1.2 Strategische Orientierung der Stiftung

z Digitalizaciski koncept
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Digitalisierung im Dienst der sorbischen Sprachen und Kultur

Die Stiftung für das sorbische Volk erfüllt den Auftrag, die beiden sorbischen Sprachen sowie die sorbische Kultur und ihre Traditionen als Ausdruck der Identität des sorbischen Volkes zu pflegen, zu fördern und weiterzuentwickeln. Unter den in Abschnitt 1.1 beschriebenen Herausforderungen des digitalen Wandels und der Entstehung neuer digitaler Sprachräume gehört zu diesem Auftrag der Stiftung auch, Ober- und Niedersorbisch sowie die sorbische Kultur in den digitalen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens sichtbar, zugänglich und nutzbar zu machen.[1]

Die Digitalisierung ist für die Stiftung daher weder Selbstzweck noch eigenständiger Stiftungszweck. Sie ist ein strategisches Handlungsfeld und ein notwendiges Mittel, um diesen Sprach- und Kulturauftrag auch im digitalen Zeitalter wirksam zu erfüllen.[2]

Die Stiftung will die Möglichkeiten der Digitalisierung nutzen, um den Gebrauch, die Weitergabe und die Weiterentwicklung der beiden sorbischen Sprachen zu stärken sowie die sorbische Kultur und ihre Traditionen zu bewahren, weiterzuentwickeln und zeitgemäß zu vermitteln. Ihr Ziel ist es, Umfang und Qualität sorbischer Sprachressourcen deutlich zu erhöhen und damit die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass Ober- und Niedersorbisch in digitalen Medien, Bildungs- und Kulturangeboten, Arbeitsprozessen und Sprachtechnologien selbstverständlich verwendet werden können und sorbische kulturelle Inhalte dauerhaft gesichert, zugänglich und vermittelbar bleiben.[2]

Eine wesentliche Grundlage zur Erreichung dieser Ziele sind digitale Sprachressourcen: technisch nutzbare Bestände und systematisch zusammengestellte Sprachsammlungen wie Texte, Wörterbücher, Korpora, Terminologien, Übersetzungen und Sprachaufnahmen. Die Stiftung setzt sich dafür ein, dass solche Ressourcen verlässlich aufgebaut, qualitätsgesichert und dauerhaft gepflegt sowie für weitere Anwendungen nachnutzbar bereitgestellt werden.[3]

Die Stiftung gibt hierfür strategische Orientierung, setzt Förderprioritäten, initiiert und unterstützt Vorhaben, bringt beteiligte Akteure zusammen und wirkt auf abgestimmte Zuständigkeiten, tragfähige Strukturen und gemeinsame Standards hin. Ihre Haltung verbindet Offenheit und Nachnutzbarkeit mit fachlicher Qualität, nachhaltiger Pflege und dem verantwortlichen Umgang mit Rechten und institutionellen Zuständigkeiten.[2]

Das Sorbische Digitalisierungskonzept dient dabei nicht allein der Stiftung, sondern der gesamten sorbischen Lebenswelt als gemeinsame Bestandserfassung und als Orientierungsrahmen. Es nimmt deshalb grundsätzlich alle Bereiche sorbischen Lebens in den Blick, die durch die Digitalisierung berührt werden, und bezieht die jeweils fachlich und institutionell zuständigen Akteure ein.[4]

Gemeinsame Umsetzung

Die im Sorbischen Digitalisierungskonzept formulierten Ziele für die digitale Entwicklung der sorbischen Lebenswelt (Ziele für die digitale Entwicklung der beiden sorbischen Sprachen und der sorbischen Kultur) – insbesondere die Stärkung digitaler Sprachräume sowie der quantitative und qualitative Ausbau digitaler Sprachressourcen – können nur gemeinsam mit den von der Stiftung geförderten Institutionen und Projekten sowie weiteren Partnern erreicht werden. Die geförderten Institutionen und Projekte sind deshalb besonders aufgerufen, ihre fachlichen Kompetenzen, Inhalte und Ressourcen im Rahmen ihrer jeweiligen Aufgaben in die gemeinsam vereinbarte Umsetzung einzubringen.[5]

Die geförderten Institutionen und Projekte sind zentrale Mitgestalter der digitalen Zukunft der beiden sorbischen Sprachen und der sorbischen Kultur. Gemeinsam mit weiteren zuständigen Akteuren tragen sie dazu bei, die verschiedenen Bereiche der sorbischen Lebenswelt in die digitale Entwicklung einzubeziehen. Sie verfügen über fachliches Wissen, kulturelle und sprachliche Inhalte, Sammlungen, praktische Sprachkompetenz und den unmittelbaren Zugang zu ihren Nutzerinnen und Nutzern. Abhängig von ihrem jeweiligen Auftrag können und sollen sie insbesondere:

  • vorhandene und benötigte Sprach- und Kulturressourcen sowie Digitalisierungsbedarfe identifizieren, dokumentieren und fachlich erschließen,
  • Inhalte und Daten qualitätsgesichert, mit geeigneten Metadaten, geklärten Rechten und anschlussfähigen Standards aufbereiten, nachhaltig pflegen und – soweit möglich – nachnutzbar bereitstellen,
  • digitale Angebote und Werkzeuge weiterentwickeln, Erfahrungen und Lösungen teilen und institutionsübergreifend zusammenarbeiten.[6]

Welche Beiträge eine Einrichtung oder ein Projekt konkret übernimmt, wird in Zielvereinbarungen, Förderentscheidungen, Projektkonzepten, Verträgen oder gesonderten Abstimmungen festgelegt.[5]

So verbindet die Stiftung strategische Orientierung mit der Fachkompetenz der sorbischen Institutionen und Projekte sowie weiterer Partner. Gemeinsam schaffen sie die Grundlagen dafür, dass Ober- und Niedersorbisch sowie die sorbische Kultur auch im digitalen Raum lebendig, nutzbar und entwicklungsfähig bleiben.




  1. Vgl. Satzung der Stiftung für das sorbische Volk, 2023 (PDF), insbesondere § 2 „Stiftungszweck“.
  2. 2,0 2,1 2,2 Vgl. Beschlussprotokoll der 77. Sitzung des Stiftungsrates vom 08.12.2020, Beschluss Nr. 601 (PDF). Darin wird die „Fortführung der Digitalisierungsmaßnahmen insbesondere zur Stärkung der Präsenz der sorbischen Sprache in den digitalen Medien und zum Ausbau sorbischer Sprachressourcen“ als Priorität der künftigen Förderung und Tätigkeit der Stiftung bestimmt.
  3. Vgl. Stiftung für das sorbische Volk: Für gemeinsame Open-Data-Richtlinie ausgesprochen, 04.11.2021. Dort wird die freie Nutzung vorhandener und neuer Texte, Audios und weiterer Medien unter Berücksichtigung der Urheberrechte als Grundlage sorbischer digitaler Sprachdienste beschrieben. Mehrere sorbische Institutionen begrüßten die gemeinsame Strategie und sicherten ihre Umsetzung zu.
  4. Vgl. Stiftung für das sorbische Volk: Beauftragter für Digitalisierung benannt, 05.09.2019. Bei der Erarbeitung des Konzeptes sollten ausdrücklich nicht nur der Arbeitsalltag der sorbischen Institutionen und Vereine, sondern auch die Bedürfnisse der sorbischen Bevölkerung insgesamt berücksichtigt werden. Siehe außerdem Abschnitt 1.3 Aufgaben und Zielstellung.
  5. 5,0 5,1 Vgl. Beschluss Nr. 601 vom 08.12.2020: Der Stiftungsrat erwartet, dass der Direktor die Umsetzung der festgelegten Prioritäten mit den geförderten Institutionen und Projektträgern vereinbart. Siehe außerdem die gemeinsame Befassung sorbischer Institutionen mit der Open-Data-Strategie im Jahr 2021: Stiftung für das sorbische Volk: Für gemeinsame Open-Data-Richtlinie ausgesprochen.
  6. Vgl. 10. Open Access, Open Data, Lizenzen, 11. Präsenz in Standards und 12.3 Digitalisierung des Kulturerbes.