalisierte Sámi-Materialien. Er wurde von 2018 bis 2021 mit Mitteln des Programms Interreg Nord der EU (Europäische Union) entwickelt. Beteiligt waren unter anderem die Sámi-Archive der finnischen und norwegischen Nationalarchive, das schwedische Reichsarchiv und mehrere Universitäten. Die Sámi-Parlamente Finnlands, Norwegens und Schwedens waren in der Steuerungsgruppe vertreten. Der Dienst führte nach Projektangaben etwa 30.000 Datensätze aus 32 Institutionen zusammen.[31]
Nuohtti übernimmt nicht alle Bestände in ein einziges System. Stattdessen werden Metadaten, also strukturierte Beschreibungsdaten zu Objekten und Beständen, aus vorhandenen Einrichtungen zusammengeführt und mit mehrsprachiger Suche, Karte und Zeitleiste zugänglich gemacht. Ethische Hinweise machen darauf aufmerksam, dass viele Bestände unter historischen und teilweise kolonialen Bedingungen gesammelt und beschrieben wurden.
Erfolgsfaktoren und Learnings:
- Ein gemeinsamer Zugang kann auch mit dezentraler Architektur der Bestände erfolgen – Originale, Dateien und Fachsysteme können beim Kulturgutträger verbleiben.
- Ein Register für Kulturdaten kann als übergreifende Nachweisschicht arbeiten: Größere Einrichtungen liefern Daten über technische Schnittstellen, während kleine Träger zentrale oder gemeinsam bereitgestellte Erfassungsdienste nutzen können.
- Historische Fremdbeschreibungen sollten ergänzt werden durch Selbstbezeichnungen, eigene Sprachformen, alternative Benennungen und Kontexte der betreffenden Gemeinschaft.
2.5.3 People’s Collection Wales / Casgliad y Werin Cymru
Wales ist ein Landesteil des Vereinigten Königreichs mit einer eigenständigen nationalen und walisischsprachigen Identität. People’s Collection Wales ist eine zweisprachige Plattform für institutionelles und gemeinschaftlich getragenes Kulturerbe. Sie wird als Verbund der National Library of Wales, des National Museum Wales und der Royal Commission on the Ancient and Historical Monuments of Wales betrieben und durch die walisische Regierung finanziert.
Neben der technischen Plattform werden kostenlose Beratung und Schulungen zu Digitalisierung, Metadaten, Urheberrecht, Datenschutz und Oral History, also mündlich überlieferter und aufgezeichneter Geschichte, angeboten. Eine unabhängige Evaluation stellte Fortschritte bei der Zusammenarbeit und beim Kompetenzaufbau fest, benannte aber auch begrenzte Wirkungsnachweise, Finanzierungsrisiken und den hohen Personalaufwand für die Unterstützung der beteiligten Gemeinschaften.[32]
Erfolgsfaktoren und Learnings:
- Kleine und ehrenamtlich betreute Sammlungen benötigen nicht nur technische Standards, sondern konkrete und dauerhaft verfügbare Dienstleistungen: Erstberatung, Schulung, Vorlagen, Unterstützung bei Rechtefragen, Qualitätskontrolle und persönliche Ansprechpartner.
- Ein Digitalisierungszentrum oder ein Verbund koordinierter Digitalisierungsdienste sollte daher als Service- und Kompetenzstruktur ausgestaltet werden und nicht lediglich als technische Produktionsstelle.
- Der dafür notwendige Beratungs- und Unterstützungsaufwand muss als dauerhafte Betriebsaufgabe eingeplant werden.
2.5.4 Tobar an Dualchais / Kist o Riches
Schottisch-Gälisch ist eine Minderheitensprache, die vor allem in den Highlands und auf den schottischen Inseln gesprochen wird. Tobar an Dualchais macht mehr als 40.000 seit den 1930er Jahren entstandene Tonaufnahmen zugänglich. Die Bestände umfassen Erzählungen, Lieder, Musik, Gedichte und mündlich überliefertes Wissen auf Gälisch, Scots und Englisch. Ein bedeutender Teil der Originalbestände wird in den School of Scottish Studies Archives der Universität Edinburgh verwahrt.[33]
Die Digitalisierung wird mit Verschriftlichung beziehungsweise Transkription, sprachlicher Erschließung, Freiwilligenarbeit und teilweise automatischer Spracherkennung verbunden. Das Projekt erhält wiederkehrende öffentliche Förderungen, muss Rechteklärung, Transkription und technische Weiterentwicklung jedoch dauerhaft fortsetzen.
Erfolgsfaktoren und Learnings:
- Gefährdete Ton-, Film- und Videobestände müssen wegen Materialverfall, beschädigungsanfälliger Trägermaterialien und nicht mehr verfügbarer Wiedergabetechnik zeitlich priorisiert werden.
- Ein geeignetes Pilotprojekt kann Digitalisierung, Rechteklärung, Verschriftlichung, Übersetzung, Metadatenerfassung, Archivierung und Bildungsnutzung entlang einer vollständigen Prozesskette verbinden.
- Dadurch werden nicht nur einzelne Dateien erzeugt, sondern zugleich die notwendigen Standards, Zuständigkeiten und Aufwände erprobt.
2.5.5 Euskariana – Portal zum baskischen Kulturerbe
Die Baskinnen und Basken leben in Gebieten Spaniens und Frankreichs. Euskariana ist das staatlich betriebene Kulturportal der Autonomen Gemeinschaft Baskenland in Spanien. Es wird durch die Digitale Bibliothek Euskadi betrieben und verbindet Daten der baskischen Regierung, der Provinzen, Kommunen, Universitäten sowie öffentlicher, kirchlicher und privater Einrichtungen.
Das Portal ist zugleich gemeinsamer Katalog und Zugang zu digitalen Objekten. Es kann Inhalte über ein eigenes Repositorium, also ein institutionell betriebenes digitales Ablage- und Erhaltungssystem, bereitstellen oder zu den Systemen der Partner verlinken. Verwendet werden internationale Standards wie Dublin Core als allgemeiner Metadatenstandard, METS (Metadata Encoding and Transmission Standard) zur Strukturierung und Übertragung digitaler Objekte, PREMIS (Preservation Metadata: Implementation Strategies) für Metadaten zur digitalen Langzeiterhaltung und ALTO (Analyzed Layout and Text Object) für erkannte Texte und Seitenlayouts. Die standardisierten Daten können unter anderem an Europeana weitergegeben werden.[34]
Erfolgsfaktoren und Learnings:
- Unterschiedliche Kulturgutträger benötigen unterschiedliche Anschlussmöglichkeiten.
- Kleine Einrichtungen sollten Daten und gegebenenfalls Dateien in zentral bereitgestellten Diensten erfassen und verwalten können.
- Größere Institutionen sollten ihre vorhandenen Systeme über Datenexporte oder Programmierschnittstellen anbinden können.
- Dafür ist ein gemeinsamer, bewusst schlank gehaltener Metadatenkern erforderlich, der durch fach- und institutionsspezifische Angaben erweitert werden kann.
2.5.6 Mukurtu und Plateau Peoples’ Web Portal
Mukurtu ist eine frei verfügbare Software für die gemeinschaftlich kontrollierte Verwaltung digitalen indigenen Kulturerbes. Das Plateau Peoples’ Web Portal verbindet acht indigene Nationen des nordwestlichen Plateaus der USA mit der Washington State University und mehreren Museen und Archiven. Stammesvertreter wählen und beschreiben die Inhalte; die Universität übernimmt wesentliche technische Betriebsaufgaben.
Mukurtu ermöglicht kulturelle Protokolle, also gemeinschaftlich festgelegte Regeln für Zugang und Nutzung, Traditional Knowledge Labels als Kennzeichnungen für überliefertes gemeinschaftliches Wissen sowie mehrere Beschreibungen zu demselben Objekt. Dadurch kann neben einer institutionellen Museumsbeschreibung eine Beschreibung der Herkunftsgemeinschaft stehen. Zugänge können von vollständig öffentlich bis streng beschränkt reichen. Mukurtu weist ausdrücklich darauf hin, dass die Plattform vor allem dem Zugang und der gemeinschaftlichen Verwaltung dient und ein gesondertes Konzept für Digitalisierung, Langzeiterhaltung, Personal und Finanzierung erforderlich bleibt.[35]
Erfolgsfaktoren und Learnings:
- Rechte und kulturelle Sensibilität müssen als Bestandteil des Datenmodells behandelt werden und dürfen nicht erst unmittelbar vor einer Veröffentlichung geprüft werden.
- Sinnvoll sind abgestufte Kategorien wie
- „nur Metadaten öffentlich“,
- „öffentliches Nutzungsdigitalisat“,
- „Zugang nach Rücksprache“,
- „beschränkter Gemeinschafts- oder Forschungszugang“,
- „zeitlich gesperrt“ und
- „nicht zugänglich“.
- Mehrere Beschreibungen zu demselben Objekt ermöglichen es außerdem, institutionelle Überlieferung und Selbstbeschreibung nebeneinander nachvollziehbar zu dokumentieren.
2.5.7 Indigitization – zentrale Unterstützung für dezentrale Digitalisierung
Indigitization unterstützt First Nations und weitere indigene Gemeinschaften in British Columbia in Kanada. Das Programm wird gemeinsam von indigenen Organisationen, Bibliotheken, Archiven und Hochschulen getragen. Es stellt einen Werkzeugkasten, Schulungen, Musterunterlagen, technische Beratung und Förderhilfen bereit.
Von 2013 bis 2019 wurden drei Pilotprojekte und 45 weitere Projekte gefördert. Dabei wurden mehr als 11.000 Audiokassetten digitalisiert. Die Digitalisierung erfolgte in den Gemeinschaften; eine allgemeine Veröffentlichung war nicht zwingend. Das frühere Förderprogramm für Audiokassetten befindet sich inzwischen allerdings in einer Pause.[36]
Erfolgsfaktoren und Learnings:
- Zentral bereitgestellte Kompetenz lässt sich mit dezentraler Verantwortung verbinden.
- Ein Digitalisierungszentrum oder ein Verbund gemeinsamer Dienste kann Schulungen, Leih- und Mobiltechnik, Qualitätsprüfung, Rahmenverträge, Musterunterlagen, Beratung und Kleinprojektförderung anbieten.
- Originale, lokales Wissen und kulturelle Beziehungen können grundsätzlich bei den jeweiligen Kulturgutträgern verbleiben.
- Damit nach Abschluss einzelner Digitalisierungsprojekte keine ungesicherten Dateien zurückbleiben, sollte jedoch von Beginn an ein gemeinsames oder verbindlich angebundenes Repositorium beziehungsweise digitales Archiv vorgesehen werden.
2.5.8 Zusammenfassungen der Beispiele anderer Kulturen im Anhang
Tabellarische Übersichten und Zusammenfassungen aller untersuchten Beispiele anderer Kulturen und Regionen befinden sich im Anhang in Abschnitt E. Vergleichsmatrix unter
- E.1 Funktionen, Architektur und Standards und
- E.2 Governance, Finanzierung, Erfolg und Übertragbarkeit.
Eine Zusammenfassung der übergreifenden Erfolgsfaktoren aus den Beispielen befindet sich im Anhang in Abschnitt F. Übergreifende Erfolgsfaktoren.
2.5.9 Was sich aus den Beispielen ableiten lässt
Aus den untersuchten Beispielen lässt sich kein einzelnes Projekt und kein bestimmtes Softwaresystem ableiten, das unverändert übernommen werden könnte. Wiederkehrend zeigen sich jedoch vier notwendige Funktionen, drei übergreifende Erfolgsbedingungen und zwei grundlegende Umsetzungsprinzipien. Sie bilden einen kompakten Orientierungsrahmen für die Digitalisierung von Kulturerbe.
Vier Kernfunktionen – was muss dauerhaft geleistet werden?
Damit die Digitalisierung nicht bei einzelnen Digitalisaten oder einem Präsentationsportal stehen bleibt, müssen vier Kernfunktionen verlässlich abgedeckt und miteinander verbunden werden:
| Kernfunktion | Kernfrage |
|---|---|
| 1. Register für Kulturdaten | Was ist vorhanden und was sollte prioritär bearbeitet werden? – Kulturgüter und Bestände nachweisen, beschreiben, verknüpfen und ihren Digitalisierungs- und Rechtezustand erfassen. |
| 2. Digitalisierungszentrum / Digitalisierungsdienste | Wie wird qualitätsgesichert digitalisiert? – Kulturgutträger beraten, Digitalisierung vorbereiten oder durchführen, Qualität sichern und die Übergabe vorbereiten. |
| 3. Repositorium / digitales Langzeitarchiv | Wie bleibt das digitale Kulturerbe dauerhaft erhalten? – Masterdateien und Metadaten sicher übernehmen, erhalten, sichern und bei technischen Veränderungen migrieren. |
| 4. Präsentations- und Nutzungssysteme | Wie wird das Kulturerbe gefunden, verstanden und genutzt? – freigegebene Inhalte mehrsprachig vermitteln und für Bildung, Forschung und kulturelle Nachnutzung bereitstellen. |
Die vier Funktionen bedeuten nicht zwingend vier Einrichtungen oder vier technische Systeme. Entscheidend ist, dass alle Funktionen abgedeckt, ihre Zuständigkeiten geklärt und ihre Übergaben zuverlässig organisiert sind.
Drei Erfolgsbedingungen – was gilt für alle Kernfunktionen?
- Gemeinsam entscheiden und Rechte abgestuft regeln:
- Angehörige der betreffenden Gemeinschaft und die Kulturgutträger sollten nachvollziehbare Entscheidungsrechte bei Auswahl, Beschreibung, Priorisierung und Veröffentlichung besitzen.
- Zugänge sollten abgestuft sein, beispielsweise auch "ausschließlich Metadaten", "Zugang nach Rücksprache" oder "beschränkte Gemeinschafts- und Forschungszugänge" ermöglichen.
- Rechtliche Zulässigkeit und kulturelle Angemessenheit sind dabei getrennt zu betrachten.
- Selbstbezeichnungen und eigene kulturelle Perspektiven sollten historische Fremdbeschreibungen ergänzen können.
- Gemeinsame Standards, Mehrsprachigkeit und technische Anschlussfähigkeit sichern:
- Ein bewusst schlanker gemeinsamer Metadatenkern, Qualitätsstandards und geregelte Datenübergaben ermöglichen die Zusammenarbeit unterschiedlicher Einrichtungen. Zusätzlich können fach- oder institutionsspezifische Metadatensätze genutzt werden.
- Sprachen und Sprachvarianten müssen als eigenständige Datenwerte berücksichtigt werden, bspw. bei Metadaten, Beschreibungen usw.
- Kleine Träger benötigen einfache zentrale Erfassungsmöglichkeiten, z. B. per Weboberfläche, größere Institutionen Schnittstellen oder Datenexporte aus ihren vorhandenen Systemen.
- Dauerhafte Verantwortung und Finanzierung sichern:
- Bereits beim Aufbau muss feststehen, wer Register, Digitalisierungsdienste, Repositorium und Präsentationssystem nach einer Projektförderung dauerhaft betreibt.
- Neben einmaligen Projektmitteln müssen deshalb auch Personal, Beratung, Datenpflege, Speicher, Softwarepflege, Sicherung und spätere technische Erneuerungen dauerhaft finanziert werden.
Zwei Umsetzungsprinzipien – wie sollte vorgegangen werden?
- Priorisieren, die vollständige Kette pilotieren, dann skalieren:
- Nicht alles muss gleichzeitig digitalisiert werden. Besonders gefährdete oder kulturell bedeutsame Bestände sollten priorisiert werden.
- Pilotprojekte sollten möglichst den gesamten Weg von der Erfassung und Rechteklärung über die Digitalisierung bis zur Archivierung und Nutzung durchlaufen. Dabei werden Standards, Zuständigkeiten, Kosten und tatsächliche Nutzung erprobt.
- Erst auf dieser Grundlage sollte in größerem Umfang skaliert werden.
- Zentral ermöglichen, dezentral verantworten:
- Zentrale Stellen können Infrastruktur, Beratung, Schulung, Digitalisierungstechnik, Qualitätskontrolle, Rechtehilfe und Langzeiterhaltung bereitstellen.
- Originale, lokales Wissen, kulturelle Beziehungen und wesentliche inhaltliche Entscheidungen können gleichzeitig bei den jeweiligen Kulturgutträgern verbleiben.
- Zentralisierung von Diensten und dezentrale kulturelle Verantwortung sind damit keine Gegensätze, sondern können sich gegenseitig ergänzen.
Für die Reihenfolge ergibt sich daraus:
- Zuerst Entscheidungsrechte, Standards, Betreiber und Finanzierung ausreichend klären;
- anschließend mit ausgewählten Beständen die vollständige Prozesskette erproben und die Unterstützungsstrukturen aufbauen;
- auf dieser Grundlage Digitalisierung, Präsentation und Nachnutzung schrittweise verbreitern.
Präsentation und Nutzung sind dabei nicht von geringerer Bedeutung und sollten bereits Bestandteil der Pilotprojekte sein. Später erfolgt nicht die Nutzung selbst, sondern deren breiter Ausbau.
Weiterführende Hinweise und Empfehlungen zu einem möglichen Vorgehen sowie zeitlichen und inhaltlichen Prioritäten befinden sich im Anhang im Abschnitt "Priorisierte Schlussfolgerung" von G2 bis G9.
Ein ausführliches Prüfraster zur Bewertung des jeweiligen Entwicklungsstandes befindet sich im Anhang 2 "Prüfraster zur Bewertung des Entwicklungsstandes".
3. Ist-Analyse der Digitalisierung des sorbischen Kulturerbes
Der vorangegangene Abschnitt 2 hat beschrieben, was zur Digitalisierung von Kulturerbe gehört, welche Aufgaben dabei dauerhaft erfüllt werden müssen und wie andere Gemeinschaften und Regionen diese Aufgaben lösen. Der Abschnitt 3 richtet nun den Blick auf die sorbische Situation. Er geht der Frage nach, wie gut die sorbische Kulturerbelandschaft heute organisatorisch, technisch und personell aufgestellt ist, um ihr materielles, immaterielles und digitales Kulturerbe institutionsübergreifend zu erfassen, zu digitalisieren, dauerhaft zu erhalten und zugänglich zu machen – und wo vorrangiger Handlungsbedarf besteht.
Die Analyse gliedert sich in fünf Teile:
- Akteure und Rollen: Wer bewahrt sorbisches Kulturerbe und welche Aufgaben übernehmen die Akteure bei seiner Digitalisierung (Sammeln, Finanzieren, Koordinieren usw.)?
- Bestände und Bedarfe: Welche Kulturgüter gibt es, wie weit sind sie erfasst und digitalisiert, welche müssen vorrangig gesichert werden und welche Unterstützung brauchen ihre Träger?
- Vorhaben Systeme und Dienste: Welche Angebote decken die vier Kernfunktionen Erfassen, Digitalisieren, langfristig Erhalten und Zugänglichmachen heute ab, und welche sind im Aufbau oder geplant?
- Zusammenarbeit und dauerhafter Betrieb: Wie sind die Steuerung und Zusammenarbeit (Governance) organisiert (Zuständigkeiten, Standards, Rechte und Finanzierung)?
- Gesamtbewertung: Was funktioniert bereits, wo gibt es Lücken und welche davon sollten zuerst geschlossen werden?
Die Analyse stellt dabei den Bedarf der Bestände dem vorhandenen Angebot an Diensten und dem organisatorischen Rahmen gegenüber. Wo beides auseinanderfällt, entstehen Lücken, siehe nachfolgende Übersicht.
3.1 Akteure und Rollen
Sorbisches Kulturerbe wird von vielen Einrichtungen, Gruppen und Einzelpersonen bewahrt, gepflegt und dokumentiert – von sorbischen ebenso wie von nicht-sorbischen. Dieser Abschnitt zeigt, wer Bestände hält, wer Dienste zur Digitalisierung anbietet und wer den organisatorischen und finanziellen Rahmen gestaltet. Damit wird auch sichtbar, welche Aufgaben bislang von keinem Akteur erkennbar übernommen werden.
Grundlage sind Arbeitsunterlagen der Domowina aus den Jahren 2019 und 2020[38][39][40], eine darauf aufbauende Arbeitsliste der Sammlungsorte mit ergänzender Internetrecherche[41], das Konzept des Sorbischen Instituts zum Digitalisierungszentrum[42], Rückmeldungen der Museen und der Domowina aus dem April 2026 sowie das Protokoll des Digitalisierungskreises vom 21.04.2026[43]. Ein Teil der Angaben ist mehrere Jahre alt und wird schrittweise aktualisiert. Nicht belegte Angaben sind als offen, Vermutungen als Annahme gekennzeichnet.
3.1.1 Begriffe und Rollen
- Akteur
- Einrichtung, Gruppe oder Person, die eine Aufgabe im Umgang mit sorbischem Kulturerbe oder seiner Digitalisierung übernimmt.
- Kulturgutträger
- Akteur, der Kulturgüter verwahrt oder eine kulturelle Praxis trägt und weitergibt, bspw. ein Museum, eine Heimatstube, ein Chor oder eine Privatperson mit einer Sammlung.
- Trägerschaft
- Rechtliche und finanzielle Verantwortung für eine Einrichtung, zum Beispiel durch eine Kommune, einen Landkreis, eine Stiftung, einen Verein, eine Kirche oder eine Privatperson. Eigentum und Betrieb können dabei auseinanderfallen, bspw. gehörte der Dom Njechorńskeho 2019 der Domowina und wurde von der Stiftung für das sorbische Volk bewirtschaftet, der Hanzo Šustrowy dom in Trebendorf gehörte der Gemeinde und wurde von der örtlichen Domowina-Gruppe bewirtschaftet.[39]
- Rolle
- Aufgabe, die ein Akteur übernimmt. Ein Akteur kann mehrere Rollen haben, unterschieden werden Haupt- und Nebenrollen.
Die Rollen lassen sich drei Gruppen zuordnen:
| Gruppe | Rolle | Kürzel |
|---|---|---|
| Am Kulturgut | Bewahren: Originale verwahren, pflegen und verwalten | B |
| Dokumentieren: lebendige Praxis festhalten in Ton, Bild oder Text | D | |
| Dienste (Kernfunktionen) | Erfassen, registrieren, beschreiben und verknüpfen | K1 |
| Digitalisieren und Qualität sichern | K2 | |
| Langfristig erhalten | K3 | |
| Zugänglich machen und Nutzung ermöglichen | K4 | |
| Rahmen (Governance) | Steuern, koordinieren und Regeln setzen | S |
| Fördern und finanzieren | F |
Dokumentieren meint hier das Festhalten von immateriellen Kulturgütern im laufenden Kulturleben, etwa Mitschnitte von Veranstaltungen. Geschieht es systematisch nach festgelegten Standards zur dauerhaften Sicherung, ist es Teil der Kernfunktion Digitalisieren.
3.1.2 Schlüsselakteure
Einzeln aufgeführt wird, wer mindestens eines der folgenden Kriterien erfüllt:
- betreibt oder plant eine Kernfunktion, die über die eigene Einrichtung hinaus wirkt,
- verwahrt einen hauptamtlich betreuten Kernbestand,
- dokumentiert regelmäßig das lebendige Kulturgeschehen,
- fördert, koordiniert oder setzt Regeln für die Digitalisierung.
Die folgende Übersicht muss mit den Institutionen bzgl. Änderungen und Ergänzungen abgestimmt werden.
| Akteur | Typ / Trägerschaft | B | D | K1 | K2 | K3 | K4 | S | F | Hinweise |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Stiftung für das sorbische Volk | Stiftung des öffentlichen Rechts, finanziert von Bund, Freistaat Sachsen u. Land Brandenburg | ○ | ■ | ■ | bewirtschaftete 2019 den Dom Njechorńskeho[39]; unterstützt beide sorbischen Museen finanziell[38]; Zielvereinbarungen u. a. mit dem Wendischen Museum[44] | |||||
| Sorbisches Institut (SI) mit Sorbischem Kulturarchiv (SKA) und Sorbischer Zentralbibliothek | Forschungseinrichtung mit Archiv und Bibliothek; eingetragener Verein, gefördert u. a. durch die Stiftung; Digitalisierungszentrum aus Strukturwandelmitteln[43] | ■ | ? | ■ | ■ | ○ | ■ | ○ | Digitalisierungszentrum (DZ): Aufbauprojekt 2024-2027 mit drei Vollzeitstellen, derzeit Pilot- und Evaluationsphase; Dienstleistung für andere Träger, kostenfrei derzeit nur in Sachsen; Finanzierung ab 2028 offen[43][45]. Sorbisches Kulturregister (SKR): Konzept mit technischem Prototyp; befristete Projektstelle bis Ende 2025[46]. Präsentation: Virtueller Lesesaal mit Bibliographie, Katalog, digitalisierten Drucken, Handschriften, Fotos und Filmen[47]; Wissensportal Sorabicon mit zwölf Sammlungen[48]; Repositorium digitalizat.de (öffentlich voraussichtlich ab ca. Q3/2026)[43]. Erhalten: Repositorium mit Datensicherung; Konzept für die Langzeitarchivierung im Dauerbetrieb offen[43] | |
| Sorbisches Museum Bautzen | Museum; Landkreis Bautzen, finanziell unterstützt von der Stiftung[38] | ■ | ■ | ○ | ? | ? | ca. 42.000 Objekte; Inventar in Inventarbüchern und Datenbank (HiDA 4.8), Standortverzeichnis, Fotodatenbank; Objektfotografie und Scans bis DIN A3 im Haus; Sammlung erst teilweise digital erfasst; Pilot zur Plakatdigitalisierung mit dem SI[49]; Online-Angebot offen | |||
| Wendisches Museum Cottbus | Museum; Stadt Cottbus, finanziert von Stadt und Stiftung[50] | ■ | ■ | ○ | ? | ○ | Inventarisierung mit Adlib, Veröffentlichung über museum-digital begonnen; A3-Flachbettscanner und Buchscan im Haus; derzeit vor allem Digitalisierung der Kunst; keine Digitalstrategie, keine Mittel für studentische Hilfskräfte[44]; Nutzung des DZ für brandenburgische Bestände offen, bilateral zwischen SI, Stiftung und Museum zu klären[43] | |||
| Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) mit Deutscher Fotothek | Landes- und Universitätsbibliothek; Freistaat Sachsen | ■ | ○ | ○ | ○ | ■ | Lusatica-Sammlung, die das kulturelle Erbe der Sorben zugänglich machen soll[51]; über Sachsen.Digital ist auch digitales Schrifttum des SI erreichbar[47] (Betrieb der Plattform durch die SLUB); die Deutsche Fotothek macht Fotosammlungen des SKA im Rahmen eines Kooperationsvertrags digital zugänglich und hat auch Filme des SKA digitalisiert und präsentiert[42]; eigene digitale Langzeitarchivierung[52] (Kosten nach Angabe im Digitalisierungskreis ca. 800 € je Terabyte und Jahr[43]), ob sie Digitalisate sorbischer Träger übernehmen könnte, ist offen | |||
| Domowina – Bund Lausitzer Sorben e. V. mit Regionalverbänden und Ortsgruppen | Dachverband sorbischer Vereine; eingetragener Verein | ○ | ○ | ○ | keine zentralen Bestände außer einzelnen Exponaten, Schenkungen und Originalen, z. B. im Haus der Sorben; ein Inventarregister der Finanzverwaltung erfasst diese nur teilweise; keine Gesamtübersicht über die Bestände in ihren Strukturen[53]; Eigentümerin des Dom Njechorńskeho; Ortsgruppe Trebendorf bewirtschaftet den Hanzo Šustrowy dom[39]; mindestens 9 der 23 kleinen Sammlungsorte sind direkt oder über Mitgliedsvereine mit ihr verbunden[41]; Chronistengruppe der Župa Michał Hórnik; Fachkommission „Sorbisches Kulturerbe“ 2018-2020[40] | |||||
| Maćica Serbska e. V. | wissenschaftliche Gesellschaft; Verein | ○ | Arbeitskreis „Museale Einrichtungen“ mit rund 40 Adressaten; Denkmalausschuss mit eigenem, von der Stiftung verwaltetem Budget, 2019 als Vorbild für die Bewertung von Kulturerbe genannt[38] | |||||||
| Sorbisches National-Ensemble (SNE) | Ensemble; gGmbH der Stiftung | ■ | ? | ○ | Spezialarchiv, für die Öffentlichkeit nicht zugänglich, unterschiedlich gut erschlossen[42]; im SKR-Konzept als sekundärer Sammlungsort genannt[46]; 2019 vorgeschlagen, dort nur Kopien zu halten und die Originale an das SKA zu geben[38]; Umfang offen | |||||
| studijo LUCIJA | Medienproduktion; gGmbH des Sorbischen Schulvereins e. V. | ○ | ■ | dokumentiert sorbische Veranstaltungen; Aufnahmen liegen beim Studio und werden teilweise und komprimiert (zu prüfen) an das SKA übergeben; eigener YouTube-Kanal mit Zeitzeugen-Interviews und Veranstaltungsmitschnitten[54] | ||||||
| Mitteldeutscher Rundfunk (MDR) und Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb), sorbischsprachige Programme | öffentlich-rechtlicher Rundfunk | ■? | ■ | ○? | Spezialarchive, für die Öffentlichkeit nicht zugänglich[42]; Produktionen standen dem SKA 2019 aus rechtlichen Gründen nicht zur Verfügung[38]; Umfang und heutiger Stand offen |
3.1.3 Akteursgruppen
Die meisten Kulturgutträger sind kleinere Einrichtungen, Gruppen oder Privatpersonen. Sie werden hier zu Gruppen zusammengefasst. Die Anzahlen sind Mindestwerte.
Die folgende Übersicht muss insb. mit Domowina, SI und Lucija bzgl. Änderungen und Ergänzungen abgestimmt werden.
| Gruppe | Beispiele | Typische Trägerschaft | Bekannte Anzahl | Typische Rollen | Besonderheiten |
|---|---|---|---|---|---|
| Kleine Museen, Heimatstuben, Gedenk- und Begegnungsorte |
|
Gemeinde, Förderverein, Domowina-Ortsgruppe, privat | 22 in der Domowina-Übersicht 2019 (9 Ober-, 13 Niederlausitz)[39]; 23 in der Arbeitsliste 2026, davon 12 bisher nur durch die Domowina-Unterlagen belegt[41]; im Arbeitskreis Lausitzer Museenland etwa ein Drittel von 48 Häusern mit sorbischem Schwerpunkt (SKR-Konzept, S. 7)[46] | B ■, D ○ | überwiegend ehrenamtlich; Digitalisierung unterbleibt nach Einschätzung des SI weitestgehend, weil personelle, technische und finanzielle Kapazitäten fehlen[42]; 2019 benannte Defizite: fehlender Nachwuchs, fehlende Marketingstrategie, fehlende Vernetzung, unzureichende Finanzierung, fehlende fachliche Begleitung; teilweise ohne eigenes Inventar[38]; zwei private Ausstellungen ohne jede Förderung, von den Betreibern im Ruhestand allein betreut[39] |
| Regionale Museen mit sorbischen Beständen |
|
Landkreis oder Kommune (Annahme) | 7 in der Domowina-Übersicht 2019 (2 Ober-, 5 Niederlausitz)[39] | B ■; K1-K4 offen |
Umfang des sorbischen Anteils am Bestand offen |
| Ensembles, Chöre, Trachten- und Brauchtumsgruppen | – | Verein | offen | tragen die Praxis; D ○, B ○ |
Trachtenfundi 2019 ausdrücklich zu den Beständen in sorbischer Verantwortung gezählt[38]; eigene Aufnahmen und Fundi meist nicht erfasst (Annahme) |
| Chronisten, Film- und Fotoamateure |
|
ehrenamtlich, privat | offen | D ■, B ○ | Beiträge von Laien 2019 nur sporadisch, Bestände oft unstrukturiert[38]; das DZ bahnt Kooperationen mit privaten Filmschaffenden an[42] |
| Private Sammlungen und Nachlässe |
|
privat | 4 in der Domowina-Übersicht 2019; tatsächlich offen | B ■ | Verbleib beim Generationenwechsel ungesichert (Annahme); bei einer privaten Sammlung ist der dauerhafte Verbleib ausdrücklich ungeklärt[42] |
| Kirchliche Einrichtungen |
|
Kirchgemeinde | 2 (in den kleinen Orten enthalten); weitere offen | B ○ | weitere kirchliche Bestände nicht erfasst (Annahme) |
| Weitere sorbische Kultur- und Medieneinrichtungen |
|
verschieden | offen | B ○ | Spezialarchive von SNE, Domowina-Verlag, Volkstheater und Rundfunk: für die Öffentlichkeit nicht zugänglich, unterschiedlich gut erschlossen, teils mit eigenem Personal[42]; der Domowina-Verlag erprobt mit dem DZ die Neuauflage vergriffener Bücher als Book on Demand[43]; Umfang offen |
| Öffentliche Träger und Fördergeber |
|
öffentlich | – | F ■, S ○ | tragen die großen Museen; 2019 erfüllten kleine Museen im Landkreis Bautzen die Kriterien für eine institutionelle Förderung nicht, im Landkreis Spree-Neiße waren die Bedingungen besser[38] |
| Gedächtniseinrichtungen außerhalb der Lausitz und der sorbischen Trägerschaft |
|
öffentlich | offen | B ○; mögliche Partner für K3 und K4 |
unterliegen eigenen Digitalisierungsabläufen; sorabistische Expertise wird dort bisher nicht nachgefragt[42]; Umfang der sorbischen Bestände offen |
3.1.4 Erste Befunde
Die folgende Übersicht muss mit den Institutionen bzgl. Änderungen und Ergänzungen abgestimmt werden.
Die Rollenübersicht erlaubt erste Hinweise, die in den folgenden Abschnitten geprüft werden:
- Bewahren ist breit verteilt, Dienste sind konzentriert und projektgebunden. Nur die vier hauptamtlichen Einrichtungen mit Sammlungsauftrag – Sorbisches Museum, Wendisches Museum, Sorbische Zentralbibliothek und SKA – sowie die Spezialarchive verfügen zumindest grundsätzlich über Personal und Technik für Digitalisierung. Sie arbeiten in nicht miteinander verbundenen Insellösungen mit eher einfacher Ausstattung; keine von ihnen hat eine eigene Digitalisierungsabteilung.[42] Dienste für andere Träger baut das DZ des SI auf. Es ist bis Ende 2027 projektfinanziert, derzeit nur für sächsische Träger kostenfrei, und seine Nutzung durch das Wendische Museum ist noch zu klären.[43] Die SLUB macht sorbisches Schrifttum bereits digital zugänglich, auch aus Beständen des SI, und übernimmt mit der Deutschen Fotothek Leistungen für das SKA[42].
- Für die langfristige Erhaltung fremder Bestände gibt es noch keine dauerhafte Lösung. Offen ist, wer Digitalisate anderer Träger verbindlich und dauerhaft übernimmt. Das DZ legt Digitalisate in einem Repositorium mit Datensicherung ab; ein Konzept für die Langzeitarchivierung im Dauerbetrieb soll aus der Evaluationsphase entstehen.[43] Das Sorbische Museum sieht hier keinen akuten Bedarf, weil Archivierung Teil seiner regulären Arbeit sei;[49] ob dies einer Langzeiterhaltung im Sinne von Abschnitt 2.3.4 entspricht, ist offen. So gelangen Veranstaltungsaufnahmen des studijo LUCIJA nur teilweise und komprimiert (zu prüfen) in das SKA.[57] Die SLUB betreibt eine eigene digitale Langzeitarchivierung; ob sie auch für sorbische Träger in Frage kommt, ist offen. Das Gleiche gilt für das Sächsische Staatsarchiv.
- Die Dokumentation des lebendigen Kulturlebens liegt teils außerhalb sorbischer Verantwortung. Die Archive des sorbischen Rundfunks sind nicht öffentlich zugänglich.[42] Sorbischsprachige Produktionen von MDR und rbb standen dem SKA 2019 aus rechtlichen Gründen nicht zur Verfügung.[38] Der heutige Stand ist offen.
- Die Domowina ist der wichtigste Zugang zu kleinen Trägern, hat aber selbst keinen Überblick über deren Bestände. Mindestens 9 der 23 kleinen Sammlungsorte sind direkt oder über Mitgliedsvereine mit ihr verbunden.[41] Ihre Strukturen eignen sich daher als Weg, kleine Träger zu erreichen – für die Erhebung ebenso wie für spätere Unterstützungsangebote. Eine zentrale Verwaltung oder Übersicht der Bestände in ihren Strukturen gibt es allerdings nicht; ihr Zustand ist daher nicht feststellbar.[53]
- Das Wissen über kleine Träger ist lückenhaft und teils veraltet. 12 der 23 kleinen Orte sind bisher nur durch die Domowina-Unterlagen von 2019 und 2020 belegt.[41] Ob sie heute noch bestehen und wie es um ihre Bestände steht, ist offen. Besonders privat betreute Ausstellungen werden in Abschnitt 3.2 auf ihre Gefährdung geprüft.
- Kleine Träger haben keine feste Anlaufstelle; Koordination und Priorisierung sind noch nicht verbindlich geregelt. Das frühere Sorbische Folklorezentrum war seit 1993 faktisch nicht mehr tätig.[38] In der Niederlausitz diente 2020 ein Projekt zur Inwertsetzung des immateriellen Kulturerbes auch der Vernetzung kleiner Museen. Der Kulturausschuss der Domowina sah sich als ehrenamtliches Gremium nicht in der Lage, die Koordination zu leisten, und bat Fachinstitutionen und die Gremien der Stiftung, Verantwortung zu übernehmen.[40] Das DZ-Konzept sieht für die Auswahl ein Lenkungsgremium aus Vertreterinnen und Vertretern der vier hauptamtlichen Einrichtungen und des SKR vor; Zusammensetzung und Kriterien sind noch festzulegen.[42] Wie das heute geregelt ist, untersucht Abschnitt 3.4.
- Ein Teil des Erbes liegt bei Einrichtungen der Mehrheitsgesellschaft und im Ausland. Dort folgt die Digitalisierung eigenen Abläufen, und sorabistische Expertise wird bisher nicht nachgefragt.[42]
Eine Liste aller bekannten Sammlungsorte mit Typ, Trägerschaft und Kulturgutklassen steht in Anhang 12.3.A3. Sie wird laufend ergänzt.
3.2 Bestände und Bedarfe
Dieser Abschnitt beschreibt die Nachfrageseite der Analyse: Welche Bestände sorbischen Kulturerbes gibt es, wie weit sind sie erfasst und digitalisiert, welche sind gefährdet, und welche Unterstützung brauchen die Kulturgutträger? Festgestellt wird dabei nur, wo Zeitdruck besteht. Welche Bestände mit welcher Priorität bearbeitet werden, sollten die sorbische Gemeinschaft und ihre Fachgremien entscheiden (vgl. Prozessschritt 3 „Bewerten & freigeben“).
Ein institutionsübergreifender Überblick über die Bestände existiert bisher nicht (siehe 3.2.5). Die folgenden Angaben sind daher Mindestwerte und Größenordnungen aus veröffentlichten Angaben der Einrichtungen, den Bedarfserklärungen des Sorbischen Museums, des Wendischen Museums und der Domowina vom April 2026, Projektunterlagen und den in Abschnitt 3.1 genannten Quellen.
Die Bestände sollten mit den SI, insb. Register, bzgl. Korrektheit und Vollständigkeit abgestimmt werden, evtl. liegt dort ein institutionsübergreifender Überblick über Bestände vor.
3.2.1 Begriffe
- Sammlungsort
- Ort, an dem Kulturgüter verwahrt werden, etwa ein Museum, ein Archiv, eine Heimatstube oder eine Privatwohnung. Ein Akteur kann mehrere Sammlungsorte haben.
- Bestand
- Abgrenzbare Gruppe von Kulturgütern einer Kulturgutklasse, die an einem Sammlungsort gemeinsam verwahrt wird, zum Beispiel die Fotografien einer Heimatstube oder die Tonbänder eines Archivs. Feiner unterschieden wird nur, wenn sich Zustand oder Rechtslage deutlich unterscheiden. Ein Bestand gehört zu dem Ort, an dem das Original oder die Masterdatei liegt - Kopien an anderen Orten beschreiben seinen Digitalisierungsstand.
- Bei immateriellem Kulturerbe gilt die vorhandene Dokumentation als Bestand, etwa Ton- und Videoaufnahmen oder Beschreibungen. Eine bisher nicht dokumentierte Praxis erscheint als Dokumentationsbedarf.
- Bedarf
- Was ein Bestand oder ein Kulturgutträger braucht.
- Bestandsbezogene Bedarfe richten sich auf die vier Kernfunktionen (erfassen, digitalisieren, langfristig erhalten, zugänglich machen).
- Trägerbezogene Bedarfe betreffen den Akteur selbst, etwa Personal, Beratung oder Finanzierung.
- Dringlichkeit
- Zeitdruck, der sich aus einer Gefährdung ergibt. Sie ist nicht gleichbedeutend mit Priorität, in die auch kulturelle Bedeutung, Nutzen und Machbarkeit eingehen.
3.2.2 Bestandslandkarte
Die Übersicht folgt der Klassifizierung aus Abschnitt 2.2. Sie nennt für jede Klasse typische Bestände, die wichtigsten Träger und den bekannten Stand. Einzelne Sammlungsorte stehen in Anhang 12.3.A3.
| Klasse | Typische Bestände | Wichtigste Träger | Umfang, soweit bekannt | Erfasst | Digitalisiert | Gefährdung |
|---|---|---|---|---|---|---|
| A Materiell – unbeweglich | Denkmale, Gedenktafeln, Inschriften, Grabmäler, Blockbauten, Wirkungsstätten, Kirchen; Häuser wie der Dom Njechorńskeho | Eigentümer, Gemeinden, Kirchgemeinden; dokumentiert durch das SI | Langzeitprojekt „Großes Inventar sorbischer Kulturdenkmale“ des SI (ab 2000): rund 1.700 Objekte in der sächsischen Oberlausitz[58] mit 6.161 Fotonegativen[42] | weitgehend für die sächsische Oberlausitz: 1.760 Datensätze in einer Datenbank, qualitätsgesichert und in das SKR integriert[59]; Niederlausitz in Erfassung, geplant in drei Phasen bis 2031[60] | teilweise: Fotonegative im Dezember 2024 extern digitalisiert[42]; rund 1.200 Objektbeschreibungen für den Wissensgraphen des Verbundprojekts DIKUSA aufbereitet[59]; 78 Objekte öffentlich im Atlas auf Sorabicon, davon 26 aus dem sächsischen und 52 aus dem brandenburgischen Teil (April 2026)[48]; erste 3D-Raumscans, z. B. des Dom Njechorńskeho[42] | Verwitterung, Umbau, Abriss; Bausubstanz einzelner Häuser 2019 als Problem genannt[39] |
| B1 Schriftgut | Bücher, Zeitungen, Handschriften, Nachlässe, Vereins- und Institutionsakten, Musikalien, Plakate, Grafik, Postkarten | Sorbische Zentralbibliothek, Sorbisches Kulturarchiv (SKA), Sorbisches Museum, Wendisches Museum, SLUB, Hórnik-Bibliothek im Wendischen Seminar Prag, Oberlausitzische Bibliothek der Wissenschaften Görlitz, Domowina-Verlag | SI: mindestens 500.000, eher 1 Mio. zu digitalisierende Druckseiten, Archivalien nicht eingerechnet (DZ-Konzept, S. 39)[42]; Zentralbibliothek ca. 110.000 Medieneinheiten[41]; Sorbisches Museum: bibliophile und sorabistische Sammlung ca. 8.700, Plakate ca. 1.700, Postkarten ca. 2.500[49]; Wendisches Museum: historische Karten, Plakate, Literatur, Zeitschriften, Postkarten, Zahl offen[44]; SKA: Nachlässe, Akten der Domowina 1912-1989 und sorbischer Vereine, Umfang offen[61] | weitgehend in den Bibliotheken (Katalog, Sorbische Bibliographie)[47]; kleine und private Träger offen | teilweise: 1.634 Dokumente des SI auf Sachsen.Digital (Stand 2021)[56]; Handschriften des SKA 2016 digitalisiert[62]; Zeitungen und Zeitschriften teils online[47]; Plakate des Sorbischen Museums im Pilot mit dem SI[49]; DZ-Pilot zu den Periodika Bramborski Casnik (ab 1848) und Katolski Posoł (ab 1863) mit Texterkennung[42]; Neuauflage vergriffener Bücher des Domowina-Verlags als Book on Demand im Pilot[43]; Texterkennung historischer sorbischer Drucke mit weiterem Forschungsbedarf[43] | Nachlässe in Privatbesitz; säurehaltiges Papier des 19. und 20. Jahrhunderts (Annahme, nicht erhoben) |
| B2 Fotografien und Bildträger | Fotosammlungen und Fotonachlässe, Negative, Glasplatten, Dias | SKA, Sorbisches Museum, Wendisches Museum, Stadtmuseum Cottbus, SI (Kulturdenkmale), Sorbisches National-Ensemble (SNE), Domowina Verlag (LND), Deutsch-Sorbisches Volkstheater (Annahme), Chronisten, Privatpersonen | Sorbisches Museum: Foto- und Bildarchiv ca. 8.300[49]; Kulturdenkmal-Inventar 6.161 Negative[42]; SKA: Fotosammlungen und Diakollektionen aus Domowina-Nachlässen vor 1990, Umfang offen[42]; Wendisches Museum: historische Fotografien, Dias, Zahl offen[44] | teilweise bei Museen und SKA, z. B. Fotodatenbank des Sorbischen Museums[49]; private Bestände oft unstrukturiert[38] | teilweise: Fotosammlungen des SKA über die Deutsche Fotothek zugänglich; Diakollektionen und Kulturdenkmal-Negative extern digitalisiert[42]; ausgewählte Bildsammlungen des SKA im Virtuellen Lesesaal[47]; Glasplattennegative der Sammlung Fritz Unger (Stadtmuseum Cottbus) mit wendischen Motiven auf museum-digital[63] | Negative, Dias und Glasplatten empfindlich; private Bestände ohne Verzeichnis |
| B3 Analoge AV-Träger | Tonbänder, Kassetten, Schallplatten, Videobänder, Filme | SKA, MDR und rbb, SNE, Sorbisches Museum, Wendisches Museum, Amateurfilmer, Njepila-Hof (Tondokumente)[41]; Filme der früheren DEFA (Filmstudio der DDR), Hörfunkbestände der DDR-Zeit im Deutschen Rundfunkarchiv (Annahme) | sorbischsprachiger Rundfunk seit 1948[64]; DEFA-Gruppe „Sorbischer Film“ 1980-1990: knapp 40 Filme[65]; Sorbisches Museum: Audiokassetten, Schallplatten, Filmrollen, VHS[49]; Wendisches Museum: VHS-Kassetten, CDs[44]; SKA, SNE und Amateurbestände offen | kaum bekannt | teilweise: Filme des SKA über die Deutsche Fotothek bzw. im sächsischen Programm zur Sicherung des audiovisuellen Erbes digitalisiert[42][47][66]; Umfang offen; im DZ bisher ein einfacher 8-mm-Digitalisierer, hochwertige Filmdigitalisierung nur in Kooperation[42]; das Sorbische Museum benötigt Technik für Ton-, Film- und Videoträger[49] | hoch: Material und veraltete Abspieltechnik erfordern eine priorisierte Digitalisierung; bei Film drohen Essigsäure-Syndrom, Farbverblassung und Schrumpfung[42]; Magnetbandformate sind veraltet, die routinemäßige Überspielung endete nach Einschätzung von UNESCO und IASA (Internationaler Verband der Schall- und audiovisuellen Archive) etwa 2025[67] |
| B4 3D-Objekte | Trachten und Textilien, Volkskunst, Ostereier, Keramik, Glas, Hausrat, Musikinstrumente, Kunstwerke | Sorbisches Museum, Wendisches Museum, Heimatmuseen und Heimatstuben, Trachtenfundi von Vereinen und Ensembles, private Sammlungen | Sorbisches Museum: ca. 42.000 Objekte insgesamt, davon materielle Kultur ca. 21.000 mit ca. 6.700 Trachten und Textilien und ca. 8.000 Werken bildender Kunst[49]; Wendisches Museum: größte Sammlung niedersorbischer Tracht[50], dazu u. a. Keramik, Glas, Musikinstrumente, Volkskunst mit großer Ostereiersammlung, Zahl offen[44]; Sorbische Webstube Drebkau über 4.000 Ostereier[42]; Heimatmuseum Dissen 6.700 inventarisierte Exponate (SKR-Konzept, S. 8)[46]; Jänschwalde über 40 Originaltrachten und über 1.000 Keramiken[41] | teilweise: Sorbisches Museum mit Inventarbüchern und Datenbank (HiDA)[49], Wendisches Museum mit Adlib[44], aber ohne verknüpfendes System (SKR-Konzept, S. 7)[46]; kleine Museen teils ohne Inventar[38] | kaum bis teilweise: Sorbisches Museum erst teilweise digital erfasst[49]; Wendisches Museum digitalisiert derzeit vor allem Kunst und hat mit museum-digital begonnen[44]; acht Häuser mit sorbischem Schwerpunkt haben zusammen 401 Objekte auf museum-digital veröffentlicht (SKR-Konzept, S. 8)[46]; Pilot Drebkau: sorbische Ostereier fotografiert, 16 davon als 3D-Modell, auf museum-digital[42] | Sorbisches Museum: Zustand weitgehend gut, keine akut gefährdeten Bestände bekannt, ca. 100 Objekte mit Pestiziden aus der DDR-Zeit belastet[49]; Textilien empfindlich; private Ausstellungen ohne Nachfolge (siehe 3.2.3) |
| C1 Orale Traditionen | Sprache und Dialekte, Erzählungen, Sagen, Zeitzeugenberichte | Sprecherinnen und Sprecher; dokumentiert durch SI und Rundfunk | offen | teilweise: Zeitzeugen-O-Töne im Wissensportal Sorabicon[48]; Zeitzeugen-Sammlung des studijo LUCIJA auf YouTube[54] | teilweise | hoch für das Niedersorbische: nach Angaben des Bundesinnenministeriums 2024 nur noch wenige hundert fließende Sprecherinnen und Sprecher[68]; die Sicherung des Wissens von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen ist im DZ-Konzept als Auswahlkriterium genannt[42] |
| C2 Darstellende Künste | Musik, Lieder, Tanz, Theater, Chorgesang | SNE, Deutsch-Sorbisches Volkstheater, Chöre und Ensembles; dokumentiert durch Rundfunk und studijo LUCIJA[54] | offen | offen | teilweise: neuere Aufnahmen meist ursprünglich digital (siehe D1) | vergängliche Formate wie Aufführungen, Ausstellungen und Veranstaltungen werden bisher zu wenig gesichert; einfache Wege wie 360-Grad-Aufnahmen wurden angeregt[43]; ältere Mitschnitte auf AV-Trägern (siehe B3); digitale Mitschnitte, die nicht langzeittauglich gelagert und nicht registriert sind (siehe D1 und D2) |
| C3 Rituale und Feste | Bräuche und Feste im Jahreslauf, u. a. Vogelhochzeit, Zampern, Zapust, Ostersingen, Osterreiten, Maibaum, Kirmes | MDR, rbb, studijo LUCIJA[54], Vereine, Dorfgemeinschaften, Kirchgemeinden | „Gesellschaftliche Bräuche und Feste der Lausitzer Sorben im Jahreslauf“ seit 2014 im Bundesweiten Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes[69][70] | teilweise: Erhebung im Landkreis Spree-Neiße durch das SI ab 2020[69] mit rund 500 dokumentierten Praktiken, Ergebnisse auf Sorabicon („lebendiges Kulturerbe in der Niederlausitz“)[71][48]; Oberlausitz offen | teilweise | Praxis im Wandel; frühere Ausprägungen nur über Dokumentation greifbar |
| C4 Wissen über Natur und Universum | Volksglaube, Heil- und Sammelwissen, religiöse Praxis | Familien, Kirchgemeinden | offen | offen | offen | Wissen oft bei wenigen, teils älteren Personen (SKR-Konzept, S. 8)[46] |
| C5 Traditionelles Handwerk | Ostereiverzierung, Trachtenherstellung und -pflege, Weben, Flachs und Leinen, Töpfern | Handwerkerinnen und Handwerker, Vereine, Heimatmuseen, z. B. Sorbische Webstube Drebkau[46], Kólasko Drachhausen[39] | offen | offen | offen | Wissen an wenige Personen gebunden; fehlender Nachwuchs (SKR-Konzept, S. 8)[46] |
| D1 Born-digital | Websites, soziale Medien, Musikvideos, Veranstaltungsmitschnitte, digitale Fotos und Videos, digitale Publikationen, Projektdaten, ältere Datenträger | Künstlerinnen und Künstler, studijo LUCIJA, Rundfunk, Verlage, Vereine, Einrichtungen | 2024 ermittelte das SKR 41 sorbische Musikvideos von 18 Künstlerinnen, Künstlern und Gruppen auf YouTube, das früheste von 2007[42]; Sorbisches Museum: neue Sammlungskategorie „Datenträger“ mit 5 Objekten[49]; sonst offen | kaum; erste Erhebungen durch das SKR[42] | – | hoch: YouTube ist kein verlässlicher Speicherort, Inhalte können jederzeit entfernt werden; vorgeschlagen ist eine Notsicherung durch das DZ[42]; keine systematische Sicherung sorbischer Web- und Social-Media-Inhalte bekannt; Webarchivierung in Deutschland insgesamt lückenhaft[72]; Masterdateien teils nur beim Erzeuger[57]; ältere Speichermedien wie Disketten schwer lesbar[49] |
| D2 Digitalisate | digitale Repräsentationen aus den Klassen A bis C | SI, SLUB mit Deutscher Fotothek, Museen, Projekte | SI: 1.634 Dokumente auf Sachsen.Digital (2021)[56]; Sorabicon: zwölf veröffentlichte Sammlungen (2026)[48]; Repositorium digitalizat.de, öffentlich voraussichtlich ab ca. Q3/2026, Stand offen[43] | teilweise: über Kataloge und die Deutsche Digitale Bibliothek nachgewiesen, teils als gemeinfrei gekennzeichnet[73] | – | Langzeiterhaltung nicht dauerhaft geregelt: Das DZ legt Digitalisate in einem Repositorium mit Datensicherung ab, ein Konzept für die Langzeitarchivierung im Dauerbetrieb steht aus[43] |
3.2.3 Bestände mit vorrangigem Digitalisierungsbedarf
Als vorrangig gilt ein Bestand, wenn mindestens einer der folgenden Gründe zutrifft:
- Materialverfall oder veraltete Technik: Der Träger zerfällt, oder Abspielgeräte sind kaum noch verfügbar.
- Ungesicherte Betreuung: Nachfolge, Räume oder Trägerschaft sind nicht gesichert.
- Unikat ohne Sicherung: Es gibt weder eine Kopie noch einen Nachweis an anderer Stelle.
- Schwindendes Wissen: Trägerinnen und Träger einer Praxis oder Zeitzeugen können nur noch begrenzte Zeit befragt werden.
- Ungesicherte digitale Dateien: Masterdateien fehlen, es gibt kein Zielarchiv, oder die Dateiformate veralten.
Die Dringlichkeit ist
- hoch, wenn Verlust oder Unzugänglichkeit innerhalb weniger Jahre wahrscheinlich sind,
- mittel, wenn ein Risiko erkennbar ist, der Zeitrahmen aber offen ist, und
- offen, wenn die Lage nicht bekannt ist.
Die Herkunft der Dringlichkeit ist mit G gekennzeichnet, wenn der Bedarf von Trägern oder in ihren Unterlagen genannt wurde, und mit A, wenn er aus der Analyse abgeleitet ist.
| Bestand / Bestandsgruppe | Träger | Klasse | Grund | Dringlichkeit | Herkunft | Quelle |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Ton-, Video- und Filmbestände auf Magnetband und Film | SKA, SNE, Rundfunk, Sorbisches Museum, Wendisches Museum, Amateurfilmer, Njepila-Hof u. a. | B3 | 1, 3 | hoch | G, A | [49][42][67][61] |
| Sprache und Erzählwissen der letzten muttersprachlichen Sprecherinnen und Sprecher des Niedersorbischen | – | C1 | 4 | hoch | A | [68] |
| Zwei private Ausstellungen in der Oberlausitz, von den Betreibern im Ruhestand allein und ohne Förderung betreut (Stand 2019); eine davon inzwischen vom DZ als 3D-Raumscan erfasst, ihr dauerhafter Verbleib ist ungeklärt | privat | B4 | 2, 3 | hoch | G | [39][42] |
| Private Sammlungen und Nachlässe, darunter Filme und Chroniken sowie ein Nachlass, dessen Sichtung und Bewertung 2019 erbeten wurde | privat | B1-B4 | 1, 2, 3 | hoch | G | [39] |
| Veranstaltungsmitschnitte, die nicht zentral registriert sind und nur teilweise und komprimiert (zu prüfen) an das SKA gehen | studijo LUCIJA | D1 (C2, C3) | 5 | hoch | A | [57] |
| Sorbische Musikvideos auf YouTube, Websites und soziale Medien | Künstlerinnen und Künstler, Gruppen, Einrichtungen | D1 | 5 | hoch | G | [42][72] |
| Ältere Datenträger und ursprünglich digitale Objekte in Sammlungen, z. B. Disketten; Sammlungskategorie „Datenträger“ des Sorbischen Museums | Sorbisches Museum u. a. | D1 | 1, 5 | mittel | G | [49] |
| Ausstellungen kleiner Sammlungsorte ohne Langzeitperspektive, deren Sicherung im Ist-Zustand häufig gewünscht wird | Heimatstuben, kleine Museen | B4, A | 2 | mittel | G | [42] |
| Archiv verschwundener Orte in Horno: Umzug 2019 geplant | Trägerschaft offen | B1, B2 | 2 | offen | G | [39] |
Das Sorbische Museum kennt in seinen eigenen Beständen keine akut gefährdeten Objekte.[49] Die Fotonegative des Kulturdenkmal-Inventars, die bis 2024 nahezu ausschließlich analog vorlagen, sind inzwischen digitalisiert.[42]
3.2.4 Bedarfe der Kulturgutträger
Neben dem Bedarf einzelner Bestände haben viele Kulturgutträger Bedarfe, die sie selbst betreffen. Sie werden hier gebündelt und der Seite des Angebots zugeordnet, an die sie sich richten.
| Bedarf | Betroffene Träger | Richtet sich an | Herkunft | Quelle |
|---|---|---|---|---|
| Personal und Nachwuchs für Betreuung, Erfassung und Digitalisierung; keine Mittel für studentische Hilfskräfte | kleine Museen, Heimatstuben, ehrenamtliche Sammlungsorte; Sorbisches Museum, Wendisches Museum> | Rahmen (F), K2 | G | [38][49][44]; SKR-Konzept, S. 7-8 und 29[46] |
| Laufende Finanzierung für Personal und Unterhalt; z. B. jährliches Ringen um Personalmittel in Dissen | kleine Museen | Rahmen (F) | G | [38][39] |
| Fachliche Begleitung, Beratung und Schulung, auch zu einer Digitalstrategie und zum Umgang mit digitalen Sammlungsobjekten | kleine und ehrenamtliche Träger; Wendisches Museum; Sorbisches Museum | K1-K3, Rahmen | G | [38][44][49]; SKR-Konzept, S. 10 und 30[46] |
| Inventarisierung und digitale Erschließung; Nachholbedarf wegen Personalmangels „teils bestandsgefährdend“; Erfassung von Metadaten mit Hilfskräften, ggf. mit KI-Unterstützung | kleine Museen, private Sammlungen, Domowina-Strukturen | K1 | G | SKR-Konzept, S. 7[46]; [38][53] |
| Vernetzung und Kooperation; eine Dienstleistungs- und Ermöglichungsstruktur für die Digitalisierung | kleine Museen, Domowina | Rahmen (S) | G | [38][53] |
| Sichtbarkeit und Präsentation; Katalog für die im Aufbau befindliche Fachbibliothek | sorbische Museen, kleine Museen; Wendisches Museum | K4 | G | [38][40][49][44] |
| Sichtung und Bewertung von Nachlässen | private Nachlässe | K1, Prozessschritt „Bewerten“ | G | [39] |
| Räume, Bausubstanz und Bewirtschaftung, z. B. Muzej Ćišinskeho, Dom Njechorńskeho | kleine Museen und Gedenkorte | Rahmen (Voraussetzung) | G | [39][53] |
| Technik und Dienstleistung zur Digitalisierung von Ton-, Film-, Video- und Diaträgern | Sorbisches Museum, Wendisches Museum, kleine und private Träger | K2 | G | [49][44] |
| Großformatige Scans über DIN A3 bis DIN A0, z. B. für Plakate und Kunstwerke auf Papier | Sorbisches Museum | K2 | G | [49] |
| Lesbarmachung älterer Speichermedien wie Disketten | Sorbisches Museum | K2, K3 | G | [49] |
| Digitalisierung mit Texterkennung von Verwaltungsdokumenten wie Kauf- und Leihverträgen, um Sammlungs- und Besitzstand und Provenienz zu sichern | Wendisches Museum | K2 | G | [44] |
| Klarheit über Leistungsrahmen, Laufzeit, Kapazität und Logistik des DZ sowie über seine Nutzbarkeit für brandenburgische Bestände | Wendisches Museum | K2, Rahmen | G | [44][43] |
| Verbindlicher Ort für die langfristige Erhaltung von Digitalisaten und ursprünglich digitalen Aufnahmen | Domowina;studijo LUCIJA, Projekte, kleine Träger | K3 | G / A | [53][57] |
| Rechteklärung: Bild- und Urheberrechte an Digitalisaten des DZ; Rundfunkproduktionen; Einwilligungen bei Veranstaltungsaufnahmen | Sorbisches Museum, Rundfunkproduktionen, Veranstaltungsaufnahmen | Rahmen | G / A | [49][38] |
Das Sorbische Museum sieht bei Langzeitverfügbarkeit sowie bei Register und Metadaten keinen akuten Bedarf, da beides Teil seiner regulären Museumsarbeit sei. Es erwartet vom SKR vor allem eine einfachere Objektrecherche, Unterstützung beim Leihverkehr und größere Sichtbarkeit seiner Sammlung.[49]
3.2.5 Erste Befunde
- Ein Gesamtüberblick über die Bestände fehlt. 2020 wurde festgestellt, dass eine systematische Registrierung des sorbischen Kulturerbes fehlt.[40] 2025 beschrieb das SI die Bedingungen an den Sammlungsorten als „von vorbildlich bis prekär“; vieles liege nur analog vor, und die Digitalisierung stehe überwiegend am Anfang.[74] Ein Überblick sei derzeit nicht möglich, weil die Sammlungsorte technisch „fraktioniert oder gar inkompatibel“ arbeiten (SKR-Konzept, S. 8).[46] Für ein Erbe von „viele[n] hunderttausend Entitäten“ fehle es an systematischer Erfassung mit eindeutigen Kennungen und gemeinsamen Metadaten.[42] Auch die Domowina hat keinen Überblick über die Bestände in ihren Strukturen.[53]
- Die bekannten Sammlungsorte sind nur ein Ausschnitt. Das SKR-Konzept nennt mehr als 70 Einrichtungen mit kulturerberelevantem Archivgut (S. 10), die Domowina verweist auf mindestens 70 Orte[53]. Im Arbeitskreis Lausitzer Museenland widmet sich etwa ein Drittel der 48 Heimatstuben und Regionalmuseen sorbischer Geschichte und Kultur (S. 7).[46] Die Arbeitsliste umfasst bisher rund 32 Orte.[41]
- Zahlen gibt es nur für wenige große Träger. Größenordnungen liegen vor für das Sorbische Museum (ca. 42.000 Objekte), das Schriftgut des SI (mindestens 500.000 Druckseiten), die Sorbische Zentralbibliothek und das Kulturdenkmal-Inventar (1.760 Datensätze). Für das SKA, das Wendische Museum, die audiovisuellen Bestände und fast alle kleinen Träger fehlen sie. SKA anfragen
- Wo der Zeitdruck am größten ist, ist am wenigsten bekannt. Das betrifft vor allem die analogen Ton-, Video- und Filmbestände sowie die Dokumentation des Niedersorbischen. Beide großen Museen nennen Technik für audiovisuelle Träger als Bedarf.[49][44]
- Online sichtbar ist nur ein Bruchteil. Acht Häuser mit sorbischem Schwerpunkt haben zusammen 401 Objekte auf museum-digital veröffentlicht; das Heimatmuseum Dissen mit 6.700 inventarisierten Exponaten noch keines (SKR-Konzept, S. 8).[46] Das Wendische Museum hat mit museum-digital begonnen.[44]
- Digital vorhanden heißt nicht gesichert. Ursprünglich digitale Aufnahmen, Musikvideos und Projektdaten haben teils kein Zielarchiv oder liegen nur bei ihrem Erzeuger (siehe 3.2.3). Welche Dienste für die langfristige Erhaltung (K3) bestehen oder geplant sind, untersucht Abschnitt 3.3, wer die Aufgabe übernimmt, Abschnitt 3.4.
- Das immaterielle Kulturerbe ist ungleich dokumentiert. Für die Niederlausitz gab es ab 2020 eine Erhebung der Bräuche und Feste,[69] für die Oberlausitz ist keine vergleichbare bekannt.
- Ein Teil des Erbes liegt außerhalb sorbischer Verantwortung oder außerhalb der Lausitz, etwa in Prag, Dresden, Görlitz, Berlin und Marbach, in nicht öffentlichen Rundfunkarchiven und bei der DEFA-Überlieferung.[42]
Die Ist-Analyse kann damit Struktur und Schwerpunkte benennen, aber keine vollständige Bestandsübersicht ersetzen. Eine institutionsübergreifende Bestands- und Bedarfserhebung mit Prioritätenliste ist eine eigene Aufgabe (vgl. das Ziel 2028 in Abschnitt 1.1) und wird bei den Maßnahmen aufgegriffen.
3.3 Kernfunktionen: Vorhaben, Systeme, Dienste
Dieser Abschnitt beschreibt die Angebotsseite der Analyse: Welche Vorhaben, Systeme und Dienste decken die vier Kernfunktionen heute ab, welche sind im Aufbau oder geplant, und welche Kulturgutträger können sie nutzen? Er stellt damit dem Bedarf aus Abschnitt 3.2 das vorhandene und geplante Angebot gegenüber. Wie Zuständigkeiten, Regeln und Finanzierung organisiert sind, untersucht Abschnitt 3.4.
Grundlage sind das Konzept des Digitalisierungszentrums (DZ) vom 13.08.2025[42], das Konzept des Sorbischen Kulturregisters (SKR) vom 20.11.2025[46], das Protokoll des Digitalisierungskreises vom 21.04.2026[43], die Rückmeldungen der Museen vom April 2026[49][44] sowie öffentlich zugängliche Angaben der Betreiber. Einzelheiten zu jedem Vorhaben (Laufzeit, Finanzierung, Hinweise) stehen in Anhang 12.3.A4.
Die folgende Übersicht muss mit dem SI (DZ, SKR, SKA, Zentralbibliothek), der SLUB und den Museen bzgl. Korrektheit und Vollständigkeit abgestimmt werden.
3.3.1 Bewertungsmaßstab und Begriffe
Jedes Vorhaben wird mit zwei Merkmalen beschrieben. Bewertet werden dabei Dienste aus einrichtungsübergreifender Sicht, nicht die Arbeit einzelner Einrichtungen.
- Reifegrad
- Entwicklungsstand nach dem Prüfraster in Anhang 12.3.A2. Er zeigt zugleich, ob ein Angebot geplant (Stufe 1), im Aufbau (Stufe 2) oder nutzbar ist (Stufen 3 und 4). Wie im Prüfraster empfohlen, wird jede Kernfunktion getrennt bewertet. Für die Gesamtkette zählt die schwächste kritische Abhängigkeit mehr als der Durchschnitt.
- Trägerabdeckung
- Welche Kulturgutträger den Dienst heute tatsächlich nutzen können. Ist ein Dienst für einen größeren Kreis ausgelegt, steht das Ziel in Klammern. Ein Dienst, der alle Träger abdeckt, steht damit auch Dritten zur Verfügung.
| Reifegrad | Trägerabdeckung |
|---|---|
| 0 · nicht begonnen: keine abgestimmten Ziele, Zuständigkeiten oder Verfahren | eigene Bestände: nur der Betreiber selbst |
| 1 · konzeptionell geklärt: Ziele, Rollen und Anforderungen beschrieben, noch nicht erprobt | einzelne Partner: ausgewählte Träger, z. B. im Pilotbetrieb oder per Kooperationsvertrag |
| 2 · pilotiert: mit einzelnen Beständen oder Trägern praktisch erprobt | Teilgruppe: alle Träger eines Landes oder einer Art, z. B. alle Museen |
| 3 · teilweise im Regelbetrieb: Leistungen werden wiederholt erbracht, sind aber noch nicht vollständig verfügbar | alle Träger sorbischen Kulturerbes |
| 4 · dauerhaft etabliert und überprüft: Zuständigkeiten, Finanzierung und Verfahren dauerhaft verankert | –: nicht anwendbar, z. B. bei Dokumentationen durch das SI |
Daraus ergibt sich der Maßstab für die Bewertung: Für jede Kernfunktion sollte mindestens ein Dienst oder ein abgestimmtes Bündel von Diensten mit Reifegrad 4 bestehen, das zusammen alle Kulturgutklassen und alle Träger abdeckt.
In den Tabellen kommen einige technische Begriffe vor:
- Kitodo
- Freie Software für Digitalisierungsabläufe. Kitodo.Production steuert die Arbeitsschritte vom Scan bis zum fertigen digitalen Objekt, Kitodo.Presentation stellt Digitalisate online bereit. Beide werden u. a. von der SLUB eingesetzt.
- METS/MODS, LIDO
- Standardformate für Metadaten. METS/MODS fasst ein Digitalisat mit seiner Struktur und Beschreibung zusammen und ist Grundlage z. B. für den DFG-Viewer, einen Online-Betrachter für Digitalisate. LIDO ist ein Austauschformat für Museumsobjekte.
- IIIF (International Image Interoperability Framework)
- Standard, über den Bilder und ihre Beschreibungen in verschiedenen Portalen und Betrachtern abgerufen werden können.
- PURL
- Persistent Uniform Resource Locator, eine dauerhafte Internetadresse, die auch bei einem Systemwechsel gleich bleibt.
3.3.2 Vorhaben und Dienste je Kernfunktion
Dienste, die mehrere Kernfunktionen abdecken, erscheinen bei jeder dieser Funktionen, weil ihr Reifegrad je Funktion verschieden sein kann.
| Vorhaben / Dienst (Betreiber) | Kulturgut-Klassen | Reifegrad | Trägerabdeckung heute (Ziel) |
|---|---|---|---|
| K1 – Erfassen, beschreiben und verknüpfen | |||
| Sorbisches Kulturregister (SKR) (SI)[46] | alle | 2 · pilotiert (Regelbetrieb nach Personalausstattung möglich, Zeitpunkt offen) | einzelne Partner (Ziel: alle) |
| museum-digital als Inventarisierungswerkzeug (Verbund museum-digital)[42] | B1, B2, B4 | 3 · teilweise Regelbetrieb | Teilgruppe: alle Museen |
| Bibliothekskatalog und Sorbische Bibliographie (Sorbische Zentralbibliothek)[47] | B1 | 4 · etabliert (Annahme) | eigene Bestände |
| Archivische Erschließung des SKA, u. a. im Verbundkatalog Kalliope (SI)[75] | B1-B3 | 3 · teilweise Regelbetrieb (Annahme) | eigene Bestände |
| Inventardatenbanken der Museen (Sorbisches Museum: HiDA; Wendisches Museum: Adlib)[49][44] | B1, B2, B4 | 3 · teilweise Regelbetrieb | eigene Bestände |
| Datenbank sorbischer Kulturdenkmale (SI; Teilprojekt im Verbund DIKUSA)[59][76] | A | 2 · pilotiert | – (Dokumentation durch das SI) |
| Erhebung des immateriellen Kulturerbes in der Niederlausitz mit Belegdatenbank (SI)[71] | C1-C5 | 2 · pilotiert | – (Dokumentation durch das SI) |
| Quellen zur sorbischen Geschichte 1918-1945: Nachweis von Archivbeständen außerhalb der Lausitz (SI, Modul auf Sorabicon)[77] | B1 | 2 · pilotiert, Projekt abgeschlossen | – (Nachweis fremder Bestände) |
| K2 – Digitalisieren und Qualität sichern | |||
| Digitalisierungszentrum (DZ) (SI)[42][43] | B1, B2, B4, A (Raumscans) | 2 · pilotiert (Regelbetrieb bis Ende 2027 vorgesehen, danach Finanzierung offen) | einzelne Partner, kostenfrei nur in Sachsen (Ziel: alle) |
| Filmdigitalisierung in Kooperation (DZ, Prüfung mit dem Medienzentrum der SLUB)[42] | B3 | 1 · konzeptionell | – (Ziel: alle) |
| Landesdigitalisierungsprogramm Sachsen (SLUB)[56] | B1 | 3 · teilweise Regelbetrieb | Teilgruppe: Sachsen (Annahme) |
| Deutsche Fotothek, Kooperation mit dem SKA (SLUB)[42] | B2, B3 | 3 · teilweise Regelbetrieb | einzelne Partner: SKA |
| SAVE, Landesprogramm zur Sicherung des audiovisuellen Erbes in Sachsen (SLUB mit dem Filmverband Sachsen)[78][79] | B3 | 3 · teilweise Regelbetrieb; Kürzungen ab 2027 geplant | Teilgruppe: Sachsen |
| Eigene Digitalisierung der Museen (Sorbisches Museum, Wendisches Museum)[49][44] | B1, B2, B4 bis DIN A3 | 3 · teilweise Regelbetrieb | eigene Bestände |
| K3 – Langfristig erhalten | |||
| Repositorium und Datenhaltung des DZ (SI)[42][43] | D2 | 1 · konzeptionell (Datenhaltung mit Sicherung erprobt, Langzeitarchivierung offen) | einzelne Partner (Ziel: alle) |
| Digitale Langzeitarchivierung der SLUB (SLUB)[52][43] | D1, D2 | 4 · etabliert für eigene Bestände (Annahme) | eigene Bestände; für sorbische Träger offen |
| Datensicherung der Museen (Sorbisches Museum, Wendisches Museum)[49] | eigene Digitalisate | offen | eigene Bestände |
| Notsicherung ursprünglich digitaler Werke (DZ und SKR, Vorschlag)[42] | D1 | 1 · konzeptionell | – (Vorschlag) |
| K4 – Zugänglich machen und Nutzung ermöglichen | |||
| Sorabicon, mehrsprachiges Wissensportal (SI)[80][81] | A, B1, C1, C3 | 3 · teilweise Regelbetrieb | eigene Bestände (kuratiert durch das SI) |
| Virtueller Lesesaal (SI)[47] | B1-B3 | 3 · teilweise Regelbetrieb | eigene Bestände |
| Sachsen.digital und DFG-Viewer (SLUB)[56][75] | B1 | 4 · etabliert | Teilgruppe: Sachsen |
| digitalizat.de, Repositorium und Präsentation des DZ (SI)[43][42] | B1, B2 | 2 · pilotiert | einzelne Partner (Ziel: alle) |
| Rechercheoberfläche des SKR mit Suche, Filtern und eigenen Seiten je Eintrag (SI, geplant)[46] | alle | 1 · konzeptionell (Annahme) | – (Ziel: alle) |
| museum-digital (Verbund museum-digital)[46][44] | B4, B2, B1 | 3 · teilweise Regelbetrieb | Teilgruppe: alle Museen |
| Überregionale Portale: Deutsche Digitale Bibliothek (DDB), Archivportal-D, Kalliope, Copernico[82][83] | B1, B2 | 4 · etabliert | Teilgruppe: Einrichtungen mit eigenen Daten |
| Sprachportale niedersorbisch.de und obersorbisch.de (SI, Annahme)[48] | C1 | 3 · teilweise Regelbetrieb (Annahme) | eigene Bestände |
Kein heute nutzbarer Dienst deckt alle Träger ab. Für alle Träger ausgelegt sind bisher nur Vorhaben im Aufbau oder in Planung: SKR, DZ, digitalizat.de und die Rechercheoberfläche des SKR.
3.3.3 Kurzbewertung der vier Kernfunktionen
Die Kurzbewertung fasst die Tabelle aus einrichtungsübergreifender Sicht zusammen: Bewertet wird, was für das sorbische Kulturerbe insgesamt verfügbar ist.
| Kernfunktion | Reifegrad | Trägerabdeckung heute | Was funktioniert | Was fehlt |
|---|---|---|---|---|
| K1 Erfassen, beschreiben und verknüpfen | 2 · pilotiert | einzelne Partner (SKR-Pilot); Museen über museum-digital | Erfassung in den einzelnen Einrichtungen im Regelbetrieb; für Kulturdenkmale in Sachsen und das immaterielle Erbe der Niederlausitz erprobt; SKR-Prototyp mit Schnittstellen und Normdaten | kein einrichtungsübergreifender Nachweis im Regelbetrieb; kleine Träger und Privatsammlungen kaum erfasst; Personal des SKR über 2025 hinaus nicht gesichert (Stand offen); Regeln für Masterdaten, Versionierung und Kennungen erst diskutiert[43] |
| K2 Digitalisieren und Qualität sichern | 2 · pilotiert | einzelne Partner; Landesangebote nur in Sachsen | DZ mit Technik, Kitodo-Arbeitsablauf und Piloten für Schriftgut, Fotos, 3D-Objekte und Räume; bewährte Landesangebote in Sachsen; Museen digitalisieren eigene Bestände bis A3 | Dienstleistungsbetrieb des DZ erst nach der Pilotphase; Leistungsrahmen und Logistik für Partner noch nicht beschrieben[44]; AV-Träger nur über Kooperationen; Großformate über A2 und ältere Datenträger ohne Angebot (Annahme); Zugang für brandenburgische Träger ungeklärt |
| K3 Langfristig erhalten | 1 · konzeptionell | nur eigene Bestände | Datenhaltung mit Sicherung im DZ; Langzeitarchiv der SLUB für deren eigene Programme; Museen sichern eigene Daten | ein Dienst für die Langzeitarchivierung, der auch Dritten offensteht, ist noch nicht ausgearbeitet: das Konzept des DZ für den Dauerbetrieb steht aus[43]; keine Regeln für die Übernahme ursprünglich digitaler Dokumentationen (siehe 3.3.6); Nutzung der SLUB oder anderer Landeseinrichtungen und deren Kosten nicht geklärt |
| K4 Zugänglich machen und Nutzung ermöglichen | 3 · teilweise Regelbetrieb | Einrichtungen mit eigenen Daten; kleine und private Träger kaum | mehrere Angebote im Regelbetrieb: Sorabicon, Virtueller Lesesaal, Sachsen.digital, Deutsche Fotothek, museum-digital, DDB; Sorabicon und Kitodo.Presentation mehrsprachig | kein gemeinsamer Einstieg; digitalizat.de und die Rechercheoberfläche des SKR im Aufbau; Museumsobjekte kaum online; Nachnutzung teils durch Rechte eingeschränkt, z. B. Fotos des SKA mit dem Status „urheberrechtlich geschützt“[82] |
Kritische Abhängigkeiten zwischen den Kernfunktionen:
- K1 und K2: Laut Konzept setzt das DZ die Verzeichnung im SKR voraus, und das SKR soll die Masterdaten führen.[42][43] In der Praxis vergibt das DZ für Digitalisate eigene dauerhafte Adressen (PURL), die nicht durchgängig mit dem SKR verknüpft werden (zu prüfen).[84] Damit entstehen Digitalisate ohne Registereintrag, und Metadaten werden womöglich doppelt gepflegt.
- K3 für alle: Nach der Bewertungsregel des Prüfrasters bestimmt das langfristige Erhalten als schwächstes Glied den Stand der Gesamtkette. Speichern ist nicht dasselbe wie langfristiges Erhalten (vgl. Abschnitt 2.3.4).
- K4: Die Sichtbarkeit hängt am Nachweis (K1) und an der Rechteklärung (siehe 3.4).
3.3.4 Abdeckung nach Kulturgutklassen
Die Matrix verdichtet die Tabelle aus 3.3.2 zur Frage, für welche Kulturgutklassen heute für Dritte nutzbare Dienste bestehen. Sie ist eine Einschätzung. Digitalisate (Klasse D2) sind in der Zeile ihrer Ausgangsklasse enthalten.
| Klasse | K1 Erfassen | K2 Digitalisieren | K3 Erhalten | K4 Zugänglich machen |
|---|---|---|---|---|
| A Materiell – unbeweglich | teilweise: Kulturdenkmal-Datenbank (Sachsen); Niederlausitz im Aufbau | teilweise: Negative extern digitalisiert; Raumscans im DZ-Pilot | Lücke: Datenhaltung im DZ, keine Langzeitarchivierung | teilweise: Atlas auf Sorabicon (78 Objekte) |
| B1 Schriftgut | gut: Bibliothekskatalog, Sorbische Bibliographie, Kalliope | gut: Landesdigitalisierungsprogramm (Sachsen); DZ-Pilot Periodika | teilweise: SLUB für Landesprogramme (Annahme); sonst offen | gut: Sachsen.digital, Virtueller Lesesaal, DDB, DFG-Viewer |
| B2 Fotografien und Bildträger | teilweise: SKA, Fotodatenbanken der Museen; private Bestände kaum | teilweise: Deutsche Fotothek (nur SKA), DZ-Pilot, Dienstleister | teilweise: SLUB für Fotothek-Bestände (Annahme); sonst offen | teilweise: Deutsche Fotothek, DDB (nur SKA) |
| B3 Analoge AV-Träger | unbekannt: Bestände kaum bekannt | teilweise: SAVE (nur Sachsen, Kürzungen geplant), Deutsche Fotothek (Filme des SKA); DZ nur 8 mm | unbekannt | teilweise: einzelne Filme im Virtuellen Lesesaal |
| B4 3D-Objekte | teilweise: Museumsdatenbanken, museum-digital; kleine Träger teils ohne Inventar | teilweise: Museen bis A3; DZ-Pilot Drebkau; Projektförderung in Brandenburg | unbekannt: Museen eigenverantwortlich | teilweise: museum-digital (401 Objekte aus Häusern mit sorbischem Schwerpunkt) |
| C1 Orale Traditionen | teilweise: Zeitzeugen-Aufnahmen des SI und des studijo LUCIJA, keine Systematik | unbekannt: Aufnahmen durch SI, Rundfunk, studijo LUCIJA | unbekannt | teilweise: Sorabicon, Sprachportale, YouTube |
| C2-C5 Darstellende Künste, Rituale und Feste, Wissen, Handwerk | teilweise: Erhebung Niederlausitz (rund 500 Praktiken); Oberlausitz keine | Lücke: keine systematische Dokumentation; Mitschnitte durch studijo LUCIJA und Rundfunk | Lücke: Mitschnitte nur teilweise und komprimiert im SKA (zu prüfen) | teilweise: Sorabicon (Niederlausitz), Mediatheken, YouTube |
| D1 Born-digital | Lücke: erste Erhebung durch das SKR (41 Musikvideos) | – Übernahme statt Digitalisierung (siehe 3.3.6) | Lücke: Notsicherung vorgeschlagen; keine Webarchivierung bekannt | teilweise: nur auf Plattformen der Erzeuger, ungesichert |
Am besten abgedeckt ist das Schriftgut (B1), weil es an die Infrastruktur von Bibliotheken und Land anschließt. Für die in Abschnitt 3.2.3 als besonders dringlich eingestuften Bestände – analoge AV-Träger, Dokumentationen des lebendigen Kulturgeschehens, ursprünglich digitale Werke – gibt es nur Teilangebote, und das langfristige Erhalten ist dort durchweg ungeklärt.
3.3.5 Durchgängigkeit der Prozesskette
Ein Kulturgut ist erst dann dauerhaft digital verfügbar, wenn es alle sechs Prozessschritte durchlaufen hat. Die Abbildung ordnet den Schritten die heutigen Vorhaben zu und zeigt Reifegrad und Trägerabdeckung aus einrichtungsübergreifender Sicht.
Wie weit die Kette heute tatsächlich reicht, zeigen sechs Beispiele:
| Beispiel | 1-2 Erfassen, registrieren | 3 Bewerten, freigeben | 4 Digitalisieren | 5 Archivieren | 6 Präsentieren | Bewertung |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Drucke und Handschriften des SI | Bibliothekskatalog (K10plus) | Auswahl durch das SI im Landesprogramm | Landesdigitalisierungsprogramm | SLUB (Annahme) | Sachsen.digital, DDB | durchgängig, auf Schriftgut des SI beschränkt |
| Nachlass Schwela (SKA) | Kalliope | Auswahl durch das SI, Förderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft | Kitodo im SI | offen | DFG-Viewer, Archivportal-D, DDB, Sorabicon | durchgängig bis auf das Erhalten; drittmittelfinanziert[75][81] |
| Fotosammlungen des SKA | Verzeichnisse des SKA (Umfang offen) | Kooperationsvertrag | Deutsche Fotothek | SLUB (Annahme) | Deutsche Fotothek, DDB | durchgängig, nur für das SKA |
| Kulturdenkmale in Sachsen | Inventar seit 2000; 1.760 Datensätze im SKR[59] | Projektentscheidung (DIKUSA) | Negative 2024 extern digitalisiert; Qualitätssicherung mit Kitodo im DZ vorgesehen | Datenhaltung im DZ, Langzeitarchivierung offen | Atlas auf Sorabicon (bisher 26 Objekte aus dem sächsischen Teil) | bis zur Präsentation erprobt; Erhalten offen |
| Ostereier der Sorbischen Webstube Drebkau | Excel-Inventar, Erfassung in museum-digital | Pilot mit eingeworbenen Projektmitteln | Fotos durch das DZ, 16 3D-Modelle im Makerspace der SLUB | Rückgabe an den Träger mit Empfehlungen | museum-digital | Kette bricht beim Erhalten ab[42] |
| Veranstaltungsmitschnitte des studijo LUCIJA | nicht zentral registriert | keine abgestimmte Auswahl | – ursprünglich digital | teilweise und komprimiert an das SKA (zu prüfen) | YouTube, ungesichert | keine geregelte Kette[57][54] |
Andere Darstellung:
| Prozessschritt | Stand |
|---|---|
| Drucke und Handschriften des SI – durchgängig, auf Schriftgut des SI beschränkt | |
| 1-2 Erfassen, registrieren | Bibliothekskatalog (K10plus) |
| 3 Bewerten, freigeben | Auswahl durch das SI im Landesprogramm |
| 4 Digitalisieren | Landesdigitalisierungsprogramm |
| 5 Archivieren | SLUB (Annahme) |
| 6 Präsentieren | Sachsen.digital, DDB |
| Nachlass Schwela (SKA) – durchgängig bis auf das Erhalten; drittmittelfinanziert[75][81] | |
| 1-2 Erfassen, registrieren | Kalliope |
| 3 Bewerten, freigeben | Auswahl durch das SI, Förderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft |
| 4 Digitalisieren | Kitodo im SI |
| 5 Archivieren | offen |
| 6 Präsentieren | DFG-Viewer, Archivportal-D, DDB, Sorabicon |
| Fotosammlungen des SKA – durchgängig, nur für das SKA | |
| 1-2 Erfassen, registrieren | Verzeichnisse des SKA (Umfang offen) |
| 3 Bewerten, freigeben | Kooperationsvertrag |
| 4 Digitalisieren | Deutsche Fotothek |
| 5 Archivieren | SLUB (Annahme) |
| 6 Präsentieren | Deutsche Fotothek, DDB |
| Kulturdenkmale in Sachsen – bis zur Präsentation erprobt; Erhalten offen | |
| 1-2 Erfassen, registrieren | Inventar seit 2000; 1.760 Datensätze im SKR[59] |
| 3 Bewerten, freigeben | Projektentscheidung (DIKUSA) |
| 4 Digitalisieren | Negative 2024 extern digitalisiert; Qualitätssicherung mit Kitodo im DZ vorgesehen |
| 5 Archivieren | Datenhaltung im DZ, Langzeitarchivierung offen |
| 6 Präsentieren | Atlas auf Sorabicon (bisher 26 Objekte aus dem sächsischen Teil) |
| Ostereier der Sorbischen Webstube Drebkau – Kette bricht beim Erhalten ab[42] | |
| 1-2 Erfassen, registrieren | Excel-Inventar, Erfassung in museum-digital |
| 3 Bewerten, freigeben | Pilot mit eingeworbenen Projektmitteln |
| 4 Digitalisieren | Fotos durch das DZ, 16 3D-Modelle im Makerspace der SLUB |
| 5 Archivieren | Rückgabe an den Träger mit Empfehlungen |
| 6 Präsentieren | museum-digital |
| Veranstaltungsmitschnitte des studijo LUCIJA – keine geregelte Kette[57][54] | |
| 1-2 Erfassen, registrieren | nicht zentral registriert |
| 3 Bewerten, freigeben | keine abgestimmte Auswahl |
| 4 Digitalisieren | – ursprünglich digital |
| 5 Archivieren | teilweise und komprimiert an das SKA (zu prüfen) |
| 6 Präsentieren | YouTube, ungesichert |
Durchgängig sind bisher vor allem Ketten, die an bestehende Landes- und Bibliotheksinfrastruktur anschließen. Ketten für Museumsobjekte und für das lebendige Kulturgeschehen brechen spätestens beim langfristigen Erhalten ab. Über die Auswahl (Schritt 3) entscheidet bisher die jeweilige Einrichtung oder das Projekt. Das im DZ-Konzept vorgesehene Lenkungsgremium aus den vier hauptamtlichen Sammlungseinrichtungen und dem SKR ist nach den vorliegenden Unterlagen noch nicht eingerichtet, seine Kriterien sind noch festzulegen (DZ-Konzept, S. 7-8).[42] Dies wird in Abschnitt 3.4 vertieft.
3.3.6 Sonderfall: Übernahme ursprünglich digitaler Dokumentationen
Ein wachsender Teil des Kulturerbes entsteht von vornherein digital: Veranstaltungsmitschnitte, Musikvideos, Websites und Beiträge in sozialen Medien, digitale Fotos von Vereinen, Projektdaten. Hier entfällt die Digitalisierung (K2). An ihre Stelle tritt die geregelte Übernahme in ein Archiv (Ingest, vgl. Abschnitt 2.3.4). Dafür sind mehrere Bausteine nötig. Ihr heutiger Stand:
| Baustein | Stand heute | Quelle |
|---|---|---|
| Zuständigkeit und Sammlungsauftrag | nicht festgelegt. Das DZ erwartet eine Daueraufgabe gemeinsam mit SKA und SKR, die archivischen Strategien „stehen noch am Anfang“ (DZ-Konzept, S. 23). Die Frage „Wer sammelt?“ wurde 2023 offen gestellt. | [42][55] |
| Auswahl | keine Kriterien für ursprünglich digitale Dokumentationen; das DZ-Konzept nennt Priorisierungskriterien nur allgemein (S. 8) | [42] |
| Rechte und Übernahmevereinbarung | bei YouTube-Musikvideos ungeklärt; für Veranstaltungsmitschnitte ist keine schriftliche Vereinbarung bekannt (offen) | [42][57] |
| Format- und Qualitätsvorgaben (Masterdateien statt komprimierter Kopien, Prüfsummen, technische Metadaten) | keine bekannt; Mitschnitte des studijo LUCIJA gehen nur teilweise und komprimiert an das SKA (zu prüfen), die Masterdateien bleiben beim Studio | [57] |
| Verzeichnung | Das SKR hat 2024 41 Musikvideos von 18 Künstlerinnen, Künstlern und Gruppen erhoben und verweist auf YouTube. Wie ursprünglich digitale Werke im Datenmodell des SKR behandelt werden, ist zu prüfen. | [42][46] |
| Langzeitarchiv | keines; vorgeschlagen ist eine Notsicherung als lokale Kopie. Das Sorbische Museum wünscht Beratung zu seiner neuen Sammlungskategorie „Datenträger“. | [42][49] |
| Webarchivierung | keine systematische Sicherung sorbischer Websites und sozialer Medien bekannt; ob die Deutsche Nationalbibliothek oder die SLUB sorbische Websites erfassen, ist offen | [72] |
| Rundfunkproduktionen | Archive von MDR und rbb nicht öffentlich zugänglich; 2019 standen die Produktionen dem SKA aus rechtlichen Gründen nicht zur Verfügung | [42][38] |
3.3.7 Erste Befunde
- Das Angebot ist in Bewegung, aber überwiegend projektgebunden. Das DZ ist bis Ende 2027 finanziert, die befristete Stelle für das SKR endete laut Konzept Ende 2025 (heutiger Stand offen), Sorabicon wächst projektweise.[43][80] Kein heute nutzbarer Dienst deckt alle Träger ab; für alle Träger ausgelegt sind nur Vorhaben im Aufbau oder in Planung.
- Am weitesten ist das Zugänglichmachen, am schwächsten das langfristige Erhalten. K4 erreicht Reifegrad 3, K3 nur Reifegrad 1 und deckt nur eigene Bestände ab. Nach dem Prüfraster bestimmt K3 als schwächstes Glied den Stand der Gesamtkette.
- Register und DZ sind konzeptionell eng verzahnt, in der Praxis noch nicht durchgängig. Das Konzept sieht vor, dass jedes Objekt einmal hochwertig digitalisiert und über das SKR mit dauerhaften Adressen nachnutzbar wird.[43] In der Praxis vergibt das DZ eigene dauerhafte Adressen, die nicht durchgängig mit dem SKR verknüpft werden (zu prüfen).[84] Ohne gesicherten Betrieb des SKR und ohne Regeln für Masterdaten droht ein Nebeneinander statt einer Kette.
- Was heute verlässlich funktioniert, stützt sich auf sächsische Landesinfrastruktur. Landesdigitalisierungsprogramm, Deutsche Fotothek, SAVE und Sachsen.digital werden von der SLUB getragen. Für brandenburgische Träger gibt es keinen vergleichbaren Dienst, sondern Projektförderung[86][87] und museum-digital. Auch das DZ ist derzeit nur in Sachsen kostenfrei.
- Für die großen und die gefährdeten Bestände gibt es nur Teilangebote. Das betrifft die Museumsobjekte (B4), allein im Sorbischen Museum rund 21.000 Objekte der materiellen Kultur, und die analogen AV-Träger (B3), die am stärksten gefährdet sind. Das sächsische Landesprogramm für AV-Träger soll ab 2027 gekürzt werden.[79]
- Ursprünglich digitale Dokumentationen haben keinen geregelten Übernahmeweg. Das betrifft vor allem das lebendige Kulturgeschehen (C2, C3) und neue digitale Ausdrucksformen.
- Kleine Träger können heute praktisch nur museum-digital selbst nutzen. Das DZ soll sie künftig beraten und für sie digitalisieren, ist aber noch nicht im Dienstleistungsbetrieb.
- Ein gemeinsamer Zugang fehlt. Die Konzepte sehen drei Ebenen vor: das SKR als einrichtungsübergreifenden Nachweis mit Recherche, digitalizat.de für die Digitalisate des DZ und Sorabicon als kuratiertes Schaufenster.[42][46][43] Ist das digitale Kulturerbe vollständig im SKR verzeichnet, kann die Recherche dort zusammenlaufen. Welche Plattform den einheitlichen Einstieg für Nutzerinnen und Nutzer bietet, ist offen und wird in Abschnitt 3.4 aufgegriffen.
3.4 Governance
Dieser Abschnitt prüft, ob der organisatorische Rahmen das Angebot aus Abschnitt 3.3 zusammenhält und dauerhaft trägt. Governance meint hier die Regeln und Strukturen, mit denen die Beteiligten gemeinsam entscheiden, Standards vereinbaren, Rechte klären und den Betrieb finanzieren. Der Abschnitt behandelt vier Fragen:
- Steuerung und Zuständigkeiten: Wer koordiniert, und wer entscheidet über Auswahl und Freigabe?
- Standards und Austausch: Welche Metadaten-, Format- und Austauschstandards gelten, und wo werden sie abgestimmt?
- Rechte und Einwilligungen: Wie werden Nutzungsrechte, Einwilligungen und Zugänge geregelt?
- Betrieb und Finanzierung: Wer betreibt die Kernfunktionen, und sind sie dauerhaft oder nur projektweise finanziert?
Maßstab sind die drei Erfolgsbedingungen aus Abschnitt 2.5.9.2. Sie werden am Ende mit den Reifegraden aus Anhang 12.3.A2 bewertet (siehe 3.4.5). Grundlage sind der Staatsvertrag über die Stiftung[88], das Finanzierungsabkommen von 2026[89], die Konzepte von DZ und SKR[42][46], das Protokoll des Digitalisierungskreises vom 21.04.2026[43] und die Bedarfserklärungen der Träger vom April 2026[49][44][53].
Die folgende Analyse muss mit der Stiftung, dem SI und den Museen bzgl. Korrektheit und Vollständigkeit abgestimmt werden.
3.4.1 Steuerung und Zuständigkeiten
Die Stiftung für das sorbische Volk ist der zentrale Förderer. Ihre Organe sind der Stiftungsrat, in dem Vertreterinnen und Vertreter des sorbischen Volkes, des Bundes, beider Länder und der Kommunen sitzen, der Parlamentarische Beirat und der Direktor.[88] 2018 gab der Stiftungsrat eine Strategie für Digitalisierungsprojekte in Auftrag. Daraus entstand das sorbische Digitalisierungskonzept, veröffentlicht im Mai 2021. Seit Juli 2021 koordiniert ein Digitalisierungsbeauftragter in der Stiftungsverwaltung die Digitalisierungsaktivitäten der sorbischen Institutionen.[90] Ein Gremium, das für das Kulturerbe verbindlich über Auswahl, Standards oder Zugang entscheidet, gibt es nicht.
| Aufgabe | Zuständig heute | Stand |
|---|---|---|
| Strategie und Förderung | Stiftung für das sorbische Volk (Stiftungsrat, Direktor, Digitalisierungsbeauftragter); Digitalisierungskonzept als Orientierungsrahmen[90] | eingerichtet |
| Fachlicher Austausch | Digitalisierungskreis | Austausch ja, keine Entscheidungsbefugnis |
| Auswahl und Freigabe von Digitalisierungsvorhaben | die jeweilige Einrichtung oder das Projekt. Das DZ-Konzept sieht ein Lenkungsgremium aus den hauptamtlichen sorbischen Sammlungseinrichtungen und dem SKR vor. Das DZ selbst soll nicht entscheiden, was digitalisiert wird (DZ-Konzept, S. 7-8).[42] Als Idealvorgehen gilt: erst im SKR verzeichnen, dann priorisiert ein Fachgremium nach Kriterien.[43] | Lenkungsgremium konzipiert, nicht eingerichtet; Kriterien nur beispielhaft genannt |
| Steuerung des Registers | SI. Das SKR soll Qualität sichern und über Kooperationsverträge technische Standards setzen; ein Beirat aus Fachleuten für Sorabistik, Museologie, Digital Humanities sowie Bibliotheks- und Archivwesen ist vorgesehen. Die Datenpartner bleiben für ihre Daten verantwortlich und entscheiden über deren Einbringung (SKR-Konzept, S. 13-14 und 21).[46] | Beirat konzipiert, Stand offen |
| Gemeinsamer Zugang für Nutzerinnen und Nutzer | je Plattform: SKR, digitalizat.de und Sorabicon betreibt das SI, Sachsen.digital die SLUB, museum-digital die Museen selbst (siehe 3.3.7) | keine Zuständigkeit für die Gesamtentscheidung |
| Zugang zu kleinen Trägern | Domowina mit Regionalverbänden und Ortsgruppen. Der Kulturausschuss der Domowina sah sich 2020 als ehrenamtliches Gremium nicht in der Lage, die Koordination zu leisten.[40] 2026 wünscht die Domowina eine Dienstleistungs- und Ermöglichungsstruktur.[53] | keine feste Anlaufstelle |
| Länderübergreifende Abstimmung | Sachsen und Brandenburg fördern getrennt. Sächsische Träger können das DZ über Strukturmittel nutzen; die Nutzung für brandenburgische Bestände soll bilateral zwischen SI, Stiftung und Wendischem Museum geklärt werden.[43] | Einzelfallklärung |
| Mitwirkung der Gemeinschaft | über den Stiftungsrat; ein Verfahren, in dem Kulturgutträger und Gemeinschaft bei Auswahl, Beschreibung und Zugang mitentscheiden, ist nicht bekannt (offen) | nicht geregelt |
Als mögliche Kriterien für die Auswahl nennt das DZ-Konzept: virtueller Bestandserhalt gefährdeter Einrichtungen, Sicherung des Wissens von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, Forschungsrelevanz, Bedeutung für die sorbische Identität, Verknüpfbarkeit mit anderen Ressourcen und wirtschaftlicher Nachnutzen (S. 8).[42] Sie decken sich teilweise mit den Dringlichkeitsgründen aus Abschnitt 3.2.3. Beschlossen sind sie nicht.
Offen ist auch, wer über den gemeinsamen Zugang entscheidet. Die Konzepte sehen drei Ebenen vor: das SKR als einrichtungsübergreifenden Nachweis, digitalizat.de für die Digitalisate des DZ und Sorabicon als kuratiertes Schaufenster.[42][46] Welche Plattform den Einstieg bietet und wie die Angebote der Museen und der SLUB eingebunden werden, betrifft alle Träger. Bisher ist diese Entscheidung keinem Gremium zugeordnet.
3.4.2 Standards und Austausch
Die großen Einrichtungen arbeiten mit etablierten Standards ihrer Sparte. SKR und DZ haben ein gemeinsames technisches Modell konzipiert und teilweise erprobt. Das DZ-Konzept erklärt die Metadatenstandards des SKR für verbindlich (S. 29).[42] Einen von allen Trägern beschlossenen Mindeststandard gibt es nicht.
| Bereich | Heute genutzt | Konzipiert oder erprobt | Offen |
|---|---|---|---|
| Erschließung und Metadaten | Bibliotheken: Verbundkatalog K10plus; Archive: Kalliope; Museen: HiDA, Adlib, museum-digital[42][49][44] | SKR: eigene Ontologie auf Basis verknüpfter Daten (RDF) unter Rückgriff auf CIDOC (Referenzmodell für Museumsinformation) und GND; Bereitstellung in LIDO und MODS (SKR-Konzept, S. 16 und 28)[46] | gemeinsamer Metadatenkern mit Pflichtfeldern für alle Träger; Regeln, wer die Masterdaten führt und wie Änderungen abgeglichen und versioniert werden[43] |
| Normdaten und Kennungen | Normdaten der Verbünde; URN mit Institutionscode im Publikationsserver Qucosa des SI[43] | SKR: GND, GeoNames, VIAF, Wikidata; dauerhafte Adressen (PURL) mit Registerpräfix (SKR-Konzept, S. 16 und 21)[46] | Basisadresse der PURL; Kennungsschema mit Institutionspräfix nur diskutiert[43]; DZ vergibt in der Praxis eigene PURL (zu prüfen)[84] |
| Digitalisierung und Dateiformate | TIFF für Masterdateien, JPEG für die Nutzung; Orientierung an den DFG-Praxisregeln „Digitalisierung“ (DZ-Konzept, S. 31 und 33)[42] | Kitodo-Arbeitsablauf mit METS/MODS; Texterkennung mit Werkzeugen des Projekts OCR-D, Volltexte in ALTO und TEI (DZ-Konzept, S. 17-18)[42] | verbindliche Qualitätsvorgaben je Kulturgutart, besonders für AV-Träger, 3D-Objekte und ursprünglich digitale Dokumentationen |
| Austausch und Schnittstellen | Lieferung an DDB, Archivportal-D und Sachsen.digital[82][56] | SKR: Programmierschnittstelle (REST) und OAI-PMH im Prototyp, Abfrageschnittstelle für verknüpfte Daten (SPARQL) vorgesehen, Übernahme aus museum-digital (SKR-Konzept, S. 21 und 27-28)[46]; Bildbereitstellung über IIIF (DZ-Konzept, S. 21 und 33)[42] | dokumentierte und praktisch getestete Schnittstellen zwischen SKR, DZ und den Systemen der Museen |
| Langzeiterhaltung | Datensicherung in den Einrichtungen; SLUB mit eigener Langzeitarchivierung[52] | DZ strebt die dauerhafte Datenhaltung der originalen Bilddigitalisate an (DZ-Konzept, S. 8)[42]; unterschieden wird zwischen Datenhaltung mit Sicherung und echter Langzeitarchivierung[43] | Konzept für den Dauerbetrieb; Vorgaben nach Standards wie dem Referenzmodell OAIS oder dem Metadatenstandard PREMIS; Prüfsummen, Wiederherstellungstests, Formatmigration |
| Mehrsprachigkeit | Sorabicon mehrsprachig; Kitodo.Presentation mit mehrsprachiger Oberfläche[81][42] | SKR: Bezeichnungen und Beschreibungen in Ober- und Niedersorbisch, Deutsch und Englisch als Teil des Datenmodells, erweiterbar („4+-Sprachigkeit“, SKR-Konzept, S. 16-18)[46] | Übertragung auf die Erfassung bei den Trägern und im DZ; sorbischsprachige kontrollierte Vokabulare (offen) |
| Abstimmung in Gremien | Einbindung des SI in überregionale Netzwerke, z. B. AG Regionalportale, Verbund DIKUSA, Copernico[81][59][83] | SKR setzt Standards über Kooperationsverträge (SKR-Konzept, S. 13-14)[46] | kein sorbisches Gremium, das Standards gemeinsam beschließt und ihre Einhaltung prüft |
3.4.3 Rechte und Einwilligungen
Rechtefragen bestimmen, was digitalisiert, gespeichert und gezeigt werden darf. Bisher sind sie nur in Grundsätzen und von Fall zu Fall geregelt.
Was vereinbart ist:
- Das DZ braucht vor der Digitalisierung eine ausreichende Erlaubnis des Objektgebers. Die Rechteklärung soll vor Projektbeginn erfolgen und vertraglich dokumentiert werden. Zu unterscheiden sind Digitalisierung, interne Nutzung, Übergabe an die liefernde Einrichtung, öffentliche Präsentation und Nachnutzung durch Dritte. Eingeschränkte Nutzungsformen wie Vorschau, geringere Auflösung oder nur interne Bereitstellung sind möglich. Eigentümer, Datengeber und Rechteinhaber sollen in den Metadaten erkennbar bleiben.[43]
- Der Vertrag zwischen DZ und Partner soll Umfang, Haftung, Datenhaltung, Präsentation und etwaige Nutzungsentgelte regeln. Das Eigentum an den Digitalisaten bleibt beim Partner (DZ-Konzept, S. 8-9 und 11).[42]
- Im SKR bleiben die Datenpartner für ihre Daten verantwortlich und entscheiden über deren Einbringung.[46] Regeln zu Lizenzen und Zugangsstufen enthält das SKR-Konzept nach erster Durchsicht nicht (zu prüfen).
Was die Praxis zeigt:
- Die Lizenzangaben sind uneinheitlich: Ein Teil der Digitalisate des SI ist als gemeinfrei gekennzeichnet[73], Fotos des SKA tragen den Status „urheberrechtlich geschützt“[82].
- Bei sorbischen Musikvideos auf YouTube prägen Rechtefragen jeden Einzelfall (DZ-Konzept, S. 22).[42] Sorbischsprachige Produktionen von MDR und rbb standen dem SKA 2019 aus rechtlichen Gründen nicht zur Verfügung.[38] Für Veranstaltungsmitschnitte des studijo LUCIJA ist keine schriftliche Vereinbarung über Rechte und Übergabe bekannt.[57]
- Erste Vorlagen für die Regelung von Nutzungsrechten gibt es in einzelnen Einrichtungen. Der Domowina-Verlag (LND) hat im Zusammenhang mit Arbeitsverträgen einen Anhang zu Nutzungsrechten. Das WITAJ-Sprachzentrum hat eine Präambel und Vereinbarungen zu internen Daten, angekauften Werken sowie zur Sammlung und Veröffentlichung von Texten. Beide Einrichtungen haben ihre Vorlagen dem Digitalisierungskreis in seiner Sitzung am 18.06.2026 zur Orientierung bereitgestellt. Dort wurde auch festgehalten, dass Nutzungsrechte an Texten, Fotos, Tonaufnahmen und anderen Inhalten, die im Arbeitskontext entstehen, klarer geregelt werden sollten.[91]
- Der Rechtsrahmen bietet Spielräume, die bisher nicht systematisch genutzt werden. Kulturerbe-Einrichtungen dürfen nicht verfügbare Werke unter bestimmten Bedingungen nicht kommerziell online zugänglich machen (§ 61d Urheberrechtsgesetz, UrhG).[92] Fotos und Scans gemeinfreier visueller Werke begründen keine eigenen Leistungsschutzrechte (§ 68 UrhG).[93]
Was fehlt:
- einheitliche Rechte- und Zugangskategorien, die je Objekt oder Bestand dokumentiert werden, von „nur Metadaten öffentlich“ bis „nicht zugänglich“ (vgl. Abschnitt 2.5.6);
- einrichtungsübergreifende Musterverträge und Musterklauseln für Übergaben, Digitalisierung und Veröffentlichung; einzelne Vorlagen gibt es bei LND und WITAJ (siehe oben);
- Regeln für Einwilligungen bei Zeitzeugen-Interviews und Veranstaltungsaufnahmen, einschließlich des Datenschutzes (Annahme: bisher je Projekt geregelt);
- ein Verfahren, in dem rechtliche Zulässigkeit und kulturelle Angemessenheit getrennt geprüft werden, sowie Wege für Korrekturen, Beschwerden und nachträgliche Sperrungen.
Der Digitalisierungskreis befasst sich mit Urheber- und Nutzungsrechten anhand konkreter Nutzungsszenarien. Für diese Szenarien wird eine rechtliche Einschätzung erarbeitet. Die dazu für den 18.06.2026 geplante Sitzung wurde verschoben, weil die Einschätzung noch nicht vorlag.[91] Die Prüfung ist noch nicht abgeschlossen (Stand Oktober 2026).[94]
3.4.4 Betrieb und Finanzierung
Die Stiftung selbst ist langfristig finanziert. Im Mai 2026 vereinbarten Bund, Sachsen und Brandenburg das fünfte Finanzierungsabkommen: rund 29,3 Mio. Euro für 2026 und jährliche Erhöhungen bis 2030. Der Bund trägt die Hälfte, Sachsen ein Drittel, Brandenburg ein Sechstel. Digitalisierungsprojekte werden ausdrücklich als Förderziel genannt.[89] Der Haushalt der Stiftung weist für 2026 gesonderte Zuwendungen für Digitalisierungsprojekte aus, 195.000 Euro vom Bund und 130.000 Euro von Sachsen, dazu knapp 5 Mio. Euro Bundesmittel für den Strukturwandel.[95] Welcher Anteil davon auf das Kulturerbe entfällt, ist offen.
Die einrichtungsübergreifenden Dienste für das Kulturerbe laufen dagegen überwiegend als befristete Projekte:
| Kernfunktion | Einrichtungsübergreifender Dienst (Betreiber) | Finanzierung heute | Gesichert bis |
|---|---|---|---|
| K1 Erfassen | Sorbisches Kulturregister (SI) | Projektstelle bis Ende 2025 (SKR-Konzept, S. 2), heutiger Stand offen; Regelbetrieb braucht 2,5 Fachstellen und 0,5 Stellen für Hilfskräfte, Zeithorizont 15-20 Jahre (S. 31-32)[46] | offen |
| K2 Digitalisieren | Digitalisierungszentrum (SI) | Aufbauprojekt, bis 2027 projektbezogen gesichert (Mittelgeber zu prüfen); für sächsische Träger derzeit kostenfrei[43] | Ende 2027 |
| K2 Digitalisieren | Landesprogramme der SLUB (Landesdigitalisierungsprogramm, SAVE) | Freistaat Sachsen; Kürzungen bei SAVE im Entwurf des Doppelhaushalts 2027/28[79] | jährlicher Landeshaushalt |
| K3 Erhalten | Datenhaltung des DZ (SI) | wie DZ; für den Dauerbetrieb ist ein Konzept erforderlich. Zum Vergleich: echte Langzeitarchivierung kostet bei der SLUB derzeit ca. 800 Euro je TB und Jahr.[43] | Ende 2027; Dauerbetrieb offen |
| K4 Zugänglich machen | Sorabicon, Virtueller Lesesaal (SI) | Grundbetrieb des SI (Annahme); Inhalte wachsen über Projekte, z. B. das „Digitale Portal zu sorbischen und Lausitzer Sprach- und Kulturlandschaften“ (2022-2031) im Bundesförderprogramm „Sorbische Sprache und Kultur im Strukturwandel“[96] | Grundbetrieb offen; Projekt bis 2031 |
| K4 Zugänglich machen | digitalizat.de (SI) | wie DZ (Annahme) | Ende 2027 (Annahme) |
Damit sind für alle vier Kernfunktionen Betreiber benannt, für alle einrichtungsübergreifenden Dienste mit Ausnahme der Landesprogramme das SI. Für die Zeit ab 2028 braucht das DZ ein Modell für Basisfinanzierung, Personal, Infrastruktur, Repositorium und Dienstleistungsbetrieb. Unterschieden wird zwischen einem Grundbetrieb, der dauerhaft finanziert werden muss, und der Digitalisierung einzelner Sammlungen, für die Drittmittel beantragt werden können. Eine Gebühren- oder Kostenlogik für Leistungen an Dritte ist nicht entschieden.[43] Ein Konzept für Trägerwechsel, Projektende oder den Ausfall eines Dienstleisters ist nicht bekannt.
3.4.5 Bewertung der drei Erfolgsbedingungen
Die drei Erfolgsbedingungen aus Abschnitt 2.5.9.2 werden mit den Prüfkriterien der Handlungsfelder 1 bis 3 des Prüfrasters bewertet. Die Bewertung ist eine Einschätzung auf Grundlage der genannten Quellen.
| Erfolgsbedingung | Reifegrad | Was vorhanden ist | Was fehlt |
|---|---|---|---|
| 1. Gemeinsam entscheiden und Rechte abgestuft regeln | 1 · konzeptionell geklärt | Stiftung als Förderer mit Digitalisierungskonzept und Digitalisierungsbeauftragtem; Lenkungsgremium und Auswahlkriterien im DZ-Konzept beschrieben; Grundsätze zur Rechteklärung im Digitalisierungskreis vereinbart; regelmäßiger Austausch im Digitalisierungskreis | kein eingerichtetes Gremium für Auswahl, Freigabe und gemeinsamen Zugang; keine schriftlich festgelegten Entscheidungsrechte für Träger und Gemeinschaft; keine einheitlichen Rechte- und Zugangskategorien, Musterverträge oder Verfahren für Beschwerden und Sperrungen |
| 2. Gemeinsame Standards, Mehrsprachigkeit und technische Anschlussfähigkeit sichern | 2 · pilotiert (Langzeiterhaltung: 1) | etablierte Spartenstandards in Bibliothek, Archiv und Museen; technisches Modell von SKR und DZ mit Normdaten, METS/MODS, LIDO, IIIF und Schnittstellen in Prototyp und Piloten erprobt; Mehrsprachigkeit im Datenmodell des SKR vorgesehen | kein beschlossener gemeinsamer Metadatenkern; Regeln für Masterdaten, Versionierung und Kennungen offen; Qualitätsvorgaben je Kulturgutart und Vorgaben zur Langzeiterhaltung nicht festgelegt; kein niedrigschwelliger Einstieg für kleine Träger außer museum-digital; kein Gremium, das Standards beschließt |
| 3. Dauerhafte Verantwortung und Finanzierung sichern | 1 · konzeptionell geklärt | Stiftung bis 2030 finanziert; Betreiber für alle Kernfunktionen benannt; Personalbedarf des SKR beziffert; Unterscheidung von Grundbetrieb und Projektdigitalisierung | Dauerbetrieb von SKR (ab 2026) sowie DZ und Datenhaltung (ab 2028) nicht finanziert; Übergang von der Projekt- in die Betriebsphase nicht geregelt; keine Kostenlogik für Dritte; kein Ausstiegs- und Übergabekonzept |
Nach der Bewertungsregel des Prüfrasters zählt die schwächste kritische Abhängigkeit. Für die Governance sind das die Erfolgsbedingungen 1 und 3: Es fehlen verbindliche Entscheidungswege und eine Finanzierung des Dauerbetriebs. Beides begrenzt auch die Reife der Dienste aus Abschnitt 3.3. Ein Dienst kann Reifegrad 4 erst erreichen, wenn Zuständigkeiten, Finanzierung und Verfahren dauerhaft verankert sind.
3.4.6 Erste Befunde
- Die Förderung ist gesichert, der Betrieb der gemeinsamen Dienste nicht. Die Stiftung ist bis 2030 finanziert. SKR, DZ und Datenhaltung hängen dagegen an befristeten Mitteln; die Projektstelle für das SKR lief laut Konzept Ende 2025 aus.[89][43][46]
- Es gibt Austausch, aber keinen Ort für verbindliche Entscheidungen. Der Digitalisierungskreis berät, entscheidet aber nicht.[94] Das im DZ-Konzept vorgesehene Lenkungsgremium ist nicht eingerichtet. Damit fehlt eine Stelle, die Prioritäten über Einrichtungen hinweg festlegt und über den gemeinsamen Zugang entscheidet.
- Das SI trägt fast die gesamte gemeinsame Infrastruktur. Es betreibt oder plant Register, Digitalisierungszentrum, Datenhaltung und die wichtigsten Präsentationsangebote. Das bündelt Fachwissen, macht die Kette aber von einer Einrichtung und ihren Projektmitteln abhängig.
- Die Standards sind technisch gut vorbereitet, aber nicht gemeinsam beschlossen. Mit SKR und DZ liegt ein anschlussfähiges, mehrsprachig angelegtes Modell vor. Es fehlen ein verbindlicher Metadatenkern, Regeln für Masterdaten und Kennungen sowie Vorgaben für die Langzeiterhaltung.
- Rechte werden von Fall zu Fall geklärt. Grundsätze sind vereinbart; Musterverträge, Zugangskategorien und Einwilligungsregeln fehlen. Gerade beim lebendigen Kulturgeschehen und bei ursprünglich digitalen Werken bremst das die Sicherung.
- Sachsen und Brandenburg sind unterschiedlich angebunden. Sächsische Träger können Landesprogramme und das DZ nutzen. Für brandenburgische Träger gibt es Projektförderung, die Nutzung des DZ wird im Einzelfall geklärt.[43][87]
- Kleine Träger haben keine feste Anlaufstelle. Die Domowina erreicht sie, kann die Koordination aber nicht leisten und wünscht eine Dienstleistungs- und Ermöglichungsstruktur.[40][53]
ENTWURF 3.3 Gemeinsame Regeln, Zusammenarbeit und dauerhafter Betrieb
Neben den einzelnen Kernfunktionen ist zu prüfen, ob gemeinsame organisatorische und fachliche Voraussetzungen vorhanden sind, damit die verschiedenen Angebote zusammenarbeiten und dauerhaft betrieben werden können.
Dieser Abschnitt soll keine allgemeine oder abstrakte Governance-Analyse darstellen. Untersucht werden nur solche übergreifenden Fragen, die konkrete Auswirkungen auf die Digitalisierung des Kulturerbes und die spätere Ableitung von Maßnahmen haben.
ENTWURF 3.3.1 Zuständigkeiten, Beteiligung und Freigaben
Für die weitere Erhebung und Analyse insbesondere zu prüfen:
- formelle und informelle Zuständigkeiten der beteiligten Institutionen
- Entscheidungsrechte bei Auswahl und Priorisierung von Beständen
- Verantwortlichkeiten für Rechteklärung und Veröffentlichung
- Beteiligung der jeweiligen Kulturgutträger
- Beteiligung sorbischer Fachleute und Angehöriger der Gemeinschaft bei kulturell sensiblen Inhalten
- vorhandene Freigabe- und Sperrverfahren
- Umgang mit nachträglichen Korrekturen oder Einschränkungen
- erkennbare Überschneidungen beziehungsweise ungeklärte Zuständigkeiten
- vorhandene Gremien oder Koordinierungsstrukturen
- prüfen, an welchen Stellen verbindliche Zuständigkeiten fehlen
ENTWURF 3.3.2 Gemeinsame Standards und Anschlussmöglichkeiten
Für die weitere Erhebung und Analyse insbesondere zu prüfen:
- vorhandene gemeinsame Metadatenstandards beziehungsweise Pflichtfelder
- verwendete Fachstandards einzelner Einrichtungen
- gemeinsame Regeln für Ober- und Niedersorbisch
- Dateiformate und Qualitätsanforderungen für unterschiedliche Kulturgutarten
- Identifikatoren und Normdaten
- Rechte- und Lizenzinformationen
- technische Schnittstellen und Datenexporte
- Übernahme vorhandener institutioneller Metadaten
- einfache Erfassungswege für kleinere Kulturgutträger
- Schnittstellen für Einrichtungen mit bestehenden Fachsystemen
- Möglichkeiten zur Weitergabe von Daten zwischen Register, Digitalisierung, Repositorium und Präsentation
- prüfen, wo fehlende Standards oder inkompatible Systeme den Austausch derzeit behindern
ENTWURF 3.3.3 Personal, Finanzierung und Betreiberverantwortung
Für die weitere Erhebung und Analyse insbesondere zu prüfen:
- Betreiber beziehungsweise verantwortliche Stellen für die vier Kernfunktionen
- dauerhafte Stellen gegenüber befristeten Projektstellen
- vorhandene beziehungsweise geplante Finanzierungsmodelle
- laufende Betriebs- und Pflegekosten
- personelle Kapazitäten und erkennbare Schlüsselpersonenrisiken
- Unterstützung kleiner und ehrenamtlich geführter Einrichtungen
- Finanzierung von
- Beratung,
- Digitalisierung,
- Speicher und Langzeiterhaltung,
- Datenpflege,
- Rechteklärung,
- technischer Wartung und Weiterentwicklung;
- Übergang von geförderten Projekten in einen dauerhaften Regelbetrieb
- vorhandene Betriebs-, Kooperations- und Übergabevereinbarungen
- erkennbare Risiken bei Auslaufen einzelner Förderungen
ENTWURF 3.4 Gesamtbewertung und vorrangiger Handlungsbedarf
Die Ergebnisse der vorangegangenen Abschnitte werden abschließend zusammengeführt. Ziel ist noch nicht die vollständige Formulierung konkreter Maßnahmen, sondern zunächst eine begründete Bewertung des Ist-Standes und der wichtigsten Lücken.
Dabei sollte insbesondere unterschieden werden zwischen:
- unmittelbar gefährdeten Kulturgütern beziehungsweise Beständen,
- strukturellen Lücken, die weitere Digitalisierungsschritte blockieren,
- fehlenden oder nur teilweise verfügbaren Kernfunktionen,
- nicht dauerhaft abgesicherten Angeboten,
- Verbesserungsmöglichkeiten bei bereits grundsätzlich funktionierenden Strukturen.
Für die abschließende Bewertung insbesondere zu prüfen:
- Ergebnisse aus Akteurs-, Bestands- und Bedarfserhebung zusammenführen
- für jede der vier Kernfunktionen die wichtigsten Stärken und Lücken benennen
- übergreifende strukturelle Probleme aus Zuständigkeiten, Standards, Betrieb und Finanzierung ergänzen
- unterscheiden zwischen:
- fehlender Leistung,
- unzureichender Kapazität,
- fehlender Bekanntheit beziehungsweise Zugänglichkeit,
- fehlender Verbindung bestehender Angebote,
- ungeklärter Zuständigkeit,
- fehlender dauerhafter Absicherung;
- Dringlichkeit begründen, insbesondere anhand von:
- Verlustgefahr,
- blockierenden Abhängigkeiten,
- Anzahl beziehungsweise Bedeutung betroffener Kulturgutträger,
- kultureller und sprachlicher Bedeutung,
- Aufwand und Realisierbarkeit;
- offene Informationslücken ausdrücklich kennzeichnen
- aus den ermittelten Lücken anschließend Handlungsbedarfe ableiten
- konkrete Lösungsmaßnahmen erst im folgenden Maßnahmen- beziehungsweise Soll-Abschnitt festlegen
Mögliche zusammenfassende Bewertungsmatrix:
| Bereich | Belegter Ist-Stand | Abgedeckte Bedarfe | Lücke / Risiko | Dringlichkeit | Daraus abgeleiteter Handlungsbedarf |
|---|---|---|---|---|---|
| Beispiel: Nachweisen und Registrieren | |||||
| Beispiel: Digitalisieren | |||||
| Beispiel: Langfristig erhalten | |||||
| Beispiel: Zugänglich machen und nutzen | |||||
| Beispiel: gemeinsame Standards / Zusammenarbeit |
Referenzen
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- ↑ URL: https://de.wikipedia.org/wiki/Kultur
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- ↑ 38,00 38,01 38,02 38,03 38,04 38,05 38,06 38,07 38,08 38,09 38,10 38,11 38,12 38,13 38,14 38,15 38,16 38,17 38,18 38,19 38,20 38,21 38,22 38,23 Domowina e. V., Kulturausschuss (Clemens Škoda) 2019: Serbske kulturne herbstwo (SKH). Arbeitspapier, Stand 18.03.2019, S. 2-8. Unveröffentlicht; interne Referenz: 2020-09-07_Serbske kulturne herbstwo w Budyšinje_opt.pdf.
- ↑ 39,00 39,01 39,02 39,03 39,04 39,05 39,06 39,07 39,08 39,09 39,10 39,11 39,12 39,13 39,14 39,15 Domowina e. V. 2019: Přehlad relewantnych městnosćow / „małkich“ a „wulkich“ muzejow nastupajo serbske kulturne herbstwo, Stand 11.11.2019. Unveröffentlicht; interne Referenz: 2019_11_Priloha A_prehlad_muzejow a zberkow.pdf.
- ↑ 40,0 40,1 40,2 40,3 40,4 40,5 40,6 Domowina e. V., Kulturausschuss 2020: Protokoll der Fachkommission „Serbske kulturne herbstwo“ vom 07.09.2020. Unveröffentlicht; interne Referenz: 2020_09_07_skh komisija-protokol.pdf.
- ↑ 41,0 41,1 41,2 41,3 41,4 41,5 41,6 41,7 41,8 Arbeitsliste „Sammlungsorte sorbischen Kulturerbes“, Stand 02.04.2026, erstellt im Rahmen des Digitalisierungskonzepts aus Internetrecherche und den Domowina-Unterlagen. Unveröffentlicht; Grundlage für Anhang 12.3.A3.
- ↑ 42,00 42,01 42,02 42,03 42,04 42,05 42,06 42,07 42,08 42,09 42,10 42,11 42,12 42,13 42,14 42,15 42,16 42,17 42,18 42,19 42,20 42,21 42,22 42,23 42,24 42,25 42,26 42,27 42,28 42,29 42,30 42,31 42,32 42,33 42,34 42,35 42,36 42,37 42,38 42,39 42,40 42,41 42,42 42,43 42,44 42,45 42,46 42,47 42,48 42,49 42,50 42,51 42,52 42,53 42,54 42,55 42,56 42,57 42,58 42,59 42,60 42,61 42,62 42,63 42,64 42,65 42,66 42,67 42,68 42,69 42,70 42,71 Sorbisches Institut 2025: Konzept zum Digitalisierungszentrum am Sorbischen Institut, Arbeitsfassung vom 13.08.2025. Unveröffentlicht; interne Referenz: DigCentr_Wersija13082025_wip.pdf.
- ↑ 43,00 43,01 43,02 43,03 43,04 43,05 43,06 43,07 43,08 43,09 43,10 43,11 43,12 43,13 43,14 43,15 43,16 43,17 43,18 43,19 43,20 43,21 43,22 43,23 43,24 43,25 43,26 43,27 43,28 43,29 43,30 43,31 43,32 43,33 43,34 43,35 43,36 43,37 43,38 43,39 Digitalisierungskreis 2026: Protokoll der Sitzung zum Stand des Digitalisierungszentrums vom 21.04.2026. Unveröffentlicht; interne Referenz: 2026-04-21_DE_Protokoll_Digitalisierungskreis_Digitalisierungszentrum.docx.
- ↑ 44,00 44,01 44,02 44,03 44,04 44,05 44,06 44,07 44,08 44,09 44,10 44,11 44,12 44,13 44,14 44,15 44,16 44,17 44,18 44,19 44,20 44,21 44,22 Wendisches Museum Cottbus (Anja Jahn, Leitende Kuratorin) 2026: Zuarbeit zum Thema Digitalisierung des sorbischen/wendischen Kulturerbes, E-Mail vom 17.04.2026. Unveröffentlicht; interne Referenz: 2026-04-17 - Wendisches Museum Cottbus - Zuarbeit zum Thema Digitalisierung des sorbischen wendischen Kulturerbes.pdf.
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- ↑ 46,00 46,01 46,02 46,03 46,04 46,05 46,06 46,07 46,08 46,09 46,10 46,11 46,12 46,13 46,14 46,15 46,16 46,17 46,18 46,19 46,20 46,21 46,22 46,23 46,24 46,25 46,26 46,27 46,28 46,29 46,30 46,31 Sorbisches Institut 2025: Konzept für ein Sorbisches Kulturregister (SKR), zweite aktualisierte Fassung vom 20.11.2025. URL: https://www.serbski-institut.de/wp-content/uploads/2021/11/00_Zweite-aktualisierte-Fassung_Konzept_Sorbisches-Kulturregister_20.11.2025.pdf
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- ↑ 49,00 49,01 49,02 49,03 49,04 49,05 49,06 49,07 49,08 49,09 49,10 49,11 49,12 49,13 49,14 49,15 49,16 49,17 49,18 49,19 49,20 49,21 49,22 49,23 49,24 49,25 49,26 49,27 49,28 49,29 49,30 49,31 49,32 Sorbisches Museum Bautzen (Alexander Pólk, Museologe) 2026: Bedarfserklärung zur Digitalisierung des sorbischen Kulturerbes für den Fachbeirat Digitalisierung, 15.04.2026. Unveröffentlicht; interne Referenz: 2026-04-15_Bedarfserklaerung_Digitalisierung_sorbisches_Kulturerbe_Vorlage - SMB-AxP.docx.
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- ↑ 51,0 51,1 SLUB Dresden o. J.: Sammlungen zur sächsischen Landeskunde. URL: https://www.slub-dresden.de/entdecken/saechsische-landeskunde/sammlungen, abgerufen am 20.10.2026.
- ↑ 52,0 52,1 52,2 nestor o. J.: Mitglied SLUB Dresden. URL: https://www.langzeitarchivierung.de/Webs/nestor/EN/nestor/Mitglieder/sLUB.html, abgerufen am 20.10.2026.
- ↑ 53,00 53,01 53,02 53,03 53,04 53,05 53,06 53,07 53,08 53,09 53,10 Domowina e. V. (Clemens Škoda, Referent) 2026: Bedarfserklärung zur Digitalisierung des sorbischen Kulturerbes für den Fachbeirat Digitalisierung, Entwurf vom 01.04.2026. Unveröffentlicht; interne Referenz: 2026-03-27_Bedarfserklaerung_Digitalisierung_sorbisches_Kulturerbe_Vorlage-naćisk Clemens Škoda.docx.
- ↑ 54,0 54,1 54,2 54,3 54,4 54,5 studijo LUCIJA YouTube Kanal. URL: https://www.youtube.com/@studijoLucija/videos, abgerufen am 30.10.2026.
- ↑ 55,0 55,1 55,2 Lorenz, Robert 2023: Das Register für sorbische/wendische Kultur(erbe)daten. Vortragsfolien, Mai 2023. URL: https://digiserb.de/wp-content/uploads/2023/06/2023_05_prednosk_kulturne_herbstwo_robert_lorenc.pdf
- ↑ 56,0 56,1 56,2 56,3 56,4 56,5 Sorbisches Institut 2021: Pressemitteilung zu Digitalisaten aus dem Landesdigitalisierungsprogramm Sachsen (u. a. „Serbowka“, erstes sorbisches Lehrbuch), 12.03.2021. URL: https://serbski-institut.de/wp-content/uploads/2021/12/2021-03-12_MI_Erstes-sorbisches-Lehrbuch-LDP_Serbowka_de.4753.pdf, abgerufen am 26.10.2026.
- ↑ 57,0 57,1 57,2 57,3 57,4 57,5 57,6 57,7 57,8 Referencny zmylk: Njepłaćiwa referenca formy
<ref>; žadyn tekst za referency z mjenomlucijapodaty. - ↑ Fachpublikation zu sorbischen Kulturdenkmalen. Interne Referenz: saxorum-10788_Sorbische_Kulturdenkmale_digital_erfassen_präsentieren.pdf. Angabe nach Projektunterlagen, noch zu prüfen.
- ↑ 59,0 59,1 59,2 59,3 59,4 59,5 Sorbisches Institut o. J.: Sorbische Kulturdenkmale in Sachsen. Projektbeschreibung, u. a. zum Teilprojekt im Verbundprojekt DIKUSA – Vernetzung digitaler Kulturdaten in Sachsen (2022-2025). URL: https://www.serbski-institut.de/projekte-kulturwissenschaften/sorbische-kulturdenkmale-in-sachsen/; ältere Fassung: https://www.serbski-institut.de/projekte-kulturwissenschaften/sorbische-kulturdenkmale-in-sachsen-2/, abgerufen im Oktober 2026.
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- ↑ 73,0 73,1 Deutsche Digitale Bibliothek o. J.: Wot togo narodu Jesu Christußa (1865), Datengeber: Sorbisches Institut / Sorbisches Kulturarchiv. URL: https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/item/3IVBZKDCQK6LHTOFW5HKYF235K6A4QEF, abgerufen am 26.10.2026.
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- ↑ 75,0 75,1 75,2 75,3 Böhmak, Wito 2021: Vortragsfolien zum Einsatz von Kitodo.Production am Sorbischen Institut (Nachlass Gotthold Schwela), Kitodo-Anwendertreffen 2021. URL: https://www.kitodo.org/fileadmin/groups/kitodo/Dokumente/Anwendertreffen_2021_Boehmak.pdf, abgerufen am 30.10.2026.
- ↑ Sorabicon o. J.: Kulturdenkmale – Förderung. URL: https://sorabicon.de/en/cultural-memorials/about/grant/, abgerufen am 30.10.2026.
- ↑ Heitmann, Clemens (Hrsg.) o. J.: Quellen zur sorbischen Geschichte 1918-1945. Modul im Wissensportal Sorabicon. URL: https://www1.sorabicon.de/en/sources-of-sorbian-history-1918-1945/, abgerufen am 30.10.2026; vgl. Heitmann, Clemens 2019: Digitales Archivportal zur Geschichte der Sorben. Arbeitsfortschritte und erste Ergebnisse. In: Lětopis 2019/1, S. 129-140.
- ↑ Leipziger Internet Zeitung 2019: Sachsen startet Sicherung von historischen Film- und Tonaufnahmen, August 2019. URL: https://www.l-iz.de/melder/wortmelder/2019/08/Sachsen-startet-Sicherung-von-historischen-Film-und-Tonaufnahmen-292580, abgerufen am 30.10.2026.
- ↑ 79,0 79,1 79,2 Loch, René 2026: Filminstitutionen protestieren gegen Kürzungen im sächsischen Doppelhaushalt. Leipziger Zeitung, 18.09.2026. URL: https://www.l-iz.de/kultur/film-tv/2026/09/filminstitutionen-protestieren-gegen-kuerzungen-im-saechsischen-doppelhaushalt-671028, abgerufen am 30.10.2026.
- ↑ 80,0 80,1 Sorbisches Institut o. J.: Digitalisierung der sorbischen/wendischen Kulturdaten. Poster zum Drei-Säulen-Modell der Digitalisierungsstrategie des SI. URL: https://serbski-institut.de/wp-content/uploads/2021/11/A0-Druck_Digitalisierungsstrategie-SI.pdf, abgerufen am 30.10.2026.
- ↑ 81,0 81,1 81,2 81,3 81,4 Bejmak, Wito; Slodička, Marek 2024: Sorabicon. Vortrag auf der 17. Tagung der AG Regionalportale, Dresden, 6.-8. Mai 2024. URL: https://hackmd.io/@Marek00/Sorabicon-17-AG-RegPortale, abgerufen am 30.10.2026.
- ↑ 82,0 82,1 82,2 82,3 Deutsche Digitale Bibliothek o. J.: Fotografie aus der Fotosammlung Ernst Tschernik. Datengeber: Sorbisches Institut / Sorbisches Kulturarchiv, geliefert über die Deutsche Fotothek. URL: https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/item/VYGCX4DORKMVYJG6JKMITHNBQ3QOC6JB, abgerufen am 30.10.2026.
- ↑ 83,0 83,1 Sorbisches Institut 2026: Pressemitteilung zur Mitgliedschaft im Netzwerk „Copernico – Geschichte und kulturelles Erbe im östlichen Europa“, 28.07.2026. URL: https://idw-online.de/de/news875220, abgerufen am 30.10.2026.
- ↑ 84,0 84,1 84,2 Auskunft aus dem Digitalisierungskreis, Oktober 2026; schriftlicher Beleg noch einzuholen.
- ↑ Mermaid Flowchart Code: hier klicken, abgerufen am 30.10.2026
- ↑ Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg (MWFK) 2023: Übersicht geförderter Projekte im Förderprogramm zur Digitalisierung des kulturellen Erbes 2023. URL: https://mwfk.brandenburg.de/sixcms/media.php/9/%C3%9Cbersicht%20gef%C3%B6rderter%20Projekte%20Digitalisierung%20Kulturelles%20Erbe%202023.pdf, abgerufen am 30.10.2026.
- ↑ 87,0 87,1 MWFK o. J.: Fördergrundsätze „Förderung und Begleitung des digitalen Wandels im Kulturbereich im Land Brandenburg 2026“ (DIWA). URL: https://mwfk.brandenburg.de/sixcms/media.php/9/FG_DIWA_2026.pdf, abgerufen am 30.10.2026.
- ↑ 88,0 88,1 Staatsvertrag zwischen dem Land Brandenburg und dem Freistaat Sachsen über die Errichtung der „Stiftung für das sorbische Volk“. URL: https://www.revosax.sachsen.de/vorschrift/5360.1, abgerufen am 30.10.2026.
- ↑ 89,0 89,1 89,2 Bundesministerium des Innern, Freistaat Sachsen und Land Brandenburg 2026: Bund, Sachsen und Brandenburg sichern Fortbestand der Stiftung für das sorbische Volk. Gemeinsame Pressemitteilung vom 19.05.2026. URL: https://zalozba.de/fileadmin/user_upload/Dokumente/Pressemitteilungen/2026-05-19__PM_BMI_Bund_Sachsen_Brandenburg_sichernFortbestandStiftung.pdf, abgerufen am 30.10.2026.
- ↑ 90,0 90,1 Stiftung für das sorbische Volk 2023: 25 Jahre Stiftung für das sorbische Volk – 30 Jahre Staatsvertrag. Broschüre, Bautzen, S. 89.
- ↑ 91,0 91,1 Digitalisierungskreis 2026: Protokoll der Sitzung „Nutzungsszenarien für sprachtechnologische Anwendungen“ vom 18.06.2026, Entwurf (obersorbisch). Unveröffentlicht; interne Referenz: 2026-06-18_HSB_Protokol_Digitalizaciski_kruh_Rěčnotechnologiske_naloženja.pdf.
- ↑ Urheberrechtsgesetz (UrhG), § 61d Nicht verfügbare Werke. URL: https://www.gesetze-im-internet.de/urhg/__61d.html, abgerufen am 30.10.2026.
- ↑ Urheberrechtsgesetz (UrhG), § 68 Vervielfältigungen gemeinfreier visueller Werke. URL: https://www.gesetze-im-internet.de/urhg/__68.html, abgerufen am 30.10.2026.
- ↑ 94,0 94,1 Referencny zmylk: Njepłaćiwa referenca formy
<ref>; žadyn tekst za referency z mjenomdkinfopodaty. - ↑ Stiftung für das sorbische Volk 2026: Haushaltssatzung 2026. URL: https://zalozba.de/fileadmin/user_upload/Dokumente/Haushaltsplaene/HHSatzung_2026.pdf, abgerufen am 30.10.2026.
- ↑ Sorbisches Institut o. J.: Digitales Portal zu sorbischen und Lausitzer Sprach- und Kulturlandschaften. Poster zum Gesamtvorhaben. URL: https://serbski-institut.de/wp-content/uploads/2021/11/A0-Druck_DigPortal-Gesamtvorhaben.pdf, abgerufen am 30.10.2026.