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	<title>Digitalizaciski koncept - Wužiwarske přinoški [hsb]</title>
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	<subtitle>Wužiwarske přinoški</subtitle>
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		<id>https://koncept.serbski-inkubator.de/index.php?title=Zentrales_Register_sorbischer_Sprachressourcen&amp;diff=1089</id>
		<title>Zentrales Register sorbischer Sprachressourcen</title>
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		<updated>2026-07-29T14:10:57Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Měrko Šenk: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;__TOC__&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;border-left:6px solid #3366cc; background:#f8f9fa; padding:0.1em 1.2em; margin:0 0 1.2em 0;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;font-size:125%; font-weight:bold; margin-bottom:0.4em;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Zentrales Register sorbischer Sprachressourcen&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dieses Register bietet eine institutionsübergreifende Übersicht über veröffentlichte Sprachdaten für die ober- und niedersorbische Sprache.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ressourcen selbst werden weiterhin dezentral durch die jeweils verantwortlichen Institutionen, Projekte oder Forschungseinrichtungen veröffentlicht. Das Register weist nach, '''welche Ressourcen vorhanden sind, wo sie liegen, wie sie zugänglich sind und welche Lizenz angegeben ist'''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Letzte Änderung dieser Wiki-Seite:'''&lt;br /&gt;
{{REVISIONDAY2}}.{{REVISIONMONTH}}.{{REVISIONYEAR}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schnellzugriff:'''&lt;br /&gt;
[[#Sprachdaten|Sprachdaten]] ·&lt;br /&gt;
[[#Modelle, Anwendungen und Dienste|Modelle und Dienste]] ·&lt;br /&gt;
[[#Neue Ressource ergänzen|Neue Ressource ergänzen]] ·&lt;br /&gt;
[[#Bedeutung der Datenfelder|Datenfelder erläutert]]&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zweck des Registers ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Register unterstützt die Umsetzung des '''Beschlusses Nr. 761 der Stiftung für das sorbische Volk'''.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Beschluss_761&amp;quot;&amp;gt;Vgl. Stiftung für das sorbische Volk 2026: Beschlussprotokoll der 92. Sitzung des Stiftungsrates vom 19.05.2026, '''Beschluss Nr. 761''', S. 3. URL: https://zalozba.de/fileadmin/user_upload/Dokumente/Beschlussprotokolle/2026-05-19_Beschlussprotokoll_751-765.pdf, abgerufen am 27.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf Grundlage relevanter Nutzungsszenarien für digitale Sprachtechnologien soll untersucht werden, welche quantitativen, qualitativen, inhaltlichen und nutzungsrechtlichen Bedarfe an Sprachdaten bestehen. Das Register dokumentiert hierfür den bereits bekannten und veröffentlichten Bestand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Was enthält das Register? ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot; style=&amp;quot;width:100%;&amp;quot;&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:33%; background-color:#eaecf0;&amp;quot; | Enthalten&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:33%; background-color:#eaecf0;&amp;quot; | Nicht enthalten&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:34%; background-color:#eaecf0;&amp;quot; | Grundprinzip&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot; |&lt;br /&gt;
* veröffentlichte Textkorpora&lt;br /&gt;
* Parallel- und Übersetzungsdaten&lt;br /&gt;
* Wörterbücher, Wortlisten und Terminologien&lt;br /&gt;
* Audio- und Transkriptionsdaten&lt;br /&gt;
* Video- und Transkriptionsdaten&lt;br /&gt;
* Frage-Antwort-Daten&lt;br /&gt;
* Test- und Evaluationsdaten&lt;br /&gt;
* Daten für Rechtschreib- und Grammatikprüfung&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* interne Speicherorte&lt;br /&gt;
* personenbezogene oder vertrauliche Angaben&lt;br /&gt;
* rechtlich nicht freigegebene Dateien&lt;br /&gt;
* vollständige technische Detaildokumentationen&lt;br /&gt;
* eine eigenständige rechtliche Freigabe&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
'''Dezentrale Veröffentlichung – zentraler Nachweis'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Daten verbleiben auf Hugging Face, GitHub, institutionellen Repositorien&lt;br /&gt;
oder anderen geeigneten Plattformen. Im Wiki wird nur der zentrale,&lt;br /&gt;
einheitliche Nachweis geführt.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Hinweise zur Nutzung ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;div class=&amp;quot;mw-collapsible mw-collapsed&amp;quot;&lt;br /&gt;
     style=&amp;quot;border:1px solid #a2a9b1; background:#f8f9fa; padding:0.8em 1em; margin:0.8em 0;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Hinweise zur Nutzung der Tabellen anzeigen'''&lt;br /&gt;
&amp;lt;div class=&amp;quot;mw-collapsible-content&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Tabellen können durch Anklicken der Spaltenüberschriften sortiert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verwendete Kennzeichnungen:&lt;br /&gt;
* &amp;lt;span style=&amp;quot;white-space:nowrap;&amp;quot;&amp;gt;'''✓ frei'''&amp;lt;/span&amp;gt; – ohne Anmeldung öffentlich abrufbar&lt;br /&gt;
* &amp;lt;span style=&amp;quot;white-space:nowrap;&amp;quot;&amp;gt;'''◐ Registrierung'''&amp;lt;/span&amp;gt; – Zugang nach Anmeldung oder Freischaltung&lt;br /&gt;
* &amp;lt;span style=&amp;quot;white-space:nowrap;&amp;quot;&amp;gt;'''✉ auf Anfrage'''&amp;lt;/span&amp;gt; – Zugang nur nach Kontaktaufnahme&lt;br /&gt;
* &amp;lt;span style=&amp;quot;white-space:nowrap;&amp;quot;&amp;gt;'''ⓘ nur Metadaten'''&amp;lt;/span&amp;gt; – Beschreibung vorhanden, Daten selbst nicht öffentlich&lt;br /&gt;
* &amp;lt;span style=&amp;quot;white-space:nowrap;&amp;quot;&amp;gt;'''⚠ Prüfbedarf'''&amp;lt;/span&amp;gt; – Angaben sind unvollständig oder sollten überprüft werden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Spalte „Zugang“ beschreibt nur die technische Erreichbarkeit. Sie sagt&lt;br /&gt;
nicht aus, dass jede Form der Nutzung rechtlich erlaubt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Hinweis: Neue Ressource ergänzen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div class=&amp;quot;mw-collapsible mw-collapsed&amp;quot;&lt;br /&gt;
     style=&amp;quot;border:1px solid #a2a9b1; background:#f8f9fa; padding:0.8em 1em; margin:0.8em 0;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Anleitung zum Eintragen oder Aktualisieren einer Ressource'''&lt;br /&gt;
&amp;lt;div class=&amp;quot;mw-collapsible-content&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Oben rechts ein Benutzerkonto anlegen und anmelden.&lt;br /&gt;
# Falls keine Schaltfläche „Bearbeiten“ oder „Quelltext bearbeiten“ angezeigt wird, die zuständige Wiki-Administration um Bearbeitungsrechte bitten.&lt;br /&gt;
# Vor dem Eintragen prüfen, ob die Ressource bereits in der Tabelle vorhanden ist.&lt;br /&gt;
# Die maßgebliche Veröffentlichungsseite öffnen und mindestens Titel, Sprache, Institution, Zugang, Lizenz und Umfang prüfen.&lt;br /&gt;
# Im Wiki „Quelltext bearbeiten“ wählen.&lt;br /&gt;
# In der Tabelle eine bestehende Zeile vom Zeichen &amp;lt;code&amp;gt;|-&amp;lt;/code&amp;gt; bis unmittelbar vor der nächsten Zeile kopieren.&lt;br /&gt;
# Die kopierte Zeile vor dem Kommentar „NEUE EINTRÄGE OBERHALB DIESER ZEILE EINFÜGEN“ einfügen.&lt;br /&gt;
# Sämtliche Beispielwerte ersetzen.&lt;br /&gt;
# „Vorschau zeigen“ wählen und insbesondere Links, Tabellenstruktur und Zeilenumbrüche prüfen.&lt;br /&gt;
# Eine kurze Bearbeitungszusammenfassung eingeben, zum Beispiel „Neue Sprachressource ergänzt“.&lt;br /&gt;
# Seite speichern.&lt;br /&gt;
# Falls das Wiki bestätigte Versionen verwendet, kann anschließend noch eine redaktionelle Freigabe notwendig sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Eine Ressource erhält eine eigene Zeile, wenn sich mindestens eines dieser&lt;br /&gt;
Merkmale wesentlich unterscheidet:'''&lt;br /&gt;
* Lizenz,&lt;br /&gt;
* Zugang,&lt;br /&gt;
* Sprache,&lt;br /&gt;
* Ressourcentyp,&lt;br /&gt;
* verantwortliche Institution,&lt;br /&gt;
* Veröffentlichungsort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Repositorium mit mehreren unterschiedlich lizenzierten Datensätzen darf&lt;br /&gt;
deshalb nicht pauschal als eine einzige Ressource eingetragen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Hinweis: Bedeutung der Datenfelder ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div class=&amp;quot;mw-collapsible mw-collapsed&amp;quot;&lt;br /&gt;
     style=&amp;quot;border:1px solid #a2a9b1; background:#f8f9fa; padding:0.8em 1em; margin:0.8em 0;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Welche Angaben gehören in welche Spalte?'''&lt;br /&gt;
&amp;lt;div class=&amp;quot;mw-collapsible-content&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot; style=&amp;quot;width:100%;&amp;quot;&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:16%;&amp;quot; | Feld&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:42%;&amp;quot; | Einzutragende Information&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:42%;&amp;quot; | Zulässige beziehungsweise empfohlene Werte&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Ressource&lt;br /&gt;
| Öffentlicher Titel mit direktem Link und einer Beschreibung in höchstens ein bis zwei Sätzen.&lt;br /&gt;
| Der Link soll möglichst direkt zur Dataset Card, README-Datei, Detailseite oder Downloadseite führen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Sprache(n)&lt;br /&gt;
| Sprache oder Sprachkombination der Ressource.&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* &amp;lt;code&amp;gt;hsb&amp;lt;/code&amp;gt; – Obersorbisch&lt;br /&gt;
* &amp;lt;code&amp;gt;dsb&amp;lt;/code&amp;gt; – Niedersorbisch&lt;br /&gt;
* &amp;lt;code&amp;gt;de&amp;lt;/code&amp;gt; – Deutsch&lt;br /&gt;
* weitere Sprachcodes bei mehrsprachigen Ressourcen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Typ / Modalität&lt;br /&gt;
| Inhaltliche und technische Grundart der Ressource.&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* Textkorpus&lt;br /&gt;
* Parallelkorpus&lt;br /&gt;
* Dokumentensammlung&lt;br /&gt;
* Wörterbuch / Lexikon&lt;br /&gt;
* Terminologie / Wortliste&lt;br /&gt;
* Audiodaten&lt;br /&gt;
* Audio mit Transkription&lt;br /&gt;
* Frage-Antwort-Daten&lt;br /&gt;
* Rechtschreibdaten&lt;br /&gt;
* Grammatikdaten&lt;br /&gt;
* Evaluations-/Testdaten&lt;br /&gt;
* OCR-Daten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Verantwortliche Institution&lt;br /&gt;
| Institution oder Projekt, das die Ressource veröffentlicht beziehungsweise fachlich verantwortet.&lt;br /&gt;
| Nicht pauschal „Eigentümer“ eintragen, da veröffentlichende Stelle und Rechteinhaber voneinander abweichen können.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Zugang&lt;br /&gt;
| Technische Verfügbarkeit der Ressource.&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* ✓ frei&lt;br /&gt;
* ◐ Registrierung&lt;br /&gt;
* ✉ auf Anfrage&lt;br /&gt;
* ⓘ nur Metadaten&lt;br /&gt;
* nicht mehr verfügbar&lt;br /&gt;
* unklar&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Lizenz&lt;br /&gt;
| Exakte Lizenzbezeichnung einschließlich Version.&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
Beispiele:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* CC0 1.0&lt;br /&gt;
* CC BY 4.0&lt;br /&gt;
* Apache-2.0&lt;br /&gt;
* CC BY-NC-SA, Version nicht ausgewiesen&lt;br /&gt;
* keine Lizenz ausgewiesen&lt;br /&gt;
* Lizenz noch zu prüfen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Umfang&lt;br /&gt;
| Aussagekräftigste verfügbare Mengeneinheit.&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
Je nach Ressource beispielsweise:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Dokumente&lt;br /&gt;
* Texte&lt;br /&gt;
* Sätze oder Satzpaare&lt;br /&gt;
* Wörter&lt;br /&gt;
* Tokens&lt;br /&gt;
* Einträge&lt;br /&gt;
* Stunden Audio&lt;br /&gt;
* Sprecherinnen und Sprecher&lt;br /&gt;
* Dateien und Dateigröße&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Falls kein Umfang dokumentiert ist, „nicht dokumentiert“ eintragen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Stand / Prüfhinweis&lt;br /&gt;
| Version oder Veröffentlichungsstand, Datum der letzten Registerprüfung sowie bekannte Einschränkungen.&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
Beispiel:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;code&amp;gt;Quelle geprüft: 29.07.2026&amp;lt;/code&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusätzlich gegebenenfalls:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* ungefilterte Daten&lt;br /&gt;
* Dubletten möglich&lt;br /&gt;
* Sprachzuordnung zu prüfen&lt;br /&gt;
* README unvollständig&lt;br /&gt;
* Rechtekette zu prüfen&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Hinweis: Vorlage für eine neue Tabellenzeile ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div class=&amp;quot;mw-collapsible mw-collapsed&amp;quot;&lt;br /&gt;
     style=&amp;quot;border:1px solid #a2a9b1; background:#f8f9fa; padding:0.8em 1em; margin:0.8em 0;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Vorlage anzeigen und kopieren'''&lt;br /&gt;
&amp;lt;div class=&amp;quot;mw-collapsible-content&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;pre&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [https://beispiel.de Titel der Ressource]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;Kurzbeschreibung in höchstens ein bis zwei Sätzen.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| hsb&lt;br /&gt;
| Textkorpus&lt;br /&gt;
| Name der verantwortlichen Institution&lt;br /&gt;
| &amp;lt;span style=&amp;quot;white-space:nowrap;&amp;quot;&amp;gt;✓ frei&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
| CC BY 4.0&lt;br /&gt;
| Anzahl der Texte, Sätze, Stunden oder Dateien&lt;br /&gt;
| Quelle geprüft: TT.MM.JJJJ&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;Gegebenenfalls Hinweise zu Qualität, Dokumentation oder Rechten.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/pre&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sprachdaten ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die folgende Tabelle enthält den derzeit bekannten und anhand öffentlich&lt;br /&gt;
zugänglicher Quellen überprüften Startbestand. Sie ist noch keine vollständige&lt;br /&gt;
Inventur aller sorbischen Sprachressourcen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable sortable&amp;quot; style=&amp;quot;width:100%; font-size:90%;&amp;quot;&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:21%; background-color:#eaecf0;&amp;quot; | Ressource&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:7%; background-color:#eaecf0;&amp;quot; | Sprache(n)&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:12%; background-color:#eaecf0;&amp;quot; | Typ / Modalität&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:13%; background-color:#eaecf0;&amp;quot; | Verantwortliche Institution&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:8%; background-color:#eaecf0;&amp;quot; | Zugang&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:11%; background-color:#eaecf0;&amp;quot; | Lizenz&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:12%; background-color:#eaecf0;&amp;quot; | Umfang&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:16%; background-color:#eaecf0; | Stand / Prüfhinweis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [https://huggingface.co/datasets/zalozbadev/text_collection_unfiltered Text Collection Unfiltered]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;Ungefilterte Sammlung von Texten und Dokumenten der Stiftung für das sorbische Volk in unterschiedlichen Sprachkombinationen.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| hsb, dsb, de&lt;br /&gt;
| Dokumenten- und Textsammlung&lt;br /&gt;
| Stiftung für das sorbische Volk&lt;br /&gt;
| &amp;lt;span style=&amp;quot;white-space:nowrap;&amp;quot;&amp;gt;✓ frei&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
| CC BY 4.0&lt;br /&gt;
| 28 Dokumente&amp;lt;br&amp;gt;45,2 MB&lt;br /&gt;
| Quelle geprüft: 29.07.2026&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;Office- und PDF-Dokumente; Dubletten möglich; Sprache der einzelnen Dokumente muss teilweise manuell geprüft werden.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [https://huggingface.co/datasets/WITAJ-Sprachzentrum/nowosce_webstrona nowosce_webstrona]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;Sammlung obersorbischer Nachrichten- und Webseitentexte des WITAJ-Sprachzentrums.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| hsb&lt;br /&gt;
| Webtext- / Nachrichtenkorpus&lt;br /&gt;
| WITAJ-Sprachzentrum / Domowina e. V.&lt;br /&gt;
| &amp;lt;span style=&amp;quot;white-space:nowrap;&amp;quot;&amp;gt;✓ frei&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
| CC BY 4.0&lt;br /&gt;
| 174 Texte&amp;lt;br&amp;gt;28,5 kB&lt;br /&gt;
| Quelle geprüft: 29.07.2026&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;Dataset Card enthält nur eine knappe Beschreibung.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [https://huggingface.co/datasets/WITAJ-Sprachzentrum/Teksty_k_temje_rec_a_pedagogika Teksty k temje rěč a pedagogika]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;Obersorbische Texte und Dokumente zum Themenbereich Sprache und Pädagogik.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| hsb&lt;br /&gt;
| Text- / Dokumentensammlung&lt;br /&gt;
| WITAJ-Sprachzentrum / Domowina e. V.&lt;br /&gt;
| &amp;lt;span style=&amp;quot;white-space:nowrap;&amp;quot;&amp;gt;✓ frei&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
| CC BY 4.0&lt;br /&gt;
| 1,16 MB&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;Anzahl der Dokumente nicht ausgewiesen&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| Quelle geprüft: 29.07.2026&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;README-Datei ist leer; Inhalt, Dateiformate und Entstehung sollten noch genauer dokumentiert werden.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [https://huggingface.co/datasets/WITAJ-Sprachzentrum/jurij_brezan jurij_brezan]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;Obersorbisches literarisches Textkorpus mit Texten von Jurij Brězan.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| hsb&lt;br /&gt;
| Literatur- / Textkorpus&lt;br /&gt;
| WITAJ-Sprachzentrum / Domowina e. V.&lt;br /&gt;
| &amp;lt;span style=&amp;quot;white-space:nowrap;&amp;quot;&amp;gt;✓ frei&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
| CC BY 4.0&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;laut Plattform&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| 8.013 Textabschnitte&amp;lt;br&amp;gt;787 kB&lt;br /&gt;
| Quelle geprüft: 29.07.2026&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;⚠ Rechtekette und Grundlage der Lizenzkennzeichnung vor produktiver Nachnutzung gesondert prüfen.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [https://huggingface.co/datasets/WITAJ-Sprachzentrum/llms-limited-resources2025 llms-limited-resources2025]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;Auf Hugging Face bereitgestellte Kopie beziehungsweise Zusammenstellung von Ressourcen des WMT-Shared-Tasks 2025.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| de, hsb&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;laut Plattform&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| Trainings- und Evaluationsdaten&lt;br /&gt;
| WITAJ-Sprachzentrum / TUM-NLP&lt;br /&gt;
| &amp;lt;span style=&amp;quot;white-space:nowrap;&amp;quot;&amp;gt;✓ frei&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
| CC BY 4.0&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;laut Plattform&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| 196 MB&lt;br /&gt;
| Quelle geprüft: 29.07.2026&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;Beziehung zum ursprünglichen GitHub-Repositorium, enthaltene Teilmengen und mögliche Dubletten noch genauer dokumentieren.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [https://github.com/TUM-NLP/llms-limited-resources2026/tree/main/Sorbian/MT WMT 2026 – monolinguale sorbische Korpora]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;Gefilterte und zusammengeführte monolinguale Sätze aus unterschiedlichen Quellen.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| hsb, dsb&lt;br /&gt;
| Monolinguales Textkorpus&lt;br /&gt;
| TUM-NLP&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;unter Mitwirkung des WITAJ-Sprachzentrums&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| &amp;lt;span style=&amp;quot;white-space:nowrap;&amp;quot;&amp;gt;✓ frei&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
| Apache-2.0&lt;br /&gt;
| 512.671 hsb-Sätze&amp;lt;br&amp;gt;38.028 dsb-Sätze&lt;br /&gt;
| Ausgabe 2026&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  Quelle geprüft: 29.07.2026&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;Quellenkennzeichnung ist über das Feld &amp;lt;code&amp;gt;id&amp;lt;/code&amp;gt; enthalten.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [https://github.com/TUM-NLP/llms-limited-resources2026/tree/main/Sorbian/MT WMT 2026 – parallele Trainingskorpora]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;Parallele Satzpaare für maschinelle Übersetzung zwischen Deutsch, Ober- und Niedersorbisch.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| de–hsb&amp;lt;br&amp;gt;de–dsb&amp;lt;br&amp;gt;hsb–dsb&lt;br /&gt;
| Parallelkorpus / Übersetzungsdaten&lt;br /&gt;
| TUM-NLP&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;unter Mitwirkung des WITAJ-Sprachzentrums&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| &amp;lt;span style=&amp;quot;white-space:nowrap;&amp;quot;&amp;gt;✓ frei&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
| CC BY-NC-SA&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;Version nicht ausgewiesen; Nutzungsbedingungen prüfen&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| de–hsb: 23.116 Satzpaare&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  de–dsb: 30.560 Satzpaare&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  hsb–dsb: 67.845 Satzpaare&lt;br /&gt;
| Ausgabe 2026&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  Quelle geprüft: 29.07.2026&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;Insgesamt 121.521 Satzpaare; NC- und SA-Bedingungen bei geplanter Nachnutzung beachten.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [https://github.com/TUM-NLP/llms-limited-resources2026/tree/main/Sorbian/MT WMT 2026 – MT-Entwicklungsdatensätze]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;Entwicklungs- und Evaluationsdaten für maschinelle Übersetzung.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| de–hsb&amp;lt;br&amp;gt;de–dsb&amp;lt;br&amp;gt;hsb–dsb&lt;br /&gt;
| Evaluationsdaten / Parallelkorpus&lt;br /&gt;
| TUM-NLP&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;unter Mitwirkung des WITAJ-Sprachzentrums&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| &amp;lt;span style=&amp;quot;white-space:nowrap;&amp;quot;&amp;gt;✓ frei&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
| CC BY-NC-SA&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;Version nicht ausgewiesen&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| jeweils 4.000 Satzpaare&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  insgesamt 12.000&lt;br /&gt;
| Ausgabe 2026&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  Quelle geprüft: 29.07.2026&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [https://github.com/TUM-NLP/llms-limited-resources2026/tree/main/Sorbian/QA WMT 2026 – Question Answering]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;Frage-Antwort-Daten aus realen Sprachzertifizierungsaufgaben mit Kontext, Antwortmöglichkeiten und korrekter Lösung.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| hsb, dsb&lt;br /&gt;
| Frage-Antwort- / Evaluationsdaten&lt;br /&gt;
| TUM-NLP&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;unter Mitwirkung des WITAJ-Sprachzentrums&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| &amp;lt;span style=&amp;quot;white-space:nowrap;&amp;quot;&amp;gt;✓ frei&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
| CC BY-NC-SA&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;Version nicht ausgewiesen&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| 158 Instanzen laut README&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;Verteilung auf die Sprachen nicht eindeutig ausgewiesen&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| Ausgabe 2026&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  Quelle geprüft: 29.07.2026&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [https://github.com/TUM-NLP/llms-limited-resources2026/tree/main/Sorbian/SC WMT 2026 – Rechtschreibprüfung]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;Sätze mit höchstens einem Rechtschreibfehler sowie Referenz, Fehlerwort und Korrektur.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| hsb, dsb&lt;br /&gt;
| Rechtschreib- / Evaluationsdaten&lt;br /&gt;
| TUM-NLP&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;unter Mitwirkung des WITAJ-Sprachzentrums&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| &amp;lt;span style=&amp;quot;white-space:nowrap;&amp;quot;&amp;gt;✓ frei&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
| CC BY-NC-SA&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;Version nicht ausgewiesen&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| 2.000 Instanzen laut README&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;Verteilung auf die Sprachen nicht eindeutig ausgewiesen&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| Ausgabe 2026&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  Quelle geprüft: 29.07.2026&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [https://github.com/TUM-NLP/llms-limited-resources2026/tree/main/Sorbian/GC WMT 2026 – Grammatikprüfung]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;Sätze mit höchstens einem grammatischen Fehler sowie Referenz, Fehlerwort und Korrektur.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| hsb, dsb&lt;br /&gt;
| Grammatik- / Evaluationsdaten&lt;br /&gt;
| TUM-NLP&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;unter Mitwirkung des WITAJ-Sprachzentrums&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| &amp;lt;span style=&amp;quot;white-space:nowrap;&amp;quot;&amp;gt;✓ frei&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
| CC BY-NC-SA&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;Version nicht ausgewiesen&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| 2.000 hsb-Instanzen&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  1.250 dsb-Instanzen&lt;br /&gt;
| Ausgabe 2026&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  Quelle geprüft: 29.07.2026&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [https://github.com/TUM-NLP/llms-limited-resources2026/tree/main/Sorbian/MR WMT 2026 – mathematisches Schlussfolgern]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;Mathematische Aufgaben niedriger und mittlerer Schwierigkeit mit Lösungen.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| hsb, dsb&lt;br /&gt;
| Frage-Antwort- / Evaluationsdaten&lt;br /&gt;
| TUM-NLP&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;unter Mitwirkung des WITAJ-Sprachzentrums&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| &amp;lt;span style=&amp;quot;white-space:nowrap;&amp;quot;&amp;gt;✓ frei&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
| Apache-2.0&lt;br /&gt;
| je Sprachfassung 24 Aufgaben&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;12 leicht, 12 mittel&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| Ausgabe 2026&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  Quelle geprüft: 29.07.2026&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- NEUE EINTRÄGE OBERHALB DIESER ZEILE EINFÜGEN --&amp;gt;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Modelle, Anwendungen und Dienste ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Modelle, Anwendungen und Dienste werden getrennt von den eigentlichen&lt;br /&gt;
Sprachdaten geführt. Ein Modell ist nicht dasselbe wie der Datensatz, mit dem&lt;br /&gt;
es trainiert oder geprüft wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable sortable&amp;quot; style=&amp;quot;width:100%; font-size:90%;&amp;quot;&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:25%; background-color:#eaecf0;&amp;quot; | Ressource&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:10%; background-color:#eaecf0;&amp;quot; | Sprache(n)&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:15%; background-color:#eaecf0;&amp;quot; | Art&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:15%; background-color:#eaecf0;&amp;quot; | Verantwortliche Stelle&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:10%; background-color:#eaecf0;&amp;quot; | Zugang&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:12%; background-color:#eaecf0;&amp;quot; | Lizenz / Bedingungen&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:13%; background-color:#eaecf0;&amp;quot; | Stand / Hinweis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [https://huggingface.co/tartuNLP/Qwen2.5-3B-Instruct-hsb-dsb Qwen2.5-3B-Instruct-hsb-dsb]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;Auf Ober- und Niedersorbisch angepasstes Sprachmodell für Textgenerierung, Übersetzung und Frage-Antwort-Aufgaben.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| hsb, dsb&lt;br /&gt;
| Large Language Model&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;großes Sprachmodell&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| TartuNLP&lt;br /&gt;
| &amp;lt;span style=&amp;quot;white-space:nowrap;&amp;quot;&amp;gt;✓ frei abrufbar&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
| Qwen Research License&lt;br /&gt;
| 3 Milliarden Parameter&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  Quelle geprüft: 29.07.2026&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;Forschungsmodell; laut Model Card nicht umfassend für den allgemeinen produktiven Einsatz getestet.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [https://serbski.chat/ Sotra / serbski.chat]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;Webbasierter Übersetzungsdienst zwischen Deutsch, Ober- und Niedersorbisch mit integrierter Rechtschreibprüfung.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| hsb, dsb, de&lt;br /&gt;
| Übersetzungsdienst&lt;br /&gt;
| WITAJ-Sprachzentrum / Domowina e. V.&lt;br /&gt;
| &amp;lt;span style=&amp;quot;white-space:nowrap;&amp;quot;&amp;gt;✓ öffentlich nutzbar&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
| Keine offene Lizenz für Dienst oder zugrunde liegendes Gesamtkorpus ausgewiesen&lt;br /&gt;
| Quelle geprüft: 29.07.2026&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;Der zugrunde liegende Parallelkorpus wird fortlaufend erweitert, ist über den Webdienst jedoch nicht als vollständiger Datensatz öffentlich herunterladbar.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- NEUE EINTRÄGE OBERHALB DIESER ZEILE EINFÜGEN --&amp;gt;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Pflege und Verantwortung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Empfohlenes Pflegemodell:'''&lt;br /&gt;
* Die veröffentlichende Institution prüft Rechte und Lizenz vor der Veröffentlichung.&lt;br /&gt;
* Die Institution meldet neue oder aktualisierte Ressourcen an die zentrale Redaktion.&lt;br /&gt;
* Die zentrale Redaktion prüft die Mindestmetadaten und ergänzt den Registereintrag.&lt;br /&gt;
* Jeder Eintrag wird mindestens einmal jährlich bestätigt oder aktualisiert.&lt;br /&gt;
* Änderungen an Lizenz, Zugang oder Veröffentlichungsort werden zeitnah nachgeführt.&lt;br /&gt;
* Nicht mehr verfügbare Ressourcen werden nicht gelöscht, sondern entsprechend gekennzeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Zentrale redaktionelle Verantwortung:'''&lt;br /&gt;
Stiftung für das sorbische Volk / Digitalisierungsbeauftragter,&lt;br /&gt;
in Zusammenarbeit mit den veröffentlichenden Institutionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Siehe auch ==&lt;br /&gt;
* [[10. Open Access, Open Data, Lizenzen]]&lt;br /&gt;
* [[12.4 KI, digitale Sprachtechnologien und offene Sprachdaten]]&lt;br /&gt;
* [[13.2.1 Zukünftige Maßnahmen und Schritte]]&lt;br /&gt;
* [[2.2_3 – Zentrales Register sorbischer Sprachressourcen erstellen und fortlaufend pflegen]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Sorbische Sprachressourcen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Digitale Sprachtechnologien]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Open Data]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Měrko Šenk</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://koncept.serbski-inkubator.de/index.php?title=Zentrales_Register_sorbischer_Sprachressourcen&amp;diff=1088</id>
		<title>Zentrales Register sorbischer Sprachressourcen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://koncept.serbski-inkubator.de/index.php?title=Zentrales_Register_sorbischer_Sprachressourcen&amp;diff=1088"/>
		<updated>2026-07-29T14:09:26Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Měrko Šenk: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;__TOC__&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;border-left:6px solid #3366cc; background:#f8f9fa; padding:1em 1.2em; margin:0 0 1.2em 0;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;font-size:125%; font-weight:bold; margin-bottom:0.4em;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Zentrales Register sorbischer Sprachressourcen&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Register bietet eine institutionsübergreifende Übersicht über veröffentlichte Sprachdaten für die ober- und niedersorbische Sprache.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ressourcen selbst werden weiterhin dezentral durch die jeweils verantwortlichen Institutionen, Projekte oder Forschungseinrichtungen veröffentlicht. Das Register weist nach, '''welche Ressourcen vorhanden sind, wo sie liegen, wie sie zugänglich sind und welche Lizenz angegeben ist'''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Letzte Änderung dieser Wiki-Seite:'''&lt;br /&gt;
{{REVISIONDAY2}}.{{REVISIONMONTH}}.{{REVISIONYEAR}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schnellzugriff:'''&lt;br /&gt;
[[#Sprachdaten|Sprachdaten]] ·&lt;br /&gt;
[[#Modelle, Anwendungen und Dienste|Modelle und Dienste]] ·&lt;br /&gt;
[[#Neue Ressource ergänzen|Neue Ressource ergänzen]] ·&lt;br /&gt;
[[#Bedeutung der Datenfelder|Datenfelder erläutert]]&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zweck des Registers ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Register unterstützt die Umsetzung des '''Beschlusses Nr. 761 der Stiftung für das sorbische Volk'''.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Beschluss_761&amp;quot;&amp;gt;Vgl. Stiftung für das sorbische Volk 2026: Beschlussprotokoll der 92. Sitzung des Stiftungsrates vom 19.05.2026, '''Beschluss Nr. 761''', S. 3. URL: https://zalozba.de/fileadmin/user_upload/Dokumente/Beschlussprotokolle/2026-05-19_Beschlussprotokoll_751-765.pdf, abgerufen am 27.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf Grundlage relevanter Nutzungsszenarien für digitale Sprachtechnologien soll untersucht werden, welche quantitativen, qualitativen, inhaltlichen und nutzungsrechtlichen Bedarfe an Sprachdaten bestehen. Das Register dokumentiert hierfür den bereits bekannten und veröffentlichten Bestand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Was enthält das Register? ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot; style=&amp;quot;width:100%;&amp;quot;&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:33%; background-color:#eaecf0;&amp;quot; | Enthalten&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:33%; background-color:#eaecf0;&amp;quot; | Nicht enthalten&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:34%; background-color:#eaecf0;&amp;quot; | Grundprinzip&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot; |&lt;br /&gt;
* veröffentlichte Textkorpora&lt;br /&gt;
* Parallel- und Übersetzungsdaten&lt;br /&gt;
* Wörterbücher, Wortlisten und Terminologien&lt;br /&gt;
* Audio- und Transkriptionsdaten&lt;br /&gt;
* Video- und Transkriptionsdaten&lt;br /&gt;
* Frage-Antwort-Daten&lt;br /&gt;
* Test- und Evaluationsdaten&lt;br /&gt;
* Daten für Rechtschreib- und Grammatikprüfung&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* interne Speicherorte&lt;br /&gt;
* personenbezogene oder vertrauliche Angaben&lt;br /&gt;
* rechtlich nicht freigegebene Dateien&lt;br /&gt;
* vollständige technische Detaildokumentationen&lt;br /&gt;
* eine eigenständige rechtliche Freigabe&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
'''Dezentrale Veröffentlichung – zentraler Nachweis'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Daten verbleiben auf Hugging Face, GitHub, institutionellen Repositorien&lt;br /&gt;
oder anderen geeigneten Plattformen. Im Wiki wird nur der zentrale,&lt;br /&gt;
einheitliche Nachweis geführt.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Hinweise zur Nutzung ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;div class=&amp;quot;mw-collapsible mw-collapsed&amp;quot;&lt;br /&gt;
     style=&amp;quot;border:1px solid #a2a9b1; background:#f8f9fa; padding:0.8em 1em; margin:0.8em 0;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Hinweise zur Nutzung der Tabellen anzeigen'''&lt;br /&gt;
&amp;lt;div class=&amp;quot;mw-collapsible-content&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Tabellen können durch Anklicken der Spaltenüberschriften sortiert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verwendete Kennzeichnungen:&lt;br /&gt;
* &amp;lt;span style=&amp;quot;white-space:nowrap;&amp;quot;&amp;gt;'''✓ frei'''&amp;lt;/span&amp;gt; – ohne Anmeldung öffentlich abrufbar&lt;br /&gt;
* &amp;lt;span style=&amp;quot;white-space:nowrap;&amp;quot;&amp;gt;'''◐ Registrierung'''&amp;lt;/span&amp;gt; – Zugang nach Anmeldung oder Freischaltung&lt;br /&gt;
* &amp;lt;span style=&amp;quot;white-space:nowrap;&amp;quot;&amp;gt;'''✉ auf Anfrage'''&amp;lt;/span&amp;gt; – Zugang nur nach Kontaktaufnahme&lt;br /&gt;
* &amp;lt;span style=&amp;quot;white-space:nowrap;&amp;quot;&amp;gt;'''ⓘ nur Metadaten'''&amp;lt;/span&amp;gt; – Beschreibung vorhanden, Daten selbst nicht öffentlich&lt;br /&gt;
* &amp;lt;span style=&amp;quot;white-space:nowrap;&amp;quot;&amp;gt;'''⚠ Prüfbedarf'''&amp;lt;/span&amp;gt; – Angaben sind unvollständig oder sollten überprüft werden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Spalte „Zugang“ beschreibt nur die technische Erreichbarkeit. Sie sagt&lt;br /&gt;
nicht aus, dass jede Form der Nutzung rechtlich erlaubt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Hinweis: Neue Ressource ergänzen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div class=&amp;quot;mw-collapsible mw-collapsed&amp;quot;&lt;br /&gt;
     style=&amp;quot;border:1px solid #a2a9b1; background:#f8f9fa; padding:0.8em 1em; margin:0.8em 0;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Anleitung zum Eintragen oder Aktualisieren einer Ressource'''&lt;br /&gt;
&amp;lt;div class=&amp;quot;mw-collapsible-content&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Oben rechts ein Benutzerkonto anlegen und anmelden.&lt;br /&gt;
# Falls keine Schaltfläche „Bearbeiten“ oder „Quelltext bearbeiten“ angezeigt wird, die zuständige Wiki-Administration um Bearbeitungsrechte bitten.&lt;br /&gt;
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# In der Tabelle eine bestehende Zeile vom Zeichen &amp;lt;code&amp;gt;|-&amp;lt;/code&amp;gt; bis unmittelbar vor der nächsten Zeile kopieren.&lt;br /&gt;
# Die kopierte Zeile vor dem Kommentar „NEUE EINTRÄGE OBERHALB DIESER ZEILE EINFÜGEN“ einfügen.&lt;br /&gt;
# Sämtliche Beispielwerte ersetzen.&lt;br /&gt;
# „Vorschau zeigen“ wählen und insbesondere Links, Tabellenstruktur und Zeilenumbrüche prüfen.&lt;br /&gt;
# Eine kurze Bearbeitungszusammenfassung eingeben, zum Beispiel „Neue Sprachressource ergänzt“.&lt;br /&gt;
# Seite speichern.&lt;br /&gt;
# Falls das Wiki bestätigte Versionen verwendet, kann anschließend noch eine redaktionelle Freigabe notwendig sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Eine Ressource erhält eine eigene Zeile, wenn sich mindestens eines dieser&lt;br /&gt;
Merkmale wesentlich unterscheidet:'''&lt;br /&gt;
* Lizenz,&lt;br /&gt;
* Zugang,&lt;br /&gt;
* Sprache,&lt;br /&gt;
* Ressourcentyp,&lt;br /&gt;
* verantwortliche Institution,&lt;br /&gt;
* Veröffentlichungsort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Repositorium mit mehreren unterschiedlich lizenzierten Datensätzen darf&lt;br /&gt;
deshalb nicht pauschal als eine einzige Ressource eingetragen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Hinweis: Bedeutung der Datenfelder ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div class=&amp;quot;mw-collapsible mw-collapsed&amp;quot;&lt;br /&gt;
     style=&amp;quot;border:1px solid #a2a9b1; background:#f8f9fa; padding:0.8em 1em; margin:0.8em 0;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Welche Angaben gehören in welche Spalte?'''&lt;br /&gt;
&amp;lt;div class=&amp;quot;mw-collapsible-content&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot; style=&amp;quot;width:100%;&amp;quot;&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:16%;&amp;quot; | Feld&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:42%;&amp;quot; | Einzutragende Information&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:42%;&amp;quot; | Zulässige beziehungsweise empfohlene Werte&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Ressource&lt;br /&gt;
| Öffentlicher Titel mit direktem Link und einer Beschreibung in höchstens ein bis zwei Sätzen.&lt;br /&gt;
| Der Link soll möglichst direkt zur Dataset Card, README-Datei, Detailseite oder Downloadseite führen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Sprache(n)&lt;br /&gt;
| Sprache oder Sprachkombination der Ressource.&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* &amp;lt;code&amp;gt;hsb&amp;lt;/code&amp;gt; – Obersorbisch&lt;br /&gt;
* &amp;lt;code&amp;gt;dsb&amp;lt;/code&amp;gt; – Niedersorbisch&lt;br /&gt;
* &amp;lt;code&amp;gt;de&amp;lt;/code&amp;gt; – Deutsch&lt;br /&gt;
* weitere Sprachcodes bei mehrsprachigen Ressourcen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Typ / Modalität&lt;br /&gt;
| Inhaltliche und technische Grundart der Ressource.&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* Textkorpus&lt;br /&gt;
* Parallelkorpus&lt;br /&gt;
* Dokumentensammlung&lt;br /&gt;
* Wörterbuch / Lexikon&lt;br /&gt;
* Terminologie / Wortliste&lt;br /&gt;
* Audiodaten&lt;br /&gt;
* Audio mit Transkription&lt;br /&gt;
* Frage-Antwort-Daten&lt;br /&gt;
* Rechtschreibdaten&lt;br /&gt;
* Grammatikdaten&lt;br /&gt;
* Evaluations-/Testdaten&lt;br /&gt;
* OCR-Daten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Verantwortliche Institution&lt;br /&gt;
| Institution oder Projekt, das die Ressource veröffentlicht beziehungsweise fachlich verantwortet.&lt;br /&gt;
| Nicht pauschal „Eigentümer“ eintragen, da veröffentlichende Stelle und Rechteinhaber voneinander abweichen können.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Zugang&lt;br /&gt;
| Technische Verfügbarkeit der Ressource.&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* ✓ frei&lt;br /&gt;
* ◐ Registrierung&lt;br /&gt;
* ✉ auf Anfrage&lt;br /&gt;
* ⓘ nur Metadaten&lt;br /&gt;
* nicht mehr verfügbar&lt;br /&gt;
* unklar&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Lizenz&lt;br /&gt;
| Exakte Lizenzbezeichnung einschließlich Version.&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
Beispiele:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* CC0 1.0&lt;br /&gt;
* CC BY 4.0&lt;br /&gt;
* Apache-2.0&lt;br /&gt;
* CC BY-NC-SA, Version nicht ausgewiesen&lt;br /&gt;
* keine Lizenz ausgewiesen&lt;br /&gt;
* Lizenz noch zu prüfen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Umfang&lt;br /&gt;
| Aussagekräftigste verfügbare Mengeneinheit.&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
Je nach Ressource beispielsweise:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Dokumente&lt;br /&gt;
* Texte&lt;br /&gt;
* Sätze oder Satzpaare&lt;br /&gt;
* Wörter&lt;br /&gt;
* Tokens&lt;br /&gt;
* Einträge&lt;br /&gt;
* Stunden Audio&lt;br /&gt;
* Sprecherinnen und Sprecher&lt;br /&gt;
* Dateien und Dateigröße&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Falls kein Umfang dokumentiert ist, „nicht dokumentiert“ eintragen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Stand / Prüfhinweis&lt;br /&gt;
| Version oder Veröffentlichungsstand, Datum der letzten Registerprüfung sowie bekannte Einschränkungen.&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
Beispiel:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;code&amp;gt;Quelle geprüft: 29.07.2026&amp;lt;/code&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusätzlich gegebenenfalls:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* ungefilterte Daten&lt;br /&gt;
* Dubletten möglich&lt;br /&gt;
* Sprachzuordnung zu prüfen&lt;br /&gt;
* README unvollständig&lt;br /&gt;
* Rechtekette zu prüfen&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Hinweis: Vorlage für eine neue Tabellenzeile ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div class=&amp;quot;mw-collapsible mw-collapsed&amp;quot;&lt;br /&gt;
     style=&amp;quot;border:1px solid #a2a9b1; background:#f8f9fa; padding:0.8em 1em; margin:0.8em 0;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Vorlage anzeigen und kopieren'''&lt;br /&gt;
&amp;lt;div class=&amp;quot;mw-collapsible-content&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;pre&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [https://beispiel.de Titel der Ressource]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;Kurzbeschreibung in höchstens ein bis zwei Sätzen.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| hsb&lt;br /&gt;
| Textkorpus&lt;br /&gt;
| Name der verantwortlichen Institution&lt;br /&gt;
| &amp;lt;span style=&amp;quot;white-space:nowrap;&amp;quot;&amp;gt;✓ frei&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
| CC BY 4.0&lt;br /&gt;
| Anzahl der Texte, Sätze, Stunden oder Dateien&lt;br /&gt;
| Quelle geprüft: TT.MM.JJJJ&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;Gegebenenfalls Hinweise zu Qualität, Dokumentation oder Rechten.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/pre&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sprachdaten ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die folgende Tabelle enthält den derzeit bekannten und anhand öffentlich&lt;br /&gt;
zugänglicher Quellen überprüften Startbestand. Sie ist noch keine vollständige&lt;br /&gt;
Inventur aller sorbischen Sprachressourcen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable sortable&amp;quot; style=&amp;quot;width:100%; font-size:90%;&amp;quot;&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:21%; background-color:#eaecf0;&amp;quot; | Ressource&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:7%; background-color:#eaecf0;&amp;quot; | Sprache(n)&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:12%; background-color:#eaecf0;&amp;quot; | Typ / Modalität&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:13%; background-color:#eaecf0;&amp;quot; | Verantwortliche Institution&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:8%; background-color:#eaecf0;&amp;quot; | Zugang&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:11%; background-color:#eaecf0;&amp;quot; | Lizenz&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:12%; background-color:#eaecf0;&amp;quot; | Umfang&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:16%; background-color:#eaecf0; | Stand / Prüfhinweis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [https://huggingface.co/datasets/zalozbadev/text_collection_unfiltered Text Collection Unfiltered]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;Ungefilterte Sammlung von Texten und Dokumenten der Stiftung für das sorbische Volk in unterschiedlichen Sprachkombinationen.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| hsb, dsb, de&lt;br /&gt;
| Dokumenten- und Textsammlung&lt;br /&gt;
| Stiftung für das sorbische Volk&lt;br /&gt;
| &amp;lt;span style=&amp;quot;white-space:nowrap;&amp;quot;&amp;gt;✓ frei&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
| CC BY 4.0&lt;br /&gt;
| 28 Dokumente&amp;lt;br&amp;gt;45,2 MB&lt;br /&gt;
| Quelle geprüft: 29.07.2026&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;Office- und PDF-Dokumente; Dubletten möglich; Sprache der einzelnen Dokumente muss teilweise manuell geprüft werden.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [https://huggingface.co/datasets/WITAJ-Sprachzentrum/nowosce_webstrona nowosce_webstrona]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;Sammlung obersorbischer Nachrichten- und Webseitentexte des WITAJ-Sprachzentrums.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| hsb&lt;br /&gt;
| Webtext- / Nachrichtenkorpus&lt;br /&gt;
| WITAJ-Sprachzentrum / Domowina e. V.&lt;br /&gt;
| &amp;lt;span style=&amp;quot;white-space:nowrap;&amp;quot;&amp;gt;✓ frei&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
| CC BY 4.0&lt;br /&gt;
| 174 Texte&amp;lt;br&amp;gt;28,5 kB&lt;br /&gt;
| Quelle geprüft: 29.07.2026&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;Dataset Card enthält nur eine knappe Beschreibung.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [https://huggingface.co/datasets/WITAJ-Sprachzentrum/Teksty_k_temje_rec_a_pedagogika Teksty k temje rěč a pedagogika]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;Obersorbische Texte und Dokumente zum Themenbereich Sprache und Pädagogik.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| hsb&lt;br /&gt;
| Text- / Dokumentensammlung&lt;br /&gt;
| WITAJ-Sprachzentrum / Domowina e. V.&lt;br /&gt;
| &amp;lt;span style=&amp;quot;white-space:nowrap;&amp;quot;&amp;gt;✓ frei&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
| CC BY 4.0&lt;br /&gt;
| 1,16 MB&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;Anzahl der Dokumente nicht ausgewiesen&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| Quelle geprüft: 29.07.2026&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;README-Datei ist leer; Inhalt, Dateiformate und Entstehung sollten noch genauer dokumentiert werden.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [https://huggingface.co/datasets/WITAJ-Sprachzentrum/jurij_brezan jurij_brezan]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;Obersorbisches literarisches Textkorpus mit Texten von Jurij Brězan.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| hsb&lt;br /&gt;
| Literatur- / Textkorpus&lt;br /&gt;
| WITAJ-Sprachzentrum / Domowina e. V.&lt;br /&gt;
| &amp;lt;span style=&amp;quot;white-space:nowrap;&amp;quot;&amp;gt;✓ frei&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
| CC BY 4.0&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;laut Plattform&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| 8.013 Textabschnitte&amp;lt;br&amp;gt;787 kB&lt;br /&gt;
| Quelle geprüft: 29.07.2026&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;⚠ Rechtekette und Grundlage der Lizenzkennzeichnung vor produktiver Nachnutzung gesondert prüfen.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [https://huggingface.co/datasets/WITAJ-Sprachzentrum/llms-limited-resources2025 llms-limited-resources2025]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;Auf Hugging Face bereitgestellte Kopie beziehungsweise Zusammenstellung von Ressourcen des WMT-Shared-Tasks 2025.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| de, hsb&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;laut Plattform&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| Trainings- und Evaluationsdaten&lt;br /&gt;
| WITAJ-Sprachzentrum / TUM-NLP&lt;br /&gt;
| &amp;lt;span style=&amp;quot;white-space:nowrap;&amp;quot;&amp;gt;✓ frei&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
| CC BY 4.0&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;laut Plattform&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| 196 MB&lt;br /&gt;
| Quelle geprüft: 29.07.2026&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;Beziehung zum ursprünglichen GitHub-Repositorium, enthaltene Teilmengen und mögliche Dubletten noch genauer dokumentieren.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [https://github.com/TUM-NLP/llms-limited-resources2026/tree/main/Sorbian/MT WMT 2026 – monolinguale sorbische Korpora]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;Gefilterte und zusammengeführte monolinguale Sätze aus unterschiedlichen Quellen.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| hsb, dsb&lt;br /&gt;
| Monolinguales Textkorpus&lt;br /&gt;
| TUM-NLP&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;unter Mitwirkung des WITAJ-Sprachzentrums&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| &amp;lt;span style=&amp;quot;white-space:nowrap;&amp;quot;&amp;gt;✓ frei&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
| Apache-2.0&lt;br /&gt;
| 512.671 hsb-Sätze&amp;lt;br&amp;gt;38.028 dsb-Sätze&lt;br /&gt;
| Ausgabe 2026&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  Quelle geprüft: 29.07.2026&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;Quellenkennzeichnung ist über das Feld &amp;lt;code&amp;gt;id&amp;lt;/code&amp;gt; enthalten.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [https://github.com/TUM-NLP/llms-limited-resources2026/tree/main/Sorbian/MT WMT 2026 – parallele Trainingskorpora]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;Parallele Satzpaare für maschinelle Übersetzung zwischen Deutsch, Ober- und Niedersorbisch.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| de–hsb&amp;lt;br&amp;gt;de–dsb&amp;lt;br&amp;gt;hsb–dsb&lt;br /&gt;
| Parallelkorpus / Übersetzungsdaten&lt;br /&gt;
| TUM-NLP&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;unter Mitwirkung des WITAJ-Sprachzentrums&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| &amp;lt;span style=&amp;quot;white-space:nowrap;&amp;quot;&amp;gt;✓ frei&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
| CC BY-NC-SA&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;Version nicht ausgewiesen; Nutzungsbedingungen prüfen&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| de–hsb: 23.116 Satzpaare&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  de–dsb: 30.560 Satzpaare&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  hsb–dsb: 67.845 Satzpaare&lt;br /&gt;
| Ausgabe 2026&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  Quelle geprüft: 29.07.2026&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;Insgesamt 121.521 Satzpaare; NC- und SA-Bedingungen bei geplanter Nachnutzung beachten.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [https://github.com/TUM-NLP/llms-limited-resources2026/tree/main/Sorbian/MT WMT 2026 – MT-Entwicklungsdatensätze]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;Entwicklungs- und Evaluationsdaten für maschinelle Übersetzung.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| de–hsb&amp;lt;br&amp;gt;de–dsb&amp;lt;br&amp;gt;hsb–dsb&lt;br /&gt;
| Evaluationsdaten / Parallelkorpus&lt;br /&gt;
| TUM-NLP&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;unter Mitwirkung des WITAJ-Sprachzentrums&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| &amp;lt;span style=&amp;quot;white-space:nowrap;&amp;quot;&amp;gt;✓ frei&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
| CC BY-NC-SA&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;Version nicht ausgewiesen&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| jeweils 4.000 Satzpaare&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  insgesamt 12.000&lt;br /&gt;
| Ausgabe 2026&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  Quelle geprüft: 29.07.2026&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [https://github.com/TUM-NLP/llms-limited-resources2026/tree/main/Sorbian/QA WMT 2026 – Question Answering]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;Frage-Antwort-Daten aus realen Sprachzertifizierungsaufgaben mit Kontext, Antwortmöglichkeiten und korrekter Lösung.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| hsb, dsb&lt;br /&gt;
| Frage-Antwort- / Evaluationsdaten&lt;br /&gt;
| TUM-NLP&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;unter Mitwirkung des WITAJ-Sprachzentrums&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| &amp;lt;span style=&amp;quot;white-space:nowrap;&amp;quot;&amp;gt;✓ frei&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
| CC BY-NC-SA&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;Version nicht ausgewiesen&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| 158 Instanzen laut README&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;Verteilung auf die Sprachen nicht eindeutig ausgewiesen&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| Ausgabe 2026&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  Quelle geprüft: 29.07.2026&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [https://github.com/TUM-NLP/llms-limited-resources2026/tree/main/Sorbian/SC WMT 2026 – Rechtschreibprüfung]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;Sätze mit höchstens einem Rechtschreibfehler sowie Referenz, Fehlerwort und Korrektur.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| hsb, dsb&lt;br /&gt;
| Rechtschreib- / Evaluationsdaten&lt;br /&gt;
| TUM-NLP&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;unter Mitwirkung des WITAJ-Sprachzentrums&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| &amp;lt;span style=&amp;quot;white-space:nowrap;&amp;quot;&amp;gt;✓ frei&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
| CC BY-NC-SA&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;Version nicht ausgewiesen&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| 2.000 Instanzen laut README&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;Verteilung auf die Sprachen nicht eindeutig ausgewiesen&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| Ausgabe 2026&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  Quelle geprüft: 29.07.2026&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [https://github.com/TUM-NLP/llms-limited-resources2026/tree/main/Sorbian/GC WMT 2026 – Grammatikprüfung]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;Sätze mit höchstens einem grammatischen Fehler sowie Referenz, Fehlerwort und Korrektur.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| hsb, dsb&lt;br /&gt;
| Grammatik- / Evaluationsdaten&lt;br /&gt;
| TUM-NLP&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;unter Mitwirkung des WITAJ-Sprachzentrums&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| &amp;lt;span style=&amp;quot;white-space:nowrap;&amp;quot;&amp;gt;✓ frei&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
| CC BY-NC-SA&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;Version nicht ausgewiesen&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| 2.000 hsb-Instanzen&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  1.250 dsb-Instanzen&lt;br /&gt;
| Ausgabe 2026&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  Quelle geprüft: 29.07.2026&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [https://github.com/TUM-NLP/llms-limited-resources2026/tree/main/Sorbian/MR WMT 2026 – mathematisches Schlussfolgern]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;Mathematische Aufgaben niedriger und mittlerer Schwierigkeit mit Lösungen.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| hsb, dsb&lt;br /&gt;
| Frage-Antwort- / Evaluationsdaten&lt;br /&gt;
| TUM-NLP&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;unter Mitwirkung des WITAJ-Sprachzentrums&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| &amp;lt;span style=&amp;quot;white-space:nowrap;&amp;quot;&amp;gt;✓ frei&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
| Apache-2.0&lt;br /&gt;
| je Sprachfassung 24 Aufgaben&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;12 leicht, 12 mittel&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| Ausgabe 2026&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  Quelle geprüft: 29.07.2026&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- NEUE EINTRÄGE OBERHALB DIESER ZEILE EINFÜGEN --&amp;gt;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Modelle, Anwendungen und Dienste ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Modelle, Anwendungen und Dienste werden getrennt von den eigentlichen&lt;br /&gt;
Sprachdaten geführt. Ein Modell ist nicht dasselbe wie der Datensatz, mit dem&lt;br /&gt;
es trainiert oder geprüft wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable sortable&amp;quot; style=&amp;quot;width:100%; font-size:90%;&amp;quot;&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:25%; background-color:#eaecf0;&amp;quot; | Ressource&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:10%; background-color:#eaecf0;&amp;quot; | Sprache(n)&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:15%; background-color:#eaecf0;&amp;quot; | Art&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:15%; background-color:#eaecf0;&amp;quot; | Verantwortliche Stelle&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:10%; background-color:#eaecf0;&amp;quot; | Zugang&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:12%; background-color:#eaecf0;&amp;quot; | Lizenz / Bedingungen&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:13%; background-color:#eaecf0;&amp;quot; | Stand / Hinweis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [https://huggingface.co/tartuNLP/Qwen2.5-3B-Instruct-hsb-dsb Qwen2.5-3B-Instruct-hsb-dsb]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;Auf Ober- und Niedersorbisch angepasstes Sprachmodell für Textgenerierung, Übersetzung und Frage-Antwort-Aufgaben.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| hsb, dsb&lt;br /&gt;
| Large Language Model&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;großes Sprachmodell&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| TartuNLP&lt;br /&gt;
| &amp;lt;span style=&amp;quot;white-space:nowrap;&amp;quot;&amp;gt;✓ frei abrufbar&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
| Qwen Research License&lt;br /&gt;
| 3 Milliarden Parameter&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  Quelle geprüft: 29.07.2026&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;Forschungsmodell; laut Model Card nicht umfassend für den allgemeinen produktiven Einsatz getestet.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [https://serbski.chat/ Sotra / serbski.chat]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;Webbasierter Übersetzungsdienst zwischen Deutsch, Ober- und Niedersorbisch mit integrierter Rechtschreibprüfung.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| hsb, dsb, de&lt;br /&gt;
| Übersetzungsdienst&lt;br /&gt;
| WITAJ-Sprachzentrum / Domowina e. V.&lt;br /&gt;
| &amp;lt;span style=&amp;quot;white-space:nowrap;&amp;quot;&amp;gt;✓ öffentlich nutzbar&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
| Keine offene Lizenz für Dienst oder zugrunde liegendes Gesamtkorpus ausgewiesen&lt;br /&gt;
| Quelle geprüft: 29.07.2026&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;Der zugrunde liegende Parallelkorpus wird fortlaufend erweitert, ist über den Webdienst jedoch nicht als vollständiger Datensatz öffentlich herunterladbar.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- NEUE EINTRÄGE OBERHALB DIESER ZEILE EINFÜGEN --&amp;gt;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Pflege und Verantwortung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Empfohlenes Pflegemodell:'''&lt;br /&gt;
* Die veröffentlichende Institution prüft Rechte und Lizenz vor der Veröffentlichung.&lt;br /&gt;
* Die Institution meldet neue oder aktualisierte Ressourcen an die zentrale Redaktion.&lt;br /&gt;
* Die zentrale Redaktion prüft die Mindestmetadaten und ergänzt den Registereintrag.&lt;br /&gt;
* Jeder Eintrag wird mindestens einmal jährlich bestätigt oder aktualisiert.&lt;br /&gt;
* Änderungen an Lizenz, Zugang oder Veröffentlichungsort werden zeitnah nachgeführt.&lt;br /&gt;
* Nicht mehr verfügbare Ressourcen werden nicht gelöscht, sondern entsprechend gekennzeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Zentrale redaktionelle Verantwortung:'''&lt;br /&gt;
Stiftung für das sorbische Volk / Digitalisierungsbeauftragter,&lt;br /&gt;
in Zusammenarbeit mit den veröffentlichenden Institutionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Siehe auch ==&lt;br /&gt;
* [[10. Open Access, Open Data, Lizenzen]]&lt;br /&gt;
* [[12.4 KI, digitale Sprachtechnologien und offene Sprachdaten]]&lt;br /&gt;
* [[13.2.1 Zukünftige Maßnahmen und Schritte]]&lt;br /&gt;
* [[2.2_3 – Zentrales Register sorbischer Sprachressourcen erstellen und fortlaufend pflegen]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Sorbische Sprachressourcen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Digitale Sprachtechnologien]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Open Data]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Měrko Šenk</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://koncept.serbski-inkubator.de/index.php?title=Zentrales_Register_sorbischer_Sprachressourcen&amp;diff=1087</id>
		<title>Zentrales Register sorbischer Sprachressourcen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://koncept.serbski-inkubator.de/index.php?title=Zentrales_Register_sorbischer_Sprachressourcen&amp;diff=1087"/>
		<updated>2026-07-29T14:06:13Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Měrko Šenk: Wutwori stronu z '__TOC__  &amp;lt;div style=&amp;quot;border-left:6px solid #3366cc; background:#f8f9fa; padding:1em 1.2em; margin:0 0 1.2em 0;&amp;quot;&amp;gt; &amp;lt;div style=&amp;quot;font-size:125%; font-weight:bold; margin-bottom:0.4…'&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;__TOC__&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;border-left:6px solid #3366cc; background:#f8f9fa; padding:1em 1.2em; margin:0 0 1.2em 0;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;font-size:125%; font-weight:bold; margin-bottom:0.4em;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Zentrales Register sorbischer Sprachressourcen&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Register bietet eine institutionsübergreifende Übersicht über veröffentlichte Sprachdaten für die ober- und niedersorbische Sprache.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ressourcen selbst werden weiterhin dezentral durch die jeweils verantwortlichen Institutionen, Projekte oder Forschungseinrichtungen veröffentlicht. Das Register weist nach, '''welche Ressourcen vorhanden sind, wo sie liegen, wie sie zugänglich sind und welche Lizenz angegeben ist'''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Letzte Änderung dieser Wiki-Seite:'''&lt;br /&gt;
{{REVISIONDAY2}}.{{REVISIONMONTH}}.{{REVISIONYEAR}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Schnellzugriff:'''&lt;br /&gt;
[[#Sprachdaten|Sprachdaten]] ·&lt;br /&gt;
[[#Modelle, Anwendungen und Dienste|Modelle und Dienste]] ·&lt;br /&gt;
[[#Neue Ressource ergänzen|Neue Ressource ergänzen]] ·&lt;br /&gt;
[[#Bedeutung der Datenfelder|Datenfelder erläutert]]&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zweck und strategischer Zusammenhang ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Register unterstützt die Umsetzung des '''Beschlusses Nr. 761 der Stiftung für das sorbische Volk'''.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Beschluss_761&amp;quot;&amp;gt;Vgl. Stiftung für das sorbische Volk 2026: Beschlussprotokoll der 92. Sitzung des Stiftungsrates vom 19.05.2026, '''Beschluss Nr. 761''', S. 3. URL: https://zalozba.de/fileadmin/user_upload/Dokumente/Beschlussprotokolle/2026-05-19_Beschlussprotokoll_751-765.pdf, abgerufen am 27.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf Grundlage relevanter Nutzungsszenarien für digitale Sprachtechnologien soll untersucht werden, welche quantitativen, qualitativen, inhaltlichen und nutzungsrechtlichen Bedarfe an Sprachdaten bestehen. Das Register dokumentiert hierfür den bereits bekannten und veröffentlichten Bestand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Was enthält das Register? ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot; style=&amp;quot;width:100%;&amp;quot;&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:33%; background-color:#eaecf0;&amp;quot; | Enthalten&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:33%; background-color:#eaecf0;&amp;quot; | Nicht enthalten&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:34%; background-color:#eaecf0;&amp;quot; | Grundprinzip&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| style=&amp;quot;vertical-align:top;&amp;quot; |&lt;br /&gt;
* veröffentlichte Textkorpora&lt;br /&gt;
* Parallel- und Übersetzungsdaten&lt;br /&gt;
* Wörterbücher, Wortlisten und Terminologien&lt;br /&gt;
* Audio- und Transkriptionsdaten&lt;br /&gt;
* Video- und Transkriptionsdaten&lt;br /&gt;
* Frage-Antwort-Daten&lt;br /&gt;
* Test- und Evaluationsdaten&lt;br /&gt;
* Daten für Rechtschreib- und Grammatikprüfung&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* interne Speicherorte&lt;br /&gt;
* personenbezogene oder vertrauliche Angaben&lt;br /&gt;
* rechtlich nicht freigegebene Dateien&lt;br /&gt;
* vollständige technische Detaildokumentationen&lt;br /&gt;
* eine eigenständige rechtliche Freigabe&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
'''Dezentrale Veröffentlichung – zentraler Nachweis'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Daten verbleiben auf Hugging Face, GitHub, institutionellen Repositorien&lt;br /&gt;
oder anderen geeigneten Plattformen. Im Wiki wird nur der zentrale,&lt;br /&gt;
einheitliche Nachweis geführt.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Hinweise zur Nutzung der Tabellen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;div class=&amp;quot;mw-collapsible mw-collapsed&amp;quot;&lt;br /&gt;
     style=&amp;quot;border:1px solid #a2a9b1; background:#f8f9fa; padding:0.8em 1em; margin:0.8em 0;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Hinweise anzeigen'''&lt;br /&gt;
&amp;lt;div class=&amp;quot;mw-collapsible-content&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Tabellen können durch Anklicken der Spaltenüberschriften sortiert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verwendete Kennzeichnungen:&lt;br /&gt;
* &amp;lt;span style=&amp;quot;white-space:nowrap;&amp;quot;&amp;gt;'''✓ frei'''&amp;lt;/span&amp;gt; – ohne Anmeldung öffentlich abrufbar&lt;br /&gt;
* &amp;lt;span style=&amp;quot;white-space:nowrap;&amp;quot;&amp;gt;'''◐ Registrierung'''&amp;lt;/span&amp;gt; – Zugang nach Anmeldung oder Freischaltung&lt;br /&gt;
* &amp;lt;span style=&amp;quot;white-space:nowrap;&amp;quot;&amp;gt;'''✉ auf Anfrage'''&amp;lt;/span&amp;gt; – Zugang nur nach Kontaktaufnahme&lt;br /&gt;
* &amp;lt;span style=&amp;quot;white-space:nowrap;&amp;quot;&amp;gt;'''ⓘ nur Metadaten'''&amp;lt;/span&amp;gt; – Beschreibung vorhanden, Daten selbst nicht öffentlich&lt;br /&gt;
* &amp;lt;span style=&amp;quot;white-space:nowrap;&amp;quot;&amp;gt;'''⚠ Prüfbedarf'''&amp;lt;/span&amp;gt; – Angaben sind unvollständig oder sollten überprüft werden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Spalte „Zugang“ beschreibt nur die technische Erreichbarkeit. Sie sagt&lt;br /&gt;
nicht aus, dass jede Form der Nutzung rechtlich erlaubt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Hinweis: Neue Ressource ergänzen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div class=&amp;quot;mw-collapsible mw-collapsed&amp;quot;&lt;br /&gt;
     style=&amp;quot;border:1px solid #a2a9b1; background:#f8f9fa; padding:0.8em 1em; margin:0.8em 0;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Anleitung zum Eintragen oder Aktualisieren einer Ressource'''&lt;br /&gt;
&amp;lt;div class=&amp;quot;mw-collapsible-content&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Oben rechts ein Benutzerkonto anlegen und anmelden.&lt;br /&gt;
# Falls keine Schaltfläche „Bearbeiten“ oder „Quelltext bearbeiten“ angezeigt wird, die zuständige Wiki-Administration um Bearbeitungsrechte bitten.&lt;br /&gt;
# Vor dem Eintragen prüfen, ob die Ressource bereits in der Tabelle vorhanden ist.&lt;br /&gt;
# Die maßgebliche Veröffentlichungsseite öffnen und mindestens Titel, Sprache, Institution, Zugang, Lizenz und Umfang prüfen.&lt;br /&gt;
# Im Wiki „Quelltext bearbeiten“ wählen.&lt;br /&gt;
# In der Tabelle eine bestehende Zeile vom Zeichen &amp;lt;code&amp;gt;|-&amp;lt;/code&amp;gt; bis unmittelbar vor der nächsten Zeile kopieren.&lt;br /&gt;
# Die kopierte Zeile vor dem Kommentar „NEUE EINTRÄGE OBERHALB DIESER ZEILE EINFÜGEN“ einfügen.&lt;br /&gt;
# Sämtliche Beispielwerte ersetzen.&lt;br /&gt;
# „Vorschau zeigen“ wählen und insbesondere Links, Tabellenstruktur und Zeilenumbrüche prüfen.&lt;br /&gt;
# Eine kurze Bearbeitungszusammenfassung eingeben, zum Beispiel „Neue Sprachressource ergänzt“.&lt;br /&gt;
# Seite speichern.&lt;br /&gt;
# Falls das Wiki bestätigte Versionen verwendet, kann anschließend noch eine redaktionelle Freigabe notwendig sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Eine Ressource erhält eine eigene Zeile, wenn sich mindestens eines dieser&lt;br /&gt;
Merkmale wesentlich unterscheidet:'''&lt;br /&gt;
* Lizenz,&lt;br /&gt;
* Zugang,&lt;br /&gt;
* Sprache,&lt;br /&gt;
* Ressourcentyp,&lt;br /&gt;
* verantwortliche Institution,&lt;br /&gt;
* Veröffentlichungsort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Repositorium mit mehreren unterschiedlich lizenzierten Datensätzen darf&lt;br /&gt;
deshalb nicht pauschal als eine einzige Ressource eingetragen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Hinweis: Bedeutung der Datenfelder ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div class=&amp;quot;mw-collapsible mw-collapsed&amp;quot;&lt;br /&gt;
     style=&amp;quot;border:1px solid #a2a9b1; background:#f8f9fa; padding:0.8em 1em; margin:0.8em 0;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Welche Angaben gehören in welche Spalte?'''&lt;br /&gt;
&amp;lt;div class=&amp;quot;mw-collapsible-content&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot; style=&amp;quot;width:100%;&amp;quot;&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:16%;&amp;quot; | Feld&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:42%;&amp;quot; | Einzutragende Information&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:42%;&amp;quot; | Zulässige beziehungsweise empfohlene Werte&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Ressource&lt;br /&gt;
| Öffentlicher Titel mit direktem Link und einer Beschreibung in höchstens ein bis zwei Sätzen.&lt;br /&gt;
| Der Link soll möglichst direkt zur Dataset Card, README-Datei, Detailseite oder Downloadseite führen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Sprache(n)&lt;br /&gt;
| Sprache oder Sprachkombination der Ressource.&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* &amp;lt;code&amp;gt;hsb&amp;lt;/code&amp;gt; – Obersorbisch&lt;br /&gt;
* &amp;lt;code&amp;gt;dsb&amp;lt;/code&amp;gt; – Niedersorbisch&lt;br /&gt;
* &amp;lt;code&amp;gt;de&amp;lt;/code&amp;gt; – Deutsch&lt;br /&gt;
* weitere Sprachcodes bei mehrsprachigen Ressourcen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Typ / Modalität&lt;br /&gt;
| Inhaltliche und technische Grundart der Ressource.&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* Textkorpus&lt;br /&gt;
* Parallelkorpus&lt;br /&gt;
* Dokumentensammlung&lt;br /&gt;
* Wörterbuch / Lexikon&lt;br /&gt;
* Terminologie / Wortliste&lt;br /&gt;
* Audiodaten&lt;br /&gt;
* Audio mit Transkription&lt;br /&gt;
* Frage-Antwort-Daten&lt;br /&gt;
* Rechtschreibdaten&lt;br /&gt;
* Grammatikdaten&lt;br /&gt;
* Evaluations-/Testdaten&lt;br /&gt;
* OCR-Daten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Verantwortliche Institution&lt;br /&gt;
| Institution oder Projekt, das die Ressource veröffentlicht beziehungsweise fachlich verantwortet.&lt;br /&gt;
| Nicht pauschal „Eigentümer“ eintragen, da veröffentlichende Stelle und Rechteinhaber voneinander abweichen können.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Zugang&lt;br /&gt;
| Technische Verfügbarkeit der Ressource.&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* ✓ frei&lt;br /&gt;
* ◐ Registrierung&lt;br /&gt;
* ✉ auf Anfrage&lt;br /&gt;
* ⓘ nur Metadaten&lt;br /&gt;
* nicht mehr verfügbar&lt;br /&gt;
* unklar&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Lizenz&lt;br /&gt;
| Exakte Lizenzbezeichnung einschließlich Version.&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
Beispiele:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* CC0 1.0&lt;br /&gt;
* CC BY 4.0&lt;br /&gt;
* Apache-2.0&lt;br /&gt;
* CC BY-NC-SA, Version nicht ausgewiesen&lt;br /&gt;
* keine Lizenz ausgewiesen&lt;br /&gt;
* Lizenz noch zu prüfen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Umfang&lt;br /&gt;
| Aussagekräftigste verfügbare Mengeneinheit.&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
Je nach Ressource beispielsweise:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Dokumente&lt;br /&gt;
* Texte&lt;br /&gt;
* Sätze oder Satzpaare&lt;br /&gt;
* Wörter&lt;br /&gt;
* Tokens&lt;br /&gt;
* Einträge&lt;br /&gt;
* Stunden Audio&lt;br /&gt;
* Sprecherinnen und Sprecher&lt;br /&gt;
* Dateien und Dateigröße&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Falls kein Umfang dokumentiert ist, „nicht dokumentiert“ eintragen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Stand / Prüfhinweis&lt;br /&gt;
| Version oder Veröffentlichungsstand, Datum der letzten Registerprüfung sowie bekannte Einschränkungen.&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
Beispiel:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;code&amp;gt;Quelle geprüft: 29.07.2026&amp;lt;/code&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusätzlich gegebenenfalls:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* ungefilterte Daten&lt;br /&gt;
* Dubletten möglich&lt;br /&gt;
* Sprachzuordnung zu prüfen&lt;br /&gt;
* README unvollständig&lt;br /&gt;
* Rechtekette zu prüfen&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Hinweis: Vorlage für eine neue Tabellenzeile ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div class=&amp;quot;mw-collapsible mw-collapsed&amp;quot;&lt;br /&gt;
     style=&amp;quot;border:1px solid #a2a9b1; background:#f8f9fa; padding:0.8em 1em; margin:0.8em 0;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Vorlage anzeigen und kopieren'''&lt;br /&gt;
&amp;lt;div class=&amp;quot;mw-collapsible-content&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;pre&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [https://beispiel.de Titel der Ressource]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;Kurzbeschreibung in höchstens ein bis zwei Sätzen.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| hsb&lt;br /&gt;
| Textkorpus&lt;br /&gt;
| Name der verantwortlichen Institution&lt;br /&gt;
| &amp;lt;span style=&amp;quot;white-space:nowrap;&amp;quot;&amp;gt;✓ frei&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
| CC BY 4.0&lt;br /&gt;
| Anzahl der Texte, Sätze, Stunden oder Dateien&lt;br /&gt;
| Quelle geprüft: TT.MM.JJJJ&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;Gegebenenfalls Hinweise zu Qualität, Dokumentation oder Rechten.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/pre&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sprachdaten ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die folgende Tabelle enthält den derzeit bekannten und anhand öffentlich&lt;br /&gt;
zugänglicher Quellen überprüften Startbestand. Sie ist noch keine vollständige&lt;br /&gt;
Inventur aller sorbischen Sprachressourcen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable sortable&amp;quot; style=&amp;quot;width:100%; font-size:90%;&amp;quot;&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:21%; background-color:#eaecf0;&amp;quot; | Ressource&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:7%; background-color:#eaecf0;&amp;quot; | Sprache(n)&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:12%; background-color:#eaecf0;&amp;quot; | Typ / Modalität&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:13%; background-color:#eaecf0;&amp;quot; | Verantwortliche Institution&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:8%; background-color:#eaecf0;&amp;quot; | Zugang&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:11%; background-color:#eaecf0;&amp;quot; | Lizenz&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:12%; background-color:#eaecf0;&amp;quot; | Umfang&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:16%; background-color:#eaecf0; | Stand / Prüfhinweis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [https://huggingface.co/datasets/zalozbadev/text_collection_unfiltered Text Collection Unfiltered]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;Ungefilterte Sammlung von Texten und Dokumenten der Stiftung für das sorbische Volk in unterschiedlichen Sprachkombinationen.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| hsb, dsb, de&lt;br /&gt;
| Dokumenten- und Textsammlung&lt;br /&gt;
| Stiftung für das sorbische Volk&lt;br /&gt;
| &amp;lt;span style=&amp;quot;white-space:nowrap;&amp;quot;&amp;gt;✓ frei&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
| CC BY 4.0&lt;br /&gt;
| 28 Dokumente&amp;lt;br&amp;gt;45,2 MB&lt;br /&gt;
| Quelle geprüft: 29.07.2026&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;Office- und PDF-Dokumente; Dubletten möglich; Sprache der einzelnen Dokumente muss teilweise manuell geprüft werden.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [https://huggingface.co/datasets/WITAJ-Sprachzentrum/nowosce_webstrona nowosce_webstrona]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;Sammlung obersorbischer Nachrichten- und Webseitentexte des WITAJ-Sprachzentrums.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| hsb&lt;br /&gt;
| Webtext- / Nachrichtenkorpus&lt;br /&gt;
| WITAJ-Sprachzentrum / Domowina e. V.&lt;br /&gt;
| &amp;lt;span style=&amp;quot;white-space:nowrap;&amp;quot;&amp;gt;✓ frei&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
| CC BY 4.0&lt;br /&gt;
| 174 Texte&amp;lt;br&amp;gt;28,5 kB&lt;br /&gt;
| Quelle geprüft: 29.07.2026&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;Dataset Card enthält nur eine knappe Beschreibung.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [https://huggingface.co/datasets/WITAJ-Sprachzentrum/Teksty_k_temje_rec_a_pedagogika Teksty k temje rěč a pedagogika]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;Obersorbische Texte und Dokumente zum Themenbereich Sprache und Pädagogik.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| hsb&lt;br /&gt;
| Text- / Dokumentensammlung&lt;br /&gt;
| WITAJ-Sprachzentrum / Domowina e. V.&lt;br /&gt;
| &amp;lt;span style=&amp;quot;white-space:nowrap;&amp;quot;&amp;gt;✓ frei&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
| CC BY 4.0&lt;br /&gt;
| 1,16 MB&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;Anzahl der Dokumente nicht ausgewiesen&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| Quelle geprüft: 29.07.2026&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;README-Datei ist leer; Inhalt, Dateiformate und Entstehung sollten noch genauer dokumentiert werden.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [https://huggingface.co/datasets/WITAJ-Sprachzentrum/jurij_brezan jurij_brezan]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;Obersorbisches literarisches Textkorpus mit Texten von Jurij Brězan.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| hsb&lt;br /&gt;
| Literatur- / Textkorpus&lt;br /&gt;
| WITAJ-Sprachzentrum / Domowina e. V.&lt;br /&gt;
| &amp;lt;span style=&amp;quot;white-space:nowrap;&amp;quot;&amp;gt;✓ frei&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
| CC BY 4.0&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;laut Plattform&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| 8.013 Textabschnitte&amp;lt;br&amp;gt;787 kB&lt;br /&gt;
| Quelle geprüft: 29.07.2026&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;⚠ Rechtekette und Grundlage der Lizenzkennzeichnung vor produktiver Nachnutzung gesondert prüfen.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [https://huggingface.co/datasets/WITAJ-Sprachzentrum/llms-limited-resources2025 llms-limited-resources2025]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;Auf Hugging Face bereitgestellte Kopie beziehungsweise Zusammenstellung von Ressourcen des WMT-Shared-Tasks 2025.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| de, hsb&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;laut Plattform&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| Trainings- und Evaluationsdaten&lt;br /&gt;
| WITAJ-Sprachzentrum / TUM-NLP&lt;br /&gt;
| &amp;lt;span style=&amp;quot;white-space:nowrap;&amp;quot;&amp;gt;✓ frei&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
| CC BY 4.0&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;laut Plattform&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| 196 MB&lt;br /&gt;
| Quelle geprüft: 29.07.2026&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;Beziehung zum ursprünglichen GitHub-Repositorium, enthaltene Teilmengen und mögliche Dubletten noch genauer dokumentieren.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [https://github.com/TUM-NLP/llms-limited-resources2026/tree/main/Sorbian/MT WMT 2026 – monolinguale sorbische Korpora]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;Gefilterte und zusammengeführte monolinguale Sätze aus unterschiedlichen Quellen.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| hsb, dsb&lt;br /&gt;
| Monolinguales Textkorpus&lt;br /&gt;
| TUM-NLP&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;unter Mitwirkung des WITAJ-Sprachzentrums&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| &amp;lt;span style=&amp;quot;white-space:nowrap;&amp;quot;&amp;gt;✓ frei&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
| Apache-2.0&lt;br /&gt;
| 512.671 hsb-Sätze&amp;lt;br&amp;gt;38.028 dsb-Sätze&lt;br /&gt;
| Ausgabe 2026&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  Quelle geprüft: 29.07.2026&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;Quellenkennzeichnung ist über das Feld &amp;lt;code&amp;gt;id&amp;lt;/code&amp;gt; enthalten.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [https://github.com/TUM-NLP/llms-limited-resources2026/tree/main/Sorbian/MT WMT 2026 – parallele Trainingskorpora]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;Parallele Satzpaare für maschinelle Übersetzung zwischen Deutsch, Ober- und Niedersorbisch.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| de–hsb&amp;lt;br&amp;gt;de–dsb&amp;lt;br&amp;gt;hsb–dsb&lt;br /&gt;
| Parallelkorpus / Übersetzungsdaten&lt;br /&gt;
| TUM-NLP&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;unter Mitwirkung des WITAJ-Sprachzentrums&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| &amp;lt;span style=&amp;quot;white-space:nowrap;&amp;quot;&amp;gt;✓ frei&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
| CC BY-NC-SA&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;Version nicht ausgewiesen; Nutzungsbedingungen prüfen&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| de–hsb: 23.116 Satzpaare&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  de–dsb: 30.560 Satzpaare&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  hsb–dsb: 67.845 Satzpaare&lt;br /&gt;
| Ausgabe 2026&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  Quelle geprüft: 29.07.2026&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;Insgesamt 121.521 Satzpaare; NC- und SA-Bedingungen bei geplanter Nachnutzung beachten.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [https://github.com/TUM-NLP/llms-limited-resources2026/tree/main/Sorbian/MT WMT 2026 – MT-Entwicklungsdatensätze]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;Entwicklungs- und Evaluationsdaten für maschinelle Übersetzung.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| de–hsb&amp;lt;br&amp;gt;de–dsb&amp;lt;br&amp;gt;hsb–dsb&lt;br /&gt;
| Evaluationsdaten / Parallelkorpus&lt;br /&gt;
| TUM-NLP&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;unter Mitwirkung des WITAJ-Sprachzentrums&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| &amp;lt;span style=&amp;quot;white-space:nowrap;&amp;quot;&amp;gt;✓ frei&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
| CC BY-NC-SA&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;Version nicht ausgewiesen&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| jeweils 4.000 Satzpaare&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  insgesamt 12.000&lt;br /&gt;
| Ausgabe 2026&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  Quelle geprüft: 29.07.2026&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [https://github.com/TUM-NLP/llms-limited-resources2026/tree/main/Sorbian/QA WMT 2026 – Question Answering]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;Frage-Antwort-Daten aus realen Sprachzertifizierungsaufgaben mit Kontext, Antwortmöglichkeiten und korrekter Lösung.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| hsb, dsb&lt;br /&gt;
| Frage-Antwort- / Evaluationsdaten&lt;br /&gt;
| TUM-NLP&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;unter Mitwirkung des WITAJ-Sprachzentrums&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| &amp;lt;span style=&amp;quot;white-space:nowrap;&amp;quot;&amp;gt;✓ frei&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
| CC BY-NC-SA&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;Version nicht ausgewiesen&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| 158 Instanzen laut README&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;Verteilung auf die Sprachen nicht eindeutig ausgewiesen&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| Ausgabe 2026&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  Quelle geprüft: 29.07.2026&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [https://github.com/TUM-NLP/llms-limited-resources2026/tree/main/Sorbian/SC WMT 2026 – Rechtschreibprüfung]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;Sätze mit höchstens einem Rechtschreibfehler sowie Referenz, Fehlerwort und Korrektur.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| hsb, dsb&lt;br /&gt;
| Rechtschreib- / Evaluationsdaten&lt;br /&gt;
| TUM-NLP&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;unter Mitwirkung des WITAJ-Sprachzentrums&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| &amp;lt;span style=&amp;quot;white-space:nowrap;&amp;quot;&amp;gt;✓ frei&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
| CC BY-NC-SA&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;Version nicht ausgewiesen&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| 2.000 Instanzen laut README&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;Verteilung auf die Sprachen nicht eindeutig ausgewiesen&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| Ausgabe 2026&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  Quelle geprüft: 29.07.2026&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [https://github.com/TUM-NLP/llms-limited-resources2026/tree/main/Sorbian/GC WMT 2026 – Grammatikprüfung]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;Sätze mit höchstens einem grammatischen Fehler sowie Referenz, Fehlerwort und Korrektur.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| hsb, dsb&lt;br /&gt;
| Grammatik- / Evaluationsdaten&lt;br /&gt;
| TUM-NLP&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;unter Mitwirkung des WITAJ-Sprachzentrums&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| &amp;lt;span style=&amp;quot;white-space:nowrap;&amp;quot;&amp;gt;✓ frei&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
| CC BY-NC-SA&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;Version nicht ausgewiesen&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| 2.000 hsb-Instanzen&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  1.250 dsb-Instanzen&lt;br /&gt;
| Ausgabe 2026&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  Quelle geprüft: 29.07.2026&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [https://github.com/TUM-NLP/llms-limited-resources2026/tree/main/Sorbian/MR WMT 2026 – mathematisches Schlussfolgern]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;Mathematische Aufgaben niedriger und mittlerer Schwierigkeit mit Lösungen.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| hsb, dsb&lt;br /&gt;
| Frage-Antwort- / Evaluationsdaten&lt;br /&gt;
| TUM-NLP&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;unter Mitwirkung des WITAJ-Sprachzentrums&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| &amp;lt;span style=&amp;quot;white-space:nowrap;&amp;quot;&amp;gt;✓ frei&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
| Apache-2.0&lt;br /&gt;
| je Sprachfassung 24 Aufgaben&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;12 leicht, 12 mittel&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| Ausgabe 2026&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  Quelle geprüft: 29.07.2026&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- NEUE EINTRÄGE OBERHALB DIESER ZEILE EINFÜGEN --&amp;gt;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Modelle, Anwendungen und Dienste ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Modelle, Anwendungen und Dienste werden getrennt von den eigentlichen&lt;br /&gt;
Sprachdaten geführt. Ein Modell ist nicht dasselbe wie der Datensatz, mit dem&lt;br /&gt;
es trainiert oder geprüft wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable sortable&amp;quot; style=&amp;quot;width:100%; font-size:90%;&amp;quot;&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:25%; background-color:#eaecf0;&amp;quot; | Ressource&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:10%; background-color:#eaecf0;&amp;quot; | Sprache(n)&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:15%; background-color:#eaecf0;&amp;quot; | Art&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:15%; background-color:#eaecf0;&amp;quot; | Verantwortliche Stelle&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:10%; background-color:#eaecf0;&amp;quot; | Zugang&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:12%; background-color:#eaecf0;&amp;quot; | Lizenz / Bedingungen&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:13%; background-color:#eaecf0;&amp;quot; | Stand / Hinweis&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [https://huggingface.co/tartuNLP/Qwen2.5-3B-Instruct-hsb-dsb Qwen2.5-3B-Instruct-hsb-dsb]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;Auf Ober- und Niedersorbisch angepasstes Sprachmodell für Textgenerierung, Übersetzung und Frage-Antwort-Aufgaben.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| hsb, dsb&lt;br /&gt;
| Large Language Model&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;großes Sprachmodell&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| TartuNLP&lt;br /&gt;
| &amp;lt;span style=&amp;quot;white-space:nowrap;&amp;quot;&amp;gt;✓ frei abrufbar&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
| Qwen Research License&lt;br /&gt;
| 3 Milliarden Parameter&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  Quelle geprüft: 29.07.2026&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;Forschungsmodell; laut Model Card nicht umfassend für den allgemeinen produktiven Einsatz getestet.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [https://serbski.chat/ Sotra / serbski.chat]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;Webbasierter Übersetzungsdienst zwischen Deutsch, Ober- und Niedersorbisch mit integrierter Rechtschreibprüfung.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
| hsb, dsb, de&lt;br /&gt;
| Übersetzungsdienst&lt;br /&gt;
| WITAJ-Sprachzentrum / Domowina e. V.&lt;br /&gt;
| &amp;lt;span style=&amp;quot;white-space:nowrap;&amp;quot;&amp;gt;✓ öffentlich nutzbar&amp;lt;/span&amp;gt;&lt;br /&gt;
| Keine offene Lizenz für Dienst oder zugrunde liegendes Gesamtkorpus ausgewiesen&lt;br /&gt;
| Quelle geprüft: 29.07.2026&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
  &amp;lt;small&amp;gt;Der zugrunde liegende Parallelkorpus wird fortlaufend erweitert, ist über den Webdienst jedoch nicht als vollständiger Datensatz öffentlich herunterladbar.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- NEUE EINTRÄGE OBERHALB DIESER ZEILE EINFÜGEN --&amp;gt;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Pflege und Verantwortung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Empfohlenes Pflegemodell:'''&lt;br /&gt;
* Die veröffentlichende Institution prüft Rechte und Lizenz vor der Veröffentlichung.&lt;br /&gt;
* Die Institution meldet neue oder aktualisierte Ressourcen an die zentrale Redaktion.&lt;br /&gt;
* Die zentrale Redaktion prüft die Mindestmetadaten und ergänzt den Registereintrag.&lt;br /&gt;
* Jeder Eintrag wird mindestens einmal jährlich bestätigt oder aktualisiert.&lt;br /&gt;
* Änderungen an Lizenz, Zugang oder Veröffentlichungsort werden zeitnah nachgeführt.&lt;br /&gt;
* Nicht mehr verfügbare Ressourcen werden nicht gelöscht, sondern entsprechend gekennzeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Zentrale redaktionelle Verantwortung:'''&lt;br /&gt;
Stiftung für das sorbische Volk / Digitalisierungsbeauftragter,&lt;br /&gt;
in Zusammenarbeit mit den veröffentlichenden Institutionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Siehe auch ==&lt;br /&gt;
* [[10. Open Access, Open Data, Lizenzen]]&lt;br /&gt;
* [[12.4 KI, digitale Sprachtechnologien und offene Sprachdaten]]&lt;br /&gt;
* [[13.2.1 Zukünftige Maßnahmen und Schritte]]&lt;br /&gt;
* [[2.2_3 – Zentrales Register sorbischer Sprachressourcen erstellen und fortlaufend pflegen]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Sorbische Sprachressourcen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Digitale Sprachtechnologien]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Open Data]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Měrko Šenk</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://koncept.serbski-inkubator.de/index.php?title=Serbski_digitalizaciski_koncept_-_Sorbisches_Digitalkonzept&amp;diff=1086</id>
		<title>Serbski digitalizaciski koncept - Sorbisches Digitalkonzept</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://koncept.serbski-inkubator.de/index.php?title=Serbski_digitalizaciski_koncept_-_Sorbisches_Digitalkonzept&amp;diff=1086"/>
		<updated>2026-07-29T13:10:01Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Měrko Šenk: /* Inhalt */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;__NOTOC__&lt;br /&gt;
=== '''[https://mm.tt/app/map/3469200591?t=aK7ZKgTkHt DE: Mind map der sorbischen digitalen Welt]''' ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== '''[https://mm.tt/app/map/3469367294?t=GJ7psqRoqY EN: Mind map of the Sorbian digital world]''' ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== '''[https://koncept.serbski-inkubator.de/index.php/H%C5%82owna_strona#Inhalt Inhaltsverzeichnis / Content]''' ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Wutrobnje witajće! - Witamy was wutšobnje! - Herzlich willkommen! =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div id=&amp;quot;audiences&amp;quot; class=&amp;quot;mainpage_row&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
	&amp;lt;div class=&amp;quot;mainpage_box&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
== Hornjoserbsce ==&lt;br /&gt;
		&amp;lt;div class=&amp;quot;items&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
=== Kajki je to wiki? ===&lt;br /&gt;
Wobsah tutoho wikija je Serbski digitalizaciski koncept (w němčinje), kiž [https://stiftung.sorben.com/hornjoserbsce/swojske-projekty/digitalizacija-a-serbska-rec/digitalizaciski-koncept/ je so w nadawku Załožby za serbski lud wudźěłał a w meji 2021 zjawnosći předstajił].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Digitalizaciski koncept smy z [https://stiftung.sorben.com/fileadmin/user_upload/2021-02-12_-_Sorbisches_Digitalkonzept_korr.pdf PDFki] do formata wikija přenjesli. Z tym chcemy zjawnu diskusiju nastorčić, wuměnu wo wobsahach koncepta podpěrać a koncept zdobom dale wuwiwać.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wobšěrny pozadkowe informacije ke konceptej namakaće [https://koncept.serbski-inkubator.de/index.php/1._Einleitung w zawodnym artiklu dokumenta] a na [https://stiftung.sorben.com/hornjoserbsce/swojske-projekty/digitalizacija-a-serbska-rec/digitalizaciski-koncept/ internetowej stronje Załožby za serbski lud].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== So wobdźělić ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Digitalizaciski koncept je zjawnje přistupny a čitanje bjez přizjewjenja móžne. Chceće-li pak so tež na diskusiji wobdźělić, dyrbiće so registrować resp. přizjewić. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Registracija ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Prosymy wo to, zo při registraciji w polu ''wužiwarske mjeno'' swoje woprawdźite mjeno zapodaće.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hdyž přizjewiće nowy konto za instituciju, potom zapodajće jako ''wužiwarske mjeno'' mjeno institucije a w polu ''woprawdźite mjeno'' mjeno wosoby, kiž dóstanje přistupne daty za tutoho wužiwarja.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Diskusija a [[Specialnje:WikiForum| forum]] ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Artikle tutoho wikija so njehodźa wobdźěłać. Swoje ideje a nastorki ke koncepće pak móžeće jako registrowany čłon na dwoje wašnje podać:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Za přispomnjenja ke konkretnemu wobsahej wužiwajće rajtar ''diskusija'' při wotpowědnym wotdźělu koncepta. Hdyž maće n.př. dalše ideje k temje “8. Unterhaltungsmedien”, potom zapodajće tež tam swoje přispomnjenja.&lt;br /&gt;
# Wužiwajće [[Specialnje:WikiForum| forum]] za powšitkownu diskusiju a temy, kiž so k žanomu wobsahej tak prawje njehodźa.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diskusijne přinoški móžeće w hornjo- abo delnjoserbšćinje kaž tež w němčinje zapodać. Prošu wobkedźbujće při tym zakłady [https://de.wikipedia.org/wiki/Netiquette ''Netiquette''].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wuhlad ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dopóznaća a rezultaty z diskusijow a naspomnjenjow so wuhódnoća a za dalewuwiće koncepta wužiwaja. Z konstruktiwnej diskusiju a sobudźěłom možeće potajkim dalše wuwiće serbskeho digitalneho koncepta wobliwować. Tuž wobdźělće so!&lt;br /&gt;
      &amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
	&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
	&amp;lt;div class=&amp;quot;mainpage_box&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
== Dolnoserbski ==&lt;br /&gt;
		&amp;lt;div class=&amp;quot;items&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
=== Kaki wiki jo to? ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wopśimjeśe toś togo wikija jo Serbski digitalizaciski koncept (w nimšćinje), kenž  [https://stiftung.sorben.com/dolnoserbski/projekty-zalozby/digitalizacija-a-serbska-rec/koncept-za-digitalizaciju/ kenž jo se w nadawku Załožby za serbski lud wuźěłał a w maju 2021 zjawnosći pśedstajił].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Digitalizaciski koncept smy z [https://stiftung.sorben.com/fileadmin/user_upload/2021-02-12_-_Sorbisches_Digitalkonzept_korr.pdf PDFki] do formata wikija pśenjasli. Z tym comy zjawnu diskusiju póstarcyś, wuměnu wó wopśimjeśach koncepta pódpěrowaś a koncept rownocasnje dalej wuwijaś. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wobšyrne slězynowe informacije ku konceptoju namakajośo  [https://koncept.serbski-inkubator.de/index.php/1._Einleitung w zawjeźeńskem artiklu dokumenta] a na [https://stiftung.sorben.com/dolnoserbski/projekty-zalozby/digitalizacija-a-serbska-rec/koncept-za-digitalizaciju/ internetowem boce Załožby za serbski lud].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Se wobźěliś ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Digitalizaciski koncept jo zjawnje pśistupny a cytanje bźez pśizjawjenja móžne. Cośo-lic pak se tek na diskusiji wobźěliś, musyśo se registrěrowaś a pśizjawiś. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Registracija ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Pšosymy wó to, aby pśi registraciji w pólu ''wužywaŕske mě'' swojo wopšawdne mě zapódali. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gaž pśizjawijośo nowe konto za instituciju, pótom zapódajśo pla ''wužywaŕske mě'' mě institucije a w pólu ''wopšawdne mě'' mě wósoby, kenž dostanjo pśistupne daty za togo wužywarja. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Diskusija a [[Specialnje:WikiForum| forum]] ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Artikle toho wikija se njedaju wobźěłaś. Swóje ideje a póstarcenja ku konceptoju pak móžośo ako registrěrowany cłonk na dwójaku  wašnju pódaś: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Za pśispomnjenja ku konkretnemu wopśimjeśeju abo kapitla wužywajśo wótpowědujucy rejtaŕ ''diskusija''. Gaž maśo na pśikład dalšne ideje k temje &amp;quot;8. Unterhaltungsmedien&amp;quot;, pótom zapódajśo tam swóje pśispomnjenja.&lt;br /&gt;
# Wužywajśo [[Specialnje:WikiForum| forum]] za powšyknu diskusiju a temy, kenž se k žednomu wopśimjeśoju tak pšawje njegóźe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diskusijne pśinoski móžośo w górno- abo dolnoserbšćinje ako teke w němšćinje zapódać. Pšošym źiwajśo pśi tom zakłady [https://de.wikipedia.org/wiki/Netiquette ''Netiquette''].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Póglěd ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Póznaśa a rezultaty z diskusijow a pśispomnjenjow se wugódnośe a za dalejwuwiśe koncepta wužywaju. Z konstruktiwneju diskusiju a sobuźěłom móžośo pótakem dalšne wuwiśe serbskego digitalnego koncepta wobwliwowaś. Toś wobźělśo se! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
		&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
	&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
	&amp;lt;div class=&amp;quot;mainpage_box&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Deutsch ==&lt;br /&gt;
		&amp;lt;div id=&amp;quot;mainpage-devs&amp;quot; title=&amp;quot;Developers&amp;quot; class=&amp;quot;items&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
=== Was ist das für ein Wiki? ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Wiki beinhaltet das Sorbische Digitalkonzept, welches [https://stiftung.sorben.com/deutsch/stiftungsprojekte/digitalisierung-und-die-sorbische-sprache/das-digitalisierungskonzept/ von der Stiftung für das sorbische Volk in Auftrag gegeben und im Mai 2021 der Öffentlichkeit vorgestellt wurde].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Inhalte des als [https://stiftung.sorben.com/fileadmin/user_upload/2021-02-12_-_Sorbisches_Digitalkonzept_korr.pdf PDF vorliegenden Digitalkonzeptes] wurden als Wiki aufbereitet. Damit möchten wir die öffentliche Diskussion anregen, den Austausch zu den Inhalten des Konzeptes ermöglichen und somit auch das Digitalkonzept weiterentwickeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine ausführliche Beschreibung zum Hintergrund der Konzepterstellung finden Sie in der [https://koncept.serbski-inkubator.de/index.php/1._Einleitung Einleitung des Dokuments] und auf der [https://stiftung.sorben.com/deutsch/stiftungsprojekte/digitalisierung-und-die-sorbische-sprache/das-digitalisierungskonzept/ Webseite der Stiftung für das sorbische Volk].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sich beteiligen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das sorbische Digitalkonzept ist öffentlich zugänglich und kann von jedem Nutzer gelesen werden. Um sich an der Diskussion zu beteiligen, müssen Sie sich jedoch registrieren bzw. anmelden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Registrierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bitte benutzen Sie als ''Nutzernamen'' Ihren tasächlichen Namen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn Sie eine Institution als Nutzer anlegen, dann vergeben Sie bitte als ''Nutzernamen'' den Institutionsnamen und hinterlegen im Feld ''Tatsächlicher Name'' den Namen der Person, die den Account verwalten wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Diskussion und [[Specialnje:WikiForum| Forum]] ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Artikel in diesem Wiki sind nicht zur Bearbeitung freigeschaltet. Als registriertes Mitglied können Sie sich aber mittels folgender Möglichkeiten an der Diskussion beteiligen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Für Anmerkungen zu einem konkreten Inhalt oder Kapitel benutzen Sie bitte den jeweiligen Reiter ''Diskussion''. Wenn Sie z.B. weitere Ideen zum Thema &amp;quot;8. Unterhaltungsmedien&amp;quot; haben, dann hinterlassen Sie bitte dort auch Ihre Anmerkungen.&lt;br /&gt;
# Für allgemeine Diskussionen oder Themen, die sich keinem Punkt zuordnen lassen, verwenden Sie bitte das [[Specialnje:WikiForum| Forum]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie können Ihre Anmekrungen sowohl in Ober- und Niedersorbisch als auch in Deutsch hinterlassen. Bitte beachten Sie dabei die Grundsätze der [https://de.wikipedia.org/wiki/Netiquette ''Netiquette''].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Ausblick ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erkenntnisse und Resultate aus den Diskussionen und Anmerkungen werden ausgewertet und fließen in die Weiterentwicklung des Konzepts mit ein. Mit einer konstruktiven Diskussion und Mitarbeit können Sie also die Weiterentwicklung des sorbischen Digitalkonzeptes positiv beeinflussen. Ihre Mitarbeit ist daher sehr wichtig! &lt;br /&gt;
		&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
	&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Inhaltsangabe Sorbisches Digitalkonzept =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Ist-Analyse und Maßnahmenplanung für die sorbische digitale Welt'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Übersicht aller Themenbereiche (TB) als Mindmap ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- {{#widget:HelloWorld}} */ --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- [[Image:Grafik 9.png|600px|link=https://cutt.ly/digisorb]] */ --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Image:Grafik 9.png|1200px|link=https://mm.tt/map/2703363168?t=1m8R0lQ4Op]]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
interaktiwna mindmap: [https://mm.tt/map/2703363168?t=1m8R0lQ4Op https://mm.tt/map/2703363168?t=1m8R0lQ4Op]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Inhalt ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[1._Einleitung|1. '''Einleitung''']]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[[1.1_Ausgangssituation|1.1 Ausgangssituation]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[[1.2_Aufgaben_und_Zielstellung|1.2 Aufgaben und Zielstellung]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[[1.3_Vorgehen|1.3 Vorgehen]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[2._PHASE_1-Strategische Voruntersuchungen|2. PHASE 1 - '''Strategische Voruntersuchungen''']]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[[2.1_Handlungsfelder_und_Themenbereiche_der_sorbischen_digitalen_Welt|2.1 Handlungsfelder und Themenbereiche der sorbischen digitalen Welt]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[[2.2_Visionen_für_die_sorbische_digitale_Welt_2025|2.2 '''Visionen für die sorbische digitale Welt 2025''']]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[[2.3_Strategische_Ziele_für_die_sorbische_Kultur_und_Sprache|2.3 Strategische Ziele für die sorbische Kultur und Sprache]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[[2.4_Priorisierung_mittels_Nutzwertanalyse|2.4 Priorisierung mittels Nutzwertanalyse]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[[2.5_Ergebnisse_der_Priorisierung_der_Handlungsfelder|2.5 Ergebnisse der Priorisierung der Handlungsfelder]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[[2.6_Ergebnisse_der_Priorisierung_der_Themenbereiche|2.6 Ergebnisse der '''Priorisierung der Themenbereiche''']]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[3._PHASE_2–Ist-Erhebung_und_Analyse|3. PHASE 2 – '''Ist-Erhebung und Analyse''']]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[[3.1_Sprechen_mit_elektronischen_Geräten|3.1 Ergebnisse: '''Sprechen''' mit elektronischen Geräten - ['''TB 1.1, Zusammenfassung''']]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[[3.2_Schreiben_auf_elektronischen_Geräten|3.2 Ergebnisse: '''Schreiben''' auf elektronischen Geräten - ['''TB 1.2, Zusammenfassung''']]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[[3.3_Politische_Unterstützung_Lobbyarbeit|3.3 Ergebnisse: Politische Unterstützung, '''Lobbyarbeit''' - ['''TB 2.1, Zusammenfassung''']]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[[3.4_Digitale_Vernetzung_Gleichgesinnter_soziale_Medien|3.4 Ergebnisse: Digitale '''Vernetzung''' Gleichgesinnter, soziale Medien - ['''TB 5.1, Zusammenfassung''']]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[[3.5_Unterhaltungsmedien|3.5 Ergebnisse: '''Unterhaltungsmedien''' - ['''TB 4.1, Zusammenfassung''']]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[[3.6_Digitales_Marketing_für_Kultur_und_Angebote|3.6 Ergebnisse: Digitales '''Marketing''' für Kultur und Angebote - ['''TB 3.1 - 3.3, Zusammenfassung''']]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[[3.7_Open_Access_Open_Data_Lizenzen|3.7 Ergebnisse: Open Access, '''Open Data''', Lizenzen - ['''TB 2.2, Zusammenfassung''']]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[[3.8_Präsenz_in_Standards|3.8 Ergebnisse: Präsenz in '''Standards''' - ['''TB 2.3, Zusammenfassung''']]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[4._Sprechen_mit_elektronischen_Geräten|4. '''Sprechen''' mit elektronischen Geräten - ['''TB 1.1, Analyse''']]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[5._Schreiben_auf_elektronischen_Geräten|5. '''Schreiben''' auf elektronischen Geräten - ['''TB 1.2, Analyse''']]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[6._Politische_Unterstützung_Lobbyarbeit|6. Politische Unterstützung, '''Lobbyarbeit''' - ['''TB 2.1, Analyse''']]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[7._Digitale_Vernetzung_Gleichgesinnter_soziale_Medien|7. Digitale '''Vernetzung''' Gleichgesinnter, soziale Medien - ['''TB 5.1, Analyse''']]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[8._Unterhaltungsmedien|8. '''Unterhaltungsmedien''' - ['''TB 4.1, Analyse''']]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[9._Digitales_Marketing_für_Kultur_und_Angebote|9. Digitales '''Marketing''' für Kultur und Angebote - ['''TB 3.1 - 3.3, Analyse''']]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[10._Open_Access_Open_Data_Lizenzen|10. Open Access, '''Open Data''', Lizenzen - ['''TB 2.2, Analyse''']]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[11._Präsenz_in_Standards|11. Präsenz in '''Standards''' - ['''TB 2.3, Analyse''']]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[12._Weitere_Handlungsfelder_und_Themenbereiche|12. Weitere Handlungsfelder und Themenbereiche]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[[12.1_Sorbische_Benutzeroberflächen|12.1 Sorbische '''Benutzeroberflächen''' - ['''TB 1.3, Analyse''']]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[[12.2_Digitalisierung_von_Arbeitsabläufen|12.2 Digitalisierung von '''Arbeitsabläufen''' - ['''TB 7.1, Analyse''']]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[[12.3_Digitalisierung_des_Kulturerbes |12.3 Digitalisierung des '''Kulturerbes''' - ['''TB 8.1, Analyse''']]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[13._PHASE_3–Soll-Konzeption-Maßnahmen_und_Aufgaben|13. PHASE 3 – Soll-Konzeption - '''Maßnahmen und Aufgaben''']]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[[13.1_Zusammenfassung_und_Einordnung_der_Erkenntnisse|13.1 Zusammenfassung und Einordnung der Erkenntnisse]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[[13.2_Zukünftige_Maßnahmen_und_Schritte|13.2 Zukünftige Maßnahmen und Schritte]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::[[13.2.1_Technologische_Basis:_Open_Access,_Open_Data,_Lizenzen|13.2.1 Technologische Basis: Open Access, '''Open Data''', Lizenzen - ['''TB 2.2, Maßnahmen''']]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::[[13.2.2_Technologische_Basis:_Präsenz_in_Standards|13.2.2 Technologische Basis: Präsenz in '''Standards''' - ['''TB 2.3, Maßnahmen''']]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::[[13.2.3_Digitales_Marketing:_Digitales_Marketing_für_Kultur_und_Angebote|13.2.3 Digitales '''Marketing''': Digitales Marketing für Kultur und Angebote - ['''TB 3.1 - 3.3, Maßnahmen''']]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::[[13.2.4_Lobbyarbeit:_Politische_Unterstützung_Lobbyarbeit|13.2.4 Lobbyarbeit: Politische Unterstützung, '''Lobbyarbeit''' - ['''TB 2.1, Maßnahmen''']]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::[[13.2.5_Digitale_Sprachräume:_Schreiben_auf_elektronischen_Geräten|13.2.5 Digitale Sprachräume: '''Schreiben''' auf elektronischen Geräten - ['''TB 1.2, Maßnahmen''']]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::[[13.2.6_Digitale_Sprachräume:_Sprechen_mit_elektronischen_Geräten|13.2.6 Digitale Sprachräume: '''Sprechen''' mit elektronischen Geräten - ['''TB 1.1, Maßnahmen''']]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::[[13.2.7_Digitale_Vernetzung_Gleichgesinnter_soziale_Medien|13.2.7 Digitale '''Vernetzung''' Gleichgesinnter, soziale Medien - ['''TB 5.1, Maßnahmen''']]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::[[13.2.8_Digitale_Unterhaltungsmedien|13.2.8 Digitale '''Unterhaltungsmedien''' - ['''TB 4.1, Maßnahmen''']]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::[[13.2.9_Allgemeine_Maßnahmen|13.2.9 Allgemeine Maßnahmen]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
::[[13.2.10_Übersicht_der_Maßnahmen_nach_Aufwand_und_Nutzen|13.2.10 Übersicht der Maßnahmen nach Aufwand und Nutzen]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[[13.3_Aufgaben_und_Strukturvarianten|13.3 Aufgaben und Strukturvarianten]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[[Zentrales_Register_sorbischer_Sprachressourcen|Zentrales REGISTER sorbischer Sprachressourcen]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[14._Danksagungen|14. '''Danksagungen''']]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Měrko Šenk</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://koncept.serbski-inkubator.de/index.php?title=1.2_Strategische_Orientierung_der_Stiftung&amp;diff=1085</id>
		<title>1.2 Strategische Orientierung der Stiftung</title>
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		<updated>2026-07-27T18:04:36Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Měrko Šenk: /* Digitalisierung im Dienst der sorbischen Sprachen und Kultur */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;__NOTOC__&lt;br /&gt;
== Digitalisierung im Dienst der sorbischen Sprachen und Kultur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stiftung für das sorbische Volk erfüllt den Auftrag, die beiden sorbischen Sprachen sowie die sorbische Kultur und ihre Traditionen als Ausdruck der Identität des sorbischen Volkes zu pflegen, zu fördern und weiterzuentwickeln. Unter den in [[1.1_Ausgangssituation|Abschnitt 1.1]] beschriebenen Herausforderungen des digitalen Wandels und der Entstehung neuer digitaler Sprachräume gehört zu diesem Auftrag der Stiftung auch, Ober- und Niedersorbisch sowie die sorbische Kultur in den digitalen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens sichtbar, zugänglich und nutzbar zu machen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;satzung&amp;quot;&amp;gt;Stiftung für das sorbische Volk 2023: '''Satzung der Stiftung für das sorbische Volk''', insbesondere § 2 „Stiftungszweck“, S. 2. Dort wird als Stiftungszweck die Pflege und Förderung sorbischer Sprache und Kultur als Ausdruck der Identität des sorbischen Volkes bestimmt. Zu seiner Verwirklichung gehören unter anderem Dokumentation, Publikation und Präsentation sorbischer Kunst und Kultur sowie die Bewahrung und Fortentwicklung der sorbischen Sprache und kulturellen Identität. URL: https://zalozba.de/fileadmin/user_upload/Dokumente/Satzung/2023_Satzung_de.pdf, abgerufen am 27.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Digitalisierung ist für die Stiftung daher weder Selbstzweck noch eigenständiger Stiftungszweck. Sie ist ein strategisches Handlungsfeld und ein notwendiges Mittel, um diesen Sprach- und Kulturauftrag auch im digitalen Zeitalter wirksam zu erfüllen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;prioritaet&amp;quot;&amp;gt;Stiftung für das sorbische Volk 2020: Beschlussprotokoll der 77. Sitzung des Stiftungsrates vom 08.12.2020, '''Beschluss Nr. 601''', S. 2. Der Stiftungsrat bestimmte die „Fortführung der Digitalisierungsmaßnahmen insbesondere zur Stärkung der Präsenz der sorbischen Sprache in den digitalen Medien und zum Ausbau sorbischer Sprachressourcen“ als Priorität der künftigen Förderung und Tätigkeit der Stiftung. URL: https://zalozba.de/fileadmin/user_upload/Beschlussprotokoll_2020-12-08.pdf, abgerufen am 27.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Die Stiftung will die Möglichkeiten der Digitalisierung nutzen, um den Gebrauch, die Weitergabe und die Weiterentwicklung der beiden sorbischen Sprachen zu stärken &amp;lt;mark&amp;gt;sowie die sorbische Kultur und ihre Traditionen zu bewahren, weiterzuentwickeln und zeitgemäß zu vermitteln.&amp;lt;/mark&amp;gt; Ihr Ziel ist es, die Anzahl und Qualität von sorbischen Sprachressourcen deutlich zu erhöhen und damit die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass Ober- und Niedersorbisch in digitalen Medien, Bildungs- und Kulturangeboten, Arbeitsprozessen und Sprachtechnologien selbstverständlich verwendet werden können und sorbische kulturelle Inhalte dauerhaft gesichert, zugänglich und vermittelbar bleiben.'''&amp;lt;ref name=&amp;quot;ziele&amp;quot;&amp;gt;Vgl. Stiftung für das sorbische Volk 2017: Beschlussprotokoll der 69. Sitzung des Stiftungsrates vom 04.04.2017, '''Beschluss Nr. 512''', S. 1. Als Förderpriorität wird die „Stärkung und [der] Ausbau sorbischer/wendischer Sprachräume (einschließlich Neue Medien)“ festgelegt. URL: https://zalozba.de/fileadmin/user_upload/Dokumente/Beschlussprotokolle/Beschlussprotokoll_2017-04-04.pdf, abgerufen am 27.07.2026. Siehe außerdem '''Beschluss Nr. 601''' vom 08.12.2020 sowie Stiftung für das sorbische Volk 2026: Beschlussprotokoll der 92. Sitzung des Stiftungsrates vom 19.05.2026, '''Beschluss Nr. 761''', S. 3. Dieser berücksichtigt ausdrücklich sprachtechnologische Anwendungen mit ober- und/oder niedersorbischer Sprache, darunter Chatbots, Übersetzungsdienste und Bildungsangebote. URL: https://zalozba.de/fileadmin/user_upload/Dokumente/Beschlussprotokolle/2026-05-19_Beschlussprotokoll_751-765.pdf, abgerufen am 27.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine wesentliche Grundlage zur Erreichung dieser Ziele sind digitale Sprachressourcen: technisch nutzbare Bestände und systematisch zusammengestellte Sprachsammlungen wie Texte, Wörterbücher, Korpora, Terminologien, Übersetzungen und Sprachaufnahmen. Die Stiftung setzt sich dafür ein, dass solche Ressourcen verlässlich aufgebaut, qualitätsgesichert und dauerhaft gepflegt sowie für weitere Anwendungen nachnutzbar bereitgestellt werden.&amp;lt;ref name=&amp;quot;sprachressourcen&amp;quot;&amp;gt;Vgl. Stiftung für das sorbische Volk 2019: Beschlussprotokoll der 74. Sitzung des Stiftungsrates vom 07.05.2019, '''Beschluss Nr. 570''', S. 2. Ziel war, digitale Sprachressourcen des Sorbischen Instituts „in Form von Rohdaten vollständig und frei“ bereitzustellen, damit sie als Datenbasis für innovative und nutzerfreundliche Angebote genutzt werden können. URL: https://zalozba.de/fileadmin/user_upload/Beschlussprotokoll_2019-05-07.pdf, abgerufen am 27.07.2026. Stiftung für das sorbische Volk 2021: Beschlussprotokoll der 78. Sitzung des Stiftungsrates vom 20.05.2021, '''Beschluss Nr. 612''', S. 2. Ziel der beauftragten Open-Data-Richtlinie ist die freie Nutzung sorbischer Sprachressourcen für Projekte, welche die Anwendung der sorbischen Sprache unterstützen. URL: https://zalozba.de/fileadmin/user_upload/2021-05-20_Beschlussprotokoll.pdf, abgerufen am 27.07.2026. Siehe außerdem '''Beschluss Nr. 761''' vom 19.05.2026, S. 3.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;mark&amp;gt;Die Stiftung gibt hierfür strategische Orientierung, setzt Förderprioritäten, initiiert und unterstützt Vorhaben, bringt beteiligte Akteure zusammen und wirkt auf abgestimmte Zuständigkeiten, tragfähige Strukturen und gemeinsame Standards hin. Ihre Haltung verbindet Offenheit und Nachnutzbarkeit mit fachlicher Qualität, nachhaltiger Pflege und dem verantwortlichen Umgang mit Rechten und institutionellen Zuständigkeiten.&amp;lt;/mark&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;rolle&amp;quot;&amp;gt;Vgl. Stiftung für das sorbische Volk 2018: Beschlussprotokoll der 72. Sitzung des Stiftungsrates vom 10.04.2018, '''Beschluss Nr. 545''', S. 1. Der Direktor wurde mit einem ganzheitlichen Konzept zur Initialisierung, Umsetzung, Betreuung, Weiterentwicklung, Koordination und Kontrolle sorbischer digitaler Projekte beauftragt. URL: https://zalozba.de/fileadmin/user_upload/Dokumente/Beschlussprotokolle/Beschlussprotokoll_2018-04-10.pdf, abgerufen am 27.07.2026. Stiftung für das sorbische Volk 2022: Beschlussprotokoll der 81. Sitzung des Stiftungsrates vom 24.05.2022, '''Beschluss Nr. 641''', S. 1. Beauftragt wurde die Abstimmung der inhaltlichen und strukturellen Zuständigkeiten geförderter Einrichtungen und Vorhaben. URL: https://zalozba.de/fileadmin/user_upload/Dokumente/Beschlussprotokolle/2022-05-24_Beschlussprotokoll_bis-Vertagung.pdf, abgerufen am 27.07.2026. Stiftung für das sorbische Volk 2023: Beschlussprotokoll der Fortsetzung der 83. Sitzung des Stiftungsrates vom 26.01.2023, '''Beschluss Nr. 666''', S. 1. Die zu entwickelnde Struktur soll die Einbindung wesentlicher Akteure und die Koordinierung der sorbischen Aktivitäten langfristig gewährleisten. URL: https://zalozba.de/fileadmin/user_upload/Dokumente/Beschlussprotokolle/2023-01-26_Beschlussprotokoll_662_bis_666.pdf, abgerufen am 27.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Beschlussgrundlage und bisheriger Weg ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese proaktive Orientierung spiegelt sich seit Jahren in den Beschlüssen des Stiftungsrates sowie in den Förderentscheidungen und organisatorischen Maßnahmen der Stiftung wider:&lt;br /&gt;
* '''2013 bis 2018''' setzte der Stiftungsrat eine Arbeitsgruppe zur Entwicklung eines Konzeptes für die Anwendung der sorbischen Sprache in elektronischen Medien und im Bildungsbereich ein, beauftragte konkrete digitale Sprachprojekte und anschließend die Erarbeitung eines ganzheitlichen Konzeptes für sorbische digitale Projekte.&amp;lt;ref name=&amp;quot;entwicklung2013bis2018&amp;quot;&amp;gt;Stiftung für das sorbische Volk 2013: Beschlussprotokoll der 58. Sitzung des Stiftungsrates vom 25.01.2013, '''Beschluss Nr. 387''', S. 1. Beschlossen wurde die Bildung einer Arbeitsgruppe zur Entwicklung eines Konzeptes für die Anwendung der sorbischen Sprache in elektronischen Medien und im Bildungsbereich. URL: https://zalozba.de/fileadmin/user_upload/Dokumente/Beschlussprotokolle/Beschlussprotokoll%2025_%20Januar%202013.pdf, abgerufen am 27.07.2026. Stiftung für das sorbische Volk 2016: Beschlussprotokoll der Fortführung der 67. Sitzung des Stiftungsrates vom 21.04.2016, '''Beschluss Nr. 487''', S. 3. Der Stiftungsrat stimmte der Umsetzung von Projekten zur verbesserten Anwendung der sorbischen Sprache in elektronischen Medien zu. URL: https://zalozba.de/fileadmin/user_upload/Dokumente/Beschlussprotokolle/Beschlussprotokoll%2021_%20April%202016.pdf, abgerufen am 27.07.2026. Stiftung für das sorbische Volk 2018: Beschlussprotokoll vom 10.04.2018, '''Beschluss Nr. 545''', S. 1.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* '''2019''' beauftragte der Stiftungsrat eine vertiefte Zusammenarbeit mit dem Sorbischen Institut mit dem Ziel, dessen digitale Sprachressourcen „in Form von Rohdaten vollständig und frei“ bereitzustellen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;sprachressourcen&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* '''2020''' wurde die „Fortführung der Digitalisierungsmaßnahmen insbesondere zur Stärkung der Präsenz der sorbischen Sprache in den digitalen Medien und zum Ausbau sorbischer Sprachressourcen“ ausdrücklich als Priorität der künftigen Förderung und Tätigkeit der Stiftung festgelegt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;prioritaet&amp;quot; /&amp;gt; &lt;br /&gt;
* '''2021''' nahm der Stiftungsrat das Sorbische Digitalisierungskonzept zustimmend zur Kenntnis und beauftragte unter anderem seine Veröffentlichung, die Entwicklung einer tragfähigen Umsetzungsstruktur, eine Open-Data-Richtlinie für die freie Nutzung sorbischer Sprachressourcen und den Ausbau sprachtechnologischer Fachkompetenz.&amp;lt;ref name=&amp;quot;beschluesse2021&amp;quot;&amp;gt;Stiftung für das sorbische Volk 2021: Beschlussprotokoll der 78. Sitzung des Stiftungsrates vom 20.05.2021, S. 1–3. '''Beschluss Nr. 609''' betrifft die zustimmende Kenntnisnahme, Veröffentlichung und öffentliche Diskussion des Sorbischen Digitalisierungskonzeptes sowie die Entwicklung einer tragfähigen Umsetzungsstruktur. '''Beschluss Nr. 612''' beauftragt eine Open-Data-Richtlinie. '''Beschluss Nr. 613''' stimmt einer zusätzlichen Stelle für Computerlinguistik, Sprachtechnologie und Webprogrammierung am Sorbischen Institut zu. URL: https://zalozba.de/fileadmin/user_upload/2021-05-20_Beschlussprotokoll.pdf, abgerufen am 27.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt; Seit 2021 stärkt ebenfalls ein eigener Digitalisierungsbeauftragter &amp;lt;mark&amp;gt;– einer bereits im damaligen Gesamtkonzept vorgesehenen Maßnahme –&amp;lt;/mark&amp;gt; die Umsetzung und Weiterentwicklung des Sorbischen Digitalisierungskonzeptes sowie die Begleitung und Koordination der Digitalisierungsaktivitäten und die strategische Weiterentwicklung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;digitalisierungsbeauftragter&amp;quot;&amp;gt;Stiftung für das sorbische Volk 2019: Präsenz der sorbischen Sprachen in den Neuen Medien – Entwicklung von Maßnahmen für eine verbesserte Anwendung der sorbischen Sprachen in elektronischen Medien und im Bildungsbereich, 4. Fortschreibung vom 12.11.2018 in der Überarbeitung vom 11.03.2019, Abschnitt 3.7.2 „Digitalisierungsbeauftragte(r) und Arbeitskreis Digitales“, S. 20–21. Der beziehungsweise die Digitalisierungsbeauftragte sollte insbesondere die Entwicklung und Fortschreibung des Gesamtkonzeptes begleiten und die Koordination des Arbeitskreises übernehmen. Stiftung für das sorbische Volk 2021: Neuer Beauftragter für Digitalisierung bei der Stiftung, Pressemitteilung vom 09.04.2021. Daniel Sobe übernahm die Funktion zum 01.07.2021; genannt werden die Umsetzung erster Maßnahmen des Digitalisierungskonzeptes, die Koordinierung der Digitalisierungsaktivitäten der sorbischen Institutionen, Weiterbildung und strategische Ausrichtung. URL: https://zalozba.de/medien/pressearchiv/detail/neuer-beauftragter-fuer-digitalisierung-bei-der-stiftung/, abgerufen am 27.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* '''2022 und 2023''' folgten Aufträge zum Ausbau digitaler und sprachtechnologischer Fachkompetenz sowie zur Abstimmung institutioneller Zuständigkeiten und einer langfristig tragfähigen Koordinierungsstruktur.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rolle&amp;quot; /&amp;gt; Im Jahr 2026 kamen konkrete Aufträge zur Untersuchung sprachtechnologischer Nutzungsszenarien und ihrer Sprachdatenbedarfe sowie zur Vereinbarung der kontinuierlichen Veröffentlichung nutzungsoffener Sprachdaten hinzu.&amp;lt;ref name=&amp;quot;beschluss761&amp;quot;&amp;gt;Stiftung für das sorbische Volk 2026: Beschlussprotokoll der 92. Sitzung des Stiftungsrates vom 19.05.2026, '''Beschluss Nr. 761''', S. 3. Der Stiftungsdirektor wurde beauftragt, Nutzungsszenarien für sprachtechnologische Anwendungen mit ober- und/oder niedersorbischer Sprache zusammenzustellen und die Analyse der quantitativen, qualitativen, inhaltlichen und nutzungsrechtlichen Bedarfe zusätzlicher Sprachdaten vorzubereiten. Darüber hinaus ist mit den geförderten Einrichtungen die kontinuierliche Veröffentlichung nutzungsoffener Sprachdaten im Rahmen der Zielvereinbarungen ab 2027 zu vereinbaren. URL: https://zalozba.de/fileadmin/user_upload/Dokumente/Beschlussprotokolle/2026-05-19_Beschlussprotokoll_751-765.pdf, abgerufen am 27.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gemeinsame Umsetzung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Die Stiftung kann ihre digitalen Zielsetzungen der quantitativ und qualitativ erhöhten Sprachressourcen nur gemeinsam mit den von ihr geförderten Institutionen und Projekten sowie weiteren Partnern erreichen. Diese sind deshalb aufgerufen, ihre fachlichen Kompetenzen, Inhalte und Ressourcen im Rahmen ihrer jeweiligen Aufgaben in die gemeinsam vereinbarte Umsetzung einzubringen.'''&amp;lt;ref name=&amp;quot;zusammenarbeit&amp;quot;&amp;gt;Vgl. Stiftung für das sorbische Volk 2020: '''Beschluss Nr. 601''' vom 08.12.2020, S. 2. Der Stiftungsrat erwartet, dass der Direktor die Umsetzung der Prioritäten mit den geförderten Institutionen und Projektträgern vereinbart. Stiftung für das sorbische Volk 2022: '''Beschluss Nr. 641''' vom 24.05.2022, S. 1. Die Zuständigkeiten der geförderten Einrichtungen und Vorhaben sollen abgestimmt werden. Stiftung für das sorbische Volk 2023: '''Beschluss Nr. 666''' vom 26.01.2023, S. 1. Eine langfristige Struktur soll die Einbindung aller wesentlichen Akteure und die Koordinierung der Aktivitäten gewährleisten. Stiftung für das sorbische Volk 2026: '''Beschluss Nr. 761''' vom 19.05.2026, S. 3.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die geförderten Institutionen und Projekte sind zentrale Mitgestalter der digitalen Zukunft &amp;lt;mark&amp;gt;der beiden sorbischen Sprachen und der sorbischen Kultur&amp;lt;/mark&amp;gt;. Sie verfügen über fachliches Wissen, kulturelle und sprachliche Inhalte, Sammlungen, praktische Sprachkompetenz und den unmittelbaren Zugang zu ihren Nutzerinnen und Nutzern. Abhängig von ihrem jeweiligen Auftrag können und sollen sie insbesondere:&lt;br /&gt;
* vorhandene und benötigte Sprach- und Kulturressourcen sowie Digitalisierungsbedarfe identifizieren, dokumentieren und fachlich erschließen;&lt;br /&gt;
* Inhalte und Daten qualitätsgesichert, mit geeigneten Metadaten, geklärten Rechten und anschlussfähigen Standards aufbereiten, nachhaltig pflegen und – soweit möglich – nachnutzbar bereitstellen;&lt;br /&gt;
* digitale Angebote und Werkzeuge weiterentwickeln, Erfahrungen und Lösungen teilen und institutionsübergreifend zusammenarbeiten.&amp;lt;ref name=&amp;quot;fachlichebeitraege&amp;quot;&amp;gt;Vgl. [[10._Open_Access_Open_Data_Lizenzen|10. Open Access Open Data Lizenzen]], insbesondere zu Verfügbarkeit und Nachnutzung digitaler Ressourcen; [[11._Präsenz_in_Standards|11. Präsenz in Standards]]; [[12.3_Digitalisierung_des_Kulturerbes|12.3 Digitalisierung des Kulturerbes]], insbesondere zu Metadaten, Rechteinformationen, gemeinsamen Standards, klaren Zuständigkeiten und nachhaltiger Pflege digitaler Ressourcen, abgerufen am 27.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welche Beiträge eine Einrichtung oder ein Projekt konkret übernimmt, wird in Zielvereinbarungen, Förderentscheidungen, Projektkonzepten, Verträgen oder gesonderten Abstimmungen festgelegt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;zielvereinbarungen&amp;quot;&amp;gt;Vgl. Stiftung für das sorbische Volk 2018: Beschlussprotokoll der 73. Sitzung des Stiftungsrates vom 29.11.2018, '''Beschluss Nr. 561''', S. 2. Der Direktor wurde mit der Einführung von Zielvereinbarungen mit den geförderten Institutionen beauftragt. URL: https://zalozba.de/fileadmin/user_upload/Dokumente/Beschlussprotokolle/Beschlussprotokoll_2018-11-29.pdf, abgerufen am 27.07.2026. Stiftung für das sorbische Volk 2021: Beschlussprotokoll vom 20.05.2021, '''Beschluss Nr. 616''', S. 3. Stiftung für das sorbische Volk 2026: '''Beschluss Nr. 761''' vom 19.05.2026, S. 3.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So verbindet die Stiftung strategische Orientierung mit der Fachkompetenz der sorbischen Institutionen und Projekte. Gemeinsam schaffen sie die Grundlagen dafür, dass Ober- und Niedersorbisch sowie die sorbische Kultur auch im digitalen Raum lebendig, nutzbar und entwicklungsfähig bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Referenzen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Měrko Šenk</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://koncept.serbski-inkubator.de/index.php?title=1.2_Strategische_Orientierung_der_Stiftung&amp;diff=1084</id>
		<title>1.2 Strategische Orientierung der Stiftung</title>
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		<updated>2026-07-27T14:52:31Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Měrko Šenk: Wutwori stronu z '__NOTOC__ == Digitalisierung im Dienst der sorbischen Sprachen und Kultur ==  Die Stiftung für das sorbische Volk erfüllt den Auftrag, die beiden sorbischen Sprachen sowie di…'&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;__NOTOC__&lt;br /&gt;
== Digitalisierung im Dienst der sorbischen Sprachen und Kultur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stiftung für das sorbische Volk erfüllt den Auftrag, die beiden sorbischen Sprachen sowie die sorbische Kultur und ihre Traditionen als Ausdruck der Identität des sorbischen Volkes zu pflegen, zu fördern und weiterzuentwickeln. Unter den in [[1.1_Ausgangssituation|Abschnitt 1.1]] beschriebenen Bedingungen des digitalen Wandels und der Entstehung neuer digitaler Sprachräume gehört zu diesem Auftrag auch, Ober- und Niedersorbisch sowie die sorbische Kultur in den digitalen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens sichtbar, zugänglich und nutzbar zu machen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;satzung&amp;quot;&amp;gt;Stiftung für das sorbische Volk 2023: '''Satzung der Stiftung für das sorbische Volk''', insbesondere § 2 „Stiftungszweck“, S. 2. Dort wird als Stiftungszweck die Pflege und Förderung sorbischer Sprache und Kultur als Ausdruck der Identität des sorbischen Volkes bestimmt. Zu seiner Verwirklichung gehören unter anderem Dokumentation, Publikation und Präsentation sorbischer Kunst und Kultur sowie die Bewahrung und Fortentwicklung der sorbischen Sprache und kulturellen Identität. URL: https://zalozba.de/fileadmin/user_upload/Dokumente/Satzung/2023_Satzung_de.pdf, abgerufen am 27.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Digitalisierung ist für die Stiftung daher weder Selbstzweck noch eigenständiger Stiftungszweck. Sie ist ein strategisches Handlungsfeld und ein notwendiges Mittel, um diesen Sprach- und Kulturauftrag auch im digitalen Zeitalter wirksam zu erfüllen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;prioritaet&amp;quot;&amp;gt;Stiftung für das sorbische Volk 2020: Beschlussprotokoll der 77. Sitzung des Stiftungsrates vom 08.12.2020, '''Beschluss Nr. 601''', S. 2. Der Stiftungsrat bestimmte die „Fortführung der Digitalisierungsmaßnahmen insbesondere zur Stärkung der Präsenz der sorbischen Sprache in den digitalen Medien und zum Ausbau sorbischer Sprachressourcen“ als Priorität der künftigen Förderung und Tätigkeit der Stiftung. URL: https://zalozba.de/fileadmin/user_upload/Beschlussprotokoll_2020-12-08.pdf, abgerufen am 27.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Die Stiftung will die Möglichkeiten der Digitalisierung nutzen, um den Gebrauch, die Weitergabe und die Weiterentwicklung der beiden sorbischen Sprachen zu stärken &amp;lt;mark&amp;gt;sowie die sorbische Kultur und ihre Traditionen zu bewahren, weiterzuentwickeln und zeitgemäß zu vermitteln.&amp;lt;/mark&amp;gt; Ihr Ziel ist es, die Anzahl und Qualität von sorbischen Sprachressourcen deutlich zu erhöhen und damit die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass Ober- und Niedersorbisch in digitalen Medien, Bildungs- und Kulturangeboten, Arbeitsprozessen und Sprachtechnologien selbstverständlich verwendet werden können und sorbische kulturelle Inhalte dauerhaft gesichert, zugänglich und vermittelbar bleiben.'''&amp;lt;ref name=&amp;quot;ziele&amp;quot;&amp;gt;Vgl. Stiftung für das sorbische Volk 2017: Beschlussprotokoll der 69. Sitzung des Stiftungsrates vom 04.04.2017, '''Beschluss Nr. 512''', S. 1. Als Förderpriorität wird die „Stärkung und [der] Ausbau sorbischer/wendischer Sprachräume (einschließlich Neue Medien)“ festgelegt. URL: https://zalozba.de/fileadmin/user_upload/Dokumente/Beschlussprotokolle/Beschlussprotokoll_2017-04-04.pdf, abgerufen am 27.07.2026. Siehe außerdem '''Beschluss Nr. 601''' vom 08.12.2020 sowie Stiftung für das sorbische Volk 2026: Beschlussprotokoll der 92. Sitzung des Stiftungsrates vom 19.05.2026, '''Beschluss Nr. 761''', S. 3. Dieser berücksichtigt ausdrücklich sprachtechnologische Anwendungen mit ober- und/oder niedersorbischer Sprache, darunter Chatbots, Übersetzungsdienste und Bildungsangebote. URL: https://zalozba.de/fileadmin/user_upload/Dokumente/Beschlussprotokolle/2026-05-19_Beschlussprotokoll_751-765.pdf, abgerufen am 27.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine wesentliche Grundlage zur Erreichung dieser Ziele sind digitale Sprachressourcen: technisch nutzbare Bestände und systematisch zusammengestellte Sprachsammlungen wie Texte, Wörterbücher, Korpora, Terminologien, Übersetzungen und Sprachaufnahmen. Die Stiftung setzt sich dafür ein, dass solche Ressourcen verlässlich aufgebaut, qualitätsgesichert und dauerhaft gepflegt sowie für weitere Anwendungen nachnutzbar bereitgestellt werden.&amp;lt;ref name=&amp;quot;sprachressourcen&amp;quot;&amp;gt;Vgl. Stiftung für das sorbische Volk 2019: Beschlussprotokoll der 74. Sitzung des Stiftungsrates vom 07.05.2019, '''Beschluss Nr. 570''', S. 2. Ziel war, digitale Sprachressourcen des Sorbischen Instituts „in Form von Rohdaten vollständig und frei“ bereitzustellen, damit sie als Datenbasis für innovative und nutzerfreundliche Angebote genutzt werden können. URL: https://zalozba.de/fileadmin/user_upload/Beschlussprotokoll_2019-05-07.pdf, abgerufen am 27.07.2026. Stiftung für das sorbische Volk 2021: Beschlussprotokoll der 78. Sitzung des Stiftungsrates vom 20.05.2021, '''Beschluss Nr. 612''', S. 2. Ziel der beauftragten Open-Data-Richtlinie ist die freie Nutzung sorbischer Sprachressourcen für Projekte, welche die Anwendung der sorbischen Sprache unterstützen. URL: https://zalozba.de/fileadmin/user_upload/2021-05-20_Beschlussprotokoll.pdf, abgerufen am 27.07.2026. Siehe außerdem '''Beschluss Nr. 761''' vom 19.05.2026, S. 3.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;mark&amp;gt;Die Stiftung gibt hierfür strategische Orientierung, setzt Förderprioritäten, initiiert und unterstützt Vorhaben, bringt beteiligte Akteure zusammen und wirkt auf abgestimmte Zuständigkeiten, tragfähige Strukturen und gemeinsame Standards hin. Ihre Haltung verbindet Offenheit und Nachnutzbarkeit mit fachlicher Qualität, nachhaltiger Pflege und dem verantwortlichen Umgang mit Rechten und institutionellen Zuständigkeiten.&amp;lt;/mark&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;rolle&amp;quot;&amp;gt;Vgl. Stiftung für das sorbische Volk 2018: Beschlussprotokoll der 72. Sitzung des Stiftungsrates vom 10.04.2018, '''Beschluss Nr. 545''', S. 1. Der Direktor wurde mit einem ganzheitlichen Konzept zur Initialisierung, Umsetzung, Betreuung, Weiterentwicklung, Koordination und Kontrolle sorbischer digitaler Projekte beauftragt. URL: https://zalozba.de/fileadmin/user_upload/Dokumente/Beschlussprotokolle/Beschlussprotokoll_2018-04-10.pdf, abgerufen am 27.07.2026. Stiftung für das sorbische Volk 2022: Beschlussprotokoll der 81. Sitzung des Stiftungsrates vom 24.05.2022, '''Beschluss Nr. 641''', S. 1. Beauftragt wurde die Abstimmung der inhaltlichen und strukturellen Zuständigkeiten geförderter Einrichtungen und Vorhaben. URL: https://zalozba.de/fileadmin/user_upload/Dokumente/Beschlussprotokolle/2022-05-24_Beschlussprotokoll_bis-Vertagung.pdf, abgerufen am 27.07.2026. Stiftung für das sorbische Volk 2023: Beschlussprotokoll der Fortsetzung der 83. Sitzung des Stiftungsrates vom 26.01.2023, '''Beschluss Nr. 666''', S. 1. Die zu entwickelnde Struktur soll die Einbindung wesentlicher Akteure und die Koordinierung der sorbischen Aktivitäten langfristig gewährleisten. URL: https://zalozba.de/fileadmin/user_upload/Dokumente/Beschlussprotokolle/2023-01-26_Beschlussprotokoll_662_bis_666.pdf, abgerufen am 27.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Beschlussgrundlage und bisheriger Weg ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese proaktive Orientierung spiegelt sich seit Jahren in den Beschlüssen des Stiftungsrates sowie in den Förderentscheidungen und organisatorischen Maßnahmen der Stiftung wider:&lt;br /&gt;
* '''2013 bis 2018''' setzte der Stiftungsrat eine Arbeitsgruppe zur Entwicklung eines Konzeptes für die Anwendung der sorbischen Sprache in elektronischen Medien und im Bildungsbereich ein, beauftragte konkrete digitale Sprachprojekte und anschließend die Erarbeitung eines ganzheitlichen Konzeptes für sorbische digitale Projekte.&amp;lt;ref name=&amp;quot;entwicklung2013bis2018&amp;quot;&amp;gt;Stiftung für das sorbische Volk 2013: Beschlussprotokoll der 58. Sitzung des Stiftungsrates vom 25.01.2013, '''Beschluss Nr. 387''', S. 1. Beschlossen wurde die Bildung einer Arbeitsgruppe zur Entwicklung eines Konzeptes für die Anwendung der sorbischen Sprache in elektronischen Medien und im Bildungsbereich. URL: https://zalozba.de/fileadmin/user_upload/Dokumente/Beschlussprotokolle/Beschlussprotokoll%2025_%20Januar%202013.pdf, abgerufen am 27.07.2026. Stiftung für das sorbische Volk 2016: Beschlussprotokoll der Fortführung der 67. Sitzung des Stiftungsrates vom 21.04.2016, '''Beschluss Nr. 487''', S. 3. Der Stiftungsrat stimmte der Umsetzung von Projekten zur verbesserten Anwendung der sorbischen Sprache in elektronischen Medien zu. URL: https://zalozba.de/fileadmin/user_upload/Dokumente/Beschlussprotokolle/Beschlussprotokoll%2021_%20April%202016.pdf, abgerufen am 27.07.2026. Stiftung für das sorbische Volk 2018: Beschlussprotokoll vom 10.04.2018, '''Beschluss Nr. 545''', S. 1.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* '''2019''' beauftragte der Stiftungsrat eine vertiefte Zusammenarbeit mit dem Sorbischen Institut mit dem Ziel, dessen digitale Sprachressourcen „in Form von Rohdaten vollständig und frei“ bereitzustellen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;sprachressourcen&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* '''2020''' wurde die „Fortführung der Digitalisierungsmaßnahmen insbesondere zur Stärkung der Präsenz der sorbischen Sprache in den digitalen Medien und zum Ausbau sorbischer Sprachressourcen“ ausdrücklich als Priorität der künftigen Förderung und Tätigkeit der Stiftung festgelegt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;prioritaet&amp;quot; /&amp;gt; &lt;br /&gt;
* '''2021''' nahm der Stiftungsrat das Sorbische Digitalisierungskonzept zustimmend zur Kenntnis und beauftragte unter anderem seine Veröffentlichung, die Entwicklung einer tragfähigen Umsetzungsstruktur, eine Open-Data-Richtlinie für die freie Nutzung sorbischer Sprachressourcen und den Ausbau sprachtechnologischer Fachkompetenz.&amp;lt;ref name=&amp;quot;beschluesse2021&amp;quot;&amp;gt;Stiftung für das sorbische Volk 2021: Beschlussprotokoll der 78. Sitzung des Stiftungsrates vom 20.05.2021, S. 1–3. '''Beschluss Nr. 609''' betrifft die zustimmende Kenntnisnahme, Veröffentlichung und öffentliche Diskussion des Sorbischen Digitalisierungskonzeptes sowie die Entwicklung einer tragfähigen Umsetzungsstruktur. '''Beschluss Nr. 612''' beauftragt eine Open-Data-Richtlinie. '''Beschluss Nr. 613''' stimmt einer zusätzlichen Stelle für Computerlinguistik, Sprachtechnologie und Webprogrammierung am Sorbischen Institut zu. URL: https://zalozba.de/fileadmin/user_upload/2021-05-20_Beschlussprotokoll.pdf, abgerufen am 27.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt; Seit 2021 stärkt ebenfalls ein eigener Digitalisierungsbeauftragter &amp;lt;mark&amp;gt;– einer bereits im damaligen Gesamtkonzept vorgesehenen Maßnahme –&amp;lt;/mark&amp;gt; die Umsetzung und Weiterentwicklung des Sorbischen Digitalisierungskonzeptes sowie die Begleitung und Koordination der Digitalisierungsaktivitäten und die strategische Weiterentwicklung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;digitalisierungsbeauftragter&amp;quot;&amp;gt;Stiftung für das sorbische Volk 2019: Präsenz der sorbischen Sprachen in den Neuen Medien – Entwicklung von Maßnahmen für eine verbesserte Anwendung der sorbischen Sprachen in elektronischen Medien und im Bildungsbereich, 4. Fortschreibung vom 12.11.2018 in der Überarbeitung vom 11.03.2019, Abschnitt 3.7.2 „Digitalisierungsbeauftragte(r) und Arbeitskreis Digitales“, S. 20–21. Der beziehungsweise die Digitalisierungsbeauftragte sollte insbesondere die Entwicklung und Fortschreibung des Gesamtkonzeptes begleiten und die Koordination des Arbeitskreises übernehmen. Stiftung für das sorbische Volk 2021: Neuer Beauftragter für Digitalisierung bei der Stiftung, Pressemitteilung vom 09.04.2021. Daniel Sobe übernahm die Funktion zum 01.07.2021; genannt werden die Umsetzung erster Maßnahmen des Digitalisierungskonzeptes, die Koordinierung der Digitalisierungsaktivitäten der sorbischen Institutionen, Weiterbildung und strategische Ausrichtung. URL: https://zalozba.de/medien/pressearchiv/detail/neuer-beauftragter-fuer-digitalisierung-bei-der-stiftung/, abgerufen am 27.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* '''2022 und 2023''' folgten Aufträge zum Ausbau digitaler und sprachtechnologischer Fachkompetenz sowie zur Abstimmung institutioneller Zuständigkeiten und einer langfristig tragfähigen Koordinierungsstruktur.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rolle&amp;quot; /&amp;gt; Im Jahr 2026 kamen konkrete Aufträge zur Untersuchung sprachtechnologischer Nutzungsszenarien und ihrer Sprachdatenbedarfe sowie zur Vereinbarung der kontinuierlichen Veröffentlichung nutzungsoffener Sprachdaten hinzu.&amp;lt;ref name=&amp;quot;beschluss761&amp;quot;&amp;gt;Stiftung für das sorbische Volk 2026: Beschlussprotokoll der 92. Sitzung des Stiftungsrates vom 19.05.2026, '''Beschluss Nr. 761''', S. 3. Der Stiftungsdirektor wurde beauftragt, Nutzungsszenarien für sprachtechnologische Anwendungen mit ober- und/oder niedersorbischer Sprache zusammenzustellen und die Analyse der quantitativen, qualitativen, inhaltlichen und nutzungsrechtlichen Bedarfe zusätzlicher Sprachdaten vorzubereiten. Darüber hinaus ist mit den geförderten Einrichtungen die kontinuierliche Veröffentlichung nutzungsoffener Sprachdaten im Rahmen der Zielvereinbarungen ab 2027 zu vereinbaren. URL: https://zalozba.de/fileadmin/user_upload/Dokumente/Beschlussprotokolle/2026-05-19_Beschlussprotokoll_751-765.pdf, abgerufen am 27.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gemeinsame Umsetzung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Die Stiftung kann ihre digitalen Zielsetzungen der quantitativ und qualitativ erhöhten Sprachressourcen nur gemeinsam mit den von ihr geförderten Institutionen und Projekten sowie weiteren Partnern erreichen. Diese sind deshalb aufgerufen, ihre fachlichen Kompetenzen, Inhalte und Ressourcen im Rahmen ihrer jeweiligen Aufgaben in die gemeinsam vereinbarte Umsetzung einzubringen.'''&amp;lt;ref name=&amp;quot;zusammenarbeit&amp;quot;&amp;gt;Vgl. Stiftung für das sorbische Volk 2020: '''Beschluss Nr. 601''' vom 08.12.2020, S. 2. Der Stiftungsrat erwartet, dass der Direktor die Umsetzung der Prioritäten mit den geförderten Institutionen und Projektträgern vereinbart. Stiftung für das sorbische Volk 2022: '''Beschluss Nr. 641''' vom 24.05.2022, S. 1. Die Zuständigkeiten der geförderten Einrichtungen und Vorhaben sollen abgestimmt werden. Stiftung für das sorbische Volk 2023: '''Beschluss Nr. 666''' vom 26.01.2023, S. 1. Eine langfristige Struktur soll die Einbindung aller wesentlichen Akteure und die Koordinierung der Aktivitäten gewährleisten. Stiftung für das sorbische Volk 2026: '''Beschluss Nr. 761''' vom 19.05.2026, S. 3.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die geförderten Institutionen und Projekte sind zentrale Mitgestalter der digitalen Zukunft &amp;lt;mark&amp;gt;der beiden sorbischen Sprachen und der sorbischen Kultur&amp;lt;/mark&amp;gt;. Sie verfügen über fachliches Wissen, kulturelle und sprachliche Inhalte, Sammlungen, praktische Sprachkompetenz und den unmittelbaren Zugang zu ihren Nutzerinnen und Nutzern. Abhängig von ihrem jeweiligen Auftrag können und sollen sie insbesondere:&lt;br /&gt;
* vorhandene und benötigte Sprach- und Kulturressourcen sowie Digitalisierungsbedarfe identifizieren, dokumentieren und fachlich erschließen;&lt;br /&gt;
* Inhalte und Daten qualitätsgesichert, mit geeigneten Metadaten, geklärten Rechten und anschlussfähigen Standards aufbereiten, nachhaltig pflegen und – soweit möglich – nachnutzbar bereitstellen;&lt;br /&gt;
* digitale Angebote und Werkzeuge weiterentwickeln, Erfahrungen und Lösungen teilen und institutionsübergreifend zusammenarbeiten.&amp;lt;ref name=&amp;quot;fachlichebeitraege&amp;quot;&amp;gt;Vgl. [[10._Open_Access_Open_Data_Lizenzen|10. Open Access Open Data Lizenzen]], insbesondere zu Verfügbarkeit und Nachnutzung digitaler Ressourcen; [[11._Präsenz_in_Standards|11. Präsenz in Standards]]; [[12.3_Digitalisierung_des_Kulturerbes|12.3 Digitalisierung des Kulturerbes]], insbesondere zu Metadaten, Rechteinformationen, gemeinsamen Standards, klaren Zuständigkeiten und nachhaltiger Pflege digitaler Ressourcen, abgerufen am 27.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welche Beiträge eine Einrichtung oder ein Projekt konkret übernimmt, wird in Zielvereinbarungen, Förderentscheidungen, Projektkonzepten, Verträgen oder gesonderten Abstimmungen festgelegt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;zielvereinbarungen&amp;quot;&amp;gt;Vgl. Stiftung für das sorbische Volk 2018: Beschlussprotokoll der 73. Sitzung des Stiftungsrates vom 29.11.2018, '''Beschluss Nr. 561''', S. 2. Der Direktor wurde mit der Einführung von Zielvereinbarungen mit den geförderten Institutionen beauftragt. URL: https://zalozba.de/fileadmin/user_upload/Dokumente/Beschlussprotokolle/Beschlussprotokoll_2018-11-29.pdf, abgerufen am 27.07.2026. Stiftung für das sorbische Volk 2021: Beschlussprotokoll vom 20.05.2021, '''Beschluss Nr. 616''', S. 3. Stiftung für das sorbische Volk 2026: '''Beschluss Nr. 761''' vom 19.05.2026, S. 3.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So verbindet die Stiftung strategische Orientierung mit der Fachkompetenz der sorbischen Institutionen und Projekte. Gemeinsam schaffen sie die Grundlagen dafür, dass Ober- und Niedersorbisch sowie die sorbische Kultur auch im digitalen Raum lebendig, nutzbar und entwicklungsfähig bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Referenzen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Měrko Šenk</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://koncept.serbski-inkubator.de/index.php?title=1._Einleitung&amp;diff=1083</id>
		<title>1. Einleitung</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://koncept.serbski-inkubator.de/index.php?title=1._Einleitung&amp;diff=1083"/>
		<updated>2026-07-27T13:21:56Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Měrko Šenk: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[1.1_Ausgangssituation|1.1 Ausgangssituation]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[1.2_Strategische_Orientierung_der_Stiftung|1.2 Strategische Orientierung der Stiftung]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[1.2_Aufgaben_und_Zielstellung|1.3 Aufgaben und Zielstellung]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[1.3_Vorgehen|1.4 Vorgehen]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Měrko Šenk</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://koncept.serbski-inkubator.de/index.php?title=12.3_Digitalisierung_des_Kulturerbes&amp;diff=1082</id>
		<title>12.3 Digitalisierung des Kulturerbes</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://koncept.serbski-inkubator.de/index.php?title=12.3_Digitalisierung_des_Kulturerbes&amp;diff=1082"/>
		<updated>2026-07-22T15:09:59Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Měrko Šenk: /* 2.5 Beispiele anderer Kulturen und Regionen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;= 1 Einleitung =&lt;br /&gt;
Die Digitalisierung von sorbischem Kulturerbe ist eine historische Chance für uns Sorben, eine Chance, unser kulturelles Erbe neu zu entdecken, es für kommende Generationen zu erhalten, für eine breitere Öffentlichkeit zugänglich zu machen und dabei die eigene Deutungshoheit zu stärken. Das erfordert neben Mut, einer klaren gemeinsamen Vision, starker Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Akteuren auch die notwendigen Ressourcen in Form von Personal mit entsprechenden Kompetenzen, passender Technik sowie einer nachhaltig gesicherten Finanzierung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im folgenden Abschnitt werden Zielbilder für die Digitalisierung des sorbischen Kulturerbes entworfen mittels lang- und kurzfristiger Visionen sowie konkreter Ziele.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 1.1 Visionen und Ziele für die sorbische digitale Welt ==&lt;br /&gt;
'''Vision 2035'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
''Sorbisches materielles und immaterielles Kulturerbe ist systematisch digital erfasst, rechtssicher und langfristig gesichert, leicht auffindbar, offen nutzbar und wird aktiv von Interessierten genutzt.''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Konkrete Ziele'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bis 2032 ist ein tragfähiges, finanziell und organisatorisch abgesichertes Modell etabliert, das:&lt;br /&gt;
* Ein zentrales (oder föderiertes) digitales Langzeitarchiv nach OAIS-Referenzmodell betreibt,&lt;br /&gt;
* klare Zuständigkeiten, Prozesse und Budgets definiert,&lt;br /&gt;
* regelmäßige Qualitätssicherung und Technik-Updates vorsieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis 2030 sind wichtige sorbische Kulturerbe-Bestände (Kernbestände nach fachlicher Festlegung) in hoher Qualität digitalisiert, beschrieben und im Langzeitarchiv gesichert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis 2028 liegt eine institutionenübergreifende Übersicht über relevante Kulturerbe-Bestände (analog und digital, materiell und immateriell) vor, einschließlich einer Prioritätenliste für die Digitalisierung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis 2028 existiert ein zentrales, nutzerfreundliches „Sorbisches Kulturerbe-Portal“, das:&lt;br /&gt;
* Suchzugang über alle teilnehmenden Institutionen ermöglicht,&lt;br /&gt;
* grundlegende Inhalte frei zugänglich bereitstellt,&lt;br /&gt;
* mehrsprachige Oberflächen anbietet (Deutsch, Obersorbisch, Niedersorbisch, Englisch).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= 2 IST-Analyse „Digitalisierung von Kulturerbe“ =&lt;br /&gt;
Das Ziel in diesem Themenbereich ist es, sorbisches Kulturerbe digital zu verwalten und damit langfristig für Recherche, Nutzung und Präsentation vorzuhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Abschnitt &amp;quot;IST-Analyse“ werden die folgenden Fragen beantwortet: Was ist sorbisches Kulturerbe und was zählt alles dazu? Welche Schritte durchläuft ein Kulturgut, um zum digitalen Kulturerbe zu gehören? Wie können die digitale Verwaltung, Archivierung, Nutzung und Präsentation von Kulturgütern umgesetzt werden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die grundlegenden Terminologien des Kulturerbes sollen im Folgenden festgelegt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2.1 Terminologie – von Kultur zu Kulturerbe ==&lt;br /&gt;
In diesem Abschnitt werden die Begriffe rund um das Kulturerbe grundlegend definiert. Es soll ein Verständnis über die Begriffe Kultur, kulturelle Ausprägung, Kulturgut und Kulturerbe erreicht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K1.png|center|260px]]&amp;lt;ref&amp;gt;Mermaid Flowchart Code: [https://mermaid.live/edit#pako:eNpF0UtuwyAQBuCroFlaTuRHTGMvKuWxq7pqV627IGZso2CIMChtk9ymN-nFimmasmJGfP-AOEGjOUIFrdTHpmfGkudtrWpF_Fq9RtGDk9aZKHojU-_aJ7PZ_bmGgSnR4mgFejaKpidC1XAmq8zDfYAoJZKVG7lxzX5stRl81C0_uwYdheGEubHD4_dXLy1hcpyC1rcLdM4GOLH1Ve2E5Gj9TPLkhgEnsLkBNDsMAmLojOBQWeMwhgHNwKYSTuFBYHucbOW3HFvmcQ21unh2YOpF6-FPGu26HqrW381X7sCZxa1gnWH_R1BxNBvtlIUqTUMEVCd49xVdzpeLMs1pXmRFXiY0hg-o8iyZL_LFXZaVSTJ1LzF8hqHJnBZ5WhZLWt5RmtIsBuTCavP4-2Hh3y4_NXaMmw hier klicken], abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.1 Kultur ===&lt;br /&gt;
Kultur bezeichnet hier die Gesamtheit aller '''vom Menschen geschaffenen und erlernten Ausdrucksformen''' des Lebens, die auf gemeinsamen Werten und Verhaltensweisen beruhen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;wiki-kultur&amp;quot;&amp;gt;URL: https://de.wikipedia.org/wiki/Kultur&amp;lt;/ref&amp;gt; Dazu zählen '''materielle Ergebnisse''' (z. B. Kunstwerke, Technik) ebenso wie '''immaterielle Praktiken''' (Sprache, Bräuche, Wissen). Kultur umfasst laut der UNESCO geistige, materielle, intellektuelle und emotionale Merkmale, die eine Gesellschaft oder soziale Gruppe kennzeichnen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mondiacult&amp;quot;&amp;gt;UNESCO 1982: Mexico City Declaration on Cultural Policies (MONDIACULT). URL: https://www.lacult.unesco.org/docc/1982_MONDIACULT.pdf&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;ref name=&amp;quot;cultureaction&amp;quot;&amp;gt;Culture Action Europe 2024: The State of Culture report. URL: https://cultureactioneurope.org/de/news/the-state-of-culture-report-published, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;  Sie ist dynamisch und wird von jeder Generation neu gestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das deutsche Wort „Kultur“ ist eine Eindeutschung des lateinischen Worts „cultura“. Dieses bedeutet ursprünglich „Bebauung, Bearbeitung, Bestellung, Pflege“ und meinte sowohl die physische Bearbeitung als auch die Pflege geistiger Güter, z. B. der Sprache.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.2 Kulturelle Ausdrucksform ===&lt;br /&gt;
Eine kulturelle Ausdrucksform ist eine '''konkrete, gegenwärtige oder historische, Manifestation von Kultur''', bspw. eine Zeichnung, eine Tracht oder ein Lied: Sie macht die Kultur sichtbar und erlebbar. Im engeren Sinne ist es eine Ausdrucksweise, die aus der Kreativität einer Person, Gruppe oder Gesellschaft entsteht und '''kulturellen Inhalt''' trägt (symbolische Bedeutung, künstlerische Dimension, kulturelle Werte).&amp;lt;ref&amp;gt;Österreichische UNESCO-Kommission 2007: Übereinkommen zum Schutz und zur Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen, Art. 4, Seite 13. URL: https://www.unesco.at/fileadmin/Redaktion/Publikationen/Publikations-Dokumente/2005er_UNESCO-Convention_German.pdf, abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt; Sie wird innerhalb und zwischen Gemeinschaften weitergegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle kulturellen Ausdrucksformen bilden einen wesentlichen Kern von Kultur, aber Kultur enthält auch latente Dimensionen (Werte, Normen, Vorannahmen etc.), die nicht unmittelbar als Ausdrucksform erscheinen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.3 Kulturgut ===&lt;br /&gt;
Ein „Kulturgut“ ist '''eine einzelne kulturelle Ausdrucksform''', der ein '''besonderer kultureller Wert zugemessen wird''' (durch Anerkennung, Schutz, Bedeutung). Es ist somit ein Erzeugnis menschlicher Kreativität oder Zeugnis menschlichen Lebens, welches '''Bedeutung für die Kultur einer Gemeinschaft''' hat und daher '''Bestand haben und bewahrt werden soll'''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die '''Summe aller Kulturgüter''' einer Gemeinschaft wird als dessen '''Kulturerbe''' bezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.4 Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
Kulturerbe ist die '''Summe der materiellen und immateriellen Ausdrucksformen''' (= Kulturgüter) einer Kultur, die als „'''bewahrenswert'''“ anerkannt wurden. International umfasst das u. a. das '''Welterbe''' (Denkmäler, Ensembles, Stätten)&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO (1972), Welterbekonvention, Art. 1. URL: https://www.dnk.de/wp-content/uploads/2021/02/1972_DNK_UNESCO-Welterbekonvention.pdf (abgerufen am 11.09.2025).&amp;lt;/ref&amp;gt; und das '''Immaterielles Kulturerbe''' (Praktiken, Wissen).&amp;lt;ref&amp;gt;Deutsche UNESCO-Kommission o. J.:, Übereinkommen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes (dt. Ausgabe). URL: https://www.unesco.de/assets/dokumente/Deutsche_UNESCO-Kommission/02_Publikationen/Publikation_UNESCO-%C3%9Cbereinkommen_zur_Erhaltung_des_immateriellen_Kulturerbes_01.pdf, (abgerufen am 11.09.2025).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ob etwas „zum Kulturerbe“ zählt, ist Ergebnis von Bewertung, Diskurs und teils formellen Verfahren. Dem Sorbischen Kulturregister (SKR) zufolge ist „sorbisch-wendisches Kulturerbe“ eine Zuschreibung, die durch Gesellschaft, Museen, Archive und Wissenschaft erfolgen kann.&amp;lt;ref&amp;gt;Sorbisches Institut 2025: Konzept für ein Sorbisches Kulturregister (SKR). URL: https://www.serbski-institut.de/wp-content/uploads/2021/11/00_Zweite-aktualisierte-Fassung_Konzept_Sorbisches-Kulturregister_20.11.2025.pdf, abgerufen am 20.11.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.5 Abgrenzung: Kultur und Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
'''Kultur / Kulturelle Ausdrucksform''' sind als Begriffe weiter gefasst als '''Kulturgut / Kulturerbe'''. Kulturelle Ausdrucksformen umfassen alles Gelebte und Gestaltete einer Gemeinschaft in Gegenwart und Vergangenheit, während Kulturgut / Kulturerbe diejenigen kulturellen Güter und Traditionen meint, denen eine Bedeutung beigemessen wurde und die als bewahrens- und weitergebenswert erkannt wurden. Kultur ist der „aktuelle“ kreative Prozess (einschließlich Popkultur, Alltagskultur), Kulturerbe der daraus überkommene Schatz. Dennoch sind die Grenzen fließend: Was heute nur Kultur ist, kann morgen zum Kulturerbe erklärt werden – abhängig von Wertzuschreibung und Diskurs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Rahmen dieses Dokuments werden für den sorbischen Kontext die Begriffe '''„kulturelle Ausdrucksform“''' und '''„Kulturgut“''' weitgehend '''synonym''' verwendet, sofern nicht ausdrücklich anders gekennzeichnet. Hintergrund ist, dass die Gesamtzahl der identifizierbaren kulturellen Ausdrucksformen einer kleinen Minderheit wie der Sorben/Wenden im Vergleich zu großen Mehrheitsgesellschaften überschaubar ist. Zugleich ist der Anteil dieser Ausdrucksformen, denen in der Community ein besonderer Wert beigemessen wird und die daher faktisch als Kulturgut wahrgenommen und behandelt werden, sehr hoch: Ein großer Teil des gelebten kulturellen Repertoires wird als identitätsstiftend und bewahrenswert verstanden und damit dem Kulturerbe zugerechnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2.2 Klassifizierung von Kulturgütern ==&lt;br /&gt;
Im Folgenden soll eine griffige Klassifizierung von Kulturgütern entwickelt werden, so dass pro Kulturgut-Klasse später auf die Besonderheiten ihrer Digitalisierung eingegangen werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K2.png|center|600px]]&amp;lt;ref&amp;gt;Mermaid Flowchart Code: [https://mermaid.live/edit#pako:eNptlM9u00AQxl9ltFWoFDlp_C9OjISU2KSgUCq1BSRIDxt77Syxd6v1mkKjSDwBlThw4YCEeuXOoeLSN-EF4BHYjZOQQG67-32_2ZnZsWco4jFBPqrVZpRR6cNsP8n4ZTTBQu7rHVP66QWOKEvV3nQM2BeYTf8eea35fF6rjdiIrUl4cjJiAMPDV_X6sMxkKdJS1uvnvu9PtRGgp5ReE46wJIKSLIOf779CycbkkqQZjSb1Ovz-cv351_drDWGN9BXS_xfZBj7dLoGxBgIFBE14nOcrZGH68E07Iu0IlSNsQkhTKnGlfvyh1bjKcngIjcYD6G2s-xvrYGMdLuuqAFOXZ0IflzFh0xxn5OBU3t1ISZhqw6KaKpo29k04jSaCJrLq0oZsa9mCAZc8FTihhBnQp1ksxd1NSsS22dFmG3oMZzwl0HveONtlc7XNATtsHI9fk6kkC3nRsKoqnVNgwrFQaUOvLGJRRtMi4SJfZ790WtppQYhFIVV7CYsJDO9uWbEMujbqOgIbTqgsddB7MCD_eXT6gQMvaFEQBlclPMVqcA6eMfqGiKLMt926isCFM4FjKiln-voCHmEWXxIxXZcUVo-jSwrVe3DBGvHqtc83DLqS0FpNAi3wRluiDBdFSBIYQ0KzzN_r265jPjQinnHh7yVJYhRS8ClZKfe3KLyk2oHneuEuqlK2qWhJWYPOwGnvoiplm4qXVMd17V5rF1UpikIGSgWNkS9FSQyUE5FjvUUzHXGE5ITkZIR8tYxJgtVXPEIjNlfYBWYvOc9XpOBlOkF-grNC7cqLWPUupFjNa74-FXo0RMBLJpFvWtYiCPJn6C3yG7bTNO2u6Tidrue0W13HQO_Usdtquuqg1bG6TtvzPNuZG-hqcXGr2baV5NhuyzId13XbBiJqDrg4qn5ni7_a_A_W9oMu hier klicken], abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.1 A. Materiell - unbeweglich 🏛️ ===&lt;br /&gt;
„Materiell - unbeweglich&amp;quot; bezeichnet ortsfeste Kulturobjekte wie Bauwerke, Ensembles, Gebäudekomplexe und Stätten/Kulturlandschaften, wie sie in Art. 1 der UNESCO-Welterbekonvention als Kategorien des kulturellen Erbes definiert sind.&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO World Heritage Centre o. J.: Convention Concerning the Protection of the World Cultural and Natural Heritage, Artikel 1. URL: https://whc.unesco.org/en/conventiontext/, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.2 B. Materiell - beweglich 🖼️ ===&lt;br /&gt;
Die Kategorie „Materiell - beweglich&amp;quot; umfasst bewegliche Sachen bzw. Sachgesamtheiten von kulturellem Wert (z. B. Objekte, Sammlungen), wie sie das deutsche Kulturgutschutzgesetz (§ 2 KGSG)&amp;lt;ref&amp;gt;Deutschland 2016: Kulturgutschutzgesetz (KGSG), § 2. URL: https://www.buzer.de/2_KGSG.htm, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt; als „Kulturgut“ beschreibt.&lt;br /&gt;
* B1 '''Schriftgut''' - Bücher, Zeitungen, Handschriften, Archivgut, Graphiken, Pläne, Karten&lt;br /&gt;
* B2 '''Fotografien &amp;amp; Bildträger''' &lt;br /&gt;
** Fotografisch erzeugte statische Bildträger, auch Stillbildträger genannt, z. B. Positive/Negative auf Film/Platte/Photopapier, Dias, Abzüge, Mikrofilm/-fiche und vergleichbare fotografische Repro-Träger.&lt;br /&gt;
* B3 '''Analoge AV-Träger''' (Audio/Video/Film)&lt;br /&gt;
** Analoge zeitbasierte Medien, z. B. Magnetton (Tonband, Kassette), Schallplatte, Videobänder, Film.&lt;br /&gt;
* B4 '''3D-Objekte''' - Gegenstände, „sachkulturelle Artefakte“&amp;lt;ref&amp;gt;Sorbisches Institut o. J.: Konzept zum Digitalisierungszentrum am Sorbischen Institut, S. 24.&lt;br /&gt;
(Unveröffentlichtes Konzeptpapier; interne Projektunterlage.)&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.3 C. Immateriell 🎭 ===&lt;br /&gt;
Meint lebendige Praktiken, Darstellungen, Ausdrucksformen, Ideen, Werte, Wissen und Fertigkeiten, die von Gemeinschaften getragen und weitergegeben werden, gemäß der folgenden 5 UNESCO ICH-Domänen.&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO o. J.: Intangible Cultural Heritage – Five Domains. URL: https://ich.unesco.org/doc/src/01857-EN.pdf, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* C1 '''Orale Traditionen/Ausdrucksformen''' - Sprache, Gesangstraditionen&lt;br /&gt;
* C2 '''Darstellende Künste''' - Musik, Tanz, Theater&lt;br /&gt;
* C3 '''Rituale &amp;amp; Feste''' - Bräuche und soziale Praktiken des Kalenders und Lebenslaufs&lt;br /&gt;
* C4 '''Wissen &amp;amp; Praktiken''' zu Natur &amp;amp; Universum - Heil- und Sammelkenntnisse, ökologisches und astronomisches Wissen, Glaube, Religion&lt;br /&gt;
* C5 '''Traditionelles Handwerk''' - Techniken, Werkzeuge und Gestaltungsmuster&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.4 D. Digital 💾 ===&lt;br /&gt;
Bezeichnet in digitaler Form vorliegende Ressourcen menschlichen Wissens und Ausdrucks. Diese können sowohl born-digital sein als auch digitalisierte Repräsentationen von materiellen und immateriellen Kulturgütern.&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO 2003: Charter on the Preservation of Digital Heritage. URL: https://www.unesco.org/en/legal-affairs/charter-preservation-digital-heritage, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* D1 '''Born-digital''' (ursprünglich digital erzeugt, kein analoges Original), z. B. Webseiten, Social-Media-Beiträge, Software, Apps, Spiele, digitale Fotos/Audio/Video.&lt;br /&gt;
* D2 '''Digitalisate''' - Digitalisierte Repräsentationen/Derivate aus den Klassen A, B und C.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2.3 Begriffe und Funktionsbausteine der Kulturerbe-Digitalisierung ==&lt;br /&gt;
Die vorherigen Abschnitte haben geklärt, was unter Kulturerbe verstanden wird und welche Arten von Kulturgütern unterschieden werden. Bevor der nachfolgende Abschnitt den Prozess der Kulturerbe-Digitalisierung beschreibt, werden in diesem Abschnitt die dafür wichtigsten Arbeitsbegriffe und Funktionen erläutert. Der Abschnitt soll dabei die Frage beantworten: Welche Arbeitsabläufe und Funktionen sind notwendig, damit Kulturgüter nicht nur digital erfasst, sondern auch gefunden, verstanden, gesichert und genutzt werden können?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erläuterungen sollen eine gemeinsame und leicht verständliche Grundlage schaffen für alle, die an der Digitalisierung von Kulturerbe interessiert sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.3.1 Vom Kulturgut zur digitalen Repräsentation ===&lt;br /&gt;
Dieser Abschnitt erklärt, was bei einer Digitalisierung entsteht und wie sich das digitale Ergebnis vom ursprünglichen Kulturgut unterscheidet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Begriff&lt;br /&gt;
! Erklärung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Digitalisierung von Kulturerbe'''&lt;br /&gt;
| Digitalisierung bezeichnet in diesem Konzept den gesamten zusammenhängenden Prozess: Kulturgüter erfassen, beschreiben und bewerten, digitale Repräsentationen erzeugen oder übernehmen, ihre Qualität prüfen, sie sichern und für die Nutzung zugänglich machen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;DFG2016&amp;quot;&amp;gt;Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) 2016: Praxisregeln „Digitalisierung“, insbesondere S. 13 und 41-44. URL: https://www.dfg.de/resource/blob/176108/898bf3574ad0ff3b1db525fa7d04c86c/12-151-v1216-de-data.pdf, abgerufen am 16.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bei ursprünglich digital entstandenen Kulturgütern – auch ''born digital'' genannt – entfällt die Überführung aus einem analogen Original; die weiteren Aufgaben bleiben bestehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Digitalisat und digitale Repräsentation'''&lt;br /&gt;
| Ein '''Digitalisat''' ist ein digitales Abbild eines analogen Kulturguts, beispielsweise ein Scan einer Handschrift oder ein Foto eines Museumsobjekts. Der weitere Begriff '''digitale Repräsentation''' umfasst auch Audio-, Video- oder 3D-Dokumentationen einer immateriellen kulturellen Praxis. Die digitale Repräsentation ersetzt weder das materielle Kulturgut noch die lebendige Praxis.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Masterdatei und Nutzungsderivat'''&lt;br /&gt;
| Die '''Masterdatei''' ist die möglichst hochwertige und qualitätsgeprüfte Ausgangsdatei. Sie wird für die langfristige Sicherung und spätere Bearbeitungen aufbewahrt. Ein '''Nutzungsderivat''' ist eine daraus erzeugte, an einen bestimmten Zweck angepasste Datei, beispielsweise ein kleineres Bild für eine Internetseite.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Digitales Objekt'''&lt;br /&gt;
| Als '''digitales Objekt''' wird in diesem Konzept eine zusammengehörige digitale Einheit bezeichnet. Sie kann aus einer oder mehreren Dateien, den zugehörigen Metadaten und ihren Verknüpfungen bestehen. Ein digitales Objekt kann ein Digitalisat oder ein ursprünglich digital entstandenes Kulturgut sein.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
''Beispiel:'' Das verzierte sorbische Osterei bleibt das materielle Kulturgut. Hochauflösende Fotografien, ein 3D-Modell und die dazugehörigen Beschreibungen bilden gemeinsam seine digitale Repräsentation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.3.2 Funktionsbausteine und ihr Zusammenspiel ===&lt;br /&gt;
Die folgende Tabelle erläutert die grundlegenden Funktionen bei der Digitalisierung von Kulturerbe, unabhängig von konkreten Institutionen oder technischen Produkten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Funktionsbaustein&lt;br /&gt;
! Hauptaufgabe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Register oder Katalog'''&lt;br /&gt;
| Weist Kulturgüter nach, beschreibt und verknüpft sie und macht sichtbar, was vorhanden ist, wo es sich befindet und in welchem Zusammenhang es steht. Ein Registereintrag kann bereits bestehen, bevor ein Digitalisat angefertigt wurde.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Digitalisierungsdienst oder Digitalisierungszentrum'''&lt;br /&gt;
| Erzeugt digitale Repräsentationen, bearbeitet und prüft sie und dokumentiert technische Angaben zur Digitalisierung. Es liefert beispielsweise geprüfte Masterdateien und Nutzungsderivate.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Repositorium oder digitales Archiv'''&lt;br /&gt;
| Übernimmt digitale Dateien und Metadaten, speichert und verwaltet sie und sorgt entsprechend seinem Auftrag für ihre Sicherung, Langzeiterhaltung und Bereitstellung.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Präsentations- und Nutzungssystem'''&lt;br /&gt;
| Führt beschreibende Informationen und digitale Medien für Nutzerinnen und Nutzer zusammen. Es ermöglicht beispielsweise Suche, Anzeige, Kontextualisierung, Vermittlung und – soweit zulässig – Nachnutzung.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Bausteine beschreiben zunächst '''Funktionen''' und nicht zwingend getrennte Institutionen oder Systeme. Eine Einrichtung kann mehrere Funktionen übernehmen. Umgekehrt kann eine Funktion auf mehrere Einrichtungen oder technische Systeme verteilt sein. Entscheidend sind klare Zuständigkeiten, verlässliche Übergaben und gemeinsame Standards.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vereinfacht lässt sich das Zusammenspiel so zusammenfassen:&lt;br /&gt;
# Das '''Register oder der Katalog''' beschreibt und verknüpft das Kulturgut.&lt;br /&gt;
# Der '''Digitalisierungsdienst''' erzeugt und prüft seine digitale Repräsentation.&lt;br /&gt;
# Das '''Repositorium oder digitale Archiv''' übernimmt und erhält die Dateien.&lt;br /&gt;
# Das '''Präsentationssystem''' führt Beschreibungen und Medien für die Nutzung zusammen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die konkrete Ausgestaltung kann zentral, dezentral oder als Verbund mehrerer Systeme erfolgen. Welche dieser Funktionen in der sorbischen Welt bereits durch das Sorbische Kulturregister, das Digitalisierungszentrum, Archive, Repositorien und Präsentationsumgebungen erfüllt werden und wo noch Lücken bestehen, wird in der sorbischen IST-Analyse untersucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.3.3 Register: Kulturgüter erfassen, beschreiben und verknüpfen ===&lt;br /&gt;
Die folgende Tabelle erklärt, wie Kulturgüter so beschrieben und bearbeitet werden, dass sie eindeutig zugeordnet, wiedergefunden und nach einheitlichen Regeln weiterverarbeitet werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Begriff&lt;br /&gt;
! Erklärung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Erschließung, Verzeichnung und Registrierung'''&lt;br /&gt;
| '''Erschließung''' ist der übergeordnete Vorgang, bei dem ein Kulturgut identifiziert, beschrieben und in seinen Zusammenhang eingeordnet wird. '''Verzeichnung''' bezeichnet seine strukturierte dokumentarische Beschreibung. '''Registrierung''' bedeutet die Aufnahme in ein konkretes Register, einen Katalog oder ein Sammlungssystem. Ein Kulturgut kann bereits registriert werden, bevor ein Digitalisat vorhanden ist.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Metadaten'''&lt;br /&gt;
| Metadaten sind strukturierte Informationen über ein Kulturgut und seine digitalen Repräsentationen. Dazu gehören beispielsweise Titel, Herkunft, beteiligte Personen, Ort, Zeit, kultureller Kontext, Rechte, Dateieigenschaften und Bearbeitungsschritte. Je nach Zweck werden beschreibende, technische, rechtliche und erhaltungsbezogene Metadaten unterschieden. Sie machen Kulturgüter auffindbar, verständlich, verwaltbar und langfristig nutzbar.&amp;lt;ref name=&amp;quot;PREMIS&amp;quot;&amp;gt;Library of Congress o. J.: PREMIS – Preservation Metadata: Implementation Strategies. Internationaler Standard für Erhaltungsmetadaten. URL: https://www.loc.gov/standards/premis/, abgerufen am 16.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Persistenter Identifikator'''&lt;br /&gt;
| Ein '''persistenter Identifikator''' ist eine dauerhafte und eindeutige Kennung für ein Kulturgut, einen Datensatz oder eine digitale Ressource. Die Kennung bleibt bestehen, auch wenn sich der technische Speicherort oder die Internetadresse ändern. Dadurch können Kulturgüter dauerhaft zitiert und zwischen Systemen verknüpft werden.&amp;lt;ref name=&amp;quot;DFG2016&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Metadaten sind keine bloße Beigabe zu einer Datei. Ohne ausreichende Beschreibungen kann ein Digitalisat zwar technisch vorhanden sein, später aber kaum gefunden, verstanden oder zuverlässig zugeordnet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.3.4 Digitalisierungsdienst und Archiv: Digitalisieren, speichern und langfristig erhalten ===&lt;br /&gt;
Die folgende Tabelle erklärt was erforderlich ist, damit digitale Kulturgüter nicht nur heute gespeichert sind, sondern auch nach technischen und organisatorischen Veränderungen noch gefunden, verstanden und genutzt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Begriff&lt;br /&gt;
! Erklärung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Repositorium'''&lt;br /&gt;
| Ein '''Repositorium''', auch ''Repository'' genannt, ist eine verwaltete technische Umgebung, in der digitale Objekte und ihre Metadaten übernommen, gespeichert, geordnet, verwaltet und bereitgestellt werden. Ein Repositorium kann Teil eines digitalen Archivs sein. Nicht jedes Repositorium erfüllt jedoch automatisch alle Anforderungen der Langzeiterhaltung.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Digitales Archiv oder digitales Langzeitarchiv'''&lt;br /&gt;
| Ein digitales Archiv ist mehr als ein Server oder ein Speicherprogramm. Es verbindet eine verantwortliche Organisation, fachkundiges Personal, Regeln, Arbeitsabläufe und technische Systeme. Es übernimmt die Verantwortung dafür, digitale Informationen langfristig zu erhalten und für festgelegte Nutzergruppen zugänglich zu machen. Das internationale Referenzmodell '''Open Archival Information System''' (OAIS, offenes Archiv-Informationssystem) bietet hierfür einen fachlichen Rahmen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;OAIS2024&amp;quot;&amp;gt;Consultative Committee for Space Data Systems (CCSDS) 2024: Reference Model for an Open Archival Information System (OAIS), CCSDS 650.0-M-3, insbesondere S. 1-1–1-2 und 2-1–2-2. URL: https://ccsds.org/Pubs/650x0m3.pdf, abgerufen am 16.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Ingest oder kontrollierte Übernahme'''&lt;br /&gt;
| '''Ingest''' bezeichnet die kontrollierte Übernahme digitaler Dateien und Metadaten in ein Repositorium oder digitales Archiv. Dabei werden beispielsweise Vollständigkeit, Dateiformate, Metadaten und Dateiintegrität geprüft und die Übernahme dokumentiert.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Langzeitverfügbarkeit und digitale Langzeiterhaltung'''&lt;br /&gt;
| '''Langzeitverfügbarkeit''' ist das Ziel, digitale Inhalte über technische und organisatorische Veränderungen hinweg auffindbar, lesbar, verständlich und nutzbar zu halten. '''Digitale Langzeiterhaltung''' bezeichnet die dafür notwendigen fortlaufenden Maßnahmen. Dazu können mehrere Speicherorte, regelmäßige Prüfungen, Formatüberwachung, technische Migrationen und eine nachvollziehbare Dokumentation gehören. „Langfristig“ bezeichnet dabei keine feste Zahl von Jahren, sondern einen Zeitraum, in dem mit veränderten Technologien, Formaten und Nutzungsanforderungen gerechnet werden muss.&amp;lt;ref name=&amp;quot;OAIS2024&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Datensicherung oder Backup'''&lt;br /&gt;
| Ein '''Backup''' ist eine zusätzliche Sicherungskopie, aus der Dateien nach einem Verlust oder technischen Ausfall wiederhergestellt werden können. Backups sind notwendig, ersetzen aber keine Langzeiterhaltung: Sie regeln allein noch keine dauerhaften Zuständigkeiten, Metadaten, Formatüberwachung, Integritätsprüfungen oder langfristige Zugänglichkeit.&amp;lt;ref name=&amp;quot;DPCStorage&amp;quot;&amp;gt;Digital Preservation Coalition o. J.: Digital Preservation Handbook – Storage. URL: https://www.dpconline.org/handbook/organisational-activities/storage, abgerufen am 16.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Integrität und Authentizität'''&lt;br /&gt;
| '''Integrität''' bedeutet, dass unbeabsichtigte Veränderungen oder Beschädigungen einer Datei erkannt werden können. Dafür werden häufig Prüfsummen verwendet - digitale Kontrollwerte, die regelmäßig verglichen werden. '''Authentizität''' bedeutet, dass Herkunft, Identität und Bearbeitungsgeschichte eines digitalen Objekts nachvollziehbar sind und belegt werden kann, dass es das ist, was es zu sein vorgibt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Dateiformat und Datenformat'''&lt;br /&gt;
| Ein '''Dateiformat''' legt den technischen Aufbau einer einzelnen Datei fest. Ein '''Datenformat''' beschreibt, wie Informationen strukturiert und zwischen Systemen ausgetauscht werden. Gut dokumentierte, verbreitete und möglichst offen beschriebene Formate erleichtern den Austausch und die langfristige Nutzung. Sie ersetzen jedoch keine aktive Langzeiterhaltung.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Merksatz:''' Speichern ist nicht dasselbe wie langfristiges Erhalten. Auch ein vorhandenes Backup ist noch kein digitales Langzeitarchiv.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.3.5 Präsentationssystem: Kulturerbe zugänglich machen und präsentieren ===&lt;br /&gt;
Die folgende Tabelle erklärt, wie aus langfristig gesicherten Dateien ein digitales Kulturerbe wird, das von Menschen gefunden, verstanden und sinnvoll genutzt werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Begriff&lt;br /&gt;
! Erklärung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Zugänglichmachung und Präsentation'''&lt;br /&gt;
| '''Zugänglichmachung''' bedeutet, dass digitale Objekte auffindbar und im rechtlich sowie technisch zulässigen Umfang abrufbar sind. '''Präsentation''' geht darüber hinaus: Inhalte werden ausgewählt, miteinander verknüpft, erklärt und für bestimmte Zielgruppen vermittelt. Dazu gehören verständliche Kontextinformationen, klare Rechteangaben, Mehrsprachigkeit und möglichst barrierearme Zugänge. Abhängig von Rechten, personenbezogenen Daten oder kulturellen Schutzbedarfen kann der Zugang offen oder eingeschränkt sein.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Nutzung und Nachnutzung'''&lt;br /&gt;
| '''Nutzung''' umfasst beispielsweise das Betrachten, Lesen, Anhören, Erforschen oder Vermitteln eines digitalen Kulturguts. '''Nachnutzung''' bedeutet seine weitere Verwendung in einem neuen Zusammenhang, etwa in Bildung, Forschung, Publikationen, Ausstellungen, Anwendungen oder kreativen Werken. Dafür werden geeignete Dateien, verständliche Metadaten und klare Rechteinformationen benötigt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Rechteinformation und Lizenz'''&lt;br /&gt;
| Eine '''Rechteinformation''' beschreibt den rechtlichen Status eines digitalen Objekts und mögliche Einschränkungen seiner Nutzung. Eine '''Lizenz''' räumt durch eine dazu berechtigte Person oder Institution konkrete Nutzungsrechte ein. Ein allgemeiner Rechtehinweis ist daher nicht automatisch eine Lizenz.&amp;lt;ref name=&amp;quot;RightsReuse&amp;quot;&amp;gt;RightsStatements.org o. J.: Standardisierte Rechtehinweise für online verfügbares Kulturerbe. URL: https://rightsstatements.org/de/, abgerufen am 16.07.2026. Creative Commons 2025: Recommended Licenses and Tools for Cultural Heritage Content. URL: https://creativecommons.org/2025/07/09/recommended-licenses-and-tools-for-cultural-heritage-content/, abgerufen am 16.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Interoperabilität'''&lt;br /&gt;
| '''Interoperabilität''' bezeichnet die Fähigkeit von Systemen und Organisationen, Daten auszutauschen und in gleicher Bedeutung zu verstehen. Dafür werden gemeinsame Metadatenmodelle, Begriffe, Identifikatoren und technische Schnittstellen benötigt. So können beispielsweise Register, Repositorien, Präsentationsportale und externe Kulturplattformen miteinander verbunden werden.&amp;lt;ref name=&amp;quot;EuropeanaEDM&amp;quot;&amp;gt;Europeana o. J.: Metadata – Europeana Data Model (EDM, Europeana-Datenmodell). URL: https://pro.europeana.eu/page/metadata, abgerufen am 16.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Digitalisierte Inhalte entfalten ihren kulturellen und gesellschaftlichen Nutzen erst dann vollständig, wenn sie auffindbar, verständlich, rechtlich klar und für unterschiedliche Zielgruppen tatsächlich verwendbar sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der folgende Abschnitt 2.4 beschreibt, wie diese Funktionen innerhalb des gesamten Prozesses der Kulturerbe-Digitalisierung zusammenwirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2.4 Prozess der Digitalisierung von Kulturerbe ==&lt;br /&gt;
Die Digitalisierung von Kulturgut ist kein rein technischer Arbeitsschritt, sondern ein vielschichtiger, oft langfristiger Prozess, der bereits mit der Wahrnehmung und Identifikation einer kulturellen Ausdrucksform beginnt. Ziel dieses Abschnitts ist es, diesen Gesamtprozess systematisch darzustellen: von der gelebten Kultur über das identifizierte Kulturgut bis hin zur digital nutzbaren Repräsentation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die hier entwickelte Prozessdarstellung soll als praxisorientierter Überblick dienen für die Digitalisierung des sorbischen Kulturerbes. Sie berücksichtigt die Anforderungen sorbischer Einrichtungen ebenso wie die international etablierten Referenzmodelle und Standards, darunter:&lt;br /&gt;
* das OAIS-Referenzmodell (ISO 14721) für digitale Archivierung&amp;lt;ref&amp;gt;Consultative Committee for Space Data Systems (CCSDS) 2024: Reference Model for an Open Archival Information System (OAIS), CCSDS 650.0-M-3. URL: https://ccsds.org/Pubs/650x0m3.pdf, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* das DCC Curation Lifecycle Model für kuratorische Entscheidungsprozesse&amp;lt;ref&amp;gt;Higgins 2008: The DCC Curation Lifecycle Model. International Journal of Digital Curation, 3(1), 134-140. URL: https://ijdc.net/index.php/ijdc/article/view/48, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* das Spectrum-Modell für museale Objektverwaltung&amp;lt;ref&amp;gt;Collections Trust 2022. Spectrum 5.1 - The UK Museum Collections Management Standard. URL: https://collectionstrust.org.uk/spectrum/spectrum-5, abgerufen am 01.10.2025. &amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* die UNESCO-Leitlinien zur Inventarisierung immateriellen Kulturerbes&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO 2024: Operational Directives for the Implementation of the Convention for the Safeguarding of the Intangible Cultural Heritage (10.GA). URL: https://ich.unesco.org/doc/src/ICH-Operational_Directives-10.GA_EN.pdf, abgerufen am 01.10.2025. &amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* sowie technische Vorgaben wie die DFG-Praxisregeln Digitalisierung&amp;lt;ref&amp;gt;Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) 2022: Praxisregeln Digitalisierung (aktualisierte Fassung). URL: https://www.ulb.hhu.de/fileadmin/redaktion/ULB/Documents/Infomaterial/DFG_Praxisregeln_Digitalisierung_Aktualisierte_Fassung2022.pdf, abgerufen am 01.10.2025. &amp;lt;/ref&amp;gt; und die FADGI-Richtlinien&amp;lt;ref&amp;gt;Federal Agencies Digital Guidelines Initiative (FADGI) 2023: Technical Guidelines for Digitizing Cultural Heritage Materials – Still Image, 3rd ed. URL: https://www.digitizationguidelines.gov/guidelines/digitize-technical.html, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Folge soll der „Lebenslauf“ eines Kulturguts dargestellt werden, also der Weg, den ein Objekt oder eine kulturelle Praxis vom Zeitpunkt der Entstehung über die Erfassung, Digitalisierung und Archivierung bis zur Veröffentlichung in einem digitalen Präsentationsmodul durchläuft.&lt;br /&gt;
Hierfür erläutert der folgende Abschnitt die einzelnen Prozessschritte im Detail, jeweils mit Akteuren und Beispielen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.4.1 Vorüberlegungen zum Prozess ===&lt;br /&gt;
Im hier vorgestellten Prozess wird auf eine harte, systematische Filterung verzichtet, welche kulturellen Ausdrucksformen „nur“ Kultur und welche bereits Kulturgut sind. Ein solcher Bewertungs- und Abgrenzungsprozess wäre ressourcenintensiv und würde den vorhandenen Kapazitäten in den beteiligten Einrichtungen nicht entsprechen. Stattdessen folgt das Konzept einer inklusiven Logik: Alle dokumentierten Ausdrucksformen werden zunächst als potenzielle Kulturgüter erfasst. Eine feinere Auswahl und Priorisierung erfolgen erst in einem späteren Schritt, nämlich dann, wenn konkret entschieden wird, welche Ausdrucksformen bzw. Kulturgüter in welcher Tiefe digitalisiert, archiviert und präsentiert werden sollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Vorgehen schließt an das SKR-Konzept an, das bewusst auf eine frühe normative Trennung zwischen „kultureller Ausdrucksform“ und „Kulturgut“ verzichtet. Auch hier steht zunächst der möglichst vollständige, strukturierte Überblick über die sorbischen Kulturgüter im Vordergrund. Die differenzierte Bewertung und Schwerpunktsetzung werden als anschließende fachliche Aufgabe verstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.4.2 Prozessschritte im Detail ===&lt;br /&gt;
Das folgende Diagramm gibt einen Überblick über die sechs Kernschritte des Gesamtprozesses der Digitalisierung von Kulturgut – von der ersten Wahrnehmung einer kulturellen Ausdrucksform bis zu ihrer digitalen Präsentation als Kulturgut. Die Abfolge zeigt zugleich die Entwicklungsstufen: von gelebter Kultur zur kulturellen Ausdrucksform, von dort zum Kulturgut und schließlich zum digitalen Kulturgut. Die Schritte sind als generischer Ablauf zu verstehen: Je nach Art des Kulturguts können einzelne Tätigkeiten unterschiedlich aufwendig sein oder parallel erfolgen.&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K3.png|center|600px]]&amp;lt;ref&amp;gt;Mermaid Flowchart Code: [https://mermaid.live/edit#pako:eNplkk1OwzAQha8yGqmbkloxSZs2CyTa8LOphIAVhIVJpolF4iDH4a_qbXqTXgzHFdAKr2y97703lmaNWZMTxriqmvesFNrAfZIqgPPHFIdDzuBO1DVVajhM8QlGozOYO-WUwS0VsjVakqa93Pvmjlk4JmAwp3fS5kCHwQAWjkkcE_Y5WWkIXqrd9jBpT138UIkspBGVbI_7-rwLR146csLgRryQ-U8lMGLwTG1WapLPpHKCZQLMOY9ch7m2VxiSpOAEjJ1TSev_M_bkvv3KtY8ZnOuslG_H9VcOuf4dUO-2LamjGdHDQsscY6M78rAmXYv-ies-IEVTUk0pxvaa00p0lUkxVRtrexXqoWnqH6duuqLEeCWq1r6619zOn0hRaPGH9J_Xi6ZTBuOxS8B4jR8YhxGLeDThkR-EM37KuYefFmHTaOz7fOZHQTidBMHGwy9X6VslnNnDw4jPuB8GHlIuTaOX-7Vy27X5Bh_Osqo hier klicken], abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Prozess zeigt, dass Digitalisierung von Kulturgut mehr ist als das Erstellen digitaler Dateien. Sie umfasst eine Reihe aufeinander bezogener Schritte – von der ersten Wahrnehmung einer kulturellen Ausdrucksform über ihre Erfassung, Bewertung und Digitalisierung bis hin zur langfristigen Sicherung und Präsentation. Dabei sind je nach Schritt unterschiedliche Akteure beteiligt, etwa Gemeinschaften, Museen, Archive, Fachgremien, Digitalisierungsstellen oder IT. Die folgenden Beschreibungen erläutern diese Schritte so, dass nachvollziehbar wird, was jeweils mit einem Kulturgut geschieht, wer daran beteiligt ist und wie sich der Ablauf in der Praxis vorstellen lässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''1. Sammeln &amp;amp; erfassen''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Hier wird eine kulturelle Ausdrucksform erstmals wahrgenommen, benannt und mit ersten Informationen erfasst: Was ist es, wer macht es oder hat es geschaffen, wo kommt es vor, warum ist es bedeutsam für die Gemeinschaft? &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Community, Vereine, Museen, Archive, Forschende, Privatpersonen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Auf einem Dorffest zeigt eine Frau das Verzieren sorbischer Ostereier. Jemand fotografiert dies und notiert Technik, Ort und Namen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''2. Registrieren &amp;amp; beschreiben''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Hier wird aus der ersten Beobachtung ein strukturierter Nachweis. Das Kulturgut oder die kulturelle Ausdrucksform wird in ein Register, eine Sammlung oder einen Katalog aufgenommen und mit strukturierten Metadaten beschrieben, damit es wiedergefunden, zugeordnet und verstanden werden kann. Dazu gehören z. B. Titel, Ort, Zeit, Technik, Funktion, beteiligte Personen und der kulturelle Kontext.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Registerverantwortliche, Kurator:innen, Sammlungsmitarbeitende, Community für Kontextinformationen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Das Osterei erhält einen Eintrag mit Angaben wie „Wachsbatik“, „Schleife“, „Osterei-Verzierung“, Name der Trägerin und Entstehungsjahr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''3. Bewerten &amp;amp; freigeben''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
In diesem Schritt wird entschieden, ob und in welcher Priorität ein Kulturgut oder die kulturelle Ausdrucksform digitalisiert werden soll und ob dies rechtlich und ethisch möglich ist. Dabei spielen fachliche Kriterien wie Bedeutung, Repräsentativität, Seltenheit oder Gefährdung eine Rolle, aber auch Fragen des Urheberrechts, Datenschutzes und möglicher kultureller Sensibilitäten. Am Ende steht eine begründete Entscheidung, ob und in welchem Umfang das Kulturgut weiterbearbeitet und später veröffentlicht werden darf. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Kurator:innen, Fachgremien, Community-Vertretungen, Register/SKR, ggf. Rechteverantwortliche und Behörden. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Es wird entschieden, dass die Osterei-Technik wegen ihrer Bedeutung für die sorbische Identität digital gesichert werden soll; die Kunsthandwerkerin stimmt der Veröffentlichung zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''4. Digitalisieren &amp;amp; prüfen''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nun wird das Kulturgut technisch erfasst, also in eine digitale Form überführt. Das kann je nach Objektart durch Scan, Fotografie, Audio- oder Videoaufnahme oder 3D-Erfassung geschehen. Dabei entstehen hochwertige Master-Dateien und nutzbare Derivate. Die Digitalisierung folgt qualifizierten Standards, um Reproduzierbarkeit, Farbkonsistenz und Nutzbarkeit zu gewährleisten. Anschließend wird geprüft, ob Schärfe, Farbe, Vollständigkeit und Dateiformate den Anforderungen für Archivierung und Nutzung entsprechen. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Digitalisierungszentrum, Foto-/AV-/3D-Spezialist:innen, externe Dienstleister bei Spezialfällen. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Das Osterei wird fotografisch hochauflösend aufgenommen und zusätzlich als 3D-Modell erfasst. Danach werden Schärfe, Farbe und Dateiformate geprüft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''5. Archivieren &amp;amp; sichern''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die entstandenen digitalen Dateien werden geordnet abgelegt, mit den zugehörigen Metadaten verknüpft und für die langfristige Erhaltung gesichert. Dazu gehören sichere Speicherorte, Backups, Integritätskontrollen und – wenn nötig – spätere technische Migration auf neue Systeme. Ziel ist, dass das digitale Kulturgut langfristig erhalten bleibt, auch wenn sich Technik und Formate verändern. Das Original bleibt in der Regel weiterhin am Sammlungs- oder Aufbewahrungsort. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Archiv, Repository, IT-Betrieb, ggf. Sorbisches Kulturarchiv bzw. Digitalisierungszentrum. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Die Bilder und das 3D-Modell des Ostereis werden auf gesicherten Servern gespeichert; das Original bleibt im Museum oder bei der Eigentümerin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''6. Präsentieren &amp;amp; nutzen''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im letzten Schritt werden die digitalen Objekte so bereitgestellt, dass sie gefunden, verstanden und genutzt werden können, z. B. in Portalen, digitalen Sammlungen oder virtuellen Ausstellungen. Dafür reicht es nicht, nur Dateien anzuzeigen: Es braucht auch verständliche Kontexte, Rechteangaben, Mehrsprachigkeit und möglichst barrierearme Zugänge. So wird aus der technischen Digitalisierung eine tatsächliche kulturelle Nutzung. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Kurator:innen, Vermittlung, Web/IT, Museen, Kulturinformationen, Community. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Das Osterei erscheint in einer Online-Ausstellung, kann herangezoomt oder als 3D-Modell gedreht werden und wird mit einem kurzen Text zur Technik erklärt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.4.3 Organisatorische Perspektive ===&lt;br /&gt;
Die folgende Abbildung ist entnommen aus einem Poster des Sorbischen Instituts zu dessen Digitalisierungsstrategie, gefunden auf der Projektseite des Digitalisierungszentrums.&amp;lt;ref&amp;gt;Sorbisches Institut: Digitalisierungszentrum (DZ). URL: [https://www.serbski-institut.de/projekte-zentrale-vorhaben/digitalisierungszentrum-dz/ https://www.serbski-institut.de/projekte-zentrale-vorhaben/digitalisierungszentrum-dz/], abgerufen am 25.03.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Digitalisierungsstrategie des Sorbischen Instituts zeigt die Erfassung, Registrierung, Digitalisierung und Archivierung bis zur Präsentation von Kulturgütern aus '''organisatorischer Sicht'''. Sie basiert auf einem '''3-Säulen-Modell aus Kulturregister, Digitalisierungszentrum und Präsentationsumgebung'''. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K4.png|mini||center|600px|Abbildung: 3-Säulen-Modell der Digitalisierungsstrategie des Sorbischen Instituts. Quelle: Sorbisches Institut, „Digitalizacija serbskich kulturnych datow / Digitalisierung der sorbischen/wendischen Kulturdaten“&amp;lt;ref&amp;gt;Sorbisches Institut 2025: Digitalizacija serbskich kulturnych datow / Digitalisierung der sorbischen/wendischen Kulturdaten (Poster). URL:  [https://www.serbski-institut.de/wp-content/uploads/2021/11/A0-Druck_Digitalisierungsstrategie-SI.pdf  https://www.serbski-institut.de/wp-content/uploads/2021/11/A0-Druck_Digitalisierungsstrategie-SI.pdf], abgerufen am 25.03.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Beide Sichtweisen - die fachliche &amp;quot;Prozess-Sicht&amp;quot; und die &amp;quot;organisatorische Sicht&amp;quot; lassen sich wie folgt in einer Darstellung zusammenfassen:&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K5.jpg|mini||center|600px|Abbildung: Zusammengefasste Sichtweisen auf die Digitalisierung von Kulturerbe.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der &amp;quot;Prozess der Digitalisierung von Kulturerbe&amp;quot; beschreibt, '''was''' mit einem Kulturgut geschieht; das 3-Säulen-Modell zeigt, '''wo''' diese Aufgaben organisatorisch verortet sind. Bezogen auf die oben beschriebenen [[#2.3.2 Prozessschritte im Detail|Prozessschritte der Digitalisierung von Kulturerbe]] steht das '''Sorbische Kulturregister''' für den Prozessschritt „'''2. Registrieren'''“ und dient dabei vor allem der Verzeichnung und Metadatenverwaltung. Das '''Digitalisierungszentrum''' steht für die Prozessschritte „'''4. Digitalisieren'''“ und „'''5. Archivieren'''“ und dient dabei der technischen Erfassung, Bearbeitung und Sicherung der Digitalisate. Die '''Präsentationsumgebung''' steht für den Schritt „'''6. Präsentieren'''“ und dient der öffentlichen oder kuratierten Bereitstellung zur Nutzung. Ergänzende Konzepte des SI machen dabei deutlich, dass die Digitalisierung im Regelfall eine vorherige Verzeichnung im Register voraussetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Prozessschritt&lt;br /&gt;
! Verantwortliche Organisation&lt;br /&gt;
! Funktion im Gesamtsystem&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''2. Registrieren'''&lt;br /&gt;
| '''Sorbisches Kulturregister'''&lt;br /&gt;
| Kulturgüter werden als Entitäten nachgewiesen, beschrieben, mit Metadaten versehen und miteinander verknüpft. Das Register erfüllt damit eine katalogähnliche Funktion: Es macht sichtbar, welche Kulturgüter es gibt, wo sie sich befinden und in welchem Kontext sie stehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''4. Digitalisieren'''&lt;br /&gt;
| '''Digitalisierungszentrum'''&lt;br /&gt;
| Kulturgüter werden technisch erfasst, z. B. durch Scan, Fotografie, Audio-/Videoübertragung oder 3D-Erfassung. Das Digitalisierungszentrum erzeugt und prüft die Digitalisate, ist aber nicht selbst primär ein Präsentationssystem.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''5. Archivieren'''&lt;br /&gt;
| '''Digitalisierungszentrum / Repositorium / Archiv'''&lt;br /&gt;
| Die digitalen Dateien werden geordnet gespeichert, mit Metadaten verbunden und langfristig gesichert. Dazu gehört auch die Sicherstellung der Langzeitaufbewahrung, etwa durch geeignete Speicherorte, Prüfroutinen und spätere Migrationen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''6. Präsentieren'''&lt;br /&gt;
| '''Sorabicon / weitere Präsentationsumgebungen'''&lt;br /&gt;
| Die digitalen Inhalte werden für Nutzer:innen sichtbar, erfahrbar und verständlich gemacht, z. B. in Portalen, digitalen Sammlungen oder virtuellen Ausstellungen. Die Präsentation greift dafür auf Metadaten aus dem Register und auf Digitalisate aus dem Repositorium bzw. dem Digitalisierungszentrum zurück.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Schritt '''1. Sammeln''' liegt vor diesen drei Säulen. Er betrifft die Sammlungsorte selbst, also z. B. Museen, Archive, Heimatstuben, Vereine, Projekte, Gemeinden oder Privatpersonen. Dort entstehen oder befinden sich die Kulturgüter zunächst, bevor sie systematisch registriert, bewertet oder digitalisiert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Schritt '''3. Bewerten''' ist ebenfalls keine eigene technische Säule, sondern ein steuernder Entscheidungsschritt. In ihm wird geklärt, welche Kulturgüter priorisiert digitalisiert werden, welche fachliche Bedeutung sie haben, welche Rechte zu beachten sind und ob eine öffentliche Präsentation möglich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit wird deutlich: Register, Digitalisierungszentrum und Präsentation erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Das '''Register''' beschreibt und verknüpft Kulturgüter, das '''Digitalisierungszentrum''' erzeugt und sichert Digitalisate und die '''Präsentationsumgebung''' macht ausgewählte Inhalte verständlich zugänglich. Gerade diese Trennung schafft klare Zuständigkeiten und erleichtert die Zusammenarbeit zwischen Sammlungsorten, Fachstellen, technischen Dienstleistern und Öffentlichkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2.5 Beispiele anderer Kulturen und Regionen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Digitalisierung des Kulturerbes kleiner, autochthoner, indigener und sprachlicher Gemeinschaften weist häufig vergleichbare Herausforderungen auf: Kulturgüter und Bestände sind auf viele Institutionen, Vereine, lokale Einrichtungen und private Träger verteilt. Personelle und finanzielle Ressourcen sind begrenzt, mehrere Sprachen und Beschreibungstraditionen müssen berücksichtigt werden und nicht alle kulturellen Inhalte dürfen oder sollen ohne Einschränkung öffentlich zugänglich gemacht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer vergleichenden Recherche wurde daher untersucht, wie andere Gemeinschaften und Regionen ihr Kulturerbe erfassen, beschreiben, digitalisieren, langfristig sichern und zur Nutzung bereitstellen. Dabei wurde nicht nach einer universell „idealen“ technischen Lösung gesucht. Untersucht wurde vielmehr, welche organisatorischen, technischen, rechtlichen und gemeinschaftlichen Modelle unter welchen Rahmenbedingungen funktionieren, welche Schwierigkeiten auftreten und welche übertragbaren Erfolgsfaktoren erkennbar sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nachfolgenden Beispiele verdeutlichen unterschiedliche Schwerpunkte: gemeinschaftliche Steuerung, institutionsübergreifende Register und Suchsysteme, Digitalisierung verteilter Bestände, Sprach- und Tonarchive, abgestufte Zugänge, Unterstützung kleiner Kulturgutträger sowie die Überführung zeitlich begrenzter Projekte in einen dauerhaften Betrieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die daraus abgeleiteten Kriterien bilden einen Referenzrahmen. Anhand dieses Referenzrahmens kann in einer späteren Ist-Analyse geprüft werden, welche Funktionen bereits vorhanden, nur konzeptionell beschrieben, in Pilotprojekten erprobt oder dauerhaft im Regelbetrieb verankert sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ausführlichen Fallprofile, Vergleichsmatrizen, Quellen sowie ein Hinweis zur KI-gestützten Erstellung befinden sich in der [[12.3.A1 Vergleichende Recherche – Digitalisierung des Kulturerbes anderer Kulturen und Regionen|ausführlichen Vergleichsrecherche]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.5.1 RomArchive – Digitales Archiv der Roma ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Roma und Sinti sind eine transnationale Minderheit, die in zahlreichen europäischen Staaten lebt. RomArchive wurde von 2015 bis 2019 mit 3,75 Millionen Euro durch die Kulturstiftung des Bundes gefördert. Weitere Unterstützer waren unter anderem die Bundeszentrale für politische Bildung, das Auswärtige Amt und das Goethe-Institut. Seit 2019 wird das Archiv durch das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg betrieben.&amp;lt;ref name=&amp;quot;vergleich_romarchive&amp;quot;&amp;gt;RomArchive o. J.: Frequently Asked Questions. URL: https://www.romarchive.eu/en/about/frequently-answered-questions/; Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma e. V. o. J.: Imprint. URL: https://www.romarchive.eu/en/imprint/; Kulturstiftung des Bundes o. J.: RomArchive. URL: https://www.kulturstiftung-des-bundes.de/en/programmes_projects/film_and_new_media/detail/romarchive.html, jeweils abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Archiv präsentiert Kunst, Geschichte und Kultur aus der Perspektive der Roma. Kuratorische Teams und Beirat waren überwiegend mit Angehörigen der Minderheit besetzt. Neben öffentlich zugänglichen Inhalten existiert ein internes Archiv mit beschränktem Forschungszugang. Besonders lehrreich ist der bereits zu Projektbeginn geplante und später tatsächlich vollzogene Übergang an einen dauerhaften Betreiber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren und Learnings:''' &lt;br /&gt;
* Angehörige der Gemeinschaft sollten nicht nur Inhalte zuliefern, sondern festgelegte Entscheidungsrechte bei Auswahl, Beschreibung, Kontextualisierung und Zugangsregeln besitzen. &lt;br /&gt;
* Bereits zu Beginn einer Projektphase verbindlich klären, welche Institution das Register, Archiv oder Portal nach dem Ende der Förderung dauerhaft betreibt, pflegt und finanziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.5.2 Nuohtti – gemeinsamer Zugang zum Sámi-Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Sámi sind ein indigenes Volk im nordeuropäischen Sápmi, das sich über Teile Norwegens, Schwedens, Finnlands und Russlands erstreckt. Viele historische Sámi-Materialien befinden sich außerhalb der Sámi-Institutionen in europäischen Archiven und Museen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nuohtti ist ein gemeinsamer Suchdienst für digitalisierte Sámi-Materialien. Er wurde von 2018 bis 2021 mit Mitteln des Programms Interreg Nord der EU (Europäische Union) entwickelt. Beteiligt waren unter anderem die Sámi-Archive der finnischen und norwegischen Nationalarchive, das schwedische Reichsarchiv und mehrere Universitäten. Die Sámi-Parlamente Finnlands, Norwegens und Schwedens waren in der Steuerungsgruppe vertreten. Der Dienst führte nach Projektangaben etwa 30.000 Datensätze aus 32 Institutionen zusammen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;vergleich_nuohtti&amp;quot;&amp;gt;Nuohtti o. J.: About Nuohtti. URL: https://nuohtti.com/Content/about; University of the Arctic 2023: The Nuohtti service provides digital access to Sámi material in European archives. URL: https://www.uarctic.org/news/2023/3/the-nuohtti-service-provides-digital-access-to-sami-material-in-european-archives/, jeweils abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nuohtti übernimmt nicht alle Bestände in ein einziges System. Stattdessen werden Metadaten, also strukturierte Beschreibungsdaten zu Objekten und Beständen, aus vorhandenen Einrichtungen zusammengeführt und mit mehrsprachiger Suche, Karte und Zeitleiste zugänglich gemacht. Ethische Hinweise machen darauf aufmerksam, dass viele Bestände unter historischen und teilweise kolonialen Bedingungen gesammelt und beschrieben wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren und Learnings:''' &lt;br /&gt;
* Ein gemeinsamer Zugang kann auch mit dezentraler Architektur der Bestände erfolgen – Originale, Dateien und Fachsysteme können beim Kulturgutträger verbleiben.&lt;br /&gt;
* Ein Register für Kulturdaten kann als übergreifende Nachweisschicht arbeiten: Größere Einrichtungen liefern Daten über technische Schnittstellen, während kleine Träger zentrale oder gemeinsam bereitgestellte Erfassungsdienste nutzen können. &lt;br /&gt;
* Historische Fremdbeschreibungen sollten ergänzt werden durch Selbstbezeichnungen, eigene Sprachformen, alternative Benennungen und Kontexte der betreffenden Gemeinschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.5.3 People’s Collection Wales / Casgliad y Werin Cymru ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wales ist ein Landesteil des Vereinigten Königreichs mit einer eigenständigen nationalen und walisischsprachigen Identität. People’s Collection Wales ist eine zweisprachige Plattform für institutionelles und gemeinschaftlich getragenes Kulturerbe. Sie wird als Verbund der National Library of Wales, des National Museum Wales und der Royal Commission on the Ancient and Historical Monuments of Wales betrieben und durch die walisische Regierung finanziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben der technischen Plattform werden kostenlose Beratung und Schulungen zu Digitalisierung, Metadaten, Urheberrecht, Datenschutz und Oral History, also mündlich überlieferter und aufgezeichneter Geschichte, angeboten. Eine unabhängige Evaluation stellte Fortschritte bei der Zusammenarbeit und beim Kompetenzaufbau fest, benannte aber auch begrenzte Wirkungsnachweise, Finanzierungsrisiken und den hohen Personalaufwand für die Unterstützung der beteiligten Gemeinschaften.&amp;lt;ref name=&amp;quot;vergleich_wales&amp;quot;&amp;gt;Vittle, Kate / Haswell-Walls, Fran / Dixon, Tim; ERS Ltd. 2016: Evaluation of the Casgliad y Werin Cymru / People’s Collection Wales Digital Heritage Programme. Impact Report. URL: https://www.gov.wales/sites/default/files/publications/2019-08/evaluation-of-the-peoples-collection-wales-digital-heritage-programme-impact.pdf; People’s Collection Wales o. J.: Community Support. URL: https://www.peoplescollection.wales/about-us/community-support, jeweils abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren und Learnings:''' &lt;br /&gt;
* Kleine und ehrenamtlich betreute Sammlungen benötigen nicht nur technische Standards, sondern konkrete und dauerhaft verfügbare Dienstleistungen: Erstberatung, Schulung, Vorlagen, Unterstützung bei Rechtefragen, Qualitätskontrolle und persönliche Ansprechpartner. &lt;br /&gt;
* Ein Digitalisierungszentrum oder ein Verbund koordinierter Digitalisierungsdienste sollte daher als Service- und Kompetenzstruktur ausgestaltet werden und nicht lediglich als technische Produktionsstelle. &lt;br /&gt;
* Der dafür notwendige Beratungs- und Unterstützungsaufwand muss als dauerhafte Betriebsaufgabe eingeplant werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.5.4 Tobar an Dualchais / Kist o Riches ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schottisch-Gälisch ist eine Minderheitensprache, die vor allem in den Highlands und auf den schottischen Inseln gesprochen wird. Tobar an Dualchais macht mehr als 40.000 seit den 1930er Jahren entstandene Tonaufnahmen zugänglich. Die Bestände umfassen Erzählungen, Lieder, Musik, Gedichte und mündlich überliefertes Wissen auf Gälisch, Scots und Englisch. Ein bedeutender Teil der Originalbestände wird in den School of Scottish Studies Archives der Universität Edinburgh verwahrt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;vergleich_tobar&amp;quot;&amp;gt;University of Edinburgh 2024: Tobar an Dualchais / Kist o Riches. URL: https://gaelic.ed.ac.uk/gaelic-collections/tobar-an-dualchais-kist-o-riches; Scottish Government 2025: Rediscovering lost Gaelic words. URL: https://www.gov.scot/news/rediscovering-lost-gaelic-words/, jeweils abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Digitalisierung wird mit Verschriftlichung beziehungsweise Transkription, sprachlicher Erschließung, Freiwilligenarbeit und teilweise automatischer Spracherkennung verbunden. Das Projekt erhält wiederkehrende öffentliche Förderungen, muss Rechteklärung, Transkription und technische Weiterentwicklung jedoch dauerhaft fortsetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren und Learnings:''' &lt;br /&gt;
* Gefährdete Ton-, Film- und Videobestände müssen wegen Materialverfall, beschädigungsanfälliger Trägermaterialien und nicht mehr verfügbarer Wiedergabetechnik zeitlich priorisiert werden. &lt;br /&gt;
* Ein geeignetes Pilotprojekt kann Digitalisierung, Rechteklärung, Verschriftlichung, Übersetzung, Metadatenerfassung, Archivierung und Bildungsnutzung entlang einer vollständigen Prozesskette verbinden. &lt;br /&gt;
* Dadurch werden nicht nur einzelne Dateien erzeugt, sondern zugleich die notwendigen Standards, Zuständigkeiten und Aufwände erprobt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.5.5 Euskariana – Portal zum baskischen Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Baskinnen und Basken leben in Gebieten Spaniens und Frankreichs. Euskariana ist das staatlich betriebene Kulturportal der Autonomen Gemeinschaft Baskenland in Spanien. Es wird durch die Digitale Bibliothek Euskadi betrieben und verbindet Daten der baskischen Regierung, der Provinzen, Kommunen, Universitäten sowie öffentlicher, kirchlicher und privater Einrichtungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Portal ist zugleich gemeinsamer Katalog und Zugang zu digitalen Objekten. Es kann Inhalte über ein eigenes Repositorium, also ein institutionell betriebenes digitales Ablage- und Erhaltungssystem, bereitstellen oder zu den Systemen der Partner verlinken. Verwendet werden internationale Standards wie Dublin Core als allgemeiner Metadatenstandard, METS (Metadata Encoding and Transmission Standard) zur Strukturierung und Übertragung digitaler Objekte, PREMIS (Preservation Metadata: Implementation Strategies) für Metadaten zur digitalen Langzeiterhaltung und ALTO (Analyzed Layout and Text Object) für erkannte Texte und Seitenlayouts. Die standardisierten Daten können unter anderem an Europeana weitergegeben werden.&amp;lt;ref name=&amp;quot;vergleich_euskariana&amp;quot;&amp;gt;Gobierno Vasco / Biblioteca Digital de Euskadi o. J.: Acerca de Euskariana. URL: https://www.euskariana.euskadi.eus/euskadibib/es/help/about.do, abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren und Learnings:''' &lt;br /&gt;
* Unterschiedliche Kulturgutträger benötigen unterschiedliche Anschlussmöglichkeiten. &lt;br /&gt;
** Kleine Einrichtungen sollten Daten und gegebenenfalls Dateien in zentral bereitgestellten Diensten erfassen und verwalten können. &lt;br /&gt;
** Größere Institutionen sollten ihre vorhandenen Systeme über Datenexporte oder Programmierschnittstellen anbinden können. &lt;br /&gt;
* Dafür ist ein gemeinsamer, bewusst schlank gehaltener Metadatenkern erforderlich, der durch fach- und institutionsspezifische Angaben erweitert werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.5.6 Mukurtu und Plateau Peoples’ Web Portal ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mukurtu ist eine frei verfügbare Software für die gemeinschaftlich kontrollierte Verwaltung digitalen indigenen Kulturerbes. Das Plateau Peoples’ Web Portal verbindet acht indigene Nationen des nordwestlichen Plateaus der USA mit der Washington State University und mehreren Museen und Archiven. Stammesvertreter wählen und beschreiben die Inhalte; die Universität übernimmt wesentliche technische Betriebsaufgaben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mukurtu ermöglicht kulturelle Protokolle, also gemeinschaftlich festgelegte Regeln für Zugang und Nutzung, Traditional Knowledge Labels als Kennzeichnungen für überliefertes gemeinschaftliches Wissen sowie mehrere Beschreibungen zu demselben Objekt. Dadurch kann neben einer institutionellen Museumsbeschreibung eine Beschreibung der Herkunftsgemeinschaft stehen. Zugänge können von vollständig öffentlich bis streng beschränkt reichen. Mukurtu weist ausdrücklich darauf hin, dass die Plattform vor allem dem Zugang und der gemeinschaftlichen Verwaltung dient und ein gesondertes Konzept für Digitalisierung, Langzeiterhaltung, Personal und Finanzierung erforderlich bleibt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;vergleich_mukurtu&amp;quot;&amp;gt;Mukurtu CMS / Washington State University o. J.: About. URL: https://mukurtu.org/about/; Plateau Peoples’ Web Portal. URL: https://mukurtu.org/project/plateau-peoples-web-portal-showcase/, jeweils abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren und Learnings:''' &lt;br /&gt;
* Rechte und kulturelle Sensibilität müssen als Bestandteil des Datenmodells behandelt werden und dürfen nicht erst unmittelbar vor einer Veröffentlichung geprüft werden. &lt;br /&gt;
* Sinnvoll sind abgestufte Kategorien wie &lt;br /&gt;
** „nur Metadaten öffentlich“, &lt;br /&gt;
** „öffentliches Nutzungsdigitalisat“, &lt;br /&gt;
** „Zugang nach Rücksprache“, &lt;br /&gt;
** „beschränkter Gemeinschafts- oder Forschungszugang“, &lt;br /&gt;
** „zeitlich gesperrt“ und &lt;br /&gt;
** „nicht zugänglich“. &lt;br /&gt;
* Mehrere Beschreibungen zu demselben Objekt ermöglichen es außerdem, institutionelle Überlieferung und Selbstbeschreibung nebeneinander nachvollziehbar zu dokumentieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.5.7 Indigitization – zentrale Unterstützung für dezentrale Digitalisierung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Indigitization unterstützt First Nations und weitere indigene Gemeinschaften in British Columbia in Kanada. Das Programm wird gemeinsam von indigenen Organisationen, Bibliotheken, Archiven und Hochschulen getragen. Es stellt einen Werkzeugkasten, Schulungen, Musterunterlagen, technische Beratung und Förderhilfen bereit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von 2013 bis 2019 wurden drei Pilotprojekte und 45 weitere Projekte gefördert. Dabei wurden mehr als 11.000 Audiokassetten digitalisiert. Die Digitalisierung erfolgte in den Gemeinschaften; eine allgemeine Veröffentlichung war nicht zwingend. Das frühere Förderprogramm für Audiokassetten befindet sich inzwischen allerdings in einer Pause.&amp;lt;ref name=&amp;quot;vergleich_indigitization&amp;quot;&amp;gt;Indigitization o. J.: About Us. URL: https://www.indigitization.ca/about-2/; Indigitization Toolkit. URL: https://www.indigitization.ca/toolkit/; Audio Cassette Digitization Grant. URL: https://www.indigitization.ca/funding/audio-cassette-grant/, jeweils abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren und Learnings:''' &lt;br /&gt;
* Zentral bereitgestellte Kompetenz lässt sich mit dezentraler Verantwortung verbinden. &lt;br /&gt;
* Ein Digitalisierungszentrum oder ein Verbund gemeinsamer Dienste kann Schulungen, Leih- und Mobiltechnik, Qualitätsprüfung, Rahmenverträge, Musterunterlagen, Beratung und Kleinprojektförderung anbieten. &lt;br /&gt;
* Originale, lokales Wissen und kulturelle Beziehungen können grundsätzlich bei den jeweiligen Kulturgutträgern verbleiben. &lt;br /&gt;
* Damit nach Abschluss einzelner Digitalisierungsprojekte keine ungesicherten Dateien zurückbleiben, sollte jedoch von Beginn an ein gemeinsames oder verbindlich angebundenes Repositorium beziehungsweise digitales Archiv vorgesehen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.5.8 Tabellarische Zusammenfassungen der Beispiele anderer Kulturen und Regionen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tabellarische Übersichten und Zusammenfassungen aller untersuchten Beispiele anderer Kulturen und Regionen befinden sich im Anhang [[12.3.A1 Vergleichende Recherche – Digitalisierung des Kulturerbes anderer Kulturen und Regionen#E. Vergleichsmatrix|in Abschnitt E. Vergleichsmatrix]] unter &lt;br /&gt;
* [[12.3.A1 Vergleichende Recherche – Digitalisierung des Kulturerbes anderer Kulturen und Regionen#E.1 Funktionen, Architektur und Standards|E.1 Funktionen, Architektur und Standards]] und&lt;br /&gt;
* [[12.3.A1 Vergleichende Recherche – Digitalisierung des Kulturerbes anderer Kulturen und Regionen#E.2 Governance, Finanzierung, Erfolg und Übertragbarkeit|E.2 Governance, Finanzierung, Erfolg und Übertragbarkeit]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Zusammenfassung der übergreifenden Erfolgsfaktoren aus den Beispielen befindet sich im Anhang [[12.3.A1 Vergleichende Recherche – Digitalisierung des Kulturerbes anderer Kulturen und Regionen#F. Übergreifende Erfolgsfaktoren|in Abschnitt F. Übergreifende Erfolgsfaktoren]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.5.9 Schlussverdichtung: vier Funktionen, sechs Handlungsfelder und drei Prioritäten ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus den untersuchten Beispielen lässt sich kein einzelnes Projekt und kein bestimmtes Softwaresystem ableiten, das unverändert übernommen werden könnte. Die wichtigsten Erkenntnisse lassen sich jedoch in drei Fragen ordnen:&lt;br /&gt;
* '''Was muss aufgebaut werden?''' – vier miteinander verbundene Funktionen,&lt;br /&gt;
* '''Worauf kommt es beim Aufbau an?''' – sechs Handlungsfelder,&lt;br /&gt;
* '''In welcher Reihenfolge sollte vorgegangen werden?''' – drei Prioritätsstufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Vier Funktionen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot; style=&amp;quot;width:100%;&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Funktion&lt;br /&gt;
! Leitfrage&lt;br /&gt;
! Kernaufgabe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''1. Register für Kulturdaten'''&lt;br /&gt;
| Was ist vorhanden und was sollte zuerst bearbeitet werden?&lt;br /&gt;
| Kulturgüter, Sammlungen und digitale Bestände nachweisen, Standorte und verantwortliche Träger benennen, Rechte- und Digitalisierungsstatus dokumentieren und Prioritäten unterstützen. Das Register muss nicht alle Dateien selbst speichern.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''2. Digitalisierungszentrum / Digitalisierungsdienste'''&lt;br /&gt;
| Wie werden Kulturgüter qualitätsgesichert digitalisiert?&lt;br /&gt;
| Kulturgutträger beraten, Bestände bewerten, Digitalisierung vorbereiten oder durchführen, Metadaten erfassen, die Qualität prüfen und Dateien für die Übergabe an ein Repositorium vorbereiten.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''3. Repositorium / digitales Langzeitarchiv'''&lt;br /&gt;
| Wie bleiben Dateien und Metadaten dauerhaft erhalten?&lt;br /&gt;
| Erhaltungsgeeignete Masterdateien und Metadaten übernehmen, ihre Unversehrtheit prüfen, Sicherungskopien vorhalten und spätere Format- oder Systemwechsel ermöglichen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''4. Präsentations- und Nutzungssysteme'''&lt;br /&gt;
| Wie werden freigegebene Inhalte zugänglich und nutzbar?&lt;br /&gt;
| Inhalte mehrsprachig und verständlich vermitteln, zitierbar machen und – soweit rechtlich und kulturell zulässig – für Bildung, Forschung und kulturelle Nachnutzung bereitstellen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die vier Funktionen müssen über gemeinsame Standards und geregelte Übergaben miteinander verbunden sein. Sie müssen jedoch nicht zwingend von vier verschiedenen Einrichtungen betrieben werden. Entscheidend ist, dass für jede Funktion Auftrag, Verantwortung, Finanzierung und Qualitätsanforderungen eindeutig benannt sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Drei Prioritäten und sechs Handlungsfelder ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot; style=&amp;quot;width:100%;&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Priorität&lt;br /&gt;
! Handlungsfeld&lt;br /&gt;
! Verdichtete Erfolgsfaktoren und Learnings&lt;br /&gt;
! Besonders betroffene Funktionen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Prio 1) &amp;lt;br&amp;gt; Rahmen festlegen'''&lt;br /&gt;
| '''1. Gemeinsam entscheiden und Zugänge regeln'''&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* Angehörige der Gemeinschaft und die jeweiligen Kulturgutträger benötigen festgelegte Entscheidungsrechte bei Auswahl, Beschreibung, Priorisierung und Veröffentlichung.&lt;br /&gt;
* Rechte und kulturelle Sensibilität müssen von Anfang an berücksichtigt werden. Zwischen frei zugänglichen, eingeschränkt zugänglichen und nicht öffentlichen Inhalten muss unterschieden werden können.&lt;br /&gt;
| Alle vier Funktionen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Prio 1) &amp;lt;br&amp;gt; Rahmen festlegen'''&lt;br /&gt;
| '''2. Dauerbetrieb und Finanzierung sichern'''&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* Für jede Funktion muss früh feststehen, wer sie nach dem Ende einer Projektförderung dauerhaft betreibt, pflegt und finanziert.&lt;br /&gt;
* Projektmittel können Aufbau und Erprobung ermöglichen, ersetzen aber keine dauerhafte Finanzierung von Personal, Technik, Speicher, Beratung, Datenpflege und späteren Systemwechseln.&lt;br /&gt;
| Alle vier Funktionen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Prio 1) &amp;lt;br&amp;gt; Rahmen festlegen'''&lt;br /&gt;
| '''3. Standards und Langzeiterhaltung festlegen'''&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* Ein gemeinsamer Metadaten-, Sprach- und Qualitätskern muss die beteiligten Einrichtungen und Systeme verbinden.&lt;br /&gt;
* Mehrere Sprachen und Sprachvarianten müssen als eigenständige Datenwerte berücksichtigt werden und dürfen nicht nur als Übersetzungen der Benutzeroberfläche behandelt werden.&lt;br /&gt;
* Kein Digitalisat sollte ohne festgelegtes Zielrepositorium, geeignete Dateiformate, Sicherungskonzept und späteren Migrationsweg erzeugt werden.&lt;br /&gt;
| Vor allem Register, Digitalisierungsdienste und Repositorium&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Prio 2) &amp;lt;br&amp;gt; Erproben und aufbauen'''&lt;br /&gt;
| '''4. Bestände priorisieren und die vollständige Kette pilotieren'''&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* Bestände sollten nach Gefährdung, kultureller Bedeutung, Nutzungspotenzial, Rechteklarheit und Aufwand priorisiert werden.&lt;br /&gt;
* Pilotprojekte sollten nicht nur einzelne Dateien erzeugen, sondern den gesamten Weg vom Register über Rechteklärung und Digitalisierung bis zur Archivierung und Präsentation erproben.&lt;br /&gt;
* Zeit, Kosten, Qualitätsprobleme und offene Zuständigkeiten müssen dabei dokumentiert werden.&lt;br /&gt;
| Alle vier Funktionen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Prio 2) &amp;lt;br&amp;gt; Erproben und aufbauen'''&lt;br /&gt;
| '''5. Zentral unterstützen und dezentral verantworten'''&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* Gemeinsame Stellen sollten Beratung, Schulung, Digitalisierungstechnik, Rechtehilfe, Qualitätskontrolle und Langzeiterhaltung anbieten.&lt;br /&gt;
* Originale, lokales Wissen und kulturelle Entscheidungen können grundsätzlich bei den jeweiligen Kulturgutträgern verbleiben.&lt;br /&gt;
* Kleine und große Einrichtungen benötigen unterschiedliche Anschlusswege an die gemeinsame Infrastruktur.&lt;br /&gt;
| Vor allem Register, Digitalisierungsdienste und Repositorium&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Prio 3) &amp;lt;br&amp;gt; Auf gesicherter Grundlage ausbauen'''&lt;br /&gt;
| '''6. Mehrsprachig vermitteln, Nachnutzung ermöglichen und Wirkung prüfen'''&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* Digitale Inhalte benötigen verständliche kulturelle und historische Kontexte; die bloße Anzeige einer Datei genügt nicht.&lt;br /&gt;
* Präsentation, Download, Zitation und technische Nachnutzung sollten ermöglicht werden, soweit Rechte und kulturelle Interessen dies zulassen.&lt;br /&gt;
* Erfolg sollte nicht nur anhand veröffentlichter Objekte und Seitenaufrufe, sondern auch anhand von Bildungsnutzung, Forschung, Datenqualität, kultureller Nachnutzung und Rückmeldungen der Gemeinschaft bewertet werden.&lt;br /&gt;
| Vor allem Präsentationssysteme sowie die Datenlieferung aus Register und Repositorium&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die dritte Prioritätsstufe ist nicht weniger wichtig als die ersten beiden. Präsentation und Nutzung sind ein wesentliches Ziel der Digitalisierung und sollten bereits in Pilotprojekten erprobt werden. Ein breiter Ausbau sollte jedoch erst erfolgen, wenn Zuständigkeiten, Rechte, Standards, Archivierung und dauerhafter Betrieb ausreichend gesichert sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusammengefasst gilt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:''Erst gemeinsam entscheiden, Finanzierung und Standards sichern; dann Bestände priorisieren, die vollständige Kette erproben und die Kulturgutträger unterstützen; erst danach Präsentation und Nachnutzung breit ausbauen.''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiterführende '''Hinweise und Empfehlungen zu einem möglichen Vorgehen sowie zeitlichen und inhaltlichen Prioritäten''' befinden sich im Anhang [[12.3.A1 Vergleichende Recherche – Digitalisierung des Kulturerbes anderer Kulturen und Regionen#G.2 Was zentral, dezentral und gemeinsam organisiert werden sollte|im Abschnitt &amp;quot;Priorisierte Schlussfolgerung&amp;quot; von G2 bis G9]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein ausführliches '''Prüfraster zur Bewertung des jeweiligen Entwicklungsstandes''' befindet sich [[12.3.A2 Prüfraster zur Bewertung des Entwicklungsstandes beim Aufbau der Digitalisierung des Kulturerbes|im Anhang 2 &amp;quot;Prüfraster zur Bewertung des Entwicklungsstandes&amp;quot;]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Referenzen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Měrko Šenk</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://koncept.serbski-inkubator.de/index.php?title=12.3.A2_Pr%C3%BCfraster_zur_Bewertung_des_Entwicklungsstandes_beim_Aufbau_der_Digitalisierung_des_Kulturerbes&amp;diff=1081</id>
		<title>12.3.A2 Prüfraster zur Bewertung des Entwicklungsstandes beim Aufbau der Digitalisierung des Kulturerbes</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://koncept.serbski-inkubator.de/index.php?title=12.3.A2_Pr%C3%BCfraster_zur_Bewertung_des_Entwicklungsstandes_beim_Aufbau_der_Digitalisierung_des_Kulturerbes&amp;diff=1081"/>
		<updated>2026-07-22T15:09:40Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Měrko Šenk: Wutwori stronu z '= Prioritäten und Prüfkriterien für den Aufbau =  Die aus den Fallbeispielen abgeleiteten Handlungsfelder können zugleich als Prüfraster für eine Ist-Analyse genutzt werd…'&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;= Prioritäten und Prüfkriterien für den Aufbau =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die aus den Fallbeispielen abgeleiteten Handlungsfelder können zugleich als Prüfraster für eine Ist-Analyse genutzt werden. Dabei wird nicht nur geprüft, ob ein Konzept oder ein technisches System vorhanden ist. Entscheidend ist, ob Zuständigkeiten, Verfahren, Finanzierung und Qualität bereits praktisch erprobt und dauerhaft verankert sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jedes Handlungsfeld kann anhand folgender Reifegrade bewertet werden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot; style=&amp;quot;width:100%; text-align:center;&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Reifegrad 0&lt;br /&gt;
! Reifegrad 1&lt;br /&gt;
! Reifegrad 2&lt;br /&gt;
! Reifegrad 3&lt;br /&gt;
! Reifegrad 4&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Nicht begonnen'''&lt;br /&gt;
| '''Konzeptionell geklärt'''&lt;br /&gt;
| '''Pilotiert'''&lt;br /&gt;
| '''Teilweise im Regelbetrieb'''&lt;br /&gt;
| '''Dauerhaft etabliert und überprüft'''&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Keine abgestimmten Ziele, Zuständigkeiten oder Verfahren&lt;br /&gt;
| Ziele, Rollen und Anforderungen sind beschrieben&lt;br /&gt;
| Das Vorgehen wurde mit einzelnen Beständen oder Trägern erprobt&lt;br /&gt;
| Leistungen werden wiederholt erbracht, sind aber noch nicht vollständig verfügbar&lt;br /&gt;
| Zuständigkeiten, Finanzierung und Verfahren sind dauerhaft verankert und werden regelmäßig überprüft&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn sich der Entwicklungsstand zwischen Register, Digitalisierungsdiensten, Repositorium und Präsentationssystem deutlich unterscheidet, sollte der Reifegrad eines Handlungsfeldes zusätzlich für jede dieser Funktionen getrennt bewertet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot; style=&amp;quot;width:100%;&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Priorität&lt;br /&gt;
! Handlungsfeld&lt;br /&gt;
! Prüfkriterien und mögliche Nachweise&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:8%;&amp;quot; | Reifegrad&amp;lt;br /&amp;gt;(0–4)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Prio 1) &amp;lt;br&amp;gt; Rahmen festlegen'''&lt;br /&gt;
| '''1. Gemeinsam entscheiden und Zugänge regeln'''&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* Verantwortlichkeiten und Entscheidungsrechte für Auswahl, Priorisierung, Beschreibung, Digitalisierung, Veröffentlichung, Einschränkung und Rücknahme von Inhalten sind schriftlich festgelegt.&lt;br /&gt;
* Angehörige der Gemeinschaft und Kulturgutträger sind nicht nur beratend, sondern mit nachvollziehbaren Entscheidungsrechten beteiligt.&lt;br /&gt;
* Einheitliche Rechte- und Zugangskategorien sind definiert und können für einzelne Objekte oder Bestände dokumentiert werden.&lt;br /&gt;
* Rechtliche Zulässigkeit und kulturelle Angemessenheit werden getrennt geprüft.&lt;br /&gt;
* Für Korrekturen, Beschwerden, nachträgliche Einschränkungen und die erneute Prüfung gesperrter Inhalte bestehen geregelte Verfahren.&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Prio 1) &amp;lt;br&amp;gt; Rahmen festlegen'''&lt;br /&gt;
| '''2. Dauerbetrieb und Finanzierung sichern'''&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* Für Register, Digitalisierungsdienste, Repositorium und Präsentationssystem sind verantwortliche Betreiber benannt.&lt;br /&gt;
* Die Übergabe aus einer Projektphase in den dauerhaften Betrieb ist schriftlich geregelt.&lt;br /&gt;
* Ein wiederkehrendes Budget berücksichtigt Personal, technischen Betrieb, Speicher, Sicherung, Beratung, Rechtearbeit, Datenpflege und Qualitätssicherung.&lt;br /&gt;
* Kosten für Softwarepflege, Informationssicherheit, technische Erneuerung und spätere Datenmigrationen sind berücksichtigt.&lt;br /&gt;
* Für Trägerwechsel, Projektende oder den Ausfall eines Dienstleisters besteht ein Übergabe- und Ausstiegskonzept.&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Prio 1) &amp;lt;br&amp;gt; Rahmen festlegen'''&lt;br /&gt;
| '''3. Standards und Langzeiterhaltung festlegen'''&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* Ein gemeinsamer Metadatenkern mit Pflichtfeldern und eindeutigen Kennungen ist beschlossen.&lt;br /&gt;
* Sprachen, Sprachvarianten, Originalbezeichnungen, Übersetzungen, Selbstbezeichnungen und historische Fremdbezeichnungen können getrennt erfasst werden.&lt;br /&gt;
* Qualitätsanforderungen für unterschiedliche Kulturgutarten, Dateiformate, Masterdateien und Nutzungsdateien sind festgelegt.&lt;br /&gt;
* Datenexporte und technische Schnittstellen sind dokumentiert und praktisch getestet.&lt;br /&gt;
* Ein Zielrepositorium und ein verbindliches Übergabeverfahren für Dateien und Metadaten sind festgelegt.&lt;br /&gt;
* Prüfsummen, Sicherungskopien, Wiederherstellungstests und spätere Format- oder Systemwechsel sind organisatorisch und technisch geregelt.&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Prio 2) &amp;lt;br&amp;gt; Erproben und aufbauen'''&lt;br /&gt;
| '''4. Bestände priorisieren und die vollständige Kette pilotieren'''&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* Eine Bestandsübersicht berücksichtigt große und kleine Einrichtungen, ehrenamtliche Träger sowie materielles und immaterielles Kulturerbe.&lt;br /&gt;
* Priorisierungskriterien für Gefährdung, kulturelle Bedeutung, Nutzungspotenzial, Rechteklarheit, Aufwand und Kosten sind dokumentiert.&lt;br /&gt;
* Eine abgestimmte und regelmäßig aktualisierte Prioritätenliste liegt vor.&lt;br /&gt;
* Mehrere unterschiedliche Pilotbestände durchlaufen den vollständigen Prozess von der Erfassung bis zur Archivierung und Präsentation.&lt;br /&gt;
* Zeitaufwand, Kosten, Personalbedarf, Fehler, offene Rechtefälle und notwendige Nacharbeiten werden dokumentiert.&lt;br /&gt;
* Dateien und Metadaten konnten erfolgreich an das Repositorium übergeben, wiedergefunden und für eine Nutzung bereitgestellt werden.&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Prio 2) &amp;lt;br&amp;gt; Erproben und aufbauen'''&lt;br /&gt;
| '''5. Zentral unterstützen und dezentral verantworten'''&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* Ein verständlicher Leistungskatalog für Beratung, Schulung, Digitalisierung, Rechtehilfe, Metadatenunterstützung und Qualitätskontrolle liegt vor.&lt;br /&gt;
* Feste Ansprechpartner und ein transparentes Verfahren für Anfragen und Priorisierung sind vorhanden.&lt;br /&gt;
* Kleine Einrichtungen können Daten über einfache zentrale Erfassungsangebote einbringen.&lt;br /&gt;
* Größere Einrichtungen können vorhandene Systeme über Datenexporte oder Schnittstellen anbinden.&lt;br /&gt;
* Zuständigkeiten für Originale, Metadatenpflege, Rechteklärung, Freigabe und Übergabe an das Repositorium sind geregelt.&lt;br /&gt;
* Nutzung, Kapazitäten, Bearbeitungszeiten, Schulungsbedarf und Zufriedenheit der beteiligten Kulturgutträger werden ausgewertet.&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Prio 3) &amp;lt;br&amp;gt; Auf gesicherter Grundlage ausbauen'''&lt;br /&gt;
| '''6. Mehrsprachig vermitteln, Nachnutzung ermöglichen und Wirkung prüfen'''&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* Freigegebene Inhalte werden mehrsprachig, verständlich und möglichst barrierearm bereitgestellt.&lt;br /&gt;
* Inhalte werden durch historische, sprachliche und kulturelle Informationen eingeordnet.&lt;br /&gt;
* Rechteangaben, Quellenhinweise und zulässige Nutzungsformen sind eindeutig erkennbar.&lt;br /&gt;
* Download, Zitierbarkeit, Datenexport und technische Nachnutzung werden ermöglicht, soweit dies zulässig ist.&lt;br /&gt;
* Verfahren für Aktualisierung, Korrektur, Ergänzung und Rücknahme veröffentlichter Inhalte sind vorhanden.&lt;br /&gt;
* Nutzung und Wirkung werden anhand von Bildungsanwendungen, Forschung, Downloads, kultureller Nachnutzung, Datenqualität und Rückmeldungen bewertet.&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Anwendung des Prüfrasters ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Prüfraster ist nicht als starres Phasenmodell zu verstehen. Einzelne Handlungsfelder können parallel bearbeitet werden. Für den Übergang in eine größere Ausbaustufe sollten jedoch bestimmte Mindestvoraussetzungen erfüllt sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als pragmatische Orientierung kann gelten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* '''Beginn von Pilotprojekten:''' Die Handlungsfelder der ersten Priorität sind mindestens konzeptionell geklärt. Verantwortliche Stellen, vorläufige Standards und ein Zielrepositorium sind benannt.&lt;br /&gt;
* '''Breitere Digitalisierung:''' Entscheidungsrechte, Betrieb, Finanzierung, Standards und Archivierungsverfahren sind praktisch erprobt und zumindest teilweise im Regelbetrieb verankert.&lt;br /&gt;
* '''Breiter Ausbau der Präsentation:''' Rechteprüfung, Datenpflege, Repositorium, Betreiberverantwortung und Korrekturverfahren funktionieren verlässlich im Regelbetrieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Auswertung sollte nicht lediglich ein Durchschnitt aller Reifegrade gebildet werden. Entscheidend ist häufig die schwächste kritische Abhängigkeit. Ein weit entwickeltes Präsentationsportal kann beispielsweise ein fehlendes Langzeitarchiv, ungeklärte Rechte oder eine nicht geregelte Betreiberverantwortung nicht ausgleichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusammengefasst gilt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:''Kein breiter Ausbau ohne geklärte Verantwortung, kein Digitalisat ohne Zielarchiv, kein Register ohne Datenpflege und keine Veröffentlichung ohne Rechte- und Kulturprüfung.''&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Měrko Šenk</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://koncept.serbski-inkubator.de/index.php?title=12.3_Digitalisierung_des_Kulturerbes&amp;diff=1080</id>
		<title>12.3 Digitalisierung des Kulturerbes</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://koncept.serbski-inkubator.de/index.php?title=12.3_Digitalisierung_des_Kulturerbes&amp;diff=1080"/>
		<updated>2026-07-22T15:00:56Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Měrko Šenk: /* 2.5 Beispiele anderer Kulturen und Regionen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;= 1 Einleitung =&lt;br /&gt;
Die Digitalisierung von sorbischem Kulturerbe ist eine historische Chance für uns Sorben, eine Chance, unser kulturelles Erbe neu zu entdecken, es für kommende Generationen zu erhalten, für eine breitere Öffentlichkeit zugänglich zu machen und dabei die eigene Deutungshoheit zu stärken. Das erfordert neben Mut, einer klaren gemeinsamen Vision, starker Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Akteuren auch die notwendigen Ressourcen in Form von Personal mit entsprechenden Kompetenzen, passender Technik sowie einer nachhaltig gesicherten Finanzierung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im folgenden Abschnitt werden Zielbilder für die Digitalisierung des sorbischen Kulturerbes entworfen mittels lang- und kurzfristiger Visionen sowie konkreter Ziele.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 1.1 Visionen und Ziele für die sorbische digitale Welt ==&lt;br /&gt;
'''Vision 2035'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
''Sorbisches materielles und immaterielles Kulturerbe ist systematisch digital erfasst, rechtssicher und langfristig gesichert, leicht auffindbar, offen nutzbar und wird aktiv von Interessierten genutzt.''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Konkrete Ziele'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bis 2032 ist ein tragfähiges, finanziell und organisatorisch abgesichertes Modell etabliert, das:&lt;br /&gt;
* Ein zentrales (oder föderiertes) digitales Langzeitarchiv nach OAIS-Referenzmodell betreibt,&lt;br /&gt;
* klare Zuständigkeiten, Prozesse und Budgets definiert,&lt;br /&gt;
* regelmäßige Qualitätssicherung und Technik-Updates vorsieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis 2030 sind wichtige sorbische Kulturerbe-Bestände (Kernbestände nach fachlicher Festlegung) in hoher Qualität digitalisiert, beschrieben und im Langzeitarchiv gesichert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis 2028 liegt eine institutionenübergreifende Übersicht über relevante Kulturerbe-Bestände (analog und digital, materiell und immateriell) vor, einschließlich einer Prioritätenliste für die Digitalisierung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis 2028 existiert ein zentrales, nutzerfreundliches „Sorbisches Kulturerbe-Portal“, das:&lt;br /&gt;
* Suchzugang über alle teilnehmenden Institutionen ermöglicht,&lt;br /&gt;
* grundlegende Inhalte frei zugänglich bereitstellt,&lt;br /&gt;
* mehrsprachige Oberflächen anbietet (Deutsch, Obersorbisch, Niedersorbisch, Englisch).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= 2 IST-Analyse „Digitalisierung von Kulturerbe“ =&lt;br /&gt;
Das Ziel in diesem Themenbereich ist es, sorbisches Kulturerbe digital zu verwalten und damit langfristig für Recherche, Nutzung und Präsentation vorzuhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Abschnitt &amp;quot;IST-Analyse“ werden die folgenden Fragen beantwortet: Was ist sorbisches Kulturerbe und was zählt alles dazu? Welche Schritte durchläuft ein Kulturgut, um zum digitalen Kulturerbe zu gehören? Wie können die digitale Verwaltung, Archivierung, Nutzung und Präsentation von Kulturgütern umgesetzt werden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die grundlegenden Terminologien des Kulturerbes sollen im Folgenden festgelegt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2.1 Terminologie – von Kultur zu Kulturerbe ==&lt;br /&gt;
In diesem Abschnitt werden die Begriffe rund um das Kulturerbe grundlegend definiert. Es soll ein Verständnis über die Begriffe Kultur, kulturelle Ausprägung, Kulturgut und Kulturerbe erreicht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K1.png|center|260px]]&amp;lt;ref&amp;gt;Mermaid Flowchart Code: [https://mermaid.live/edit#pako:eNpF0UtuwyAQBuCroFlaTuRHTGMvKuWxq7pqV627IGZso2CIMChtk9ymN-nFimmasmJGfP-AOEGjOUIFrdTHpmfGkudtrWpF_Fq9RtGDk9aZKHojU-_aJ7PZ_bmGgSnR4mgFejaKpidC1XAmq8zDfYAoJZKVG7lxzX5stRl81C0_uwYdheGEubHD4_dXLy1hcpyC1rcLdM4GOLH1Ve2E5Gj9TPLkhgEnsLkBNDsMAmLojOBQWeMwhgHNwKYSTuFBYHucbOW3HFvmcQ21unh2YOpF6-FPGu26HqrW381X7sCZxa1gnWH_R1BxNBvtlIUqTUMEVCd49xVdzpeLMs1pXmRFXiY0hg-o8iyZL_LFXZaVSTJ1LzF8hqHJnBZ5WhZLWt5RmtIsBuTCavP4-2Hh3y4_NXaMmw hier klicken], abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.1 Kultur ===&lt;br /&gt;
Kultur bezeichnet hier die Gesamtheit aller '''vom Menschen geschaffenen und erlernten Ausdrucksformen''' des Lebens, die auf gemeinsamen Werten und Verhaltensweisen beruhen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;wiki-kultur&amp;quot;&amp;gt;URL: https://de.wikipedia.org/wiki/Kultur&amp;lt;/ref&amp;gt; Dazu zählen '''materielle Ergebnisse''' (z. B. Kunstwerke, Technik) ebenso wie '''immaterielle Praktiken''' (Sprache, Bräuche, Wissen). Kultur umfasst laut der UNESCO geistige, materielle, intellektuelle und emotionale Merkmale, die eine Gesellschaft oder soziale Gruppe kennzeichnen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mondiacult&amp;quot;&amp;gt;UNESCO 1982: Mexico City Declaration on Cultural Policies (MONDIACULT). URL: https://www.lacult.unesco.org/docc/1982_MONDIACULT.pdf&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;ref name=&amp;quot;cultureaction&amp;quot;&amp;gt;Culture Action Europe 2024: The State of Culture report. URL: https://cultureactioneurope.org/de/news/the-state-of-culture-report-published, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;  Sie ist dynamisch und wird von jeder Generation neu gestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das deutsche Wort „Kultur“ ist eine Eindeutschung des lateinischen Worts „cultura“. Dieses bedeutet ursprünglich „Bebauung, Bearbeitung, Bestellung, Pflege“ und meinte sowohl die physische Bearbeitung als auch die Pflege geistiger Güter, z. B. der Sprache.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.2 Kulturelle Ausdrucksform ===&lt;br /&gt;
Eine kulturelle Ausdrucksform ist eine '''konkrete, gegenwärtige oder historische, Manifestation von Kultur''', bspw. eine Zeichnung, eine Tracht oder ein Lied: Sie macht die Kultur sichtbar und erlebbar. Im engeren Sinne ist es eine Ausdrucksweise, die aus der Kreativität einer Person, Gruppe oder Gesellschaft entsteht und '''kulturellen Inhalt''' trägt (symbolische Bedeutung, künstlerische Dimension, kulturelle Werte).&amp;lt;ref&amp;gt;Österreichische UNESCO-Kommission 2007: Übereinkommen zum Schutz und zur Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen, Art. 4, Seite 13. URL: https://www.unesco.at/fileadmin/Redaktion/Publikationen/Publikations-Dokumente/2005er_UNESCO-Convention_German.pdf, abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt; Sie wird innerhalb und zwischen Gemeinschaften weitergegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle kulturellen Ausdrucksformen bilden einen wesentlichen Kern von Kultur, aber Kultur enthält auch latente Dimensionen (Werte, Normen, Vorannahmen etc.), die nicht unmittelbar als Ausdrucksform erscheinen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.3 Kulturgut ===&lt;br /&gt;
Ein „Kulturgut“ ist '''eine einzelne kulturelle Ausdrucksform''', der ein '''besonderer kultureller Wert zugemessen wird''' (durch Anerkennung, Schutz, Bedeutung). Es ist somit ein Erzeugnis menschlicher Kreativität oder Zeugnis menschlichen Lebens, welches '''Bedeutung für die Kultur einer Gemeinschaft''' hat und daher '''Bestand haben und bewahrt werden soll'''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die '''Summe aller Kulturgüter''' einer Gemeinschaft wird als dessen '''Kulturerbe''' bezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.4 Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
Kulturerbe ist die '''Summe der materiellen und immateriellen Ausdrucksformen''' (= Kulturgüter) einer Kultur, die als „'''bewahrenswert'''“ anerkannt wurden. International umfasst das u. a. das '''Welterbe''' (Denkmäler, Ensembles, Stätten)&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO (1972), Welterbekonvention, Art. 1. URL: https://www.dnk.de/wp-content/uploads/2021/02/1972_DNK_UNESCO-Welterbekonvention.pdf (abgerufen am 11.09.2025).&amp;lt;/ref&amp;gt; und das '''Immaterielles Kulturerbe''' (Praktiken, Wissen).&amp;lt;ref&amp;gt;Deutsche UNESCO-Kommission o. J.:, Übereinkommen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes (dt. Ausgabe). URL: https://www.unesco.de/assets/dokumente/Deutsche_UNESCO-Kommission/02_Publikationen/Publikation_UNESCO-%C3%9Cbereinkommen_zur_Erhaltung_des_immateriellen_Kulturerbes_01.pdf, (abgerufen am 11.09.2025).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ob etwas „zum Kulturerbe“ zählt, ist Ergebnis von Bewertung, Diskurs und teils formellen Verfahren. Dem Sorbischen Kulturregister (SKR) zufolge ist „sorbisch-wendisches Kulturerbe“ eine Zuschreibung, die durch Gesellschaft, Museen, Archive und Wissenschaft erfolgen kann.&amp;lt;ref&amp;gt;Sorbisches Institut 2025: Konzept für ein Sorbisches Kulturregister (SKR). URL: https://www.serbski-institut.de/wp-content/uploads/2021/11/00_Zweite-aktualisierte-Fassung_Konzept_Sorbisches-Kulturregister_20.11.2025.pdf, abgerufen am 20.11.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.5 Abgrenzung: Kultur und Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
'''Kultur / Kulturelle Ausdrucksform''' sind als Begriffe weiter gefasst als '''Kulturgut / Kulturerbe'''. Kulturelle Ausdrucksformen umfassen alles Gelebte und Gestaltete einer Gemeinschaft in Gegenwart und Vergangenheit, während Kulturgut / Kulturerbe diejenigen kulturellen Güter und Traditionen meint, denen eine Bedeutung beigemessen wurde und die als bewahrens- und weitergebenswert erkannt wurden. Kultur ist der „aktuelle“ kreative Prozess (einschließlich Popkultur, Alltagskultur), Kulturerbe der daraus überkommene Schatz. Dennoch sind die Grenzen fließend: Was heute nur Kultur ist, kann morgen zum Kulturerbe erklärt werden – abhängig von Wertzuschreibung und Diskurs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Rahmen dieses Dokuments werden für den sorbischen Kontext die Begriffe '''„kulturelle Ausdrucksform“''' und '''„Kulturgut“''' weitgehend '''synonym''' verwendet, sofern nicht ausdrücklich anders gekennzeichnet. Hintergrund ist, dass die Gesamtzahl der identifizierbaren kulturellen Ausdrucksformen einer kleinen Minderheit wie der Sorben/Wenden im Vergleich zu großen Mehrheitsgesellschaften überschaubar ist. Zugleich ist der Anteil dieser Ausdrucksformen, denen in der Community ein besonderer Wert beigemessen wird und die daher faktisch als Kulturgut wahrgenommen und behandelt werden, sehr hoch: Ein großer Teil des gelebten kulturellen Repertoires wird als identitätsstiftend und bewahrenswert verstanden und damit dem Kulturerbe zugerechnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2.2 Klassifizierung von Kulturgütern ==&lt;br /&gt;
Im Folgenden soll eine griffige Klassifizierung von Kulturgütern entwickelt werden, so dass pro Kulturgut-Klasse später auf die Besonderheiten ihrer Digitalisierung eingegangen werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K2.png|center|600px]]&amp;lt;ref&amp;gt;Mermaid Flowchart Code: [https://mermaid.live/edit#pako:eNptlM9u00AQxl9ltFWoFDlp_C9OjISU2KSgUCq1BSRIDxt77Syxd6v1mkKjSDwBlThw4YCEeuXOoeLSN-EF4BHYjZOQQG67-32_2ZnZsWco4jFBPqrVZpRR6cNsP8n4ZTTBQu7rHVP66QWOKEvV3nQM2BeYTf8eea35fF6rjdiIrUl4cjJiAMPDV_X6sMxkKdJS1uvnvu9PtRGgp5ReE46wJIKSLIOf779CycbkkqQZjSb1Ovz-cv351_drDWGN9BXS_xfZBj7dLoGxBgIFBE14nOcrZGH68E07Iu0IlSNsQkhTKnGlfvyh1bjKcngIjcYD6G2s-xvrYGMdLuuqAFOXZ0IflzFh0xxn5OBU3t1ISZhqw6KaKpo29k04jSaCJrLq0oZsa9mCAZc8FTihhBnQp1ksxd1NSsS22dFmG3oMZzwl0HveONtlc7XNATtsHI9fk6kkC3nRsKoqnVNgwrFQaUOvLGJRRtMi4SJfZ790WtppQYhFIVV7CYsJDO9uWbEMujbqOgIbTqgsddB7MCD_eXT6gQMvaFEQBlclPMVqcA6eMfqGiKLMt926isCFM4FjKiln-voCHmEWXxIxXZcUVo-jSwrVe3DBGvHqtc83DLqS0FpNAi3wRluiDBdFSBIYQ0KzzN_r265jPjQinnHh7yVJYhRS8ClZKfe3KLyk2oHneuEuqlK2qWhJWYPOwGnvoiplm4qXVMd17V5rF1UpikIGSgWNkS9FSQyUE5FjvUUzHXGE5ITkZIR8tYxJgtVXPEIjNlfYBWYvOc9XpOBlOkF-grNC7cqLWPUupFjNa74-FXo0RMBLJpFvWtYiCPJn6C3yG7bTNO2u6Tidrue0W13HQO_Usdtquuqg1bG6TtvzPNuZG-hqcXGr2baV5NhuyzId13XbBiJqDrg4qn5ni7_a_A_W9oMu hier klicken], abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.1 A. Materiell - unbeweglich 🏛️ ===&lt;br /&gt;
„Materiell - unbeweglich&amp;quot; bezeichnet ortsfeste Kulturobjekte wie Bauwerke, Ensembles, Gebäudekomplexe und Stätten/Kulturlandschaften, wie sie in Art. 1 der UNESCO-Welterbekonvention als Kategorien des kulturellen Erbes definiert sind.&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO World Heritage Centre o. J.: Convention Concerning the Protection of the World Cultural and Natural Heritage, Artikel 1. URL: https://whc.unesco.org/en/conventiontext/, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.2 B. Materiell - beweglich 🖼️ ===&lt;br /&gt;
Die Kategorie „Materiell - beweglich&amp;quot; umfasst bewegliche Sachen bzw. Sachgesamtheiten von kulturellem Wert (z. B. Objekte, Sammlungen), wie sie das deutsche Kulturgutschutzgesetz (§ 2 KGSG)&amp;lt;ref&amp;gt;Deutschland 2016: Kulturgutschutzgesetz (KGSG), § 2. URL: https://www.buzer.de/2_KGSG.htm, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt; als „Kulturgut“ beschreibt.&lt;br /&gt;
* B1 '''Schriftgut''' - Bücher, Zeitungen, Handschriften, Archivgut, Graphiken, Pläne, Karten&lt;br /&gt;
* B2 '''Fotografien &amp;amp; Bildträger''' &lt;br /&gt;
** Fotografisch erzeugte statische Bildträger, auch Stillbildträger genannt, z. B. Positive/Negative auf Film/Platte/Photopapier, Dias, Abzüge, Mikrofilm/-fiche und vergleichbare fotografische Repro-Träger.&lt;br /&gt;
* B3 '''Analoge AV-Träger''' (Audio/Video/Film)&lt;br /&gt;
** Analoge zeitbasierte Medien, z. B. Magnetton (Tonband, Kassette), Schallplatte, Videobänder, Film.&lt;br /&gt;
* B4 '''3D-Objekte''' - Gegenstände, „sachkulturelle Artefakte“&amp;lt;ref&amp;gt;Sorbisches Institut o. J.: Konzept zum Digitalisierungszentrum am Sorbischen Institut, S. 24.&lt;br /&gt;
(Unveröffentlichtes Konzeptpapier; interne Projektunterlage.)&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.3 C. Immateriell 🎭 ===&lt;br /&gt;
Meint lebendige Praktiken, Darstellungen, Ausdrucksformen, Ideen, Werte, Wissen und Fertigkeiten, die von Gemeinschaften getragen und weitergegeben werden, gemäß der folgenden 5 UNESCO ICH-Domänen.&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO o. J.: Intangible Cultural Heritage – Five Domains. URL: https://ich.unesco.org/doc/src/01857-EN.pdf, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* C1 '''Orale Traditionen/Ausdrucksformen''' - Sprache, Gesangstraditionen&lt;br /&gt;
* C2 '''Darstellende Künste''' - Musik, Tanz, Theater&lt;br /&gt;
* C3 '''Rituale &amp;amp; Feste''' - Bräuche und soziale Praktiken des Kalenders und Lebenslaufs&lt;br /&gt;
* C4 '''Wissen &amp;amp; Praktiken''' zu Natur &amp;amp; Universum - Heil- und Sammelkenntnisse, ökologisches und astronomisches Wissen, Glaube, Religion&lt;br /&gt;
* C5 '''Traditionelles Handwerk''' - Techniken, Werkzeuge und Gestaltungsmuster&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.4 D. Digital 💾 ===&lt;br /&gt;
Bezeichnet in digitaler Form vorliegende Ressourcen menschlichen Wissens und Ausdrucks. Diese können sowohl born-digital sein als auch digitalisierte Repräsentationen von materiellen und immateriellen Kulturgütern.&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO 2003: Charter on the Preservation of Digital Heritage. URL: https://www.unesco.org/en/legal-affairs/charter-preservation-digital-heritage, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* D1 '''Born-digital''' (ursprünglich digital erzeugt, kein analoges Original), z. B. Webseiten, Social-Media-Beiträge, Software, Apps, Spiele, digitale Fotos/Audio/Video.&lt;br /&gt;
* D2 '''Digitalisate''' - Digitalisierte Repräsentationen/Derivate aus den Klassen A, B und C.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2.3 Begriffe und Funktionsbausteine der Kulturerbe-Digitalisierung ==&lt;br /&gt;
Die vorherigen Abschnitte haben geklärt, was unter Kulturerbe verstanden wird und welche Arten von Kulturgütern unterschieden werden. Bevor der nachfolgende Abschnitt den Prozess der Kulturerbe-Digitalisierung beschreibt, werden in diesem Abschnitt die dafür wichtigsten Arbeitsbegriffe und Funktionen erläutert. Der Abschnitt soll dabei die Frage beantworten: Welche Arbeitsabläufe und Funktionen sind notwendig, damit Kulturgüter nicht nur digital erfasst, sondern auch gefunden, verstanden, gesichert und genutzt werden können?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erläuterungen sollen eine gemeinsame und leicht verständliche Grundlage schaffen für alle, die an der Digitalisierung von Kulturerbe interessiert sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.3.1 Vom Kulturgut zur digitalen Repräsentation ===&lt;br /&gt;
Dieser Abschnitt erklärt, was bei einer Digitalisierung entsteht und wie sich das digitale Ergebnis vom ursprünglichen Kulturgut unterscheidet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Begriff&lt;br /&gt;
! Erklärung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Digitalisierung von Kulturerbe'''&lt;br /&gt;
| Digitalisierung bezeichnet in diesem Konzept den gesamten zusammenhängenden Prozess: Kulturgüter erfassen, beschreiben und bewerten, digitale Repräsentationen erzeugen oder übernehmen, ihre Qualität prüfen, sie sichern und für die Nutzung zugänglich machen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;DFG2016&amp;quot;&amp;gt;Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) 2016: Praxisregeln „Digitalisierung“, insbesondere S. 13 und 41-44. URL: https://www.dfg.de/resource/blob/176108/898bf3574ad0ff3b1db525fa7d04c86c/12-151-v1216-de-data.pdf, abgerufen am 16.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bei ursprünglich digital entstandenen Kulturgütern – auch ''born digital'' genannt – entfällt die Überführung aus einem analogen Original; die weiteren Aufgaben bleiben bestehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Digitalisat und digitale Repräsentation'''&lt;br /&gt;
| Ein '''Digitalisat''' ist ein digitales Abbild eines analogen Kulturguts, beispielsweise ein Scan einer Handschrift oder ein Foto eines Museumsobjekts. Der weitere Begriff '''digitale Repräsentation''' umfasst auch Audio-, Video- oder 3D-Dokumentationen einer immateriellen kulturellen Praxis. Die digitale Repräsentation ersetzt weder das materielle Kulturgut noch die lebendige Praxis.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Masterdatei und Nutzungsderivat'''&lt;br /&gt;
| Die '''Masterdatei''' ist die möglichst hochwertige und qualitätsgeprüfte Ausgangsdatei. Sie wird für die langfristige Sicherung und spätere Bearbeitungen aufbewahrt. Ein '''Nutzungsderivat''' ist eine daraus erzeugte, an einen bestimmten Zweck angepasste Datei, beispielsweise ein kleineres Bild für eine Internetseite.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Digitales Objekt'''&lt;br /&gt;
| Als '''digitales Objekt''' wird in diesem Konzept eine zusammengehörige digitale Einheit bezeichnet. Sie kann aus einer oder mehreren Dateien, den zugehörigen Metadaten und ihren Verknüpfungen bestehen. Ein digitales Objekt kann ein Digitalisat oder ein ursprünglich digital entstandenes Kulturgut sein.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
''Beispiel:'' Das verzierte sorbische Osterei bleibt das materielle Kulturgut. Hochauflösende Fotografien, ein 3D-Modell und die dazugehörigen Beschreibungen bilden gemeinsam seine digitale Repräsentation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.3.2 Funktionsbausteine und ihr Zusammenspiel ===&lt;br /&gt;
Die folgende Tabelle erläutert die grundlegenden Funktionen bei der Digitalisierung von Kulturerbe, unabhängig von konkreten Institutionen oder technischen Produkten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Funktionsbaustein&lt;br /&gt;
! Hauptaufgabe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Register oder Katalog'''&lt;br /&gt;
| Weist Kulturgüter nach, beschreibt und verknüpft sie und macht sichtbar, was vorhanden ist, wo es sich befindet und in welchem Zusammenhang es steht. Ein Registereintrag kann bereits bestehen, bevor ein Digitalisat angefertigt wurde.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Digitalisierungsdienst oder Digitalisierungszentrum'''&lt;br /&gt;
| Erzeugt digitale Repräsentationen, bearbeitet und prüft sie und dokumentiert technische Angaben zur Digitalisierung. Es liefert beispielsweise geprüfte Masterdateien und Nutzungsderivate.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Repositorium oder digitales Archiv'''&lt;br /&gt;
| Übernimmt digitale Dateien und Metadaten, speichert und verwaltet sie und sorgt entsprechend seinem Auftrag für ihre Sicherung, Langzeiterhaltung und Bereitstellung.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Präsentations- und Nutzungssystem'''&lt;br /&gt;
| Führt beschreibende Informationen und digitale Medien für Nutzerinnen und Nutzer zusammen. Es ermöglicht beispielsweise Suche, Anzeige, Kontextualisierung, Vermittlung und – soweit zulässig – Nachnutzung.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Bausteine beschreiben zunächst '''Funktionen''' und nicht zwingend getrennte Institutionen oder Systeme. Eine Einrichtung kann mehrere Funktionen übernehmen. Umgekehrt kann eine Funktion auf mehrere Einrichtungen oder technische Systeme verteilt sein. Entscheidend sind klare Zuständigkeiten, verlässliche Übergaben und gemeinsame Standards.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vereinfacht lässt sich das Zusammenspiel so zusammenfassen:&lt;br /&gt;
# Das '''Register oder der Katalog''' beschreibt und verknüpft das Kulturgut.&lt;br /&gt;
# Der '''Digitalisierungsdienst''' erzeugt und prüft seine digitale Repräsentation.&lt;br /&gt;
# Das '''Repositorium oder digitale Archiv''' übernimmt und erhält die Dateien.&lt;br /&gt;
# Das '''Präsentationssystem''' führt Beschreibungen und Medien für die Nutzung zusammen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die konkrete Ausgestaltung kann zentral, dezentral oder als Verbund mehrerer Systeme erfolgen. Welche dieser Funktionen in der sorbischen Welt bereits durch das Sorbische Kulturregister, das Digitalisierungszentrum, Archive, Repositorien und Präsentationsumgebungen erfüllt werden und wo noch Lücken bestehen, wird in der sorbischen IST-Analyse untersucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.3.3 Register: Kulturgüter erfassen, beschreiben und verknüpfen ===&lt;br /&gt;
Die folgende Tabelle erklärt, wie Kulturgüter so beschrieben und bearbeitet werden, dass sie eindeutig zugeordnet, wiedergefunden und nach einheitlichen Regeln weiterverarbeitet werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Begriff&lt;br /&gt;
! Erklärung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Erschließung, Verzeichnung und Registrierung'''&lt;br /&gt;
| '''Erschließung''' ist der übergeordnete Vorgang, bei dem ein Kulturgut identifiziert, beschrieben und in seinen Zusammenhang eingeordnet wird. '''Verzeichnung''' bezeichnet seine strukturierte dokumentarische Beschreibung. '''Registrierung''' bedeutet die Aufnahme in ein konkretes Register, einen Katalog oder ein Sammlungssystem. Ein Kulturgut kann bereits registriert werden, bevor ein Digitalisat vorhanden ist.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Metadaten'''&lt;br /&gt;
| Metadaten sind strukturierte Informationen über ein Kulturgut und seine digitalen Repräsentationen. Dazu gehören beispielsweise Titel, Herkunft, beteiligte Personen, Ort, Zeit, kultureller Kontext, Rechte, Dateieigenschaften und Bearbeitungsschritte. Je nach Zweck werden beschreibende, technische, rechtliche und erhaltungsbezogene Metadaten unterschieden. Sie machen Kulturgüter auffindbar, verständlich, verwaltbar und langfristig nutzbar.&amp;lt;ref name=&amp;quot;PREMIS&amp;quot;&amp;gt;Library of Congress o. J.: PREMIS – Preservation Metadata: Implementation Strategies. Internationaler Standard für Erhaltungsmetadaten. URL: https://www.loc.gov/standards/premis/, abgerufen am 16.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Persistenter Identifikator'''&lt;br /&gt;
| Ein '''persistenter Identifikator''' ist eine dauerhafte und eindeutige Kennung für ein Kulturgut, einen Datensatz oder eine digitale Ressource. Die Kennung bleibt bestehen, auch wenn sich der technische Speicherort oder die Internetadresse ändern. Dadurch können Kulturgüter dauerhaft zitiert und zwischen Systemen verknüpft werden.&amp;lt;ref name=&amp;quot;DFG2016&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Metadaten sind keine bloße Beigabe zu einer Datei. Ohne ausreichende Beschreibungen kann ein Digitalisat zwar technisch vorhanden sein, später aber kaum gefunden, verstanden oder zuverlässig zugeordnet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.3.4 Digitalisierungsdienst und Archiv: Digitalisieren, speichern und langfristig erhalten ===&lt;br /&gt;
Die folgende Tabelle erklärt was erforderlich ist, damit digitale Kulturgüter nicht nur heute gespeichert sind, sondern auch nach technischen und organisatorischen Veränderungen noch gefunden, verstanden und genutzt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Begriff&lt;br /&gt;
! Erklärung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Repositorium'''&lt;br /&gt;
| Ein '''Repositorium''', auch ''Repository'' genannt, ist eine verwaltete technische Umgebung, in der digitale Objekte und ihre Metadaten übernommen, gespeichert, geordnet, verwaltet und bereitgestellt werden. Ein Repositorium kann Teil eines digitalen Archivs sein. Nicht jedes Repositorium erfüllt jedoch automatisch alle Anforderungen der Langzeiterhaltung.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Digitales Archiv oder digitales Langzeitarchiv'''&lt;br /&gt;
| Ein digitales Archiv ist mehr als ein Server oder ein Speicherprogramm. Es verbindet eine verantwortliche Organisation, fachkundiges Personal, Regeln, Arbeitsabläufe und technische Systeme. Es übernimmt die Verantwortung dafür, digitale Informationen langfristig zu erhalten und für festgelegte Nutzergruppen zugänglich zu machen. Das internationale Referenzmodell '''Open Archival Information System''' (OAIS, offenes Archiv-Informationssystem) bietet hierfür einen fachlichen Rahmen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;OAIS2024&amp;quot;&amp;gt;Consultative Committee for Space Data Systems (CCSDS) 2024: Reference Model for an Open Archival Information System (OAIS), CCSDS 650.0-M-3, insbesondere S. 1-1–1-2 und 2-1–2-2. URL: https://ccsds.org/Pubs/650x0m3.pdf, abgerufen am 16.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Ingest oder kontrollierte Übernahme'''&lt;br /&gt;
| '''Ingest''' bezeichnet die kontrollierte Übernahme digitaler Dateien und Metadaten in ein Repositorium oder digitales Archiv. Dabei werden beispielsweise Vollständigkeit, Dateiformate, Metadaten und Dateiintegrität geprüft und die Übernahme dokumentiert.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Langzeitverfügbarkeit und digitale Langzeiterhaltung'''&lt;br /&gt;
| '''Langzeitverfügbarkeit''' ist das Ziel, digitale Inhalte über technische und organisatorische Veränderungen hinweg auffindbar, lesbar, verständlich und nutzbar zu halten. '''Digitale Langzeiterhaltung''' bezeichnet die dafür notwendigen fortlaufenden Maßnahmen. Dazu können mehrere Speicherorte, regelmäßige Prüfungen, Formatüberwachung, technische Migrationen und eine nachvollziehbare Dokumentation gehören. „Langfristig“ bezeichnet dabei keine feste Zahl von Jahren, sondern einen Zeitraum, in dem mit veränderten Technologien, Formaten und Nutzungsanforderungen gerechnet werden muss.&amp;lt;ref name=&amp;quot;OAIS2024&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Datensicherung oder Backup'''&lt;br /&gt;
| Ein '''Backup''' ist eine zusätzliche Sicherungskopie, aus der Dateien nach einem Verlust oder technischen Ausfall wiederhergestellt werden können. Backups sind notwendig, ersetzen aber keine Langzeiterhaltung: Sie regeln allein noch keine dauerhaften Zuständigkeiten, Metadaten, Formatüberwachung, Integritätsprüfungen oder langfristige Zugänglichkeit.&amp;lt;ref name=&amp;quot;DPCStorage&amp;quot;&amp;gt;Digital Preservation Coalition o. J.: Digital Preservation Handbook – Storage. URL: https://www.dpconline.org/handbook/organisational-activities/storage, abgerufen am 16.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Integrität und Authentizität'''&lt;br /&gt;
| '''Integrität''' bedeutet, dass unbeabsichtigte Veränderungen oder Beschädigungen einer Datei erkannt werden können. Dafür werden häufig Prüfsummen verwendet - digitale Kontrollwerte, die regelmäßig verglichen werden. '''Authentizität''' bedeutet, dass Herkunft, Identität und Bearbeitungsgeschichte eines digitalen Objekts nachvollziehbar sind und belegt werden kann, dass es das ist, was es zu sein vorgibt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Dateiformat und Datenformat'''&lt;br /&gt;
| Ein '''Dateiformat''' legt den technischen Aufbau einer einzelnen Datei fest. Ein '''Datenformat''' beschreibt, wie Informationen strukturiert und zwischen Systemen ausgetauscht werden. Gut dokumentierte, verbreitete und möglichst offen beschriebene Formate erleichtern den Austausch und die langfristige Nutzung. Sie ersetzen jedoch keine aktive Langzeiterhaltung.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Merksatz:''' Speichern ist nicht dasselbe wie langfristiges Erhalten. Auch ein vorhandenes Backup ist noch kein digitales Langzeitarchiv.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.3.5 Präsentationssystem: Kulturerbe zugänglich machen und präsentieren ===&lt;br /&gt;
Die folgende Tabelle erklärt, wie aus langfristig gesicherten Dateien ein digitales Kulturerbe wird, das von Menschen gefunden, verstanden und sinnvoll genutzt werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Begriff&lt;br /&gt;
! Erklärung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Zugänglichmachung und Präsentation'''&lt;br /&gt;
| '''Zugänglichmachung''' bedeutet, dass digitale Objekte auffindbar und im rechtlich sowie technisch zulässigen Umfang abrufbar sind. '''Präsentation''' geht darüber hinaus: Inhalte werden ausgewählt, miteinander verknüpft, erklärt und für bestimmte Zielgruppen vermittelt. Dazu gehören verständliche Kontextinformationen, klare Rechteangaben, Mehrsprachigkeit und möglichst barrierearme Zugänge. Abhängig von Rechten, personenbezogenen Daten oder kulturellen Schutzbedarfen kann der Zugang offen oder eingeschränkt sein.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Nutzung und Nachnutzung'''&lt;br /&gt;
| '''Nutzung''' umfasst beispielsweise das Betrachten, Lesen, Anhören, Erforschen oder Vermitteln eines digitalen Kulturguts. '''Nachnutzung''' bedeutet seine weitere Verwendung in einem neuen Zusammenhang, etwa in Bildung, Forschung, Publikationen, Ausstellungen, Anwendungen oder kreativen Werken. Dafür werden geeignete Dateien, verständliche Metadaten und klare Rechteinformationen benötigt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Rechteinformation und Lizenz'''&lt;br /&gt;
| Eine '''Rechteinformation''' beschreibt den rechtlichen Status eines digitalen Objekts und mögliche Einschränkungen seiner Nutzung. Eine '''Lizenz''' räumt durch eine dazu berechtigte Person oder Institution konkrete Nutzungsrechte ein. Ein allgemeiner Rechtehinweis ist daher nicht automatisch eine Lizenz.&amp;lt;ref name=&amp;quot;RightsReuse&amp;quot;&amp;gt;RightsStatements.org o. J.: Standardisierte Rechtehinweise für online verfügbares Kulturerbe. URL: https://rightsstatements.org/de/, abgerufen am 16.07.2026. Creative Commons 2025: Recommended Licenses and Tools for Cultural Heritage Content. URL: https://creativecommons.org/2025/07/09/recommended-licenses-and-tools-for-cultural-heritage-content/, abgerufen am 16.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Interoperabilität'''&lt;br /&gt;
| '''Interoperabilität''' bezeichnet die Fähigkeit von Systemen und Organisationen, Daten auszutauschen und in gleicher Bedeutung zu verstehen. Dafür werden gemeinsame Metadatenmodelle, Begriffe, Identifikatoren und technische Schnittstellen benötigt. So können beispielsweise Register, Repositorien, Präsentationsportale und externe Kulturplattformen miteinander verbunden werden.&amp;lt;ref name=&amp;quot;EuropeanaEDM&amp;quot;&amp;gt;Europeana o. J.: Metadata – Europeana Data Model (EDM, Europeana-Datenmodell). URL: https://pro.europeana.eu/page/metadata, abgerufen am 16.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Digitalisierte Inhalte entfalten ihren kulturellen und gesellschaftlichen Nutzen erst dann vollständig, wenn sie auffindbar, verständlich, rechtlich klar und für unterschiedliche Zielgruppen tatsächlich verwendbar sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der folgende Abschnitt 2.4 beschreibt, wie diese Funktionen innerhalb des gesamten Prozesses der Kulturerbe-Digitalisierung zusammenwirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2.4 Prozess der Digitalisierung von Kulturerbe ==&lt;br /&gt;
Die Digitalisierung von Kulturgut ist kein rein technischer Arbeitsschritt, sondern ein vielschichtiger, oft langfristiger Prozess, der bereits mit der Wahrnehmung und Identifikation einer kulturellen Ausdrucksform beginnt. Ziel dieses Abschnitts ist es, diesen Gesamtprozess systematisch darzustellen: von der gelebten Kultur über das identifizierte Kulturgut bis hin zur digital nutzbaren Repräsentation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die hier entwickelte Prozessdarstellung soll als praxisorientierter Überblick dienen für die Digitalisierung des sorbischen Kulturerbes. Sie berücksichtigt die Anforderungen sorbischer Einrichtungen ebenso wie die international etablierten Referenzmodelle und Standards, darunter:&lt;br /&gt;
* das OAIS-Referenzmodell (ISO 14721) für digitale Archivierung&amp;lt;ref&amp;gt;Consultative Committee for Space Data Systems (CCSDS) 2024: Reference Model for an Open Archival Information System (OAIS), CCSDS 650.0-M-3. URL: https://ccsds.org/Pubs/650x0m3.pdf, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* das DCC Curation Lifecycle Model für kuratorische Entscheidungsprozesse&amp;lt;ref&amp;gt;Higgins 2008: The DCC Curation Lifecycle Model. International Journal of Digital Curation, 3(1), 134-140. URL: https://ijdc.net/index.php/ijdc/article/view/48, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* das Spectrum-Modell für museale Objektverwaltung&amp;lt;ref&amp;gt;Collections Trust 2022. Spectrum 5.1 - The UK Museum Collections Management Standard. URL: https://collectionstrust.org.uk/spectrum/spectrum-5, abgerufen am 01.10.2025. &amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* die UNESCO-Leitlinien zur Inventarisierung immateriellen Kulturerbes&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO 2024: Operational Directives for the Implementation of the Convention for the Safeguarding of the Intangible Cultural Heritage (10.GA). URL: https://ich.unesco.org/doc/src/ICH-Operational_Directives-10.GA_EN.pdf, abgerufen am 01.10.2025. &amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* sowie technische Vorgaben wie die DFG-Praxisregeln Digitalisierung&amp;lt;ref&amp;gt;Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) 2022: Praxisregeln Digitalisierung (aktualisierte Fassung). URL: https://www.ulb.hhu.de/fileadmin/redaktion/ULB/Documents/Infomaterial/DFG_Praxisregeln_Digitalisierung_Aktualisierte_Fassung2022.pdf, abgerufen am 01.10.2025. &amp;lt;/ref&amp;gt; und die FADGI-Richtlinien&amp;lt;ref&amp;gt;Federal Agencies Digital Guidelines Initiative (FADGI) 2023: Technical Guidelines for Digitizing Cultural Heritage Materials – Still Image, 3rd ed. URL: https://www.digitizationguidelines.gov/guidelines/digitize-technical.html, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Folge soll der „Lebenslauf“ eines Kulturguts dargestellt werden, also der Weg, den ein Objekt oder eine kulturelle Praxis vom Zeitpunkt der Entstehung über die Erfassung, Digitalisierung und Archivierung bis zur Veröffentlichung in einem digitalen Präsentationsmodul durchläuft.&lt;br /&gt;
Hierfür erläutert der folgende Abschnitt die einzelnen Prozessschritte im Detail, jeweils mit Akteuren und Beispielen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.4.1 Vorüberlegungen zum Prozess ===&lt;br /&gt;
Im hier vorgestellten Prozess wird auf eine harte, systematische Filterung verzichtet, welche kulturellen Ausdrucksformen „nur“ Kultur und welche bereits Kulturgut sind. Ein solcher Bewertungs- und Abgrenzungsprozess wäre ressourcenintensiv und würde den vorhandenen Kapazitäten in den beteiligten Einrichtungen nicht entsprechen. Stattdessen folgt das Konzept einer inklusiven Logik: Alle dokumentierten Ausdrucksformen werden zunächst als potenzielle Kulturgüter erfasst. Eine feinere Auswahl und Priorisierung erfolgen erst in einem späteren Schritt, nämlich dann, wenn konkret entschieden wird, welche Ausdrucksformen bzw. Kulturgüter in welcher Tiefe digitalisiert, archiviert und präsentiert werden sollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Vorgehen schließt an das SKR-Konzept an, das bewusst auf eine frühe normative Trennung zwischen „kultureller Ausdrucksform“ und „Kulturgut“ verzichtet. Auch hier steht zunächst der möglichst vollständige, strukturierte Überblick über die sorbischen Kulturgüter im Vordergrund. Die differenzierte Bewertung und Schwerpunktsetzung werden als anschließende fachliche Aufgabe verstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.4.2 Prozessschritte im Detail ===&lt;br /&gt;
Das folgende Diagramm gibt einen Überblick über die sechs Kernschritte des Gesamtprozesses der Digitalisierung von Kulturgut – von der ersten Wahrnehmung einer kulturellen Ausdrucksform bis zu ihrer digitalen Präsentation als Kulturgut. Die Abfolge zeigt zugleich die Entwicklungsstufen: von gelebter Kultur zur kulturellen Ausdrucksform, von dort zum Kulturgut und schließlich zum digitalen Kulturgut. Die Schritte sind als generischer Ablauf zu verstehen: Je nach Art des Kulturguts können einzelne Tätigkeiten unterschiedlich aufwendig sein oder parallel erfolgen.&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K3.png|center|600px]]&amp;lt;ref&amp;gt;Mermaid Flowchart Code: [https://mermaid.live/edit#pako:eNplkk1OwzAQha8yGqmbkloxSZs2CyTa8LOphIAVhIVJpolF4iDH4a_qbXqTXgzHFdAKr2y97703lmaNWZMTxriqmvesFNrAfZIqgPPHFIdDzuBO1DVVajhM8QlGozOYO-WUwS0VsjVakqa93Pvmjlk4JmAwp3fS5kCHwQAWjkkcE_Y5WWkIXqrd9jBpT138UIkspBGVbI_7-rwLR146csLgRryQ-U8lMGLwTG1WapLPpHKCZQLMOY9ch7m2VxiSpOAEjJ1TSev_M_bkvv3KtY8ZnOuslG_H9VcOuf4dUO-2LamjGdHDQsscY6M78rAmXYv-ies-IEVTUk0pxvaa00p0lUkxVRtrexXqoWnqH6duuqLEeCWq1r6619zOn0hRaPGH9J_Xi6ZTBuOxS8B4jR8YhxGLeDThkR-EM37KuYefFmHTaOz7fOZHQTidBMHGwy9X6VslnNnDw4jPuB8GHlIuTaOX-7Vy27X5Bh_Osqo hier klicken], abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Prozess zeigt, dass Digitalisierung von Kulturgut mehr ist als das Erstellen digitaler Dateien. Sie umfasst eine Reihe aufeinander bezogener Schritte – von der ersten Wahrnehmung einer kulturellen Ausdrucksform über ihre Erfassung, Bewertung und Digitalisierung bis hin zur langfristigen Sicherung und Präsentation. Dabei sind je nach Schritt unterschiedliche Akteure beteiligt, etwa Gemeinschaften, Museen, Archive, Fachgremien, Digitalisierungsstellen oder IT. Die folgenden Beschreibungen erläutern diese Schritte so, dass nachvollziehbar wird, was jeweils mit einem Kulturgut geschieht, wer daran beteiligt ist und wie sich der Ablauf in der Praxis vorstellen lässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''1. Sammeln &amp;amp; erfassen''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Hier wird eine kulturelle Ausdrucksform erstmals wahrgenommen, benannt und mit ersten Informationen erfasst: Was ist es, wer macht es oder hat es geschaffen, wo kommt es vor, warum ist es bedeutsam für die Gemeinschaft? &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Community, Vereine, Museen, Archive, Forschende, Privatpersonen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Auf einem Dorffest zeigt eine Frau das Verzieren sorbischer Ostereier. Jemand fotografiert dies und notiert Technik, Ort und Namen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''2. Registrieren &amp;amp; beschreiben''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Hier wird aus der ersten Beobachtung ein strukturierter Nachweis. Das Kulturgut oder die kulturelle Ausdrucksform wird in ein Register, eine Sammlung oder einen Katalog aufgenommen und mit strukturierten Metadaten beschrieben, damit es wiedergefunden, zugeordnet und verstanden werden kann. Dazu gehören z. B. Titel, Ort, Zeit, Technik, Funktion, beteiligte Personen und der kulturelle Kontext.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Registerverantwortliche, Kurator:innen, Sammlungsmitarbeitende, Community für Kontextinformationen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Das Osterei erhält einen Eintrag mit Angaben wie „Wachsbatik“, „Schleife“, „Osterei-Verzierung“, Name der Trägerin und Entstehungsjahr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''3. Bewerten &amp;amp; freigeben''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
In diesem Schritt wird entschieden, ob und in welcher Priorität ein Kulturgut oder die kulturelle Ausdrucksform digitalisiert werden soll und ob dies rechtlich und ethisch möglich ist. Dabei spielen fachliche Kriterien wie Bedeutung, Repräsentativität, Seltenheit oder Gefährdung eine Rolle, aber auch Fragen des Urheberrechts, Datenschutzes und möglicher kultureller Sensibilitäten. Am Ende steht eine begründete Entscheidung, ob und in welchem Umfang das Kulturgut weiterbearbeitet und später veröffentlicht werden darf. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Kurator:innen, Fachgremien, Community-Vertretungen, Register/SKR, ggf. Rechteverantwortliche und Behörden. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Es wird entschieden, dass die Osterei-Technik wegen ihrer Bedeutung für die sorbische Identität digital gesichert werden soll; die Kunsthandwerkerin stimmt der Veröffentlichung zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''4. Digitalisieren &amp;amp; prüfen''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nun wird das Kulturgut technisch erfasst, also in eine digitale Form überführt. Das kann je nach Objektart durch Scan, Fotografie, Audio- oder Videoaufnahme oder 3D-Erfassung geschehen. Dabei entstehen hochwertige Master-Dateien und nutzbare Derivate. Die Digitalisierung folgt qualifizierten Standards, um Reproduzierbarkeit, Farbkonsistenz und Nutzbarkeit zu gewährleisten. Anschließend wird geprüft, ob Schärfe, Farbe, Vollständigkeit und Dateiformate den Anforderungen für Archivierung und Nutzung entsprechen. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Digitalisierungszentrum, Foto-/AV-/3D-Spezialist:innen, externe Dienstleister bei Spezialfällen. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Das Osterei wird fotografisch hochauflösend aufgenommen und zusätzlich als 3D-Modell erfasst. Danach werden Schärfe, Farbe und Dateiformate geprüft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''5. Archivieren &amp;amp; sichern''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die entstandenen digitalen Dateien werden geordnet abgelegt, mit den zugehörigen Metadaten verknüpft und für die langfristige Erhaltung gesichert. Dazu gehören sichere Speicherorte, Backups, Integritätskontrollen und – wenn nötig – spätere technische Migration auf neue Systeme. Ziel ist, dass das digitale Kulturgut langfristig erhalten bleibt, auch wenn sich Technik und Formate verändern. Das Original bleibt in der Regel weiterhin am Sammlungs- oder Aufbewahrungsort. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Archiv, Repository, IT-Betrieb, ggf. Sorbisches Kulturarchiv bzw. Digitalisierungszentrum. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Die Bilder und das 3D-Modell des Ostereis werden auf gesicherten Servern gespeichert; das Original bleibt im Museum oder bei der Eigentümerin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''6. Präsentieren &amp;amp; nutzen''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im letzten Schritt werden die digitalen Objekte so bereitgestellt, dass sie gefunden, verstanden und genutzt werden können, z. B. in Portalen, digitalen Sammlungen oder virtuellen Ausstellungen. Dafür reicht es nicht, nur Dateien anzuzeigen: Es braucht auch verständliche Kontexte, Rechteangaben, Mehrsprachigkeit und möglichst barrierearme Zugänge. So wird aus der technischen Digitalisierung eine tatsächliche kulturelle Nutzung. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Kurator:innen, Vermittlung, Web/IT, Museen, Kulturinformationen, Community. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Das Osterei erscheint in einer Online-Ausstellung, kann herangezoomt oder als 3D-Modell gedreht werden und wird mit einem kurzen Text zur Technik erklärt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.4.3 Organisatorische Perspektive ===&lt;br /&gt;
Die folgende Abbildung ist entnommen aus einem Poster des Sorbischen Instituts zu dessen Digitalisierungsstrategie, gefunden auf der Projektseite des Digitalisierungszentrums.&amp;lt;ref&amp;gt;Sorbisches Institut: Digitalisierungszentrum (DZ). URL: [https://www.serbski-institut.de/projekte-zentrale-vorhaben/digitalisierungszentrum-dz/ https://www.serbski-institut.de/projekte-zentrale-vorhaben/digitalisierungszentrum-dz/], abgerufen am 25.03.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Digitalisierungsstrategie des Sorbischen Instituts zeigt die Erfassung, Registrierung, Digitalisierung und Archivierung bis zur Präsentation von Kulturgütern aus '''organisatorischer Sicht'''. Sie basiert auf einem '''3-Säulen-Modell aus Kulturregister, Digitalisierungszentrum und Präsentationsumgebung'''. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K4.png|mini||center|600px|Abbildung: 3-Säulen-Modell der Digitalisierungsstrategie des Sorbischen Instituts. Quelle: Sorbisches Institut, „Digitalizacija serbskich kulturnych datow / Digitalisierung der sorbischen/wendischen Kulturdaten“&amp;lt;ref&amp;gt;Sorbisches Institut 2025: Digitalizacija serbskich kulturnych datow / Digitalisierung der sorbischen/wendischen Kulturdaten (Poster). URL:  [https://www.serbski-institut.de/wp-content/uploads/2021/11/A0-Druck_Digitalisierungsstrategie-SI.pdf  https://www.serbski-institut.de/wp-content/uploads/2021/11/A0-Druck_Digitalisierungsstrategie-SI.pdf], abgerufen am 25.03.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Beide Sichtweisen - die fachliche &amp;quot;Prozess-Sicht&amp;quot; und die &amp;quot;organisatorische Sicht&amp;quot; lassen sich wie folgt in einer Darstellung zusammenfassen:&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K5.jpg|mini||center|600px|Abbildung: Zusammengefasste Sichtweisen auf die Digitalisierung von Kulturerbe.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der &amp;quot;Prozess der Digitalisierung von Kulturerbe&amp;quot; beschreibt, '''was''' mit einem Kulturgut geschieht; das 3-Säulen-Modell zeigt, '''wo''' diese Aufgaben organisatorisch verortet sind. Bezogen auf die oben beschriebenen [[#2.3.2 Prozessschritte im Detail|Prozessschritte der Digitalisierung von Kulturerbe]] steht das '''Sorbische Kulturregister''' für den Prozessschritt „'''2. Registrieren'''“ und dient dabei vor allem der Verzeichnung und Metadatenverwaltung. Das '''Digitalisierungszentrum''' steht für die Prozessschritte „'''4. Digitalisieren'''“ und „'''5. Archivieren'''“ und dient dabei der technischen Erfassung, Bearbeitung und Sicherung der Digitalisate. Die '''Präsentationsumgebung''' steht für den Schritt „'''6. Präsentieren'''“ und dient der öffentlichen oder kuratierten Bereitstellung zur Nutzung. Ergänzende Konzepte des SI machen dabei deutlich, dass die Digitalisierung im Regelfall eine vorherige Verzeichnung im Register voraussetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Prozessschritt&lt;br /&gt;
! Verantwortliche Organisation&lt;br /&gt;
! Funktion im Gesamtsystem&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''2. Registrieren'''&lt;br /&gt;
| '''Sorbisches Kulturregister'''&lt;br /&gt;
| Kulturgüter werden als Entitäten nachgewiesen, beschrieben, mit Metadaten versehen und miteinander verknüpft. Das Register erfüllt damit eine katalogähnliche Funktion: Es macht sichtbar, welche Kulturgüter es gibt, wo sie sich befinden und in welchem Kontext sie stehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''4. Digitalisieren'''&lt;br /&gt;
| '''Digitalisierungszentrum'''&lt;br /&gt;
| Kulturgüter werden technisch erfasst, z. B. durch Scan, Fotografie, Audio-/Videoübertragung oder 3D-Erfassung. Das Digitalisierungszentrum erzeugt und prüft die Digitalisate, ist aber nicht selbst primär ein Präsentationssystem.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''5. Archivieren'''&lt;br /&gt;
| '''Digitalisierungszentrum / Repositorium / Archiv'''&lt;br /&gt;
| Die digitalen Dateien werden geordnet gespeichert, mit Metadaten verbunden und langfristig gesichert. Dazu gehört auch die Sicherstellung der Langzeitaufbewahrung, etwa durch geeignete Speicherorte, Prüfroutinen und spätere Migrationen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''6. Präsentieren'''&lt;br /&gt;
| '''Sorabicon / weitere Präsentationsumgebungen'''&lt;br /&gt;
| Die digitalen Inhalte werden für Nutzer:innen sichtbar, erfahrbar und verständlich gemacht, z. B. in Portalen, digitalen Sammlungen oder virtuellen Ausstellungen. Die Präsentation greift dafür auf Metadaten aus dem Register und auf Digitalisate aus dem Repositorium bzw. dem Digitalisierungszentrum zurück.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Schritt '''1. Sammeln''' liegt vor diesen drei Säulen. Er betrifft die Sammlungsorte selbst, also z. B. Museen, Archive, Heimatstuben, Vereine, Projekte, Gemeinden oder Privatpersonen. Dort entstehen oder befinden sich die Kulturgüter zunächst, bevor sie systematisch registriert, bewertet oder digitalisiert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Schritt '''3. Bewerten''' ist ebenfalls keine eigene technische Säule, sondern ein steuernder Entscheidungsschritt. In ihm wird geklärt, welche Kulturgüter priorisiert digitalisiert werden, welche fachliche Bedeutung sie haben, welche Rechte zu beachten sind und ob eine öffentliche Präsentation möglich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit wird deutlich: Register, Digitalisierungszentrum und Präsentation erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Das '''Register''' beschreibt und verknüpft Kulturgüter, das '''Digitalisierungszentrum''' erzeugt und sichert Digitalisate und die '''Präsentationsumgebung''' macht ausgewählte Inhalte verständlich zugänglich. Gerade diese Trennung schafft klare Zuständigkeiten und erleichtert die Zusammenarbeit zwischen Sammlungsorten, Fachstellen, technischen Dienstleistern und Öffentlichkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2.5 Beispiele anderer Kulturen und Regionen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Digitalisierung des Kulturerbes kleiner, autochthoner, indigener und sprachlicher Gemeinschaften weist häufig vergleichbare Herausforderungen auf: Kulturgüter und Bestände sind auf viele Institutionen, Vereine, lokale Einrichtungen und private Träger verteilt. Personelle und finanzielle Ressourcen sind begrenzt, mehrere Sprachen und Beschreibungstraditionen müssen berücksichtigt werden und nicht alle kulturellen Inhalte dürfen oder sollen ohne Einschränkung öffentlich zugänglich gemacht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer vergleichenden Recherche wurde daher untersucht, wie andere Gemeinschaften und Regionen ihr Kulturerbe erfassen, beschreiben, digitalisieren, langfristig sichern und zur Nutzung bereitstellen. Dabei wurde nicht nach einer universell „idealen“ technischen Lösung gesucht. Untersucht wurde vielmehr, welche organisatorischen, technischen, rechtlichen und gemeinschaftlichen Modelle unter welchen Rahmenbedingungen funktionieren, welche Schwierigkeiten auftreten und welche übertragbaren Erfolgsfaktoren erkennbar sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nachfolgenden Beispiele verdeutlichen unterschiedliche Schwerpunkte: gemeinschaftliche Steuerung, institutionsübergreifende Register und Suchsysteme, Digitalisierung verteilter Bestände, Sprach- und Tonarchive, abgestufte Zugänge, Unterstützung kleiner Kulturgutträger sowie die Überführung zeitlich begrenzter Projekte in einen dauerhaften Betrieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die daraus abgeleiteten Kriterien bilden einen Referenzrahmen. Anhand dieses Referenzrahmens kann in einer späteren Ist-Analyse geprüft werden, welche Funktionen bereits vorhanden, nur konzeptionell beschrieben, in Pilotprojekten erprobt oder dauerhaft im Regelbetrieb verankert sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ausführlichen Fallprofile, Vergleichsmatrizen, Quellen sowie ein Hinweis zur KI-gestützten Erstellung befinden sich in der [[12.3.A1 Vergleichende Recherche – Digitalisierung des Kulturerbes anderer Kulturen und Regionen|ausführlichen Vergleichsrecherche]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.5.1 RomArchive – Digitales Archiv der Roma ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Roma und Sinti sind eine transnationale Minderheit, die in zahlreichen europäischen Staaten lebt. RomArchive wurde von 2015 bis 2019 mit 3,75 Millionen Euro durch die Kulturstiftung des Bundes gefördert. Weitere Unterstützer waren unter anderem die Bundeszentrale für politische Bildung, das Auswärtige Amt und das Goethe-Institut. Seit 2019 wird das Archiv durch das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg betrieben.&amp;lt;ref name=&amp;quot;vergleich_romarchive&amp;quot;&amp;gt;RomArchive o. J.: Frequently Asked Questions. URL: https://www.romarchive.eu/en/about/frequently-answered-questions/; Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma e. V. o. J.: Imprint. URL: https://www.romarchive.eu/en/imprint/; Kulturstiftung des Bundes o. J.: RomArchive. URL: https://www.kulturstiftung-des-bundes.de/en/programmes_projects/film_and_new_media/detail/romarchive.html, jeweils abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Archiv präsentiert Kunst, Geschichte und Kultur aus der Perspektive der Roma. Kuratorische Teams und Beirat waren überwiegend mit Angehörigen der Minderheit besetzt. Neben öffentlich zugänglichen Inhalten existiert ein internes Archiv mit beschränktem Forschungszugang. Besonders lehrreich ist der bereits zu Projektbeginn geplante und später tatsächlich vollzogene Übergang an einen dauerhaften Betreiber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren und Learnings:''' &lt;br /&gt;
* Angehörige der Gemeinschaft sollten nicht nur Inhalte zuliefern, sondern festgelegte Entscheidungsrechte bei Auswahl, Beschreibung, Kontextualisierung und Zugangsregeln besitzen. &lt;br /&gt;
* Bereits zu Beginn einer Projektphase verbindlich klären, welche Institution das Register, Archiv oder Portal nach dem Ende der Förderung dauerhaft betreibt, pflegt und finanziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.5.2 Nuohtti – gemeinsamer Zugang zum Sámi-Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Sámi sind ein indigenes Volk im nordeuropäischen Sápmi, das sich über Teile Norwegens, Schwedens, Finnlands und Russlands erstreckt. Viele historische Sámi-Materialien befinden sich außerhalb der Sámi-Institutionen in europäischen Archiven und Museen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nuohtti ist ein gemeinsamer Suchdienst für digitalisierte Sámi-Materialien. Er wurde von 2018 bis 2021 mit Mitteln des Programms Interreg Nord der EU (Europäische Union) entwickelt. Beteiligt waren unter anderem die Sámi-Archive der finnischen und norwegischen Nationalarchive, das schwedische Reichsarchiv und mehrere Universitäten. Die Sámi-Parlamente Finnlands, Norwegens und Schwedens waren in der Steuerungsgruppe vertreten. Der Dienst führte nach Projektangaben etwa 30.000 Datensätze aus 32 Institutionen zusammen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;vergleich_nuohtti&amp;quot;&amp;gt;Nuohtti o. J.: About Nuohtti. URL: https://nuohtti.com/Content/about; University of the Arctic 2023: The Nuohtti service provides digital access to Sámi material in European archives. URL: https://www.uarctic.org/news/2023/3/the-nuohtti-service-provides-digital-access-to-sami-material-in-european-archives/, jeweils abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nuohtti übernimmt nicht alle Bestände in ein einziges System. Stattdessen werden Metadaten, also strukturierte Beschreibungsdaten zu Objekten und Beständen, aus vorhandenen Einrichtungen zusammengeführt und mit mehrsprachiger Suche, Karte und Zeitleiste zugänglich gemacht. Ethische Hinweise machen darauf aufmerksam, dass viele Bestände unter historischen und teilweise kolonialen Bedingungen gesammelt und beschrieben wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren und Learnings:''' &lt;br /&gt;
* Ein gemeinsamer Zugang kann auch mit dezentraler Architektur der Bestände erfolgen – Originale, Dateien und Fachsysteme können beim Kulturgutträger verbleiben.&lt;br /&gt;
* Ein Register für Kulturdaten kann als übergreifende Nachweisschicht arbeiten: Größere Einrichtungen liefern Daten über technische Schnittstellen, während kleine Träger zentrale oder gemeinsam bereitgestellte Erfassungsdienste nutzen können. &lt;br /&gt;
* Historische Fremdbeschreibungen sollten ergänzt werden durch Selbstbezeichnungen, eigene Sprachformen, alternative Benennungen und Kontexte der betreffenden Gemeinschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.5.3 People’s Collection Wales / Casgliad y Werin Cymru ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wales ist ein Landesteil des Vereinigten Königreichs mit einer eigenständigen nationalen und walisischsprachigen Identität. People’s Collection Wales ist eine zweisprachige Plattform für institutionelles und gemeinschaftlich getragenes Kulturerbe. Sie wird als Verbund der National Library of Wales, des National Museum Wales und der Royal Commission on the Ancient and Historical Monuments of Wales betrieben und durch die walisische Regierung finanziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben der technischen Plattform werden kostenlose Beratung und Schulungen zu Digitalisierung, Metadaten, Urheberrecht, Datenschutz und Oral History, also mündlich überlieferter und aufgezeichneter Geschichte, angeboten. Eine unabhängige Evaluation stellte Fortschritte bei der Zusammenarbeit und beim Kompetenzaufbau fest, benannte aber auch begrenzte Wirkungsnachweise, Finanzierungsrisiken und den hohen Personalaufwand für die Unterstützung der beteiligten Gemeinschaften.&amp;lt;ref name=&amp;quot;vergleich_wales&amp;quot;&amp;gt;Vittle, Kate / Haswell-Walls, Fran / Dixon, Tim; ERS Ltd. 2016: Evaluation of the Casgliad y Werin Cymru / People’s Collection Wales Digital Heritage Programme. Impact Report. URL: https://www.gov.wales/sites/default/files/publications/2019-08/evaluation-of-the-peoples-collection-wales-digital-heritage-programme-impact.pdf; People’s Collection Wales o. J.: Community Support. URL: https://www.peoplescollection.wales/about-us/community-support, jeweils abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren und Learnings:''' &lt;br /&gt;
* Kleine und ehrenamtlich betreute Sammlungen benötigen nicht nur technische Standards, sondern konkrete und dauerhaft verfügbare Dienstleistungen: Erstberatung, Schulung, Vorlagen, Unterstützung bei Rechtefragen, Qualitätskontrolle und persönliche Ansprechpartner. &lt;br /&gt;
* Ein Digitalisierungszentrum oder ein Verbund koordinierter Digitalisierungsdienste sollte daher als Service- und Kompetenzstruktur ausgestaltet werden und nicht lediglich als technische Produktionsstelle. &lt;br /&gt;
* Der dafür notwendige Beratungs- und Unterstützungsaufwand muss als dauerhafte Betriebsaufgabe eingeplant werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.5.4 Tobar an Dualchais / Kist o Riches ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schottisch-Gälisch ist eine Minderheitensprache, die vor allem in den Highlands und auf den schottischen Inseln gesprochen wird. Tobar an Dualchais macht mehr als 40.000 seit den 1930er Jahren entstandene Tonaufnahmen zugänglich. Die Bestände umfassen Erzählungen, Lieder, Musik, Gedichte und mündlich überliefertes Wissen auf Gälisch, Scots und Englisch. Ein bedeutender Teil der Originalbestände wird in den School of Scottish Studies Archives der Universität Edinburgh verwahrt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;vergleich_tobar&amp;quot;&amp;gt;University of Edinburgh 2024: Tobar an Dualchais / Kist o Riches. URL: https://gaelic.ed.ac.uk/gaelic-collections/tobar-an-dualchais-kist-o-riches; Scottish Government 2025: Rediscovering lost Gaelic words. URL: https://www.gov.scot/news/rediscovering-lost-gaelic-words/, jeweils abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Digitalisierung wird mit Verschriftlichung beziehungsweise Transkription, sprachlicher Erschließung, Freiwilligenarbeit und teilweise automatischer Spracherkennung verbunden. Das Projekt erhält wiederkehrende öffentliche Förderungen, muss Rechteklärung, Transkription und technische Weiterentwicklung jedoch dauerhaft fortsetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren und Learnings:''' &lt;br /&gt;
* Gefährdete Ton-, Film- und Videobestände müssen wegen Materialverfall, beschädigungsanfälliger Trägermaterialien und nicht mehr verfügbarer Wiedergabetechnik zeitlich priorisiert werden. &lt;br /&gt;
* Ein geeignetes Pilotprojekt kann Digitalisierung, Rechteklärung, Verschriftlichung, Übersetzung, Metadatenerfassung, Archivierung und Bildungsnutzung entlang einer vollständigen Prozesskette verbinden. &lt;br /&gt;
* Dadurch werden nicht nur einzelne Dateien erzeugt, sondern zugleich die notwendigen Standards, Zuständigkeiten und Aufwände erprobt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.5.5 Euskariana – Portal zum baskischen Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Baskinnen und Basken leben in Gebieten Spaniens und Frankreichs. Euskariana ist das staatlich betriebene Kulturportal der Autonomen Gemeinschaft Baskenland in Spanien. Es wird durch die Digitale Bibliothek Euskadi betrieben und verbindet Daten der baskischen Regierung, der Provinzen, Kommunen, Universitäten sowie öffentlicher, kirchlicher und privater Einrichtungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Portal ist zugleich gemeinsamer Katalog und Zugang zu digitalen Objekten. Es kann Inhalte über ein eigenes Repositorium, also ein institutionell betriebenes digitales Ablage- und Erhaltungssystem, bereitstellen oder zu den Systemen der Partner verlinken. Verwendet werden internationale Standards wie Dublin Core als allgemeiner Metadatenstandard, METS (Metadata Encoding and Transmission Standard) zur Strukturierung und Übertragung digitaler Objekte, PREMIS (Preservation Metadata: Implementation Strategies) für Metadaten zur digitalen Langzeiterhaltung und ALTO (Analyzed Layout and Text Object) für erkannte Texte und Seitenlayouts. Die standardisierten Daten können unter anderem an Europeana weitergegeben werden.&amp;lt;ref name=&amp;quot;vergleich_euskariana&amp;quot;&amp;gt;Gobierno Vasco / Biblioteca Digital de Euskadi o. J.: Acerca de Euskariana. URL: https://www.euskariana.euskadi.eus/euskadibib/es/help/about.do, abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren und Learnings:''' &lt;br /&gt;
* Unterschiedliche Kulturgutträger benötigen unterschiedliche Anschlussmöglichkeiten. &lt;br /&gt;
** Kleine Einrichtungen sollten Daten und gegebenenfalls Dateien in zentral bereitgestellten Diensten erfassen und verwalten können. &lt;br /&gt;
** Größere Institutionen sollten ihre vorhandenen Systeme über Datenexporte oder Programmierschnittstellen anbinden können. &lt;br /&gt;
* Dafür ist ein gemeinsamer, bewusst schlank gehaltener Metadatenkern erforderlich, der durch fach- und institutionsspezifische Angaben erweitert werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.5.6 Mukurtu und Plateau Peoples’ Web Portal ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mukurtu ist eine frei verfügbare Software für die gemeinschaftlich kontrollierte Verwaltung digitalen indigenen Kulturerbes. Das Plateau Peoples’ Web Portal verbindet acht indigene Nationen des nordwestlichen Plateaus der USA mit der Washington State University und mehreren Museen und Archiven. Stammesvertreter wählen und beschreiben die Inhalte; die Universität übernimmt wesentliche technische Betriebsaufgaben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mukurtu ermöglicht kulturelle Protokolle, also gemeinschaftlich festgelegte Regeln für Zugang und Nutzung, Traditional Knowledge Labels als Kennzeichnungen für überliefertes gemeinschaftliches Wissen sowie mehrere Beschreibungen zu demselben Objekt. Dadurch kann neben einer institutionellen Museumsbeschreibung eine Beschreibung der Herkunftsgemeinschaft stehen. Zugänge können von vollständig öffentlich bis streng beschränkt reichen. Mukurtu weist ausdrücklich darauf hin, dass die Plattform vor allem dem Zugang und der gemeinschaftlichen Verwaltung dient und ein gesondertes Konzept für Digitalisierung, Langzeiterhaltung, Personal und Finanzierung erforderlich bleibt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;vergleich_mukurtu&amp;quot;&amp;gt;Mukurtu CMS / Washington State University o. J.: About. URL: https://mukurtu.org/about/; Plateau Peoples’ Web Portal. URL: https://mukurtu.org/project/plateau-peoples-web-portal-showcase/, jeweils abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren und Learnings:''' &lt;br /&gt;
* Rechte und kulturelle Sensibilität müssen als Bestandteil des Datenmodells behandelt werden und dürfen nicht erst unmittelbar vor einer Veröffentlichung geprüft werden. &lt;br /&gt;
* Sinnvoll sind abgestufte Kategorien wie &lt;br /&gt;
** „nur Metadaten öffentlich“, &lt;br /&gt;
** „öffentliches Nutzungsdigitalisat“, &lt;br /&gt;
** „Zugang nach Rücksprache“, &lt;br /&gt;
** „beschränkter Gemeinschafts- oder Forschungszugang“, &lt;br /&gt;
** „zeitlich gesperrt“ und &lt;br /&gt;
** „nicht zugänglich“. &lt;br /&gt;
* Mehrere Beschreibungen zu demselben Objekt ermöglichen es außerdem, institutionelle Überlieferung und Selbstbeschreibung nebeneinander nachvollziehbar zu dokumentieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.5.7 Indigitization – zentrale Unterstützung für dezentrale Digitalisierung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Indigitization unterstützt First Nations und weitere indigene Gemeinschaften in British Columbia in Kanada. Das Programm wird gemeinsam von indigenen Organisationen, Bibliotheken, Archiven und Hochschulen getragen. Es stellt einen Werkzeugkasten, Schulungen, Musterunterlagen, technische Beratung und Förderhilfen bereit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von 2013 bis 2019 wurden drei Pilotprojekte und 45 weitere Projekte gefördert. Dabei wurden mehr als 11.000 Audiokassetten digitalisiert. Die Digitalisierung erfolgte in den Gemeinschaften; eine allgemeine Veröffentlichung war nicht zwingend. Das frühere Förderprogramm für Audiokassetten befindet sich inzwischen allerdings in einer Pause.&amp;lt;ref name=&amp;quot;vergleich_indigitization&amp;quot;&amp;gt;Indigitization o. J.: About Us. URL: https://www.indigitization.ca/about-2/; Indigitization Toolkit. URL: https://www.indigitization.ca/toolkit/; Audio Cassette Digitization Grant. URL: https://www.indigitization.ca/funding/audio-cassette-grant/, jeweils abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren und Learnings:''' &lt;br /&gt;
* Zentral bereitgestellte Kompetenz lässt sich mit dezentraler Verantwortung verbinden. &lt;br /&gt;
* Ein Digitalisierungszentrum oder ein Verbund gemeinsamer Dienste kann Schulungen, Leih- und Mobiltechnik, Qualitätsprüfung, Rahmenverträge, Musterunterlagen, Beratung und Kleinprojektförderung anbieten. &lt;br /&gt;
* Originale, lokales Wissen und kulturelle Beziehungen können grundsätzlich bei den jeweiligen Kulturgutträgern verbleiben. &lt;br /&gt;
* Damit nach Abschluss einzelner Digitalisierungsprojekte keine ungesicherten Dateien zurückbleiben, sollte jedoch von Beginn an ein gemeinsames oder verbindlich angebundenes Repositorium beziehungsweise digitales Archiv vorgesehen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.5.8 Tabellarische Zusammenfassungen der Beispiele anderer Kulturen und Regionen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tabellarische Übersichten und Zusammenfassungen aller untersuchten Beispiele anderer Kulturen und Regionen befinden sich im Anhang [[12.3.A1 Vergleichende Recherche – Digitalisierung des Kulturerbes anderer Kulturen und Regionen#E. Vergleichsmatrix|in Abschnitt E. Vergleichsmatrix]] unter &lt;br /&gt;
* [[12.3.A1 Vergleichende Recherche – Digitalisierung des Kulturerbes anderer Kulturen und Regionen#E.1 Funktionen, Architektur und Standards|E.1 Funktionen, Architektur und Standards]] und&lt;br /&gt;
* [[12.3.A1 Vergleichende Recherche – Digitalisierung des Kulturerbes anderer Kulturen und Regionen#E.2 Governance, Finanzierung, Erfolg und Übertragbarkeit|E.2 Governance, Finanzierung, Erfolg und Übertragbarkeit]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Zusammenfassung der übergreifenden Erfolgsfaktoren aus den Beispielen befindet sich im Anhang [[12.3.A1 Vergleichende Recherche – Digitalisierung des Kulturerbes anderer Kulturen und Regionen#F. Übergreifende Erfolgsfaktoren|in Abschnitt F. Übergreifende Erfolgsfaktoren]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.5.9 Schlussverdichtung: vier Funktionen, sechs Handlungsfelder und drei Prioritäten ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus den untersuchten Beispielen lässt sich kein einzelnes Projekt und kein bestimmtes Softwaresystem ableiten, das unverändert übernommen werden könnte. Die wichtigsten Erkenntnisse lassen sich jedoch in drei Fragen ordnen:&lt;br /&gt;
* '''Was muss aufgebaut werden?''' – vier miteinander verbundene Funktionen,&lt;br /&gt;
* '''Worauf kommt es beim Aufbau an?''' – sechs Handlungsfelder,&lt;br /&gt;
* '''In welcher Reihenfolge sollte vorgegangen werden?''' – drei Prioritätsstufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Vier Funktionen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot; style=&amp;quot;width:100%;&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Funktion&lt;br /&gt;
! Leitfrage&lt;br /&gt;
! Kernaufgabe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''1. Register für Kulturdaten'''&lt;br /&gt;
| Was ist vorhanden und was sollte zuerst bearbeitet werden?&lt;br /&gt;
| Kulturgüter, Sammlungen und digitale Bestände nachweisen, Standorte und verantwortliche Träger benennen, Rechte- und Digitalisierungsstatus dokumentieren und Prioritäten unterstützen. Das Register muss nicht alle Dateien selbst speichern.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''2. Digitalisierungszentrum / Digitalisierungsdienste'''&lt;br /&gt;
| Wie werden Kulturgüter qualitätsgesichert digitalisiert?&lt;br /&gt;
| Kulturgutträger beraten, Bestände bewerten, Digitalisierung vorbereiten oder durchführen, Metadaten erfassen, die Qualität prüfen und Dateien für die Übergabe an ein Repositorium vorbereiten.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''3. Repositorium / digitales Langzeitarchiv'''&lt;br /&gt;
| Wie bleiben Dateien und Metadaten dauerhaft erhalten?&lt;br /&gt;
| Erhaltungsgeeignete Masterdateien und Metadaten übernehmen, ihre Unversehrtheit prüfen, Sicherungskopien vorhalten und spätere Format- oder Systemwechsel ermöglichen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''4. Präsentations- und Nutzungssysteme'''&lt;br /&gt;
| Wie werden freigegebene Inhalte zugänglich und nutzbar?&lt;br /&gt;
| Inhalte mehrsprachig und verständlich vermitteln, zitierbar machen und – soweit rechtlich und kulturell zulässig – für Bildung, Forschung und kulturelle Nachnutzung bereitstellen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die vier Funktionen müssen über gemeinsame Standards und geregelte Übergaben miteinander verbunden sein. Sie müssen jedoch nicht zwingend von vier verschiedenen Einrichtungen betrieben werden. Entscheidend ist, dass für jede Funktion Auftrag, Verantwortung, Finanzierung und Qualitätsanforderungen eindeutig benannt sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Drei Prioritäten und sechs Handlungsfelder ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot; style=&amp;quot;width:100%;&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Priorität&lt;br /&gt;
! Handlungsfeld&lt;br /&gt;
! Verdichtete Erfolgsfaktoren und Learnings&lt;br /&gt;
! Besonders betroffene Funktionen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Prio 1) &amp;lt;br&amp;gt; Rahmen festlegen'''&lt;br /&gt;
| '''1. Gemeinsam entscheiden und Zugänge regeln'''&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* Angehörige der Gemeinschaft und die jeweiligen Kulturgutträger benötigen festgelegte Entscheidungsrechte bei Auswahl, Beschreibung, Priorisierung und Veröffentlichung.&lt;br /&gt;
* Rechte und kulturelle Sensibilität müssen von Anfang an berücksichtigt werden. Zwischen frei zugänglichen, eingeschränkt zugänglichen und nicht öffentlichen Inhalten muss unterschieden werden können.&lt;br /&gt;
| Alle vier Funktionen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Prio 1) &amp;lt;br&amp;gt; Rahmen festlegen'''&lt;br /&gt;
| '''2. Dauerbetrieb und Finanzierung sichern'''&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* Für jede Funktion muss früh feststehen, wer sie nach dem Ende einer Projektförderung dauerhaft betreibt, pflegt und finanziert.&lt;br /&gt;
* Projektmittel können Aufbau und Erprobung ermöglichen, ersetzen aber keine dauerhafte Finanzierung von Personal, Technik, Speicher, Beratung, Datenpflege und späteren Systemwechseln.&lt;br /&gt;
| Alle vier Funktionen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Prio 1) &amp;lt;br&amp;gt; Rahmen festlegen'''&lt;br /&gt;
| '''3. Standards und Langzeiterhaltung festlegen'''&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* Ein gemeinsamer Metadaten-, Sprach- und Qualitätskern muss die beteiligten Einrichtungen und Systeme verbinden.&lt;br /&gt;
* Mehrere Sprachen und Sprachvarianten müssen als eigenständige Datenwerte berücksichtigt werden und dürfen nicht nur als Übersetzungen der Benutzeroberfläche behandelt werden.&lt;br /&gt;
* Kein Digitalisat sollte ohne festgelegtes Zielrepositorium, geeignete Dateiformate, Sicherungskonzept und späteren Migrationsweg erzeugt werden.&lt;br /&gt;
| Vor allem Register, Digitalisierungsdienste und Repositorium&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Prio 2) &amp;lt;br&amp;gt; Erproben und aufbauen'''&lt;br /&gt;
| '''4. Bestände priorisieren und die vollständige Kette pilotieren'''&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* Bestände sollten nach Gefährdung, kultureller Bedeutung, Nutzungspotenzial, Rechteklarheit und Aufwand priorisiert werden.&lt;br /&gt;
* Pilotprojekte sollten nicht nur einzelne Dateien erzeugen, sondern den gesamten Weg vom Register über Rechteklärung und Digitalisierung bis zur Archivierung und Präsentation erproben.&lt;br /&gt;
* Zeit, Kosten, Qualitätsprobleme und offene Zuständigkeiten müssen dabei dokumentiert werden.&lt;br /&gt;
| Alle vier Funktionen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Prio 2) &amp;lt;br&amp;gt; Erproben und aufbauen'''&lt;br /&gt;
| '''5. Zentral unterstützen und dezentral verantworten'''&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* Gemeinsame Stellen sollten Beratung, Schulung, Digitalisierungstechnik, Rechtehilfe, Qualitätskontrolle und Langzeiterhaltung anbieten.&lt;br /&gt;
* Originale, lokales Wissen und kulturelle Entscheidungen können grundsätzlich bei den jeweiligen Kulturgutträgern verbleiben.&lt;br /&gt;
* Kleine und große Einrichtungen benötigen unterschiedliche Anschlusswege an die gemeinsame Infrastruktur.&lt;br /&gt;
| Vor allem Register, Digitalisierungsdienste und Repositorium&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Prio 3) &amp;lt;br&amp;gt; Auf gesicherter Grundlage ausbauen'''&lt;br /&gt;
| '''6. Mehrsprachig vermitteln, Nachnutzung ermöglichen und Wirkung prüfen'''&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* Digitale Inhalte benötigen verständliche kulturelle und historische Kontexte; die bloße Anzeige einer Datei genügt nicht.&lt;br /&gt;
* Präsentation, Download, Zitation und technische Nachnutzung sollten ermöglicht werden, soweit Rechte und kulturelle Interessen dies zulassen.&lt;br /&gt;
* Erfolg sollte nicht nur anhand veröffentlichter Objekte und Seitenaufrufe, sondern auch anhand von Bildungsnutzung, Forschung, Datenqualität, kultureller Nachnutzung und Rückmeldungen der Gemeinschaft bewertet werden.&lt;br /&gt;
| Vor allem Präsentationssysteme sowie die Datenlieferung aus Register und Repositorium&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die dritte Prioritätsstufe ist nicht weniger wichtig als die ersten beiden. Präsentation und Nutzung sind ein wesentliches Ziel der Digitalisierung und sollten bereits in Pilotprojekten erprobt werden. Ein breiter Ausbau sollte jedoch erst erfolgen, wenn Zuständigkeiten, Rechte, Standards, Archivierung und dauerhafter Betrieb ausreichend gesichert sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusammengefasst gilt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:''Erst gemeinsam entscheiden, Finanzierung und Standards sichern; dann Bestände priorisieren, die vollständige Kette erproben und die Kulturgutträger unterstützen; erst danach Präsentation und Nachnutzung breit ausbauen.''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiterführende '''Hinweise und Empfehlungen zu einem möglichen Vorgehen sowie zeitlichen und inhaltlichen Prioritäten''' befinden sich im Anhang [[12.3.A1 Vergleichende Recherche – Digitalisierung des Kulturerbes anderer Kulturen und Regionen#G.2 Was zentral, dezentral und gemeinsam organisiert werden sollte|im Abschnitt &amp;quot;Priorisierte Schlussfolgerung&amp;quot; von G2 bis G9]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein ausführliches '''Prüfraster zur Bewertung des jeweiligen Entwicklungsstandes''' befindet sich [[12.3.A1 Vergleichende Recherche – Digitalisierung des Kulturerbes anderer Kulturen und Regionen#Prioritäten und Prüfkriterien für den Aufbau|Anhang in der vergleichenden Recherche]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Referenzen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Měrko Šenk</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://koncept.serbski-inkubator.de/index.php?title=12.3_Digitalisierung_des_Kulturerbes&amp;diff=1079</id>
		<title>12.3 Digitalisierung des Kulturerbes</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://koncept.serbski-inkubator.de/index.php?title=12.3_Digitalisierung_des_Kulturerbes&amp;diff=1079"/>
		<updated>2026-07-22T14:42:31Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Měrko Šenk: /* Drei Prioritäten und sechs Handlungsfelder */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;= 1 Einleitung =&lt;br /&gt;
Die Digitalisierung von sorbischem Kulturerbe ist eine historische Chance für uns Sorben, eine Chance, unser kulturelles Erbe neu zu entdecken, es für kommende Generationen zu erhalten, für eine breitere Öffentlichkeit zugänglich zu machen und dabei die eigene Deutungshoheit zu stärken. Das erfordert neben Mut, einer klaren gemeinsamen Vision, starker Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Akteuren auch die notwendigen Ressourcen in Form von Personal mit entsprechenden Kompetenzen, passender Technik sowie einer nachhaltig gesicherten Finanzierung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im folgenden Abschnitt werden Zielbilder für die Digitalisierung des sorbischen Kulturerbes entworfen mittels lang- und kurzfristiger Visionen sowie konkreter Ziele.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 1.1 Visionen und Ziele für die sorbische digitale Welt ==&lt;br /&gt;
'''Vision 2035'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
''Sorbisches materielles und immaterielles Kulturerbe ist systematisch digital erfasst, rechtssicher und langfristig gesichert, leicht auffindbar, offen nutzbar und wird aktiv von Interessierten genutzt.''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Konkrete Ziele'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bis 2032 ist ein tragfähiges, finanziell und organisatorisch abgesichertes Modell etabliert, das:&lt;br /&gt;
* Ein zentrales (oder föderiertes) digitales Langzeitarchiv nach OAIS-Referenzmodell betreibt,&lt;br /&gt;
* klare Zuständigkeiten, Prozesse und Budgets definiert,&lt;br /&gt;
* regelmäßige Qualitätssicherung und Technik-Updates vorsieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis 2030 sind wichtige sorbische Kulturerbe-Bestände (Kernbestände nach fachlicher Festlegung) in hoher Qualität digitalisiert, beschrieben und im Langzeitarchiv gesichert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis 2028 liegt eine institutionenübergreifende Übersicht über relevante Kulturerbe-Bestände (analog und digital, materiell und immateriell) vor, einschließlich einer Prioritätenliste für die Digitalisierung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis 2028 existiert ein zentrales, nutzerfreundliches „Sorbisches Kulturerbe-Portal“, das:&lt;br /&gt;
* Suchzugang über alle teilnehmenden Institutionen ermöglicht,&lt;br /&gt;
* grundlegende Inhalte frei zugänglich bereitstellt,&lt;br /&gt;
* mehrsprachige Oberflächen anbietet (Deutsch, Obersorbisch, Niedersorbisch, Englisch).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= 2 IST-Analyse „Digitalisierung von Kulturerbe“ =&lt;br /&gt;
Das Ziel in diesem Themenbereich ist es, sorbisches Kulturerbe digital zu verwalten und damit langfristig für Recherche, Nutzung und Präsentation vorzuhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Abschnitt &amp;quot;IST-Analyse“ werden die folgenden Fragen beantwortet: Was ist sorbisches Kulturerbe und was zählt alles dazu? Welche Schritte durchläuft ein Kulturgut, um zum digitalen Kulturerbe zu gehören? Wie können die digitale Verwaltung, Archivierung, Nutzung und Präsentation von Kulturgütern umgesetzt werden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die grundlegenden Terminologien des Kulturerbes sollen im Folgenden festgelegt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2.1 Terminologie – von Kultur zu Kulturerbe ==&lt;br /&gt;
In diesem Abschnitt werden die Begriffe rund um das Kulturerbe grundlegend definiert. Es soll ein Verständnis über die Begriffe Kultur, kulturelle Ausprägung, Kulturgut und Kulturerbe erreicht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K1.png|center|260px]]&amp;lt;ref&amp;gt;Mermaid Flowchart Code: [https://mermaid.live/edit#pako:eNpF0UtuwyAQBuCroFlaTuRHTGMvKuWxq7pqV627IGZso2CIMChtk9ymN-nFimmasmJGfP-AOEGjOUIFrdTHpmfGkudtrWpF_Fq9RtGDk9aZKHojU-_aJ7PZ_bmGgSnR4mgFejaKpidC1XAmq8zDfYAoJZKVG7lxzX5stRl81C0_uwYdheGEubHD4_dXLy1hcpyC1rcLdM4GOLH1Ve2E5Gj9TPLkhgEnsLkBNDsMAmLojOBQWeMwhgHNwKYSTuFBYHucbOW3HFvmcQ21unh2YOpF6-FPGu26HqrW381X7sCZxa1gnWH_R1BxNBvtlIUqTUMEVCd49xVdzpeLMs1pXmRFXiY0hg-o8iyZL_LFXZaVSTJ1LzF8hqHJnBZ5WhZLWt5RmtIsBuTCavP4-2Hh3y4_NXaMmw hier klicken], abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.1 Kultur ===&lt;br /&gt;
Kultur bezeichnet hier die Gesamtheit aller '''vom Menschen geschaffenen und erlernten Ausdrucksformen''' des Lebens, die auf gemeinsamen Werten und Verhaltensweisen beruhen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;wiki-kultur&amp;quot;&amp;gt;URL: https://de.wikipedia.org/wiki/Kultur&amp;lt;/ref&amp;gt; Dazu zählen '''materielle Ergebnisse''' (z. B. Kunstwerke, Technik) ebenso wie '''immaterielle Praktiken''' (Sprache, Bräuche, Wissen). Kultur umfasst laut der UNESCO geistige, materielle, intellektuelle und emotionale Merkmale, die eine Gesellschaft oder soziale Gruppe kennzeichnen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mondiacult&amp;quot;&amp;gt;UNESCO 1982: Mexico City Declaration on Cultural Policies (MONDIACULT). URL: https://www.lacult.unesco.org/docc/1982_MONDIACULT.pdf&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;ref name=&amp;quot;cultureaction&amp;quot;&amp;gt;Culture Action Europe 2024: The State of Culture report. URL: https://cultureactioneurope.org/de/news/the-state-of-culture-report-published, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;  Sie ist dynamisch und wird von jeder Generation neu gestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das deutsche Wort „Kultur“ ist eine Eindeutschung des lateinischen Worts „cultura“. Dieses bedeutet ursprünglich „Bebauung, Bearbeitung, Bestellung, Pflege“ und meinte sowohl die physische Bearbeitung als auch die Pflege geistiger Güter, z. B. der Sprache.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.2 Kulturelle Ausdrucksform ===&lt;br /&gt;
Eine kulturelle Ausdrucksform ist eine '''konkrete, gegenwärtige oder historische, Manifestation von Kultur''', bspw. eine Zeichnung, eine Tracht oder ein Lied: Sie macht die Kultur sichtbar und erlebbar. Im engeren Sinne ist es eine Ausdrucksweise, die aus der Kreativität einer Person, Gruppe oder Gesellschaft entsteht und '''kulturellen Inhalt''' trägt (symbolische Bedeutung, künstlerische Dimension, kulturelle Werte).&amp;lt;ref&amp;gt;Österreichische UNESCO-Kommission 2007: Übereinkommen zum Schutz und zur Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen, Art. 4, Seite 13. URL: https://www.unesco.at/fileadmin/Redaktion/Publikationen/Publikations-Dokumente/2005er_UNESCO-Convention_German.pdf, abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt; Sie wird innerhalb und zwischen Gemeinschaften weitergegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle kulturellen Ausdrucksformen bilden einen wesentlichen Kern von Kultur, aber Kultur enthält auch latente Dimensionen (Werte, Normen, Vorannahmen etc.), die nicht unmittelbar als Ausdrucksform erscheinen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.3 Kulturgut ===&lt;br /&gt;
Ein „Kulturgut“ ist '''eine einzelne kulturelle Ausdrucksform''', der ein '''besonderer kultureller Wert zugemessen wird''' (durch Anerkennung, Schutz, Bedeutung). Es ist somit ein Erzeugnis menschlicher Kreativität oder Zeugnis menschlichen Lebens, welches '''Bedeutung für die Kultur einer Gemeinschaft''' hat und daher '''Bestand haben und bewahrt werden soll'''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die '''Summe aller Kulturgüter''' einer Gemeinschaft wird als dessen '''Kulturerbe''' bezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.4 Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
Kulturerbe ist die '''Summe der materiellen und immateriellen Ausdrucksformen''' (= Kulturgüter) einer Kultur, die als „'''bewahrenswert'''“ anerkannt wurden. International umfasst das u. a. das '''Welterbe''' (Denkmäler, Ensembles, Stätten)&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO (1972), Welterbekonvention, Art. 1. URL: https://www.dnk.de/wp-content/uploads/2021/02/1972_DNK_UNESCO-Welterbekonvention.pdf (abgerufen am 11.09.2025).&amp;lt;/ref&amp;gt; und das '''Immaterielles Kulturerbe''' (Praktiken, Wissen).&amp;lt;ref&amp;gt;Deutsche UNESCO-Kommission o. J.:, Übereinkommen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes (dt. Ausgabe). URL: https://www.unesco.de/assets/dokumente/Deutsche_UNESCO-Kommission/02_Publikationen/Publikation_UNESCO-%C3%9Cbereinkommen_zur_Erhaltung_des_immateriellen_Kulturerbes_01.pdf, (abgerufen am 11.09.2025).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ob etwas „zum Kulturerbe“ zählt, ist Ergebnis von Bewertung, Diskurs und teils formellen Verfahren. Dem Sorbischen Kulturregister (SKR) zufolge ist „sorbisch-wendisches Kulturerbe“ eine Zuschreibung, die durch Gesellschaft, Museen, Archive und Wissenschaft erfolgen kann.&amp;lt;ref&amp;gt;Sorbisches Institut 2025: Konzept für ein Sorbisches Kulturregister (SKR). URL: https://www.serbski-institut.de/wp-content/uploads/2021/11/00_Zweite-aktualisierte-Fassung_Konzept_Sorbisches-Kulturregister_20.11.2025.pdf, abgerufen am 20.11.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.5 Abgrenzung: Kultur und Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
'''Kultur / Kulturelle Ausdrucksform''' sind als Begriffe weiter gefasst als '''Kulturgut / Kulturerbe'''. Kulturelle Ausdrucksformen umfassen alles Gelebte und Gestaltete einer Gemeinschaft in Gegenwart und Vergangenheit, während Kulturgut / Kulturerbe diejenigen kulturellen Güter und Traditionen meint, denen eine Bedeutung beigemessen wurde und die als bewahrens- und weitergebenswert erkannt wurden. Kultur ist der „aktuelle“ kreative Prozess (einschließlich Popkultur, Alltagskultur), Kulturerbe der daraus überkommene Schatz. Dennoch sind die Grenzen fließend: Was heute nur Kultur ist, kann morgen zum Kulturerbe erklärt werden – abhängig von Wertzuschreibung und Diskurs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Rahmen dieses Dokuments werden für den sorbischen Kontext die Begriffe '''„kulturelle Ausdrucksform“''' und '''„Kulturgut“''' weitgehend '''synonym''' verwendet, sofern nicht ausdrücklich anders gekennzeichnet. Hintergrund ist, dass die Gesamtzahl der identifizierbaren kulturellen Ausdrucksformen einer kleinen Minderheit wie der Sorben/Wenden im Vergleich zu großen Mehrheitsgesellschaften überschaubar ist. Zugleich ist der Anteil dieser Ausdrucksformen, denen in der Community ein besonderer Wert beigemessen wird und die daher faktisch als Kulturgut wahrgenommen und behandelt werden, sehr hoch: Ein großer Teil des gelebten kulturellen Repertoires wird als identitätsstiftend und bewahrenswert verstanden und damit dem Kulturerbe zugerechnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2.2 Klassifizierung von Kulturgütern ==&lt;br /&gt;
Im Folgenden soll eine griffige Klassifizierung von Kulturgütern entwickelt werden, so dass pro Kulturgut-Klasse später auf die Besonderheiten ihrer Digitalisierung eingegangen werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K2.png|center|600px]]&amp;lt;ref&amp;gt;Mermaid Flowchart Code: [https://mermaid.live/edit#pako:eNptlM9u00AQxl9ltFWoFDlp_C9OjISU2KSgUCq1BSRIDxt77Syxd6v1mkKjSDwBlThw4YCEeuXOoeLSN-EF4BHYjZOQQG67-32_2ZnZsWco4jFBPqrVZpRR6cNsP8n4ZTTBQu7rHVP66QWOKEvV3nQM2BeYTf8eea35fF6rjdiIrUl4cjJiAMPDV_X6sMxkKdJS1uvnvu9PtRGgp5ReE46wJIKSLIOf779CycbkkqQZjSb1Ovz-cv351_drDWGN9BXS_xfZBj7dLoGxBgIFBE14nOcrZGH68E07Iu0IlSNsQkhTKnGlfvyh1bjKcngIjcYD6G2s-xvrYGMdLuuqAFOXZ0IflzFh0xxn5OBU3t1ISZhqw6KaKpo29k04jSaCJrLq0oZsa9mCAZc8FTihhBnQp1ksxd1NSsS22dFmG3oMZzwl0HveONtlc7XNATtsHI9fk6kkC3nRsKoqnVNgwrFQaUOvLGJRRtMi4SJfZ790WtppQYhFIVV7CYsJDO9uWbEMujbqOgIbTqgsddB7MCD_eXT6gQMvaFEQBlclPMVqcA6eMfqGiKLMt926isCFM4FjKiln-voCHmEWXxIxXZcUVo-jSwrVe3DBGvHqtc83DLqS0FpNAi3wRluiDBdFSBIYQ0KzzN_r265jPjQinnHh7yVJYhRS8ClZKfe3KLyk2oHneuEuqlK2qWhJWYPOwGnvoiplm4qXVMd17V5rF1UpikIGSgWNkS9FSQyUE5FjvUUzHXGE5ITkZIR8tYxJgtVXPEIjNlfYBWYvOc9XpOBlOkF-grNC7cqLWPUupFjNa74-FXo0RMBLJpFvWtYiCPJn6C3yG7bTNO2u6Tidrue0W13HQO_Usdtquuqg1bG6TtvzPNuZG-hqcXGr2baV5NhuyzId13XbBiJqDrg4qn5ni7_a_A_W9oMu hier klicken], abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.1 A. Materiell - unbeweglich 🏛️ ===&lt;br /&gt;
„Materiell - unbeweglich&amp;quot; bezeichnet ortsfeste Kulturobjekte wie Bauwerke, Ensembles, Gebäudekomplexe und Stätten/Kulturlandschaften, wie sie in Art. 1 der UNESCO-Welterbekonvention als Kategorien des kulturellen Erbes definiert sind.&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO World Heritage Centre o. J.: Convention Concerning the Protection of the World Cultural and Natural Heritage, Artikel 1. URL: https://whc.unesco.org/en/conventiontext/, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.2 B. Materiell - beweglich 🖼️ ===&lt;br /&gt;
Die Kategorie „Materiell - beweglich&amp;quot; umfasst bewegliche Sachen bzw. Sachgesamtheiten von kulturellem Wert (z. B. Objekte, Sammlungen), wie sie das deutsche Kulturgutschutzgesetz (§ 2 KGSG)&amp;lt;ref&amp;gt;Deutschland 2016: Kulturgutschutzgesetz (KGSG), § 2. URL: https://www.buzer.de/2_KGSG.htm, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt; als „Kulturgut“ beschreibt.&lt;br /&gt;
* B1 '''Schriftgut''' - Bücher, Zeitungen, Handschriften, Archivgut, Graphiken, Pläne, Karten&lt;br /&gt;
* B2 '''Fotografien &amp;amp; Bildträger''' &lt;br /&gt;
** Fotografisch erzeugte statische Bildträger, auch Stillbildträger genannt, z. B. Positive/Negative auf Film/Platte/Photopapier, Dias, Abzüge, Mikrofilm/-fiche und vergleichbare fotografische Repro-Träger.&lt;br /&gt;
* B3 '''Analoge AV-Träger''' (Audio/Video/Film)&lt;br /&gt;
** Analoge zeitbasierte Medien, z. B. Magnetton (Tonband, Kassette), Schallplatte, Videobänder, Film.&lt;br /&gt;
* B4 '''3D-Objekte''' - Gegenstände, „sachkulturelle Artefakte“&amp;lt;ref&amp;gt;Sorbisches Institut o. J.: Konzept zum Digitalisierungszentrum am Sorbischen Institut, S. 24.&lt;br /&gt;
(Unveröffentlichtes Konzeptpapier; interne Projektunterlage.)&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.3 C. Immateriell 🎭 ===&lt;br /&gt;
Meint lebendige Praktiken, Darstellungen, Ausdrucksformen, Ideen, Werte, Wissen und Fertigkeiten, die von Gemeinschaften getragen und weitergegeben werden, gemäß der folgenden 5 UNESCO ICH-Domänen.&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO o. J.: Intangible Cultural Heritage – Five Domains. URL: https://ich.unesco.org/doc/src/01857-EN.pdf, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* C1 '''Orale Traditionen/Ausdrucksformen''' - Sprache, Gesangstraditionen&lt;br /&gt;
* C2 '''Darstellende Künste''' - Musik, Tanz, Theater&lt;br /&gt;
* C3 '''Rituale &amp;amp; Feste''' - Bräuche und soziale Praktiken des Kalenders und Lebenslaufs&lt;br /&gt;
* C4 '''Wissen &amp;amp; Praktiken''' zu Natur &amp;amp; Universum - Heil- und Sammelkenntnisse, ökologisches und astronomisches Wissen, Glaube, Religion&lt;br /&gt;
* C5 '''Traditionelles Handwerk''' - Techniken, Werkzeuge und Gestaltungsmuster&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.4 D. Digital 💾 ===&lt;br /&gt;
Bezeichnet in digitaler Form vorliegende Ressourcen menschlichen Wissens und Ausdrucks. Diese können sowohl born-digital sein als auch digitalisierte Repräsentationen von materiellen und immateriellen Kulturgütern.&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO 2003: Charter on the Preservation of Digital Heritage. URL: https://www.unesco.org/en/legal-affairs/charter-preservation-digital-heritage, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* D1 '''Born-digital''' (ursprünglich digital erzeugt, kein analoges Original), z. B. Webseiten, Social-Media-Beiträge, Software, Apps, Spiele, digitale Fotos/Audio/Video.&lt;br /&gt;
* D2 '''Digitalisate''' - Digitalisierte Repräsentationen/Derivate aus den Klassen A, B und C.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2.3 Begriffe und Funktionsbausteine der Kulturerbe-Digitalisierung ==&lt;br /&gt;
Die vorherigen Abschnitte haben geklärt, was unter Kulturerbe verstanden wird und welche Arten von Kulturgütern unterschieden werden. Bevor der nachfolgende Abschnitt den Prozess der Kulturerbe-Digitalisierung beschreibt, werden in diesem Abschnitt die dafür wichtigsten Arbeitsbegriffe und Funktionen erläutert. Der Abschnitt soll dabei die Frage beantworten: Welche Arbeitsabläufe und Funktionen sind notwendig, damit Kulturgüter nicht nur digital erfasst, sondern auch gefunden, verstanden, gesichert und genutzt werden können?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erläuterungen sollen eine gemeinsame und leicht verständliche Grundlage schaffen für alle, die an der Digitalisierung von Kulturerbe interessiert sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.3.1 Vom Kulturgut zur digitalen Repräsentation ===&lt;br /&gt;
Dieser Abschnitt erklärt, was bei einer Digitalisierung entsteht und wie sich das digitale Ergebnis vom ursprünglichen Kulturgut unterscheidet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Begriff&lt;br /&gt;
! Erklärung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Digitalisierung von Kulturerbe'''&lt;br /&gt;
| Digitalisierung bezeichnet in diesem Konzept den gesamten zusammenhängenden Prozess: Kulturgüter erfassen, beschreiben und bewerten, digitale Repräsentationen erzeugen oder übernehmen, ihre Qualität prüfen, sie sichern und für die Nutzung zugänglich machen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;DFG2016&amp;quot;&amp;gt;Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) 2016: Praxisregeln „Digitalisierung“, insbesondere S. 13 und 41-44. URL: https://www.dfg.de/resource/blob/176108/898bf3574ad0ff3b1db525fa7d04c86c/12-151-v1216-de-data.pdf, abgerufen am 16.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bei ursprünglich digital entstandenen Kulturgütern – auch ''born digital'' genannt – entfällt die Überführung aus einem analogen Original; die weiteren Aufgaben bleiben bestehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Digitalisat und digitale Repräsentation'''&lt;br /&gt;
| Ein '''Digitalisat''' ist ein digitales Abbild eines analogen Kulturguts, beispielsweise ein Scan einer Handschrift oder ein Foto eines Museumsobjekts. Der weitere Begriff '''digitale Repräsentation''' umfasst auch Audio-, Video- oder 3D-Dokumentationen einer immateriellen kulturellen Praxis. Die digitale Repräsentation ersetzt weder das materielle Kulturgut noch die lebendige Praxis.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Masterdatei und Nutzungsderivat'''&lt;br /&gt;
| Die '''Masterdatei''' ist die möglichst hochwertige und qualitätsgeprüfte Ausgangsdatei. Sie wird für die langfristige Sicherung und spätere Bearbeitungen aufbewahrt. Ein '''Nutzungsderivat''' ist eine daraus erzeugte, an einen bestimmten Zweck angepasste Datei, beispielsweise ein kleineres Bild für eine Internetseite.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Digitales Objekt'''&lt;br /&gt;
| Als '''digitales Objekt''' wird in diesem Konzept eine zusammengehörige digitale Einheit bezeichnet. Sie kann aus einer oder mehreren Dateien, den zugehörigen Metadaten und ihren Verknüpfungen bestehen. Ein digitales Objekt kann ein Digitalisat oder ein ursprünglich digital entstandenes Kulturgut sein.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
''Beispiel:'' Das verzierte sorbische Osterei bleibt das materielle Kulturgut. Hochauflösende Fotografien, ein 3D-Modell und die dazugehörigen Beschreibungen bilden gemeinsam seine digitale Repräsentation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.3.2 Funktionsbausteine und ihr Zusammenspiel ===&lt;br /&gt;
Die folgende Tabelle erläutert die grundlegenden Funktionen bei der Digitalisierung von Kulturerbe, unabhängig von konkreten Institutionen oder technischen Produkten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Funktionsbaustein&lt;br /&gt;
! Hauptaufgabe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Register oder Katalog'''&lt;br /&gt;
| Weist Kulturgüter nach, beschreibt und verknüpft sie und macht sichtbar, was vorhanden ist, wo es sich befindet und in welchem Zusammenhang es steht. Ein Registereintrag kann bereits bestehen, bevor ein Digitalisat angefertigt wurde.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Digitalisierungsdienst oder Digitalisierungszentrum'''&lt;br /&gt;
| Erzeugt digitale Repräsentationen, bearbeitet und prüft sie und dokumentiert technische Angaben zur Digitalisierung. Es liefert beispielsweise geprüfte Masterdateien und Nutzungsderivate.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Repositorium oder digitales Archiv'''&lt;br /&gt;
| Übernimmt digitale Dateien und Metadaten, speichert und verwaltet sie und sorgt entsprechend seinem Auftrag für ihre Sicherung, Langzeiterhaltung und Bereitstellung.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Präsentations- und Nutzungssystem'''&lt;br /&gt;
| Führt beschreibende Informationen und digitale Medien für Nutzerinnen und Nutzer zusammen. Es ermöglicht beispielsweise Suche, Anzeige, Kontextualisierung, Vermittlung und – soweit zulässig – Nachnutzung.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Bausteine beschreiben zunächst '''Funktionen''' und nicht zwingend getrennte Institutionen oder Systeme. Eine Einrichtung kann mehrere Funktionen übernehmen. Umgekehrt kann eine Funktion auf mehrere Einrichtungen oder technische Systeme verteilt sein. Entscheidend sind klare Zuständigkeiten, verlässliche Übergaben und gemeinsame Standards.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vereinfacht lässt sich das Zusammenspiel so zusammenfassen:&lt;br /&gt;
# Das '''Register oder der Katalog''' beschreibt und verknüpft das Kulturgut.&lt;br /&gt;
# Der '''Digitalisierungsdienst''' erzeugt und prüft seine digitale Repräsentation.&lt;br /&gt;
# Das '''Repositorium oder digitale Archiv''' übernimmt und erhält die Dateien.&lt;br /&gt;
# Das '''Präsentationssystem''' führt Beschreibungen und Medien für die Nutzung zusammen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die konkrete Ausgestaltung kann zentral, dezentral oder als Verbund mehrerer Systeme erfolgen. Welche dieser Funktionen in der sorbischen Welt bereits durch das Sorbische Kulturregister, das Digitalisierungszentrum, Archive, Repositorien und Präsentationsumgebungen erfüllt werden und wo noch Lücken bestehen, wird in der sorbischen IST-Analyse untersucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.3.3 Register: Kulturgüter erfassen, beschreiben und verknüpfen ===&lt;br /&gt;
Die folgende Tabelle erklärt, wie Kulturgüter so beschrieben und bearbeitet werden, dass sie eindeutig zugeordnet, wiedergefunden und nach einheitlichen Regeln weiterverarbeitet werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Begriff&lt;br /&gt;
! Erklärung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Erschließung, Verzeichnung und Registrierung'''&lt;br /&gt;
| '''Erschließung''' ist der übergeordnete Vorgang, bei dem ein Kulturgut identifiziert, beschrieben und in seinen Zusammenhang eingeordnet wird. '''Verzeichnung''' bezeichnet seine strukturierte dokumentarische Beschreibung. '''Registrierung''' bedeutet die Aufnahme in ein konkretes Register, einen Katalog oder ein Sammlungssystem. Ein Kulturgut kann bereits registriert werden, bevor ein Digitalisat vorhanden ist.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Metadaten'''&lt;br /&gt;
| Metadaten sind strukturierte Informationen über ein Kulturgut und seine digitalen Repräsentationen. Dazu gehören beispielsweise Titel, Herkunft, beteiligte Personen, Ort, Zeit, kultureller Kontext, Rechte, Dateieigenschaften und Bearbeitungsschritte. Je nach Zweck werden beschreibende, technische, rechtliche und erhaltungsbezogene Metadaten unterschieden. Sie machen Kulturgüter auffindbar, verständlich, verwaltbar und langfristig nutzbar.&amp;lt;ref name=&amp;quot;PREMIS&amp;quot;&amp;gt;Library of Congress o. J.: PREMIS – Preservation Metadata: Implementation Strategies. Internationaler Standard für Erhaltungsmetadaten. URL: https://www.loc.gov/standards/premis/, abgerufen am 16.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Persistenter Identifikator'''&lt;br /&gt;
| Ein '''persistenter Identifikator''' ist eine dauerhafte und eindeutige Kennung für ein Kulturgut, einen Datensatz oder eine digitale Ressource. Die Kennung bleibt bestehen, auch wenn sich der technische Speicherort oder die Internetadresse ändern. Dadurch können Kulturgüter dauerhaft zitiert und zwischen Systemen verknüpft werden.&amp;lt;ref name=&amp;quot;DFG2016&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Metadaten sind keine bloße Beigabe zu einer Datei. Ohne ausreichende Beschreibungen kann ein Digitalisat zwar technisch vorhanden sein, später aber kaum gefunden, verstanden oder zuverlässig zugeordnet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.3.4 Digitalisierungsdienst und Archiv: Digitalisieren, speichern und langfristig erhalten ===&lt;br /&gt;
Die folgende Tabelle erklärt was erforderlich ist, damit digitale Kulturgüter nicht nur heute gespeichert sind, sondern auch nach technischen und organisatorischen Veränderungen noch gefunden, verstanden und genutzt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Begriff&lt;br /&gt;
! Erklärung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Repositorium'''&lt;br /&gt;
| Ein '''Repositorium''', auch ''Repository'' genannt, ist eine verwaltete technische Umgebung, in der digitale Objekte und ihre Metadaten übernommen, gespeichert, geordnet, verwaltet und bereitgestellt werden. Ein Repositorium kann Teil eines digitalen Archivs sein. Nicht jedes Repositorium erfüllt jedoch automatisch alle Anforderungen der Langzeiterhaltung.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Digitales Archiv oder digitales Langzeitarchiv'''&lt;br /&gt;
| Ein digitales Archiv ist mehr als ein Server oder ein Speicherprogramm. Es verbindet eine verantwortliche Organisation, fachkundiges Personal, Regeln, Arbeitsabläufe und technische Systeme. Es übernimmt die Verantwortung dafür, digitale Informationen langfristig zu erhalten und für festgelegte Nutzergruppen zugänglich zu machen. Das internationale Referenzmodell '''Open Archival Information System''' (OAIS, offenes Archiv-Informationssystem) bietet hierfür einen fachlichen Rahmen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;OAIS2024&amp;quot;&amp;gt;Consultative Committee for Space Data Systems (CCSDS) 2024: Reference Model for an Open Archival Information System (OAIS), CCSDS 650.0-M-3, insbesondere S. 1-1–1-2 und 2-1–2-2. URL: https://ccsds.org/Pubs/650x0m3.pdf, abgerufen am 16.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Ingest oder kontrollierte Übernahme'''&lt;br /&gt;
| '''Ingest''' bezeichnet die kontrollierte Übernahme digitaler Dateien und Metadaten in ein Repositorium oder digitales Archiv. Dabei werden beispielsweise Vollständigkeit, Dateiformate, Metadaten und Dateiintegrität geprüft und die Übernahme dokumentiert.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Langzeitverfügbarkeit und digitale Langzeiterhaltung'''&lt;br /&gt;
| '''Langzeitverfügbarkeit''' ist das Ziel, digitale Inhalte über technische und organisatorische Veränderungen hinweg auffindbar, lesbar, verständlich und nutzbar zu halten. '''Digitale Langzeiterhaltung''' bezeichnet die dafür notwendigen fortlaufenden Maßnahmen. Dazu können mehrere Speicherorte, regelmäßige Prüfungen, Formatüberwachung, technische Migrationen und eine nachvollziehbare Dokumentation gehören. „Langfristig“ bezeichnet dabei keine feste Zahl von Jahren, sondern einen Zeitraum, in dem mit veränderten Technologien, Formaten und Nutzungsanforderungen gerechnet werden muss.&amp;lt;ref name=&amp;quot;OAIS2024&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Datensicherung oder Backup'''&lt;br /&gt;
| Ein '''Backup''' ist eine zusätzliche Sicherungskopie, aus der Dateien nach einem Verlust oder technischen Ausfall wiederhergestellt werden können. Backups sind notwendig, ersetzen aber keine Langzeiterhaltung: Sie regeln allein noch keine dauerhaften Zuständigkeiten, Metadaten, Formatüberwachung, Integritätsprüfungen oder langfristige Zugänglichkeit.&amp;lt;ref name=&amp;quot;DPCStorage&amp;quot;&amp;gt;Digital Preservation Coalition o. J.: Digital Preservation Handbook – Storage. URL: https://www.dpconline.org/handbook/organisational-activities/storage, abgerufen am 16.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Integrität und Authentizität'''&lt;br /&gt;
| '''Integrität''' bedeutet, dass unbeabsichtigte Veränderungen oder Beschädigungen einer Datei erkannt werden können. Dafür werden häufig Prüfsummen verwendet - digitale Kontrollwerte, die regelmäßig verglichen werden. '''Authentizität''' bedeutet, dass Herkunft, Identität und Bearbeitungsgeschichte eines digitalen Objekts nachvollziehbar sind und belegt werden kann, dass es das ist, was es zu sein vorgibt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Dateiformat und Datenformat'''&lt;br /&gt;
| Ein '''Dateiformat''' legt den technischen Aufbau einer einzelnen Datei fest. Ein '''Datenformat''' beschreibt, wie Informationen strukturiert und zwischen Systemen ausgetauscht werden. Gut dokumentierte, verbreitete und möglichst offen beschriebene Formate erleichtern den Austausch und die langfristige Nutzung. Sie ersetzen jedoch keine aktive Langzeiterhaltung.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Merksatz:''' Speichern ist nicht dasselbe wie langfristiges Erhalten. Auch ein vorhandenes Backup ist noch kein digitales Langzeitarchiv.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.3.5 Präsentationssystem: Kulturerbe zugänglich machen und präsentieren ===&lt;br /&gt;
Die folgende Tabelle erklärt, wie aus langfristig gesicherten Dateien ein digitales Kulturerbe wird, das von Menschen gefunden, verstanden und sinnvoll genutzt werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Begriff&lt;br /&gt;
! Erklärung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Zugänglichmachung und Präsentation'''&lt;br /&gt;
| '''Zugänglichmachung''' bedeutet, dass digitale Objekte auffindbar und im rechtlich sowie technisch zulässigen Umfang abrufbar sind. '''Präsentation''' geht darüber hinaus: Inhalte werden ausgewählt, miteinander verknüpft, erklärt und für bestimmte Zielgruppen vermittelt. Dazu gehören verständliche Kontextinformationen, klare Rechteangaben, Mehrsprachigkeit und möglichst barrierearme Zugänge. Abhängig von Rechten, personenbezogenen Daten oder kulturellen Schutzbedarfen kann der Zugang offen oder eingeschränkt sein.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Nutzung und Nachnutzung'''&lt;br /&gt;
| '''Nutzung''' umfasst beispielsweise das Betrachten, Lesen, Anhören, Erforschen oder Vermitteln eines digitalen Kulturguts. '''Nachnutzung''' bedeutet seine weitere Verwendung in einem neuen Zusammenhang, etwa in Bildung, Forschung, Publikationen, Ausstellungen, Anwendungen oder kreativen Werken. Dafür werden geeignete Dateien, verständliche Metadaten und klare Rechteinformationen benötigt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Rechteinformation und Lizenz'''&lt;br /&gt;
| Eine '''Rechteinformation''' beschreibt den rechtlichen Status eines digitalen Objekts und mögliche Einschränkungen seiner Nutzung. Eine '''Lizenz''' räumt durch eine dazu berechtigte Person oder Institution konkrete Nutzungsrechte ein. Ein allgemeiner Rechtehinweis ist daher nicht automatisch eine Lizenz.&amp;lt;ref name=&amp;quot;RightsReuse&amp;quot;&amp;gt;RightsStatements.org o. J.: Standardisierte Rechtehinweise für online verfügbares Kulturerbe. URL: https://rightsstatements.org/de/, abgerufen am 16.07.2026. Creative Commons 2025: Recommended Licenses and Tools for Cultural Heritage Content. URL: https://creativecommons.org/2025/07/09/recommended-licenses-and-tools-for-cultural-heritage-content/, abgerufen am 16.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Interoperabilität'''&lt;br /&gt;
| '''Interoperabilität''' bezeichnet die Fähigkeit von Systemen und Organisationen, Daten auszutauschen und in gleicher Bedeutung zu verstehen. Dafür werden gemeinsame Metadatenmodelle, Begriffe, Identifikatoren und technische Schnittstellen benötigt. So können beispielsweise Register, Repositorien, Präsentationsportale und externe Kulturplattformen miteinander verbunden werden.&amp;lt;ref name=&amp;quot;EuropeanaEDM&amp;quot;&amp;gt;Europeana o. J.: Metadata – Europeana Data Model (EDM, Europeana-Datenmodell). URL: https://pro.europeana.eu/page/metadata, abgerufen am 16.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Digitalisierte Inhalte entfalten ihren kulturellen und gesellschaftlichen Nutzen erst dann vollständig, wenn sie auffindbar, verständlich, rechtlich klar und für unterschiedliche Zielgruppen tatsächlich verwendbar sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der folgende Abschnitt 2.4 beschreibt, wie diese Funktionen innerhalb des gesamten Prozesses der Kulturerbe-Digitalisierung zusammenwirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2.4 Prozess der Digitalisierung von Kulturerbe ==&lt;br /&gt;
Die Digitalisierung von Kulturgut ist kein rein technischer Arbeitsschritt, sondern ein vielschichtiger, oft langfristiger Prozess, der bereits mit der Wahrnehmung und Identifikation einer kulturellen Ausdrucksform beginnt. Ziel dieses Abschnitts ist es, diesen Gesamtprozess systematisch darzustellen: von der gelebten Kultur über das identifizierte Kulturgut bis hin zur digital nutzbaren Repräsentation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die hier entwickelte Prozessdarstellung soll als praxisorientierter Überblick dienen für die Digitalisierung des sorbischen Kulturerbes. Sie berücksichtigt die Anforderungen sorbischer Einrichtungen ebenso wie die international etablierten Referenzmodelle und Standards, darunter:&lt;br /&gt;
* das OAIS-Referenzmodell (ISO 14721) für digitale Archivierung&amp;lt;ref&amp;gt;Consultative Committee for Space Data Systems (CCSDS) 2024: Reference Model for an Open Archival Information System (OAIS), CCSDS 650.0-M-3. URL: https://ccsds.org/Pubs/650x0m3.pdf, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* das DCC Curation Lifecycle Model für kuratorische Entscheidungsprozesse&amp;lt;ref&amp;gt;Higgins 2008: The DCC Curation Lifecycle Model. International Journal of Digital Curation, 3(1), 134-140. URL: https://ijdc.net/index.php/ijdc/article/view/48, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* das Spectrum-Modell für museale Objektverwaltung&amp;lt;ref&amp;gt;Collections Trust 2022. Spectrum 5.1 - The UK Museum Collections Management Standard. URL: https://collectionstrust.org.uk/spectrum/spectrum-5, abgerufen am 01.10.2025. &amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* die UNESCO-Leitlinien zur Inventarisierung immateriellen Kulturerbes&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO 2024: Operational Directives for the Implementation of the Convention for the Safeguarding of the Intangible Cultural Heritage (10.GA). URL: https://ich.unesco.org/doc/src/ICH-Operational_Directives-10.GA_EN.pdf, abgerufen am 01.10.2025. &amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* sowie technische Vorgaben wie die DFG-Praxisregeln Digitalisierung&amp;lt;ref&amp;gt;Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) 2022: Praxisregeln Digitalisierung (aktualisierte Fassung). URL: https://www.ulb.hhu.de/fileadmin/redaktion/ULB/Documents/Infomaterial/DFG_Praxisregeln_Digitalisierung_Aktualisierte_Fassung2022.pdf, abgerufen am 01.10.2025. &amp;lt;/ref&amp;gt; und die FADGI-Richtlinien&amp;lt;ref&amp;gt;Federal Agencies Digital Guidelines Initiative (FADGI) 2023: Technical Guidelines for Digitizing Cultural Heritage Materials – Still Image, 3rd ed. URL: https://www.digitizationguidelines.gov/guidelines/digitize-technical.html, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Folge soll der „Lebenslauf“ eines Kulturguts dargestellt werden, also der Weg, den ein Objekt oder eine kulturelle Praxis vom Zeitpunkt der Entstehung über die Erfassung, Digitalisierung und Archivierung bis zur Veröffentlichung in einem digitalen Präsentationsmodul durchläuft.&lt;br /&gt;
Hierfür erläutert der folgende Abschnitt die einzelnen Prozessschritte im Detail, jeweils mit Akteuren und Beispielen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.4.1 Vorüberlegungen zum Prozess ===&lt;br /&gt;
Im hier vorgestellten Prozess wird auf eine harte, systematische Filterung verzichtet, welche kulturellen Ausdrucksformen „nur“ Kultur und welche bereits Kulturgut sind. Ein solcher Bewertungs- und Abgrenzungsprozess wäre ressourcenintensiv und würde den vorhandenen Kapazitäten in den beteiligten Einrichtungen nicht entsprechen. Stattdessen folgt das Konzept einer inklusiven Logik: Alle dokumentierten Ausdrucksformen werden zunächst als potenzielle Kulturgüter erfasst. Eine feinere Auswahl und Priorisierung erfolgen erst in einem späteren Schritt, nämlich dann, wenn konkret entschieden wird, welche Ausdrucksformen bzw. Kulturgüter in welcher Tiefe digitalisiert, archiviert und präsentiert werden sollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Vorgehen schließt an das SKR-Konzept an, das bewusst auf eine frühe normative Trennung zwischen „kultureller Ausdrucksform“ und „Kulturgut“ verzichtet. Auch hier steht zunächst der möglichst vollständige, strukturierte Überblick über die sorbischen Kulturgüter im Vordergrund. Die differenzierte Bewertung und Schwerpunktsetzung werden als anschließende fachliche Aufgabe verstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.4.2 Prozessschritte im Detail ===&lt;br /&gt;
Das folgende Diagramm gibt einen Überblick über die sechs Kernschritte des Gesamtprozesses der Digitalisierung von Kulturgut – von der ersten Wahrnehmung einer kulturellen Ausdrucksform bis zu ihrer digitalen Präsentation als Kulturgut. Die Abfolge zeigt zugleich die Entwicklungsstufen: von gelebter Kultur zur kulturellen Ausdrucksform, von dort zum Kulturgut und schließlich zum digitalen Kulturgut. Die Schritte sind als generischer Ablauf zu verstehen: Je nach Art des Kulturguts können einzelne Tätigkeiten unterschiedlich aufwendig sein oder parallel erfolgen.&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K3.png|center|600px]]&amp;lt;ref&amp;gt;Mermaid Flowchart Code: [https://mermaid.live/edit#pako:eNplkk1OwzAQha8yGqmbkloxSZs2CyTa8LOphIAVhIVJpolF4iDH4a_qbXqTXgzHFdAKr2y97703lmaNWZMTxriqmvesFNrAfZIqgPPHFIdDzuBO1DVVajhM8QlGozOYO-WUwS0VsjVakqa93Pvmjlk4JmAwp3fS5kCHwQAWjkkcE_Y5WWkIXqrd9jBpT138UIkspBGVbI_7-rwLR146csLgRryQ-U8lMGLwTG1WapLPpHKCZQLMOY9ch7m2VxiSpOAEjJ1TSev_M_bkvv3KtY8ZnOuslG_H9VcOuf4dUO-2LamjGdHDQsscY6M78rAmXYv-ies-IEVTUk0pxvaa00p0lUkxVRtrexXqoWnqH6duuqLEeCWq1r6619zOn0hRaPGH9J_Xi6ZTBuOxS8B4jR8YhxGLeDThkR-EM37KuYefFmHTaOz7fOZHQTidBMHGwy9X6VslnNnDw4jPuB8GHlIuTaOX-7Vy27X5Bh_Osqo hier klicken], abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Prozess zeigt, dass Digitalisierung von Kulturgut mehr ist als das Erstellen digitaler Dateien. Sie umfasst eine Reihe aufeinander bezogener Schritte – von der ersten Wahrnehmung einer kulturellen Ausdrucksform über ihre Erfassung, Bewertung und Digitalisierung bis hin zur langfristigen Sicherung und Präsentation. Dabei sind je nach Schritt unterschiedliche Akteure beteiligt, etwa Gemeinschaften, Museen, Archive, Fachgremien, Digitalisierungsstellen oder IT. Die folgenden Beschreibungen erläutern diese Schritte so, dass nachvollziehbar wird, was jeweils mit einem Kulturgut geschieht, wer daran beteiligt ist und wie sich der Ablauf in der Praxis vorstellen lässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''1. Sammeln &amp;amp; erfassen''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Hier wird eine kulturelle Ausdrucksform erstmals wahrgenommen, benannt und mit ersten Informationen erfasst: Was ist es, wer macht es oder hat es geschaffen, wo kommt es vor, warum ist es bedeutsam für die Gemeinschaft? &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Community, Vereine, Museen, Archive, Forschende, Privatpersonen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Auf einem Dorffest zeigt eine Frau das Verzieren sorbischer Ostereier. Jemand fotografiert dies und notiert Technik, Ort und Namen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''2. Registrieren &amp;amp; beschreiben''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Hier wird aus der ersten Beobachtung ein strukturierter Nachweis. Das Kulturgut oder die kulturelle Ausdrucksform wird in ein Register, eine Sammlung oder einen Katalog aufgenommen und mit strukturierten Metadaten beschrieben, damit es wiedergefunden, zugeordnet und verstanden werden kann. Dazu gehören z. B. Titel, Ort, Zeit, Technik, Funktion, beteiligte Personen und der kulturelle Kontext.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Registerverantwortliche, Kurator:innen, Sammlungsmitarbeitende, Community für Kontextinformationen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Das Osterei erhält einen Eintrag mit Angaben wie „Wachsbatik“, „Schleife“, „Osterei-Verzierung“, Name der Trägerin und Entstehungsjahr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''3. Bewerten &amp;amp; freigeben''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
In diesem Schritt wird entschieden, ob und in welcher Priorität ein Kulturgut oder die kulturelle Ausdrucksform digitalisiert werden soll und ob dies rechtlich und ethisch möglich ist. Dabei spielen fachliche Kriterien wie Bedeutung, Repräsentativität, Seltenheit oder Gefährdung eine Rolle, aber auch Fragen des Urheberrechts, Datenschutzes und möglicher kultureller Sensibilitäten. Am Ende steht eine begründete Entscheidung, ob und in welchem Umfang das Kulturgut weiterbearbeitet und später veröffentlicht werden darf. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Kurator:innen, Fachgremien, Community-Vertretungen, Register/SKR, ggf. Rechteverantwortliche und Behörden. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Es wird entschieden, dass die Osterei-Technik wegen ihrer Bedeutung für die sorbische Identität digital gesichert werden soll; die Kunsthandwerkerin stimmt der Veröffentlichung zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''4. Digitalisieren &amp;amp; prüfen''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nun wird das Kulturgut technisch erfasst, also in eine digitale Form überführt. Das kann je nach Objektart durch Scan, Fotografie, Audio- oder Videoaufnahme oder 3D-Erfassung geschehen. Dabei entstehen hochwertige Master-Dateien und nutzbare Derivate. Die Digitalisierung folgt qualifizierten Standards, um Reproduzierbarkeit, Farbkonsistenz und Nutzbarkeit zu gewährleisten. Anschließend wird geprüft, ob Schärfe, Farbe, Vollständigkeit und Dateiformate den Anforderungen für Archivierung und Nutzung entsprechen. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Digitalisierungszentrum, Foto-/AV-/3D-Spezialist:innen, externe Dienstleister bei Spezialfällen. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Das Osterei wird fotografisch hochauflösend aufgenommen und zusätzlich als 3D-Modell erfasst. Danach werden Schärfe, Farbe und Dateiformate geprüft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''5. Archivieren &amp;amp; sichern''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die entstandenen digitalen Dateien werden geordnet abgelegt, mit den zugehörigen Metadaten verknüpft und für die langfristige Erhaltung gesichert. Dazu gehören sichere Speicherorte, Backups, Integritätskontrollen und – wenn nötig – spätere technische Migration auf neue Systeme. Ziel ist, dass das digitale Kulturgut langfristig erhalten bleibt, auch wenn sich Technik und Formate verändern. Das Original bleibt in der Regel weiterhin am Sammlungs- oder Aufbewahrungsort. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Archiv, Repository, IT-Betrieb, ggf. Sorbisches Kulturarchiv bzw. Digitalisierungszentrum. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Die Bilder und das 3D-Modell des Ostereis werden auf gesicherten Servern gespeichert; das Original bleibt im Museum oder bei der Eigentümerin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''6. Präsentieren &amp;amp; nutzen''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im letzten Schritt werden die digitalen Objekte so bereitgestellt, dass sie gefunden, verstanden und genutzt werden können, z. B. in Portalen, digitalen Sammlungen oder virtuellen Ausstellungen. Dafür reicht es nicht, nur Dateien anzuzeigen: Es braucht auch verständliche Kontexte, Rechteangaben, Mehrsprachigkeit und möglichst barrierearme Zugänge. So wird aus der technischen Digitalisierung eine tatsächliche kulturelle Nutzung. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Kurator:innen, Vermittlung, Web/IT, Museen, Kulturinformationen, Community. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Das Osterei erscheint in einer Online-Ausstellung, kann herangezoomt oder als 3D-Modell gedreht werden und wird mit einem kurzen Text zur Technik erklärt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.4.3 Organisatorische Perspektive ===&lt;br /&gt;
Die folgende Abbildung ist entnommen aus einem Poster des Sorbischen Instituts zu dessen Digitalisierungsstrategie, gefunden auf der Projektseite des Digitalisierungszentrums.&amp;lt;ref&amp;gt;Sorbisches Institut: Digitalisierungszentrum (DZ). URL: [https://www.serbski-institut.de/projekte-zentrale-vorhaben/digitalisierungszentrum-dz/ https://www.serbski-institut.de/projekte-zentrale-vorhaben/digitalisierungszentrum-dz/], abgerufen am 25.03.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Digitalisierungsstrategie des Sorbischen Instituts zeigt die Erfassung, Registrierung, Digitalisierung und Archivierung bis zur Präsentation von Kulturgütern aus '''organisatorischer Sicht'''. Sie basiert auf einem '''3-Säulen-Modell aus Kulturregister, Digitalisierungszentrum und Präsentationsumgebung'''. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K4.png|mini||center|600px|Abbildung: 3-Säulen-Modell der Digitalisierungsstrategie des Sorbischen Instituts. Quelle: Sorbisches Institut, „Digitalizacija serbskich kulturnych datow / Digitalisierung der sorbischen/wendischen Kulturdaten“&amp;lt;ref&amp;gt;Sorbisches Institut 2025: Digitalizacija serbskich kulturnych datow / Digitalisierung der sorbischen/wendischen Kulturdaten (Poster). URL:  [https://www.serbski-institut.de/wp-content/uploads/2021/11/A0-Druck_Digitalisierungsstrategie-SI.pdf  https://www.serbski-institut.de/wp-content/uploads/2021/11/A0-Druck_Digitalisierungsstrategie-SI.pdf], abgerufen am 25.03.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Beide Sichtweisen - die fachliche &amp;quot;Prozess-Sicht&amp;quot; und die &amp;quot;organisatorische Sicht&amp;quot; lassen sich wie folgt in einer Darstellung zusammenfassen:&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K5.jpg|mini||center|600px|Abbildung: Zusammengefasste Sichtweisen auf die Digitalisierung von Kulturerbe.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der &amp;quot;Prozess der Digitalisierung von Kulturerbe&amp;quot; beschreibt, '''was''' mit einem Kulturgut geschieht; das 3-Säulen-Modell zeigt, '''wo''' diese Aufgaben organisatorisch verortet sind. Bezogen auf die oben beschriebenen [[#2.3.2 Prozessschritte im Detail|Prozessschritte der Digitalisierung von Kulturerbe]] steht das '''Sorbische Kulturregister''' für den Prozessschritt „'''2. Registrieren'''“ und dient dabei vor allem der Verzeichnung und Metadatenverwaltung. Das '''Digitalisierungszentrum''' steht für die Prozessschritte „'''4. Digitalisieren'''“ und „'''5. Archivieren'''“ und dient dabei der technischen Erfassung, Bearbeitung und Sicherung der Digitalisate. Die '''Präsentationsumgebung''' steht für den Schritt „'''6. Präsentieren'''“ und dient der öffentlichen oder kuratierten Bereitstellung zur Nutzung. Ergänzende Konzepte des SI machen dabei deutlich, dass die Digitalisierung im Regelfall eine vorherige Verzeichnung im Register voraussetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Prozessschritt&lt;br /&gt;
! Verantwortliche Organisation&lt;br /&gt;
! Funktion im Gesamtsystem&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''2. Registrieren'''&lt;br /&gt;
| '''Sorbisches Kulturregister'''&lt;br /&gt;
| Kulturgüter werden als Entitäten nachgewiesen, beschrieben, mit Metadaten versehen und miteinander verknüpft. Das Register erfüllt damit eine katalogähnliche Funktion: Es macht sichtbar, welche Kulturgüter es gibt, wo sie sich befinden und in welchem Kontext sie stehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''4. Digitalisieren'''&lt;br /&gt;
| '''Digitalisierungszentrum'''&lt;br /&gt;
| Kulturgüter werden technisch erfasst, z. B. durch Scan, Fotografie, Audio-/Videoübertragung oder 3D-Erfassung. Das Digitalisierungszentrum erzeugt und prüft die Digitalisate, ist aber nicht selbst primär ein Präsentationssystem.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''5. Archivieren'''&lt;br /&gt;
| '''Digitalisierungszentrum / Repositorium / Archiv'''&lt;br /&gt;
| Die digitalen Dateien werden geordnet gespeichert, mit Metadaten verbunden und langfristig gesichert. Dazu gehört auch die Sicherstellung der Langzeitaufbewahrung, etwa durch geeignete Speicherorte, Prüfroutinen und spätere Migrationen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''6. Präsentieren'''&lt;br /&gt;
| '''Sorabicon / weitere Präsentationsumgebungen'''&lt;br /&gt;
| Die digitalen Inhalte werden für Nutzer:innen sichtbar, erfahrbar und verständlich gemacht, z. B. in Portalen, digitalen Sammlungen oder virtuellen Ausstellungen. Die Präsentation greift dafür auf Metadaten aus dem Register und auf Digitalisate aus dem Repositorium bzw. dem Digitalisierungszentrum zurück.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Schritt '''1. Sammeln''' liegt vor diesen drei Säulen. Er betrifft die Sammlungsorte selbst, also z. B. Museen, Archive, Heimatstuben, Vereine, Projekte, Gemeinden oder Privatpersonen. Dort entstehen oder befinden sich die Kulturgüter zunächst, bevor sie systematisch registriert, bewertet oder digitalisiert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Schritt '''3. Bewerten''' ist ebenfalls keine eigene technische Säule, sondern ein steuernder Entscheidungsschritt. In ihm wird geklärt, welche Kulturgüter priorisiert digitalisiert werden, welche fachliche Bedeutung sie haben, welche Rechte zu beachten sind und ob eine öffentliche Präsentation möglich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit wird deutlich: Register, Digitalisierungszentrum und Präsentation erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Das '''Register''' beschreibt und verknüpft Kulturgüter, das '''Digitalisierungszentrum''' erzeugt und sichert Digitalisate und die '''Präsentationsumgebung''' macht ausgewählte Inhalte verständlich zugänglich. Gerade diese Trennung schafft klare Zuständigkeiten und erleichtert die Zusammenarbeit zwischen Sammlungsorten, Fachstellen, technischen Dienstleistern und Öffentlichkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2.5 Beispiele anderer Kulturen und Regionen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Digitalisierung des Kulturerbes kleiner, autochthoner, indigener und sprachlicher Gemeinschaften weist häufig vergleichbare Herausforderungen auf: Kulturgüter und Bestände sind auf viele Institutionen, Vereine, lokale Einrichtungen und private Träger verteilt. Personelle und finanzielle Ressourcen sind begrenzt, mehrere Sprachen und Beschreibungstraditionen müssen berücksichtigt werden und nicht alle kulturellen Inhalte dürfen oder sollen ohne Einschränkung öffentlich zugänglich gemacht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer vergleichenden Recherche wurde daher untersucht, wie andere Gemeinschaften und Regionen ihr Kulturerbe erfassen, beschreiben, digitalisieren, langfristig sichern und zur Nutzung bereitstellen. Dabei wurde nicht nach einer universell „idealen“ technischen Lösung gesucht. Untersucht wurde vielmehr, welche organisatorischen, technischen, rechtlichen und gemeinschaftlichen Modelle unter welchen Rahmenbedingungen funktionieren, welche Schwierigkeiten auftreten und welche übertragbaren Erfolgsfaktoren erkennbar sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nachfolgenden Beispiele verdeutlichen unterschiedliche Schwerpunkte: gemeinschaftliche Steuerung, institutionsübergreifende Register und Suchsysteme, Digitalisierung verteilter Bestände, Sprach- und Tonarchive, abgestufte Zugänge, Unterstützung kleiner Kulturgutträger sowie die Überführung zeitlich begrenzter Projekte in einen dauerhaften Betrieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die daraus abgeleiteten Kriterien bilden einen Referenzrahmen. Anhand dieses Referenzrahmens kann in einer späteren Ist-Analyse geprüft werden, welche Funktionen bereits vorhanden, nur konzeptionell beschrieben, in Pilotprojekten erprobt oder dauerhaft im Regelbetrieb verankert sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ausführlichen Fallprofile, Vergleichsmatrizen, Quellen sowie ein Hinweis zur KI-gestützten Erstellung befinden sich in der [[12.3.A1 Vergleichende Recherche – Digitalisierung des Kulturerbes anderer Kulturen und Regionen|ausführlichen Vergleichsrecherche]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.5.1 RomArchive – Digitales Archiv der Roma ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Roma und Sinti sind eine transnationale Minderheit, die in zahlreichen europäischen Staaten lebt. RomArchive wurde von 2015 bis 2019 mit 3,75 Millionen Euro durch die Kulturstiftung des Bundes gefördert. Weitere Unterstützer waren unter anderem die Bundeszentrale für politische Bildung, das Auswärtige Amt und das Goethe-Institut. Seit 2019 wird das Archiv durch das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg betrieben.&amp;lt;ref name=&amp;quot;vergleich_romarchive&amp;quot;&amp;gt;RomArchive o. J.: Frequently Asked Questions. URL: https://www.romarchive.eu/en/about/frequently-answered-questions/; Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma e. V. o. J.: Imprint. URL: https://www.romarchive.eu/en/imprint/; Kulturstiftung des Bundes o. J.: RomArchive. URL: https://www.kulturstiftung-des-bundes.de/en/programmes_projects/film_and_new_media/detail/romarchive.html, jeweils abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Archiv präsentiert Kunst, Geschichte und Kultur aus der Perspektive der Roma. Kuratorische Teams und Beirat waren überwiegend mit Angehörigen der Minderheit besetzt. Neben öffentlich zugänglichen Inhalten existiert ein internes Archiv mit beschränktem Forschungszugang. Besonders lehrreich ist der bereits zu Projektbeginn geplante und später tatsächlich vollzogene Übergang an einen dauerhaften Betreiber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren und Learnings:''' &lt;br /&gt;
* Angehörige der Gemeinschaft sollten nicht nur Inhalte zuliefern, sondern festgelegte Entscheidungsrechte bei Auswahl, Beschreibung, Kontextualisierung und Zugangsregeln besitzen. &lt;br /&gt;
* Bereits zu Beginn einer Projektphase verbindlich klären, welche Institution das Register, Archiv oder Portal nach dem Ende der Förderung dauerhaft betreibt, pflegt und finanziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.5.2 Nuohtti – gemeinsamer Zugang zum Sámi-Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Sámi sind ein indigenes Volk im nordeuropäischen Sápmi, das sich über Teile Norwegens, Schwedens, Finnlands und Russlands erstreckt. Viele historische Sámi-Materialien befinden sich außerhalb der Sámi-Institutionen in europäischen Archiven und Museen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nuohtti ist ein gemeinsamer Suchdienst für digitalisierte Sámi-Materialien. Er wurde von 2018 bis 2021 mit Mitteln des Programms Interreg Nord der EU (Europäische Union) entwickelt. Beteiligt waren unter anderem die Sámi-Archive der finnischen und norwegischen Nationalarchive, das schwedische Reichsarchiv und mehrere Universitäten. Die Sámi-Parlamente Finnlands, Norwegens und Schwedens waren in der Steuerungsgruppe vertreten. Der Dienst führte nach Projektangaben etwa 30.000 Datensätze aus 32 Institutionen zusammen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;vergleich_nuohtti&amp;quot;&amp;gt;Nuohtti o. J.: About Nuohtti. URL: https://nuohtti.com/Content/about; University of the Arctic 2023: The Nuohtti service provides digital access to Sámi material in European archives. URL: https://www.uarctic.org/news/2023/3/the-nuohtti-service-provides-digital-access-to-sami-material-in-european-archives/, jeweils abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nuohtti übernimmt nicht alle Bestände in ein einziges System. Stattdessen werden Metadaten, also strukturierte Beschreibungsdaten zu Objekten und Beständen, aus vorhandenen Einrichtungen zusammengeführt und mit mehrsprachiger Suche, Karte und Zeitleiste zugänglich gemacht. Ethische Hinweise machen darauf aufmerksam, dass viele Bestände unter historischen und teilweise kolonialen Bedingungen gesammelt und beschrieben wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren und Learnings:''' &lt;br /&gt;
* Ein gemeinsamer Zugang kann auch mit dezentraler Architektur der Bestände erfolgen – Originale, Dateien und Fachsysteme können beim Kulturgutträger verbleiben.&lt;br /&gt;
* Ein Register für Kulturdaten kann als übergreifende Nachweisschicht arbeiten: Größere Einrichtungen liefern Daten über technische Schnittstellen, während kleine Träger zentrale oder gemeinsam bereitgestellte Erfassungsdienste nutzen können. &lt;br /&gt;
* Historische Fremdbeschreibungen sollten ergänzt werden durch Selbstbezeichnungen, eigene Sprachformen, alternative Benennungen und Kontexte der betreffenden Gemeinschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.5.3 People’s Collection Wales / Casgliad y Werin Cymru ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wales ist ein Landesteil des Vereinigten Königreichs mit einer eigenständigen nationalen und walisischsprachigen Identität. People’s Collection Wales ist eine zweisprachige Plattform für institutionelles und gemeinschaftlich getragenes Kulturerbe. Sie wird als Verbund der National Library of Wales, des National Museum Wales und der Royal Commission on the Ancient and Historical Monuments of Wales betrieben und durch die walisische Regierung finanziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben der technischen Plattform werden kostenlose Beratung und Schulungen zu Digitalisierung, Metadaten, Urheberrecht, Datenschutz und Oral History, also mündlich überlieferter und aufgezeichneter Geschichte, angeboten. Eine unabhängige Evaluation stellte Fortschritte bei der Zusammenarbeit und beim Kompetenzaufbau fest, benannte aber auch begrenzte Wirkungsnachweise, Finanzierungsrisiken und den hohen Personalaufwand für die Unterstützung der beteiligten Gemeinschaften.&amp;lt;ref name=&amp;quot;vergleich_wales&amp;quot;&amp;gt;Vittle, Kate / Haswell-Walls, Fran / Dixon, Tim; ERS Ltd. 2016: Evaluation of the Casgliad y Werin Cymru / People’s Collection Wales Digital Heritage Programme. Impact Report. URL: https://www.gov.wales/sites/default/files/publications/2019-08/evaluation-of-the-peoples-collection-wales-digital-heritage-programme-impact.pdf; People’s Collection Wales o. J.: Community Support. URL: https://www.peoplescollection.wales/about-us/community-support, jeweils abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren und Learnings:''' &lt;br /&gt;
* Kleine und ehrenamtlich betreute Sammlungen benötigen nicht nur technische Standards, sondern konkrete und dauerhaft verfügbare Dienstleistungen: Erstberatung, Schulung, Vorlagen, Unterstützung bei Rechtefragen, Qualitätskontrolle und persönliche Ansprechpartner. &lt;br /&gt;
* Ein Digitalisierungszentrum oder ein Verbund koordinierter Digitalisierungsdienste sollte daher als Service- und Kompetenzstruktur ausgestaltet werden und nicht lediglich als technische Produktionsstelle. &lt;br /&gt;
* Der dafür notwendige Beratungs- und Unterstützungsaufwand muss als dauerhafte Betriebsaufgabe eingeplant werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.5.4 Tobar an Dualchais / Kist o Riches ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schottisch-Gälisch ist eine Minderheitensprache, die vor allem in den Highlands und auf den schottischen Inseln gesprochen wird. Tobar an Dualchais macht mehr als 40.000 seit den 1930er Jahren entstandene Tonaufnahmen zugänglich. Die Bestände umfassen Erzählungen, Lieder, Musik, Gedichte und mündlich überliefertes Wissen auf Gälisch, Scots und Englisch. Ein bedeutender Teil der Originalbestände wird in den School of Scottish Studies Archives der Universität Edinburgh verwahrt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;vergleich_tobar&amp;quot;&amp;gt;University of Edinburgh 2024: Tobar an Dualchais / Kist o Riches. URL: https://gaelic.ed.ac.uk/gaelic-collections/tobar-an-dualchais-kist-o-riches; Scottish Government 2025: Rediscovering lost Gaelic words. URL: https://www.gov.scot/news/rediscovering-lost-gaelic-words/, jeweils abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Digitalisierung wird mit Verschriftlichung beziehungsweise Transkription, sprachlicher Erschließung, Freiwilligenarbeit und teilweise automatischer Spracherkennung verbunden. Das Projekt erhält wiederkehrende öffentliche Förderungen, muss Rechteklärung, Transkription und technische Weiterentwicklung jedoch dauerhaft fortsetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren und Learnings:''' &lt;br /&gt;
* Gefährdete Ton-, Film- und Videobestände müssen wegen Materialverfall, beschädigungsanfälliger Trägermaterialien und nicht mehr verfügbarer Wiedergabetechnik zeitlich priorisiert werden. &lt;br /&gt;
* Ein geeignetes Pilotprojekt kann Digitalisierung, Rechteklärung, Verschriftlichung, Übersetzung, Metadatenerfassung, Archivierung und Bildungsnutzung entlang einer vollständigen Prozesskette verbinden. &lt;br /&gt;
* Dadurch werden nicht nur einzelne Dateien erzeugt, sondern zugleich die notwendigen Standards, Zuständigkeiten und Aufwände erprobt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.5.5 Euskariana – Portal zum baskischen Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Baskinnen und Basken leben in Gebieten Spaniens und Frankreichs. Euskariana ist das staatlich betriebene Kulturportal der Autonomen Gemeinschaft Baskenland in Spanien. Es wird durch die Digitale Bibliothek Euskadi betrieben und verbindet Daten der baskischen Regierung, der Provinzen, Kommunen, Universitäten sowie öffentlicher, kirchlicher und privater Einrichtungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Portal ist zugleich gemeinsamer Katalog und Zugang zu digitalen Objekten. Es kann Inhalte über ein eigenes Repositorium, also ein institutionell betriebenes digitales Ablage- und Erhaltungssystem, bereitstellen oder zu den Systemen der Partner verlinken. Verwendet werden internationale Standards wie Dublin Core als allgemeiner Metadatenstandard, METS (Metadata Encoding and Transmission Standard) zur Strukturierung und Übertragung digitaler Objekte, PREMIS (Preservation Metadata: Implementation Strategies) für Metadaten zur digitalen Langzeiterhaltung und ALTO (Analyzed Layout and Text Object) für erkannte Texte und Seitenlayouts. Die standardisierten Daten können unter anderem an Europeana weitergegeben werden.&amp;lt;ref name=&amp;quot;vergleich_euskariana&amp;quot;&amp;gt;Gobierno Vasco / Biblioteca Digital de Euskadi o. J.: Acerca de Euskariana. URL: https://www.euskariana.euskadi.eus/euskadibib/es/help/about.do, abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren und Learnings:''' &lt;br /&gt;
* Unterschiedliche Kulturgutträger benötigen unterschiedliche Anschlussmöglichkeiten. &lt;br /&gt;
** Kleine Einrichtungen sollten Daten und gegebenenfalls Dateien in zentral bereitgestellten Diensten erfassen und verwalten können. &lt;br /&gt;
** Größere Institutionen sollten ihre vorhandenen Systeme über Datenexporte oder Programmierschnittstellen anbinden können. &lt;br /&gt;
* Dafür ist ein gemeinsamer, bewusst schlank gehaltener Metadatenkern erforderlich, der durch fach- und institutionsspezifische Angaben erweitert werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.5.6 Mukurtu und Plateau Peoples’ Web Portal ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mukurtu ist eine frei verfügbare Software für die gemeinschaftlich kontrollierte Verwaltung digitalen indigenen Kulturerbes. Das Plateau Peoples’ Web Portal verbindet acht indigene Nationen des nordwestlichen Plateaus der USA mit der Washington State University und mehreren Museen und Archiven. Stammesvertreter wählen und beschreiben die Inhalte; die Universität übernimmt wesentliche technische Betriebsaufgaben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mukurtu ermöglicht kulturelle Protokolle, also gemeinschaftlich festgelegte Regeln für Zugang und Nutzung, Traditional Knowledge Labels als Kennzeichnungen für überliefertes gemeinschaftliches Wissen sowie mehrere Beschreibungen zu demselben Objekt. Dadurch kann neben einer institutionellen Museumsbeschreibung eine Beschreibung der Herkunftsgemeinschaft stehen. Zugänge können von vollständig öffentlich bis streng beschränkt reichen. Mukurtu weist ausdrücklich darauf hin, dass die Plattform vor allem dem Zugang und der gemeinschaftlichen Verwaltung dient und ein gesondertes Konzept für Digitalisierung, Langzeiterhaltung, Personal und Finanzierung erforderlich bleibt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;vergleich_mukurtu&amp;quot;&amp;gt;Mukurtu CMS / Washington State University o. J.: About. URL: https://mukurtu.org/about/; Plateau Peoples’ Web Portal. URL: https://mukurtu.org/project/plateau-peoples-web-portal-showcase/, jeweils abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren und Learnings:''' &lt;br /&gt;
* Rechte und kulturelle Sensibilität müssen als Bestandteil des Datenmodells behandelt werden und dürfen nicht erst unmittelbar vor einer Veröffentlichung geprüft werden. &lt;br /&gt;
* Sinnvoll sind abgestufte Kategorien wie &lt;br /&gt;
** „nur Metadaten öffentlich“, &lt;br /&gt;
** „öffentliches Nutzungsdigitalisat“, &lt;br /&gt;
** „Zugang nach Rücksprache“, &lt;br /&gt;
** „beschränkter Gemeinschafts- oder Forschungszugang“, &lt;br /&gt;
** „zeitlich gesperrt“ und &lt;br /&gt;
** „nicht zugänglich“. &lt;br /&gt;
* Mehrere Beschreibungen zu demselben Objekt ermöglichen es außerdem, institutionelle Überlieferung und Selbstbeschreibung nebeneinander nachvollziehbar zu dokumentieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.5.7 Indigitization – zentrale Unterstützung für dezentrale Digitalisierung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Indigitization unterstützt First Nations und weitere indigene Gemeinschaften in British Columbia in Kanada. Das Programm wird gemeinsam von indigenen Organisationen, Bibliotheken, Archiven und Hochschulen getragen. Es stellt einen Werkzeugkasten, Schulungen, Musterunterlagen, technische Beratung und Förderhilfen bereit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von 2013 bis 2019 wurden drei Pilotprojekte und 45 weitere Projekte gefördert. Dabei wurden mehr als 11.000 Audiokassetten digitalisiert. Die Digitalisierung erfolgte in den Gemeinschaften; eine allgemeine Veröffentlichung war nicht zwingend. Das frühere Förderprogramm für Audiokassetten befindet sich inzwischen allerdings in einer Pause.&amp;lt;ref name=&amp;quot;vergleich_indigitization&amp;quot;&amp;gt;Indigitization o. J.: About Us. URL: https://www.indigitization.ca/about-2/; Indigitization Toolkit. URL: https://www.indigitization.ca/toolkit/; Audio Cassette Digitization Grant. URL: https://www.indigitization.ca/funding/audio-cassette-grant/, jeweils abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren und Learnings:''' &lt;br /&gt;
* Zentral bereitgestellte Kompetenz lässt sich mit dezentraler Verantwortung verbinden. &lt;br /&gt;
* Ein Digitalisierungszentrum oder ein Verbund gemeinsamer Dienste kann Schulungen, Leih- und Mobiltechnik, Qualitätsprüfung, Rahmenverträge, Musterunterlagen, Beratung und Kleinprojektförderung anbieten. &lt;br /&gt;
* Originale, lokales Wissen und kulturelle Beziehungen können grundsätzlich bei den jeweiligen Kulturgutträgern verbleiben. &lt;br /&gt;
* Damit nach Abschluss einzelner Digitalisierungsprojekte keine ungesicherten Dateien zurückbleiben, sollte jedoch von Beginn an ein gemeinsames oder verbindlich angebundenes Repositorium beziehungsweise digitales Archiv vorgesehen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.5.8 Schlussverdichtung: vier Funktionen, sechs Handlungsfelder und drei Prioritäten ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus den untersuchten Beispielen lässt sich kein einzelnes Projekt und kein bestimmtes Softwaresystem ableiten, das unverändert übernommen werden könnte. Die wichtigsten Erkenntnisse lassen sich jedoch in drei Fragen ordnen:&lt;br /&gt;
* '''Was muss aufgebaut werden?''' – vier miteinander verbundene Funktionen,&lt;br /&gt;
* '''Worauf kommt es beim Aufbau an?''' – sechs Handlungsfelder,&lt;br /&gt;
* '''In welcher Reihenfolge sollte vorgegangen werden?''' – drei Prioritätsstufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Vier Funktionen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot; style=&amp;quot;width:100%;&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Funktion&lt;br /&gt;
! Leitfrage&lt;br /&gt;
! Kernaufgabe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''1. Register für Kulturdaten'''&lt;br /&gt;
| Was ist vorhanden und was sollte zuerst bearbeitet werden?&lt;br /&gt;
| Kulturgüter, Sammlungen und digitale Bestände nachweisen, Standorte und verantwortliche Träger benennen, Rechte- und Digitalisierungsstatus dokumentieren und Prioritäten unterstützen. Das Register muss nicht alle Dateien selbst speichern.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''2. Digitalisierungszentrum / Digitalisierungsdienste'''&lt;br /&gt;
| Wie werden Kulturgüter qualitätsgesichert digitalisiert?&lt;br /&gt;
| Kulturgutträger beraten, Bestände bewerten, Digitalisierung vorbereiten oder durchführen, Metadaten erfassen, die Qualität prüfen und Dateien für die Übergabe an ein Repositorium vorbereiten.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''3. Repositorium / digitales Langzeitarchiv'''&lt;br /&gt;
| Wie bleiben Dateien und Metadaten dauerhaft erhalten?&lt;br /&gt;
| Erhaltungsgeeignete Masterdateien und Metadaten übernehmen, ihre Unversehrtheit prüfen, Sicherungskopien vorhalten und spätere Format- oder Systemwechsel ermöglichen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''4. Präsentations- und Nutzungssysteme'''&lt;br /&gt;
| Wie werden freigegebene Inhalte zugänglich und nutzbar?&lt;br /&gt;
| Inhalte mehrsprachig und verständlich vermitteln, zitierbar machen und – soweit rechtlich und kulturell zulässig – für Bildung, Forschung und kulturelle Nachnutzung bereitstellen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die vier Funktionen müssen über gemeinsame Standards und geregelte Übergaben miteinander verbunden sein. Sie müssen jedoch nicht zwingend von vier verschiedenen Einrichtungen betrieben werden. Entscheidend ist, dass für jede Funktion Auftrag, Verantwortung, Finanzierung und Qualitätsanforderungen eindeutig benannt sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Drei Prioritäten und sechs Handlungsfelder ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot; style=&amp;quot;width:100%;&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Priorität&lt;br /&gt;
! Handlungsfeld&lt;br /&gt;
! Verdichtete Erfolgsfaktoren und Learnings&lt;br /&gt;
! Besonders betroffene Funktionen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Prio 1) &amp;lt;br&amp;gt; Rahmen festlegen'''&lt;br /&gt;
| '''1. Gemeinsam entscheiden und Zugänge regeln'''&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* Angehörige der Gemeinschaft und die jeweiligen Kulturgutträger benötigen festgelegte Entscheidungsrechte bei Auswahl, Beschreibung, Priorisierung und Veröffentlichung.&lt;br /&gt;
* Rechte und kulturelle Sensibilität müssen von Anfang an berücksichtigt werden. Zwischen frei zugänglichen, eingeschränkt zugänglichen und nicht öffentlichen Inhalten muss unterschieden werden können.&lt;br /&gt;
| Alle vier Funktionen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Prio 1) &amp;lt;br&amp;gt; Rahmen festlegen'''&lt;br /&gt;
| '''2. Dauerbetrieb und Finanzierung sichern'''&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* Für jede Funktion muss früh feststehen, wer sie nach dem Ende einer Projektförderung dauerhaft betreibt, pflegt und finanziert.&lt;br /&gt;
* Projektmittel können Aufbau und Erprobung ermöglichen, ersetzen aber keine dauerhafte Finanzierung von Personal, Technik, Speicher, Beratung, Datenpflege und späteren Systemwechseln.&lt;br /&gt;
| Alle vier Funktionen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Prio 1) &amp;lt;br&amp;gt; Rahmen festlegen'''&lt;br /&gt;
| '''3. Standards und Langzeiterhaltung festlegen'''&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* Ein gemeinsamer Metadaten-, Sprach- und Qualitätskern muss die beteiligten Einrichtungen und Systeme verbinden.&lt;br /&gt;
* Mehrere Sprachen und Sprachvarianten müssen als eigenständige Datenwerte berücksichtigt werden und dürfen nicht nur als Übersetzungen der Benutzeroberfläche behandelt werden.&lt;br /&gt;
* Kein Digitalisat sollte ohne festgelegtes Zielrepositorium, geeignete Dateiformate, Sicherungskonzept und späteren Migrationsweg erzeugt werden.&lt;br /&gt;
| Vor allem Register, Digitalisierungsdienste und Repositorium&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Prio 2) &amp;lt;br&amp;gt; Erproben und aufbauen'''&lt;br /&gt;
| '''4. Bestände priorisieren und die vollständige Kette pilotieren'''&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* Bestände sollten nach Gefährdung, kultureller Bedeutung, Nutzungspotenzial, Rechteklarheit und Aufwand priorisiert werden.&lt;br /&gt;
* Pilotprojekte sollten nicht nur einzelne Dateien erzeugen, sondern den gesamten Weg vom Register über Rechteklärung und Digitalisierung bis zur Archivierung und Präsentation erproben.&lt;br /&gt;
* Zeit, Kosten, Qualitätsprobleme und offene Zuständigkeiten müssen dabei dokumentiert werden.&lt;br /&gt;
| Alle vier Funktionen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Prio 2) &amp;lt;br&amp;gt; Erproben und aufbauen'''&lt;br /&gt;
| '''5. Zentral unterstützen und dezentral verantworten'''&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* Gemeinsame Stellen sollten Beratung, Schulung, Digitalisierungstechnik, Rechtehilfe, Qualitätskontrolle und Langzeiterhaltung anbieten.&lt;br /&gt;
* Originale, lokales Wissen und kulturelle Entscheidungen können grundsätzlich bei den jeweiligen Kulturgutträgern verbleiben.&lt;br /&gt;
* Kleine und große Einrichtungen benötigen unterschiedliche Anschlusswege an die gemeinsame Infrastruktur.&lt;br /&gt;
| Vor allem Register, Digitalisierungsdienste und Repositorium&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Prio 3) &amp;lt;br&amp;gt; Auf gesicherter Grundlage ausbauen'''&lt;br /&gt;
| '''6. Mehrsprachig vermitteln, Nachnutzung ermöglichen und Wirkung prüfen'''&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* Digitale Inhalte benötigen verständliche kulturelle und historische Kontexte; die bloße Anzeige einer Datei genügt nicht.&lt;br /&gt;
* Präsentation, Download, Zitation und technische Nachnutzung sollten ermöglicht werden, soweit Rechte und kulturelle Interessen dies zulassen.&lt;br /&gt;
* Erfolg sollte nicht nur anhand veröffentlichter Objekte und Seitenaufrufe, sondern auch anhand von Bildungsnutzung, Forschung, Datenqualität, kultureller Nachnutzung und Rückmeldungen der Gemeinschaft bewertet werden.&lt;br /&gt;
| Vor allem Präsentationssysteme sowie die Datenlieferung aus Register und Repositorium&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die dritte Prioritätsstufe ist nicht weniger wichtig als die ersten beiden. Präsentation und Nutzung sind ein wesentliches Ziel der Digitalisierung und sollten bereits in Pilotprojekten erprobt werden. Ein breiter Ausbau sollte jedoch erst erfolgen, wenn Zuständigkeiten, Rechte, Standards, Archivierung und dauerhafter Betrieb ausreichend gesichert sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusammengefasst gilt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:''Erst gemeinsam entscheiden, Finanzierung und Standards sichern; dann Bestände priorisieren, die vollständige Kette erproben und die Kulturgutträger unterstützen; erst danach Präsentation und Nachnutzung breit ausbauen.''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiterführende Hinweise und Empfehlungen zu einem möglichen Vorgehen sowie zeitlichen und inhaltlichen Prioritäten befinden sich im Anhang in der [[12.3.A1 Vergleichende Recherche – Digitalisierung des Kulturerbes anderer Kulturen und Regionen#G.2 Was zentral, dezentral und gemeinsam organisiert werden sollte|Priorisierten Schlussfolgerung von G2 bis G9]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein ausführliches Prüfraster zur Bewertung des jeweiligen Entwicklungsstandes befindet sich [[12.3.A1 Vergleichende Recherche – Digitalisierung des Kulturerbes anderer Kulturen und Regionen#Prioritäten und Prüfkriterien für den Aufbau|Anhang in der vergleichenden Recherche]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Referenzen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Měrko Šenk</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://koncept.serbski-inkubator.de/index.php?title=12.3.A1_Vergleichende_Recherche_%E2%80%93_Digitalisierung_des_Kulturerbes_anderer_Kulturen_und_Regionen&amp;diff=1078</id>
		<title>12.3.A1 Vergleichende Recherche – Digitalisierung des Kulturerbes anderer Kulturen und Regionen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://koncept.serbski-inkubator.de/index.php?title=12.3.A1_Vergleichende_Recherche_%E2%80%93_Digitalisierung_des_Kulturerbes_anderer_Kulturen_und_Regionen&amp;diff=1078"/>
		<updated>2026-07-22T14:30:37Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Měrko Šenk: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;''Anhang zu [[12.3 Digitalisierung des Kulturerbes]]''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
''Recherche- und Quellenstand: 20. Juli 2026''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Seite dokumentiert eine vergleichende Recherche zu Erfolgsmodellen, Grenzen und übertragbaren Lösungsbausteinen bei der Digitalisierung des Kulturerbes kleiner, autochthoner, indigener, sprachlicher und regional verteilter Gemeinschaften. Sie dient als ausführliche Beleg- und Arbeitsgrundlage für den Konzeptabschnitt [[12.3 Digitalisierung des Kulturerbes#Beispiele anderer Kulturen und Regionen|„Beispiele anderer Kulturen und Regionen“]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Wichtiger Hinweis zur Aussagekraft:''' Die Fallprofile trennen soweit möglich zwischen dokumentierten Tatsachen, Aussagen der Projektverantwortlichen und der hier vorgenommenen Bewertung. Viele Projekte veröffentlichen keine aktuellen Nutzungszahlen oder unabhängigen Wirkungsevaluationen. In diesen Fällen wird nicht allein aus einer ansprechenden Website auf Erfolg geschlossen. Wo eine Schlussfolgerung nur plausibel, aber nicht direkt belegt ist, ist sie als '''Bewertung''' oder '''Annahme''' gekennzeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Hinweis zur Erstellung:''' Die vorliegende Vergleichsrecherche wurde mit Unterstützung der Funktion „Deep Research“ von ChatGPT (Version GPT-5.6 Sol Pro) erstellt und anschließend redaktionell überarbeitet. Maßgeblich für die Nachvollziehbarkeit sind die jeweils angegebenen Quellen, während die daraus abgeleiteten Bewertungen und Schlussfolgerungen eine analytische Einordnung darstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
__TOC__&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== A. Zusammenfassung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die untersuchten Projekte zeigen kein universell ideales System. Erfolgreiche oder besonders lehrreiche Modelle kombinieren vielmehr unterschiedliche Bausteine entsprechend ihrer Gemeinschaft, Rechtslage, Bestandsstruktur und Ressourcen. Für den sorbischen Kontext sind vor allem folgende Erkenntnisse belastbar:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Funktionen klar trennen, Systeme aber verbinden.''' Register beziehungsweise Katalog, Digitalisierungsdienst, Repositorium beziehungsweise Langzeitarchiv und Präsentationssystem erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Erfolgreiche Verbünde verbinden diese Funktionen über Metadaten, Identifikatoren, Übergabeprozesse und Schnittstellen, statt alles in einem einzigen Portal zu vermischen.&lt;br /&gt;
# '''Gemeinschaftliche Steuerung ist keine Zusatzfunktion.''' RomArchive, Nuohtti, Mukurtu, Aṟa Irititja und das Reciprocal Research Network zeigen, dass Angehörige der jeweiligen Kultur an Auswahl, Beschreibung, Kontextualisierung, Zugangsregeln und strategischen Entscheidungen beteiligt sein müssen. Reine institutionelle „Beteiligung“ ohne festgelegte Entscheidungsrechte reicht nicht aus.&lt;br /&gt;
# '''Zentral ermöglichen, dezentral verantworten.''' Besonders übertragbar sind Modelle, bei denen eine zentrale Stelle Standards, Infrastruktur, Beratung, Qualitätssicherung, Schulung und gegebenenfalls Technik bereitstellt, während Kulturgutträger ihre Originale, lokalen Kenntnisse, Beziehungen zu Rechteinhabern und kulturellen Entscheidungen behalten.&lt;br /&gt;
# '''Ein Suchportal ist noch kein digitales Archiv.''' Nuohtti, Euskariana, bavarikon und das Plateau Peoples’ Web Portal aggregieren beziehungsweise präsentieren Inhalte aus verschiedenen Quellen. Die Langzeiterhaltung der Masterdateien muss davon getrennt geregelt sein. Mukurtu weist ausdrücklich darauf hin, dass eine Zugangsplattform nur ein Baustein eines umfassenderen Systems für Digitalisierung, Erhaltung und Betrieb ist.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
# '''Keine Massendigitalisierung ohne Zielarchiv und Rechteworkflow.''' Digitalisierung erzeugt dauerhafte Folgekosten. Vor einer Skalierung müssen Speicherort, Übernahmeprozess, Prüfsummen, Sicherung, Dateiformate, Metadaten, Rechte und spätere Migration festgelegt sein.&lt;br /&gt;
# '''Offenheit ist nicht binär.''' Erfolgreiche gemeinschaftlich gesteuerte Projekte arbeiten mit abgestuften Zugängen: öffentliches Metadatum, frei zugängliches Nutzungsdigitalisat, registrierter oder gemeinschaftsbezogener Zugang, zeitliche Sperre oder keine Online-Veröffentlichung. Zugänglichkeit und kulturelle Selbstbestimmung werden dadurch nicht als Gegensätze behandelt.&lt;br /&gt;
# '''Mehrsprachigkeit muss Teil der Datenarchitektur sein.''' Zweisprachige oder mehrsprachige Angebote wie People’s Collection Wales, Nuohtti, RomArchive, Euskariana und Aṟa Irititja zeigen, dass Sprachen nicht nur in der Oberfläche, sondern auch in Metadatenfeldern, kontrollierten Begriffen, Suchfunktionen, Transkriptionen und Verantwortlichkeiten berücksichtigt werden müssen.&lt;br /&gt;
# '''Kleine Träger brauchen Dienste, nicht nur Vorgaben.''' People’s Collection Wales und Indigitization belegen den Wert von Beratung, Schulung, Vorlagen, Pilotförderung, technischer Begleitung und „Train-the-Trainer“-Ansätzen. Ein Standard, den Ehrenamtliche oder kleine Einrichtungen ohne Hilfe nicht anwenden können, ist praktisch kein gemeinsamer Standard.&lt;br /&gt;
# '''Projektförderung kann den Aufbau finanzieren, nicht automatisch den Dauerbetrieb.''' RomArchive gelang der geplante Übergang an einen institutionellen Betreiber. Aṟa Irititja musste über Jahre um Verstetigung ringen; bei Indigitization ruht das frühere Förderprogramm für Audiokassetten; die Evaluation von People’s Collection Wales bezeichnete Finanzierungssicherheit als Kernproblem. Dauerverantwortung, Grundfinanzierung und technischer Erneuerungszyklus müssen daher vor einer breiten Skalierung geklärt werden.&lt;br /&gt;
# '''Pilotieren, messen, dann skalieren.''' Besonders sinnvoll sind Pilotvorhaben, die die gesamte Kette von der Erfassung über Rechteklärung und Digitalisierung bis zur Archivierung und Präsentation testen. Die Evaluation von People’s Collection Wales empfiehlt ausdrücklich einen Ablauf aus Bedarf, Pilot, Test, Auswertung und anschließender Skalierung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_eval&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daraus lässt sich ein prägnantes Zielmodell ableiten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Vier funktionale Säulen&lt;br /&gt;
! Leitfrage&lt;br /&gt;
! Kernaufgabe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''1. Register'''&lt;br /&gt;
| Was gibt es, wo befindet es sich, was bedeutet es und was ist prioritär?&lt;br /&gt;
| Institutionenübergreifender Nachweis, Kontext, Rechte- und Prioritätsinformationen; Verknüpfung verteilter Bestände.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''2. Digitalisierungsdienst'''&lt;br /&gt;
| Wie entstehen qualitätsgesicherte Digitalisate?&lt;br /&gt;
| Beratung, Auswahl geeigneter Verfahren, Digitalisierung, Qualitätsprüfung, Dienstleistersteuerung, Schulung und Hilfe für kleine Träger.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''3. Repositorium / digitales Langzeitarchiv'''&lt;br /&gt;
| Wie bleiben Masterdateien und Metadaten dauerhaft erhalten?&lt;br /&gt;
| Übernahme, Integritätskontrolle, redundante Sicherung, Dateiformatüberwachung, Migration, persistente Identifikatoren und dokumentierte Verantwortung.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''4. Präsentations- und Nutzungssysteme'''&lt;br /&gt;
| Was wird wem, in welcher Sprache und unter welchen Bedingungen zugänglich?&lt;br /&gt;
| Suche, Kontextualisierung, Bildung, Forschung, Download, Programmierschnittstellen und kreative Nachnutzung – abgestuft nach Rechten und kulturellen Regeln.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Merksatz:''' Das Register weiß, ''was'' und ''wo''; das Digitalisierungszentrum erzeugt und prüft; das Repositorium erhält; die Präsentation vermittelt und ermöglicht Nutzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese funktionale Vierertrennung bedeutet nicht zwingend vier Organisationen oder vier getrennte Beschaffungen. Digitalisierungszentrum und Repositorium können beispielsweise beim selben Träger liegen. Auftrag, Verantwortung, Budget, Qualitätskriterien und Betriebszusagen sollten dennoch getrennt benannt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== B. Stand der Forschung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== B.1 Vorhandene Modelle und Leitlinien ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Gesamtaufgabe „verteilt erfassen, priorisieren, digitalisieren, Metadaten zusammenführen, langfristig erhalten und verantwortungsvoll zugänglich machen“ existiert kein einzelnes, allgemein verbindliches End-to-End-Modell. Es gibt jedoch belastbare Teilmodelle, die zusammengedacht werden können:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die '''UNESCO-Empfehlung''' zur Erhaltung und Zugänglichkeit des dokumentarischen Erbes fordert institutionelle Auswahl- und Erhaltungsstrategien, fachgerechte Erschließung, Metadaten, Zusammenarbeit und rechtzeitige Maßnahmen für gefährdete digitale Bestände.&amp;lt;ref name=&amp;quot;unesco_doc_heritage&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Für immaterielles Kulturerbe verlangt die UNESCO die möglichst breite Beteiligung der Gemeinschaften und die Achtung üblicher Zugangsregeln. Die '''ethischen Grundsätze''' betonen die primäre Rolle der Gemeinschaften sowie freie, vorherige und informierte Zustimmung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;unesco_participation&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;unesco_ethics&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Das '''Referenzmodell OAIS (Open Archival Information System'''; deutsch: Referenzmodell für ein offenes Archiv-Informationssystem) beschreibt Rollen und Kernfunktionen eines digitalen Langzeitarchivs. „Offen“ bezeichnet dabei ein offen entwickeltes Referenzmodell, nicht einen zwingend offenen Zugang zu allen Inhalten.&amp;lt;ref name=&amp;quot;oais&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Die '''NDSA Levels of Digital Preservation''' (Reifegradstufen der National Digital Stewardship Alliance) bieten eine stufenweise, für kleinere Einrichtungen praktikable Orientierung zu Speicherorten, Integrität, Informationssicherheit, Metadaten und Dateiformaten. Die aktuelle Fassung 2.1 von März 2026 stellt ausdrücklich klar, dass nicht jede Sammlung überall die höchste Stufe erreichen muss.&amp;lt;ref name=&amp;quot;ndsa&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Die '''CARE Principles for Indigenous Data Governance''' – Collective Benefit, Authority to Control, Responsibility und Ethics, auf Deutsch etwa gemeinschaftlicher Nutzen, Kontrollbefugnis, Verantwortung und Ethik – ergänzen technische Offenheits- und Nachnutzungsprinzipien um kollektive Rechte und Verantwortlichkeiten.&amp;lt;ref name=&amp;quot;care&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* '''Local Contexts''' stellt Traditional Knowledge Labels und Biocultural Labels bereit, mit denen Gemeinschaften Hinweise zu Herkunft, kultureller Autorität, erlaubter Nutzung und besonderen Protokollen ergänzen können. Diese Instrumente ersetzen das staatliche Urheberrecht nicht, machen aber gemeinschaftsbezogene Erwartungen maschinen- und menschenlesbar.&amp;lt;ref name=&amp;quot;localcontexts&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Für '''Metadaten''' und Austausch stehen etablierte Bausteine zur Verfügung: '''Dublin Core''' für einfache Kernmetadaten, '''Europeana Data Model (EDM'''; Datenmodell der Europeana) für heterogene Kulturdatensätze, '''OAI-PMH (Open Archives Initiative Protocol for Metadata Harvesting'''; Protokoll zum Einsammeln von Metadaten), Programmierschnittstellen sowie '''IIIF (International Image Interoperability Framework'''; Standardfamilie zur interoperablen Präsentation von Bildern und zunehmend Audio/Video).&amp;lt;ref name=&amp;quot;edm&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;oaipmh&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;iiif&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Für audiovisuelle Bestände sind die '''IASA-TC-04'''-Richtlinien der '''International Association of Sound and Audiovisual Archives''' besonders relevant. Sie behandeln unter anderem Signalerfassung, Metadaten, Identifikatoren, Speicherung, kleine Einrichtungen und die Vergabe an Dienstleister.&amp;lt;ref name=&amp;quot;iasa&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== B.2 Vergleichende Forschung und Evaluation ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die belastbarsten Erkenntnisse entstehen aus einer Kombination aus technischen Dokumentationen, Projektberichten, wissenschaftlichen Fallstudien und unabhängigen Evaluationen. Besonders wertvoll ist die Evaluation von People’s Collection Wales, weil sie nicht nur Erfolge, sondern auch geringe Rücklaufzahlen, begrenzte Wirkungsnachweise, Finanzierungsrisiken, Rollenunklarheiten und den hohen Aufwand vermittelter Community-Arbeit offenlegt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_eval&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wissenschaftlich gut dokumentiert sind außerdem das gemeinschaftsbasierte Metadaten- und Zugangsmodell von Mukurtu und dem Plateau Peoples’ Web Portal sowie die kooperative Entwicklung des Reciprocal Research Network. Beide zeigen, dass Vertrauen, Vereinbarungen, parallel mögliche institutionelle und gemeinschaftliche Beschreibungen sowie fein abgestufte Zugänge organisatorisch ebenso wichtig sind wie die Software.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_dlib&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_rowley&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das EU-geförderte Forschungsprojekt DIGICHer untersucht seit 2024, wie Minderheitengemeinschaften – unter anderem Sámi, jüdische und ladinische Gemeinschaften – gerechter an der Digitalisierung und Repräsentation ihres Kulturerbes beteiligt werden können. Da das Projekt bis 2027 läuft, sind im Juli 2026 noch keine abschließenden, allgemein belastbaren Ergebnisse verfügbar. Es ist aber ein relevantes Anschlussvorhaben für die weitere Beobachtung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;digicher&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== B.3 Forschungslücken ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der Auswertung ergeben sich vier wiederkehrende Lücken:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Aktuelle, unabhängige Nutzungs- und Wirkungsevaluationen fehlen bei vielen Projekten.&lt;br /&gt;
# Die technische Präsentationsarchitektur ist häufig besser dokumentiert als die Verantwortung für Masterdateien, Migration und dauerhafte Finanzierung.&lt;br /&gt;
# Community-Beteiligung wird oft beschrieben, aber Entscheidungsrechte, Konfliktlösungen und Repräsentativität bleiben teilweise unklar.&lt;br /&gt;
# Es gibt zahlreiche Standards für Einzelaufgaben, aber wenig empirisch evaluierte Gesamtmodelle für kleine, institutionell verteilte Minderheiten mit ehrenamtlich betreuten Sammlungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Bewertung:''' Der Ansatz bei der Digitalisierung von Kulturerbe sollte deshalb nicht nach einer fertigen „Best-Practice-Software“ suchen. Zielführender ist eine belastbare Gesamtarchitektur aus &lt;br /&gt;
* ''Governance'', &lt;br /&gt;
* ''Diensten'', &lt;br /&gt;
* ''Mindeststandards'' und &lt;br /&gt;
* ''dauerhaftem Betrieb'', &lt;br /&gt;
in die geeignete vorhandene Softwareprodukte eingebunden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== C. Begründete Auswahl der Fallbeispiele ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Auswahl umfasst zwölf Fälle. Sie deckt europäische Minderheiten, indigene und gemeinschaftlich gesteuerte Modelle, regionale Verbünde, Sprach- und Audioarchive sowie problembehaftete Übergänge ab. Nicht jedes Projekt bildet die gesamte Prozesskette ab; gerade die Unterschiede machen sichtbar, welche Funktion jeweils gelöst wird und wo Lücken bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable sortable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Fall&lt;br /&gt;
! Gemeinschaft / Raum&lt;br /&gt;
! Modelltyp&lt;br /&gt;
! Besondere Relevanz für die Sorben&lt;br /&gt;
! Evidenzlage&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| RomArchive&lt;br /&gt;
| Roma und Sinti; transnational, Schwerpunkt Europa; Betrieb in Deutschland&lt;br /&gt;
| Kuratiertes, gemeinschaftsgeprägtes digitales Archiv&lt;br /&gt;
| Deutungshoheit, Übergabe vom Förderprojekt an einen dauerhaften Betreiber, Mehrsprachigkeit&lt;br /&gt;
| Mittel bis hoch: aktuelle Primärquellen; keine aktuelle unabhängige Wirkungsanalyse&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Nuohtti&lt;br /&gt;
| Sámi in Sápmi; Norwegen, Schweden, Finnland, historisch auch Russland&lt;br /&gt;
| Föderierter Suchdienst über Bestände vieler Institutionen&lt;br /&gt;
| Verteilte Bestände, mehrere Staaten und Sprachen, ethische Hinweise, Open-Source-Bausteine&lt;br /&gt;
| Mittel bis hoch: Projekt- und Betreiberquellen; belastbare Umfangsangaben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| People’s Collection Wales&lt;br /&gt;
| Walisische Bevölkerung und walisischsprachige Gemeinschaft; Wales, Vereinigtes Königreich&lt;br /&gt;
| Nationaler Verbund mit Community-Beiträgen und Schulung&lt;br /&gt;
| Zweisprachigkeit, kleine Träger, zentrale Unterstützung, unabhängige Evaluation&lt;br /&gt;
| Hoch für die untersuchte Förderphase; aktuelle Nutzungsdaten begrenzt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Tobar an Dualchais / Kist o Riches&lt;br /&gt;
| Gälisch- und Scots-sprachige Gemeinschaften; Schottland, Vereinigtes Königreich&lt;br /&gt;
| Digitales Oral-History- und Tonarchiv&lt;br /&gt;
| Gefährdete audiovisuelle Bestände, Sprache, Transkription, Bildung&lt;br /&gt;
| Mittel: aktuelle Bestands- und Förderangaben; keine umfassende unabhängige Evaluation&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Euskariana&lt;br /&gt;
| Baskische Kultur- und Sprachgemeinschaft; Projekt der Autonomen Gemeinschaft Baskenland, Spanien&lt;br /&gt;
| Staatlich getragenes Aggregations- und Zugangsportal&lt;br /&gt;
| Gemeinsamer Katalog, eigenes Repositorium plus Verlinkung, Standards und Europeana-Anbindung&lt;br /&gt;
| Mittel: gute offizielle Dokumentation; wenig unabhängige Wirkungsmessung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| bavarikon&lt;br /&gt;
| Regionales Kulturerbe Bayerns; keine Minderheitenplattform&lt;br /&gt;
| Staatlicher institutionsübergreifender Digitalisierungs- und Präsentationsverbund&lt;br /&gt;
| Betreiberverantwortung, Förderverfahren, Qualitätsanforderungen, Beteiligung vieler Einrichtungen&lt;br /&gt;
| Hoch für Organisation und Umfang; wegen Größenordnung nur teilweise übertragbar&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mukurtu und Plateau Peoples’ Web Portal&lt;br /&gt;
| Indigene Nationen des nordwestlichen Plateaus; USA&lt;br /&gt;
| Open-Source-Zugangsplattform und gemeinschaftlich kuratierter Verbund&lt;br /&gt;
| Kulturelle Protokolle, Traditional Knowledge Labels, mehrere Beschreibungen pro Objekt&lt;br /&gt;
| Hoch für Funktionsmodell und Governance; Betriebskapazität bleibt Voraussetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Aṟa Irititja&lt;br /&gt;
| Aṉangu der APY Lands; South Australia, Australien&lt;br /&gt;
| Gemeinschaftsbasiertes Multimediaarchiv und digitale Rückgabe&lt;br /&gt;
| Lokale Kontrolle, sensibler Zugang, mehrsprachige und niedrigschwellige Nutzung&lt;br /&gt;
| Mittel: detaillierte Eigendokumentation; Wirkungsnachweise überwiegend Selbstauskunft&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Living Archive of Aboriginal Languages&lt;br /&gt;
| Zahlreiche Aboriginal-Sprachgemeinschaften im Northern Territory, Australien&lt;br /&gt;
| Digitales Sprach- und Bildungsarchiv&lt;br /&gt;
| Rechteklärung, offene Lehrmaterialien, Master-/Nutzungsdateien, Migrationsrisiko&lt;br /&gt;
| Hoch für Prozess und Bestandsumfang; dokumentierte Einschränkung nach Systemwechsel&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| PARADISEC&lt;br /&gt;
| Viele kleine und gefährdete Sprachgemeinschaften, vor allem im Pazifikraum&lt;br /&gt;
| Universitärer Fachverbund für audiovisuelle Langzeiterhaltung&lt;br /&gt;
| Gefährdete Tonträger, professionelles Repositorium, verteilte Trägerschaft und Rückgabe von Kopien&lt;br /&gt;
| Hoch: große Bestände, aktuelle Berichte, Zertifizierung und Auszeichnungen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reciprocal Research Network&lt;br /&gt;
| First Nations der Nordwestküste von British Columbia; Kanada&lt;br /&gt;
| Föderierte Recherche- und Kooperationsplattform&lt;br /&gt;
| Institutionenübergreifende Suche, Vereinbarungen, Community-Wissen, technische Alterung&lt;br /&gt;
| Mittel bis hoch: aktuelle Bestandszahlen und Forschung; sichtbare Softwareversion von 2014&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Indigitization&lt;br /&gt;
| First Nations und weitere indigene Gemeinschaften in British Columbia; Kanada&lt;br /&gt;
| Kompetenz-, Schulungs- und Förderprogramm für dezentrale Digitalisierung&lt;br /&gt;
| Besonders nah am möglichen Dienstleistungsmodell eines sorbischen Digitalisierungszentrums&lt;br /&gt;
| Hoch für Förderphase 2013–2019; aktuelles Kassettenförderprogramm pausiert&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== D. Fallprofile ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.1 RomArchive – Digitales Archiv der Roma ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Roma sind eine transnationale, historisch in vielen europäischen und außereuropäischen Staaten lebende Minderheit mit vielfältigen Gruppen, Sprachen und Selbstbezeichnungen. Sinti sind eine unter anderem in Deutschland und Mitteleuropa beheimatete Gruppe. RomArchive ist deshalb keinem einzelnen Minderheitengebiet zugeordnet. Das Projekt wurde in Deutschland öffentlich gefördert und international mit überwiegend aus Roma bestehenden kuratorischen und beratenden Teams entwickelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RomArchive versteht sich als digitales Archiv für Kunst und Kulturen der Roma. Es erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern präsentiert kuratierte, repräsentative Bestände und wissenschaftliche Kontextualisierungen. Inhalte wurden von jeweils zuständigen kuratorischen Teams ausgewählt; kuratorische Teams und Beirat waren überwiegend mit Roma besetzt. Nach Angaben des Projekts wirkten rund 150 Personen aus 15 Staaten mit. Die Übergabe an eine Roma-Organisation war von Beginn der fünfjährigen Entwicklungsphase 2015–2019 an vorgesehen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_faq&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entwicklung wurde durch die Kulturstiftung des Bundes mit 3,75 Millionen Euro gefördert; weitere Unterstützer waren unter anderem die Bundeszentrale für politische Bildung, das Auswärtige Amt und das Goethe-Institut. Seit 2019 liegt der Betrieb beim Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg; die laufende Website nennt die Bundeszentrale für politische Bildung als Förderer.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_kulturstiftung&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_imprint&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Fachliche und technische Lösung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RomArchive verbindet kuratierte Themenbereiche, einen durchsuchbaren Archivbestand, biografische Akteursdaten und digitale Vermittlungsformate. Die Deutsche Kinemathek war für Konzeption und Vermittlung von digitaler Archivierung, Digitalisierung und Katalogisierung beteiligt. Die Website nutzt ein auf Django basierendes Content-Management-System; eine Verbindung zu Axiell Collections bindet das Sammlungsmanagement an die Präsentation an.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_imprint&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben veröffentlichten Materialien existiert ein internes Archiv, das auf begründete Anfrage für Forschung zugänglich ist. Dies ist ein einfaches, aber wichtiges Beispiel für abgestufte Zugänge. Das Angebot ist auf Deutsch, Englisch und Romanes verfügbar; die sprachliche Vielfalt des Romanes wird sichtbar gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Rechte, Beteiligung und nachweisbarer Erfolg ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die stärkste Leistung liegt in der kuratorischen und strategischen Beteiligung der Minderheit sowie in dem Anspruch, Fremdzuschreibungen durch selbst erzählte Gegennarrative zu korrigieren. Ethische Richtlinien und eine Sammlungspolitik wurden durch den internationalen Beirat mitentwickelt. Der Übergang vom zeitlich befristeten Entwicklungsprojekt an einen institutionellen Betreiber wurde tatsächlich vollzogen. Dass das Angebot im Juli 2026 weiterhin betrieben wird, ist ein belastbarer Nachhaltigkeitsindikator.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Aktuelle unabhängige Daten zu Nutzung, Reichweite, Aktualisierungsfrequenz und langfristiger digitaler Erhaltung der Masterdateien sind öffentlich nicht in ausreichender Tiefe dokumentiert. Die öffentliche Oberfläche ist stärker ein kuratiertes Archiv und Wissensportal als ein vollständiges Bestandsregister aller Roma-Kulturgüter. Die überwiegend restriktive Rechtekennzeichnung vieler Inhalte begrenzt kreative Nachnutzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* Minderheitenangehörige mit echten kuratorischen und strategischen Entscheidungsrechten;&lt;br /&gt;
* von Beginn an geplanter Betreiberübergang;&lt;br /&gt;
* Verbindung von Sammlungsdatenbank, kuratiertem Kontext und öffentlicher Präsentation;&lt;br /&gt;
* abgestufter Zugang zwischen öffentlicher Website und internem Forschungsarchiv;&lt;br /&gt;
* öffentliche Anschubförderung plus institutionelle Verankerung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwerte:''' &lt;br /&gt;
* Ein sorbisches Portal sollte nicht nur Objekte zeigen, sondern sorbische Perspektiven, Begriffe und Kontexte strukturell verankern. &lt;br /&gt;
* Für Kulturregister, Digitalisierungszentrum und Präsentation braucht es bereits in der Projektphase einen festgelegten dauerhaften Träger. &lt;br /&gt;
* Ein kuratorischer oder gemeinschaftlicher Beirat sollte nicht nur beraten, sondern definierte Entscheidungsrechte bei Auswahl, Beschreibung und sensiblen Inhalten erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.2 Nuohtti – Föderierter Zugang zum Sámi-Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Sámi sind ein indigenes Volk im nordeuropäischen Sápmi, das sich über Gebiete des heutigen Norwegens, Schwedens, Finnlands und Russlands erstreckt. Es gibt mehrere Sámi-Sprachen und unterschiedliche nationale Rechts- und Institutionsrahmen. Viele historische Quellen und Sammlungsobjekte befinden sich außerhalb von Sámi-Institutionen in europäischen Archiven, Bibliotheken und Museen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nuohtti ist ein Suchdienst, der digitalisierte Sámi-Materialien aus verschiedenen europäischen Gedächtnisinstitutionen zusammenführt. Er wurde im Projekt „Digital Access to the Sámi Heritage Archives“ von 2018 bis 2021 mit EU-Mitteln aus Interreg Nord entwickelt. Beteiligt waren die Sámi-Archive der norwegischen und finnischen Nationalarchive, das schwedische Reichsarchiv sowie Universitäten in Lappland, Oulu und Umeå; die Universität Lappland leitete das Projekt. Die Sámi-Parlamente Finnlands, Norwegens und Schwedens entsandten Mitglieder in die Steuerungsgruppe.&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_about&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_uarctic&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Vorgehen und Architektur ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor der technischen Umsetzung wurden einschlägige Bestände und Datenlieferanten kartiert. Nuohtti bündelt keine Originale und ersetzt die Quellsysteme nicht. Es normalisiert und indexiert Metadaten aus Archiven und Aggregatoren und führt Nutzerinnen und Nutzer zu den jeweiligen Digitalisaten. Eine Karte, eine Zeitleiste und mehrsprachige Suchoberflächen unterstützen den Zugang. Nach Projektangaben waren rund 30.000 Datensätze aus 32 Institutionen in fünf Sprachen zugänglich.&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_uarctic&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Technisch baut Nuohtti auf vorhandenen Open-Source- und öffentlichen Komponenten auf, darunter VuFind, Finna, RecordManager, Finto, Giellatekno, Apache Solr, Leaflet, OpenStreetMap und Nominatim. Daten werden unter anderem über nationale und europäische Aggregationswege eingebunden.&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Rechte, Ethik und Nachhaltigkeit ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nuohtti integriert ethische Hinweise in die Nutzung. Das ist besonders relevant, weil viele historische Beschreibungen und Sammlungen außerhalb der Sámi-Gemeinschaft und unter kolonialen Bedingungen entstanden. Nutzertests fanden unter anderem in Schulen und Bibliotheken statt. Nach dem Projekt wird der Dienst von den beteiligten Nationalarchiven weitergeführt; zugleich wird er im laufenden Projekt DIGICHer als Praxisbeispiel weiterentwickelt und untersucht.&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_dataspace&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Nuohtti löst vor allem den gemeinsamen Nachweis und Zugang. Die Digitalisierung, Rechteklärung und Langzeiterhaltung verbleiben überwiegend bei den Datenlieferanten. Unterschiedliche Datenqualität und historisch problematische Beschreibungen werden durch Aggregation nicht automatisch behoben. Aktuelle, öffentlich nachvollziehbare Nutzungszahlen sind begrenzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* föderierte Architektur statt erzwungener Zentralisierung aller Bestände;&lt;br /&gt;
* Bestands- und Datenquellenkartierung vor dem Portalbau;&lt;br /&gt;
* Beteiligung von Sámi-Parlamenten an der Steuerung;&lt;br /&gt;
* Wiederverwendung vorhandener Open-Source-Komponenten und nationaler Infrastrukturen;&lt;br /&gt;
* mehrsprachige, räumliche und zeitliche Suche;&lt;br /&gt;
* sichtbare ethische Kontextualisierung problematischer Bestände.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwerte:''' &lt;br /&gt;
* Das Register kann als föderierender Nachweis funktionieren: große Institutionen liefern Metadaten über Schnittstellen, kleine Träger können Daten direkt in einem zentral angebotenen System erfassen. &lt;br /&gt;
* Eine zentrale Suche muss nicht bedeuten, dass alle Originale oder alle Digitalisate zentral verwaltet werden. &lt;br /&gt;
* Historische Fremdbeschreibungen sollten als solche kenntlich gemacht und um sorbische Bezeichnungen sowie Community-Kontexte ergänzt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.3 People’s Collection Wales / Casgliad y Werin Cymru ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wales ist ein Landesteil des Vereinigten Königreichs mit eigener Regierung und einer starken nationalen sowie walisischsprachigen Identität. Walisisch und Englisch sind für das Angebot gleichberechtigte Arbeitssprachen. Das Projekt richtet sich nicht nur an professionelle Kulturinstitutionen, sondern auch an lokale Geschichtsgruppen, Vereine, Schulen und Einzelpersonen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
People’s Collection Wales ist eine zweisprachige digitale Plattform und ein begleitendes Unterstützungsprogramm, über das Nutzerinnen und Nutzer walisisches Kulturerbe entdecken, beitragen und vermitteln können. Getragen wird es als föderierte Partnerschaft von Amgueddfa Cymru – National Museum Wales, der National Library of Wales und der Royal Commission on the Ancient and Historical Monuments of Wales; finanziert wird das Programm durch die walisische Regierung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_eval&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Plattform wird durch kostenlose Beratung und Schulung ergänzt. Das aktuelle Unterstützungsangebot umfasst Projektplanung, Digitalisierung, Urheberrecht, Datenschutz, Metadaten und Oral History. Diese Kombination aus Technik und persönlicher Begleitung ist für kleine und ehrenamtliche Träger besonders relevant.&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_support&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Nachweisbarer Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die unabhängige Evaluation von 2016 stellte für die Förderphase 2014-2016 eine gestärkte föderierte Partnerschaft, eine kritische Masse an Inhalten, Fortschritte bei Community-Kompetenzen und eine hohe Vertrauenswürdigkeit des nichtkommerziellen Angebots fest. Externe Projekte sparten Ressourcen, weil sie eine vorhandene Plattform nutzen konnten. Zugleich wurden die gemessenen Wirkungen insgesamt als eher moderat beschrieben. Die Nutzerbefragung hatte nur 38 vollständige Antworten; wirtschaftliche und touristische Wirkungen waren damals nicht nachweisbar. Die Evaluation benannte Finanzierungssicherheit, klare Rollen, technische Stabilität, Marketing und dauerhaft finanzierbare Vor-Ort-Unterstützung als zentrale Herausforderungen. Vermittelte Sitzungen seien für bestimmte Zielgruppen unverzichtbar.&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_eval&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Programm existiert weiterhin und bietet aktuell Unterstützung an. Die verfügbaren Quellen belegen damit institutionelle Kontinuität, ersetzen aber keine neue unabhängige Wirkungsevaluation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* föderierte Trägerschaft mehrerer starker Institutionen;&lt;br /&gt;
* zweisprachige Plattform und Materialien;&lt;br /&gt;
* kostenlose Beratung, Metadaten- und Digitalisierungsschulungen;&lt;br /&gt;
* gemeinsamer technischer Dienst, den lokale Projekte nicht selbst entwickeln müssen;&lt;br /&gt;
* expliziter Pilot- und Lernansatz;&lt;br /&gt;
* unabhängige Evaluation mit offen benannten Grenzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwerte:''' &lt;br /&gt;
* Ein Digitalisierungszentrum sollte nicht nur Geräte betreiben, sondern ein sichtbares Serviceangebot für Heimatstuben, Vereine, Kirchengemeinden, Kommunen und Privatpersonen aufbauen: Erstberatung, Vorlagen, Rechtehilfe, Metadatenhilfe, mobile Einsätze, Schulungen und telefonische beziehungsweise digitale Sprechstunden. &lt;br /&gt;
* Für Obersorbisch und Niedersorbisch sollte Mehrsprachigkeit verbindlich geplant und finanziert werden. &lt;br /&gt;
* Erfolgsmessung darf sich nicht auf Objektzahlen beschränken, sondern sollte Kompetenzen, beteiligte Träger, Nachnutzung und Zufriedenheit erfassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.4 Tobar an Dualchais / Kist o Riches ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schottisch-Gälisch ist eine keltische Minderheitensprache, die vor allem in Schottland, besonders in den Highlands und auf den Inseln, gesprochen wird. Scots ist eine weitere historisch gewachsene Sprache beziehungsweise Sprachgruppe Schottlands. Das Projekt umfasst Aufnahmen auf Gälisch, Scots und Englisch und ist in den öffentlichen und kulturellen Institutionen Schottlands verankert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tobar an Dualchais / Kist o Riches macht mehr als 40.000 mündliche Aufnahmen zugänglich, die seit den 1930er Jahren in Schottland und darüber hinaus entstanden. Enthalten sind Erzählungen, Lieder, Musik, Gedichte und Sachinformationen. Ein bedeutender Teil stammt aus den School of Scottish Studies Archives der Universität Edinburgh; die physischen Originalbestände verbleiben in den Archiven.&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_edinburgh&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Vorhaben wird durch eine Partnerschaft kultureller und wissenschaftlicher Einrichtungen getragen und erhält wiederkehrend öffentliche Förderung. Die schottische Regierung bewilligte 2025 beispielsweise 35.000 Pfund für die fortlaufende Online-Sammlung gälischer und Scots-Materialien und 2026 weitere 14.127 Pfund für die Entwicklung des digitalen Archivs.&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_funding2025&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_funding2026&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Technische und fachliche Schwerpunkte ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Projekt konzentriert sich auf bedrohte zeitbasierte Medien und deren sprachliche Erschließung. Suchfelder nach Thema, Titel und beitragender Person erleichtern die Nutzung. Das ergänzende Vorhaben „Opening the Well“ transkribiert einen großen Bestand gälischer Erzählungen und verbindet Freiwilligenarbeit mit automatischer Spracherkennung. Dadurch werden Tonaufnahmen nicht nur erhalten, sondern durchsuchbar und für Sprachforschung sowie Bildung nachnutzbar.&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_opening&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Die öffentlich sichtbaren Förderungen sind überwiegend programm- oder projektbezogen. Sie belegen fortlaufende Unterstützung, aber keine vollständig transparente dauerhafte Grundfinanzierung des gesamten Betriebs. Rechteklärung, Transkription und Qualitätskontrolle bleiben bei umfangreichen historischen Tonbeständen dauerhafte Aufgaben. Eine umfassende unabhängige Evaluation mit aktuellen Nutzungsdaten wurde in dieser Recherche nicht gefunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* klare Priorität für gefährdete audiovisuelle Bestände;&lt;br /&gt;
* institutionelle Aufbewahrung der Originale und digitale öffentliche Vermittlung;&lt;br /&gt;
* Verbindung von Digitalisierung, sprachlicher Erschließung und Bildung;&lt;br /&gt;
* Kombination aus Fachinstitutionen, öffentlicher Förderung und freiwilliger Mitarbeit;&lt;br /&gt;
* sichtbare Mehrsprachigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwerte:''' &lt;br /&gt;
* Tonbänder, Kassetten, Filme und Videoformate sollten wegen Materialalterung und technischer Obsoleszenz gesondert priorisiert werden. &lt;br /&gt;
* Ein Pilot „Sorbische / wendische Stimmen und Lieder“ könnte Digitalisierung, Rechteklärung, obersorbische und niedersorbische Transkription, Übersetzung, Normdaten und Bildungsnutzung exemplarisch durchspielen. &lt;br /&gt;
* Automatische Spracherkennung kann unterstützen, ersetzt aber bei kleinen Sprachen keine fachliche und gemeinschaftliche Korrektur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.5 Euskariana – Digitales Portal zum baskischen Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Baskinnen und Basken leben beiderseits der spanisch-französischen Grenze. Baskisch (Euskara) ist eine eigenständige europäische Sprache mit mehreren Varietäten. Euskariana ist kein gesamtbaskisches staatenübergreifendes Projekt, sondern ein Angebot der Autonomen Gemeinschaft Baskenland in Spanien; es bezieht jedoch auch einschlägige Bestände aus Institutionen außerhalb dieser Region ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Euskariana wird von der Digitalen Bibliothek Euskadi innerhalb der baskischen Kulturverwaltung betrieben. Das Portal entsteht in Zusammenarbeit des baskischen Regierungsapparats mit den Provinzverwaltungen von Álava/Araba, Bizkaia und Gipuzkoa, Kommunen, Universitäten, kirchlichen und privaten Einrichtungen. Der Sammlungsschwerpunkt umfasst Werke baskischer Urheberinnen und Urheber, Veröffentlichungen aus Euskadi, weltweit entstandene Inhalte zu baskischen Themen sowie besonders Inhalte auf Baskisch oder in baskischer Übersetzung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;euskariana_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als staatlich getragenes Dauerangebot ist Euskariana stärker institutionell abgesichert als ein zeitlich begrenztes Förderprojekt. Öffentlich zugängliche Quellen benennen jedoch keine vollständigen jährlichen Betriebs- und Personalkosten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Architektur, Standards und Nachnutzung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Euskariana ist gleichzeitig gemeinsamer Katalog und Zugangsportal. Es integriert Datensätze aus Bibliotheksnetzen, Verbundkatalogen, Museen, Archiven, Hochschulrepositorien und internationalen Nationalbibliotheken. Digitale Objekte werden entweder im eigenen Repositorium bereitgestellt oder über Links in den Quellsystemen aufgerufen. Damit unterstützt das Projekt zwei Anbindungswege: zentrale Aufnahme und föderierte Verlinkung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;euskariana_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach offizieller Dokumentation nutzt Euskariana unter anderem MARC, Dublin Core (DC), METS, PREMIS und ALTO. Kurz erläutert: MARC dient vor allem bibliografischen Daten; Dublin Core beschreibt einen einfachen Metadatenkern; METS strukturiert digitale Objekte und Dateigruppen; PREMIS dokumentiert Erhaltungsinformationen; ALTO bildet Layout und erkannten Text digitalisierter Seiten ab. Die Standardisierung ermöglicht die Beteiligung an Europeana und die Verbindung zu weiteren spanischen und französischen Portalen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;euskariana_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Die offizielle Dokumentation ist technisch aussagekräftig, liefert aber wenig Informationen über Community-Entscheidungsrechte, abgestufte kulturelle Zugänge, aktuelle Nutzungszahlen oder eine unabhängige Wirkungsevaluation. Das Modell ist stärker verwaltungs- und institutionsgetrieben als gemeinschaftsgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* klar benannter öffentlicher Betreiber;&lt;br /&gt;
* Kooperation über Verwaltungs-, Institutions- und Sektorgrenzen hinweg;&lt;br /&gt;
* sowohl eigenes Repositorium als auch Einbindung externer Digitalisate;&lt;br /&gt;
* verbindliche internationale Metadaten- und Erhaltungsstandards;&lt;br /&gt;
* besondere Sichtbarkeit der Minderheitensprache;&lt;br /&gt;
* Anschluss an größere Aggregatoren wie Europeana.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwerte:''' &lt;br /&gt;
* Für ein Register sollte es mindestens zwei Onboarding-Wege geben: Kleine Träger erfassen beziehungsweise hinterlegen Daten und Dateien in zentral bereitgestellten Diensten; größere Einrichtungen liefern Daten aus eigenen Fachsystemen über Export oder Schnittstelle. &lt;br /&gt;
* Ein gemeinsames Kernprofil muss lokale Fachstandards nicht ersetzen, sondern deren wichtigste Angaben abbilden. &lt;br /&gt;
* Obersorbisch und Niedersorbisch sollten als eigenständige Sprachwerte, nicht nur als Übersetzungsvarianten von Deutsch, gespeichert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.6 bavarikon – Regionaler Digitalisierungs- und Präsentationsverbund ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Region und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bavarikon ist keine Minderheitenplattform, sondern das Kulturportal des Freistaats Bayern. Es ist dennoch relevant, weil es zeigt, wie ein Flächenland zahlreiche Museen, Archive, Bibliotheken, wissenschaftliche Einrichtungen und nichtstaatliche Träger in ein geregeltes Förder-, Qualitäts- und Präsentationsmodell einbindet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die grundsätzliche Ausrichtung und der Mitteleinsatz werden durch das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst sowie das Staatsministerium für Digitales bestimmt. Ein Rat mit 14 stimmberechtigten Mitgliedern aus unterschiedlichen Kultursparten entscheidet über neue Inhalte und berät zu Betrieb und Digitalisierungsstrategie. Die Bayerische Staatsbibliothek trägt den laufenden technischen, redaktionellen und organisatorischen Betrieb; das Leibniz-Rechenzentrum übernimmt das Hosting.&amp;lt;ref name=&amp;quot;bavarikon_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Partner können Digitalisierungsvorhaben beantragen. Die Bayerische Staatsbibliothek begleitet die Digitalisierung, wenn die Ergebnisse in hoher Qualität über bavarikon präsentiert werden. Für die Aufnahme existieren Kriterien, Metadatenhandreichungen, Qualitätsanforderungen für Digitalisate, Musterlisten und ein Vorantragsverfahren.&amp;lt;ref name=&amp;quot;bavarikon_partner&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Nachweisbarer Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Portal ging 2013 online und wird monatlich ergänzt. Im November 2024 meldete die Bayerische Staatsbibliothek mehr als 500.000 digitale Objekte aus rund 170 Einrichtungen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;bavarikon_500k&amp;quot;/&amp;gt; Die institutionelle Betreiberverantwortung, der geregelte Zugang zu Fördermitteln und die veröffentlichten Mindestanforderungen sind belastbare Erfolgsindikatoren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' bavarikon verfügt über die Ressourcen eines deutschen Flächenlandes und einer großen Staatsbibliothek. Diese Größenordnung ist für die Sorben nicht direkt übertragbar. Das Portal ist primär Präsentations- und Förderinfrastruktur; aus den öffentlichen Unterlagen lässt sich nicht ableiten, dass bavarikon für sämtliche Masterdateien aller Partner allein die vollständige Langzeiterhaltung übernimmt. Community-Governance und kulturell abgestufte Zugänge stehen nicht im Mittelpunkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* dauerhaft benannter zentraler Betreiber und leistungsfähiges Rechenzentrum;&lt;br /&gt;
* spartenübergreifendes Entscheidungsgremium;&lt;br /&gt;
* geregeltes Förder- und Auswahlverfahren;&lt;br /&gt;
* publizierte Mindeststandards und Vorlagen;&lt;br /&gt;
* zentrale fachliche Begleitung bei dezentralen Beständen;&lt;br /&gt;
* kontinuierlicher Ausbau statt einmaliger Portalveröffentlichung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwerte:''' &lt;br /&gt;
* Übertragbar ist nicht die Größenordnung, sondern die Verfahrenslogik: ein transparentes Antrags- und Priorisierungsverfahren, verbindliche Lieferpakete, klare Qualitätskontrollen und ein zentraler Ansprechpartner. &lt;br /&gt;
* Ein sorbischer Digitalisierungsfonds könnte kleinere, klar abgegrenzte Vorhaben fördern, sofern Rechte, Metadaten, Zielrepositorium und spätere Nutzung vorab geklärt sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.7 Mukurtu und Plateau Peoples’ Web Portal ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mukurtu entstand aus einer Zusammenarbeit mit der Warumungu-Gemeinschaft in Australien und wurde zu einer frei verfügbaren Plattform für indigene Gemeinschaften weiterentwickelt. Das hier besonders betrachtete Plateau Peoples’ Web Portal betrifft acht indigene Nationen des nordwestlichen Plateaus in den USA, darunter Spokane, Colville, Umatilla, Coeur d’Alene, Warm Springs, Yakama, Confederated Salish and Kootenai Tribes und Nez Perce. Diese Nationen besitzen jeweils eigene politische und kulturelle Strukturen innerhalb der Vereinigten Staaten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mukurtu CMS (Content-Management-System; deutsch: System zur Verwaltung und Veröffentlichung von Inhalten) wird am Center for Digital Scholarship and Curation der Washington State University als Open-Source-Software entwickelt und gepflegt. Die Entwicklung wurde unter anderem durch die National Endowment for the Humanities, das Institute of Museum and Library Services, die Mellon Foundation und die National Science Foundation gefördert.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_about&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_plateau&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Plateau Peoples’ Web Portal ist ein konkreter Verbund zwischen den beteiligten Stämmen, der Washington State University und externen Gedächtnisinstitutionen. Stammesvertreterinnen und -vertreter wählen und kuratieren Materialien; die technische Pflege liegt bei der Universität in Partnerschaft mit indigenen Programmen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_plateau&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Rechte- und Metadatenmodell ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mukurtu unterstützt Traditional Knowledge Labels, fein abgestufte kulturelle Protokolle und mehrere parallele Beschreibungen zu einem Objekt. Eine Institution kann beispielsweise eine archivische Beschreibung liefern, während eine Gemeinschaft eigene Namen, Erzählungen, Herkunftsangaben und Zugangsregeln ergänzt. Der „Roundtrip“-Mechanismus ermöglicht den Export angereicherter Daten, ohne ursprüngliche Metadaten zu verlieren.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wissenschaftliche Dokumentationen des Plateau-Portals beschreiben ein Hub-and-Spoke-Modell – also einen zentralen technischen Knoten mit mehreren institutionellen und gemeinschaftlichen Zulieferern – sowie Vereinbarungen zwischen Partnern, Dublin-Core-Metadaten und granulare Zugangsregeln.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_dlib&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Portal demonstriert dauerhaft, dass kulturelle Selbstbestimmung technisch nicht nur durch „öffentlich“ oder „geschlossen“ abgebildet werden muss. Es ermöglicht mehrere Wissensordnungen neben- statt untereinander. Die Plattform ist Open Source und exportfähig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Open Source bedeutet nicht kostenlosen Betrieb. Installation, Aktualisierung, Hosting, Rechtekonzeption, Datenmigration und Support benötigen dauerhaft qualifiziertes Personal. Mukurtu weist selbst ausdrücklich darauf hin, dass es eine Zugangsplattform und nur ein Bestandteil eines größeren Systems für Digitalisierung, Erhaltung und Nachhaltigkeit ist.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_about&amp;quot;/&amp;gt; Die Übernahme von Traditional Knowledge Labels in den sorbischen Kontext wäre nicht eins zu eins möglich, weil kulturelle und rechtliche Ausgangslagen verschieden sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* kulturelle Protokolle als Kern der Daten- und Zugangslogik;&lt;br /&gt;
* mehrere Beschreibungen und Perspektiven pro Objekt;&lt;br /&gt;
* exportfähige Daten statt Plattformbindung;&lt;br /&gt;
* Partnerschaftsvereinbarungen und konkrete Rollen;&lt;br /&gt;
* dauerhafte technische Trägerschaft durch eine Universität;&lt;br /&gt;
* Community-Kuration statt bloßer Rückmeldung nach Veröffentlichung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwerte:''' &lt;br /&gt;
* Im Kulturregister sollte neben institutionellen Angaben Raum für sorbisch / wendische Bezeichnungen, lokale Varianten, Erinnerungen und Korrekturen bestehen. &lt;br /&gt;
* Rechte- und Sichtbarkeitsstufen müssen pro Datensatz und möglichst pro Mediendatei modelliert werden. &lt;br /&gt;
* Ein Register könnte zunächst ein eigenes, rechtlich passendes Set von „Kulturhinweisen“ entwickeln, etwa „nur Metadaten öffentlich“, „Nutzung nur nach Rücksprache“, „innergemeinschaftlich“, „zeitlich gesperrt“ oder „freie Nachnutzung erwünscht“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.8 Aṟa Irititja – Gemeinschaftsbasiertes Aṉangu-Archiv ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aṉangu ist eine Selbstbezeichnung von Ngaanyatjarra-, Pitjantjatjara- und Yankunytjatjara-Gemeinschaften im zentralen Australien. Aṟa Irititja arbeitet vor allem in den Aṉangu Pitjantjatjara Yankunytjatjara Lands (APY Lands) im Nordwesten des Bundesstaats South Australia. Die Gemeinschaften sind australischen staatlichen Strukturen zugehörig, verfügen aber über eigene Land- und Organisationsstrukturen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Entstehung, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Projekt entstand 1994 als sozialgeschichtliches Vorhaben der Pitjantjatjara Council Aboriginal Corporation. Es arbeitet mit Schulen, Bildungszentren, Gesundheits-, Frauen-, Medien-, Land- und Kunstorganisationen in den APY Lands zusammen. Ein zentrales Büro in Adelaide bearbeitet Datenbank, Digitalisierung, physische Lagerung und Verwaltung; ein Büro in Alice Springs hält den Kontakt zu Gemeinschaften und ergänzt Sprach-, Familien- und Kontextinformationen. Seit 2020 steht das Projekt unter dem Dach der APY-Organisation und wird durch deren Executive Board gesteuert.&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_who&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Finanzierung war über lange Zeit eine Mischung aus staatlichen Programmen, Stiftungen, Spenden sowie jährlichen Beiträgen beteiligter Schulen und Community-Organisationen. Die eigene Projektdokumentation bezeichnet die langfristige Finanzierung ausdrücklich als dauerhaftes Problem. Mit der Eingliederung in APY wurden 2020 drei permanente Teilzeitstellen geschaffen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_funding&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Fachliche Lösung, Rechte und Zugang ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aṟa Irititja wurde auf Wunsch der Gemeinschaften entwickelt, um kulturelle Geschichte zu bewahren und zurückzugeben. Das Multimediaarchiv umfasst Fotos, Dokumente, Filme, Tonaufnahmen und Objekte. Die Software sollte kulturelle Einschränkungen abbilden und zugleich für Nutzerinnen und Nutzer mit begrenzter Schriftkompetenz oder eingeschränktem Sehvermögen leicht bedienbar sein. Inhalte werden in Ngaanyatjarra, Pitjantjatjara, Yankunytjatjara und Englisch bereitgestellt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_approach&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_who&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gemeinschaftsmitglieder und kulturelle Berater beurteilen sensible Inhalte und Zugangsregeln. Der Ansatz der „digitalen Rückgabe“ bringt digitale Kopien und Nutzungsmöglichkeiten zu den Gemeinschaften zurück, auch wenn Originale in Museen oder anderen Institutionen verbleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Betrieb seit 1994, die Eingliederung in eine Aṉangu-geführte Organisation und die dauerhafte Nutzung in Schulen und Gemeinschaftseinrichtungen sind starke Nachhaltigkeitsindizien. Die Dokumentation beschreibt intergenerationelle Nutzung, Schulungen und Beschäftigung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Viele Wirkungsangaben stammen vom Projekt selbst. Unabhängige aktuelle Evaluationen und detaillierte technische Angaben zur Langzeiterhaltung sind begrenzt. Die langjährige Finanzierungssuche zeigt, dass kulturelle Bedeutung allein keinen verlässlichen Betriebsetat garantiert. Zentraler Betrieb in Adelaide schafft Fachlichkeit, kann aber Distanz zu abgelegenen Gemeinschaften erzeugen; deshalb bleibt die lokale Kontakt- und Trainingsstruktur wesentlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* Entwicklung aus einem ausdrücklichen Wunsch der Gemeinschaft;&lt;br /&gt;
* institutionelle Unterstellung unter eine gemeinschaftseigene Organisation;&lt;br /&gt;
* lokale Ansprechpartner und zentrale Facharbeit;&lt;br /&gt;
* kulturell abgestufte Zugänge;&lt;br /&gt;
* mehrsprachige, visuell einfache Oberfläche;&lt;br /&gt;
* Verbindung von digitaler Rückgabe, Bildung und Kompetenzaufbau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwerte:''' &lt;br /&gt;
* Nutzeroberflächen sollten nicht nur für wissenschaftliche Fachkräfte gestaltet werden. &lt;br /&gt;
* Lokale Sammlungsbetreuerinnen und -betreuer brauchen einfache Erfassungswege, visuelle Hilfen und persönliche Unterstützung. &lt;br /&gt;
* Sensible Inhalte – etwa private Familienaufnahmen, religiöse Praktiken, personenbezogene Überlieferung oder nicht für eine allgemeine Öffentlichkeit bestimmte Aufzeichnungen – benötigen ein gemeinsam beschlossenes Zugangsmodell. &lt;br /&gt;
* Zentraler Betrieb muss durch lokale Beziehungen ergänzt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.9 Living Archive of Aboriginal Languages (LAAL) ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Living Archive of Aboriginal Languages bündelt Literatur aus zahlreichen Aboriginal-Sprachgemeinschaften des Northern Territory in Australien. Es handelt sich nicht um eine einzige Minderheit, sondern um viele eigenständige Sprach- und Kulturgemeinschaften. Ein großer Teil der Bücher entstand zwischen den 1970er Jahren und dem Ende bilingualer Bildungsprogramme in lokalen Literature Production Centres.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Projekt begann 2012 unter Leitung der Charles Darwin University mit der Australian National University und dem Bildungsressort des Northern Territory. Es wurde durch die Australian Research Council Linkage Infrastructure, Equipment and Facilities Scheme gefördert. Eine zweite Förderphase erweiterte den Bestand und die Community- sowie Bildungsarbeit; weitere Partner kamen hinzu.&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_background&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Vorgehen umfasste das Auffinden verstreuter Bücher, Auswahl und Digitalisierung, Kontakt zu Autorinnen, Autoren und Illustratoren, Rechteklärung sowie Rückspiegelung in die Herkunftsgemeinschaften. Gemeinschaftsmitglieder konnten Texte prüfen und Geschichten oder Tonaufnahmen ergänzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Dateien, Rechte und Zugang ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für jeden Titel wurden Nutzungsdateien wie PDF, Textdatei und Vorschaubild erstellt; seitenweise TIFF-Masterdateien dienten der Langzeitaufbewahrung. Eine kartenbasierte Oberfläche erleichterte auch Menschen mit geringer Schriftkompetenz die Suche.&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_background&amp;quot;/&amp;gt; Materialien wurden nur nach schriftlicher Einwilligung von Urheberinnen, Urhebern oder Nachkommen veröffentlicht. Das Projekt verwendete Creative-Commons-Lizenzen mit Einschränkungen, berücksichtigte indigene Kultur- und Informationsprotokolle und bot ein Takedown-Verfahren, also die vorläufige Entfernung bei Einwänden.&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_rights&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der aktuelle Bestand umfasst nach Projektangaben nahezu 4.000 Bücher in 50 Sprachen aus 40 Gemeinschaften. Die Materialien wurden in die Plattform Territory Stories von Library &amp;amp; Archives Northern Territory überführt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_home&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Erfolg, Problem und Lernwert ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
LAAL verbindet Sprachsicherung, Rechteklärung, offene Bildungsnutzung und echte Erhaltungsdateien. Das Projekt zeigt aber auch eine typische Migrationsgefahr: Nach der Überführung in Territory Stories funktionierte die speziell entwickelte Kartenoberfläche nicht mehr; das Projekt dokumentierte 2022, dass zunächst auf einen möglichen Ersatz gewartet werde.&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_migration&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Die sorgfältige Rechteklärung erzeugte einen beträchtlichen Rückstand nicht veröffentlichter Materialien; dies ist kein Projektversagen, sondern ein realer Zielkonflikt zwischen Geschwindigkeit und Zustimmung. Die Migration bewahrte Inhalte, verlor aber zumindest zeitweise eine für die Zielgruppen wichtige Zugangsfunktion. Die ursprüngliche Projektorganisation war stark förderabhängig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* systematische „Search-and-Rescue“-Phase für verstreute gefährdete Materialien;&lt;br /&gt;
* klare Trennung von Erhaltungs- und Nutzungsdateien;&lt;br /&gt;
* Veröffentlichung nur mit Einwilligung und Takedown-Verfahren;&lt;br /&gt;
* Beteiligung der Sprachgemeinschaften an Prüfung und Ergänzung;&lt;br /&gt;
* Bildungsnutzung und Offline-Zugriff;&lt;br /&gt;
* Übergabe an eine öffentliche Gedächtnisinstitution.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwerte:''' &lt;br /&gt;
* Für jede digitale Sammlung muss ein Migrations- und Exit-Plan festlegen, wie Daten, Rechteangaben, Identifikatoren und zielgruppenspezifische Funktionen beim Systemwechsel erhalten bleiben. &lt;br /&gt;
* Eine funktionierende Fachoberfläche darf nicht der einzige Ort sein, an dem Beziehungen zwischen Daten gespeichert sind. &lt;br /&gt;
* Rechteklärung sollte als eigenes Arbeitspaket mit Aufwand, Rückständen und Prioritäten geplant werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.10 PARADISEC – Facharchiv für gefährdete Sprachen und Kulturen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaften, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PARADISEC steht für Pacific And Regional Archive for Digital Sources in Endangered Cultures. Es ist kein Archiv einer einzelnen Minderheit, sondern bewahrt Forschungs- und Community-Aufnahmen vieler kleiner Sprach- und Kulturgemeinschaften, vor allem im Pazifikraum, aber auch weltweit. Der institutionelle Sitz liegt in Australien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Organisation, Finanzierung und Architektur ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PARADISEC ist ein Verbund der University of Sydney, der University of Melbourne und der Australian National University. Operative Aufgaben sind über die drei Standorte verteilt; ein externer Beirat unterstützt die Steuerung. Das Projekt wurde wesentlich durch den Australian Research Council und in jüngerer Zeit durch die Language Data Commons of Australia im Rahmen nationaler Forschungsinfrastruktur finanziert.&amp;lt;ref name=&amp;quot;paradisec_about&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;paradisec_home&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Archiv hat Verfahren für Übernahme, Katalogisierung, Digitalisierung und Erhaltung von Audio-, Text- und Bildmaterial entwickelt. Es nutzt Forschungsnetze und institutionelle Speicherinfrastruktur, archiviert Audio in Erhaltungsformaten und stellt stabile Katalogdaten bereit. Kopien wurden an Kulturzentren und Institutionen in Vanuatu, Neukaledonien, Papua-Neuguinea, Französisch-Polynesien, den Salomonen und Rapa Nui zurückgegeben.&amp;lt;ref name=&amp;quot;paradisec_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Nachweisbarer Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Juli 2026 weist PARADISEC rund 20.500 Stunden Audio, 4.000 Stunden Video, mehr als 320 Terabyte und Inhalte zu etwa 1.460 Sprachen aus. Es erhielt 2019 das CoreTrustSeal für vertrauenswürdige Repositorien und wurde 2024 bei den Digital Preservation Awards sowie 2025 mit einem Open Scholarship Award ausgezeichnet.&amp;lt;ref name=&amp;quot;paradisec_home&amp;quot;/&amp;gt; Die Kombination aus großem Bestand, langjährigem Betrieb, fachlichen Standards und konkreter Rückgabe an Herkunftsgemeinschaften ist ein starker Erfolgsnachweis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Ein universitärer Forschungsverbund verfügt über Kompetenzen und Infrastrukturen, die kleinen lokalen Trägern nicht direkt zur Verfügung stehen. Die Community-Beteiligung variiert je nach Depositor, Sammlung und Herkunftsgemeinschaft. Online-Zugriff kann in Regionen mit schwacher Internetversorgung oder ohne passende Sprache weiterhin schwierig sein. Auch ein erfolgreiches Facharchiv benötigt laufende Dritt- und Infrastrukturmittel sowie technische Erneuerung; PARADISEC arbeitet derzeit an einer Erneuerung seines Katalogs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* fachlich fokussiertes Repositorium für gefährdete audiovisuelle und sprachliche Materialien;&lt;br /&gt;
* verteilte institutionelle Trägerschaft mit gemeinsamem Verfahren;&lt;br /&gt;
* professionelle Erhaltungsstandards und Zertifizierung;&lt;br /&gt;
* stabile Identifikatoren und wissenschaftliche Zitierbarkeit;&lt;br /&gt;
* Rückgabe von Kopien und Kooperation mit regionalen Kulturzentren;&lt;br /&gt;
* langfristige Verbindung zu Forschungsinfrastruktur statt isoliertem Projektserver.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwerte:''' &lt;br /&gt;
* Für gefährdete Audio-, Video- und Sprachdaten sollte nicht jede kleine Einrichtung ein eigenes Langzeitarchiv aufbauen. &lt;br /&gt;
* Ein zentral betriebener, professioneller Repositoriumsdienst mit klaren Übernahmepaketen ist sinnvoll. &lt;br /&gt;
* Gleichzeitig müssen Kopien, Zugriffsrechte und nutzbare Arbeitsfassungen bei den Kulturgutträgern verbleiben können. &lt;br /&gt;
* Zertifizierungsmodelle wie CoreTrustSeal können langfristig Orientierung geben, sollten aber erst nach Aufbau stabiler Prozesse angestrebt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.11 Reciprocal Research Network (RRN) ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Reciprocal Research Network betrifft kulturelle Objekte der First Nations der Nordwestküste von British Columbia in Kanada. Es wurde gemeinsam von der Musqueam Indian Band, der Stó:lō Nation beziehungsweise dem Stó:lō Tribal Council, der U’mista Cultural Society und dem Museum of Anthropology der University of British Columbia entwickelt. Zahlreiche internationale Museen liefern Daten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und technische Lösung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das RRN ist eine föderierte Recherche- und Kooperationsplattform. Es ermöglicht die gemeinsame Suche in institutionellen Sammlungen, persönliche und gemeinsame Forschungsprojekte, Dateiuploads und Diskussionen. Eine Steuerungsgruppe mit Vertreterinnen und Vertretern der beteiligten First Nations und des Museums ist weiterhin ausgewiesen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_about&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_contact&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wissenschaftliche Publikationen beschreiben den Aufbau als langfristigen Vertrauens- und Aushandlungsprozess. Vereinbarungen mit Partnerinstitutionen regelten Datenlieferung und Zusammenarbeit; agile Softwareentwicklung wurde mit unterschiedlichen Erwartungen und Entscheidungsrhythmen in Einklang gebracht.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_rowley&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Nachweisbarer Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Juli 2026 zeigt die Plattform Daten aus 29 Institutionen, mehr als 570.000 Objekte und 391.000 Fotografien sowie über 4.000 registrierte Mitglieder und fast 2.800 Projekte an.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_home&amp;quot;/&amp;gt; Diese Größenordnung belegt eine erhebliche institutionsübergreifende Aggregation und Nutzung der Arbeitsfunktionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Im Seitenfuß wird weiterhin die Softwareversion 1.8.3 mit Startdatum 22. November 2014 ausgewiesen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_contact&amp;quot;/&amp;gt; Das ist kein Beleg dafür, dass der Dienst beendet ist – die Plattform ist erreichbar und aktuelle Bestandszahlen werden angezeigt –, aber ein Warnsignal für Modernisierungs-, Sicherheits- und Wartungsrisiken. Detaillierte aktuelle Angaben zu Erhaltungsrepositorien und Betriebskosten sind öffentlich begrenzt. Das RRN ist vor allem Forschungs- und Zugangsplattform, nicht zwingend das Langzeitarchiv sämtlicher Quelldateien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* gemeinsame Entwicklung durch First Nations und Museum;&lt;br /&gt;
* föderierte Suche über internationale Sammlungen;&lt;br /&gt;
* dauerhafte Steuerungsgruppe;&lt;br /&gt;
* projektbezogene Kollaboration statt nur passiver Objektanzeige;&lt;br /&gt;
* formalisierte Partnerschaften und Aufbau von Vertrauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwerte:''' &lt;br /&gt;
* Ein Präsentationssystem kann mehr sein als ein Suchkatalog: Arbeitsbereiche für gemeinsame Erschließung, Korrekturen, Transkription, Übersetzung und Forschung erhöhen die aktive Nachnutzung. &lt;br /&gt;
* Solche Funktionen dürfen aber erst aufgebaut werden, wenn technische Wartung und Datenexport gesichert sind. &lt;br /&gt;
* Langfristige Kooperationsvereinbarungen sind wichtiger als einmalige Datenlieferungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.12 Indigitization – Dezentrale Digitalisierung mit zentraler Befähigung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Indigitization richtet sich an First Nations und weitere indigene Gemeinschaften in British Columbia, Kanada. Die Gemeinschaften verfügen über eigene Regierungen, Archive, Sprachprogramme und Kulturinstitutionen, arbeiten aber häufig mit begrenzten technischen und personellen Ressourcen. Viele gefährdete Tonaufnahmen befinden sich weiterhin lokal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Organisations- und Fördermodell ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Indigitization ist eine Kooperation indigener Gemeinschaften und Organisationen mit dem Irving K. Barber Learning Centre, dem Museum of Anthropology, dem Northern BC Archives der University of Northern British Columbia, der X̱wi7x̱wa Library und weiteren Einheiten der University of British Columbia. Das Programm entwickelt Ressourcen, führt Schulungen durch, berät zu Fördermitteln und unterstützt gemeinschaftsgeführte Digitalisierung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Werkzeugkasten entstand aus drei Pilotprojekten mit First Nations und verbindet deren Erfahrungen mit fachlichen Digitalisierungsstandards. Er enthält Planungshilfen, technische Anleitungen, Metadaten- und Dateiverfahren sowie Musterunterlagen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_toolkit&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von 2013 bis 2019 finanzierten Audiokassetten-Zuschüsse drei Pilot- und 45 Förderprojekte. Mehr als 11.464 Kassetten wurden digitalisiert; insgesamt wurden über 422.143 kanadische Dollar vergeben. Die Förderung umfasste ergänzende Mittel bis 10.000 Dollar je Vorhaben und intensive Schulung. Das spezifische Förderprogramm befindet sich derzeit in einer Pause, während Beratung, Workshops und Verweise auf weitere Programme fortgeführt werden.&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_grant&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_funding&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Rechte, Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Digitalisierungsprojekte verbleiben bei den Gemeinschaften; eine öffentliche Veröffentlichung war nicht zwingend. Auch protokollgebundene und nichtöffentliche Zugänge waren förderfähig. Das schützt lokale Kontrolle und stärkt Kompetenzen vor Ort. Die dokumentierten Objekt- und Förderzahlen sowie die fortbestehende Beratungsinfrastruktur belegen konkrete Wirkung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Dezentrale Digitalisierung garantiert noch keine langfristige Erhaltung. Jede Gemeinschaft braucht ein tragfähiges Speicher-, Sicherungs- und Migrationskonzept oder einen verlässlichen Repositoriumspartner. Die Pause des früheren Kassettenprogramms zeigt die Verwundbarkeit zeitlich begrenzter Förderlinien. Für kleine Teams kann die dauerhafte Anwendung technischer Standards trotz Schulung anspruchsvoll bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* zentrale Kompetenz, Vorlagen, Schulung und begrenzte Anschubfinanzierung;&lt;br /&gt;
* Durchführung und Kontrolle bei den lokalen Gemeinschaften;&lt;br /&gt;
* Pilotprojekte als Grundlage des Werkzeugkastens;&lt;br /&gt;
* praxisnahe Muster für Projektplan, Budget und Stellenprofil;&lt;br /&gt;
* kein Zwang zur allgemeinen Veröffentlichung;&lt;br /&gt;
* Netzwerk aus Hochschulen, Archiven und Community-Fachleuten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwerte:''' &lt;br /&gt;
* Dieses Modell kommt einer möglichen Rolle des sorbischen Digitalisierungszentrums besonders nahe. &lt;br /&gt;
* Die zentrale Stelle könnte mobile Technik, Leihgeräte, Schulung, Qualitätsprüfung, Dienstleisterrahmenverträge und Kleinprojektförderung bereitstellen. &lt;br /&gt;
* Lokale Träger behalten Originale, Auswahl, Kontext und Zugangsentscheidungen. &lt;br /&gt;
* Anders als bei rein dezentralen Ansätzen sollte im sorbischen Modell jedoch von Anfang an ein gemeinsames Repositorium oder ein verbindlicher Repositoriumsdienst angeschlossen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== E. Vergleichsmatrix ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== E.1 Funktionen, Architektur und Standards ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable sortable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Projekt&lt;br /&gt;
! Register / Katalog&lt;br /&gt;
! Digitalisierung&lt;br /&gt;
! Repositorium / Langzeiterhaltung&lt;br /&gt;
! Präsentation / Nachnutzung&lt;br /&gt;
! Technologie und Standards&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''RomArchive'''&lt;br /&gt;
| Kuratierter Sammlungsnachweis; kein Vollregister&lt;br /&gt;
| Auswahl und Digitalisierung in der Projektphase&lt;br /&gt;
| Interne und veröffentlichte Bestände; öffentliche Dokumentation der Langzeitprozesse begrenzt&lt;br /&gt;
| Themenarchive, Touren, Forschung; Deutsch, Englisch, Romanes; eingeschränkte Nachnutzung&lt;br /&gt;
| Axiell Collections, Django-Webanwendung, Connector zwischen Sammlung und Website&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Nuohtti'''&lt;br /&gt;
| Föderierter Metadatenindex aus vielen Archiven&lt;br /&gt;
| Erfolgt überwiegend bei Quellinstitutionen&lt;br /&gt;
| Verbleibt bei Datenlieferanten; Nationalarchive tragen Suchdienst weiter&lt;br /&gt;
| Mehrsprachige Suche, Karte, Zeitleiste; Verlinkung zu Quellen&lt;br /&gt;
| VuFind, Finna, RecordManager, Solr, Finto, Giellatekno, Leaflet, OpenStreetMap, Europeana-Wege&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''People’s Collection Wales'''&lt;br /&gt;
| Gemeinsame Plattform mit institutionellen und Community-Beiträgen&lt;br /&gt;
| Zentral unterstützte, teils lokale Digitalisierung; Schulungen&lt;br /&gt;
| In Evaluation als klärungsbedürftige Rolle benannt; nicht allein aus Portal abzuleiten&lt;br /&gt;
| Zweisprachiges Portal, Uploads, Lernangebote, Karten&lt;br /&gt;
| Gemeinsame Plattform; Metadaten-, Rechte- und Digitalisierungshilfen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Tobar an Dualchais'''&lt;br /&gt;
| Durchsuchbarer Katalog zu Tonaufnahmen&lt;br /&gt;
| Audio-Digitalisierung, Erschließung und Transkription&lt;br /&gt;
| Originale in institutionellen Archiven; digitale Erhaltung in Partnerstrukturen&lt;br /&gt;
| Mehr als 40.000 Aufnahmen; Sprache, Bildung, Forschung&lt;br /&gt;
| Audio-Workflows; Transkription und automatische Spracherkennung in Ergänzungsprojekten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Euskariana'''&lt;br /&gt;
| Integrierter Katalog aus Bibliotheken, Archiven, Museen und Repositorien&lt;br /&gt;
| Bei Partnern und in eigenen Programmen&lt;br /&gt;
| Eigenes Repositorium plus Links zu externen Repositorien&lt;br /&gt;
| Baskisch/spanisch; öffentliche Suche; Europeana-Anbindung&lt;br /&gt;
| MARC, Dublin Core, METS, PREMIS, ALTO; OAI-Zugang&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''bavarikon'''&lt;br /&gt;
| Gemeinsames Portal mit Partnerdaten&lt;br /&gt;
| Förderprogramm und fachliche Begleitung; zentrale Qualitätsprüfung&lt;br /&gt;
| Verantwortlichkeit für alle Masterdateien nicht einheitlich öffentlich dokumentiert&lt;br /&gt;
| Portalsuche, Ausstellungen, 3D, Bildungs- und Social-Media-Formate&lt;br /&gt;
| Verbindliche Metadaten- und Lieferhandreichungen; zentrales Hosting&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Mukurtu / Plateau Portal'''&lt;br /&gt;
| Institutionelle und Community-Datensätze zu denselben Objekten&lt;br /&gt;
| Nicht Kernfunktion; lokale beziehungsweise institutionelle Workflows&lt;br /&gt;
| Mukurtu ausdrücklich nur Zugangsbaustein; Erhaltung separat zu planen&lt;br /&gt;
| Protokollbasierter Zugang, Community-Erzählungen, Export&lt;br /&gt;
| Open Source auf Drupal-Basis; TK Labels; kulturelle Protokolle; Dublin Core; Roundtrip-Export&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Aṟa Irititja'''&lt;br /&gt;
| Zentraler Multimedia-Katalog mit lokalen Ergänzungen&lt;br /&gt;
| Zentral vorbereitet, mit Community-Kontaktstellen und historischer Formatrettung&lt;br /&gt;
| Physische und digitale Materialien zentral fachlich verwaltet; Details zu Erhaltungsstufen begrenzt&lt;br /&gt;
| Community-Zugänge, mehrsprachig, visuell niedrigschwellig; digitale Rückgabe&lt;br /&gt;
| Speziell entwickelte beziehungsweise weiterentwickelte Wissensmanagement-Software; kulturelle Beschränkungen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''LAAL'''&lt;br /&gt;
| Sprach-, Orts-, Personen- und Titelnachweis&lt;br /&gt;
| Systematische Suche, Scan und Rechteklärung&lt;br /&gt;
| TIFF-Master; zunächst CDU eSpace, später Territory Stories&lt;br /&gt;
| PDFs, Textdateien, App, Bildung; ursprüngliche Kartenfunktion nach Migration verloren&lt;br /&gt;
| TIFF/PDF/TXT/JPG; persistente Kennungen im Zielsystem; Creative-Commons- und Takedown-Modell&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''PARADISEC'''&lt;br /&gt;
| Fachkatalog für audiovisuelle und sprachliche Sammlungen&lt;br /&gt;
| Professionelle Digitalisierung gefährdeter Medien&lt;br /&gt;
| Institutioneller Verbund; Erhaltungsformate, redundante Infrastruktur, CoreTrustSeal&lt;br /&gt;
| Online-Katalog, Forschung, Community-Zugang und Rückgabe von Kopien&lt;br /&gt;
| Internationale Archivstandards; stabile Identifikatoren; laufende Katalogmodernisierung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''RRN'''&lt;br /&gt;
| Föderierte Suche über Daten von 29 Institutionen&lt;br /&gt;
| Erfolgt primär bei Partnern&lt;br /&gt;
| Plattform ist kein einheitliches Langzeitarchiv aller Quellen&lt;br /&gt;
| Kollaborative Projekte, Diskussionen, Uploads und Recherche&lt;br /&gt;
| Föderierte Datenintegration, Programmierschnittstelle; sichtbare Plattformversion von 2014&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Indigitization'''&lt;br /&gt;
| Kein zentraler Gesamtkatalog als Hauptziel&lt;br /&gt;
| Dezentrale Digitalisierung mit zentraler Schulung, Geräten, Standards und Förderung&lt;br /&gt;
| Muss je Community beziehungsweise über Partner gelöst werden&lt;br /&gt;
| Community-interne oder öffentliche Nutzung nach lokalen Regeln&lt;br /&gt;
| Werkzeugkasten, Broadcast-Wave-Audio, Musterunterlagen und Trainingsworkflows&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== E.2 Governance, Finanzierung, Erfolg und Übertragbarkeit ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable sortable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Projekt&lt;br /&gt;
! Organisationsmodell&lt;br /&gt;
! Community-Beteiligung&lt;br /&gt;
! Finanzierung und dauerhafter Betrieb&lt;br /&gt;
! Nachweisbarer Erfolg&lt;br /&gt;
! Grenzen&lt;br /&gt;
! Übertragbarkeit auf die Sorben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''RomArchive'''&lt;br /&gt;
| Internationales Kuratorium/Beirat; seit 2019 Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma&lt;br /&gt;
| Überwiegend Roma in Kuratorien und Beirat; Auswahl und strategische Richtlinien&lt;br /&gt;
| Große öffentliche Anschubförderung; institutioneller Betreiber und laufende öffentliche Förderung&lt;br /&gt;
| Betreiberübergang vollzogen; seit 2019 online weitergeführt&lt;br /&gt;
| Kein Vollregister; wenige aktuelle Nutzungsdaten; Nachnutzung oft restriktiv&lt;br /&gt;
| '''Hoch''' für Governance, kuratierte Kontexte und Betreiberübergang&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Nuohtti'''&lt;br /&gt;
| Drei Nationalarchive plus Universitäten; föderierter Dienst&lt;br /&gt;
| Sámi-Parlamente in Steuerungsgruppe; ethische Leitlinien und Tests&lt;br /&gt;
| EU-Projekt; Weiterbetrieb durch Nationalarchive&lt;br /&gt;
| Rund 30.000 Datensätze, 32 Institutionen, fünf Sprachen; fortbestehender Dienst&lt;br /&gt;
| Datenqualität und Erhaltung bleiben verteilt; geringe aktuelle Wirkungsdaten&lt;br /&gt;
| '''Sehr hoch''' für Kulturregister und föderierte Suche&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''People’s Collection Wales'''&lt;br /&gt;
| Föderation dreier nationaler Einrichtungen&lt;br /&gt;
| Lokale Gruppen und Einzelpersonen liefern Inhalte; umfangreiche Unterstützung&lt;br /&gt;
| Walisische Regierung; Evaluation benennt Nachhaltigkeitsrisiko&lt;br /&gt;
| Dauerbetrieb, Community-Kompetenzen, kritische Masse; unabhängige Evaluation&lt;br /&gt;
| Moderate gemessene Wirkung; Vermittlung personalintensiv; 38 Survey-Antworten&lt;br /&gt;
| '''Sehr hoch''' für Servicezentrum, Zweisprachigkeit und Evaluation&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Tobar an Dualchais'''&lt;br /&gt;
| Partnerschaft kultureller und wissenschaftlicher Einrichtungen&lt;br /&gt;
| Sprachgemeinschaften, Beitragende und Freiwillige bei Erschließung/Transkription&lt;br /&gt;
| Wiederkehrende öffentliche Projekt- und Programmmittel&lt;br /&gt;
| Mehr als 40.000 Aufnahmen; laufende Weiterentwicklung&lt;br /&gt;
| Dauergrundfinanzierung und Rechteaufwand öffentlich nur teilweise sichtbar&lt;br /&gt;
| '''Hoch''' für gefährdete Medien und Spracherschließung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Euskariana'''&lt;br /&gt;
| Baskische Regierung mit öffentlichen und privaten Partnern&lt;br /&gt;
| Eher institutionell als gemeinschaftsgeführt&lt;br /&gt;
| Staatlicher Betrieb&lt;br /&gt;
| Breiter Quellenverbund, Standards, Europeana-Interoperabilität&lt;br /&gt;
| Wenig unabhängige Nutzungsevaluation; Community-Rechte kaum dokumentiert&lt;br /&gt;
| '''Hoch''' für Metadaten, Onboarding-Wege und Aggregation; '''mittel''' für Governance&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''bavarikon'''&lt;br /&gt;
| Ministerien, 14-köpfiger Rat, Bayerische Staatsbibliothek, Rechenzentrum&lt;br /&gt;
| Partnerinstitutionen im Rat; keine Minderheiten-Governance&lt;br /&gt;
| Dauerhafte Landesstruktur plus Projektförderung&lt;br /&gt;
| Über 500.000 Objekte aus rund 170 Einrichtungen; monatlicher Ausbau&lt;br /&gt;
| Große Ressourcen; Präsentation und Förderlogik dominieren&lt;br /&gt;
| '''Mittel bis hoch''' für Verfahren/Qualität; Größenordnung kaum übertragbar&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Mukurtu / Plateau Portal'''&lt;br /&gt;
| Universität als Technikträger; acht indigene Nationen und Museen als Partner&lt;br /&gt;
| Kuration, Metadaten, Protokolle und Zugriff durch Stammesvertreter&lt;br /&gt;
| Öffentliche und philanthropische Forschungsförderung; Universität pflegt Software&lt;br /&gt;
| International genutzte Open-Source-Plattform; dauerhaftes konkretes Portal&lt;br /&gt;
| Qualifizierter Betrieb nötig; Zugangsplattform ersetzt kein Repositorium&lt;br /&gt;
| '''Sehr hoch''' für Rechte, sensible Inhalte und Mehrperspektivität&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Aṟa Irititja'''&lt;br /&gt;
| Zentralfachstelle plus lokale Liaison; seit 2020 unter APY-Organisation&lt;br /&gt;
| Auftrag, Steuerung, Zugangsregeln und Kontext durch Aṉangu&lt;br /&gt;
| Langjährige Mischung aus Zuschüssen, Spenden und lokalen Beiträgen; drei permanente Teilzeitstellen&lt;br /&gt;
| Betrieb seit 1994; lokale Nutzung und digitale Rückgabe&lt;br /&gt;
| Finanzierung lange prekär; Wirkung überwiegend selbst berichtet&lt;br /&gt;
| '''Hoch''' für lokale Kontrolle und abgestufte Zugänge; Technik nicht direkt übertragbar&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''LAAL'''&lt;br /&gt;
| Universität und öffentliche Partner; Übergabe an Landesbibliothek/-archiv&lt;br /&gt;
| Einwilligung, Prüfung und Ergänzung durch Sprachgemeinschaften&lt;br /&gt;
| Zwei Forschungsförderphasen; anschließend institutionelle Übernahme&lt;br /&gt;
| Nahezu 4.000 Bücher, 50 Sprachen, 40 Gemeinschaften&lt;br /&gt;
| Rechte-Rückstand; Verlust der Kartenfunktion bei Migration&lt;br /&gt;
| '''Sehr hoch''' als Migrations-, Rechte- und Sprachlernfall&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''PARADISEC'''&lt;br /&gt;
| Verbund dreier Universitäten mit Beirat&lt;br /&gt;
| Je Sammlung unterschiedlich; Kopien und Kooperationen mit Herkunftsgemeinschaften&lt;br /&gt;
| Forschungsrat, nationale Forschungsinfrastruktur, Hochschulen und Spenden&lt;br /&gt;
| 20.500 Audio-, 4.000 Videostunden, 320 TB, 1.460 Sprachen; Zertifizierung/Auszeichnungen&lt;br /&gt;
| Hohe Fach- und Infrastrukturvoraussetzungen; Zugänglichkeit regional unterschiedlich&lt;br /&gt;
| '''Hoch''' für zentrales Fachrepositorium; Skalierung nur angepasst&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''RRN'''&lt;br /&gt;
| Gemeinsame Steuerung von First Nations und Museum; viele Datenpartner&lt;br /&gt;
| Co-Entwicklung, Projekte, Diskussionen und Community-Wissen&lt;br /&gt;
| Institutionelle Projektstruktur; aktuelle Kosten öffentlich unklar&lt;br /&gt;
| 29 Institutionen, über 570.000 Objekte, über 4.000 Mitglieder&lt;br /&gt;
| Technische Alterung möglich; Erhaltung der Quelldateien dezentral&lt;br /&gt;
| '''Hoch''' für Kooperation und Arbeitsfunktionen; Wartungsrisiko beachten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Indigitization'''&lt;br /&gt;
| Hochschul- und Community-Netzwerk als Kompetenz- und Förderstelle&lt;br /&gt;
| Projekte werden von Gemeinschaften durchgeführt und kontrolliert&lt;br /&gt;
| Hochschulunterstützung; früheres Kassettenförderprogramm aktuell pausiert&lt;br /&gt;
| 45 Förderprojekte, 11.464 Kassetten, über 422.000 CAD Förderung&lt;br /&gt;
| Dezentrale Langzeiterhaltung nicht automatisch gesichert; Förderpause&lt;br /&gt;
| '''Sehr hoch''' für Digitalisierungszentrum und Unterstützung kleiner Träger&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== F. Übergreifende Erfolgsfaktoren ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.1 Governance und Beteiligung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' Die stärksten gemeinschaftsbezogenen Projekte verankern Beteiligung in Gremien, Rollen und Datenmodellen. RomArchive übergab Kuratierung und strategische Leitlinien überwiegend an Roma. Nuohtti beteiligte Sámi-Parlamente. Mukurtu und das Plateau Portal ermöglichen kulturelle Protokolle und mehrere Beschreibungen. Aṟa Irititja ist unter einer Aṉangu-geführten Organisation verankert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Erforderlich ist ein dauerhaftes Steuerungsmodell mit Vertreterinnen und Vertretern zentraler Einrichtungen, lokaler Träger, beider Sprachräume, Fachwissenschaft, Technik und möglichst verschiedener Generationen. Für sensible Inhalte, Priorisierung und öffentliche Darstellung müssen Entscheidungs- und Eskalationsregeln schriftlich festgelegt werden. Eine bloße Anhörung nach Abschluss technischer Entscheidungen ist unzureichend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.2 Erfassung und Priorisierung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' Nuohtti begann mit der Kartierung verteilter Quellen; LAAL mit systematischem Auffinden gefährdeter Literatur. bavarikon nutzt Anträge, Objektlisten und Auswahlkriterien. Audioprojekte priorisieren physisch und technisch gefährdete Medien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Zunächst sollte das Kulturregister einen belastbaren Überblick schaffen, ohne sofort jeden Eintrag maximal tief zu erschließen. Die Digitalisierungspriorität sollte anschließend aus mindestens vier Kriterien gebildet werden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Gefährdung:''' physischer Verfall, technische Obsoleszenz, Verlustgefahr;&lt;br /&gt;
# '''Bedeutung:''' Einzigartigkeit, Repräsentativität, sprachliche und kulturelle Relevanz;&lt;br /&gt;
# '''Nutzungspotenzial:''' Bildung, Forschung, Sprachrevitalisierung, Vermittlung;&lt;br /&gt;
# '''Umsetzbarkeit:''' Rechteklarheit, Zustand, vorhandene Metadaten, Kosten und Zielrepositorium.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Priorisierungswert darf keine endgültige kulturelle Rangliste erzeugen. Er dient der Arbeitsplanung und muss fachlich sowie gemeinschaftlich überprüfbar sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.3 Organisation der Digitalisierung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' Indigitization und People’s Collection Wales zeigen, dass zentrale Kompetenz und lokale Durchführung kombinierbar sind. bavarikon ergänzt dies um Auswahl, Förderung und Qualitätsprüfung. PARADISEC zeigt für anspruchsvolle audiovisuelle Medien den Wert eines spezialisierten Fachzentrums.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Das Digitalisierungszentrum sollte ein gestuftes Dienstemodell anbieten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Beratung und Projektplanung;&lt;br /&gt;
* Leihtechnik und Schulung für geeignete einfache Verfahren;&lt;br /&gt;
* mobile Digitalisierung vor Ort, wenn Kulturgüter nicht transportiert werden können;&lt;br /&gt;
* zentrale Digitalisierung für anspruchsvolle oder gefährdete Medien;&lt;br /&gt;
* Rahmenverträge und Qualitätskontrolle für externe Spezialdienstleister;&lt;br /&gt;
* Übernahmevorbereitung für das Repositorium.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.4 Technische Architektur ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' Föderierte Portale wie Nuohtti und Euskariana verbinden bestehende Systeme, statt alle Partner zu einem identischen Fachverfahren zu zwingen. Erfolgreiche Systeme verfügen über Exporte und Schnittstellen. LAAL zeigt, dass bei Migrationen zielgruppenspezifische Funktionen verloren gehen können, wenn Daten- und Präsentationslogik zu eng gekoppelt sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Die Architektur sollte modular sein. Das Register verwaltet Nachweise und Beziehungen; Digitalisierungsworkflows erzeugen Dateien und technische Metadaten; das Repositorium übernimmt Erhaltungspakete; Präsentationssysteme beziehen freigegebene Daten und Derivate. Jedes System benötigt dokumentierte Exporte. Eine proprietäre Lösung ohne vollständigen Datenexport, Identifikatorerhalt und Migrationsplan sollte ausgeschlossen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.5 Metadaten und Interoperabilität ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' Euskariana und bavarikon arbeiten mit veröffentlichten Standards und Lieferprofilen; Nuohtti normalisiert heterogene Daten; Mukurtu ermöglicht zusätzliche Community-Metadaten. Technische Vollständigkeit allein löst jedoch keine problematischen historischen Begriffe oder fehlenden kulturellen Kontexte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Notwendig ist ein abgestuftes Metadatenprofil:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* '''Pflichtkern''' für alle Träger: eindeutige Kennung, Bezeichnung, Kulturgutart, Standort beziehungsweise Träger, Sprache, Zeit/Ort soweit bekannt, Kurzkontext, Rechte-/Zugangsstatus, Quellenangabe, Bearbeitungsstand;&lt;br /&gt;
* '''fachliche Erweiterungen''' für Archive, Bibliotheken, Museen, audiovisuelle Medien, immaterielles Kulturerbe und Born-digital-Bestände;&lt;br /&gt;
* '''Community-Felder''' für sorbische Bezeichnungen, lokale Varianten, kulturelle Hinweise, alternative Erzählungen und Korrekturen;&lt;br /&gt;
* '''technische Erhaltungsmetadaten''' im Repositorium, etwa Dateiformat, Prüfsumme, Erzeugung, Migration und Beziehungen zwischen Master und Derivaten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Normdaten und kontrollierte Vokabulare sollten dort eingesetzt werden, wo sie Nutzen bringen. Für ehrenamtliche Erfassung müssen einfache Auswahllisten, Hilfetexte und spätere fachliche Anreicherung vorgesehen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.6 Rechte und kulturelle Selbstbestimmung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' Mukurtu, Aṟa Irititja und LAAL zeigen, dass urheberrechtliche Erlaubnis, Datenschutz und kulturelle Angemessenheit getrennt geprüft werden müssen. Ein Werk kann rechtlich veröffentlichbar, kulturell aber sensibel sein; umgekehrt kann eine Gemeinschaft Zugang wünschen, obwohl eine allgemeine Veröffentlichung nicht möglich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Mindestens vier Sichtbarkeitsstufen sind sinnvoll:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# öffentliche Metadaten, aber kein Medium;&lt;br /&gt;
# öffentliches Nutzungsdigitalisat, gegebenenfalls in reduzierter Qualität;&lt;br /&gt;
# beschränkter Zugang für festgelegte Gruppen, Forschung oder Community;&lt;br /&gt;
# gesperrt beziehungsweise nur intern dokumentiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder Datensatz sollte dokumentieren, wer die Entscheidung getroffen hat, auf welcher Grundlage sie beruht und wann sie erneut geprüft wird. Rechteinformationen müssen vom Register über Repositorium bis Präsentation mitgeführt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.7 Langzeiterhaltung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' PARADISEC belegt den Wert eines fachlich betriebenen Repositoriums. LAAL zeigt sowohl die Trennung von Master- und Nutzungsdateien als auch das Risiko einer Migration. Mukurtu warnt ausdrücklich davor, Zugangsplattform und Erhaltungssystem gleichzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Für jedes Digitalisat müssen vor der Produktion feststehen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Zielrepositorium und verantwortlicher Betreiber;&lt;br /&gt;
* Master- und Nutzungsformat;&lt;br /&gt;
* Dateibenennung beziehungsweise Identifikator;&lt;br /&gt;
* Prüfsumme und Integritätskontrolle;&lt;br /&gt;
* mindestens zwei räumlich getrennte Sicherungskopien;&lt;br /&gt;
* Übergabepaket aus Datei, Metadaten, Rechten und Provenienz;&lt;br /&gt;
* Verfahren für Formatbeobachtung, Migration und Wiederherstellung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das OAIS-Modell bietet den konzeptionellen Rahmen; die NDSA-Reifegradstufen können einen realistischen stufenweisen Aufbau unterstützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.8 Präsentation und Nachnutzung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' RomArchive verbindet Objekte mit kuratierten Erzählungen; People’s Collection Wales mit Lern- und Beitragsfunktionen; Tobar an Dualchais mit sprachlicher Erschließung; RRN mit kollaborativen Arbeitsräumen. Erfolg entsteht nicht durch bloße Online-Sichtbarkeit, sondern durch zielgruppengerechte Kontexte und tatsächlich nutzbare Funktionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Ein gemeinsamer Suchzugang ist wichtig, aber nicht jede Zielgruppe braucht dieselbe Oberfläche. Denkbar sind ein übergreifendes Kulturerbeportal, Fachzugänge für Forschung, Bildungsbausteine, kuratierte Ausstellungen und maschinenlesbare Schnittstellen. Download und Nachnutzung sollten dort ermöglicht werden, wo Rechte und kulturelle Interessen dies zulassen. Nutzungsstatistiken, Zitationen, Downloads, Bildungskooperationen und Community-Rückmeldungen sollten kontinuierlich ausgewertet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.9 Finanzierung und Verstetigung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' RomArchive plante den Betreiberübergang früh. People’s Collection Wales und Aṟa Irititja zeigen, wie belastend unsichere Finanzierung bleibt. Indigitization demonstriert die Wirkung kleiner Förderbudgets, aber auch die Verwundbarkeit eines pausierenden Programms. bavarikon und PARADISEC profitieren von institutioneller Infrastruktur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Es sind drei Kostenarten getrennt zu planen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Aufbaukosten:''' Konzeption, Pilot, Beschaffung, Datenmigration, erste Digitalisierung;&lt;br /&gt;
# '''Betriebskosten:''' Personal, Hosting, Speicher, Sicherung, Helpdesk, Rechtearbeit, Qualitätssicherung;&lt;br /&gt;
# '''Erneuerungskosten:''' Softwareupdates, Sicherheitsmaßnahmen, Hardwareersatz, Formatmigration, Neuentwicklung von Schnittstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Projektmittel eignen sich für Aufbau und Erprobung. Kernfunktionen dürfen nach der Pilotphase nur skaliert werden, wenn ein wiederkehrender Betriebsetat und ein verantwortlicher Rechtsträger feststehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.10 Projektsteuerung und schrittweiser Aufbau ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' People’s Collection Wales empfiehlt einen evidenzbasierten Ablauf aus Bedarf, Pilot, Test, Auswertung und Skalierung. Indigitization entwickelte seinen Werkzeugkasten aus drei Pilotprojekten. bavarikon nutzt Vorantrag, Prüfung, Standards und begleitete Umsetzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Der Aufbau sollte in überprüfbaren Ausbaustufen erfolgen. Jede Stufe braucht definierte Ergebnisse, Qualitätskriterien, Verantwortliche, Budget, Risiken und eine Entscheidung über Fortführung oder Anpassung. Technische Pilotierung ohne Governance-, Rechte- und Betriebsprüfung wäre unvollständig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== G. Empfehlungen für den sorbischen Kontext ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.1 Zielmodell: vier Säulen, drei Fundamente, zwei Betriebsregeln ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ergebnisse lassen sich für den sorbischen Kontext in einem priorisierten 4–3–2-Modell zusammenführen. Es verbindet die im Konzept beschriebene Prozesskette mit einer klaren organisatorischen und technischen Verantwortungsstruktur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Vier funktionale Säulen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Säule&lt;br /&gt;
! Mindestauftrag&lt;br /&gt;
! Abgrenzung&lt;br /&gt;
! Unverzichtbare Schnittstellen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''1. Sorbisches Kulturregister (SKR)'''&lt;br /&gt;
| Verteilte Kulturgüter und Bestände nachweisen, beschreiben, verknüpfen, Rechte- und Prioritätsstatus dokumentieren&lt;br /&gt;
| Kein Ersatz für lokale Inventare und nicht automatisch Speicherort aller Dateien&lt;br /&gt;
| Import/Export zu Fachsystemen; Übergabe von Objekt- und Rechtekennungen an Digitalisierung, Repositorium und Präsentation&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''2. Digitalisierungszentrum (DZ)'''&lt;br /&gt;
| Beratung, Planung, Digitalisierung, Qualitätssicherung, Schulung, Dienstleistersteuerung und Vorbereitung der Archivübergabe&lt;br /&gt;
| Nicht primär öffentlicher Katalog und nicht automatisch dauerhafter Speicher&lt;br /&gt;
| Aufträge aus Register/Priorisierung; Lieferung standardisierter Übergabepakete an Repositorium; Erzeugung von Nutzungsderivaten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''3. Repositorium / digitales Langzeitarchiv'''&lt;br /&gt;
| Masterdateien, Metadaten, Rechte und Provenienz dauerhaft übernehmen, prüfen, sichern und migrieren&lt;br /&gt;
| Nicht mit einem Netzlaufwerk, einer Cloudablage oder der öffentlichen Website gleichzusetzen&lt;br /&gt;
| Persistente Identifikatoren; Rückmeldung des Archivstatus an Register; kontrollierte Bereitstellung an Präsentationssysteme&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''4. Präsentations- und Nutzungssysteme'''&lt;br /&gt;
| Freigegebene Inhalte suchen, verstehen, zitieren, herunterladen und weiterverwenden lassen&lt;br /&gt;
| Nicht führendes System für Rechte, Masterdateien oder dauerhafte Erhaltung&lt;br /&gt;
| Bezug von Metadaten aus Register und Derivaten aus Repositorium; Rückgabe von Nutzungs- und Korrekturinformationen&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Entscheidender Punkt:''' Die vier Säulen sind Funktionen, nicht zwingend vier eigenständige Einrichtungen. Ein Träger kann mehrere Funktionen übernehmen. Dennoch müssen für jede Säule Auftrag, Zuständigkeit, Datenhoheit, Budget, Qualitätskriterien, Vertretung und Ausfallvorsorge benannt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Drei gemeinsame Fundamente ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Fundament&lt;br /&gt;
! Inhalt&lt;br /&gt;
! Warum es vor der Skalierung geklärt werden muss&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''A. Gemeinschaftliche Governance und Rechte'''&lt;br /&gt;
| Entscheidungsgremien, Rollen der Kulturgutträger, Community-Beteiligung, Konfliktlösung, sensible Inhalte, abgestufte Zugänge&lt;br /&gt;
| Ohne Entscheidungskompetenz entstehen Vertrauensverlust, Verzögerungen und nachträgliche Sperrungen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''B. Gemeinsame Daten- und Qualitätsarchitektur'''&lt;br /&gt;
| Metadatenkern, Identifikatoren, Sprachwerte, Vokabulare, Dateiformate, Schnittstellen, Lieferpakete, Qualitätssicherung&lt;br /&gt;
| Ohne gemeinsamen Kern können Register, DZ, Repositorium und Präsentation nicht verlässlich zusammenspielen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''C. Dauerbetrieb, Finanzierung und Kompetenz'''&lt;br /&gt;
| Rechtsträger, wiederkehrendes Budget, Personal, Hosting, Speicher, Wartung, Schulung, Helpdesk und Erneuerungsplanung&lt;br /&gt;
| Ohne Betriebsperspektive vergrößert jedes zusätzliche Digitalisat die technische und organisatorische Schuld.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Zwei Betriebsregeln ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Zentral ermöglichen, dezentral verantworten.''' Zentrale Stellen bieten Infrastruktur, Standards, Beratung, Qualitätskontrolle, Repositorium und gemeinsame Zugänge. Kulturgutträger behalten grundsätzlich Originale, lokalen Kontext, Beziehungen zu Urheberinnen und Urhebern sowie Mitentscheidung über kulturelle Bedeutung und Zugang.&lt;br /&gt;
# '''Als Projekt aufbauen, nur mit Dauerbetrieb skalieren.''' Pilot- und Förderprojekte sind geeignet, Register, Dienste und Workflows zu entwickeln. Eine breite Produktion beginnt erst, wenn dauerhafter Betreiber, Regelbudget, Personal und Erhaltungsweg gesichert sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Prüfsatz für Entscheidungen:''' Kein Digitalisat ohne Zielarchiv; kein Portal ohne Datenpflege; kein Register ohne Zuständigkeit; keine Veröffentlichung ohne Rechte- und Kulturprüfung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.2 Was zentral, dezentral und gemeinsam organisiert werden sollte ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Zentral bereitzustellen&lt;br /&gt;
! Dezentral bei den Kulturgutträgern&lt;br /&gt;
! Gemeinsam zu entscheiden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Technische Plattform und Datenmodell des Kulturregisters&lt;br /&gt;
| Besitz, Verwahrung und konservatorische Verantwortung für Originale, soweit nicht anders vereinbart&lt;br /&gt;
| Welche Bestände zunächst erfasst und digitalisiert werden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Metadatenkern, Vokabulare, Identifikatoren und Schnittstellen&lt;br /&gt;
| Erste Bestandskenntnis, lokale Namen, Geschichte und Beziehungen&lt;br /&gt;
| Kulturelle Bedeutung, Repräsentativität und Priorität&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Digitalisierungsberatung, Spezialtechnik, mobile Dienste und Qualitätsprüfung&lt;br /&gt;
| Lokale Auswahl und organisatorische Vorbereitung&lt;br /&gt;
| Transport, Vor-Ort-Digitalisierung oder externe Vergabe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Repositorium, Sicherung, Integritätsprüfung, Migration und Wiederherstellung&lt;br /&gt;
| Mitwirkung an Rechteklärung und Kontakt zu Betroffenen beziehungsweise Nachkommen&lt;br /&gt;
| Zugangs- und Nutzungskategorien für sensible Inhalte&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mustervereinbarungen, Rechte- und Datenschutzberatung&lt;br /&gt;
| Lokale Freigaben, sofern die jeweilige Stelle entscheidungsbefugt ist&lt;br /&gt;
| Verfahren bei Konflikten, Korrekturen und Takedown-Anfragen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Schulungen, Helpdesk, Dokumentation und gegebenenfalls Kleinprojektförderung&lt;br /&gt;
| Pflege von Kontexten, Korrekturen und neuen Informationen&lt;br /&gt;
| Übersetzungs- und Erschließungsprioritäten in Ober- und Niedersorbisch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gemeinsame Präsentationsbausteine und Programmierschnittstellen&lt;br /&gt;
| Eigene lokale Ausstellungen und Nutzungsszenarien&lt;br /&gt;
| Welche Inhalte übergreifend präsentiert oder nachnutzbar gemacht werden&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Verteilung schützt die dezentrale Trägerschaft, ohne kleine Einrichtungen mit jeder technischen Aufgabe allein zu lassen. Sie verhindert zugleich, dass zentrale Infrastruktur mit zentraler kultureller Deutungshoheit verwechselt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.3 Kurzfristig umsetzbare Schritte: 2026–2027 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Priorität 1: Governance und Verantwortungen beschließen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ein gemeinsames Steuerungsgremium für Kulturregister, Digitalisierungszentrum, Repositorium und Präsentation festlegen.&lt;br /&gt;
* Beide sorbischen Sprachräume, zentrale Institutionen und mindestens mehrere lokale beziehungsweise ehrenamtliche Träger verbindlich vertreten.&lt;br /&gt;
* Entscheidungsrechte, Vetorechte bei sensiblen Inhalten, Konfliktlösung und Vertretungsregelungen schriftlich regeln.&lt;br /&gt;
* Einen dauerhaften Produkt- beziehungsweise Serviceverantwortlichen für jede der vier Säulen benennen, auch wenn mehrere Säulen organisatorisch beim selben Träger liegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Priorität 2: Gemeinsamen Mindeststandard verabschieden ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Standard sollte klein genug für ehrenamtliche Erfassung, aber erweiterbar für Fachinstitutionen sein. Er muss mindestens regeln:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* eindeutige Kennung und verantwortlicher Datensatzhalter;&lt;br /&gt;
* Bezeichnung in Originalsprache und gegebenenfalls Übersetzungen;&lt;br /&gt;
* getrennte Sprachkennzeichnung für Obersorbisch, Niedersorbisch, Deutsch und weitere Sprachen;&lt;br /&gt;
* Kulturgutart und Zugehörigkeit zu materiellen, immateriellen oder digitalen Beständen;&lt;br /&gt;
* Standort beziehungsweise verwahrende Stelle;&lt;br /&gt;
* Kurzkontext, Zeit, Ort und beteiligte Personen soweit bekannt;&lt;br /&gt;
* Rechte-, Datenschutz- und kultureller Zugangsstatus;&lt;br /&gt;
* Digitalisierungs- und Archivierungsstatus;&lt;br /&gt;
* Provenienz, Quellen und Bearbeitungsstand;&lt;br /&gt;
* Exportformat und dauerhafte Identifikatoren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Priorität 3: Rechte- und Zugangsmodell entwickeln ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein einheitlicher Workflow sollte rechtliche und kulturelle Fragen getrennt dokumentieren. Empfohlen werden mindestens die vier Stufen „nur Nachweis“, „öffentliches Derivat“, „beschränkter Zugang“ und „gesperrt“. Für jede Stufe sind Verantwortliche, Freigabegrund, Prüffrist und Takedown-Verfahren festzulegen. Local Contexts kann als Anregung dienen; Begriffe und Symbole müssen jedoch gemeinsam für die sorbische Rechts- und Kulturpraxis entwickelt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Priorität 4: End-to-End-Pilot starten ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der erste Pilot sollte nicht nur ein Portal oder einen Scanner testen, sondern die gesamte Kette:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: Kulturgutträger → Erfassung im Register → Priorisierung und Freigabe → Digitalisierung und Qualitätsprüfung → Übernahme ins Repositorium → kontrollierte Präsentation und Nachnutzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beteiligt werden sollten drei bis fünf sehr unterschiedliche Träger, zum Beispiel eine zentrale Institution, eine Heimatstube oder ein Verein, eine kirchliche Einrichtung, eine kommunale Sammlung und gegebenenfalls eine Privatperson. Der Pilot sollte beide sorbischen Schriftsprachen und mindestens drei Medientypen umfassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Priorität 5: Repositoriumsziel vor Produktionsausweitung klären ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits Pilotdigitalisate benötigen einen definierten, überprüfbaren Speicher- und Erhaltungsweg. Falls das endgültige Langzeitarchiv noch nicht vollständig aufgebaut ist, braucht es einen dokumentierten Übergangsdienst mit Prüfsummen, redundanten Kopien, klarer Verantwortung und verbindlichem späteren Migrationsplan. Eine bloße Projektablage ist nicht ausreichend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.4 Mittelfristiger Strukturaufbau: 2027–2030 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Kulturregister ausbauen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Zwei Anbindungswege anbieten: direkte Erfassung beziehungsweise zentral gehostete Mandanten für kleine Träger und standardisierte Datenlieferung für große Fachsysteme.&lt;br /&gt;
* Priorisierungsansicht, Rechte- und Archivstatus sowie Beziehungen zwischen Original, Digitalisat, Werk, Person, Ort, Brauch und Sammlung abbilden.&lt;br /&gt;
* Korrektur- und Ergänzungsworkflow für Community-Wissen einrichten.&lt;br /&gt;
* Export, Programmierschnittstelle und regelmäßige Sicherung verpflichtend machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Digitalisierungszentrum als Dienstleistungsstelle verstetigen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Servicekatalog mit klaren Leistungen, Voraussetzungen, Bearbeitungszeiten und Kosten beziehungsweise Fördermöglichkeiten veröffentlichen.&lt;br /&gt;
* Mobile und stationäre Digitalisierung sowie Vergabe an Spezialdienstleister kombinieren.&lt;br /&gt;
* Schulungsprogramm und „Train-the-Trainer“-Ansatz für lokale Multiplikatorinnen und Multiplikatoren aufbauen.&lt;br /&gt;
* Kleinprojektförderung nach dem Vorbild von Indigitization oder bavarikon erproben.&lt;br /&gt;
* Qualitätssicherung und Übergabepakete zum Repositorium standardisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Repositorium in einen verlässlichen Regelbetrieb überführen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* OAIS-Funktionen organisatorisch zuordnen und mit den NDSA-Reifegradstufen schrittweise umsetzen.&lt;br /&gt;
* mindestens zwei räumlich getrennte Speicherkopien, regelmäßige Fixity Checks (Prüfung der Dateiunverändertheit über Prüfsummen) und Wiederherstellungstests etablieren;&lt;br /&gt;
* Masterdateien, Derivate, Metadaten, Rechte und technische Ereignisse verknüpfen;&lt;br /&gt;
* Verantwortungen bei Trägerwechsel oder Projektende vertraglich sichern;&lt;br /&gt;
* audiovisuelle Daten nach IASA-Empfehlungen behandeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Präsentation zielgruppenspezifisch entwickeln ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Gemeinsame Suche und verständliche Basiskontexte in Deutsch, Ober- und Niedersorbisch sowie ausgewählte englische Zugänge bereitstellen.&lt;br /&gt;
* Nicht jeden Datensatz vollständig in vier Sprachen übersetzen; stattdessen Oberfläche, Kernelemente, kontrollierte Begriffe und besonders relevante Inhalte priorisieren und Übersetzungsstatus sichtbar machen.&lt;br /&gt;
* Bildungs- und Forschungsnutzung in Pilotkooperationen testen.&lt;br /&gt;
* IIIF und Programmierschnittstellen dort einsetzen, wo sie einen konkreten Mehrwert für Anzeige, Zitation oder Datenbezug schaffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.5 Langfristige Aufgaben: ab 2030 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Regelmäßige Daten- und Formatmigrationen, Sicherheitsprüfungen und Erneuerung der Infrastruktur finanzieren.&lt;br /&gt;
* Erfolg anhand eines stabilen Kennzahlensets messen: erfasste und archivierte Bestände, beteiligte Träger, Bearbeitungszeiten, Rechte-Rückstände, Nutzung, Downloads, Bildungsprojekte, wissenschaftliche Zitationen, Community-Zufriedenheit und Korrekturen.&lt;br /&gt;
* Born-digital-Kulturerbe wie Websites, digitale Fotosammlungen, Social-Media-Projekte, digitale Kunst und Software systematisch übernehmen.&lt;br /&gt;
* Repositoriumsprozesse gegebenenfalls auf eine externe Vertrauenswürdigkeitsprüfung oder Zertifizierung vorbereiten.&lt;br /&gt;
* Kooperationen mit nationalen und europäischen Aggregatoren ausbauen, ohne die sorbische Datenhoheit und sprachliche Sichtbarkeit aufzugeben.&lt;br /&gt;
* Alle drei bis fünf Jahre Governance, Standards, Prioritäten und Zugangsregeln gemeinsam überprüfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.6 Empfohlene Pilotprojekte ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Pilot&lt;br /&gt;
! Ziel&lt;br /&gt;
! Warum besonders sinnvoll&lt;br /&gt;
! Erfolgskriterien&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''1. Kulturregister-Pilot mit heterogenen Trägern'''&lt;br /&gt;
| Mindestmetadaten, Onboarding und föderierte Datenlieferung testen&lt;br /&gt;
| Deckt die reale Spannweite von Fachinstitution bis Ehrenamt ab&lt;br /&gt;
| Mindestens 3–5 Träger liefern exportfähige, verständliche Datensätze; Aufwand und Hilfebedarf sind gemessen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''2. Gefährdete sorbische Ton- und Videobestände'''&lt;br /&gt;
| Priorisierung, Digitalisierung, Transkription, Rechte und Archivierung zeitkritischer Medien&lt;br /&gt;
| Hohe Verlustgefahr und großer Sprachwert; Anknüpfung an Tobar an Dualchais, PARADISEC und Indigitization&lt;br /&gt;
| Definierte Masterdateien, geprüfte Übergabe, zweisprachige Erschließung, Nutzungsfall für Bildung/Forschung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''3. Sensibles und immaterielles Kulturerbe'''&lt;br /&gt;
| Abgestufte Rechte und Community-Entscheidungen an Interviews, Bräuchen oder Familienmaterial erproben&lt;br /&gt;
| Testet Governance statt nur Technik&lt;br /&gt;
| Dokumentierte Freigabewege, mehrere Zugangsstufen, Takedown-Prozess und Community-Abnahme&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''4. Durchgängige Vier-Säulen-Kette'''&lt;br /&gt;
| Datenfluss vom Register bis zur Präsentation ohne manuelle Medienbrüche testen&lt;br /&gt;
| Macht Schnittstellen- und Verantwortungsprobleme früh sichtbar&lt;br /&gt;
| Identifikatoren und Rechte bleiben durchgängig erhalten; Übergaben sind reproduzierbar&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''5. Migrations- und Ausstiegstest'''&lt;br /&gt;
| Vollständigen Export eines Pilotbestands in ein neutrales Format und Wiederimport prüfen&lt;br /&gt;
| Reagiert direkt auf das LAAL- und RRN-Lernfeld technischer Alterung&lt;br /&gt;
| Dateien, Beziehungen, Rechte, Sprachwerte und Identifikatoren bleiben erhalten; Dokumentation ist für anderen Betreiber nutzbar&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.7 Mindestanforderungen vor jeder Beschaffung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor der Entscheidung für eine konkrete Software sollten folgende Punkte verbindlich beantwortet sein:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Welche Funktion der vier Säulen soll die Software erfüllen – und welche ausdrücklich nicht?&lt;br /&gt;
# Wer ist fachlich, technisch und rechtlich verantwortlich?&lt;br /&gt;
# Wie werden Ober- und Niedersorbisch in Oberfläche, Datenfeldern, Suche und Export behandelt?&lt;br /&gt;
# Welche vollständigen Daten- und Dateiexporte sind jederzeit möglich?&lt;br /&gt;
# Wie bleiben Identifikatoren und Beziehungen bei einem Systemwechsel erhalten?&lt;br /&gt;
# Welche Rechte- und Sichtbarkeitsstufen lassen sich abbilden?&lt;br /&gt;
# Wie werden Community-Ergänzungen von institutionellen Ausgangsdaten unterschieden, ohne sie abzuwerten?&lt;br /&gt;
# Wo liegen Masterdateien und wer prüft ihre Integrität?&lt;br /&gt;
# Welche wiederkehrenden Lizenz-, Hosting-, Speicher-, Wartungs- und Personalkosten entstehen über mindestens zehn Jahre?&lt;br /&gt;
# Was geschieht bei Anbieterwechsel, Projektende, Insolvenz oder Wegfall einer Förderung?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.8 Übertragbarkeit differenziert bewertet ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Direkt übertragbare Ansätze ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* funktionale Trennung von Register, Digitalisierung, Repositorium und Präsentation;&lt;br /&gt;
* zentraler Service bei dezentraler Trägerschaft;&lt;br /&gt;
* gemeinsamer Metadatenkern mit fachlichen Erweiterungen;&lt;br /&gt;
* abgestufte Zugänge und getrennte rechtliche/kulturelle Prüfung;&lt;br /&gt;
* Pilotierung mit heterogenen Trägern;&lt;br /&gt;
* Betreiber- und Finanzierungsplanung vor Skalierung;&lt;br /&gt;
* Schulung, Helpdesk und Vorlagen für kleine Sammlungen;&lt;br /&gt;
* Exportfähigkeit und Migrationsplanung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Mit Anpassungen übertragbare Ansätze ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Mukurtu-Protokolle und Traditional Knowledge Labels: als Vorbild, aber mit sorbisch entwickelten Begriffen und deutscher beziehungsweise europäischer Rechtsprüfung;&lt;br /&gt;
* Nuohttis föderierte Architektur: gut übertragbar, jedoch mit deutlich kleinerem institutionellem Netz und zwei sorbischen Schriftsprachen;&lt;br /&gt;
* bavarikons Förder- und Qualitätsverfahren: in vereinfachter Form und mit wesentlich kleinerem Budget;&lt;br /&gt;
* PARADISECs Fachrepositorium: als Dienstemodell für gefährdete Medien, nicht in dessen globaler Größenordnung;&lt;br /&gt;
* People’s Collection Wales: Support- und Beteiligungsmodell, angepasst an kleinere Personalressourcen und vorhandene sorbische Institutionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Kaum unmittelbar übertragbare Ansätze ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* eine vollständig eigenständige technische Großinfrastruktur nach Maßstab eines Flächenlandes wie Bayern;&lt;br /&gt;
* ein internationaler Universitätsverbund mit hunderten Terabyte und weltweitem Einzugsbereich wie PARADISEC;&lt;br /&gt;
* die unveränderte Übernahme indigener Rechts- und Kulturkonzepte in den europäischen Minderheitenkontext;&lt;br /&gt;
* die Vorstellung, jedes lokale Haus müsse ein eigenes Langzeitarchiv oder hoch spezialisiertes Digitalisierungslabor betreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Risiken und Fehler, die vermieden werden sollten ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* '''Portal zuerst:''' Eine öffentlich sichtbare Website wird gebaut, bevor Datenpflege, Rechte und Langzeiterhaltung geregelt sind.&lt;br /&gt;
* '''Projektserver als Archiv:''' Dateien liegen nur in Arbeitsordnern, Clouds oder einem Content-Management-System.&lt;br /&gt;
* '''Ein System für alles:''' Register, Produktion, Archivierung und Präsentation werden technisch und organisatorisch untrennbar gekoppelt.&lt;br /&gt;
* '''Offen oder geschlossen:''' Fehlende Zwischenstufen führen entweder zu unnötiger Sperrung oder unangemessener Veröffentlichung.&lt;br /&gt;
* '''Standards ohne Hilfe:''' Ehrenamtliche Träger erhalten komplexe Vorgaben, aber keine Schulung, Zeit oder Nachbearbeitung.&lt;br /&gt;
* '''Zentralisierung der Deutung:''' Lokale und sprachräumliche Perspektiven werden durch ein einziges zentrales Beschreibungsschema verdrängt.&lt;br /&gt;
* '''Digitalisierung ohne Rechtebudget:''' Scans und Aufnahmen entstehen schneller als Einwilligungen, Prüfungen und Freigaben bearbeitet werden können.&lt;br /&gt;
* '''Abhängigkeit ohne Exit:''' Proprietäre Software oder Dienstleister werden gewählt, ohne vollständigen Export und getesteten Betreiberwechsel.&lt;br /&gt;
* '''Projektende ohne Betrieb:''' Förderziele zählen veröffentlichte Objekte, aber keine Stellen, Speicher-, Wartungs- und Migrationskosten nach Förderende.&lt;br /&gt;
* '''Mehrsprachigkeit nur im Menü:''' Die Oberfläche ist übersetzt, Datensätze, Suche, Vokabulare und redaktionelle Prozesse bleiben einsprachig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.9 Priorisierte Schlussfolgerung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wichtigste Lehre lautet nicht, möglichst schnell ein großes Portal zu füllen. Vorrang hat eine belastbare Arbeitsteilung:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Zuerst Regeln und Verantwortung:''' Governance, Rechte, Sprachmodell, Mindestmetadaten und Betreiber festlegen.&lt;br /&gt;
# '''Dann die sichere Kette:''' Register, Digitalisierungszentrum und Repositorium in einem Ende-zu-Ende-Pilot verbinden.&lt;br /&gt;
# '''Danach skalieren:''' Bestände risikobasiert digitalisieren, kleine Träger durch Dienste und Förderung einbinden.&lt;br /&gt;
# '''Erst darauf die breite Präsentation:''' Freigegebene Inhalte zielgruppengerecht, mehrsprachig und nachnutzbar anbieten.&lt;br /&gt;
# '''Dauerhaft überprüfen:''' Nutzung, Datenqualität, Rechte-Rückstände, Betriebskosten und Community-Zufriedenheit messen und Architektur weiterentwickeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit wird aus vier technischen beziehungsweise organisatorischen Säulen ein gemeinsames System: '''dezentrale kulturelle Verantwortung, zentral abgesicherte Dienste und eine verbindliche dauerhafte Finanzierung.'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== H. Verdichtungsvorschlag für den Konzeptabschnitt „Beispiele anderer Kulturen und Regionen“ ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den kurzen Wiki-Abschnitt wird eine Gliederung in höchstens vier Unterabschnitte empfohlen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Ziel und Auswahl:''' Warum der Vergleich durchgeführt wurde und warum kein universelles Idealmodell gesucht wird.&lt;br /&gt;
# '''Sieben aussagekräftige Beispiele:''' RomArchive, Nuohtti, People’s Collection Wales, Tobar an Dualchais, Euskariana, Mukurtu/Plateau Portal und Indigitization. Jedes Beispiel erhält einen kurzen Kontext, die zentrale Besonderheit und ein konkretes Learning.&lt;br /&gt;
# '''Schlussverdichtung:''' Vier Säulen, drei Fundamente und zwei Betriebsregeln.&lt;br /&gt;
# '''Prioritäten für die Sorben:''' Governance und Standards → Ende-zu-Ende-Pilot und Zielrepositorium → Verstetigung des Digitalisierungszentrums → skalierte Präsentation und Nachnutzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die sieben Beispiele decken die für den sorbischen Kontext wichtigsten Perspektiven ab:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Beispiel&lt;br /&gt;
! Zentrale Besonderheit&lt;br /&gt;
! Konkretes Learning für die Sorben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| RomArchive&lt;br /&gt;
| Minderheitenangehörige kuratieren und steuern; Betreiberübergang nach Projektphase&lt;br /&gt;
| Deutungshoheit und dauerhaften Träger von Beginn an verankern&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Nuohtti&lt;br /&gt;
| Föderierte Suche über verteilte Bestände und mehrere Staaten/Sprachen&lt;br /&gt;
| Kulturregister als verbindende Nachweisschicht statt Zwangszentralisierung bauen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| People’s Collection Wales&lt;br /&gt;
| Zweisprachige Plattform plus Schulung und Community-Unterstützung; unabhängige Evaluation&lt;br /&gt;
| Kleine Träger brauchen Helpdesk, Training und realistische Wirkungsmessung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Tobar an Dualchais&lt;br /&gt;
| Sicherung und sprachliche Erschließung gefährdeter Tonaufnahmen&lt;br /&gt;
| Audiovisuelle Bestände zeitlich priorisieren und mit Transkription verbinden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Euskariana&lt;br /&gt;
| Gemeinsamer Katalog, eigenes Repositorium und Anbindung externer Systeme über Standards&lt;br /&gt;
| Zwei Onboarding-Wege und ein schlanker gemeinsamer Metadatenkern&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mukurtu / Plateau Portal&lt;br /&gt;
| Kulturelle Protokolle, mehrere Perspektiven und abgestufte Zugänge&lt;br /&gt;
| Rechte und kulturelle Sensibilität als Datenmodell, nicht als spätere Einzelfallkorrektur&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Indigitization&lt;br /&gt;
| Zentrale Kompetenz, Training und Kleinprojektförderung bei dezentraler Durchführung&lt;br /&gt;
| Digitalisierungszentrum als Dienstleister und Befähiger für lokale Träger ausgestalten&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ausführlichen Fallprofile, Matrix, Quellen und differenzierten Empfehlungen verbleiben auf dieser Anhangsseite. Dadurch bleibt der Konzepttext lesbar, während zentrale Aussagen überprüfbar belegt und vertieft werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Prioritäten und Prüfkriterien für den Aufbau ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die aus den Fallbeispielen abgeleiteten Handlungsfelder können zugleich als Prüfraster für eine Ist-Analyse genutzt werden. Dabei wird nicht nur geprüft, ob ein Konzept oder ein technisches System vorhanden ist. Entscheidend ist, ob Zuständigkeiten, Verfahren, Finanzierung und Qualität bereits praktisch erprobt und dauerhaft verankert sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jedes Handlungsfeld kann anhand folgender Reifegrade bewertet werden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot; style=&amp;quot;width:100%; text-align:center;&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Reifegrad 0&lt;br /&gt;
! Reifegrad 1&lt;br /&gt;
! Reifegrad 2&lt;br /&gt;
! Reifegrad 3&lt;br /&gt;
! Reifegrad 4&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Nicht begonnen'''&lt;br /&gt;
| '''Konzeptionell geklärt'''&lt;br /&gt;
| '''Pilotiert'''&lt;br /&gt;
| '''Teilweise im Regelbetrieb'''&lt;br /&gt;
| '''Dauerhaft etabliert und überprüft'''&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Keine abgestimmten Ziele, Zuständigkeiten oder Verfahren&lt;br /&gt;
| Ziele, Rollen und Anforderungen sind beschrieben&lt;br /&gt;
| Das Vorgehen wurde mit einzelnen Beständen oder Trägern erprobt&lt;br /&gt;
| Leistungen werden wiederholt erbracht, sind aber noch nicht vollständig verfügbar&lt;br /&gt;
| Zuständigkeiten, Finanzierung und Verfahren sind dauerhaft verankert und werden regelmäßig überprüft&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn sich der Entwicklungsstand zwischen Register, Digitalisierungsdiensten, Repositorium und Präsentationssystem deutlich unterscheidet, sollte der Reifegrad eines Handlungsfeldes zusätzlich für jede dieser Funktionen getrennt bewertet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot; style=&amp;quot;width:100%;&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Priorität&lt;br /&gt;
! Handlungsfeld&lt;br /&gt;
! Prüfkriterien und mögliche Nachweise&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:8%;&amp;quot; | Reifegrad&amp;lt;br /&amp;gt;(0–4)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Prio 1) &amp;lt;br&amp;gt; Rahmen festlegen'''&lt;br /&gt;
| '''1. Gemeinsam entscheiden und Zugänge regeln'''&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* Verantwortlichkeiten und Entscheidungsrechte für Auswahl, Priorisierung, Beschreibung, Digitalisierung, Veröffentlichung, Einschränkung und Rücknahme von Inhalten sind schriftlich festgelegt.&lt;br /&gt;
* Angehörige der Gemeinschaft und Kulturgutträger sind nicht nur beratend, sondern mit nachvollziehbaren Entscheidungsrechten beteiligt.&lt;br /&gt;
* Einheitliche Rechte- und Zugangskategorien sind definiert und können für einzelne Objekte oder Bestände dokumentiert werden.&lt;br /&gt;
* Rechtliche Zulässigkeit und kulturelle Angemessenheit werden getrennt geprüft.&lt;br /&gt;
* Für Korrekturen, Beschwerden, nachträgliche Einschränkungen und die erneute Prüfung gesperrter Inhalte bestehen geregelte Verfahren.&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Prio 1) &amp;lt;br&amp;gt; Rahmen festlegen'''&lt;br /&gt;
| '''2. Dauerbetrieb und Finanzierung sichern'''&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* Für Register, Digitalisierungsdienste, Repositorium und Präsentationssystem sind verantwortliche Betreiber benannt.&lt;br /&gt;
* Die Übergabe aus einer Projektphase in den dauerhaften Betrieb ist schriftlich geregelt.&lt;br /&gt;
* Ein wiederkehrendes Budget berücksichtigt Personal, technischen Betrieb, Speicher, Sicherung, Beratung, Rechtearbeit, Datenpflege und Qualitätssicherung.&lt;br /&gt;
* Kosten für Softwarepflege, Informationssicherheit, technische Erneuerung und spätere Datenmigrationen sind berücksichtigt.&lt;br /&gt;
* Für Trägerwechsel, Projektende oder den Ausfall eines Dienstleisters besteht ein Übergabe- und Ausstiegskonzept.&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Prio 1) &amp;lt;br&amp;gt; Rahmen festlegen'''&lt;br /&gt;
| '''3. Standards und Langzeiterhaltung festlegen'''&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* Ein gemeinsamer Metadatenkern mit Pflichtfeldern und eindeutigen Kennungen ist beschlossen.&lt;br /&gt;
* Sprachen, Sprachvarianten, Originalbezeichnungen, Übersetzungen, Selbstbezeichnungen und historische Fremdbezeichnungen können getrennt erfasst werden.&lt;br /&gt;
* Qualitätsanforderungen für unterschiedliche Kulturgutarten, Dateiformate, Masterdateien und Nutzungsdateien sind festgelegt.&lt;br /&gt;
* Datenexporte und technische Schnittstellen sind dokumentiert und praktisch getestet.&lt;br /&gt;
* Ein Zielrepositorium und ein verbindliches Übergabeverfahren für Dateien und Metadaten sind festgelegt.&lt;br /&gt;
* Prüfsummen, Sicherungskopien, Wiederherstellungstests und spätere Format- oder Systemwechsel sind organisatorisch und technisch geregelt.&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Prio 2) &amp;lt;br&amp;gt; Erproben und aufbauen'''&lt;br /&gt;
| '''4. Bestände priorisieren und die vollständige Kette pilotieren'''&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* Eine Bestandsübersicht berücksichtigt große und kleine Einrichtungen, ehrenamtliche Träger sowie materielles und immaterielles Kulturerbe.&lt;br /&gt;
* Priorisierungskriterien für Gefährdung, kulturelle Bedeutung, Nutzungspotenzial, Rechteklarheit, Aufwand und Kosten sind dokumentiert.&lt;br /&gt;
* Eine abgestimmte und regelmäßig aktualisierte Prioritätenliste liegt vor.&lt;br /&gt;
* Mehrere unterschiedliche Pilotbestände durchlaufen den vollständigen Prozess von der Erfassung bis zur Archivierung und Präsentation.&lt;br /&gt;
* Zeitaufwand, Kosten, Personalbedarf, Fehler, offene Rechtefälle und notwendige Nacharbeiten werden dokumentiert.&lt;br /&gt;
* Dateien und Metadaten konnten erfolgreich an das Repositorium übergeben, wiedergefunden und für eine Nutzung bereitgestellt werden.&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Prio 2) &amp;lt;br&amp;gt; Erproben und aufbauen'''&lt;br /&gt;
| '''5. Zentral unterstützen und dezentral verantworten'''&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* Ein verständlicher Leistungskatalog für Beratung, Schulung, Digitalisierung, Rechtehilfe, Metadatenunterstützung und Qualitätskontrolle liegt vor.&lt;br /&gt;
* Feste Ansprechpartner und ein transparentes Verfahren für Anfragen und Priorisierung sind vorhanden.&lt;br /&gt;
* Kleine Einrichtungen können Daten über einfache zentrale Erfassungsangebote einbringen.&lt;br /&gt;
* Größere Einrichtungen können vorhandene Systeme über Datenexporte oder Schnittstellen anbinden.&lt;br /&gt;
* Zuständigkeiten für Originale, Metadatenpflege, Rechteklärung, Freigabe und Übergabe an das Repositorium sind geregelt.&lt;br /&gt;
* Nutzung, Kapazitäten, Bearbeitungszeiten, Schulungsbedarf und Zufriedenheit der beteiligten Kulturgutträger werden ausgewertet.&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Prio 3) &amp;lt;br&amp;gt; Auf gesicherter Grundlage ausbauen'''&lt;br /&gt;
| '''6. Mehrsprachig vermitteln, Nachnutzung ermöglichen und Wirkung prüfen'''&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* Freigegebene Inhalte werden mehrsprachig, verständlich und möglichst barrierearm bereitgestellt.&lt;br /&gt;
* Inhalte werden durch historische, sprachliche und kulturelle Informationen eingeordnet.&lt;br /&gt;
* Rechteangaben, Quellenhinweise und zulässige Nutzungsformen sind eindeutig erkennbar.&lt;br /&gt;
* Download, Zitierbarkeit, Datenexport und technische Nachnutzung werden ermöglicht, soweit dies zulässig ist.&lt;br /&gt;
* Verfahren für Aktualisierung, Korrektur, Ergänzung und Rücknahme veröffentlichter Inhalte sind vorhanden.&lt;br /&gt;
* Nutzung und Wirkung werden anhand von Bildungsanwendungen, Forschung, Downloads, kultureller Nachnutzung, Datenqualität und Rückmeldungen bewertet.&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Anwendung des Prüfrasters ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Prüfraster ist nicht als starres Phasenmodell zu verstehen. Einzelne Handlungsfelder können parallel bearbeitet werden. Für den Übergang in eine größere Ausbaustufe sollten jedoch bestimmte Mindestvoraussetzungen erfüllt sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als pragmatische Orientierung kann gelten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* '''Beginn von Pilotprojekten:''' Die Handlungsfelder der ersten Priorität sind mindestens konzeptionell geklärt. Verantwortliche Stellen, vorläufige Standards und ein Zielrepositorium sind benannt.&lt;br /&gt;
* '''Breitere Digitalisierung:''' Entscheidungsrechte, Betrieb, Finanzierung, Standards und Archivierungsverfahren sind praktisch erprobt und zumindest teilweise im Regelbetrieb verankert.&lt;br /&gt;
* '''Breiter Ausbau der Präsentation:''' Rechteprüfung, Datenpflege, Repositorium, Betreiberverantwortung und Korrekturverfahren funktionieren verlässlich im Regelbetrieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Auswertung sollte nicht lediglich ein Durchschnitt aller Reifegrade gebildet werden. Entscheidend ist häufig die schwächste kritische Abhängigkeit. Ein weit entwickeltes Präsentationsportal kann beispielsweise ein fehlendes Langzeitarchiv, ungeklärte Rechte oder eine nicht geregelte Betreiberverantwortung nicht ausgleichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusammengefasst gilt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:''Kein breiter Ausbau ohne geklärte Verantwortung, kein Digitalisat ohne Zielarchiv, kein Register ohne Datenpflege und keine Veröffentlichung ohne Rechte- und Kulturprüfung.''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_faq&amp;quot;&amp;gt;RomArchive (o. J.): ''Frequently Asked Questions''. [https://www.romarchive.eu/en/about/frequently-answered-questions/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_imprint&amp;quot;&amp;gt;Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma e. V. / RomArchive (o. J.): ''Imprint''. [https://www.romarchive.eu/en/imprint/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_kulturstiftung&amp;quot;&amp;gt;Kulturstiftung des Bundes (o. J.): ''RomArchive – Digital Archive of the Roma''. [https://www.kulturstiftung-des-bundes.de/en/programmes_projects/film_and_new_media/detail/romarchive.html Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_about&amp;quot;&amp;gt;Nuohtti / Digital Access to the Sámi Heritage Archives (o. J.): ''About Nuohtti''. [https://nuohtti.com/Content/about Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_uarctic&amp;quot;&amp;gt;University of the Arctic (2023): ''The Nuohtti service provides digital access to Sámi material in European archives''. [https://www.uarctic.org/news/2023/3/the-nuohtti-service-provides-digital-access-to-sami-material-in-european-archives/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_dataspace&amp;quot;&amp;gt;Mäkikalli, Maija / Leppälä, Oona (2024): ''Nuohtti platform improves accessibility to the digitised archives of Sámi cultural heritage''. European Collaborative Cloud for Cultural Heritage / Europeana. [https://www.dataspace-culturalheritage.eu/en/news/nuohtti-platform-improves-accessibility-to-the-digitised-archives-of-sami-cultural-heritage Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_eval&amp;quot;&amp;gt;Vittle, Kate / Haswell-Walls, Fran / Dixon, Tim; ERS Ltd. (2016): ''Evaluation of the Casgliad y Werin Cymru / People’s Collection Wales Digital Heritage Programme. Impact Report''. [https://www.gov.wales/sites/default/files/publications/2019-08/evaluation-of-the-peoples-collection-wales-digital-heritage-programme-impact.pdf PDF], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_support&amp;quot;&amp;gt;People’s Collection Wales (o. J.): ''Community Support''. [https://www.peoplescollection.wales/about-us/community-support Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_edinburgh&amp;quot;&amp;gt;University of Edinburgh (2024): ''Tobar an Dualchais / Kist o Riches''. [https://gaelic.ed.ac.uk/gaelic-collections/tobar-an-dualchais-kist-o-riches Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_funding2025&amp;quot;&amp;gt;Scottish Government (2025): ''Rediscovering lost Gaelic words''. [https://www.gov.scot/news/rediscovering-lost-gaelic-words/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_funding2026&amp;quot;&amp;gt;Scottish Government (2026): ''Boost for Gaelic language''. [https://www.gov.scot/news/boost-for-gaelic-language/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_opening&amp;quot;&amp;gt;University of Edinburgh (o. J.): ''Opening the Well''. [https://gaelic.ed.ac.uk/news/opening-the-well Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;euskariana_about&amp;quot;&amp;gt;Gobierno Vasco / Biblioteca Digital de Euskadi (o. J.): ''Acerca de Euskariana''. [https://www.euskariana.euskadi.eus/euskadibib/es/help/about.do Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;bavarikon_about&amp;quot;&amp;gt;bavarikon / Freistaat Bayern (o. J.): ''Über bavarikon''. [https://www.bavarikon.de/about Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;bavarikon_partner&amp;quot;&amp;gt;bavarikon / Freistaat Bayern (o. J.): ''Partner werden''. [https://www.bavarikon.de/becoming-partner Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;bavarikon_500k&amp;quot;&amp;gt;Bayerische Staatsbibliothek (2024): ''bavarikon knackt die halbe Million: 500.000 digitale Kulturschätze aus rund 170 bayerischen Einrichtungen sind weltweit zugänglich''. [https://www.bsb-muenchen.de/en/about-us/article/bavarikon-knackt-die-halbe-million-500000-digitale-kulturschaetze-aus-rund-170-bayerischen-einrichtungen-sind-weltweit-zugaenglich-6555/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_about&amp;quot;&amp;gt;Mukurtu CMS / Center for Digital Scholarship and Curation, Washington State University (o. J.): ''About / Mission, Core Features, Implementation and Sustainability''. [https://mukurtu.org/about/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_plateau&amp;quot;&amp;gt;Mukurtu CMS / Washington State University (o. J.): ''Plateau Peoples’ Web Portal''. [https://mukurtu.org/project/plateau-peoples-web-portal-showcase/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_dlib&amp;quot;&amp;gt;Christen, Kimberly / Merrill, Alex / Wynne, Michael (2017): ''A Community of Relations: Mukurtu Hubs and Spokes''. D-Lib Magazine, 23(5/6). [https://www.dlib.org/dlib/may17/christen/05christen.html Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_who&amp;quot;&amp;gt;Aṟa Irititja (o. J.): ''Who are we?'' [https://irititja.com/about-ara-irititja/who-are-we/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_approach&amp;quot;&amp;gt;Aṟa Irititja (o. J.): ''Community-Based Approach – The Aṟa Irititja Approach''. [https://irititja.com/archive/the-ara-irititja-approach/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_funding&amp;quot;&amp;gt;Aṟa Irititja (o. J.): ''Funding''. [https://irititja.com/challlenges/funding/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_background&amp;quot;&amp;gt;Charles Darwin University / Living Archive of Aboriginal Languages (o. J.): ''Background''. [https://livingarchive.cdu.edu.au/background/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_rights&amp;quot;&amp;gt;Charles Darwin University / Living Archive of Aboriginal Languages (o. J.): ''Copyright and IP issues''. [https://livingarchive.cdu.edu.au/copyright/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_home&amp;quot;&amp;gt;Charles Darwin University / Living Archive of Aboriginal Languages (o. J.): ''Home''. [https://livingarchive.cdu.edu.au/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_migration&amp;quot;&amp;gt;Christie, Michael (2022): ''Post-LAAL update''. Living Archive of Aboriginal Languages, 26.10.2022. [https://livingarchive.cdu.edu.au/post-laal-update/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;paradisec_about&amp;quot;&amp;gt;PARADISEC (o. J.): ''About us''. [https://www.paradisec.org.au/about-us/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;paradisec_home&amp;quot;&amp;gt;PARADISEC (2026): ''Pacific and Regional Archive for Digital Sources in Endangered Cultures – Home and current collection data''. [https://www.paradisec.org.au/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_about&amp;quot;&amp;gt;Reciprocal Research Network (o. J.): ''About''. [https://www.rrncommunity.org/pages/about Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_contact&amp;quot;&amp;gt;Reciprocal Research Network (o. J.): ''Contact Us / Steering Group''. [https://www.rrncommunity.org/pages/contact Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_home&amp;quot;&amp;gt;Reciprocal Research Network (2026): ''Home / What’s inside''. [https://www.rrncommunity.org/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_rowley&amp;quot;&amp;gt;Rowley, Susan (2013): ''The Reciprocal Research Network: The Development Process''. Museum Anthropology Review, 7(1–2). [https://scholarworks.iu.edu/journals/index.php/mar/article/view/2172 Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_about&amp;quot;&amp;gt;Indigitization (o. J.): ''About Us''. [https://www.indigitization.ca/about-2/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_toolkit&amp;quot;&amp;gt;Indigitization (o. J.): ''Indigitization Toolkit''. [https://www.indigitization.ca/toolkit/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_grant&amp;quot;&amp;gt;Indigitization (o. J.): ''Audio Cassette Digitization Grant''. [https://www.indigitization.ca/funding/audio-cassette-grant/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_funding&amp;quot;&amp;gt;Indigitization (o. J.): ''Funding''. [https://www.indigitization.ca/funding/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;unesco_doc_heritage&amp;quot;&amp;gt;UNESCO (2015): ''Recommendation concerning the preservation of, and access to, documentary heritage including in digital form''. [https://www.unesco.org/en/legal-affairs/recommendation-concerning-preservation-and-access-documentary-heritage-including-digital-form Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;unesco_participation&amp;quot;&amp;gt;UNESCO Intangible Cultural Heritage (o. J.): ''Involvement of communities, groups and individuals''. [https://ich.unesco.org/en/involvement-of-communities-0033 Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;unesco_ethics&amp;quot;&amp;gt;UNESCO Intangible Cultural Heritage (o. J.): ''Ethical Principles for Safeguarding Intangible Cultural Heritage''. [https://ich.unesco.org/en/ethics-and-ich-00866 Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;oais&amp;quot;&amp;gt;International Organization for Standardization (ISO) (2025): ''ISO 14721:2025 – Space data and information transfer systems – Open archival information system (OAIS) – Reference model'', 3. Ausgabe. [https://www.iso.org/standard/87471.html Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;ndsa&amp;quot;&amp;gt;National Digital Stewardship Alliance (2026): ''Levels of Digital Preservation, Version 2.1''. [https://www.ndsa.org/publications/levels-of-digital-preservation/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;care&amp;quot;&amp;gt;Global Indigenous Data Alliance (o. J.): ''CARE Principles for Indigenous Data Governance''. [https://www.gida-global.org/careprinciples Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;localcontexts&amp;quot;&amp;gt;Local Contexts (o. J.): ''Traditional Knowledge and Biocultural Labels and Notices''. [https://localcontexts.org/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;edm&amp;quot;&amp;gt;Europeana Pro (o. J.): ''Europeana Data Model Documentation''. [https://pro.europeana.eu/page/edm-documentation Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;oaipmh&amp;quot;&amp;gt;Open Archives Initiative (o. J.): ''OAI-PMH Frequently Asked Questions''. [https://www.openarchives.org/documents/FAQ.html Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;iiif&amp;quot;&amp;gt;IIIF Consortium (2021, laufend gepflegt): ''IIIF Presentation API 3.0''. [https://iiif.io/api/presentation/3.0/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;iasa&amp;quot;&amp;gt;International Association of Sound and Audiovisual Archives (IASA) (o. J.): ''Guidelines on the Production and Preservation of Digital Audio Objects (TC-04)''. [https://www.iasa-web.org/tc04/audio-preservation Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;digicher&amp;quot;&amp;gt;Europeana Foundation / European Collaborative Cloud for Cultural Heritage (2024): ''Discover the DIGICHer project''. [https://www.dataspace-culturalheritage.eu/en/news/discover-the-digicher-project Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/references&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Měrko Šenk</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://koncept.serbski-inkubator.de/index.php?title=12.3_Digitalisierung_des_Kulturerbes&amp;diff=1077</id>
		<title>12.3 Digitalisierung des Kulturerbes</title>
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		<updated>2026-07-22T14:24:19Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Měrko Šenk: /* 2.5.8 Schlussverdichtung: vier Funktionen, sechs Handlungsfelder und drei Prioritäten */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;= 1 Einleitung =&lt;br /&gt;
Die Digitalisierung von sorbischem Kulturerbe ist eine historische Chance für uns Sorben, eine Chance, unser kulturelles Erbe neu zu entdecken, es für kommende Generationen zu erhalten, für eine breitere Öffentlichkeit zugänglich zu machen und dabei die eigene Deutungshoheit zu stärken. Das erfordert neben Mut, einer klaren gemeinsamen Vision, starker Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Akteuren auch die notwendigen Ressourcen in Form von Personal mit entsprechenden Kompetenzen, passender Technik sowie einer nachhaltig gesicherten Finanzierung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im folgenden Abschnitt werden Zielbilder für die Digitalisierung des sorbischen Kulturerbes entworfen mittels lang- und kurzfristiger Visionen sowie konkreter Ziele.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 1.1 Visionen und Ziele für die sorbische digitale Welt ==&lt;br /&gt;
'''Vision 2035'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
''Sorbisches materielles und immaterielles Kulturerbe ist systematisch digital erfasst, rechtssicher und langfristig gesichert, leicht auffindbar, offen nutzbar und wird aktiv von Interessierten genutzt.''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Konkrete Ziele'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bis 2032 ist ein tragfähiges, finanziell und organisatorisch abgesichertes Modell etabliert, das:&lt;br /&gt;
* Ein zentrales (oder föderiertes) digitales Langzeitarchiv nach OAIS-Referenzmodell betreibt,&lt;br /&gt;
* klare Zuständigkeiten, Prozesse und Budgets definiert,&lt;br /&gt;
* regelmäßige Qualitätssicherung und Technik-Updates vorsieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis 2030 sind wichtige sorbische Kulturerbe-Bestände (Kernbestände nach fachlicher Festlegung) in hoher Qualität digitalisiert, beschrieben und im Langzeitarchiv gesichert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis 2028 liegt eine institutionenübergreifende Übersicht über relevante Kulturerbe-Bestände (analog und digital, materiell und immateriell) vor, einschließlich einer Prioritätenliste für die Digitalisierung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis 2028 existiert ein zentrales, nutzerfreundliches „Sorbisches Kulturerbe-Portal“, das:&lt;br /&gt;
* Suchzugang über alle teilnehmenden Institutionen ermöglicht,&lt;br /&gt;
* grundlegende Inhalte frei zugänglich bereitstellt,&lt;br /&gt;
* mehrsprachige Oberflächen anbietet (Deutsch, Obersorbisch, Niedersorbisch, Englisch).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= 2 IST-Analyse „Digitalisierung von Kulturerbe“ =&lt;br /&gt;
Das Ziel in diesem Themenbereich ist es, sorbisches Kulturerbe digital zu verwalten und damit langfristig für Recherche, Nutzung und Präsentation vorzuhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Abschnitt &amp;quot;IST-Analyse“ werden die folgenden Fragen beantwortet: Was ist sorbisches Kulturerbe und was zählt alles dazu? Welche Schritte durchläuft ein Kulturgut, um zum digitalen Kulturerbe zu gehören? Wie können die digitale Verwaltung, Archivierung, Nutzung und Präsentation von Kulturgütern umgesetzt werden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die grundlegenden Terminologien des Kulturerbes sollen im Folgenden festgelegt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2.1 Terminologie – von Kultur zu Kulturerbe ==&lt;br /&gt;
In diesem Abschnitt werden die Begriffe rund um das Kulturerbe grundlegend definiert. Es soll ein Verständnis über die Begriffe Kultur, kulturelle Ausprägung, Kulturgut und Kulturerbe erreicht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K1.png|center|260px]]&amp;lt;ref&amp;gt;Mermaid Flowchart Code: [https://mermaid.live/edit#pako:eNpF0UtuwyAQBuCroFlaTuRHTGMvKuWxq7pqV627IGZso2CIMChtk9ymN-nFimmasmJGfP-AOEGjOUIFrdTHpmfGkudtrWpF_Fq9RtGDk9aZKHojU-_aJ7PZ_bmGgSnR4mgFejaKpidC1XAmq8zDfYAoJZKVG7lxzX5stRl81C0_uwYdheGEubHD4_dXLy1hcpyC1rcLdM4GOLH1Ve2E5Gj9TPLkhgEnsLkBNDsMAmLojOBQWeMwhgHNwKYSTuFBYHucbOW3HFvmcQ21unh2YOpF6-FPGu26HqrW381X7sCZxa1gnWH_R1BxNBvtlIUqTUMEVCd49xVdzpeLMs1pXmRFXiY0hg-o8iyZL_LFXZaVSTJ1LzF8hqHJnBZ5WhZLWt5RmtIsBuTCavP4-2Hh3y4_NXaMmw hier klicken], abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.1 Kultur ===&lt;br /&gt;
Kultur bezeichnet hier die Gesamtheit aller '''vom Menschen geschaffenen und erlernten Ausdrucksformen''' des Lebens, die auf gemeinsamen Werten und Verhaltensweisen beruhen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;wiki-kultur&amp;quot;&amp;gt;URL: https://de.wikipedia.org/wiki/Kultur&amp;lt;/ref&amp;gt; Dazu zählen '''materielle Ergebnisse''' (z. B. Kunstwerke, Technik) ebenso wie '''immaterielle Praktiken''' (Sprache, Bräuche, Wissen). Kultur umfasst laut der UNESCO geistige, materielle, intellektuelle und emotionale Merkmale, die eine Gesellschaft oder soziale Gruppe kennzeichnen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mondiacult&amp;quot;&amp;gt;UNESCO 1982: Mexico City Declaration on Cultural Policies (MONDIACULT). URL: https://www.lacult.unesco.org/docc/1982_MONDIACULT.pdf&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;ref name=&amp;quot;cultureaction&amp;quot;&amp;gt;Culture Action Europe 2024: The State of Culture report. URL: https://cultureactioneurope.org/de/news/the-state-of-culture-report-published, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;  Sie ist dynamisch und wird von jeder Generation neu gestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das deutsche Wort „Kultur“ ist eine Eindeutschung des lateinischen Worts „cultura“. Dieses bedeutet ursprünglich „Bebauung, Bearbeitung, Bestellung, Pflege“ und meinte sowohl die physische Bearbeitung als auch die Pflege geistiger Güter, z. B. der Sprache.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.2 Kulturelle Ausdrucksform ===&lt;br /&gt;
Eine kulturelle Ausdrucksform ist eine '''konkrete, gegenwärtige oder historische, Manifestation von Kultur''', bspw. eine Zeichnung, eine Tracht oder ein Lied: Sie macht die Kultur sichtbar und erlebbar. Im engeren Sinne ist es eine Ausdrucksweise, die aus der Kreativität einer Person, Gruppe oder Gesellschaft entsteht und '''kulturellen Inhalt''' trägt (symbolische Bedeutung, künstlerische Dimension, kulturelle Werte).&amp;lt;ref&amp;gt;Österreichische UNESCO-Kommission 2007: Übereinkommen zum Schutz und zur Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen, Art. 4, Seite 13. URL: https://www.unesco.at/fileadmin/Redaktion/Publikationen/Publikations-Dokumente/2005er_UNESCO-Convention_German.pdf, abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt; Sie wird innerhalb und zwischen Gemeinschaften weitergegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle kulturellen Ausdrucksformen bilden einen wesentlichen Kern von Kultur, aber Kultur enthält auch latente Dimensionen (Werte, Normen, Vorannahmen etc.), die nicht unmittelbar als Ausdrucksform erscheinen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.3 Kulturgut ===&lt;br /&gt;
Ein „Kulturgut“ ist '''eine einzelne kulturelle Ausdrucksform''', der ein '''besonderer kultureller Wert zugemessen wird''' (durch Anerkennung, Schutz, Bedeutung). Es ist somit ein Erzeugnis menschlicher Kreativität oder Zeugnis menschlichen Lebens, welches '''Bedeutung für die Kultur einer Gemeinschaft''' hat und daher '''Bestand haben und bewahrt werden soll'''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die '''Summe aller Kulturgüter''' einer Gemeinschaft wird als dessen '''Kulturerbe''' bezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.4 Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
Kulturerbe ist die '''Summe der materiellen und immateriellen Ausdrucksformen''' (= Kulturgüter) einer Kultur, die als „'''bewahrenswert'''“ anerkannt wurden. International umfasst das u. a. das '''Welterbe''' (Denkmäler, Ensembles, Stätten)&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO (1972), Welterbekonvention, Art. 1. URL: https://www.dnk.de/wp-content/uploads/2021/02/1972_DNK_UNESCO-Welterbekonvention.pdf (abgerufen am 11.09.2025).&amp;lt;/ref&amp;gt; und das '''Immaterielles Kulturerbe''' (Praktiken, Wissen).&amp;lt;ref&amp;gt;Deutsche UNESCO-Kommission o. J.:, Übereinkommen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes (dt. Ausgabe). URL: https://www.unesco.de/assets/dokumente/Deutsche_UNESCO-Kommission/02_Publikationen/Publikation_UNESCO-%C3%9Cbereinkommen_zur_Erhaltung_des_immateriellen_Kulturerbes_01.pdf, (abgerufen am 11.09.2025).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ob etwas „zum Kulturerbe“ zählt, ist Ergebnis von Bewertung, Diskurs und teils formellen Verfahren. Dem Sorbischen Kulturregister (SKR) zufolge ist „sorbisch-wendisches Kulturerbe“ eine Zuschreibung, die durch Gesellschaft, Museen, Archive und Wissenschaft erfolgen kann.&amp;lt;ref&amp;gt;Sorbisches Institut 2025: Konzept für ein Sorbisches Kulturregister (SKR). URL: https://www.serbski-institut.de/wp-content/uploads/2021/11/00_Zweite-aktualisierte-Fassung_Konzept_Sorbisches-Kulturregister_20.11.2025.pdf, abgerufen am 20.11.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.5 Abgrenzung: Kultur und Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
'''Kultur / Kulturelle Ausdrucksform''' sind als Begriffe weiter gefasst als '''Kulturgut / Kulturerbe'''. Kulturelle Ausdrucksformen umfassen alles Gelebte und Gestaltete einer Gemeinschaft in Gegenwart und Vergangenheit, während Kulturgut / Kulturerbe diejenigen kulturellen Güter und Traditionen meint, denen eine Bedeutung beigemessen wurde und die als bewahrens- und weitergebenswert erkannt wurden. Kultur ist der „aktuelle“ kreative Prozess (einschließlich Popkultur, Alltagskultur), Kulturerbe der daraus überkommene Schatz. Dennoch sind die Grenzen fließend: Was heute nur Kultur ist, kann morgen zum Kulturerbe erklärt werden – abhängig von Wertzuschreibung und Diskurs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Rahmen dieses Dokuments werden für den sorbischen Kontext die Begriffe '''„kulturelle Ausdrucksform“''' und '''„Kulturgut“''' weitgehend '''synonym''' verwendet, sofern nicht ausdrücklich anders gekennzeichnet. Hintergrund ist, dass die Gesamtzahl der identifizierbaren kulturellen Ausdrucksformen einer kleinen Minderheit wie der Sorben/Wenden im Vergleich zu großen Mehrheitsgesellschaften überschaubar ist. Zugleich ist der Anteil dieser Ausdrucksformen, denen in der Community ein besonderer Wert beigemessen wird und die daher faktisch als Kulturgut wahrgenommen und behandelt werden, sehr hoch: Ein großer Teil des gelebten kulturellen Repertoires wird als identitätsstiftend und bewahrenswert verstanden und damit dem Kulturerbe zugerechnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2.2 Klassifizierung von Kulturgütern ==&lt;br /&gt;
Im Folgenden soll eine griffige Klassifizierung von Kulturgütern entwickelt werden, so dass pro Kulturgut-Klasse später auf die Besonderheiten ihrer Digitalisierung eingegangen werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K2.png|center|600px]]&amp;lt;ref&amp;gt;Mermaid Flowchart Code: [https://mermaid.live/edit#pako:eNptlM9u00AQxl9ltFWoFDlp_C9OjISU2KSgUCq1BSRIDxt77Syxd6v1mkKjSDwBlThw4YCEeuXOoeLSN-EF4BHYjZOQQG67-32_2ZnZsWco4jFBPqrVZpRR6cNsP8n4ZTTBQu7rHVP66QWOKEvV3nQM2BeYTf8eea35fF6rjdiIrUl4cjJiAMPDV_X6sMxkKdJS1uvnvu9PtRGgp5ReE46wJIKSLIOf779CycbkkqQZjSb1Ovz-cv351_drDWGN9BXS_xfZBj7dLoGxBgIFBE14nOcrZGH68E07Iu0IlSNsQkhTKnGlfvyh1bjKcngIjcYD6G2s-xvrYGMdLuuqAFOXZ0IflzFh0xxn5OBU3t1ISZhqw6KaKpo29k04jSaCJrLq0oZsa9mCAZc8FTihhBnQp1ksxd1NSsS22dFmG3oMZzwl0HveONtlc7XNATtsHI9fk6kkC3nRsKoqnVNgwrFQaUOvLGJRRtMi4SJfZ790WtppQYhFIVV7CYsJDO9uWbEMujbqOgIbTqgsddB7MCD_eXT6gQMvaFEQBlclPMVqcA6eMfqGiKLMt926isCFM4FjKiln-voCHmEWXxIxXZcUVo-jSwrVe3DBGvHqtc83DLqS0FpNAi3wRluiDBdFSBIYQ0KzzN_r265jPjQinnHh7yVJYhRS8ClZKfe3KLyk2oHneuEuqlK2qWhJWYPOwGnvoiplm4qXVMd17V5rF1UpikIGSgWNkS9FSQyUE5FjvUUzHXGE5ITkZIR8tYxJgtVXPEIjNlfYBWYvOc9XpOBlOkF-grNC7cqLWPUupFjNa74-FXo0RMBLJpFvWtYiCPJn6C3yG7bTNO2u6Tidrue0W13HQO_Usdtquuqg1bG6TtvzPNuZG-hqcXGr2baV5NhuyzId13XbBiJqDrg4qn5ni7_a_A_W9oMu hier klicken], abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.1 A. Materiell - unbeweglich 🏛️ ===&lt;br /&gt;
„Materiell - unbeweglich&amp;quot; bezeichnet ortsfeste Kulturobjekte wie Bauwerke, Ensembles, Gebäudekomplexe und Stätten/Kulturlandschaften, wie sie in Art. 1 der UNESCO-Welterbekonvention als Kategorien des kulturellen Erbes definiert sind.&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO World Heritage Centre o. J.: Convention Concerning the Protection of the World Cultural and Natural Heritage, Artikel 1. URL: https://whc.unesco.org/en/conventiontext/, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.2 B. Materiell - beweglich 🖼️ ===&lt;br /&gt;
Die Kategorie „Materiell - beweglich&amp;quot; umfasst bewegliche Sachen bzw. Sachgesamtheiten von kulturellem Wert (z. B. Objekte, Sammlungen), wie sie das deutsche Kulturgutschutzgesetz (§ 2 KGSG)&amp;lt;ref&amp;gt;Deutschland 2016: Kulturgutschutzgesetz (KGSG), § 2. URL: https://www.buzer.de/2_KGSG.htm, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt; als „Kulturgut“ beschreibt.&lt;br /&gt;
* B1 '''Schriftgut''' - Bücher, Zeitungen, Handschriften, Archivgut, Graphiken, Pläne, Karten&lt;br /&gt;
* B2 '''Fotografien &amp;amp; Bildträger''' &lt;br /&gt;
** Fotografisch erzeugte statische Bildträger, auch Stillbildträger genannt, z. B. Positive/Negative auf Film/Platte/Photopapier, Dias, Abzüge, Mikrofilm/-fiche und vergleichbare fotografische Repro-Träger.&lt;br /&gt;
* B3 '''Analoge AV-Träger''' (Audio/Video/Film)&lt;br /&gt;
** Analoge zeitbasierte Medien, z. B. Magnetton (Tonband, Kassette), Schallplatte, Videobänder, Film.&lt;br /&gt;
* B4 '''3D-Objekte''' - Gegenstände, „sachkulturelle Artefakte“&amp;lt;ref&amp;gt;Sorbisches Institut o. J.: Konzept zum Digitalisierungszentrum am Sorbischen Institut, S. 24.&lt;br /&gt;
(Unveröffentlichtes Konzeptpapier; interne Projektunterlage.)&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.3 C. Immateriell 🎭 ===&lt;br /&gt;
Meint lebendige Praktiken, Darstellungen, Ausdrucksformen, Ideen, Werte, Wissen und Fertigkeiten, die von Gemeinschaften getragen und weitergegeben werden, gemäß der folgenden 5 UNESCO ICH-Domänen.&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO o. J.: Intangible Cultural Heritage – Five Domains. URL: https://ich.unesco.org/doc/src/01857-EN.pdf, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* C1 '''Orale Traditionen/Ausdrucksformen''' - Sprache, Gesangstraditionen&lt;br /&gt;
* C2 '''Darstellende Künste''' - Musik, Tanz, Theater&lt;br /&gt;
* C3 '''Rituale &amp;amp; Feste''' - Bräuche und soziale Praktiken des Kalenders und Lebenslaufs&lt;br /&gt;
* C4 '''Wissen &amp;amp; Praktiken''' zu Natur &amp;amp; Universum - Heil- und Sammelkenntnisse, ökologisches und astronomisches Wissen, Glaube, Religion&lt;br /&gt;
* C5 '''Traditionelles Handwerk''' - Techniken, Werkzeuge und Gestaltungsmuster&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.4 D. Digital 💾 ===&lt;br /&gt;
Bezeichnet in digitaler Form vorliegende Ressourcen menschlichen Wissens und Ausdrucks. Diese können sowohl born-digital sein als auch digitalisierte Repräsentationen von materiellen und immateriellen Kulturgütern.&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO 2003: Charter on the Preservation of Digital Heritage. URL: https://www.unesco.org/en/legal-affairs/charter-preservation-digital-heritage, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* D1 '''Born-digital''' (ursprünglich digital erzeugt, kein analoges Original), z. B. Webseiten, Social-Media-Beiträge, Software, Apps, Spiele, digitale Fotos/Audio/Video.&lt;br /&gt;
* D2 '''Digitalisate''' - Digitalisierte Repräsentationen/Derivate aus den Klassen A, B und C.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2.3 Begriffe und Funktionsbausteine der Kulturerbe-Digitalisierung ==&lt;br /&gt;
Die vorherigen Abschnitte haben geklärt, was unter Kulturerbe verstanden wird und welche Arten von Kulturgütern unterschieden werden. Bevor der nachfolgende Abschnitt den Prozess der Kulturerbe-Digitalisierung beschreibt, werden in diesem Abschnitt die dafür wichtigsten Arbeitsbegriffe und Funktionen erläutert. Der Abschnitt soll dabei die Frage beantworten: Welche Arbeitsabläufe und Funktionen sind notwendig, damit Kulturgüter nicht nur digital erfasst, sondern auch gefunden, verstanden, gesichert und genutzt werden können?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erläuterungen sollen eine gemeinsame und leicht verständliche Grundlage schaffen für alle, die an der Digitalisierung von Kulturerbe interessiert sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.3.1 Vom Kulturgut zur digitalen Repräsentation ===&lt;br /&gt;
Dieser Abschnitt erklärt, was bei einer Digitalisierung entsteht und wie sich das digitale Ergebnis vom ursprünglichen Kulturgut unterscheidet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Begriff&lt;br /&gt;
! Erklärung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Digitalisierung von Kulturerbe'''&lt;br /&gt;
| Digitalisierung bezeichnet in diesem Konzept den gesamten zusammenhängenden Prozess: Kulturgüter erfassen, beschreiben und bewerten, digitale Repräsentationen erzeugen oder übernehmen, ihre Qualität prüfen, sie sichern und für die Nutzung zugänglich machen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;DFG2016&amp;quot;&amp;gt;Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) 2016: Praxisregeln „Digitalisierung“, insbesondere S. 13 und 41-44. URL: https://www.dfg.de/resource/blob/176108/898bf3574ad0ff3b1db525fa7d04c86c/12-151-v1216-de-data.pdf, abgerufen am 16.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bei ursprünglich digital entstandenen Kulturgütern – auch ''born digital'' genannt – entfällt die Überführung aus einem analogen Original; die weiteren Aufgaben bleiben bestehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Digitalisat und digitale Repräsentation'''&lt;br /&gt;
| Ein '''Digitalisat''' ist ein digitales Abbild eines analogen Kulturguts, beispielsweise ein Scan einer Handschrift oder ein Foto eines Museumsobjekts. Der weitere Begriff '''digitale Repräsentation''' umfasst auch Audio-, Video- oder 3D-Dokumentationen einer immateriellen kulturellen Praxis. Die digitale Repräsentation ersetzt weder das materielle Kulturgut noch die lebendige Praxis.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Masterdatei und Nutzungsderivat'''&lt;br /&gt;
| Die '''Masterdatei''' ist die möglichst hochwertige und qualitätsgeprüfte Ausgangsdatei. Sie wird für die langfristige Sicherung und spätere Bearbeitungen aufbewahrt. Ein '''Nutzungsderivat''' ist eine daraus erzeugte, an einen bestimmten Zweck angepasste Datei, beispielsweise ein kleineres Bild für eine Internetseite.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Digitales Objekt'''&lt;br /&gt;
| Als '''digitales Objekt''' wird in diesem Konzept eine zusammengehörige digitale Einheit bezeichnet. Sie kann aus einer oder mehreren Dateien, den zugehörigen Metadaten und ihren Verknüpfungen bestehen. Ein digitales Objekt kann ein Digitalisat oder ein ursprünglich digital entstandenes Kulturgut sein.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
''Beispiel:'' Das verzierte sorbische Osterei bleibt das materielle Kulturgut. Hochauflösende Fotografien, ein 3D-Modell und die dazugehörigen Beschreibungen bilden gemeinsam seine digitale Repräsentation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.3.2 Funktionsbausteine und ihr Zusammenspiel ===&lt;br /&gt;
Die folgende Tabelle erläutert die grundlegenden Funktionen bei der Digitalisierung von Kulturerbe, unabhängig von konkreten Institutionen oder technischen Produkten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Funktionsbaustein&lt;br /&gt;
! Hauptaufgabe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Register oder Katalog'''&lt;br /&gt;
| Weist Kulturgüter nach, beschreibt und verknüpft sie und macht sichtbar, was vorhanden ist, wo es sich befindet und in welchem Zusammenhang es steht. Ein Registereintrag kann bereits bestehen, bevor ein Digitalisat angefertigt wurde.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Digitalisierungsdienst oder Digitalisierungszentrum'''&lt;br /&gt;
| Erzeugt digitale Repräsentationen, bearbeitet und prüft sie und dokumentiert technische Angaben zur Digitalisierung. Es liefert beispielsweise geprüfte Masterdateien und Nutzungsderivate.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Repositorium oder digitales Archiv'''&lt;br /&gt;
| Übernimmt digitale Dateien und Metadaten, speichert und verwaltet sie und sorgt entsprechend seinem Auftrag für ihre Sicherung, Langzeiterhaltung und Bereitstellung.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Präsentations- und Nutzungssystem'''&lt;br /&gt;
| Führt beschreibende Informationen und digitale Medien für Nutzerinnen und Nutzer zusammen. Es ermöglicht beispielsweise Suche, Anzeige, Kontextualisierung, Vermittlung und – soweit zulässig – Nachnutzung.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Bausteine beschreiben zunächst '''Funktionen''' und nicht zwingend getrennte Institutionen oder Systeme. Eine Einrichtung kann mehrere Funktionen übernehmen. Umgekehrt kann eine Funktion auf mehrere Einrichtungen oder technische Systeme verteilt sein. Entscheidend sind klare Zuständigkeiten, verlässliche Übergaben und gemeinsame Standards.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vereinfacht lässt sich das Zusammenspiel so zusammenfassen:&lt;br /&gt;
# Das '''Register oder der Katalog''' beschreibt und verknüpft das Kulturgut.&lt;br /&gt;
# Der '''Digitalisierungsdienst''' erzeugt und prüft seine digitale Repräsentation.&lt;br /&gt;
# Das '''Repositorium oder digitale Archiv''' übernimmt und erhält die Dateien.&lt;br /&gt;
# Das '''Präsentationssystem''' führt Beschreibungen und Medien für die Nutzung zusammen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die konkrete Ausgestaltung kann zentral, dezentral oder als Verbund mehrerer Systeme erfolgen. Welche dieser Funktionen in der sorbischen Welt bereits durch das Sorbische Kulturregister, das Digitalisierungszentrum, Archive, Repositorien und Präsentationsumgebungen erfüllt werden und wo noch Lücken bestehen, wird in der sorbischen IST-Analyse untersucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.3.3 Register: Kulturgüter erfassen, beschreiben und verknüpfen ===&lt;br /&gt;
Die folgende Tabelle erklärt, wie Kulturgüter so beschrieben und bearbeitet werden, dass sie eindeutig zugeordnet, wiedergefunden und nach einheitlichen Regeln weiterverarbeitet werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Begriff&lt;br /&gt;
! Erklärung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Erschließung, Verzeichnung und Registrierung'''&lt;br /&gt;
| '''Erschließung''' ist der übergeordnete Vorgang, bei dem ein Kulturgut identifiziert, beschrieben und in seinen Zusammenhang eingeordnet wird. '''Verzeichnung''' bezeichnet seine strukturierte dokumentarische Beschreibung. '''Registrierung''' bedeutet die Aufnahme in ein konkretes Register, einen Katalog oder ein Sammlungssystem. Ein Kulturgut kann bereits registriert werden, bevor ein Digitalisat vorhanden ist.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Metadaten'''&lt;br /&gt;
| Metadaten sind strukturierte Informationen über ein Kulturgut und seine digitalen Repräsentationen. Dazu gehören beispielsweise Titel, Herkunft, beteiligte Personen, Ort, Zeit, kultureller Kontext, Rechte, Dateieigenschaften und Bearbeitungsschritte. Je nach Zweck werden beschreibende, technische, rechtliche und erhaltungsbezogene Metadaten unterschieden. Sie machen Kulturgüter auffindbar, verständlich, verwaltbar und langfristig nutzbar.&amp;lt;ref name=&amp;quot;PREMIS&amp;quot;&amp;gt;Library of Congress o. J.: PREMIS – Preservation Metadata: Implementation Strategies. Internationaler Standard für Erhaltungsmetadaten. URL: https://www.loc.gov/standards/premis/, abgerufen am 16.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Persistenter Identifikator'''&lt;br /&gt;
| Ein '''persistenter Identifikator''' ist eine dauerhafte und eindeutige Kennung für ein Kulturgut, einen Datensatz oder eine digitale Ressource. Die Kennung bleibt bestehen, auch wenn sich der technische Speicherort oder die Internetadresse ändern. Dadurch können Kulturgüter dauerhaft zitiert und zwischen Systemen verknüpft werden.&amp;lt;ref name=&amp;quot;DFG2016&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Metadaten sind keine bloße Beigabe zu einer Datei. Ohne ausreichende Beschreibungen kann ein Digitalisat zwar technisch vorhanden sein, später aber kaum gefunden, verstanden oder zuverlässig zugeordnet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.3.4 Digitalisierungsdienst und Archiv: Digitalisieren, speichern und langfristig erhalten ===&lt;br /&gt;
Die folgende Tabelle erklärt was erforderlich ist, damit digitale Kulturgüter nicht nur heute gespeichert sind, sondern auch nach technischen und organisatorischen Veränderungen noch gefunden, verstanden und genutzt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Begriff&lt;br /&gt;
! Erklärung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Repositorium'''&lt;br /&gt;
| Ein '''Repositorium''', auch ''Repository'' genannt, ist eine verwaltete technische Umgebung, in der digitale Objekte und ihre Metadaten übernommen, gespeichert, geordnet, verwaltet und bereitgestellt werden. Ein Repositorium kann Teil eines digitalen Archivs sein. Nicht jedes Repositorium erfüllt jedoch automatisch alle Anforderungen der Langzeiterhaltung.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Digitales Archiv oder digitales Langzeitarchiv'''&lt;br /&gt;
| Ein digitales Archiv ist mehr als ein Server oder ein Speicherprogramm. Es verbindet eine verantwortliche Organisation, fachkundiges Personal, Regeln, Arbeitsabläufe und technische Systeme. Es übernimmt die Verantwortung dafür, digitale Informationen langfristig zu erhalten und für festgelegte Nutzergruppen zugänglich zu machen. Das internationale Referenzmodell '''Open Archival Information System''' (OAIS, offenes Archiv-Informationssystem) bietet hierfür einen fachlichen Rahmen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;OAIS2024&amp;quot;&amp;gt;Consultative Committee for Space Data Systems (CCSDS) 2024: Reference Model for an Open Archival Information System (OAIS), CCSDS 650.0-M-3, insbesondere S. 1-1–1-2 und 2-1–2-2. URL: https://ccsds.org/Pubs/650x0m3.pdf, abgerufen am 16.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Ingest oder kontrollierte Übernahme'''&lt;br /&gt;
| '''Ingest''' bezeichnet die kontrollierte Übernahme digitaler Dateien und Metadaten in ein Repositorium oder digitales Archiv. Dabei werden beispielsweise Vollständigkeit, Dateiformate, Metadaten und Dateiintegrität geprüft und die Übernahme dokumentiert.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Langzeitverfügbarkeit und digitale Langzeiterhaltung'''&lt;br /&gt;
| '''Langzeitverfügbarkeit''' ist das Ziel, digitale Inhalte über technische und organisatorische Veränderungen hinweg auffindbar, lesbar, verständlich und nutzbar zu halten. '''Digitale Langzeiterhaltung''' bezeichnet die dafür notwendigen fortlaufenden Maßnahmen. Dazu können mehrere Speicherorte, regelmäßige Prüfungen, Formatüberwachung, technische Migrationen und eine nachvollziehbare Dokumentation gehören. „Langfristig“ bezeichnet dabei keine feste Zahl von Jahren, sondern einen Zeitraum, in dem mit veränderten Technologien, Formaten und Nutzungsanforderungen gerechnet werden muss.&amp;lt;ref name=&amp;quot;OAIS2024&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Datensicherung oder Backup'''&lt;br /&gt;
| Ein '''Backup''' ist eine zusätzliche Sicherungskopie, aus der Dateien nach einem Verlust oder technischen Ausfall wiederhergestellt werden können. Backups sind notwendig, ersetzen aber keine Langzeiterhaltung: Sie regeln allein noch keine dauerhaften Zuständigkeiten, Metadaten, Formatüberwachung, Integritätsprüfungen oder langfristige Zugänglichkeit.&amp;lt;ref name=&amp;quot;DPCStorage&amp;quot;&amp;gt;Digital Preservation Coalition o. J.: Digital Preservation Handbook – Storage. URL: https://www.dpconline.org/handbook/organisational-activities/storage, abgerufen am 16.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Integrität und Authentizität'''&lt;br /&gt;
| '''Integrität''' bedeutet, dass unbeabsichtigte Veränderungen oder Beschädigungen einer Datei erkannt werden können. Dafür werden häufig Prüfsummen verwendet - digitale Kontrollwerte, die regelmäßig verglichen werden. '''Authentizität''' bedeutet, dass Herkunft, Identität und Bearbeitungsgeschichte eines digitalen Objekts nachvollziehbar sind und belegt werden kann, dass es das ist, was es zu sein vorgibt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Dateiformat und Datenformat'''&lt;br /&gt;
| Ein '''Dateiformat''' legt den technischen Aufbau einer einzelnen Datei fest. Ein '''Datenformat''' beschreibt, wie Informationen strukturiert und zwischen Systemen ausgetauscht werden. Gut dokumentierte, verbreitete und möglichst offen beschriebene Formate erleichtern den Austausch und die langfristige Nutzung. Sie ersetzen jedoch keine aktive Langzeiterhaltung.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Merksatz:''' Speichern ist nicht dasselbe wie langfristiges Erhalten. Auch ein vorhandenes Backup ist noch kein digitales Langzeitarchiv.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.3.5 Präsentationssystem: Kulturerbe zugänglich machen und präsentieren ===&lt;br /&gt;
Die folgende Tabelle erklärt, wie aus langfristig gesicherten Dateien ein digitales Kulturerbe wird, das von Menschen gefunden, verstanden und sinnvoll genutzt werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Begriff&lt;br /&gt;
! Erklärung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Zugänglichmachung und Präsentation'''&lt;br /&gt;
| '''Zugänglichmachung''' bedeutet, dass digitale Objekte auffindbar und im rechtlich sowie technisch zulässigen Umfang abrufbar sind. '''Präsentation''' geht darüber hinaus: Inhalte werden ausgewählt, miteinander verknüpft, erklärt und für bestimmte Zielgruppen vermittelt. Dazu gehören verständliche Kontextinformationen, klare Rechteangaben, Mehrsprachigkeit und möglichst barrierearme Zugänge. Abhängig von Rechten, personenbezogenen Daten oder kulturellen Schutzbedarfen kann der Zugang offen oder eingeschränkt sein.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Nutzung und Nachnutzung'''&lt;br /&gt;
| '''Nutzung''' umfasst beispielsweise das Betrachten, Lesen, Anhören, Erforschen oder Vermitteln eines digitalen Kulturguts. '''Nachnutzung''' bedeutet seine weitere Verwendung in einem neuen Zusammenhang, etwa in Bildung, Forschung, Publikationen, Ausstellungen, Anwendungen oder kreativen Werken. Dafür werden geeignete Dateien, verständliche Metadaten und klare Rechteinformationen benötigt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Rechteinformation und Lizenz'''&lt;br /&gt;
| Eine '''Rechteinformation''' beschreibt den rechtlichen Status eines digitalen Objekts und mögliche Einschränkungen seiner Nutzung. Eine '''Lizenz''' räumt durch eine dazu berechtigte Person oder Institution konkrete Nutzungsrechte ein. Ein allgemeiner Rechtehinweis ist daher nicht automatisch eine Lizenz.&amp;lt;ref name=&amp;quot;RightsReuse&amp;quot;&amp;gt;RightsStatements.org o. J.: Standardisierte Rechtehinweise für online verfügbares Kulturerbe. URL: https://rightsstatements.org/de/, abgerufen am 16.07.2026. Creative Commons 2025: Recommended Licenses and Tools for Cultural Heritage Content. URL: https://creativecommons.org/2025/07/09/recommended-licenses-and-tools-for-cultural-heritage-content/, abgerufen am 16.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Interoperabilität'''&lt;br /&gt;
| '''Interoperabilität''' bezeichnet die Fähigkeit von Systemen und Organisationen, Daten auszutauschen und in gleicher Bedeutung zu verstehen. Dafür werden gemeinsame Metadatenmodelle, Begriffe, Identifikatoren und technische Schnittstellen benötigt. So können beispielsweise Register, Repositorien, Präsentationsportale und externe Kulturplattformen miteinander verbunden werden.&amp;lt;ref name=&amp;quot;EuropeanaEDM&amp;quot;&amp;gt;Europeana o. J.: Metadata – Europeana Data Model (EDM, Europeana-Datenmodell). URL: https://pro.europeana.eu/page/metadata, abgerufen am 16.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Digitalisierte Inhalte entfalten ihren kulturellen und gesellschaftlichen Nutzen erst dann vollständig, wenn sie auffindbar, verständlich, rechtlich klar und für unterschiedliche Zielgruppen tatsächlich verwendbar sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der folgende Abschnitt 2.4 beschreibt, wie diese Funktionen innerhalb des gesamten Prozesses der Kulturerbe-Digitalisierung zusammenwirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2.4 Prozess der Digitalisierung von Kulturerbe ==&lt;br /&gt;
Die Digitalisierung von Kulturgut ist kein rein technischer Arbeitsschritt, sondern ein vielschichtiger, oft langfristiger Prozess, der bereits mit der Wahrnehmung und Identifikation einer kulturellen Ausdrucksform beginnt. Ziel dieses Abschnitts ist es, diesen Gesamtprozess systematisch darzustellen: von der gelebten Kultur über das identifizierte Kulturgut bis hin zur digital nutzbaren Repräsentation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die hier entwickelte Prozessdarstellung soll als praxisorientierter Überblick dienen für die Digitalisierung des sorbischen Kulturerbes. Sie berücksichtigt die Anforderungen sorbischer Einrichtungen ebenso wie die international etablierten Referenzmodelle und Standards, darunter:&lt;br /&gt;
* das OAIS-Referenzmodell (ISO 14721) für digitale Archivierung&amp;lt;ref&amp;gt;Consultative Committee for Space Data Systems (CCSDS) 2024: Reference Model for an Open Archival Information System (OAIS), CCSDS 650.0-M-3. URL: https://ccsds.org/Pubs/650x0m3.pdf, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* das DCC Curation Lifecycle Model für kuratorische Entscheidungsprozesse&amp;lt;ref&amp;gt;Higgins 2008: The DCC Curation Lifecycle Model. International Journal of Digital Curation, 3(1), 134-140. URL: https://ijdc.net/index.php/ijdc/article/view/48, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* das Spectrum-Modell für museale Objektverwaltung&amp;lt;ref&amp;gt;Collections Trust 2022. Spectrum 5.1 - The UK Museum Collections Management Standard. URL: https://collectionstrust.org.uk/spectrum/spectrum-5, abgerufen am 01.10.2025. &amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* die UNESCO-Leitlinien zur Inventarisierung immateriellen Kulturerbes&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO 2024: Operational Directives for the Implementation of the Convention for the Safeguarding of the Intangible Cultural Heritage (10.GA). URL: https://ich.unesco.org/doc/src/ICH-Operational_Directives-10.GA_EN.pdf, abgerufen am 01.10.2025. &amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* sowie technische Vorgaben wie die DFG-Praxisregeln Digitalisierung&amp;lt;ref&amp;gt;Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) 2022: Praxisregeln Digitalisierung (aktualisierte Fassung). URL: https://www.ulb.hhu.de/fileadmin/redaktion/ULB/Documents/Infomaterial/DFG_Praxisregeln_Digitalisierung_Aktualisierte_Fassung2022.pdf, abgerufen am 01.10.2025. &amp;lt;/ref&amp;gt; und die FADGI-Richtlinien&amp;lt;ref&amp;gt;Federal Agencies Digital Guidelines Initiative (FADGI) 2023: Technical Guidelines for Digitizing Cultural Heritage Materials – Still Image, 3rd ed. URL: https://www.digitizationguidelines.gov/guidelines/digitize-technical.html, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Folge soll der „Lebenslauf“ eines Kulturguts dargestellt werden, also der Weg, den ein Objekt oder eine kulturelle Praxis vom Zeitpunkt der Entstehung über die Erfassung, Digitalisierung und Archivierung bis zur Veröffentlichung in einem digitalen Präsentationsmodul durchläuft.&lt;br /&gt;
Hierfür erläutert der folgende Abschnitt die einzelnen Prozessschritte im Detail, jeweils mit Akteuren und Beispielen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.4.1 Vorüberlegungen zum Prozess ===&lt;br /&gt;
Im hier vorgestellten Prozess wird auf eine harte, systematische Filterung verzichtet, welche kulturellen Ausdrucksformen „nur“ Kultur und welche bereits Kulturgut sind. Ein solcher Bewertungs- und Abgrenzungsprozess wäre ressourcenintensiv und würde den vorhandenen Kapazitäten in den beteiligten Einrichtungen nicht entsprechen. Stattdessen folgt das Konzept einer inklusiven Logik: Alle dokumentierten Ausdrucksformen werden zunächst als potenzielle Kulturgüter erfasst. Eine feinere Auswahl und Priorisierung erfolgen erst in einem späteren Schritt, nämlich dann, wenn konkret entschieden wird, welche Ausdrucksformen bzw. Kulturgüter in welcher Tiefe digitalisiert, archiviert und präsentiert werden sollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Vorgehen schließt an das SKR-Konzept an, das bewusst auf eine frühe normative Trennung zwischen „kultureller Ausdrucksform“ und „Kulturgut“ verzichtet. Auch hier steht zunächst der möglichst vollständige, strukturierte Überblick über die sorbischen Kulturgüter im Vordergrund. Die differenzierte Bewertung und Schwerpunktsetzung werden als anschließende fachliche Aufgabe verstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.4.2 Prozessschritte im Detail ===&lt;br /&gt;
Das folgende Diagramm gibt einen Überblick über die sechs Kernschritte des Gesamtprozesses der Digitalisierung von Kulturgut – von der ersten Wahrnehmung einer kulturellen Ausdrucksform bis zu ihrer digitalen Präsentation als Kulturgut. Die Abfolge zeigt zugleich die Entwicklungsstufen: von gelebter Kultur zur kulturellen Ausdrucksform, von dort zum Kulturgut und schließlich zum digitalen Kulturgut. Die Schritte sind als generischer Ablauf zu verstehen: Je nach Art des Kulturguts können einzelne Tätigkeiten unterschiedlich aufwendig sein oder parallel erfolgen.&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K3.png|center|600px]]&amp;lt;ref&amp;gt;Mermaid Flowchart Code: [https://mermaid.live/edit#pako:eNplkk1OwzAQha8yGqmbkloxSZs2CyTa8LOphIAVhIVJpolF4iDH4a_qbXqTXgzHFdAKr2y97703lmaNWZMTxriqmvesFNrAfZIqgPPHFIdDzuBO1DVVajhM8QlGozOYO-WUwS0VsjVakqa93Pvmjlk4JmAwp3fS5kCHwQAWjkkcE_Y5WWkIXqrd9jBpT138UIkspBGVbI_7-rwLR146csLgRryQ-U8lMGLwTG1WapLPpHKCZQLMOY9ch7m2VxiSpOAEjJ1TSev_M_bkvv3KtY8ZnOuslG_H9VcOuf4dUO-2LamjGdHDQsscY6M78rAmXYv-ies-IEVTUk0pxvaa00p0lUkxVRtrexXqoWnqH6duuqLEeCWq1r6619zOn0hRaPGH9J_Xi6ZTBuOxS8B4jR8YhxGLeDThkR-EM37KuYefFmHTaOz7fOZHQTidBMHGwy9X6VslnNnDw4jPuB8GHlIuTaOX-7Vy27X5Bh_Osqo hier klicken], abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Prozess zeigt, dass Digitalisierung von Kulturgut mehr ist als das Erstellen digitaler Dateien. Sie umfasst eine Reihe aufeinander bezogener Schritte – von der ersten Wahrnehmung einer kulturellen Ausdrucksform über ihre Erfassung, Bewertung und Digitalisierung bis hin zur langfristigen Sicherung und Präsentation. Dabei sind je nach Schritt unterschiedliche Akteure beteiligt, etwa Gemeinschaften, Museen, Archive, Fachgremien, Digitalisierungsstellen oder IT. Die folgenden Beschreibungen erläutern diese Schritte so, dass nachvollziehbar wird, was jeweils mit einem Kulturgut geschieht, wer daran beteiligt ist und wie sich der Ablauf in der Praxis vorstellen lässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''1. Sammeln &amp;amp; erfassen''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Hier wird eine kulturelle Ausdrucksform erstmals wahrgenommen, benannt und mit ersten Informationen erfasst: Was ist es, wer macht es oder hat es geschaffen, wo kommt es vor, warum ist es bedeutsam für die Gemeinschaft? &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Community, Vereine, Museen, Archive, Forschende, Privatpersonen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Auf einem Dorffest zeigt eine Frau das Verzieren sorbischer Ostereier. Jemand fotografiert dies und notiert Technik, Ort und Namen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''2. Registrieren &amp;amp; beschreiben''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Hier wird aus der ersten Beobachtung ein strukturierter Nachweis. Das Kulturgut oder die kulturelle Ausdrucksform wird in ein Register, eine Sammlung oder einen Katalog aufgenommen und mit strukturierten Metadaten beschrieben, damit es wiedergefunden, zugeordnet und verstanden werden kann. Dazu gehören z. B. Titel, Ort, Zeit, Technik, Funktion, beteiligte Personen und der kulturelle Kontext.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Registerverantwortliche, Kurator:innen, Sammlungsmitarbeitende, Community für Kontextinformationen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Das Osterei erhält einen Eintrag mit Angaben wie „Wachsbatik“, „Schleife“, „Osterei-Verzierung“, Name der Trägerin und Entstehungsjahr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''3. Bewerten &amp;amp; freigeben''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
In diesem Schritt wird entschieden, ob und in welcher Priorität ein Kulturgut oder die kulturelle Ausdrucksform digitalisiert werden soll und ob dies rechtlich und ethisch möglich ist. Dabei spielen fachliche Kriterien wie Bedeutung, Repräsentativität, Seltenheit oder Gefährdung eine Rolle, aber auch Fragen des Urheberrechts, Datenschutzes und möglicher kultureller Sensibilitäten. Am Ende steht eine begründete Entscheidung, ob und in welchem Umfang das Kulturgut weiterbearbeitet und später veröffentlicht werden darf. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Kurator:innen, Fachgremien, Community-Vertretungen, Register/SKR, ggf. Rechteverantwortliche und Behörden. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Es wird entschieden, dass die Osterei-Technik wegen ihrer Bedeutung für die sorbische Identität digital gesichert werden soll; die Kunsthandwerkerin stimmt der Veröffentlichung zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''4. Digitalisieren &amp;amp; prüfen''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nun wird das Kulturgut technisch erfasst, also in eine digitale Form überführt. Das kann je nach Objektart durch Scan, Fotografie, Audio- oder Videoaufnahme oder 3D-Erfassung geschehen. Dabei entstehen hochwertige Master-Dateien und nutzbare Derivate. Die Digitalisierung folgt qualifizierten Standards, um Reproduzierbarkeit, Farbkonsistenz und Nutzbarkeit zu gewährleisten. Anschließend wird geprüft, ob Schärfe, Farbe, Vollständigkeit und Dateiformate den Anforderungen für Archivierung und Nutzung entsprechen. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Digitalisierungszentrum, Foto-/AV-/3D-Spezialist:innen, externe Dienstleister bei Spezialfällen. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Das Osterei wird fotografisch hochauflösend aufgenommen und zusätzlich als 3D-Modell erfasst. Danach werden Schärfe, Farbe und Dateiformate geprüft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''5. Archivieren &amp;amp; sichern''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die entstandenen digitalen Dateien werden geordnet abgelegt, mit den zugehörigen Metadaten verknüpft und für die langfristige Erhaltung gesichert. Dazu gehören sichere Speicherorte, Backups, Integritätskontrollen und – wenn nötig – spätere technische Migration auf neue Systeme. Ziel ist, dass das digitale Kulturgut langfristig erhalten bleibt, auch wenn sich Technik und Formate verändern. Das Original bleibt in der Regel weiterhin am Sammlungs- oder Aufbewahrungsort. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Archiv, Repository, IT-Betrieb, ggf. Sorbisches Kulturarchiv bzw. Digitalisierungszentrum. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Die Bilder und das 3D-Modell des Ostereis werden auf gesicherten Servern gespeichert; das Original bleibt im Museum oder bei der Eigentümerin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''6. Präsentieren &amp;amp; nutzen''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im letzten Schritt werden die digitalen Objekte so bereitgestellt, dass sie gefunden, verstanden und genutzt werden können, z. B. in Portalen, digitalen Sammlungen oder virtuellen Ausstellungen. Dafür reicht es nicht, nur Dateien anzuzeigen: Es braucht auch verständliche Kontexte, Rechteangaben, Mehrsprachigkeit und möglichst barrierearme Zugänge. So wird aus der technischen Digitalisierung eine tatsächliche kulturelle Nutzung. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Kurator:innen, Vermittlung, Web/IT, Museen, Kulturinformationen, Community. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Das Osterei erscheint in einer Online-Ausstellung, kann herangezoomt oder als 3D-Modell gedreht werden und wird mit einem kurzen Text zur Technik erklärt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.4.3 Organisatorische Perspektive ===&lt;br /&gt;
Die folgende Abbildung ist entnommen aus einem Poster des Sorbischen Instituts zu dessen Digitalisierungsstrategie, gefunden auf der Projektseite des Digitalisierungszentrums.&amp;lt;ref&amp;gt;Sorbisches Institut: Digitalisierungszentrum (DZ). URL: [https://www.serbski-institut.de/projekte-zentrale-vorhaben/digitalisierungszentrum-dz/ https://www.serbski-institut.de/projekte-zentrale-vorhaben/digitalisierungszentrum-dz/], abgerufen am 25.03.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Digitalisierungsstrategie des Sorbischen Instituts zeigt die Erfassung, Registrierung, Digitalisierung und Archivierung bis zur Präsentation von Kulturgütern aus '''organisatorischer Sicht'''. Sie basiert auf einem '''3-Säulen-Modell aus Kulturregister, Digitalisierungszentrum und Präsentationsumgebung'''. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K4.png|mini||center|600px|Abbildung: 3-Säulen-Modell der Digitalisierungsstrategie des Sorbischen Instituts. Quelle: Sorbisches Institut, „Digitalizacija serbskich kulturnych datow / Digitalisierung der sorbischen/wendischen Kulturdaten“&amp;lt;ref&amp;gt;Sorbisches Institut 2025: Digitalizacija serbskich kulturnych datow / Digitalisierung der sorbischen/wendischen Kulturdaten (Poster). URL:  [https://www.serbski-institut.de/wp-content/uploads/2021/11/A0-Druck_Digitalisierungsstrategie-SI.pdf  https://www.serbski-institut.de/wp-content/uploads/2021/11/A0-Druck_Digitalisierungsstrategie-SI.pdf], abgerufen am 25.03.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Beide Sichtweisen - die fachliche &amp;quot;Prozess-Sicht&amp;quot; und die &amp;quot;organisatorische Sicht&amp;quot; lassen sich wie folgt in einer Darstellung zusammenfassen:&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K5.jpg|mini||center|600px|Abbildung: Zusammengefasste Sichtweisen auf die Digitalisierung von Kulturerbe.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der &amp;quot;Prozess der Digitalisierung von Kulturerbe&amp;quot; beschreibt, '''was''' mit einem Kulturgut geschieht; das 3-Säulen-Modell zeigt, '''wo''' diese Aufgaben organisatorisch verortet sind. Bezogen auf die oben beschriebenen [[#2.3.2 Prozessschritte im Detail|Prozessschritte der Digitalisierung von Kulturerbe]] steht das '''Sorbische Kulturregister''' für den Prozessschritt „'''2. Registrieren'''“ und dient dabei vor allem der Verzeichnung und Metadatenverwaltung. Das '''Digitalisierungszentrum''' steht für die Prozessschritte „'''4. Digitalisieren'''“ und „'''5. Archivieren'''“ und dient dabei der technischen Erfassung, Bearbeitung und Sicherung der Digitalisate. Die '''Präsentationsumgebung''' steht für den Schritt „'''6. Präsentieren'''“ und dient der öffentlichen oder kuratierten Bereitstellung zur Nutzung. Ergänzende Konzepte des SI machen dabei deutlich, dass die Digitalisierung im Regelfall eine vorherige Verzeichnung im Register voraussetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Prozessschritt&lt;br /&gt;
! Verantwortliche Organisation&lt;br /&gt;
! Funktion im Gesamtsystem&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''2. Registrieren'''&lt;br /&gt;
| '''Sorbisches Kulturregister'''&lt;br /&gt;
| Kulturgüter werden als Entitäten nachgewiesen, beschrieben, mit Metadaten versehen und miteinander verknüpft. Das Register erfüllt damit eine katalogähnliche Funktion: Es macht sichtbar, welche Kulturgüter es gibt, wo sie sich befinden und in welchem Kontext sie stehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''4. Digitalisieren'''&lt;br /&gt;
| '''Digitalisierungszentrum'''&lt;br /&gt;
| Kulturgüter werden technisch erfasst, z. B. durch Scan, Fotografie, Audio-/Videoübertragung oder 3D-Erfassung. Das Digitalisierungszentrum erzeugt und prüft die Digitalisate, ist aber nicht selbst primär ein Präsentationssystem.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''5. Archivieren'''&lt;br /&gt;
| '''Digitalisierungszentrum / Repositorium / Archiv'''&lt;br /&gt;
| Die digitalen Dateien werden geordnet gespeichert, mit Metadaten verbunden und langfristig gesichert. Dazu gehört auch die Sicherstellung der Langzeitaufbewahrung, etwa durch geeignete Speicherorte, Prüfroutinen und spätere Migrationen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''6. Präsentieren'''&lt;br /&gt;
| '''Sorabicon / weitere Präsentationsumgebungen'''&lt;br /&gt;
| Die digitalen Inhalte werden für Nutzer:innen sichtbar, erfahrbar und verständlich gemacht, z. B. in Portalen, digitalen Sammlungen oder virtuellen Ausstellungen. Die Präsentation greift dafür auf Metadaten aus dem Register und auf Digitalisate aus dem Repositorium bzw. dem Digitalisierungszentrum zurück.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Schritt '''1. Sammeln''' liegt vor diesen drei Säulen. Er betrifft die Sammlungsorte selbst, also z. B. Museen, Archive, Heimatstuben, Vereine, Projekte, Gemeinden oder Privatpersonen. Dort entstehen oder befinden sich die Kulturgüter zunächst, bevor sie systematisch registriert, bewertet oder digitalisiert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Schritt '''3. Bewerten''' ist ebenfalls keine eigene technische Säule, sondern ein steuernder Entscheidungsschritt. In ihm wird geklärt, welche Kulturgüter priorisiert digitalisiert werden, welche fachliche Bedeutung sie haben, welche Rechte zu beachten sind und ob eine öffentliche Präsentation möglich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit wird deutlich: Register, Digitalisierungszentrum und Präsentation erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Das '''Register''' beschreibt und verknüpft Kulturgüter, das '''Digitalisierungszentrum''' erzeugt und sichert Digitalisate und die '''Präsentationsumgebung''' macht ausgewählte Inhalte verständlich zugänglich. Gerade diese Trennung schafft klare Zuständigkeiten und erleichtert die Zusammenarbeit zwischen Sammlungsorten, Fachstellen, technischen Dienstleistern und Öffentlichkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2.5 Beispiele anderer Kulturen und Regionen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Digitalisierung des Kulturerbes kleiner, autochthoner, indigener und sprachlicher Gemeinschaften weist häufig vergleichbare Herausforderungen auf: Kulturgüter und Bestände sind auf viele Institutionen, Vereine, lokale Einrichtungen und private Träger verteilt. Personelle und finanzielle Ressourcen sind begrenzt, mehrere Sprachen und Beschreibungstraditionen müssen berücksichtigt werden und nicht alle kulturellen Inhalte dürfen oder sollen ohne Einschränkung öffentlich zugänglich gemacht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer vergleichenden Recherche wurde daher untersucht, wie andere Gemeinschaften und Regionen ihr Kulturerbe erfassen, beschreiben, digitalisieren, langfristig sichern und zur Nutzung bereitstellen. Dabei wurde nicht nach einer universell „idealen“ technischen Lösung gesucht. Untersucht wurde vielmehr, welche organisatorischen, technischen, rechtlichen und gemeinschaftlichen Modelle unter welchen Rahmenbedingungen funktionieren, welche Schwierigkeiten auftreten und welche übertragbaren Erfolgsfaktoren erkennbar sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nachfolgenden Beispiele verdeutlichen unterschiedliche Schwerpunkte: gemeinschaftliche Steuerung, institutionsübergreifende Register und Suchsysteme, Digitalisierung verteilter Bestände, Sprach- und Tonarchive, abgestufte Zugänge, Unterstützung kleiner Kulturgutträger sowie die Überführung zeitlich begrenzter Projekte in einen dauerhaften Betrieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die daraus abgeleiteten Kriterien bilden einen Referenzrahmen. Anhand dieses Referenzrahmens kann in einer späteren Ist-Analyse geprüft werden, welche Funktionen bereits vorhanden, nur konzeptionell beschrieben, in Pilotprojekten erprobt oder dauerhaft im Regelbetrieb verankert sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ausführlichen Fallprofile, Vergleichsmatrizen, Quellen sowie ein Hinweis zur KI-gestützten Erstellung befinden sich in der [[12.3.A1 Vergleichende Recherche – Digitalisierung des Kulturerbes anderer Kulturen und Regionen|ausführlichen Vergleichsrecherche]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.5.1 RomArchive – Digitales Archiv der Roma ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Roma und Sinti sind eine transnationale Minderheit, die in zahlreichen europäischen Staaten lebt. RomArchive wurde von 2015 bis 2019 mit 3,75 Millionen Euro durch die Kulturstiftung des Bundes gefördert. Weitere Unterstützer waren unter anderem die Bundeszentrale für politische Bildung, das Auswärtige Amt und das Goethe-Institut. Seit 2019 wird das Archiv durch das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg betrieben.&amp;lt;ref name=&amp;quot;vergleich_romarchive&amp;quot;&amp;gt;RomArchive o. J.: Frequently Asked Questions. URL: https://www.romarchive.eu/en/about/frequently-answered-questions/; Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma e. V. o. J.: Imprint. URL: https://www.romarchive.eu/en/imprint/; Kulturstiftung des Bundes o. J.: RomArchive. URL: https://www.kulturstiftung-des-bundes.de/en/programmes_projects/film_and_new_media/detail/romarchive.html, jeweils abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Archiv präsentiert Kunst, Geschichte und Kultur aus der Perspektive der Roma. Kuratorische Teams und Beirat waren überwiegend mit Angehörigen der Minderheit besetzt. Neben öffentlich zugänglichen Inhalten existiert ein internes Archiv mit beschränktem Forschungszugang. Besonders lehrreich ist der bereits zu Projektbeginn geplante und später tatsächlich vollzogene Übergang an einen dauerhaften Betreiber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren und Learnings:''' &lt;br /&gt;
* Angehörige der Gemeinschaft sollten nicht nur Inhalte zuliefern, sondern festgelegte Entscheidungsrechte bei Auswahl, Beschreibung, Kontextualisierung und Zugangsregeln besitzen. &lt;br /&gt;
* Bereits zu Beginn einer Projektphase verbindlich klären, welche Institution das Register, Archiv oder Portal nach dem Ende der Förderung dauerhaft betreibt, pflegt und finanziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.5.2 Nuohtti – gemeinsamer Zugang zum Sámi-Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Sámi sind ein indigenes Volk im nordeuropäischen Sápmi, das sich über Teile Norwegens, Schwedens, Finnlands und Russlands erstreckt. Viele historische Sámi-Materialien befinden sich außerhalb der Sámi-Institutionen in europäischen Archiven und Museen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nuohtti ist ein gemeinsamer Suchdienst für digitalisierte Sámi-Materialien. Er wurde von 2018 bis 2021 mit Mitteln des Programms Interreg Nord der EU (Europäische Union) entwickelt. Beteiligt waren unter anderem die Sámi-Archive der finnischen und norwegischen Nationalarchive, das schwedische Reichsarchiv und mehrere Universitäten. Die Sámi-Parlamente Finnlands, Norwegens und Schwedens waren in der Steuerungsgruppe vertreten. Der Dienst führte nach Projektangaben etwa 30.000 Datensätze aus 32 Institutionen zusammen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;vergleich_nuohtti&amp;quot;&amp;gt;Nuohtti o. J.: About Nuohtti. URL: https://nuohtti.com/Content/about; University of the Arctic 2023: The Nuohtti service provides digital access to Sámi material in European archives. URL: https://www.uarctic.org/news/2023/3/the-nuohtti-service-provides-digital-access-to-sami-material-in-european-archives/, jeweils abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nuohtti übernimmt nicht alle Bestände in ein einziges System. Stattdessen werden Metadaten, also strukturierte Beschreibungsdaten zu Objekten und Beständen, aus vorhandenen Einrichtungen zusammengeführt und mit mehrsprachiger Suche, Karte und Zeitleiste zugänglich gemacht. Ethische Hinweise machen darauf aufmerksam, dass viele Bestände unter historischen und teilweise kolonialen Bedingungen gesammelt und beschrieben wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren und Learnings:''' &lt;br /&gt;
* Ein gemeinsamer Zugang kann auch mit dezentraler Architektur der Bestände erfolgen – Originale, Dateien und Fachsysteme können beim Kulturgutträger verbleiben.&lt;br /&gt;
* Ein Register für Kulturdaten kann als übergreifende Nachweisschicht arbeiten: Größere Einrichtungen liefern Daten über technische Schnittstellen, während kleine Träger zentrale oder gemeinsam bereitgestellte Erfassungsdienste nutzen können. &lt;br /&gt;
* Historische Fremdbeschreibungen sollten ergänzt werden durch Selbstbezeichnungen, eigene Sprachformen, alternative Benennungen und Kontexte der betreffenden Gemeinschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.5.3 People’s Collection Wales / Casgliad y Werin Cymru ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wales ist ein Landesteil des Vereinigten Königreichs mit einer eigenständigen nationalen und walisischsprachigen Identität. People’s Collection Wales ist eine zweisprachige Plattform für institutionelles und gemeinschaftlich getragenes Kulturerbe. Sie wird als Verbund der National Library of Wales, des National Museum Wales und der Royal Commission on the Ancient and Historical Monuments of Wales betrieben und durch die walisische Regierung finanziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben der technischen Plattform werden kostenlose Beratung und Schulungen zu Digitalisierung, Metadaten, Urheberrecht, Datenschutz und Oral History, also mündlich überlieferter und aufgezeichneter Geschichte, angeboten. Eine unabhängige Evaluation stellte Fortschritte bei der Zusammenarbeit und beim Kompetenzaufbau fest, benannte aber auch begrenzte Wirkungsnachweise, Finanzierungsrisiken und den hohen Personalaufwand für die Unterstützung der beteiligten Gemeinschaften.&amp;lt;ref name=&amp;quot;vergleich_wales&amp;quot;&amp;gt;Vittle, Kate / Haswell-Walls, Fran / Dixon, Tim; ERS Ltd. 2016: Evaluation of the Casgliad y Werin Cymru / People’s Collection Wales Digital Heritage Programme. Impact Report. URL: https://www.gov.wales/sites/default/files/publications/2019-08/evaluation-of-the-peoples-collection-wales-digital-heritage-programme-impact.pdf; People’s Collection Wales o. J.: Community Support. URL: https://www.peoplescollection.wales/about-us/community-support, jeweils abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren und Learnings:''' &lt;br /&gt;
* Kleine und ehrenamtlich betreute Sammlungen benötigen nicht nur technische Standards, sondern konkrete und dauerhaft verfügbare Dienstleistungen: Erstberatung, Schulung, Vorlagen, Unterstützung bei Rechtefragen, Qualitätskontrolle und persönliche Ansprechpartner. &lt;br /&gt;
* Ein Digitalisierungszentrum oder ein Verbund koordinierter Digitalisierungsdienste sollte daher als Service- und Kompetenzstruktur ausgestaltet werden und nicht lediglich als technische Produktionsstelle. &lt;br /&gt;
* Der dafür notwendige Beratungs- und Unterstützungsaufwand muss als dauerhafte Betriebsaufgabe eingeplant werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.5.4 Tobar an Dualchais / Kist o Riches ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schottisch-Gälisch ist eine Minderheitensprache, die vor allem in den Highlands und auf den schottischen Inseln gesprochen wird. Tobar an Dualchais macht mehr als 40.000 seit den 1930er Jahren entstandene Tonaufnahmen zugänglich. Die Bestände umfassen Erzählungen, Lieder, Musik, Gedichte und mündlich überliefertes Wissen auf Gälisch, Scots und Englisch. Ein bedeutender Teil der Originalbestände wird in den School of Scottish Studies Archives der Universität Edinburgh verwahrt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;vergleich_tobar&amp;quot;&amp;gt;University of Edinburgh 2024: Tobar an Dualchais / Kist o Riches. URL: https://gaelic.ed.ac.uk/gaelic-collections/tobar-an-dualchais-kist-o-riches; Scottish Government 2025: Rediscovering lost Gaelic words. URL: https://www.gov.scot/news/rediscovering-lost-gaelic-words/, jeweils abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Digitalisierung wird mit Verschriftlichung beziehungsweise Transkription, sprachlicher Erschließung, Freiwilligenarbeit und teilweise automatischer Spracherkennung verbunden. Das Projekt erhält wiederkehrende öffentliche Förderungen, muss Rechteklärung, Transkription und technische Weiterentwicklung jedoch dauerhaft fortsetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren und Learnings:''' &lt;br /&gt;
* Gefährdete Ton-, Film- und Videobestände müssen wegen Materialverfall, beschädigungsanfälliger Trägermaterialien und nicht mehr verfügbarer Wiedergabetechnik zeitlich priorisiert werden. &lt;br /&gt;
* Ein geeignetes Pilotprojekt kann Digitalisierung, Rechteklärung, Verschriftlichung, Übersetzung, Metadatenerfassung, Archivierung und Bildungsnutzung entlang einer vollständigen Prozesskette verbinden. &lt;br /&gt;
* Dadurch werden nicht nur einzelne Dateien erzeugt, sondern zugleich die notwendigen Standards, Zuständigkeiten und Aufwände erprobt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.5.5 Euskariana – Portal zum baskischen Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Baskinnen und Basken leben in Gebieten Spaniens und Frankreichs. Euskariana ist das staatlich betriebene Kulturportal der Autonomen Gemeinschaft Baskenland in Spanien. Es wird durch die Digitale Bibliothek Euskadi betrieben und verbindet Daten der baskischen Regierung, der Provinzen, Kommunen, Universitäten sowie öffentlicher, kirchlicher und privater Einrichtungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Portal ist zugleich gemeinsamer Katalog und Zugang zu digitalen Objekten. Es kann Inhalte über ein eigenes Repositorium, also ein institutionell betriebenes digitales Ablage- und Erhaltungssystem, bereitstellen oder zu den Systemen der Partner verlinken. Verwendet werden internationale Standards wie Dublin Core als allgemeiner Metadatenstandard, METS (Metadata Encoding and Transmission Standard) zur Strukturierung und Übertragung digitaler Objekte, PREMIS (Preservation Metadata: Implementation Strategies) für Metadaten zur digitalen Langzeiterhaltung und ALTO (Analyzed Layout and Text Object) für erkannte Texte und Seitenlayouts. Die standardisierten Daten können unter anderem an Europeana weitergegeben werden.&amp;lt;ref name=&amp;quot;vergleich_euskariana&amp;quot;&amp;gt;Gobierno Vasco / Biblioteca Digital de Euskadi o. J.: Acerca de Euskariana. URL: https://www.euskariana.euskadi.eus/euskadibib/es/help/about.do, abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren und Learnings:''' &lt;br /&gt;
* Unterschiedliche Kulturgutträger benötigen unterschiedliche Anschlussmöglichkeiten. &lt;br /&gt;
** Kleine Einrichtungen sollten Daten und gegebenenfalls Dateien in zentral bereitgestellten Diensten erfassen und verwalten können. &lt;br /&gt;
** Größere Institutionen sollten ihre vorhandenen Systeme über Datenexporte oder Programmierschnittstellen anbinden können. &lt;br /&gt;
* Dafür ist ein gemeinsamer, bewusst schlank gehaltener Metadatenkern erforderlich, der durch fach- und institutionsspezifische Angaben erweitert werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.5.6 Mukurtu und Plateau Peoples’ Web Portal ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mukurtu ist eine frei verfügbare Software für die gemeinschaftlich kontrollierte Verwaltung digitalen indigenen Kulturerbes. Das Plateau Peoples’ Web Portal verbindet acht indigene Nationen des nordwestlichen Plateaus der USA mit der Washington State University und mehreren Museen und Archiven. Stammesvertreter wählen und beschreiben die Inhalte; die Universität übernimmt wesentliche technische Betriebsaufgaben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mukurtu ermöglicht kulturelle Protokolle, also gemeinschaftlich festgelegte Regeln für Zugang und Nutzung, Traditional Knowledge Labels als Kennzeichnungen für überliefertes gemeinschaftliches Wissen sowie mehrere Beschreibungen zu demselben Objekt. Dadurch kann neben einer institutionellen Museumsbeschreibung eine Beschreibung der Herkunftsgemeinschaft stehen. Zugänge können von vollständig öffentlich bis streng beschränkt reichen. Mukurtu weist ausdrücklich darauf hin, dass die Plattform vor allem dem Zugang und der gemeinschaftlichen Verwaltung dient und ein gesondertes Konzept für Digitalisierung, Langzeiterhaltung, Personal und Finanzierung erforderlich bleibt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;vergleich_mukurtu&amp;quot;&amp;gt;Mukurtu CMS / Washington State University o. J.: About. URL: https://mukurtu.org/about/; Plateau Peoples’ Web Portal. URL: https://mukurtu.org/project/plateau-peoples-web-portal-showcase/, jeweils abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren und Learnings:''' &lt;br /&gt;
* Rechte und kulturelle Sensibilität müssen als Bestandteil des Datenmodells behandelt werden und dürfen nicht erst unmittelbar vor einer Veröffentlichung geprüft werden. &lt;br /&gt;
* Sinnvoll sind abgestufte Kategorien wie &lt;br /&gt;
** „nur Metadaten öffentlich“, &lt;br /&gt;
** „öffentliches Nutzungsdigitalisat“, &lt;br /&gt;
** „Zugang nach Rücksprache“, &lt;br /&gt;
** „beschränkter Gemeinschafts- oder Forschungszugang“, &lt;br /&gt;
** „zeitlich gesperrt“ und &lt;br /&gt;
** „nicht zugänglich“. &lt;br /&gt;
* Mehrere Beschreibungen zu demselben Objekt ermöglichen es außerdem, institutionelle Überlieferung und Selbstbeschreibung nebeneinander nachvollziehbar zu dokumentieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.5.7 Indigitization – zentrale Unterstützung für dezentrale Digitalisierung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Indigitization unterstützt First Nations und weitere indigene Gemeinschaften in British Columbia in Kanada. Das Programm wird gemeinsam von indigenen Organisationen, Bibliotheken, Archiven und Hochschulen getragen. Es stellt einen Werkzeugkasten, Schulungen, Musterunterlagen, technische Beratung und Förderhilfen bereit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von 2013 bis 2019 wurden drei Pilotprojekte und 45 weitere Projekte gefördert. Dabei wurden mehr als 11.000 Audiokassetten digitalisiert. Die Digitalisierung erfolgte in den Gemeinschaften; eine allgemeine Veröffentlichung war nicht zwingend. Das frühere Förderprogramm für Audiokassetten befindet sich inzwischen allerdings in einer Pause.&amp;lt;ref name=&amp;quot;vergleich_indigitization&amp;quot;&amp;gt;Indigitization o. J.: About Us. URL: https://www.indigitization.ca/about-2/; Indigitization Toolkit. URL: https://www.indigitization.ca/toolkit/; Audio Cassette Digitization Grant. URL: https://www.indigitization.ca/funding/audio-cassette-grant/, jeweils abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren und Learnings:''' &lt;br /&gt;
* Zentral bereitgestellte Kompetenz lässt sich mit dezentraler Verantwortung verbinden. &lt;br /&gt;
* Ein Digitalisierungszentrum oder ein Verbund gemeinsamer Dienste kann Schulungen, Leih- und Mobiltechnik, Qualitätsprüfung, Rahmenverträge, Musterunterlagen, Beratung und Kleinprojektförderung anbieten. &lt;br /&gt;
* Originale, lokales Wissen und kulturelle Beziehungen können grundsätzlich bei den jeweiligen Kulturgutträgern verbleiben. &lt;br /&gt;
* Damit nach Abschluss einzelner Digitalisierungsprojekte keine ungesicherten Dateien zurückbleiben, sollte jedoch von Beginn an ein gemeinsames oder verbindlich angebundenes Repositorium beziehungsweise digitales Archiv vorgesehen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.5.8 Schlussverdichtung: vier Funktionen, sechs Handlungsfelder und drei Prioritäten ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus den untersuchten Beispielen lässt sich kein einzelnes Projekt und kein bestimmtes Softwaresystem ableiten, das unverändert übernommen werden könnte. Die wichtigsten Erkenntnisse lassen sich jedoch in drei Fragen ordnen:&lt;br /&gt;
* '''Was muss aufgebaut werden?''' – vier miteinander verbundene Funktionen,&lt;br /&gt;
* '''Worauf kommt es beim Aufbau an?''' – sechs Handlungsfelder,&lt;br /&gt;
* '''In welcher Reihenfolge sollte vorgegangen werden?''' – drei Prioritätsstufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Vier Funktionen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot; style=&amp;quot;width:100%;&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Funktion&lt;br /&gt;
! Leitfrage&lt;br /&gt;
! Kernaufgabe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''1. Register für Kulturdaten'''&lt;br /&gt;
| Was ist vorhanden und was sollte zuerst bearbeitet werden?&lt;br /&gt;
| Kulturgüter, Sammlungen und digitale Bestände nachweisen, Standorte und verantwortliche Träger benennen, Rechte- und Digitalisierungsstatus dokumentieren und Prioritäten unterstützen. Das Register muss nicht alle Dateien selbst speichern.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''2. Digitalisierungszentrum / Digitalisierungsdienste'''&lt;br /&gt;
| Wie werden Kulturgüter qualitätsgesichert digitalisiert?&lt;br /&gt;
| Kulturgutträger beraten, Bestände bewerten, Digitalisierung vorbereiten oder durchführen, Metadaten erfassen, die Qualität prüfen und Dateien für die Übergabe an ein Repositorium vorbereiten.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''3. Repositorium / digitales Langzeitarchiv'''&lt;br /&gt;
| Wie bleiben Dateien und Metadaten dauerhaft erhalten?&lt;br /&gt;
| Erhaltungsgeeignete Masterdateien und Metadaten übernehmen, ihre Unversehrtheit prüfen, Sicherungskopien vorhalten und spätere Format- oder Systemwechsel ermöglichen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''4. Präsentations- und Nutzungssysteme'''&lt;br /&gt;
| Wie werden freigegebene Inhalte zugänglich und nutzbar?&lt;br /&gt;
| Inhalte mehrsprachig und verständlich vermitteln, zitierbar machen und – soweit rechtlich und kulturell zulässig – für Bildung, Forschung und kulturelle Nachnutzung bereitstellen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die vier Funktionen müssen über gemeinsame Standards und geregelte Übergaben miteinander verbunden sein. Sie müssen jedoch nicht zwingend von vier verschiedenen Einrichtungen betrieben werden. Entscheidend ist, dass für jede Funktion Auftrag, Verantwortung, Finanzierung und Qualitätsanforderungen eindeutig benannt sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Drei Prioritäten und sechs Handlungsfelder ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot; style=&amp;quot;width:100%;&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Priorität&lt;br /&gt;
! Handlungsfeld&lt;br /&gt;
! Verdichtete Erfolgsfaktoren und Learnings&lt;br /&gt;
! Besonders betroffene Funktionen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Prio 1) &amp;lt;br&amp;gt; Rahmen festlegen'''&lt;br /&gt;
| '''1. Gemeinsam entscheiden und Zugänge regeln'''&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* Angehörige der Gemeinschaft und die jeweiligen Kulturgutträger benötigen festgelegte Entscheidungsrechte bei Auswahl, Beschreibung, Priorisierung und Veröffentlichung.&lt;br /&gt;
* Rechte und kulturelle Sensibilität müssen von Anfang an berücksichtigt werden. Zwischen frei zugänglichen, eingeschränkt zugänglichen und nicht öffentlichen Inhalten muss unterschieden werden können.&lt;br /&gt;
| Alle vier Funktionen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Prio 1) &amp;lt;br&amp;gt; Rahmen festlegen'''&lt;br /&gt;
| '''2. Dauerbetrieb und Finanzierung sichern'''&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* Für jede Funktion muss früh feststehen, wer sie nach dem Ende einer Projektförderung dauerhaft betreibt, pflegt und finanziert.&lt;br /&gt;
* Projektmittel können Aufbau und Erprobung ermöglichen, ersetzen aber keine dauerhafte Finanzierung von Personal, Technik, Speicher, Beratung, Datenpflege und späteren Systemwechseln.&lt;br /&gt;
| Alle vier Funktionen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Prio 1) &amp;lt;br&amp;gt; Rahmen festlegen'''&lt;br /&gt;
| '''3. Standards und Langzeiterhaltung festlegen'''&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* Ein gemeinsamer Metadaten-, Sprach- und Qualitätskern muss die beteiligten Einrichtungen und Systeme verbinden.&lt;br /&gt;
* Mehrere Sprachen und Sprachvarianten müssen als eigenständige Datenwerte berücksichtigt werden und dürfen nicht nur als Übersetzungen der Benutzeroberfläche behandelt werden.&lt;br /&gt;
* Kein Digitalisat sollte ohne festgelegtes Zielrepositorium, geeignete Dateiformate, Sicherungskonzept und späteren Migrationsweg erzeugt werden.&lt;br /&gt;
| Vor allem Register, Digitalisierungsdienste und Repositorium&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Prio 2) &amp;lt;br&amp;gt; Erproben und aufbauen'''&lt;br /&gt;
| '''4. Bestände priorisieren und die vollständige Kette pilotieren'''&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* Bestände sollten nach Gefährdung, kultureller Bedeutung, Nutzungspotenzial, Rechteklarheit und Aufwand priorisiert werden.&lt;br /&gt;
* Pilotprojekte sollten nicht nur einzelne Dateien erzeugen, sondern den gesamten Weg vom Register über Rechteklärung und Digitalisierung bis zur Archivierung und Präsentation erproben.&lt;br /&gt;
* Zeit, Kosten, Qualitätsprobleme und offene Zuständigkeiten müssen dabei dokumentiert werden.&lt;br /&gt;
| Alle vier Funktionen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Prio 2) &amp;lt;br&amp;gt; Erproben und aufbauen'''&lt;br /&gt;
| '''5. Zentral unterstützen und dezentral verantworten'''&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* Gemeinsame Stellen sollten Beratung, Schulung, Digitalisierungstechnik, Rechtehilfe, Qualitätskontrolle und Langzeiterhaltung anbieten.&lt;br /&gt;
* Originale, lokales Wissen und kulturelle Entscheidungen können grundsätzlich bei den jeweiligen Kulturgutträgern verbleiben.&lt;br /&gt;
* Kleine und große Einrichtungen benötigen unterschiedliche Anschlusswege an die gemeinsame Infrastruktur.&lt;br /&gt;
| Vor allem Register, Digitalisierungsdienste und Repositorium&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Prio 3) &amp;lt;br&amp;gt; Auf gesicherter Grundlage ausbauen'''&lt;br /&gt;
| '''6. Mehrsprachig vermitteln, Nachnutzung ermöglichen und Wirkung prüfen'''&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* Digitale Inhalte benötigen verständliche kulturelle und historische Kontexte; die bloße Anzeige einer Datei genügt nicht.&lt;br /&gt;
* Präsentation, Download, Zitation und technische Nachnutzung sollten ermöglicht werden, soweit Rechte und kulturelle Interessen dies zulassen.&lt;br /&gt;
* Erfolg sollte nicht nur anhand veröffentlichter Objekte und Seitenaufrufe, sondern auch anhand von Bildungsnutzung, Forschung, Datenqualität, kultureller Nachnutzung und Rückmeldungen der Gemeinschaft bewertet werden.&lt;br /&gt;
| Vor allem Präsentationssysteme sowie die Datenlieferung aus Register und Repositorium&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die dritte Prioritätsstufe ist nicht weniger wichtig als die ersten beiden. Präsentation und Nutzung sind ein wesentliches Ziel der Digitalisierung und sollten bereits in Pilotprojekten erprobt werden. Ein breiter Ausbau sollte jedoch erst erfolgen, wenn Zuständigkeiten, Rechte, Standards, Archivierung und dauerhafter Betrieb ausreichend gesichert sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusammengefasst gilt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:''Erst gemeinsam entscheiden, Finanzierung und Standards sichern; dann Bestände priorisieren, die vollständige Kette erproben und die Kulturgutträger unterstützen; erst danach Präsentation und Nachnutzung breit ausbauen.''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein ausführliches Prüfraster zur Bewertung des jeweiligen Entwicklungsstandes befindet sich in der [[12.3.A1 Vergleichende Recherche – Digitalisierung des Kulturerbes anderer Kulturen und Regionen#Prioritäten und Prüfkriterien für den Aufbau|vergleichenden Recherche]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Referenzen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Měrko Šenk</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://koncept.serbski-inkubator.de/index.php?title=12.3_Digitalisierung_des_Kulturerbes&amp;diff=1076</id>
		<title>12.3 Digitalisierung des Kulturerbes</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://koncept.serbski-inkubator.de/index.php?title=12.3_Digitalisierung_des_Kulturerbes&amp;diff=1076"/>
		<updated>2026-07-22T14:22:18Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Měrko Šenk: /* 2.5 Beispiele anderer Kulturen und Regionen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;= 1 Einleitung =&lt;br /&gt;
Die Digitalisierung von sorbischem Kulturerbe ist eine historische Chance für uns Sorben, eine Chance, unser kulturelles Erbe neu zu entdecken, es für kommende Generationen zu erhalten, für eine breitere Öffentlichkeit zugänglich zu machen und dabei die eigene Deutungshoheit zu stärken. Das erfordert neben Mut, einer klaren gemeinsamen Vision, starker Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Akteuren auch die notwendigen Ressourcen in Form von Personal mit entsprechenden Kompetenzen, passender Technik sowie einer nachhaltig gesicherten Finanzierung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im folgenden Abschnitt werden Zielbilder für die Digitalisierung des sorbischen Kulturerbes entworfen mittels lang- und kurzfristiger Visionen sowie konkreter Ziele.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 1.1 Visionen und Ziele für die sorbische digitale Welt ==&lt;br /&gt;
'''Vision 2035'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
''Sorbisches materielles und immaterielles Kulturerbe ist systematisch digital erfasst, rechtssicher und langfristig gesichert, leicht auffindbar, offen nutzbar und wird aktiv von Interessierten genutzt.''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Konkrete Ziele'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bis 2032 ist ein tragfähiges, finanziell und organisatorisch abgesichertes Modell etabliert, das:&lt;br /&gt;
* Ein zentrales (oder föderiertes) digitales Langzeitarchiv nach OAIS-Referenzmodell betreibt,&lt;br /&gt;
* klare Zuständigkeiten, Prozesse und Budgets definiert,&lt;br /&gt;
* regelmäßige Qualitätssicherung und Technik-Updates vorsieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis 2030 sind wichtige sorbische Kulturerbe-Bestände (Kernbestände nach fachlicher Festlegung) in hoher Qualität digitalisiert, beschrieben und im Langzeitarchiv gesichert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis 2028 liegt eine institutionenübergreifende Übersicht über relevante Kulturerbe-Bestände (analog und digital, materiell und immateriell) vor, einschließlich einer Prioritätenliste für die Digitalisierung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis 2028 existiert ein zentrales, nutzerfreundliches „Sorbisches Kulturerbe-Portal“, das:&lt;br /&gt;
* Suchzugang über alle teilnehmenden Institutionen ermöglicht,&lt;br /&gt;
* grundlegende Inhalte frei zugänglich bereitstellt,&lt;br /&gt;
* mehrsprachige Oberflächen anbietet (Deutsch, Obersorbisch, Niedersorbisch, Englisch).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= 2 IST-Analyse „Digitalisierung von Kulturerbe“ =&lt;br /&gt;
Das Ziel in diesem Themenbereich ist es, sorbisches Kulturerbe digital zu verwalten und damit langfristig für Recherche, Nutzung und Präsentation vorzuhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Abschnitt &amp;quot;IST-Analyse“ werden die folgenden Fragen beantwortet: Was ist sorbisches Kulturerbe und was zählt alles dazu? Welche Schritte durchläuft ein Kulturgut, um zum digitalen Kulturerbe zu gehören? Wie können die digitale Verwaltung, Archivierung, Nutzung und Präsentation von Kulturgütern umgesetzt werden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die grundlegenden Terminologien des Kulturerbes sollen im Folgenden festgelegt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2.1 Terminologie – von Kultur zu Kulturerbe ==&lt;br /&gt;
In diesem Abschnitt werden die Begriffe rund um das Kulturerbe grundlegend definiert. Es soll ein Verständnis über die Begriffe Kultur, kulturelle Ausprägung, Kulturgut und Kulturerbe erreicht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K1.png|center|260px]]&amp;lt;ref&amp;gt;Mermaid Flowchart Code: [https://mermaid.live/edit#pako:eNpF0UtuwyAQBuCroFlaTuRHTGMvKuWxq7pqV627IGZso2CIMChtk9ymN-nFimmasmJGfP-AOEGjOUIFrdTHpmfGkudtrWpF_Fq9RtGDk9aZKHojU-_aJ7PZ_bmGgSnR4mgFejaKpidC1XAmq8zDfYAoJZKVG7lxzX5stRl81C0_uwYdheGEubHD4_dXLy1hcpyC1rcLdM4GOLH1Ve2E5Gj9TPLkhgEnsLkBNDsMAmLojOBQWeMwhgHNwKYSTuFBYHucbOW3HFvmcQ21unh2YOpF6-FPGu26HqrW381X7sCZxa1gnWH_R1BxNBvtlIUqTUMEVCd49xVdzpeLMs1pXmRFXiY0hg-o8iyZL_LFXZaVSTJ1LzF8hqHJnBZ5WhZLWt5RmtIsBuTCavP4-2Hh3y4_NXaMmw hier klicken], abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.1 Kultur ===&lt;br /&gt;
Kultur bezeichnet hier die Gesamtheit aller '''vom Menschen geschaffenen und erlernten Ausdrucksformen''' des Lebens, die auf gemeinsamen Werten und Verhaltensweisen beruhen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;wiki-kultur&amp;quot;&amp;gt;URL: https://de.wikipedia.org/wiki/Kultur&amp;lt;/ref&amp;gt; Dazu zählen '''materielle Ergebnisse''' (z. B. Kunstwerke, Technik) ebenso wie '''immaterielle Praktiken''' (Sprache, Bräuche, Wissen). Kultur umfasst laut der UNESCO geistige, materielle, intellektuelle und emotionale Merkmale, die eine Gesellschaft oder soziale Gruppe kennzeichnen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mondiacult&amp;quot;&amp;gt;UNESCO 1982: Mexico City Declaration on Cultural Policies (MONDIACULT). URL: https://www.lacult.unesco.org/docc/1982_MONDIACULT.pdf&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;ref name=&amp;quot;cultureaction&amp;quot;&amp;gt;Culture Action Europe 2024: The State of Culture report. URL: https://cultureactioneurope.org/de/news/the-state-of-culture-report-published, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;  Sie ist dynamisch und wird von jeder Generation neu gestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das deutsche Wort „Kultur“ ist eine Eindeutschung des lateinischen Worts „cultura“. Dieses bedeutet ursprünglich „Bebauung, Bearbeitung, Bestellung, Pflege“ und meinte sowohl die physische Bearbeitung als auch die Pflege geistiger Güter, z. B. der Sprache.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.2 Kulturelle Ausdrucksform ===&lt;br /&gt;
Eine kulturelle Ausdrucksform ist eine '''konkrete, gegenwärtige oder historische, Manifestation von Kultur''', bspw. eine Zeichnung, eine Tracht oder ein Lied: Sie macht die Kultur sichtbar und erlebbar. Im engeren Sinne ist es eine Ausdrucksweise, die aus der Kreativität einer Person, Gruppe oder Gesellschaft entsteht und '''kulturellen Inhalt''' trägt (symbolische Bedeutung, künstlerische Dimension, kulturelle Werte).&amp;lt;ref&amp;gt;Österreichische UNESCO-Kommission 2007: Übereinkommen zum Schutz und zur Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen, Art. 4, Seite 13. URL: https://www.unesco.at/fileadmin/Redaktion/Publikationen/Publikations-Dokumente/2005er_UNESCO-Convention_German.pdf, abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt; Sie wird innerhalb und zwischen Gemeinschaften weitergegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle kulturellen Ausdrucksformen bilden einen wesentlichen Kern von Kultur, aber Kultur enthält auch latente Dimensionen (Werte, Normen, Vorannahmen etc.), die nicht unmittelbar als Ausdrucksform erscheinen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.3 Kulturgut ===&lt;br /&gt;
Ein „Kulturgut“ ist '''eine einzelne kulturelle Ausdrucksform''', der ein '''besonderer kultureller Wert zugemessen wird''' (durch Anerkennung, Schutz, Bedeutung). Es ist somit ein Erzeugnis menschlicher Kreativität oder Zeugnis menschlichen Lebens, welches '''Bedeutung für die Kultur einer Gemeinschaft''' hat und daher '''Bestand haben und bewahrt werden soll'''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die '''Summe aller Kulturgüter''' einer Gemeinschaft wird als dessen '''Kulturerbe''' bezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.4 Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
Kulturerbe ist die '''Summe der materiellen und immateriellen Ausdrucksformen''' (= Kulturgüter) einer Kultur, die als „'''bewahrenswert'''“ anerkannt wurden. International umfasst das u. a. das '''Welterbe''' (Denkmäler, Ensembles, Stätten)&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO (1972), Welterbekonvention, Art. 1. URL: https://www.dnk.de/wp-content/uploads/2021/02/1972_DNK_UNESCO-Welterbekonvention.pdf (abgerufen am 11.09.2025).&amp;lt;/ref&amp;gt; und das '''Immaterielles Kulturerbe''' (Praktiken, Wissen).&amp;lt;ref&amp;gt;Deutsche UNESCO-Kommission o. J.:, Übereinkommen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes (dt. Ausgabe). URL: https://www.unesco.de/assets/dokumente/Deutsche_UNESCO-Kommission/02_Publikationen/Publikation_UNESCO-%C3%9Cbereinkommen_zur_Erhaltung_des_immateriellen_Kulturerbes_01.pdf, (abgerufen am 11.09.2025).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ob etwas „zum Kulturerbe“ zählt, ist Ergebnis von Bewertung, Diskurs und teils formellen Verfahren. Dem Sorbischen Kulturregister (SKR) zufolge ist „sorbisch-wendisches Kulturerbe“ eine Zuschreibung, die durch Gesellschaft, Museen, Archive und Wissenschaft erfolgen kann.&amp;lt;ref&amp;gt;Sorbisches Institut 2025: Konzept für ein Sorbisches Kulturregister (SKR). URL: https://www.serbski-institut.de/wp-content/uploads/2021/11/00_Zweite-aktualisierte-Fassung_Konzept_Sorbisches-Kulturregister_20.11.2025.pdf, abgerufen am 20.11.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.5 Abgrenzung: Kultur und Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
'''Kultur / Kulturelle Ausdrucksform''' sind als Begriffe weiter gefasst als '''Kulturgut / Kulturerbe'''. Kulturelle Ausdrucksformen umfassen alles Gelebte und Gestaltete einer Gemeinschaft in Gegenwart und Vergangenheit, während Kulturgut / Kulturerbe diejenigen kulturellen Güter und Traditionen meint, denen eine Bedeutung beigemessen wurde und die als bewahrens- und weitergebenswert erkannt wurden. Kultur ist der „aktuelle“ kreative Prozess (einschließlich Popkultur, Alltagskultur), Kulturerbe der daraus überkommene Schatz. Dennoch sind die Grenzen fließend: Was heute nur Kultur ist, kann morgen zum Kulturerbe erklärt werden – abhängig von Wertzuschreibung und Diskurs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Rahmen dieses Dokuments werden für den sorbischen Kontext die Begriffe '''„kulturelle Ausdrucksform“''' und '''„Kulturgut“''' weitgehend '''synonym''' verwendet, sofern nicht ausdrücklich anders gekennzeichnet. Hintergrund ist, dass die Gesamtzahl der identifizierbaren kulturellen Ausdrucksformen einer kleinen Minderheit wie der Sorben/Wenden im Vergleich zu großen Mehrheitsgesellschaften überschaubar ist. Zugleich ist der Anteil dieser Ausdrucksformen, denen in der Community ein besonderer Wert beigemessen wird und die daher faktisch als Kulturgut wahrgenommen und behandelt werden, sehr hoch: Ein großer Teil des gelebten kulturellen Repertoires wird als identitätsstiftend und bewahrenswert verstanden und damit dem Kulturerbe zugerechnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2.2 Klassifizierung von Kulturgütern ==&lt;br /&gt;
Im Folgenden soll eine griffige Klassifizierung von Kulturgütern entwickelt werden, so dass pro Kulturgut-Klasse später auf die Besonderheiten ihrer Digitalisierung eingegangen werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K2.png|center|600px]]&amp;lt;ref&amp;gt;Mermaid Flowchart Code: [https://mermaid.live/edit#pako:eNptlM9u00AQxl9ltFWoFDlp_C9OjISU2KSgUCq1BSRIDxt77Syxd6v1mkKjSDwBlThw4YCEeuXOoeLSN-EF4BHYjZOQQG67-32_2ZnZsWco4jFBPqrVZpRR6cNsP8n4ZTTBQu7rHVP66QWOKEvV3nQM2BeYTf8eea35fF6rjdiIrUl4cjJiAMPDV_X6sMxkKdJS1uvnvu9PtRGgp5ReE46wJIKSLIOf779CycbkkqQZjSb1Ovz-cv351_drDWGN9BXS_xfZBj7dLoGxBgIFBE14nOcrZGH68E07Iu0IlSNsQkhTKnGlfvyh1bjKcngIjcYD6G2s-xvrYGMdLuuqAFOXZ0IflzFh0xxn5OBU3t1ISZhqw6KaKpo29k04jSaCJrLq0oZsa9mCAZc8FTihhBnQp1ksxd1NSsS22dFmG3oMZzwl0HveONtlc7XNATtsHI9fk6kkC3nRsKoqnVNgwrFQaUOvLGJRRtMi4SJfZ790WtppQYhFIVV7CYsJDO9uWbEMujbqOgIbTqgsddB7MCD_eXT6gQMvaFEQBlclPMVqcA6eMfqGiKLMt926isCFM4FjKiln-voCHmEWXxIxXZcUVo-jSwrVe3DBGvHqtc83DLqS0FpNAi3wRluiDBdFSBIYQ0KzzN_r265jPjQinnHh7yVJYhRS8ClZKfe3KLyk2oHneuEuqlK2qWhJWYPOwGnvoiplm4qXVMd17V5rF1UpikIGSgWNkS9FSQyUE5FjvUUzHXGE5ITkZIR8tYxJgtVXPEIjNlfYBWYvOc9XpOBlOkF-grNC7cqLWPUupFjNa74-FXo0RMBLJpFvWtYiCPJn6C3yG7bTNO2u6Tidrue0W13HQO_Usdtquuqg1bG6TtvzPNuZG-hqcXGr2baV5NhuyzId13XbBiJqDrg4qn5ni7_a_A_W9oMu hier klicken], abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.1 A. Materiell - unbeweglich 🏛️ ===&lt;br /&gt;
„Materiell - unbeweglich&amp;quot; bezeichnet ortsfeste Kulturobjekte wie Bauwerke, Ensembles, Gebäudekomplexe und Stätten/Kulturlandschaften, wie sie in Art. 1 der UNESCO-Welterbekonvention als Kategorien des kulturellen Erbes definiert sind.&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO World Heritage Centre o. J.: Convention Concerning the Protection of the World Cultural and Natural Heritage, Artikel 1. URL: https://whc.unesco.org/en/conventiontext/, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.2 B. Materiell - beweglich 🖼️ ===&lt;br /&gt;
Die Kategorie „Materiell - beweglich&amp;quot; umfasst bewegliche Sachen bzw. Sachgesamtheiten von kulturellem Wert (z. B. Objekte, Sammlungen), wie sie das deutsche Kulturgutschutzgesetz (§ 2 KGSG)&amp;lt;ref&amp;gt;Deutschland 2016: Kulturgutschutzgesetz (KGSG), § 2. URL: https://www.buzer.de/2_KGSG.htm, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt; als „Kulturgut“ beschreibt.&lt;br /&gt;
* B1 '''Schriftgut''' - Bücher, Zeitungen, Handschriften, Archivgut, Graphiken, Pläne, Karten&lt;br /&gt;
* B2 '''Fotografien &amp;amp; Bildträger''' &lt;br /&gt;
** Fotografisch erzeugte statische Bildträger, auch Stillbildträger genannt, z. B. Positive/Negative auf Film/Platte/Photopapier, Dias, Abzüge, Mikrofilm/-fiche und vergleichbare fotografische Repro-Träger.&lt;br /&gt;
* B3 '''Analoge AV-Träger''' (Audio/Video/Film)&lt;br /&gt;
** Analoge zeitbasierte Medien, z. B. Magnetton (Tonband, Kassette), Schallplatte, Videobänder, Film.&lt;br /&gt;
* B4 '''3D-Objekte''' - Gegenstände, „sachkulturelle Artefakte“&amp;lt;ref&amp;gt;Sorbisches Institut o. J.: Konzept zum Digitalisierungszentrum am Sorbischen Institut, S. 24.&lt;br /&gt;
(Unveröffentlichtes Konzeptpapier; interne Projektunterlage.)&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.3 C. Immateriell 🎭 ===&lt;br /&gt;
Meint lebendige Praktiken, Darstellungen, Ausdrucksformen, Ideen, Werte, Wissen und Fertigkeiten, die von Gemeinschaften getragen und weitergegeben werden, gemäß der folgenden 5 UNESCO ICH-Domänen.&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO o. J.: Intangible Cultural Heritage – Five Domains. URL: https://ich.unesco.org/doc/src/01857-EN.pdf, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* C1 '''Orale Traditionen/Ausdrucksformen''' - Sprache, Gesangstraditionen&lt;br /&gt;
* C2 '''Darstellende Künste''' - Musik, Tanz, Theater&lt;br /&gt;
* C3 '''Rituale &amp;amp; Feste''' - Bräuche und soziale Praktiken des Kalenders und Lebenslaufs&lt;br /&gt;
* C4 '''Wissen &amp;amp; Praktiken''' zu Natur &amp;amp; Universum - Heil- und Sammelkenntnisse, ökologisches und astronomisches Wissen, Glaube, Religion&lt;br /&gt;
* C5 '''Traditionelles Handwerk''' - Techniken, Werkzeuge und Gestaltungsmuster&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.4 D. Digital 💾 ===&lt;br /&gt;
Bezeichnet in digitaler Form vorliegende Ressourcen menschlichen Wissens und Ausdrucks. Diese können sowohl born-digital sein als auch digitalisierte Repräsentationen von materiellen und immateriellen Kulturgütern.&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO 2003: Charter on the Preservation of Digital Heritage. URL: https://www.unesco.org/en/legal-affairs/charter-preservation-digital-heritage, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* D1 '''Born-digital''' (ursprünglich digital erzeugt, kein analoges Original), z. B. Webseiten, Social-Media-Beiträge, Software, Apps, Spiele, digitale Fotos/Audio/Video.&lt;br /&gt;
* D2 '''Digitalisate''' - Digitalisierte Repräsentationen/Derivate aus den Klassen A, B und C.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2.3 Begriffe und Funktionsbausteine der Kulturerbe-Digitalisierung ==&lt;br /&gt;
Die vorherigen Abschnitte haben geklärt, was unter Kulturerbe verstanden wird und welche Arten von Kulturgütern unterschieden werden. Bevor der nachfolgende Abschnitt den Prozess der Kulturerbe-Digitalisierung beschreibt, werden in diesem Abschnitt die dafür wichtigsten Arbeitsbegriffe und Funktionen erläutert. Der Abschnitt soll dabei die Frage beantworten: Welche Arbeitsabläufe und Funktionen sind notwendig, damit Kulturgüter nicht nur digital erfasst, sondern auch gefunden, verstanden, gesichert und genutzt werden können?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erläuterungen sollen eine gemeinsame und leicht verständliche Grundlage schaffen für alle, die an der Digitalisierung von Kulturerbe interessiert sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.3.1 Vom Kulturgut zur digitalen Repräsentation ===&lt;br /&gt;
Dieser Abschnitt erklärt, was bei einer Digitalisierung entsteht und wie sich das digitale Ergebnis vom ursprünglichen Kulturgut unterscheidet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Begriff&lt;br /&gt;
! Erklärung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Digitalisierung von Kulturerbe'''&lt;br /&gt;
| Digitalisierung bezeichnet in diesem Konzept den gesamten zusammenhängenden Prozess: Kulturgüter erfassen, beschreiben und bewerten, digitale Repräsentationen erzeugen oder übernehmen, ihre Qualität prüfen, sie sichern und für die Nutzung zugänglich machen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;DFG2016&amp;quot;&amp;gt;Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) 2016: Praxisregeln „Digitalisierung“, insbesondere S. 13 und 41-44. URL: https://www.dfg.de/resource/blob/176108/898bf3574ad0ff3b1db525fa7d04c86c/12-151-v1216-de-data.pdf, abgerufen am 16.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bei ursprünglich digital entstandenen Kulturgütern – auch ''born digital'' genannt – entfällt die Überführung aus einem analogen Original; die weiteren Aufgaben bleiben bestehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Digitalisat und digitale Repräsentation'''&lt;br /&gt;
| Ein '''Digitalisat''' ist ein digitales Abbild eines analogen Kulturguts, beispielsweise ein Scan einer Handschrift oder ein Foto eines Museumsobjekts. Der weitere Begriff '''digitale Repräsentation''' umfasst auch Audio-, Video- oder 3D-Dokumentationen einer immateriellen kulturellen Praxis. Die digitale Repräsentation ersetzt weder das materielle Kulturgut noch die lebendige Praxis.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Masterdatei und Nutzungsderivat'''&lt;br /&gt;
| Die '''Masterdatei''' ist die möglichst hochwertige und qualitätsgeprüfte Ausgangsdatei. Sie wird für die langfristige Sicherung und spätere Bearbeitungen aufbewahrt. Ein '''Nutzungsderivat''' ist eine daraus erzeugte, an einen bestimmten Zweck angepasste Datei, beispielsweise ein kleineres Bild für eine Internetseite.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Digitales Objekt'''&lt;br /&gt;
| Als '''digitales Objekt''' wird in diesem Konzept eine zusammengehörige digitale Einheit bezeichnet. Sie kann aus einer oder mehreren Dateien, den zugehörigen Metadaten und ihren Verknüpfungen bestehen. Ein digitales Objekt kann ein Digitalisat oder ein ursprünglich digital entstandenes Kulturgut sein.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
''Beispiel:'' Das verzierte sorbische Osterei bleibt das materielle Kulturgut. Hochauflösende Fotografien, ein 3D-Modell und die dazugehörigen Beschreibungen bilden gemeinsam seine digitale Repräsentation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.3.2 Funktionsbausteine und ihr Zusammenspiel ===&lt;br /&gt;
Die folgende Tabelle erläutert die grundlegenden Funktionen bei der Digitalisierung von Kulturerbe, unabhängig von konkreten Institutionen oder technischen Produkten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Funktionsbaustein&lt;br /&gt;
! Hauptaufgabe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Register oder Katalog'''&lt;br /&gt;
| Weist Kulturgüter nach, beschreibt und verknüpft sie und macht sichtbar, was vorhanden ist, wo es sich befindet und in welchem Zusammenhang es steht. Ein Registereintrag kann bereits bestehen, bevor ein Digitalisat angefertigt wurde.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Digitalisierungsdienst oder Digitalisierungszentrum'''&lt;br /&gt;
| Erzeugt digitale Repräsentationen, bearbeitet und prüft sie und dokumentiert technische Angaben zur Digitalisierung. Es liefert beispielsweise geprüfte Masterdateien und Nutzungsderivate.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Repositorium oder digitales Archiv'''&lt;br /&gt;
| Übernimmt digitale Dateien und Metadaten, speichert und verwaltet sie und sorgt entsprechend seinem Auftrag für ihre Sicherung, Langzeiterhaltung und Bereitstellung.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Präsentations- und Nutzungssystem'''&lt;br /&gt;
| Führt beschreibende Informationen und digitale Medien für Nutzerinnen und Nutzer zusammen. Es ermöglicht beispielsweise Suche, Anzeige, Kontextualisierung, Vermittlung und – soweit zulässig – Nachnutzung.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Bausteine beschreiben zunächst '''Funktionen''' und nicht zwingend getrennte Institutionen oder Systeme. Eine Einrichtung kann mehrere Funktionen übernehmen. Umgekehrt kann eine Funktion auf mehrere Einrichtungen oder technische Systeme verteilt sein. Entscheidend sind klare Zuständigkeiten, verlässliche Übergaben und gemeinsame Standards.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vereinfacht lässt sich das Zusammenspiel so zusammenfassen:&lt;br /&gt;
# Das '''Register oder der Katalog''' beschreibt und verknüpft das Kulturgut.&lt;br /&gt;
# Der '''Digitalisierungsdienst''' erzeugt und prüft seine digitale Repräsentation.&lt;br /&gt;
# Das '''Repositorium oder digitale Archiv''' übernimmt und erhält die Dateien.&lt;br /&gt;
# Das '''Präsentationssystem''' führt Beschreibungen und Medien für die Nutzung zusammen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die konkrete Ausgestaltung kann zentral, dezentral oder als Verbund mehrerer Systeme erfolgen. Welche dieser Funktionen in der sorbischen Welt bereits durch das Sorbische Kulturregister, das Digitalisierungszentrum, Archive, Repositorien und Präsentationsumgebungen erfüllt werden und wo noch Lücken bestehen, wird in der sorbischen IST-Analyse untersucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.3.3 Register: Kulturgüter erfassen, beschreiben und verknüpfen ===&lt;br /&gt;
Die folgende Tabelle erklärt, wie Kulturgüter so beschrieben und bearbeitet werden, dass sie eindeutig zugeordnet, wiedergefunden und nach einheitlichen Regeln weiterverarbeitet werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Begriff&lt;br /&gt;
! Erklärung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Erschließung, Verzeichnung und Registrierung'''&lt;br /&gt;
| '''Erschließung''' ist der übergeordnete Vorgang, bei dem ein Kulturgut identifiziert, beschrieben und in seinen Zusammenhang eingeordnet wird. '''Verzeichnung''' bezeichnet seine strukturierte dokumentarische Beschreibung. '''Registrierung''' bedeutet die Aufnahme in ein konkretes Register, einen Katalog oder ein Sammlungssystem. Ein Kulturgut kann bereits registriert werden, bevor ein Digitalisat vorhanden ist.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Metadaten'''&lt;br /&gt;
| Metadaten sind strukturierte Informationen über ein Kulturgut und seine digitalen Repräsentationen. Dazu gehören beispielsweise Titel, Herkunft, beteiligte Personen, Ort, Zeit, kultureller Kontext, Rechte, Dateieigenschaften und Bearbeitungsschritte. Je nach Zweck werden beschreibende, technische, rechtliche und erhaltungsbezogene Metadaten unterschieden. Sie machen Kulturgüter auffindbar, verständlich, verwaltbar und langfristig nutzbar.&amp;lt;ref name=&amp;quot;PREMIS&amp;quot;&amp;gt;Library of Congress o. J.: PREMIS – Preservation Metadata: Implementation Strategies. Internationaler Standard für Erhaltungsmetadaten. URL: https://www.loc.gov/standards/premis/, abgerufen am 16.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Persistenter Identifikator'''&lt;br /&gt;
| Ein '''persistenter Identifikator''' ist eine dauerhafte und eindeutige Kennung für ein Kulturgut, einen Datensatz oder eine digitale Ressource. Die Kennung bleibt bestehen, auch wenn sich der technische Speicherort oder die Internetadresse ändern. Dadurch können Kulturgüter dauerhaft zitiert und zwischen Systemen verknüpft werden.&amp;lt;ref name=&amp;quot;DFG2016&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Metadaten sind keine bloße Beigabe zu einer Datei. Ohne ausreichende Beschreibungen kann ein Digitalisat zwar technisch vorhanden sein, später aber kaum gefunden, verstanden oder zuverlässig zugeordnet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.3.4 Digitalisierungsdienst und Archiv: Digitalisieren, speichern und langfristig erhalten ===&lt;br /&gt;
Die folgende Tabelle erklärt was erforderlich ist, damit digitale Kulturgüter nicht nur heute gespeichert sind, sondern auch nach technischen und organisatorischen Veränderungen noch gefunden, verstanden und genutzt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Begriff&lt;br /&gt;
! Erklärung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Repositorium'''&lt;br /&gt;
| Ein '''Repositorium''', auch ''Repository'' genannt, ist eine verwaltete technische Umgebung, in der digitale Objekte und ihre Metadaten übernommen, gespeichert, geordnet, verwaltet und bereitgestellt werden. Ein Repositorium kann Teil eines digitalen Archivs sein. Nicht jedes Repositorium erfüllt jedoch automatisch alle Anforderungen der Langzeiterhaltung.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Digitales Archiv oder digitales Langzeitarchiv'''&lt;br /&gt;
| Ein digitales Archiv ist mehr als ein Server oder ein Speicherprogramm. Es verbindet eine verantwortliche Organisation, fachkundiges Personal, Regeln, Arbeitsabläufe und technische Systeme. Es übernimmt die Verantwortung dafür, digitale Informationen langfristig zu erhalten und für festgelegte Nutzergruppen zugänglich zu machen. Das internationale Referenzmodell '''Open Archival Information System''' (OAIS, offenes Archiv-Informationssystem) bietet hierfür einen fachlichen Rahmen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;OAIS2024&amp;quot;&amp;gt;Consultative Committee for Space Data Systems (CCSDS) 2024: Reference Model for an Open Archival Information System (OAIS), CCSDS 650.0-M-3, insbesondere S. 1-1–1-2 und 2-1–2-2. URL: https://ccsds.org/Pubs/650x0m3.pdf, abgerufen am 16.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Ingest oder kontrollierte Übernahme'''&lt;br /&gt;
| '''Ingest''' bezeichnet die kontrollierte Übernahme digitaler Dateien und Metadaten in ein Repositorium oder digitales Archiv. Dabei werden beispielsweise Vollständigkeit, Dateiformate, Metadaten und Dateiintegrität geprüft und die Übernahme dokumentiert.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Langzeitverfügbarkeit und digitale Langzeiterhaltung'''&lt;br /&gt;
| '''Langzeitverfügbarkeit''' ist das Ziel, digitale Inhalte über technische und organisatorische Veränderungen hinweg auffindbar, lesbar, verständlich und nutzbar zu halten. '''Digitale Langzeiterhaltung''' bezeichnet die dafür notwendigen fortlaufenden Maßnahmen. Dazu können mehrere Speicherorte, regelmäßige Prüfungen, Formatüberwachung, technische Migrationen und eine nachvollziehbare Dokumentation gehören. „Langfristig“ bezeichnet dabei keine feste Zahl von Jahren, sondern einen Zeitraum, in dem mit veränderten Technologien, Formaten und Nutzungsanforderungen gerechnet werden muss.&amp;lt;ref name=&amp;quot;OAIS2024&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Datensicherung oder Backup'''&lt;br /&gt;
| Ein '''Backup''' ist eine zusätzliche Sicherungskopie, aus der Dateien nach einem Verlust oder technischen Ausfall wiederhergestellt werden können. Backups sind notwendig, ersetzen aber keine Langzeiterhaltung: Sie regeln allein noch keine dauerhaften Zuständigkeiten, Metadaten, Formatüberwachung, Integritätsprüfungen oder langfristige Zugänglichkeit.&amp;lt;ref name=&amp;quot;DPCStorage&amp;quot;&amp;gt;Digital Preservation Coalition o. J.: Digital Preservation Handbook – Storage. URL: https://www.dpconline.org/handbook/organisational-activities/storage, abgerufen am 16.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Integrität und Authentizität'''&lt;br /&gt;
| '''Integrität''' bedeutet, dass unbeabsichtigte Veränderungen oder Beschädigungen einer Datei erkannt werden können. Dafür werden häufig Prüfsummen verwendet - digitale Kontrollwerte, die regelmäßig verglichen werden. '''Authentizität''' bedeutet, dass Herkunft, Identität und Bearbeitungsgeschichte eines digitalen Objekts nachvollziehbar sind und belegt werden kann, dass es das ist, was es zu sein vorgibt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Dateiformat und Datenformat'''&lt;br /&gt;
| Ein '''Dateiformat''' legt den technischen Aufbau einer einzelnen Datei fest. Ein '''Datenformat''' beschreibt, wie Informationen strukturiert und zwischen Systemen ausgetauscht werden. Gut dokumentierte, verbreitete und möglichst offen beschriebene Formate erleichtern den Austausch und die langfristige Nutzung. Sie ersetzen jedoch keine aktive Langzeiterhaltung.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Merksatz:''' Speichern ist nicht dasselbe wie langfristiges Erhalten. Auch ein vorhandenes Backup ist noch kein digitales Langzeitarchiv.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.3.5 Präsentationssystem: Kulturerbe zugänglich machen und präsentieren ===&lt;br /&gt;
Die folgende Tabelle erklärt, wie aus langfristig gesicherten Dateien ein digitales Kulturerbe wird, das von Menschen gefunden, verstanden und sinnvoll genutzt werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Begriff&lt;br /&gt;
! Erklärung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Zugänglichmachung und Präsentation'''&lt;br /&gt;
| '''Zugänglichmachung''' bedeutet, dass digitale Objekte auffindbar und im rechtlich sowie technisch zulässigen Umfang abrufbar sind. '''Präsentation''' geht darüber hinaus: Inhalte werden ausgewählt, miteinander verknüpft, erklärt und für bestimmte Zielgruppen vermittelt. Dazu gehören verständliche Kontextinformationen, klare Rechteangaben, Mehrsprachigkeit und möglichst barrierearme Zugänge. Abhängig von Rechten, personenbezogenen Daten oder kulturellen Schutzbedarfen kann der Zugang offen oder eingeschränkt sein.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Nutzung und Nachnutzung'''&lt;br /&gt;
| '''Nutzung''' umfasst beispielsweise das Betrachten, Lesen, Anhören, Erforschen oder Vermitteln eines digitalen Kulturguts. '''Nachnutzung''' bedeutet seine weitere Verwendung in einem neuen Zusammenhang, etwa in Bildung, Forschung, Publikationen, Ausstellungen, Anwendungen oder kreativen Werken. Dafür werden geeignete Dateien, verständliche Metadaten und klare Rechteinformationen benötigt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Rechteinformation und Lizenz'''&lt;br /&gt;
| Eine '''Rechteinformation''' beschreibt den rechtlichen Status eines digitalen Objekts und mögliche Einschränkungen seiner Nutzung. Eine '''Lizenz''' räumt durch eine dazu berechtigte Person oder Institution konkrete Nutzungsrechte ein. Ein allgemeiner Rechtehinweis ist daher nicht automatisch eine Lizenz.&amp;lt;ref name=&amp;quot;RightsReuse&amp;quot;&amp;gt;RightsStatements.org o. J.: Standardisierte Rechtehinweise für online verfügbares Kulturerbe. URL: https://rightsstatements.org/de/, abgerufen am 16.07.2026. Creative Commons 2025: Recommended Licenses and Tools for Cultural Heritage Content. URL: https://creativecommons.org/2025/07/09/recommended-licenses-and-tools-for-cultural-heritage-content/, abgerufen am 16.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Interoperabilität'''&lt;br /&gt;
| '''Interoperabilität''' bezeichnet die Fähigkeit von Systemen und Organisationen, Daten auszutauschen und in gleicher Bedeutung zu verstehen. Dafür werden gemeinsame Metadatenmodelle, Begriffe, Identifikatoren und technische Schnittstellen benötigt. So können beispielsweise Register, Repositorien, Präsentationsportale und externe Kulturplattformen miteinander verbunden werden.&amp;lt;ref name=&amp;quot;EuropeanaEDM&amp;quot;&amp;gt;Europeana o. J.: Metadata – Europeana Data Model (EDM, Europeana-Datenmodell). URL: https://pro.europeana.eu/page/metadata, abgerufen am 16.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Digitalisierte Inhalte entfalten ihren kulturellen und gesellschaftlichen Nutzen erst dann vollständig, wenn sie auffindbar, verständlich, rechtlich klar und für unterschiedliche Zielgruppen tatsächlich verwendbar sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der folgende Abschnitt 2.4 beschreibt, wie diese Funktionen innerhalb des gesamten Prozesses der Kulturerbe-Digitalisierung zusammenwirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2.4 Prozess der Digitalisierung von Kulturerbe ==&lt;br /&gt;
Die Digitalisierung von Kulturgut ist kein rein technischer Arbeitsschritt, sondern ein vielschichtiger, oft langfristiger Prozess, der bereits mit der Wahrnehmung und Identifikation einer kulturellen Ausdrucksform beginnt. Ziel dieses Abschnitts ist es, diesen Gesamtprozess systematisch darzustellen: von der gelebten Kultur über das identifizierte Kulturgut bis hin zur digital nutzbaren Repräsentation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die hier entwickelte Prozessdarstellung soll als praxisorientierter Überblick dienen für die Digitalisierung des sorbischen Kulturerbes. Sie berücksichtigt die Anforderungen sorbischer Einrichtungen ebenso wie die international etablierten Referenzmodelle und Standards, darunter:&lt;br /&gt;
* das OAIS-Referenzmodell (ISO 14721) für digitale Archivierung&amp;lt;ref&amp;gt;Consultative Committee for Space Data Systems (CCSDS) 2024: Reference Model for an Open Archival Information System (OAIS), CCSDS 650.0-M-3. URL: https://ccsds.org/Pubs/650x0m3.pdf, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* das DCC Curation Lifecycle Model für kuratorische Entscheidungsprozesse&amp;lt;ref&amp;gt;Higgins 2008: The DCC Curation Lifecycle Model. International Journal of Digital Curation, 3(1), 134-140. URL: https://ijdc.net/index.php/ijdc/article/view/48, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* das Spectrum-Modell für museale Objektverwaltung&amp;lt;ref&amp;gt;Collections Trust 2022. Spectrum 5.1 - The UK Museum Collections Management Standard. URL: https://collectionstrust.org.uk/spectrum/spectrum-5, abgerufen am 01.10.2025. &amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* die UNESCO-Leitlinien zur Inventarisierung immateriellen Kulturerbes&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO 2024: Operational Directives for the Implementation of the Convention for the Safeguarding of the Intangible Cultural Heritage (10.GA). URL: https://ich.unesco.org/doc/src/ICH-Operational_Directives-10.GA_EN.pdf, abgerufen am 01.10.2025. &amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* sowie technische Vorgaben wie die DFG-Praxisregeln Digitalisierung&amp;lt;ref&amp;gt;Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) 2022: Praxisregeln Digitalisierung (aktualisierte Fassung). URL: https://www.ulb.hhu.de/fileadmin/redaktion/ULB/Documents/Infomaterial/DFG_Praxisregeln_Digitalisierung_Aktualisierte_Fassung2022.pdf, abgerufen am 01.10.2025. &amp;lt;/ref&amp;gt; und die FADGI-Richtlinien&amp;lt;ref&amp;gt;Federal Agencies Digital Guidelines Initiative (FADGI) 2023: Technical Guidelines for Digitizing Cultural Heritage Materials – Still Image, 3rd ed. URL: https://www.digitizationguidelines.gov/guidelines/digitize-technical.html, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Folge soll der „Lebenslauf“ eines Kulturguts dargestellt werden, also der Weg, den ein Objekt oder eine kulturelle Praxis vom Zeitpunkt der Entstehung über die Erfassung, Digitalisierung und Archivierung bis zur Veröffentlichung in einem digitalen Präsentationsmodul durchläuft.&lt;br /&gt;
Hierfür erläutert der folgende Abschnitt die einzelnen Prozessschritte im Detail, jeweils mit Akteuren und Beispielen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.4.1 Vorüberlegungen zum Prozess ===&lt;br /&gt;
Im hier vorgestellten Prozess wird auf eine harte, systematische Filterung verzichtet, welche kulturellen Ausdrucksformen „nur“ Kultur und welche bereits Kulturgut sind. Ein solcher Bewertungs- und Abgrenzungsprozess wäre ressourcenintensiv und würde den vorhandenen Kapazitäten in den beteiligten Einrichtungen nicht entsprechen. Stattdessen folgt das Konzept einer inklusiven Logik: Alle dokumentierten Ausdrucksformen werden zunächst als potenzielle Kulturgüter erfasst. Eine feinere Auswahl und Priorisierung erfolgen erst in einem späteren Schritt, nämlich dann, wenn konkret entschieden wird, welche Ausdrucksformen bzw. Kulturgüter in welcher Tiefe digitalisiert, archiviert und präsentiert werden sollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Vorgehen schließt an das SKR-Konzept an, das bewusst auf eine frühe normative Trennung zwischen „kultureller Ausdrucksform“ und „Kulturgut“ verzichtet. Auch hier steht zunächst der möglichst vollständige, strukturierte Überblick über die sorbischen Kulturgüter im Vordergrund. Die differenzierte Bewertung und Schwerpunktsetzung werden als anschließende fachliche Aufgabe verstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.4.2 Prozessschritte im Detail ===&lt;br /&gt;
Das folgende Diagramm gibt einen Überblick über die sechs Kernschritte des Gesamtprozesses der Digitalisierung von Kulturgut – von der ersten Wahrnehmung einer kulturellen Ausdrucksform bis zu ihrer digitalen Präsentation als Kulturgut. Die Abfolge zeigt zugleich die Entwicklungsstufen: von gelebter Kultur zur kulturellen Ausdrucksform, von dort zum Kulturgut und schließlich zum digitalen Kulturgut. Die Schritte sind als generischer Ablauf zu verstehen: Je nach Art des Kulturguts können einzelne Tätigkeiten unterschiedlich aufwendig sein oder parallel erfolgen.&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K3.png|center|600px]]&amp;lt;ref&amp;gt;Mermaid Flowchart Code: [https://mermaid.live/edit#pako:eNplkk1OwzAQha8yGqmbkloxSZs2CyTa8LOphIAVhIVJpolF4iDH4a_qbXqTXgzHFdAKr2y97703lmaNWZMTxriqmvesFNrAfZIqgPPHFIdDzuBO1DVVajhM8QlGozOYO-WUwS0VsjVakqa93Pvmjlk4JmAwp3fS5kCHwQAWjkkcE_Y5WWkIXqrd9jBpT138UIkspBGVbI_7-rwLR146csLgRryQ-U8lMGLwTG1WapLPpHKCZQLMOY9ch7m2VxiSpOAEjJ1TSev_M_bkvv3KtY8ZnOuslG_H9VcOuf4dUO-2LamjGdHDQsscY6M78rAmXYv-ies-IEVTUk0pxvaa00p0lUkxVRtrexXqoWnqH6duuqLEeCWq1r6619zOn0hRaPGH9J_Xi6ZTBuOxS8B4jR8YhxGLeDThkR-EM37KuYefFmHTaOz7fOZHQTidBMHGwy9X6VslnNnDw4jPuB8GHlIuTaOX-7Vy27X5Bh_Osqo hier klicken], abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Prozess zeigt, dass Digitalisierung von Kulturgut mehr ist als das Erstellen digitaler Dateien. Sie umfasst eine Reihe aufeinander bezogener Schritte – von der ersten Wahrnehmung einer kulturellen Ausdrucksform über ihre Erfassung, Bewertung und Digitalisierung bis hin zur langfristigen Sicherung und Präsentation. Dabei sind je nach Schritt unterschiedliche Akteure beteiligt, etwa Gemeinschaften, Museen, Archive, Fachgremien, Digitalisierungsstellen oder IT. Die folgenden Beschreibungen erläutern diese Schritte so, dass nachvollziehbar wird, was jeweils mit einem Kulturgut geschieht, wer daran beteiligt ist und wie sich der Ablauf in der Praxis vorstellen lässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''1. Sammeln &amp;amp; erfassen''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Hier wird eine kulturelle Ausdrucksform erstmals wahrgenommen, benannt und mit ersten Informationen erfasst: Was ist es, wer macht es oder hat es geschaffen, wo kommt es vor, warum ist es bedeutsam für die Gemeinschaft? &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Community, Vereine, Museen, Archive, Forschende, Privatpersonen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Auf einem Dorffest zeigt eine Frau das Verzieren sorbischer Ostereier. Jemand fotografiert dies und notiert Technik, Ort und Namen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''2. Registrieren &amp;amp; beschreiben''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Hier wird aus der ersten Beobachtung ein strukturierter Nachweis. Das Kulturgut oder die kulturelle Ausdrucksform wird in ein Register, eine Sammlung oder einen Katalog aufgenommen und mit strukturierten Metadaten beschrieben, damit es wiedergefunden, zugeordnet und verstanden werden kann. Dazu gehören z. B. Titel, Ort, Zeit, Technik, Funktion, beteiligte Personen und der kulturelle Kontext.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Registerverantwortliche, Kurator:innen, Sammlungsmitarbeitende, Community für Kontextinformationen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Das Osterei erhält einen Eintrag mit Angaben wie „Wachsbatik“, „Schleife“, „Osterei-Verzierung“, Name der Trägerin und Entstehungsjahr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''3. Bewerten &amp;amp; freigeben''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
In diesem Schritt wird entschieden, ob und in welcher Priorität ein Kulturgut oder die kulturelle Ausdrucksform digitalisiert werden soll und ob dies rechtlich und ethisch möglich ist. Dabei spielen fachliche Kriterien wie Bedeutung, Repräsentativität, Seltenheit oder Gefährdung eine Rolle, aber auch Fragen des Urheberrechts, Datenschutzes und möglicher kultureller Sensibilitäten. Am Ende steht eine begründete Entscheidung, ob und in welchem Umfang das Kulturgut weiterbearbeitet und später veröffentlicht werden darf. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Kurator:innen, Fachgremien, Community-Vertretungen, Register/SKR, ggf. Rechteverantwortliche und Behörden. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Es wird entschieden, dass die Osterei-Technik wegen ihrer Bedeutung für die sorbische Identität digital gesichert werden soll; die Kunsthandwerkerin stimmt der Veröffentlichung zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''4. Digitalisieren &amp;amp; prüfen''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nun wird das Kulturgut technisch erfasst, also in eine digitale Form überführt. Das kann je nach Objektart durch Scan, Fotografie, Audio- oder Videoaufnahme oder 3D-Erfassung geschehen. Dabei entstehen hochwertige Master-Dateien und nutzbare Derivate. Die Digitalisierung folgt qualifizierten Standards, um Reproduzierbarkeit, Farbkonsistenz und Nutzbarkeit zu gewährleisten. Anschließend wird geprüft, ob Schärfe, Farbe, Vollständigkeit und Dateiformate den Anforderungen für Archivierung und Nutzung entsprechen. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Digitalisierungszentrum, Foto-/AV-/3D-Spezialist:innen, externe Dienstleister bei Spezialfällen. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Das Osterei wird fotografisch hochauflösend aufgenommen und zusätzlich als 3D-Modell erfasst. Danach werden Schärfe, Farbe und Dateiformate geprüft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''5. Archivieren &amp;amp; sichern''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die entstandenen digitalen Dateien werden geordnet abgelegt, mit den zugehörigen Metadaten verknüpft und für die langfristige Erhaltung gesichert. Dazu gehören sichere Speicherorte, Backups, Integritätskontrollen und – wenn nötig – spätere technische Migration auf neue Systeme. Ziel ist, dass das digitale Kulturgut langfristig erhalten bleibt, auch wenn sich Technik und Formate verändern. Das Original bleibt in der Regel weiterhin am Sammlungs- oder Aufbewahrungsort. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Archiv, Repository, IT-Betrieb, ggf. Sorbisches Kulturarchiv bzw. Digitalisierungszentrum. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Die Bilder und das 3D-Modell des Ostereis werden auf gesicherten Servern gespeichert; das Original bleibt im Museum oder bei der Eigentümerin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''6. Präsentieren &amp;amp; nutzen''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im letzten Schritt werden die digitalen Objekte so bereitgestellt, dass sie gefunden, verstanden und genutzt werden können, z. B. in Portalen, digitalen Sammlungen oder virtuellen Ausstellungen. Dafür reicht es nicht, nur Dateien anzuzeigen: Es braucht auch verständliche Kontexte, Rechteangaben, Mehrsprachigkeit und möglichst barrierearme Zugänge. So wird aus der technischen Digitalisierung eine tatsächliche kulturelle Nutzung. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Kurator:innen, Vermittlung, Web/IT, Museen, Kulturinformationen, Community. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Das Osterei erscheint in einer Online-Ausstellung, kann herangezoomt oder als 3D-Modell gedreht werden und wird mit einem kurzen Text zur Technik erklärt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.4.3 Organisatorische Perspektive ===&lt;br /&gt;
Die folgende Abbildung ist entnommen aus einem Poster des Sorbischen Instituts zu dessen Digitalisierungsstrategie, gefunden auf der Projektseite des Digitalisierungszentrums.&amp;lt;ref&amp;gt;Sorbisches Institut: Digitalisierungszentrum (DZ). URL: [https://www.serbski-institut.de/projekte-zentrale-vorhaben/digitalisierungszentrum-dz/ https://www.serbski-institut.de/projekte-zentrale-vorhaben/digitalisierungszentrum-dz/], abgerufen am 25.03.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Digitalisierungsstrategie des Sorbischen Instituts zeigt die Erfassung, Registrierung, Digitalisierung und Archivierung bis zur Präsentation von Kulturgütern aus '''organisatorischer Sicht'''. Sie basiert auf einem '''3-Säulen-Modell aus Kulturregister, Digitalisierungszentrum und Präsentationsumgebung'''. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K4.png|mini||center|600px|Abbildung: 3-Säulen-Modell der Digitalisierungsstrategie des Sorbischen Instituts. Quelle: Sorbisches Institut, „Digitalizacija serbskich kulturnych datow / Digitalisierung der sorbischen/wendischen Kulturdaten“&amp;lt;ref&amp;gt;Sorbisches Institut 2025: Digitalizacija serbskich kulturnych datow / Digitalisierung der sorbischen/wendischen Kulturdaten (Poster). URL:  [https://www.serbski-institut.de/wp-content/uploads/2021/11/A0-Druck_Digitalisierungsstrategie-SI.pdf  https://www.serbski-institut.de/wp-content/uploads/2021/11/A0-Druck_Digitalisierungsstrategie-SI.pdf], abgerufen am 25.03.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Beide Sichtweisen - die fachliche &amp;quot;Prozess-Sicht&amp;quot; und die &amp;quot;organisatorische Sicht&amp;quot; lassen sich wie folgt in einer Darstellung zusammenfassen:&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K5.jpg|mini||center|600px|Abbildung: Zusammengefasste Sichtweisen auf die Digitalisierung von Kulturerbe.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der &amp;quot;Prozess der Digitalisierung von Kulturerbe&amp;quot; beschreibt, '''was''' mit einem Kulturgut geschieht; das 3-Säulen-Modell zeigt, '''wo''' diese Aufgaben organisatorisch verortet sind. Bezogen auf die oben beschriebenen [[#2.3.2 Prozessschritte im Detail|Prozessschritte der Digitalisierung von Kulturerbe]] steht das '''Sorbische Kulturregister''' für den Prozessschritt „'''2. Registrieren'''“ und dient dabei vor allem der Verzeichnung und Metadatenverwaltung. Das '''Digitalisierungszentrum''' steht für die Prozessschritte „'''4. Digitalisieren'''“ und „'''5. Archivieren'''“ und dient dabei der technischen Erfassung, Bearbeitung und Sicherung der Digitalisate. Die '''Präsentationsumgebung''' steht für den Schritt „'''6. Präsentieren'''“ und dient der öffentlichen oder kuratierten Bereitstellung zur Nutzung. Ergänzende Konzepte des SI machen dabei deutlich, dass die Digitalisierung im Regelfall eine vorherige Verzeichnung im Register voraussetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Prozessschritt&lt;br /&gt;
! Verantwortliche Organisation&lt;br /&gt;
! Funktion im Gesamtsystem&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''2. Registrieren'''&lt;br /&gt;
| '''Sorbisches Kulturregister'''&lt;br /&gt;
| Kulturgüter werden als Entitäten nachgewiesen, beschrieben, mit Metadaten versehen und miteinander verknüpft. Das Register erfüllt damit eine katalogähnliche Funktion: Es macht sichtbar, welche Kulturgüter es gibt, wo sie sich befinden und in welchem Kontext sie stehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''4. Digitalisieren'''&lt;br /&gt;
| '''Digitalisierungszentrum'''&lt;br /&gt;
| Kulturgüter werden technisch erfasst, z. B. durch Scan, Fotografie, Audio-/Videoübertragung oder 3D-Erfassung. Das Digitalisierungszentrum erzeugt und prüft die Digitalisate, ist aber nicht selbst primär ein Präsentationssystem.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''5. Archivieren'''&lt;br /&gt;
| '''Digitalisierungszentrum / Repositorium / Archiv'''&lt;br /&gt;
| Die digitalen Dateien werden geordnet gespeichert, mit Metadaten verbunden und langfristig gesichert. Dazu gehört auch die Sicherstellung der Langzeitaufbewahrung, etwa durch geeignete Speicherorte, Prüfroutinen und spätere Migrationen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''6. Präsentieren'''&lt;br /&gt;
| '''Sorabicon / weitere Präsentationsumgebungen'''&lt;br /&gt;
| Die digitalen Inhalte werden für Nutzer:innen sichtbar, erfahrbar und verständlich gemacht, z. B. in Portalen, digitalen Sammlungen oder virtuellen Ausstellungen. Die Präsentation greift dafür auf Metadaten aus dem Register und auf Digitalisate aus dem Repositorium bzw. dem Digitalisierungszentrum zurück.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Schritt '''1. Sammeln''' liegt vor diesen drei Säulen. Er betrifft die Sammlungsorte selbst, also z. B. Museen, Archive, Heimatstuben, Vereine, Projekte, Gemeinden oder Privatpersonen. Dort entstehen oder befinden sich die Kulturgüter zunächst, bevor sie systematisch registriert, bewertet oder digitalisiert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Schritt '''3. Bewerten''' ist ebenfalls keine eigene technische Säule, sondern ein steuernder Entscheidungsschritt. In ihm wird geklärt, welche Kulturgüter priorisiert digitalisiert werden, welche fachliche Bedeutung sie haben, welche Rechte zu beachten sind und ob eine öffentliche Präsentation möglich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit wird deutlich: Register, Digitalisierungszentrum und Präsentation erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Das '''Register''' beschreibt und verknüpft Kulturgüter, das '''Digitalisierungszentrum''' erzeugt und sichert Digitalisate und die '''Präsentationsumgebung''' macht ausgewählte Inhalte verständlich zugänglich. Gerade diese Trennung schafft klare Zuständigkeiten und erleichtert die Zusammenarbeit zwischen Sammlungsorten, Fachstellen, technischen Dienstleistern und Öffentlichkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2.5 Beispiele anderer Kulturen und Regionen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Digitalisierung des Kulturerbes kleiner, autochthoner, indigener und sprachlicher Gemeinschaften weist häufig vergleichbare Herausforderungen auf: Kulturgüter und Bestände sind auf viele Institutionen, Vereine, lokale Einrichtungen und private Träger verteilt. Personelle und finanzielle Ressourcen sind begrenzt, mehrere Sprachen und Beschreibungstraditionen müssen berücksichtigt werden und nicht alle kulturellen Inhalte dürfen oder sollen ohne Einschränkung öffentlich zugänglich gemacht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer vergleichenden Recherche wurde daher untersucht, wie andere Gemeinschaften und Regionen ihr Kulturerbe erfassen, beschreiben, digitalisieren, langfristig sichern und zur Nutzung bereitstellen. Dabei wurde nicht nach einer universell „idealen“ technischen Lösung gesucht. Untersucht wurde vielmehr, welche organisatorischen, technischen, rechtlichen und gemeinschaftlichen Modelle unter welchen Rahmenbedingungen funktionieren, welche Schwierigkeiten auftreten und welche übertragbaren Erfolgsfaktoren erkennbar sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nachfolgenden Beispiele verdeutlichen unterschiedliche Schwerpunkte: gemeinschaftliche Steuerung, institutionsübergreifende Register und Suchsysteme, Digitalisierung verteilter Bestände, Sprach- und Tonarchive, abgestufte Zugänge, Unterstützung kleiner Kulturgutträger sowie die Überführung zeitlich begrenzter Projekte in einen dauerhaften Betrieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die daraus abgeleiteten Kriterien bilden einen Referenzrahmen. Anhand dieses Referenzrahmens kann in einer späteren Ist-Analyse geprüft werden, welche Funktionen bereits vorhanden, nur konzeptionell beschrieben, in Pilotprojekten erprobt oder dauerhaft im Regelbetrieb verankert sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ausführlichen Fallprofile, Vergleichsmatrizen, Quellen sowie ein Hinweis zur KI-gestützten Erstellung befinden sich in der [[12.3.A1 Vergleichende Recherche – Digitalisierung des Kulturerbes anderer Kulturen und Regionen|ausführlichen Vergleichsrecherche]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.5.1 RomArchive – Digitales Archiv der Roma ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Roma und Sinti sind eine transnationale Minderheit, die in zahlreichen europäischen Staaten lebt. RomArchive wurde von 2015 bis 2019 mit 3,75 Millionen Euro durch die Kulturstiftung des Bundes gefördert. Weitere Unterstützer waren unter anderem die Bundeszentrale für politische Bildung, das Auswärtige Amt und das Goethe-Institut. Seit 2019 wird das Archiv durch das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg betrieben.&amp;lt;ref name=&amp;quot;vergleich_romarchive&amp;quot;&amp;gt;RomArchive o. J.: Frequently Asked Questions. URL: https://www.romarchive.eu/en/about/frequently-answered-questions/; Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma e. V. o. J.: Imprint. URL: https://www.romarchive.eu/en/imprint/; Kulturstiftung des Bundes o. J.: RomArchive. URL: https://www.kulturstiftung-des-bundes.de/en/programmes_projects/film_and_new_media/detail/romarchive.html, jeweils abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Archiv präsentiert Kunst, Geschichte und Kultur aus der Perspektive der Roma. Kuratorische Teams und Beirat waren überwiegend mit Angehörigen der Minderheit besetzt. Neben öffentlich zugänglichen Inhalten existiert ein internes Archiv mit beschränktem Forschungszugang. Besonders lehrreich ist der bereits zu Projektbeginn geplante und später tatsächlich vollzogene Übergang an einen dauerhaften Betreiber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren und Learnings:''' &lt;br /&gt;
* Angehörige der Gemeinschaft sollten nicht nur Inhalte zuliefern, sondern festgelegte Entscheidungsrechte bei Auswahl, Beschreibung, Kontextualisierung und Zugangsregeln besitzen. &lt;br /&gt;
* Bereits zu Beginn einer Projektphase verbindlich klären, welche Institution das Register, Archiv oder Portal nach dem Ende der Förderung dauerhaft betreibt, pflegt und finanziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.5.2 Nuohtti – gemeinsamer Zugang zum Sámi-Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Sámi sind ein indigenes Volk im nordeuropäischen Sápmi, das sich über Teile Norwegens, Schwedens, Finnlands und Russlands erstreckt. Viele historische Sámi-Materialien befinden sich außerhalb der Sámi-Institutionen in europäischen Archiven und Museen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nuohtti ist ein gemeinsamer Suchdienst für digitalisierte Sámi-Materialien. Er wurde von 2018 bis 2021 mit Mitteln des Programms Interreg Nord der EU (Europäische Union) entwickelt. Beteiligt waren unter anderem die Sámi-Archive der finnischen und norwegischen Nationalarchive, das schwedische Reichsarchiv und mehrere Universitäten. Die Sámi-Parlamente Finnlands, Norwegens und Schwedens waren in der Steuerungsgruppe vertreten. Der Dienst führte nach Projektangaben etwa 30.000 Datensätze aus 32 Institutionen zusammen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;vergleich_nuohtti&amp;quot;&amp;gt;Nuohtti o. J.: About Nuohtti. URL: https://nuohtti.com/Content/about; University of the Arctic 2023: The Nuohtti service provides digital access to Sámi material in European archives. URL: https://www.uarctic.org/news/2023/3/the-nuohtti-service-provides-digital-access-to-sami-material-in-european-archives/, jeweils abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nuohtti übernimmt nicht alle Bestände in ein einziges System. Stattdessen werden Metadaten, also strukturierte Beschreibungsdaten zu Objekten und Beständen, aus vorhandenen Einrichtungen zusammengeführt und mit mehrsprachiger Suche, Karte und Zeitleiste zugänglich gemacht. Ethische Hinweise machen darauf aufmerksam, dass viele Bestände unter historischen und teilweise kolonialen Bedingungen gesammelt und beschrieben wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren und Learnings:''' &lt;br /&gt;
* Ein gemeinsamer Zugang kann auch mit dezentraler Architektur der Bestände erfolgen – Originale, Dateien und Fachsysteme können beim Kulturgutträger verbleiben.&lt;br /&gt;
* Ein Register für Kulturdaten kann als übergreifende Nachweisschicht arbeiten: Größere Einrichtungen liefern Daten über technische Schnittstellen, während kleine Träger zentrale oder gemeinsam bereitgestellte Erfassungsdienste nutzen können. &lt;br /&gt;
* Historische Fremdbeschreibungen sollten ergänzt werden durch Selbstbezeichnungen, eigene Sprachformen, alternative Benennungen und Kontexte der betreffenden Gemeinschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.5.3 People’s Collection Wales / Casgliad y Werin Cymru ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wales ist ein Landesteil des Vereinigten Königreichs mit einer eigenständigen nationalen und walisischsprachigen Identität. People’s Collection Wales ist eine zweisprachige Plattform für institutionelles und gemeinschaftlich getragenes Kulturerbe. Sie wird als Verbund der National Library of Wales, des National Museum Wales und der Royal Commission on the Ancient and Historical Monuments of Wales betrieben und durch die walisische Regierung finanziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben der technischen Plattform werden kostenlose Beratung und Schulungen zu Digitalisierung, Metadaten, Urheberrecht, Datenschutz und Oral History, also mündlich überlieferter und aufgezeichneter Geschichte, angeboten. Eine unabhängige Evaluation stellte Fortschritte bei der Zusammenarbeit und beim Kompetenzaufbau fest, benannte aber auch begrenzte Wirkungsnachweise, Finanzierungsrisiken und den hohen Personalaufwand für die Unterstützung der beteiligten Gemeinschaften.&amp;lt;ref name=&amp;quot;vergleich_wales&amp;quot;&amp;gt;Vittle, Kate / Haswell-Walls, Fran / Dixon, Tim; ERS Ltd. 2016: Evaluation of the Casgliad y Werin Cymru / People’s Collection Wales Digital Heritage Programme. Impact Report. URL: https://www.gov.wales/sites/default/files/publications/2019-08/evaluation-of-the-peoples-collection-wales-digital-heritage-programme-impact.pdf; People’s Collection Wales o. J.: Community Support. URL: https://www.peoplescollection.wales/about-us/community-support, jeweils abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren und Learnings:''' &lt;br /&gt;
* Kleine und ehrenamtlich betreute Sammlungen benötigen nicht nur technische Standards, sondern konkrete und dauerhaft verfügbare Dienstleistungen: Erstberatung, Schulung, Vorlagen, Unterstützung bei Rechtefragen, Qualitätskontrolle und persönliche Ansprechpartner. &lt;br /&gt;
* Ein Digitalisierungszentrum oder ein Verbund koordinierter Digitalisierungsdienste sollte daher als Service- und Kompetenzstruktur ausgestaltet werden und nicht lediglich als technische Produktionsstelle. &lt;br /&gt;
* Der dafür notwendige Beratungs- und Unterstützungsaufwand muss als dauerhafte Betriebsaufgabe eingeplant werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.5.4 Tobar an Dualchais / Kist o Riches ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schottisch-Gälisch ist eine Minderheitensprache, die vor allem in den Highlands und auf den schottischen Inseln gesprochen wird. Tobar an Dualchais macht mehr als 40.000 seit den 1930er Jahren entstandene Tonaufnahmen zugänglich. Die Bestände umfassen Erzählungen, Lieder, Musik, Gedichte und mündlich überliefertes Wissen auf Gälisch, Scots und Englisch. Ein bedeutender Teil der Originalbestände wird in den School of Scottish Studies Archives der Universität Edinburgh verwahrt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;vergleich_tobar&amp;quot;&amp;gt;University of Edinburgh 2024: Tobar an Dualchais / Kist o Riches. URL: https://gaelic.ed.ac.uk/gaelic-collections/tobar-an-dualchais-kist-o-riches; Scottish Government 2025: Rediscovering lost Gaelic words. URL: https://www.gov.scot/news/rediscovering-lost-gaelic-words/, jeweils abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Digitalisierung wird mit Verschriftlichung beziehungsweise Transkription, sprachlicher Erschließung, Freiwilligenarbeit und teilweise automatischer Spracherkennung verbunden. Das Projekt erhält wiederkehrende öffentliche Förderungen, muss Rechteklärung, Transkription und technische Weiterentwicklung jedoch dauerhaft fortsetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren und Learnings:''' &lt;br /&gt;
* Gefährdete Ton-, Film- und Videobestände müssen wegen Materialverfall, beschädigungsanfälliger Trägermaterialien und nicht mehr verfügbarer Wiedergabetechnik zeitlich priorisiert werden. &lt;br /&gt;
* Ein geeignetes Pilotprojekt kann Digitalisierung, Rechteklärung, Verschriftlichung, Übersetzung, Metadatenerfassung, Archivierung und Bildungsnutzung entlang einer vollständigen Prozesskette verbinden. &lt;br /&gt;
* Dadurch werden nicht nur einzelne Dateien erzeugt, sondern zugleich die notwendigen Standards, Zuständigkeiten und Aufwände erprobt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.5.5 Euskariana – Portal zum baskischen Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Baskinnen und Basken leben in Gebieten Spaniens und Frankreichs. Euskariana ist das staatlich betriebene Kulturportal der Autonomen Gemeinschaft Baskenland in Spanien. Es wird durch die Digitale Bibliothek Euskadi betrieben und verbindet Daten der baskischen Regierung, der Provinzen, Kommunen, Universitäten sowie öffentlicher, kirchlicher und privater Einrichtungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Portal ist zugleich gemeinsamer Katalog und Zugang zu digitalen Objekten. Es kann Inhalte über ein eigenes Repositorium, also ein institutionell betriebenes digitales Ablage- und Erhaltungssystem, bereitstellen oder zu den Systemen der Partner verlinken. Verwendet werden internationale Standards wie Dublin Core als allgemeiner Metadatenstandard, METS (Metadata Encoding and Transmission Standard) zur Strukturierung und Übertragung digitaler Objekte, PREMIS (Preservation Metadata: Implementation Strategies) für Metadaten zur digitalen Langzeiterhaltung und ALTO (Analyzed Layout and Text Object) für erkannte Texte und Seitenlayouts. Die standardisierten Daten können unter anderem an Europeana weitergegeben werden.&amp;lt;ref name=&amp;quot;vergleich_euskariana&amp;quot;&amp;gt;Gobierno Vasco / Biblioteca Digital de Euskadi o. J.: Acerca de Euskariana. URL: https://www.euskariana.euskadi.eus/euskadibib/es/help/about.do, abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren und Learnings:''' &lt;br /&gt;
* Unterschiedliche Kulturgutträger benötigen unterschiedliche Anschlussmöglichkeiten. &lt;br /&gt;
** Kleine Einrichtungen sollten Daten und gegebenenfalls Dateien in zentral bereitgestellten Diensten erfassen und verwalten können. &lt;br /&gt;
** Größere Institutionen sollten ihre vorhandenen Systeme über Datenexporte oder Programmierschnittstellen anbinden können. &lt;br /&gt;
* Dafür ist ein gemeinsamer, bewusst schlank gehaltener Metadatenkern erforderlich, der durch fach- und institutionsspezifische Angaben erweitert werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.5.6 Mukurtu und Plateau Peoples’ Web Portal ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mukurtu ist eine frei verfügbare Software für die gemeinschaftlich kontrollierte Verwaltung digitalen indigenen Kulturerbes. Das Plateau Peoples’ Web Portal verbindet acht indigene Nationen des nordwestlichen Plateaus der USA mit der Washington State University und mehreren Museen und Archiven. Stammesvertreter wählen und beschreiben die Inhalte; die Universität übernimmt wesentliche technische Betriebsaufgaben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mukurtu ermöglicht kulturelle Protokolle, also gemeinschaftlich festgelegte Regeln für Zugang und Nutzung, Traditional Knowledge Labels als Kennzeichnungen für überliefertes gemeinschaftliches Wissen sowie mehrere Beschreibungen zu demselben Objekt. Dadurch kann neben einer institutionellen Museumsbeschreibung eine Beschreibung der Herkunftsgemeinschaft stehen. Zugänge können von vollständig öffentlich bis streng beschränkt reichen. Mukurtu weist ausdrücklich darauf hin, dass die Plattform vor allem dem Zugang und der gemeinschaftlichen Verwaltung dient und ein gesondertes Konzept für Digitalisierung, Langzeiterhaltung, Personal und Finanzierung erforderlich bleibt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;vergleich_mukurtu&amp;quot;&amp;gt;Mukurtu CMS / Washington State University o. J.: About. URL: https://mukurtu.org/about/; Plateau Peoples’ Web Portal. URL: https://mukurtu.org/project/plateau-peoples-web-portal-showcase/, jeweils abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren und Learnings:''' &lt;br /&gt;
* Rechte und kulturelle Sensibilität müssen als Bestandteil des Datenmodells behandelt werden und dürfen nicht erst unmittelbar vor einer Veröffentlichung geprüft werden. &lt;br /&gt;
* Sinnvoll sind abgestufte Kategorien wie &lt;br /&gt;
** „nur Metadaten öffentlich“, &lt;br /&gt;
** „öffentliches Nutzungsdigitalisat“, &lt;br /&gt;
** „Zugang nach Rücksprache“, &lt;br /&gt;
** „beschränkter Gemeinschafts- oder Forschungszugang“, &lt;br /&gt;
** „zeitlich gesperrt“ und &lt;br /&gt;
** „nicht zugänglich“. &lt;br /&gt;
* Mehrere Beschreibungen zu demselben Objekt ermöglichen es außerdem, institutionelle Überlieferung und Selbstbeschreibung nebeneinander nachvollziehbar zu dokumentieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.5.7 Indigitization – zentrale Unterstützung für dezentrale Digitalisierung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Indigitization unterstützt First Nations und weitere indigene Gemeinschaften in British Columbia in Kanada. Das Programm wird gemeinsam von indigenen Organisationen, Bibliotheken, Archiven und Hochschulen getragen. Es stellt einen Werkzeugkasten, Schulungen, Musterunterlagen, technische Beratung und Förderhilfen bereit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von 2013 bis 2019 wurden drei Pilotprojekte und 45 weitere Projekte gefördert. Dabei wurden mehr als 11.000 Audiokassetten digitalisiert. Die Digitalisierung erfolgte in den Gemeinschaften; eine allgemeine Veröffentlichung war nicht zwingend. Das frühere Förderprogramm für Audiokassetten befindet sich inzwischen allerdings in einer Pause.&amp;lt;ref name=&amp;quot;vergleich_indigitization&amp;quot;&amp;gt;Indigitization o. J.: About Us. URL: https://www.indigitization.ca/about-2/; Indigitization Toolkit. URL: https://www.indigitization.ca/toolkit/; Audio Cassette Digitization Grant. URL: https://www.indigitization.ca/funding/audio-cassette-grant/, jeweils abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren und Learnings:''' &lt;br /&gt;
* Zentral bereitgestellte Kompetenz lässt sich mit dezentraler Verantwortung verbinden. &lt;br /&gt;
* Ein Digitalisierungszentrum oder ein Verbund gemeinsamer Dienste kann Schulungen, Leih- und Mobiltechnik, Qualitätsprüfung, Rahmenverträge, Musterunterlagen, Beratung und Kleinprojektförderung anbieten. &lt;br /&gt;
* Originale, lokales Wissen und kulturelle Beziehungen können grundsätzlich bei den jeweiligen Kulturgutträgern verbleiben. &lt;br /&gt;
* Damit nach Abschluss einzelner Digitalisierungsprojekte keine ungesicherten Dateien zurückbleiben, sollte jedoch von Beginn an ein gemeinsames oder verbindlich angebundenes Repositorium beziehungsweise digitales Archiv vorgesehen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.5.8 Schlussverdichtung: vier Funktionen, sechs Handlungsfelder und drei Prioritäten ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus den untersuchten Beispielen lässt sich kein einzelnes Projekt und kein bestimmtes Softwaresystem ableiten, das unverändert übernommen werden könnte. Die wichtigsten Erkenntnisse lassen sich jedoch in drei Fragen ordnen:&lt;br /&gt;
* '''Was muss aufgebaut werden?''' – vier miteinander verbundene Funktionen,&lt;br /&gt;
* '''Worauf kommt es beim Aufbau an?''' – sechs Handlungsfelder,&lt;br /&gt;
* '''In welcher Reihenfolge sollte vorgegangen werden?''' – drei Prioritätsstufen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Vier Funktionen – was aufgebaut werden muss ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot; style=&amp;quot;width:100%;&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Funktion&lt;br /&gt;
! Leitfrage&lt;br /&gt;
! Kernaufgabe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''1. Register für Kulturdaten'''&lt;br /&gt;
| Was ist vorhanden und was sollte zuerst bearbeitet werden?&lt;br /&gt;
| Kulturgüter, Sammlungen und digitale Bestände nachweisen, Standorte und verantwortliche Träger benennen, Rechte- und Digitalisierungsstatus dokumentieren und Prioritäten unterstützen. Das Register muss nicht alle Dateien selbst speichern.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''2. Digitalisierungszentrum / Digitalisierungsdienste'''&lt;br /&gt;
| Wie werden Kulturgüter qualitätsgesichert digitalisiert?&lt;br /&gt;
| Kulturgutträger beraten, Bestände bewerten, Digitalisierung vorbereiten oder durchführen, Metadaten erfassen, die Qualität prüfen und Dateien für die Übergabe an ein Repositorium vorbereiten.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''3. Repositorium / digitales Langzeitarchiv'''&lt;br /&gt;
| Wie bleiben Dateien und Metadaten dauerhaft erhalten?&lt;br /&gt;
| Erhaltungsgeeignete Masterdateien und Metadaten übernehmen, ihre Unversehrtheit prüfen, Sicherungskopien vorhalten und spätere Format- oder Systemwechsel ermöglichen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''4. Präsentations- und Nutzungssysteme'''&lt;br /&gt;
| Wie werden freigegebene Inhalte zugänglich und nutzbar?&lt;br /&gt;
| Inhalte mehrsprachig und verständlich vermitteln, zitierbar machen und – soweit rechtlich und kulturell zulässig – für Bildung, Forschung und kulturelle Nachnutzung bereitstellen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die vier Funktionen müssen über gemeinsame Standards und geregelte Übergaben miteinander verbunden sein. Sie müssen jedoch nicht zwingend von vier verschiedenen Einrichtungen betrieben werden. Entscheidend ist, dass für jede Funktion Auftrag, Verantwortung, Finanzierung und Qualitätsanforderungen eindeutig benannt sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Drei Prioritäten und sechs Handlungsfelder – wie aufgebaut werden sollte ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot; style=&amp;quot;width:100%;&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Priorität&lt;br /&gt;
! Handlungsfeld&lt;br /&gt;
! Verdichtete Erfolgsfaktoren und Learnings&lt;br /&gt;
! Besonders betroffene Funktionen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Prio 1) &amp;lt;br&amp;gt; Rahmen festlegen'''&lt;br /&gt;
| '''1. Gemeinsam entscheiden und Zugänge regeln'''&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* Angehörige der Gemeinschaft und die jeweiligen Kulturgutträger benötigen festgelegte Entscheidungsrechte bei Auswahl, Beschreibung, Priorisierung und Veröffentlichung.&lt;br /&gt;
* Rechte und kulturelle Sensibilität müssen von Anfang an berücksichtigt werden. Zwischen frei zugänglichen, eingeschränkt zugänglichen und nicht öffentlichen Inhalten muss unterschieden werden können.&lt;br /&gt;
| Alle vier Funktionen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Prio 1) &amp;lt;br&amp;gt; Rahmen festlegen'''&lt;br /&gt;
| '''2. Dauerbetrieb und Finanzierung sichern'''&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* Für jede Funktion muss früh feststehen, wer sie nach dem Ende einer Projektförderung dauerhaft betreibt, pflegt und finanziert.&lt;br /&gt;
* Projektmittel können Aufbau und Erprobung ermöglichen, ersetzen aber keine dauerhafte Finanzierung von Personal, Technik, Speicher, Beratung, Datenpflege und späteren Systemwechseln.&lt;br /&gt;
| Alle vier Funktionen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Prio 1) &amp;lt;br&amp;gt; Rahmen festlegen'''&lt;br /&gt;
| '''3. Standards und Langzeiterhaltung festlegen'''&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* Ein gemeinsamer Metadaten-, Sprach- und Qualitätskern muss die beteiligten Einrichtungen und Systeme verbinden.&lt;br /&gt;
* Mehrere Sprachen und Sprachvarianten müssen als eigenständige Datenwerte berücksichtigt werden und dürfen nicht nur als Übersetzungen der Benutzeroberfläche behandelt werden.&lt;br /&gt;
* Kein Digitalisat sollte ohne festgelegtes Zielrepositorium, geeignete Dateiformate, Sicherungskonzept und späteren Migrationsweg erzeugt werden.&lt;br /&gt;
| Vor allem Register, Digitalisierungsdienste und Repositorium&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Prio 2) &amp;lt;br&amp;gt; Erproben und aufbauen'''&lt;br /&gt;
| '''4. Bestände priorisieren und die vollständige Kette pilotieren'''&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* Bestände sollten nach Gefährdung, kultureller Bedeutung, Nutzungspotenzial, Rechteklarheit und Aufwand priorisiert werden.&lt;br /&gt;
* Pilotprojekte sollten nicht nur einzelne Dateien erzeugen, sondern den gesamten Weg vom Register über Rechteklärung und Digitalisierung bis zur Archivierung und Präsentation erproben.&lt;br /&gt;
* Zeit, Kosten, Qualitätsprobleme und offene Zuständigkeiten müssen dabei dokumentiert werden.&lt;br /&gt;
| Alle vier Funktionen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Prio 2) &amp;lt;br&amp;gt; Erproben und aufbauen'''&lt;br /&gt;
| '''5. Zentral unterstützen und dezentral verantworten'''&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* Gemeinsame Stellen sollten Beratung, Schulung, Digitalisierungstechnik, Rechtehilfe, Qualitätskontrolle und Langzeiterhaltung anbieten.&lt;br /&gt;
* Originale, lokales Wissen und kulturelle Entscheidungen können grundsätzlich bei den jeweiligen Kulturgutträgern verbleiben.&lt;br /&gt;
* Kleine und große Einrichtungen benötigen unterschiedliche Anschlusswege an die gemeinsame Infrastruktur.&lt;br /&gt;
| Vor allem Register, Digitalisierungsdienste und Repositorium&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Prio 3) &amp;lt;br&amp;gt; Auf gesicherter Grundlage ausbauen'''&lt;br /&gt;
| '''6. Mehrsprachig vermitteln, Nachnutzung ermöglichen und Wirkung prüfen'''&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* Digitale Inhalte benötigen verständliche kulturelle und historische Kontexte; die bloße Anzeige einer Datei genügt nicht.&lt;br /&gt;
* Präsentation, Download, Zitation und technische Nachnutzung sollten ermöglicht werden, soweit Rechte und kulturelle Interessen dies zulassen.&lt;br /&gt;
* Erfolg sollte nicht nur anhand veröffentlichter Objekte und Seitenaufrufe, sondern auch anhand von Bildungsnutzung, Forschung, Datenqualität, kultureller Nachnutzung und Rückmeldungen der Gemeinschaft bewertet werden.&lt;br /&gt;
| Vor allem Präsentationssysteme sowie die Datenlieferung aus Register und Repositorium&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die dritte Prioritätsstufe ist nicht weniger wichtig als die ersten beiden. Präsentation und Nutzung sind ein wesentliches Ziel der Digitalisierung und sollten bereits in Pilotprojekten erprobt werden. Ein breiter Ausbau sollte jedoch erst erfolgen, wenn Zuständigkeiten, Rechte, Standards, Archivierung und dauerhafter Betrieb ausreichend gesichert sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusammengefasst gilt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:''Erst gemeinsam entscheiden, Finanzierung und Standards sichern; dann Bestände priorisieren, die vollständige Kette erproben und die Kulturgutträger unterstützen; erst danach Präsentation und Nachnutzung breit ausbauen.''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein ausführliches Prüfraster zur Bewertung des jeweiligen Entwicklungsstandes befindet sich in der [[12.3.A1 Vergleichende Recherche – Digitalisierung des Kulturerbes anderer Kulturen und Regionen#Prioritäten und Prüfkriterien für den Aufbau|vergleichenden Recherche]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Referenzen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Měrko Šenk</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://koncept.serbski-inkubator.de/index.php?title=12.3_Digitalisierung_des_Kulturerbes&amp;diff=1075</id>
		<title>12.3 Digitalisierung des Kulturerbes</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://koncept.serbski-inkubator.de/index.php?title=12.3_Digitalisierung_des_Kulturerbes&amp;diff=1075"/>
		<updated>2026-07-22T13:32:09Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Měrko Šenk: /* 2.5 Beispiele anderer Kulturen und Regionen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;= 1 Einleitung =&lt;br /&gt;
Die Digitalisierung von sorbischem Kulturerbe ist eine historische Chance für uns Sorben, eine Chance, unser kulturelles Erbe neu zu entdecken, es für kommende Generationen zu erhalten, für eine breitere Öffentlichkeit zugänglich zu machen und dabei die eigene Deutungshoheit zu stärken. Das erfordert neben Mut, einer klaren gemeinsamen Vision, starker Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Akteuren auch die notwendigen Ressourcen in Form von Personal mit entsprechenden Kompetenzen, passender Technik sowie einer nachhaltig gesicherten Finanzierung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im folgenden Abschnitt werden Zielbilder für die Digitalisierung des sorbischen Kulturerbes entworfen mittels lang- und kurzfristiger Visionen sowie konkreter Ziele.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 1.1 Visionen und Ziele für die sorbische digitale Welt ==&lt;br /&gt;
'''Vision 2035'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
''Sorbisches materielles und immaterielles Kulturerbe ist systematisch digital erfasst, rechtssicher und langfristig gesichert, leicht auffindbar, offen nutzbar und wird aktiv von Interessierten genutzt.''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Konkrete Ziele'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bis 2032 ist ein tragfähiges, finanziell und organisatorisch abgesichertes Modell etabliert, das:&lt;br /&gt;
* Ein zentrales (oder föderiertes) digitales Langzeitarchiv nach OAIS-Referenzmodell betreibt,&lt;br /&gt;
* klare Zuständigkeiten, Prozesse und Budgets definiert,&lt;br /&gt;
* regelmäßige Qualitätssicherung und Technik-Updates vorsieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis 2030 sind wichtige sorbische Kulturerbe-Bestände (Kernbestände nach fachlicher Festlegung) in hoher Qualität digitalisiert, beschrieben und im Langzeitarchiv gesichert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis 2028 liegt eine institutionenübergreifende Übersicht über relevante Kulturerbe-Bestände (analog und digital, materiell und immateriell) vor, einschließlich einer Prioritätenliste für die Digitalisierung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis 2028 existiert ein zentrales, nutzerfreundliches „Sorbisches Kulturerbe-Portal“, das:&lt;br /&gt;
* Suchzugang über alle teilnehmenden Institutionen ermöglicht,&lt;br /&gt;
* grundlegende Inhalte frei zugänglich bereitstellt,&lt;br /&gt;
* mehrsprachige Oberflächen anbietet (Deutsch, Obersorbisch, Niedersorbisch, Englisch).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= 2 IST-Analyse „Digitalisierung von Kulturerbe“ =&lt;br /&gt;
Das Ziel in diesem Themenbereich ist es, sorbisches Kulturerbe digital zu verwalten und damit langfristig für Recherche, Nutzung und Präsentation vorzuhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Abschnitt &amp;quot;IST-Analyse“ werden die folgenden Fragen beantwortet: Was ist sorbisches Kulturerbe und was zählt alles dazu? Welche Schritte durchläuft ein Kulturgut, um zum digitalen Kulturerbe zu gehören? Wie können die digitale Verwaltung, Archivierung, Nutzung und Präsentation von Kulturgütern umgesetzt werden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die grundlegenden Terminologien des Kulturerbes sollen im Folgenden festgelegt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2.1 Terminologie – von Kultur zu Kulturerbe ==&lt;br /&gt;
In diesem Abschnitt werden die Begriffe rund um das Kulturerbe grundlegend definiert. Es soll ein Verständnis über die Begriffe Kultur, kulturelle Ausprägung, Kulturgut und Kulturerbe erreicht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K1.png|center|260px]]&amp;lt;ref&amp;gt;Mermaid Flowchart Code: [https://mermaid.live/edit#pako:eNpF0UtuwyAQBuCroFlaTuRHTGMvKuWxq7pqV627IGZso2CIMChtk9ymN-nFimmasmJGfP-AOEGjOUIFrdTHpmfGkudtrWpF_Fq9RtGDk9aZKHojU-_aJ7PZ_bmGgSnR4mgFejaKpidC1XAmq8zDfYAoJZKVG7lxzX5stRl81C0_uwYdheGEubHD4_dXLy1hcpyC1rcLdM4GOLH1Ve2E5Gj9TPLkhgEnsLkBNDsMAmLojOBQWeMwhgHNwKYSTuFBYHucbOW3HFvmcQ21unh2YOpF6-FPGu26HqrW381X7sCZxa1gnWH_R1BxNBvtlIUqTUMEVCd49xVdzpeLMs1pXmRFXiY0hg-o8iyZL_LFXZaVSTJ1LzF8hqHJnBZ5WhZLWt5RmtIsBuTCavP4-2Hh3y4_NXaMmw hier klicken], abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.1 Kultur ===&lt;br /&gt;
Kultur bezeichnet hier die Gesamtheit aller '''vom Menschen geschaffenen und erlernten Ausdrucksformen''' des Lebens, die auf gemeinsamen Werten und Verhaltensweisen beruhen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;wiki-kultur&amp;quot;&amp;gt;URL: https://de.wikipedia.org/wiki/Kultur&amp;lt;/ref&amp;gt; Dazu zählen '''materielle Ergebnisse''' (z. B. Kunstwerke, Technik) ebenso wie '''immaterielle Praktiken''' (Sprache, Bräuche, Wissen). Kultur umfasst laut der UNESCO geistige, materielle, intellektuelle und emotionale Merkmale, die eine Gesellschaft oder soziale Gruppe kennzeichnen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mondiacult&amp;quot;&amp;gt;UNESCO 1982: Mexico City Declaration on Cultural Policies (MONDIACULT). URL: https://www.lacult.unesco.org/docc/1982_MONDIACULT.pdf&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;ref name=&amp;quot;cultureaction&amp;quot;&amp;gt;Culture Action Europe 2024: The State of Culture report. URL: https://cultureactioneurope.org/de/news/the-state-of-culture-report-published, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;  Sie ist dynamisch und wird von jeder Generation neu gestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das deutsche Wort „Kultur“ ist eine Eindeutschung des lateinischen Worts „cultura“. Dieses bedeutet ursprünglich „Bebauung, Bearbeitung, Bestellung, Pflege“ und meinte sowohl die physische Bearbeitung als auch die Pflege geistiger Güter, z. B. der Sprache.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.2 Kulturelle Ausdrucksform ===&lt;br /&gt;
Eine kulturelle Ausdrucksform ist eine '''konkrete, gegenwärtige oder historische, Manifestation von Kultur''', bspw. eine Zeichnung, eine Tracht oder ein Lied: Sie macht die Kultur sichtbar und erlebbar. Im engeren Sinne ist es eine Ausdrucksweise, die aus der Kreativität einer Person, Gruppe oder Gesellschaft entsteht und '''kulturellen Inhalt''' trägt (symbolische Bedeutung, künstlerische Dimension, kulturelle Werte).&amp;lt;ref&amp;gt;Österreichische UNESCO-Kommission 2007: Übereinkommen zum Schutz und zur Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen, Art. 4, Seite 13. URL: https://www.unesco.at/fileadmin/Redaktion/Publikationen/Publikations-Dokumente/2005er_UNESCO-Convention_German.pdf, abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt; Sie wird innerhalb und zwischen Gemeinschaften weitergegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle kulturellen Ausdrucksformen bilden einen wesentlichen Kern von Kultur, aber Kultur enthält auch latente Dimensionen (Werte, Normen, Vorannahmen etc.), die nicht unmittelbar als Ausdrucksform erscheinen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.3 Kulturgut ===&lt;br /&gt;
Ein „Kulturgut“ ist '''eine einzelne kulturelle Ausdrucksform''', der ein '''besonderer kultureller Wert zugemessen wird''' (durch Anerkennung, Schutz, Bedeutung). Es ist somit ein Erzeugnis menschlicher Kreativität oder Zeugnis menschlichen Lebens, welches '''Bedeutung für die Kultur einer Gemeinschaft''' hat und daher '''Bestand haben und bewahrt werden soll'''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die '''Summe aller Kulturgüter''' einer Gemeinschaft wird als dessen '''Kulturerbe''' bezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.4 Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
Kulturerbe ist die '''Summe der materiellen und immateriellen Ausdrucksformen''' (= Kulturgüter) einer Kultur, die als „'''bewahrenswert'''“ anerkannt wurden. International umfasst das u. a. das '''Welterbe''' (Denkmäler, Ensembles, Stätten)&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO (1972), Welterbekonvention, Art. 1. URL: https://www.dnk.de/wp-content/uploads/2021/02/1972_DNK_UNESCO-Welterbekonvention.pdf (abgerufen am 11.09.2025).&amp;lt;/ref&amp;gt; und das '''Immaterielles Kulturerbe''' (Praktiken, Wissen).&amp;lt;ref&amp;gt;Deutsche UNESCO-Kommission o. J.:, Übereinkommen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes (dt. Ausgabe). URL: https://www.unesco.de/assets/dokumente/Deutsche_UNESCO-Kommission/02_Publikationen/Publikation_UNESCO-%C3%9Cbereinkommen_zur_Erhaltung_des_immateriellen_Kulturerbes_01.pdf, (abgerufen am 11.09.2025).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ob etwas „zum Kulturerbe“ zählt, ist Ergebnis von Bewertung, Diskurs und teils formellen Verfahren. Dem Sorbischen Kulturregister (SKR) zufolge ist „sorbisch-wendisches Kulturerbe“ eine Zuschreibung, die durch Gesellschaft, Museen, Archive und Wissenschaft erfolgen kann.&amp;lt;ref&amp;gt;Sorbisches Institut 2025: Konzept für ein Sorbisches Kulturregister (SKR). URL: https://www.serbski-institut.de/wp-content/uploads/2021/11/00_Zweite-aktualisierte-Fassung_Konzept_Sorbisches-Kulturregister_20.11.2025.pdf, abgerufen am 20.11.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.5 Abgrenzung: Kultur und Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
'''Kultur / Kulturelle Ausdrucksform''' sind als Begriffe weiter gefasst als '''Kulturgut / Kulturerbe'''. Kulturelle Ausdrucksformen umfassen alles Gelebte und Gestaltete einer Gemeinschaft in Gegenwart und Vergangenheit, während Kulturgut / Kulturerbe diejenigen kulturellen Güter und Traditionen meint, denen eine Bedeutung beigemessen wurde und die als bewahrens- und weitergebenswert erkannt wurden. Kultur ist der „aktuelle“ kreative Prozess (einschließlich Popkultur, Alltagskultur), Kulturerbe der daraus überkommene Schatz. Dennoch sind die Grenzen fließend: Was heute nur Kultur ist, kann morgen zum Kulturerbe erklärt werden – abhängig von Wertzuschreibung und Diskurs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Rahmen dieses Dokuments werden für den sorbischen Kontext die Begriffe '''„kulturelle Ausdrucksform“''' und '''„Kulturgut“''' weitgehend '''synonym''' verwendet, sofern nicht ausdrücklich anders gekennzeichnet. Hintergrund ist, dass die Gesamtzahl der identifizierbaren kulturellen Ausdrucksformen einer kleinen Minderheit wie der Sorben/Wenden im Vergleich zu großen Mehrheitsgesellschaften überschaubar ist. Zugleich ist der Anteil dieser Ausdrucksformen, denen in der Community ein besonderer Wert beigemessen wird und die daher faktisch als Kulturgut wahrgenommen und behandelt werden, sehr hoch: Ein großer Teil des gelebten kulturellen Repertoires wird als identitätsstiftend und bewahrenswert verstanden und damit dem Kulturerbe zugerechnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2.2 Klassifizierung von Kulturgütern ==&lt;br /&gt;
Im Folgenden soll eine griffige Klassifizierung von Kulturgütern entwickelt werden, so dass pro Kulturgut-Klasse später auf die Besonderheiten ihrer Digitalisierung eingegangen werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K2.png|center|600px]]&amp;lt;ref&amp;gt;Mermaid Flowchart Code: [https://mermaid.live/edit#pako:eNptlM9u00AQxl9ltFWoFDlp_C9OjISU2KSgUCq1BSRIDxt77Syxd6v1mkKjSDwBlThw4YCEeuXOoeLSN-EF4BHYjZOQQG67-32_2ZnZsWco4jFBPqrVZpRR6cNsP8n4ZTTBQu7rHVP66QWOKEvV3nQM2BeYTf8eea35fF6rjdiIrUl4cjJiAMPDV_X6sMxkKdJS1uvnvu9PtRGgp5ReE46wJIKSLIOf779CycbkkqQZjSb1Ovz-cv351_drDWGN9BXS_xfZBj7dLoGxBgIFBE14nOcrZGH68E07Iu0IlSNsQkhTKnGlfvyh1bjKcngIjcYD6G2s-xvrYGMdLuuqAFOXZ0IflzFh0xxn5OBU3t1ISZhqw6KaKpo29k04jSaCJrLq0oZsa9mCAZc8FTihhBnQp1ksxd1NSsS22dFmG3oMZzwl0HveONtlc7XNATtsHI9fk6kkC3nRsKoqnVNgwrFQaUOvLGJRRtMi4SJfZ790WtppQYhFIVV7CYsJDO9uWbEMujbqOgIbTqgsddB7MCD_eXT6gQMvaFEQBlclPMVqcA6eMfqGiKLMt926isCFM4FjKiln-voCHmEWXxIxXZcUVo-jSwrVe3DBGvHqtc83DLqS0FpNAi3wRluiDBdFSBIYQ0KzzN_r265jPjQinnHh7yVJYhRS8ClZKfe3KLyk2oHneuEuqlK2qWhJWYPOwGnvoiplm4qXVMd17V5rF1UpikIGSgWNkS9FSQyUE5FjvUUzHXGE5ITkZIR8tYxJgtVXPEIjNlfYBWYvOc9XpOBlOkF-grNC7cqLWPUupFjNa74-FXo0RMBLJpFvWtYiCPJn6C3yG7bTNO2u6Tidrue0W13HQO_Usdtquuqg1bG6TtvzPNuZG-hqcXGr2baV5NhuyzId13XbBiJqDrg4qn5ni7_a_A_W9oMu hier klicken], abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.1 A. Materiell - unbeweglich 🏛️ ===&lt;br /&gt;
„Materiell - unbeweglich&amp;quot; bezeichnet ortsfeste Kulturobjekte wie Bauwerke, Ensembles, Gebäudekomplexe und Stätten/Kulturlandschaften, wie sie in Art. 1 der UNESCO-Welterbekonvention als Kategorien des kulturellen Erbes definiert sind.&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO World Heritage Centre o. J.: Convention Concerning the Protection of the World Cultural and Natural Heritage, Artikel 1. URL: https://whc.unesco.org/en/conventiontext/, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.2 B. Materiell - beweglich 🖼️ ===&lt;br /&gt;
Die Kategorie „Materiell - beweglich&amp;quot; umfasst bewegliche Sachen bzw. Sachgesamtheiten von kulturellem Wert (z. B. Objekte, Sammlungen), wie sie das deutsche Kulturgutschutzgesetz (§ 2 KGSG)&amp;lt;ref&amp;gt;Deutschland 2016: Kulturgutschutzgesetz (KGSG), § 2. URL: https://www.buzer.de/2_KGSG.htm, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt; als „Kulturgut“ beschreibt.&lt;br /&gt;
* B1 '''Schriftgut''' - Bücher, Zeitungen, Handschriften, Archivgut, Graphiken, Pläne, Karten&lt;br /&gt;
* B2 '''Fotografien &amp;amp; Bildträger''' &lt;br /&gt;
** Fotografisch erzeugte statische Bildträger, auch Stillbildträger genannt, z. B. Positive/Negative auf Film/Platte/Photopapier, Dias, Abzüge, Mikrofilm/-fiche und vergleichbare fotografische Repro-Träger.&lt;br /&gt;
* B3 '''Analoge AV-Träger''' (Audio/Video/Film)&lt;br /&gt;
** Analoge zeitbasierte Medien, z. B. Magnetton (Tonband, Kassette), Schallplatte, Videobänder, Film.&lt;br /&gt;
* B4 '''3D-Objekte''' - Gegenstände, „sachkulturelle Artefakte“&amp;lt;ref&amp;gt;Sorbisches Institut o. J.: Konzept zum Digitalisierungszentrum am Sorbischen Institut, S. 24.&lt;br /&gt;
(Unveröffentlichtes Konzeptpapier; interne Projektunterlage.)&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.3 C. Immateriell 🎭 ===&lt;br /&gt;
Meint lebendige Praktiken, Darstellungen, Ausdrucksformen, Ideen, Werte, Wissen und Fertigkeiten, die von Gemeinschaften getragen und weitergegeben werden, gemäß der folgenden 5 UNESCO ICH-Domänen.&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO o. J.: Intangible Cultural Heritage – Five Domains. URL: https://ich.unesco.org/doc/src/01857-EN.pdf, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* C1 '''Orale Traditionen/Ausdrucksformen''' - Sprache, Gesangstraditionen&lt;br /&gt;
* C2 '''Darstellende Künste''' - Musik, Tanz, Theater&lt;br /&gt;
* C3 '''Rituale &amp;amp; Feste''' - Bräuche und soziale Praktiken des Kalenders und Lebenslaufs&lt;br /&gt;
* C4 '''Wissen &amp;amp; Praktiken''' zu Natur &amp;amp; Universum - Heil- und Sammelkenntnisse, ökologisches und astronomisches Wissen, Glaube, Religion&lt;br /&gt;
* C5 '''Traditionelles Handwerk''' - Techniken, Werkzeuge und Gestaltungsmuster&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.4 D. Digital 💾 ===&lt;br /&gt;
Bezeichnet in digitaler Form vorliegende Ressourcen menschlichen Wissens und Ausdrucks. Diese können sowohl born-digital sein als auch digitalisierte Repräsentationen von materiellen und immateriellen Kulturgütern.&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO 2003: Charter on the Preservation of Digital Heritage. URL: https://www.unesco.org/en/legal-affairs/charter-preservation-digital-heritage, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* D1 '''Born-digital''' (ursprünglich digital erzeugt, kein analoges Original), z. B. Webseiten, Social-Media-Beiträge, Software, Apps, Spiele, digitale Fotos/Audio/Video.&lt;br /&gt;
* D2 '''Digitalisate''' - Digitalisierte Repräsentationen/Derivate aus den Klassen A, B und C.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2.3 Begriffe und Funktionsbausteine der Kulturerbe-Digitalisierung ==&lt;br /&gt;
Die vorherigen Abschnitte haben geklärt, was unter Kulturerbe verstanden wird und welche Arten von Kulturgütern unterschieden werden. Bevor der nachfolgende Abschnitt den Prozess der Kulturerbe-Digitalisierung beschreibt, werden in diesem Abschnitt die dafür wichtigsten Arbeitsbegriffe und Funktionen erläutert. Der Abschnitt soll dabei die Frage beantworten: Welche Arbeitsabläufe und Funktionen sind notwendig, damit Kulturgüter nicht nur digital erfasst, sondern auch gefunden, verstanden, gesichert und genutzt werden können?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erläuterungen sollen eine gemeinsame und leicht verständliche Grundlage schaffen für alle, die an der Digitalisierung von Kulturerbe interessiert sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.3.1 Vom Kulturgut zur digitalen Repräsentation ===&lt;br /&gt;
Dieser Abschnitt erklärt, was bei einer Digitalisierung entsteht und wie sich das digitale Ergebnis vom ursprünglichen Kulturgut unterscheidet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Begriff&lt;br /&gt;
! Erklärung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Digitalisierung von Kulturerbe'''&lt;br /&gt;
| Digitalisierung bezeichnet in diesem Konzept den gesamten zusammenhängenden Prozess: Kulturgüter erfassen, beschreiben und bewerten, digitale Repräsentationen erzeugen oder übernehmen, ihre Qualität prüfen, sie sichern und für die Nutzung zugänglich machen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;DFG2016&amp;quot;&amp;gt;Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) 2016: Praxisregeln „Digitalisierung“, insbesondere S. 13 und 41-44. URL: https://www.dfg.de/resource/blob/176108/898bf3574ad0ff3b1db525fa7d04c86c/12-151-v1216-de-data.pdf, abgerufen am 16.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bei ursprünglich digital entstandenen Kulturgütern – auch ''born digital'' genannt – entfällt die Überführung aus einem analogen Original; die weiteren Aufgaben bleiben bestehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Digitalisat und digitale Repräsentation'''&lt;br /&gt;
| Ein '''Digitalisat''' ist ein digitales Abbild eines analogen Kulturguts, beispielsweise ein Scan einer Handschrift oder ein Foto eines Museumsobjekts. Der weitere Begriff '''digitale Repräsentation''' umfasst auch Audio-, Video- oder 3D-Dokumentationen einer immateriellen kulturellen Praxis. Die digitale Repräsentation ersetzt weder das materielle Kulturgut noch die lebendige Praxis.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Masterdatei und Nutzungsderivat'''&lt;br /&gt;
| Die '''Masterdatei''' ist die möglichst hochwertige und qualitätsgeprüfte Ausgangsdatei. Sie wird für die langfristige Sicherung und spätere Bearbeitungen aufbewahrt. Ein '''Nutzungsderivat''' ist eine daraus erzeugte, an einen bestimmten Zweck angepasste Datei, beispielsweise ein kleineres Bild für eine Internetseite.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Digitales Objekt'''&lt;br /&gt;
| Als '''digitales Objekt''' wird in diesem Konzept eine zusammengehörige digitale Einheit bezeichnet. Sie kann aus einer oder mehreren Dateien, den zugehörigen Metadaten und ihren Verknüpfungen bestehen. Ein digitales Objekt kann ein Digitalisat oder ein ursprünglich digital entstandenes Kulturgut sein.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
''Beispiel:'' Das verzierte sorbische Osterei bleibt das materielle Kulturgut. Hochauflösende Fotografien, ein 3D-Modell und die dazugehörigen Beschreibungen bilden gemeinsam seine digitale Repräsentation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.3.2 Funktionsbausteine und ihr Zusammenspiel ===&lt;br /&gt;
Die folgende Tabelle erläutert die grundlegenden Funktionen bei der Digitalisierung von Kulturerbe, unabhängig von konkreten Institutionen oder technischen Produkten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Funktionsbaustein&lt;br /&gt;
! Hauptaufgabe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Register oder Katalog'''&lt;br /&gt;
| Weist Kulturgüter nach, beschreibt und verknüpft sie und macht sichtbar, was vorhanden ist, wo es sich befindet und in welchem Zusammenhang es steht. Ein Registereintrag kann bereits bestehen, bevor ein Digitalisat angefertigt wurde.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Digitalisierungsdienst oder Digitalisierungszentrum'''&lt;br /&gt;
| Erzeugt digitale Repräsentationen, bearbeitet und prüft sie und dokumentiert technische Angaben zur Digitalisierung. Es liefert beispielsweise geprüfte Masterdateien und Nutzungsderivate.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Repositorium oder digitales Archiv'''&lt;br /&gt;
| Übernimmt digitale Dateien und Metadaten, speichert und verwaltet sie und sorgt entsprechend seinem Auftrag für ihre Sicherung, Langzeiterhaltung und Bereitstellung.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Präsentations- und Nutzungssystem'''&lt;br /&gt;
| Führt beschreibende Informationen und digitale Medien für Nutzerinnen und Nutzer zusammen. Es ermöglicht beispielsweise Suche, Anzeige, Kontextualisierung, Vermittlung und – soweit zulässig – Nachnutzung.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Bausteine beschreiben zunächst '''Funktionen''' und nicht zwingend getrennte Institutionen oder Systeme. Eine Einrichtung kann mehrere Funktionen übernehmen. Umgekehrt kann eine Funktion auf mehrere Einrichtungen oder technische Systeme verteilt sein. Entscheidend sind klare Zuständigkeiten, verlässliche Übergaben und gemeinsame Standards.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vereinfacht lässt sich das Zusammenspiel so zusammenfassen:&lt;br /&gt;
# Das '''Register oder der Katalog''' beschreibt und verknüpft das Kulturgut.&lt;br /&gt;
# Der '''Digitalisierungsdienst''' erzeugt und prüft seine digitale Repräsentation.&lt;br /&gt;
# Das '''Repositorium oder digitale Archiv''' übernimmt und erhält die Dateien.&lt;br /&gt;
# Das '''Präsentationssystem''' führt Beschreibungen und Medien für die Nutzung zusammen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die konkrete Ausgestaltung kann zentral, dezentral oder als Verbund mehrerer Systeme erfolgen. Welche dieser Funktionen in der sorbischen Welt bereits durch das Sorbische Kulturregister, das Digitalisierungszentrum, Archive, Repositorien und Präsentationsumgebungen erfüllt werden und wo noch Lücken bestehen, wird in der sorbischen IST-Analyse untersucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.3.3 Register: Kulturgüter erfassen, beschreiben und verknüpfen ===&lt;br /&gt;
Die folgende Tabelle erklärt, wie Kulturgüter so beschrieben und bearbeitet werden, dass sie eindeutig zugeordnet, wiedergefunden und nach einheitlichen Regeln weiterverarbeitet werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Begriff&lt;br /&gt;
! Erklärung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Erschließung, Verzeichnung und Registrierung'''&lt;br /&gt;
| '''Erschließung''' ist der übergeordnete Vorgang, bei dem ein Kulturgut identifiziert, beschrieben und in seinen Zusammenhang eingeordnet wird. '''Verzeichnung''' bezeichnet seine strukturierte dokumentarische Beschreibung. '''Registrierung''' bedeutet die Aufnahme in ein konkretes Register, einen Katalog oder ein Sammlungssystem. Ein Kulturgut kann bereits registriert werden, bevor ein Digitalisat vorhanden ist.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Metadaten'''&lt;br /&gt;
| Metadaten sind strukturierte Informationen über ein Kulturgut und seine digitalen Repräsentationen. Dazu gehören beispielsweise Titel, Herkunft, beteiligte Personen, Ort, Zeit, kultureller Kontext, Rechte, Dateieigenschaften und Bearbeitungsschritte. Je nach Zweck werden beschreibende, technische, rechtliche und erhaltungsbezogene Metadaten unterschieden. Sie machen Kulturgüter auffindbar, verständlich, verwaltbar und langfristig nutzbar.&amp;lt;ref name=&amp;quot;PREMIS&amp;quot;&amp;gt;Library of Congress o. J.: PREMIS – Preservation Metadata: Implementation Strategies. Internationaler Standard für Erhaltungsmetadaten. URL: https://www.loc.gov/standards/premis/, abgerufen am 16.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Persistenter Identifikator'''&lt;br /&gt;
| Ein '''persistenter Identifikator''' ist eine dauerhafte und eindeutige Kennung für ein Kulturgut, einen Datensatz oder eine digitale Ressource. Die Kennung bleibt bestehen, auch wenn sich der technische Speicherort oder die Internetadresse ändern. Dadurch können Kulturgüter dauerhaft zitiert und zwischen Systemen verknüpft werden.&amp;lt;ref name=&amp;quot;DFG2016&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Metadaten sind keine bloße Beigabe zu einer Datei. Ohne ausreichende Beschreibungen kann ein Digitalisat zwar technisch vorhanden sein, später aber kaum gefunden, verstanden oder zuverlässig zugeordnet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.3.4 Digitalisierungsdienst und Archiv: Digitalisieren, speichern und langfristig erhalten ===&lt;br /&gt;
Die folgende Tabelle erklärt was erforderlich ist, damit digitale Kulturgüter nicht nur heute gespeichert sind, sondern auch nach technischen und organisatorischen Veränderungen noch gefunden, verstanden und genutzt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Begriff&lt;br /&gt;
! Erklärung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Repositorium'''&lt;br /&gt;
| Ein '''Repositorium''', auch ''Repository'' genannt, ist eine verwaltete technische Umgebung, in der digitale Objekte und ihre Metadaten übernommen, gespeichert, geordnet, verwaltet und bereitgestellt werden. Ein Repositorium kann Teil eines digitalen Archivs sein. Nicht jedes Repositorium erfüllt jedoch automatisch alle Anforderungen der Langzeiterhaltung.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Digitales Archiv oder digitales Langzeitarchiv'''&lt;br /&gt;
| Ein digitales Archiv ist mehr als ein Server oder ein Speicherprogramm. Es verbindet eine verantwortliche Organisation, fachkundiges Personal, Regeln, Arbeitsabläufe und technische Systeme. Es übernimmt die Verantwortung dafür, digitale Informationen langfristig zu erhalten und für festgelegte Nutzergruppen zugänglich zu machen. Das internationale Referenzmodell '''Open Archival Information System''' (OAIS, offenes Archiv-Informationssystem) bietet hierfür einen fachlichen Rahmen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;OAIS2024&amp;quot;&amp;gt;Consultative Committee for Space Data Systems (CCSDS) 2024: Reference Model for an Open Archival Information System (OAIS), CCSDS 650.0-M-3, insbesondere S. 1-1–1-2 und 2-1–2-2. URL: https://ccsds.org/Pubs/650x0m3.pdf, abgerufen am 16.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Ingest oder kontrollierte Übernahme'''&lt;br /&gt;
| '''Ingest''' bezeichnet die kontrollierte Übernahme digitaler Dateien und Metadaten in ein Repositorium oder digitales Archiv. Dabei werden beispielsweise Vollständigkeit, Dateiformate, Metadaten und Dateiintegrität geprüft und die Übernahme dokumentiert.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Langzeitverfügbarkeit und digitale Langzeiterhaltung'''&lt;br /&gt;
| '''Langzeitverfügbarkeit''' ist das Ziel, digitale Inhalte über technische und organisatorische Veränderungen hinweg auffindbar, lesbar, verständlich und nutzbar zu halten. '''Digitale Langzeiterhaltung''' bezeichnet die dafür notwendigen fortlaufenden Maßnahmen. Dazu können mehrere Speicherorte, regelmäßige Prüfungen, Formatüberwachung, technische Migrationen und eine nachvollziehbare Dokumentation gehören. „Langfristig“ bezeichnet dabei keine feste Zahl von Jahren, sondern einen Zeitraum, in dem mit veränderten Technologien, Formaten und Nutzungsanforderungen gerechnet werden muss.&amp;lt;ref name=&amp;quot;OAIS2024&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Datensicherung oder Backup'''&lt;br /&gt;
| Ein '''Backup''' ist eine zusätzliche Sicherungskopie, aus der Dateien nach einem Verlust oder technischen Ausfall wiederhergestellt werden können. Backups sind notwendig, ersetzen aber keine Langzeiterhaltung: Sie regeln allein noch keine dauerhaften Zuständigkeiten, Metadaten, Formatüberwachung, Integritätsprüfungen oder langfristige Zugänglichkeit.&amp;lt;ref name=&amp;quot;DPCStorage&amp;quot;&amp;gt;Digital Preservation Coalition o. J.: Digital Preservation Handbook – Storage. URL: https://www.dpconline.org/handbook/organisational-activities/storage, abgerufen am 16.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Integrität und Authentizität'''&lt;br /&gt;
| '''Integrität''' bedeutet, dass unbeabsichtigte Veränderungen oder Beschädigungen einer Datei erkannt werden können. Dafür werden häufig Prüfsummen verwendet - digitale Kontrollwerte, die regelmäßig verglichen werden. '''Authentizität''' bedeutet, dass Herkunft, Identität und Bearbeitungsgeschichte eines digitalen Objekts nachvollziehbar sind und belegt werden kann, dass es das ist, was es zu sein vorgibt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Dateiformat und Datenformat'''&lt;br /&gt;
| Ein '''Dateiformat''' legt den technischen Aufbau einer einzelnen Datei fest. Ein '''Datenformat''' beschreibt, wie Informationen strukturiert und zwischen Systemen ausgetauscht werden. Gut dokumentierte, verbreitete und möglichst offen beschriebene Formate erleichtern den Austausch und die langfristige Nutzung. Sie ersetzen jedoch keine aktive Langzeiterhaltung.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Merksatz:''' Speichern ist nicht dasselbe wie langfristiges Erhalten. Auch ein vorhandenes Backup ist noch kein digitales Langzeitarchiv.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.3.5 Präsentationssystem: Kulturerbe zugänglich machen und präsentieren ===&lt;br /&gt;
Die folgende Tabelle erklärt, wie aus langfristig gesicherten Dateien ein digitales Kulturerbe wird, das von Menschen gefunden, verstanden und sinnvoll genutzt werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Begriff&lt;br /&gt;
! Erklärung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Zugänglichmachung und Präsentation'''&lt;br /&gt;
| '''Zugänglichmachung''' bedeutet, dass digitale Objekte auffindbar und im rechtlich sowie technisch zulässigen Umfang abrufbar sind. '''Präsentation''' geht darüber hinaus: Inhalte werden ausgewählt, miteinander verknüpft, erklärt und für bestimmte Zielgruppen vermittelt. Dazu gehören verständliche Kontextinformationen, klare Rechteangaben, Mehrsprachigkeit und möglichst barrierearme Zugänge. Abhängig von Rechten, personenbezogenen Daten oder kulturellen Schutzbedarfen kann der Zugang offen oder eingeschränkt sein.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Nutzung und Nachnutzung'''&lt;br /&gt;
| '''Nutzung''' umfasst beispielsweise das Betrachten, Lesen, Anhören, Erforschen oder Vermitteln eines digitalen Kulturguts. '''Nachnutzung''' bedeutet seine weitere Verwendung in einem neuen Zusammenhang, etwa in Bildung, Forschung, Publikationen, Ausstellungen, Anwendungen oder kreativen Werken. Dafür werden geeignete Dateien, verständliche Metadaten und klare Rechteinformationen benötigt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Rechteinformation und Lizenz'''&lt;br /&gt;
| Eine '''Rechteinformation''' beschreibt den rechtlichen Status eines digitalen Objekts und mögliche Einschränkungen seiner Nutzung. Eine '''Lizenz''' räumt durch eine dazu berechtigte Person oder Institution konkrete Nutzungsrechte ein. Ein allgemeiner Rechtehinweis ist daher nicht automatisch eine Lizenz.&amp;lt;ref name=&amp;quot;RightsReuse&amp;quot;&amp;gt;RightsStatements.org o. J.: Standardisierte Rechtehinweise für online verfügbares Kulturerbe. URL: https://rightsstatements.org/de/, abgerufen am 16.07.2026. Creative Commons 2025: Recommended Licenses and Tools for Cultural Heritage Content. URL: https://creativecommons.org/2025/07/09/recommended-licenses-and-tools-for-cultural-heritage-content/, abgerufen am 16.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Interoperabilität'''&lt;br /&gt;
| '''Interoperabilität''' bezeichnet die Fähigkeit von Systemen und Organisationen, Daten auszutauschen und in gleicher Bedeutung zu verstehen. Dafür werden gemeinsame Metadatenmodelle, Begriffe, Identifikatoren und technische Schnittstellen benötigt. So können beispielsweise Register, Repositorien, Präsentationsportale und externe Kulturplattformen miteinander verbunden werden.&amp;lt;ref name=&amp;quot;EuropeanaEDM&amp;quot;&amp;gt;Europeana o. J.: Metadata – Europeana Data Model (EDM, Europeana-Datenmodell). URL: https://pro.europeana.eu/page/metadata, abgerufen am 16.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Digitalisierte Inhalte entfalten ihren kulturellen und gesellschaftlichen Nutzen erst dann vollständig, wenn sie auffindbar, verständlich, rechtlich klar und für unterschiedliche Zielgruppen tatsächlich verwendbar sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der folgende Abschnitt 2.4 beschreibt, wie diese Funktionen innerhalb des gesamten Prozesses der Kulturerbe-Digitalisierung zusammenwirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2.4 Prozess der Digitalisierung von Kulturerbe ==&lt;br /&gt;
Die Digitalisierung von Kulturgut ist kein rein technischer Arbeitsschritt, sondern ein vielschichtiger, oft langfristiger Prozess, der bereits mit der Wahrnehmung und Identifikation einer kulturellen Ausdrucksform beginnt. Ziel dieses Abschnitts ist es, diesen Gesamtprozess systematisch darzustellen: von der gelebten Kultur über das identifizierte Kulturgut bis hin zur digital nutzbaren Repräsentation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die hier entwickelte Prozessdarstellung soll als praxisorientierter Überblick dienen für die Digitalisierung des sorbischen Kulturerbes. Sie berücksichtigt die Anforderungen sorbischer Einrichtungen ebenso wie die international etablierten Referenzmodelle und Standards, darunter:&lt;br /&gt;
* das OAIS-Referenzmodell (ISO 14721) für digitale Archivierung&amp;lt;ref&amp;gt;Consultative Committee for Space Data Systems (CCSDS) 2024: Reference Model for an Open Archival Information System (OAIS), CCSDS 650.0-M-3. URL: https://ccsds.org/Pubs/650x0m3.pdf, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* das DCC Curation Lifecycle Model für kuratorische Entscheidungsprozesse&amp;lt;ref&amp;gt;Higgins 2008: The DCC Curation Lifecycle Model. International Journal of Digital Curation, 3(1), 134-140. URL: https://ijdc.net/index.php/ijdc/article/view/48, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* das Spectrum-Modell für museale Objektverwaltung&amp;lt;ref&amp;gt;Collections Trust 2022. Spectrum 5.1 - The UK Museum Collections Management Standard. URL: https://collectionstrust.org.uk/spectrum/spectrum-5, abgerufen am 01.10.2025. &amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* die UNESCO-Leitlinien zur Inventarisierung immateriellen Kulturerbes&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO 2024: Operational Directives for the Implementation of the Convention for the Safeguarding of the Intangible Cultural Heritage (10.GA). URL: https://ich.unesco.org/doc/src/ICH-Operational_Directives-10.GA_EN.pdf, abgerufen am 01.10.2025. &amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* sowie technische Vorgaben wie die DFG-Praxisregeln Digitalisierung&amp;lt;ref&amp;gt;Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) 2022: Praxisregeln Digitalisierung (aktualisierte Fassung). URL: https://www.ulb.hhu.de/fileadmin/redaktion/ULB/Documents/Infomaterial/DFG_Praxisregeln_Digitalisierung_Aktualisierte_Fassung2022.pdf, abgerufen am 01.10.2025. &amp;lt;/ref&amp;gt; und die FADGI-Richtlinien&amp;lt;ref&amp;gt;Federal Agencies Digital Guidelines Initiative (FADGI) 2023: Technical Guidelines for Digitizing Cultural Heritage Materials – Still Image, 3rd ed. URL: https://www.digitizationguidelines.gov/guidelines/digitize-technical.html, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Folge soll der „Lebenslauf“ eines Kulturguts dargestellt werden, also der Weg, den ein Objekt oder eine kulturelle Praxis vom Zeitpunkt der Entstehung über die Erfassung, Digitalisierung und Archivierung bis zur Veröffentlichung in einem digitalen Präsentationsmodul durchläuft.&lt;br /&gt;
Hierfür erläutert der folgende Abschnitt die einzelnen Prozessschritte im Detail, jeweils mit Akteuren und Beispielen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.4.1 Vorüberlegungen zum Prozess ===&lt;br /&gt;
Im hier vorgestellten Prozess wird auf eine harte, systematische Filterung verzichtet, welche kulturellen Ausdrucksformen „nur“ Kultur und welche bereits Kulturgut sind. Ein solcher Bewertungs- und Abgrenzungsprozess wäre ressourcenintensiv und würde den vorhandenen Kapazitäten in den beteiligten Einrichtungen nicht entsprechen. Stattdessen folgt das Konzept einer inklusiven Logik: Alle dokumentierten Ausdrucksformen werden zunächst als potenzielle Kulturgüter erfasst. Eine feinere Auswahl und Priorisierung erfolgen erst in einem späteren Schritt, nämlich dann, wenn konkret entschieden wird, welche Ausdrucksformen bzw. Kulturgüter in welcher Tiefe digitalisiert, archiviert und präsentiert werden sollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Vorgehen schließt an das SKR-Konzept an, das bewusst auf eine frühe normative Trennung zwischen „kultureller Ausdrucksform“ und „Kulturgut“ verzichtet. Auch hier steht zunächst der möglichst vollständige, strukturierte Überblick über die sorbischen Kulturgüter im Vordergrund. Die differenzierte Bewertung und Schwerpunktsetzung werden als anschließende fachliche Aufgabe verstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.4.2 Prozessschritte im Detail ===&lt;br /&gt;
Das folgende Diagramm gibt einen Überblick über die sechs Kernschritte des Gesamtprozesses der Digitalisierung von Kulturgut – von der ersten Wahrnehmung einer kulturellen Ausdrucksform bis zu ihrer digitalen Präsentation als Kulturgut. Die Abfolge zeigt zugleich die Entwicklungsstufen: von gelebter Kultur zur kulturellen Ausdrucksform, von dort zum Kulturgut und schließlich zum digitalen Kulturgut. Die Schritte sind als generischer Ablauf zu verstehen: Je nach Art des Kulturguts können einzelne Tätigkeiten unterschiedlich aufwendig sein oder parallel erfolgen.&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K3.png|center|600px]]&amp;lt;ref&amp;gt;Mermaid Flowchart Code: [https://mermaid.live/edit#pako:eNplkk1OwzAQha8yGqmbkloxSZs2CyTa8LOphIAVhIVJpolF4iDH4a_qbXqTXgzHFdAKr2y97703lmaNWZMTxriqmvesFNrAfZIqgPPHFIdDzuBO1DVVajhM8QlGozOYO-WUwS0VsjVakqa93Pvmjlk4JmAwp3fS5kCHwQAWjkkcE_Y5WWkIXqrd9jBpT138UIkspBGVbI_7-rwLR146csLgRryQ-U8lMGLwTG1WapLPpHKCZQLMOY9ch7m2VxiSpOAEjJ1TSev_M_bkvv3KtY8ZnOuslG_H9VcOuf4dUO-2LamjGdHDQsscY6M78rAmXYv-ies-IEVTUk0pxvaa00p0lUkxVRtrexXqoWnqH6duuqLEeCWq1r6619zOn0hRaPGH9J_Xi6ZTBuOxS8B4jR8YhxGLeDThkR-EM37KuYefFmHTaOz7fOZHQTidBMHGwy9X6VslnNnDw4jPuB8GHlIuTaOX-7Vy27X5Bh_Osqo hier klicken], abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Prozess zeigt, dass Digitalisierung von Kulturgut mehr ist als das Erstellen digitaler Dateien. Sie umfasst eine Reihe aufeinander bezogener Schritte – von der ersten Wahrnehmung einer kulturellen Ausdrucksform über ihre Erfassung, Bewertung und Digitalisierung bis hin zur langfristigen Sicherung und Präsentation. Dabei sind je nach Schritt unterschiedliche Akteure beteiligt, etwa Gemeinschaften, Museen, Archive, Fachgremien, Digitalisierungsstellen oder IT. Die folgenden Beschreibungen erläutern diese Schritte so, dass nachvollziehbar wird, was jeweils mit einem Kulturgut geschieht, wer daran beteiligt ist und wie sich der Ablauf in der Praxis vorstellen lässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''1. Sammeln &amp;amp; erfassen''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Hier wird eine kulturelle Ausdrucksform erstmals wahrgenommen, benannt und mit ersten Informationen erfasst: Was ist es, wer macht es oder hat es geschaffen, wo kommt es vor, warum ist es bedeutsam für die Gemeinschaft? &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Community, Vereine, Museen, Archive, Forschende, Privatpersonen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Auf einem Dorffest zeigt eine Frau das Verzieren sorbischer Ostereier. Jemand fotografiert dies und notiert Technik, Ort und Namen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''2. Registrieren &amp;amp; beschreiben''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Hier wird aus der ersten Beobachtung ein strukturierter Nachweis. Das Kulturgut oder die kulturelle Ausdrucksform wird in ein Register, eine Sammlung oder einen Katalog aufgenommen und mit strukturierten Metadaten beschrieben, damit es wiedergefunden, zugeordnet und verstanden werden kann. Dazu gehören z. B. Titel, Ort, Zeit, Technik, Funktion, beteiligte Personen und der kulturelle Kontext.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Registerverantwortliche, Kurator:innen, Sammlungsmitarbeitende, Community für Kontextinformationen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Das Osterei erhält einen Eintrag mit Angaben wie „Wachsbatik“, „Schleife“, „Osterei-Verzierung“, Name der Trägerin und Entstehungsjahr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''3. Bewerten &amp;amp; freigeben''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
In diesem Schritt wird entschieden, ob und in welcher Priorität ein Kulturgut oder die kulturelle Ausdrucksform digitalisiert werden soll und ob dies rechtlich und ethisch möglich ist. Dabei spielen fachliche Kriterien wie Bedeutung, Repräsentativität, Seltenheit oder Gefährdung eine Rolle, aber auch Fragen des Urheberrechts, Datenschutzes und möglicher kultureller Sensibilitäten. Am Ende steht eine begründete Entscheidung, ob und in welchem Umfang das Kulturgut weiterbearbeitet und später veröffentlicht werden darf. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Kurator:innen, Fachgremien, Community-Vertretungen, Register/SKR, ggf. Rechteverantwortliche und Behörden. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Es wird entschieden, dass die Osterei-Technik wegen ihrer Bedeutung für die sorbische Identität digital gesichert werden soll; die Kunsthandwerkerin stimmt der Veröffentlichung zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''4. Digitalisieren &amp;amp; prüfen''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nun wird das Kulturgut technisch erfasst, also in eine digitale Form überführt. Das kann je nach Objektart durch Scan, Fotografie, Audio- oder Videoaufnahme oder 3D-Erfassung geschehen. Dabei entstehen hochwertige Master-Dateien und nutzbare Derivate. Die Digitalisierung folgt qualifizierten Standards, um Reproduzierbarkeit, Farbkonsistenz und Nutzbarkeit zu gewährleisten. Anschließend wird geprüft, ob Schärfe, Farbe, Vollständigkeit und Dateiformate den Anforderungen für Archivierung und Nutzung entsprechen. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Digitalisierungszentrum, Foto-/AV-/3D-Spezialist:innen, externe Dienstleister bei Spezialfällen. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Das Osterei wird fotografisch hochauflösend aufgenommen und zusätzlich als 3D-Modell erfasst. Danach werden Schärfe, Farbe und Dateiformate geprüft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''5. Archivieren &amp;amp; sichern''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die entstandenen digitalen Dateien werden geordnet abgelegt, mit den zugehörigen Metadaten verknüpft und für die langfristige Erhaltung gesichert. Dazu gehören sichere Speicherorte, Backups, Integritätskontrollen und – wenn nötig – spätere technische Migration auf neue Systeme. Ziel ist, dass das digitale Kulturgut langfristig erhalten bleibt, auch wenn sich Technik und Formate verändern. Das Original bleibt in der Regel weiterhin am Sammlungs- oder Aufbewahrungsort. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Archiv, Repository, IT-Betrieb, ggf. Sorbisches Kulturarchiv bzw. Digitalisierungszentrum. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Die Bilder und das 3D-Modell des Ostereis werden auf gesicherten Servern gespeichert; das Original bleibt im Museum oder bei der Eigentümerin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''6. Präsentieren &amp;amp; nutzen''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im letzten Schritt werden die digitalen Objekte so bereitgestellt, dass sie gefunden, verstanden und genutzt werden können, z. B. in Portalen, digitalen Sammlungen oder virtuellen Ausstellungen. Dafür reicht es nicht, nur Dateien anzuzeigen: Es braucht auch verständliche Kontexte, Rechteangaben, Mehrsprachigkeit und möglichst barrierearme Zugänge. So wird aus der technischen Digitalisierung eine tatsächliche kulturelle Nutzung. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Kurator:innen, Vermittlung, Web/IT, Museen, Kulturinformationen, Community. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Das Osterei erscheint in einer Online-Ausstellung, kann herangezoomt oder als 3D-Modell gedreht werden und wird mit einem kurzen Text zur Technik erklärt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.4.3 Organisatorische Perspektive ===&lt;br /&gt;
Die folgende Abbildung ist entnommen aus einem Poster des Sorbischen Instituts zu dessen Digitalisierungsstrategie, gefunden auf der Projektseite des Digitalisierungszentrums.&amp;lt;ref&amp;gt;Sorbisches Institut: Digitalisierungszentrum (DZ). URL: [https://www.serbski-institut.de/projekte-zentrale-vorhaben/digitalisierungszentrum-dz/ https://www.serbski-institut.de/projekte-zentrale-vorhaben/digitalisierungszentrum-dz/], abgerufen am 25.03.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Digitalisierungsstrategie des Sorbischen Instituts zeigt die Erfassung, Registrierung, Digitalisierung und Archivierung bis zur Präsentation von Kulturgütern aus '''organisatorischer Sicht'''. Sie basiert auf einem '''3-Säulen-Modell aus Kulturregister, Digitalisierungszentrum und Präsentationsumgebung'''. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K4.png|mini||center|600px|Abbildung: 3-Säulen-Modell der Digitalisierungsstrategie des Sorbischen Instituts. Quelle: Sorbisches Institut, „Digitalizacija serbskich kulturnych datow / Digitalisierung der sorbischen/wendischen Kulturdaten“&amp;lt;ref&amp;gt;Sorbisches Institut 2025: Digitalizacija serbskich kulturnych datow / Digitalisierung der sorbischen/wendischen Kulturdaten (Poster). URL:  [https://www.serbski-institut.de/wp-content/uploads/2021/11/A0-Druck_Digitalisierungsstrategie-SI.pdf  https://www.serbski-institut.de/wp-content/uploads/2021/11/A0-Druck_Digitalisierungsstrategie-SI.pdf], abgerufen am 25.03.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Beide Sichtweisen - die fachliche &amp;quot;Prozess-Sicht&amp;quot; und die &amp;quot;organisatorische Sicht&amp;quot; lassen sich wie folgt in einer Darstellung zusammenfassen:&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K5.jpg|mini||center|600px|Abbildung: Zusammengefasste Sichtweisen auf die Digitalisierung von Kulturerbe.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der &amp;quot;Prozess der Digitalisierung von Kulturerbe&amp;quot; beschreibt, '''was''' mit einem Kulturgut geschieht; das 3-Säulen-Modell zeigt, '''wo''' diese Aufgaben organisatorisch verortet sind. Bezogen auf die oben beschriebenen [[#2.3.2 Prozessschritte im Detail|Prozessschritte der Digitalisierung von Kulturerbe]] steht das '''Sorbische Kulturregister''' für den Prozessschritt „'''2. Registrieren'''“ und dient dabei vor allem der Verzeichnung und Metadatenverwaltung. Das '''Digitalisierungszentrum''' steht für die Prozessschritte „'''4. Digitalisieren'''“ und „'''5. Archivieren'''“ und dient dabei der technischen Erfassung, Bearbeitung und Sicherung der Digitalisate. Die '''Präsentationsumgebung''' steht für den Schritt „'''6. Präsentieren'''“ und dient der öffentlichen oder kuratierten Bereitstellung zur Nutzung. Ergänzende Konzepte des SI machen dabei deutlich, dass die Digitalisierung im Regelfall eine vorherige Verzeichnung im Register voraussetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Prozessschritt&lt;br /&gt;
! Verantwortliche Organisation&lt;br /&gt;
! Funktion im Gesamtsystem&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''2. Registrieren'''&lt;br /&gt;
| '''Sorbisches Kulturregister'''&lt;br /&gt;
| Kulturgüter werden als Entitäten nachgewiesen, beschrieben, mit Metadaten versehen und miteinander verknüpft. Das Register erfüllt damit eine katalogähnliche Funktion: Es macht sichtbar, welche Kulturgüter es gibt, wo sie sich befinden und in welchem Kontext sie stehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''4. Digitalisieren'''&lt;br /&gt;
| '''Digitalisierungszentrum'''&lt;br /&gt;
| Kulturgüter werden technisch erfasst, z. B. durch Scan, Fotografie, Audio-/Videoübertragung oder 3D-Erfassung. Das Digitalisierungszentrum erzeugt und prüft die Digitalisate, ist aber nicht selbst primär ein Präsentationssystem.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''5. Archivieren'''&lt;br /&gt;
| '''Digitalisierungszentrum / Repositorium / Archiv'''&lt;br /&gt;
| Die digitalen Dateien werden geordnet gespeichert, mit Metadaten verbunden und langfristig gesichert. Dazu gehört auch die Sicherstellung der Langzeitaufbewahrung, etwa durch geeignete Speicherorte, Prüfroutinen und spätere Migrationen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''6. Präsentieren'''&lt;br /&gt;
| '''Sorabicon / weitere Präsentationsumgebungen'''&lt;br /&gt;
| Die digitalen Inhalte werden für Nutzer:innen sichtbar, erfahrbar und verständlich gemacht, z. B. in Portalen, digitalen Sammlungen oder virtuellen Ausstellungen. Die Präsentation greift dafür auf Metadaten aus dem Register und auf Digitalisate aus dem Repositorium bzw. dem Digitalisierungszentrum zurück.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Schritt '''1. Sammeln''' liegt vor diesen drei Säulen. Er betrifft die Sammlungsorte selbst, also z. B. Museen, Archive, Heimatstuben, Vereine, Projekte, Gemeinden oder Privatpersonen. Dort entstehen oder befinden sich die Kulturgüter zunächst, bevor sie systematisch registriert, bewertet oder digitalisiert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Schritt '''3. Bewerten''' ist ebenfalls keine eigene technische Säule, sondern ein steuernder Entscheidungsschritt. In ihm wird geklärt, welche Kulturgüter priorisiert digitalisiert werden, welche fachliche Bedeutung sie haben, welche Rechte zu beachten sind und ob eine öffentliche Präsentation möglich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit wird deutlich: Register, Digitalisierungszentrum und Präsentation erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Das '''Register''' beschreibt und verknüpft Kulturgüter, das '''Digitalisierungszentrum''' erzeugt und sichert Digitalisate und die '''Präsentationsumgebung''' macht ausgewählte Inhalte verständlich zugänglich. Gerade diese Trennung schafft klare Zuständigkeiten und erleichtert die Zusammenarbeit zwischen Sammlungsorten, Fachstellen, technischen Dienstleistern und Öffentlichkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2.5 Beispiele anderer Kulturen und Regionen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Digitalisierung des Kulturerbes kleiner, autochthoner, indigener und sprachlicher Gemeinschaften weist häufig vergleichbare Herausforderungen auf: Kulturgüter und Bestände sind auf viele Institutionen, Vereine, lokale Einrichtungen und private Träger verteilt. Personelle und finanzielle Ressourcen sind begrenzt, mehrere Sprachen und Beschreibungstraditionen müssen berücksichtigt werden und nicht alle kulturellen Inhalte dürfen oder sollen ohne Einschränkung öffentlich zugänglich gemacht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer vergleichenden Recherche wurde daher untersucht, wie andere Gemeinschaften und Regionen ihr Kulturerbe erfassen, beschreiben, digitalisieren, langfristig sichern und zur Nutzung bereitstellen. Dabei wurde nicht nach einer universell „idealen“ technischen Lösung gesucht. Untersucht wurde vielmehr, welche organisatorischen, technischen, rechtlichen und gemeinschaftlichen Modelle unter welchen Rahmenbedingungen funktionieren, welche Schwierigkeiten auftreten und welche übertragbaren Erfolgsfaktoren erkennbar sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nachfolgenden Beispiele verdeutlichen unterschiedliche Schwerpunkte: gemeinschaftliche Steuerung, institutionsübergreifende Register und Suchsysteme, Digitalisierung verteilter Bestände, Sprach- und Tonarchive, abgestufte Zugänge, Unterstützung kleiner Kulturgutträger sowie die Überführung zeitlich begrenzter Projekte in einen dauerhaften Betrieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die daraus abgeleiteten Kriterien bilden einen Referenzrahmen. Anhand dieses Referenzrahmens kann in einer späteren Ist-Analyse geprüft werden, welche Funktionen bereits vorhanden, nur konzeptionell beschrieben, in Pilotprojekten erprobt oder dauerhaft im Regelbetrieb verankert sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ausführlichen Fallprofile, Vergleichsmatrizen, Quellen sowie ein Hinweis zur KI-gestützten Erstellung befinden sich in der [[12.3.A1 Vergleichende Recherche – Digitalisierung des Kulturerbes anderer Kulturen und Regionen|ausführlichen Vergleichsrecherche]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.5.1 RomArchive – Digitales Archiv der Roma ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Roma und Sinti sind eine transnationale Minderheit, die in zahlreichen europäischen Staaten lebt. RomArchive wurde von 2015 bis 2019 mit 3,75 Millionen Euro durch die Kulturstiftung des Bundes gefördert. Weitere Unterstützer waren unter anderem die Bundeszentrale für politische Bildung, das Auswärtige Amt und das Goethe-Institut. Seit 2019 wird das Archiv durch das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg betrieben.&amp;lt;ref name=&amp;quot;vergleich_romarchive&amp;quot;&amp;gt;RomArchive o. J.: Frequently Asked Questions. URL: https://www.romarchive.eu/en/about/frequently-answered-questions/; Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma e. V. o. J.: Imprint. URL: https://www.romarchive.eu/en/imprint/; Kulturstiftung des Bundes o. J.: RomArchive. URL: https://www.kulturstiftung-des-bundes.de/en/programmes_projects/film_and_new_media/detail/romarchive.html, jeweils abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Archiv präsentiert Kunst, Geschichte und Kultur aus der Perspektive der Roma. Kuratorische Teams und Beirat waren überwiegend mit Angehörigen der Minderheit besetzt. Neben öffentlich zugänglichen Inhalten existiert ein internes Archiv mit beschränktem Forschungszugang. Besonders lehrreich ist der bereits zu Projektbeginn geplante und später tatsächlich vollzogene Übergang an einen dauerhaften Betreiber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren und Learnings:''' &lt;br /&gt;
* Angehörige der Gemeinschaft sollten nicht nur Inhalte zuliefern, sondern festgelegte Entscheidungsrechte bei Auswahl, Beschreibung, Kontextualisierung und Zugangsregeln besitzen. &lt;br /&gt;
* Bereits zu Beginn einer Projektphase verbindlich klären, welche Institution das Register, Archiv oder Portal nach dem Ende der Förderung dauerhaft betreibt, pflegt und finanziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.5.2 Nuohtti – gemeinsamer Zugang zum Sámi-Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Sámi sind ein indigenes Volk im nordeuropäischen Sápmi, das sich über Teile Norwegens, Schwedens, Finnlands und Russlands erstreckt. Viele historische Sámi-Materialien befinden sich außerhalb der Sámi-Institutionen in europäischen Archiven und Museen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nuohtti ist ein gemeinsamer Suchdienst für digitalisierte Sámi-Materialien. Er wurde von 2018 bis 2021 mit Mitteln des Programms Interreg Nord der EU (Europäische Union) entwickelt. Beteiligt waren unter anderem die Sámi-Archive der finnischen und norwegischen Nationalarchive, das schwedische Reichsarchiv und mehrere Universitäten. Die Sámi-Parlamente Finnlands, Norwegens und Schwedens waren in der Steuerungsgruppe vertreten. Der Dienst führte nach Projektangaben etwa 30.000 Datensätze aus 32 Institutionen zusammen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;vergleich_nuohtti&amp;quot;&amp;gt;Nuohtti o. J.: About Nuohtti. URL: https://nuohtti.com/Content/about; University of the Arctic 2023: The Nuohtti service provides digital access to Sámi material in European archives. URL: https://www.uarctic.org/news/2023/3/the-nuohtti-service-provides-digital-access-to-sami-material-in-european-archives/, jeweils abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nuohtti übernimmt nicht alle Bestände in ein einziges System. Stattdessen werden Metadaten, also strukturierte Beschreibungsdaten zu Objekten und Beständen, aus vorhandenen Einrichtungen zusammengeführt und mit mehrsprachiger Suche, Karte und Zeitleiste zugänglich gemacht. Ethische Hinweise machen darauf aufmerksam, dass viele Bestände unter historischen und teilweise kolonialen Bedingungen gesammelt und beschrieben wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren und Learnings:''' &lt;br /&gt;
* Ein gemeinsamer Zugang kann auch mit dezentraler Architektur der Bestände erfolgen – Originale, Dateien und Fachsysteme können beim Kulturgutträger verbleiben.&lt;br /&gt;
* Ein Register für Kulturdaten kann als übergreifende Nachweisschicht arbeiten: Größere Einrichtungen liefern Daten über technische Schnittstellen, während kleine Träger zentrale oder gemeinsam bereitgestellte Erfassungsdienste nutzen können. &lt;br /&gt;
* Historische Fremdbeschreibungen sollten ergänzt werden durch Selbstbezeichnungen, eigene Sprachformen, alternative Benennungen und Kontexte der betreffenden Gemeinschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.5.3 People’s Collection Wales / Casgliad y Werin Cymru ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wales ist ein Landesteil des Vereinigten Königreichs mit einer eigenständigen nationalen und walisischsprachigen Identität. People’s Collection Wales ist eine zweisprachige Plattform für institutionelles und gemeinschaftlich getragenes Kulturerbe. Sie wird als Verbund der National Library of Wales, des National Museum Wales und der Royal Commission on the Ancient and Historical Monuments of Wales betrieben und durch die walisische Regierung finanziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben der technischen Plattform werden kostenlose Beratung und Schulungen zu Digitalisierung, Metadaten, Urheberrecht, Datenschutz und Oral History, also mündlich überlieferter und aufgezeichneter Geschichte, angeboten. Eine unabhängige Evaluation stellte Fortschritte bei der Zusammenarbeit und beim Kompetenzaufbau fest, benannte aber auch begrenzte Wirkungsnachweise, Finanzierungsrisiken und den hohen Personalaufwand für die Unterstützung der beteiligten Gemeinschaften.&amp;lt;ref name=&amp;quot;vergleich_wales&amp;quot;&amp;gt;Vittle, Kate / Haswell-Walls, Fran / Dixon, Tim; ERS Ltd. 2016: Evaluation of the Casgliad y Werin Cymru / People’s Collection Wales Digital Heritage Programme. Impact Report. URL: https://www.gov.wales/sites/default/files/publications/2019-08/evaluation-of-the-peoples-collection-wales-digital-heritage-programme-impact.pdf; People’s Collection Wales o. J.: Community Support. URL: https://www.peoplescollection.wales/about-us/community-support, jeweils abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren und Learnings:''' &lt;br /&gt;
* Kleine und ehrenamtlich betreute Sammlungen benötigen nicht nur technische Standards, sondern konkrete und dauerhaft verfügbare Dienstleistungen: Erstberatung, Schulung, Vorlagen, Unterstützung bei Rechtefragen, Qualitätskontrolle und persönliche Ansprechpartner. &lt;br /&gt;
* Ein Digitalisierungszentrum oder ein Verbund koordinierter Digitalisierungsdienste sollte daher als Service- und Kompetenzstruktur ausgestaltet werden und nicht lediglich als technische Produktionsstelle. &lt;br /&gt;
* Der dafür notwendige Beratungs- und Unterstützungsaufwand muss als dauerhafte Betriebsaufgabe eingeplant werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.5.4 Tobar an Dualchais / Kist o Riches ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schottisch-Gälisch ist eine Minderheitensprache, die vor allem in den Highlands und auf den schottischen Inseln gesprochen wird. Tobar an Dualchais macht mehr als 40.000 seit den 1930er Jahren entstandene Tonaufnahmen zugänglich. Die Bestände umfassen Erzählungen, Lieder, Musik, Gedichte und mündlich überliefertes Wissen auf Gälisch, Scots und Englisch. Ein bedeutender Teil der Originalbestände wird in den School of Scottish Studies Archives der Universität Edinburgh verwahrt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;vergleich_tobar&amp;quot;&amp;gt;University of Edinburgh 2024: Tobar an Dualchais / Kist o Riches. URL: https://gaelic.ed.ac.uk/gaelic-collections/tobar-an-dualchais-kist-o-riches; Scottish Government 2025: Rediscovering lost Gaelic words. URL: https://www.gov.scot/news/rediscovering-lost-gaelic-words/, jeweils abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Digitalisierung wird mit Verschriftlichung beziehungsweise Transkription, sprachlicher Erschließung, Freiwilligenarbeit und teilweise automatischer Spracherkennung verbunden. Das Projekt erhält wiederkehrende öffentliche Förderungen, muss Rechteklärung, Transkription und technische Weiterentwicklung jedoch dauerhaft fortsetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren und Learnings:''' &lt;br /&gt;
* Gefährdete Ton-, Film- und Videobestände müssen wegen Materialverfall, beschädigungsanfälliger Trägermaterialien und nicht mehr verfügbarer Wiedergabetechnik zeitlich priorisiert werden. &lt;br /&gt;
* Ein geeignetes Pilotprojekt kann Digitalisierung, Rechteklärung, Verschriftlichung, Übersetzung, Metadatenerfassung, Archivierung und Bildungsnutzung entlang einer vollständigen Prozesskette verbinden. &lt;br /&gt;
* Dadurch werden nicht nur einzelne Dateien erzeugt, sondern zugleich die notwendigen Standards, Zuständigkeiten und Aufwände erprobt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.5.5 Euskariana – Portal zum baskischen Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Baskinnen und Basken leben in Gebieten Spaniens und Frankreichs. Euskariana ist das staatlich betriebene Kulturportal der Autonomen Gemeinschaft Baskenland in Spanien. Es wird durch die Digitale Bibliothek Euskadi betrieben und verbindet Daten der baskischen Regierung, der Provinzen, Kommunen, Universitäten sowie öffentlicher, kirchlicher und privater Einrichtungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Portal ist zugleich gemeinsamer Katalog und Zugang zu digitalen Objekten. Es kann Inhalte über ein eigenes Repositorium, also ein institutionell betriebenes digitales Ablage- und Erhaltungssystem, bereitstellen oder zu den Systemen der Partner verlinken. Verwendet werden internationale Standards wie Dublin Core als allgemeiner Metadatenstandard, METS (Metadata Encoding and Transmission Standard) zur Strukturierung und Übertragung digitaler Objekte, PREMIS (Preservation Metadata: Implementation Strategies) für Metadaten zur digitalen Langzeiterhaltung und ALTO (Analyzed Layout and Text Object) für erkannte Texte und Seitenlayouts. Die standardisierten Daten können unter anderem an Europeana weitergegeben werden.&amp;lt;ref name=&amp;quot;vergleich_euskariana&amp;quot;&amp;gt;Gobierno Vasco / Biblioteca Digital de Euskadi o. J.: Acerca de Euskariana. URL: https://www.euskariana.euskadi.eus/euskadibib/es/help/about.do, abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren und Learnings:''' &lt;br /&gt;
* Unterschiedliche Kulturgutträger benötigen unterschiedliche Anschlussmöglichkeiten. &lt;br /&gt;
** Kleine Einrichtungen sollten Daten und gegebenenfalls Dateien in zentral bereitgestellten Diensten erfassen und verwalten können. &lt;br /&gt;
** Größere Institutionen sollten ihre vorhandenen Systeme über Datenexporte oder Programmierschnittstellen anbinden können. &lt;br /&gt;
* Dafür ist ein gemeinsamer, bewusst schlank gehaltener Metadatenkern erforderlich, der durch fach- und institutionsspezifische Angaben erweitert werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.5.6 Mukurtu und Plateau Peoples’ Web Portal ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mukurtu ist eine frei verfügbare Software für die gemeinschaftlich kontrollierte Verwaltung digitalen indigenen Kulturerbes. Das Plateau Peoples’ Web Portal verbindet acht indigene Nationen des nordwestlichen Plateaus der USA mit der Washington State University und mehreren Museen und Archiven. Stammesvertreter wählen und beschreiben die Inhalte; die Universität übernimmt wesentliche technische Betriebsaufgaben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mukurtu ermöglicht kulturelle Protokolle, also gemeinschaftlich festgelegte Regeln für Zugang und Nutzung, Traditional Knowledge Labels als Kennzeichnungen für überliefertes gemeinschaftliches Wissen sowie mehrere Beschreibungen zu demselben Objekt. Dadurch kann neben einer institutionellen Museumsbeschreibung eine Beschreibung der Herkunftsgemeinschaft stehen. Zugänge können von vollständig öffentlich bis streng beschränkt reichen. Mukurtu weist ausdrücklich darauf hin, dass die Plattform vor allem dem Zugang und der gemeinschaftlichen Verwaltung dient und ein gesondertes Konzept für Digitalisierung, Langzeiterhaltung, Personal und Finanzierung erforderlich bleibt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;vergleich_mukurtu&amp;quot;&amp;gt;Mukurtu CMS / Washington State University o. J.: About. URL: https://mukurtu.org/about/; Plateau Peoples’ Web Portal. URL: https://mukurtu.org/project/plateau-peoples-web-portal-showcase/, jeweils abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren und Learnings:''' &lt;br /&gt;
* Rechte und kulturelle Sensibilität müssen als Bestandteil des Datenmodells behandelt werden und dürfen nicht erst unmittelbar vor einer Veröffentlichung geprüft werden. &lt;br /&gt;
* Sinnvoll sind abgestufte Kategorien wie &lt;br /&gt;
** „nur Metadaten öffentlich“, &lt;br /&gt;
** „öffentliches Nutzungsdigitalisat“, &lt;br /&gt;
** „Zugang nach Rücksprache“, &lt;br /&gt;
** „beschränkter Gemeinschafts- oder Forschungszugang“, &lt;br /&gt;
** „zeitlich gesperrt“ und &lt;br /&gt;
** „nicht zugänglich“. &lt;br /&gt;
* Mehrere Beschreibungen zu demselben Objekt ermöglichen es außerdem, institutionelle Überlieferung und Selbstbeschreibung nebeneinander nachvollziehbar zu dokumentieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.5.7 Indigitization – zentrale Unterstützung für dezentrale Digitalisierung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Indigitization unterstützt First Nations und weitere indigene Gemeinschaften in British Columbia in Kanada. Das Programm wird gemeinsam von indigenen Organisationen, Bibliotheken, Archiven und Hochschulen getragen. Es stellt einen Werkzeugkasten, Schulungen, Musterunterlagen, technische Beratung und Förderhilfen bereit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von 2013 bis 2019 wurden drei Pilotprojekte und 45 weitere Projekte gefördert. Dabei wurden mehr als 11.000 Audiokassetten digitalisiert. Die Digitalisierung erfolgte in den Gemeinschaften; eine allgemeine Veröffentlichung war nicht zwingend. Das frühere Förderprogramm für Audiokassetten befindet sich inzwischen allerdings in einer Pause.&amp;lt;ref name=&amp;quot;vergleich_indigitization&amp;quot;&amp;gt;Indigitization o. J.: About Us. URL: https://www.indigitization.ca/about-2/; Indigitization Toolkit. URL: https://www.indigitization.ca/toolkit/; Audio Cassette Digitization Grant. URL: https://www.indigitization.ca/funding/audio-cassette-grant/, jeweils abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren und Learnings:''' &lt;br /&gt;
* Zentral bereitgestellte Kompetenz lässt sich mit dezentraler Verantwortung verbinden. &lt;br /&gt;
* Ein Digitalisierungszentrum oder ein Verbund gemeinsamer Dienste kann Schulungen, Leih- und Mobiltechnik, Qualitätsprüfung, Rahmenverträge, Musterunterlagen, Beratung und Kleinprojektförderung anbieten. &lt;br /&gt;
* Originale, lokales Wissen und kulturelle Beziehungen können grundsätzlich bei den jeweiligen Kulturgutträgern verbleiben. &lt;br /&gt;
* Damit nach Abschluss einzelner Digitalisierungsprojekte keine ungesicherten Dateien zurückbleiben, sollte jedoch von Beginn an ein gemeinsames oder verbindlich angebundenes Repositorium beziehungsweise digitales Archiv vorgesehen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.5.8 Schlussverdichtung: vier Säulen, drei Fundamente und zwei Betriebsregeln ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus den untersuchten Beispielen ergibt sich kein einzelnes Projekt und kein bestimmtes Softwaresystem, das unverändert übernommen werden könnte. Übertragbar ist vielmehr ein funktionaler Referenzrahmen aus vier Säulen, drei gemeinsamen Fundamenten und zwei Betriebsregeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Vier funktionale Säulen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot; style=&amp;quot;width:100%;&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Funktionale Säule&lt;br /&gt;
! Kernaufgabe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''1. Register für Kulturdaten'''&lt;br /&gt;
| Das Register weist nach, welche Kulturgüter, Sammlungen und digitalen Bestände existieren, wo sie sich befinden, wer sie betreut, wie sie fachlich einzuordnen sind, welche Rechte und Zugangsbeschränkungen gelten, ob bereits Digitalisate vorhanden sind und welche Bestände prioritär behandelt werden sollten. Es muss nicht alle Dateien selbst speichern.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''2. Digitalisierungszentrum / Digitalisierungsdienste'''&lt;br /&gt;
| Diese Säule berät Kulturgutträger, unterstützt die Bestandsbewertung und Priorisierung, klärt Anforderungen, organisiert oder übernimmt die Digitalisierung, sichert die fachliche und technische Qualität und bereitet Dateien und Metadaten für die Übergabe an ein Repositorium vor. Die Leistungen können zentral, mobil oder in einem Netzwerk mehrerer Einrichtungen erbracht werden.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''3. Repositorium / digitales Langzeitarchiv'''&lt;br /&gt;
| Das Repositorium übernimmt erhaltungsgeeignete Masterdateien, Nutzungsdateien und zugehörige Metadaten. Es kontrolliert die Dateiunversehrtheit, erstellt getrennte Sicherungskopien, dokumentiert Veränderungen und organisiert spätere Überführungen in neue Dateiformate oder technische Systeme. Es trägt damit die Verantwortung für die langfristige Erhaltung, nicht nur für die kurzfristige Speicherung.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''4. Präsentations- und Nutzungssysteme'''&lt;br /&gt;
| Diese Systeme machen freigegebene Inhalte für unterschiedliche Zielgruppen auffindbar, verständlich, zitierbar und – soweit rechtlich und kulturell zulässig – nachnutzbar. Sie können mehrsprachige Portale, Bildungsangebote, Forschungssysteme, Ausstellungen oder thematische Anwendungen umfassen. Präsentationssysteme verwenden in der Regel freigegebene Nutzungsdateien und ersetzen nicht das Langzeitarchiv.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die vier Säulen müssen technisch und organisatorisch miteinander verbunden, zugleich aber fachlich unterscheidbar bleiben. Sie bedeuten nicht zwingend vier eigenständige Einrichtungen. Auch wenn mehrere Funktionen bei demselben Träger angesiedelt sind, sollten Auftrag, Verantwortung, Budget, Qualitätsanforderungen und Übergabepunkte getrennt beschrieben werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Register beantwortet vor allem die Fragen, '''was vorhanden ist und was priorisiert werden soll'''. Die Digitalisierungsdienste beantworten, '''wie ein Bestand qualitätsgesichert bearbeitet wird'''. Das Repositorium beantwortet, '''wie Dateien und Metadaten dauerhaft erhalten werden'''. Die Präsentationssysteme beantworten, '''welche freigegebenen Inhalte für welche Zielgruppen in welcher Form genutzt werden können'''. Diese funktionale Trennung verhindert insbesondere, dass ein öffentlich sichtbares Portal mit einem digitalen Archiv oder einer nachhaltigen Gesamtinfrastruktur gleichgesetzt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Drei gemeinsame Fundamente ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Gemeinschaftliche Steuerung, klare Entscheidungsrechte und abgestufte Zugänge:''' Angehörige der betreffenden Kultur, Kulturgutträger, Fachinstitutionen und technische Betreiber benötigen nachvollziehbar geregelte Rollen und Entscheidungsrechte. Zu klären ist insbesondere, wer über Auswahl, Priorisierung, Beschreibung, Veröffentlichung, Einschränkung und gegebenenfalls spätere Rücknahme von Inhalten entscheiden darf.&lt;br /&gt;
#* Abgestufte Zugänge bedeuten, dass Inhalte nicht nur als vollständig „öffentlich“ oder vollständig „gesperrt“ behandelt werden. Möglich sind beispielsweise öffentlich sichtbare Metadaten ohne Datei, frei zugängliche Nutzungsdateien, Zugang nach Anmeldung oder Rücksprache, zeitlich begrenzte Sperren sowie ein beschränkter Zugang für bestimmte Gemeinschaften oder Forschungszwecke. Rechtliche Zulässigkeit und kulturelle Angemessenheit sollten getrennt geprüft und gemeinsam dokumentiert werden. Eine rechtlich mögliche Veröffentlichung ist nicht automatisch kulturell angemessen.&lt;br /&gt;
# '''Gemeinsame Metadaten-, Sprach- und Qualitätsstandards:''' Ein einfacher gemeinsamer Pflichtkern sollte alle beteiligten Einrichtungen verbinden. Dazu gehören mindestens eine eindeutige Kennung, Bezeichnung, Kulturgutart, betreuende Einrichtung, Entstehungszeit und -ort, Sprache, Rechte- und Zugangsstatus, Digitalisierungsstatus sowie die Beziehung zu zugehörigen Dateien. Fachinstitutionen können darüber hinaus detailliertere Erschließungsstandards weiterverwenden.&lt;br /&gt;
#* Ein Sprachkonzept sollte mindestens die Sprache des Kulturgutes, die Sprache der Beschreibung, Originaltitel, übersetzte Titel, Selbstbezeichnungen, historische Fremdbezeichnungen und unterschiedliche Schreibvarianten getrennt erfassen können. Bei mehreren Schrift-, Regional- oder Minderheitensprachen dürfen diese nicht lediglich als Übersetzungen der Benutzeroberfläche behandelt werden, sondern müssen als eigenständige Datenwerte in Erfassung, Suche und Anzeige berücksichtigt werden.&lt;br /&gt;
#* Ergänzend werden Qualitätsprofile für unterschiedliche Kulturgutarten benötigt, beispielsweise für Schriftgut, Fotografien, dreidimensionale Objekte, Tonaufnahmen und Filme. Sie sollten unter anderem Dateiformate, Auflösung, Benennung, Farb- und Tonqualität, Master- und Nutzungsdateien, Prüfschritte, dauerhafte Identifikatoren, Datenexporte und technische Schnittstellen festlegen.&lt;br /&gt;
# '''Dauerhafter Betrieb und dauerhafte Finanzierung:''' Aufbaukosten und Betriebskosten müssen voneinander unterschieden werden. Eine zeitlich begrenzte Förderung kann Technik, Pilotprojekte und erste Datenbestände aufbauen, ersetzt aber keine dauerhafte Betreiberverantwortung.&lt;br /&gt;
#* Zu den laufenden Kosten gehören insbesondere Personal, technischer Betrieb, Speicher, Sicherungskopien, Rechtearbeit, Datenpflege, Beratung, Qualitätskontrolle, Informationssicherheit, Softwarepflege, technische Erneuerung und spätere Datenmigrationen. Für jede der vier Säulen muss benannt werden, wer diese Aufgaben nach Projektende übernimmt und aus welchem wiederkehrenden Budget sie finanziert werden. Zusätzlich sollten Mittel für technische Erneuerungen und unvorhergesehene Aufwände eingeplant werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Zwei Betriebsregeln ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Als Projekt erproben, erst mit gesichertem Dauerbetrieb skalieren:''' Pilotprojekte eignen sich dazu, Anforderungen zu klären, Standards zu testen, Aufwände zu messen und die Zusammenarbeit unterschiedlicher Träger zu erproben. Sie sollten jedoch möglichst die vollständige Prozesskette vom Register über Priorisierung und Digitalisierung bis zum Repositorium und zur Präsentation abbilden. Ein Projekt ist ein geeignetes Instrument zur Erprobung und zum Aufbau, aber kein Ersatz für dauerhafte Verantwortung.&lt;br /&gt;
#* Bevor größere Mengen digitalisiert oder ein Portal breit ausgebaut werden, sollten Betreiber, Zuständigkeiten, Repositorium, Personalbedarf, wiederkehrende Finanzierung und die Übergabe aus der Projekt- in die Betriebsphase verbindlich geklärt sein.&lt;br /&gt;
# '''Zentral ermöglichen, dezentral verantworten:''' Zentrale oder gemeinsam getragene Stellen können Infrastruktur, Standards, Beratung, Digitalisierungstechnik, Qualitätssicherung, Rechtehilfe und Langzeiterhaltung bereitstellen. Originale, lokaler Kontext, fachliches Wissen und kulturelle Beziehungen können grundsätzlich bei den jeweiligen Kulturgutträgern verbleiben.&lt;br /&gt;
#* Zentralisierung und dezentrale Trägerschaft sind daher keine Gegensätze. Entscheidend ist eine klare Aufgabenverteilung: Welche Leistungen werden zentral angeboten, welche Entscheidungen verbleiben bei den Trägern, wer pflegt die Metadaten und wer ist für Übergabe, Archivierung und Freigabe verantwortlich? Unterschiedliche Träger müssen entsprechend ihrer personellen und technischen Möglichkeiten auf verschiedenen Wegen an die gemeinsame Infrastruktur anschließen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.5.9 Prioritäten und Prüfkriterien für den Aufbau ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem Vergleich lässt sich eine schrittweise Aufbau- und Prüfstruktur ableiten. Sie ist nicht als vollständig starres Phasenmodell zu verstehen, da einzelne Arbeitsschritte parallel erfolgen können. Bestimmte Abhängigkeiten müssen jedoch beachtet werden: Eine breite Digitalisierung setzt beispielsweise geklärte Standards, Rechte und Archivierungswege voraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Ist-Analyse kann jeder Arbeitsschritt auf einer fünfstufigen Skala bewertet werden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* '''Reifegrad 0 – nicht begonnen:''' Es bestehen noch keine abgestimmten Konzepte oder Zuständigkeiten.&lt;br /&gt;
* '''Reifegrad 1 – konzeptionell geklärt:''' Ziele, Rollen und Anforderungen sind beschrieben, aber noch nicht praktisch erprobt.&lt;br /&gt;
* '''Reifegrad 2 – pilotiert:''' Das Vorgehen wurde mit einzelnen Beständen oder Trägern erprobt.&lt;br /&gt;
* '''Reifegrad 3 – teilweise im Regelbetrieb:''' Leistungen werden wiederholt erbracht, decken aber noch nicht alle Träger, Bestandsarten oder notwendigen Funktionen ab.&lt;br /&gt;
* '''Reifegrad 4 – dauerhaft etabliert und überprüft:''' Zuständigkeiten, Finanzierung, technische Verfahren und Qualitätskontrollen sind im Regelbetrieb verankert und werden regelmäßig überprüft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot; style=&amp;quot;width:100%;&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Priorität und Arbeitsschritt&lt;br /&gt;
! Angestrebter Zustand&lt;br /&gt;
! Prüffragen und nachweisbare Ergebnisse&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''1. Auftrag, Zielbild und Verantwortungen klären'''&lt;br /&gt;
| Für die Gesamtaufgabe besteht ein verbindlicher Auftrag. Die vier funktionalen Säulen sind voneinander abgegrenzt und ihre Beziehungen beschrieben. Betreiber, fachlich Verantwortliche, beteiligte Kulturgutträger und gemeinschaftliche Entscheidungsgremien sind benannt.&lt;br /&gt;
| Gibt es ein beschlossenes Zielbild? Sind Verantwortung, Entscheidungskompetenz und Finanzierung für jede Säule benannt? Bestehen eine Rollen- und Verantwortungsmatrix, Regeln für Konfliktfälle sowie ein Verfahren für spätere Änderungen? Ist festgelegt, wer nach einer Projektphase den Betrieb übernimmt?&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''2. Bestände erfassen und priorisieren'''&lt;br /&gt;
| Eine repräsentative Bestandsübersicht wird aufgebaut. Sie berücksichtigt große und kleine Einrichtungen, ehrenamtliche Träger, private oder kirchliche Bestände sowie materielles und immaterielles Kulturerbe. Prioritäten werden nach nachvollziehbaren Kriterien vergeben.&lt;br /&gt;
| Wie viele relevante Kulturgutträger und Bestände sind bereits erfasst? Wie vollständig sind die Pflichtangaben? Gibt es dokumentierte Kriterien für Gefährdung, kulturelle Bedeutung, Nachfrage, Rechteklarheit, technischen Aufwand und Kosten? Existiert eine abgestimmte und regelmäßig aktualisierte Prioritätenliste?&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''3. Metadaten-, Sprach-, Qualitäts- und Rechtekonzept festlegen'''&lt;br /&gt;
| Ein versionierter gemeinsamer Metadatenkern, Sprachregeln, Digitalisierungsprofile, Dateiformate, Qualitätsprüfungen sowie Rechte- und Zugangsstufen sind beschlossen. Vorlagen und Erweiterungsmöglichkeiten für unterschiedliche Bestandsarten stehen zur Verfügung.&lt;br /&gt;
| Liegen veröffentlichte und abgestimmte Standards vor? Können Datensätze technisch geprüft werden? Sind Sprachen, Originalbezeichnungen und Übersetzungen getrennt erfassbar? Ist der Rechte- und Zugangsstatus für jedes Objekt dokumentierbar? Gibt es Muster für Einwilligungen, Lizenzen, Sperren und Zugangsbeschränkungen?&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''4. Die vollständige Prozesskette pilotieren'''&lt;br /&gt;
| Mit drei bis fünf möglichst unterschiedlichen Kulturgutträgern wird der gesamte Ablauf vom Register über Auswahl, Rechteklärung und Digitalisierung bis zur Archivierung und Präsentation erprobt. Einbezogen werden sollten unterschiedliche Materialarten, Einrichtungsgrößen und mindestens ein rechtlich oder technisch anspruchsvoller Bestand.&lt;br /&gt;
| Ist jedes Pilotobjekt über alle Prozessschritte nachvollziehbar? Wurden Zeit, Kosten, Personalaufwand, Fehler, Nacharbeiten und offene Rechtefälle erfasst? Konnten Dateien und Metadaten erfolgreich in das Repositorium übergeben, wiedergefunden und für die Präsentation bereitgestellt werden? Sind ungelöste Schnittstellen und Zuständigkeitslücken dokumentiert?&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''5. Repositorium und dauerhaften Betrieb absichern'''&lt;br /&gt;
| Das Zielrepositorium ist ausgewählt, technisch angebunden und organisatorisch verantwortlich betrieben. Übernahmeverfahren, Prüfsummen zur Kontrolle der Dateiunversehrtheit, Sicherungskopien, Wiederherstellung, technische Überwachung und spätere Format- oder Systemwechsel sind geregelt.&lt;br /&gt;
| Bestehen Betriebs- und Übergabevereinbarungen? Wurde eine Wiederherstellung aus einer Sicherungskopie praktisch getestet? Gibt es eine Speicher- und Kostenprognose? Sind Erhaltungsstrategie, Migrationsverfahren, Informationssicherheit, Personal und wiederkehrendes Budget dokumentiert und finanziert?&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''6. Digitalisierungs- und Beratungsdienste verstetigen'''&lt;br /&gt;
| Ein dauerhaft verfügbarer Leistungskatalog umfasst Beratung, Bestandsbewertung, Priorisierung, mobile oder stationäre Digitalisierung, externe Vergaben, Schulung, Rechtehilfe, Metadatenunterstützung und Qualitätskontrolle. Leistungen und Kapazitäten sind aufeinander abgestimmt.&lt;br /&gt;
| Gibt es feste Ansprechpartner, ein transparentes Antrags- und Priorisierungsverfahren sowie nachvollziehbare Bearbeitungszeiten? Wie viele kleine und ehrenamtliche Träger werden erreicht? Werden Fehler- und Abnahmequoten, Schulungen, Nachfrage, Kapazitätsengpässe und Zufriedenheit regelmäßig ausgewertet?&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''7. Präsentation, Nachnutzung und Wirkung ausbauen'''&lt;br /&gt;
| Freigegebene Inhalte werden zielgruppengerecht, mehrsprachig und möglichst barrierearm bereitgestellt. Präsentationssysteme beziehen ihre Daten aus geregelten Quellen und unterstützen – soweit zulässig – Zitierbarkeit, Download, Datenexport und technische Nachnutzung. Aktualisierung und Rücknahme von Inhalten sind geregelt.&lt;br /&gt;
| Sind Aktualisierungswege und Datenverantwortliche festgelegt? Wie vollständig sind Sprachfassungen, Rechteangaben und Quellenhinweise? Werden Nutzung, Downloads, Bildungs- und Forschungsanwendungen, kulturelle Nachnutzung und Rückmeldungen erfasst? Können fehlerhafte oder nachträglich eingeschränkte Inhalte zuverlässig korrigiert oder zurückgezogen werden?&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Präsentation kann bereits Bestandteil eines Pilotprojektes sein. Der breite Ausbau öffentlich sichtbarer Systeme sollte jedoch erst erfolgen, wenn Datenpflege, Rechteprüfung, Archivierung und dauerhafte Zuständigkeiten ausreichend gesichert sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor dem Übergang in die jeweils nächste größere Ausbaustufe sollten drei Entscheidungspunkte geprüft werden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* '''Vor einer breiten Digitalisierung:''' Sind Priorisierung, Mindeststandards, Rechte- und Zugangsstufen, Zielrepositorium, Qualitätsprüfung und Betreiberverantwortung geklärt?&lt;br /&gt;
* '''Vor einem breiten Ausbau der Präsentation:''' Sind Datenpflege, Aktualisierung, Mehrsprachigkeit, Freigabe, Rücknahme, Beschwerdewege und redaktionelle Verantwortung geregelt?&lt;br /&gt;
* '''Vor dem Ende einer Projektförderung:''' Sind dauerhafte Finanzierung, Personal, Betriebsvereinbarungen, technische Dokumentation, Wissenstransfer sowie die Übergabe von Daten und Rechten verbindlich abgesichert?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Bewertung sollte nicht lediglich ein Durchschnitt über alle Reifegrade gebildet werden. Entscheidend ist häufig die schwächste kritische Abhängigkeit. Ein weit entwickeltes Präsentationsportal kann beispielsweise ein fehlendes Langzeitarchiv, ungeklärte Rechte oder eine nicht geregelte Betreiberverantwortung nicht ausgleichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusammengefasst gilt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:''Kein Pilot ohne Übergabekonzept, kein Digitalisat ohne Zielarchiv, kein Register ohne Zuständigkeit, kein Portal ohne Datenpflege und keine Veröffentlichung ohne Rechte- und Kulturprüfung.''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine belastbare Gesamtstruktur verbindet damit '''schrittweisen Projektaufbau, dauerhaft gesicherten Betrieb, zentrale oder gemeinsam getragene Dienste, dezentrale kulturelle Verantwortung, gemeinsame Standards und überprüfbare Qualitäts- und Reifegradkriterien'''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Referenzen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Měrko Šenk</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://koncept.serbski-inkubator.de/index.php?title=12.3.A1_Vergleichende_Recherche_%E2%80%93_Digitalisierung_des_Kulturerbes_anderer_Kulturen_und_Regionen&amp;diff=1074</id>
		<title>12.3.A1 Vergleichende Recherche – Digitalisierung des Kulturerbes anderer Kulturen und Regionen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://koncept.serbski-inkubator.de/index.php?title=12.3.A1_Vergleichende_Recherche_%E2%80%93_Digitalisierung_des_Kulturerbes_anderer_Kulturen_und_Regionen&amp;diff=1074"/>
		<updated>2026-07-22T12:05:29Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Měrko Šenk: /* H. Verdichtungsvorschlag für den Konzeptabschnitt „Beispiele anderer Kulturen und Regionen“ */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;''Anhang zu [[12.3 Digitalisierung des Kulturerbes]]''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
''Recherche- und Quellenstand: 20. Juli 2026''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Seite dokumentiert eine vergleichende Recherche zu Erfolgsmodellen, Grenzen und übertragbaren Lösungsbausteinen bei der Digitalisierung des Kulturerbes kleiner, autochthoner, indigener, sprachlicher und regional verteilter Gemeinschaften. Sie dient als ausführliche Beleg- und Arbeitsgrundlage für den Konzeptabschnitt [[12.3 Digitalisierung des Kulturerbes#Beispiele anderer Kulturen und Regionen|„Beispiele anderer Kulturen und Regionen“]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Wichtiger Hinweis zur Aussagekraft:''' Die Fallprofile trennen soweit möglich zwischen dokumentierten Tatsachen, Aussagen der Projektverantwortlichen und der hier vorgenommenen Bewertung. Viele Projekte veröffentlichen keine aktuellen Nutzungszahlen oder unabhängigen Wirkungsevaluationen. In diesen Fällen wird nicht allein aus einer ansprechenden Website auf Erfolg geschlossen. Wo eine Schlussfolgerung nur plausibel, aber nicht direkt belegt ist, ist sie als '''Bewertung''' oder '''Annahme''' gekennzeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Hinweis zur Erstellung:''' Die vorliegende Vergleichsrecherche wurde mit Unterstützung der Funktion „Deep Research“ von ChatGPT (Version GPT-5.6 Sol Pro) erstellt und anschließend redaktionell überarbeitet. Maßgeblich für die Nachvollziehbarkeit sind die jeweils angegebenen Quellen, während die daraus abgeleiteten Bewertungen und Schlussfolgerungen eine analytische Einordnung darstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
__TOC__&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== A. Zusammenfassung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die untersuchten Projekte zeigen kein universell ideales System. Erfolgreiche oder besonders lehrreiche Modelle kombinieren vielmehr unterschiedliche Bausteine entsprechend ihrer Gemeinschaft, Rechtslage, Bestandsstruktur und Ressourcen. Für den sorbischen Kontext sind vor allem folgende Erkenntnisse belastbar:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Funktionen klar trennen, Systeme aber verbinden.''' Register beziehungsweise Katalog, Digitalisierungsdienst, Repositorium beziehungsweise Langzeitarchiv und Präsentationssystem erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Erfolgreiche Verbünde verbinden diese Funktionen über Metadaten, Identifikatoren, Übergabeprozesse und Schnittstellen, statt alles in einem einzigen Portal zu vermischen.&lt;br /&gt;
# '''Gemeinschaftliche Steuerung ist keine Zusatzfunktion.''' RomArchive, Nuohtti, Mukurtu, Aṟa Irititja und das Reciprocal Research Network zeigen, dass Angehörige der jeweiligen Kultur an Auswahl, Beschreibung, Kontextualisierung, Zugangsregeln und strategischen Entscheidungen beteiligt sein müssen. Reine institutionelle „Beteiligung“ ohne festgelegte Entscheidungsrechte reicht nicht aus.&lt;br /&gt;
# '''Zentral ermöglichen, dezentral verantworten.''' Besonders übertragbar sind Modelle, bei denen eine zentrale Stelle Standards, Infrastruktur, Beratung, Qualitätssicherung, Schulung und gegebenenfalls Technik bereitstellt, während Kulturgutträger ihre Originale, lokalen Kenntnisse, Beziehungen zu Rechteinhabern und kulturellen Entscheidungen behalten.&lt;br /&gt;
# '''Ein Suchportal ist noch kein digitales Archiv.''' Nuohtti, Euskariana, bavarikon und das Plateau Peoples’ Web Portal aggregieren beziehungsweise präsentieren Inhalte aus verschiedenen Quellen. Die Langzeiterhaltung der Masterdateien muss davon getrennt geregelt sein. Mukurtu weist ausdrücklich darauf hin, dass eine Zugangsplattform nur ein Baustein eines umfassenderen Systems für Digitalisierung, Erhaltung und Betrieb ist.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
# '''Keine Massendigitalisierung ohne Zielarchiv und Rechteworkflow.''' Digitalisierung erzeugt dauerhafte Folgekosten. Vor einer Skalierung müssen Speicherort, Übernahmeprozess, Prüfsummen, Sicherung, Dateiformate, Metadaten, Rechte und spätere Migration festgelegt sein.&lt;br /&gt;
# '''Offenheit ist nicht binär.''' Erfolgreiche gemeinschaftlich gesteuerte Projekte arbeiten mit abgestuften Zugängen: öffentliches Metadatum, frei zugängliches Nutzungsdigitalisat, registrierter oder gemeinschaftsbezogener Zugang, zeitliche Sperre oder keine Online-Veröffentlichung. Zugänglichkeit und kulturelle Selbstbestimmung werden dadurch nicht als Gegensätze behandelt.&lt;br /&gt;
# '''Mehrsprachigkeit muss Teil der Datenarchitektur sein.''' Zweisprachige oder mehrsprachige Angebote wie People’s Collection Wales, Nuohtti, RomArchive, Euskariana und Aṟa Irititja zeigen, dass Sprachen nicht nur in der Oberfläche, sondern auch in Metadatenfeldern, kontrollierten Begriffen, Suchfunktionen, Transkriptionen und Verantwortlichkeiten berücksichtigt werden müssen.&lt;br /&gt;
# '''Kleine Träger brauchen Dienste, nicht nur Vorgaben.''' People’s Collection Wales und Indigitization belegen den Wert von Beratung, Schulung, Vorlagen, Pilotförderung, technischer Begleitung und „Train-the-Trainer“-Ansätzen. Ein Standard, den Ehrenamtliche oder kleine Einrichtungen ohne Hilfe nicht anwenden können, ist praktisch kein gemeinsamer Standard.&lt;br /&gt;
# '''Projektförderung kann den Aufbau finanzieren, nicht automatisch den Dauerbetrieb.''' RomArchive gelang der geplante Übergang an einen institutionellen Betreiber. Aṟa Irititja musste über Jahre um Verstetigung ringen; bei Indigitization ruht das frühere Förderprogramm für Audiokassetten; die Evaluation von People’s Collection Wales bezeichnete Finanzierungssicherheit als Kernproblem. Dauerverantwortung, Grundfinanzierung und technischer Erneuerungszyklus müssen daher vor einer breiten Skalierung geklärt werden.&lt;br /&gt;
# '''Pilotieren, messen, dann skalieren.''' Besonders sinnvoll sind Pilotvorhaben, die die gesamte Kette von der Erfassung über Rechteklärung und Digitalisierung bis zur Archivierung und Präsentation testen. Die Evaluation von People’s Collection Wales empfiehlt ausdrücklich einen Ablauf aus Bedarf, Pilot, Test, Auswertung und anschließender Skalierung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_eval&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daraus lässt sich ein prägnantes Zielmodell ableiten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Vier funktionale Säulen&lt;br /&gt;
! Leitfrage&lt;br /&gt;
! Kernaufgabe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''1. Register'''&lt;br /&gt;
| Was gibt es, wo befindet es sich, was bedeutet es und was ist prioritär?&lt;br /&gt;
| Institutionenübergreifender Nachweis, Kontext, Rechte- und Prioritätsinformationen; Verknüpfung verteilter Bestände.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''2. Digitalisierungsdienst'''&lt;br /&gt;
| Wie entstehen qualitätsgesicherte Digitalisate?&lt;br /&gt;
| Beratung, Auswahl geeigneter Verfahren, Digitalisierung, Qualitätsprüfung, Dienstleistersteuerung, Schulung und Hilfe für kleine Träger.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''3. Repositorium / digitales Langzeitarchiv'''&lt;br /&gt;
| Wie bleiben Masterdateien und Metadaten dauerhaft erhalten?&lt;br /&gt;
| Übernahme, Integritätskontrolle, redundante Sicherung, Dateiformatüberwachung, Migration, persistente Identifikatoren und dokumentierte Verantwortung.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''4. Präsentations- und Nutzungssysteme'''&lt;br /&gt;
| Was wird wem, in welcher Sprache und unter welchen Bedingungen zugänglich?&lt;br /&gt;
| Suche, Kontextualisierung, Bildung, Forschung, Download, Programmierschnittstellen und kreative Nachnutzung – abgestuft nach Rechten und kulturellen Regeln.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Merksatz:''' Das Register weiß, ''was'' und ''wo''; das Digitalisierungszentrum erzeugt und prüft; das Repositorium erhält; die Präsentation vermittelt und ermöglicht Nutzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese funktionale Vierertrennung bedeutet nicht zwingend vier Organisationen oder vier getrennte Beschaffungen. Digitalisierungszentrum und Repositorium können beispielsweise beim selben Träger liegen. Auftrag, Verantwortung, Budget, Qualitätskriterien und Betriebszusagen sollten dennoch getrennt benannt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== B. Stand der Forschung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== B.1 Vorhandene Modelle und Leitlinien ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Gesamtaufgabe „verteilt erfassen, priorisieren, digitalisieren, Metadaten zusammenführen, langfristig erhalten und verantwortungsvoll zugänglich machen“ existiert kein einzelnes, allgemein verbindliches End-to-End-Modell. Es gibt jedoch belastbare Teilmodelle, die zusammengedacht werden können:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die '''UNESCO-Empfehlung''' zur Erhaltung und Zugänglichkeit des dokumentarischen Erbes fordert institutionelle Auswahl- und Erhaltungsstrategien, fachgerechte Erschließung, Metadaten, Zusammenarbeit und rechtzeitige Maßnahmen für gefährdete digitale Bestände.&amp;lt;ref name=&amp;quot;unesco_doc_heritage&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Für immaterielles Kulturerbe verlangt die UNESCO die möglichst breite Beteiligung der Gemeinschaften und die Achtung üblicher Zugangsregeln. Die '''ethischen Grundsätze''' betonen die primäre Rolle der Gemeinschaften sowie freie, vorherige und informierte Zustimmung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;unesco_participation&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;unesco_ethics&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Das '''Referenzmodell OAIS (Open Archival Information System'''; deutsch: Referenzmodell für ein offenes Archiv-Informationssystem) beschreibt Rollen und Kernfunktionen eines digitalen Langzeitarchivs. „Offen“ bezeichnet dabei ein offen entwickeltes Referenzmodell, nicht einen zwingend offenen Zugang zu allen Inhalten.&amp;lt;ref name=&amp;quot;oais&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Die '''NDSA Levels of Digital Preservation''' (Reifegradstufen der National Digital Stewardship Alliance) bieten eine stufenweise, für kleinere Einrichtungen praktikable Orientierung zu Speicherorten, Integrität, Informationssicherheit, Metadaten und Dateiformaten. Die aktuelle Fassung 2.1 von März 2026 stellt ausdrücklich klar, dass nicht jede Sammlung überall die höchste Stufe erreichen muss.&amp;lt;ref name=&amp;quot;ndsa&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Die '''CARE Principles for Indigenous Data Governance''' – Collective Benefit, Authority to Control, Responsibility und Ethics, auf Deutsch etwa gemeinschaftlicher Nutzen, Kontrollbefugnis, Verantwortung und Ethik – ergänzen technische Offenheits- und Nachnutzungsprinzipien um kollektive Rechte und Verantwortlichkeiten.&amp;lt;ref name=&amp;quot;care&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* '''Local Contexts''' stellt Traditional Knowledge Labels und Biocultural Labels bereit, mit denen Gemeinschaften Hinweise zu Herkunft, kultureller Autorität, erlaubter Nutzung und besonderen Protokollen ergänzen können. Diese Instrumente ersetzen das staatliche Urheberrecht nicht, machen aber gemeinschaftsbezogene Erwartungen maschinen- und menschenlesbar.&amp;lt;ref name=&amp;quot;localcontexts&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Für '''Metadaten''' und Austausch stehen etablierte Bausteine zur Verfügung: '''Dublin Core''' für einfache Kernmetadaten, '''Europeana Data Model (EDM'''; Datenmodell der Europeana) für heterogene Kulturdatensätze, '''OAI-PMH (Open Archives Initiative Protocol for Metadata Harvesting'''; Protokoll zum Einsammeln von Metadaten), Programmierschnittstellen sowie '''IIIF (International Image Interoperability Framework'''; Standardfamilie zur interoperablen Präsentation von Bildern und zunehmend Audio/Video).&amp;lt;ref name=&amp;quot;edm&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;oaipmh&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;iiif&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Für audiovisuelle Bestände sind die '''IASA-TC-04'''-Richtlinien der '''International Association of Sound and Audiovisual Archives''' besonders relevant. Sie behandeln unter anderem Signalerfassung, Metadaten, Identifikatoren, Speicherung, kleine Einrichtungen und die Vergabe an Dienstleister.&amp;lt;ref name=&amp;quot;iasa&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== B.2 Vergleichende Forschung und Evaluation ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die belastbarsten Erkenntnisse entstehen aus einer Kombination aus technischen Dokumentationen, Projektberichten, wissenschaftlichen Fallstudien und unabhängigen Evaluationen. Besonders wertvoll ist die Evaluation von People’s Collection Wales, weil sie nicht nur Erfolge, sondern auch geringe Rücklaufzahlen, begrenzte Wirkungsnachweise, Finanzierungsrisiken, Rollenunklarheiten und den hohen Aufwand vermittelter Community-Arbeit offenlegt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_eval&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wissenschaftlich gut dokumentiert sind außerdem das gemeinschaftsbasierte Metadaten- und Zugangsmodell von Mukurtu und dem Plateau Peoples’ Web Portal sowie die kooperative Entwicklung des Reciprocal Research Network. Beide zeigen, dass Vertrauen, Vereinbarungen, parallel mögliche institutionelle und gemeinschaftliche Beschreibungen sowie fein abgestufte Zugänge organisatorisch ebenso wichtig sind wie die Software.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_dlib&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_rowley&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das EU-geförderte Forschungsprojekt DIGICHer untersucht seit 2024, wie Minderheitengemeinschaften – unter anderem Sámi, jüdische und ladinische Gemeinschaften – gerechter an der Digitalisierung und Repräsentation ihres Kulturerbes beteiligt werden können. Da das Projekt bis 2027 läuft, sind im Juli 2026 noch keine abschließenden, allgemein belastbaren Ergebnisse verfügbar. Es ist aber ein relevantes Anschlussvorhaben für die weitere Beobachtung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;digicher&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== B.3 Forschungslücken ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der Auswertung ergeben sich vier wiederkehrende Lücken:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Aktuelle, unabhängige Nutzungs- und Wirkungsevaluationen fehlen bei vielen Projekten.&lt;br /&gt;
# Die technische Präsentationsarchitektur ist häufig besser dokumentiert als die Verantwortung für Masterdateien, Migration und dauerhafte Finanzierung.&lt;br /&gt;
# Community-Beteiligung wird oft beschrieben, aber Entscheidungsrechte, Konfliktlösungen und Repräsentativität bleiben teilweise unklar.&lt;br /&gt;
# Es gibt zahlreiche Standards für Einzelaufgaben, aber wenig empirisch evaluierte Gesamtmodelle für kleine, institutionell verteilte Minderheiten mit ehrenamtlich betreuten Sammlungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Bewertung:''' Der Ansatz bei der Digitalisierung von Kulturerbe sollte deshalb nicht nach einer fertigen „Best-Practice-Software“ suchen. Zielführender ist eine belastbare Gesamtarchitektur aus &lt;br /&gt;
* ''Governance'', &lt;br /&gt;
* ''Diensten'', &lt;br /&gt;
* ''Mindeststandards'' und &lt;br /&gt;
* ''dauerhaftem Betrieb'', &lt;br /&gt;
in die geeignete vorhandene Softwareprodukte eingebunden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== C. Begründete Auswahl der Fallbeispiele ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Auswahl umfasst zwölf Fälle. Sie deckt europäische Minderheiten, indigene und gemeinschaftlich gesteuerte Modelle, regionale Verbünde, Sprach- und Audioarchive sowie problembehaftete Übergänge ab. Nicht jedes Projekt bildet die gesamte Prozesskette ab; gerade die Unterschiede machen sichtbar, welche Funktion jeweils gelöst wird und wo Lücken bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable sortable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Fall&lt;br /&gt;
! Gemeinschaft / Raum&lt;br /&gt;
! Modelltyp&lt;br /&gt;
! Besondere Relevanz für die Sorben&lt;br /&gt;
! Evidenzlage&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| RomArchive&lt;br /&gt;
| Roma und Sinti; transnational, Schwerpunkt Europa; Betrieb in Deutschland&lt;br /&gt;
| Kuratiertes, gemeinschaftsgeprägtes digitales Archiv&lt;br /&gt;
| Deutungshoheit, Übergabe vom Förderprojekt an einen dauerhaften Betreiber, Mehrsprachigkeit&lt;br /&gt;
| Mittel bis hoch: aktuelle Primärquellen; keine aktuelle unabhängige Wirkungsanalyse&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Nuohtti&lt;br /&gt;
| Sámi in Sápmi; Norwegen, Schweden, Finnland, historisch auch Russland&lt;br /&gt;
| Föderierter Suchdienst über Bestände vieler Institutionen&lt;br /&gt;
| Verteilte Bestände, mehrere Staaten und Sprachen, ethische Hinweise, Open-Source-Bausteine&lt;br /&gt;
| Mittel bis hoch: Projekt- und Betreiberquellen; belastbare Umfangsangaben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| People’s Collection Wales&lt;br /&gt;
| Walisische Bevölkerung und walisischsprachige Gemeinschaft; Wales, Vereinigtes Königreich&lt;br /&gt;
| Nationaler Verbund mit Community-Beiträgen und Schulung&lt;br /&gt;
| Zweisprachigkeit, kleine Träger, zentrale Unterstützung, unabhängige Evaluation&lt;br /&gt;
| Hoch für die untersuchte Förderphase; aktuelle Nutzungsdaten begrenzt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Tobar an Dualchais / Kist o Riches&lt;br /&gt;
| Gälisch- und Scots-sprachige Gemeinschaften; Schottland, Vereinigtes Königreich&lt;br /&gt;
| Digitales Oral-History- und Tonarchiv&lt;br /&gt;
| Gefährdete audiovisuelle Bestände, Sprache, Transkription, Bildung&lt;br /&gt;
| Mittel: aktuelle Bestands- und Förderangaben; keine umfassende unabhängige Evaluation&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Euskariana&lt;br /&gt;
| Baskische Kultur- und Sprachgemeinschaft; Projekt der Autonomen Gemeinschaft Baskenland, Spanien&lt;br /&gt;
| Staatlich getragenes Aggregations- und Zugangsportal&lt;br /&gt;
| Gemeinsamer Katalog, eigenes Repositorium plus Verlinkung, Standards und Europeana-Anbindung&lt;br /&gt;
| Mittel: gute offizielle Dokumentation; wenig unabhängige Wirkungsmessung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| bavarikon&lt;br /&gt;
| Regionales Kulturerbe Bayerns; keine Minderheitenplattform&lt;br /&gt;
| Staatlicher institutionsübergreifender Digitalisierungs- und Präsentationsverbund&lt;br /&gt;
| Betreiberverantwortung, Förderverfahren, Qualitätsanforderungen, Beteiligung vieler Einrichtungen&lt;br /&gt;
| Hoch für Organisation und Umfang; wegen Größenordnung nur teilweise übertragbar&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mukurtu und Plateau Peoples’ Web Portal&lt;br /&gt;
| Indigene Nationen des nordwestlichen Plateaus; USA&lt;br /&gt;
| Open-Source-Zugangsplattform und gemeinschaftlich kuratierter Verbund&lt;br /&gt;
| Kulturelle Protokolle, Traditional Knowledge Labels, mehrere Beschreibungen pro Objekt&lt;br /&gt;
| Hoch für Funktionsmodell und Governance; Betriebskapazität bleibt Voraussetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Aṟa Irititja&lt;br /&gt;
| Aṉangu der APY Lands; South Australia, Australien&lt;br /&gt;
| Gemeinschaftsbasiertes Multimediaarchiv und digitale Rückgabe&lt;br /&gt;
| Lokale Kontrolle, sensibler Zugang, mehrsprachige und niedrigschwellige Nutzung&lt;br /&gt;
| Mittel: detaillierte Eigendokumentation; Wirkungsnachweise überwiegend Selbstauskunft&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Living Archive of Aboriginal Languages&lt;br /&gt;
| Zahlreiche Aboriginal-Sprachgemeinschaften im Northern Territory, Australien&lt;br /&gt;
| Digitales Sprach- und Bildungsarchiv&lt;br /&gt;
| Rechteklärung, offene Lehrmaterialien, Master-/Nutzungsdateien, Migrationsrisiko&lt;br /&gt;
| Hoch für Prozess und Bestandsumfang; dokumentierte Einschränkung nach Systemwechsel&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| PARADISEC&lt;br /&gt;
| Viele kleine und gefährdete Sprachgemeinschaften, vor allem im Pazifikraum&lt;br /&gt;
| Universitärer Fachverbund für audiovisuelle Langzeiterhaltung&lt;br /&gt;
| Gefährdete Tonträger, professionelles Repositorium, verteilte Trägerschaft und Rückgabe von Kopien&lt;br /&gt;
| Hoch: große Bestände, aktuelle Berichte, Zertifizierung und Auszeichnungen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reciprocal Research Network&lt;br /&gt;
| First Nations der Nordwestküste von British Columbia; Kanada&lt;br /&gt;
| Föderierte Recherche- und Kooperationsplattform&lt;br /&gt;
| Institutionenübergreifende Suche, Vereinbarungen, Community-Wissen, technische Alterung&lt;br /&gt;
| Mittel bis hoch: aktuelle Bestandszahlen und Forschung; sichtbare Softwareversion von 2014&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Indigitization&lt;br /&gt;
| First Nations und weitere indigene Gemeinschaften in British Columbia; Kanada&lt;br /&gt;
| Kompetenz-, Schulungs- und Förderprogramm für dezentrale Digitalisierung&lt;br /&gt;
| Besonders nah am möglichen Dienstleistungsmodell eines sorbischen Digitalisierungszentrums&lt;br /&gt;
| Hoch für Förderphase 2013–2019; aktuelles Kassettenförderprogramm pausiert&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== D. Fallprofile ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.1 RomArchive – Digitales Archiv der Roma ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Roma sind eine transnationale, historisch in vielen europäischen und außereuropäischen Staaten lebende Minderheit mit vielfältigen Gruppen, Sprachen und Selbstbezeichnungen. Sinti sind eine unter anderem in Deutschland und Mitteleuropa beheimatete Gruppe. RomArchive ist deshalb keinem einzelnen Minderheitengebiet zugeordnet. Das Projekt wurde in Deutschland öffentlich gefördert und international mit überwiegend aus Roma bestehenden kuratorischen und beratenden Teams entwickelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RomArchive versteht sich als digitales Archiv für Kunst und Kulturen der Roma. Es erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern präsentiert kuratierte, repräsentative Bestände und wissenschaftliche Kontextualisierungen. Inhalte wurden von jeweils zuständigen kuratorischen Teams ausgewählt; kuratorische Teams und Beirat waren überwiegend mit Roma besetzt. Nach Angaben des Projekts wirkten rund 150 Personen aus 15 Staaten mit. Die Übergabe an eine Roma-Organisation war von Beginn der fünfjährigen Entwicklungsphase 2015–2019 an vorgesehen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_faq&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entwicklung wurde durch die Kulturstiftung des Bundes mit 3,75 Millionen Euro gefördert; weitere Unterstützer waren unter anderem die Bundeszentrale für politische Bildung, das Auswärtige Amt und das Goethe-Institut. Seit 2019 liegt der Betrieb beim Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg; die laufende Website nennt die Bundeszentrale für politische Bildung als Förderer.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_kulturstiftung&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_imprint&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Fachliche und technische Lösung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RomArchive verbindet kuratierte Themenbereiche, einen durchsuchbaren Archivbestand, biografische Akteursdaten und digitale Vermittlungsformate. Die Deutsche Kinemathek war für Konzeption und Vermittlung von digitaler Archivierung, Digitalisierung und Katalogisierung beteiligt. Die Website nutzt ein auf Django basierendes Content-Management-System; eine Verbindung zu Axiell Collections bindet das Sammlungsmanagement an die Präsentation an.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_imprint&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben veröffentlichten Materialien existiert ein internes Archiv, das auf begründete Anfrage für Forschung zugänglich ist. Dies ist ein einfaches, aber wichtiges Beispiel für abgestufte Zugänge. Das Angebot ist auf Deutsch, Englisch und Romanes verfügbar; die sprachliche Vielfalt des Romanes wird sichtbar gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Rechte, Beteiligung und nachweisbarer Erfolg ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die stärkste Leistung liegt in der kuratorischen und strategischen Beteiligung der Minderheit sowie in dem Anspruch, Fremdzuschreibungen durch selbst erzählte Gegennarrative zu korrigieren. Ethische Richtlinien und eine Sammlungspolitik wurden durch den internationalen Beirat mitentwickelt. Der Übergang vom zeitlich befristeten Entwicklungsprojekt an einen institutionellen Betreiber wurde tatsächlich vollzogen. Dass das Angebot im Juli 2026 weiterhin betrieben wird, ist ein belastbarer Nachhaltigkeitsindikator.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Aktuelle unabhängige Daten zu Nutzung, Reichweite, Aktualisierungsfrequenz und langfristiger digitaler Erhaltung der Masterdateien sind öffentlich nicht in ausreichender Tiefe dokumentiert. Die öffentliche Oberfläche ist stärker ein kuratiertes Archiv und Wissensportal als ein vollständiges Bestandsregister aller Roma-Kulturgüter. Die überwiegend restriktive Rechtekennzeichnung vieler Inhalte begrenzt kreative Nachnutzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* Minderheitenangehörige mit echten kuratorischen und strategischen Entscheidungsrechten;&lt;br /&gt;
* von Beginn an geplanter Betreiberübergang;&lt;br /&gt;
* Verbindung von Sammlungsdatenbank, kuratiertem Kontext und öffentlicher Präsentation;&lt;br /&gt;
* abgestufter Zugang zwischen öffentlicher Website und internem Forschungsarchiv;&lt;br /&gt;
* öffentliche Anschubförderung plus institutionelle Verankerung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwerte:''' &lt;br /&gt;
* Ein sorbisches Portal sollte nicht nur Objekte zeigen, sondern sorbische Perspektiven, Begriffe und Kontexte strukturell verankern. &lt;br /&gt;
* Für Kulturregister, Digitalisierungszentrum und Präsentation braucht es bereits in der Projektphase einen festgelegten dauerhaften Träger. &lt;br /&gt;
* Ein kuratorischer oder gemeinschaftlicher Beirat sollte nicht nur beraten, sondern definierte Entscheidungsrechte bei Auswahl, Beschreibung und sensiblen Inhalten erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.2 Nuohtti – Föderierter Zugang zum Sámi-Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Sámi sind ein indigenes Volk im nordeuropäischen Sápmi, das sich über Gebiete des heutigen Norwegens, Schwedens, Finnlands und Russlands erstreckt. Es gibt mehrere Sámi-Sprachen und unterschiedliche nationale Rechts- und Institutionsrahmen. Viele historische Quellen und Sammlungsobjekte befinden sich außerhalb von Sámi-Institutionen in europäischen Archiven, Bibliotheken und Museen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nuohtti ist ein Suchdienst, der digitalisierte Sámi-Materialien aus verschiedenen europäischen Gedächtnisinstitutionen zusammenführt. Er wurde im Projekt „Digital Access to the Sámi Heritage Archives“ von 2018 bis 2021 mit EU-Mitteln aus Interreg Nord entwickelt. Beteiligt waren die Sámi-Archive der norwegischen und finnischen Nationalarchive, das schwedische Reichsarchiv sowie Universitäten in Lappland, Oulu und Umeå; die Universität Lappland leitete das Projekt. Die Sámi-Parlamente Finnlands, Norwegens und Schwedens entsandten Mitglieder in die Steuerungsgruppe.&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_about&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_uarctic&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Vorgehen und Architektur ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor der technischen Umsetzung wurden einschlägige Bestände und Datenlieferanten kartiert. Nuohtti bündelt keine Originale und ersetzt die Quellsysteme nicht. Es normalisiert und indexiert Metadaten aus Archiven und Aggregatoren und führt Nutzerinnen und Nutzer zu den jeweiligen Digitalisaten. Eine Karte, eine Zeitleiste und mehrsprachige Suchoberflächen unterstützen den Zugang. Nach Projektangaben waren rund 30.000 Datensätze aus 32 Institutionen in fünf Sprachen zugänglich.&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_uarctic&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Technisch baut Nuohtti auf vorhandenen Open-Source- und öffentlichen Komponenten auf, darunter VuFind, Finna, RecordManager, Finto, Giellatekno, Apache Solr, Leaflet, OpenStreetMap und Nominatim. Daten werden unter anderem über nationale und europäische Aggregationswege eingebunden.&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Rechte, Ethik und Nachhaltigkeit ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nuohtti integriert ethische Hinweise in die Nutzung. Das ist besonders relevant, weil viele historische Beschreibungen und Sammlungen außerhalb der Sámi-Gemeinschaft und unter kolonialen Bedingungen entstanden. Nutzertests fanden unter anderem in Schulen und Bibliotheken statt. Nach dem Projekt wird der Dienst von den beteiligten Nationalarchiven weitergeführt; zugleich wird er im laufenden Projekt DIGICHer als Praxisbeispiel weiterentwickelt und untersucht.&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_dataspace&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Nuohtti löst vor allem den gemeinsamen Nachweis und Zugang. Die Digitalisierung, Rechteklärung und Langzeiterhaltung verbleiben überwiegend bei den Datenlieferanten. Unterschiedliche Datenqualität und historisch problematische Beschreibungen werden durch Aggregation nicht automatisch behoben. Aktuelle, öffentlich nachvollziehbare Nutzungszahlen sind begrenzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* föderierte Architektur statt erzwungener Zentralisierung aller Bestände;&lt;br /&gt;
* Bestands- und Datenquellenkartierung vor dem Portalbau;&lt;br /&gt;
* Beteiligung von Sámi-Parlamenten an der Steuerung;&lt;br /&gt;
* Wiederverwendung vorhandener Open-Source-Komponenten und nationaler Infrastrukturen;&lt;br /&gt;
* mehrsprachige, räumliche und zeitliche Suche;&lt;br /&gt;
* sichtbare ethische Kontextualisierung problematischer Bestände.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwerte:''' &lt;br /&gt;
* Das Register kann als föderierender Nachweis funktionieren: große Institutionen liefern Metadaten über Schnittstellen, kleine Träger können Daten direkt in einem zentral angebotenen System erfassen. &lt;br /&gt;
* Eine zentrale Suche muss nicht bedeuten, dass alle Originale oder alle Digitalisate zentral verwaltet werden. &lt;br /&gt;
* Historische Fremdbeschreibungen sollten als solche kenntlich gemacht und um sorbische Bezeichnungen sowie Community-Kontexte ergänzt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.3 People’s Collection Wales / Casgliad y Werin Cymru ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wales ist ein Landesteil des Vereinigten Königreichs mit eigener Regierung und einer starken nationalen sowie walisischsprachigen Identität. Walisisch und Englisch sind für das Angebot gleichberechtigte Arbeitssprachen. Das Projekt richtet sich nicht nur an professionelle Kulturinstitutionen, sondern auch an lokale Geschichtsgruppen, Vereine, Schulen und Einzelpersonen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
People’s Collection Wales ist eine zweisprachige digitale Plattform und ein begleitendes Unterstützungsprogramm, über das Nutzerinnen und Nutzer walisisches Kulturerbe entdecken, beitragen und vermitteln können. Getragen wird es als föderierte Partnerschaft von Amgueddfa Cymru – National Museum Wales, der National Library of Wales und der Royal Commission on the Ancient and Historical Monuments of Wales; finanziert wird das Programm durch die walisische Regierung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_eval&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Plattform wird durch kostenlose Beratung und Schulung ergänzt. Das aktuelle Unterstützungsangebot umfasst Projektplanung, Digitalisierung, Urheberrecht, Datenschutz, Metadaten und Oral History. Diese Kombination aus Technik und persönlicher Begleitung ist für kleine und ehrenamtliche Träger besonders relevant.&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_support&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Nachweisbarer Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die unabhängige Evaluation von 2016 stellte für die Förderphase 2014-2016 eine gestärkte föderierte Partnerschaft, eine kritische Masse an Inhalten, Fortschritte bei Community-Kompetenzen und eine hohe Vertrauenswürdigkeit des nichtkommerziellen Angebots fest. Externe Projekte sparten Ressourcen, weil sie eine vorhandene Plattform nutzen konnten. Zugleich wurden die gemessenen Wirkungen insgesamt als eher moderat beschrieben. Die Nutzerbefragung hatte nur 38 vollständige Antworten; wirtschaftliche und touristische Wirkungen waren damals nicht nachweisbar. Die Evaluation benannte Finanzierungssicherheit, klare Rollen, technische Stabilität, Marketing und dauerhaft finanzierbare Vor-Ort-Unterstützung als zentrale Herausforderungen. Vermittelte Sitzungen seien für bestimmte Zielgruppen unverzichtbar.&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_eval&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Programm existiert weiterhin und bietet aktuell Unterstützung an. Die verfügbaren Quellen belegen damit institutionelle Kontinuität, ersetzen aber keine neue unabhängige Wirkungsevaluation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* föderierte Trägerschaft mehrerer starker Institutionen;&lt;br /&gt;
* zweisprachige Plattform und Materialien;&lt;br /&gt;
* kostenlose Beratung, Metadaten- und Digitalisierungsschulungen;&lt;br /&gt;
* gemeinsamer technischer Dienst, den lokale Projekte nicht selbst entwickeln müssen;&lt;br /&gt;
* expliziter Pilot- und Lernansatz;&lt;br /&gt;
* unabhängige Evaluation mit offen benannten Grenzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwerte:''' &lt;br /&gt;
* Ein Digitalisierungszentrum sollte nicht nur Geräte betreiben, sondern ein sichtbares Serviceangebot für Heimatstuben, Vereine, Kirchengemeinden, Kommunen und Privatpersonen aufbauen: Erstberatung, Vorlagen, Rechtehilfe, Metadatenhilfe, mobile Einsätze, Schulungen und telefonische beziehungsweise digitale Sprechstunden. &lt;br /&gt;
* Für Obersorbisch und Niedersorbisch sollte Mehrsprachigkeit verbindlich geplant und finanziert werden. &lt;br /&gt;
* Erfolgsmessung darf sich nicht auf Objektzahlen beschränken, sondern sollte Kompetenzen, beteiligte Träger, Nachnutzung und Zufriedenheit erfassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.4 Tobar an Dualchais / Kist o Riches ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schottisch-Gälisch ist eine keltische Minderheitensprache, die vor allem in Schottland, besonders in den Highlands und auf den Inseln, gesprochen wird. Scots ist eine weitere historisch gewachsene Sprache beziehungsweise Sprachgruppe Schottlands. Das Projekt umfasst Aufnahmen auf Gälisch, Scots und Englisch und ist in den öffentlichen und kulturellen Institutionen Schottlands verankert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tobar an Dualchais / Kist o Riches macht mehr als 40.000 mündliche Aufnahmen zugänglich, die seit den 1930er Jahren in Schottland und darüber hinaus entstanden. Enthalten sind Erzählungen, Lieder, Musik, Gedichte und Sachinformationen. Ein bedeutender Teil stammt aus den School of Scottish Studies Archives der Universität Edinburgh; die physischen Originalbestände verbleiben in den Archiven.&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_edinburgh&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Vorhaben wird durch eine Partnerschaft kultureller und wissenschaftlicher Einrichtungen getragen und erhält wiederkehrend öffentliche Förderung. Die schottische Regierung bewilligte 2025 beispielsweise 35.000 Pfund für die fortlaufende Online-Sammlung gälischer und Scots-Materialien und 2026 weitere 14.127 Pfund für die Entwicklung des digitalen Archivs.&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_funding2025&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_funding2026&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Technische und fachliche Schwerpunkte ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Projekt konzentriert sich auf bedrohte zeitbasierte Medien und deren sprachliche Erschließung. Suchfelder nach Thema, Titel und beitragender Person erleichtern die Nutzung. Das ergänzende Vorhaben „Opening the Well“ transkribiert einen großen Bestand gälischer Erzählungen und verbindet Freiwilligenarbeit mit automatischer Spracherkennung. Dadurch werden Tonaufnahmen nicht nur erhalten, sondern durchsuchbar und für Sprachforschung sowie Bildung nachnutzbar.&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_opening&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Die öffentlich sichtbaren Förderungen sind überwiegend programm- oder projektbezogen. Sie belegen fortlaufende Unterstützung, aber keine vollständig transparente dauerhafte Grundfinanzierung des gesamten Betriebs. Rechteklärung, Transkription und Qualitätskontrolle bleiben bei umfangreichen historischen Tonbeständen dauerhafte Aufgaben. Eine umfassende unabhängige Evaluation mit aktuellen Nutzungsdaten wurde in dieser Recherche nicht gefunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* klare Priorität für gefährdete audiovisuelle Bestände;&lt;br /&gt;
* institutionelle Aufbewahrung der Originale und digitale öffentliche Vermittlung;&lt;br /&gt;
* Verbindung von Digitalisierung, sprachlicher Erschließung und Bildung;&lt;br /&gt;
* Kombination aus Fachinstitutionen, öffentlicher Förderung und freiwilliger Mitarbeit;&lt;br /&gt;
* sichtbare Mehrsprachigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwerte:''' &lt;br /&gt;
* Tonbänder, Kassetten, Filme und Videoformate sollten wegen Materialalterung und technischer Obsoleszenz gesondert priorisiert werden. &lt;br /&gt;
* Ein Pilot „Sorbische / wendische Stimmen und Lieder“ könnte Digitalisierung, Rechteklärung, obersorbische und niedersorbische Transkription, Übersetzung, Normdaten und Bildungsnutzung exemplarisch durchspielen. &lt;br /&gt;
* Automatische Spracherkennung kann unterstützen, ersetzt aber bei kleinen Sprachen keine fachliche und gemeinschaftliche Korrektur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.5 Euskariana – Digitales Portal zum baskischen Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Baskinnen und Basken leben beiderseits der spanisch-französischen Grenze. Baskisch (Euskara) ist eine eigenständige europäische Sprache mit mehreren Varietäten. Euskariana ist kein gesamtbaskisches staatenübergreifendes Projekt, sondern ein Angebot der Autonomen Gemeinschaft Baskenland in Spanien; es bezieht jedoch auch einschlägige Bestände aus Institutionen außerhalb dieser Region ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Euskariana wird von der Digitalen Bibliothek Euskadi innerhalb der baskischen Kulturverwaltung betrieben. Das Portal entsteht in Zusammenarbeit des baskischen Regierungsapparats mit den Provinzverwaltungen von Álava/Araba, Bizkaia und Gipuzkoa, Kommunen, Universitäten, kirchlichen und privaten Einrichtungen. Der Sammlungsschwerpunkt umfasst Werke baskischer Urheberinnen und Urheber, Veröffentlichungen aus Euskadi, weltweit entstandene Inhalte zu baskischen Themen sowie besonders Inhalte auf Baskisch oder in baskischer Übersetzung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;euskariana_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als staatlich getragenes Dauerangebot ist Euskariana stärker institutionell abgesichert als ein zeitlich begrenztes Förderprojekt. Öffentlich zugängliche Quellen benennen jedoch keine vollständigen jährlichen Betriebs- und Personalkosten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Architektur, Standards und Nachnutzung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Euskariana ist gleichzeitig gemeinsamer Katalog und Zugangsportal. Es integriert Datensätze aus Bibliotheksnetzen, Verbundkatalogen, Museen, Archiven, Hochschulrepositorien und internationalen Nationalbibliotheken. Digitale Objekte werden entweder im eigenen Repositorium bereitgestellt oder über Links in den Quellsystemen aufgerufen. Damit unterstützt das Projekt zwei Anbindungswege: zentrale Aufnahme und föderierte Verlinkung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;euskariana_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach offizieller Dokumentation nutzt Euskariana unter anderem MARC, Dublin Core (DC), METS, PREMIS und ALTO. Kurz erläutert: MARC dient vor allem bibliografischen Daten; Dublin Core beschreibt einen einfachen Metadatenkern; METS strukturiert digitale Objekte und Dateigruppen; PREMIS dokumentiert Erhaltungsinformationen; ALTO bildet Layout und erkannten Text digitalisierter Seiten ab. Die Standardisierung ermöglicht die Beteiligung an Europeana und die Verbindung zu weiteren spanischen und französischen Portalen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;euskariana_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Die offizielle Dokumentation ist technisch aussagekräftig, liefert aber wenig Informationen über Community-Entscheidungsrechte, abgestufte kulturelle Zugänge, aktuelle Nutzungszahlen oder eine unabhängige Wirkungsevaluation. Das Modell ist stärker verwaltungs- und institutionsgetrieben als gemeinschaftsgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* klar benannter öffentlicher Betreiber;&lt;br /&gt;
* Kooperation über Verwaltungs-, Institutions- und Sektorgrenzen hinweg;&lt;br /&gt;
* sowohl eigenes Repositorium als auch Einbindung externer Digitalisate;&lt;br /&gt;
* verbindliche internationale Metadaten- und Erhaltungsstandards;&lt;br /&gt;
* besondere Sichtbarkeit der Minderheitensprache;&lt;br /&gt;
* Anschluss an größere Aggregatoren wie Europeana.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwerte:''' &lt;br /&gt;
* Für ein Register sollte es mindestens zwei Onboarding-Wege geben: Kleine Träger erfassen beziehungsweise hinterlegen Daten und Dateien in zentral bereitgestellten Diensten; größere Einrichtungen liefern Daten aus eigenen Fachsystemen über Export oder Schnittstelle. &lt;br /&gt;
* Ein gemeinsames Kernprofil muss lokale Fachstandards nicht ersetzen, sondern deren wichtigste Angaben abbilden. &lt;br /&gt;
* Obersorbisch und Niedersorbisch sollten als eigenständige Sprachwerte, nicht nur als Übersetzungsvarianten von Deutsch, gespeichert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.6 bavarikon – Regionaler Digitalisierungs- und Präsentationsverbund ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Region und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bavarikon ist keine Minderheitenplattform, sondern das Kulturportal des Freistaats Bayern. Es ist dennoch relevant, weil es zeigt, wie ein Flächenland zahlreiche Museen, Archive, Bibliotheken, wissenschaftliche Einrichtungen und nichtstaatliche Träger in ein geregeltes Förder-, Qualitäts- und Präsentationsmodell einbindet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die grundsätzliche Ausrichtung und der Mitteleinsatz werden durch das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst sowie das Staatsministerium für Digitales bestimmt. Ein Rat mit 14 stimmberechtigten Mitgliedern aus unterschiedlichen Kultursparten entscheidet über neue Inhalte und berät zu Betrieb und Digitalisierungsstrategie. Die Bayerische Staatsbibliothek trägt den laufenden technischen, redaktionellen und organisatorischen Betrieb; das Leibniz-Rechenzentrum übernimmt das Hosting.&amp;lt;ref name=&amp;quot;bavarikon_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Partner können Digitalisierungsvorhaben beantragen. Die Bayerische Staatsbibliothek begleitet die Digitalisierung, wenn die Ergebnisse in hoher Qualität über bavarikon präsentiert werden. Für die Aufnahme existieren Kriterien, Metadatenhandreichungen, Qualitätsanforderungen für Digitalisate, Musterlisten und ein Vorantragsverfahren.&amp;lt;ref name=&amp;quot;bavarikon_partner&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Nachweisbarer Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Portal ging 2013 online und wird monatlich ergänzt. Im November 2024 meldete die Bayerische Staatsbibliothek mehr als 500.000 digitale Objekte aus rund 170 Einrichtungen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;bavarikon_500k&amp;quot;/&amp;gt; Die institutionelle Betreiberverantwortung, der geregelte Zugang zu Fördermitteln und die veröffentlichten Mindestanforderungen sind belastbare Erfolgsindikatoren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' bavarikon verfügt über die Ressourcen eines deutschen Flächenlandes und einer großen Staatsbibliothek. Diese Größenordnung ist für die Sorben nicht direkt übertragbar. Das Portal ist primär Präsentations- und Förderinfrastruktur; aus den öffentlichen Unterlagen lässt sich nicht ableiten, dass bavarikon für sämtliche Masterdateien aller Partner allein die vollständige Langzeiterhaltung übernimmt. Community-Governance und kulturell abgestufte Zugänge stehen nicht im Mittelpunkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* dauerhaft benannter zentraler Betreiber und leistungsfähiges Rechenzentrum;&lt;br /&gt;
* spartenübergreifendes Entscheidungsgremium;&lt;br /&gt;
* geregeltes Förder- und Auswahlverfahren;&lt;br /&gt;
* publizierte Mindeststandards und Vorlagen;&lt;br /&gt;
* zentrale fachliche Begleitung bei dezentralen Beständen;&lt;br /&gt;
* kontinuierlicher Ausbau statt einmaliger Portalveröffentlichung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwerte:''' &lt;br /&gt;
* Übertragbar ist nicht die Größenordnung, sondern die Verfahrenslogik: ein transparentes Antrags- und Priorisierungsverfahren, verbindliche Lieferpakete, klare Qualitätskontrollen und ein zentraler Ansprechpartner. &lt;br /&gt;
* Ein sorbischer Digitalisierungsfonds könnte kleinere, klar abgegrenzte Vorhaben fördern, sofern Rechte, Metadaten, Zielrepositorium und spätere Nutzung vorab geklärt sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.7 Mukurtu und Plateau Peoples’ Web Portal ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mukurtu entstand aus einer Zusammenarbeit mit der Warumungu-Gemeinschaft in Australien und wurde zu einer frei verfügbaren Plattform für indigene Gemeinschaften weiterentwickelt. Das hier besonders betrachtete Plateau Peoples’ Web Portal betrifft acht indigene Nationen des nordwestlichen Plateaus in den USA, darunter Spokane, Colville, Umatilla, Coeur d’Alene, Warm Springs, Yakama, Confederated Salish and Kootenai Tribes und Nez Perce. Diese Nationen besitzen jeweils eigene politische und kulturelle Strukturen innerhalb der Vereinigten Staaten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mukurtu CMS (Content-Management-System; deutsch: System zur Verwaltung und Veröffentlichung von Inhalten) wird am Center for Digital Scholarship and Curation der Washington State University als Open-Source-Software entwickelt und gepflegt. Die Entwicklung wurde unter anderem durch die National Endowment for the Humanities, das Institute of Museum and Library Services, die Mellon Foundation und die National Science Foundation gefördert.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_about&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_plateau&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Plateau Peoples’ Web Portal ist ein konkreter Verbund zwischen den beteiligten Stämmen, der Washington State University und externen Gedächtnisinstitutionen. Stammesvertreterinnen und -vertreter wählen und kuratieren Materialien; die technische Pflege liegt bei der Universität in Partnerschaft mit indigenen Programmen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_plateau&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Rechte- und Metadatenmodell ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mukurtu unterstützt Traditional Knowledge Labels, fein abgestufte kulturelle Protokolle und mehrere parallele Beschreibungen zu einem Objekt. Eine Institution kann beispielsweise eine archivische Beschreibung liefern, während eine Gemeinschaft eigene Namen, Erzählungen, Herkunftsangaben und Zugangsregeln ergänzt. Der „Roundtrip“-Mechanismus ermöglicht den Export angereicherter Daten, ohne ursprüngliche Metadaten zu verlieren.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wissenschaftliche Dokumentationen des Plateau-Portals beschreiben ein Hub-and-Spoke-Modell – also einen zentralen technischen Knoten mit mehreren institutionellen und gemeinschaftlichen Zulieferern – sowie Vereinbarungen zwischen Partnern, Dublin-Core-Metadaten und granulare Zugangsregeln.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_dlib&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Portal demonstriert dauerhaft, dass kulturelle Selbstbestimmung technisch nicht nur durch „öffentlich“ oder „geschlossen“ abgebildet werden muss. Es ermöglicht mehrere Wissensordnungen neben- statt untereinander. Die Plattform ist Open Source und exportfähig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Open Source bedeutet nicht kostenlosen Betrieb. Installation, Aktualisierung, Hosting, Rechtekonzeption, Datenmigration und Support benötigen dauerhaft qualifiziertes Personal. Mukurtu weist selbst ausdrücklich darauf hin, dass es eine Zugangsplattform und nur ein Bestandteil eines größeren Systems für Digitalisierung, Erhaltung und Nachhaltigkeit ist.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_about&amp;quot;/&amp;gt; Die Übernahme von Traditional Knowledge Labels in den sorbischen Kontext wäre nicht eins zu eins möglich, weil kulturelle und rechtliche Ausgangslagen verschieden sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* kulturelle Protokolle als Kern der Daten- und Zugangslogik;&lt;br /&gt;
* mehrere Beschreibungen und Perspektiven pro Objekt;&lt;br /&gt;
* exportfähige Daten statt Plattformbindung;&lt;br /&gt;
* Partnerschaftsvereinbarungen und konkrete Rollen;&lt;br /&gt;
* dauerhafte technische Trägerschaft durch eine Universität;&lt;br /&gt;
* Community-Kuration statt bloßer Rückmeldung nach Veröffentlichung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwerte:''' &lt;br /&gt;
* Im Kulturregister sollte neben institutionellen Angaben Raum für sorbisch / wendische Bezeichnungen, lokale Varianten, Erinnerungen und Korrekturen bestehen. &lt;br /&gt;
* Rechte- und Sichtbarkeitsstufen müssen pro Datensatz und möglichst pro Mediendatei modelliert werden. &lt;br /&gt;
* Ein Register könnte zunächst ein eigenes, rechtlich passendes Set von „Kulturhinweisen“ entwickeln, etwa „nur Metadaten öffentlich“, „Nutzung nur nach Rücksprache“, „innergemeinschaftlich“, „zeitlich gesperrt“ oder „freie Nachnutzung erwünscht“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.8 Aṟa Irititja – Gemeinschaftsbasiertes Aṉangu-Archiv ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aṉangu ist eine Selbstbezeichnung von Ngaanyatjarra-, Pitjantjatjara- und Yankunytjatjara-Gemeinschaften im zentralen Australien. Aṟa Irititja arbeitet vor allem in den Aṉangu Pitjantjatjara Yankunytjatjara Lands (APY Lands) im Nordwesten des Bundesstaats South Australia. Die Gemeinschaften sind australischen staatlichen Strukturen zugehörig, verfügen aber über eigene Land- und Organisationsstrukturen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Entstehung, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Projekt entstand 1994 als sozialgeschichtliches Vorhaben der Pitjantjatjara Council Aboriginal Corporation. Es arbeitet mit Schulen, Bildungszentren, Gesundheits-, Frauen-, Medien-, Land- und Kunstorganisationen in den APY Lands zusammen. Ein zentrales Büro in Adelaide bearbeitet Datenbank, Digitalisierung, physische Lagerung und Verwaltung; ein Büro in Alice Springs hält den Kontakt zu Gemeinschaften und ergänzt Sprach-, Familien- und Kontextinformationen. Seit 2020 steht das Projekt unter dem Dach der APY-Organisation und wird durch deren Executive Board gesteuert.&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_who&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Finanzierung war über lange Zeit eine Mischung aus staatlichen Programmen, Stiftungen, Spenden sowie jährlichen Beiträgen beteiligter Schulen und Community-Organisationen. Die eigene Projektdokumentation bezeichnet die langfristige Finanzierung ausdrücklich als dauerhaftes Problem. Mit der Eingliederung in APY wurden 2020 drei permanente Teilzeitstellen geschaffen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_funding&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Fachliche Lösung, Rechte und Zugang ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aṟa Irititja wurde auf Wunsch der Gemeinschaften entwickelt, um kulturelle Geschichte zu bewahren und zurückzugeben. Das Multimediaarchiv umfasst Fotos, Dokumente, Filme, Tonaufnahmen und Objekte. Die Software sollte kulturelle Einschränkungen abbilden und zugleich für Nutzerinnen und Nutzer mit begrenzter Schriftkompetenz oder eingeschränktem Sehvermögen leicht bedienbar sein. Inhalte werden in Ngaanyatjarra, Pitjantjatjara, Yankunytjatjara und Englisch bereitgestellt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_approach&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_who&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gemeinschaftsmitglieder und kulturelle Berater beurteilen sensible Inhalte und Zugangsregeln. Der Ansatz der „digitalen Rückgabe“ bringt digitale Kopien und Nutzungsmöglichkeiten zu den Gemeinschaften zurück, auch wenn Originale in Museen oder anderen Institutionen verbleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Betrieb seit 1994, die Eingliederung in eine Aṉangu-geführte Organisation und die dauerhafte Nutzung in Schulen und Gemeinschaftseinrichtungen sind starke Nachhaltigkeitsindizien. Die Dokumentation beschreibt intergenerationelle Nutzung, Schulungen und Beschäftigung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Viele Wirkungsangaben stammen vom Projekt selbst. Unabhängige aktuelle Evaluationen und detaillierte technische Angaben zur Langzeiterhaltung sind begrenzt. Die langjährige Finanzierungssuche zeigt, dass kulturelle Bedeutung allein keinen verlässlichen Betriebsetat garantiert. Zentraler Betrieb in Adelaide schafft Fachlichkeit, kann aber Distanz zu abgelegenen Gemeinschaften erzeugen; deshalb bleibt die lokale Kontakt- und Trainingsstruktur wesentlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* Entwicklung aus einem ausdrücklichen Wunsch der Gemeinschaft;&lt;br /&gt;
* institutionelle Unterstellung unter eine gemeinschaftseigene Organisation;&lt;br /&gt;
* lokale Ansprechpartner und zentrale Facharbeit;&lt;br /&gt;
* kulturell abgestufte Zugänge;&lt;br /&gt;
* mehrsprachige, visuell einfache Oberfläche;&lt;br /&gt;
* Verbindung von digitaler Rückgabe, Bildung und Kompetenzaufbau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwerte:''' &lt;br /&gt;
* Nutzeroberflächen sollten nicht nur für wissenschaftliche Fachkräfte gestaltet werden. &lt;br /&gt;
* Lokale Sammlungsbetreuerinnen und -betreuer brauchen einfache Erfassungswege, visuelle Hilfen und persönliche Unterstützung. &lt;br /&gt;
* Sensible Inhalte – etwa private Familienaufnahmen, religiöse Praktiken, personenbezogene Überlieferung oder nicht für eine allgemeine Öffentlichkeit bestimmte Aufzeichnungen – benötigen ein gemeinsam beschlossenes Zugangsmodell. &lt;br /&gt;
* Zentraler Betrieb muss durch lokale Beziehungen ergänzt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.9 Living Archive of Aboriginal Languages (LAAL) ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Living Archive of Aboriginal Languages bündelt Literatur aus zahlreichen Aboriginal-Sprachgemeinschaften des Northern Territory in Australien. Es handelt sich nicht um eine einzige Minderheit, sondern um viele eigenständige Sprach- und Kulturgemeinschaften. Ein großer Teil der Bücher entstand zwischen den 1970er Jahren und dem Ende bilingualer Bildungsprogramme in lokalen Literature Production Centres.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Projekt begann 2012 unter Leitung der Charles Darwin University mit der Australian National University und dem Bildungsressort des Northern Territory. Es wurde durch die Australian Research Council Linkage Infrastructure, Equipment and Facilities Scheme gefördert. Eine zweite Förderphase erweiterte den Bestand und die Community- sowie Bildungsarbeit; weitere Partner kamen hinzu.&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_background&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Vorgehen umfasste das Auffinden verstreuter Bücher, Auswahl und Digitalisierung, Kontakt zu Autorinnen, Autoren und Illustratoren, Rechteklärung sowie Rückspiegelung in die Herkunftsgemeinschaften. Gemeinschaftsmitglieder konnten Texte prüfen und Geschichten oder Tonaufnahmen ergänzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Dateien, Rechte und Zugang ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für jeden Titel wurden Nutzungsdateien wie PDF, Textdatei und Vorschaubild erstellt; seitenweise TIFF-Masterdateien dienten der Langzeitaufbewahrung. Eine kartenbasierte Oberfläche erleichterte auch Menschen mit geringer Schriftkompetenz die Suche.&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_background&amp;quot;/&amp;gt; Materialien wurden nur nach schriftlicher Einwilligung von Urheberinnen, Urhebern oder Nachkommen veröffentlicht. Das Projekt verwendete Creative-Commons-Lizenzen mit Einschränkungen, berücksichtigte indigene Kultur- und Informationsprotokolle und bot ein Takedown-Verfahren, also die vorläufige Entfernung bei Einwänden.&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_rights&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der aktuelle Bestand umfasst nach Projektangaben nahezu 4.000 Bücher in 50 Sprachen aus 40 Gemeinschaften. Die Materialien wurden in die Plattform Territory Stories von Library &amp;amp; Archives Northern Territory überführt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_home&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Erfolg, Problem und Lernwert ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
LAAL verbindet Sprachsicherung, Rechteklärung, offene Bildungsnutzung und echte Erhaltungsdateien. Das Projekt zeigt aber auch eine typische Migrationsgefahr: Nach der Überführung in Territory Stories funktionierte die speziell entwickelte Kartenoberfläche nicht mehr; das Projekt dokumentierte 2022, dass zunächst auf einen möglichen Ersatz gewartet werde.&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_migration&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Die sorgfältige Rechteklärung erzeugte einen beträchtlichen Rückstand nicht veröffentlichter Materialien; dies ist kein Projektversagen, sondern ein realer Zielkonflikt zwischen Geschwindigkeit und Zustimmung. Die Migration bewahrte Inhalte, verlor aber zumindest zeitweise eine für die Zielgruppen wichtige Zugangsfunktion. Die ursprüngliche Projektorganisation war stark förderabhängig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* systematische „Search-and-Rescue“-Phase für verstreute gefährdete Materialien;&lt;br /&gt;
* klare Trennung von Erhaltungs- und Nutzungsdateien;&lt;br /&gt;
* Veröffentlichung nur mit Einwilligung und Takedown-Verfahren;&lt;br /&gt;
* Beteiligung der Sprachgemeinschaften an Prüfung und Ergänzung;&lt;br /&gt;
* Bildungsnutzung und Offline-Zugriff;&lt;br /&gt;
* Übergabe an eine öffentliche Gedächtnisinstitution.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwerte:''' &lt;br /&gt;
* Für jede digitale Sammlung muss ein Migrations- und Exit-Plan festlegen, wie Daten, Rechteangaben, Identifikatoren und zielgruppenspezifische Funktionen beim Systemwechsel erhalten bleiben. &lt;br /&gt;
* Eine funktionierende Fachoberfläche darf nicht der einzige Ort sein, an dem Beziehungen zwischen Daten gespeichert sind. &lt;br /&gt;
* Rechteklärung sollte als eigenes Arbeitspaket mit Aufwand, Rückständen und Prioritäten geplant werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.10 PARADISEC – Facharchiv für gefährdete Sprachen und Kulturen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaften, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PARADISEC steht für Pacific And Regional Archive for Digital Sources in Endangered Cultures. Es ist kein Archiv einer einzelnen Minderheit, sondern bewahrt Forschungs- und Community-Aufnahmen vieler kleiner Sprach- und Kulturgemeinschaften, vor allem im Pazifikraum, aber auch weltweit. Der institutionelle Sitz liegt in Australien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Organisation, Finanzierung und Architektur ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PARADISEC ist ein Verbund der University of Sydney, der University of Melbourne und der Australian National University. Operative Aufgaben sind über die drei Standorte verteilt; ein externer Beirat unterstützt die Steuerung. Das Projekt wurde wesentlich durch den Australian Research Council und in jüngerer Zeit durch die Language Data Commons of Australia im Rahmen nationaler Forschungsinfrastruktur finanziert.&amp;lt;ref name=&amp;quot;paradisec_about&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;paradisec_home&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Archiv hat Verfahren für Übernahme, Katalogisierung, Digitalisierung und Erhaltung von Audio-, Text- und Bildmaterial entwickelt. Es nutzt Forschungsnetze und institutionelle Speicherinfrastruktur, archiviert Audio in Erhaltungsformaten und stellt stabile Katalogdaten bereit. Kopien wurden an Kulturzentren und Institutionen in Vanuatu, Neukaledonien, Papua-Neuguinea, Französisch-Polynesien, den Salomonen und Rapa Nui zurückgegeben.&amp;lt;ref name=&amp;quot;paradisec_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Nachweisbarer Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Juli 2026 weist PARADISEC rund 20.500 Stunden Audio, 4.000 Stunden Video, mehr als 320 Terabyte und Inhalte zu etwa 1.460 Sprachen aus. Es erhielt 2019 das CoreTrustSeal für vertrauenswürdige Repositorien und wurde 2024 bei den Digital Preservation Awards sowie 2025 mit einem Open Scholarship Award ausgezeichnet.&amp;lt;ref name=&amp;quot;paradisec_home&amp;quot;/&amp;gt; Die Kombination aus großem Bestand, langjährigem Betrieb, fachlichen Standards und konkreter Rückgabe an Herkunftsgemeinschaften ist ein starker Erfolgsnachweis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Ein universitärer Forschungsverbund verfügt über Kompetenzen und Infrastrukturen, die kleinen lokalen Trägern nicht direkt zur Verfügung stehen. Die Community-Beteiligung variiert je nach Depositor, Sammlung und Herkunftsgemeinschaft. Online-Zugriff kann in Regionen mit schwacher Internetversorgung oder ohne passende Sprache weiterhin schwierig sein. Auch ein erfolgreiches Facharchiv benötigt laufende Dritt- und Infrastrukturmittel sowie technische Erneuerung; PARADISEC arbeitet derzeit an einer Erneuerung seines Katalogs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* fachlich fokussiertes Repositorium für gefährdete audiovisuelle und sprachliche Materialien;&lt;br /&gt;
* verteilte institutionelle Trägerschaft mit gemeinsamem Verfahren;&lt;br /&gt;
* professionelle Erhaltungsstandards und Zertifizierung;&lt;br /&gt;
* stabile Identifikatoren und wissenschaftliche Zitierbarkeit;&lt;br /&gt;
* Rückgabe von Kopien und Kooperation mit regionalen Kulturzentren;&lt;br /&gt;
* langfristige Verbindung zu Forschungsinfrastruktur statt isoliertem Projektserver.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwerte:''' &lt;br /&gt;
* Für gefährdete Audio-, Video- und Sprachdaten sollte nicht jede kleine Einrichtung ein eigenes Langzeitarchiv aufbauen. &lt;br /&gt;
* Ein zentral betriebener, professioneller Repositoriumsdienst mit klaren Übernahmepaketen ist sinnvoll. &lt;br /&gt;
* Gleichzeitig müssen Kopien, Zugriffsrechte und nutzbare Arbeitsfassungen bei den Kulturgutträgern verbleiben können. &lt;br /&gt;
* Zertifizierungsmodelle wie CoreTrustSeal können langfristig Orientierung geben, sollten aber erst nach Aufbau stabiler Prozesse angestrebt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.11 Reciprocal Research Network (RRN) ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Reciprocal Research Network betrifft kulturelle Objekte der First Nations der Nordwestküste von British Columbia in Kanada. Es wurde gemeinsam von der Musqueam Indian Band, der Stó:lō Nation beziehungsweise dem Stó:lō Tribal Council, der U’mista Cultural Society und dem Museum of Anthropology der University of British Columbia entwickelt. Zahlreiche internationale Museen liefern Daten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und technische Lösung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das RRN ist eine föderierte Recherche- und Kooperationsplattform. Es ermöglicht die gemeinsame Suche in institutionellen Sammlungen, persönliche und gemeinsame Forschungsprojekte, Dateiuploads und Diskussionen. Eine Steuerungsgruppe mit Vertreterinnen und Vertretern der beteiligten First Nations und des Museums ist weiterhin ausgewiesen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_about&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_contact&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wissenschaftliche Publikationen beschreiben den Aufbau als langfristigen Vertrauens- und Aushandlungsprozess. Vereinbarungen mit Partnerinstitutionen regelten Datenlieferung und Zusammenarbeit; agile Softwareentwicklung wurde mit unterschiedlichen Erwartungen und Entscheidungsrhythmen in Einklang gebracht.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_rowley&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Nachweisbarer Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Juli 2026 zeigt die Plattform Daten aus 29 Institutionen, mehr als 570.000 Objekte und 391.000 Fotografien sowie über 4.000 registrierte Mitglieder und fast 2.800 Projekte an.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_home&amp;quot;/&amp;gt; Diese Größenordnung belegt eine erhebliche institutionsübergreifende Aggregation und Nutzung der Arbeitsfunktionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Im Seitenfuß wird weiterhin die Softwareversion 1.8.3 mit Startdatum 22. November 2014 ausgewiesen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_contact&amp;quot;/&amp;gt; Das ist kein Beleg dafür, dass der Dienst beendet ist – die Plattform ist erreichbar und aktuelle Bestandszahlen werden angezeigt –, aber ein Warnsignal für Modernisierungs-, Sicherheits- und Wartungsrisiken. Detaillierte aktuelle Angaben zu Erhaltungsrepositorien und Betriebskosten sind öffentlich begrenzt. Das RRN ist vor allem Forschungs- und Zugangsplattform, nicht zwingend das Langzeitarchiv sämtlicher Quelldateien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* gemeinsame Entwicklung durch First Nations und Museum;&lt;br /&gt;
* föderierte Suche über internationale Sammlungen;&lt;br /&gt;
* dauerhafte Steuerungsgruppe;&lt;br /&gt;
* projektbezogene Kollaboration statt nur passiver Objektanzeige;&lt;br /&gt;
* formalisierte Partnerschaften und Aufbau von Vertrauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwerte:''' &lt;br /&gt;
* Ein Präsentationssystem kann mehr sein als ein Suchkatalog: Arbeitsbereiche für gemeinsame Erschließung, Korrekturen, Transkription, Übersetzung und Forschung erhöhen die aktive Nachnutzung. &lt;br /&gt;
* Solche Funktionen dürfen aber erst aufgebaut werden, wenn technische Wartung und Datenexport gesichert sind. &lt;br /&gt;
* Langfristige Kooperationsvereinbarungen sind wichtiger als einmalige Datenlieferungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.12 Indigitization – Dezentrale Digitalisierung mit zentraler Befähigung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Indigitization richtet sich an First Nations und weitere indigene Gemeinschaften in British Columbia, Kanada. Die Gemeinschaften verfügen über eigene Regierungen, Archive, Sprachprogramme und Kulturinstitutionen, arbeiten aber häufig mit begrenzten technischen und personellen Ressourcen. Viele gefährdete Tonaufnahmen befinden sich weiterhin lokal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Organisations- und Fördermodell ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Indigitization ist eine Kooperation indigener Gemeinschaften und Organisationen mit dem Irving K. Barber Learning Centre, dem Museum of Anthropology, dem Northern BC Archives der University of Northern British Columbia, der X̱wi7x̱wa Library und weiteren Einheiten der University of British Columbia. Das Programm entwickelt Ressourcen, führt Schulungen durch, berät zu Fördermitteln und unterstützt gemeinschaftsgeführte Digitalisierung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Werkzeugkasten entstand aus drei Pilotprojekten mit First Nations und verbindet deren Erfahrungen mit fachlichen Digitalisierungsstandards. Er enthält Planungshilfen, technische Anleitungen, Metadaten- und Dateiverfahren sowie Musterunterlagen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_toolkit&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von 2013 bis 2019 finanzierten Audiokassetten-Zuschüsse drei Pilot- und 45 Förderprojekte. Mehr als 11.464 Kassetten wurden digitalisiert; insgesamt wurden über 422.143 kanadische Dollar vergeben. Die Förderung umfasste ergänzende Mittel bis 10.000 Dollar je Vorhaben und intensive Schulung. Das spezifische Förderprogramm befindet sich derzeit in einer Pause, während Beratung, Workshops und Verweise auf weitere Programme fortgeführt werden.&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_grant&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_funding&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Rechte, Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Digitalisierungsprojekte verbleiben bei den Gemeinschaften; eine öffentliche Veröffentlichung war nicht zwingend. Auch protokollgebundene und nichtöffentliche Zugänge waren förderfähig. Das schützt lokale Kontrolle und stärkt Kompetenzen vor Ort. Die dokumentierten Objekt- und Förderzahlen sowie die fortbestehende Beratungsinfrastruktur belegen konkrete Wirkung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Dezentrale Digitalisierung garantiert noch keine langfristige Erhaltung. Jede Gemeinschaft braucht ein tragfähiges Speicher-, Sicherungs- und Migrationskonzept oder einen verlässlichen Repositoriumspartner. Die Pause des früheren Kassettenprogramms zeigt die Verwundbarkeit zeitlich begrenzter Förderlinien. Für kleine Teams kann die dauerhafte Anwendung technischer Standards trotz Schulung anspruchsvoll bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* zentrale Kompetenz, Vorlagen, Schulung und begrenzte Anschubfinanzierung;&lt;br /&gt;
* Durchführung und Kontrolle bei den lokalen Gemeinschaften;&lt;br /&gt;
* Pilotprojekte als Grundlage des Werkzeugkastens;&lt;br /&gt;
* praxisnahe Muster für Projektplan, Budget und Stellenprofil;&lt;br /&gt;
* kein Zwang zur allgemeinen Veröffentlichung;&lt;br /&gt;
* Netzwerk aus Hochschulen, Archiven und Community-Fachleuten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwerte:''' &lt;br /&gt;
* Dieses Modell kommt einer möglichen Rolle des sorbischen Digitalisierungszentrums besonders nahe. &lt;br /&gt;
* Die zentrale Stelle könnte mobile Technik, Leihgeräte, Schulung, Qualitätsprüfung, Dienstleisterrahmenverträge und Kleinprojektförderung bereitstellen. &lt;br /&gt;
* Lokale Träger behalten Originale, Auswahl, Kontext und Zugangsentscheidungen. &lt;br /&gt;
* Anders als bei rein dezentralen Ansätzen sollte im sorbischen Modell jedoch von Anfang an ein gemeinsames Repositorium oder ein verbindlicher Repositoriumsdienst angeschlossen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== E. Vergleichsmatrix ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== E.1 Funktionen, Architektur und Standards ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable sortable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Projekt&lt;br /&gt;
! Register / Katalog&lt;br /&gt;
! Digitalisierung&lt;br /&gt;
! Repositorium / Langzeiterhaltung&lt;br /&gt;
! Präsentation / Nachnutzung&lt;br /&gt;
! Technologie und Standards&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''RomArchive'''&lt;br /&gt;
| Kuratierter Sammlungsnachweis; kein Vollregister&lt;br /&gt;
| Auswahl und Digitalisierung in der Projektphase&lt;br /&gt;
| Interne und veröffentlichte Bestände; öffentliche Dokumentation der Langzeitprozesse begrenzt&lt;br /&gt;
| Themenarchive, Touren, Forschung; Deutsch, Englisch, Romanes; eingeschränkte Nachnutzung&lt;br /&gt;
| Axiell Collections, Django-Webanwendung, Connector zwischen Sammlung und Website&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Nuohtti'''&lt;br /&gt;
| Föderierter Metadatenindex aus vielen Archiven&lt;br /&gt;
| Erfolgt überwiegend bei Quellinstitutionen&lt;br /&gt;
| Verbleibt bei Datenlieferanten; Nationalarchive tragen Suchdienst weiter&lt;br /&gt;
| Mehrsprachige Suche, Karte, Zeitleiste; Verlinkung zu Quellen&lt;br /&gt;
| VuFind, Finna, RecordManager, Solr, Finto, Giellatekno, Leaflet, OpenStreetMap, Europeana-Wege&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''People’s Collection Wales'''&lt;br /&gt;
| Gemeinsame Plattform mit institutionellen und Community-Beiträgen&lt;br /&gt;
| Zentral unterstützte, teils lokale Digitalisierung; Schulungen&lt;br /&gt;
| In Evaluation als klärungsbedürftige Rolle benannt; nicht allein aus Portal abzuleiten&lt;br /&gt;
| Zweisprachiges Portal, Uploads, Lernangebote, Karten&lt;br /&gt;
| Gemeinsame Plattform; Metadaten-, Rechte- und Digitalisierungshilfen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Tobar an Dualchais'''&lt;br /&gt;
| Durchsuchbarer Katalog zu Tonaufnahmen&lt;br /&gt;
| Audio-Digitalisierung, Erschließung und Transkription&lt;br /&gt;
| Originale in institutionellen Archiven; digitale Erhaltung in Partnerstrukturen&lt;br /&gt;
| Mehr als 40.000 Aufnahmen; Sprache, Bildung, Forschung&lt;br /&gt;
| Audio-Workflows; Transkription und automatische Spracherkennung in Ergänzungsprojekten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Euskariana'''&lt;br /&gt;
| Integrierter Katalog aus Bibliotheken, Archiven, Museen und Repositorien&lt;br /&gt;
| Bei Partnern und in eigenen Programmen&lt;br /&gt;
| Eigenes Repositorium plus Links zu externen Repositorien&lt;br /&gt;
| Baskisch/spanisch; öffentliche Suche; Europeana-Anbindung&lt;br /&gt;
| MARC, Dublin Core, METS, PREMIS, ALTO; OAI-Zugang&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''bavarikon'''&lt;br /&gt;
| Gemeinsames Portal mit Partnerdaten&lt;br /&gt;
| Förderprogramm und fachliche Begleitung; zentrale Qualitätsprüfung&lt;br /&gt;
| Verantwortlichkeit für alle Masterdateien nicht einheitlich öffentlich dokumentiert&lt;br /&gt;
| Portalsuche, Ausstellungen, 3D, Bildungs- und Social-Media-Formate&lt;br /&gt;
| Verbindliche Metadaten- und Lieferhandreichungen; zentrales Hosting&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Mukurtu / Plateau Portal'''&lt;br /&gt;
| Institutionelle und Community-Datensätze zu denselben Objekten&lt;br /&gt;
| Nicht Kernfunktion; lokale beziehungsweise institutionelle Workflows&lt;br /&gt;
| Mukurtu ausdrücklich nur Zugangsbaustein; Erhaltung separat zu planen&lt;br /&gt;
| Protokollbasierter Zugang, Community-Erzählungen, Export&lt;br /&gt;
| Open Source auf Drupal-Basis; TK Labels; kulturelle Protokolle; Dublin Core; Roundtrip-Export&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Aṟa Irititja'''&lt;br /&gt;
| Zentraler Multimedia-Katalog mit lokalen Ergänzungen&lt;br /&gt;
| Zentral vorbereitet, mit Community-Kontaktstellen und historischer Formatrettung&lt;br /&gt;
| Physische und digitale Materialien zentral fachlich verwaltet; Details zu Erhaltungsstufen begrenzt&lt;br /&gt;
| Community-Zugänge, mehrsprachig, visuell niedrigschwellig; digitale Rückgabe&lt;br /&gt;
| Speziell entwickelte beziehungsweise weiterentwickelte Wissensmanagement-Software; kulturelle Beschränkungen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''LAAL'''&lt;br /&gt;
| Sprach-, Orts-, Personen- und Titelnachweis&lt;br /&gt;
| Systematische Suche, Scan und Rechteklärung&lt;br /&gt;
| TIFF-Master; zunächst CDU eSpace, später Territory Stories&lt;br /&gt;
| PDFs, Textdateien, App, Bildung; ursprüngliche Kartenfunktion nach Migration verloren&lt;br /&gt;
| TIFF/PDF/TXT/JPG; persistente Kennungen im Zielsystem; Creative-Commons- und Takedown-Modell&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''PARADISEC'''&lt;br /&gt;
| Fachkatalog für audiovisuelle und sprachliche Sammlungen&lt;br /&gt;
| Professionelle Digitalisierung gefährdeter Medien&lt;br /&gt;
| Institutioneller Verbund; Erhaltungsformate, redundante Infrastruktur, CoreTrustSeal&lt;br /&gt;
| Online-Katalog, Forschung, Community-Zugang und Rückgabe von Kopien&lt;br /&gt;
| Internationale Archivstandards; stabile Identifikatoren; laufende Katalogmodernisierung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''RRN'''&lt;br /&gt;
| Föderierte Suche über Daten von 29 Institutionen&lt;br /&gt;
| Erfolgt primär bei Partnern&lt;br /&gt;
| Plattform ist kein einheitliches Langzeitarchiv aller Quellen&lt;br /&gt;
| Kollaborative Projekte, Diskussionen, Uploads und Recherche&lt;br /&gt;
| Föderierte Datenintegration, Programmierschnittstelle; sichtbare Plattformversion von 2014&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Indigitization'''&lt;br /&gt;
| Kein zentraler Gesamtkatalog als Hauptziel&lt;br /&gt;
| Dezentrale Digitalisierung mit zentraler Schulung, Geräten, Standards und Förderung&lt;br /&gt;
| Muss je Community beziehungsweise über Partner gelöst werden&lt;br /&gt;
| Community-interne oder öffentliche Nutzung nach lokalen Regeln&lt;br /&gt;
| Werkzeugkasten, Broadcast-Wave-Audio, Musterunterlagen und Trainingsworkflows&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== E.2 Governance, Finanzierung, Erfolg und Übertragbarkeit ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable sortable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Projekt&lt;br /&gt;
! Organisationsmodell&lt;br /&gt;
! Community-Beteiligung&lt;br /&gt;
! Finanzierung und dauerhafter Betrieb&lt;br /&gt;
! Nachweisbarer Erfolg&lt;br /&gt;
! Grenzen&lt;br /&gt;
! Übertragbarkeit auf die Sorben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''RomArchive'''&lt;br /&gt;
| Internationales Kuratorium/Beirat; seit 2019 Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma&lt;br /&gt;
| Überwiegend Roma in Kuratorien und Beirat; Auswahl und strategische Richtlinien&lt;br /&gt;
| Große öffentliche Anschubförderung; institutioneller Betreiber und laufende öffentliche Förderung&lt;br /&gt;
| Betreiberübergang vollzogen; seit 2019 online weitergeführt&lt;br /&gt;
| Kein Vollregister; wenige aktuelle Nutzungsdaten; Nachnutzung oft restriktiv&lt;br /&gt;
| '''Hoch''' für Governance, kuratierte Kontexte und Betreiberübergang&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Nuohtti'''&lt;br /&gt;
| Drei Nationalarchive plus Universitäten; föderierter Dienst&lt;br /&gt;
| Sámi-Parlamente in Steuerungsgruppe; ethische Leitlinien und Tests&lt;br /&gt;
| EU-Projekt; Weiterbetrieb durch Nationalarchive&lt;br /&gt;
| Rund 30.000 Datensätze, 32 Institutionen, fünf Sprachen; fortbestehender Dienst&lt;br /&gt;
| Datenqualität und Erhaltung bleiben verteilt; geringe aktuelle Wirkungsdaten&lt;br /&gt;
| '''Sehr hoch''' für Kulturregister und föderierte Suche&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''People’s Collection Wales'''&lt;br /&gt;
| Föderation dreier nationaler Einrichtungen&lt;br /&gt;
| Lokale Gruppen und Einzelpersonen liefern Inhalte; umfangreiche Unterstützung&lt;br /&gt;
| Walisische Regierung; Evaluation benennt Nachhaltigkeitsrisiko&lt;br /&gt;
| Dauerbetrieb, Community-Kompetenzen, kritische Masse; unabhängige Evaluation&lt;br /&gt;
| Moderate gemessene Wirkung; Vermittlung personalintensiv; 38 Survey-Antworten&lt;br /&gt;
| '''Sehr hoch''' für Servicezentrum, Zweisprachigkeit und Evaluation&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Tobar an Dualchais'''&lt;br /&gt;
| Partnerschaft kultureller und wissenschaftlicher Einrichtungen&lt;br /&gt;
| Sprachgemeinschaften, Beitragende und Freiwillige bei Erschließung/Transkription&lt;br /&gt;
| Wiederkehrende öffentliche Projekt- und Programmmittel&lt;br /&gt;
| Mehr als 40.000 Aufnahmen; laufende Weiterentwicklung&lt;br /&gt;
| Dauergrundfinanzierung und Rechteaufwand öffentlich nur teilweise sichtbar&lt;br /&gt;
| '''Hoch''' für gefährdete Medien und Spracherschließung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Euskariana'''&lt;br /&gt;
| Baskische Regierung mit öffentlichen und privaten Partnern&lt;br /&gt;
| Eher institutionell als gemeinschaftsgeführt&lt;br /&gt;
| Staatlicher Betrieb&lt;br /&gt;
| Breiter Quellenverbund, Standards, Europeana-Interoperabilität&lt;br /&gt;
| Wenig unabhängige Nutzungsevaluation; Community-Rechte kaum dokumentiert&lt;br /&gt;
| '''Hoch''' für Metadaten, Onboarding-Wege und Aggregation; '''mittel''' für Governance&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''bavarikon'''&lt;br /&gt;
| Ministerien, 14-köpfiger Rat, Bayerische Staatsbibliothek, Rechenzentrum&lt;br /&gt;
| Partnerinstitutionen im Rat; keine Minderheiten-Governance&lt;br /&gt;
| Dauerhafte Landesstruktur plus Projektförderung&lt;br /&gt;
| Über 500.000 Objekte aus rund 170 Einrichtungen; monatlicher Ausbau&lt;br /&gt;
| Große Ressourcen; Präsentation und Förderlogik dominieren&lt;br /&gt;
| '''Mittel bis hoch''' für Verfahren/Qualität; Größenordnung kaum übertragbar&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Mukurtu / Plateau Portal'''&lt;br /&gt;
| Universität als Technikträger; acht indigene Nationen und Museen als Partner&lt;br /&gt;
| Kuration, Metadaten, Protokolle und Zugriff durch Stammesvertreter&lt;br /&gt;
| Öffentliche und philanthropische Forschungsförderung; Universität pflegt Software&lt;br /&gt;
| International genutzte Open-Source-Plattform; dauerhaftes konkretes Portal&lt;br /&gt;
| Qualifizierter Betrieb nötig; Zugangsplattform ersetzt kein Repositorium&lt;br /&gt;
| '''Sehr hoch''' für Rechte, sensible Inhalte und Mehrperspektivität&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Aṟa Irititja'''&lt;br /&gt;
| Zentralfachstelle plus lokale Liaison; seit 2020 unter APY-Organisation&lt;br /&gt;
| Auftrag, Steuerung, Zugangsregeln und Kontext durch Aṉangu&lt;br /&gt;
| Langjährige Mischung aus Zuschüssen, Spenden und lokalen Beiträgen; drei permanente Teilzeitstellen&lt;br /&gt;
| Betrieb seit 1994; lokale Nutzung und digitale Rückgabe&lt;br /&gt;
| Finanzierung lange prekär; Wirkung überwiegend selbst berichtet&lt;br /&gt;
| '''Hoch''' für lokale Kontrolle und abgestufte Zugänge; Technik nicht direkt übertragbar&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''LAAL'''&lt;br /&gt;
| Universität und öffentliche Partner; Übergabe an Landesbibliothek/-archiv&lt;br /&gt;
| Einwilligung, Prüfung und Ergänzung durch Sprachgemeinschaften&lt;br /&gt;
| Zwei Forschungsförderphasen; anschließend institutionelle Übernahme&lt;br /&gt;
| Nahezu 4.000 Bücher, 50 Sprachen, 40 Gemeinschaften&lt;br /&gt;
| Rechte-Rückstand; Verlust der Kartenfunktion bei Migration&lt;br /&gt;
| '''Sehr hoch''' als Migrations-, Rechte- und Sprachlernfall&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''PARADISEC'''&lt;br /&gt;
| Verbund dreier Universitäten mit Beirat&lt;br /&gt;
| Je Sammlung unterschiedlich; Kopien und Kooperationen mit Herkunftsgemeinschaften&lt;br /&gt;
| Forschungsrat, nationale Forschungsinfrastruktur, Hochschulen und Spenden&lt;br /&gt;
| 20.500 Audio-, 4.000 Videostunden, 320 TB, 1.460 Sprachen; Zertifizierung/Auszeichnungen&lt;br /&gt;
| Hohe Fach- und Infrastrukturvoraussetzungen; Zugänglichkeit regional unterschiedlich&lt;br /&gt;
| '''Hoch''' für zentrales Fachrepositorium; Skalierung nur angepasst&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''RRN'''&lt;br /&gt;
| Gemeinsame Steuerung von First Nations und Museum; viele Datenpartner&lt;br /&gt;
| Co-Entwicklung, Projekte, Diskussionen und Community-Wissen&lt;br /&gt;
| Institutionelle Projektstruktur; aktuelle Kosten öffentlich unklar&lt;br /&gt;
| 29 Institutionen, über 570.000 Objekte, über 4.000 Mitglieder&lt;br /&gt;
| Technische Alterung möglich; Erhaltung der Quelldateien dezentral&lt;br /&gt;
| '''Hoch''' für Kooperation und Arbeitsfunktionen; Wartungsrisiko beachten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Indigitization'''&lt;br /&gt;
| Hochschul- und Community-Netzwerk als Kompetenz- und Förderstelle&lt;br /&gt;
| Projekte werden von Gemeinschaften durchgeführt und kontrolliert&lt;br /&gt;
| Hochschulunterstützung; früheres Kassettenförderprogramm aktuell pausiert&lt;br /&gt;
| 45 Förderprojekte, 11.464 Kassetten, über 422.000 CAD Förderung&lt;br /&gt;
| Dezentrale Langzeiterhaltung nicht automatisch gesichert; Förderpause&lt;br /&gt;
| '''Sehr hoch''' für Digitalisierungszentrum und Unterstützung kleiner Träger&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== F. Übergreifende Erfolgsfaktoren ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.1 Governance und Beteiligung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' Die stärksten gemeinschaftsbezogenen Projekte verankern Beteiligung in Gremien, Rollen und Datenmodellen. RomArchive übergab Kuratierung und strategische Leitlinien überwiegend an Roma. Nuohtti beteiligte Sámi-Parlamente. Mukurtu und das Plateau Portal ermöglichen kulturelle Protokolle und mehrere Beschreibungen. Aṟa Irititja ist unter einer Aṉangu-geführten Organisation verankert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Erforderlich ist ein dauerhaftes Steuerungsmodell mit Vertreterinnen und Vertretern zentraler Einrichtungen, lokaler Träger, beider Sprachräume, Fachwissenschaft, Technik und möglichst verschiedener Generationen. Für sensible Inhalte, Priorisierung und öffentliche Darstellung müssen Entscheidungs- und Eskalationsregeln schriftlich festgelegt werden. Eine bloße Anhörung nach Abschluss technischer Entscheidungen ist unzureichend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.2 Erfassung und Priorisierung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' Nuohtti begann mit der Kartierung verteilter Quellen; LAAL mit systematischem Auffinden gefährdeter Literatur. bavarikon nutzt Anträge, Objektlisten und Auswahlkriterien. Audioprojekte priorisieren physisch und technisch gefährdete Medien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Zunächst sollte das Kulturregister einen belastbaren Überblick schaffen, ohne sofort jeden Eintrag maximal tief zu erschließen. Die Digitalisierungspriorität sollte anschließend aus mindestens vier Kriterien gebildet werden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Gefährdung:''' physischer Verfall, technische Obsoleszenz, Verlustgefahr;&lt;br /&gt;
# '''Bedeutung:''' Einzigartigkeit, Repräsentativität, sprachliche und kulturelle Relevanz;&lt;br /&gt;
# '''Nutzungspotenzial:''' Bildung, Forschung, Sprachrevitalisierung, Vermittlung;&lt;br /&gt;
# '''Umsetzbarkeit:''' Rechteklarheit, Zustand, vorhandene Metadaten, Kosten und Zielrepositorium.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Priorisierungswert darf keine endgültige kulturelle Rangliste erzeugen. Er dient der Arbeitsplanung und muss fachlich sowie gemeinschaftlich überprüfbar sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.3 Organisation der Digitalisierung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' Indigitization und People’s Collection Wales zeigen, dass zentrale Kompetenz und lokale Durchführung kombinierbar sind. bavarikon ergänzt dies um Auswahl, Förderung und Qualitätsprüfung. PARADISEC zeigt für anspruchsvolle audiovisuelle Medien den Wert eines spezialisierten Fachzentrums.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Das Digitalisierungszentrum sollte ein gestuftes Dienstemodell anbieten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Beratung und Projektplanung;&lt;br /&gt;
* Leihtechnik und Schulung für geeignete einfache Verfahren;&lt;br /&gt;
* mobile Digitalisierung vor Ort, wenn Kulturgüter nicht transportiert werden können;&lt;br /&gt;
* zentrale Digitalisierung für anspruchsvolle oder gefährdete Medien;&lt;br /&gt;
* Rahmenverträge und Qualitätskontrolle für externe Spezialdienstleister;&lt;br /&gt;
* Übernahmevorbereitung für das Repositorium.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.4 Technische Architektur ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' Föderierte Portale wie Nuohtti und Euskariana verbinden bestehende Systeme, statt alle Partner zu einem identischen Fachverfahren zu zwingen. Erfolgreiche Systeme verfügen über Exporte und Schnittstellen. LAAL zeigt, dass bei Migrationen zielgruppenspezifische Funktionen verloren gehen können, wenn Daten- und Präsentationslogik zu eng gekoppelt sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Die Architektur sollte modular sein. Das Register verwaltet Nachweise und Beziehungen; Digitalisierungsworkflows erzeugen Dateien und technische Metadaten; das Repositorium übernimmt Erhaltungspakete; Präsentationssysteme beziehen freigegebene Daten und Derivate. Jedes System benötigt dokumentierte Exporte. Eine proprietäre Lösung ohne vollständigen Datenexport, Identifikatorerhalt und Migrationsplan sollte ausgeschlossen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.5 Metadaten und Interoperabilität ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' Euskariana und bavarikon arbeiten mit veröffentlichten Standards und Lieferprofilen; Nuohtti normalisiert heterogene Daten; Mukurtu ermöglicht zusätzliche Community-Metadaten. Technische Vollständigkeit allein löst jedoch keine problematischen historischen Begriffe oder fehlenden kulturellen Kontexte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Notwendig ist ein abgestuftes Metadatenprofil:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* '''Pflichtkern''' für alle Träger: eindeutige Kennung, Bezeichnung, Kulturgutart, Standort beziehungsweise Träger, Sprache, Zeit/Ort soweit bekannt, Kurzkontext, Rechte-/Zugangsstatus, Quellenangabe, Bearbeitungsstand;&lt;br /&gt;
* '''fachliche Erweiterungen''' für Archive, Bibliotheken, Museen, audiovisuelle Medien, immaterielles Kulturerbe und Born-digital-Bestände;&lt;br /&gt;
* '''Community-Felder''' für sorbische Bezeichnungen, lokale Varianten, kulturelle Hinweise, alternative Erzählungen und Korrekturen;&lt;br /&gt;
* '''technische Erhaltungsmetadaten''' im Repositorium, etwa Dateiformat, Prüfsumme, Erzeugung, Migration und Beziehungen zwischen Master und Derivaten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Normdaten und kontrollierte Vokabulare sollten dort eingesetzt werden, wo sie Nutzen bringen. Für ehrenamtliche Erfassung müssen einfache Auswahllisten, Hilfetexte und spätere fachliche Anreicherung vorgesehen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.6 Rechte und kulturelle Selbstbestimmung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' Mukurtu, Aṟa Irititja und LAAL zeigen, dass urheberrechtliche Erlaubnis, Datenschutz und kulturelle Angemessenheit getrennt geprüft werden müssen. Ein Werk kann rechtlich veröffentlichbar, kulturell aber sensibel sein; umgekehrt kann eine Gemeinschaft Zugang wünschen, obwohl eine allgemeine Veröffentlichung nicht möglich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Mindestens vier Sichtbarkeitsstufen sind sinnvoll:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# öffentliche Metadaten, aber kein Medium;&lt;br /&gt;
# öffentliches Nutzungsdigitalisat, gegebenenfalls in reduzierter Qualität;&lt;br /&gt;
# beschränkter Zugang für festgelegte Gruppen, Forschung oder Community;&lt;br /&gt;
# gesperrt beziehungsweise nur intern dokumentiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder Datensatz sollte dokumentieren, wer die Entscheidung getroffen hat, auf welcher Grundlage sie beruht und wann sie erneut geprüft wird. Rechteinformationen müssen vom Register über Repositorium bis Präsentation mitgeführt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.7 Langzeiterhaltung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' PARADISEC belegt den Wert eines fachlich betriebenen Repositoriums. LAAL zeigt sowohl die Trennung von Master- und Nutzungsdateien als auch das Risiko einer Migration. Mukurtu warnt ausdrücklich davor, Zugangsplattform und Erhaltungssystem gleichzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Für jedes Digitalisat müssen vor der Produktion feststehen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Zielrepositorium und verantwortlicher Betreiber;&lt;br /&gt;
* Master- und Nutzungsformat;&lt;br /&gt;
* Dateibenennung beziehungsweise Identifikator;&lt;br /&gt;
* Prüfsumme und Integritätskontrolle;&lt;br /&gt;
* mindestens zwei räumlich getrennte Sicherungskopien;&lt;br /&gt;
* Übergabepaket aus Datei, Metadaten, Rechten und Provenienz;&lt;br /&gt;
* Verfahren für Formatbeobachtung, Migration und Wiederherstellung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das OAIS-Modell bietet den konzeptionellen Rahmen; die NDSA-Reifegradstufen können einen realistischen stufenweisen Aufbau unterstützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.8 Präsentation und Nachnutzung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' RomArchive verbindet Objekte mit kuratierten Erzählungen; People’s Collection Wales mit Lern- und Beitragsfunktionen; Tobar an Dualchais mit sprachlicher Erschließung; RRN mit kollaborativen Arbeitsräumen. Erfolg entsteht nicht durch bloße Online-Sichtbarkeit, sondern durch zielgruppengerechte Kontexte und tatsächlich nutzbare Funktionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Ein gemeinsamer Suchzugang ist wichtig, aber nicht jede Zielgruppe braucht dieselbe Oberfläche. Denkbar sind ein übergreifendes Kulturerbeportal, Fachzugänge für Forschung, Bildungsbausteine, kuratierte Ausstellungen und maschinenlesbare Schnittstellen. Download und Nachnutzung sollten dort ermöglicht werden, wo Rechte und kulturelle Interessen dies zulassen. Nutzungsstatistiken, Zitationen, Downloads, Bildungskooperationen und Community-Rückmeldungen sollten kontinuierlich ausgewertet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.9 Finanzierung und Verstetigung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' RomArchive plante den Betreiberübergang früh. People’s Collection Wales und Aṟa Irititja zeigen, wie belastend unsichere Finanzierung bleibt. Indigitization demonstriert die Wirkung kleiner Förderbudgets, aber auch die Verwundbarkeit eines pausierenden Programms. bavarikon und PARADISEC profitieren von institutioneller Infrastruktur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Es sind drei Kostenarten getrennt zu planen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Aufbaukosten:''' Konzeption, Pilot, Beschaffung, Datenmigration, erste Digitalisierung;&lt;br /&gt;
# '''Betriebskosten:''' Personal, Hosting, Speicher, Sicherung, Helpdesk, Rechtearbeit, Qualitätssicherung;&lt;br /&gt;
# '''Erneuerungskosten:''' Softwareupdates, Sicherheitsmaßnahmen, Hardwareersatz, Formatmigration, Neuentwicklung von Schnittstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Projektmittel eignen sich für Aufbau und Erprobung. Kernfunktionen dürfen nach der Pilotphase nur skaliert werden, wenn ein wiederkehrender Betriebsetat und ein verantwortlicher Rechtsträger feststehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.10 Projektsteuerung und schrittweiser Aufbau ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' People’s Collection Wales empfiehlt einen evidenzbasierten Ablauf aus Bedarf, Pilot, Test, Auswertung und Skalierung. Indigitization entwickelte seinen Werkzeugkasten aus drei Pilotprojekten. bavarikon nutzt Vorantrag, Prüfung, Standards und begleitete Umsetzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Der Aufbau sollte in überprüfbaren Ausbaustufen erfolgen. Jede Stufe braucht definierte Ergebnisse, Qualitätskriterien, Verantwortliche, Budget, Risiken und eine Entscheidung über Fortführung oder Anpassung. Technische Pilotierung ohne Governance-, Rechte- und Betriebsprüfung wäre unvollständig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== G. Empfehlungen für den sorbischen Kontext ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.1 Zielmodell: vier Säulen, drei Fundamente, zwei Betriebsregeln ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ergebnisse lassen sich für den sorbischen Kontext in einem priorisierten 4–3–2-Modell zusammenführen. Es verbindet die im Konzept beschriebene Prozesskette mit einer klaren organisatorischen und technischen Verantwortungsstruktur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Vier funktionale Säulen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Säule&lt;br /&gt;
! Mindestauftrag&lt;br /&gt;
! Abgrenzung&lt;br /&gt;
! Unverzichtbare Schnittstellen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''1. Sorbisches Kulturregister (SKR)'''&lt;br /&gt;
| Verteilte Kulturgüter und Bestände nachweisen, beschreiben, verknüpfen, Rechte- und Prioritätsstatus dokumentieren&lt;br /&gt;
| Kein Ersatz für lokale Inventare und nicht automatisch Speicherort aller Dateien&lt;br /&gt;
| Import/Export zu Fachsystemen; Übergabe von Objekt- und Rechtekennungen an Digitalisierung, Repositorium und Präsentation&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''2. Digitalisierungszentrum (DZ)'''&lt;br /&gt;
| Beratung, Planung, Digitalisierung, Qualitätssicherung, Schulung, Dienstleistersteuerung und Vorbereitung der Archivübergabe&lt;br /&gt;
| Nicht primär öffentlicher Katalog und nicht automatisch dauerhafter Speicher&lt;br /&gt;
| Aufträge aus Register/Priorisierung; Lieferung standardisierter Übergabepakete an Repositorium; Erzeugung von Nutzungsderivaten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''3. Repositorium / digitales Langzeitarchiv'''&lt;br /&gt;
| Masterdateien, Metadaten, Rechte und Provenienz dauerhaft übernehmen, prüfen, sichern und migrieren&lt;br /&gt;
| Nicht mit einem Netzlaufwerk, einer Cloudablage oder der öffentlichen Website gleichzusetzen&lt;br /&gt;
| Persistente Identifikatoren; Rückmeldung des Archivstatus an Register; kontrollierte Bereitstellung an Präsentationssysteme&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''4. Präsentations- und Nutzungssysteme'''&lt;br /&gt;
| Freigegebene Inhalte suchen, verstehen, zitieren, herunterladen und weiterverwenden lassen&lt;br /&gt;
| Nicht führendes System für Rechte, Masterdateien oder dauerhafte Erhaltung&lt;br /&gt;
| Bezug von Metadaten aus Register und Derivaten aus Repositorium; Rückgabe von Nutzungs- und Korrekturinformationen&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Entscheidender Punkt:''' Die vier Säulen sind Funktionen, nicht zwingend vier eigenständige Einrichtungen. Ein Träger kann mehrere Funktionen übernehmen. Dennoch müssen für jede Säule Auftrag, Zuständigkeit, Datenhoheit, Budget, Qualitätskriterien, Vertretung und Ausfallvorsorge benannt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Drei gemeinsame Fundamente ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Fundament&lt;br /&gt;
! Inhalt&lt;br /&gt;
! Warum es vor der Skalierung geklärt werden muss&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''A. Gemeinschaftliche Governance und Rechte'''&lt;br /&gt;
| Entscheidungsgremien, Rollen der Kulturgutträger, Community-Beteiligung, Konfliktlösung, sensible Inhalte, abgestufte Zugänge&lt;br /&gt;
| Ohne Entscheidungskompetenz entstehen Vertrauensverlust, Verzögerungen und nachträgliche Sperrungen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''B. Gemeinsame Daten- und Qualitätsarchitektur'''&lt;br /&gt;
| Metadatenkern, Identifikatoren, Sprachwerte, Vokabulare, Dateiformate, Schnittstellen, Lieferpakete, Qualitätssicherung&lt;br /&gt;
| Ohne gemeinsamen Kern können Register, DZ, Repositorium und Präsentation nicht verlässlich zusammenspielen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''C. Dauerbetrieb, Finanzierung und Kompetenz'''&lt;br /&gt;
| Rechtsträger, wiederkehrendes Budget, Personal, Hosting, Speicher, Wartung, Schulung, Helpdesk und Erneuerungsplanung&lt;br /&gt;
| Ohne Betriebsperspektive vergrößert jedes zusätzliche Digitalisat die technische und organisatorische Schuld.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Zwei Betriebsregeln ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Zentral ermöglichen, dezentral verantworten.''' Zentrale Stellen bieten Infrastruktur, Standards, Beratung, Qualitätskontrolle, Repositorium und gemeinsame Zugänge. Kulturgutträger behalten grundsätzlich Originale, lokalen Kontext, Beziehungen zu Urheberinnen und Urhebern sowie Mitentscheidung über kulturelle Bedeutung und Zugang.&lt;br /&gt;
# '''Als Projekt aufbauen, nur mit Dauerbetrieb skalieren.''' Pilot- und Förderprojekte sind geeignet, Register, Dienste und Workflows zu entwickeln. Eine breite Produktion beginnt erst, wenn dauerhafter Betreiber, Regelbudget, Personal und Erhaltungsweg gesichert sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Prüfsatz für Entscheidungen:''' Kein Digitalisat ohne Zielarchiv; kein Portal ohne Datenpflege; kein Register ohne Zuständigkeit; keine Veröffentlichung ohne Rechte- und Kulturprüfung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.2 Was zentral, dezentral und gemeinsam organisiert werden sollte ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Zentral bereitzustellen&lt;br /&gt;
! Dezentral bei den Kulturgutträgern&lt;br /&gt;
! Gemeinsam zu entscheiden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Technische Plattform und Datenmodell des Kulturregisters&lt;br /&gt;
| Besitz, Verwahrung und konservatorische Verantwortung für Originale, soweit nicht anders vereinbart&lt;br /&gt;
| Welche Bestände zunächst erfasst und digitalisiert werden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Metadatenkern, Vokabulare, Identifikatoren und Schnittstellen&lt;br /&gt;
| Erste Bestandskenntnis, lokale Namen, Geschichte und Beziehungen&lt;br /&gt;
| Kulturelle Bedeutung, Repräsentativität und Priorität&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Digitalisierungsberatung, Spezialtechnik, mobile Dienste und Qualitätsprüfung&lt;br /&gt;
| Lokale Auswahl und organisatorische Vorbereitung&lt;br /&gt;
| Transport, Vor-Ort-Digitalisierung oder externe Vergabe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Repositorium, Sicherung, Integritätsprüfung, Migration und Wiederherstellung&lt;br /&gt;
| Mitwirkung an Rechteklärung und Kontakt zu Betroffenen beziehungsweise Nachkommen&lt;br /&gt;
| Zugangs- und Nutzungskategorien für sensible Inhalte&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mustervereinbarungen, Rechte- und Datenschutzberatung&lt;br /&gt;
| Lokale Freigaben, sofern die jeweilige Stelle entscheidungsbefugt ist&lt;br /&gt;
| Verfahren bei Konflikten, Korrekturen und Takedown-Anfragen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Schulungen, Helpdesk, Dokumentation und gegebenenfalls Kleinprojektförderung&lt;br /&gt;
| Pflege von Kontexten, Korrekturen und neuen Informationen&lt;br /&gt;
| Übersetzungs- und Erschließungsprioritäten in Ober- und Niedersorbisch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gemeinsame Präsentationsbausteine und Programmierschnittstellen&lt;br /&gt;
| Eigene lokale Ausstellungen und Nutzungsszenarien&lt;br /&gt;
| Welche Inhalte übergreifend präsentiert oder nachnutzbar gemacht werden&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Verteilung schützt die dezentrale Trägerschaft, ohne kleine Einrichtungen mit jeder technischen Aufgabe allein zu lassen. Sie verhindert zugleich, dass zentrale Infrastruktur mit zentraler kultureller Deutungshoheit verwechselt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.3 Kurzfristig umsetzbare Schritte: 2026–2027 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Priorität 1: Governance und Verantwortungen beschließen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ein gemeinsames Steuerungsgremium für Kulturregister, Digitalisierungszentrum, Repositorium und Präsentation festlegen.&lt;br /&gt;
* Beide sorbischen Sprachräume, zentrale Institutionen und mindestens mehrere lokale beziehungsweise ehrenamtliche Träger verbindlich vertreten.&lt;br /&gt;
* Entscheidungsrechte, Vetorechte bei sensiblen Inhalten, Konfliktlösung und Vertretungsregelungen schriftlich regeln.&lt;br /&gt;
* Einen dauerhaften Produkt- beziehungsweise Serviceverantwortlichen für jede der vier Säulen benennen, auch wenn mehrere Säulen organisatorisch beim selben Träger liegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Priorität 2: Gemeinsamen Mindeststandard verabschieden ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Standard sollte klein genug für ehrenamtliche Erfassung, aber erweiterbar für Fachinstitutionen sein. Er muss mindestens regeln:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* eindeutige Kennung und verantwortlicher Datensatzhalter;&lt;br /&gt;
* Bezeichnung in Originalsprache und gegebenenfalls Übersetzungen;&lt;br /&gt;
* getrennte Sprachkennzeichnung für Obersorbisch, Niedersorbisch, Deutsch und weitere Sprachen;&lt;br /&gt;
* Kulturgutart und Zugehörigkeit zu materiellen, immateriellen oder digitalen Beständen;&lt;br /&gt;
* Standort beziehungsweise verwahrende Stelle;&lt;br /&gt;
* Kurzkontext, Zeit, Ort und beteiligte Personen soweit bekannt;&lt;br /&gt;
* Rechte-, Datenschutz- und kultureller Zugangsstatus;&lt;br /&gt;
* Digitalisierungs- und Archivierungsstatus;&lt;br /&gt;
* Provenienz, Quellen und Bearbeitungsstand;&lt;br /&gt;
* Exportformat und dauerhafte Identifikatoren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Priorität 3: Rechte- und Zugangsmodell entwickeln ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein einheitlicher Workflow sollte rechtliche und kulturelle Fragen getrennt dokumentieren. Empfohlen werden mindestens die vier Stufen „nur Nachweis“, „öffentliches Derivat“, „beschränkter Zugang“ und „gesperrt“. Für jede Stufe sind Verantwortliche, Freigabegrund, Prüffrist und Takedown-Verfahren festzulegen. Local Contexts kann als Anregung dienen; Begriffe und Symbole müssen jedoch gemeinsam für die sorbische Rechts- und Kulturpraxis entwickelt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Priorität 4: End-to-End-Pilot starten ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der erste Pilot sollte nicht nur ein Portal oder einen Scanner testen, sondern die gesamte Kette:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: Kulturgutträger → Erfassung im Register → Priorisierung und Freigabe → Digitalisierung und Qualitätsprüfung → Übernahme ins Repositorium → kontrollierte Präsentation und Nachnutzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beteiligt werden sollten drei bis fünf sehr unterschiedliche Träger, zum Beispiel eine zentrale Institution, eine Heimatstube oder ein Verein, eine kirchliche Einrichtung, eine kommunale Sammlung und gegebenenfalls eine Privatperson. Der Pilot sollte beide sorbischen Schriftsprachen und mindestens drei Medientypen umfassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Priorität 5: Repositoriumsziel vor Produktionsausweitung klären ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits Pilotdigitalisate benötigen einen definierten, überprüfbaren Speicher- und Erhaltungsweg. Falls das endgültige Langzeitarchiv noch nicht vollständig aufgebaut ist, braucht es einen dokumentierten Übergangsdienst mit Prüfsummen, redundanten Kopien, klarer Verantwortung und verbindlichem späteren Migrationsplan. Eine bloße Projektablage ist nicht ausreichend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.4 Mittelfristiger Strukturaufbau: 2027–2030 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Kulturregister ausbauen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Zwei Anbindungswege anbieten: direkte Erfassung beziehungsweise zentral gehostete Mandanten für kleine Träger und standardisierte Datenlieferung für große Fachsysteme.&lt;br /&gt;
* Priorisierungsansicht, Rechte- und Archivstatus sowie Beziehungen zwischen Original, Digitalisat, Werk, Person, Ort, Brauch und Sammlung abbilden.&lt;br /&gt;
* Korrektur- und Ergänzungsworkflow für Community-Wissen einrichten.&lt;br /&gt;
* Export, Programmierschnittstelle und regelmäßige Sicherung verpflichtend machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Digitalisierungszentrum als Dienstleistungsstelle verstetigen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Servicekatalog mit klaren Leistungen, Voraussetzungen, Bearbeitungszeiten und Kosten beziehungsweise Fördermöglichkeiten veröffentlichen.&lt;br /&gt;
* Mobile und stationäre Digitalisierung sowie Vergabe an Spezialdienstleister kombinieren.&lt;br /&gt;
* Schulungsprogramm und „Train-the-Trainer“-Ansatz für lokale Multiplikatorinnen und Multiplikatoren aufbauen.&lt;br /&gt;
* Kleinprojektförderung nach dem Vorbild von Indigitization oder bavarikon erproben.&lt;br /&gt;
* Qualitätssicherung und Übergabepakete zum Repositorium standardisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Repositorium in einen verlässlichen Regelbetrieb überführen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* OAIS-Funktionen organisatorisch zuordnen und mit den NDSA-Reifegradstufen schrittweise umsetzen.&lt;br /&gt;
* mindestens zwei räumlich getrennte Speicherkopien, regelmäßige Fixity Checks (Prüfung der Dateiunverändertheit über Prüfsummen) und Wiederherstellungstests etablieren;&lt;br /&gt;
* Masterdateien, Derivate, Metadaten, Rechte und technische Ereignisse verknüpfen;&lt;br /&gt;
* Verantwortungen bei Trägerwechsel oder Projektende vertraglich sichern;&lt;br /&gt;
* audiovisuelle Daten nach IASA-Empfehlungen behandeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Präsentation zielgruppenspezifisch entwickeln ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Gemeinsame Suche und verständliche Basiskontexte in Deutsch, Ober- und Niedersorbisch sowie ausgewählte englische Zugänge bereitstellen.&lt;br /&gt;
* Nicht jeden Datensatz vollständig in vier Sprachen übersetzen; stattdessen Oberfläche, Kernelemente, kontrollierte Begriffe und besonders relevante Inhalte priorisieren und Übersetzungsstatus sichtbar machen.&lt;br /&gt;
* Bildungs- und Forschungsnutzung in Pilotkooperationen testen.&lt;br /&gt;
* IIIF und Programmierschnittstellen dort einsetzen, wo sie einen konkreten Mehrwert für Anzeige, Zitation oder Datenbezug schaffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.5 Langfristige Aufgaben: ab 2030 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Regelmäßige Daten- und Formatmigrationen, Sicherheitsprüfungen und Erneuerung der Infrastruktur finanzieren.&lt;br /&gt;
* Erfolg anhand eines stabilen Kennzahlensets messen: erfasste und archivierte Bestände, beteiligte Träger, Bearbeitungszeiten, Rechte-Rückstände, Nutzung, Downloads, Bildungsprojekte, wissenschaftliche Zitationen, Community-Zufriedenheit und Korrekturen.&lt;br /&gt;
* Born-digital-Kulturerbe wie Websites, digitale Fotosammlungen, Social-Media-Projekte, digitale Kunst und Software systematisch übernehmen.&lt;br /&gt;
* Repositoriumsprozesse gegebenenfalls auf eine externe Vertrauenswürdigkeitsprüfung oder Zertifizierung vorbereiten.&lt;br /&gt;
* Kooperationen mit nationalen und europäischen Aggregatoren ausbauen, ohne die sorbische Datenhoheit und sprachliche Sichtbarkeit aufzugeben.&lt;br /&gt;
* Alle drei bis fünf Jahre Governance, Standards, Prioritäten und Zugangsregeln gemeinsam überprüfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.6 Empfohlene Pilotprojekte ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Pilot&lt;br /&gt;
! Ziel&lt;br /&gt;
! Warum besonders sinnvoll&lt;br /&gt;
! Erfolgskriterien&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''1. Kulturregister-Pilot mit heterogenen Trägern'''&lt;br /&gt;
| Mindestmetadaten, Onboarding und föderierte Datenlieferung testen&lt;br /&gt;
| Deckt die reale Spannweite von Fachinstitution bis Ehrenamt ab&lt;br /&gt;
| Mindestens 3–5 Träger liefern exportfähige, verständliche Datensätze; Aufwand und Hilfebedarf sind gemessen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''2. Gefährdete sorbische Ton- und Videobestände'''&lt;br /&gt;
| Priorisierung, Digitalisierung, Transkription, Rechte und Archivierung zeitkritischer Medien&lt;br /&gt;
| Hohe Verlustgefahr und großer Sprachwert; Anknüpfung an Tobar an Dualchais, PARADISEC und Indigitization&lt;br /&gt;
| Definierte Masterdateien, geprüfte Übergabe, zweisprachige Erschließung, Nutzungsfall für Bildung/Forschung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''3. Sensibles und immaterielles Kulturerbe'''&lt;br /&gt;
| Abgestufte Rechte und Community-Entscheidungen an Interviews, Bräuchen oder Familienmaterial erproben&lt;br /&gt;
| Testet Governance statt nur Technik&lt;br /&gt;
| Dokumentierte Freigabewege, mehrere Zugangsstufen, Takedown-Prozess und Community-Abnahme&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''4. Durchgängige Vier-Säulen-Kette'''&lt;br /&gt;
| Datenfluss vom Register bis zur Präsentation ohne manuelle Medienbrüche testen&lt;br /&gt;
| Macht Schnittstellen- und Verantwortungsprobleme früh sichtbar&lt;br /&gt;
| Identifikatoren und Rechte bleiben durchgängig erhalten; Übergaben sind reproduzierbar&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''5. Migrations- und Ausstiegstest'''&lt;br /&gt;
| Vollständigen Export eines Pilotbestands in ein neutrales Format und Wiederimport prüfen&lt;br /&gt;
| Reagiert direkt auf das LAAL- und RRN-Lernfeld technischer Alterung&lt;br /&gt;
| Dateien, Beziehungen, Rechte, Sprachwerte und Identifikatoren bleiben erhalten; Dokumentation ist für anderen Betreiber nutzbar&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.7 Mindestanforderungen vor jeder Beschaffung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor der Entscheidung für eine konkrete Software sollten folgende Punkte verbindlich beantwortet sein:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Welche Funktion der vier Säulen soll die Software erfüllen – und welche ausdrücklich nicht?&lt;br /&gt;
# Wer ist fachlich, technisch und rechtlich verantwortlich?&lt;br /&gt;
# Wie werden Ober- und Niedersorbisch in Oberfläche, Datenfeldern, Suche und Export behandelt?&lt;br /&gt;
# Welche vollständigen Daten- und Dateiexporte sind jederzeit möglich?&lt;br /&gt;
# Wie bleiben Identifikatoren und Beziehungen bei einem Systemwechsel erhalten?&lt;br /&gt;
# Welche Rechte- und Sichtbarkeitsstufen lassen sich abbilden?&lt;br /&gt;
# Wie werden Community-Ergänzungen von institutionellen Ausgangsdaten unterschieden, ohne sie abzuwerten?&lt;br /&gt;
# Wo liegen Masterdateien und wer prüft ihre Integrität?&lt;br /&gt;
# Welche wiederkehrenden Lizenz-, Hosting-, Speicher-, Wartungs- und Personalkosten entstehen über mindestens zehn Jahre?&lt;br /&gt;
# Was geschieht bei Anbieterwechsel, Projektende, Insolvenz oder Wegfall einer Förderung?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.8 Übertragbarkeit differenziert bewertet ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Direkt übertragbare Ansätze ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* funktionale Trennung von Register, Digitalisierung, Repositorium und Präsentation;&lt;br /&gt;
* zentraler Service bei dezentraler Trägerschaft;&lt;br /&gt;
* gemeinsamer Metadatenkern mit fachlichen Erweiterungen;&lt;br /&gt;
* abgestufte Zugänge und getrennte rechtliche/kulturelle Prüfung;&lt;br /&gt;
* Pilotierung mit heterogenen Trägern;&lt;br /&gt;
* Betreiber- und Finanzierungsplanung vor Skalierung;&lt;br /&gt;
* Schulung, Helpdesk und Vorlagen für kleine Sammlungen;&lt;br /&gt;
* Exportfähigkeit und Migrationsplanung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Mit Anpassungen übertragbare Ansätze ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Mukurtu-Protokolle und Traditional Knowledge Labels: als Vorbild, aber mit sorbisch entwickelten Begriffen und deutscher beziehungsweise europäischer Rechtsprüfung;&lt;br /&gt;
* Nuohttis föderierte Architektur: gut übertragbar, jedoch mit deutlich kleinerem institutionellem Netz und zwei sorbischen Schriftsprachen;&lt;br /&gt;
* bavarikons Förder- und Qualitätsverfahren: in vereinfachter Form und mit wesentlich kleinerem Budget;&lt;br /&gt;
* PARADISECs Fachrepositorium: als Dienstemodell für gefährdete Medien, nicht in dessen globaler Größenordnung;&lt;br /&gt;
* People’s Collection Wales: Support- und Beteiligungsmodell, angepasst an kleinere Personalressourcen und vorhandene sorbische Institutionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Kaum unmittelbar übertragbare Ansätze ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* eine vollständig eigenständige technische Großinfrastruktur nach Maßstab eines Flächenlandes wie Bayern;&lt;br /&gt;
* ein internationaler Universitätsverbund mit hunderten Terabyte und weltweitem Einzugsbereich wie PARADISEC;&lt;br /&gt;
* die unveränderte Übernahme indigener Rechts- und Kulturkonzepte in den europäischen Minderheitenkontext;&lt;br /&gt;
* die Vorstellung, jedes lokale Haus müsse ein eigenes Langzeitarchiv oder hoch spezialisiertes Digitalisierungslabor betreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Risiken und Fehler, die vermieden werden sollten ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* '''Portal zuerst:''' Eine öffentlich sichtbare Website wird gebaut, bevor Datenpflege, Rechte und Langzeiterhaltung geregelt sind.&lt;br /&gt;
* '''Projektserver als Archiv:''' Dateien liegen nur in Arbeitsordnern, Clouds oder einem Content-Management-System.&lt;br /&gt;
* '''Ein System für alles:''' Register, Produktion, Archivierung und Präsentation werden technisch und organisatorisch untrennbar gekoppelt.&lt;br /&gt;
* '''Offen oder geschlossen:''' Fehlende Zwischenstufen führen entweder zu unnötiger Sperrung oder unangemessener Veröffentlichung.&lt;br /&gt;
* '''Standards ohne Hilfe:''' Ehrenamtliche Träger erhalten komplexe Vorgaben, aber keine Schulung, Zeit oder Nachbearbeitung.&lt;br /&gt;
* '''Zentralisierung der Deutung:''' Lokale und sprachräumliche Perspektiven werden durch ein einziges zentrales Beschreibungsschema verdrängt.&lt;br /&gt;
* '''Digitalisierung ohne Rechtebudget:''' Scans und Aufnahmen entstehen schneller als Einwilligungen, Prüfungen und Freigaben bearbeitet werden können.&lt;br /&gt;
* '''Abhängigkeit ohne Exit:''' Proprietäre Software oder Dienstleister werden gewählt, ohne vollständigen Export und getesteten Betreiberwechsel.&lt;br /&gt;
* '''Projektende ohne Betrieb:''' Förderziele zählen veröffentlichte Objekte, aber keine Stellen, Speicher-, Wartungs- und Migrationskosten nach Förderende.&lt;br /&gt;
* '''Mehrsprachigkeit nur im Menü:''' Die Oberfläche ist übersetzt, Datensätze, Suche, Vokabulare und redaktionelle Prozesse bleiben einsprachig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.9 Priorisierte Schlussfolgerung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wichtigste Lehre lautet nicht, möglichst schnell ein großes Portal zu füllen. Vorrang hat eine belastbare Arbeitsteilung:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Zuerst Regeln und Verantwortung:''' Governance, Rechte, Sprachmodell, Mindestmetadaten und Betreiber festlegen.&lt;br /&gt;
# '''Dann die sichere Kette:''' Register, Digitalisierungszentrum und Repositorium in einem Ende-zu-Ende-Pilot verbinden.&lt;br /&gt;
# '''Danach skalieren:''' Bestände risikobasiert digitalisieren, kleine Träger durch Dienste und Förderung einbinden.&lt;br /&gt;
# '''Erst darauf die breite Präsentation:''' Freigegebene Inhalte zielgruppengerecht, mehrsprachig und nachnutzbar anbieten.&lt;br /&gt;
# '''Dauerhaft überprüfen:''' Nutzung, Datenqualität, Rechte-Rückstände, Betriebskosten und Community-Zufriedenheit messen und Architektur weiterentwickeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit wird aus vier technischen beziehungsweise organisatorischen Säulen ein gemeinsames System: '''dezentrale kulturelle Verantwortung, zentral abgesicherte Dienste und eine verbindliche dauerhafte Finanzierung.'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== H. Verdichtungsvorschlag für den Konzeptabschnitt „Beispiele anderer Kulturen und Regionen“ ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den kurzen Wiki-Abschnitt wird eine Gliederung in höchstens vier Unterabschnitte empfohlen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Ziel und Auswahl:''' Warum der Vergleich durchgeführt wurde und warum kein universelles Idealmodell gesucht wird.&lt;br /&gt;
# '''Sieben aussagekräftige Beispiele:''' RomArchive, Nuohtti, People’s Collection Wales, Tobar an Dualchais, Euskariana, Mukurtu/Plateau Portal und Indigitization. Jedes Beispiel erhält einen kurzen Kontext, die zentrale Besonderheit und ein konkretes Learning.&lt;br /&gt;
# '''Schlussverdichtung:''' Vier Säulen, drei Fundamente und zwei Betriebsregeln.&lt;br /&gt;
# '''Prioritäten für die Sorben:''' Governance und Standards → Ende-zu-Ende-Pilot und Zielrepositorium → Verstetigung des Digitalisierungszentrums → skalierte Präsentation und Nachnutzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die sieben Beispiele decken die für den sorbischen Kontext wichtigsten Perspektiven ab:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Beispiel&lt;br /&gt;
! Zentrale Besonderheit&lt;br /&gt;
! Konkretes Learning für die Sorben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| RomArchive&lt;br /&gt;
| Minderheitenangehörige kuratieren und steuern; Betreiberübergang nach Projektphase&lt;br /&gt;
| Deutungshoheit und dauerhaften Träger von Beginn an verankern&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Nuohtti&lt;br /&gt;
| Föderierte Suche über verteilte Bestände und mehrere Staaten/Sprachen&lt;br /&gt;
| Kulturregister als verbindende Nachweisschicht statt Zwangszentralisierung bauen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| People’s Collection Wales&lt;br /&gt;
| Zweisprachige Plattform plus Schulung und Community-Unterstützung; unabhängige Evaluation&lt;br /&gt;
| Kleine Träger brauchen Helpdesk, Training und realistische Wirkungsmessung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Tobar an Dualchais&lt;br /&gt;
| Sicherung und sprachliche Erschließung gefährdeter Tonaufnahmen&lt;br /&gt;
| Audiovisuelle Bestände zeitlich priorisieren und mit Transkription verbinden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Euskariana&lt;br /&gt;
| Gemeinsamer Katalog, eigenes Repositorium und Anbindung externer Systeme über Standards&lt;br /&gt;
| Zwei Onboarding-Wege und ein schlanker gemeinsamer Metadatenkern&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mukurtu / Plateau Portal&lt;br /&gt;
| Kulturelle Protokolle, mehrere Perspektiven und abgestufte Zugänge&lt;br /&gt;
| Rechte und kulturelle Sensibilität als Datenmodell, nicht als spätere Einzelfallkorrektur&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Indigitization&lt;br /&gt;
| Zentrale Kompetenz, Training und Kleinprojektförderung bei dezentraler Durchführung&lt;br /&gt;
| Digitalisierungszentrum als Dienstleister und Befähiger für lokale Träger ausgestalten&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ausführlichen Fallprofile, Matrix, Quellen und differenzierten Empfehlungen verbleiben auf dieser Anhangsseite. Dadurch bleibt der Konzepttext lesbar, während zentrale Aussagen überprüfbar belegt und vertieft werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_faq&amp;quot;&amp;gt;RomArchive (o. J.): ''Frequently Asked Questions''. [https://www.romarchive.eu/en/about/frequently-answered-questions/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_imprint&amp;quot;&amp;gt;Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma e. V. / RomArchive (o. J.): ''Imprint''. [https://www.romarchive.eu/en/imprint/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_kulturstiftung&amp;quot;&amp;gt;Kulturstiftung des Bundes (o. J.): ''RomArchive – Digital Archive of the Roma''. [https://www.kulturstiftung-des-bundes.de/en/programmes_projects/film_and_new_media/detail/romarchive.html Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_about&amp;quot;&amp;gt;Nuohtti / Digital Access to the Sámi Heritage Archives (o. J.): ''About Nuohtti''. [https://nuohtti.com/Content/about Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_uarctic&amp;quot;&amp;gt;University of the Arctic (2023): ''The Nuohtti service provides digital access to Sámi material in European archives''. [https://www.uarctic.org/news/2023/3/the-nuohtti-service-provides-digital-access-to-sami-material-in-european-archives/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_dataspace&amp;quot;&amp;gt;Mäkikalli, Maija / Leppälä, Oona (2024): ''Nuohtti platform improves accessibility to the digitised archives of Sámi cultural heritage''. European Collaborative Cloud for Cultural Heritage / Europeana. [https://www.dataspace-culturalheritage.eu/en/news/nuohtti-platform-improves-accessibility-to-the-digitised-archives-of-sami-cultural-heritage Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_eval&amp;quot;&amp;gt;Vittle, Kate / Haswell-Walls, Fran / Dixon, Tim; ERS Ltd. (2016): ''Evaluation of the Casgliad y Werin Cymru / People’s Collection Wales Digital Heritage Programme. Impact Report''. [https://www.gov.wales/sites/default/files/publications/2019-08/evaluation-of-the-peoples-collection-wales-digital-heritage-programme-impact.pdf PDF], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_support&amp;quot;&amp;gt;People’s Collection Wales (o. J.): ''Community Support''. [https://www.peoplescollection.wales/about-us/community-support Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_edinburgh&amp;quot;&amp;gt;University of Edinburgh (2024): ''Tobar an Dualchais / Kist o Riches''. [https://gaelic.ed.ac.uk/gaelic-collections/tobar-an-dualchais-kist-o-riches Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_funding2025&amp;quot;&amp;gt;Scottish Government (2025): ''Rediscovering lost Gaelic words''. [https://www.gov.scot/news/rediscovering-lost-gaelic-words/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_funding2026&amp;quot;&amp;gt;Scottish Government (2026): ''Boost for Gaelic language''. [https://www.gov.scot/news/boost-for-gaelic-language/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_opening&amp;quot;&amp;gt;University of Edinburgh (o. J.): ''Opening the Well''. [https://gaelic.ed.ac.uk/news/opening-the-well Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;euskariana_about&amp;quot;&amp;gt;Gobierno Vasco / Biblioteca Digital de Euskadi (o. J.): ''Acerca de Euskariana''. [https://www.euskariana.euskadi.eus/euskadibib/es/help/about.do Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;bavarikon_about&amp;quot;&amp;gt;bavarikon / Freistaat Bayern (o. J.): ''Über bavarikon''. [https://www.bavarikon.de/about Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;bavarikon_partner&amp;quot;&amp;gt;bavarikon / Freistaat Bayern (o. J.): ''Partner werden''. [https://www.bavarikon.de/becoming-partner Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;bavarikon_500k&amp;quot;&amp;gt;Bayerische Staatsbibliothek (2024): ''bavarikon knackt die halbe Million: 500.000 digitale Kulturschätze aus rund 170 bayerischen Einrichtungen sind weltweit zugänglich''. [https://www.bsb-muenchen.de/en/about-us/article/bavarikon-knackt-die-halbe-million-500000-digitale-kulturschaetze-aus-rund-170-bayerischen-einrichtungen-sind-weltweit-zugaenglich-6555/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_about&amp;quot;&amp;gt;Mukurtu CMS / Center for Digital Scholarship and Curation, Washington State University (o. J.): ''About / Mission, Core Features, Implementation and Sustainability''. [https://mukurtu.org/about/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_plateau&amp;quot;&amp;gt;Mukurtu CMS / Washington State University (o. J.): ''Plateau Peoples’ Web Portal''. [https://mukurtu.org/project/plateau-peoples-web-portal-showcase/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_dlib&amp;quot;&amp;gt;Christen, Kimberly / Merrill, Alex / Wynne, Michael (2017): ''A Community of Relations: Mukurtu Hubs and Spokes''. D-Lib Magazine, 23(5/6). [https://www.dlib.org/dlib/may17/christen/05christen.html Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_who&amp;quot;&amp;gt;Aṟa Irititja (o. J.): ''Who are we?'' [https://irititja.com/about-ara-irititja/who-are-we/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_approach&amp;quot;&amp;gt;Aṟa Irititja (o. J.): ''Community-Based Approach – The Aṟa Irititja Approach''. [https://irititja.com/archive/the-ara-irititja-approach/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_funding&amp;quot;&amp;gt;Aṟa Irititja (o. J.): ''Funding''. [https://irititja.com/challlenges/funding/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_background&amp;quot;&amp;gt;Charles Darwin University / Living Archive of Aboriginal Languages (o. J.): ''Background''. [https://livingarchive.cdu.edu.au/background/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_rights&amp;quot;&amp;gt;Charles Darwin University / Living Archive of Aboriginal Languages (o. J.): ''Copyright and IP issues''. [https://livingarchive.cdu.edu.au/copyright/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_home&amp;quot;&amp;gt;Charles Darwin University / Living Archive of Aboriginal Languages (o. J.): ''Home''. [https://livingarchive.cdu.edu.au/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_migration&amp;quot;&amp;gt;Christie, Michael (2022): ''Post-LAAL update''. Living Archive of Aboriginal Languages, 26.10.2022. [https://livingarchive.cdu.edu.au/post-laal-update/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;paradisec_about&amp;quot;&amp;gt;PARADISEC (o. J.): ''About us''. [https://www.paradisec.org.au/about-us/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;paradisec_home&amp;quot;&amp;gt;PARADISEC (2026): ''Pacific and Regional Archive for Digital Sources in Endangered Cultures – Home and current collection data''. [https://www.paradisec.org.au/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_about&amp;quot;&amp;gt;Reciprocal Research Network (o. J.): ''About''. [https://www.rrncommunity.org/pages/about Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_contact&amp;quot;&amp;gt;Reciprocal Research Network (o. J.): ''Contact Us / Steering Group''. [https://www.rrncommunity.org/pages/contact Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_home&amp;quot;&amp;gt;Reciprocal Research Network (2026): ''Home / What’s inside''. [https://www.rrncommunity.org/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_rowley&amp;quot;&amp;gt;Rowley, Susan (2013): ''The Reciprocal Research Network: The Development Process''. Museum Anthropology Review, 7(1–2). [https://scholarworks.iu.edu/journals/index.php/mar/article/view/2172 Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_about&amp;quot;&amp;gt;Indigitization (o. J.): ''About Us''. [https://www.indigitization.ca/about-2/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_toolkit&amp;quot;&amp;gt;Indigitization (o. J.): ''Indigitization Toolkit''. [https://www.indigitization.ca/toolkit/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_grant&amp;quot;&amp;gt;Indigitization (o. J.): ''Audio Cassette Digitization Grant''. [https://www.indigitization.ca/funding/audio-cassette-grant/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_funding&amp;quot;&amp;gt;Indigitization (o. J.): ''Funding''. [https://www.indigitization.ca/funding/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;unesco_doc_heritage&amp;quot;&amp;gt;UNESCO (2015): ''Recommendation concerning the preservation of, and access to, documentary heritage including in digital form''. [https://www.unesco.org/en/legal-affairs/recommendation-concerning-preservation-and-access-documentary-heritage-including-digital-form Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;unesco_participation&amp;quot;&amp;gt;UNESCO Intangible Cultural Heritage (o. J.): ''Involvement of communities, groups and individuals''. [https://ich.unesco.org/en/involvement-of-communities-0033 Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;unesco_ethics&amp;quot;&amp;gt;UNESCO Intangible Cultural Heritage (o. J.): ''Ethical Principles for Safeguarding Intangible Cultural Heritage''. [https://ich.unesco.org/en/ethics-and-ich-00866 Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;oais&amp;quot;&amp;gt;International Organization for Standardization (ISO) (2025): ''ISO 14721:2025 – Space data and information transfer systems – Open archival information system (OAIS) – Reference model'', 3. Ausgabe. [https://www.iso.org/standard/87471.html Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;ndsa&amp;quot;&amp;gt;National Digital Stewardship Alliance (2026): ''Levels of Digital Preservation, Version 2.1''. [https://www.ndsa.org/publications/levels-of-digital-preservation/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;care&amp;quot;&amp;gt;Global Indigenous Data Alliance (o. J.): ''CARE Principles for Indigenous Data Governance''. [https://www.gida-global.org/careprinciples Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;localcontexts&amp;quot;&amp;gt;Local Contexts (o. J.): ''Traditional Knowledge and Biocultural Labels and Notices''. [https://localcontexts.org/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;edm&amp;quot;&amp;gt;Europeana Pro (o. J.): ''Europeana Data Model Documentation''. [https://pro.europeana.eu/page/edm-documentation Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;oaipmh&amp;quot;&amp;gt;Open Archives Initiative (o. J.): ''OAI-PMH Frequently Asked Questions''. [https://www.openarchives.org/documents/FAQ.html Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;iiif&amp;quot;&amp;gt;IIIF Consortium (2021, laufend gepflegt): ''IIIF Presentation API 3.0''. [https://iiif.io/api/presentation/3.0/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;iasa&amp;quot;&amp;gt;International Association of Sound and Audiovisual Archives (IASA) (o. J.): ''Guidelines on the Production and Preservation of Digital Audio Objects (TC-04)''. [https://www.iasa-web.org/tc04/audio-preservation Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;digicher&amp;quot;&amp;gt;Europeana Foundation / European Collaborative Cloud for Cultural Heritage (2024): ''Discover the DIGICHer project''. [https://www.dataspace-culturalheritage.eu/en/news/discover-the-digicher-project Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/references&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Měrko Šenk</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://koncept.serbski-inkubator.de/index.php?title=12.3.A1_Vergleichende_Recherche_%E2%80%93_Digitalisierung_des_Kulturerbes_anderer_Kulturen_und_Regionen&amp;diff=1073</id>
		<title>12.3.A1 Vergleichende Recherche – Digitalisierung des Kulturerbes anderer Kulturen und Regionen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://koncept.serbski-inkubator.de/index.php?title=12.3.A1_Vergleichende_Recherche_%E2%80%93_Digitalisierung_des_Kulturerbes_anderer_Kulturen_und_Regionen&amp;diff=1073"/>
		<updated>2026-07-22T11:58:04Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Měrko Šenk: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;''Anhang zu [[12.3 Digitalisierung des Kulturerbes]]''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
''Recherche- und Quellenstand: 20. Juli 2026''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Seite dokumentiert eine vergleichende Recherche zu Erfolgsmodellen, Grenzen und übertragbaren Lösungsbausteinen bei der Digitalisierung des Kulturerbes kleiner, autochthoner, indigener, sprachlicher und regional verteilter Gemeinschaften. Sie dient als ausführliche Beleg- und Arbeitsgrundlage für den Konzeptabschnitt [[12.3 Digitalisierung des Kulturerbes#Beispiele anderer Kulturen und Regionen|„Beispiele anderer Kulturen und Regionen“]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Wichtiger Hinweis zur Aussagekraft:''' Die Fallprofile trennen soweit möglich zwischen dokumentierten Tatsachen, Aussagen der Projektverantwortlichen und der hier vorgenommenen Bewertung. Viele Projekte veröffentlichen keine aktuellen Nutzungszahlen oder unabhängigen Wirkungsevaluationen. In diesen Fällen wird nicht allein aus einer ansprechenden Website auf Erfolg geschlossen. Wo eine Schlussfolgerung nur plausibel, aber nicht direkt belegt ist, ist sie als '''Bewertung''' oder '''Annahme''' gekennzeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Hinweis zur Erstellung:''' Die vorliegende Vergleichsrecherche wurde mit Unterstützung der Funktion „Deep Research“ von ChatGPT (Version GPT-5.6 Sol Pro) erstellt und anschließend redaktionell überarbeitet. Maßgeblich für die Nachvollziehbarkeit sind die jeweils angegebenen Quellen, während die daraus abgeleiteten Bewertungen und Schlussfolgerungen eine analytische Einordnung darstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
__TOC__&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== A. Zusammenfassung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die untersuchten Projekte zeigen kein universell ideales System. Erfolgreiche oder besonders lehrreiche Modelle kombinieren vielmehr unterschiedliche Bausteine entsprechend ihrer Gemeinschaft, Rechtslage, Bestandsstruktur und Ressourcen. Für den sorbischen Kontext sind vor allem folgende Erkenntnisse belastbar:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Funktionen klar trennen, Systeme aber verbinden.''' Register beziehungsweise Katalog, Digitalisierungsdienst, Repositorium beziehungsweise Langzeitarchiv und Präsentationssystem erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Erfolgreiche Verbünde verbinden diese Funktionen über Metadaten, Identifikatoren, Übergabeprozesse und Schnittstellen, statt alles in einem einzigen Portal zu vermischen.&lt;br /&gt;
# '''Gemeinschaftliche Steuerung ist keine Zusatzfunktion.''' RomArchive, Nuohtti, Mukurtu, Aṟa Irititja und das Reciprocal Research Network zeigen, dass Angehörige der jeweiligen Kultur an Auswahl, Beschreibung, Kontextualisierung, Zugangsregeln und strategischen Entscheidungen beteiligt sein müssen. Reine institutionelle „Beteiligung“ ohne festgelegte Entscheidungsrechte reicht nicht aus.&lt;br /&gt;
# '''Zentral ermöglichen, dezentral verantworten.''' Besonders übertragbar sind Modelle, bei denen eine zentrale Stelle Standards, Infrastruktur, Beratung, Qualitätssicherung, Schulung und gegebenenfalls Technik bereitstellt, während Kulturgutträger ihre Originale, lokalen Kenntnisse, Beziehungen zu Rechteinhabern und kulturellen Entscheidungen behalten.&lt;br /&gt;
# '''Ein Suchportal ist noch kein digitales Archiv.''' Nuohtti, Euskariana, bavarikon und das Plateau Peoples’ Web Portal aggregieren beziehungsweise präsentieren Inhalte aus verschiedenen Quellen. Die Langzeiterhaltung der Masterdateien muss davon getrennt geregelt sein. Mukurtu weist ausdrücklich darauf hin, dass eine Zugangsplattform nur ein Baustein eines umfassenderen Systems für Digitalisierung, Erhaltung und Betrieb ist.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
# '''Keine Massendigitalisierung ohne Zielarchiv und Rechteworkflow.''' Digitalisierung erzeugt dauerhafte Folgekosten. Vor einer Skalierung müssen Speicherort, Übernahmeprozess, Prüfsummen, Sicherung, Dateiformate, Metadaten, Rechte und spätere Migration festgelegt sein.&lt;br /&gt;
# '''Offenheit ist nicht binär.''' Erfolgreiche gemeinschaftlich gesteuerte Projekte arbeiten mit abgestuften Zugängen: öffentliches Metadatum, frei zugängliches Nutzungsdigitalisat, registrierter oder gemeinschaftsbezogener Zugang, zeitliche Sperre oder keine Online-Veröffentlichung. Zugänglichkeit und kulturelle Selbstbestimmung werden dadurch nicht als Gegensätze behandelt.&lt;br /&gt;
# '''Mehrsprachigkeit muss Teil der Datenarchitektur sein.''' Zweisprachige oder mehrsprachige Angebote wie People’s Collection Wales, Nuohtti, RomArchive, Euskariana und Aṟa Irititja zeigen, dass Sprachen nicht nur in der Oberfläche, sondern auch in Metadatenfeldern, kontrollierten Begriffen, Suchfunktionen, Transkriptionen und Verantwortlichkeiten berücksichtigt werden müssen.&lt;br /&gt;
# '''Kleine Träger brauchen Dienste, nicht nur Vorgaben.''' People’s Collection Wales und Indigitization belegen den Wert von Beratung, Schulung, Vorlagen, Pilotförderung, technischer Begleitung und „Train-the-Trainer“-Ansätzen. Ein Standard, den Ehrenamtliche oder kleine Einrichtungen ohne Hilfe nicht anwenden können, ist praktisch kein gemeinsamer Standard.&lt;br /&gt;
# '''Projektförderung kann den Aufbau finanzieren, nicht automatisch den Dauerbetrieb.''' RomArchive gelang der geplante Übergang an einen institutionellen Betreiber. Aṟa Irititja musste über Jahre um Verstetigung ringen; bei Indigitization ruht das frühere Förderprogramm für Audiokassetten; die Evaluation von People’s Collection Wales bezeichnete Finanzierungssicherheit als Kernproblem. Dauerverantwortung, Grundfinanzierung und technischer Erneuerungszyklus müssen daher vor einer breiten Skalierung geklärt werden.&lt;br /&gt;
# '''Pilotieren, messen, dann skalieren.''' Besonders sinnvoll sind Pilotvorhaben, die die gesamte Kette von der Erfassung über Rechteklärung und Digitalisierung bis zur Archivierung und Präsentation testen. Die Evaluation von People’s Collection Wales empfiehlt ausdrücklich einen Ablauf aus Bedarf, Pilot, Test, Auswertung und anschließender Skalierung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_eval&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daraus lässt sich ein prägnantes Zielmodell ableiten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Vier funktionale Säulen&lt;br /&gt;
! Leitfrage&lt;br /&gt;
! Kernaufgabe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''1. Register'''&lt;br /&gt;
| Was gibt es, wo befindet es sich, was bedeutet es und was ist prioritär?&lt;br /&gt;
| Institutionenübergreifender Nachweis, Kontext, Rechte- und Prioritätsinformationen; Verknüpfung verteilter Bestände.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''2. Digitalisierungsdienst'''&lt;br /&gt;
| Wie entstehen qualitätsgesicherte Digitalisate?&lt;br /&gt;
| Beratung, Auswahl geeigneter Verfahren, Digitalisierung, Qualitätsprüfung, Dienstleistersteuerung, Schulung und Hilfe für kleine Träger.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''3. Repositorium / digitales Langzeitarchiv'''&lt;br /&gt;
| Wie bleiben Masterdateien und Metadaten dauerhaft erhalten?&lt;br /&gt;
| Übernahme, Integritätskontrolle, redundante Sicherung, Dateiformatüberwachung, Migration, persistente Identifikatoren und dokumentierte Verantwortung.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''4. Präsentations- und Nutzungssysteme'''&lt;br /&gt;
| Was wird wem, in welcher Sprache und unter welchen Bedingungen zugänglich?&lt;br /&gt;
| Suche, Kontextualisierung, Bildung, Forschung, Download, Programmierschnittstellen und kreative Nachnutzung – abgestuft nach Rechten und kulturellen Regeln.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Merksatz:''' Das Register weiß, ''was'' und ''wo''; das Digitalisierungszentrum erzeugt und prüft; das Repositorium erhält; die Präsentation vermittelt und ermöglicht Nutzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese funktionale Vierertrennung bedeutet nicht zwingend vier Organisationen oder vier getrennte Beschaffungen. Digitalisierungszentrum und Repositorium können beispielsweise beim selben Träger liegen. Auftrag, Verantwortung, Budget, Qualitätskriterien und Betriebszusagen sollten dennoch getrennt benannt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== B. Stand der Forschung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== B.1 Vorhandene Modelle und Leitlinien ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Gesamtaufgabe „verteilt erfassen, priorisieren, digitalisieren, Metadaten zusammenführen, langfristig erhalten und verantwortungsvoll zugänglich machen“ existiert kein einzelnes, allgemein verbindliches End-to-End-Modell. Es gibt jedoch belastbare Teilmodelle, die zusammengedacht werden können:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die '''UNESCO-Empfehlung''' zur Erhaltung und Zugänglichkeit des dokumentarischen Erbes fordert institutionelle Auswahl- und Erhaltungsstrategien, fachgerechte Erschließung, Metadaten, Zusammenarbeit und rechtzeitige Maßnahmen für gefährdete digitale Bestände.&amp;lt;ref name=&amp;quot;unesco_doc_heritage&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Für immaterielles Kulturerbe verlangt die UNESCO die möglichst breite Beteiligung der Gemeinschaften und die Achtung üblicher Zugangsregeln. Die '''ethischen Grundsätze''' betonen die primäre Rolle der Gemeinschaften sowie freie, vorherige und informierte Zustimmung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;unesco_participation&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;unesco_ethics&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Das '''Referenzmodell OAIS (Open Archival Information System'''; deutsch: Referenzmodell für ein offenes Archiv-Informationssystem) beschreibt Rollen und Kernfunktionen eines digitalen Langzeitarchivs. „Offen“ bezeichnet dabei ein offen entwickeltes Referenzmodell, nicht einen zwingend offenen Zugang zu allen Inhalten.&amp;lt;ref name=&amp;quot;oais&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Die '''NDSA Levels of Digital Preservation''' (Reifegradstufen der National Digital Stewardship Alliance) bieten eine stufenweise, für kleinere Einrichtungen praktikable Orientierung zu Speicherorten, Integrität, Informationssicherheit, Metadaten und Dateiformaten. Die aktuelle Fassung 2.1 von März 2026 stellt ausdrücklich klar, dass nicht jede Sammlung überall die höchste Stufe erreichen muss.&amp;lt;ref name=&amp;quot;ndsa&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Die '''CARE Principles for Indigenous Data Governance''' – Collective Benefit, Authority to Control, Responsibility und Ethics, auf Deutsch etwa gemeinschaftlicher Nutzen, Kontrollbefugnis, Verantwortung und Ethik – ergänzen technische Offenheits- und Nachnutzungsprinzipien um kollektive Rechte und Verantwortlichkeiten.&amp;lt;ref name=&amp;quot;care&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* '''Local Contexts''' stellt Traditional Knowledge Labels und Biocultural Labels bereit, mit denen Gemeinschaften Hinweise zu Herkunft, kultureller Autorität, erlaubter Nutzung und besonderen Protokollen ergänzen können. Diese Instrumente ersetzen das staatliche Urheberrecht nicht, machen aber gemeinschaftsbezogene Erwartungen maschinen- und menschenlesbar.&amp;lt;ref name=&amp;quot;localcontexts&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Für '''Metadaten''' und Austausch stehen etablierte Bausteine zur Verfügung: '''Dublin Core''' für einfache Kernmetadaten, '''Europeana Data Model (EDM'''; Datenmodell der Europeana) für heterogene Kulturdatensätze, '''OAI-PMH (Open Archives Initiative Protocol for Metadata Harvesting'''; Protokoll zum Einsammeln von Metadaten), Programmierschnittstellen sowie '''IIIF (International Image Interoperability Framework'''; Standardfamilie zur interoperablen Präsentation von Bildern und zunehmend Audio/Video).&amp;lt;ref name=&amp;quot;edm&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;oaipmh&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;iiif&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Für audiovisuelle Bestände sind die '''IASA-TC-04'''-Richtlinien der '''International Association of Sound and Audiovisual Archives''' besonders relevant. Sie behandeln unter anderem Signalerfassung, Metadaten, Identifikatoren, Speicherung, kleine Einrichtungen und die Vergabe an Dienstleister.&amp;lt;ref name=&amp;quot;iasa&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== B.2 Vergleichende Forschung und Evaluation ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die belastbarsten Erkenntnisse entstehen aus einer Kombination aus technischen Dokumentationen, Projektberichten, wissenschaftlichen Fallstudien und unabhängigen Evaluationen. Besonders wertvoll ist die Evaluation von People’s Collection Wales, weil sie nicht nur Erfolge, sondern auch geringe Rücklaufzahlen, begrenzte Wirkungsnachweise, Finanzierungsrisiken, Rollenunklarheiten und den hohen Aufwand vermittelter Community-Arbeit offenlegt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_eval&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wissenschaftlich gut dokumentiert sind außerdem das gemeinschaftsbasierte Metadaten- und Zugangsmodell von Mukurtu und dem Plateau Peoples’ Web Portal sowie die kooperative Entwicklung des Reciprocal Research Network. Beide zeigen, dass Vertrauen, Vereinbarungen, parallel mögliche institutionelle und gemeinschaftliche Beschreibungen sowie fein abgestufte Zugänge organisatorisch ebenso wichtig sind wie die Software.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_dlib&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_rowley&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das EU-geförderte Forschungsprojekt DIGICHer untersucht seit 2024, wie Minderheitengemeinschaften – unter anderem Sámi, jüdische und ladinische Gemeinschaften – gerechter an der Digitalisierung und Repräsentation ihres Kulturerbes beteiligt werden können. Da das Projekt bis 2027 läuft, sind im Juli 2026 noch keine abschließenden, allgemein belastbaren Ergebnisse verfügbar. Es ist aber ein relevantes Anschlussvorhaben für die weitere Beobachtung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;digicher&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== B.3 Forschungslücken ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der Auswertung ergeben sich vier wiederkehrende Lücken:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Aktuelle, unabhängige Nutzungs- und Wirkungsevaluationen fehlen bei vielen Projekten.&lt;br /&gt;
# Die technische Präsentationsarchitektur ist häufig besser dokumentiert als die Verantwortung für Masterdateien, Migration und dauerhafte Finanzierung.&lt;br /&gt;
# Community-Beteiligung wird oft beschrieben, aber Entscheidungsrechte, Konfliktlösungen und Repräsentativität bleiben teilweise unklar.&lt;br /&gt;
# Es gibt zahlreiche Standards für Einzelaufgaben, aber wenig empirisch evaluierte Gesamtmodelle für kleine, institutionell verteilte Minderheiten mit ehrenamtlich betreuten Sammlungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Bewertung:''' Der Ansatz bei der Digitalisierung von Kulturerbe sollte deshalb nicht nach einer fertigen „Best-Practice-Software“ suchen. Zielführender ist eine belastbare Gesamtarchitektur aus &lt;br /&gt;
* ''Governance'', &lt;br /&gt;
* ''Diensten'', &lt;br /&gt;
* ''Mindeststandards'' und &lt;br /&gt;
* ''dauerhaftem Betrieb'', &lt;br /&gt;
in die geeignete vorhandene Softwareprodukte eingebunden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== C. Begründete Auswahl der Fallbeispiele ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Auswahl umfasst zwölf Fälle. Sie deckt europäische Minderheiten, indigene und gemeinschaftlich gesteuerte Modelle, regionale Verbünde, Sprach- und Audioarchive sowie problembehaftete Übergänge ab. Nicht jedes Projekt bildet die gesamte Prozesskette ab; gerade die Unterschiede machen sichtbar, welche Funktion jeweils gelöst wird und wo Lücken bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable sortable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Fall&lt;br /&gt;
! Gemeinschaft / Raum&lt;br /&gt;
! Modelltyp&lt;br /&gt;
! Besondere Relevanz für die Sorben&lt;br /&gt;
! Evidenzlage&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| RomArchive&lt;br /&gt;
| Roma und Sinti; transnational, Schwerpunkt Europa; Betrieb in Deutschland&lt;br /&gt;
| Kuratiertes, gemeinschaftsgeprägtes digitales Archiv&lt;br /&gt;
| Deutungshoheit, Übergabe vom Förderprojekt an einen dauerhaften Betreiber, Mehrsprachigkeit&lt;br /&gt;
| Mittel bis hoch: aktuelle Primärquellen; keine aktuelle unabhängige Wirkungsanalyse&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Nuohtti&lt;br /&gt;
| Sámi in Sápmi; Norwegen, Schweden, Finnland, historisch auch Russland&lt;br /&gt;
| Föderierter Suchdienst über Bestände vieler Institutionen&lt;br /&gt;
| Verteilte Bestände, mehrere Staaten und Sprachen, ethische Hinweise, Open-Source-Bausteine&lt;br /&gt;
| Mittel bis hoch: Projekt- und Betreiberquellen; belastbare Umfangsangaben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| People’s Collection Wales&lt;br /&gt;
| Walisische Bevölkerung und walisischsprachige Gemeinschaft; Wales, Vereinigtes Königreich&lt;br /&gt;
| Nationaler Verbund mit Community-Beiträgen und Schulung&lt;br /&gt;
| Zweisprachigkeit, kleine Träger, zentrale Unterstützung, unabhängige Evaluation&lt;br /&gt;
| Hoch für die untersuchte Förderphase; aktuelle Nutzungsdaten begrenzt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Tobar an Dualchais / Kist o Riches&lt;br /&gt;
| Gälisch- und Scots-sprachige Gemeinschaften; Schottland, Vereinigtes Königreich&lt;br /&gt;
| Digitales Oral-History- und Tonarchiv&lt;br /&gt;
| Gefährdete audiovisuelle Bestände, Sprache, Transkription, Bildung&lt;br /&gt;
| Mittel: aktuelle Bestands- und Förderangaben; keine umfassende unabhängige Evaluation&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Euskariana&lt;br /&gt;
| Baskische Kultur- und Sprachgemeinschaft; Projekt der Autonomen Gemeinschaft Baskenland, Spanien&lt;br /&gt;
| Staatlich getragenes Aggregations- und Zugangsportal&lt;br /&gt;
| Gemeinsamer Katalog, eigenes Repositorium plus Verlinkung, Standards und Europeana-Anbindung&lt;br /&gt;
| Mittel: gute offizielle Dokumentation; wenig unabhängige Wirkungsmessung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| bavarikon&lt;br /&gt;
| Regionales Kulturerbe Bayerns; keine Minderheitenplattform&lt;br /&gt;
| Staatlicher institutionsübergreifender Digitalisierungs- und Präsentationsverbund&lt;br /&gt;
| Betreiberverantwortung, Förderverfahren, Qualitätsanforderungen, Beteiligung vieler Einrichtungen&lt;br /&gt;
| Hoch für Organisation und Umfang; wegen Größenordnung nur teilweise übertragbar&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mukurtu und Plateau Peoples’ Web Portal&lt;br /&gt;
| Indigene Nationen des nordwestlichen Plateaus; USA&lt;br /&gt;
| Open-Source-Zugangsplattform und gemeinschaftlich kuratierter Verbund&lt;br /&gt;
| Kulturelle Protokolle, Traditional Knowledge Labels, mehrere Beschreibungen pro Objekt&lt;br /&gt;
| Hoch für Funktionsmodell und Governance; Betriebskapazität bleibt Voraussetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Aṟa Irititja&lt;br /&gt;
| Aṉangu der APY Lands; South Australia, Australien&lt;br /&gt;
| Gemeinschaftsbasiertes Multimediaarchiv und digitale Rückgabe&lt;br /&gt;
| Lokale Kontrolle, sensibler Zugang, mehrsprachige und niedrigschwellige Nutzung&lt;br /&gt;
| Mittel: detaillierte Eigendokumentation; Wirkungsnachweise überwiegend Selbstauskunft&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Living Archive of Aboriginal Languages&lt;br /&gt;
| Zahlreiche Aboriginal-Sprachgemeinschaften im Northern Territory, Australien&lt;br /&gt;
| Digitales Sprach- und Bildungsarchiv&lt;br /&gt;
| Rechteklärung, offene Lehrmaterialien, Master-/Nutzungsdateien, Migrationsrisiko&lt;br /&gt;
| Hoch für Prozess und Bestandsumfang; dokumentierte Einschränkung nach Systemwechsel&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| PARADISEC&lt;br /&gt;
| Viele kleine und gefährdete Sprachgemeinschaften, vor allem im Pazifikraum&lt;br /&gt;
| Universitärer Fachverbund für audiovisuelle Langzeiterhaltung&lt;br /&gt;
| Gefährdete Tonträger, professionelles Repositorium, verteilte Trägerschaft und Rückgabe von Kopien&lt;br /&gt;
| Hoch: große Bestände, aktuelle Berichte, Zertifizierung und Auszeichnungen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reciprocal Research Network&lt;br /&gt;
| First Nations der Nordwestküste von British Columbia; Kanada&lt;br /&gt;
| Föderierte Recherche- und Kooperationsplattform&lt;br /&gt;
| Institutionenübergreifende Suche, Vereinbarungen, Community-Wissen, technische Alterung&lt;br /&gt;
| Mittel bis hoch: aktuelle Bestandszahlen und Forschung; sichtbare Softwareversion von 2014&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Indigitization&lt;br /&gt;
| First Nations und weitere indigene Gemeinschaften in British Columbia; Kanada&lt;br /&gt;
| Kompetenz-, Schulungs- und Förderprogramm für dezentrale Digitalisierung&lt;br /&gt;
| Besonders nah am möglichen Dienstleistungsmodell eines sorbischen Digitalisierungszentrums&lt;br /&gt;
| Hoch für Förderphase 2013–2019; aktuelles Kassettenförderprogramm pausiert&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== D. Fallprofile ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.1 RomArchive – Digitales Archiv der Roma ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Roma sind eine transnationale, historisch in vielen europäischen und außereuropäischen Staaten lebende Minderheit mit vielfältigen Gruppen, Sprachen und Selbstbezeichnungen. Sinti sind eine unter anderem in Deutschland und Mitteleuropa beheimatete Gruppe. RomArchive ist deshalb keinem einzelnen Minderheitengebiet zugeordnet. Das Projekt wurde in Deutschland öffentlich gefördert und international mit überwiegend aus Roma bestehenden kuratorischen und beratenden Teams entwickelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RomArchive versteht sich als digitales Archiv für Kunst und Kulturen der Roma. Es erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern präsentiert kuratierte, repräsentative Bestände und wissenschaftliche Kontextualisierungen. Inhalte wurden von jeweils zuständigen kuratorischen Teams ausgewählt; kuratorische Teams und Beirat waren überwiegend mit Roma besetzt. Nach Angaben des Projekts wirkten rund 150 Personen aus 15 Staaten mit. Die Übergabe an eine Roma-Organisation war von Beginn der fünfjährigen Entwicklungsphase 2015–2019 an vorgesehen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_faq&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entwicklung wurde durch die Kulturstiftung des Bundes mit 3,75 Millionen Euro gefördert; weitere Unterstützer waren unter anderem die Bundeszentrale für politische Bildung, das Auswärtige Amt und das Goethe-Institut. Seit 2019 liegt der Betrieb beim Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg; die laufende Website nennt die Bundeszentrale für politische Bildung als Förderer.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_kulturstiftung&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_imprint&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Fachliche und technische Lösung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RomArchive verbindet kuratierte Themenbereiche, einen durchsuchbaren Archivbestand, biografische Akteursdaten und digitale Vermittlungsformate. Die Deutsche Kinemathek war für Konzeption und Vermittlung von digitaler Archivierung, Digitalisierung und Katalogisierung beteiligt. Die Website nutzt ein auf Django basierendes Content-Management-System; eine Verbindung zu Axiell Collections bindet das Sammlungsmanagement an die Präsentation an.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_imprint&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben veröffentlichten Materialien existiert ein internes Archiv, das auf begründete Anfrage für Forschung zugänglich ist. Dies ist ein einfaches, aber wichtiges Beispiel für abgestufte Zugänge. Das Angebot ist auf Deutsch, Englisch und Romanes verfügbar; die sprachliche Vielfalt des Romanes wird sichtbar gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Rechte, Beteiligung und nachweisbarer Erfolg ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die stärkste Leistung liegt in der kuratorischen und strategischen Beteiligung der Minderheit sowie in dem Anspruch, Fremdzuschreibungen durch selbst erzählte Gegennarrative zu korrigieren. Ethische Richtlinien und eine Sammlungspolitik wurden durch den internationalen Beirat mitentwickelt. Der Übergang vom zeitlich befristeten Entwicklungsprojekt an einen institutionellen Betreiber wurde tatsächlich vollzogen. Dass das Angebot im Juli 2026 weiterhin betrieben wird, ist ein belastbarer Nachhaltigkeitsindikator.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Aktuelle unabhängige Daten zu Nutzung, Reichweite, Aktualisierungsfrequenz und langfristiger digitaler Erhaltung der Masterdateien sind öffentlich nicht in ausreichender Tiefe dokumentiert. Die öffentliche Oberfläche ist stärker ein kuratiertes Archiv und Wissensportal als ein vollständiges Bestandsregister aller Roma-Kulturgüter. Die überwiegend restriktive Rechtekennzeichnung vieler Inhalte begrenzt kreative Nachnutzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* Minderheitenangehörige mit echten kuratorischen und strategischen Entscheidungsrechten;&lt;br /&gt;
* von Beginn an geplanter Betreiberübergang;&lt;br /&gt;
* Verbindung von Sammlungsdatenbank, kuratiertem Kontext und öffentlicher Präsentation;&lt;br /&gt;
* abgestufter Zugang zwischen öffentlicher Website und internem Forschungsarchiv;&lt;br /&gt;
* öffentliche Anschubförderung plus institutionelle Verankerung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwerte:''' &lt;br /&gt;
* Ein sorbisches Portal sollte nicht nur Objekte zeigen, sondern sorbische Perspektiven, Begriffe und Kontexte strukturell verankern. &lt;br /&gt;
* Für Kulturregister, Digitalisierungszentrum und Präsentation braucht es bereits in der Projektphase einen festgelegten dauerhaften Träger. &lt;br /&gt;
* Ein kuratorischer oder gemeinschaftlicher Beirat sollte nicht nur beraten, sondern definierte Entscheidungsrechte bei Auswahl, Beschreibung und sensiblen Inhalten erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.2 Nuohtti – Föderierter Zugang zum Sámi-Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Sámi sind ein indigenes Volk im nordeuropäischen Sápmi, das sich über Gebiete des heutigen Norwegens, Schwedens, Finnlands und Russlands erstreckt. Es gibt mehrere Sámi-Sprachen und unterschiedliche nationale Rechts- und Institutionsrahmen. Viele historische Quellen und Sammlungsobjekte befinden sich außerhalb von Sámi-Institutionen in europäischen Archiven, Bibliotheken und Museen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nuohtti ist ein Suchdienst, der digitalisierte Sámi-Materialien aus verschiedenen europäischen Gedächtnisinstitutionen zusammenführt. Er wurde im Projekt „Digital Access to the Sámi Heritage Archives“ von 2018 bis 2021 mit EU-Mitteln aus Interreg Nord entwickelt. Beteiligt waren die Sámi-Archive der norwegischen und finnischen Nationalarchive, das schwedische Reichsarchiv sowie Universitäten in Lappland, Oulu und Umeå; die Universität Lappland leitete das Projekt. Die Sámi-Parlamente Finnlands, Norwegens und Schwedens entsandten Mitglieder in die Steuerungsgruppe.&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_about&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_uarctic&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Vorgehen und Architektur ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor der technischen Umsetzung wurden einschlägige Bestände und Datenlieferanten kartiert. Nuohtti bündelt keine Originale und ersetzt die Quellsysteme nicht. Es normalisiert und indexiert Metadaten aus Archiven und Aggregatoren und führt Nutzerinnen und Nutzer zu den jeweiligen Digitalisaten. Eine Karte, eine Zeitleiste und mehrsprachige Suchoberflächen unterstützen den Zugang. Nach Projektangaben waren rund 30.000 Datensätze aus 32 Institutionen in fünf Sprachen zugänglich.&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_uarctic&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Technisch baut Nuohtti auf vorhandenen Open-Source- und öffentlichen Komponenten auf, darunter VuFind, Finna, RecordManager, Finto, Giellatekno, Apache Solr, Leaflet, OpenStreetMap und Nominatim. Daten werden unter anderem über nationale und europäische Aggregationswege eingebunden.&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Rechte, Ethik und Nachhaltigkeit ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nuohtti integriert ethische Hinweise in die Nutzung. Das ist besonders relevant, weil viele historische Beschreibungen und Sammlungen außerhalb der Sámi-Gemeinschaft und unter kolonialen Bedingungen entstanden. Nutzertests fanden unter anderem in Schulen und Bibliotheken statt. Nach dem Projekt wird der Dienst von den beteiligten Nationalarchiven weitergeführt; zugleich wird er im laufenden Projekt DIGICHer als Praxisbeispiel weiterentwickelt und untersucht.&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_dataspace&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Nuohtti löst vor allem den gemeinsamen Nachweis und Zugang. Die Digitalisierung, Rechteklärung und Langzeiterhaltung verbleiben überwiegend bei den Datenlieferanten. Unterschiedliche Datenqualität und historisch problematische Beschreibungen werden durch Aggregation nicht automatisch behoben. Aktuelle, öffentlich nachvollziehbare Nutzungszahlen sind begrenzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* föderierte Architektur statt erzwungener Zentralisierung aller Bestände;&lt;br /&gt;
* Bestands- und Datenquellenkartierung vor dem Portalbau;&lt;br /&gt;
* Beteiligung von Sámi-Parlamenten an der Steuerung;&lt;br /&gt;
* Wiederverwendung vorhandener Open-Source-Komponenten und nationaler Infrastrukturen;&lt;br /&gt;
* mehrsprachige, räumliche und zeitliche Suche;&lt;br /&gt;
* sichtbare ethische Kontextualisierung problematischer Bestände.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwerte:''' &lt;br /&gt;
* Das Register kann als föderierender Nachweis funktionieren: große Institutionen liefern Metadaten über Schnittstellen, kleine Träger können Daten direkt in einem zentral angebotenen System erfassen. &lt;br /&gt;
* Eine zentrale Suche muss nicht bedeuten, dass alle Originale oder alle Digitalisate zentral verwaltet werden. &lt;br /&gt;
* Historische Fremdbeschreibungen sollten als solche kenntlich gemacht und um sorbische Bezeichnungen sowie Community-Kontexte ergänzt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.3 People’s Collection Wales / Casgliad y Werin Cymru ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wales ist ein Landesteil des Vereinigten Königreichs mit eigener Regierung und einer starken nationalen sowie walisischsprachigen Identität. Walisisch und Englisch sind für das Angebot gleichberechtigte Arbeitssprachen. Das Projekt richtet sich nicht nur an professionelle Kulturinstitutionen, sondern auch an lokale Geschichtsgruppen, Vereine, Schulen und Einzelpersonen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
People’s Collection Wales ist eine zweisprachige digitale Plattform und ein begleitendes Unterstützungsprogramm, über das Nutzerinnen und Nutzer walisisches Kulturerbe entdecken, beitragen und vermitteln können. Getragen wird es als föderierte Partnerschaft von Amgueddfa Cymru – National Museum Wales, der National Library of Wales und der Royal Commission on the Ancient and Historical Monuments of Wales; finanziert wird das Programm durch die walisische Regierung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_eval&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Plattform wird durch kostenlose Beratung und Schulung ergänzt. Das aktuelle Unterstützungsangebot umfasst Projektplanung, Digitalisierung, Urheberrecht, Datenschutz, Metadaten und Oral History. Diese Kombination aus Technik und persönlicher Begleitung ist für kleine und ehrenamtliche Träger besonders relevant.&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_support&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Nachweisbarer Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die unabhängige Evaluation von 2016 stellte für die Förderphase 2014-2016 eine gestärkte föderierte Partnerschaft, eine kritische Masse an Inhalten, Fortschritte bei Community-Kompetenzen und eine hohe Vertrauenswürdigkeit des nichtkommerziellen Angebots fest. Externe Projekte sparten Ressourcen, weil sie eine vorhandene Plattform nutzen konnten. Zugleich wurden die gemessenen Wirkungen insgesamt als eher moderat beschrieben. Die Nutzerbefragung hatte nur 38 vollständige Antworten; wirtschaftliche und touristische Wirkungen waren damals nicht nachweisbar. Die Evaluation benannte Finanzierungssicherheit, klare Rollen, technische Stabilität, Marketing und dauerhaft finanzierbare Vor-Ort-Unterstützung als zentrale Herausforderungen. Vermittelte Sitzungen seien für bestimmte Zielgruppen unverzichtbar.&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_eval&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Programm existiert weiterhin und bietet aktuell Unterstützung an. Die verfügbaren Quellen belegen damit institutionelle Kontinuität, ersetzen aber keine neue unabhängige Wirkungsevaluation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* föderierte Trägerschaft mehrerer starker Institutionen;&lt;br /&gt;
* zweisprachige Plattform und Materialien;&lt;br /&gt;
* kostenlose Beratung, Metadaten- und Digitalisierungsschulungen;&lt;br /&gt;
* gemeinsamer technischer Dienst, den lokale Projekte nicht selbst entwickeln müssen;&lt;br /&gt;
* expliziter Pilot- und Lernansatz;&lt;br /&gt;
* unabhängige Evaluation mit offen benannten Grenzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwerte:''' &lt;br /&gt;
* Ein Digitalisierungszentrum sollte nicht nur Geräte betreiben, sondern ein sichtbares Serviceangebot für Heimatstuben, Vereine, Kirchengemeinden, Kommunen und Privatpersonen aufbauen: Erstberatung, Vorlagen, Rechtehilfe, Metadatenhilfe, mobile Einsätze, Schulungen und telefonische beziehungsweise digitale Sprechstunden. &lt;br /&gt;
* Für Obersorbisch und Niedersorbisch sollte Mehrsprachigkeit verbindlich geplant und finanziert werden. &lt;br /&gt;
* Erfolgsmessung darf sich nicht auf Objektzahlen beschränken, sondern sollte Kompetenzen, beteiligte Träger, Nachnutzung und Zufriedenheit erfassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.4 Tobar an Dualchais / Kist o Riches ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schottisch-Gälisch ist eine keltische Minderheitensprache, die vor allem in Schottland, besonders in den Highlands und auf den Inseln, gesprochen wird. Scots ist eine weitere historisch gewachsene Sprache beziehungsweise Sprachgruppe Schottlands. Das Projekt umfasst Aufnahmen auf Gälisch, Scots und Englisch und ist in den öffentlichen und kulturellen Institutionen Schottlands verankert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tobar an Dualchais / Kist o Riches macht mehr als 40.000 mündliche Aufnahmen zugänglich, die seit den 1930er Jahren in Schottland und darüber hinaus entstanden. Enthalten sind Erzählungen, Lieder, Musik, Gedichte und Sachinformationen. Ein bedeutender Teil stammt aus den School of Scottish Studies Archives der Universität Edinburgh; die physischen Originalbestände verbleiben in den Archiven.&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_edinburgh&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Vorhaben wird durch eine Partnerschaft kultureller und wissenschaftlicher Einrichtungen getragen und erhält wiederkehrend öffentliche Förderung. Die schottische Regierung bewilligte 2025 beispielsweise 35.000 Pfund für die fortlaufende Online-Sammlung gälischer und Scots-Materialien und 2026 weitere 14.127 Pfund für die Entwicklung des digitalen Archivs.&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_funding2025&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_funding2026&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Technische und fachliche Schwerpunkte ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Projekt konzentriert sich auf bedrohte zeitbasierte Medien und deren sprachliche Erschließung. Suchfelder nach Thema, Titel und beitragender Person erleichtern die Nutzung. Das ergänzende Vorhaben „Opening the Well“ transkribiert einen großen Bestand gälischer Erzählungen und verbindet Freiwilligenarbeit mit automatischer Spracherkennung. Dadurch werden Tonaufnahmen nicht nur erhalten, sondern durchsuchbar und für Sprachforschung sowie Bildung nachnutzbar.&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_opening&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Die öffentlich sichtbaren Förderungen sind überwiegend programm- oder projektbezogen. Sie belegen fortlaufende Unterstützung, aber keine vollständig transparente dauerhafte Grundfinanzierung des gesamten Betriebs. Rechteklärung, Transkription und Qualitätskontrolle bleiben bei umfangreichen historischen Tonbeständen dauerhafte Aufgaben. Eine umfassende unabhängige Evaluation mit aktuellen Nutzungsdaten wurde in dieser Recherche nicht gefunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* klare Priorität für gefährdete audiovisuelle Bestände;&lt;br /&gt;
* institutionelle Aufbewahrung der Originale und digitale öffentliche Vermittlung;&lt;br /&gt;
* Verbindung von Digitalisierung, sprachlicher Erschließung und Bildung;&lt;br /&gt;
* Kombination aus Fachinstitutionen, öffentlicher Förderung und freiwilliger Mitarbeit;&lt;br /&gt;
* sichtbare Mehrsprachigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwerte:''' &lt;br /&gt;
* Tonbänder, Kassetten, Filme und Videoformate sollten wegen Materialalterung und technischer Obsoleszenz gesondert priorisiert werden. &lt;br /&gt;
* Ein Pilot „Sorbische / wendische Stimmen und Lieder“ könnte Digitalisierung, Rechteklärung, obersorbische und niedersorbische Transkription, Übersetzung, Normdaten und Bildungsnutzung exemplarisch durchspielen. &lt;br /&gt;
* Automatische Spracherkennung kann unterstützen, ersetzt aber bei kleinen Sprachen keine fachliche und gemeinschaftliche Korrektur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.5 Euskariana – Digitales Portal zum baskischen Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Baskinnen und Basken leben beiderseits der spanisch-französischen Grenze. Baskisch (Euskara) ist eine eigenständige europäische Sprache mit mehreren Varietäten. Euskariana ist kein gesamtbaskisches staatenübergreifendes Projekt, sondern ein Angebot der Autonomen Gemeinschaft Baskenland in Spanien; es bezieht jedoch auch einschlägige Bestände aus Institutionen außerhalb dieser Region ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Euskariana wird von der Digitalen Bibliothek Euskadi innerhalb der baskischen Kulturverwaltung betrieben. Das Portal entsteht in Zusammenarbeit des baskischen Regierungsapparats mit den Provinzverwaltungen von Álava/Araba, Bizkaia und Gipuzkoa, Kommunen, Universitäten, kirchlichen und privaten Einrichtungen. Der Sammlungsschwerpunkt umfasst Werke baskischer Urheberinnen und Urheber, Veröffentlichungen aus Euskadi, weltweit entstandene Inhalte zu baskischen Themen sowie besonders Inhalte auf Baskisch oder in baskischer Übersetzung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;euskariana_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als staatlich getragenes Dauerangebot ist Euskariana stärker institutionell abgesichert als ein zeitlich begrenztes Förderprojekt. Öffentlich zugängliche Quellen benennen jedoch keine vollständigen jährlichen Betriebs- und Personalkosten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Architektur, Standards und Nachnutzung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Euskariana ist gleichzeitig gemeinsamer Katalog und Zugangsportal. Es integriert Datensätze aus Bibliotheksnetzen, Verbundkatalogen, Museen, Archiven, Hochschulrepositorien und internationalen Nationalbibliotheken. Digitale Objekte werden entweder im eigenen Repositorium bereitgestellt oder über Links in den Quellsystemen aufgerufen. Damit unterstützt das Projekt zwei Anbindungswege: zentrale Aufnahme und föderierte Verlinkung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;euskariana_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach offizieller Dokumentation nutzt Euskariana unter anderem MARC, Dublin Core (DC), METS, PREMIS und ALTO. Kurz erläutert: MARC dient vor allem bibliografischen Daten; Dublin Core beschreibt einen einfachen Metadatenkern; METS strukturiert digitale Objekte und Dateigruppen; PREMIS dokumentiert Erhaltungsinformationen; ALTO bildet Layout und erkannten Text digitalisierter Seiten ab. Die Standardisierung ermöglicht die Beteiligung an Europeana und die Verbindung zu weiteren spanischen und französischen Portalen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;euskariana_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Die offizielle Dokumentation ist technisch aussagekräftig, liefert aber wenig Informationen über Community-Entscheidungsrechte, abgestufte kulturelle Zugänge, aktuelle Nutzungszahlen oder eine unabhängige Wirkungsevaluation. Das Modell ist stärker verwaltungs- und institutionsgetrieben als gemeinschaftsgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* klar benannter öffentlicher Betreiber;&lt;br /&gt;
* Kooperation über Verwaltungs-, Institutions- und Sektorgrenzen hinweg;&lt;br /&gt;
* sowohl eigenes Repositorium als auch Einbindung externer Digitalisate;&lt;br /&gt;
* verbindliche internationale Metadaten- und Erhaltungsstandards;&lt;br /&gt;
* besondere Sichtbarkeit der Minderheitensprache;&lt;br /&gt;
* Anschluss an größere Aggregatoren wie Europeana.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwerte:''' &lt;br /&gt;
* Für ein Register sollte es mindestens zwei Onboarding-Wege geben: Kleine Träger erfassen beziehungsweise hinterlegen Daten und Dateien in zentral bereitgestellten Diensten; größere Einrichtungen liefern Daten aus eigenen Fachsystemen über Export oder Schnittstelle. &lt;br /&gt;
* Ein gemeinsames Kernprofil muss lokale Fachstandards nicht ersetzen, sondern deren wichtigste Angaben abbilden. &lt;br /&gt;
* Obersorbisch und Niedersorbisch sollten als eigenständige Sprachwerte, nicht nur als Übersetzungsvarianten von Deutsch, gespeichert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.6 bavarikon – Regionaler Digitalisierungs- und Präsentationsverbund ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Region und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bavarikon ist keine Minderheitenplattform, sondern das Kulturportal des Freistaats Bayern. Es ist dennoch relevant, weil es zeigt, wie ein Flächenland zahlreiche Museen, Archive, Bibliotheken, wissenschaftliche Einrichtungen und nichtstaatliche Träger in ein geregeltes Förder-, Qualitäts- und Präsentationsmodell einbindet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die grundsätzliche Ausrichtung und der Mitteleinsatz werden durch das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst sowie das Staatsministerium für Digitales bestimmt. Ein Rat mit 14 stimmberechtigten Mitgliedern aus unterschiedlichen Kultursparten entscheidet über neue Inhalte und berät zu Betrieb und Digitalisierungsstrategie. Die Bayerische Staatsbibliothek trägt den laufenden technischen, redaktionellen und organisatorischen Betrieb; das Leibniz-Rechenzentrum übernimmt das Hosting.&amp;lt;ref name=&amp;quot;bavarikon_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Partner können Digitalisierungsvorhaben beantragen. Die Bayerische Staatsbibliothek begleitet die Digitalisierung, wenn die Ergebnisse in hoher Qualität über bavarikon präsentiert werden. Für die Aufnahme existieren Kriterien, Metadatenhandreichungen, Qualitätsanforderungen für Digitalisate, Musterlisten und ein Vorantragsverfahren.&amp;lt;ref name=&amp;quot;bavarikon_partner&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Nachweisbarer Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Portal ging 2013 online und wird monatlich ergänzt. Im November 2024 meldete die Bayerische Staatsbibliothek mehr als 500.000 digitale Objekte aus rund 170 Einrichtungen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;bavarikon_500k&amp;quot;/&amp;gt; Die institutionelle Betreiberverantwortung, der geregelte Zugang zu Fördermitteln und die veröffentlichten Mindestanforderungen sind belastbare Erfolgsindikatoren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' bavarikon verfügt über die Ressourcen eines deutschen Flächenlandes und einer großen Staatsbibliothek. Diese Größenordnung ist für die Sorben nicht direkt übertragbar. Das Portal ist primär Präsentations- und Förderinfrastruktur; aus den öffentlichen Unterlagen lässt sich nicht ableiten, dass bavarikon für sämtliche Masterdateien aller Partner allein die vollständige Langzeiterhaltung übernimmt. Community-Governance und kulturell abgestufte Zugänge stehen nicht im Mittelpunkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* dauerhaft benannter zentraler Betreiber und leistungsfähiges Rechenzentrum;&lt;br /&gt;
* spartenübergreifendes Entscheidungsgremium;&lt;br /&gt;
* geregeltes Förder- und Auswahlverfahren;&lt;br /&gt;
* publizierte Mindeststandards und Vorlagen;&lt;br /&gt;
* zentrale fachliche Begleitung bei dezentralen Beständen;&lt;br /&gt;
* kontinuierlicher Ausbau statt einmaliger Portalveröffentlichung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwerte:''' &lt;br /&gt;
* Übertragbar ist nicht die Größenordnung, sondern die Verfahrenslogik: ein transparentes Antrags- und Priorisierungsverfahren, verbindliche Lieferpakete, klare Qualitätskontrollen und ein zentraler Ansprechpartner. &lt;br /&gt;
* Ein sorbischer Digitalisierungsfonds könnte kleinere, klar abgegrenzte Vorhaben fördern, sofern Rechte, Metadaten, Zielrepositorium und spätere Nutzung vorab geklärt sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.7 Mukurtu und Plateau Peoples’ Web Portal ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mukurtu entstand aus einer Zusammenarbeit mit der Warumungu-Gemeinschaft in Australien und wurde zu einer frei verfügbaren Plattform für indigene Gemeinschaften weiterentwickelt. Das hier besonders betrachtete Plateau Peoples’ Web Portal betrifft acht indigene Nationen des nordwestlichen Plateaus in den USA, darunter Spokane, Colville, Umatilla, Coeur d’Alene, Warm Springs, Yakama, Confederated Salish and Kootenai Tribes und Nez Perce. Diese Nationen besitzen jeweils eigene politische und kulturelle Strukturen innerhalb der Vereinigten Staaten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mukurtu CMS (Content-Management-System; deutsch: System zur Verwaltung und Veröffentlichung von Inhalten) wird am Center for Digital Scholarship and Curation der Washington State University als Open-Source-Software entwickelt und gepflegt. Die Entwicklung wurde unter anderem durch die National Endowment for the Humanities, das Institute of Museum and Library Services, die Mellon Foundation und die National Science Foundation gefördert.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_about&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_plateau&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Plateau Peoples’ Web Portal ist ein konkreter Verbund zwischen den beteiligten Stämmen, der Washington State University und externen Gedächtnisinstitutionen. Stammesvertreterinnen und -vertreter wählen und kuratieren Materialien; die technische Pflege liegt bei der Universität in Partnerschaft mit indigenen Programmen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_plateau&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Rechte- und Metadatenmodell ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mukurtu unterstützt Traditional Knowledge Labels, fein abgestufte kulturelle Protokolle und mehrere parallele Beschreibungen zu einem Objekt. Eine Institution kann beispielsweise eine archivische Beschreibung liefern, während eine Gemeinschaft eigene Namen, Erzählungen, Herkunftsangaben und Zugangsregeln ergänzt. Der „Roundtrip“-Mechanismus ermöglicht den Export angereicherter Daten, ohne ursprüngliche Metadaten zu verlieren.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wissenschaftliche Dokumentationen des Plateau-Portals beschreiben ein Hub-and-Spoke-Modell – also einen zentralen technischen Knoten mit mehreren institutionellen und gemeinschaftlichen Zulieferern – sowie Vereinbarungen zwischen Partnern, Dublin-Core-Metadaten und granulare Zugangsregeln.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_dlib&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Portal demonstriert dauerhaft, dass kulturelle Selbstbestimmung technisch nicht nur durch „öffentlich“ oder „geschlossen“ abgebildet werden muss. Es ermöglicht mehrere Wissensordnungen neben- statt untereinander. Die Plattform ist Open Source und exportfähig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Open Source bedeutet nicht kostenlosen Betrieb. Installation, Aktualisierung, Hosting, Rechtekonzeption, Datenmigration und Support benötigen dauerhaft qualifiziertes Personal. Mukurtu weist selbst ausdrücklich darauf hin, dass es eine Zugangsplattform und nur ein Bestandteil eines größeren Systems für Digitalisierung, Erhaltung und Nachhaltigkeit ist.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_about&amp;quot;/&amp;gt; Die Übernahme von Traditional Knowledge Labels in den sorbischen Kontext wäre nicht eins zu eins möglich, weil kulturelle und rechtliche Ausgangslagen verschieden sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* kulturelle Protokolle als Kern der Daten- und Zugangslogik;&lt;br /&gt;
* mehrere Beschreibungen und Perspektiven pro Objekt;&lt;br /&gt;
* exportfähige Daten statt Plattformbindung;&lt;br /&gt;
* Partnerschaftsvereinbarungen und konkrete Rollen;&lt;br /&gt;
* dauerhafte technische Trägerschaft durch eine Universität;&lt;br /&gt;
* Community-Kuration statt bloßer Rückmeldung nach Veröffentlichung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwerte:''' &lt;br /&gt;
* Im Kulturregister sollte neben institutionellen Angaben Raum für sorbisch / wendische Bezeichnungen, lokale Varianten, Erinnerungen und Korrekturen bestehen. &lt;br /&gt;
* Rechte- und Sichtbarkeitsstufen müssen pro Datensatz und möglichst pro Mediendatei modelliert werden. &lt;br /&gt;
* Ein Register könnte zunächst ein eigenes, rechtlich passendes Set von „Kulturhinweisen“ entwickeln, etwa „nur Metadaten öffentlich“, „Nutzung nur nach Rücksprache“, „innergemeinschaftlich“, „zeitlich gesperrt“ oder „freie Nachnutzung erwünscht“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.8 Aṟa Irititja – Gemeinschaftsbasiertes Aṉangu-Archiv ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aṉangu ist eine Selbstbezeichnung von Ngaanyatjarra-, Pitjantjatjara- und Yankunytjatjara-Gemeinschaften im zentralen Australien. Aṟa Irititja arbeitet vor allem in den Aṉangu Pitjantjatjara Yankunytjatjara Lands (APY Lands) im Nordwesten des Bundesstaats South Australia. Die Gemeinschaften sind australischen staatlichen Strukturen zugehörig, verfügen aber über eigene Land- und Organisationsstrukturen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Entstehung, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Projekt entstand 1994 als sozialgeschichtliches Vorhaben der Pitjantjatjara Council Aboriginal Corporation. Es arbeitet mit Schulen, Bildungszentren, Gesundheits-, Frauen-, Medien-, Land- und Kunstorganisationen in den APY Lands zusammen. Ein zentrales Büro in Adelaide bearbeitet Datenbank, Digitalisierung, physische Lagerung und Verwaltung; ein Büro in Alice Springs hält den Kontakt zu Gemeinschaften und ergänzt Sprach-, Familien- und Kontextinformationen. Seit 2020 steht das Projekt unter dem Dach der APY-Organisation und wird durch deren Executive Board gesteuert.&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_who&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Finanzierung war über lange Zeit eine Mischung aus staatlichen Programmen, Stiftungen, Spenden sowie jährlichen Beiträgen beteiligter Schulen und Community-Organisationen. Die eigene Projektdokumentation bezeichnet die langfristige Finanzierung ausdrücklich als dauerhaftes Problem. Mit der Eingliederung in APY wurden 2020 drei permanente Teilzeitstellen geschaffen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_funding&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Fachliche Lösung, Rechte und Zugang ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aṟa Irititja wurde auf Wunsch der Gemeinschaften entwickelt, um kulturelle Geschichte zu bewahren und zurückzugeben. Das Multimediaarchiv umfasst Fotos, Dokumente, Filme, Tonaufnahmen und Objekte. Die Software sollte kulturelle Einschränkungen abbilden und zugleich für Nutzerinnen und Nutzer mit begrenzter Schriftkompetenz oder eingeschränktem Sehvermögen leicht bedienbar sein. Inhalte werden in Ngaanyatjarra, Pitjantjatjara, Yankunytjatjara und Englisch bereitgestellt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_approach&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_who&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gemeinschaftsmitglieder und kulturelle Berater beurteilen sensible Inhalte und Zugangsregeln. Der Ansatz der „digitalen Rückgabe“ bringt digitale Kopien und Nutzungsmöglichkeiten zu den Gemeinschaften zurück, auch wenn Originale in Museen oder anderen Institutionen verbleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Betrieb seit 1994, die Eingliederung in eine Aṉangu-geführte Organisation und die dauerhafte Nutzung in Schulen und Gemeinschaftseinrichtungen sind starke Nachhaltigkeitsindizien. Die Dokumentation beschreibt intergenerationelle Nutzung, Schulungen und Beschäftigung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Viele Wirkungsangaben stammen vom Projekt selbst. Unabhängige aktuelle Evaluationen und detaillierte technische Angaben zur Langzeiterhaltung sind begrenzt. Die langjährige Finanzierungssuche zeigt, dass kulturelle Bedeutung allein keinen verlässlichen Betriebsetat garantiert. Zentraler Betrieb in Adelaide schafft Fachlichkeit, kann aber Distanz zu abgelegenen Gemeinschaften erzeugen; deshalb bleibt die lokale Kontakt- und Trainingsstruktur wesentlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* Entwicklung aus einem ausdrücklichen Wunsch der Gemeinschaft;&lt;br /&gt;
* institutionelle Unterstellung unter eine gemeinschaftseigene Organisation;&lt;br /&gt;
* lokale Ansprechpartner und zentrale Facharbeit;&lt;br /&gt;
* kulturell abgestufte Zugänge;&lt;br /&gt;
* mehrsprachige, visuell einfache Oberfläche;&lt;br /&gt;
* Verbindung von digitaler Rückgabe, Bildung und Kompetenzaufbau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwerte:''' &lt;br /&gt;
* Nutzeroberflächen sollten nicht nur für wissenschaftliche Fachkräfte gestaltet werden. &lt;br /&gt;
* Lokale Sammlungsbetreuerinnen und -betreuer brauchen einfache Erfassungswege, visuelle Hilfen und persönliche Unterstützung. &lt;br /&gt;
* Sensible Inhalte – etwa private Familienaufnahmen, religiöse Praktiken, personenbezogene Überlieferung oder nicht für eine allgemeine Öffentlichkeit bestimmte Aufzeichnungen – benötigen ein gemeinsam beschlossenes Zugangsmodell. &lt;br /&gt;
* Zentraler Betrieb muss durch lokale Beziehungen ergänzt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.9 Living Archive of Aboriginal Languages (LAAL) ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Living Archive of Aboriginal Languages bündelt Literatur aus zahlreichen Aboriginal-Sprachgemeinschaften des Northern Territory in Australien. Es handelt sich nicht um eine einzige Minderheit, sondern um viele eigenständige Sprach- und Kulturgemeinschaften. Ein großer Teil der Bücher entstand zwischen den 1970er Jahren und dem Ende bilingualer Bildungsprogramme in lokalen Literature Production Centres.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Projekt begann 2012 unter Leitung der Charles Darwin University mit der Australian National University und dem Bildungsressort des Northern Territory. Es wurde durch die Australian Research Council Linkage Infrastructure, Equipment and Facilities Scheme gefördert. Eine zweite Förderphase erweiterte den Bestand und die Community- sowie Bildungsarbeit; weitere Partner kamen hinzu.&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_background&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Vorgehen umfasste das Auffinden verstreuter Bücher, Auswahl und Digitalisierung, Kontakt zu Autorinnen, Autoren und Illustratoren, Rechteklärung sowie Rückspiegelung in die Herkunftsgemeinschaften. Gemeinschaftsmitglieder konnten Texte prüfen und Geschichten oder Tonaufnahmen ergänzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Dateien, Rechte und Zugang ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für jeden Titel wurden Nutzungsdateien wie PDF, Textdatei und Vorschaubild erstellt; seitenweise TIFF-Masterdateien dienten der Langzeitaufbewahrung. Eine kartenbasierte Oberfläche erleichterte auch Menschen mit geringer Schriftkompetenz die Suche.&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_background&amp;quot;/&amp;gt; Materialien wurden nur nach schriftlicher Einwilligung von Urheberinnen, Urhebern oder Nachkommen veröffentlicht. Das Projekt verwendete Creative-Commons-Lizenzen mit Einschränkungen, berücksichtigte indigene Kultur- und Informationsprotokolle und bot ein Takedown-Verfahren, also die vorläufige Entfernung bei Einwänden.&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_rights&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der aktuelle Bestand umfasst nach Projektangaben nahezu 4.000 Bücher in 50 Sprachen aus 40 Gemeinschaften. Die Materialien wurden in die Plattform Territory Stories von Library &amp;amp; Archives Northern Territory überführt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_home&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Erfolg, Problem und Lernwert ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
LAAL verbindet Sprachsicherung, Rechteklärung, offene Bildungsnutzung und echte Erhaltungsdateien. Das Projekt zeigt aber auch eine typische Migrationsgefahr: Nach der Überführung in Territory Stories funktionierte die speziell entwickelte Kartenoberfläche nicht mehr; das Projekt dokumentierte 2022, dass zunächst auf einen möglichen Ersatz gewartet werde.&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_migration&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Die sorgfältige Rechteklärung erzeugte einen beträchtlichen Rückstand nicht veröffentlichter Materialien; dies ist kein Projektversagen, sondern ein realer Zielkonflikt zwischen Geschwindigkeit und Zustimmung. Die Migration bewahrte Inhalte, verlor aber zumindest zeitweise eine für die Zielgruppen wichtige Zugangsfunktion. Die ursprüngliche Projektorganisation war stark förderabhängig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* systematische „Search-and-Rescue“-Phase für verstreute gefährdete Materialien;&lt;br /&gt;
* klare Trennung von Erhaltungs- und Nutzungsdateien;&lt;br /&gt;
* Veröffentlichung nur mit Einwilligung und Takedown-Verfahren;&lt;br /&gt;
* Beteiligung der Sprachgemeinschaften an Prüfung und Ergänzung;&lt;br /&gt;
* Bildungsnutzung und Offline-Zugriff;&lt;br /&gt;
* Übergabe an eine öffentliche Gedächtnisinstitution.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwerte:''' &lt;br /&gt;
* Für jede digitale Sammlung muss ein Migrations- und Exit-Plan festlegen, wie Daten, Rechteangaben, Identifikatoren und zielgruppenspezifische Funktionen beim Systemwechsel erhalten bleiben. &lt;br /&gt;
* Eine funktionierende Fachoberfläche darf nicht der einzige Ort sein, an dem Beziehungen zwischen Daten gespeichert sind. &lt;br /&gt;
* Rechteklärung sollte als eigenes Arbeitspaket mit Aufwand, Rückständen und Prioritäten geplant werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.10 PARADISEC – Facharchiv für gefährdete Sprachen und Kulturen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaften, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PARADISEC steht für Pacific And Regional Archive for Digital Sources in Endangered Cultures. Es ist kein Archiv einer einzelnen Minderheit, sondern bewahrt Forschungs- und Community-Aufnahmen vieler kleiner Sprach- und Kulturgemeinschaften, vor allem im Pazifikraum, aber auch weltweit. Der institutionelle Sitz liegt in Australien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Organisation, Finanzierung und Architektur ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PARADISEC ist ein Verbund der University of Sydney, der University of Melbourne und der Australian National University. Operative Aufgaben sind über die drei Standorte verteilt; ein externer Beirat unterstützt die Steuerung. Das Projekt wurde wesentlich durch den Australian Research Council und in jüngerer Zeit durch die Language Data Commons of Australia im Rahmen nationaler Forschungsinfrastruktur finanziert.&amp;lt;ref name=&amp;quot;paradisec_about&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;paradisec_home&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Archiv hat Verfahren für Übernahme, Katalogisierung, Digitalisierung und Erhaltung von Audio-, Text- und Bildmaterial entwickelt. Es nutzt Forschungsnetze und institutionelle Speicherinfrastruktur, archiviert Audio in Erhaltungsformaten und stellt stabile Katalogdaten bereit. Kopien wurden an Kulturzentren und Institutionen in Vanuatu, Neukaledonien, Papua-Neuguinea, Französisch-Polynesien, den Salomonen und Rapa Nui zurückgegeben.&amp;lt;ref name=&amp;quot;paradisec_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Nachweisbarer Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Juli 2026 weist PARADISEC rund 20.500 Stunden Audio, 4.000 Stunden Video, mehr als 320 Terabyte und Inhalte zu etwa 1.460 Sprachen aus. Es erhielt 2019 das CoreTrustSeal für vertrauenswürdige Repositorien und wurde 2024 bei den Digital Preservation Awards sowie 2025 mit einem Open Scholarship Award ausgezeichnet.&amp;lt;ref name=&amp;quot;paradisec_home&amp;quot;/&amp;gt; Die Kombination aus großem Bestand, langjährigem Betrieb, fachlichen Standards und konkreter Rückgabe an Herkunftsgemeinschaften ist ein starker Erfolgsnachweis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Ein universitärer Forschungsverbund verfügt über Kompetenzen und Infrastrukturen, die kleinen lokalen Trägern nicht direkt zur Verfügung stehen. Die Community-Beteiligung variiert je nach Depositor, Sammlung und Herkunftsgemeinschaft. Online-Zugriff kann in Regionen mit schwacher Internetversorgung oder ohne passende Sprache weiterhin schwierig sein. Auch ein erfolgreiches Facharchiv benötigt laufende Dritt- und Infrastrukturmittel sowie technische Erneuerung; PARADISEC arbeitet derzeit an einer Erneuerung seines Katalogs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* fachlich fokussiertes Repositorium für gefährdete audiovisuelle und sprachliche Materialien;&lt;br /&gt;
* verteilte institutionelle Trägerschaft mit gemeinsamem Verfahren;&lt;br /&gt;
* professionelle Erhaltungsstandards und Zertifizierung;&lt;br /&gt;
* stabile Identifikatoren und wissenschaftliche Zitierbarkeit;&lt;br /&gt;
* Rückgabe von Kopien und Kooperation mit regionalen Kulturzentren;&lt;br /&gt;
* langfristige Verbindung zu Forschungsinfrastruktur statt isoliertem Projektserver.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwerte:''' &lt;br /&gt;
* Für gefährdete Audio-, Video- und Sprachdaten sollte nicht jede kleine Einrichtung ein eigenes Langzeitarchiv aufbauen. &lt;br /&gt;
* Ein zentral betriebener, professioneller Repositoriumsdienst mit klaren Übernahmepaketen ist sinnvoll. &lt;br /&gt;
* Gleichzeitig müssen Kopien, Zugriffsrechte und nutzbare Arbeitsfassungen bei den Kulturgutträgern verbleiben können. &lt;br /&gt;
* Zertifizierungsmodelle wie CoreTrustSeal können langfristig Orientierung geben, sollten aber erst nach Aufbau stabiler Prozesse angestrebt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.11 Reciprocal Research Network (RRN) ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Reciprocal Research Network betrifft kulturelle Objekte der First Nations der Nordwestküste von British Columbia in Kanada. Es wurde gemeinsam von der Musqueam Indian Band, der Stó:lō Nation beziehungsweise dem Stó:lō Tribal Council, der U’mista Cultural Society und dem Museum of Anthropology der University of British Columbia entwickelt. Zahlreiche internationale Museen liefern Daten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und technische Lösung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das RRN ist eine föderierte Recherche- und Kooperationsplattform. Es ermöglicht die gemeinsame Suche in institutionellen Sammlungen, persönliche und gemeinsame Forschungsprojekte, Dateiuploads und Diskussionen. Eine Steuerungsgruppe mit Vertreterinnen und Vertretern der beteiligten First Nations und des Museums ist weiterhin ausgewiesen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_about&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_contact&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wissenschaftliche Publikationen beschreiben den Aufbau als langfristigen Vertrauens- und Aushandlungsprozess. Vereinbarungen mit Partnerinstitutionen regelten Datenlieferung und Zusammenarbeit; agile Softwareentwicklung wurde mit unterschiedlichen Erwartungen und Entscheidungsrhythmen in Einklang gebracht.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_rowley&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Nachweisbarer Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Juli 2026 zeigt die Plattform Daten aus 29 Institutionen, mehr als 570.000 Objekte und 391.000 Fotografien sowie über 4.000 registrierte Mitglieder und fast 2.800 Projekte an.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_home&amp;quot;/&amp;gt; Diese Größenordnung belegt eine erhebliche institutionsübergreifende Aggregation und Nutzung der Arbeitsfunktionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Im Seitenfuß wird weiterhin die Softwareversion 1.8.3 mit Startdatum 22. November 2014 ausgewiesen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_contact&amp;quot;/&amp;gt; Das ist kein Beleg dafür, dass der Dienst beendet ist – die Plattform ist erreichbar und aktuelle Bestandszahlen werden angezeigt –, aber ein Warnsignal für Modernisierungs-, Sicherheits- und Wartungsrisiken. Detaillierte aktuelle Angaben zu Erhaltungsrepositorien und Betriebskosten sind öffentlich begrenzt. Das RRN ist vor allem Forschungs- und Zugangsplattform, nicht zwingend das Langzeitarchiv sämtlicher Quelldateien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* gemeinsame Entwicklung durch First Nations und Museum;&lt;br /&gt;
* föderierte Suche über internationale Sammlungen;&lt;br /&gt;
* dauerhafte Steuerungsgruppe;&lt;br /&gt;
* projektbezogene Kollaboration statt nur passiver Objektanzeige;&lt;br /&gt;
* formalisierte Partnerschaften und Aufbau von Vertrauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwerte:''' &lt;br /&gt;
* Ein Präsentationssystem kann mehr sein als ein Suchkatalog: Arbeitsbereiche für gemeinsame Erschließung, Korrekturen, Transkription, Übersetzung und Forschung erhöhen die aktive Nachnutzung. &lt;br /&gt;
* Solche Funktionen dürfen aber erst aufgebaut werden, wenn technische Wartung und Datenexport gesichert sind. &lt;br /&gt;
* Langfristige Kooperationsvereinbarungen sind wichtiger als einmalige Datenlieferungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.12 Indigitization – Dezentrale Digitalisierung mit zentraler Befähigung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Indigitization richtet sich an First Nations und weitere indigene Gemeinschaften in British Columbia, Kanada. Die Gemeinschaften verfügen über eigene Regierungen, Archive, Sprachprogramme und Kulturinstitutionen, arbeiten aber häufig mit begrenzten technischen und personellen Ressourcen. Viele gefährdete Tonaufnahmen befinden sich weiterhin lokal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Organisations- und Fördermodell ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Indigitization ist eine Kooperation indigener Gemeinschaften und Organisationen mit dem Irving K. Barber Learning Centre, dem Museum of Anthropology, dem Northern BC Archives der University of Northern British Columbia, der X̱wi7x̱wa Library und weiteren Einheiten der University of British Columbia. Das Programm entwickelt Ressourcen, führt Schulungen durch, berät zu Fördermitteln und unterstützt gemeinschaftsgeführte Digitalisierung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Werkzeugkasten entstand aus drei Pilotprojekten mit First Nations und verbindet deren Erfahrungen mit fachlichen Digitalisierungsstandards. Er enthält Planungshilfen, technische Anleitungen, Metadaten- und Dateiverfahren sowie Musterunterlagen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_toolkit&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von 2013 bis 2019 finanzierten Audiokassetten-Zuschüsse drei Pilot- und 45 Förderprojekte. Mehr als 11.464 Kassetten wurden digitalisiert; insgesamt wurden über 422.143 kanadische Dollar vergeben. Die Förderung umfasste ergänzende Mittel bis 10.000 Dollar je Vorhaben und intensive Schulung. Das spezifische Förderprogramm befindet sich derzeit in einer Pause, während Beratung, Workshops und Verweise auf weitere Programme fortgeführt werden.&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_grant&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_funding&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Rechte, Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Digitalisierungsprojekte verbleiben bei den Gemeinschaften; eine öffentliche Veröffentlichung war nicht zwingend. Auch protokollgebundene und nichtöffentliche Zugänge waren förderfähig. Das schützt lokale Kontrolle und stärkt Kompetenzen vor Ort. Die dokumentierten Objekt- und Förderzahlen sowie die fortbestehende Beratungsinfrastruktur belegen konkrete Wirkung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Dezentrale Digitalisierung garantiert noch keine langfristige Erhaltung. Jede Gemeinschaft braucht ein tragfähiges Speicher-, Sicherungs- und Migrationskonzept oder einen verlässlichen Repositoriumspartner. Die Pause des früheren Kassettenprogramms zeigt die Verwundbarkeit zeitlich begrenzter Förderlinien. Für kleine Teams kann die dauerhafte Anwendung technischer Standards trotz Schulung anspruchsvoll bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* zentrale Kompetenz, Vorlagen, Schulung und begrenzte Anschubfinanzierung;&lt;br /&gt;
* Durchführung und Kontrolle bei den lokalen Gemeinschaften;&lt;br /&gt;
* Pilotprojekte als Grundlage des Werkzeugkastens;&lt;br /&gt;
* praxisnahe Muster für Projektplan, Budget und Stellenprofil;&lt;br /&gt;
* kein Zwang zur allgemeinen Veröffentlichung;&lt;br /&gt;
* Netzwerk aus Hochschulen, Archiven und Community-Fachleuten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwerte:''' &lt;br /&gt;
* Dieses Modell kommt einer möglichen Rolle des sorbischen Digitalisierungszentrums besonders nahe. &lt;br /&gt;
* Die zentrale Stelle könnte mobile Technik, Leihgeräte, Schulung, Qualitätsprüfung, Dienstleisterrahmenverträge und Kleinprojektförderung bereitstellen. &lt;br /&gt;
* Lokale Träger behalten Originale, Auswahl, Kontext und Zugangsentscheidungen. &lt;br /&gt;
* Anders als bei rein dezentralen Ansätzen sollte im sorbischen Modell jedoch von Anfang an ein gemeinsames Repositorium oder ein verbindlicher Repositoriumsdienst angeschlossen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== E. Vergleichsmatrix ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== E.1 Funktionen, Architektur und Standards ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable sortable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Projekt&lt;br /&gt;
! Register / Katalog&lt;br /&gt;
! Digitalisierung&lt;br /&gt;
! Repositorium / Langzeiterhaltung&lt;br /&gt;
! Präsentation / Nachnutzung&lt;br /&gt;
! Technologie und Standards&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''RomArchive'''&lt;br /&gt;
| Kuratierter Sammlungsnachweis; kein Vollregister&lt;br /&gt;
| Auswahl und Digitalisierung in der Projektphase&lt;br /&gt;
| Interne und veröffentlichte Bestände; öffentliche Dokumentation der Langzeitprozesse begrenzt&lt;br /&gt;
| Themenarchive, Touren, Forschung; Deutsch, Englisch, Romanes; eingeschränkte Nachnutzung&lt;br /&gt;
| Axiell Collections, Django-Webanwendung, Connector zwischen Sammlung und Website&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Nuohtti'''&lt;br /&gt;
| Föderierter Metadatenindex aus vielen Archiven&lt;br /&gt;
| Erfolgt überwiegend bei Quellinstitutionen&lt;br /&gt;
| Verbleibt bei Datenlieferanten; Nationalarchive tragen Suchdienst weiter&lt;br /&gt;
| Mehrsprachige Suche, Karte, Zeitleiste; Verlinkung zu Quellen&lt;br /&gt;
| VuFind, Finna, RecordManager, Solr, Finto, Giellatekno, Leaflet, OpenStreetMap, Europeana-Wege&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''People’s Collection Wales'''&lt;br /&gt;
| Gemeinsame Plattform mit institutionellen und Community-Beiträgen&lt;br /&gt;
| Zentral unterstützte, teils lokale Digitalisierung; Schulungen&lt;br /&gt;
| In Evaluation als klärungsbedürftige Rolle benannt; nicht allein aus Portal abzuleiten&lt;br /&gt;
| Zweisprachiges Portal, Uploads, Lernangebote, Karten&lt;br /&gt;
| Gemeinsame Plattform; Metadaten-, Rechte- und Digitalisierungshilfen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Tobar an Dualchais'''&lt;br /&gt;
| Durchsuchbarer Katalog zu Tonaufnahmen&lt;br /&gt;
| Audio-Digitalisierung, Erschließung und Transkription&lt;br /&gt;
| Originale in institutionellen Archiven; digitale Erhaltung in Partnerstrukturen&lt;br /&gt;
| Mehr als 40.000 Aufnahmen; Sprache, Bildung, Forschung&lt;br /&gt;
| Audio-Workflows; Transkription und automatische Spracherkennung in Ergänzungsprojekten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Euskariana'''&lt;br /&gt;
| Integrierter Katalog aus Bibliotheken, Archiven, Museen und Repositorien&lt;br /&gt;
| Bei Partnern und in eigenen Programmen&lt;br /&gt;
| Eigenes Repositorium plus Links zu externen Repositorien&lt;br /&gt;
| Baskisch/spanisch; öffentliche Suche; Europeana-Anbindung&lt;br /&gt;
| MARC, Dublin Core, METS, PREMIS, ALTO; OAI-Zugang&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''bavarikon'''&lt;br /&gt;
| Gemeinsames Portal mit Partnerdaten&lt;br /&gt;
| Förderprogramm und fachliche Begleitung; zentrale Qualitätsprüfung&lt;br /&gt;
| Verantwortlichkeit für alle Masterdateien nicht einheitlich öffentlich dokumentiert&lt;br /&gt;
| Portalsuche, Ausstellungen, 3D, Bildungs- und Social-Media-Formate&lt;br /&gt;
| Verbindliche Metadaten- und Lieferhandreichungen; zentrales Hosting&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Mukurtu / Plateau Portal'''&lt;br /&gt;
| Institutionelle und Community-Datensätze zu denselben Objekten&lt;br /&gt;
| Nicht Kernfunktion; lokale beziehungsweise institutionelle Workflows&lt;br /&gt;
| Mukurtu ausdrücklich nur Zugangsbaustein; Erhaltung separat zu planen&lt;br /&gt;
| Protokollbasierter Zugang, Community-Erzählungen, Export&lt;br /&gt;
| Open Source auf Drupal-Basis; TK Labels; kulturelle Protokolle; Dublin Core; Roundtrip-Export&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Aṟa Irititja'''&lt;br /&gt;
| Zentraler Multimedia-Katalog mit lokalen Ergänzungen&lt;br /&gt;
| Zentral vorbereitet, mit Community-Kontaktstellen und historischer Formatrettung&lt;br /&gt;
| Physische und digitale Materialien zentral fachlich verwaltet; Details zu Erhaltungsstufen begrenzt&lt;br /&gt;
| Community-Zugänge, mehrsprachig, visuell niedrigschwellig; digitale Rückgabe&lt;br /&gt;
| Speziell entwickelte beziehungsweise weiterentwickelte Wissensmanagement-Software; kulturelle Beschränkungen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''LAAL'''&lt;br /&gt;
| Sprach-, Orts-, Personen- und Titelnachweis&lt;br /&gt;
| Systematische Suche, Scan und Rechteklärung&lt;br /&gt;
| TIFF-Master; zunächst CDU eSpace, später Territory Stories&lt;br /&gt;
| PDFs, Textdateien, App, Bildung; ursprüngliche Kartenfunktion nach Migration verloren&lt;br /&gt;
| TIFF/PDF/TXT/JPG; persistente Kennungen im Zielsystem; Creative-Commons- und Takedown-Modell&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''PARADISEC'''&lt;br /&gt;
| Fachkatalog für audiovisuelle und sprachliche Sammlungen&lt;br /&gt;
| Professionelle Digitalisierung gefährdeter Medien&lt;br /&gt;
| Institutioneller Verbund; Erhaltungsformate, redundante Infrastruktur, CoreTrustSeal&lt;br /&gt;
| Online-Katalog, Forschung, Community-Zugang und Rückgabe von Kopien&lt;br /&gt;
| Internationale Archivstandards; stabile Identifikatoren; laufende Katalogmodernisierung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''RRN'''&lt;br /&gt;
| Föderierte Suche über Daten von 29 Institutionen&lt;br /&gt;
| Erfolgt primär bei Partnern&lt;br /&gt;
| Plattform ist kein einheitliches Langzeitarchiv aller Quellen&lt;br /&gt;
| Kollaborative Projekte, Diskussionen, Uploads und Recherche&lt;br /&gt;
| Föderierte Datenintegration, Programmierschnittstelle; sichtbare Plattformversion von 2014&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Indigitization'''&lt;br /&gt;
| Kein zentraler Gesamtkatalog als Hauptziel&lt;br /&gt;
| Dezentrale Digitalisierung mit zentraler Schulung, Geräten, Standards und Förderung&lt;br /&gt;
| Muss je Community beziehungsweise über Partner gelöst werden&lt;br /&gt;
| Community-interne oder öffentliche Nutzung nach lokalen Regeln&lt;br /&gt;
| Werkzeugkasten, Broadcast-Wave-Audio, Musterunterlagen und Trainingsworkflows&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== E.2 Governance, Finanzierung, Erfolg und Übertragbarkeit ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable sortable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Projekt&lt;br /&gt;
! Organisationsmodell&lt;br /&gt;
! Community-Beteiligung&lt;br /&gt;
! Finanzierung und dauerhafter Betrieb&lt;br /&gt;
! Nachweisbarer Erfolg&lt;br /&gt;
! Grenzen&lt;br /&gt;
! Übertragbarkeit auf die Sorben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''RomArchive'''&lt;br /&gt;
| Internationales Kuratorium/Beirat; seit 2019 Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma&lt;br /&gt;
| Überwiegend Roma in Kuratorien und Beirat; Auswahl und strategische Richtlinien&lt;br /&gt;
| Große öffentliche Anschubförderung; institutioneller Betreiber und laufende öffentliche Förderung&lt;br /&gt;
| Betreiberübergang vollzogen; seit 2019 online weitergeführt&lt;br /&gt;
| Kein Vollregister; wenige aktuelle Nutzungsdaten; Nachnutzung oft restriktiv&lt;br /&gt;
| '''Hoch''' für Governance, kuratierte Kontexte und Betreiberübergang&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Nuohtti'''&lt;br /&gt;
| Drei Nationalarchive plus Universitäten; föderierter Dienst&lt;br /&gt;
| Sámi-Parlamente in Steuerungsgruppe; ethische Leitlinien und Tests&lt;br /&gt;
| EU-Projekt; Weiterbetrieb durch Nationalarchive&lt;br /&gt;
| Rund 30.000 Datensätze, 32 Institutionen, fünf Sprachen; fortbestehender Dienst&lt;br /&gt;
| Datenqualität und Erhaltung bleiben verteilt; geringe aktuelle Wirkungsdaten&lt;br /&gt;
| '''Sehr hoch''' für Kulturregister und föderierte Suche&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''People’s Collection Wales'''&lt;br /&gt;
| Föderation dreier nationaler Einrichtungen&lt;br /&gt;
| Lokale Gruppen und Einzelpersonen liefern Inhalte; umfangreiche Unterstützung&lt;br /&gt;
| Walisische Regierung; Evaluation benennt Nachhaltigkeitsrisiko&lt;br /&gt;
| Dauerbetrieb, Community-Kompetenzen, kritische Masse; unabhängige Evaluation&lt;br /&gt;
| Moderate gemessene Wirkung; Vermittlung personalintensiv; 38 Survey-Antworten&lt;br /&gt;
| '''Sehr hoch''' für Servicezentrum, Zweisprachigkeit und Evaluation&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Tobar an Dualchais'''&lt;br /&gt;
| Partnerschaft kultureller und wissenschaftlicher Einrichtungen&lt;br /&gt;
| Sprachgemeinschaften, Beitragende und Freiwillige bei Erschließung/Transkription&lt;br /&gt;
| Wiederkehrende öffentliche Projekt- und Programmmittel&lt;br /&gt;
| Mehr als 40.000 Aufnahmen; laufende Weiterentwicklung&lt;br /&gt;
| Dauergrundfinanzierung und Rechteaufwand öffentlich nur teilweise sichtbar&lt;br /&gt;
| '''Hoch''' für gefährdete Medien und Spracherschließung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Euskariana'''&lt;br /&gt;
| Baskische Regierung mit öffentlichen und privaten Partnern&lt;br /&gt;
| Eher institutionell als gemeinschaftsgeführt&lt;br /&gt;
| Staatlicher Betrieb&lt;br /&gt;
| Breiter Quellenverbund, Standards, Europeana-Interoperabilität&lt;br /&gt;
| Wenig unabhängige Nutzungsevaluation; Community-Rechte kaum dokumentiert&lt;br /&gt;
| '''Hoch''' für Metadaten, Onboarding-Wege und Aggregation; '''mittel''' für Governance&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''bavarikon'''&lt;br /&gt;
| Ministerien, 14-köpfiger Rat, Bayerische Staatsbibliothek, Rechenzentrum&lt;br /&gt;
| Partnerinstitutionen im Rat; keine Minderheiten-Governance&lt;br /&gt;
| Dauerhafte Landesstruktur plus Projektförderung&lt;br /&gt;
| Über 500.000 Objekte aus rund 170 Einrichtungen; monatlicher Ausbau&lt;br /&gt;
| Große Ressourcen; Präsentation und Förderlogik dominieren&lt;br /&gt;
| '''Mittel bis hoch''' für Verfahren/Qualität; Größenordnung kaum übertragbar&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Mukurtu / Plateau Portal'''&lt;br /&gt;
| Universität als Technikträger; acht indigene Nationen und Museen als Partner&lt;br /&gt;
| Kuration, Metadaten, Protokolle und Zugriff durch Stammesvertreter&lt;br /&gt;
| Öffentliche und philanthropische Forschungsförderung; Universität pflegt Software&lt;br /&gt;
| International genutzte Open-Source-Plattform; dauerhaftes konkretes Portal&lt;br /&gt;
| Qualifizierter Betrieb nötig; Zugangsplattform ersetzt kein Repositorium&lt;br /&gt;
| '''Sehr hoch''' für Rechte, sensible Inhalte und Mehrperspektivität&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Aṟa Irititja'''&lt;br /&gt;
| Zentralfachstelle plus lokale Liaison; seit 2020 unter APY-Organisation&lt;br /&gt;
| Auftrag, Steuerung, Zugangsregeln und Kontext durch Aṉangu&lt;br /&gt;
| Langjährige Mischung aus Zuschüssen, Spenden und lokalen Beiträgen; drei permanente Teilzeitstellen&lt;br /&gt;
| Betrieb seit 1994; lokale Nutzung und digitale Rückgabe&lt;br /&gt;
| Finanzierung lange prekär; Wirkung überwiegend selbst berichtet&lt;br /&gt;
| '''Hoch''' für lokale Kontrolle und abgestufte Zugänge; Technik nicht direkt übertragbar&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''LAAL'''&lt;br /&gt;
| Universität und öffentliche Partner; Übergabe an Landesbibliothek/-archiv&lt;br /&gt;
| Einwilligung, Prüfung und Ergänzung durch Sprachgemeinschaften&lt;br /&gt;
| Zwei Forschungsförderphasen; anschließend institutionelle Übernahme&lt;br /&gt;
| Nahezu 4.000 Bücher, 50 Sprachen, 40 Gemeinschaften&lt;br /&gt;
| Rechte-Rückstand; Verlust der Kartenfunktion bei Migration&lt;br /&gt;
| '''Sehr hoch''' als Migrations-, Rechte- und Sprachlernfall&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''PARADISEC'''&lt;br /&gt;
| Verbund dreier Universitäten mit Beirat&lt;br /&gt;
| Je Sammlung unterschiedlich; Kopien und Kooperationen mit Herkunftsgemeinschaften&lt;br /&gt;
| Forschungsrat, nationale Forschungsinfrastruktur, Hochschulen und Spenden&lt;br /&gt;
| 20.500 Audio-, 4.000 Videostunden, 320 TB, 1.460 Sprachen; Zertifizierung/Auszeichnungen&lt;br /&gt;
| Hohe Fach- und Infrastrukturvoraussetzungen; Zugänglichkeit regional unterschiedlich&lt;br /&gt;
| '''Hoch''' für zentrales Fachrepositorium; Skalierung nur angepasst&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''RRN'''&lt;br /&gt;
| Gemeinsame Steuerung von First Nations und Museum; viele Datenpartner&lt;br /&gt;
| Co-Entwicklung, Projekte, Diskussionen und Community-Wissen&lt;br /&gt;
| Institutionelle Projektstruktur; aktuelle Kosten öffentlich unklar&lt;br /&gt;
| 29 Institutionen, über 570.000 Objekte, über 4.000 Mitglieder&lt;br /&gt;
| Technische Alterung möglich; Erhaltung der Quelldateien dezentral&lt;br /&gt;
| '''Hoch''' für Kooperation und Arbeitsfunktionen; Wartungsrisiko beachten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Indigitization'''&lt;br /&gt;
| Hochschul- und Community-Netzwerk als Kompetenz- und Förderstelle&lt;br /&gt;
| Projekte werden von Gemeinschaften durchgeführt und kontrolliert&lt;br /&gt;
| Hochschulunterstützung; früheres Kassettenförderprogramm aktuell pausiert&lt;br /&gt;
| 45 Förderprojekte, 11.464 Kassetten, über 422.000 CAD Förderung&lt;br /&gt;
| Dezentrale Langzeiterhaltung nicht automatisch gesichert; Förderpause&lt;br /&gt;
| '''Sehr hoch''' für Digitalisierungszentrum und Unterstützung kleiner Träger&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== F. Übergreifende Erfolgsfaktoren ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.1 Governance und Beteiligung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' Die stärksten gemeinschaftsbezogenen Projekte verankern Beteiligung in Gremien, Rollen und Datenmodellen. RomArchive übergab Kuratierung und strategische Leitlinien überwiegend an Roma. Nuohtti beteiligte Sámi-Parlamente. Mukurtu und das Plateau Portal ermöglichen kulturelle Protokolle und mehrere Beschreibungen. Aṟa Irititja ist unter einer Aṉangu-geführten Organisation verankert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Erforderlich ist ein dauerhaftes Steuerungsmodell mit Vertreterinnen und Vertretern zentraler Einrichtungen, lokaler Träger, beider Sprachräume, Fachwissenschaft, Technik und möglichst verschiedener Generationen. Für sensible Inhalte, Priorisierung und öffentliche Darstellung müssen Entscheidungs- und Eskalationsregeln schriftlich festgelegt werden. Eine bloße Anhörung nach Abschluss technischer Entscheidungen ist unzureichend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.2 Erfassung und Priorisierung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' Nuohtti begann mit der Kartierung verteilter Quellen; LAAL mit systematischem Auffinden gefährdeter Literatur. bavarikon nutzt Anträge, Objektlisten und Auswahlkriterien. Audioprojekte priorisieren physisch und technisch gefährdete Medien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Zunächst sollte das Kulturregister einen belastbaren Überblick schaffen, ohne sofort jeden Eintrag maximal tief zu erschließen. Die Digitalisierungspriorität sollte anschließend aus mindestens vier Kriterien gebildet werden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Gefährdung:''' physischer Verfall, technische Obsoleszenz, Verlustgefahr;&lt;br /&gt;
# '''Bedeutung:''' Einzigartigkeit, Repräsentativität, sprachliche und kulturelle Relevanz;&lt;br /&gt;
# '''Nutzungspotenzial:''' Bildung, Forschung, Sprachrevitalisierung, Vermittlung;&lt;br /&gt;
# '''Umsetzbarkeit:''' Rechteklarheit, Zustand, vorhandene Metadaten, Kosten und Zielrepositorium.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Priorisierungswert darf keine endgültige kulturelle Rangliste erzeugen. Er dient der Arbeitsplanung und muss fachlich sowie gemeinschaftlich überprüfbar sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.3 Organisation der Digitalisierung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' Indigitization und People’s Collection Wales zeigen, dass zentrale Kompetenz und lokale Durchführung kombinierbar sind. bavarikon ergänzt dies um Auswahl, Förderung und Qualitätsprüfung. PARADISEC zeigt für anspruchsvolle audiovisuelle Medien den Wert eines spezialisierten Fachzentrums.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Das Digitalisierungszentrum sollte ein gestuftes Dienstemodell anbieten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Beratung und Projektplanung;&lt;br /&gt;
* Leihtechnik und Schulung für geeignete einfache Verfahren;&lt;br /&gt;
* mobile Digitalisierung vor Ort, wenn Kulturgüter nicht transportiert werden können;&lt;br /&gt;
* zentrale Digitalisierung für anspruchsvolle oder gefährdete Medien;&lt;br /&gt;
* Rahmenverträge und Qualitätskontrolle für externe Spezialdienstleister;&lt;br /&gt;
* Übernahmevorbereitung für das Repositorium.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.4 Technische Architektur ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' Föderierte Portale wie Nuohtti und Euskariana verbinden bestehende Systeme, statt alle Partner zu einem identischen Fachverfahren zu zwingen. Erfolgreiche Systeme verfügen über Exporte und Schnittstellen. LAAL zeigt, dass bei Migrationen zielgruppenspezifische Funktionen verloren gehen können, wenn Daten- und Präsentationslogik zu eng gekoppelt sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Die Architektur sollte modular sein. Das Register verwaltet Nachweise und Beziehungen; Digitalisierungsworkflows erzeugen Dateien und technische Metadaten; das Repositorium übernimmt Erhaltungspakete; Präsentationssysteme beziehen freigegebene Daten und Derivate. Jedes System benötigt dokumentierte Exporte. Eine proprietäre Lösung ohne vollständigen Datenexport, Identifikatorerhalt und Migrationsplan sollte ausgeschlossen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.5 Metadaten und Interoperabilität ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' Euskariana und bavarikon arbeiten mit veröffentlichten Standards und Lieferprofilen; Nuohtti normalisiert heterogene Daten; Mukurtu ermöglicht zusätzliche Community-Metadaten. Technische Vollständigkeit allein löst jedoch keine problematischen historischen Begriffe oder fehlenden kulturellen Kontexte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Notwendig ist ein abgestuftes Metadatenprofil:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* '''Pflichtkern''' für alle Träger: eindeutige Kennung, Bezeichnung, Kulturgutart, Standort beziehungsweise Träger, Sprache, Zeit/Ort soweit bekannt, Kurzkontext, Rechte-/Zugangsstatus, Quellenangabe, Bearbeitungsstand;&lt;br /&gt;
* '''fachliche Erweiterungen''' für Archive, Bibliotheken, Museen, audiovisuelle Medien, immaterielles Kulturerbe und Born-digital-Bestände;&lt;br /&gt;
* '''Community-Felder''' für sorbische Bezeichnungen, lokale Varianten, kulturelle Hinweise, alternative Erzählungen und Korrekturen;&lt;br /&gt;
* '''technische Erhaltungsmetadaten''' im Repositorium, etwa Dateiformat, Prüfsumme, Erzeugung, Migration und Beziehungen zwischen Master und Derivaten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Normdaten und kontrollierte Vokabulare sollten dort eingesetzt werden, wo sie Nutzen bringen. Für ehrenamtliche Erfassung müssen einfache Auswahllisten, Hilfetexte und spätere fachliche Anreicherung vorgesehen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.6 Rechte und kulturelle Selbstbestimmung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' Mukurtu, Aṟa Irititja und LAAL zeigen, dass urheberrechtliche Erlaubnis, Datenschutz und kulturelle Angemessenheit getrennt geprüft werden müssen. Ein Werk kann rechtlich veröffentlichbar, kulturell aber sensibel sein; umgekehrt kann eine Gemeinschaft Zugang wünschen, obwohl eine allgemeine Veröffentlichung nicht möglich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Mindestens vier Sichtbarkeitsstufen sind sinnvoll:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# öffentliche Metadaten, aber kein Medium;&lt;br /&gt;
# öffentliches Nutzungsdigitalisat, gegebenenfalls in reduzierter Qualität;&lt;br /&gt;
# beschränkter Zugang für festgelegte Gruppen, Forschung oder Community;&lt;br /&gt;
# gesperrt beziehungsweise nur intern dokumentiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder Datensatz sollte dokumentieren, wer die Entscheidung getroffen hat, auf welcher Grundlage sie beruht und wann sie erneut geprüft wird. Rechteinformationen müssen vom Register über Repositorium bis Präsentation mitgeführt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.7 Langzeiterhaltung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' PARADISEC belegt den Wert eines fachlich betriebenen Repositoriums. LAAL zeigt sowohl die Trennung von Master- und Nutzungsdateien als auch das Risiko einer Migration. Mukurtu warnt ausdrücklich davor, Zugangsplattform und Erhaltungssystem gleichzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Für jedes Digitalisat müssen vor der Produktion feststehen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Zielrepositorium und verantwortlicher Betreiber;&lt;br /&gt;
* Master- und Nutzungsformat;&lt;br /&gt;
* Dateibenennung beziehungsweise Identifikator;&lt;br /&gt;
* Prüfsumme und Integritätskontrolle;&lt;br /&gt;
* mindestens zwei räumlich getrennte Sicherungskopien;&lt;br /&gt;
* Übergabepaket aus Datei, Metadaten, Rechten und Provenienz;&lt;br /&gt;
* Verfahren für Formatbeobachtung, Migration und Wiederherstellung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das OAIS-Modell bietet den konzeptionellen Rahmen; die NDSA-Reifegradstufen können einen realistischen stufenweisen Aufbau unterstützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.8 Präsentation und Nachnutzung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' RomArchive verbindet Objekte mit kuratierten Erzählungen; People’s Collection Wales mit Lern- und Beitragsfunktionen; Tobar an Dualchais mit sprachlicher Erschließung; RRN mit kollaborativen Arbeitsräumen. Erfolg entsteht nicht durch bloße Online-Sichtbarkeit, sondern durch zielgruppengerechte Kontexte und tatsächlich nutzbare Funktionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Ein gemeinsamer Suchzugang ist wichtig, aber nicht jede Zielgruppe braucht dieselbe Oberfläche. Denkbar sind ein übergreifendes Kulturerbeportal, Fachzugänge für Forschung, Bildungsbausteine, kuratierte Ausstellungen und maschinenlesbare Schnittstellen. Download und Nachnutzung sollten dort ermöglicht werden, wo Rechte und kulturelle Interessen dies zulassen. Nutzungsstatistiken, Zitationen, Downloads, Bildungskooperationen und Community-Rückmeldungen sollten kontinuierlich ausgewertet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.9 Finanzierung und Verstetigung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' RomArchive plante den Betreiberübergang früh. People’s Collection Wales und Aṟa Irititja zeigen, wie belastend unsichere Finanzierung bleibt. Indigitization demonstriert die Wirkung kleiner Förderbudgets, aber auch die Verwundbarkeit eines pausierenden Programms. bavarikon und PARADISEC profitieren von institutioneller Infrastruktur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Es sind drei Kostenarten getrennt zu planen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Aufbaukosten:''' Konzeption, Pilot, Beschaffung, Datenmigration, erste Digitalisierung;&lt;br /&gt;
# '''Betriebskosten:''' Personal, Hosting, Speicher, Sicherung, Helpdesk, Rechtearbeit, Qualitätssicherung;&lt;br /&gt;
# '''Erneuerungskosten:''' Softwareupdates, Sicherheitsmaßnahmen, Hardwareersatz, Formatmigration, Neuentwicklung von Schnittstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Projektmittel eignen sich für Aufbau und Erprobung. Kernfunktionen dürfen nach der Pilotphase nur skaliert werden, wenn ein wiederkehrender Betriebsetat und ein verantwortlicher Rechtsträger feststehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.10 Projektsteuerung und schrittweiser Aufbau ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' People’s Collection Wales empfiehlt einen evidenzbasierten Ablauf aus Bedarf, Pilot, Test, Auswertung und Skalierung. Indigitization entwickelte seinen Werkzeugkasten aus drei Pilotprojekten. bavarikon nutzt Vorantrag, Prüfung, Standards und begleitete Umsetzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Der Aufbau sollte in überprüfbaren Ausbaustufen erfolgen. Jede Stufe braucht definierte Ergebnisse, Qualitätskriterien, Verantwortliche, Budget, Risiken und eine Entscheidung über Fortführung oder Anpassung. Technische Pilotierung ohne Governance-, Rechte- und Betriebsprüfung wäre unvollständig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== G. Empfehlungen für den sorbischen Kontext ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.1 Zielmodell: vier Säulen, drei Fundamente, zwei Betriebsregeln ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ergebnisse lassen sich für den sorbischen Kontext in einem priorisierten 4–3–2-Modell zusammenführen. Es verbindet die im Konzept beschriebene Prozesskette mit einer klaren organisatorischen und technischen Verantwortungsstruktur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Vier funktionale Säulen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Säule&lt;br /&gt;
! Mindestauftrag&lt;br /&gt;
! Abgrenzung&lt;br /&gt;
! Unverzichtbare Schnittstellen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''1. Sorbisches Kulturregister (SKR)'''&lt;br /&gt;
| Verteilte Kulturgüter und Bestände nachweisen, beschreiben, verknüpfen, Rechte- und Prioritätsstatus dokumentieren&lt;br /&gt;
| Kein Ersatz für lokale Inventare und nicht automatisch Speicherort aller Dateien&lt;br /&gt;
| Import/Export zu Fachsystemen; Übergabe von Objekt- und Rechtekennungen an Digitalisierung, Repositorium und Präsentation&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''2. Digitalisierungszentrum (DZ)'''&lt;br /&gt;
| Beratung, Planung, Digitalisierung, Qualitätssicherung, Schulung, Dienstleistersteuerung und Vorbereitung der Archivübergabe&lt;br /&gt;
| Nicht primär öffentlicher Katalog und nicht automatisch dauerhafter Speicher&lt;br /&gt;
| Aufträge aus Register/Priorisierung; Lieferung standardisierter Übergabepakete an Repositorium; Erzeugung von Nutzungsderivaten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''3. Repositorium / digitales Langzeitarchiv'''&lt;br /&gt;
| Masterdateien, Metadaten, Rechte und Provenienz dauerhaft übernehmen, prüfen, sichern und migrieren&lt;br /&gt;
| Nicht mit einem Netzlaufwerk, einer Cloudablage oder der öffentlichen Website gleichzusetzen&lt;br /&gt;
| Persistente Identifikatoren; Rückmeldung des Archivstatus an Register; kontrollierte Bereitstellung an Präsentationssysteme&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''4. Präsentations- und Nutzungssysteme'''&lt;br /&gt;
| Freigegebene Inhalte suchen, verstehen, zitieren, herunterladen und weiterverwenden lassen&lt;br /&gt;
| Nicht führendes System für Rechte, Masterdateien oder dauerhafte Erhaltung&lt;br /&gt;
| Bezug von Metadaten aus Register und Derivaten aus Repositorium; Rückgabe von Nutzungs- und Korrekturinformationen&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Entscheidender Punkt:''' Die vier Säulen sind Funktionen, nicht zwingend vier eigenständige Einrichtungen. Ein Träger kann mehrere Funktionen übernehmen. Dennoch müssen für jede Säule Auftrag, Zuständigkeit, Datenhoheit, Budget, Qualitätskriterien, Vertretung und Ausfallvorsorge benannt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Drei gemeinsame Fundamente ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Fundament&lt;br /&gt;
! Inhalt&lt;br /&gt;
! Warum es vor der Skalierung geklärt werden muss&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''A. Gemeinschaftliche Governance und Rechte'''&lt;br /&gt;
| Entscheidungsgremien, Rollen der Kulturgutträger, Community-Beteiligung, Konfliktlösung, sensible Inhalte, abgestufte Zugänge&lt;br /&gt;
| Ohne Entscheidungskompetenz entstehen Vertrauensverlust, Verzögerungen und nachträgliche Sperrungen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''B. Gemeinsame Daten- und Qualitätsarchitektur'''&lt;br /&gt;
| Metadatenkern, Identifikatoren, Sprachwerte, Vokabulare, Dateiformate, Schnittstellen, Lieferpakete, Qualitätssicherung&lt;br /&gt;
| Ohne gemeinsamen Kern können Register, DZ, Repositorium und Präsentation nicht verlässlich zusammenspielen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''C. Dauerbetrieb, Finanzierung und Kompetenz'''&lt;br /&gt;
| Rechtsträger, wiederkehrendes Budget, Personal, Hosting, Speicher, Wartung, Schulung, Helpdesk und Erneuerungsplanung&lt;br /&gt;
| Ohne Betriebsperspektive vergrößert jedes zusätzliche Digitalisat die technische und organisatorische Schuld.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Zwei Betriebsregeln ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Zentral ermöglichen, dezentral verantworten.''' Zentrale Stellen bieten Infrastruktur, Standards, Beratung, Qualitätskontrolle, Repositorium und gemeinsame Zugänge. Kulturgutträger behalten grundsätzlich Originale, lokalen Kontext, Beziehungen zu Urheberinnen und Urhebern sowie Mitentscheidung über kulturelle Bedeutung und Zugang.&lt;br /&gt;
# '''Als Projekt aufbauen, nur mit Dauerbetrieb skalieren.''' Pilot- und Förderprojekte sind geeignet, Register, Dienste und Workflows zu entwickeln. Eine breite Produktion beginnt erst, wenn dauerhafter Betreiber, Regelbudget, Personal und Erhaltungsweg gesichert sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Prüfsatz für Entscheidungen:''' Kein Digitalisat ohne Zielarchiv; kein Portal ohne Datenpflege; kein Register ohne Zuständigkeit; keine Veröffentlichung ohne Rechte- und Kulturprüfung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.2 Was zentral, dezentral und gemeinsam organisiert werden sollte ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Zentral bereitzustellen&lt;br /&gt;
! Dezentral bei den Kulturgutträgern&lt;br /&gt;
! Gemeinsam zu entscheiden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Technische Plattform und Datenmodell des Kulturregisters&lt;br /&gt;
| Besitz, Verwahrung und konservatorische Verantwortung für Originale, soweit nicht anders vereinbart&lt;br /&gt;
| Welche Bestände zunächst erfasst und digitalisiert werden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Metadatenkern, Vokabulare, Identifikatoren und Schnittstellen&lt;br /&gt;
| Erste Bestandskenntnis, lokale Namen, Geschichte und Beziehungen&lt;br /&gt;
| Kulturelle Bedeutung, Repräsentativität und Priorität&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Digitalisierungsberatung, Spezialtechnik, mobile Dienste und Qualitätsprüfung&lt;br /&gt;
| Lokale Auswahl und organisatorische Vorbereitung&lt;br /&gt;
| Transport, Vor-Ort-Digitalisierung oder externe Vergabe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Repositorium, Sicherung, Integritätsprüfung, Migration und Wiederherstellung&lt;br /&gt;
| Mitwirkung an Rechteklärung und Kontakt zu Betroffenen beziehungsweise Nachkommen&lt;br /&gt;
| Zugangs- und Nutzungskategorien für sensible Inhalte&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mustervereinbarungen, Rechte- und Datenschutzberatung&lt;br /&gt;
| Lokale Freigaben, sofern die jeweilige Stelle entscheidungsbefugt ist&lt;br /&gt;
| Verfahren bei Konflikten, Korrekturen und Takedown-Anfragen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Schulungen, Helpdesk, Dokumentation und gegebenenfalls Kleinprojektförderung&lt;br /&gt;
| Pflege von Kontexten, Korrekturen und neuen Informationen&lt;br /&gt;
| Übersetzungs- und Erschließungsprioritäten in Ober- und Niedersorbisch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gemeinsame Präsentationsbausteine und Programmierschnittstellen&lt;br /&gt;
| Eigene lokale Ausstellungen und Nutzungsszenarien&lt;br /&gt;
| Welche Inhalte übergreifend präsentiert oder nachnutzbar gemacht werden&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Verteilung schützt die dezentrale Trägerschaft, ohne kleine Einrichtungen mit jeder technischen Aufgabe allein zu lassen. Sie verhindert zugleich, dass zentrale Infrastruktur mit zentraler kultureller Deutungshoheit verwechselt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.3 Kurzfristig umsetzbare Schritte: 2026–2027 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Priorität 1: Governance und Verantwortungen beschließen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ein gemeinsames Steuerungsgremium für Kulturregister, Digitalisierungszentrum, Repositorium und Präsentation festlegen.&lt;br /&gt;
* Beide sorbischen Sprachräume, zentrale Institutionen und mindestens mehrere lokale beziehungsweise ehrenamtliche Träger verbindlich vertreten.&lt;br /&gt;
* Entscheidungsrechte, Vetorechte bei sensiblen Inhalten, Konfliktlösung und Vertretungsregelungen schriftlich regeln.&lt;br /&gt;
* Einen dauerhaften Produkt- beziehungsweise Serviceverantwortlichen für jede der vier Säulen benennen, auch wenn mehrere Säulen organisatorisch beim selben Träger liegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Priorität 2: Gemeinsamen Mindeststandard verabschieden ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Standard sollte klein genug für ehrenamtliche Erfassung, aber erweiterbar für Fachinstitutionen sein. Er muss mindestens regeln:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* eindeutige Kennung und verantwortlicher Datensatzhalter;&lt;br /&gt;
* Bezeichnung in Originalsprache und gegebenenfalls Übersetzungen;&lt;br /&gt;
* getrennte Sprachkennzeichnung für Obersorbisch, Niedersorbisch, Deutsch und weitere Sprachen;&lt;br /&gt;
* Kulturgutart und Zugehörigkeit zu materiellen, immateriellen oder digitalen Beständen;&lt;br /&gt;
* Standort beziehungsweise verwahrende Stelle;&lt;br /&gt;
* Kurzkontext, Zeit, Ort und beteiligte Personen soweit bekannt;&lt;br /&gt;
* Rechte-, Datenschutz- und kultureller Zugangsstatus;&lt;br /&gt;
* Digitalisierungs- und Archivierungsstatus;&lt;br /&gt;
* Provenienz, Quellen und Bearbeitungsstand;&lt;br /&gt;
* Exportformat und dauerhafte Identifikatoren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Priorität 3: Rechte- und Zugangsmodell entwickeln ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein einheitlicher Workflow sollte rechtliche und kulturelle Fragen getrennt dokumentieren. Empfohlen werden mindestens die vier Stufen „nur Nachweis“, „öffentliches Derivat“, „beschränkter Zugang“ und „gesperrt“. Für jede Stufe sind Verantwortliche, Freigabegrund, Prüffrist und Takedown-Verfahren festzulegen. Local Contexts kann als Anregung dienen; Begriffe und Symbole müssen jedoch gemeinsam für die sorbische Rechts- und Kulturpraxis entwickelt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Priorität 4: End-to-End-Pilot starten ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der erste Pilot sollte nicht nur ein Portal oder einen Scanner testen, sondern die gesamte Kette:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: Kulturgutträger → Erfassung im Register → Priorisierung und Freigabe → Digitalisierung und Qualitätsprüfung → Übernahme ins Repositorium → kontrollierte Präsentation und Nachnutzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beteiligt werden sollten drei bis fünf sehr unterschiedliche Träger, zum Beispiel eine zentrale Institution, eine Heimatstube oder ein Verein, eine kirchliche Einrichtung, eine kommunale Sammlung und gegebenenfalls eine Privatperson. Der Pilot sollte beide sorbischen Schriftsprachen und mindestens drei Medientypen umfassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Priorität 5: Repositoriumsziel vor Produktionsausweitung klären ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits Pilotdigitalisate benötigen einen definierten, überprüfbaren Speicher- und Erhaltungsweg. Falls das endgültige Langzeitarchiv noch nicht vollständig aufgebaut ist, braucht es einen dokumentierten Übergangsdienst mit Prüfsummen, redundanten Kopien, klarer Verantwortung und verbindlichem späteren Migrationsplan. Eine bloße Projektablage ist nicht ausreichend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.4 Mittelfristiger Strukturaufbau: 2027–2030 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Kulturregister ausbauen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Zwei Anbindungswege anbieten: direkte Erfassung beziehungsweise zentral gehostete Mandanten für kleine Träger und standardisierte Datenlieferung für große Fachsysteme.&lt;br /&gt;
* Priorisierungsansicht, Rechte- und Archivstatus sowie Beziehungen zwischen Original, Digitalisat, Werk, Person, Ort, Brauch und Sammlung abbilden.&lt;br /&gt;
* Korrektur- und Ergänzungsworkflow für Community-Wissen einrichten.&lt;br /&gt;
* Export, Programmierschnittstelle und regelmäßige Sicherung verpflichtend machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Digitalisierungszentrum als Dienstleistungsstelle verstetigen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Servicekatalog mit klaren Leistungen, Voraussetzungen, Bearbeitungszeiten und Kosten beziehungsweise Fördermöglichkeiten veröffentlichen.&lt;br /&gt;
* Mobile und stationäre Digitalisierung sowie Vergabe an Spezialdienstleister kombinieren.&lt;br /&gt;
* Schulungsprogramm und „Train-the-Trainer“-Ansatz für lokale Multiplikatorinnen und Multiplikatoren aufbauen.&lt;br /&gt;
* Kleinprojektförderung nach dem Vorbild von Indigitization oder bavarikon erproben.&lt;br /&gt;
* Qualitätssicherung und Übergabepakete zum Repositorium standardisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Repositorium in einen verlässlichen Regelbetrieb überführen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* OAIS-Funktionen organisatorisch zuordnen und mit den NDSA-Reifegradstufen schrittweise umsetzen.&lt;br /&gt;
* mindestens zwei räumlich getrennte Speicherkopien, regelmäßige Fixity Checks (Prüfung der Dateiunverändertheit über Prüfsummen) und Wiederherstellungstests etablieren;&lt;br /&gt;
* Masterdateien, Derivate, Metadaten, Rechte und technische Ereignisse verknüpfen;&lt;br /&gt;
* Verantwortungen bei Trägerwechsel oder Projektende vertraglich sichern;&lt;br /&gt;
* audiovisuelle Daten nach IASA-Empfehlungen behandeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Präsentation zielgruppenspezifisch entwickeln ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Gemeinsame Suche und verständliche Basiskontexte in Deutsch, Ober- und Niedersorbisch sowie ausgewählte englische Zugänge bereitstellen.&lt;br /&gt;
* Nicht jeden Datensatz vollständig in vier Sprachen übersetzen; stattdessen Oberfläche, Kernelemente, kontrollierte Begriffe und besonders relevante Inhalte priorisieren und Übersetzungsstatus sichtbar machen.&lt;br /&gt;
* Bildungs- und Forschungsnutzung in Pilotkooperationen testen.&lt;br /&gt;
* IIIF und Programmierschnittstellen dort einsetzen, wo sie einen konkreten Mehrwert für Anzeige, Zitation oder Datenbezug schaffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.5 Langfristige Aufgaben: ab 2030 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Regelmäßige Daten- und Formatmigrationen, Sicherheitsprüfungen und Erneuerung der Infrastruktur finanzieren.&lt;br /&gt;
* Erfolg anhand eines stabilen Kennzahlensets messen: erfasste und archivierte Bestände, beteiligte Träger, Bearbeitungszeiten, Rechte-Rückstände, Nutzung, Downloads, Bildungsprojekte, wissenschaftliche Zitationen, Community-Zufriedenheit und Korrekturen.&lt;br /&gt;
* Born-digital-Kulturerbe wie Websites, digitale Fotosammlungen, Social-Media-Projekte, digitale Kunst und Software systematisch übernehmen.&lt;br /&gt;
* Repositoriumsprozesse gegebenenfalls auf eine externe Vertrauenswürdigkeitsprüfung oder Zertifizierung vorbereiten.&lt;br /&gt;
* Kooperationen mit nationalen und europäischen Aggregatoren ausbauen, ohne die sorbische Datenhoheit und sprachliche Sichtbarkeit aufzugeben.&lt;br /&gt;
* Alle drei bis fünf Jahre Governance, Standards, Prioritäten und Zugangsregeln gemeinsam überprüfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.6 Empfohlene Pilotprojekte ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Pilot&lt;br /&gt;
! Ziel&lt;br /&gt;
! Warum besonders sinnvoll&lt;br /&gt;
! Erfolgskriterien&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''1. Kulturregister-Pilot mit heterogenen Trägern'''&lt;br /&gt;
| Mindestmetadaten, Onboarding und föderierte Datenlieferung testen&lt;br /&gt;
| Deckt die reale Spannweite von Fachinstitution bis Ehrenamt ab&lt;br /&gt;
| Mindestens 3–5 Träger liefern exportfähige, verständliche Datensätze; Aufwand und Hilfebedarf sind gemessen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''2. Gefährdete sorbische Ton- und Videobestände'''&lt;br /&gt;
| Priorisierung, Digitalisierung, Transkription, Rechte und Archivierung zeitkritischer Medien&lt;br /&gt;
| Hohe Verlustgefahr und großer Sprachwert; Anknüpfung an Tobar an Dualchais, PARADISEC und Indigitization&lt;br /&gt;
| Definierte Masterdateien, geprüfte Übergabe, zweisprachige Erschließung, Nutzungsfall für Bildung/Forschung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''3. Sensibles und immaterielles Kulturerbe'''&lt;br /&gt;
| Abgestufte Rechte und Community-Entscheidungen an Interviews, Bräuchen oder Familienmaterial erproben&lt;br /&gt;
| Testet Governance statt nur Technik&lt;br /&gt;
| Dokumentierte Freigabewege, mehrere Zugangsstufen, Takedown-Prozess und Community-Abnahme&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''4. Durchgängige Vier-Säulen-Kette'''&lt;br /&gt;
| Datenfluss vom Register bis zur Präsentation ohne manuelle Medienbrüche testen&lt;br /&gt;
| Macht Schnittstellen- und Verantwortungsprobleme früh sichtbar&lt;br /&gt;
| Identifikatoren und Rechte bleiben durchgängig erhalten; Übergaben sind reproduzierbar&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''5. Migrations- und Ausstiegstest'''&lt;br /&gt;
| Vollständigen Export eines Pilotbestands in ein neutrales Format und Wiederimport prüfen&lt;br /&gt;
| Reagiert direkt auf das LAAL- und RRN-Lernfeld technischer Alterung&lt;br /&gt;
| Dateien, Beziehungen, Rechte, Sprachwerte und Identifikatoren bleiben erhalten; Dokumentation ist für anderen Betreiber nutzbar&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.7 Mindestanforderungen vor jeder Beschaffung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor der Entscheidung für eine konkrete Software sollten folgende Punkte verbindlich beantwortet sein:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Welche Funktion der vier Säulen soll die Software erfüllen – und welche ausdrücklich nicht?&lt;br /&gt;
# Wer ist fachlich, technisch und rechtlich verantwortlich?&lt;br /&gt;
# Wie werden Ober- und Niedersorbisch in Oberfläche, Datenfeldern, Suche und Export behandelt?&lt;br /&gt;
# Welche vollständigen Daten- und Dateiexporte sind jederzeit möglich?&lt;br /&gt;
# Wie bleiben Identifikatoren und Beziehungen bei einem Systemwechsel erhalten?&lt;br /&gt;
# Welche Rechte- und Sichtbarkeitsstufen lassen sich abbilden?&lt;br /&gt;
# Wie werden Community-Ergänzungen von institutionellen Ausgangsdaten unterschieden, ohne sie abzuwerten?&lt;br /&gt;
# Wo liegen Masterdateien und wer prüft ihre Integrität?&lt;br /&gt;
# Welche wiederkehrenden Lizenz-, Hosting-, Speicher-, Wartungs- und Personalkosten entstehen über mindestens zehn Jahre?&lt;br /&gt;
# Was geschieht bei Anbieterwechsel, Projektende, Insolvenz oder Wegfall einer Förderung?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.8 Übertragbarkeit differenziert bewertet ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Direkt übertragbare Ansätze ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* funktionale Trennung von Register, Digitalisierung, Repositorium und Präsentation;&lt;br /&gt;
* zentraler Service bei dezentraler Trägerschaft;&lt;br /&gt;
* gemeinsamer Metadatenkern mit fachlichen Erweiterungen;&lt;br /&gt;
* abgestufte Zugänge und getrennte rechtliche/kulturelle Prüfung;&lt;br /&gt;
* Pilotierung mit heterogenen Trägern;&lt;br /&gt;
* Betreiber- und Finanzierungsplanung vor Skalierung;&lt;br /&gt;
* Schulung, Helpdesk und Vorlagen für kleine Sammlungen;&lt;br /&gt;
* Exportfähigkeit und Migrationsplanung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Mit Anpassungen übertragbare Ansätze ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Mukurtu-Protokolle und Traditional Knowledge Labels: als Vorbild, aber mit sorbisch entwickelten Begriffen und deutscher beziehungsweise europäischer Rechtsprüfung;&lt;br /&gt;
* Nuohttis föderierte Architektur: gut übertragbar, jedoch mit deutlich kleinerem institutionellem Netz und zwei sorbischen Schriftsprachen;&lt;br /&gt;
* bavarikons Förder- und Qualitätsverfahren: in vereinfachter Form und mit wesentlich kleinerem Budget;&lt;br /&gt;
* PARADISECs Fachrepositorium: als Dienstemodell für gefährdete Medien, nicht in dessen globaler Größenordnung;&lt;br /&gt;
* People’s Collection Wales: Support- und Beteiligungsmodell, angepasst an kleinere Personalressourcen und vorhandene sorbische Institutionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Kaum unmittelbar übertragbare Ansätze ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* eine vollständig eigenständige technische Großinfrastruktur nach Maßstab eines Flächenlandes wie Bayern;&lt;br /&gt;
* ein internationaler Universitätsverbund mit hunderten Terabyte und weltweitem Einzugsbereich wie PARADISEC;&lt;br /&gt;
* die unveränderte Übernahme indigener Rechts- und Kulturkonzepte in den europäischen Minderheitenkontext;&lt;br /&gt;
* die Vorstellung, jedes lokale Haus müsse ein eigenes Langzeitarchiv oder hoch spezialisiertes Digitalisierungslabor betreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Risiken und Fehler, die vermieden werden sollten ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* '''Portal zuerst:''' Eine öffentlich sichtbare Website wird gebaut, bevor Datenpflege, Rechte und Langzeiterhaltung geregelt sind.&lt;br /&gt;
* '''Projektserver als Archiv:''' Dateien liegen nur in Arbeitsordnern, Clouds oder einem Content-Management-System.&lt;br /&gt;
* '''Ein System für alles:''' Register, Produktion, Archivierung und Präsentation werden technisch und organisatorisch untrennbar gekoppelt.&lt;br /&gt;
* '''Offen oder geschlossen:''' Fehlende Zwischenstufen führen entweder zu unnötiger Sperrung oder unangemessener Veröffentlichung.&lt;br /&gt;
* '''Standards ohne Hilfe:''' Ehrenamtliche Träger erhalten komplexe Vorgaben, aber keine Schulung, Zeit oder Nachbearbeitung.&lt;br /&gt;
* '''Zentralisierung der Deutung:''' Lokale und sprachräumliche Perspektiven werden durch ein einziges zentrales Beschreibungsschema verdrängt.&lt;br /&gt;
* '''Digitalisierung ohne Rechtebudget:''' Scans und Aufnahmen entstehen schneller als Einwilligungen, Prüfungen und Freigaben bearbeitet werden können.&lt;br /&gt;
* '''Abhängigkeit ohne Exit:''' Proprietäre Software oder Dienstleister werden gewählt, ohne vollständigen Export und getesteten Betreiberwechsel.&lt;br /&gt;
* '''Projektende ohne Betrieb:''' Förderziele zählen veröffentlichte Objekte, aber keine Stellen, Speicher-, Wartungs- und Migrationskosten nach Förderende.&lt;br /&gt;
* '''Mehrsprachigkeit nur im Menü:''' Die Oberfläche ist übersetzt, Datensätze, Suche, Vokabulare und redaktionelle Prozesse bleiben einsprachig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.9 Priorisierte Schlussfolgerung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wichtigste Lehre lautet nicht, möglichst schnell ein großes Portal zu füllen. Vorrang hat eine belastbare Arbeitsteilung:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Zuerst Regeln und Verantwortung:''' Governance, Rechte, Sprachmodell, Mindestmetadaten und Betreiber festlegen.&lt;br /&gt;
# '''Dann die sichere Kette:''' Register, Digitalisierungszentrum und Repositorium in einem Ende-zu-Ende-Pilot verbinden.&lt;br /&gt;
# '''Danach skalieren:''' Bestände risikobasiert digitalisieren, kleine Träger durch Dienste und Förderung einbinden.&lt;br /&gt;
# '''Erst darauf die breite Präsentation:''' Freigegebene Inhalte zielgruppengerecht, mehrsprachig und nachnutzbar anbieten.&lt;br /&gt;
# '''Dauerhaft überprüfen:''' Nutzung, Datenqualität, Rechte-Rückstände, Betriebskosten und Community-Zufriedenheit messen und Architektur weiterentwickeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit wird aus vier technischen beziehungsweise organisatorischen Säulen ein gemeinsames System: '''dezentrale kulturelle Verantwortung, zentral abgesicherte Dienste und eine verbindliche dauerhafte Finanzierung.'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== H. Verdichtungsvorschlag für den Konzeptabschnitt „Beispiele anderer Kulturen und Regionen“ ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den kurzen Wiki-Abschnitt wird eine Gliederung in höchstens vier Unterabschnitte empfohlen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Ziel und Auswahl:''' Warum der Vergleich durchgeführt wurde und warum kein universelles Idealmodell gesucht wird.&lt;br /&gt;
# '''Sieben aussagekräftige Beispiele:''' RomArchive, Nuohtti, People’s Collection Wales, Tobar an Dualchais, Euskariana, Mukurtu/Plateau Portal und Indigitization. Jedes Beispiel erhält einen kurzen Kontext, die zentrale Besonderheit und ein konkretes Learning.&lt;br /&gt;
# '''Schlussverdichtung:''' Vier Säulen, drei Fundamente und zwei Betriebsregeln.&lt;br /&gt;
# '''Prioritäten für die Sorben:''' Governance und Standards → Ende-zu-Ende-Pilot und Zielrepositorium → Verstetigung des Digitalisierungszentrums → skalierte Präsentation und Nachnutzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die sieben Beispiele decken die für den sorbischen Kontext wichtigsten Perspektiven ab:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Beispiel&lt;br /&gt;
! Zentrale Besonderheit&lt;br /&gt;
! Konkretes Learning für die Sorben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| RomArchive&lt;br /&gt;
| Minderheitenangehörige kuratieren und steuern; Betreiberübergang nach Projektphase&lt;br /&gt;
| Deutungshoheit und dauerhaften Träger von Beginn an verankern&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Nuohtti&lt;br /&gt;
| Föderierte Suche über verteilte Bestände und mehrere Staaten/Sprachen&lt;br /&gt;
| Kulturregister als verbindende Nachweisschicht statt Zwangszentralisierung bauen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| People’s Collection Wales&lt;br /&gt;
| Zweisprachige Plattform plus Schulung und Community-Unterstützung; unabhängige Evaluation&lt;br /&gt;
| Kleine Träger brauchen Helpdesk, Training und realistische Wirkungsmessung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Tobar an Dualchais&lt;br /&gt;
| Sicherung und sprachliche Erschließung gefährdeter Tonaufnahmen&lt;br /&gt;
| Audiovisuelle Bestände zeitlich priorisieren und mit Transkription verbinden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Euskariana&lt;br /&gt;
| Gemeinsamer Katalog, eigenes Repositorium und Anbindung externer Systeme über Standards&lt;br /&gt;
| Zwei Onboarding-Wege und ein schlanker gemeinsamer Metadatenkern&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mukurtu / Plateau Portal&lt;br /&gt;
| Kulturelle Protokolle, mehrere Perspektiven und abgestufte Zugänge&lt;br /&gt;
| Rechte und kulturelle Sensibilität als Datenmodell, nicht als spätere Einzelfallkorrektur&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Indigitization&lt;br /&gt;
| Zentrale Kompetenz, Training und Kleinprojektförderung bei dezentraler Durchführung&lt;br /&gt;
| Digitalisierungszentrum als Dienstleister und Befähiger für lokale Träger ausgestalten&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Zielumfang von etwa 1.200 bis 1.800 Wörtern ist ausreichend. Die ausführlichen Fallprofile, Matrix, Quellen und differenzierten Empfehlungen verbleiben auf dieser Anhangsseite. Dadurch bleibt der Konzepttext lesbar, während zentrale Aussagen überprüfbar belegt und vertieft werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_faq&amp;quot;&amp;gt;RomArchive (o. J.): ''Frequently Asked Questions''. [https://www.romarchive.eu/en/about/frequently-answered-questions/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_imprint&amp;quot;&amp;gt;Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma e. V. / RomArchive (o. J.): ''Imprint''. [https://www.romarchive.eu/en/imprint/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_kulturstiftung&amp;quot;&amp;gt;Kulturstiftung des Bundes (o. J.): ''RomArchive – Digital Archive of the Roma''. [https://www.kulturstiftung-des-bundes.de/en/programmes_projects/film_and_new_media/detail/romarchive.html Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_about&amp;quot;&amp;gt;Nuohtti / Digital Access to the Sámi Heritage Archives (o. J.): ''About Nuohtti''. [https://nuohtti.com/Content/about Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_uarctic&amp;quot;&amp;gt;University of the Arctic (2023): ''The Nuohtti service provides digital access to Sámi material in European archives''. [https://www.uarctic.org/news/2023/3/the-nuohtti-service-provides-digital-access-to-sami-material-in-european-archives/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_dataspace&amp;quot;&amp;gt;Mäkikalli, Maija / Leppälä, Oona (2024): ''Nuohtti platform improves accessibility to the digitised archives of Sámi cultural heritage''. European Collaborative Cloud for Cultural Heritage / Europeana. [https://www.dataspace-culturalheritage.eu/en/news/nuohtti-platform-improves-accessibility-to-the-digitised-archives-of-sami-cultural-heritage Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_eval&amp;quot;&amp;gt;Vittle, Kate / Haswell-Walls, Fran / Dixon, Tim; ERS Ltd. (2016): ''Evaluation of the Casgliad y Werin Cymru / People’s Collection Wales Digital Heritage Programme. Impact Report''. [https://www.gov.wales/sites/default/files/publications/2019-08/evaluation-of-the-peoples-collection-wales-digital-heritage-programme-impact.pdf PDF], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_support&amp;quot;&amp;gt;People’s Collection Wales (o. J.): ''Community Support''. [https://www.peoplescollection.wales/about-us/community-support Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_edinburgh&amp;quot;&amp;gt;University of Edinburgh (2024): ''Tobar an Dualchais / Kist o Riches''. [https://gaelic.ed.ac.uk/gaelic-collections/tobar-an-dualchais-kist-o-riches Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_funding2025&amp;quot;&amp;gt;Scottish Government (2025): ''Rediscovering lost Gaelic words''. [https://www.gov.scot/news/rediscovering-lost-gaelic-words/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_funding2026&amp;quot;&amp;gt;Scottish Government (2026): ''Boost for Gaelic language''. [https://www.gov.scot/news/boost-for-gaelic-language/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_opening&amp;quot;&amp;gt;University of Edinburgh (o. J.): ''Opening the Well''. [https://gaelic.ed.ac.uk/news/opening-the-well Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;euskariana_about&amp;quot;&amp;gt;Gobierno Vasco / Biblioteca Digital de Euskadi (o. J.): ''Acerca de Euskariana''. [https://www.euskariana.euskadi.eus/euskadibib/es/help/about.do Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;bavarikon_about&amp;quot;&amp;gt;bavarikon / Freistaat Bayern (o. J.): ''Über bavarikon''. [https://www.bavarikon.de/about Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;bavarikon_partner&amp;quot;&amp;gt;bavarikon / Freistaat Bayern (o. J.): ''Partner werden''. [https://www.bavarikon.de/becoming-partner Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;bavarikon_500k&amp;quot;&amp;gt;Bayerische Staatsbibliothek (2024): ''bavarikon knackt die halbe Million: 500.000 digitale Kulturschätze aus rund 170 bayerischen Einrichtungen sind weltweit zugänglich''. [https://www.bsb-muenchen.de/en/about-us/article/bavarikon-knackt-die-halbe-million-500000-digitale-kulturschaetze-aus-rund-170-bayerischen-einrichtungen-sind-weltweit-zugaenglich-6555/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_about&amp;quot;&amp;gt;Mukurtu CMS / Center for Digital Scholarship and Curation, Washington State University (o. J.): ''About / Mission, Core Features, Implementation and Sustainability''. [https://mukurtu.org/about/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_plateau&amp;quot;&amp;gt;Mukurtu CMS / Washington State University (o. J.): ''Plateau Peoples’ Web Portal''. [https://mukurtu.org/project/plateau-peoples-web-portal-showcase/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_dlib&amp;quot;&amp;gt;Christen, Kimberly / Merrill, Alex / Wynne, Michael (2017): ''A Community of Relations: Mukurtu Hubs and Spokes''. D-Lib Magazine, 23(5/6). [https://www.dlib.org/dlib/may17/christen/05christen.html Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_who&amp;quot;&amp;gt;Aṟa Irititja (o. J.): ''Who are we?'' [https://irititja.com/about-ara-irititja/who-are-we/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_approach&amp;quot;&amp;gt;Aṟa Irititja (o. J.): ''Community-Based Approach – The Aṟa Irititja Approach''. [https://irititja.com/archive/the-ara-irititja-approach/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_funding&amp;quot;&amp;gt;Aṟa Irititja (o. J.): ''Funding''. [https://irititja.com/challlenges/funding/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_background&amp;quot;&amp;gt;Charles Darwin University / Living Archive of Aboriginal Languages (o. J.): ''Background''. [https://livingarchive.cdu.edu.au/background/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_rights&amp;quot;&amp;gt;Charles Darwin University / Living Archive of Aboriginal Languages (o. J.): ''Copyright and IP issues''. [https://livingarchive.cdu.edu.au/copyright/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_home&amp;quot;&amp;gt;Charles Darwin University / Living Archive of Aboriginal Languages (o. J.): ''Home''. [https://livingarchive.cdu.edu.au/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_migration&amp;quot;&amp;gt;Christie, Michael (2022): ''Post-LAAL update''. Living Archive of Aboriginal Languages, 26.10.2022. [https://livingarchive.cdu.edu.au/post-laal-update/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;paradisec_about&amp;quot;&amp;gt;PARADISEC (o. J.): ''About us''. [https://www.paradisec.org.au/about-us/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;paradisec_home&amp;quot;&amp;gt;PARADISEC (2026): ''Pacific and Regional Archive for Digital Sources in Endangered Cultures – Home and current collection data''. [https://www.paradisec.org.au/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_about&amp;quot;&amp;gt;Reciprocal Research Network (o. J.): ''About''. [https://www.rrncommunity.org/pages/about Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_contact&amp;quot;&amp;gt;Reciprocal Research Network (o. J.): ''Contact Us / Steering Group''. [https://www.rrncommunity.org/pages/contact Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_home&amp;quot;&amp;gt;Reciprocal Research Network (2026): ''Home / What’s inside''. [https://www.rrncommunity.org/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_rowley&amp;quot;&amp;gt;Rowley, Susan (2013): ''The Reciprocal Research Network: The Development Process''. Museum Anthropology Review, 7(1–2). [https://scholarworks.iu.edu/journals/index.php/mar/article/view/2172 Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_about&amp;quot;&amp;gt;Indigitization (o. J.): ''About Us''. [https://www.indigitization.ca/about-2/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_toolkit&amp;quot;&amp;gt;Indigitization (o. J.): ''Indigitization Toolkit''. [https://www.indigitization.ca/toolkit/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_grant&amp;quot;&amp;gt;Indigitization (o. J.): ''Audio Cassette Digitization Grant''. [https://www.indigitization.ca/funding/audio-cassette-grant/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_funding&amp;quot;&amp;gt;Indigitization (o. J.): ''Funding''. [https://www.indigitization.ca/funding/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;unesco_doc_heritage&amp;quot;&amp;gt;UNESCO (2015): ''Recommendation concerning the preservation of, and access to, documentary heritage including in digital form''. [https://www.unesco.org/en/legal-affairs/recommendation-concerning-preservation-and-access-documentary-heritage-including-digital-form Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;unesco_participation&amp;quot;&amp;gt;UNESCO Intangible Cultural Heritage (o. J.): ''Involvement of communities, groups and individuals''. [https://ich.unesco.org/en/involvement-of-communities-0033 Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;unesco_ethics&amp;quot;&amp;gt;UNESCO Intangible Cultural Heritage (o. J.): ''Ethical Principles for Safeguarding Intangible Cultural Heritage''. [https://ich.unesco.org/en/ethics-and-ich-00866 Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;oais&amp;quot;&amp;gt;International Organization for Standardization (ISO) (2025): ''ISO 14721:2025 – Space data and information transfer systems – Open archival information system (OAIS) – Reference model'', 3. Ausgabe. [https://www.iso.org/standard/87471.html Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;ndsa&amp;quot;&amp;gt;National Digital Stewardship Alliance (2026): ''Levels of Digital Preservation, Version 2.1''. [https://www.ndsa.org/publications/levels-of-digital-preservation/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;care&amp;quot;&amp;gt;Global Indigenous Data Alliance (o. J.): ''CARE Principles for Indigenous Data Governance''. [https://www.gida-global.org/careprinciples Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;localcontexts&amp;quot;&amp;gt;Local Contexts (o. J.): ''Traditional Knowledge and Biocultural Labels and Notices''. [https://localcontexts.org/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;edm&amp;quot;&amp;gt;Europeana Pro (o. J.): ''Europeana Data Model Documentation''. [https://pro.europeana.eu/page/edm-documentation Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;oaipmh&amp;quot;&amp;gt;Open Archives Initiative (o. J.): ''OAI-PMH Frequently Asked Questions''. [https://www.openarchives.org/documents/FAQ.html Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;iiif&amp;quot;&amp;gt;IIIF Consortium (2021, laufend gepflegt): ''IIIF Presentation API 3.0''. [https://iiif.io/api/presentation/3.0/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;iasa&amp;quot;&amp;gt;International Association of Sound and Audiovisual Archives (IASA) (o. J.): ''Guidelines on the Production and Preservation of Digital Audio Objects (TC-04)''. [https://www.iasa-web.org/tc04/audio-preservation Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;digicher&amp;quot;&amp;gt;Europeana Foundation / European Collaborative Cloud for Cultural Heritage (2024): ''Discover the DIGICHer project''. [https://www.dataspace-culturalheritage.eu/en/news/discover-the-digicher-project Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/references&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Měrko Šenk</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://koncept.serbski-inkubator.de/index.php?title=12.3.A1_Vergleichende_Recherche_%E2%80%93_Digitalisierung_des_Kulturerbes_anderer_Kulturen_und_Regionen&amp;diff=1072</id>
		<title>12.3.A1 Vergleichende Recherche – Digitalisierung des Kulturerbes anderer Kulturen und Regionen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://koncept.serbski-inkubator.de/index.php?title=12.3.A1_Vergleichende_Recherche_%E2%80%93_Digitalisierung_des_Kulturerbes_anderer_Kulturen_und_Regionen&amp;diff=1072"/>
		<updated>2026-07-22T11:51:17Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Měrko Šenk: /* Nachweisbarer Erfolg und Grenzen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;''Anhang zu [[12.3 Digitalisierung des Kulturerbes]]''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
''Recherche- und Quellenstand: 20. Juli 2026''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Seite dokumentiert eine vergleichende Recherche zu Erfolgsmodellen, Grenzen und übertragbaren Lösungsbausteinen bei der Digitalisierung des Kulturerbes kleiner, autochthoner, indigener, sprachlicher und regional verteilter Gemeinschaften. Sie dient als ausführliche Beleg- und Arbeitsgrundlage für den Konzeptabschnitt [[12.3 Digitalisierung des Kulturerbes#Beispiele anderer Kulturen und Regionen|„Beispiele anderer Kulturen und Regionen“]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Wichtiger Hinweis zur Aussagekraft:''' Die Fallprofile trennen soweit möglich zwischen dokumentierten Tatsachen, Aussagen der Projektverantwortlichen und der hier vorgenommenen Bewertung. Viele Projekte veröffentlichen keine aktuellen Nutzungszahlen oder unabhängigen Wirkungsevaluationen. In diesen Fällen wird nicht allein aus einer ansprechenden Website auf Erfolg geschlossen. Wo eine Schlussfolgerung nur plausibel, aber nicht direkt belegt ist, ist sie als '''Bewertung''' oder '''Annahme''' gekennzeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Hinweis zur Erstellung:''' Die vorliegende Vergleichsrecherche wurde mit Unterstützung der Funktion „Deep Research“ von ChatGPT (Version GPT-5.6 Sol Pro) erstellt und anschließend redaktionell überarbeitet. Maßgeblich für die Nachvollziehbarkeit sind die jeweils angegebenen Quellen, während die daraus abgeleiteten Bewertungen und Schlussfolgerungen eine analytische Einordnung darstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
__TOC__&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== A. Zusammenfassung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die untersuchten Projekte zeigen kein universell ideales System. Erfolgreiche oder besonders lehrreiche Modelle kombinieren vielmehr unterschiedliche Bausteine entsprechend ihrer Gemeinschaft, Rechtslage, Bestandsstruktur und Ressourcen. Für den sorbischen Kontext sind vor allem folgende Erkenntnisse belastbar:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Funktionen klar trennen, Systeme aber verbinden.''' Register beziehungsweise Katalog, Digitalisierungsdienst, Repositorium beziehungsweise Langzeitarchiv und Präsentationssystem erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Erfolgreiche Verbünde verbinden diese Funktionen über Metadaten, Identifikatoren, Übergabeprozesse und Schnittstellen, statt alles in einem einzigen Portal zu vermischen.&lt;br /&gt;
# '''Gemeinschaftliche Steuerung ist keine Zusatzfunktion.''' RomArchive, Nuohtti, Mukurtu, Aṟa Irititja und das Reciprocal Research Network zeigen, dass Angehörige der jeweiligen Kultur an Auswahl, Beschreibung, Kontextualisierung, Zugangsregeln und strategischen Entscheidungen beteiligt sein müssen. Reine institutionelle „Beteiligung“ ohne festgelegte Entscheidungsrechte reicht nicht aus.&lt;br /&gt;
# '''Zentral ermöglichen, dezentral verantworten.''' Besonders übertragbar sind Modelle, bei denen eine zentrale Stelle Standards, Infrastruktur, Beratung, Qualitätssicherung, Schulung und gegebenenfalls Technik bereitstellt, während Kulturgutträger ihre Originale, lokalen Kenntnisse, Beziehungen zu Rechteinhabern und kulturellen Entscheidungen behalten.&lt;br /&gt;
# '''Ein Suchportal ist noch kein digitales Archiv.''' Nuohtti, Euskariana, bavarikon und das Plateau Peoples’ Web Portal aggregieren beziehungsweise präsentieren Inhalte aus verschiedenen Quellen. Die Langzeiterhaltung der Masterdateien muss davon getrennt geregelt sein. Mukurtu weist ausdrücklich darauf hin, dass eine Zugangsplattform nur ein Baustein eines umfassenderen Systems für Digitalisierung, Erhaltung und Betrieb ist.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
# '''Keine Massendigitalisierung ohne Zielarchiv und Rechteworkflow.''' Digitalisierung erzeugt dauerhafte Folgekosten. Vor einer Skalierung müssen Speicherort, Übernahmeprozess, Prüfsummen, Sicherung, Dateiformate, Metadaten, Rechte und spätere Migration festgelegt sein.&lt;br /&gt;
# '''Offenheit ist nicht binär.''' Erfolgreiche gemeinschaftlich gesteuerte Projekte arbeiten mit abgestuften Zugängen: öffentliches Metadatum, frei zugängliches Nutzungsdigitalisat, registrierter oder gemeinschaftsbezogener Zugang, zeitliche Sperre oder keine Online-Veröffentlichung. Zugänglichkeit und kulturelle Selbstbestimmung werden dadurch nicht als Gegensätze behandelt.&lt;br /&gt;
# '''Mehrsprachigkeit muss Teil der Datenarchitektur sein.''' Zweisprachige oder mehrsprachige Angebote wie People’s Collection Wales, Nuohtti, RomArchive, Euskariana und Aṟa Irititja zeigen, dass Sprachen nicht nur in der Oberfläche, sondern auch in Metadatenfeldern, kontrollierten Begriffen, Suchfunktionen, Transkriptionen und Verantwortlichkeiten berücksichtigt werden müssen.&lt;br /&gt;
# '''Kleine Träger brauchen Dienste, nicht nur Vorgaben.''' People’s Collection Wales und Indigitization belegen den Wert von Beratung, Schulung, Vorlagen, Pilotförderung, technischer Begleitung und „Train-the-Trainer“-Ansätzen. Ein Standard, den Ehrenamtliche oder kleine Einrichtungen ohne Hilfe nicht anwenden können, ist praktisch kein gemeinsamer Standard.&lt;br /&gt;
# '''Projektförderung kann den Aufbau finanzieren, nicht automatisch den Dauerbetrieb.''' RomArchive gelang der geplante Übergang an einen institutionellen Betreiber. Aṟa Irititja musste über Jahre um Verstetigung ringen; bei Indigitization ruht das frühere Förderprogramm für Audiokassetten; die Evaluation von People’s Collection Wales bezeichnete Finanzierungssicherheit als Kernproblem. Dauerverantwortung, Grundfinanzierung und technischer Erneuerungszyklus müssen daher vor einer breiten Skalierung geklärt werden.&lt;br /&gt;
# '''Pilotieren, messen, dann skalieren.''' Besonders sinnvoll sind Pilotvorhaben, die die gesamte Kette von der Erfassung über Rechteklärung und Digitalisierung bis zur Archivierung und Präsentation testen. Die Evaluation von People’s Collection Wales empfiehlt ausdrücklich einen Ablauf aus Bedarf, Pilot, Test, Auswertung und anschließender Skalierung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_eval&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daraus lässt sich ein prägnantes Zielmodell ableiten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Vier funktionale Säulen&lt;br /&gt;
! Leitfrage&lt;br /&gt;
! Kernaufgabe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''1. Register'''&lt;br /&gt;
| Was gibt es, wo befindet es sich, was bedeutet es und was ist prioritär?&lt;br /&gt;
| Institutionenübergreifender Nachweis, Kontext, Rechte- und Prioritätsinformationen; Verknüpfung verteilter Bestände.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''2. Digitalisierungsdienst'''&lt;br /&gt;
| Wie entstehen qualitätsgesicherte Digitalisate?&lt;br /&gt;
| Beratung, Auswahl geeigneter Verfahren, Digitalisierung, Qualitätsprüfung, Dienstleistersteuerung, Schulung und Hilfe für kleine Träger.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''3. Repositorium / digitales Langzeitarchiv'''&lt;br /&gt;
| Wie bleiben Masterdateien und Metadaten dauerhaft erhalten?&lt;br /&gt;
| Übernahme, Integritätskontrolle, redundante Sicherung, Dateiformatüberwachung, Migration, persistente Identifikatoren und dokumentierte Verantwortung.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''4. Präsentations- und Nutzungssysteme'''&lt;br /&gt;
| Was wird wem, in welcher Sprache und unter welchen Bedingungen zugänglich?&lt;br /&gt;
| Suche, Kontextualisierung, Bildung, Forschung, Download, Programmierschnittstellen und kreative Nachnutzung – abgestuft nach Rechten und kulturellen Regeln.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Merksatz:''' Das Register weiß, ''was'' und ''wo''; das Digitalisierungszentrum erzeugt und prüft; das Repositorium erhält; die Präsentation vermittelt und ermöglicht Nutzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese funktionale Vierertrennung bedeutet nicht zwingend vier Organisationen oder vier getrennte Beschaffungen. Digitalisierungszentrum und Repositorium können beispielsweise beim selben Träger liegen. Auftrag, Verantwortung, Budget, Qualitätskriterien und Betriebszusagen sollten dennoch getrennt benannt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== B. Stand der Forschung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== B.1 Vorhandene Modelle und Leitlinien ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Gesamtaufgabe „verteilt erfassen, priorisieren, digitalisieren, Metadaten zusammenführen, langfristig erhalten und verantwortungsvoll zugänglich machen“ existiert kein einzelnes, allgemein verbindliches End-to-End-Modell. Es gibt jedoch belastbare Teilmodelle, die zusammengedacht werden können:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die '''UNESCO-Empfehlung''' zur Erhaltung und Zugänglichkeit des dokumentarischen Erbes fordert institutionelle Auswahl- und Erhaltungsstrategien, fachgerechte Erschließung, Metadaten, Zusammenarbeit und rechtzeitige Maßnahmen für gefährdete digitale Bestände.&amp;lt;ref name=&amp;quot;unesco_doc_heritage&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Für immaterielles Kulturerbe verlangt die UNESCO die möglichst breite Beteiligung der Gemeinschaften und die Achtung üblicher Zugangsregeln. Die '''ethischen Grundsätze''' betonen die primäre Rolle der Gemeinschaften sowie freie, vorherige und informierte Zustimmung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;unesco_participation&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;unesco_ethics&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Das '''Referenzmodell OAIS (Open Archival Information System'''; deutsch: Referenzmodell für ein offenes Archiv-Informationssystem) beschreibt Rollen und Kernfunktionen eines digitalen Langzeitarchivs. „Offen“ bezeichnet dabei ein offen entwickeltes Referenzmodell, nicht einen zwingend offenen Zugang zu allen Inhalten.&amp;lt;ref name=&amp;quot;oais&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Die '''NDSA Levels of Digital Preservation''' (Reifegradstufen der National Digital Stewardship Alliance) bieten eine stufenweise, für kleinere Einrichtungen praktikable Orientierung zu Speicherorten, Integrität, Informationssicherheit, Metadaten und Dateiformaten. Die aktuelle Fassung 2.1 von März 2026 stellt ausdrücklich klar, dass nicht jede Sammlung überall die höchste Stufe erreichen muss.&amp;lt;ref name=&amp;quot;ndsa&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Die '''CARE Principles for Indigenous Data Governance''' – Collective Benefit, Authority to Control, Responsibility und Ethics, auf Deutsch etwa gemeinschaftlicher Nutzen, Kontrollbefugnis, Verantwortung und Ethik – ergänzen technische Offenheits- und Nachnutzungsprinzipien um kollektive Rechte und Verantwortlichkeiten.&amp;lt;ref name=&amp;quot;care&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* '''Local Contexts''' stellt Traditional Knowledge Labels und Biocultural Labels bereit, mit denen Gemeinschaften Hinweise zu Herkunft, kultureller Autorität, erlaubter Nutzung und besonderen Protokollen ergänzen können. Diese Instrumente ersetzen das staatliche Urheberrecht nicht, machen aber gemeinschaftsbezogene Erwartungen maschinen- und menschenlesbar.&amp;lt;ref name=&amp;quot;localcontexts&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Für '''Metadaten''' und Austausch stehen etablierte Bausteine zur Verfügung: '''Dublin Core''' für einfache Kernmetadaten, '''Europeana Data Model (EDM'''; Datenmodell der Europeana) für heterogene Kulturdatensätze, '''OAI-PMH (Open Archives Initiative Protocol for Metadata Harvesting'''; Protokoll zum Einsammeln von Metadaten), Programmierschnittstellen sowie '''IIIF (International Image Interoperability Framework'''; Standardfamilie zur interoperablen Präsentation von Bildern und zunehmend Audio/Video).&amp;lt;ref name=&amp;quot;edm&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;oaipmh&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;iiif&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Für audiovisuelle Bestände sind die '''IASA-TC-04'''-Richtlinien der '''International Association of Sound and Audiovisual Archives''' besonders relevant. Sie behandeln unter anderem Signalerfassung, Metadaten, Identifikatoren, Speicherung, kleine Einrichtungen und die Vergabe an Dienstleister.&amp;lt;ref name=&amp;quot;iasa&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== B.2 Vergleichende Forschung und Evaluation ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die belastbarsten Erkenntnisse entstehen aus einer Kombination aus technischen Dokumentationen, Projektberichten, wissenschaftlichen Fallstudien und unabhängigen Evaluationen. Besonders wertvoll ist die Evaluation von People’s Collection Wales, weil sie nicht nur Erfolge, sondern auch geringe Rücklaufzahlen, begrenzte Wirkungsnachweise, Finanzierungsrisiken, Rollenunklarheiten und den hohen Aufwand vermittelter Community-Arbeit offenlegt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_eval&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wissenschaftlich gut dokumentiert sind außerdem das gemeinschaftsbasierte Metadaten- und Zugangsmodell von Mukurtu und dem Plateau Peoples’ Web Portal sowie die kooperative Entwicklung des Reciprocal Research Network. Beide zeigen, dass Vertrauen, Vereinbarungen, parallel mögliche institutionelle und gemeinschaftliche Beschreibungen sowie fein abgestufte Zugänge organisatorisch ebenso wichtig sind wie die Software.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_dlib&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_rowley&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das EU-geförderte Forschungsprojekt DIGICHer untersucht seit 2024, wie Minderheitengemeinschaften – unter anderem Sámi, jüdische und ladinische Gemeinschaften – gerechter an der Digitalisierung und Repräsentation ihres Kulturerbes beteiligt werden können. Da das Projekt bis 2027 läuft, sind im Juli 2026 noch keine abschließenden, allgemein belastbaren Ergebnisse verfügbar. Es ist aber ein relevantes Anschlussvorhaben für die weitere Beobachtung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;digicher&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== B.3 Forschungslücken ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der Auswertung ergeben sich vier wiederkehrende Lücken:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Aktuelle, unabhängige Nutzungs- und Wirkungsevaluationen fehlen bei vielen Projekten.&lt;br /&gt;
# Die technische Präsentationsarchitektur ist häufig besser dokumentiert als die Verantwortung für Masterdateien, Migration und dauerhafte Finanzierung.&lt;br /&gt;
# Community-Beteiligung wird oft beschrieben, aber Entscheidungsrechte, Konfliktlösungen und Repräsentativität bleiben teilweise unklar.&lt;br /&gt;
# Es gibt zahlreiche Standards für Einzelaufgaben, aber wenig empirisch evaluierte Gesamtmodelle für kleine, institutionell verteilte Minderheiten mit ehrenamtlich betreuten Sammlungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Bewertung:''' Der Ansatz bei der Digitalisierung von Kulturerbe sollte deshalb nicht nach einer fertigen „Best-Practice-Software“ suchen. Zielführender ist eine belastbare Gesamtarchitektur aus &lt;br /&gt;
* ''Governance'', &lt;br /&gt;
* ''Diensten'', &lt;br /&gt;
* ''Mindeststandards'' und &lt;br /&gt;
* ''dauerhaftem Betrieb'', &lt;br /&gt;
in die geeignete vorhandene Softwareprodukte eingebunden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== C. Begründete Auswahl der Fallbeispiele ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Auswahl umfasst zwölf Fälle. Sie deckt europäische Minderheiten, indigene und gemeinschaftlich gesteuerte Modelle, regionale Verbünde, Sprach- und Audioarchive sowie problembehaftete Übergänge ab. Nicht jedes Projekt bildet die gesamte Prozesskette ab; gerade die Unterschiede machen sichtbar, welche Funktion jeweils gelöst wird und wo Lücken bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable sortable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Fall&lt;br /&gt;
! Gemeinschaft / Raum&lt;br /&gt;
! Modelltyp&lt;br /&gt;
! Besondere Relevanz für die Sorben&lt;br /&gt;
! Evidenzlage&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| RomArchive&lt;br /&gt;
| Roma und Sinti; transnational, Schwerpunkt Europa; Betrieb in Deutschland&lt;br /&gt;
| Kuratiertes, gemeinschaftsgeprägtes digitales Archiv&lt;br /&gt;
| Deutungshoheit, Übergabe vom Förderprojekt an einen dauerhaften Betreiber, Mehrsprachigkeit&lt;br /&gt;
| Mittel bis hoch: aktuelle Primärquellen; keine aktuelle unabhängige Wirkungsanalyse&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Nuohtti&lt;br /&gt;
| Sámi in Sápmi; Norwegen, Schweden, Finnland, historisch auch Russland&lt;br /&gt;
| Föderierter Suchdienst über Bestände vieler Institutionen&lt;br /&gt;
| Verteilte Bestände, mehrere Staaten und Sprachen, ethische Hinweise, Open-Source-Bausteine&lt;br /&gt;
| Mittel bis hoch: Projekt- und Betreiberquellen; belastbare Umfangsangaben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| People’s Collection Wales&lt;br /&gt;
| Walisische Bevölkerung und walisischsprachige Gemeinschaft; Wales, Vereinigtes Königreich&lt;br /&gt;
| Nationaler Verbund mit Community-Beiträgen und Schulung&lt;br /&gt;
| Zweisprachigkeit, kleine Träger, zentrale Unterstützung, unabhängige Evaluation&lt;br /&gt;
| Hoch für die untersuchte Förderphase; aktuelle Nutzungsdaten begrenzt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Tobar an Dualchais / Kist o Riches&lt;br /&gt;
| Gälisch- und Scots-sprachige Gemeinschaften; Schottland, Vereinigtes Königreich&lt;br /&gt;
| Digitales Oral-History- und Tonarchiv&lt;br /&gt;
| Gefährdete audiovisuelle Bestände, Sprache, Transkription, Bildung&lt;br /&gt;
| Mittel: aktuelle Bestands- und Förderangaben; keine umfassende unabhängige Evaluation&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Euskariana&lt;br /&gt;
| Baskische Kultur- und Sprachgemeinschaft; Projekt der Autonomen Gemeinschaft Baskenland, Spanien&lt;br /&gt;
| Staatlich getragenes Aggregations- und Zugangsportal&lt;br /&gt;
| Gemeinsamer Katalog, eigenes Repositorium plus Verlinkung, Standards und Europeana-Anbindung&lt;br /&gt;
| Mittel: gute offizielle Dokumentation; wenig unabhängige Wirkungsmessung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| bavarikon&lt;br /&gt;
| Regionales Kulturerbe Bayerns; keine Minderheitenplattform&lt;br /&gt;
| Staatlicher institutionsübergreifender Digitalisierungs- und Präsentationsverbund&lt;br /&gt;
| Betreiberverantwortung, Förderverfahren, Qualitätsanforderungen, Beteiligung vieler Einrichtungen&lt;br /&gt;
| Hoch für Organisation und Umfang; wegen Größenordnung nur teilweise übertragbar&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mukurtu und Plateau Peoples’ Web Portal&lt;br /&gt;
| Indigene Nationen des nordwestlichen Plateaus; USA&lt;br /&gt;
| Open-Source-Zugangsplattform und gemeinschaftlich kuratierter Verbund&lt;br /&gt;
| Kulturelle Protokolle, Traditional Knowledge Labels, mehrere Beschreibungen pro Objekt&lt;br /&gt;
| Hoch für Funktionsmodell und Governance; Betriebskapazität bleibt Voraussetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Aṟa Irititja&lt;br /&gt;
| Aṉangu der APY Lands; South Australia, Australien&lt;br /&gt;
| Gemeinschaftsbasiertes Multimediaarchiv und digitale Rückgabe&lt;br /&gt;
| Lokale Kontrolle, sensibler Zugang, mehrsprachige und niedrigschwellige Nutzung&lt;br /&gt;
| Mittel: detaillierte Eigendokumentation; Wirkungsnachweise überwiegend Selbstauskunft&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Living Archive of Aboriginal Languages&lt;br /&gt;
| Zahlreiche Aboriginal-Sprachgemeinschaften im Northern Territory, Australien&lt;br /&gt;
| Digitales Sprach- und Bildungsarchiv&lt;br /&gt;
| Rechteklärung, offene Lehrmaterialien, Master-/Nutzungsdateien, Migrationsrisiko&lt;br /&gt;
| Hoch für Prozess und Bestandsumfang; dokumentierte Einschränkung nach Systemwechsel&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| PARADISEC&lt;br /&gt;
| Viele kleine und gefährdete Sprachgemeinschaften, vor allem im Pazifikraum&lt;br /&gt;
| Universitärer Fachverbund für audiovisuelle Langzeiterhaltung&lt;br /&gt;
| Gefährdete Tonträger, professionelles Repositorium, verteilte Trägerschaft und Rückgabe von Kopien&lt;br /&gt;
| Hoch: große Bestände, aktuelle Berichte, Zertifizierung und Auszeichnungen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reciprocal Research Network&lt;br /&gt;
| First Nations der Nordwestküste von British Columbia; Kanada&lt;br /&gt;
| Föderierte Recherche- und Kooperationsplattform&lt;br /&gt;
| Institutionenübergreifende Suche, Vereinbarungen, Community-Wissen, technische Alterung&lt;br /&gt;
| Mittel bis hoch: aktuelle Bestandszahlen und Forschung; sichtbare Softwareversion von 2014&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Indigitization&lt;br /&gt;
| First Nations und weitere indigene Gemeinschaften in British Columbia; Kanada&lt;br /&gt;
| Kompetenz-, Schulungs- und Förderprogramm für dezentrale Digitalisierung&lt;br /&gt;
| Besonders nah am möglichen Dienstleistungsmodell eines sorbischen Digitalisierungszentrums&lt;br /&gt;
| Hoch für Förderphase 2013–2019; aktuelles Kassettenförderprogramm pausiert&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== D. Fallprofile ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.1 RomArchive – Digitales Archiv der Roma ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Roma sind eine transnationale, historisch in vielen europäischen und außereuropäischen Staaten lebende Minderheit mit vielfältigen Gruppen, Sprachen und Selbstbezeichnungen. Sinti sind eine unter anderem in Deutschland und Mitteleuropa beheimatete Gruppe. RomArchive ist deshalb keinem einzelnen Minderheitengebiet zugeordnet. Das Projekt wurde in Deutschland öffentlich gefördert und international mit überwiegend aus Roma bestehenden kuratorischen und beratenden Teams entwickelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RomArchive versteht sich als digitales Archiv für Kunst und Kulturen der Roma. Es erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern präsentiert kuratierte, repräsentative Bestände und wissenschaftliche Kontextualisierungen. Inhalte wurden von jeweils zuständigen kuratorischen Teams ausgewählt; kuratorische Teams und Beirat waren überwiegend mit Roma besetzt. Nach Angaben des Projekts wirkten rund 150 Personen aus 15 Staaten mit. Die Übergabe an eine Roma-Organisation war von Beginn der fünfjährigen Entwicklungsphase 2015–2019 an vorgesehen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_faq&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entwicklung wurde durch die Kulturstiftung des Bundes mit 3,75 Millionen Euro gefördert; weitere Unterstützer waren unter anderem die Bundeszentrale für politische Bildung, das Auswärtige Amt und das Goethe-Institut. Seit 2019 liegt der Betrieb beim Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg; die laufende Website nennt die Bundeszentrale für politische Bildung als Förderer.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_kulturstiftung&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_imprint&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Fachliche und technische Lösung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RomArchive verbindet kuratierte Themenbereiche, einen durchsuchbaren Archivbestand, biografische Akteursdaten und digitale Vermittlungsformate. Die Deutsche Kinemathek war für Konzeption und Vermittlung von digitaler Archivierung, Digitalisierung und Katalogisierung beteiligt. Die Website nutzt ein auf Django basierendes Content-Management-System; eine Verbindung zu Axiell Collections bindet das Sammlungsmanagement an die Präsentation an.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_imprint&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben veröffentlichten Materialien existiert ein internes Archiv, das auf begründete Anfrage für Forschung zugänglich ist. Dies ist ein einfaches, aber wichtiges Beispiel für abgestufte Zugänge. Das Angebot ist auf Deutsch, Englisch und Romanes verfügbar; die sprachliche Vielfalt des Romanes wird sichtbar gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Rechte, Beteiligung und nachweisbarer Erfolg ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die stärkste Leistung liegt in der kuratorischen und strategischen Beteiligung der Minderheit sowie in dem Anspruch, Fremdzuschreibungen durch selbst erzählte Gegennarrative zu korrigieren. Ethische Richtlinien und eine Sammlungspolitik wurden durch den internationalen Beirat mitentwickelt. Der Übergang vom zeitlich befristeten Entwicklungsprojekt an einen institutionellen Betreiber wurde tatsächlich vollzogen. Dass das Angebot im Juli 2026 weiterhin betrieben wird, ist ein belastbarer Nachhaltigkeitsindikator.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Aktuelle unabhängige Daten zu Nutzung, Reichweite, Aktualisierungsfrequenz und langfristiger digitaler Erhaltung der Masterdateien sind öffentlich nicht in ausreichender Tiefe dokumentiert. Die öffentliche Oberfläche ist stärker ein kuratiertes Archiv und Wissensportal als ein vollständiges Bestandsregister aller Roma-Kulturgüter. Die überwiegend restriktive Rechtekennzeichnung vieler Inhalte begrenzt kreative Nachnutzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* Minderheitenangehörige mit echten kuratorischen und strategischen Entscheidungsrechten;&lt;br /&gt;
* von Beginn an geplanter Betreiberübergang;&lt;br /&gt;
* Verbindung von Sammlungsdatenbank, kuratiertem Kontext und öffentlicher Präsentation;&lt;br /&gt;
* abgestufter Zugang zwischen öffentlicher Website und internem Forschungsarchiv;&lt;br /&gt;
* öffentliche Anschubförderung plus institutionelle Verankerung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwerte:''' &lt;br /&gt;
* Ein sorbisches Portal sollte nicht nur Objekte zeigen, sondern sorbische Perspektiven, Begriffe und Kontexte strukturell verankern. &lt;br /&gt;
* Für Kulturregister, Digitalisierungszentrum und Präsentation braucht es bereits in der Projektphase einen festgelegten dauerhaften Träger. &lt;br /&gt;
* Ein kuratorischer oder gemeinschaftlicher Beirat sollte nicht nur beraten, sondern definierte Entscheidungsrechte bei Auswahl, Beschreibung und sensiblen Inhalten erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.2 Nuohtti – Föderierter Zugang zum Sámi-Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Sámi sind ein indigenes Volk im nordeuropäischen Sápmi, das sich über Gebiete des heutigen Norwegens, Schwedens, Finnlands und Russlands erstreckt. Es gibt mehrere Sámi-Sprachen und unterschiedliche nationale Rechts- und Institutionsrahmen. Viele historische Quellen und Sammlungsobjekte befinden sich außerhalb von Sámi-Institutionen in europäischen Archiven, Bibliotheken und Museen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nuohtti ist ein Suchdienst, der digitalisierte Sámi-Materialien aus verschiedenen europäischen Gedächtnisinstitutionen zusammenführt. Er wurde im Projekt „Digital Access to the Sámi Heritage Archives“ von 2018 bis 2021 mit EU-Mitteln aus Interreg Nord entwickelt. Beteiligt waren die Sámi-Archive der norwegischen und finnischen Nationalarchive, das schwedische Reichsarchiv sowie Universitäten in Lappland, Oulu und Umeå; die Universität Lappland leitete das Projekt. Die Sámi-Parlamente Finnlands, Norwegens und Schwedens entsandten Mitglieder in die Steuerungsgruppe.&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_about&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_uarctic&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Vorgehen und Architektur ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor der technischen Umsetzung wurden einschlägige Bestände und Datenlieferanten kartiert. Nuohtti bündelt keine Originale und ersetzt die Quellsysteme nicht. Es normalisiert und indexiert Metadaten aus Archiven und Aggregatoren und führt Nutzerinnen und Nutzer zu den jeweiligen Digitalisaten. Eine Karte, eine Zeitleiste und mehrsprachige Suchoberflächen unterstützen den Zugang. Nach Projektangaben waren rund 30.000 Datensätze aus 32 Institutionen in fünf Sprachen zugänglich.&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_uarctic&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Technisch baut Nuohtti auf vorhandenen Open-Source- und öffentlichen Komponenten auf, darunter VuFind, Finna, RecordManager, Finto, Giellatekno, Apache Solr, Leaflet, OpenStreetMap und Nominatim. Daten werden unter anderem über nationale und europäische Aggregationswege eingebunden.&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Rechte, Ethik und Nachhaltigkeit ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nuohtti integriert ethische Hinweise in die Nutzung. Das ist besonders relevant, weil viele historische Beschreibungen und Sammlungen außerhalb der Sámi-Gemeinschaft und unter kolonialen Bedingungen entstanden. Nutzertests fanden unter anderem in Schulen und Bibliotheken statt. Nach dem Projekt wird der Dienst von den beteiligten Nationalarchiven weitergeführt; zugleich wird er im laufenden Projekt DIGICHer als Praxisbeispiel weiterentwickelt und untersucht.&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_dataspace&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Nuohtti löst vor allem den gemeinsamen Nachweis und Zugang. Die Digitalisierung, Rechteklärung und Langzeiterhaltung verbleiben überwiegend bei den Datenlieferanten. Unterschiedliche Datenqualität und historisch problematische Beschreibungen werden durch Aggregation nicht automatisch behoben. Aktuelle, öffentlich nachvollziehbare Nutzungszahlen sind begrenzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* föderierte Architektur statt erzwungener Zentralisierung aller Bestände;&lt;br /&gt;
* Bestands- und Datenquellenkartierung vor dem Portalbau;&lt;br /&gt;
* Beteiligung von Sámi-Parlamenten an der Steuerung;&lt;br /&gt;
* Wiederverwendung vorhandener Open-Source-Komponenten und nationaler Infrastrukturen;&lt;br /&gt;
* mehrsprachige, räumliche und zeitliche Suche;&lt;br /&gt;
* sichtbare ethische Kontextualisierung problematischer Bestände.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwerte:''' &lt;br /&gt;
* Das Register kann als föderierender Nachweis funktionieren: große Institutionen liefern Metadaten über Schnittstellen, kleine Träger können Daten direkt in einem zentral angebotenen System erfassen. &lt;br /&gt;
* Eine zentrale Suche muss nicht bedeuten, dass alle Originale oder alle Digitalisate zentral verwaltet werden. &lt;br /&gt;
* Historische Fremdbeschreibungen sollten als solche kenntlich gemacht und um sorbische Bezeichnungen sowie Community-Kontexte ergänzt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.3 People’s Collection Wales / Casgliad y Werin Cymru ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wales ist ein Landesteil des Vereinigten Königreichs mit eigener Regierung und einer starken nationalen sowie walisischsprachigen Identität. Walisisch und Englisch sind für das Angebot gleichberechtigte Arbeitssprachen. Das Projekt richtet sich nicht nur an professionelle Kulturinstitutionen, sondern auch an lokale Geschichtsgruppen, Vereine, Schulen und Einzelpersonen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
People’s Collection Wales ist eine zweisprachige digitale Plattform und ein begleitendes Unterstützungsprogramm, über das Nutzerinnen und Nutzer walisisches Kulturerbe entdecken, beitragen und vermitteln können. Getragen wird es als föderierte Partnerschaft von Amgueddfa Cymru – National Museum Wales, der National Library of Wales und der Royal Commission on the Ancient and Historical Monuments of Wales; finanziert wird das Programm durch die walisische Regierung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_eval&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Plattform wird durch kostenlose Beratung und Schulung ergänzt. Das aktuelle Unterstützungsangebot umfasst Projektplanung, Digitalisierung, Urheberrecht, Datenschutz, Metadaten und Oral History. Diese Kombination aus Technik und persönlicher Begleitung ist für kleine und ehrenamtliche Träger besonders relevant.&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_support&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Nachweisbarer Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die unabhängige Evaluation von 2016 stellte für die Förderphase 2014-2016 eine gestärkte föderierte Partnerschaft, eine kritische Masse an Inhalten, Fortschritte bei Community-Kompetenzen und eine hohe Vertrauenswürdigkeit des nichtkommerziellen Angebots fest. Externe Projekte sparten Ressourcen, weil sie eine vorhandene Plattform nutzen konnten. Zugleich wurden die gemessenen Wirkungen insgesamt als eher moderat beschrieben. Die Nutzerbefragung hatte nur 38 vollständige Antworten; wirtschaftliche und touristische Wirkungen waren damals nicht nachweisbar. Die Evaluation benannte Finanzierungssicherheit, klare Rollen, technische Stabilität, Marketing und dauerhaft finanzierbare Vor-Ort-Unterstützung als zentrale Herausforderungen. Vermittelte Sitzungen seien für bestimmte Zielgruppen unverzichtbar.&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_eval&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Programm existiert weiterhin und bietet aktuell Unterstützung an. Die verfügbaren Quellen belegen damit institutionelle Kontinuität, ersetzen aber keine neue unabhängige Wirkungsevaluation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* föderierte Trägerschaft mehrerer starker Institutionen;&lt;br /&gt;
* zweisprachige Plattform und Materialien;&lt;br /&gt;
* kostenlose Beratung, Metadaten- und Digitalisierungsschulungen;&lt;br /&gt;
* gemeinsamer technischer Dienst, den lokale Projekte nicht selbst entwickeln müssen;&lt;br /&gt;
* expliziter Pilot- und Lernansatz;&lt;br /&gt;
* unabhängige Evaluation mit offen benannten Grenzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwerte:''' &lt;br /&gt;
* Ein Digitalisierungszentrum sollte nicht nur Geräte betreiben, sondern ein sichtbares Serviceangebot für Heimatstuben, Vereine, Kirchengemeinden, Kommunen und Privatpersonen aufbauen: Erstberatung, Vorlagen, Rechtehilfe, Metadatenhilfe, mobile Einsätze, Schulungen und telefonische beziehungsweise digitale Sprechstunden. &lt;br /&gt;
* Für Obersorbisch und Niedersorbisch sollte Mehrsprachigkeit verbindlich geplant und finanziert werden. &lt;br /&gt;
* Erfolgsmessung darf sich nicht auf Objektzahlen beschränken, sondern sollte Kompetenzen, beteiligte Träger, Nachnutzung und Zufriedenheit erfassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.4 Tobar an Dualchais / Kist o Riches ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schottisch-Gälisch ist eine keltische Minderheitensprache, die vor allem in Schottland, besonders in den Highlands und auf den Inseln, gesprochen wird. Scots ist eine weitere historisch gewachsene Sprache beziehungsweise Sprachgruppe Schottlands. Das Projekt umfasst Aufnahmen auf Gälisch, Scots und Englisch und ist in den öffentlichen und kulturellen Institutionen Schottlands verankert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tobar an Dualchais / Kist o Riches macht mehr als 40.000 mündliche Aufnahmen zugänglich, die seit den 1930er Jahren in Schottland und darüber hinaus entstanden. Enthalten sind Erzählungen, Lieder, Musik, Gedichte und Sachinformationen. Ein bedeutender Teil stammt aus den School of Scottish Studies Archives der Universität Edinburgh; die physischen Originalbestände verbleiben in den Archiven.&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_edinburgh&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Vorhaben wird durch eine Partnerschaft kultureller und wissenschaftlicher Einrichtungen getragen und erhält wiederkehrend öffentliche Förderung. Die schottische Regierung bewilligte 2025 beispielsweise 35.000 Pfund für die fortlaufende Online-Sammlung gälischer und Scots-Materialien und 2026 weitere 14.127 Pfund für die Entwicklung des digitalen Archivs.&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_funding2025&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_funding2026&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Technische und fachliche Schwerpunkte ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Projekt konzentriert sich auf bedrohte zeitbasierte Medien und deren sprachliche Erschließung. Suchfelder nach Thema, Titel und beitragender Person erleichtern die Nutzung. Das ergänzende Vorhaben „Opening the Well“ transkribiert einen großen Bestand gälischer Erzählungen und verbindet Freiwilligenarbeit mit automatischer Spracherkennung. Dadurch werden Tonaufnahmen nicht nur erhalten, sondern durchsuchbar und für Sprachforschung sowie Bildung nachnutzbar.&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_opening&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Die öffentlich sichtbaren Förderungen sind überwiegend programm- oder projektbezogen. Sie belegen fortlaufende Unterstützung, aber keine vollständig transparente dauerhafte Grundfinanzierung des gesamten Betriebs. Rechteklärung, Transkription und Qualitätskontrolle bleiben bei umfangreichen historischen Tonbeständen dauerhafte Aufgaben. Eine umfassende unabhängige Evaluation mit aktuellen Nutzungsdaten wurde in dieser Recherche nicht gefunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* klare Priorität für gefährdete audiovisuelle Bestände;&lt;br /&gt;
* institutionelle Aufbewahrung der Originale und digitale öffentliche Vermittlung;&lt;br /&gt;
* Verbindung von Digitalisierung, sprachlicher Erschließung und Bildung;&lt;br /&gt;
* Kombination aus Fachinstitutionen, öffentlicher Förderung und freiwilliger Mitarbeit;&lt;br /&gt;
* sichtbare Mehrsprachigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwerte:''' &lt;br /&gt;
* Tonbänder, Kassetten, Filme und Videoformate sollten wegen Materialalterung und technischer Obsoleszenz gesondert priorisiert werden. &lt;br /&gt;
* Ein Pilot „Sorbische / wendische Stimmen und Lieder“ könnte Digitalisierung, Rechteklärung, obersorbische und niedersorbische Transkription, Übersetzung, Normdaten und Bildungsnutzung exemplarisch durchspielen. &lt;br /&gt;
* Automatische Spracherkennung kann unterstützen, ersetzt aber bei kleinen Sprachen keine fachliche und gemeinschaftliche Korrektur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.5 Euskariana – Digitales Portal zum baskischen Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Baskinnen und Basken leben beiderseits der spanisch-französischen Grenze. Baskisch (Euskara) ist eine eigenständige europäische Sprache mit mehreren Varietäten. Euskariana ist kein gesamtbaskisches staatenübergreifendes Projekt, sondern ein Angebot der Autonomen Gemeinschaft Baskenland in Spanien; es bezieht jedoch auch einschlägige Bestände aus Institutionen außerhalb dieser Region ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Euskariana wird von der Digitalen Bibliothek Euskadi innerhalb der baskischen Kulturverwaltung betrieben. Das Portal entsteht in Zusammenarbeit des baskischen Regierungsapparats mit den Provinzverwaltungen von Álava/Araba, Bizkaia und Gipuzkoa, Kommunen, Universitäten, kirchlichen und privaten Einrichtungen. Der Sammlungsschwerpunkt umfasst Werke baskischer Urheberinnen und Urheber, Veröffentlichungen aus Euskadi, weltweit entstandene Inhalte zu baskischen Themen sowie besonders Inhalte auf Baskisch oder in baskischer Übersetzung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;euskariana_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als staatlich getragenes Dauerangebot ist Euskariana stärker institutionell abgesichert als ein zeitlich begrenztes Förderprojekt. Öffentlich zugängliche Quellen benennen jedoch keine vollständigen jährlichen Betriebs- und Personalkosten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Architektur, Standards und Nachnutzung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Euskariana ist gleichzeitig gemeinsamer Katalog und Zugangsportal. Es integriert Datensätze aus Bibliotheksnetzen, Verbundkatalogen, Museen, Archiven, Hochschulrepositorien und internationalen Nationalbibliotheken. Digitale Objekte werden entweder im eigenen Repositorium bereitgestellt oder über Links in den Quellsystemen aufgerufen. Damit unterstützt das Projekt zwei Anbindungswege: zentrale Aufnahme und föderierte Verlinkung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;euskariana_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach offizieller Dokumentation nutzt Euskariana unter anderem MARC, Dublin Core (DC), METS, PREMIS und ALTO. Kurz erläutert: MARC dient vor allem bibliografischen Daten; Dublin Core beschreibt einen einfachen Metadatenkern; METS strukturiert digitale Objekte und Dateigruppen; PREMIS dokumentiert Erhaltungsinformationen; ALTO bildet Layout und erkannten Text digitalisierter Seiten ab. Die Standardisierung ermöglicht die Beteiligung an Europeana und die Verbindung zu weiteren spanischen und französischen Portalen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;euskariana_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Die offizielle Dokumentation ist technisch aussagekräftig, liefert aber wenig Informationen über Community-Entscheidungsrechte, abgestufte kulturelle Zugänge, aktuelle Nutzungszahlen oder eine unabhängige Wirkungsevaluation. Das Modell ist stärker verwaltungs- und institutionsgetrieben als gemeinschaftsgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* klar benannter öffentlicher Betreiber;&lt;br /&gt;
* Kooperation über Verwaltungs-, Institutions- und Sektorgrenzen hinweg;&lt;br /&gt;
* sowohl eigenes Repositorium als auch Einbindung externer Digitalisate;&lt;br /&gt;
* verbindliche internationale Metadaten- und Erhaltungsstandards;&lt;br /&gt;
* besondere Sichtbarkeit der Minderheitensprache;&lt;br /&gt;
* Anschluss an größere Aggregatoren wie Europeana.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwerte:''' &lt;br /&gt;
* Für ein Register sollte es mindestens zwei Onboarding-Wege geben: Kleine Träger erfassen beziehungsweise hinterlegen Daten und Dateien in zentral bereitgestellten Diensten; größere Einrichtungen liefern Daten aus eigenen Fachsystemen über Export oder Schnittstelle. &lt;br /&gt;
* Ein gemeinsames Kernprofil muss lokale Fachstandards nicht ersetzen, sondern deren wichtigste Angaben abbilden. &lt;br /&gt;
* Obersorbisch und Niedersorbisch sollten als eigenständige Sprachwerte, nicht nur als Übersetzungsvarianten von Deutsch, gespeichert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.6 bavarikon – Regionaler Digitalisierungs- und Präsentationsverbund ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Region und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bavarikon ist keine Minderheitenplattform, sondern das Kulturportal des Freistaats Bayern. Es ist dennoch relevant, weil es zeigt, wie ein Flächenland zahlreiche Museen, Archive, Bibliotheken, wissenschaftliche Einrichtungen und nichtstaatliche Träger in ein geregeltes Förder-, Qualitäts- und Präsentationsmodell einbindet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die grundsätzliche Ausrichtung und der Mitteleinsatz werden durch das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst sowie das Staatsministerium für Digitales bestimmt. Ein Rat mit 14 stimmberechtigten Mitgliedern aus unterschiedlichen Kultursparten entscheidet über neue Inhalte und berät zu Betrieb und Digitalisierungsstrategie. Die Bayerische Staatsbibliothek trägt den laufenden technischen, redaktionellen und organisatorischen Betrieb; das Leibniz-Rechenzentrum übernimmt das Hosting.&amp;lt;ref name=&amp;quot;bavarikon_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Partner können Digitalisierungsvorhaben beantragen. Die Bayerische Staatsbibliothek begleitet die Digitalisierung, wenn die Ergebnisse in hoher Qualität über bavarikon präsentiert werden. Für die Aufnahme existieren Kriterien, Metadatenhandreichungen, Qualitätsanforderungen für Digitalisate, Musterlisten und ein Vorantragsverfahren.&amp;lt;ref name=&amp;quot;bavarikon_partner&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Nachweisbarer Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Portal ging 2013 online und wird monatlich ergänzt. Im November 2024 meldete die Bayerische Staatsbibliothek mehr als 500.000 digitale Objekte aus rund 170 Einrichtungen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;bavarikon_500k&amp;quot;/&amp;gt; Die institutionelle Betreiberverantwortung, der geregelte Zugang zu Fördermitteln und die veröffentlichten Mindestanforderungen sind belastbare Erfolgsindikatoren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' bavarikon verfügt über die Ressourcen eines deutschen Flächenlandes und einer großen Staatsbibliothek. Diese Größenordnung ist für die Sorben nicht direkt übertragbar. Das Portal ist primär Präsentations- und Förderinfrastruktur; aus den öffentlichen Unterlagen lässt sich nicht ableiten, dass bavarikon für sämtliche Masterdateien aller Partner allein die vollständige Langzeiterhaltung übernimmt. Community-Governance und kulturell abgestufte Zugänge stehen nicht im Mittelpunkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* dauerhaft benannter zentraler Betreiber und leistungsfähiges Rechenzentrum;&lt;br /&gt;
* spartenübergreifendes Entscheidungsgremium;&lt;br /&gt;
* geregeltes Förder- und Auswahlverfahren;&lt;br /&gt;
* publizierte Mindeststandards und Vorlagen;&lt;br /&gt;
* zentrale fachliche Begleitung bei dezentralen Beständen;&lt;br /&gt;
* kontinuierlicher Ausbau statt einmaliger Portalveröffentlichung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwerte:''' &lt;br /&gt;
* Übertragbar ist nicht die Größenordnung, sondern die Verfahrenslogik: ein transparentes Antrags- und Priorisierungsverfahren, verbindliche Lieferpakete, klare Qualitätskontrollen und ein zentraler Ansprechpartner. &lt;br /&gt;
* Ein sorbischer Digitalisierungsfonds könnte kleinere, klar abgegrenzte Vorhaben fördern, sofern Rechte, Metadaten, Zielrepositorium und spätere Nutzung vorab geklärt sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.7 Mukurtu und Plateau Peoples’ Web Portal ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mukurtu entstand aus einer Zusammenarbeit mit der Warumungu-Gemeinschaft in Australien und wurde zu einer frei verfügbaren Plattform für indigene Gemeinschaften weiterentwickelt. Das hier besonders betrachtete Plateau Peoples’ Web Portal betrifft acht indigene Nationen des nordwestlichen Plateaus in den USA, darunter Spokane, Colville, Umatilla, Coeur d’Alene, Warm Springs, Yakama, Confederated Salish and Kootenai Tribes und Nez Perce. Diese Nationen besitzen jeweils eigene politische und kulturelle Strukturen innerhalb der Vereinigten Staaten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mukurtu CMS (Content-Management-System; deutsch: System zur Verwaltung und Veröffentlichung von Inhalten) wird am Center for Digital Scholarship and Curation der Washington State University als Open-Source-Software entwickelt und gepflegt. Die Entwicklung wurde unter anderem durch die National Endowment for the Humanities, das Institute of Museum and Library Services, die Mellon Foundation und die National Science Foundation gefördert.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_about&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_plateau&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Plateau Peoples’ Web Portal ist ein konkreter Verbund zwischen den beteiligten Stämmen, der Washington State University und externen Gedächtnisinstitutionen. Stammesvertreterinnen und -vertreter wählen und kuratieren Materialien; die technische Pflege liegt bei der Universität in Partnerschaft mit indigenen Programmen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_plateau&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Rechte- und Metadatenmodell ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mukurtu unterstützt Traditional Knowledge Labels, fein abgestufte kulturelle Protokolle und mehrere parallele Beschreibungen zu einem Objekt. Eine Institution kann beispielsweise eine archivische Beschreibung liefern, während eine Gemeinschaft eigene Namen, Erzählungen, Herkunftsangaben und Zugangsregeln ergänzt. Der „Roundtrip“-Mechanismus ermöglicht den Export angereicherter Daten, ohne ursprüngliche Metadaten zu verlieren.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wissenschaftliche Dokumentationen des Plateau-Portals beschreiben ein Hub-and-Spoke-Modell – also einen zentralen technischen Knoten mit mehreren institutionellen und gemeinschaftlichen Zulieferern – sowie Vereinbarungen zwischen Partnern, Dublin-Core-Metadaten und granulare Zugangsregeln.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_dlib&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Portal demonstriert dauerhaft, dass kulturelle Selbstbestimmung technisch nicht nur durch „öffentlich“ oder „geschlossen“ abgebildet werden muss. Es ermöglicht mehrere Wissensordnungen neben- statt untereinander. Die Plattform ist Open Source und exportfähig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Open Source bedeutet nicht kostenlosen Betrieb. Installation, Aktualisierung, Hosting, Rechtekonzeption, Datenmigration und Support benötigen dauerhaft qualifiziertes Personal. Mukurtu weist selbst ausdrücklich darauf hin, dass es eine Zugangsplattform und nur ein Bestandteil eines größeren Systems für Digitalisierung, Erhaltung und Nachhaltigkeit ist.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_about&amp;quot;/&amp;gt; Die Übernahme von Traditional Knowledge Labels in den sorbischen Kontext wäre nicht eins zu eins möglich, weil kulturelle und rechtliche Ausgangslagen verschieden sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* kulturelle Protokolle als Kern der Daten- und Zugangslogik;&lt;br /&gt;
* mehrere Beschreibungen und Perspektiven pro Objekt;&lt;br /&gt;
* exportfähige Daten statt Plattformbindung;&lt;br /&gt;
* Partnerschaftsvereinbarungen und konkrete Rollen;&lt;br /&gt;
* dauerhafte technische Trägerschaft durch eine Universität;&lt;br /&gt;
* Community-Kuration statt bloßer Rückmeldung nach Veröffentlichung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Im Kulturregister sollte neben institutionellen Angaben Raum für sorbische Bezeichnungen, lokale Varianten, Erinnerungen und Korrekturen bestehen. Rechte- und Sichtbarkeitsstufen müssen pro Datensatz und möglichst pro Mediendatei modelliert werden. Ein Sorbisches Kulturregister könnte zunächst ein eigenes, rechtlich passendes Set von „Kulturhinweisen“ entwickeln, etwa „nur Metadaten öffentlich“, „Nutzung nur nach Rücksprache“, „innergemeinschaftlich“, „zeitlich gesperrt“ oder „freie Nachnutzung erwünscht“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.8 Aṟa Irititja – Gemeinschaftsbasiertes Aṉangu-Archiv ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aṉangu ist eine Selbstbezeichnung von Ngaanyatjarra-, Pitjantjatjara- und Yankunytjatjara-Gemeinschaften im zentralen Australien. Aṟa Irititja arbeitet vor allem in den Aṉangu Pitjantjatjara Yankunytjatjara Lands (APY Lands) im Nordwesten des Bundesstaats South Australia. Die Gemeinschaften sind australischen staatlichen Strukturen zugehörig, verfügen aber über eigene Land- und Organisationsstrukturen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Entstehung, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Projekt entstand 1994 als sozialgeschichtliches Vorhaben der Pitjantjatjara Council Aboriginal Corporation. Es arbeitet mit Schulen, Bildungszentren, Gesundheits-, Frauen-, Medien-, Land- und Kunstorganisationen in den APY Lands zusammen. Ein zentrales Büro in Adelaide bearbeitet Datenbank, Digitalisierung, physische Lagerung und Verwaltung; ein Büro in Alice Springs hält den Kontakt zu Gemeinschaften und ergänzt Sprach-, Familien- und Kontextinformationen. Seit 2020 steht das Projekt unter dem Dach der APY-Organisation und wird durch deren Executive Board gesteuert.&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_who&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Finanzierung war über lange Zeit eine Mischung aus staatlichen Programmen, Stiftungen, Spenden sowie jährlichen Beiträgen beteiligter Schulen und Community-Organisationen. Die eigene Projektdokumentation bezeichnet die langfristige Finanzierung ausdrücklich als dauerhaftes Problem. Mit der Eingliederung in APY wurden 2020 drei permanente Teilzeitstellen geschaffen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_funding&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Fachliche Lösung, Rechte und Zugang ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aṟa Irititja wurde auf Wunsch der Gemeinschaften entwickelt, um kulturelle Geschichte zu bewahren und zurückzugeben. Das Multimediaarchiv umfasst Fotos, Dokumente, Filme, Tonaufnahmen und Objekte. Die Software sollte kulturelle Einschränkungen abbilden und zugleich für Nutzerinnen und Nutzer mit begrenzter Schriftkompetenz oder eingeschränktem Sehvermögen leicht bedienbar sein. Inhalte werden in Ngaanyatjarra, Pitjantjatjara, Yankunytjatjara und Englisch bereitgestellt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_approach&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_who&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gemeinschaftsmitglieder und kulturelle Berater beurteilen sensible Inhalte und Zugangsregeln. Der Ansatz der „digitalen Rückgabe“ bringt digitale Kopien und Nutzungsmöglichkeiten zu den Gemeinschaften zurück, auch wenn Originale in Museen oder anderen Institutionen verbleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Betrieb seit 1994, die Eingliederung in eine Aṉangu-geführte Organisation und die dauerhafte Nutzung in Schulen und Gemeinschaftseinrichtungen sind starke Nachhaltigkeitsindizien. Die Dokumentation beschreibt intergenerationelle Nutzung, Schulungen und Beschäftigung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Viele Wirkungsangaben stammen vom Projekt selbst. Unabhängige aktuelle Evaluationen und detaillierte technische Angaben zur Langzeiterhaltung sind begrenzt. Die langjährige Finanzierungssuche zeigt, dass kulturelle Bedeutung allein keinen verlässlichen Betriebsetat garantiert. Zentraler Betrieb in Adelaide schafft Fachlichkeit, kann aber Distanz zu abgelegenen Gemeinschaften erzeugen; deshalb bleibt die lokale Kontakt- und Trainingsstruktur wesentlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* Entwicklung aus einem ausdrücklichen Wunsch der Gemeinschaft;&lt;br /&gt;
* institutionelle Unterstellung unter eine gemeinschaftseigene Organisation;&lt;br /&gt;
* lokale Ansprechpartner und zentrale Facharbeit;&lt;br /&gt;
* kulturell abgestufte Zugänge;&lt;br /&gt;
* mehrsprachige, visuell einfache Oberfläche;&lt;br /&gt;
* Verbindung von digitaler Rückgabe, Bildung und Kompetenzaufbau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Auch im sorbischen Kontext sollten Nutzeroberflächen nicht nur für wissenschaftliche Fachkräfte gestaltet werden. Lokale Sammlungsbetreuerinnen und -betreuer brauchen einfache Erfassungswege, visuelle Hilfen und persönliche Unterstützung. Sensible Inhalte – etwa private Familienaufnahmen, religiöse Praktiken, personenbezogene Überlieferung oder nicht für eine allgemeine Öffentlichkeit bestimmte Aufzeichnungen – benötigen ein gemeinsam beschlossenes Zugangsmodell. Zentraler Betrieb muss durch lokale Beziehungen ergänzt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.9 Living Archive of Aboriginal Languages (LAAL) ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Living Archive of Aboriginal Languages bündelt Literatur aus zahlreichen Aboriginal-Sprachgemeinschaften des Northern Territory in Australien. Es handelt sich nicht um eine einzige Minderheit, sondern um viele eigenständige Sprach- und Kulturgemeinschaften. Ein großer Teil der Bücher entstand zwischen den 1970er Jahren und dem Ende bilingualer Bildungsprogramme in lokalen Literature Production Centres.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Projekt begann 2012 unter Leitung der Charles Darwin University mit der Australian National University und dem Bildungsressort des Northern Territory. Es wurde durch die Australian Research Council Linkage Infrastructure, Equipment and Facilities Scheme gefördert. Eine zweite Förderphase erweiterte den Bestand und die Community- sowie Bildungsarbeit; weitere Partner kamen hinzu.&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_background&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Vorgehen umfasste das Auffinden verstreuter Bücher, Auswahl und Digitalisierung, Kontakt zu Autorinnen, Autoren und Illustratoren, Rechteklärung sowie Rückspiegelung in die Herkunftsgemeinschaften. Gemeinschaftsmitglieder konnten Texte prüfen und Geschichten oder Tonaufnahmen ergänzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Dateien, Rechte und Zugang ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für jeden Titel wurden Nutzungsdateien wie PDF, Textdatei und Vorschaubild erstellt; seitenweise TIFF-Masterdateien dienten der Langzeitaufbewahrung. Eine kartenbasierte Oberfläche erleichterte auch Menschen mit geringer Schriftkompetenz die Suche.&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_background&amp;quot;/&amp;gt; Materialien wurden nur nach schriftlicher Einwilligung von Urheberinnen, Urhebern oder Nachkommen veröffentlicht. Das Projekt verwendete Creative-Commons-Lizenzen mit Einschränkungen, berücksichtigte indigene Kultur- und Informationsprotokolle und bot ein Takedown-Verfahren, also die vorläufige Entfernung bei Einwänden.&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_rights&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der aktuelle Bestand umfasst nach Projektangaben nahezu 4.000 Bücher in 50 Sprachen aus 40 Gemeinschaften. Die Materialien wurden in die Plattform Territory Stories von Library &amp;amp; Archives Northern Territory überführt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_home&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Erfolg, Problem und Lernwert ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
LAAL verbindet Sprachsicherung, Rechteklärung, offene Bildungsnutzung und echte Erhaltungsdateien. Das Projekt zeigt aber auch eine typische Migrationsgefahr: Nach der Überführung in Territory Stories funktionierte die speziell entwickelte Kartenoberfläche nicht mehr; das Projekt dokumentierte 2022, dass zunächst auf einen möglichen Ersatz gewartet werde.&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_migration&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Die sorgfältige Rechteklärung erzeugte einen beträchtlichen Rückstand nicht veröffentlichter Materialien; dies ist kein Projektversagen, sondern ein realer Zielkonflikt zwischen Geschwindigkeit und Zustimmung. Die Migration bewahrte Inhalte, verlor aber zumindest zeitweise eine für die Zielgruppen wichtige Zugangsfunktion. Die ursprüngliche Projektorganisation war stark förderabhängig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* systematische „Search-and-Rescue“-Phase für verstreute gefährdete Materialien;&lt;br /&gt;
* klare Trennung von Erhaltungs- und Nutzungsdateien;&lt;br /&gt;
* Veröffentlichung nur mit Einwilligung und Takedown-Verfahren;&lt;br /&gt;
* Beteiligung der Sprachgemeinschaften an Prüfung und Ergänzung;&lt;br /&gt;
* Bildungsnutzung und Offline-Zugriff;&lt;br /&gt;
* Übergabe an eine öffentliche Gedächtnisinstitution.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Für jede digitale Sammlung muss ein Migrations- und Exit-Plan festlegen, wie Daten, Rechteangaben, Identifikatoren und zielgruppenspezifische Funktionen beim Systemwechsel erhalten bleiben. Eine funktionierende Fachoberfläche darf nicht der einzige Ort sein, an dem Beziehungen zwischen Daten gespeichert sind. Rechteklärung sollte als eigenes Arbeitspaket mit Aufwand, Rückständen und Prioritäten geplant werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.10 PARADISEC – Facharchiv für gefährdete Sprachen und Kulturen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaften, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PARADISEC steht für Pacific And Regional Archive for Digital Sources in Endangered Cultures. Es ist kein Archiv einer einzelnen Minderheit, sondern bewahrt Forschungs- und Community-Aufnahmen vieler kleiner Sprach- und Kulturgemeinschaften, vor allem im Pazifikraum, aber auch weltweit. Der institutionelle Sitz liegt in Australien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Organisation, Finanzierung und Architektur ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PARADISEC ist ein Verbund der University of Sydney, der University of Melbourne und der Australian National University. Operative Aufgaben sind über die drei Standorte verteilt; ein externer Beirat unterstützt die Steuerung. Das Projekt wurde wesentlich durch den Australian Research Council und in jüngerer Zeit durch die Language Data Commons of Australia im Rahmen nationaler Forschungsinfrastruktur finanziert.&amp;lt;ref name=&amp;quot;paradisec_about&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;paradisec_home&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Archiv hat Verfahren für Übernahme, Katalogisierung, Digitalisierung und Erhaltung von Audio-, Text- und Bildmaterial entwickelt. Es nutzt Forschungsnetze und institutionelle Speicherinfrastruktur, archiviert Audio in Erhaltungsformaten und stellt stabile Katalogdaten bereit. Kopien wurden an Kulturzentren und Institutionen in Vanuatu, Neukaledonien, Papua-Neuguinea, Französisch-Polynesien, den Salomonen und Rapa Nui zurückgegeben.&amp;lt;ref name=&amp;quot;paradisec_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Nachweisbarer Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Juli 2026 weist PARADISEC rund 20.500 Stunden Audio, 4.000 Stunden Video, mehr als 320 Terabyte und Inhalte zu etwa 1.460 Sprachen aus. Es erhielt 2019 das CoreTrustSeal für vertrauenswürdige Repositorien und wurde 2024 bei den Digital Preservation Awards sowie 2025 mit einem Open Scholarship Award ausgezeichnet.&amp;lt;ref name=&amp;quot;paradisec_home&amp;quot;/&amp;gt; Die Kombination aus großem Bestand, langjährigem Betrieb, fachlichen Standards und konkreter Rückgabe an Herkunftsgemeinschaften ist ein starker Erfolgsnachweis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Ein universitärer Forschungsverbund verfügt über Kompetenzen und Infrastrukturen, die kleinen lokalen Trägern nicht direkt zur Verfügung stehen. Die Community-Beteiligung variiert je nach Depositor, Sammlung und Herkunftsgemeinschaft. Online-Zugriff kann in Regionen mit schwacher Internetversorgung oder ohne passende Sprache weiterhin schwierig sein. Auch ein erfolgreiches Facharchiv benötigt laufende Dritt- und Infrastrukturmittel sowie technische Erneuerung; PARADISEC arbeitet derzeit an einer Erneuerung seines Katalogs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* fachlich fokussiertes Repositorium für gefährdete audiovisuelle und sprachliche Materialien;&lt;br /&gt;
* verteilte institutionelle Trägerschaft mit gemeinsamem Verfahren;&lt;br /&gt;
* professionelle Erhaltungsstandards und Zertifizierung;&lt;br /&gt;
* stabile Identifikatoren und wissenschaftliche Zitierbarkeit;&lt;br /&gt;
* Rückgabe von Kopien und Kooperation mit regionalen Kulturzentren;&lt;br /&gt;
* langfristige Verbindung zu Forschungsinfrastruktur statt isoliertem Projektserver.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Für gefährdete Audio-, Video- und Sprachdaten sollte nicht jede kleine Einrichtung ein eigenes Langzeitarchiv aufbauen. Ein zentral betriebener, professioneller Repositoriumsdienst mit klaren Übernahmepaketen ist sinnvoll. Gleichzeitig müssen Kopien, Zugriffsrechte und nutzbare Arbeitsfassungen bei den sorbischen Kulturgutträgern verbleiben können. Zertifizierungsmodelle wie CoreTrustSeal können langfristig Orientierung geben, sollten aber erst nach Aufbau stabiler Prozesse angestrebt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.11 Reciprocal Research Network (RRN) ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Reciprocal Research Network betrifft kulturelle Objekte der First Nations der Nordwestküste von British Columbia in Kanada. Es wurde gemeinsam von der Musqueam Indian Band, der Stó:lō Nation beziehungsweise dem Stó:lō Tribal Council, der U’mista Cultural Society und dem Museum of Anthropology der University of British Columbia entwickelt. Zahlreiche internationale Museen liefern Daten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und technische Lösung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das RRN ist eine föderierte Recherche- und Kooperationsplattform. Es ermöglicht die gemeinsame Suche in institutionellen Sammlungen, persönliche und gemeinsame Forschungsprojekte, Dateiuploads und Diskussionen. Eine Steuerungsgruppe mit Vertreterinnen und Vertretern der beteiligten First Nations und des Museums ist weiterhin ausgewiesen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_about&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_contact&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wissenschaftliche Publikationen beschreiben den Aufbau als langfristigen Vertrauens- und Aushandlungsprozess. Vereinbarungen mit Partnerinstitutionen regelten Datenlieferung und Zusammenarbeit; agile Softwareentwicklung wurde mit unterschiedlichen Erwartungen und Entscheidungsrhythmen in Einklang gebracht.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_rowley&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Nachweisbarer Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Juli 2026 zeigt die Plattform Daten aus 29 Institutionen, mehr als 570.000 Objekte und 391.000 Fotografien sowie über 4.000 registrierte Mitglieder und fast 2.800 Projekte an.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_home&amp;quot;/&amp;gt; Diese Größenordnung belegt eine erhebliche institutionsübergreifende Aggregation und Nutzung der Arbeitsfunktionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Im Seitenfuß wird weiterhin die Softwareversion 1.8.3 mit Startdatum 22. November 2014 ausgewiesen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_contact&amp;quot;/&amp;gt; Das ist kein Beleg dafür, dass der Dienst beendet ist – die Plattform ist erreichbar und aktuelle Bestandszahlen werden angezeigt –, aber ein Warnsignal für Modernisierungs-, Sicherheits- und Wartungsrisiken. Detaillierte aktuelle Angaben zu Erhaltungsrepositorien und Betriebskosten sind öffentlich begrenzt. Das RRN ist vor allem Forschungs- und Zugangsplattform, nicht zwingend das Langzeitarchiv sämtlicher Quelldateien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* gemeinsame Entwicklung durch First Nations und Museum;&lt;br /&gt;
* föderierte Suche über internationale Sammlungen;&lt;br /&gt;
* dauerhafte Steuerungsgruppe;&lt;br /&gt;
* projektbezogene Kollaboration statt nur passiver Objektanzeige;&lt;br /&gt;
* formalisierte Partnerschaften und Aufbau von Vertrauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Ein sorbisches System kann mehr sein als ein Suchkatalog: Arbeitsbereiche für gemeinsame Erschließung, Korrekturen, Transkription, Übersetzung und Forschung erhöhen die aktive Nachnutzung. Solche Funktionen dürfen aber erst aufgebaut werden, wenn technische Wartung und Datenexport gesichert sind. Langfristige Kooperationsvereinbarungen sind wichtiger als einmalige Datenlieferungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.12 Indigitization – Dezentrale Digitalisierung mit zentraler Befähigung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Indigitization richtet sich an First Nations und weitere indigene Gemeinschaften in British Columbia, Kanada. Die Gemeinschaften verfügen über eigene Regierungen, Archive, Sprachprogramme und Kulturinstitutionen, arbeiten aber häufig mit begrenzten technischen und personellen Ressourcen. Viele gefährdete Tonaufnahmen befinden sich weiterhin lokal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Organisations- und Fördermodell ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Indigitization ist eine Kooperation indigener Gemeinschaften und Organisationen mit dem Irving K. Barber Learning Centre, dem Museum of Anthropology, dem Northern BC Archives der University of Northern British Columbia, der X̱wi7x̱wa Library und weiteren Einheiten der University of British Columbia. Das Programm entwickelt Ressourcen, führt Schulungen durch, berät zu Fördermitteln und unterstützt gemeinschaftsgeführte Digitalisierung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Werkzeugkasten entstand aus drei Pilotprojekten mit First Nations und verbindet deren Erfahrungen mit fachlichen Digitalisierungsstandards. Er enthält Planungshilfen, technische Anleitungen, Metadaten- und Dateiverfahren sowie Musterunterlagen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_toolkit&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von 2013 bis 2019 finanzierten Audiokassetten-Zuschüsse drei Pilot- und 45 Förderprojekte. Mehr als 11.464 Kassetten wurden digitalisiert; insgesamt wurden über 422.143 kanadische Dollar vergeben. Die Förderung umfasste ergänzende Mittel bis 10.000 Dollar je Vorhaben und intensive Schulung. Das spezifische Förderprogramm befindet sich derzeit in einer Pause, während Beratung, Workshops und Verweise auf weitere Programme fortgeführt werden.&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_grant&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_funding&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Rechte, Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Digitalisierungsprojekte verbleiben bei den Gemeinschaften; eine öffentliche Veröffentlichung war nicht zwingend. Auch protokollgebundene und nichtöffentliche Zugänge waren förderfähig. Das schützt lokale Kontrolle und stärkt Kompetenzen vor Ort. Die dokumentierten Objekt- und Förderzahlen sowie die fortbestehende Beratungsinfrastruktur belegen konkrete Wirkung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Dezentrale Digitalisierung garantiert noch keine langfristige Erhaltung. Jede Gemeinschaft braucht ein tragfähiges Speicher-, Sicherungs- und Migrationskonzept oder einen verlässlichen Repositoriumspartner. Die Pause des früheren Kassettenprogramms zeigt die Verwundbarkeit zeitlich begrenzter Förderlinien. Für kleine Teams kann die dauerhafte Anwendung technischer Standards trotz Schulung anspruchsvoll bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* zentrale Kompetenz, Vorlagen, Schulung und begrenzte Anschubfinanzierung;&lt;br /&gt;
* Durchführung und Kontrolle bei den lokalen Gemeinschaften;&lt;br /&gt;
* Pilotprojekte als Grundlage des Werkzeugkastens;&lt;br /&gt;
* praxisnahe Muster für Projektplan, Budget und Stellenprofil;&lt;br /&gt;
* kein Zwang zur allgemeinen Veröffentlichung;&lt;br /&gt;
* Netzwerk aus Hochschulen, Archiven und Community-Fachleuten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Dieses Modell kommt einer möglichen Rolle des sorbischen Digitalisierungszentrums besonders nahe. Die zentrale Stelle könnte mobile Technik, Leihgeräte, Schulung, Qualitätsprüfung, Dienstleisterrahmenverträge und Kleinprojektförderung bereitstellen. Lokale Träger behalten Originale, Auswahl, Kontext und Zugangsentscheidungen. Anders als bei rein dezentralen Ansätzen sollte im sorbischen Modell jedoch von Anfang an ein gemeinsames Repositorium oder ein verbindlicher Repositoriumsdienst angeschlossen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== E. Vergleichsmatrix ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== E.1 Funktionen, Architektur und Standards ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable sortable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Projekt&lt;br /&gt;
! Register / Katalog&lt;br /&gt;
! Digitalisierung&lt;br /&gt;
! Repositorium / Langzeiterhaltung&lt;br /&gt;
! Präsentation / Nachnutzung&lt;br /&gt;
! Technologie und Standards&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''RomArchive'''&lt;br /&gt;
| Kuratierter Sammlungsnachweis; kein Vollregister&lt;br /&gt;
| Auswahl und Digitalisierung in der Projektphase&lt;br /&gt;
| Interne und veröffentlichte Bestände; öffentliche Dokumentation der Langzeitprozesse begrenzt&lt;br /&gt;
| Themenarchive, Touren, Forschung; Deutsch, Englisch, Romanes; eingeschränkte Nachnutzung&lt;br /&gt;
| Axiell Collections, Django-Webanwendung, Connector zwischen Sammlung und Website&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Nuohtti'''&lt;br /&gt;
| Föderierter Metadatenindex aus vielen Archiven&lt;br /&gt;
| Erfolgt überwiegend bei Quellinstitutionen&lt;br /&gt;
| Verbleibt bei Datenlieferanten; Nationalarchive tragen Suchdienst weiter&lt;br /&gt;
| Mehrsprachige Suche, Karte, Zeitleiste; Verlinkung zu Quellen&lt;br /&gt;
| VuFind, Finna, RecordManager, Solr, Finto, Giellatekno, Leaflet, OpenStreetMap, Europeana-Wege&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''People’s Collection Wales'''&lt;br /&gt;
| Gemeinsame Plattform mit institutionellen und Community-Beiträgen&lt;br /&gt;
| Zentral unterstützte, teils lokale Digitalisierung; Schulungen&lt;br /&gt;
| In Evaluation als klärungsbedürftige Rolle benannt; nicht allein aus Portal abzuleiten&lt;br /&gt;
| Zweisprachiges Portal, Uploads, Lernangebote, Karten&lt;br /&gt;
| Gemeinsame Plattform; Metadaten-, Rechte- und Digitalisierungshilfen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Tobar an Dualchais'''&lt;br /&gt;
| Durchsuchbarer Katalog zu Tonaufnahmen&lt;br /&gt;
| Audio-Digitalisierung, Erschließung und Transkription&lt;br /&gt;
| Originale in institutionellen Archiven; digitale Erhaltung in Partnerstrukturen&lt;br /&gt;
| Mehr als 40.000 Aufnahmen; Sprache, Bildung, Forschung&lt;br /&gt;
| Audio-Workflows; Transkription und automatische Spracherkennung in Ergänzungsprojekten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Euskariana'''&lt;br /&gt;
| Integrierter Katalog aus Bibliotheken, Archiven, Museen und Repositorien&lt;br /&gt;
| Bei Partnern und in eigenen Programmen&lt;br /&gt;
| Eigenes Repositorium plus Links zu externen Repositorien&lt;br /&gt;
| Baskisch/spanisch; öffentliche Suche; Europeana-Anbindung&lt;br /&gt;
| MARC, Dublin Core, METS, PREMIS, ALTO; OAI-Zugang&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''bavarikon'''&lt;br /&gt;
| Gemeinsames Portal mit Partnerdaten&lt;br /&gt;
| Förderprogramm und fachliche Begleitung; zentrale Qualitätsprüfung&lt;br /&gt;
| Verantwortlichkeit für alle Masterdateien nicht einheitlich öffentlich dokumentiert&lt;br /&gt;
| Portalsuche, Ausstellungen, 3D, Bildungs- und Social-Media-Formate&lt;br /&gt;
| Verbindliche Metadaten- und Lieferhandreichungen; zentrales Hosting&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Mukurtu / Plateau Portal'''&lt;br /&gt;
| Institutionelle und Community-Datensätze zu denselben Objekten&lt;br /&gt;
| Nicht Kernfunktion; lokale beziehungsweise institutionelle Workflows&lt;br /&gt;
| Mukurtu ausdrücklich nur Zugangsbaustein; Erhaltung separat zu planen&lt;br /&gt;
| Protokollbasierter Zugang, Community-Erzählungen, Export&lt;br /&gt;
| Open Source auf Drupal-Basis; TK Labels; kulturelle Protokolle; Dublin Core; Roundtrip-Export&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Aṟa Irititja'''&lt;br /&gt;
| Zentraler Multimedia-Katalog mit lokalen Ergänzungen&lt;br /&gt;
| Zentral vorbereitet, mit Community-Kontaktstellen und historischer Formatrettung&lt;br /&gt;
| Physische und digitale Materialien zentral fachlich verwaltet; Details zu Erhaltungsstufen begrenzt&lt;br /&gt;
| Community-Zugänge, mehrsprachig, visuell niedrigschwellig; digitale Rückgabe&lt;br /&gt;
| Speziell entwickelte beziehungsweise weiterentwickelte Wissensmanagement-Software; kulturelle Beschränkungen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''LAAL'''&lt;br /&gt;
| Sprach-, Orts-, Personen- und Titelnachweis&lt;br /&gt;
| Systematische Suche, Scan und Rechteklärung&lt;br /&gt;
| TIFF-Master; zunächst CDU eSpace, später Territory Stories&lt;br /&gt;
| PDFs, Textdateien, App, Bildung; ursprüngliche Kartenfunktion nach Migration verloren&lt;br /&gt;
| TIFF/PDF/TXT/JPG; persistente Kennungen im Zielsystem; Creative-Commons- und Takedown-Modell&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''PARADISEC'''&lt;br /&gt;
| Fachkatalog für audiovisuelle und sprachliche Sammlungen&lt;br /&gt;
| Professionelle Digitalisierung gefährdeter Medien&lt;br /&gt;
| Institutioneller Verbund; Erhaltungsformate, redundante Infrastruktur, CoreTrustSeal&lt;br /&gt;
| Online-Katalog, Forschung, Community-Zugang und Rückgabe von Kopien&lt;br /&gt;
| Internationale Archivstandards; stabile Identifikatoren; laufende Katalogmodernisierung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''RRN'''&lt;br /&gt;
| Föderierte Suche über Daten von 29 Institutionen&lt;br /&gt;
| Erfolgt primär bei Partnern&lt;br /&gt;
| Plattform ist kein einheitliches Langzeitarchiv aller Quellen&lt;br /&gt;
| Kollaborative Projekte, Diskussionen, Uploads und Recherche&lt;br /&gt;
| Föderierte Datenintegration, Programmierschnittstelle; sichtbare Plattformversion von 2014&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Indigitization'''&lt;br /&gt;
| Kein zentraler Gesamtkatalog als Hauptziel&lt;br /&gt;
| Dezentrale Digitalisierung mit zentraler Schulung, Geräten, Standards und Förderung&lt;br /&gt;
| Muss je Community beziehungsweise über Partner gelöst werden&lt;br /&gt;
| Community-interne oder öffentliche Nutzung nach lokalen Regeln&lt;br /&gt;
| Werkzeugkasten, Broadcast-Wave-Audio, Musterunterlagen und Trainingsworkflows&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== E.2 Governance, Finanzierung, Erfolg und Übertragbarkeit ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable sortable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Projekt&lt;br /&gt;
! Organisationsmodell&lt;br /&gt;
! Community-Beteiligung&lt;br /&gt;
! Finanzierung und dauerhafter Betrieb&lt;br /&gt;
! Nachweisbarer Erfolg&lt;br /&gt;
! Grenzen&lt;br /&gt;
! Übertragbarkeit auf die Sorben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''RomArchive'''&lt;br /&gt;
| Internationales Kuratorium/Beirat; seit 2019 Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma&lt;br /&gt;
| Überwiegend Roma in Kuratorien und Beirat; Auswahl und strategische Richtlinien&lt;br /&gt;
| Große öffentliche Anschubförderung; institutioneller Betreiber und laufende öffentliche Förderung&lt;br /&gt;
| Betreiberübergang vollzogen; seit 2019 online weitergeführt&lt;br /&gt;
| Kein Vollregister; wenige aktuelle Nutzungsdaten; Nachnutzung oft restriktiv&lt;br /&gt;
| '''Hoch''' für Governance, kuratierte Kontexte und Betreiberübergang&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Nuohtti'''&lt;br /&gt;
| Drei Nationalarchive plus Universitäten; föderierter Dienst&lt;br /&gt;
| Sámi-Parlamente in Steuerungsgruppe; ethische Leitlinien und Tests&lt;br /&gt;
| EU-Projekt; Weiterbetrieb durch Nationalarchive&lt;br /&gt;
| Rund 30.000 Datensätze, 32 Institutionen, fünf Sprachen; fortbestehender Dienst&lt;br /&gt;
| Datenqualität und Erhaltung bleiben verteilt; geringe aktuelle Wirkungsdaten&lt;br /&gt;
| '''Sehr hoch''' für Kulturregister und föderierte Suche&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''People’s Collection Wales'''&lt;br /&gt;
| Föderation dreier nationaler Einrichtungen&lt;br /&gt;
| Lokale Gruppen und Einzelpersonen liefern Inhalte; umfangreiche Unterstützung&lt;br /&gt;
| Walisische Regierung; Evaluation benennt Nachhaltigkeitsrisiko&lt;br /&gt;
| Dauerbetrieb, Community-Kompetenzen, kritische Masse; unabhängige Evaluation&lt;br /&gt;
| Moderate gemessene Wirkung; Vermittlung personalintensiv; 38 Survey-Antworten&lt;br /&gt;
| '''Sehr hoch''' für Servicezentrum, Zweisprachigkeit und Evaluation&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Tobar an Dualchais'''&lt;br /&gt;
| Partnerschaft kultureller und wissenschaftlicher Einrichtungen&lt;br /&gt;
| Sprachgemeinschaften, Beitragende und Freiwillige bei Erschließung/Transkription&lt;br /&gt;
| Wiederkehrende öffentliche Projekt- und Programmmittel&lt;br /&gt;
| Mehr als 40.000 Aufnahmen; laufende Weiterentwicklung&lt;br /&gt;
| Dauergrundfinanzierung und Rechteaufwand öffentlich nur teilweise sichtbar&lt;br /&gt;
| '''Hoch''' für gefährdete Medien und Spracherschließung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Euskariana'''&lt;br /&gt;
| Baskische Regierung mit öffentlichen und privaten Partnern&lt;br /&gt;
| Eher institutionell als gemeinschaftsgeführt&lt;br /&gt;
| Staatlicher Betrieb&lt;br /&gt;
| Breiter Quellenverbund, Standards, Europeana-Interoperabilität&lt;br /&gt;
| Wenig unabhängige Nutzungsevaluation; Community-Rechte kaum dokumentiert&lt;br /&gt;
| '''Hoch''' für Metadaten, Onboarding-Wege und Aggregation; '''mittel''' für Governance&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''bavarikon'''&lt;br /&gt;
| Ministerien, 14-köpfiger Rat, Bayerische Staatsbibliothek, Rechenzentrum&lt;br /&gt;
| Partnerinstitutionen im Rat; keine Minderheiten-Governance&lt;br /&gt;
| Dauerhafte Landesstruktur plus Projektförderung&lt;br /&gt;
| Über 500.000 Objekte aus rund 170 Einrichtungen; monatlicher Ausbau&lt;br /&gt;
| Große Ressourcen; Präsentation und Förderlogik dominieren&lt;br /&gt;
| '''Mittel bis hoch''' für Verfahren/Qualität; Größenordnung kaum übertragbar&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Mukurtu / Plateau Portal'''&lt;br /&gt;
| Universität als Technikträger; acht indigene Nationen und Museen als Partner&lt;br /&gt;
| Kuration, Metadaten, Protokolle und Zugriff durch Stammesvertreter&lt;br /&gt;
| Öffentliche und philanthropische Forschungsförderung; Universität pflegt Software&lt;br /&gt;
| International genutzte Open-Source-Plattform; dauerhaftes konkretes Portal&lt;br /&gt;
| Qualifizierter Betrieb nötig; Zugangsplattform ersetzt kein Repositorium&lt;br /&gt;
| '''Sehr hoch''' für Rechte, sensible Inhalte und Mehrperspektivität&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Aṟa Irititja'''&lt;br /&gt;
| Zentralfachstelle plus lokale Liaison; seit 2020 unter APY-Organisation&lt;br /&gt;
| Auftrag, Steuerung, Zugangsregeln und Kontext durch Aṉangu&lt;br /&gt;
| Langjährige Mischung aus Zuschüssen, Spenden und lokalen Beiträgen; drei permanente Teilzeitstellen&lt;br /&gt;
| Betrieb seit 1994; lokale Nutzung und digitale Rückgabe&lt;br /&gt;
| Finanzierung lange prekär; Wirkung überwiegend selbst berichtet&lt;br /&gt;
| '''Hoch''' für lokale Kontrolle und abgestufte Zugänge; Technik nicht direkt übertragbar&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''LAAL'''&lt;br /&gt;
| Universität und öffentliche Partner; Übergabe an Landesbibliothek/-archiv&lt;br /&gt;
| Einwilligung, Prüfung und Ergänzung durch Sprachgemeinschaften&lt;br /&gt;
| Zwei Forschungsförderphasen; anschließend institutionelle Übernahme&lt;br /&gt;
| Nahezu 4.000 Bücher, 50 Sprachen, 40 Gemeinschaften&lt;br /&gt;
| Rechte-Rückstand; Verlust der Kartenfunktion bei Migration&lt;br /&gt;
| '''Sehr hoch''' als Migrations-, Rechte- und Sprachlernfall&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''PARADISEC'''&lt;br /&gt;
| Verbund dreier Universitäten mit Beirat&lt;br /&gt;
| Je Sammlung unterschiedlich; Kopien und Kooperationen mit Herkunftsgemeinschaften&lt;br /&gt;
| Forschungsrat, nationale Forschungsinfrastruktur, Hochschulen und Spenden&lt;br /&gt;
| 20.500 Audio-, 4.000 Videostunden, 320 TB, 1.460 Sprachen; Zertifizierung/Auszeichnungen&lt;br /&gt;
| Hohe Fach- und Infrastrukturvoraussetzungen; Zugänglichkeit regional unterschiedlich&lt;br /&gt;
| '''Hoch''' für zentrales Fachrepositorium; Skalierung nur angepasst&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''RRN'''&lt;br /&gt;
| Gemeinsame Steuerung von First Nations und Museum; viele Datenpartner&lt;br /&gt;
| Co-Entwicklung, Projekte, Diskussionen und Community-Wissen&lt;br /&gt;
| Institutionelle Projektstruktur; aktuelle Kosten öffentlich unklar&lt;br /&gt;
| 29 Institutionen, über 570.000 Objekte, über 4.000 Mitglieder&lt;br /&gt;
| Technische Alterung möglich; Erhaltung der Quelldateien dezentral&lt;br /&gt;
| '''Hoch''' für Kooperation und Arbeitsfunktionen; Wartungsrisiko beachten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Indigitization'''&lt;br /&gt;
| Hochschul- und Community-Netzwerk als Kompetenz- und Förderstelle&lt;br /&gt;
| Projekte werden von Gemeinschaften durchgeführt und kontrolliert&lt;br /&gt;
| Hochschulunterstützung; früheres Kassettenförderprogramm aktuell pausiert&lt;br /&gt;
| 45 Förderprojekte, 11.464 Kassetten, über 422.000 CAD Förderung&lt;br /&gt;
| Dezentrale Langzeiterhaltung nicht automatisch gesichert; Förderpause&lt;br /&gt;
| '''Sehr hoch''' für Digitalisierungszentrum und Unterstützung kleiner Träger&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== F. Übergreifende Erfolgsfaktoren ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.1 Governance und Beteiligung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' Die stärksten gemeinschaftsbezogenen Projekte verankern Beteiligung in Gremien, Rollen und Datenmodellen. RomArchive übergab Kuratierung und strategische Leitlinien überwiegend an Roma. Nuohtti beteiligte Sámi-Parlamente. Mukurtu und das Plateau Portal ermöglichen kulturelle Protokolle und mehrere Beschreibungen. Aṟa Irititja ist unter einer Aṉangu-geführten Organisation verankert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Erforderlich ist ein dauerhaftes Steuerungsmodell mit Vertreterinnen und Vertretern zentraler Einrichtungen, lokaler Träger, beider Sprachräume, Fachwissenschaft, Technik und möglichst verschiedener Generationen. Für sensible Inhalte, Priorisierung und öffentliche Darstellung müssen Entscheidungs- und Eskalationsregeln schriftlich festgelegt werden. Eine bloße Anhörung nach Abschluss technischer Entscheidungen ist unzureichend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.2 Erfassung und Priorisierung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' Nuohtti begann mit der Kartierung verteilter Quellen; LAAL mit systematischem Auffinden gefährdeter Literatur. bavarikon nutzt Anträge, Objektlisten und Auswahlkriterien. Audioprojekte priorisieren physisch und technisch gefährdete Medien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Zunächst sollte das Kulturregister einen belastbaren Überblick schaffen, ohne sofort jeden Eintrag maximal tief zu erschließen. Die Digitalisierungspriorität sollte anschließend aus mindestens vier Kriterien gebildet werden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Gefährdung:''' physischer Verfall, technische Obsoleszenz, Verlustgefahr;&lt;br /&gt;
# '''Bedeutung:''' Einzigartigkeit, Repräsentativität, sprachliche und kulturelle Relevanz;&lt;br /&gt;
# '''Nutzungspotenzial:''' Bildung, Forschung, Sprachrevitalisierung, Vermittlung;&lt;br /&gt;
# '''Umsetzbarkeit:''' Rechteklarheit, Zustand, vorhandene Metadaten, Kosten und Zielrepositorium.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Priorisierungswert darf keine endgültige kulturelle Rangliste erzeugen. Er dient der Arbeitsplanung und muss fachlich sowie gemeinschaftlich überprüfbar sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.3 Organisation der Digitalisierung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' Indigitization und People’s Collection Wales zeigen, dass zentrale Kompetenz und lokale Durchführung kombinierbar sind. bavarikon ergänzt dies um Auswahl, Förderung und Qualitätsprüfung. PARADISEC zeigt für anspruchsvolle audiovisuelle Medien den Wert eines spezialisierten Fachzentrums.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Das Digitalisierungszentrum sollte ein gestuftes Dienstemodell anbieten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Beratung und Projektplanung;&lt;br /&gt;
* Leihtechnik und Schulung für geeignete einfache Verfahren;&lt;br /&gt;
* mobile Digitalisierung vor Ort, wenn Kulturgüter nicht transportiert werden können;&lt;br /&gt;
* zentrale Digitalisierung für anspruchsvolle oder gefährdete Medien;&lt;br /&gt;
* Rahmenverträge und Qualitätskontrolle für externe Spezialdienstleister;&lt;br /&gt;
* Übernahmevorbereitung für das Repositorium.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.4 Technische Architektur ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' Föderierte Portale wie Nuohtti und Euskariana verbinden bestehende Systeme, statt alle Partner zu einem identischen Fachverfahren zu zwingen. Erfolgreiche Systeme verfügen über Exporte und Schnittstellen. LAAL zeigt, dass bei Migrationen zielgruppenspezifische Funktionen verloren gehen können, wenn Daten- und Präsentationslogik zu eng gekoppelt sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Die Architektur sollte modular sein. Das Register verwaltet Nachweise und Beziehungen; Digitalisierungsworkflows erzeugen Dateien und technische Metadaten; das Repositorium übernimmt Erhaltungspakete; Präsentationssysteme beziehen freigegebene Daten und Derivate. Jedes System benötigt dokumentierte Exporte. Eine proprietäre Lösung ohne vollständigen Datenexport, Identifikatorerhalt und Migrationsplan sollte ausgeschlossen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.5 Metadaten und Interoperabilität ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' Euskariana und bavarikon arbeiten mit veröffentlichten Standards und Lieferprofilen; Nuohtti normalisiert heterogene Daten; Mukurtu ermöglicht zusätzliche Community-Metadaten. Technische Vollständigkeit allein löst jedoch keine problematischen historischen Begriffe oder fehlenden kulturellen Kontexte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Notwendig ist ein abgestuftes Metadatenprofil:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* '''Pflichtkern''' für alle Träger: eindeutige Kennung, Bezeichnung, Kulturgutart, Standort beziehungsweise Träger, Sprache, Zeit/Ort soweit bekannt, Kurzkontext, Rechte-/Zugangsstatus, Quellenangabe, Bearbeitungsstand;&lt;br /&gt;
* '''fachliche Erweiterungen''' für Archive, Bibliotheken, Museen, audiovisuelle Medien, immaterielles Kulturerbe und Born-digital-Bestände;&lt;br /&gt;
* '''Community-Felder''' für sorbische Bezeichnungen, lokale Varianten, kulturelle Hinweise, alternative Erzählungen und Korrekturen;&lt;br /&gt;
* '''technische Erhaltungsmetadaten''' im Repositorium, etwa Dateiformat, Prüfsumme, Erzeugung, Migration und Beziehungen zwischen Master und Derivaten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Normdaten und kontrollierte Vokabulare sollten dort eingesetzt werden, wo sie Nutzen bringen. Für ehrenamtliche Erfassung müssen einfache Auswahllisten, Hilfetexte und spätere fachliche Anreicherung vorgesehen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.6 Rechte und kulturelle Selbstbestimmung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' Mukurtu, Aṟa Irititja und LAAL zeigen, dass urheberrechtliche Erlaubnis, Datenschutz und kulturelle Angemessenheit getrennt geprüft werden müssen. Ein Werk kann rechtlich veröffentlichbar, kulturell aber sensibel sein; umgekehrt kann eine Gemeinschaft Zugang wünschen, obwohl eine allgemeine Veröffentlichung nicht möglich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Mindestens vier Sichtbarkeitsstufen sind sinnvoll:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# öffentliche Metadaten, aber kein Medium;&lt;br /&gt;
# öffentliches Nutzungsdigitalisat, gegebenenfalls in reduzierter Qualität;&lt;br /&gt;
# beschränkter Zugang für festgelegte Gruppen, Forschung oder Community;&lt;br /&gt;
# gesperrt beziehungsweise nur intern dokumentiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder Datensatz sollte dokumentieren, wer die Entscheidung getroffen hat, auf welcher Grundlage sie beruht und wann sie erneut geprüft wird. Rechteinformationen müssen vom Register über Repositorium bis Präsentation mitgeführt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.7 Langzeiterhaltung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' PARADISEC belegt den Wert eines fachlich betriebenen Repositoriums. LAAL zeigt sowohl die Trennung von Master- und Nutzungsdateien als auch das Risiko einer Migration. Mukurtu warnt ausdrücklich davor, Zugangsplattform und Erhaltungssystem gleichzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Für jedes Digitalisat müssen vor der Produktion feststehen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Zielrepositorium und verantwortlicher Betreiber;&lt;br /&gt;
* Master- und Nutzungsformat;&lt;br /&gt;
* Dateibenennung beziehungsweise Identifikator;&lt;br /&gt;
* Prüfsumme und Integritätskontrolle;&lt;br /&gt;
* mindestens zwei räumlich getrennte Sicherungskopien;&lt;br /&gt;
* Übergabepaket aus Datei, Metadaten, Rechten und Provenienz;&lt;br /&gt;
* Verfahren für Formatbeobachtung, Migration und Wiederherstellung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das OAIS-Modell bietet den konzeptionellen Rahmen; die NDSA-Reifegradstufen können einen realistischen stufenweisen Aufbau unterstützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.8 Präsentation und Nachnutzung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' RomArchive verbindet Objekte mit kuratierten Erzählungen; People’s Collection Wales mit Lern- und Beitragsfunktionen; Tobar an Dualchais mit sprachlicher Erschließung; RRN mit kollaborativen Arbeitsräumen. Erfolg entsteht nicht durch bloße Online-Sichtbarkeit, sondern durch zielgruppengerechte Kontexte und tatsächlich nutzbare Funktionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Ein gemeinsamer Suchzugang ist wichtig, aber nicht jede Zielgruppe braucht dieselbe Oberfläche. Denkbar sind ein übergreifendes Kulturerbeportal, Fachzugänge für Forschung, Bildungsbausteine, kuratierte Ausstellungen und maschinenlesbare Schnittstellen. Download und Nachnutzung sollten dort ermöglicht werden, wo Rechte und kulturelle Interessen dies zulassen. Nutzungsstatistiken, Zitationen, Downloads, Bildungskooperationen und Community-Rückmeldungen sollten kontinuierlich ausgewertet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.9 Finanzierung und Verstetigung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' RomArchive plante den Betreiberübergang früh. People’s Collection Wales und Aṟa Irititja zeigen, wie belastend unsichere Finanzierung bleibt. Indigitization demonstriert die Wirkung kleiner Förderbudgets, aber auch die Verwundbarkeit eines pausierenden Programms. bavarikon und PARADISEC profitieren von institutioneller Infrastruktur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Es sind drei Kostenarten getrennt zu planen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Aufbaukosten:''' Konzeption, Pilot, Beschaffung, Datenmigration, erste Digitalisierung;&lt;br /&gt;
# '''Betriebskosten:''' Personal, Hosting, Speicher, Sicherung, Helpdesk, Rechtearbeit, Qualitätssicherung;&lt;br /&gt;
# '''Erneuerungskosten:''' Softwareupdates, Sicherheitsmaßnahmen, Hardwareersatz, Formatmigration, Neuentwicklung von Schnittstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Projektmittel eignen sich für Aufbau und Erprobung. Kernfunktionen dürfen nach der Pilotphase nur skaliert werden, wenn ein wiederkehrender Betriebsetat und ein verantwortlicher Rechtsträger feststehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.10 Projektsteuerung und schrittweiser Aufbau ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' People’s Collection Wales empfiehlt einen evidenzbasierten Ablauf aus Bedarf, Pilot, Test, Auswertung und Skalierung. Indigitization entwickelte seinen Werkzeugkasten aus drei Pilotprojekten. bavarikon nutzt Vorantrag, Prüfung, Standards und begleitete Umsetzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Der Aufbau sollte in überprüfbaren Ausbaustufen erfolgen. Jede Stufe braucht definierte Ergebnisse, Qualitätskriterien, Verantwortliche, Budget, Risiken und eine Entscheidung über Fortführung oder Anpassung. Technische Pilotierung ohne Governance-, Rechte- und Betriebsprüfung wäre unvollständig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== G. Empfehlungen für den sorbischen Kontext ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.1 Zielmodell: vier Säulen, drei Fundamente, zwei Betriebsregeln ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ergebnisse lassen sich für den sorbischen Kontext in einem priorisierten 4–3–2-Modell zusammenführen. Es verbindet die im Konzept beschriebene Prozesskette mit einer klaren organisatorischen und technischen Verantwortungsstruktur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Vier funktionale Säulen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Säule&lt;br /&gt;
! Mindestauftrag&lt;br /&gt;
! Abgrenzung&lt;br /&gt;
! Unverzichtbare Schnittstellen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''1. Sorbisches Kulturregister (SKR)'''&lt;br /&gt;
| Verteilte Kulturgüter und Bestände nachweisen, beschreiben, verknüpfen, Rechte- und Prioritätsstatus dokumentieren&lt;br /&gt;
| Kein Ersatz für lokale Inventare und nicht automatisch Speicherort aller Dateien&lt;br /&gt;
| Import/Export zu Fachsystemen; Übergabe von Objekt- und Rechtekennungen an Digitalisierung, Repositorium und Präsentation&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''2. Digitalisierungszentrum (DZ)'''&lt;br /&gt;
| Beratung, Planung, Digitalisierung, Qualitätssicherung, Schulung, Dienstleistersteuerung und Vorbereitung der Archivübergabe&lt;br /&gt;
| Nicht primär öffentlicher Katalog und nicht automatisch dauerhafter Speicher&lt;br /&gt;
| Aufträge aus Register/Priorisierung; Lieferung standardisierter Übergabepakete an Repositorium; Erzeugung von Nutzungsderivaten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''3. Repositorium / digitales Langzeitarchiv'''&lt;br /&gt;
| Masterdateien, Metadaten, Rechte und Provenienz dauerhaft übernehmen, prüfen, sichern und migrieren&lt;br /&gt;
| Nicht mit einem Netzlaufwerk, einer Cloudablage oder der öffentlichen Website gleichzusetzen&lt;br /&gt;
| Persistente Identifikatoren; Rückmeldung des Archivstatus an Register; kontrollierte Bereitstellung an Präsentationssysteme&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''4. Präsentations- und Nutzungssysteme'''&lt;br /&gt;
| Freigegebene Inhalte suchen, verstehen, zitieren, herunterladen und weiterverwenden lassen&lt;br /&gt;
| Nicht führendes System für Rechte, Masterdateien oder dauerhafte Erhaltung&lt;br /&gt;
| Bezug von Metadaten aus Register und Derivaten aus Repositorium; Rückgabe von Nutzungs- und Korrekturinformationen&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Entscheidender Punkt:''' Die vier Säulen sind Funktionen, nicht zwingend vier eigenständige Einrichtungen. Ein Träger kann mehrere Funktionen übernehmen. Dennoch müssen für jede Säule Auftrag, Zuständigkeit, Datenhoheit, Budget, Qualitätskriterien, Vertretung und Ausfallvorsorge benannt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Drei gemeinsame Fundamente ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Fundament&lt;br /&gt;
! Inhalt&lt;br /&gt;
! Warum es vor der Skalierung geklärt werden muss&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''A. Gemeinschaftliche Governance und Rechte'''&lt;br /&gt;
| Entscheidungsgremien, Rollen der Kulturgutträger, Community-Beteiligung, Konfliktlösung, sensible Inhalte, abgestufte Zugänge&lt;br /&gt;
| Ohne Entscheidungskompetenz entstehen Vertrauensverlust, Verzögerungen und nachträgliche Sperrungen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''B. Gemeinsame Daten- und Qualitätsarchitektur'''&lt;br /&gt;
| Metadatenkern, Identifikatoren, Sprachwerte, Vokabulare, Dateiformate, Schnittstellen, Lieferpakete, Qualitätssicherung&lt;br /&gt;
| Ohne gemeinsamen Kern können Register, DZ, Repositorium und Präsentation nicht verlässlich zusammenspielen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''C. Dauerbetrieb, Finanzierung und Kompetenz'''&lt;br /&gt;
| Rechtsträger, wiederkehrendes Budget, Personal, Hosting, Speicher, Wartung, Schulung, Helpdesk und Erneuerungsplanung&lt;br /&gt;
| Ohne Betriebsperspektive vergrößert jedes zusätzliche Digitalisat die technische und organisatorische Schuld.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Zwei Betriebsregeln ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Zentral ermöglichen, dezentral verantworten.''' Zentrale Stellen bieten Infrastruktur, Standards, Beratung, Qualitätskontrolle, Repositorium und gemeinsame Zugänge. Kulturgutträger behalten grundsätzlich Originale, lokalen Kontext, Beziehungen zu Urheberinnen und Urhebern sowie Mitentscheidung über kulturelle Bedeutung und Zugang.&lt;br /&gt;
# '''Als Projekt aufbauen, nur mit Dauerbetrieb skalieren.''' Pilot- und Förderprojekte sind geeignet, Register, Dienste und Workflows zu entwickeln. Eine breite Produktion beginnt erst, wenn dauerhafter Betreiber, Regelbudget, Personal und Erhaltungsweg gesichert sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Prüfsatz für Entscheidungen:''' Kein Digitalisat ohne Zielarchiv; kein Portal ohne Datenpflege; kein Register ohne Zuständigkeit; keine Veröffentlichung ohne Rechte- und Kulturprüfung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.2 Was zentral, dezentral und gemeinsam organisiert werden sollte ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Zentral bereitzustellen&lt;br /&gt;
! Dezentral bei den Kulturgutträgern&lt;br /&gt;
! Gemeinsam zu entscheiden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Technische Plattform und Datenmodell des Kulturregisters&lt;br /&gt;
| Besitz, Verwahrung und konservatorische Verantwortung für Originale, soweit nicht anders vereinbart&lt;br /&gt;
| Welche Bestände zunächst erfasst und digitalisiert werden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Metadatenkern, Vokabulare, Identifikatoren und Schnittstellen&lt;br /&gt;
| Erste Bestandskenntnis, lokale Namen, Geschichte und Beziehungen&lt;br /&gt;
| Kulturelle Bedeutung, Repräsentativität und Priorität&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Digitalisierungsberatung, Spezialtechnik, mobile Dienste und Qualitätsprüfung&lt;br /&gt;
| Lokale Auswahl und organisatorische Vorbereitung&lt;br /&gt;
| Transport, Vor-Ort-Digitalisierung oder externe Vergabe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Repositorium, Sicherung, Integritätsprüfung, Migration und Wiederherstellung&lt;br /&gt;
| Mitwirkung an Rechteklärung und Kontakt zu Betroffenen beziehungsweise Nachkommen&lt;br /&gt;
| Zugangs- und Nutzungskategorien für sensible Inhalte&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mustervereinbarungen, Rechte- und Datenschutzberatung&lt;br /&gt;
| Lokale Freigaben, sofern die jeweilige Stelle entscheidungsbefugt ist&lt;br /&gt;
| Verfahren bei Konflikten, Korrekturen und Takedown-Anfragen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Schulungen, Helpdesk, Dokumentation und gegebenenfalls Kleinprojektförderung&lt;br /&gt;
| Pflege von Kontexten, Korrekturen und neuen Informationen&lt;br /&gt;
| Übersetzungs- und Erschließungsprioritäten in Ober- und Niedersorbisch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gemeinsame Präsentationsbausteine und Programmierschnittstellen&lt;br /&gt;
| Eigene lokale Ausstellungen und Nutzungsszenarien&lt;br /&gt;
| Welche Inhalte übergreifend präsentiert oder nachnutzbar gemacht werden&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Verteilung schützt die dezentrale Trägerschaft, ohne kleine Einrichtungen mit jeder technischen Aufgabe allein zu lassen. Sie verhindert zugleich, dass zentrale Infrastruktur mit zentraler kultureller Deutungshoheit verwechselt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.3 Kurzfristig umsetzbare Schritte: 2026–2027 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Priorität 1: Governance und Verantwortungen beschließen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ein gemeinsames Steuerungsgremium für Kulturregister, Digitalisierungszentrum, Repositorium und Präsentation festlegen.&lt;br /&gt;
* Beide sorbischen Sprachräume, zentrale Institutionen und mindestens mehrere lokale beziehungsweise ehrenamtliche Träger verbindlich vertreten.&lt;br /&gt;
* Entscheidungsrechte, Vetorechte bei sensiblen Inhalten, Konfliktlösung und Vertretungsregelungen schriftlich regeln.&lt;br /&gt;
* Einen dauerhaften Produkt- beziehungsweise Serviceverantwortlichen für jede der vier Säulen benennen, auch wenn mehrere Säulen organisatorisch beim selben Träger liegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Priorität 2: Gemeinsamen Mindeststandard verabschieden ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Standard sollte klein genug für ehrenamtliche Erfassung, aber erweiterbar für Fachinstitutionen sein. Er muss mindestens regeln:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* eindeutige Kennung und verantwortlicher Datensatzhalter;&lt;br /&gt;
* Bezeichnung in Originalsprache und gegebenenfalls Übersetzungen;&lt;br /&gt;
* getrennte Sprachkennzeichnung für Obersorbisch, Niedersorbisch, Deutsch und weitere Sprachen;&lt;br /&gt;
* Kulturgutart und Zugehörigkeit zu materiellen, immateriellen oder digitalen Beständen;&lt;br /&gt;
* Standort beziehungsweise verwahrende Stelle;&lt;br /&gt;
* Kurzkontext, Zeit, Ort und beteiligte Personen soweit bekannt;&lt;br /&gt;
* Rechte-, Datenschutz- und kultureller Zugangsstatus;&lt;br /&gt;
* Digitalisierungs- und Archivierungsstatus;&lt;br /&gt;
* Provenienz, Quellen und Bearbeitungsstand;&lt;br /&gt;
* Exportformat und dauerhafte Identifikatoren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Priorität 3: Rechte- und Zugangsmodell entwickeln ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein einheitlicher Workflow sollte rechtliche und kulturelle Fragen getrennt dokumentieren. Empfohlen werden mindestens die vier Stufen „nur Nachweis“, „öffentliches Derivat“, „beschränkter Zugang“ und „gesperrt“. Für jede Stufe sind Verantwortliche, Freigabegrund, Prüffrist und Takedown-Verfahren festzulegen. Local Contexts kann als Anregung dienen; Begriffe und Symbole müssen jedoch gemeinsam für die sorbische Rechts- und Kulturpraxis entwickelt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Priorität 4: End-to-End-Pilot starten ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der erste Pilot sollte nicht nur ein Portal oder einen Scanner testen, sondern die gesamte Kette:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: Kulturgutträger → Erfassung im Register → Priorisierung und Freigabe → Digitalisierung und Qualitätsprüfung → Übernahme ins Repositorium → kontrollierte Präsentation und Nachnutzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beteiligt werden sollten drei bis fünf sehr unterschiedliche Träger, zum Beispiel eine zentrale Institution, eine Heimatstube oder ein Verein, eine kirchliche Einrichtung, eine kommunale Sammlung und gegebenenfalls eine Privatperson. Der Pilot sollte beide sorbischen Schriftsprachen und mindestens drei Medientypen umfassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Priorität 5: Repositoriumsziel vor Produktionsausweitung klären ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits Pilotdigitalisate benötigen einen definierten, überprüfbaren Speicher- und Erhaltungsweg. Falls das endgültige Langzeitarchiv noch nicht vollständig aufgebaut ist, braucht es einen dokumentierten Übergangsdienst mit Prüfsummen, redundanten Kopien, klarer Verantwortung und verbindlichem späteren Migrationsplan. Eine bloße Projektablage ist nicht ausreichend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.4 Mittelfristiger Strukturaufbau: 2027–2030 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Kulturregister ausbauen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Zwei Anbindungswege anbieten: direkte Erfassung beziehungsweise zentral gehostete Mandanten für kleine Träger und standardisierte Datenlieferung für große Fachsysteme.&lt;br /&gt;
* Priorisierungsansicht, Rechte- und Archivstatus sowie Beziehungen zwischen Original, Digitalisat, Werk, Person, Ort, Brauch und Sammlung abbilden.&lt;br /&gt;
* Korrektur- und Ergänzungsworkflow für Community-Wissen einrichten.&lt;br /&gt;
* Export, Programmierschnittstelle und regelmäßige Sicherung verpflichtend machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Digitalisierungszentrum als Dienstleistungsstelle verstetigen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Servicekatalog mit klaren Leistungen, Voraussetzungen, Bearbeitungszeiten und Kosten beziehungsweise Fördermöglichkeiten veröffentlichen.&lt;br /&gt;
* Mobile und stationäre Digitalisierung sowie Vergabe an Spezialdienstleister kombinieren.&lt;br /&gt;
* Schulungsprogramm und „Train-the-Trainer“-Ansatz für lokale Multiplikatorinnen und Multiplikatoren aufbauen.&lt;br /&gt;
* Kleinprojektförderung nach dem Vorbild von Indigitization oder bavarikon erproben.&lt;br /&gt;
* Qualitätssicherung und Übergabepakete zum Repositorium standardisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Repositorium in einen verlässlichen Regelbetrieb überführen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* OAIS-Funktionen organisatorisch zuordnen und mit den NDSA-Reifegradstufen schrittweise umsetzen.&lt;br /&gt;
* mindestens zwei räumlich getrennte Speicherkopien, regelmäßige Fixity Checks (Prüfung der Dateiunverändertheit über Prüfsummen) und Wiederherstellungstests etablieren;&lt;br /&gt;
* Masterdateien, Derivate, Metadaten, Rechte und technische Ereignisse verknüpfen;&lt;br /&gt;
* Verantwortungen bei Trägerwechsel oder Projektende vertraglich sichern;&lt;br /&gt;
* audiovisuelle Daten nach IASA-Empfehlungen behandeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Präsentation zielgruppenspezifisch entwickeln ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Gemeinsame Suche und verständliche Basiskontexte in Deutsch, Ober- und Niedersorbisch sowie ausgewählte englische Zugänge bereitstellen.&lt;br /&gt;
* Nicht jeden Datensatz vollständig in vier Sprachen übersetzen; stattdessen Oberfläche, Kernelemente, kontrollierte Begriffe und besonders relevante Inhalte priorisieren und Übersetzungsstatus sichtbar machen.&lt;br /&gt;
* Bildungs- und Forschungsnutzung in Pilotkooperationen testen.&lt;br /&gt;
* IIIF und Programmierschnittstellen dort einsetzen, wo sie einen konkreten Mehrwert für Anzeige, Zitation oder Datenbezug schaffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.5 Langfristige Aufgaben: ab 2030 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Regelmäßige Daten- und Formatmigrationen, Sicherheitsprüfungen und Erneuerung der Infrastruktur finanzieren.&lt;br /&gt;
* Erfolg anhand eines stabilen Kennzahlensets messen: erfasste und archivierte Bestände, beteiligte Träger, Bearbeitungszeiten, Rechte-Rückstände, Nutzung, Downloads, Bildungsprojekte, wissenschaftliche Zitationen, Community-Zufriedenheit und Korrekturen.&lt;br /&gt;
* Born-digital-Kulturerbe wie Websites, digitale Fotosammlungen, Social-Media-Projekte, digitale Kunst und Software systematisch übernehmen.&lt;br /&gt;
* Repositoriumsprozesse gegebenenfalls auf eine externe Vertrauenswürdigkeitsprüfung oder Zertifizierung vorbereiten.&lt;br /&gt;
* Kooperationen mit nationalen und europäischen Aggregatoren ausbauen, ohne die sorbische Datenhoheit und sprachliche Sichtbarkeit aufzugeben.&lt;br /&gt;
* Alle drei bis fünf Jahre Governance, Standards, Prioritäten und Zugangsregeln gemeinsam überprüfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.6 Empfohlene Pilotprojekte ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Pilot&lt;br /&gt;
! Ziel&lt;br /&gt;
! Warum besonders sinnvoll&lt;br /&gt;
! Erfolgskriterien&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''1. Kulturregister-Pilot mit heterogenen Trägern'''&lt;br /&gt;
| Mindestmetadaten, Onboarding und föderierte Datenlieferung testen&lt;br /&gt;
| Deckt die reale Spannweite von Fachinstitution bis Ehrenamt ab&lt;br /&gt;
| Mindestens 3–5 Träger liefern exportfähige, verständliche Datensätze; Aufwand und Hilfebedarf sind gemessen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''2. Gefährdete sorbische Ton- und Videobestände'''&lt;br /&gt;
| Priorisierung, Digitalisierung, Transkription, Rechte und Archivierung zeitkritischer Medien&lt;br /&gt;
| Hohe Verlustgefahr und großer Sprachwert; Anknüpfung an Tobar an Dualchais, PARADISEC und Indigitization&lt;br /&gt;
| Definierte Masterdateien, geprüfte Übergabe, zweisprachige Erschließung, Nutzungsfall für Bildung/Forschung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''3. Sensibles und immaterielles Kulturerbe'''&lt;br /&gt;
| Abgestufte Rechte und Community-Entscheidungen an Interviews, Bräuchen oder Familienmaterial erproben&lt;br /&gt;
| Testet Governance statt nur Technik&lt;br /&gt;
| Dokumentierte Freigabewege, mehrere Zugangsstufen, Takedown-Prozess und Community-Abnahme&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''4. Durchgängige Vier-Säulen-Kette'''&lt;br /&gt;
| Datenfluss vom Register bis zur Präsentation ohne manuelle Medienbrüche testen&lt;br /&gt;
| Macht Schnittstellen- und Verantwortungsprobleme früh sichtbar&lt;br /&gt;
| Identifikatoren und Rechte bleiben durchgängig erhalten; Übergaben sind reproduzierbar&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''5. Migrations- und Ausstiegstest'''&lt;br /&gt;
| Vollständigen Export eines Pilotbestands in ein neutrales Format und Wiederimport prüfen&lt;br /&gt;
| Reagiert direkt auf das LAAL- und RRN-Lernfeld technischer Alterung&lt;br /&gt;
| Dateien, Beziehungen, Rechte, Sprachwerte und Identifikatoren bleiben erhalten; Dokumentation ist für anderen Betreiber nutzbar&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.7 Mindestanforderungen vor jeder Beschaffung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor der Entscheidung für eine konkrete Software sollten folgende Punkte verbindlich beantwortet sein:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Welche Funktion der vier Säulen soll die Software erfüllen – und welche ausdrücklich nicht?&lt;br /&gt;
# Wer ist fachlich, technisch und rechtlich verantwortlich?&lt;br /&gt;
# Wie werden Ober- und Niedersorbisch in Oberfläche, Datenfeldern, Suche und Export behandelt?&lt;br /&gt;
# Welche vollständigen Daten- und Dateiexporte sind jederzeit möglich?&lt;br /&gt;
# Wie bleiben Identifikatoren und Beziehungen bei einem Systemwechsel erhalten?&lt;br /&gt;
# Welche Rechte- und Sichtbarkeitsstufen lassen sich abbilden?&lt;br /&gt;
# Wie werden Community-Ergänzungen von institutionellen Ausgangsdaten unterschieden, ohne sie abzuwerten?&lt;br /&gt;
# Wo liegen Masterdateien und wer prüft ihre Integrität?&lt;br /&gt;
# Welche wiederkehrenden Lizenz-, Hosting-, Speicher-, Wartungs- und Personalkosten entstehen über mindestens zehn Jahre?&lt;br /&gt;
# Was geschieht bei Anbieterwechsel, Projektende, Insolvenz oder Wegfall einer Förderung?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.8 Übertragbarkeit differenziert bewertet ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Direkt übertragbare Ansätze ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* funktionale Trennung von Register, Digitalisierung, Repositorium und Präsentation;&lt;br /&gt;
* zentraler Service bei dezentraler Trägerschaft;&lt;br /&gt;
* gemeinsamer Metadatenkern mit fachlichen Erweiterungen;&lt;br /&gt;
* abgestufte Zugänge und getrennte rechtliche/kulturelle Prüfung;&lt;br /&gt;
* Pilotierung mit heterogenen Trägern;&lt;br /&gt;
* Betreiber- und Finanzierungsplanung vor Skalierung;&lt;br /&gt;
* Schulung, Helpdesk und Vorlagen für kleine Sammlungen;&lt;br /&gt;
* Exportfähigkeit und Migrationsplanung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Mit Anpassungen übertragbare Ansätze ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Mukurtu-Protokolle und Traditional Knowledge Labels: als Vorbild, aber mit sorbisch entwickelten Begriffen und deutscher beziehungsweise europäischer Rechtsprüfung;&lt;br /&gt;
* Nuohttis föderierte Architektur: gut übertragbar, jedoch mit deutlich kleinerem institutionellem Netz und zwei sorbischen Schriftsprachen;&lt;br /&gt;
* bavarikons Förder- und Qualitätsverfahren: in vereinfachter Form und mit wesentlich kleinerem Budget;&lt;br /&gt;
* PARADISECs Fachrepositorium: als Dienstemodell für gefährdete Medien, nicht in dessen globaler Größenordnung;&lt;br /&gt;
* People’s Collection Wales: Support- und Beteiligungsmodell, angepasst an kleinere Personalressourcen und vorhandene sorbische Institutionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Kaum unmittelbar übertragbare Ansätze ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* eine vollständig eigenständige technische Großinfrastruktur nach Maßstab eines Flächenlandes wie Bayern;&lt;br /&gt;
* ein internationaler Universitätsverbund mit hunderten Terabyte und weltweitem Einzugsbereich wie PARADISEC;&lt;br /&gt;
* die unveränderte Übernahme indigener Rechts- und Kulturkonzepte in den europäischen Minderheitenkontext;&lt;br /&gt;
* die Vorstellung, jedes lokale Haus müsse ein eigenes Langzeitarchiv oder hoch spezialisiertes Digitalisierungslabor betreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Risiken und Fehler, die vermieden werden sollten ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* '''Portal zuerst:''' Eine öffentlich sichtbare Website wird gebaut, bevor Datenpflege, Rechte und Langzeiterhaltung geregelt sind.&lt;br /&gt;
* '''Projektserver als Archiv:''' Dateien liegen nur in Arbeitsordnern, Clouds oder einem Content-Management-System.&lt;br /&gt;
* '''Ein System für alles:''' Register, Produktion, Archivierung und Präsentation werden technisch und organisatorisch untrennbar gekoppelt.&lt;br /&gt;
* '''Offen oder geschlossen:''' Fehlende Zwischenstufen führen entweder zu unnötiger Sperrung oder unangemessener Veröffentlichung.&lt;br /&gt;
* '''Standards ohne Hilfe:''' Ehrenamtliche Träger erhalten komplexe Vorgaben, aber keine Schulung, Zeit oder Nachbearbeitung.&lt;br /&gt;
* '''Zentralisierung der Deutung:''' Lokale und sprachräumliche Perspektiven werden durch ein einziges zentrales Beschreibungsschema verdrängt.&lt;br /&gt;
* '''Digitalisierung ohne Rechtebudget:''' Scans und Aufnahmen entstehen schneller als Einwilligungen, Prüfungen und Freigaben bearbeitet werden können.&lt;br /&gt;
* '''Abhängigkeit ohne Exit:''' Proprietäre Software oder Dienstleister werden gewählt, ohne vollständigen Export und getesteten Betreiberwechsel.&lt;br /&gt;
* '''Projektende ohne Betrieb:''' Förderziele zählen veröffentlichte Objekte, aber keine Stellen, Speicher-, Wartungs- und Migrationskosten nach Förderende.&lt;br /&gt;
* '''Mehrsprachigkeit nur im Menü:''' Die Oberfläche ist übersetzt, Datensätze, Suche, Vokabulare und redaktionelle Prozesse bleiben einsprachig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.9 Priorisierte Schlussfolgerung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wichtigste Lehre lautet nicht, möglichst schnell ein großes Portal zu füllen. Vorrang hat eine belastbare Arbeitsteilung:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Zuerst Regeln und Verantwortung:''' Governance, Rechte, Sprachmodell, Mindestmetadaten und Betreiber festlegen.&lt;br /&gt;
# '''Dann die sichere Kette:''' Register, Digitalisierungszentrum und Repositorium in einem Ende-zu-Ende-Pilot verbinden.&lt;br /&gt;
# '''Danach skalieren:''' Bestände risikobasiert digitalisieren, kleine Träger durch Dienste und Förderung einbinden.&lt;br /&gt;
# '''Erst darauf die breite Präsentation:''' Freigegebene Inhalte zielgruppengerecht, mehrsprachig und nachnutzbar anbieten.&lt;br /&gt;
# '''Dauerhaft überprüfen:''' Nutzung, Datenqualität, Rechte-Rückstände, Betriebskosten und Community-Zufriedenheit messen und Architektur weiterentwickeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit wird aus vier technischen beziehungsweise organisatorischen Säulen ein gemeinsames System: '''dezentrale kulturelle Verantwortung, zentral abgesicherte Dienste und eine verbindliche dauerhafte Finanzierung.'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== H. Verdichtungsvorschlag für den Konzeptabschnitt „Beispiele anderer Kulturen und Regionen“ ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den kurzen Wiki-Abschnitt wird eine Gliederung in höchstens vier Unterabschnitte empfohlen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Ziel und Auswahl:''' Warum der Vergleich durchgeführt wurde und warum kein universelles Idealmodell gesucht wird.&lt;br /&gt;
# '''Sieben aussagekräftige Beispiele:''' RomArchive, Nuohtti, People’s Collection Wales, Tobar an Dualchais, Euskariana, Mukurtu/Plateau Portal und Indigitization. Jedes Beispiel erhält einen kurzen Kontext, die zentrale Besonderheit und ein konkretes Learning.&lt;br /&gt;
# '''Schlussverdichtung:''' Vier Säulen, drei Fundamente und zwei Betriebsregeln.&lt;br /&gt;
# '''Prioritäten für die Sorben:''' Governance und Standards → Ende-zu-Ende-Pilot und Zielrepositorium → Verstetigung des Digitalisierungszentrums → skalierte Präsentation und Nachnutzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die sieben Beispiele decken die für den sorbischen Kontext wichtigsten Perspektiven ab:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Beispiel&lt;br /&gt;
! Zentrale Besonderheit&lt;br /&gt;
! Konkretes Learning für die Sorben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| RomArchive&lt;br /&gt;
| Minderheitenangehörige kuratieren und steuern; Betreiberübergang nach Projektphase&lt;br /&gt;
| Deutungshoheit und dauerhaften Träger von Beginn an verankern&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Nuohtti&lt;br /&gt;
| Föderierte Suche über verteilte Bestände und mehrere Staaten/Sprachen&lt;br /&gt;
| Kulturregister als verbindende Nachweisschicht statt Zwangszentralisierung bauen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| People’s Collection Wales&lt;br /&gt;
| Zweisprachige Plattform plus Schulung und Community-Unterstützung; unabhängige Evaluation&lt;br /&gt;
| Kleine Träger brauchen Helpdesk, Training und realistische Wirkungsmessung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Tobar an Dualchais&lt;br /&gt;
| Sicherung und sprachliche Erschließung gefährdeter Tonaufnahmen&lt;br /&gt;
| Audiovisuelle Bestände zeitlich priorisieren und mit Transkription verbinden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Euskariana&lt;br /&gt;
| Gemeinsamer Katalog, eigenes Repositorium und Anbindung externer Systeme über Standards&lt;br /&gt;
| Zwei Onboarding-Wege und ein schlanker gemeinsamer Metadatenkern&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mukurtu / Plateau Portal&lt;br /&gt;
| Kulturelle Protokolle, mehrere Perspektiven und abgestufte Zugänge&lt;br /&gt;
| Rechte und kulturelle Sensibilität als Datenmodell, nicht als spätere Einzelfallkorrektur&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Indigitization&lt;br /&gt;
| Zentrale Kompetenz, Training und Kleinprojektförderung bei dezentraler Durchführung&lt;br /&gt;
| Digitalisierungszentrum als Dienstleister und Befähiger für lokale Träger ausgestalten&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Zielumfang von etwa 1.200 bis 1.800 Wörtern ist ausreichend. Die ausführlichen Fallprofile, Matrix, Quellen und differenzierten Empfehlungen verbleiben auf dieser Anhangsseite. Dadurch bleibt der Konzepttext lesbar, während zentrale Aussagen überprüfbar belegt und vertieft werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_faq&amp;quot;&amp;gt;RomArchive (o. J.): ''Frequently Asked Questions''. [https://www.romarchive.eu/en/about/frequently-answered-questions/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_imprint&amp;quot;&amp;gt;Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma e. V. / RomArchive (o. J.): ''Imprint''. [https://www.romarchive.eu/en/imprint/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_kulturstiftung&amp;quot;&amp;gt;Kulturstiftung des Bundes (o. J.): ''RomArchive – Digital Archive of the Roma''. [https://www.kulturstiftung-des-bundes.de/en/programmes_projects/film_and_new_media/detail/romarchive.html Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_about&amp;quot;&amp;gt;Nuohtti / Digital Access to the Sámi Heritage Archives (o. J.): ''About Nuohtti''. [https://nuohtti.com/Content/about Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_uarctic&amp;quot;&amp;gt;University of the Arctic (2023): ''The Nuohtti service provides digital access to Sámi material in European archives''. [https://www.uarctic.org/news/2023/3/the-nuohtti-service-provides-digital-access-to-sami-material-in-european-archives/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_dataspace&amp;quot;&amp;gt;Mäkikalli, Maija / Leppälä, Oona (2024): ''Nuohtti platform improves accessibility to the digitised archives of Sámi cultural heritage''. European Collaborative Cloud for Cultural Heritage / Europeana. [https://www.dataspace-culturalheritage.eu/en/news/nuohtti-platform-improves-accessibility-to-the-digitised-archives-of-sami-cultural-heritage Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_eval&amp;quot;&amp;gt;Vittle, Kate / Haswell-Walls, Fran / Dixon, Tim; ERS Ltd. (2016): ''Evaluation of the Casgliad y Werin Cymru / People’s Collection Wales Digital Heritage Programme. Impact Report''. [https://www.gov.wales/sites/default/files/publications/2019-08/evaluation-of-the-peoples-collection-wales-digital-heritage-programme-impact.pdf PDF], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_support&amp;quot;&amp;gt;People’s Collection Wales (o. J.): ''Community Support''. [https://www.peoplescollection.wales/about-us/community-support Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_edinburgh&amp;quot;&amp;gt;University of Edinburgh (2024): ''Tobar an Dualchais / Kist o Riches''. [https://gaelic.ed.ac.uk/gaelic-collections/tobar-an-dualchais-kist-o-riches Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_funding2025&amp;quot;&amp;gt;Scottish Government (2025): ''Rediscovering lost Gaelic words''. [https://www.gov.scot/news/rediscovering-lost-gaelic-words/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_funding2026&amp;quot;&amp;gt;Scottish Government (2026): ''Boost for Gaelic language''. [https://www.gov.scot/news/boost-for-gaelic-language/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_opening&amp;quot;&amp;gt;University of Edinburgh (o. J.): ''Opening the Well''. [https://gaelic.ed.ac.uk/news/opening-the-well Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;euskariana_about&amp;quot;&amp;gt;Gobierno Vasco / Biblioteca Digital de Euskadi (o. J.): ''Acerca de Euskariana''. [https://www.euskariana.euskadi.eus/euskadibib/es/help/about.do Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;bavarikon_about&amp;quot;&amp;gt;bavarikon / Freistaat Bayern (o. J.): ''Über bavarikon''. [https://www.bavarikon.de/about Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;bavarikon_partner&amp;quot;&amp;gt;bavarikon / Freistaat Bayern (o. J.): ''Partner werden''. [https://www.bavarikon.de/becoming-partner Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;bavarikon_500k&amp;quot;&amp;gt;Bayerische Staatsbibliothek (2024): ''bavarikon knackt die halbe Million: 500.000 digitale Kulturschätze aus rund 170 bayerischen Einrichtungen sind weltweit zugänglich''. [https://www.bsb-muenchen.de/en/about-us/article/bavarikon-knackt-die-halbe-million-500000-digitale-kulturschaetze-aus-rund-170-bayerischen-einrichtungen-sind-weltweit-zugaenglich-6555/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_about&amp;quot;&amp;gt;Mukurtu CMS / Center for Digital Scholarship and Curation, Washington State University (o. J.): ''About / Mission, Core Features, Implementation and Sustainability''. [https://mukurtu.org/about/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_plateau&amp;quot;&amp;gt;Mukurtu CMS / Washington State University (o. J.): ''Plateau Peoples’ Web Portal''. [https://mukurtu.org/project/plateau-peoples-web-portal-showcase/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_dlib&amp;quot;&amp;gt;Christen, Kimberly / Merrill, Alex / Wynne, Michael (2017): ''A Community of Relations: Mukurtu Hubs and Spokes''. D-Lib Magazine, 23(5/6). [https://www.dlib.org/dlib/may17/christen/05christen.html Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_who&amp;quot;&amp;gt;Aṟa Irititja (o. J.): ''Who are we?'' [https://irititja.com/about-ara-irititja/who-are-we/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_approach&amp;quot;&amp;gt;Aṟa Irititja (o. J.): ''Community-Based Approach – The Aṟa Irititja Approach''. [https://irititja.com/archive/the-ara-irititja-approach/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_funding&amp;quot;&amp;gt;Aṟa Irititja (o. J.): ''Funding''. [https://irititja.com/challlenges/funding/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_background&amp;quot;&amp;gt;Charles Darwin University / Living Archive of Aboriginal Languages (o. J.): ''Background''. [https://livingarchive.cdu.edu.au/background/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_rights&amp;quot;&amp;gt;Charles Darwin University / Living Archive of Aboriginal Languages (o. J.): ''Copyright and IP issues''. [https://livingarchive.cdu.edu.au/copyright/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_home&amp;quot;&amp;gt;Charles Darwin University / Living Archive of Aboriginal Languages (o. J.): ''Home''. [https://livingarchive.cdu.edu.au/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_migration&amp;quot;&amp;gt;Christie, Michael (2022): ''Post-LAAL update''. Living Archive of Aboriginal Languages, 26.10.2022. [https://livingarchive.cdu.edu.au/post-laal-update/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;paradisec_about&amp;quot;&amp;gt;PARADISEC (o. J.): ''About us''. [https://www.paradisec.org.au/about-us/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;paradisec_home&amp;quot;&amp;gt;PARADISEC (2026): ''Pacific and Regional Archive for Digital Sources in Endangered Cultures – Home and current collection data''. [https://www.paradisec.org.au/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_about&amp;quot;&amp;gt;Reciprocal Research Network (o. J.): ''About''. [https://www.rrncommunity.org/pages/about Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_contact&amp;quot;&amp;gt;Reciprocal Research Network (o. J.): ''Contact Us / Steering Group''. [https://www.rrncommunity.org/pages/contact Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_home&amp;quot;&amp;gt;Reciprocal Research Network (2026): ''Home / What’s inside''. [https://www.rrncommunity.org/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_rowley&amp;quot;&amp;gt;Rowley, Susan (2013): ''The Reciprocal Research Network: The Development Process''. Museum Anthropology Review, 7(1–2). [https://scholarworks.iu.edu/journals/index.php/mar/article/view/2172 Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_about&amp;quot;&amp;gt;Indigitization (o. J.): ''About Us''. [https://www.indigitization.ca/about-2/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_toolkit&amp;quot;&amp;gt;Indigitization (o. J.): ''Indigitization Toolkit''. [https://www.indigitization.ca/toolkit/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_grant&amp;quot;&amp;gt;Indigitization (o. J.): ''Audio Cassette Digitization Grant''. [https://www.indigitization.ca/funding/audio-cassette-grant/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_funding&amp;quot;&amp;gt;Indigitization (o. J.): ''Funding''. [https://www.indigitization.ca/funding/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;unesco_doc_heritage&amp;quot;&amp;gt;UNESCO (2015): ''Recommendation concerning the preservation of, and access to, documentary heritage including in digital form''. [https://www.unesco.org/en/legal-affairs/recommendation-concerning-preservation-and-access-documentary-heritage-including-digital-form Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;unesco_participation&amp;quot;&amp;gt;UNESCO Intangible Cultural Heritage (o. J.): ''Involvement of communities, groups and individuals''. [https://ich.unesco.org/en/involvement-of-communities-0033 Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;unesco_ethics&amp;quot;&amp;gt;UNESCO Intangible Cultural Heritage (o. J.): ''Ethical Principles for Safeguarding Intangible Cultural Heritage''. [https://ich.unesco.org/en/ethics-and-ich-00866 Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;oais&amp;quot;&amp;gt;International Organization for Standardization (ISO) (2025): ''ISO 14721:2025 – Space data and information transfer systems – Open archival information system (OAIS) – Reference model'', 3. Ausgabe. [https://www.iso.org/standard/87471.html Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;ndsa&amp;quot;&amp;gt;National Digital Stewardship Alliance (2026): ''Levels of Digital Preservation, Version 2.1''. [https://www.ndsa.org/publications/levels-of-digital-preservation/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;care&amp;quot;&amp;gt;Global Indigenous Data Alliance (o. J.): ''CARE Principles for Indigenous Data Governance''. [https://www.gida-global.org/careprinciples Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;localcontexts&amp;quot;&amp;gt;Local Contexts (o. J.): ''Traditional Knowledge and Biocultural Labels and Notices''. [https://localcontexts.org/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;edm&amp;quot;&amp;gt;Europeana Pro (o. J.): ''Europeana Data Model Documentation''. [https://pro.europeana.eu/page/edm-documentation Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;oaipmh&amp;quot;&amp;gt;Open Archives Initiative (o. J.): ''OAI-PMH Frequently Asked Questions''. [https://www.openarchives.org/documents/FAQ.html Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;iiif&amp;quot;&amp;gt;IIIF Consortium (2021, laufend gepflegt): ''IIIF Presentation API 3.0''. [https://iiif.io/api/presentation/3.0/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;iasa&amp;quot;&amp;gt;International Association of Sound and Audiovisual Archives (IASA) (o. J.): ''Guidelines on the Production and Preservation of Digital Audio Objects (TC-04)''. [https://www.iasa-web.org/tc04/audio-preservation Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;digicher&amp;quot;&amp;gt;Europeana Foundation / European Collaborative Cloud for Cultural Heritage (2024): ''Discover the DIGICHer project''. [https://www.dataspace-culturalheritage.eu/en/news/discover-the-digicher-project Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/references&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Měrko Šenk</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://koncept.serbski-inkubator.de/index.php?title=12.3.A1_Vergleichende_Recherche_%E2%80%93_Digitalisierung_des_Kulturerbes_anderer_Kulturen_und_Regionen&amp;diff=1071</id>
		<title>12.3.A1 Vergleichende Recherche – Digitalisierung des Kulturerbes anderer Kulturen und Regionen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://koncept.serbski-inkubator.de/index.php?title=12.3.A1_Vergleichende_Recherche_%E2%80%93_Digitalisierung_des_Kulturerbes_anderer_Kulturen_und_Regionen&amp;diff=1071"/>
		<updated>2026-07-22T11:50:07Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Měrko Šenk: /* Architektur, Standards und Nachnutzung */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;''Anhang zu [[12.3 Digitalisierung des Kulturerbes]]''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
''Recherche- und Quellenstand: 20. Juli 2026''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Seite dokumentiert eine vergleichende Recherche zu Erfolgsmodellen, Grenzen und übertragbaren Lösungsbausteinen bei der Digitalisierung des Kulturerbes kleiner, autochthoner, indigener, sprachlicher und regional verteilter Gemeinschaften. Sie dient als ausführliche Beleg- und Arbeitsgrundlage für den Konzeptabschnitt [[12.3 Digitalisierung des Kulturerbes#Beispiele anderer Kulturen und Regionen|„Beispiele anderer Kulturen und Regionen“]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Wichtiger Hinweis zur Aussagekraft:''' Die Fallprofile trennen soweit möglich zwischen dokumentierten Tatsachen, Aussagen der Projektverantwortlichen und der hier vorgenommenen Bewertung. Viele Projekte veröffentlichen keine aktuellen Nutzungszahlen oder unabhängigen Wirkungsevaluationen. In diesen Fällen wird nicht allein aus einer ansprechenden Website auf Erfolg geschlossen. Wo eine Schlussfolgerung nur plausibel, aber nicht direkt belegt ist, ist sie als '''Bewertung''' oder '''Annahme''' gekennzeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Hinweis zur Erstellung:''' Die vorliegende Vergleichsrecherche wurde mit Unterstützung der Funktion „Deep Research“ von ChatGPT (Version GPT-5.6 Sol Pro) erstellt und anschließend redaktionell überarbeitet. Maßgeblich für die Nachvollziehbarkeit sind die jeweils angegebenen Quellen, während die daraus abgeleiteten Bewertungen und Schlussfolgerungen eine analytische Einordnung darstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
__TOC__&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== A. Zusammenfassung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die untersuchten Projekte zeigen kein universell ideales System. Erfolgreiche oder besonders lehrreiche Modelle kombinieren vielmehr unterschiedliche Bausteine entsprechend ihrer Gemeinschaft, Rechtslage, Bestandsstruktur und Ressourcen. Für den sorbischen Kontext sind vor allem folgende Erkenntnisse belastbar:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Funktionen klar trennen, Systeme aber verbinden.''' Register beziehungsweise Katalog, Digitalisierungsdienst, Repositorium beziehungsweise Langzeitarchiv und Präsentationssystem erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Erfolgreiche Verbünde verbinden diese Funktionen über Metadaten, Identifikatoren, Übergabeprozesse und Schnittstellen, statt alles in einem einzigen Portal zu vermischen.&lt;br /&gt;
# '''Gemeinschaftliche Steuerung ist keine Zusatzfunktion.''' RomArchive, Nuohtti, Mukurtu, Aṟa Irititja und das Reciprocal Research Network zeigen, dass Angehörige der jeweiligen Kultur an Auswahl, Beschreibung, Kontextualisierung, Zugangsregeln und strategischen Entscheidungen beteiligt sein müssen. Reine institutionelle „Beteiligung“ ohne festgelegte Entscheidungsrechte reicht nicht aus.&lt;br /&gt;
# '''Zentral ermöglichen, dezentral verantworten.''' Besonders übertragbar sind Modelle, bei denen eine zentrale Stelle Standards, Infrastruktur, Beratung, Qualitätssicherung, Schulung und gegebenenfalls Technik bereitstellt, während Kulturgutträger ihre Originale, lokalen Kenntnisse, Beziehungen zu Rechteinhabern und kulturellen Entscheidungen behalten.&lt;br /&gt;
# '''Ein Suchportal ist noch kein digitales Archiv.''' Nuohtti, Euskariana, bavarikon und das Plateau Peoples’ Web Portal aggregieren beziehungsweise präsentieren Inhalte aus verschiedenen Quellen. Die Langzeiterhaltung der Masterdateien muss davon getrennt geregelt sein. Mukurtu weist ausdrücklich darauf hin, dass eine Zugangsplattform nur ein Baustein eines umfassenderen Systems für Digitalisierung, Erhaltung und Betrieb ist.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
# '''Keine Massendigitalisierung ohne Zielarchiv und Rechteworkflow.''' Digitalisierung erzeugt dauerhafte Folgekosten. Vor einer Skalierung müssen Speicherort, Übernahmeprozess, Prüfsummen, Sicherung, Dateiformate, Metadaten, Rechte und spätere Migration festgelegt sein.&lt;br /&gt;
# '''Offenheit ist nicht binär.''' Erfolgreiche gemeinschaftlich gesteuerte Projekte arbeiten mit abgestuften Zugängen: öffentliches Metadatum, frei zugängliches Nutzungsdigitalisat, registrierter oder gemeinschaftsbezogener Zugang, zeitliche Sperre oder keine Online-Veröffentlichung. Zugänglichkeit und kulturelle Selbstbestimmung werden dadurch nicht als Gegensätze behandelt.&lt;br /&gt;
# '''Mehrsprachigkeit muss Teil der Datenarchitektur sein.''' Zweisprachige oder mehrsprachige Angebote wie People’s Collection Wales, Nuohtti, RomArchive, Euskariana und Aṟa Irititja zeigen, dass Sprachen nicht nur in der Oberfläche, sondern auch in Metadatenfeldern, kontrollierten Begriffen, Suchfunktionen, Transkriptionen und Verantwortlichkeiten berücksichtigt werden müssen.&lt;br /&gt;
# '''Kleine Träger brauchen Dienste, nicht nur Vorgaben.''' People’s Collection Wales und Indigitization belegen den Wert von Beratung, Schulung, Vorlagen, Pilotförderung, technischer Begleitung und „Train-the-Trainer“-Ansätzen. Ein Standard, den Ehrenamtliche oder kleine Einrichtungen ohne Hilfe nicht anwenden können, ist praktisch kein gemeinsamer Standard.&lt;br /&gt;
# '''Projektförderung kann den Aufbau finanzieren, nicht automatisch den Dauerbetrieb.''' RomArchive gelang der geplante Übergang an einen institutionellen Betreiber. Aṟa Irititja musste über Jahre um Verstetigung ringen; bei Indigitization ruht das frühere Förderprogramm für Audiokassetten; die Evaluation von People’s Collection Wales bezeichnete Finanzierungssicherheit als Kernproblem. Dauerverantwortung, Grundfinanzierung und technischer Erneuerungszyklus müssen daher vor einer breiten Skalierung geklärt werden.&lt;br /&gt;
# '''Pilotieren, messen, dann skalieren.''' Besonders sinnvoll sind Pilotvorhaben, die die gesamte Kette von der Erfassung über Rechteklärung und Digitalisierung bis zur Archivierung und Präsentation testen. Die Evaluation von People’s Collection Wales empfiehlt ausdrücklich einen Ablauf aus Bedarf, Pilot, Test, Auswertung und anschließender Skalierung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_eval&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daraus lässt sich ein prägnantes Zielmodell ableiten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Vier funktionale Säulen&lt;br /&gt;
! Leitfrage&lt;br /&gt;
! Kernaufgabe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''1. Register'''&lt;br /&gt;
| Was gibt es, wo befindet es sich, was bedeutet es und was ist prioritär?&lt;br /&gt;
| Institutionenübergreifender Nachweis, Kontext, Rechte- und Prioritätsinformationen; Verknüpfung verteilter Bestände.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''2. Digitalisierungsdienst'''&lt;br /&gt;
| Wie entstehen qualitätsgesicherte Digitalisate?&lt;br /&gt;
| Beratung, Auswahl geeigneter Verfahren, Digitalisierung, Qualitätsprüfung, Dienstleistersteuerung, Schulung und Hilfe für kleine Träger.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''3. Repositorium / digitales Langzeitarchiv'''&lt;br /&gt;
| Wie bleiben Masterdateien und Metadaten dauerhaft erhalten?&lt;br /&gt;
| Übernahme, Integritätskontrolle, redundante Sicherung, Dateiformatüberwachung, Migration, persistente Identifikatoren und dokumentierte Verantwortung.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''4. Präsentations- und Nutzungssysteme'''&lt;br /&gt;
| Was wird wem, in welcher Sprache und unter welchen Bedingungen zugänglich?&lt;br /&gt;
| Suche, Kontextualisierung, Bildung, Forschung, Download, Programmierschnittstellen und kreative Nachnutzung – abgestuft nach Rechten und kulturellen Regeln.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Merksatz:''' Das Register weiß, ''was'' und ''wo''; das Digitalisierungszentrum erzeugt und prüft; das Repositorium erhält; die Präsentation vermittelt und ermöglicht Nutzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese funktionale Vierertrennung bedeutet nicht zwingend vier Organisationen oder vier getrennte Beschaffungen. Digitalisierungszentrum und Repositorium können beispielsweise beim selben Träger liegen. Auftrag, Verantwortung, Budget, Qualitätskriterien und Betriebszusagen sollten dennoch getrennt benannt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== B. Stand der Forschung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== B.1 Vorhandene Modelle und Leitlinien ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Gesamtaufgabe „verteilt erfassen, priorisieren, digitalisieren, Metadaten zusammenführen, langfristig erhalten und verantwortungsvoll zugänglich machen“ existiert kein einzelnes, allgemein verbindliches End-to-End-Modell. Es gibt jedoch belastbare Teilmodelle, die zusammengedacht werden können:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die '''UNESCO-Empfehlung''' zur Erhaltung und Zugänglichkeit des dokumentarischen Erbes fordert institutionelle Auswahl- und Erhaltungsstrategien, fachgerechte Erschließung, Metadaten, Zusammenarbeit und rechtzeitige Maßnahmen für gefährdete digitale Bestände.&amp;lt;ref name=&amp;quot;unesco_doc_heritage&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Für immaterielles Kulturerbe verlangt die UNESCO die möglichst breite Beteiligung der Gemeinschaften und die Achtung üblicher Zugangsregeln. Die '''ethischen Grundsätze''' betonen die primäre Rolle der Gemeinschaften sowie freie, vorherige und informierte Zustimmung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;unesco_participation&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;unesco_ethics&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Das '''Referenzmodell OAIS (Open Archival Information System'''; deutsch: Referenzmodell für ein offenes Archiv-Informationssystem) beschreibt Rollen und Kernfunktionen eines digitalen Langzeitarchivs. „Offen“ bezeichnet dabei ein offen entwickeltes Referenzmodell, nicht einen zwingend offenen Zugang zu allen Inhalten.&amp;lt;ref name=&amp;quot;oais&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Die '''NDSA Levels of Digital Preservation''' (Reifegradstufen der National Digital Stewardship Alliance) bieten eine stufenweise, für kleinere Einrichtungen praktikable Orientierung zu Speicherorten, Integrität, Informationssicherheit, Metadaten und Dateiformaten. Die aktuelle Fassung 2.1 von März 2026 stellt ausdrücklich klar, dass nicht jede Sammlung überall die höchste Stufe erreichen muss.&amp;lt;ref name=&amp;quot;ndsa&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Die '''CARE Principles for Indigenous Data Governance''' – Collective Benefit, Authority to Control, Responsibility und Ethics, auf Deutsch etwa gemeinschaftlicher Nutzen, Kontrollbefugnis, Verantwortung und Ethik – ergänzen technische Offenheits- und Nachnutzungsprinzipien um kollektive Rechte und Verantwortlichkeiten.&amp;lt;ref name=&amp;quot;care&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* '''Local Contexts''' stellt Traditional Knowledge Labels und Biocultural Labels bereit, mit denen Gemeinschaften Hinweise zu Herkunft, kultureller Autorität, erlaubter Nutzung und besonderen Protokollen ergänzen können. Diese Instrumente ersetzen das staatliche Urheberrecht nicht, machen aber gemeinschaftsbezogene Erwartungen maschinen- und menschenlesbar.&amp;lt;ref name=&amp;quot;localcontexts&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Für '''Metadaten''' und Austausch stehen etablierte Bausteine zur Verfügung: '''Dublin Core''' für einfache Kernmetadaten, '''Europeana Data Model (EDM'''; Datenmodell der Europeana) für heterogene Kulturdatensätze, '''OAI-PMH (Open Archives Initiative Protocol for Metadata Harvesting'''; Protokoll zum Einsammeln von Metadaten), Programmierschnittstellen sowie '''IIIF (International Image Interoperability Framework'''; Standardfamilie zur interoperablen Präsentation von Bildern und zunehmend Audio/Video).&amp;lt;ref name=&amp;quot;edm&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;oaipmh&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;iiif&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Für audiovisuelle Bestände sind die '''IASA-TC-04'''-Richtlinien der '''International Association of Sound and Audiovisual Archives''' besonders relevant. Sie behandeln unter anderem Signalerfassung, Metadaten, Identifikatoren, Speicherung, kleine Einrichtungen und die Vergabe an Dienstleister.&amp;lt;ref name=&amp;quot;iasa&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== B.2 Vergleichende Forschung und Evaluation ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die belastbarsten Erkenntnisse entstehen aus einer Kombination aus technischen Dokumentationen, Projektberichten, wissenschaftlichen Fallstudien und unabhängigen Evaluationen. Besonders wertvoll ist die Evaluation von People’s Collection Wales, weil sie nicht nur Erfolge, sondern auch geringe Rücklaufzahlen, begrenzte Wirkungsnachweise, Finanzierungsrisiken, Rollenunklarheiten und den hohen Aufwand vermittelter Community-Arbeit offenlegt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_eval&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wissenschaftlich gut dokumentiert sind außerdem das gemeinschaftsbasierte Metadaten- und Zugangsmodell von Mukurtu und dem Plateau Peoples’ Web Portal sowie die kooperative Entwicklung des Reciprocal Research Network. Beide zeigen, dass Vertrauen, Vereinbarungen, parallel mögliche institutionelle und gemeinschaftliche Beschreibungen sowie fein abgestufte Zugänge organisatorisch ebenso wichtig sind wie die Software.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_dlib&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_rowley&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das EU-geförderte Forschungsprojekt DIGICHer untersucht seit 2024, wie Minderheitengemeinschaften – unter anderem Sámi, jüdische und ladinische Gemeinschaften – gerechter an der Digitalisierung und Repräsentation ihres Kulturerbes beteiligt werden können. Da das Projekt bis 2027 läuft, sind im Juli 2026 noch keine abschließenden, allgemein belastbaren Ergebnisse verfügbar. Es ist aber ein relevantes Anschlussvorhaben für die weitere Beobachtung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;digicher&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== B.3 Forschungslücken ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der Auswertung ergeben sich vier wiederkehrende Lücken:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Aktuelle, unabhängige Nutzungs- und Wirkungsevaluationen fehlen bei vielen Projekten.&lt;br /&gt;
# Die technische Präsentationsarchitektur ist häufig besser dokumentiert als die Verantwortung für Masterdateien, Migration und dauerhafte Finanzierung.&lt;br /&gt;
# Community-Beteiligung wird oft beschrieben, aber Entscheidungsrechte, Konfliktlösungen und Repräsentativität bleiben teilweise unklar.&lt;br /&gt;
# Es gibt zahlreiche Standards für Einzelaufgaben, aber wenig empirisch evaluierte Gesamtmodelle für kleine, institutionell verteilte Minderheiten mit ehrenamtlich betreuten Sammlungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Bewertung:''' Der Ansatz bei der Digitalisierung von Kulturerbe sollte deshalb nicht nach einer fertigen „Best-Practice-Software“ suchen. Zielführender ist eine belastbare Gesamtarchitektur aus &lt;br /&gt;
* ''Governance'', &lt;br /&gt;
* ''Diensten'', &lt;br /&gt;
* ''Mindeststandards'' und &lt;br /&gt;
* ''dauerhaftem Betrieb'', &lt;br /&gt;
in die geeignete vorhandene Softwareprodukte eingebunden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== C. Begründete Auswahl der Fallbeispiele ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Auswahl umfasst zwölf Fälle. Sie deckt europäische Minderheiten, indigene und gemeinschaftlich gesteuerte Modelle, regionale Verbünde, Sprach- und Audioarchive sowie problembehaftete Übergänge ab. Nicht jedes Projekt bildet die gesamte Prozesskette ab; gerade die Unterschiede machen sichtbar, welche Funktion jeweils gelöst wird und wo Lücken bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable sortable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Fall&lt;br /&gt;
! Gemeinschaft / Raum&lt;br /&gt;
! Modelltyp&lt;br /&gt;
! Besondere Relevanz für die Sorben&lt;br /&gt;
! Evidenzlage&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| RomArchive&lt;br /&gt;
| Roma und Sinti; transnational, Schwerpunkt Europa; Betrieb in Deutschland&lt;br /&gt;
| Kuratiertes, gemeinschaftsgeprägtes digitales Archiv&lt;br /&gt;
| Deutungshoheit, Übergabe vom Förderprojekt an einen dauerhaften Betreiber, Mehrsprachigkeit&lt;br /&gt;
| Mittel bis hoch: aktuelle Primärquellen; keine aktuelle unabhängige Wirkungsanalyse&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Nuohtti&lt;br /&gt;
| Sámi in Sápmi; Norwegen, Schweden, Finnland, historisch auch Russland&lt;br /&gt;
| Föderierter Suchdienst über Bestände vieler Institutionen&lt;br /&gt;
| Verteilte Bestände, mehrere Staaten und Sprachen, ethische Hinweise, Open-Source-Bausteine&lt;br /&gt;
| Mittel bis hoch: Projekt- und Betreiberquellen; belastbare Umfangsangaben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| People’s Collection Wales&lt;br /&gt;
| Walisische Bevölkerung und walisischsprachige Gemeinschaft; Wales, Vereinigtes Königreich&lt;br /&gt;
| Nationaler Verbund mit Community-Beiträgen und Schulung&lt;br /&gt;
| Zweisprachigkeit, kleine Träger, zentrale Unterstützung, unabhängige Evaluation&lt;br /&gt;
| Hoch für die untersuchte Förderphase; aktuelle Nutzungsdaten begrenzt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Tobar an Dualchais / Kist o Riches&lt;br /&gt;
| Gälisch- und Scots-sprachige Gemeinschaften; Schottland, Vereinigtes Königreich&lt;br /&gt;
| Digitales Oral-History- und Tonarchiv&lt;br /&gt;
| Gefährdete audiovisuelle Bestände, Sprache, Transkription, Bildung&lt;br /&gt;
| Mittel: aktuelle Bestands- und Förderangaben; keine umfassende unabhängige Evaluation&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Euskariana&lt;br /&gt;
| Baskische Kultur- und Sprachgemeinschaft; Projekt der Autonomen Gemeinschaft Baskenland, Spanien&lt;br /&gt;
| Staatlich getragenes Aggregations- und Zugangsportal&lt;br /&gt;
| Gemeinsamer Katalog, eigenes Repositorium plus Verlinkung, Standards und Europeana-Anbindung&lt;br /&gt;
| Mittel: gute offizielle Dokumentation; wenig unabhängige Wirkungsmessung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| bavarikon&lt;br /&gt;
| Regionales Kulturerbe Bayerns; keine Minderheitenplattform&lt;br /&gt;
| Staatlicher institutionsübergreifender Digitalisierungs- und Präsentationsverbund&lt;br /&gt;
| Betreiberverantwortung, Förderverfahren, Qualitätsanforderungen, Beteiligung vieler Einrichtungen&lt;br /&gt;
| Hoch für Organisation und Umfang; wegen Größenordnung nur teilweise übertragbar&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mukurtu und Plateau Peoples’ Web Portal&lt;br /&gt;
| Indigene Nationen des nordwestlichen Plateaus; USA&lt;br /&gt;
| Open-Source-Zugangsplattform und gemeinschaftlich kuratierter Verbund&lt;br /&gt;
| Kulturelle Protokolle, Traditional Knowledge Labels, mehrere Beschreibungen pro Objekt&lt;br /&gt;
| Hoch für Funktionsmodell und Governance; Betriebskapazität bleibt Voraussetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Aṟa Irititja&lt;br /&gt;
| Aṉangu der APY Lands; South Australia, Australien&lt;br /&gt;
| Gemeinschaftsbasiertes Multimediaarchiv und digitale Rückgabe&lt;br /&gt;
| Lokale Kontrolle, sensibler Zugang, mehrsprachige und niedrigschwellige Nutzung&lt;br /&gt;
| Mittel: detaillierte Eigendokumentation; Wirkungsnachweise überwiegend Selbstauskunft&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Living Archive of Aboriginal Languages&lt;br /&gt;
| Zahlreiche Aboriginal-Sprachgemeinschaften im Northern Territory, Australien&lt;br /&gt;
| Digitales Sprach- und Bildungsarchiv&lt;br /&gt;
| Rechteklärung, offene Lehrmaterialien, Master-/Nutzungsdateien, Migrationsrisiko&lt;br /&gt;
| Hoch für Prozess und Bestandsumfang; dokumentierte Einschränkung nach Systemwechsel&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| PARADISEC&lt;br /&gt;
| Viele kleine und gefährdete Sprachgemeinschaften, vor allem im Pazifikraum&lt;br /&gt;
| Universitärer Fachverbund für audiovisuelle Langzeiterhaltung&lt;br /&gt;
| Gefährdete Tonträger, professionelles Repositorium, verteilte Trägerschaft und Rückgabe von Kopien&lt;br /&gt;
| Hoch: große Bestände, aktuelle Berichte, Zertifizierung und Auszeichnungen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reciprocal Research Network&lt;br /&gt;
| First Nations der Nordwestküste von British Columbia; Kanada&lt;br /&gt;
| Föderierte Recherche- und Kooperationsplattform&lt;br /&gt;
| Institutionenübergreifende Suche, Vereinbarungen, Community-Wissen, technische Alterung&lt;br /&gt;
| Mittel bis hoch: aktuelle Bestandszahlen und Forschung; sichtbare Softwareversion von 2014&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Indigitization&lt;br /&gt;
| First Nations und weitere indigene Gemeinschaften in British Columbia; Kanada&lt;br /&gt;
| Kompetenz-, Schulungs- und Förderprogramm für dezentrale Digitalisierung&lt;br /&gt;
| Besonders nah am möglichen Dienstleistungsmodell eines sorbischen Digitalisierungszentrums&lt;br /&gt;
| Hoch für Förderphase 2013–2019; aktuelles Kassettenförderprogramm pausiert&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== D. Fallprofile ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.1 RomArchive – Digitales Archiv der Roma ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Roma sind eine transnationale, historisch in vielen europäischen und außereuropäischen Staaten lebende Minderheit mit vielfältigen Gruppen, Sprachen und Selbstbezeichnungen. Sinti sind eine unter anderem in Deutschland und Mitteleuropa beheimatete Gruppe. RomArchive ist deshalb keinem einzelnen Minderheitengebiet zugeordnet. Das Projekt wurde in Deutschland öffentlich gefördert und international mit überwiegend aus Roma bestehenden kuratorischen und beratenden Teams entwickelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RomArchive versteht sich als digitales Archiv für Kunst und Kulturen der Roma. Es erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern präsentiert kuratierte, repräsentative Bestände und wissenschaftliche Kontextualisierungen. Inhalte wurden von jeweils zuständigen kuratorischen Teams ausgewählt; kuratorische Teams und Beirat waren überwiegend mit Roma besetzt. Nach Angaben des Projekts wirkten rund 150 Personen aus 15 Staaten mit. Die Übergabe an eine Roma-Organisation war von Beginn der fünfjährigen Entwicklungsphase 2015–2019 an vorgesehen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_faq&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entwicklung wurde durch die Kulturstiftung des Bundes mit 3,75 Millionen Euro gefördert; weitere Unterstützer waren unter anderem die Bundeszentrale für politische Bildung, das Auswärtige Amt und das Goethe-Institut. Seit 2019 liegt der Betrieb beim Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg; die laufende Website nennt die Bundeszentrale für politische Bildung als Förderer.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_kulturstiftung&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_imprint&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Fachliche und technische Lösung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RomArchive verbindet kuratierte Themenbereiche, einen durchsuchbaren Archivbestand, biografische Akteursdaten und digitale Vermittlungsformate. Die Deutsche Kinemathek war für Konzeption und Vermittlung von digitaler Archivierung, Digitalisierung und Katalogisierung beteiligt. Die Website nutzt ein auf Django basierendes Content-Management-System; eine Verbindung zu Axiell Collections bindet das Sammlungsmanagement an die Präsentation an.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_imprint&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben veröffentlichten Materialien existiert ein internes Archiv, das auf begründete Anfrage für Forschung zugänglich ist. Dies ist ein einfaches, aber wichtiges Beispiel für abgestufte Zugänge. Das Angebot ist auf Deutsch, Englisch und Romanes verfügbar; die sprachliche Vielfalt des Romanes wird sichtbar gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Rechte, Beteiligung und nachweisbarer Erfolg ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die stärkste Leistung liegt in der kuratorischen und strategischen Beteiligung der Minderheit sowie in dem Anspruch, Fremdzuschreibungen durch selbst erzählte Gegennarrative zu korrigieren. Ethische Richtlinien und eine Sammlungspolitik wurden durch den internationalen Beirat mitentwickelt. Der Übergang vom zeitlich befristeten Entwicklungsprojekt an einen institutionellen Betreiber wurde tatsächlich vollzogen. Dass das Angebot im Juli 2026 weiterhin betrieben wird, ist ein belastbarer Nachhaltigkeitsindikator.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Aktuelle unabhängige Daten zu Nutzung, Reichweite, Aktualisierungsfrequenz und langfristiger digitaler Erhaltung der Masterdateien sind öffentlich nicht in ausreichender Tiefe dokumentiert. Die öffentliche Oberfläche ist stärker ein kuratiertes Archiv und Wissensportal als ein vollständiges Bestandsregister aller Roma-Kulturgüter. Die überwiegend restriktive Rechtekennzeichnung vieler Inhalte begrenzt kreative Nachnutzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* Minderheitenangehörige mit echten kuratorischen und strategischen Entscheidungsrechten;&lt;br /&gt;
* von Beginn an geplanter Betreiberübergang;&lt;br /&gt;
* Verbindung von Sammlungsdatenbank, kuratiertem Kontext und öffentlicher Präsentation;&lt;br /&gt;
* abgestufter Zugang zwischen öffentlicher Website und internem Forschungsarchiv;&lt;br /&gt;
* öffentliche Anschubförderung plus institutionelle Verankerung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwerte:''' &lt;br /&gt;
* Ein sorbisches Portal sollte nicht nur Objekte zeigen, sondern sorbische Perspektiven, Begriffe und Kontexte strukturell verankern. &lt;br /&gt;
* Für Kulturregister, Digitalisierungszentrum und Präsentation braucht es bereits in der Projektphase einen festgelegten dauerhaften Träger. &lt;br /&gt;
* Ein kuratorischer oder gemeinschaftlicher Beirat sollte nicht nur beraten, sondern definierte Entscheidungsrechte bei Auswahl, Beschreibung und sensiblen Inhalten erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.2 Nuohtti – Föderierter Zugang zum Sámi-Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Sámi sind ein indigenes Volk im nordeuropäischen Sápmi, das sich über Gebiete des heutigen Norwegens, Schwedens, Finnlands und Russlands erstreckt. Es gibt mehrere Sámi-Sprachen und unterschiedliche nationale Rechts- und Institutionsrahmen. Viele historische Quellen und Sammlungsobjekte befinden sich außerhalb von Sámi-Institutionen in europäischen Archiven, Bibliotheken und Museen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nuohtti ist ein Suchdienst, der digitalisierte Sámi-Materialien aus verschiedenen europäischen Gedächtnisinstitutionen zusammenführt. Er wurde im Projekt „Digital Access to the Sámi Heritage Archives“ von 2018 bis 2021 mit EU-Mitteln aus Interreg Nord entwickelt. Beteiligt waren die Sámi-Archive der norwegischen und finnischen Nationalarchive, das schwedische Reichsarchiv sowie Universitäten in Lappland, Oulu und Umeå; die Universität Lappland leitete das Projekt. Die Sámi-Parlamente Finnlands, Norwegens und Schwedens entsandten Mitglieder in die Steuerungsgruppe.&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_about&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_uarctic&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Vorgehen und Architektur ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor der technischen Umsetzung wurden einschlägige Bestände und Datenlieferanten kartiert. Nuohtti bündelt keine Originale und ersetzt die Quellsysteme nicht. Es normalisiert und indexiert Metadaten aus Archiven und Aggregatoren und führt Nutzerinnen und Nutzer zu den jeweiligen Digitalisaten. Eine Karte, eine Zeitleiste und mehrsprachige Suchoberflächen unterstützen den Zugang. Nach Projektangaben waren rund 30.000 Datensätze aus 32 Institutionen in fünf Sprachen zugänglich.&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_uarctic&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Technisch baut Nuohtti auf vorhandenen Open-Source- und öffentlichen Komponenten auf, darunter VuFind, Finna, RecordManager, Finto, Giellatekno, Apache Solr, Leaflet, OpenStreetMap und Nominatim. Daten werden unter anderem über nationale und europäische Aggregationswege eingebunden.&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Rechte, Ethik und Nachhaltigkeit ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nuohtti integriert ethische Hinweise in die Nutzung. Das ist besonders relevant, weil viele historische Beschreibungen und Sammlungen außerhalb der Sámi-Gemeinschaft und unter kolonialen Bedingungen entstanden. Nutzertests fanden unter anderem in Schulen und Bibliotheken statt. Nach dem Projekt wird der Dienst von den beteiligten Nationalarchiven weitergeführt; zugleich wird er im laufenden Projekt DIGICHer als Praxisbeispiel weiterentwickelt und untersucht.&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_dataspace&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Nuohtti löst vor allem den gemeinsamen Nachweis und Zugang. Die Digitalisierung, Rechteklärung und Langzeiterhaltung verbleiben überwiegend bei den Datenlieferanten. Unterschiedliche Datenqualität und historisch problematische Beschreibungen werden durch Aggregation nicht automatisch behoben. Aktuelle, öffentlich nachvollziehbare Nutzungszahlen sind begrenzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* föderierte Architektur statt erzwungener Zentralisierung aller Bestände;&lt;br /&gt;
* Bestands- und Datenquellenkartierung vor dem Portalbau;&lt;br /&gt;
* Beteiligung von Sámi-Parlamenten an der Steuerung;&lt;br /&gt;
* Wiederverwendung vorhandener Open-Source-Komponenten und nationaler Infrastrukturen;&lt;br /&gt;
* mehrsprachige, räumliche und zeitliche Suche;&lt;br /&gt;
* sichtbare ethische Kontextualisierung problematischer Bestände.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwerte:''' &lt;br /&gt;
* Das Register kann als föderierender Nachweis funktionieren: große Institutionen liefern Metadaten über Schnittstellen, kleine Träger können Daten direkt in einem zentral angebotenen System erfassen. &lt;br /&gt;
* Eine zentrale Suche muss nicht bedeuten, dass alle Originale oder alle Digitalisate zentral verwaltet werden. &lt;br /&gt;
* Historische Fremdbeschreibungen sollten als solche kenntlich gemacht und um sorbische Bezeichnungen sowie Community-Kontexte ergänzt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.3 People’s Collection Wales / Casgliad y Werin Cymru ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wales ist ein Landesteil des Vereinigten Königreichs mit eigener Regierung und einer starken nationalen sowie walisischsprachigen Identität. Walisisch und Englisch sind für das Angebot gleichberechtigte Arbeitssprachen. Das Projekt richtet sich nicht nur an professionelle Kulturinstitutionen, sondern auch an lokale Geschichtsgruppen, Vereine, Schulen und Einzelpersonen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
People’s Collection Wales ist eine zweisprachige digitale Plattform und ein begleitendes Unterstützungsprogramm, über das Nutzerinnen und Nutzer walisisches Kulturerbe entdecken, beitragen und vermitteln können. Getragen wird es als föderierte Partnerschaft von Amgueddfa Cymru – National Museum Wales, der National Library of Wales und der Royal Commission on the Ancient and Historical Monuments of Wales; finanziert wird das Programm durch die walisische Regierung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_eval&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Plattform wird durch kostenlose Beratung und Schulung ergänzt. Das aktuelle Unterstützungsangebot umfasst Projektplanung, Digitalisierung, Urheberrecht, Datenschutz, Metadaten und Oral History. Diese Kombination aus Technik und persönlicher Begleitung ist für kleine und ehrenamtliche Träger besonders relevant.&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_support&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Nachweisbarer Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die unabhängige Evaluation von 2016 stellte für die Förderphase 2014-2016 eine gestärkte föderierte Partnerschaft, eine kritische Masse an Inhalten, Fortschritte bei Community-Kompetenzen und eine hohe Vertrauenswürdigkeit des nichtkommerziellen Angebots fest. Externe Projekte sparten Ressourcen, weil sie eine vorhandene Plattform nutzen konnten. Zugleich wurden die gemessenen Wirkungen insgesamt als eher moderat beschrieben. Die Nutzerbefragung hatte nur 38 vollständige Antworten; wirtschaftliche und touristische Wirkungen waren damals nicht nachweisbar. Die Evaluation benannte Finanzierungssicherheit, klare Rollen, technische Stabilität, Marketing und dauerhaft finanzierbare Vor-Ort-Unterstützung als zentrale Herausforderungen. Vermittelte Sitzungen seien für bestimmte Zielgruppen unverzichtbar.&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_eval&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Programm existiert weiterhin und bietet aktuell Unterstützung an. Die verfügbaren Quellen belegen damit institutionelle Kontinuität, ersetzen aber keine neue unabhängige Wirkungsevaluation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* föderierte Trägerschaft mehrerer starker Institutionen;&lt;br /&gt;
* zweisprachige Plattform und Materialien;&lt;br /&gt;
* kostenlose Beratung, Metadaten- und Digitalisierungsschulungen;&lt;br /&gt;
* gemeinsamer technischer Dienst, den lokale Projekte nicht selbst entwickeln müssen;&lt;br /&gt;
* expliziter Pilot- und Lernansatz;&lt;br /&gt;
* unabhängige Evaluation mit offen benannten Grenzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwerte:''' &lt;br /&gt;
* Ein Digitalisierungszentrum sollte nicht nur Geräte betreiben, sondern ein sichtbares Serviceangebot für Heimatstuben, Vereine, Kirchengemeinden, Kommunen und Privatpersonen aufbauen: Erstberatung, Vorlagen, Rechtehilfe, Metadatenhilfe, mobile Einsätze, Schulungen und telefonische beziehungsweise digitale Sprechstunden. &lt;br /&gt;
* Für Obersorbisch und Niedersorbisch sollte Mehrsprachigkeit verbindlich geplant und finanziert werden. &lt;br /&gt;
* Erfolgsmessung darf sich nicht auf Objektzahlen beschränken, sondern sollte Kompetenzen, beteiligte Träger, Nachnutzung und Zufriedenheit erfassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.4 Tobar an Dualchais / Kist o Riches ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schottisch-Gälisch ist eine keltische Minderheitensprache, die vor allem in Schottland, besonders in den Highlands und auf den Inseln, gesprochen wird. Scots ist eine weitere historisch gewachsene Sprache beziehungsweise Sprachgruppe Schottlands. Das Projekt umfasst Aufnahmen auf Gälisch, Scots und Englisch und ist in den öffentlichen und kulturellen Institutionen Schottlands verankert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tobar an Dualchais / Kist o Riches macht mehr als 40.000 mündliche Aufnahmen zugänglich, die seit den 1930er Jahren in Schottland und darüber hinaus entstanden. Enthalten sind Erzählungen, Lieder, Musik, Gedichte und Sachinformationen. Ein bedeutender Teil stammt aus den School of Scottish Studies Archives der Universität Edinburgh; die physischen Originalbestände verbleiben in den Archiven.&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_edinburgh&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Vorhaben wird durch eine Partnerschaft kultureller und wissenschaftlicher Einrichtungen getragen und erhält wiederkehrend öffentliche Förderung. Die schottische Regierung bewilligte 2025 beispielsweise 35.000 Pfund für die fortlaufende Online-Sammlung gälischer und Scots-Materialien und 2026 weitere 14.127 Pfund für die Entwicklung des digitalen Archivs.&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_funding2025&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_funding2026&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Technische und fachliche Schwerpunkte ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Projekt konzentriert sich auf bedrohte zeitbasierte Medien und deren sprachliche Erschließung. Suchfelder nach Thema, Titel und beitragender Person erleichtern die Nutzung. Das ergänzende Vorhaben „Opening the Well“ transkribiert einen großen Bestand gälischer Erzählungen und verbindet Freiwilligenarbeit mit automatischer Spracherkennung. Dadurch werden Tonaufnahmen nicht nur erhalten, sondern durchsuchbar und für Sprachforschung sowie Bildung nachnutzbar.&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_opening&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Die öffentlich sichtbaren Förderungen sind überwiegend programm- oder projektbezogen. Sie belegen fortlaufende Unterstützung, aber keine vollständig transparente dauerhafte Grundfinanzierung des gesamten Betriebs. Rechteklärung, Transkription und Qualitätskontrolle bleiben bei umfangreichen historischen Tonbeständen dauerhafte Aufgaben. Eine umfassende unabhängige Evaluation mit aktuellen Nutzungsdaten wurde in dieser Recherche nicht gefunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* klare Priorität für gefährdete audiovisuelle Bestände;&lt;br /&gt;
* institutionelle Aufbewahrung der Originale und digitale öffentliche Vermittlung;&lt;br /&gt;
* Verbindung von Digitalisierung, sprachlicher Erschließung und Bildung;&lt;br /&gt;
* Kombination aus Fachinstitutionen, öffentlicher Förderung und freiwilliger Mitarbeit;&lt;br /&gt;
* sichtbare Mehrsprachigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwerte:''' &lt;br /&gt;
* Tonbänder, Kassetten, Filme und Videoformate sollten wegen Materialalterung und technischer Obsoleszenz gesondert priorisiert werden. &lt;br /&gt;
* Ein Pilot „Sorbische / wendische Stimmen und Lieder“ könnte Digitalisierung, Rechteklärung, obersorbische und niedersorbische Transkription, Übersetzung, Normdaten und Bildungsnutzung exemplarisch durchspielen. &lt;br /&gt;
* Automatische Spracherkennung kann unterstützen, ersetzt aber bei kleinen Sprachen keine fachliche und gemeinschaftliche Korrektur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.5 Euskariana – Digitales Portal zum baskischen Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Baskinnen und Basken leben beiderseits der spanisch-französischen Grenze. Baskisch (Euskara) ist eine eigenständige europäische Sprache mit mehreren Varietäten. Euskariana ist kein gesamtbaskisches staatenübergreifendes Projekt, sondern ein Angebot der Autonomen Gemeinschaft Baskenland in Spanien; es bezieht jedoch auch einschlägige Bestände aus Institutionen außerhalb dieser Region ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Euskariana wird von der Digitalen Bibliothek Euskadi innerhalb der baskischen Kulturverwaltung betrieben. Das Portal entsteht in Zusammenarbeit des baskischen Regierungsapparats mit den Provinzverwaltungen von Álava/Araba, Bizkaia und Gipuzkoa, Kommunen, Universitäten, kirchlichen und privaten Einrichtungen. Der Sammlungsschwerpunkt umfasst Werke baskischer Urheberinnen und Urheber, Veröffentlichungen aus Euskadi, weltweit entstandene Inhalte zu baskischen Themen sowie besonders Inhalte auf Baskisch oder in baskischer Übersetzung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;euskariana_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als staatlich getragenes Dauerangebot ist Euskariana stärker institutionell abgesichert als ein zeitlich begrenztes Förderprojekt. Öffentlich zugängliche Quellen benennen jedoch keine vollständigen jährlichen Betriebs- und Personalkosten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Architektur, Standards und Nachnutzung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Euskariana ist gleichzeitig gemeinsamer Katalog und Zugangsportal. Es integriert Datensätze aus Bibliotheksnetzen, Verbundkatalogen, Museen, Archiven, Hochschulrepositorien und internationalen Nationalbibliotheken. Digitale Objekte werden entweder im eigenen Repositorium bereitgestellt oder über Links in den Quellsystemen aufgerufen. Damit unterstützt das Projekt zwei Anbindungswege: zentrale Aufnahme und föderierte Verlinkung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;euskariana_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach offizieller Dokumentation nutzt Euskariana unter anderem MARC, Dublin Core (DC), METS, PREMIS und ALTO. Kurz erläutert: MARC dient vor allem bibliografischen Daten; Dublin Core beschreibt einen einfachen Metadatenkern; METS strukturiert digitale Objekte und Dateigruppen; PREMIS dokumentiert Erhaltungsinformationen; ALTO bildet Layout und erkannten Text digitalisierter Seiten ab. Die Standardisierung ermöglicht die Beteiligung an Europeana und die Verbindung zu weiteren spanischen und französischen Portalen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;euskariana_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Die offizielle Dokumentation ist technisch aussagekräftig, liefert aber wenig Informationen über Community-Entscheidungsrechte, abgestufte kulturelle Zugänge, aktuelle Nutzungszahlen oder eine unabhängige Wirkungsevaluation. Das Modell ist stärker verwaltungs- und institutionsgetrieben als gemeinschaftsgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* klar benannter öffentlicher Betreiber;&lt;br /&gt;
* Kooperation über Verwaltungs-, Institutions- und Sektorgrenzen hinweg;&lt;br /&gt;
* sowohl eigenes Repositorium als auch Einbindung externer Digitalisate;&lt;br /&gt;
* verbindliche internationale Metadaten- und Erhaltungsstandards;&lt;br /&gt;
* besondere Sichtbarkeit der Minderheitensprache;&lt;br /&gt;
* Anschluss an größere Aggregatoren wie Europeana.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwerte:''' &lt;br /&gt;
* Für ein Register sollte es mindestens zwei Onboarding-Wege geben: Kleine Träger erfassen beziehungsweise hinterlegen Daten und Dateien in zentral bereitgestellten Diensten; größere Einrichtungen liefern Daten aus eigenen Fachsystemen über Export oder Schnittstelle. &lt;br /&gt;
* Ein gemeinsames Kernprofil muss lokale Fachstandards nicht ersetzen, sondern deren wichtigste Angaben abbilden. &lt;br /&gt;
* Obersorbisch und Niedersorbisch sollten als eigenständige Sprachwerte, nicht nur als Übersetzungsvarianten von Deutsch, gespeichert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.6 bavarikon – Regionaler Digitalisierungs- und Präsentationsverbund ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Region und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bavarikon ist keine Minderheitenplattform, sondern das Kulturportal des Freistaats Bayern. Es ist dennoch relevant, weil es zeigt, wie ein Flächenland zahlreiche Museen, Archive, Bibliotheken, wissenschaftliche Einrichtungen und nichtstaatliche Träger in ein geregeltes Förder-, Qualitäts- und Präsentationsmodell einbindet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die grundsätzliche Ausrichtung und der Mitteleinsatz werden durch das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst sowie das Staatsministerium für Digitales bestimmt. Ein Rat mit 14 stimmberechtigten Mitgliedern aus unterschiedlichen Kultursparten entscheidet über neue Inhalte und berät zu Betrieb und Digitalisierungsstrategie. Die Bayerische Staatsbibliothek trägt den laufenden technischen, redaktionellen und organisatorischen Betrieb; das Leibniz-Rechenzentrum übernimmt das Hosting.&amp;lt;ref name=&amp;quot;bavarikon_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Partner können Digitalisierungsvorhaben beantragen. Die Bayerische Staatsbibliothek begleitet die Digitalisierung, wenn die Ergebnisse in hoher Qualität über bavarikon präsentiert werden. Für die Aufnahme existieren Kriterien, Metadatenhandreichungen, Qualitätsanforderungen für Digitalisate, Musterlisten und ein Vorantragsverfahren.&amp;lt;ref name=&amp;quot;bavarikon_partner&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Nachweisbarer Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Portal ging 2013 online und wird monatlich ergänzt. Im November 2024 meldete die Bayerische Staatsbibliothek mehr als 500.000 digitale Objekte aus rund 170 Einrichtungen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;bavarikon_500k&amp;quot;/&amp;gt; Die institutionelle Betreiberverantwortung, der geregelte Zugang zu Fördermitteln und die veröffentlichten Mindestanforderungen sind belastbare Erfolgsindikatoren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' bavarikon verfügt über die Ressourcen eines deutschen Flächenlandes und einer großen Staatsbibliothek. Diese Größenordnung ist für die Sorben nicht direkt übertragbar. Das Portal ist primär Präsentations- und Förderinfrastruktur; aus den öffentlichen Unterlagen lässt sich nicht ableiten, dass bavarikon für sämtliche Masterdateien aller Partner allein die vollständige Langzeiterhaltung übernimmt. Community-Governance und kulturell abgestufte Zugänge stehen nicht im Mittelpunkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* dauerhaft benannter zentraler Betreiber und leistungsfähiges Rechenzentrum;&lt;br /&gt;
* spartenübergreifendes Entscheidungsgremium;&lt;br /&gt;
* geregeltes Förder- und Auswahlverfahren;&lt;br /&gt;
* publizierte Mindeststandards und Vorlagen;&lt;br /&gt;
* zentrale fachliche Begleitung bei dezentralen Beständen;&lt;br /&gt;
* kontinuierlicher Ausbau statt einmaliger Portalveröffentlichung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Übertragbar ist nicht die Größenordnung, sondern die Verfahrenslogik: ein transparentes Antrags- und Priorisierungsverfahren, verbindliche Lieferpakete, klare Qualitätskontrollen und ein zentraler Ansprechpartner. Ein sorbischer Digitalisierungsfonds könnte kleinere, klar abgegrenzte Vorhaben fördern, sofern Rechte, Metadaten, Zielrepositorium und spätere Nutzung vorab geklärt sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.7 Mukurtu und Plateau Peoples’ Web Portal ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mukurtu entstand aus einer Zusammenarbeit mit der Warumungu-Gemeinschaft in Australien und wurde zu einer frei verfügbaren Plattform für indigene Gemeinschaften weiterentwickelt. Das hier besonders betrachtete Plateau Peoples’ Web Portal betrifft acht indigene Nationen des nordwestlichen Plateaus in den USA, darunter Spokane, Colville, Umatilla, Coeur d’Alene, Warm Springs, Yakama, Confederated Salish and Kootenai Tribes und Nez Perce. Diese Nationen besitzen jeweils eigene politische und kulturelle Strukturen innerhalb der Vereinigten Staaten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mukurtu CMS (Content-Management-System; deutsch: System zur Verwaltung und Veröffentlichung von Inhalten) wird am Center for Digital Scholarship and Curation der Washington State University als Open-Source-Software entwickelt und gepflegt. Die Entwicklung wurde unter anderem durch die National Endowment for the Humanities, das Institute of Museum and Library Services, die Mellon Foundation und die National Science Foundation gefördert.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_about&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_plateau&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Plateau Peoples’ Web Portal ist ein konkreter Verbund zwischen den beteiligten Stämmen, der Washington State University und externen Gedächtnisinstitutionen. Stammesvertreterinnen und -vertreter wählen und kuratieren Materialien; die technische Pflege liegt bei der Universität in Partnerschaft mit indigenen Programmen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_plateau&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Rechte- und Metadatenmodell ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mukurtu unterstützt Traditional Knowledge Labels, fein abgestufte kulturelle Protokolle und mehrere parallele Beschreibungen zu einem Objekt. Eine Institution kann beispielsweise eine archivische Beschreibung liefern, während eine Gemeinschaft eigene Namen, Erzählungen, Herkunftsangaben und Zugangsregeln ergänzt. Der „Roundtrip“-Mechanismus ermöglicht den Export angereicherter Daten, ohne ursprüngliche Metadaten zu verlieren.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wissenschaftliche Dokumentationen des Plateau-Portals beschreiben ein Hub-and-Spoke-Modell – also einen zentralen technischen Knoten mit mehreren institutionellen und gemeinschaftlichen Zulieferern – sowie Vereinbarungen zwischen Partnern, Dublin-Core-Metadaten und granulare Zugangsregeln.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_dlib&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Portal demonstriert dauerhaft, dass kulturelle Selbstbestimmung technisch nicht nur durch „öffentlich“ oder „geschlossen“ abgebildet werden muss. Es ermöglicht mehrere Wissensordnungen neben- statt untereinander. Die Plattform ist Open Source und exportfähig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Open Source bedeutet nicht kostenlosen Betrieb. Installation, Aktualisierung, Hosting, Rechtekonzeption, Datenmigration und Support benötigen dauerhaft qualifiziertes Personal. Mukurtu weist selbst ausdrücklich darauf hin, dass es eine Zugangsplattform und nur ein Bestandteil eines größeren Systems für Digitalisierung, Erhaltung und Nachhaltigkeit ist.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_about&amp;quot;/&amp;gt; Die Übernahme von Traditional Knowledge Labels in den sorbischen Kontext wäre nicht eins zu eins möglich, weil kulturelle und rechtliche Ausgangslagen verschieden sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* kulturelle Protokolle als Kern der Daten- und Zugangslogik;&lt;br /&gt;
* mehrere Beschreibungen und Perspektiven pro Objekt;&lt;br /&gt;
* exportfähige Daten statt Plattformbindung;&lt;br /&gt;
* Partnerschaftsvereinbarungen und konkrete Rollen;&lt;br /&gt;
* dauerhafte technische Trägerschaft durch eine Universität;&lt;br /&gt;
* Community-Kuration statt bloßer Rückmeldung nach Veröffentlichung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Im Kulturregister sollte neben institutionellen Angaben Raum für sorbische Bezeichnungen, lokale Varianten, Erinnerungen und Korrekturen bestehen. Rechte- und Sichtbarkeitsstufen müssen pro Datensatz und möglichst pro Mediendatei modelliert werden. Ein Sorbisches Kulturregister könnte zunächst ein eigenes, rechtlich passendes Set von „Kulturhinweisen“ entwickeln, etwa „nur Metadaten öffentlich“, „Nutzung nur nach Rücksprache“, „innergemeinschaftlich“, „zeitlich gesperrt“ oder „freie Nachnutzung erwünscht“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.8 Aṟa Irititja – Gemeinschaftsbasiertes Aṉangu-Archiv ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aṉangu ist eine Selbstbezeichnung von Ngaanyatjarra-, Pitjantjatjara- und Yankunytjatjara-Gemeinschaften im zentralen Australien. Aṟa Irititja arbeitet vor allem in den Aṉangu Pitjantjatjara Yankunytjatjara Lands (APY Lands) im Nordwesten des Bundesstaats South Australia. Die Gemeinschaften sind australischen staatlichen Strukturen zugehörig, verfügen aber über eigene Land- und Organisationsstrukturen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Entstehung, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Projekt entstand 1994 als sozialgeschichtliches Vorhaben der Pitjantjatjara Council Aboriginal Corporation. Es arbeitet mit Schulen, Bildungszentren, Gesundheits-, Frauen-, Medien-, Land- und Kunstorganisationen in den APY Lands zusammen. Ein zentrales Büro in Adelaide bearbeitet Datenbank, Digitalisierung, physische Lagerung und Verwaltung; ein Büro in Alice Springs hält den Kontakt zu Gemeinschaften und ergänzt Sprach-, Familien- und Kontextinformationen. Seit 2020 steht das Projekt unter dem Dach der APY-Organisation und wird durch deren Executive Board gesteuert.&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_who&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Finanzierung war über lange Zeit eine Mischung aus staatlichen Programmen, Stiftungen, Spenden sowie jährlichen Beiträgen beteiligter Schulen und Community-Organisationen. Die eigene Projektdokumentation bezeichnet die langfristige Finanzierung ausdrücklich als dauerhaftes Problem. Mit der Eingliederung in APY wurden 2020 drei permanente Teilzeitstellen geschaffen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_funding&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Fachliche Lösung, Rechte und Zugang ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aṟa Irititja wurde auf Wunsch der Gemeinschaften entwickelt, um kulturelle Geschichte zu bewahren und zurückzugeben. Das Multimediaarchiv umfasst Fotos, Dokumente, Filme, Tonaufnahmen und Objekte. Die Software sollte kulturelle Einschränkungen abbilden und zugleich für Nutzerinnen und Nutzer mit begrenzter Schriftkompetenz oder eingeschränktem Sehvermögen leicht bedienbar sein. Inhalte werden in Ngaanyatjarra, Pitjantjatjara, Yankunytjatjara und Englisch bereitgestellt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_approach&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_who&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gemeinschaftsmitglieder und kulturelle Berater beurteilen sensible Inhalte und Zugangsregeln. Der Ansatz der „digitalen Rückgabe“ bringt digitale Kopien und Nutzungsmöglichkeiten zu den Gemeinschaften zurück, auch wenn Originale in Museen oder anderen Institutionen verbleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Betrieb seit 1994, die Eingliederung in eine Aṉangu-geführte Organisation und die dauerhafte Nutzung in Schulen und Gemeinschaftseinrichtungen sind starke Nachhaltigkeitsindizien. Die Dokumentation beschreibt intergenerationelle Nutzung, Schulungen und Beschäftigung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Viele Wirkungsangaben stammen vom Projekt selbst. Unabhängige aktuelle Evaluationen und detaillierte technische Angaben zur Langzeiterhaltung sind begrenzt. Die langjährige Finanzierungssuche zeigt, dass kulturelle Bedeutung allein keinen verlässlichen Betriebsetat garantiert. Zentraler Betrieb in Adelaide schafft Fachlichkeit, kann aber Distanz zu abgelegenen Gemeinschaften erzeugen; deshalb bleibt die lokale Kontakt- und Trainingsstruktur wesentlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* Entwicklung aus einem ausdrücklichen Wunsch der Gemeinschaft;&lt;br /&gt;
* institutionelle Unterstellung unter eine gemeinschaftseigene Organisation;&lt;br /&gt;
* lokale Ansprechpartner und zentrale Facharbeit;&lt;br /&gt;
* kulturell abgestufte Zugänge;&lt;br /&gt;
* mehrsprachige, visuell einfache Oberfläche;&lt;br /&gt;
* Verbindung von digitaler Rückgabe, Bildung und Kompetenzaufbau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Auch im sorbischen Kontext sollten Nutzeroberflächen nicht nur für wissenschaftliche Fachkräfte gestaltet werden. Lokale Sammlungsbetreuerinnen und -betreuer brauchen einfache Erfassungswege, visuelle Hilfen und persönliche Unterstützung. Sensible Inhalte – etwa private Familienaufnahmen, religiöse Praktiken, personenbezogene Überlieferung oder nicht für eine allgemeine Öffentlichkeit bestimmte Aufzeichnungen – benötigen ein gemeinsam beschlossenes Zugangsmodell. Zentraler Betrieb muss durch lokale Beziehungen ergänzt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.9 Living Archive of Aboriginal Languages (LAAL) ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Living Archive of Aboriginal Languages bündelt Literatur aus zahlreichen Aboriginal-Sprachgemeinschaften des Northern Territory in Australien. Es handelt sich nicht um eine einzige Minderheit, sondern um viele eigenständige Sprach- und Kulturgemeinschaften. Ein großer Teil der Bücher entstand zwischen den 1970er Jahren und dem Ende bilingualer Bildungsprogramme in lokalen Literature Production Centres.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Projekt begann 2012 unter Leitung der Charles Darwin University mit der Australian National University und dem Bildungsressort des Northern Territory. Es wurde durch die Australian Research Council Linkage Infrastructure, Equipment and Facilities Scheme gefördert. Eine zweite Förderphase erweiterte den Bestand und die Community- sowie Bildungsarbeit; weitere Partner kamen hinzu.&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_background&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Vorgehen umfasste das Auffinden verstreuter Bücher, Auswahl und Digitalisierung, Kontakt zu Autorinnen, Autoren und Illustratoren, Rechteklärung sowie Rückspiegelung in die Herkunftsgemeinschaften. Gemeinschaftsmitglieder konnten Texte prüfen und Geschichten oder Tonaufnahmen ergänzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Dateien, Rechte und Zugang ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für jeden Titel wurden Nutzungsdateien wie PDF, Textdatei und Vorschaubild erstellt; seitenweise TIFF-Masterdateien dienten der Langzeitaufbewahrung. Eine kartenbasierte Oberfläche erleichterte auch Menschen mit geringer Schriftkompetenz die Suche.&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_background&amp;quot;/&amp;gt; Materialien wurden nur nach schriftlicher Einwilligung von Urheberinnen, Urhebern oder Nachkommen veröffentlicht. Das Projekt verwendete Creative-Commons-Lizenzen mit Einschränkungen, berücksichtigte indigene Kultur- und Informationsprotokolle und bot ein Takedown-Verfahren, also die vorläufige Entfernung bei Einwänden.&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_rights&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der aktuelle Bestand umfasst nach Projektangaben nahezu 4.000 Bücher in 50 Sprachen aus 40 Gemeinschaften. Die Materialien wurden in die Plattform Territory Stories von Library &amp;amp; Archives Northern Territory überführt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_home&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Erfolg, Problem und Lernwert ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
LAAL verbindet Sprachsicherung, Rechteklärung, offene Bildungsnutzung und echte Erhaltungsdateien. Das Projekt zeigt aber auch eine typische Migrationsgefahr: Nach der Überführung in Territory Stories funktionierte die speziell entwickelte Kartenoberfläche nicht mehr; das Projekt dokumentierte 2022, dass zunächst auf einen möglichen Ersatz gewartet werde.&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_migration&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Die sorgfältige Rechteklärung erzeugte einen beträchtlichen Rückstand nicht veröffentlichter Materialien; dies ist kein Projektversagen, sondern ein realer Zielkonflikt zwischen Geschwindigkeit und Zustimmung. Die Migration bewahrte Inhalte, verlor aber zumindest zeitweise eine für die Zielgruppen wichtige Zugangsfunktion. Die ursprüngliche Projektorganisation war stark förderabhängig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* systematische „Search-and-Rescue“-Phase für verstreute gefährdete Materialien;&lt;br /&gt;
* klare Trennung von Erhaltungs- und Nutzungsdateien;&lt;br /&gt;
* Veröffentlichung nur mit Einwilligung und Takedown-Verfahren;&lt;br /&gt;
* Beteiligung der Sprachgemeinschaften an Prüfung und Ergänzung;&lt;br /&gt;
* Bildungsnutzung und Offline-Zugriff;&lt;br /&gt;
* Übergabe an eine öffentliche Gedächtnisinstitution.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Für jede digitale Sammlung muss ein Migrations- und Exit-Plan festlegen, wie Daten, Rechteangaben, Identifikatoren und zielgruppenspezifische Funktionen beim Systemwechsel erhalten bleiben. Eine funktionierende Fachoberfläche darf nicht der einzige Ort sein, an dem Beziehungen zwischen Daten gespeichert sind. Rechteklärung sollte als eigenes Arbeitspaket mit Aufwand, Rückständen und Prioritäten geplant werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.10 PARADISEC – Facharchiv für gefährdete Sprachen und Kulturen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaften, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PARADISEC steht für Pacific And Regional Archive for Digital Sources in Endangered Cultures. Es ist kein Archiv einer einzelnen Minderheit, sondern bewahrt Forschungs- und Community-Aufnahmen vieler kleiner Sprach- und Kulturgemeinschaften, vor allem im Pazifikraum, aber auch weltweit. Der institutionelle Sitz liegt in Australien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Organisation, Finanzierung und Architektur ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PARADISEC ist ein Verbund der University of Sydney, der University of Melbourne und der Australian National University. Operative Aufgaben sind über die drei Standorte verteilt; ein externer Beirat unterstützt die Steuerung. Das Projekt wurde wesentlich durch den Australian Research Council und in jüngerer Zeit durch die Language Data Commons of Australia im Rahmen nationaler Forschungsinfrastruktur finanziert.&amp;lt;ref name=&amp;quot;paradisec_about&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;paradisec_home&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Archiv hat Verfahren für Übernahme, Katalogisierung, Digitalisierung und Erhaltung von Audio-, Text- und Bildmaterial entwickelt. Es nutzt Forschungsnetze und institutionelle Speicherinfrastruktur, archiviert Audio in Erhaltungsformaten und stellt stabile Katalogdaten bereit. Kopien wurden an Kulturzentren und Institutionen in Vanuatu, Neukaledonien, Papua-Neuguinea, Französisch-Polynesien, den Salomonen und Rapa Nui zurückgegeben.&amp;lt;ref name=&amp;quot;paradisec_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Nachweisbarer Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Juli 2026 weist PARADISEC rund 20.500 Stunden Audio, 4.000 Stunden Video, mehr als 320 Terabyte und Inhalte zu etwa 1.460 Sprachen aus. Es erhielt 2019 das CoreTrustSeal für vertrauenswürdige Repositorien und wurde 2024 bei den Digital Preservation Awards sowie 2025 mit einem Open Scholarship Award ausgezeichnet.&amp;lt;ref name=&amp;quot;paradisec_home&amp;quot;/&amp;gt; Die Kombination aus großem Bestand, langjährigem Betrieb, fachlichen Standards und konkreter Rückgabe an Herkunftsgemeinschaften ist ein starker Erfolgsnachweis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Ein universitärer Forschungsverbund verfügt über Kompetenzen und Infrastrukturen, die kleinen lokalen Trägern nicht direkt zur Verfügung stehen. Die Community-Beteiligung variiert je nach Depositor, Sammlung und Herkunftsgemeinschaft. Online-Zugriff kann in Regionen mit schwacher Internetversorgung oder ohne passende Sprache weiterhin schwierig sein. Auch ein erfolgreiches Facharchiv benötigt laufende Dritt- und Infrastrukturmittel sowie technische Erneuerung; PARADISEC arbeitet derzeit an einer Erneuerung seines Katalogs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* fachlich fokussiertes Repositorium für gefährdete audiovisuelle und sprachliche Materialien;&lt;br /&gt;
* verteilte institutionelle Trägerschaft mit gemeinsamem Verfahren;&lt;br /&gt;
* professionelle Erhaltungsstandards und Zertifizierung;&lt;br /&gt;
* stabile Identifikatoren und wissenschaftliche Zitierbarkeit;&lt;br /&gt;
* Rückgabe von Kopien und Kooperation mit regionalen Kulturzentren;&lt;br /&gt;
* langfristige Verbindung zu Forschungsinfrastruktur statt isoliertem Projektserver.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Für gefährdete Audio-, Video- und Sprachdaten sollte nicht jede kleine Einrichtung ein eigenes Langzeitarchiv aufbauen. Ein zentral betriebener, professioneller Repositoriumsdienst mit klaren Übernahmepaketen ist sinnvoll. Gleichzeitig müssen Kopien, Zugriffsrechte und nutzbare Arbeitsfassungen bei den sorbischen Kulturgutträgern verbleiben können. Zertifizierungsmodelle wie CoreTrustSeal können langfristig Orientierung geben, sollten aber erst nach Aufbau stabiler Prozesse angestrebt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.11 Reciprocal Research Network (RRN) ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Reciprocal Research Network betrifft kulturelle Objekte der First Nations der Nordwestküste von British Columbia in Kanada. Es wurde gemeinsam von der Musqueam Indian Band, der Stó:lō Nation beziehungsweise dem Stó:lō Tribal Council, der U’mista Cultural Society und dem Museum of Anthropology der University of British Columbia entwickelt. Zahlreiche internationale Museen liefern Daten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und technische Lösung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das RRN ist eine föderierte Recherche- und Kooperationsplattform. Es ermöglicht die gemeinsame Suche in institutionellen Sammlungen, persönliche und gemeinsame Forschungsprojekte, Dateiuploads und Diskussionen. Eine Steuerungsgruppe mit Vertreterinnen und Vertretern der beteiligten First Nations und des Museums ist weiterhin ausgewiesen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_about&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_contact&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wissenschaftliche Publikationen beschreiben den Aufbau als langfristigen Vertrauens- und Aushandlungsprozess. Vereinbarungen mit Partnerinstitutionen regelten Datenlieferung und Zusammenarbeit; agile Softwareentwicklung wurde mit unterschiedlichen Erwartungen und Entscheidungsrhythmen in Einklang gebracht.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_rowley&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Nachweisbarer Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Juli 2026 zeigt die Plattform Daten aus 29 Institutionen, mehr als 570.000 Objekte und 391.000 Fotografien sowie über 4.000 registrierte Mitglieder und fast 2.800 Projekte an.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_home&amp;quot;/&amp;gt; Diese Größenordnung belegt eine erhebliche institutionsübergreifende Aggregation und Nutzung der Arbeitsfunktionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Im Seitenfuß wird weiterhin die Softwareversion 1.8.3 mit Startdatum 22. November 2014 ausgewiesen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_contact&amp;quot;/&amp;gt; Das ist kein Beleg dafür, dass der Dienst beendet ist – die Plattform ist erreichbar und aktuelle Bestandszahlen werden angezeigt –, aber ein Warnsignal für Modernisierungs-, Sicherheits- und Wartungsrisiken. Detaillierte aktuelle Angaben zu Erhaltungsrepositorien und Betriebskosten sind öffentlich begrenzt. Das RRN ist vor allem Forschungs- und Zugangsplattform, nicht zwingend das Langzeitarchiv sämtlicher Quelldateien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* gemeinsame Entwicklung durch First Nations und Museum;&lt;br /&gt;
* föderierte Suche über internationale Sammlungen;&lt;br /&gt;
* dauerhafte Steuerungsgruppe;&lt;br /&gt;
* projektbezogene Kollaboration statt nur passiver Objektanzeige;&lt;br /&gt;
* formalisierte Partnerschaften und Aufbau von Vertrauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Ein sorbisches System kann mehr sein als ein Suchkatalog: Arbeitsbereiche für gemeinsame Erschließung, Korrekturen, Transkription, Übersetzung und Forschung erhöhen die aktive Nachnutzung. Solche Funktionen dürfen aber erst aufgebaut werden, wenn technische Wartung und Datenexport gesichert sind. Langfristige Kooperationsvereinbarungen sind wichtiger als einmalige Datenlieferungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.12 Indigitization – Dezentrale Digitalisierung mit zentraler Befähigung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Indigitization richtet sich an First Nations und weitere indigene Gemeinschaften in British Columbia, Kanada. Die Gemeinschaften verfügen über eigene Regierungen, Archive, Sprachprogramme und Kulturinstitutionen, arbeiten aber häufig mit begrenzten technischen und personellen Ressourcen. Viele gefährdete Tonaufnahmen befinden sich weiterhin lokal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Organisations- und Fördermodell ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Indigitization ist eine Kooperation indigener Gemeinschaften und Organisationen mit dem Irving K. Barber Learning Centre, dem Museum of Anthropology, dem Northern BC Archives der University of Northern British Columbia, der X̱wi7x̱wa Library und weiteren Einheiten der University of British Columbia. Das Programm entwickelt Ressourcen, führt Schulungen durch, berät zu Fördermitteln und unterstützt gemeinschaftsgeführte Digitalisierung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Werkzeugkasten entstand aus drei Pilotprojekten mit First Nations und verbindet deren Erfahrungen mit fachlichen Digitalisierungsstandards. Er enthält Planungshilfen, technische Anleitungen, Metadaten- und Dateiverfahren sowie Musterunterlagen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_toolkit&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von 2013 bis 2019 finanzierten Audiokassetten-Zuschüsse drei Pilot- und 45 Förderprojekte. Mehr als 11.464 Kassetten wurden digitalisiert; insgesamt wurden über 422.143 kanadische Dollar vergeben. Die Förderung umfasste ergänzende Mittel bis 10.000 Dollar je Vorhaben und intensive Schulung. Das spezifische Förderprogramm befindet sich derzeit in einer Pause, während Beratung, Workshops und Verweise auf weitere Programme fortgeführt werden.&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_grant&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_funding&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Rechte, Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Digitalisierungsprojekte verbleiben bei den Gemeinschaften; eine öffentliche Veröffentlichung war nicht zwingend. Auch protokollgebundene und nichtöffentliche Zugänge waren förderfähig. Das schützt lokale Kontrolle und stärkt Kompetenzen vor Ort. Die dokumentierten Objekt- und Förderzahlen sowie die fortbestehende Beratungsinfrastruktur belegen konkrete Wirkung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Dezentrale Digitalisierung garantiert noch keine langfristige Erhaltung. Jede Gemeinschaft braucht ein tragfähiges Speicher-, Sicherungs- und Migrationskonzept oder einen verlässlichen Repositoriumspartner. Die Pause des früheren Kassettenprogramms zeigt die Verwundbarkeit zeitlich begrenzter Förderlinien. Für kleine Teams kann die dauerhafte Anwendung technischer Standards trotz Schulung anspruchsvoll bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* zentrale Kompetenz, Vorlagen, Schulung und begrenzte Anschubfinanzierung;&lt;br /&gt;
* Durchführung und Kontrolle bei den lokalen Gemeinschaften;&lt;br /&gt;
* Pilotprojekte als Grundlage des Werkzeugkastens;&lt;br /&gt;
* praxisnahe Muster für Projektplan, Budget und Stellenprofil;&lt;br /&gt;
* kein Zwang zur allgemeinen Veröffentlichung;&lt;br /&gt;
* Netzwerk aus Hochschulen, Archiven und Community-Fachleuten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Dieses Modell kommt einer möglichen Rolle des sorbischen Digitalisierungszentrums besonders nahe. Die zentrale Stelle könnte mobile Technik, Leihgeräte, Schulung, Qualitätsprüfung, Dienstleisterrahmenverträge und Kleinprojektförderung bereitstellen. Lokale Träger behalten Originale, Auswahl, Kontext und Zugangsentscheidungen. Anders als bei rein dezentralen Ansätzen sollte im sorbischen Modell jedoch von Anfang an ein gemeinsames Repositorium oder ein verbindlicher Repositoriumsdienst angeschlossen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== E. Vergleichsmatrix ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== E.1 Funktionen, Architektur und Standards ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable sortable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Projekt&lt;br /&gt;
! Register / Katalog&lt;br /&gt;
! Digitalisierung&lt;br /&gt;
! Repositorium / Langzeiterhaltung&lt;br /&gt;
! Präsentation / Nachnutzung&lt;br /&gt;
! Technologie und Standards&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''RomArchive'''&lt;br /&gt;
| Kuratierter Sammlungsnachweis; kein Vollregister&lt;br /&gt;
| Auswahl und Digitalisierung in der Projektphase&lt;br /&gt;
| Interne und veröffentlichte Bestände; öffentliche Dokumentation der Langzeitprozesse begrenzt&lt;br /&gt;
| Themenarchive, Touren, Forschung; Deutsch, Englisch, Romanes; eingeschränkte Nachnutzung&lt;br /&gt;
| Axiell Collections, Django-Webanwendung, Connector zwischen Sammlung und Website&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Nuohtti'''&lt;br /&gt;
| Föderierter Metadatenindex aus vielen Archiven&lt;br /&gt;
| Erfolgt überwiegend bei Quellinstitutionen&lt;br /&gt;
| Verbleibt bei Datenlieferanten; Nationalarchive tragen Suchdienst weiter&lt;br /&gt;
| Mehrsprachige Suche, Karte, Zeitleiste; Verlinkung zu Quellen&lt;br /&gt;
| VuFind, Finna, RecordManager, Solr, Finto, Giellatekno, Leaflet, OpenStreetMap, Europeana-Wege&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''People’s Collection Wales'''&lt;br /&gt;
| Gemeinsame Plattform mit institutionellen und Community-Beiträgen&lt;br /&gt;
| Zentral unterstützte, teils lokale Digitalisierung; Schulungen&lt;br /&gt;
| In Evaluation als klärungsbedürftige Rolle benannt; nicht allein aus Portal abzuleiten&lt;br /&gt;
| Zweisprachiges Portal, Uploads, Lernangebote, Karten&lt;br /&gt;
| Gemeinsame Plattform; Metadaten-, Rechte- und Digitalisierungshilfen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Tobar an Dualchais'''&lt;br /&gt;
| Durchsuchbarer Katalog zu Tonaufnahmen&lt;br /&gt;
| Audio-Digitalisierung, Erschließung und Transkription&lt;br /&gt;
| Originale in institutionellen Archiven; digitale Erhaltung in Partnerstrukturen&lt;br /&gt;
| Mehr als 40.000 Aufnahmen; Sprache, Bildung, Forschung&lt;br /&gt;
| Audio-Workflows; Transkription und automatische Spracherkennung in Ergänzungsprojekten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Euskariana'''&lt;br /&gt;
| Integrierter Katalog aus Bibliotheken, Archiven, Museen und Repositorien&lt;br /&gt;
| Bei Partnern und in eigenen Programmen&lt;br /&gt;
| Eigenes Repositorium plus Links zu externen Repositorien&lt;br /&gt;
| Baskisch/spanisch; öffentliche Suche; Europeana-Anbindung&lt;br /&gt;
| MARC, Dublin Core, METS, PREMIS, ALTO; OAI-Zugang&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''bavarikon'''&lt;br /&gt;
| Gemeinsames Portal mit Partnerdaten&lt;br /&gt;
| Förderprogramm und fachliche Begleitung; zentrale Qualitätsprüfung&lt;br /&gt;
| Verantwortlichkeit für alle Masterdateien nicht einheitlich öffentlich dokumentiert&lt;br /&gt;
| Portalsuche, Ausstellungen, 3D, Bildungs- und Social-Media-Formate&lt;br /&gt;
| Verbindliche Metadaten- und Lieferhandreichungen; zentrales Hosting&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Mukurtu / Plateau Portal'''&lt;br /&gt;
| Institutionelle und Community-Datensätze zu denselben Objekten&lt;br /&gt;
| Nicht Kernfunktion; lokale beziehungsweise institutionelle Workflows&lt;br /&gt;
| Mukurtu ausdrücklich nur Zugangsbaustein; Erhaltung separat zu planen&lt;br /&gt;
| Protokollbasierter Zugang, Community-Erzählungen, Export&lt;br /&gt;
| Open Source auf Drupal-Basis; TK Labels; kulturelle Protokolle; Dublin Core; Roundtrip-Export&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Aṟa Irititja'''&lt;br /&gt;
| Zentraler Multimedia-Katalog mit lokalen Ergänzungen&lt;br /&gt;
| Zentral vorbereitet, mit Community-Kontaktstellen und historischer Formatrettung&lt;br /&gt;
| Physische und digitale Materialien zentral fachlich verwaltet; Details zu Erhaltungsstufen begrenzt&lt;br /&gt;
| Community-Zugänge, mehrsprachig, visuell niedrigschwellig; digitale Rückgabe&lt;br /&gt;
| Speziell entwickelte beziehungsweise weiterentwickelte Wissensmanagement-Software; kulturelle Beschränkungen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''LAAL'''&lt;br /&gt;
| Sprach-, Orts-, Personen- und Titelnachweis&lt;br /&gt;
| Systematische Suche, Scan und Rechteklärung&lt;br /&gt;
| TIFF-Master; zunächst CDU eSpace, später Territory Stories&lt;br /&gt;
| PDFs, Textdateien, App, Bildung; ursprüngliche Kartenfunktion nach Migration verloren&lt;br /&gt;
| TIFF/PDF/TXT/JPG; persistente Kennungen im Zielsystem; Creative-Commons- und Takedown-Modell&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''PARADISEC'''&lt;br /&gt;
| Fachkatalog für audiovisuelle und sprachliche Sammlungen&lt;br /&gt;
| Professionelle Digitalisierung gefährdeter Medien&lt;br /&gt;
| Institutioneller Verbund; Erhaltungsformate, redundante Infrastruktur, CoreTrustSeal&lt;br /&gt;
| Online-Katalog, Forschung, Community-Zugang und Rückgabe von Kopien&lt;br /&gt;
| Internationale Archivstandards; stabile Identifikatoren; laufende Katalogmodernisierung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''RRN'''&lt;br /&gt;
| Föderierte Suche über Daten von 29 Institutionen&lt;br /&gt;
| Erfolgt primär bei Partnern&lt;br /&gt;
| Plattform ist kein einheitliches Langzeitarchiv aller Quellen&lt;br /&gt;
| Kollaborative Projekte, Diskussionen, Uploads und Recherche&lt;br /&gt;
| Föderierte Datenintegration, Programmierschnittstelle; sichtbare Plattformversion von 2014&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Indigitization'''&lt;br /&gt;
| Kein zentraler Gesamtkatalog als Hauptziel&lt;br /&gt;
| Dezentrale Digitalisierung mit zentraler Schulung, Geräten, Standards und Förderung&lt;br /&gt;
| Muss je Community beziehungsweise über Partner gelöst werden&lt;br /&gt;
| Community-interne oder öffentliche Nutzung nach lokalen Regeln&lt;br /&gt;
| Werkzeugkasten, Broadcast-Wave-Audio, Musterunterlagen und Trainingsworkflows&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== E.2 Governance, Finanzierung, Erfolg und Übertragbarkeit ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable sortable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Projekt&lt;br /&gt;
! Organisationsmodell&lt;br /&gt;
! Community-Beteiligung&lt;br /&gt;
! Finanzierung und dauerhafter Betrieb&lt;br /&gt;
! Nachweisbarer Erfolg&lt;br /&gt;
! Grenzen&lt;br /&gt;
! Übertragbarkeit auf die Sorben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''RomArchive'''&lt;br /&gt;
| Internationales Kuratorium/Beirat; seit 2019 Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma&lt;br /&gt;
| Überwiegend Roma in Kuratorien und Beirat; Auswahl und strategische Richtlinien&lt;br /&gt;
| Große öffentliche Anschubförderung; institutioneller Betreiber und laufende öffentliche Förderung&lt;br /&gt;
| Betreiberübergang vollzogen; seit 2019 online weitergeführt&lt;br /&gt;
| Kein Vollregister; wenige aktuelle Nutzungsdaten; Nachnutzung oft restriktiv&lt;br /&gt;
| '''Hoch''' für Governance, kuratierte Kontexte und Betreiberübergang&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Nuohtti'''&lt;br /&gt;
| Drei Nationalarchive plus Universitäten; föderierter Dienst&lt;br /&gt;
| Sámi-Parlamente in Steuerungsgruppe; ethische Leitlinien und Tests&lt;br /&gt;
| EU-Projekt; Weiterbetrieb durch Nationalarchive&lt;br /&gt;
| Rund 30.000 Datensätze, 32 Institutionen, fünf Sprachen; fortbestehender Dienst&lt;br /&gt;
| Datenqualität und Erhaltung bleiben verteilt; geringe aktuelle Wirkungsdaten&lt;br /&gt;
| '''Sehr hoch''' für Kulturregister und föderierte Suche&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''People’s Collection Wales'''&lt;br /&gt;
| Föderation dreier nationaler Einrichtungen&lt;br /&gt;
| Lokale Gruppen und Einzelpersonen liefern Inhalte; umfangreiche Unterstützung&lt;br /&gt;
| Walisische Regierung; Evaluation benennt Nachhaltigkeitsrisiko&lt;br /&gt;
| Dauerbetrieb, Community-Kompetenzen, kritische Masse; unabhängige Evaluation&lt;br /&gt;
| Moderate gemessene Wirkung; Vermittlung personalintensiv; 38 Survey-Antworten&lt;br /&gt;
| '''Sehr hoch''' für Servicezentrum, Zweisprachigkeit und Evaluation&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Tobar an Dualchais'''&lt;br /&gt;
| Partnerschaft kultureller und wissenschaftlicher Einrichtungen&lt;br /&gt;
| Sprachgemeinschaften, Beitragende und Freiwillige bei Erschließung/Transkription&lt;br /&gt;
| Wiederkehrende öffentliche Projekt- und Programmmittel&lt;br /&gt;
| Mehr als 40.000 Aufnahmen; laufende Weiterentwicklung&lt;br /&gt;
| Dauergrundfinanzierung und Rechteaufwand öffentlich nur teilweise sichtbar&lt;br /&gt;
| '''Hoch''' für gefährdete Medien und Spracherschließung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Euskariana'''&lt;br /&gt;
| Baskische Regierung mit öffentlichen und privaten Partnern&lt;br /&gt;
| Eher institutionell als gemeinschaftsgeführt&lt;br /&gt;
| Staatlicher Betrieb&lt;br /&gt;
| Breiter Quellenverbund, Standards, Europeana-Interoperabilität&lt;br /&gt;
| Wenig unabhängige Nutzungsevaluation; Community-Rechte kaum dokumentiert&lt;br /&gt;
| '''Hoch''' für Metadaten, Onboarding-Wege und Aggregation; '''mittel''' für Governance&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''bavarikon'''&lt;br /&gt;
| Ministerien, 14-köpfiger Rat, Bayerische Staatsbibliothek, Rechenzentrum&lt;br /&gt;
| Partnerinstitutionen im Rat; keine Minderheiten-Governance&lt;br /&gt;
| Dauerhafte Landesstruktur plus Projektförderung&lt;br /&gt;
| Über 500.000 Objekte aus rund 170 Einrichtungen; monatlicher Ausbau&lt;br /&gt;
| Große Ressourcen; Präsentation und Förderlogik dominieren&lt;br /&gt;
| '''Mittel bis hoch''' für Verfahren/Qualität; Größenordnung kaum übertragbar&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Mukurtu / Plateau Portal'''&lt;br /&gt;
| Universität als Technikträger; acht indigene Nationen und Museen als Partner&lt;br /&gt;
| Kuration, Metadaten, Protokolle und Zugriff durch Stammesvertreter&lt;br /&gt;
| Öffentliche und philanthropische Forschungsförderung; Universität pflegt Software&lt;br /&gt;
| International genutzte Open-Source-Plattform; dauerhaftes konkretes Portal&lt;br /&gt;
| Qualifizierter Betrieb nötig; Zugangsplattform ersetzt kein Repositorium&lt;br /&gt;
| '''Sehr hoch''' für Rechte, sensible Inhalte und Mehrperspektivität&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Aṟa Irititja'''&lt;br /&gt;
| Zentralfachstelle plus lokale Liaison; seit 2020 unter APY-Organisation&lt;br /&gt;
| Auftrag, Steuerung, Zugangsregeln und Kontext durch Aṉangu&lt;br /&gt;
| Langjährige Mischung aus Zuschüssen, Spenden und lokalen Beiträgen; drei permanente Teilzeitstellen&lt;br /&gt;
| Betrieb seit 1994; lokale Nutzung und digitale Rückgabe&lt;br /&gt;
| Finanzierung lange prekär; Wirkung überwiegend selbst berichtet&lt;br /&gt;
| '''Hoch''' für lokale Kontrolle und abgestufte Zugänge; Technik nicht direkt übertragbar&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''LAAL'''&lt;br /&gt;
| Universität und öffentliche Partner; Übergabe an Landesbibliothek/-archiv&lt;br /&gt;
| Einwilligung, Prüfung und Ergänzung durch Sprachgemeinschaften&lt;br /&gt;
| Zwei Forschungsförderphasen; anschließend institutionelle Übernahme&lt;br /&gt;
| Nahezu 4.000 Bücher, 50 Sprachen, 40 Gemeinschaften&lt;br /&gt;
| Rechte-Rückstand; Verlust der Kartenfunktion bei Migration&lt;br /&gt;
| '''Sehr hoch''' als Migrations-, Rechte- und Sprachlernfall&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''PARADISEC'''&lt;br /&gt;
| Verbund dreier Universitäten mit Beirat&lt;br /&gt;
| Je Sammlung unterschiedlich; Kopien und Kooperationen mit Herkunftsgemeinschaften&lt;br /&gt;
| Forschungsrat, nationale Forschungsinfrastruktur, Hochschulen und Spenden&lt;br /&gt;
| 20.500 Audio-, 4.000 Videostunden, 320 TB, 1.460 Sprachen; Zertifizierung/Auszeichnungen&lt;br /&gt;
| Hohe Fach- und Infrastrukturvoraussetzungen; Zugänglichkeit regional unterschiedlich&lt;br /&gt;
| '''Hoch''' für zentrales Fachrepositorium; Skalierung nur angepasst&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''RRN'''&lt;br /&gt;
| Gemeinsame Steuerung von First Nations und Museum; viele Datenpartner&lt;br /&gt;
| Co-Entwicklung, Projekte, Diskussionen und Community-Wissen&lt;br /&gt;
| Institutionelle Projektstruktur; aktuelle Kosten öffentlich unklar&lt;br /&gt;
| 29 Institutionen, über 570.000 Objekte, über 4.000 Mitglieder&lt;br /&gt;
| Technische Alterung möglich; Erhaltung der Quelldateien dezentral&lt;br /&gt;
| '''Hoch''' für Kooperation und Arbeitsfunktionen; Wartungsrisiko beachten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Indigitization'''&lt;br /&gt;
| Hochschul- und Community-Netzwerk als Kompetenz- und Förderstelle&lt;br /&gt;
| Projekte werden von Gemeinschaften durchgeführt und kontrolliert&lt;br /&gt;
| Hochschulunterstützung; früheres Kassettenförderprogramm aktuell pausiert&lt;br /&gt;
| 45 Förderprojekte, 11.464 Kassetten, über 422.000 CAD Förderung&lt;br /&gt;
| Dezentrale Langzeiterhaltung nicht automatisch gesichert; Förderpause&lt;br /&gt;
| '''Sehr hoch''' für Digitalisierungszentrum und Unterstützung kleiner Träger&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== F. Übergreifende Erfolgsfaktoren ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.1 Governance und Beteiligung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' Die stärksten gemeinschaftsbezogenen Projekte verankern Beteiligung in Gremien, Rollen und Datenmodellen. RomArchive übergab Kuratierung und strategische Leitlinien überwiegend an Roma. Nuohtti beteiligte Sámi-Parlamente. Mukurtu und das Plateau Portal ermöglichen kulturelle Protokolle und mehrere Beschreibungen. Aṟa Irititja ist unter einer Aṉangu-geführten Organisation verankert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Erforderlich ist ein dauerhaftes Steuerungsmodell mit Vertreterinnen und Vertretern zentraler Einrichtungen, lokaler Träger, beider Sprachräume, Fachwissenschaft, Technik und möglichst verschiedener Generationen. Für sensible Inhalte, Priorisierung und öffentliche Darstellung müssen Entscheidungs- und Eskalationsregeln schriftlich festgelegt werden. Eine bloße Anhörung nach Abschluss technischer Entscheidungen ist unzureichend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.2 Erfassung und Priorisierung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' Nuohtti begann mit der Kartierung verteilter Quellen; LAAL mit systematischem Auffinden gefährdeter Literatur. bavarikon nutzt Anträge, Objektlisten und Auswahlkriterien. Audioprojekte priorisieren physisch und technisch gefährdete Medien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Zunächst sollte das Kulturregister einen belastbaren Überblick schaffen, ohne sofort jeden Eintrag maximal tief zu erschließen. Die Digitalisierungspriorität sollte anschließend aus mindestens vier Kriterien gebildet werden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Gefährdung:''' physischer Verfall, technische Obsoleszenz, Verlustgefahr;&lt;br /&gt;
# '''Bedeutung:''' Einzigartigkeit, Repräsentativität, sprachliche und kulturelle Relevanz;&lt;br /&gt;
# '''Nutzungspotenzial:''' Bildung, Forschung, Sprachrevitalisierung, Vermittlung;&lt;br /&gt;
# '''Umsetzbarkeit:''' Rechteklarheit, Zustand, vorhandene Metadaten, Kosten und Zielrepositorium.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Priorisierungswert darf keine endgültige kulturelle Rangliste erzeugen. Er dient der Arbeitsplanung und muss fachlich sowie gemeinschaftlich überprüfbar sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.3 Organisation der Digitalisierung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' Indigitization und People’s Collection Wales zeigen, dass zentrale Kompetenz und lokale Durchführung kombinierbar sind. bavarikon ergänzt dies um Auswahl, Förderung und Qualitätsprüfung. PARADISEC zeigt für anspruchsvolle audiovisuelle Medien den Wert eines spezialisierten Fachzentrums.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Das Digitalisierungszentrum sollte ein gestuftes Dienstemodell anbieten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Beratung und Projektplanung;&lt;br /&gt;
* Leihtechnik und Schulung für geeignete einfache Verfahren;&lt;br /&gt;
* mobile Digitalisierung vor Ort, wenn Kulturgüter nicht transportiert werden können;&lt;br /&gt;
* zentrale Digitalisierung für anspruchsvolle oder gefährdete Medien;&lt;br /&gt;
* Rahmenverträge und Qualitätskontrolle für externe Spezialdienstleister;&lt;br /&gt;
* Übernahmevorbereitung für das Repositorium.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.4 Technische Architektur ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' Föderierte Portale wie Nuohtti und Euskariana verbinden bestehende Systeme, statt alle Partner zu einem identischen Fachverfahren zu zwingen. Erfolgreiche Systeme verfügen über Exporte und Schnittstellen. LAAL zeigt, dass bei Migrationen zielgruppenspezifische Funktionen verloren gehen können, wenn Daten- und Präsentationslogik zu eng gekoppelt sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Die Architektur sollte modular sein. Das Register verwaltet Nachweise und Beziehungen; Digitalisierungsworkflows erzeugen Dateien und technische Metadaten; das Repositorium übernimmt Erhaltungspakete; Präsentationssysteme beziehen freigegebene Daten und Derivate. Jedes System benötigt dokumentierte Exporte. Eine proprietäre Lösung ohne vollständigen Datenexport, Identifikatorerhalt und Migrationsplan sollte ausgeschlossen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.5 Metadaten und Interoperabilität ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' Euskariana und bavarikon arbeiten mit veröffentlichten Standards und Lieferprofilen; Nuohtti normalisiert heterogene Daten; Mukurtu ermöglicht zusätzliche Community-Metadaten. Technische Vollständigkeit allein löst jedoch keine problematischen historischen Begriffe oder fehlenden kulturellen Kontexte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Notwendig ist ein abgestuftes Metadatenprofil:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* '''Pflichtkern''' für alle Träger: eindeutige Kennung, Bezeichnung, Kulturgutart, Standort beziehungsweise Träger, Sprache, Zeit/Ort soweit bekannt, Kurzkontext, Rechte-/Zugangsstatus, Quellenangabe, Bearbeitungsstand;&lt;br /&gt;
* '''fachliche Erweiterungen''' für Archive, Bibliotheken, Museen, audiovisuelle Medien, immaterielles Kulturerbe und Born-digital-Bestände;&lt;br /&gt;
* '''Community-Felder''' für sorbische Bezeichnungen, lokale Varianten, kulturelle Hinweise, alternative Erzählungen und Korrekturen;&lt;br /&gt;
* '''technische Erhaltungsmetadaten''' im Repositorium, etwa Dateiformat, Prüfsumme, Erzeugung, Migration und Beziehungen zwischen Master und Derivaten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Normdaten und kontrollierte Vokabulare sollten dort eingesetzt werden, wo sie Nutzen bringen. Für ehrenamtliche Erfassung müssen einfache Auswahllisten, Hilfetexte und spätere fachliche Anreicherung vorgesehen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.6 Rechte und kulturelle Selbstbestimmung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' Mukurtu, Aṟa Irititja und LAAL zeigen, dass urheberrechtliche Erlaubnis, Datenschutz und kulturelle Angemessenheit getrennt geprüft werden müssen. Ein Werk kann rechtlich veröffentlichbar, kulturell aber sensibel sein; umgekehrt kann eine Gemeinschaft Zugang wünschen, obwohl eine allgemeine Veröffentlichung nicht möglich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Mindestens vier Sichtbarkeitsstufen sind sinnvoll:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# öffentliche Metadaten, aber kein Medium;&lt;br /&gt;
# öffentliches Nutzungsdigitalisat, gegebenenfalls in reduzierter Qualität;&lt;br /&gt;
# beschränkter Zugang für festgelegte Gruppen, Forschung oder Community;&lt;br /&gt;
# gesperrt beziehungsweise nur intern dokumentiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder Datensatz sollte dokumentieren, wer die Entscheidung getroffen hat, auf welcher Grundlage sie beruht und wann sie erneut geprüft wird. Rechteinformationen müssen vom Register über Repositorium bis Präsentation mitgeführt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.7 Langzeiterhaltung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' PARADISEC belegt den Wert eines fachlich betriebenen Repositoriums. LAAL zeigt sowohl die Trennung von Master- und Nutzungsdateien als auch das Risiko einer Migration. Mukurtu warnt ausdrücklich davor, Zugangsplattform und Erhaltungssystem gleichzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Für jedes Digitalisat müssen vor der Produktion feststehen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Zielrepositorium und verantwortlicher Betreiber;&lt;br /&gt;
* Master- und Nutzungsformat;&lt;br /&gt;
* Dateibenennung beziehungsweise Identifikator;&lt;br /&gt;
* Prüfsumme und Integritätskontrolle;&lt;br /&gt;
* mindestens zwei räumlich getrennte Sicherungskopien;&lt;br /&gt;
* Übergabepaket aus Datei, Metadaten, Rechten und Provenienz;&lt;br /&gt;
* Verfahren für Formatbeobachtung, Migration und Wiederherstellung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das OAIS-Modell bietet den konzeptionellen Rahmen; die NDSA-Reifegradstufen können einen realistischen stufenweisen Aufbau unterstützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.8 Präsentation und Nachnutzung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' RomArchive verbindet Objekte mit kuratierten Erzählungen; People’s Collection Wales mit Lern- und Beitragsfunktionen; Tobar an Dualchais mit sprachlicher Erschließung; RRN mit kollaborativen Arbeitsräumen. Erfolg entsteht nicht durch bloße Online-Sichtbarkeit, sondern durch zielgruppengerechte Kontexte und tatsächlich nutzbare Funktionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Ein gemeinsamer Suchzugang ist wichtig, aber nicht jede Zielgruppe braucht dieselbe Oberfläche. Denkbar sind ein übergreifendes Kulturerbeportal, Fachzugänge für Forschung, Bildungsbausteine, kuratierte Ausstellungen und maschinenlesbare Schnittstellen. Download und Nachnutzung sollten dort ermöglicht werden, wo Rechte und kulturelle Interessen dies zulassen. Nutzungsstatistiken, Zitationen, Downloads, Bildungskooperationen und Community-Rückmeldungen sollten kontinuierlich ausgewertet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.9 Finanzierung und Verstetigung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' RomArchive plante den Betreiberübergang früh. People’s Collection Wales und Aṟa Irititja zeigen, wie belastend unsichere Finanzierung bleibt. Indigitization demonstriert die Wirkung kleiner Förderbudgets, aber auch die Verwundbarkeit eines pausierenden Programms. bavarikon und PARADISEC profitieren von institutioneller Infrastruktur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Es sind drei Kostenarten getrennt zu planen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Aufbaukosten:''' Konzeption, Pilot, Beschaffung, Datenmigration, erste Digitalisierung;&lt;br /&gt;
# '''Betriebskosten:''' Personal, Hosting, Speicher, Sicherung, Helpdesk, Rechtearbeit, Qualitätssicherung;&lt;br /&gt;
# '''Erneuerungskosten:''' Softwareupdates, Sicherheitsmaßnahmen, Hardwareersatz, Formatmigration, Neuentwicklung von Schnittstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Projektmittel eignen sich für Aufbau und Erprobung. Kernfunktionen dürfen nach der Pilotphase nur skaliert werden, wenn ein wiederkehrender Betriebsetat und ein verantwortlicher Rechtsträger feststehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.10 Projektsteuerung und schrittweiser Aufbau ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' People’s Collection Wales empfiehlt einen evidenzbasierten Ablauf aus Bedarf, Pilot, Test, Auswertung und Skalierung. Indigitization entwickelte seinen Werkzeugkasten aus drei Pilotprojekten. bavarikon nutzt Vorantrag, Prüfung, Standards und begleitete Umsetzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Der Aufbau sollte in überprüfbaren Ausbaustufen erfolgen. Jede Stufe braucht definierte Ergebnisse, Qualitätskriterien, Verantwortliche, Budget, Risiken und eine Entscheidung über Fortführung oder Anpassung. Technische Pilotierung ohne Governance-, Rechte- und Betriebsprüfung wäre unvollständig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== G. Empfehlungen für den sorbischen Kontext ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.1 Zielmodell: vier Säulen, drei Fundamente, zwei Betriebsregeln ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ergebnisse lassen sich für den sorbischen Kontext in einem priorisierten 4–3–2-Modell zusammenführen. Es verbindet die im Konzept beschriebene Prozesskette mit einer klaren organisatorischen und technischen Verantwortungsstruktur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Vier funktionale Säulen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Säule&lt;br /&gt;
! Mindestauftrag&lt;br /&gt;
! Abgrenzung&lt;br /&gt;
! Unverzichtbare Schnittstellen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''1. Sorbisches Kulturregister (SKR)'''&lt;br /&gt;
| Verteilte Kulturgüter und Bestände nachweisen, beschreiben, verknüpfen, Rechte- und Prioritätsstatus dokumentieren&lt;br /&gt;
| Kein Ersatz für lokale Inventare und nicht automatisch Speicherort aller Dateien&lt;br /&gt;
| Import/Export zu Fachsystemen; Übergabe von Objekt- und Rechtekennungen an Digitalisierung, Repositorium und Präsentation&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''2. Digitalisierungszentrum (DZ)'''&lt;br /&gt;
| Beratung, Planung, Digitalisierung, Qualitätssicherung, Schulung, Dienstleistersteuerung und Vorbereitung der Archivübergabe&lt;br /&gt;
| Nicht primär öffentlicher Katalog und nicht automatisch dauerhafter Speicher&lt;br /&gt;
| Aufträge aus Register/Priorisierung; Lieferung standardisierter Übergabepakete an Repositorium; Erzeugung von Nutzungsderivaten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''3. Repositorium / digitales Langzeitarchiv'''&lt;br /&gt;
| Masterdateien, Metadaten, Rechte und Provenienz dauerhaft übernehmen, prüfen, sichern und migrieren&lt;br /&gt;
| Nicht mit einem Netzlaufwerk, einer Cloudablage oder der öffentlichen Website gleichzusetzen&lt;br /&gt;
| Persistente Identifikatoren; Rückmeldung des Archivstatus an Register; kontrollierte Bereitstellung an Präsentationssysteme&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''4. Präsentations- und Nutzungssysteme'''&lt;br /&gt;
| Freigegebene Inhalte suchen, verstehen, zitieren, herunterladen und weiterverwenden lassen&lt;br /&gt;
| Nicht führendes System für Rechte, Masterdateien oder dauerhafte Erhaltung&lt;br /&gt;
| Bezug von Metadaten aus Register und Derivaten aus Repositorium; Rückgabe von Nutzungs- und Korrekturinformationen&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Entscheidender Punkt:''' Die vier Säulen sind Funktionen, nicht zwingend vier eigenständige Einrichtungen. Ein Träger kann mehrere Funktionen übernehmen. Dennoch müssen für jede Säule Auftrag, Zuständigkeit, Datenhoheit, Budget, Qualitätskriterien, Vertretung und Ausfallvorsorge benannt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Drei gemeinsame Fundamente ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Fundament&lt;br /&gt;
! Inhalt&lt;br /&gt;
! Warum es vor der Skalierung geklärt werden muss&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''A. Gemeinschaftliche Governance und Rechte'''&lt;br /&gt;
| Entscheidungsgremien, Rollen der Kulturgutträger, Community-Beteiligung, Konfliktlösung, sensible Inhalte, abgestufte Zugänge&lt;br /&gt;
| Ohne Entscheidungskompetenz entstehen Vertrauensverlust, Verzögerungen und nachträgliche Sperrungen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''B. Gemeinsame Daten- und Qualitätsarchitektur'''&lt;br /&gt;
| Metadatenkern, Identifikatoren, Sprachwerte, Vokabulare, Dateiformate, Schnittstellen, Lieferpakete, Qualitätssicherung&lt;br /&gt;
| Ohne gemeinsamen Kern können Register, DZ, Repositorium und Präsentation nicht verlässlich zusammenspielen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''C. Dauerbetrieb, Finanzierung und Kompetenz'''&lt;br /&gt;
| Rechtsträger, wiederkehrendes Budget, Personal, Hosting, Speicher, Wartung, Schulung, Helpdesk und Erneuerungsplanung&lt;br /&gt;
| Ohne Betriebsperspektive vergrößert jedes zusätzliche Digitalisat die technische und organisatorische Schuld.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Zwei Betriebsregeln ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Zentral ermöglichen, dezentral verantworten.''' Zentrale Stellen bieten Infrastruktur, Standards, Beratung, Qualitätskontrolle, Repositorium und gemeinsame Zugänge. Kulturgutträger behalten grundsätzlich Originale, lokalen Kontext, Beziehungen zu Urheberinnen und Urhebern sowie Mitentscheidung über kulturelle Bedeutung und Zugang.&lt;br /&gt;
# '''Als Projekt aufbauen, nur mit Dauerbetrieb skalieren.''' Pilot- und Förderprojekte sind geeignet, Register, Dienste und Workflows zu entwickeln. Eine breite Produktion beginnt erst, wenn dauerhafter Betreiber, Regelbudget, Personal und Erhaltungsweg gesichert sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Prüfsatz für Entscheidungen:''' Kein Digitalisat ohne Zielarchiv; kein Portal ohne Datenpflege; kein Register ohne Zuständigkeit; keine Veröffentlichung ohne Rechte- und Kulturprüfung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.2 Was zentral, dezentral und gemeinsam organisiert werden sollte ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Zentral bereitzustellen&lt;br /&gt;
! Dezentral bei den Kulturgutträgern&lt;br /&gt;
! Gemeinsam zu entscheiden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Technische Plattform und Datenmodell des Kulturregisters&lt;br /&gt;
| Besitz, Verwahrung und konservatorische Verantwortung für Originale, soweit nicht anders vereinbart&lt;br /&gt;
| Welche Bestände zunächst erfasst und digitalisiert werden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Metadatenkern, Vokabulare, Identifikatoren und Schnittstellen&lt;br /&gt;
| Erste Bestandskenntnis, lokale Namen, Geschichte und Beziehungen&lt;br /&gt;
| Kulturelle Bedeutung, Repräsentativität und Priorität&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Digitalisierungsberatung, Spezialtechnik, mobile Dienste und Qualitätsprüfung&lt;br /&gt;
| Lokale Auswahl und organisatorische Vorbereitung&lt;br /&gt;
| Transport, Vor-Ort-Digitalisierung oder externe Vergabe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Repositorium, Sicherung, Integritätsprüfung, Migration und Wiederherstellung&lt;br /&gt;
| Mitwirkung an Rechteklärung und Kontakt zu Betroffenen beziehungsweise Nachkommen&lt;br /&gt;
| Zugangs- und Nutzungskategorien für sensible Inhalte&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mustervereinbarungen, Rechte- und Datenschutzberatung&lt;br /&gt;
| Lokale Freigaben, sofern die jeweilige Stelle entscheidungsbefugt ist&lt;br /&gt;
| Verfahren bei Konflikten, Korrekturen und Takedown-Anfragen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Schulungen, Helpdesk, Dokumentation und gegebenenfalls Kleinprojektförderung&lt;br /&gt;
| Pflege von Kontexten, Korrekturen und neuen Informationen&lt;br /&gt;
| Übersetzungs- und Erschließungsprioritäten in Ober- und Niedersorbisch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gemeinsame Präsentationsbausteine und Programmierschnittstellen&lt;br /&gt;
| Eigene lokale Ausstellungen und Nutzungsszenarien&lt;br /&gt;
| Welche Inhalte übergreifend präsentiert oder nachnutzbar gemacht werden&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Verteilung schützt die dezentrale Trägerschaft, ohne kleine Einrichtungen mit jeder technischen Aufgabe allein zu lassen. Sie verhindert zugleich, dass zentrale Infrastruktur mit zentraler kultureller Deutungshoheit verwechselt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.3 Kurzfristig umsetzbare Schritte: 2026–2027 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Priorität 1: Governance und Verantwortungen beschließen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ein gemeinsames Steuerungsgremium für Kulturregister, Digitalisierungszentrum, Repositorium und Präsentation festlegen.&lt;br /&gt;
* Beide sorbischen Sprachräume, zentrale Institutionen und mindestens mehrere lokale beziehungsweise ehrenamtliche Träger verbindlich vertreten.&lt;br /&gt;
* Entscheidungsrechte, Vetorechte bei sensiblen Inhalten, Konfliktlösung und Vertretungsregelungen schriftlich regeln.&lt;br /&gt;
* Einen dauerhaften Produkt- beziehungsweise Serviceverantwortlichen für jede der vier Säulen benennen, auch wenn mehrere Säulen organisatorisch beim selben Träger liegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Priorität 2: Gemeinsamen Mindeststandard verabschieden ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Standard sollte klein genug für ehrenamtliche Erfassung, aber erweiterbar für Fachinstitutionen sein. Er muss mindestens regeln:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* eindeutige Kennung und verantwortlicher Datensatzhalter;&lt;br /&gt;
* Bezeichnung in Originalsprache und gegebenenfalls Übersetzungen;&lt;br /&gt;
* getrennte Sprachkennzeichnung für Obersorbisch, Niedersorbisch, Deutsch und weitere Sprachen;&lt;br /&gt;
* Kulturgutart und Zugehörigkeit zu materiellen, immateriellen oder digitalen Beständen;&lt;br /&gt;
* Standort beziehungsweise verwahrende Stelle;&lt;br /&gt;
* Kurzkontext, Zeit, Ort und beteiligte Personen soweit bekannt;&lt;br /&gt;
* Rechte-, Datenschutz- und kultureller Zugangsstatus;&lt;br /&gt;
* Digitalisierungs- und Archivierungsstatus;&lt;br /&gt;
* Provenienz, Quellen und Bearbeitungsstand;&lt;br /&gt;
* Exportformat und dauerhafte Identifikatoren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Priorität 3: Rechte- und Zugangsmodell entwickeln ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein einheitlicher Workflow sollte rechtliche und kulturelle Fragen getrennt dokumentieren. Empfohlen werden mindestens die vier Stufen „nur Nachweis“, „öffentliches Derivat“, „beschränkter Zugang“ und „gesperrt“. Für jede Stufe sind Verantwortliche, Freigabegrund, Prüffrist und Takedown-Verfahren festzulegen. Local Contexts kann als Anregung dienen; Begriffe und Symbole müssen jedoch gemeinsam für die sorbische Rechts- und Kulturpraxis entwickelt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Priorität 4: End-to-End-Pilot starten ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der erste Pilot sollte nicht nur ein Portal oder einen Scanner testen, sondern die gesamte Kette:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: Kulturgutträger → Erfassung im Register → Priorisierung und Freigabe → Digitalisierung und Qualitätsprüfung → Übernahme ins Repositorium → kontrollierte Präsentation und Nachnutzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beteiligt werden sollten drei bis fünf sehr unterschiedliche Träger, zum Beispiel eine zentrale Institution, eine Heimatstube oder ein Verein, eine kirchliche Einrichtung, eine kommunale Sammlung und gegebenenfalls eine Privatperson. Der Pilot sollte beide sorbischen Schriftsprachen und mindestens drei Medientypen umfassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Priorität 5: Repositoriumsziel vor Produktionsausweitung klären ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits Pilotdigitalisate benötigen einen definierten, überprüfbaren Speicher- und Erhaltungsweg. Falls das endgültige Langzeitarchiv noch nicht vollständig aufgebaut ist, braucht es einen dokumentierten Übergangsdienst mit Prüfsummen, redundanten Kopien, klarer Verantwortung und verbindlichem späteren Migrationsplan. Eine bloße Projektablage ist nicht ausreichend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.4 Mittelfristiger Strukturaufbau: 2027–2030 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Kulturregister ausbauen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Zwei Anbindungswege anbieten: direkte Erfassung beziehungsweise zentral gehostete Mandanten für kleine Träger und standardisierte Datenlieferung für große Fachsysteme.&lt;br /&gt;
* Priorisierungsansicht, Rechte- und Archivstatus sowie Beziehungen zwischen Original, Digitalisat, Werk, Person, Ort, Brauch und Sammlung abbilden.&lt;br /&gt;
* Korrektur- und Ergänzungsworkflow für Community-Wissen einrichten.&lt;br /&gt;
* Export, Programmierschnittstelle und regelmäßige Sicherung verpflichtend machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Digitalisierungszentrum als Dienstleistungsstelle verstetigen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Servicekatalog mit klaren Leistungen, Voraussetzungen, Bearbeitungszeiten und Kosten beziehungsweise Fördermöglichkeiten veröffentlichen.&lt;br /&gt;
* Mobile und stationäre Digitalisierung sowie Vergabe an Spezialdienstleister kombinieren.&lt;br /&gt;
* Schulungsprogramm und „Train-the-Trainer“-Ansatz für lokale Multiplikatorinnen und Multiplikatoren aufbauen.&lt;br /&gt;
* Kleinprojektförderung nach dem Vorbild von Indigitization oder bavarikon erproben.&lt;br /&gt;
* Qualitätssicherung und Übergabepakete zum Repositorium standardisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Repositorium in einen verlässlichen Regelbetrieb überführen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* OAIS-Funktionen organisatorisch zuordnen und mit den NDSA-Reifegradstufen schrittweise umsetzen.&lt;br /&gt;
* mindestens zwei räumlich getrennte Speicherkopien, regelmäßige Fixity Checks (Prüfung der Dateiunverändertheit über Prüfsummen) und Wiederherstellungstests etablieren;&lt;br /&gt;
* Masterdateien, Derivate, Metadaten, Rechte und technische Ereignisse verknüpfen;&lt;br /&gt;
* Verantwortungen bei Trägerwechsel oder Projektende vertraglich sichern;&lt;br /&gt;
* audiovisuelle Daten nach IASA-Empfehlungen behandeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Präsentation zielgruppenspezifisch entwickeln ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Gemeinsame Suche und verständliche Basiskontexte in Deutsch, Ober- und Niedersorbisch sowie ausgewählte englische Zugänge bereitstellen.&lt;br /&gt;
* Nicht jeden Datensatz vollständig in vier Sprachen übersetzen; stattdessen Oberfläche, Kernelemente, kontrollierte Begriffe und besonders relevante Inhalte priorisieren und Übersetzungsstatus sichtbar machen.&lt;br /&gt;
* Bildungs- und Forschungsnutzung in Pilotkooperationen testen.&lt;br /&gt;
* IIIF und Programmierschnittstellen dort einsetzen, wo sie einen konkreten Mehrwert für Anzeige, Zitation oder Datenbezug schaffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.5 Langfristige Aufgaben: ab 2030 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Regelmäßige Daten- und Formatmigrationen, Sicherheitsprüfungen und Erneuerung der Infrastruktur finanzieren.&lt;br /&gt;
* Erfolg anhand eines stabilen Kennzahlensets messen: erfasste und archivierte Bestände, beteiligte Träger, Bearbeitungszeiten, Rechte-Rückstände, Nutzung, Downloads, Bildungsprojekte, wissenschaftliche Zitationen, Community-Zufriedenheit und Korrekturen.&lt;br /&gt;
* Born-digital-Kulturerbe wie Websites, digitale Fotosammlungen, Social-Media-Projekte, digitale Kunst und Software systematisch übernehmen.&lt;br /&gt;
* Repositoriumsprozesse gegebenenfalls auf eine externe Vertrauenswürdigkeitsprüfung oder Zertifizierung vorbereiten.&lt;br /&gt;
* Kooperationen mit nationalen und europäischen Aggregatoren ausbauen, ohne die sorbische Datenhoheit und sprachliche Sichtbarkeit aufzugeben.&lt;br /&gt;
* Alle drei bis fünf Jahre Governance, Standards, Prioritäten und Zugangsregeln gemeinsam überprüfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.6 Empfohlene Pilotprojekte ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Pilot&lt;br /&gt;
! Ziel&lt;br /&gt;
! Warum besonders sinnvoll&lt;br /&gt;
! Erfolgskriterien&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''1. Kulturregister-Pilot mit heterogenen Trägern'''&lt;br /&gt;
| Mindestmetadaten, Onboarding und föderierte Datenlieferung testen&lt;br /&gt;
| Deckt die reale Spannweite von Fachinstitution bis Ehrenamt ab&lt;br /&gt;
| Mindestens 3–5 Träger liefern exportfähige, verständliche Datensätze; Aufwand und Hilfebedarf sind gemessen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''2. Gefährdete sorbische Ton- und Videobestände'''&lt;br /&gt;
| Priorisierung, Digitalisierung, Transkription, Rechte und Archivierung zeitkritischer Medien&lt;br /&gt;
| Hohe Verlustgefahr und großer Sprachwert; Anknüpfung an Tobar an Dualchais, PARADISEC und Indigitization&lt;br /&gt;
| Definierte Masterdateien, geprüfte Übergabe, zweisprachige Erschließung, Nutzungsfall für Bildung/Forschung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''3. Sensibles und immaterielles Kulturerbe'''&lt;br /&gt;
| Abgestufte Rechte und Community-Entscheidungen an Interviews, Bräuchen oder Familienmaterial erproben&lt;br /&gt;
| Testet Governance statt nur Technik&lt;br /&gt;
| Dokumentierte Freigabewege, mehrere Zugangsstufen, Takedown-Prozess und Community-Abnahme&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''4. Durchgängige Vier-Säulen-Kette'''&lt;br /&gt;
| Datenfluss vom Register bis zur Präsentation ohne manuelle Medienbrüche testen&lt;br /&gt;
| Macht Schnittstellen- und Verantwortungsprobleme früh sichtbar&lt;br /&gt;
| Identifikatoren und Rechte bleiben durchgängig erhalten; Übergaben sind reproduzierbar&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''5. Migrations- und Ausstiegstest'''&lt;br /&gt;
| Vollständigen Export eines Pilotbestands in ein neutrales Format und Wiederimport prüfen&lt;br /&gt;
| Reagiert direkt auf das LAAL- und RRN-Lernfeld technischer Alterung&lt;br /&gt;
| Dateien, Beziehungen, Rechte, Sprachwerte und Identifikatoren bleiben erhalten; Dokumentation ist für anderen Betreiber nutzbar&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.7 Mindestanforderungen vor jeder Beschaffung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor der Entscheidung für eine konkrete Software sollten folgende Punkte verbindlich beantwortet sein:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Welche Funktion der vier Säulen soll die Software erfüllen – und welche ausdrücklich nicht?&lt;br /&gt;
# Wer ist fachlich, technisch und rechtlich verantwortlich?&lt;br /&gt;
# Wie werden Ober- und Niedersorbisch in Oberfläche, Datenfeldern, Suche und Export behandelt?&lt;br /&gt;
# Welche vollständigen Daten- und Dateiexporte sind jederzeit möglich?&lt;br /&gt;
# Wie bleiben Identifikatoren und Beziehungen bei einem Systemwechsel erhalten?&lt;br /&gt;
# Welche Rechte- und Sichtbarkeitsstufen lassen sich abbilden?&lt;br /&gt;
# Wie werden Community-Ergänzungen von institutionellen Ausgangsdaten unterschieden, ohne sie abzuwerten?&lt;br /&gt;
# Wo liegen Masterdateien und wer prüft ihre Integrität?&lt;br /&gt;
# Welche wiederkehrenden Lizenz-, Hosting-, Speicher-, Wartungs- und Personalkosten entstehen über mindestens zehn Jahre?&lt;br /&gt;
# Was geschieht bei Anbieterwechsel, Projektende, Insolvenz oder Wegfall einer Förderung?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.8 Übertragbarkeit differenziert bewertet ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Direkt übertragbare Ansätze ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* funktionale Trennung von Register, Digitalisierung, Repositorium und Präsentation;&lt;br /&gt;
* zentraler Service bei dezentraler Trägerschaft;&lt;br /&gt;
* gemeinsamer Metadatenkern mit fachlichen Erweiterungen;&lt;br /&gt;
* abgestufte Zugänge und getrennte rechtliche/kulturelle Prüfung;&lt;br /&gt;
* Pilotierung mit heterogenen Trägern;&lt;br /&gt;
* Betreiber- und Finanzierungsplanung vor Skalierung;&lt;br /&gt;
* Schulung, Helpdesk und Vorlagen für kleine Sammlungen;&lt;br /&gt;
* Exportfähigkeit und Migrationsplanung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Mit Anpassungen übertragbare Ansätze ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Mukurtu-Protokolle und Traditional Knowledge Labels: als Vorbild, aber mit sorbisch entwickelten Begriffen und deutscher beziehungsweise europäischer Rechtsprüfung;&lt;br /&gt;
* Nuohttis föderierte Architektur: gut übertragbar, jedoch mit deutlich kleinerem institutionellem Netz und zwei sorbischen Schriftsprachen;&lt;br /&gt;
* bavarikons Förder- und Qualitätsverfahren: in vereinfachter Form und mit wesentlich kleinerem Budget;&lt;br /&gt;
* PARADISECs Fachrepositorium: als Dienstemodell für gefährdete Medien, nicht in dessen globaler Größenordnung;&lt;br /&gt;
* People’s Collection Wales: Support- und Beteiligungsmodell, angepasst an kleinere Personalressourcen und vorhandene sorbische Institutionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Kaum unmittelbar übertragbare Ansätze ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* eine vollständig eigenständige technische Großinfrastruktur nach Maßstab eines Flächenlandes wie Bayern;&lt;br /&gt;
* ein internationaler Universitätsverbund mit hunderten Terabyte und weltweitem Einzugsbereich wie PARADISEC;&lt;br /&gt;
* die unveränderte Übernahme indigener Rechts- und Kulturkonzepte in den europäischen Minderheitenkontext;&lt;br /&gt;
* die Vorstellung, jedes lokale Haus müsse ein eigenes Langzeitarchiv oder hoch spezialisiertes Digitalisierungslabor betreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Risiken und Fehler, die vermieden werden sollten ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* '''Portal zuerst:''' Eine öffentlich sichtbare Website wird gebaut, bevor Datenpflege, Rechte und Langzeiterhaltung geregelt sind.&lt;br /&gt;
* '''Projektserver als Archiv:''' Dateien liegen nur in Arbeitsordnern, Clouds oder einem Content-Management-System.&lt;br /&gt;
* '''Ein System für alles:''' Register, Produktion, Archivierung und Präsentation werden technisch und organisatorisch untrennbar gekoppelt.&lt;br /&gt;
* '''Offen oder geschlossen:''' Fehlende Zwischenstufen führen entweder zu unnötiger Sperrung oder unangemessener Veröffentlichung.&lt;br /&gt;
* '''Standards ohne Hilfe:''' Ehrenamtliche Träger erhalten komplexe Vorgaben, aber keine Schulung, Zeit oder Nachbearbeitung.&lt;br /&gt;
* '''Zentralisierung der Deutung:''' Lokale und sprachräumliche Perspektiven werden durch ein einziges zentrales Beschreibungsschema verdrängt.&lt;br /&gt;
* '''Digitalisierung ohne Rechtebudget:''' Scans und Aufnahmen entstehen schneller als Einwilligungen, Prüfungen und Freigaben bearbeitet werden können.&lt;br /&gt;
* '''Abhängigkeit ohne Exit:''' Proprietäre Software oder Dienstleister werden gewählt, ohne vollständigen Export und getesteten Betreiberwechsel.&lt;br /&gt;
* '''Projektende ohne Betrieb:''' Förderziele zählen veröffentlichte Objekte, aber keine Stellen, Speicher-, Wartungs- und Migrationskosten nach Förderende.&lt;br /&gt;
* '''Mehrsprachigkeit nur im Menü:''' Die Oberfläche ist übersetzt, Datensätze, Suche, Vokabulare und redaktionelle Prozesse bleiben einsprachig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.9 Priorisierte Schlussfolgerung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wichtigste Lehre lautet nicht, möglichst schnell ein großes Portal zu füllen. Vorrang hat eine belastbare Arbeitsteilung:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Zuerst Regeln und Verantwortung:''' Governance, Rechte, Sprachmodell, Mindestmetadaten und Betreiber festlegen.&lt;br /&gt;
# '''Dann die sichere Kette:''' Register, Digitalisierungszentrum und Repositorium in einem Ende-zu-Ende-Pilot verbinden.&lt;br /&gt;
# '''Danach skalieren:''' Bestände risikobasiert digitalisieren, kleine Träger durch Dienste und Förderung einbinden.&lt;br /&gt;
# '''Erst darauf die breite Präsentation:''' Freigegebene Inhalte zielgruppengerecht, mehrsprachig und nachnutzbar anbieten.&lt;br /&gt;
# '''Dauerhaft überprüfen:''' Nutzung, Datenqualität, Rechte-Rückstände, Betriebskosten und Community-Zufriedenheit messen und Architektur weiterentwickeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit wird aus vier technischen beziehungsweise organisatorischen Säulen ein gemeinsames System: '''dezentrale kulturelle Verantwortung, zentral abgesicherte Dienste und eine verbindliche dauerhafte Finanzierung.'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== H. Verdichtungsvorschlag für den Konzeptabschnitt „Beispiele anderer Kulturen und Regionen“ ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den kurzen Wiki-Abschnitt wird eine Gliederung in höchstens vier Unterabschnitte empfohlen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Ziel und Auswahl:''' Warum der Vergleich durchgeführt wurde und warum kein universelles Idealmodell gesucht wird.&lt;br /&gt;
# '''Sieben aussagekräftige Beispiele:''' RomArchive, Nuohtti, People’s Collection Wales, Tobar an Dualchais, Euskariana, Mukurtu/Plateau Portal und Indigitization. Jedes Beispiel erhält einen kurzen Kontext, die zentrale Besonderheit und ein konkretes Learning.&lt;br /&gt;
# '''Schlussverdichtung:''' Vier Säulen, drei Fundamente und zwei Betriebsregeln.&lt;br /&gt;
# '''Prioritäten für die Sorben:''' Governance und Standards → Ende-zu-Ende-Pilot und Zielrepositorium → Verstetigung des Digitalisierungszentrums → skalierte Präsentation und Nachnutzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die sieben Beispiele decken die für den sorbischen Kontext wichtigsten Perspektiven ab:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Beispiel&lt;br /&gt;
! Zentrale Besonderheit&lt;br /&gt;
! Konkretes Learning für die Sorben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| RomArchive&lt;br /&gt;
| Minderheitenangehörige kuratieren und steuern; Betreiberübergang nach Projektphase&lt;br /&gt;
| Deutungshoheit und dauerhaften Träger von Beginn an verankern&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Nuohtti&lt;br /&gt;
| Föderierte Suche über verteilte Bestände und mehrere Staaten/Sprachen&lt;br /&gt;
| Kulturregister als verbindende Nachweisschicht statt Zwangszentralisierung bauen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| People’s Collection Wales&lt;br /&gt;
| Zweisprachige Plattform plus Schulung und Community-Unterstützung; unabhängige Evaluation&lt;br /&gt;
| Kleine Träger brauchen Helpdesk, Training und realistische Wirkungsmessung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Tobar an Dualchais&lt;br /&gt;
| Sicherung und sprachliche Erschließung gefährdeter Tonaufnahmen&lt;br /&gt;
| Audiovisuelle Bestände zeitlich priorisieren und mit Transkription verbinden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Euskariana&lt;br /&gt;
| Gemeinsamer Katalog, eigenes Repositorium und Anbindung externer Systeme über Standards&lt;br /&gt;
| Zwei Onboarding-Wege und ein schlanker gemeinsamer Metadatenkern&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mukurtu / Plateau Portal&lt;br /&gt;
| Kulturelle Protokolle, mehrere Perspektiven und abgestufte Zugänge&lt;br /&gt;
| Rechte und kulturelle Sensibilität als Datenmodell, nicht als spätere Einzelfallkorrektur&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Indigitization&lt;br /&gt;
| Zentrale Kompetenz, Training und Kleinprojektförderung bei dezentraler Durchführung&lt;br /&gt;
| Digitalisierungszentrum als Dienstleister und Befähiger für lokale Träger ausgestalten&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Zielumfang von etwa 1.200 bis 1.800 Wörtern ist ausreichend. Die ausführlichen Fallprofile, Matrix, Quellen und differenzierten Empfehlungen verbleiben auf dieser Anhangsseite. Dadurch bleibt der Konzepttext lesbar, während zentrale Aussagen überprüfbar belegt und vertieft werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_faq&amp;quot;&amp;gt;RomArchive (o. J.): ''Frequently Asked Questions''. [https://www.romarchive.eu/en/about/frequently-answered-questions/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_imprint&amp;quot;&amp;gt;Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma e. V. / RomArchive (o. J.): ''Imprint''. [https://www.romarchive.eu/en/imprint/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_kulturstiftung&amp;quot;&amp;gt;Kulturstiftung des Bundes (o. J.): ''RomArchive – Digital Archive of the Roma''. [https://www.kulturstiftung-des-bundes.de/en/programmes_projects/film_and_new_media/detail/romarchive.html Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_about&amp;quot;&amp;gt;Nuohtti / Digital Access to the Sámi Heritage Archives (o. J.): ''About Nuohtti''. [https://nuohtti.com/Content/about Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_uarctic&amp;quot;&amp;gt;University of the Arctic (2023): ''The Nuohtti service provides digital access to Sámi material in European archives''. [https://www.uarctic.org/news/2023/3/the-nuohtti-service-provides-digital-access-to-sami-material-in-european-archives/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_dataspace&amp;quot;&amp;gt;Mäkikalli, Maija / Leppälä, Oona (2024): ''Nuohtti platform improves accessibility to the digitised archives of Sámi cultural heritage''. European Collaborative Cloud for Cultural Heritage / Europeana. [https://www.dataspace-culturalheritage.eu/en/news/nuohtti-platform-improves-accessibility-to-the-digitised-archives-of-sami-cultural-heritage Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_eval&amp;quot;&amp;gt;Vittle, Kate / Haswell-Walls, Fran / Dixon, Tim; ERS Ltd. (2016): ''Evaluation of the Casgliad y Werin Cymru / People’s Collection Wales Digital Heritage Programme. Impact Report''. [https://www.gov.wales/sites/default/files/publications/2019-08/evaluation-of-the-peoples-collection-wales-digital-heritage-programme-impact.pdf PDF], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_support&amp;quot;&amp;gt;People’s Collection Wales (o. J.): ''Community Support''. [https://www.peoplescollection.wales/about-us/community-support Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_edinburgh&amp;quot;&amp;gt;University of Edinburgh (2024): ''Tobar an Dualchais / Kist o Riches''. [https://gaelic.ed.ac.uk/gaelic-collections/tobar-an-dualchais-kist-o-riches Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_funding2025&amp;quot;&amp;gt;Scottish Government (2025): ''Rediscovering lost Gaelic words''. [https://www.gov.scot/news/rediscovering-lost-gaelic-words/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_funding2026&amp;quot;&amp;gt;Scottish Government (2026): ''Boost for Gaelic language''. [https://www.gov.scot/news/boost-for-gaelic-language/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_opening&amp;quot;&amp;gt;University of Edinburgh (o. J.): ''Opening the Well''. [https://gaelic.ed.ac.uk/news/opening-the-well Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;euskariana_about&amp;quot;&amp;gt;Gobierno Vasco / Biblioteca Digital de Euskadi (o. J.): ''Acerca de Euskariana''. [https://www.euskariana.euskadi.eus/euskadibib/es/help/about.do Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;bavarikon_about&amp;quot;&amp;gt;bavarikon / Freistaat Bayern (o. J.): ''Über bavarikon''. [https://www.bavarikon.de/about Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;bavarikon_partner&amp;quot;&amp;gt;bavarikon / Freistaat Bayern (o. J.): ''Partner werden''. [https://www.bavarikon.de/becoming-partner Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;bavarikon_500k&amp;quot;&amp;gt;Bayerische Staatsbibliothek (2024): ''bavarikon knackt die halbe Million: 500.000 digitale Kulturschätze aus rund 170 bayerischen Einrichtungen sind weltweit zugänglich''. [https://www.bsb-muenchen.de/en/about-us/article/bavarikon-knackt-die-halbe-million-500000-digitale-kulturschaetze-aus-rund-170-bayerischen-einrichtungen-sind-weltweit-zugaenglich-6555/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_about&amp;quot;&amp;gt;Mukurtu CMS / Center for Digital Scholarship and Curation, Washington State University (o. J.): ''About / Mission, Core Features, Implementation and Sustainability''. [https://mukurtu.org/about/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_plateau&amp;quot;&amp;gt;Mukurtu CMS / Washington State University (o. J.): ''Plateau Peoples’ Web Portal''. [https://mukurtu.org/project/plateau-peoples-web-portal-showcase/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_dlib&amp;quot;&amp;gt;Christen, Kimberly / Merrill, Alex / Wynne, Michael (2017): ''A Community of Relations: Mukurtu Hubs and Spokes''. D-Lib Magazine, 23(5/6). [https://www.dlib.org/dlib/may17/christen/05christen.html Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_who&amp;quot;&amp;gt;Aṟa Irititja (o. J.): ''Who are we?'' [https://irititja.com/about-ara-irititja/who-are-we/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_approach&amp;quot;&amp;gt;Aṟa Irititja (o. J.): ''Community-Based Approach – The Aṟa Irititja Approach''. [https://irititja.com/archive/the-ara-irititja-approach/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_funding&amp;quot;&amp;gt;Aṟa Irititja (o. J.): ''Funding''. [https://irititja.com/challlenges/funding/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_background&amp;quot;&amp;gt;Charles Darwin University / Living Archive of Aboriginal Languages (o. J.): ''Background''. [https://livingarchive.cdu.edu.au/background/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_rights&amp;quot;&amp;gt;Charles Darwin University / Living Archive of Aboriginal Languages (o. J.): ''Copyright and IP issues''. [https://livingarchive.cdu.edu.au/copyright/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_home&amp;quot;&amp;gt;Charles Darwin University / Living Archive of Aboriginal Languages (o. J.): ''Home''. [https://livingarchive.cdu.edu.au/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_migration&amp;quot;&amp;gt;Christie, Michael (2022): ''Post-LAAL update''. Living Archive of Aboriginal Languages, 26.10.2022. [https://livingarchive.cdu.edu.au/post-laal-update/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;paradisec_about&amp;quot;&amp;gt;PARADISEC (o. J.): ''About us''. [https://www.paradisec.org.au/about-us/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;paradisec_home&amp;quot;&amp;gt;PARADISEC (2026): ''Pacific and Regional Archive for Digital Sources in Endangered Cultures – Home and current collection data''. [https://www.paradisec.org.au/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_about&amp;quot;&amp;gt;Reciprocal Research Network (o. J.): ''About''. [https://www.rrncommunity.org/pages/about Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_contact&amp;quot;&amp;gt;Reciprocal Research Network (o. J.): ''Contact Us / Steering Group''. [https://www.rrncommunity.org/pages/contact Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_home&amp;quot;&amp;gt;Reciprocal Research Network (2026): ''Home / What’s inside''. [https://www.rrncommunity.org/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_rowley&amp;quot;&amp;gt;Rowley, Susan (2013): ''The Reciprocal Research Network: The Development Process''. Museum Anthropology Review, 7(1–2). [https://scholarworks.iu.edu/journals/index.php/mar/article/view/2172 Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_about&amp;quot;&amp;gt;Indigitization (o. J.): ''About Us''. [https://www.indigitization.ca/about-2/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_toolkit&amp;quot;&amp;gt;Indigitization (o. J.): ''Indigitization Toolkit''. [https://www.indigitization.ca/toolkit/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_grant&amp;quot;&amp;gt;Indigitization (o. J.): ''Audio Cassette Digitization Grant''. [https://www.indigitization.ca/funding/audio-cassette-grant/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_funding&amp;quot;&amp;gt;Indigitization (o. J.): ''Funding''. [https://www.indigitization.ca/funding/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;unesco_doc_heritage&amp;quot;&amp;gt;UNESCO (2015): ''Recommendation concerning the preservation of, and access to, documentary heritage including in digital form''. [https://www.unesco.org/en/legal-affairs/recommendation-concerning-preservation-and-access-documentary-heritage-including-digital-form Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;unesco_participation&amp;quot;&amp;gt;UNESCO Intangible Cultural Heritage (o. J.): ''Involvement of communities, groups and individuals''. [https://ich.unesco.org/en/involvement-of-communities-0033 Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;unesco_ethics&amp;quot;&amp;gt;UNESCO Intangible Cultural Heritage (o. J.): ''Ethical Principles for Safeguarding Intangible Cultural Heritage''. [https://ich.unesco.org/en/ethics-and-ich-00866 Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;oais&amp;quot;&amp;gt;International Organization for Standardization (ISO) (2025): ''ISO 14721:2025 – Space data and information transfer systems – Open archival information system (OAIS) – Reference model'', 3. Ausgabe. [https://www.iso.org/standard/87471.html Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;ndsa&amp;quot;&amp;gt;National Digital Stewardship Alliance (2026): ''Levels of Digital Preservation, Version 2.1''. [https://www.ndsa.org/publications/levels-of-digital-preservation/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;care&amp;quot;&amp;gt;Global Indigenous Data Alliance (o. J.): ''CARE Principles for Indigenous Data Governance''. [https://www.gida-global.org/careprinciples Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;localcontexts&amp;quot;&amp;gt;Local Contexts (o. J.): ''Traditional Knowledge and Biocultural Labels and Notices''. [https://localcontexts.org/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;edm&amp;quot;&amp;gt;Europeana Pro (o. J.): ''Europeana Data Model Documentation''. [https://pro.europeana.eu/page/edm-documentation Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;oaipmh&amp;quot;&amp;gt;Open Archives Initiative (o. J.): ''OAI-PMH Frequently Asked Questions''. [https://www.openarchives.org/documents/FAQ.html Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;iiif&amp;quot;&amp;gt;IIIF Consortium (2021, laufend gepflegt): ''IIIF Presentation API 3.0''. [https://iiif.io/api/presentation/3.0/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;iasa&amp;quot;&amp;gt;International Association of Sound and Audiovisual Archives (IASA) (o. J.): ''Guidelines on the Production and Preservation of Digital Audio Objects (TC-04)''. [https://www.iasa-web.org/tc04/audio-preservation Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;digicher&amp;quot;&amp;gt;Europeana Foundation / European Collaborative Cloud for Cultural Heritage (2024): ''Discover the DIGICHer project''. [https://www.dataspace-culturalheritage.eu/en/news/discover-the-digicher-project Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/references&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Měrko Šenk</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://koncept.serbski-inkubator.de/index.php?title=12.3.A1_Vergleichende_Recherche_%E2%80%93_Digitalisierung_des_Kulturerbes_anderer_Kulturen_und_Regionen&amp;diff=1070</id>
		<title>12.3.A1 Vergleichende Recherche – Digitalisierung des Kulturerbes anderer Kulturen und Regionen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://koncept.serbski-inkubator.de/index.php?title=12.3.A1_Vergleichende_Recherche_%E2%80%93_Digitalisierung_des_Kulturerbes_anderer_Kulturen_und_Regionen&amp;diff=1070"/>
		<updated>2026-07-22T11:48:42Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Měrko Šenk: /* Technische und fachliche Schwerpunkte */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;''Anhang zu [[12.3 Digitalisierung des Kulturerbes]]''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
''Recherche- und Quellenstand: 20. Juli 2026''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Seite dokumentiert eine vergleichende Recherche zu Erfolgsmodellen, Grenzen und übertragbaren Lösungsbausteinen bei der Digitalisierung des Kulturerbes kleiner, autochthoner, indigener, sprachlicher und regional verteilter Gemeinschaften. Sie dient als ausführliche Beleg- und Arbeitsgrundlage für den Konzeptabschnitt [[12.3 Digitalisierung des Kulturerbes#Beispiele anderer Kulturen und Regionen|„Beispiele anderer Kulturen und Regionen“]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Wichtiger Hinweis zur Aussagekraft:''' Die Fallprofile trennen soweit möglich zwischen dokumentierten Tatsachen, Aussagen der Projektverantwortlichen und der hier vorgenommenen Bewertung. Viele Projekte veröffentlichen keine aktuellen Nutzungszahlen oder unabhängigen Wirkungsevaluationen. In diesen Fällen wird nicht allein aus einer ansprechenden Website auf Erfolg geschlossen. Wo eine Schlussfolgerung nur plausibel, aber nicht direkt belegt ist, ist sie als '''Bewertung''' oder '''Annahme''' gekennzeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Hinweis zur Erstellung:''' Die vorliegende Vergleichsrecherche wurde mit Unterstützung der Funktion „Deep Research“ von ChatGPT (Version GPT-5.6 Sol Pro) erstellt und anschließend redaktionell überarbeitet. Maßgeblich für die Nachvollziehbarkeit sind die jeweils angegebenen Quellen, während die daraus abgeleiteten Bewertungen und Schlussfolgerungen eine analytische Einordnung darstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
__TOC__&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== A. Zusammenfassung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die untersuchten Projekte zeigen kein universell ideales System. Erfolgreiche oder besonders lehrreiche Modelle kombinieren vielmehr unterschiedliche Bausteine entsprechend ihrer Gemeinschaft, Rechtslage, Bestandsstruktur und Ressourcen. Für den sorbischen Kontext sind vor allem folgende Erkenntnisse belastbar:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Funktionen klar trennen, Systeme aber verbinden.''' Register beziehungsweise Katalog, Digitalisierungsdienst, Repositorium beziehungsweise Langzeitarchiv und Präsentationssystem erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Erfolgreiche Verbünde verbinden diese Funktionen über Metadaten, Identifikatoren, Übergabeprozesse und Schnittstellen, statt alles in einem einzigen Portal zu vermischen.&lt;br /&gt;
# '''Gemeinschaftliche Steuerung ist keine Zusatzfunktion.''' RomArchive, Nuohtti, Mukurtu, Aṟa Irititja und das Reciprocal Research Network zeigen, dass Angehörige der jeweiligen Kultur an Auswahl, Beschreibung, Kontextualisierung, Zugangsregeln und strategischen Entscheidungen beteiligt sein müssen. Reine institutionelle „Beteiligung“ ohne festgelegte Entscheidungsrechte reicht nicht aus.&lt;br /&gt;
# '''Zentral ermöglichen, dezentral verantworten.''' Besonders übertragbar sind Modelle, bei denen eine zentrale Stelle Standards, Infrastruktur, Beratung, Qualitätssicherung, Schulung und gegebenenfalls Technik bereitstellt, während Kulturgutträger ihre Originale, lokalen Kenntnisse, Beziehungen zu Rechteinhabern und kulturellen Entscheidungen behalten.&lt;br /&gt;
# '''Ein Suchportal ist noch kein digitales Archiv.''' Nuohtti, Euskariana, bavarikon und das Plateau Peoples’ Web Portal aggregieren beziehungsweise präsentieren Inhalte aus verschiedenen Quellen. Die Langzeiterhaltung der Masterdateien muss davon getrennt geregelt sein. Mukurtu weist ausdrücklich darauf hin, dass eine Zugangsplattform nur ein Baustein eines umfassenderen Systems für Digitalisierung, Erhaltung und Betrieb ist.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
# '''Keine Massendigitalisierung ohne Zielarchiv und Rechteworkflow.''' Digitalisierung erzeugt dauerhafte Folgekosten. Vor einer Skalierung müssen Speicherort, Übernahmeprozess, Prüfsummen, Sicherung, Dateiformate, Metadaten, Rechte und spätere Migration festgelegt sein.&lt;br /&gt;
# '''Offenheit ist nicht binär.''' Erfolgreiche gemeinschaftlich gesteuerte Projekte arbeiten mit abgestuften Zugängen: öffentliches Metadatum, frei zugängliches Nutzungsdigitalisat, registrierter oder gemeinschaftsbezogener Zugang, zeitliche Sperre oder keine Online-Veröffentlichung. Zugänglichkeit und kulturelle Selbstbestimmung werden dadurch nicht als Gegensätze behandelt.&lt;br /&gt;
# '''Mehrsprachigkeit muss Teil der Datenarchitektur sein.''' Zweisprachige oder mehrsprachige Angebote wie People’s Collection Wales, Nuohtti, RomArchive, Euskariana und Aṟa Irititja zeigen, dass Sprachen nicht nur in der Oberfläche, sondern auch in Metadatenfeldern, kontrollierten Begriffen, Suchfunktionen, Transkriptionen und Verantwortlichkeiten berücksichtigt werden müssen.&lt;br /&gt;
# '''Kleine Träger brauchen Dienste, nicht nur Vorgaben.''' People’s Collection Wales und Indigitization belegen den Wert von Beratung, Schulung, Vorlagen, Pilotförderung, technischer Begleitung und „Train-the-Trainer“-Ansätzen. Ein Standard, den Ehrenamtliche oder kleine Einrichtungen ohne Hilfe nicht anwenden können, ist praktisch kein gemeinsamer Standard.&lt;br /&gt;
# '''Projektförderung kann den Aufbau finanzieren, nicht automatisch den Dauerbetrieb.''' RomArchive gelang der geplante Übergang an einen institutionellen Betreiber. Aṟa Irititja musste über Jahre um Verstetigung ringen; bei Indigitization ruht das frühere Förderprogramm für Audiokassetten; die Evaluation von People’s Collection Wales bezeichnete Finanzierungssicherheit als Kernproblem. Dauerverantwortung, Grundfinanzierung und technischer Erneuerungszyklus müssen daher vor einer breiten Skalierung geklärt werden.&lt;br /&gt;
# '''Pilotieren, messen, dann skalieren.''' Besonders sinnvoll sind Pilotvorhaben, die die gesamte Kette von der Erfassung über Rechteklärung und Digitalisierung bis zur Archivierung und Präsentation testen. Die Evaluation von People’s Collection Wales empfiehlt ausdrücklich einen Ablauf aus Bedarf, Pilot, Test, Auswertung und anschließender Skalierung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_eval&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daraus lässt sich ein prägnantes Zielmodell ableiten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Vier funktionale Säulen&lt;br /&gt;
! Leitfrage&lt;br /&gt;
! Kernaufgabe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''1. Register'''&lt;br /&gt;
| Was gibt es, wo befindet es sich, was bedeutet es und was ist prioritär?&lt;br /&gt;
| Institutionenübergreifender Nachweis, Kontext, Rechte- und Prioritätsinformationen; Verknüpfung verteilter Bestände.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''2. Digitalisierungsdienst'''&lt;br /&gt;
| Wie entstehen qualitätsgesicherte Digitalisate?&lt;br /&gt;
| Beratung, Auswahl geeigneter Verfahren, Digitalisierung, Qualitätsprüfung, Dienstleistersteuerung, Schulung und Hilfe für kleine Träger.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''3. Repositorium / digitales Langzeitarchiv'''&lt;br /&gt;
| Wie bleiben Masterdateien und Metadaten dauerhaft erhalten?&lt;br /&gt;
| Übernahme, Integritätskontrolle, redundante Sicherung, Dateiformatüberwachung, Migration, persistente Identifikatoren und dokumentierte Verantwortung.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''4. Präsentations- und Nutzungssysteme'''&lt;br /&gt;
| Was wird wem, in welcher Sprache und unter welchen Bedingungen zugänglich?&lt;br /&gt;
| Suche, Kontextualisierung, Bildung, Forschung, Download, Programmierschnittstellen und kreative Nachnutzung – abgestuft nach Rechten und kulturellen Regeln.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Merksatz:''' Das Register weiß, ''was'' und ''wo''; das Digitalisierungszentrum erzeugt und prüft; das Repositorium erhält; die Präsentation vermittelt und ermöglicht Nutzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese funktionale Vierertrennung bedeutet nicht zwingend vier Organisationen oder vier getrennte Beschaffungen. Digitalisierungszentrum und Repositorium können beispielsweise beim selben Träger liegen. Auftrag, Verantwortung, Budget, Qualitätskriterien und Betriebszusagen sollten dennoch getrennt benannt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== B. Stand der Forschung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== B.1 Vorhandene Modelle und Leitlinien ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Gesamtaufgabe „verteilt erfassen, priorisieren, digitalisieren, Metadaten zusammenführen, langfristig erhalten und verantwortungsvoll zugänglich machen“ existiert kein einzelnes, allgemein verbindliches End-to-End-Modell. Es gibt jedoch belastbare Teilmodelle, die zusammengedacht werden können:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die '''UNESCO-Empfehlung''' zur Erhaltung und Zugänglichkeit des dokumentarischen Erbes fordert institutionelle Auswahl- und Erhaltungsstrategien, fachgerechte Erschließung, Metadaten, Zusammenarbeit und rechtzeitige Maßnahmen für gefährdete digitale Bestände.&amp;lt;ref name=&amp;quot;unesco_doc_heritage&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Für immaterielles Kulturerbe verlangt die UNESCO die möglichst breite Beteiligung der Gemeinschaften und die Achtung üblicher Zugangsregeln. Die '''ethischen Grundsätze''' betonen die primäre Rolle der Gemeinschaften sowie freie, vorherige und informierte Zustimmung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;unesco_participation&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;unesco_ethics&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Das '''Referenzmodell OAIS (Open Archival Information System'''; deutsch: Referenzmodell für ein offenes Archiv-Informationssystem) beschreibt Rollen und Kernfunktionen eines digitalen Langzeitarchivs. „Offen“ bezeichnet dabei ein offen entwickeltes Referenzmodell, nicht einen zwingend offenen Zugang zu allen Inhalten.&amp;lt;ref name=&amp;quot;oais&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Die '''NDSA Levels of Digital Preservation''' (Reifegradstufen der National Digital Stewardship Alliance) bieten eine stufenweise, für kleinere Einrichtungen praktikable Orientierung zu Speicherorten, Integrität, Informationssicherheit, Metadaten und Dateiformaten. Die aktuelle Fassung 2.1 von März 2026 stellt ausdrücklich klar, dass nicht jede Sammlung überall die höchste Stufe erreichen muss.&amp;lt;ref name=&amp;quot;ndsa&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Die '''CARE Principles for Indigenous Data Governance''' – Collective Benefit, Authority to Control, Responsibility und Ethics, auf Deutsch etwa gemeinschaftlicher Nutzen, Kontrollbefugnis, Verantwortung und Ethik – ergänzen technische Offenheits- und Nachnutzungsprinzipien um kollektive Rechte und Verantwortlichkeiten.&amp;lt;ref name=&amp;quot;care&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* '''Local Contexts''' stellt Traditional Knowledge Labels und Biocultural Labels bereit, mit denen Gemeinschaften Hinweise zu Herkunft, kultureller Autorität, erlaubter Nutzung und besonderen Protokollen ergänzen können. Diese Instrumente ersetzen das staatliche Urheberrecht nicht, machen aber gemeinschaftsbezogene Erwartungen maschinen- und menschenlesbar.&amp;lt;ref name=&amp;quot;localcontexts&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Für '''Metadaten''' und Austausch stehen etablierte Bausteine zur Verfügung: '''Dublin Core''' für einfache Kernmetadaten, '''Europeana Data Model (EDM'''; Datenmodell der Europeana) für heterogene Kulturdatensätze, '''OAI-PMH (Open Archives Initiative Protocol for Metadata Harvesting'''; Protokoll zum Einsammeln von Metadaten), Programmierschnittstellen sowie '''IIIF (International Image Interoperability Framework'''; Standardfamilie zur interoperablen Präsentation von Bildern und zunehmend Audio/Video).&amp;lt;ref name=&amp;quot;edm&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;oaipmh&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;iiif&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Für audiovisuelle Bestände sind die '''IASA-TC-04'''-Richtlinien der '''International Association of Sound and Audiovisual Archives''' besonders relevant. Sie behandeln unter anderem Signalerfassung, Metadaten, Identifikatoren, Speicherung, kleine Einrichtungen und die Vergabe an Dienstleister.&amp;lt;ref name=&amp;quot;iasa&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== B.2 Vergleichende Forschung und Evaluation ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die belastbarsten Erkenntnisse entstehen aus einer Kombination aus technischen Dokumentationen, Projektberichten, wissenschaftlichen Fallstudien und unabhängigen Evaluationen. Besonders wertvoll ist die Evaluation von People’s Collection Wales, weil sie nicht nur Erfolge, sondern auch geringe Rücklaufzahlen, begrenzte Wirkungsnachweise, Finanzierungsrisiken, Rollenunklarheiten und den hohen Aufwand vermittelter Community-Arbeit offenlegt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_eval&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wissenschaftlich gut dokumentiert sind außerdem das gemeinschaftsbasierte Metadaten- und Zugangsmodell von Mukurtu und dem Plateau Peoples’ Web Portal sowie die kooperative Entwicklung des Reciprocal Research Network. Beide zeigen, dass Vertrauen, Vereinbarungen, parallel mögliche institutionelle und gemeinschaftliche Beschreibungen sowie fein abgestufte Zugänge organisatorisch ebenso wichtig sind wie die Software.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_dlib&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_rowley&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das EU-geförderte Forschungsprojekt DIGICHer untersucht seit 2024, wie Minderheitengemeinschaften – unter anderem Sámi, jüdische und ladinische Gemeinschaften – gerechter an der Digitalisierung und Repräsentation ihres Kulturerbes beteiligt werden können. Da das Projekt bis 2027 läuft, sind im Juli 2026 noch keine abschließenden, allgemein belastbaren Ergebnisse verfügbar. Es ist aber ein relevantes Anschlussvorhaben für die weitere Beobachtung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;digicher&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== B.3 Forschungslücken ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der Auswertung ergeben sich vier wiederkehrende Lücken:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Aktuelle, unabhängige Nutzungs- und Wirkungsevaluationen fehlen bei vielen Projekten.&lt;br /&gt;
# Die technische Präsentationsarchitektur ist häufig besser dokumentiert als die Verantwortung für Masterdateien, Migration und dauerhafte Finanzierung.&lt;br /&gt;
# Community-Beteiligung wird oft beschrieben, aber Entscheidungsrechte, Konfliktlösungen und Repräsentativität bleiben teilweise unklar.&lt;br /&gt;
# Es gibt zahlreiche Standards für Einzelaufgaben, aber wenig empirisch evaluierte Gesamtmodelle für kleine, institutionell verteilte Minderheiten mit ehrenamtlich betreuten Sammlungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Bewertung:''' Der Ansatz bei der Digitalisierung von Kulturerbe sollte deshalb nicht nach einer fertigen „Best-Practice-Software“ suchen. Zielführender ist eine belastbare Gesamtarchitektur aus &lt;br /&gt;
* ''Governance'', &lt;br /&gt;
* ''Diensten'', &lt;br /&gt;
* ''Mindeststandards'' und &lt;br /&gt;
* ''dauerhaftem Betrieb'', &lt;br /&gt;
in die geeignete vorhandene Softwareprodukte eingebunden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== C. Begründete Auswahl der Fallbeispiele ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Auswahl umfasst zwölf Fälle. Sie deckt europäische Minderheiten, indigene und gemeinschaftlich gesteuerte Modelle, regionale Verbünde, Sprach- und Audioarchive sowie problembehaftete Übergänge ab. Nicht jedes Projekt bildet die gesamte Prozesskette ab; gerade die Unterschiede machen sichtbar, welche Funktion jeweils gelöst wird und wo Lücken bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable sortable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Fall&lt;br /&gt;
! Gemeinschaft / Raum&lt;br /&gt;
! Modelltyp&lt;br /&gt;
! Besondere Relevanz für die Sorben&lt;br /&gt;
! Evidenzlage&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| RomArchive&lt;br /&gt;
| Roma und Sinti; transnational, Schwerpunkt Europa; Betrieb in Deutschland&lt;br /&gt;
| Kuratiertes, gemeinschaftsgeprägtes digitales Archiv&lt;br /&gt;
| Deutungshoheit, Übergabe vom Förderprojekt an einen dauerhaften Betreiber, Mehrsprachigkeit&lt;br /&gt;
| Mittel bis hoch: aktuelle Primärquellen; keine aktuelle unabhängige Wirkungsanalyse&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Nuohtti&lt;br /&gt;
| Sámi in Sápmi; Norwegen, Schweden, Finnland, historisch auch Russland&lt;br /&gt;
| Föderierter Suchdienst über Bestände vieler Institutionen&lt;br /&gt;
| Verteilte Bestände, mehrere Staaten und Sprachen, ethische Hinweise, Open-Source-Bausteine&lt;br /&gt;
| Mittel bis hoch: Projekt- und Betreiberquellen; belastbare Umfangsangaben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| People’s Collection Wales&lt;br /&gt;
| Walisische Bevölkerung und walisischsprachige Gemeinschaft; Wales, Vereinigtes Königreich&lt;br /&gt;
| Nationaler Verbund mit Community-Beiträgen und Schulung&lt;br /&gt;
| Zweisprachigkeit, kleine Träger, zentrale Unterstützung, unabhängige Evaluation&lt;br /&gt;
| Hoch für die untersuchte Förderphase; aktuelle Nutzungsdaten begrenzt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Tobar an Dualchais / Kist o Riches&lt;br /&gt;
| Gälisch- und Scots-sprachige Gemeinschaften; Schottland, Vereinigtes Königreich&lt;br /&gt;
| Digitales Oral-History- und Tonarchiv&lt;br /&gt;
| Gefährdete audiovisuelle Bestände, Sprache, Transkription, Bildung&lt;br /&gt;
| Mittel: aktuelle Bestands- und Förderangaben; keine umfassende unabhängige Evaluation&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Euskariana&lt;br /&gt;
| Baskische Kultur- und Sprachgemeinschaft; Projekt der Autonomen Gemeinschaft Baskenland, Spanien&lt;br /&gt;
| Staatlich getragenes Aggregations- und Zugangsportal&lt;br /&gt;
| Gemeinsamer Katalog, eigenes Repositorium plus Verlinkung, Standards und Europeana-Anbindung&lt;br /&gt;
| Mittel: gute offizielle Dokumentation; wenig unabhängige Wirkungsmessung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| bavarikon&lt;br /&gt;
| Regionales Kulturerbe Bayerns; keine Minderheitenplattform&lt;br /&gt;
| Staatlicher institutionsübergreifender Digitalisierungs- und Präsentationsverbund&lt;br /&gt;
| Betreiberverantwortung, Förderverfahren, Qualitätsanforderungen, Beteiligung vieler Einrichtungen&lt;br /&gt;
| Hoch für Organisation und Umfang; wegen Größenordnung nur teilweise übertragbar&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mukurtu und Plateau Peoples’ Web Portal&lt;br /&gt;
| Indigene Nationen des nordwestlichen Plateaus; USA&lt;br /&gt;
| Open-Source-Zugangsplattform und gemeinschaftlich kuratierter Verbund&lt;br /&gt;
| Kulturelle Protokolle, Traditional Knowledge Labels, mehrere Beschreibungen pro Objekt&lt;br /&gt;
| Hoch für Funktionsmodell und Governance; Betriebskapazität bleibt Voraussetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Aṟa Irititja&lt;br /&gt;
| Aṉangu der APY Lands; South Australia, Australien&lt;br /&gt;
| Gemeinschaftsbasiertes Multimediaarchiv und digitale Rückgabe&lt;br /&gt;
| Lokale Kontrolle, sensibler Zugang, mehrsprachige und niedrigschwellige Nutzung&lt;br /&gt;
| Mittel: detaillierte Eigendokumentation; Wirkungsnachweise überwiegend Selbstauskunft&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Living Archive of Aboriginal Languages&lt;br /&gt;
| Zahlreiche Aboriginal-Sprachgemeinschaften im Northern Territory, Australien&lt;br /&gt;
| Digitales Sprach- und Bildungsarchiv&lt;br /&gt;
| Rechteklärung, offene Lehrmaterialien, Master-/Nutzungsdateien, Migrationsrisiko&lt;br /&gt;
| Hoch für Prozess und Bestandsumfang; dokumentierte Einschränkung nach Systemwechsel&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| PARADISEC&lt;br /&gt;
| Viele kleine und gefährdete Sprachgemeinschaften, vor allem im Pazifikraum&lt;br /&gt;
| Universitärer Fachverbund für audiovisuelle Langzeiterhaltung&lt;br /&gt;
| Gefährdete Tonträger, professionelles Repositorium, verteilte Trägerschaft und Rückgabe von Kopien&lt;br /&gt;
| Hoch: große Bestände, aktuelle Berichte, Zertifizierung und Auszeichnungen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reciprocal Research Network&lt;br /&gt;
| First Nations der Nordwestküste von British Columbia; Kanada&lt;br /&gt;
| Föderierte Recherche- und Kooperationsplattform&lt;br /&gt;
| Institutionenübergreifende Suche, Vereinbarungen, Community-Wissen, technische Alterung&lt;br /&gt;
| Mittel bis hoch: aktuelle Bestandszahlen und Forschung; sichtbare Softwareversion von 2014&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Indigitization&lt;br /&gt;
| First Nations und weitere indigene Gemeinschaften in British Columbia; Kanada&lt;br /&gt;
| Kompetenz-, Schulungs- und Förderprogramm für dezentrale Digitalisierung&lt;br /&gt;
| Besonders nah am möglichen Dienstleistungsmodell eines sorbischen Digitalisierungszentrums&lt;br /&gt;
| Hoch für Förderphase 2013–2019; aktuelles Kassettenförderprogramm pausiert&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== D. Fallprofile ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.1 RomArchive – Digitales Archiv der Roma ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Roma sind eine transnationale, historisch in vielen europäischen und außereuropäischen Staaten lebende Minderheit mit vielfältigen Gruppen, Sprachen und Selbstbezeichnungen. Sinti sind eine unter anderem in Deutschland und Mitteleuropa beheimatete Gruppe. RomArchive ist deshalb keinem einzelnen Minderheitengebiet zugeordnet. Das Projekt wurde in Deutschland öffentlich gefördert und international mit überwiegend aus Roma bestehenden kuratorischen und beratenden Teams entwickelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RomArchive versteht sich als digitales Archiv für Kunst und Kulturen der Roma. Es erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern präsentiert kuratierte, repräsentative Bestände und wissenschaftliche Kontextualisierungen. Inhalte wurden von jeweils zuständigen kuratorischen Teams ausgewählt; kuratorische Teams und Beirat waren überwiegend mit Roma besetzt. Nach Angaben des Projekts wirkten rund 150 Personen aus 15 Staaten mit. Die Übergabe an eine Roma-Organisation war von Beginn der fünfjährigen Entwicklungsphase 2015–2019 an vorgesehen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_faq&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entwicklung wurde durch die Kulturstiftung des Bundes mit 3,75 Millionen Euro gefördert; weitere Unterstützer waren unter anderem die Bundeszentrale für politische Bildung, das Auswärtige Amt und das Goethe-Institut. Seit 2019 liegt der Betrieb beim Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg; die laufende Website nennt die Bundeszentrale für politische Bildung als Förderer.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_kulturstiftung&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_imprint&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Fachliche und technische Lösung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RomArchive verbindet kuratierte Themenbereiche, einen durchsuchbaren Archivbestand, biografische Akteursdaten und digitale Vermittlungsformate. Die Deutsche Kinemathek war für Konzeption und Vermittlung von digitaler Archivierung, Digitalisierung und Katalogisierung beteiligt. Die Website nutzt ein auf Django basierendes Content-Management-System; eine Verbindung zu Axiell Collections bindet das Sammlungsmanagement an die Präsentation an.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_imprint&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben veröffentlichten Materialien existiert ein internes Archiv, das auf begründete Anfrage für Forschung zugänglich ist. Dies ist ein einfaches, aber wichtiges Beispiel für abgestufte Zugänge. Das Angebot ist auf Deutsch, Englisch und Romanes verfügbar; die sprachliche Vielfalt des Romanes wird sichtbar gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Rechte, Beteiligung und nachweisbarer Erfolg ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die stärkste Leistung liegt in der kuratorischen und strategischen Beteiligung der Minderheit sowie in dem Anspruch, Fremdzuschreibungen durch selbst erzählte Gegennarrative zu korrigieren. Ethische Richtlinien und eine Sammlungspolitik wurden durch den internationalen Beirat mitentwickelt. Der Übergang vom zeitlich befristeten Entwicklungsprojekt an einen institutionellen Betreiber wurde tatsächlich vollzogen. Dass das Angebot im Juli 2026 weiterhin betrieben wird, ist ein belastbarer Nachhaltigkeitsindikator.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Aktuelle unabhängige Daten zu Nutzung, Reichweite, Aktualisierungsfrequenz und langfristiger digitaler Erhaltung der Masterdateien sind öffentlich nicht in ausreichender Tiefe dokumentiert. Die öffentliche Oberfläche ist stärker ein kuratiertes Archiv und Wissensportal als ein vollständiges Bestandsregister aller Roma-Kulturgüter. Die überwiegend restriktive Rechtekennzeichnung vieler Inhalte begrenzt kreative Nachnutzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* Minderheitenangehörige mit echten kuratorischen und strategischen Entscheidungsrechten;&lt;br /&gt;
* von Beginn an geplanter Betreiberübergang;&lt;br /&gt;
* Verbindung von Sammlungsdatenbank, kuratiertem Kontext und öffentlicher Präsentation;&lt;br /&gt;
* abgestufter Zugang zwischen öffentlicher Website und internem Forschungsarchiv;&lt;br /&gt;
* öffentliche Anschubförderung plus institutionelle Verankerung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwerte:''' &lt;br /&gt;
* Ein sorbisches Portal sollte nicht nur Objekte zeigen, sondern sorbische Perspektiven, Begriffe und Kontexte strukturell verankern. &lt;br /&gt;
* Für Kulturregister, Digitalisierungszentrum und Präsentation braucht es bereits in der Projektphase einen festgelegten dauerhaften Träger. &lt;br /&gt;
* Ein kuratorischer oder gemeinschaftlicher Beirat sollte nicht nur beraten, sondern definierte Entscheidungsrechte bei Auswahl, Beschreibung und sensiblen Inhalten erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.2 Nuohtti – Föderierter Zugang zum Sámi-Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Sámi sind ein indigenes Volk im nordeuropäischen Sápmi, das sich über Gebiete des heutigen Norwegens, Schwedens, Finnlands und Russlands erstreckt. Es gibt mehrere Sámi-Sprachen und unterschiedliche nationale Rechts- und Institutionsrahmen. Viele historische Quellen und Sammlungsobjekte befinden sich außerhalb von Sámi-Institutionen in europäischen Archiven, Bibliotheken und Museen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nuohtti ist ein Suchdienst, der digitalisierte Sámi-Materialien aus verschiedenen europäischen Gedächtnisinstitutionen zusammenführt. Er wurde im Projekt „Digital Access to the Sámi Heritage Archives“ von 2018 bis 2021 mit EU-Mitteln aus Interreg Nord entwickelt. Beteiligt waren die Sámi-Archive der norwegischen und finnischen Nationalarchive, das schwedische Reichsarchiv sowie Universitäten in Lappland, Oulu und Umeå; die Universität Lappland leitete das Projekt. Die Sámi-Parlamente Finnlands, Norwegens und Schwedens entsandten Mitglieder in die Steuerungsgruppe.&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_about&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_uarctic&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Vorgehen und Architektur ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor der technischen Umsetzung wurden einschlägige Bestände und Datenlieferanten kartiert. Nuohtti bündelt keine Originale und ersetzt die Quellsysteme nicht. Es normalisiert und indexiert Metadaten aus Archiven und Aggregatoren und führt Nutzerinnen und Nutzer zu den jeweiligen Digitalisaten. Eine Karte, eine Zeitleiste und mehrsprachige Suchoberflächen unterstützen den Zugang. Nach Projektangaben waren rund 30.000 Datensätze aus 32 Institutionen in fünf Sprachen zugänglich.&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_uarctic&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Technisch baut Nuohtti auf vorhandenen Open-Source- und öffentlichen Komponenten auf, darunter VuFind, Finna, RecordManager, Finto, Giellatekno, Apache Solr, Leaflet, OpenStreetMap und Nominatim. Daten werden unter anderem über nationale und europäische Aggregationswege eingebunden.&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Rechte, Ethik und Nachhaltigkeit ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nuohtti integriert ethische Hinweise in die Nutzung. Das ist besonders relevant, weil viele historische Beschreibungen und Sammlungen außerhalb der Sámi-Gemeinschaft und unter kolonialen Bedingungen entstanden. Nutzertests fanden unter anderem in Schulen und Bibliotheken statt. Nach dem Projekt wird der Dienst von den beteiligten Nationalarchiven weitergeführt; zugleich wird er im laufenden Projekt DIGICHer als Praxisbeispiel weiterentwickelt und untersucht.&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_dataspace&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Nuohtti löst vor allem den gemeinsamen Nachweis und Zugang. Die Digitalisierung, Rechteklärung und Langzeiterhaltung verbleiben überwiegend bei den Datenlieferanten. Unterschiedliche Datenqualität und historisch problematische Beschreibungen werden durch Aggregation nicht automatisch behoben. Aktuelle, öffentlich nachvollziehbare Nutzungszahlen sind begrenzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* föderierte Architektur statt erzwungener Zentralisierung aller Bestände;&lt;br /&gt;
* Bestands- und Datenquellenkartierung vor dem Portalbau;&lt;br /&gt;
* Beteiligung von Sámi-Parlamenten an der Steuerung;&lt;br /&gt;
* Wiederverwendung vorhandener Open-Source-Komponenten und nationaler Infrastrukturen;&lt;br /&gt;
* mehrsprachige, räumliche und zeitliche Suche;&lt;br /&gt;
* sichtbare ethische Kontextualisierung problematischer Bestände.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwerte:''' &lt;br /&gt;
* Das Register kann als föderierender Nachweis funktionieren: große Institutionen liefern Metadaten über Schnittstellen, kleine Träger können Daten direkt in einem zentral angebotenen System erfassen. &lt;br /&gt;
* Eine zentrale Suche muss nicht bedeuten, dass alle Originale oder alle Digitalisate zentral verwaltet werden. &lt;br /&gt;
* Historische Fremdbeschreibungen sollten als solche kenntlich gemacht und um sorbische Bezeichnungen sowie Community-Kontexte ergänzt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.3 People’s Collection Wales / Casgliad y Werin Cymru ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wales ist ein Landesteil des Vereinigten Königreichs mit eigener Regierung und einer starken nationalen sowie walisischsprachigen Identität. Walisisch und Englisch sind für das Angebot gleichberechtigte Arbeitssprachen. Das Projekt richtet sich nicht nur an professionelle Kulturinstitutionen, sondern auch an lokale Geschichtsgruppen, Vereine, Schulen und Einzelpersonen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
People’s Collection Wales ist eine zweisprachige digitale Plattform und ein begleitendes Unterstützungsprogramm, über das Nutzerinnen und Nutzer walisisches Kulturerbe entdecken, beitragen und vermitteln können. Getragen wird es als föderierte Partnerschaft von Amgueddfa Cymru – National Museum Wales, der National Library of Wales und der Royal Commission on the Ancient and Historical Monuments of Wales; finanziert wird das Programm durch die walisische Regierung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_eval&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Plattform wird durch kostenlose Beratung und Schulung ergänzt. Das aktuelle Unterstützungsangebot umfasst Projektplanung, Digitalisierung, Urheberrecht, Datenschutz, Metadaten und Oral History. Diese Kombination aus Technik und persönlicher Begleitung ist für kleine und ehrenamtliche Träger besonders relevant.&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_support&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Nachweisbarer Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die unabhängige Evaluation von 2016 stellte für die Förderphase 2014-2016 eine gestärkte föderierte Partnerschaft, eine kritische Masse an Inhalten, Fortschritte bei Community-Kompetenzen und eine hohe Vertrauenswürdigkeit des nichtkommerziellen Angebots fest. Externe Projekte sparten Ressourcen, weil sie eine vorhandene Plattform nutzen konnten. Zugleich wurden die gemessenen Wirkungen insgesamt als eher moderat beschrieben. Die Nutzerbefragung hatte nur 38 vollständige Antworten; wirtschaftliche und touristische Wirkungen waren damals nicht nachweisbar. Die Evaluation benannte Finanzierungssicherheit, klare Rollen, technische Stabilität, Marketing und dauerhaft finanzierbare Vor-Ort-Unterstützung als zentrale Herausforderungen. Vermittelte Sitzungen seien für bestimmte Zielgruppen unverzichtbar.&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_eval&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Programm existiert weiterhin und bietet aktuell Unterstützung an. Die verfügbaren Quellen belegen damit institutionelle Kontinuität, ersetzen aber keine neue unabhängige Wirkungsevaluation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* föderierte Trägerschaft mehrerer starker Institutionen;&lt;br /&gt;
* zweisprachige Plattform und Materialien;&lt;br /&gt;
* kostenlose Beratung, Metadaten- und Digitalisierungsschulungen;&lt;br /&gt;
* gemeinsamer technischer Dienst, den lokale Projekte nicht selbst entwickeln müssen;&lt;br /&gt;
* expliziter Pilot- und Lernansatz;&lt;br /&gt;
* unabhängige Evaluation mit offen benannten Grenzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwerte:''' &lt;br /&gt;
* Ein Digitalisierungszentrum sollte nicht nur Geräte betreiben, sondern ein sichtbares Serviceangebot für Heimatstuben, Vereine, Kirchengemeinden, Kommunen und Privatpersonen aufbauen: Erstberatung, Vorlagen, Rechtehilfe, Metadatenhilfe, mobile Einsätze, Schulungen und telefonische beziehungsweise digitale Sprechstunden. &lt;br /&gt;
* Für Obersorbisch und Niedersorbisch sollte Mehrsprachigkeit verbindlich geplant und finanziert werden. &lt;br /&gt;
* Erfolgsmessung darf sich nicht auf Objektzahlen beschränken, sondern sollte Kompetenzen, beteiligte Träger, Nachnutzung und Zufriedenheit erfassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.4 Tobar an Dualchais / Kist o Riches ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schottisch-Gälisch ist eine keltische Minderheitensprache, die vor allem in Schottland, besonders in den Highlands und auf den Inseln, gesprochen wird. Scots ist eine weitere historisch gewachsene Sprache beziehungsweise Sprachgruppe Schottlands. Das Projekt umfasst Aufnahmen auf Gälisch, Scots und Englisch und ist in den öffentlichen und kulturellen Institutionen Schottlands verankert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tobar an Dualchais / Kist o Riches macht mehr als 40.000 mündliche Aufnahmen zugänglich, die seit den 1930er Jahren in Schottland und darüber hinaus entstanden. Enthalten sind Erzählungen, Lieder, Musik, Gedichte und Sachinformationen. Ein bedeutender Teil stammt aus den School of Scottish Studies Archives der Universität Edinburgh; die physischen Originalbestände verbleiben in den Archiven.&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_edinburgh&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Vorhaben wird durch eine Partnerschaft kultureller und wissenschaftlicher Einrichtungen getragen und erhält wiederkehrend öffentliche Förderung. Die schottische Regierung bewilligte 2025 beispielsweise 35.000 Pfund für die fortlaufende Online-Sammlung gälischer und Scots-Materialien und 2026 weitere 14.127 Pfund für die Entwicklung des digitalen Archivs.&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_funding2025&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_funding2026&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Technische und fachliche Schwerpunkte ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Projekt konzentriert sich auf bedrohte zeitbasierte Medien und deren sprachliche Erschließung. Suchfelder nach Thema, Titel und beitragender Person erleichtern die Nutzung. Das ergänzende Vorhaben „Opening the Well“ transkribiert einen großen Bestand gälischer Erzählungen und verbindet Freiwilligenarbeit mit automatischer Spracherkennung. Dadurch werden Tonaufnahmen nicht nur erhalten, sondern durchsuchbar und für Sprachforschung sowie Bildung nachnutzbar.&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_opening&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Die öffentlich sichtbaren Förderungen sind überwiegend programm- oder projektbezogen. Sie belegen fortlaufende Unterstützung, aber keine vollständig transparente dauerhafte Grundfinanzierung des gesamten Betriebs. Rechteklärung, Transkription und Qualitätskontrolle bleiben bei umfangreichen historischen Tonbeständen dauerhafte Aufgaben. Eine umfassende unabhängige Evaluation mit aktuellen Nutzungsdaten wurde in dieser Recherche nicht gefunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* klare Priorität für gefährdete audiovisuelle Bestände;&lt;br /&gt;
* institutionelle Aufbewahrung der Originale und digitale öffentliche Vermittlung;&lt;br /&gt;
* Verbindung von Digitalisierung, sprachlicher Erschließung und Bildung;&lt;br /&gt;
* Kombination aus Fachinstitutionen, öffentlicher Förderung und freiwilliger Mitarbeit;&lt;br /&gt;
* sichtbare Mehrsprachigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwerte:''' &lt;br /&gt;
* Tonbänder, Kassetten, Filme und Videoformate sollten wegen Materialalterung und technischer Obsoleszenz gesondert priorisiert werden. &lt;br /&gt;
* Ein Pilot „Sorbische / wendische Stimmen und Lieder“ könnte Digitalisierung, Rechteklärung, obersorbische und niedersorbische Transkription, Übersetzung, Normdaten und Bildungsnutzung exemplarisch durchspielen. &lt;br /&gt;
* Automatische Spracherkennung kann unterstützen, ersetzt aber bei kleinen Sprachen keine fachliche und gemeinschaftliche Korrektur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.5 Euskariana – Digitales Portal zum baskischen Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Baskinnen und Basken leben beiderseits der spanisch-französischen Grenze. Baskisch (Euskara) ist eine eigenständige europäische Sprache mit mehreren Varietäten. Euskariana ist kein gesamtbaskisches staatenübergreifendes Projekt, sondern ein Angebot der Autonomen Gemeinschaft Baskenland in Spanien; es bezieht jedoch auch einschlägige Bestände aus Institutionen außerhalb dieser Region ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Euskariana wird von der Digitalen Bibliothek Euskadi innerhalb der baskischen Kulturverwaltung betrieben. Das Portal entsteht in Zusammenarbeit des baskischen Regierungsapparats mit den Provinzverwaltungen von Álava/Araba, Bizkaia und Gipuzkoa, Kommunen, Universitäten, kirchlichen und privaten Einrichtungen. Der Sammlungsschwerpunkt umfasst Werke baskischer Urheberinnen und Urheber, Veröffentlichungen aus Euskadi, weltweit entstandene Inhalte zu baskischen Themen sowie besonders Inhalte auf Baskisch oder in baskischer Übersetzung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;euskariana_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als staatlich getragenes Dauerangebot ist Euskariana stärker institutionell abgesichert als ein zeitlich begrenztes Förderprojekt. Öffentlich zugängliche Quellen benennen jedoch keine vollständigen jährlichen Betriebs- und Personalkosten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Architektur, Standards und Nachnutzung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Euskariana ist gleichzeitig gemeinsamer Katalog und Zugangsportal. Es integriert Datensätze aus Bibliotheksnetzen, Verbundkatalogen, Museen, Archiven, Hochschulrepositorien und internationalen Nationalbibliotheken. Digitale Objekte werden entweder im eigenen Repositorium bereitgestellt oder über Links in den Quellsystemen aufgerufen. Damit unterstützt das Projekt zwei Anbindungswege: zentrale Aufnahme und föderierte Verlinkung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;euskariana_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach offizieller Dokumentation nutzt Euskariana unter anderem MARC, Dublin Core (DC), METS, PREMIS und ALTO. Kurz erläutert: MARC dient vor allem bibliografischen Daten; Dublin Core beschreibt einen einfachen Metadatenkern; METS strukturiert digitale Objekte und Dateigruppen; PREMIS dokumentiert Erhaltungsinformationen; ALTO bildet Layout und erkannten Text digitalisierter Seiten ab. Die Standardisierung ermöglicht die Beteiligung an Europeana und die Verbindung zu weiteren spanischen und französischen Portalen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;euskariana_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Die offizielle Dokumentation ist technisch aussagekräftig, liefert aber wenig Informationen über Community-Entscheidungsrechte, abgestufte kulturelle Zugänge, aktuelle Nutzungszahlen oder eine unabhängige Wirkungsevaluation. Das Modell ist stärker verwaltungs- und institutionsgetrieben als gemeinschaftsgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* klar benannter öffentlicher Betreiber;&lt;br /&gt;
* Kooperation über Verwaltungs-, Institutions- und Sektorgrenzen hinweg;&lt;br /&gt;
* sowohl eigenes Repositorium als auch Einbindung externer Digitalisate;&lt;br /&gt;
* verbindliche internationale Metadaten- und Erhaltungsstandards;&lt;br /&gt;
* besondere Sichtbarkeit der Minderheitensprache;&lt;br /&gt;
* Anschluss an größere Aggregatoren wie Europeana.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Für das Sorbische Kulturregister sollte es mindestens zwei Onboarding-Wege geben: Kleine Träger erfassen beziehungsweise hinterlegen Daten und Dateien in zentral bereitgestellten Diensten; größere Einrichtungen liefern Daten aus eigenen Fachsystemen über Export oder Schnittstelle. Ein gemeinsames Kernprofil muss lokale Fachstandards nicht ersetzen, sondern deren wichtigste Angaben abbilden. Obersorbisch und Niedersorbisch sollten als eigenständige Sprachwerte, nicht nur als Übersetzungsvarianten von Deutsch, gespeichert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.6 bavarikon – Regionaler Digitalisierungs- und Präsentationsverbund ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Region und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bavarikon ist keine Minderheitenplattform, sondern das Kulturportal des Freistaats Bayern. Es ist dennoch relevant, weil es zeigt, wie ein Flächenland zahlreiche Museen, Archive, Bibliotheken, wissenschaftliche Einrichtungen und nichtstaatliche Träger in ein geregeltes Förder-, Qualitäts- und Präsentationsmodell einbindet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die grundsätzliche Ausrichtung und der Mitteleinsatz werden durch das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst sowie das Staatsministerium für Digitales bestimmt. Ein Rat mit 14 stimmberechtigten Mitgliedern aus unterschiedlichen Kultursparten entscheidet über neue Inhalte und berät zu Betrieb und Digitalisierungsstrategie. Die Bayerische Staatsbibliothek trägt den laufenden technischen, redaktionellen und organisatorischen Betrieb; das Leibniz-Rechenzentrum übernimmt das Hosting.&amp;lt;ref name=&amp;quot;bavarikon_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Partner können Digitalisierungsvorhaben beantragen. Die Bayerische Staatsbibliothek begleitet die Digitalisierung, wenn die Ergebnisse in hoher Qualität über bavarikon präsentiert werden. Für die Aufnahme existieren Kriterien, Metadatenhandreichungen, Qualitätsanforderungen für Digitalisate, Musterlisten und ein Vorantragsverfahren.&amp;lt;ref name=&amp;quot;bavarikon_partner&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Nachweisbarer Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Portal ging 2013 online und wird monatlich ergänzt. Im November 2024 meldete die Bayerische Staatsbibliothek mehr als 500.000 digitale Objekte aus rund 170 Einrichtungen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;bavarikon_500k&amp;quot;/&amp;gt; Die institutionelle Betreiberverantwortung, der geregelte Zugang zu Fördermitteln und die veröffentlichten Mindestanforderungen sind belastbare Erfolgsindikatoren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' bavarikon verfügt über die Ressourcen eines deutschen Flächenlandes und einer großen Staatsbibliothek. Diese Größenordnung ist für die Sorben nicht direkt übertragbar. Das Portal ist primär Präsentations- und Förderinfrastruktur; aus den öffentlichen Unterlagen lässt sich nicht ableiten, dass bavarikon für sämtliche Masterdateien aller Partner allein die vollständige Langzeiterhaltung übernimmt. Community-Governance und kulturell abgestufte Zugänge stehen nicht im Mittelpunkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* dauerhaft benannter zentraler Betreiber und leistungsfähiges Rechenzentrum;&lt;br /&gt;
* spartenübergreifendes Entscheidungsgremium;&lt;br /&gt;
* geregeltes Förder- und Auswahlverfahren;&lt;br /&gt;
* publizierte Mindeststandards und Vorlagen;&lt;br /&gt;
* zentrale fachliche Begleitung bei dezentralen Beständen;&lt;br /&gt;
* kontinuierlicher Ausbau statt einmaliger Portalveröffentlichung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Übertragbar ist nicht die Größenordnung, sondern die Verfahrenslogik: ein transparentes Antrags- und Priorisierungsverfahren, verbindliche Lieferpakete, klare Qualitätskontrollen und ein zentraler Ansprechpartner. Ein sorbischer Digitalisierungsfonds könnte kleinere, klar abgegrenzte Vorhaben fördern, sofern Rechte, Metadaten, Zielrepositorium und spätere Nutzung vorab geklärt sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.7 Mukurtu und Plateau Peoples’ Web Portal ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mukurtu entstand aus einer Zusammenarbeit mit der Warumungu-Gemeinschaft in Australien und wurde zu einer frei verfügbaren Plattform für indigene Gemeinschaften weiterentwickelt. Das hier besonders betrachtete Plateau Peoples’ Web Portal betrifft acht indigene Nationen des nordwestlichen Plateaus in den USA, darunter Spokane, Colville, Umatilla, Coeur d’Alene, Warm Springs, Yakama, Confederated Salish and Kootenai Tribes und Nez Perce. Diese Nationen besitzen jeweils eigene politische und kulturelle Strukturen innerhalb der Vereinigten Staaten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mukurtu CMS (Content-Management-System; deutsch: System zur Verwaltung und Veröffentlichung von Inhalten) wird am Center for Digital Scholarship and Curation der Washington State University als Open-Source-Software entwickelt und gepflegt. Die Entwicklung wurde unter anderem durch die National Endowment for the Humanities, das Institute of Museum and Library Services, die Mellon Foundation und die National Science Foundation gefördert.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_about&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_plateau&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Plateau Peoples’ Web Portal ist ein konkreter Verbund zwischen den beteiligten Stämmen, der Washington State University und externen Gedächtnisinstitutionen. Stammesvertreterinnen und -vertreter wählen und kuratieren Materialien; die technische Pflege liegt bei der Universität in Partnerschaft mit indigenen Programmen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_plateau&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Rechte- und Metadatenmodell ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mukurtu unterstützt Traditional Knowledge Labels, fein abgestufte kulturelle Protokolle und mehrere parallele Beschreibungen zu einem Objekt. Eine Institution kann beispielsweise eine archivische Beschreibung liefern, während eine Gemeinschaft eigene Namen, Erzählungen, Herkunftsangaben und Zugangsregeln ergänzt. Der „Roundtrip“-Mechanismus ermöglicht den Export angereicherter Daten, ohne ursprüngliche Metadaten zu verlieren.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wissenschaftliche Dokumentationen des Plateau-Portals beschreiben ein Hub-and-Spoke-Modell – also einen zentralen technischen Knoten mit mehreren institutionellen und gemeinschaftlichen Zulieferern – sowie Vereinbarungen zwischen Partnern, Dublin-Core-Metadaten und granulare Zugangsregeln.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_dlib&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Portal demonstriert dauerhaft, dass kulturelle Selbstbestimmung technisch nicht nur durch „öffentlich“ oder „geschlossen“ abgebildet werden muss. Es ermöglicht mehrere Wissensordnungen neben- statt untereinander. Die Plattform ist Open Source und exportfähig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Open Source bedeutet nicht kostenlosen Betrieb. Installation, Aktualisierung, Hosting, Rechtekonzeption, Datenmigration und Support benötigen dauerhaft qualifiziertes Personal. Mukurtu weist selbst ausdrücklich darauf hin, dass es eine Zugangsplattform und nur ein Bestandteil eines größeren Systems für Digitalisierung, Erhaltung und Nachhaltigkeit ist.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_about&amp;quot;/&amp;gt; Die Übernahme von Traditional Knowledge Labels in den sorbischen Kontext wäre nicht eins zu eins möglich, weil kulturelle und rechtliche Ausgangslagen verschieden sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* kulturelle Protokolle als Kern der Daten- und Zugangslogik;&lt;br /&gt;
* mehrere Beschreibungen und Perspektiven pro Objekt;&lt;br /&gt;
* exportfähige Daten statt Plattformbindung;&lt;br /&gt;
* Partnerschaftsvereinbarungen und konkrete Rollen;&lt;br /&gt;
* dauerhafte technische Trägerschaft durch eine Universität;&lt;br /&gt;
* Community-Kuration statt bloßer Rückmeldung nach Veröffentlichung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Im Kulturregister sollte neben institutionellen Angaben Raum für sorbische Bezeichnungen, lokale Varianten, Erinnerungen und Korrekturen bestehen. Rechte- und Sichtbarkeitsstufen müssen pro Datensatz und möglichst pro Mediendatei modelliert werden. Ein Sorbisches Kulturregister könnte zunächst ein eigenes, rechtlich passendes Set von „Kulturhinweisen“ entwickeln, etwa „nur Metadaten öffentlich“, „Nutzung nur nach Rücksprache“, „innergemeinschaftlich“, „zeitlich gesperrt“ oder „freie Nachnutzung erwünscht“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.8 Aṟa Irititja – Gemeinschaftsbasiertes Aṉangu-Archiv ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aṉangu ist eine Selbstbezeichnung von Ngaanyatjarra-, Pitjantjatjara- und Yankunytjatjara-Gemeinschaften im zentralen Australien. Aṟa Irititja arbeitet vor allem in den Aṉangu Pitjantjatjara Yankunytjatjara Lands (APY Lands) im Nordwesten des Bundesstaats South Australia. Die Gemeinschaften sind australischen staatlichen Strukturen zugehörig, verfügen aber über eigene Land- und Organisationsstrukturen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Entstehung, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Projekt entstand 1994 als sozialgeschichtliches Vorhaben der Pitjantjatjara Council Aboriginal Corporation. Es arbeitet mit Schulen, Bildungszentren, Gesundheits-, Frauen-, Medien-, Land- und Kunstorganisationen in den APY Lands zusammen. Ein zentrales Büro in Adelaide bearbeitet Datenbank, Digitalisierung, physische Lagerung und Verwaltung; ein Büro in Alice Springs hält den Kontakt zu Gemeinschaften und ergänzt Sprach-, Familien- und Kontextinformationen. Seit 2020 steht das Projekt unter dem Dach der APY-Organisation und wird durch deren Executive Board gesteuert.&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_who&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Finanzierung war über lange Zeit eine Mischung aus staatlichen Programmen, Stiftungen, Spenden sowie jährlichen Beiträgen beteiligter Schulen und Community-Organisationen. Die eigene Projektdokumentation bezeichnet die langfristige Finanzierung ausdrücklich als dauerhaftes Problem. Mit der Eingliederung in APY wurden 2020 drei permanente Teilzeitstellen geschaffen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_funding&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Fachliche Lösung, Rechte und Zugang ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aṟa Irititja wurde auf Wunsch der Gemeinschaften entwickelt, um kulturelle Geschichte zu bewahren und zurückzugeben. Das Multimediaarchiv umfasst Fotos, Dokumente, Filme, Tonaufnahmen und Objekte. Die Software sollte kulturelle Einschränkungen abbilden und zugleich für Nutzerinnen und Nutzer mit begrenzter Schriftkompetenz oder eingeschränktem Sehvermögen leicht bedienbar sein. Inhalte werden in Ngaanyatjarra, Pitjantjatjara, Yankunytjatjara und Englisch bereitgestellt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_approach&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_who&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gemeinschaftsmitglieder und kulturelle Berater beurteilen sensible Inhalte und Zugangsregeln. Der Ansatz der „digitalen Rückgabe“ bringt digitale Kopien und Nutzungsmöglichkeiten zu den Gemeinschaften zurück, auch wenn Originale in Museen oder anderen Institutionen verbleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Betrieb seit 1994, die Eingliederung in eine Aṉangu-geführte Organisation und die dauerhafte Nutzung in Schulen und Gemeinschaftseinrichtungen sind starke Nachhaltigkeitsindizien. Die Dokumentation beschreibt intergenerationelle Nutzung, Schulungen und Beschäftigung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Viele Wirkungsangaben stammen vom Projekt selbst. Unabhängige aktuelle Evaluationen und detaillierte technische Angaben zur Langzeiterhaltung sind begrenzt. Die langjährige Finanzierungssuche zeigt, dass kulturelle Bedeutung allein keinen verlässlichen Betriebsetat garantiert. Zentraler Betrieb in Adelaide schafft Fachlichkeit, kann aber Distanz zu abgelegenen Gemeinschaften erzeugen; deshalb bleibt die lokale Kontakt- und Trainingsstruktur wesentlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* Entwicklung aus einem ausdrücklichen Wunsch der Gemeinschaft;&lt;br /&gt;
* institutionelle Unterstellung unter eine gemeinschaftseigene Organisation;&lt;br /&gt;
* lokale Ansprechpartner und zentrale Facharbeit;&lt;br /&gt;
* kulturell abgestufte Zugänge;&lt;br /&gt;
* mehrsprachige, visuell einfache Oberfläche;&lt;br /&gt;
* Verbindung von digitaler Rückgabe, Bildung und Kompetenzaufbau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Auch im sorbischen Kontext sollten Nutzeroberflächen nicht nur für wissenschaftliche Fachkräfte gestaltet werden. Lokale Sammlungsbetreuerinnen und -betreuer brauchen einfache Erfassungswege, visuelle Hilfen und persönliche Unterstützung. Sensible Inhalte – etwa private Familienaufnahmen, religiöse Praktiken, personenbezogene Überlieferung oder nicht für eine allgemeine Öffentlichkeit bestimmte Aufzeichnungen – benötigen ein gemeinsam beschlossenes Zugangsmodell. Zentraler Betrieb muss durch lokale Beziehungen ergänzt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.9 Living Archive of Aboriginal Languages (LAAL) ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Living Archive of Aboriginal Languages bündelt Literatur aus zahlreichen Aboriginal-Sprachgemeinschaften des Northern Territory in Australien. Es handelt sich nicht um eine einzige Minderheit, sondern um viele eigenständige Sprach- und Kulturgemeinschaften. Ein großer Teil der Bücher entstand zwischen den 1970er Jahren und dem Ende bilingualer Bildungsprogramme in lokalen Literature Production Centres.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Projekt begann 2012 unter Leitung der Charles Darwin University mit der Australian National University und dem Bildungsressort des Northern Territory. Es wurde durch die Australian Research Council Linkage Infrastructure, Equipment and Facilities Scheme gefördert. Eine zweite Förderphase erweiterte den Bestand und die Community- sowie Bildungsarbeit; weitere Partner kamen hinzu.&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_background&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Vorgehen umfasste das Auffinden verstreuter Bücher, Auswahl und Digitalisierung, Kontakt zu Autorinnen, Autoren und Illustratoren, Rechteklärung sowie Rückspiegelung in die Herkunftsgemeinschaften. Gemeinschaftsmitglieder konnten Texte prüfen und Geschichten oder Tonaufnahmen ergänzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Dateien, Rechte und Zugang ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für jeden Titel wurden Nutzungsdateien wie PDF, Textdatei und Vorschaubild erstellt; seitenweise TIFF-Masterdateien dienten der Langzeitaufbewahrung. Eine kartenbasierte Oberfläche erleichterte auch Menschen mit geringer Schriftkompetenz die Suche.&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_background&amp;quot;/&amp;gt; Materialien wurden nur nach schriftlicher Einwilligung von Urheberinnen, Urhebern oder Nachkommen veröffentlicht. Das Projekt verwendete Creative-Commons-Lizenzen mit Einschränkungen, berücksichtigte indigene Kultur- und Informationsprotokolle und bot ein Takedown-Verfahren, also die vorläufige Entfernung bei Einwänden.&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_rights&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der aktuelle Bestand umfasst nach Projektangaben nahezu 4.000 Bücher in 50 Sprachen aus 40 Gemeinschaften. Die Materialien wurden in die Plattform Territory Stories von Library &amp;amp; Archives Northern Territory überführt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_home&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Erfolg, Problem und Lernwert ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
LAAL verbindet Sprachsicherung, Rechteklärung, offene Bildungsnutzung und echte Erhaltungsdateien. Das Projekt zeigt aber auch eine typische Migrationsgefahr: Nach der Überführung in Territory Stories funktionierte die speziell entwickelte Kartenoberfläche nicht mehr; das Projekt dokumentierte 2022, dass zunächst auf einen möglichen Ersatz gewartet werde.&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_migration&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Die sorgfältige Rechteklärung erzeugte einen beträchtlichen Rückstand nicht veröffentlichter Materialien; dies ist kein Projektversagen, sondern ein realer Zielkonflikt zwischen Geschwindigkeit und Zustimmung. Die Migration bewahrte Inhalte, verlor aber zumindest zeitweise eine für die Zielgruppen wichtige Zugangsfunktion. Die ursprüngliche Projektorganisation war stark förderabhängig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* systematische „Search-and-Rescue“-Phase für verstreute gefährdete Materialien;&lt;br /&gt;
* klare Trennung von Erhaltungs- und Nutzungsdateien;&lt;br /&gt;
* Veröffentlichung nur mit Einwilligung und Takedown-Verfahren;&lt;br /&gt;
* Beteiligung der Sprachgemeinschaften an Prüfung und Ergänzung;&lt;br /&gt;
* Bildungsnutzung und Offline-Zugriff;&lt;br /&gt;
* Übergabe an eine öffentliche Gedächtnisinstitution.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Für jede digitale Sammlung muss ein Migrations- und Exit-Plan festlegen, wie Daten, Rechteangaben, Identifikatoren und zielgruppenspezifische Funktionen beim Systemwechsel erhalten bleiben. Eine funktionierende Fachoberfläche darf nicht der einzige Ort sein, an dem Beziehungen zwischen Daten gespeichert sind. Rechteklärung sollte als eigenes Arbeitspaket mit Aufwand, Rückständen und Prioritäten geplant werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.10 PARADISEC – Facharchiv für gefährdete Sprachen und Kulturen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaften, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PARADISEC steht für Pacific And Regional Archive for Digital Sources in Endangered Cultures. Es ist kein Archiv einer einzelnen Minderheit, sondern bewahrt Forschungs- und Community-Aufnahmen vieler kleiner Sprach- und Kulturgemeinschaften, vor allem im Pazifikraum, aber auch weltweit. Der institutionelle Sitz liegt in Australien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Organisation, Finanzierung und Architektur ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PARADISEC ist ein Verbund der University of Sydney, der University of Melbourne und der Australian National University. Operative Aufgaben sind über die drei Standorte verteilt; ein externer Beirat unterstützt die Steuerung. Das Projekt wurde wesentlich durch den Australian Research Council und in jüngerer Zeit durch die Language Data Commons of Australia im Rahmen nationaler Forschungsinfrastruktur finanziert.&amp;lt;ref name=&amp;quot;paradisec_about&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;paradisec_home&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Archiv hat Verfahren für Übernahme, Katalogisierung, Digitalisierung und Erhaltung von Audio-, Text- und Bildmaterial entwickelt. Es nutzt Forschungsnetze und institutionelle Speicherinfrastruktur, archiviert Audio in Erhaltungsformaten und stellt stabile Katalogdaten bereit. Kopien wurden an Kulturzentren und Institutionen in Vanuatu, Neukaledonien, Papua-Neuguinea, Französisch-Polynesien, den Salomonen und Rapa Nui zurückgegeben.&amp;lt;ref name=&amp;quot;paradisec_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Nachweisbarer Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Juli 2026 weist PARADISEC rund 20.500 Stunden Audio, 4.000 Stunden Video, mehr als 320 Terabyte und Inhalte zu etwa 1.460 Sprachen aus. Es erhielt 2019 das CoreTrustSeal für vertrauenswürdige Repositorien und wurde 2024 bei den Digital Preservation Awards sowie 2025 mit einem Open Scholarship Award ausgezeichnet.&amp;lt;ref name=&amp;quot;paradisec_home&amp;quot;/&amp;gt; Die Kombination aus großem Bestand, langjährigem Betrieb, fachlichen Standards und konkreter Rückgabe an Herkunftsgemeinschaften ist ein starker Erfolgsnachweis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Ein universitärer Forschungsverbund verfügt über Kompetenzen und Infrastrukturen, die kleinen lokalen Trägern nicht direkt zur Verfügung stehen. Die Community-Beteiligung variiert je nach Depositor, Sammlung und Herkunftsgemeinschaft. Online-Zugriff kann in Regionen mit schwacher Internetversorgung oder ohne passende Sprache weiterhin schwierig sein. Auch ein erfolgreiches Facharchiv benötigt laufende Dritt- und Infrastrukturmittel sowie technische Erneuerung; PARADISEC arbeitet derzeit an einer Erneuerung seines Katalogs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* fachlich fokussiertes Repositorium für gefährdete audiovisuelle und sprachliche Materialien;&lt;br /&gt;
* verteilte institutionelle Trägerschaft mit gemeinsamem Verfahren;&lt;br /&gt;
* professionelle Erhaltungsstandards und Zertifizierung;&lt;br /&gt;
* stabile Identifikatoren und wissenschaftliche Zitierbarkeit;&lt;br /&gt;
* Rückgabe von Kopien und Kooperation mit regionalen Kulturzentren;&lt;br /&gt;
* langfristige Verbindung zu Forschungsinfrastruktur statt isoliertem Projektserver.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Für gefährdete Audio-, Video- und Sprachdaten sollte nicht jede kleine Einrichtung ein eigenes Langzeitarchiv aufbauen. Ein zentral betriebener, professioneller Repositoriumsdienst mit klaren Übernahmepaketen ist sinnvoll. Gleichzeitig müssen Kopien, Zugriffsrechte und nutzbare Arbeitsfassungen bei den sorbischen Kulturgutträgern verbleiben können. Zertifizierungsmodelle wie CoreTrustSeal können langfristig Orientierung geben, sollten aber erst nach Aufbau stabiler Prozesse angestrebt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.11 Reciprocal Research Network (RRN) ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Reciprocal Research Network betrifft kulturelle Objekte der First Nations der Nordwestküste von British Columbia in Kanada. Es wurde gemeinsam von der Musqueam Indian Band, der Stó:lō Nation beziehungsweise dem Stó:lō Tribal Council, der U’mista Cultural Society und dem Museum of Anthropology der University of British Columbia entwickelt. Zahlreiche internationale Museen liefern Daten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und technische Lösung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das RRN ist eine föderierte Recherche- und Kooperationsplattform. Es ermöglicht die gemeinsame Suche in institutionellen Sammlungen, persönliche und gemeinsame Forschungsprojekte, Dateiuploads und Diskussionen. Eine Steuerungsgruppe mit Vertreterinnen und Vertretern der beteiligten First Nations und des Museums ist weiterhin ausgewiesen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_about&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_contact&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wissenschaftliche Publikationen beschreiben den Aufbau als langfristigen Vertrauens- und Aushandlungsprozess. Vereinbarungen mit Partnerinstitutionen regelten Datenlieferung und Zusammenarbeit; agile Softwareentwicklung wurde mit unterschiedlichen Erwartungen und Entscheidungsrhythmen in Einklang gebracht.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_rowley&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Nachweisbarer Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Juli 2026 zeigt die Plattform Daten aus 29 Institutionen, mehr als 570.000 Objekte und 391.000 Fotografien sowie über 4.000 registrierte Mitglieder und fast 2.800 Projekte an.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_home&amp;quot;/&amp;gt; Diese Größenordnung belegt eine erhebliche institutionsübergreifende Aggregation und Nutzung der Arbeitsfunktionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Im Seitenfuß wird weiterhin die Softwareversion 1.8.3 mit Startdatum 22. November 2014 ausgewiesen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_contact&amp;quot;/&amp;gt; Das ist kein Beleg dafür, dass der Dienst beendet ist – die Plattform ist erreichbar und aktuelle Bestandszahlen werden angezeigt –, aber ein Warnsignal für Modernisierungs-, Sicherheits- und Wartungsrisiken. Detaillierte aktuelle Angaben zu Erhaltungsrepositorien und Betriebskosten sind öffentlich begrenzt. Das RRN ist vor allem Forschungs- und Zugangsplattform, nicht zwingend das Langzeitarchiv sämtlicher Quelldateien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* gemeinsame Entwicklung durch First Nations und Museum;&lt;br /&gt;
* föderierte Suche über internationale Sammlungen;&lt;br /&gt;
* dauerhafte Steuerungsgruppe;&lt;br /&gt;
* projektbezogene Kollaboration statt nur passiver Objektanzeige;&lt;br /&gt;
* formalisierte Partnerschaften und Aufbau von Vertrauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Ein sorbisches System kann mehr sein als ein Suchkatalog: Arbeitsbereiche für gemeinsame Erschließung, Korrekturen, Transkription, Übersetzung und Forschung erhöhen die aktive Nachnutzung. Solche Funktionen dürfen aber erst aufgebaut werden, wenn technische Wartung und Datenexport gesichert sind. Langfristige Kooperationsvereinbarungen sind wichtiger als einmalige Datenlieferungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.12 Indigitization – Dezentrale Digitalisierung mit zentraler Befähigung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Indigitization richtet sich an First Nations und weitere indigene Gemeinschaften in British Columbia, Kanada. Die Gemeinschaften verfügen über eigene Regierungen, Archive, Sprachprogramme und Kulturinstitutionen, arbeiten aber häufig mit begrenzten technischen und personellen Ressourcen. Viele gefährdete Tonaufnahmen befinden sich weiterhin lokal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Organisations- und Fördermodell ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Indigitization ist eine Kooperation indigener Gemeinschaften und Organisationen mit dem Irving K. Barber Learning Centre, dem Museum of Anthropology, dem Northern BC Archives der University of Northern British Columbia, der X̱wi7x̱wa Library und weiteren Einheiten der University of British Columbia. Das Programm entwickelt Ressourcen, führt Schulungen durch, berät zu Fördermitteln und unterstützt gemeinschaftsgeführte Digitalisierung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Werkzeugkasten entstand aus drei Pilotprojekten mit First Nations und verbindet deren Erfahrungen mit fachlichen Digitalisierungsstandards. Er enthält Planungshilfen, technische Anleitungen, Metadaten- und Dateiverfahren sowie Musterunterlagen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_toolkit&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von 2013 bis 2019 finanzierten Audiokassetten-Zuschüsse drei Pilot- und 45 Förderprojekte. Mehr als 11.464 Kassetten wurden digitalisiert; insgesamt wurden über 422.143 kanadische Dollar vergeben. Die Förderung umfasste ergänzende Mittel bis 10.000 Dollar je Vorhaben und intensive Schulung. Das spezifische Förderprogramm befindet sich derzeit in einer Pause, während Beratung, Workshops und Verweise auf weitere Programme fortgeführt werden.&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_grant&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_funding&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Rechte, Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Digitalisierungsprojekte verbleiben bei den Gemeinschaften; eine öffentliche Veröffentlichung war nicht zwingend. Auch protokollgebundene und nichtöffentliche Zugänge waren förderfähig. Das schützt lokale Kontrolle und stärkt Kompetenzen vor Ort. Die dokumentierten Objekt- und Förderzahlen sowie die fortbestehende Beratungsinfrastruktur belegen konkrete Wirkung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Dezentrale Digitalisierung garantiert noch keine langfristige Erhaltung. Jede Gemeinschaft braucht ein tragfähiges Speicher-, Sicherungs- und Migrationskonzept oder einen verlässlichen Repositoriumspartner. Die Pause des früheren Kassettenprogramms zeigt die Verwundbarkeit zeitlich begrenzter Förderlinien. Für kleine Teams kann die dauerhafte Anwendung technischer Standards trotz Schulung anspruchsvoll bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* zentrale Kompetenz, Vorlagen, Schulung und begrenzte Anschubfinanzierung;&lt;br /&gt;
* Durchführung und Kontrolle bei den lokalen Gemeinschaften;&lt;br /&gt;
* Pilotprojekte als Grundlage des Werkzeugkastens;&lt;br /&gt;
* praxisnahe Muster für Projektplan, Budget und Stellenprofil;&lt;br /&gt;
* kein Zwang zur allgemeinen Veröffentlichung;&lt;br /&gt;
* Netzwerk aus Hochschulen, Archiven und Community-Fachleuten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Dieses Modell kommt einer möglichen Rolle des sorbischen Digitalisierungszentrums besonders nahe. Die zentrale Stelle könnte mobile Technik, Leihgeräte, Schulung, Qualitätsprüfung, Dienstleisterrahmenverträge und Kleinprojektförderung bereitstellen. Lokale Träger behalten Originale, Auswahl, Kontext und Zugangsentscheidungen. Anders als bei rein dezentralen Ansätzen sollte im sorbischen Modell jedoch von Anfang an ein gemeinsames Repositorium oder ein verbindlicher Repositoriumsdienst angeschlossen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== E. Vergleichsmatrix ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== E.1 Funktionen, Architektur und Standards ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable sortable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Projekt&lt;br /&gt;
! Register / Katalog&lt;br /&gt;
! Digitalisierung&lt;br /&gt;
! Repositorium / Langzeiterhaltung&lt;br /&gt;
! Präsentation / Nachnutzung&lt;br /&gt;
! Technologie und Standards&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''RomArchive'''&lt;br /&gt;
| Kuratierter Sammlungsnachweis; kein Vollregister&lt;br /&gt;
| Auswahl und Digitalisierung in der Projektphase&lt;br /&gt;
| Interne und veröffentlichte Bestände; öffentliche Dokumentation der Langzeitprozesse begrenzt&lt;br /&gt;
| Themenarchive, Touren, Forschung; Deutsch, Englisch, Romanes; eingeschränkte Nachnutzung&lt;br /&gt;
| Axiell Collections, Django-Webanwendung, Connector zwischen Sammlung und Website&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Nuohtti'''&lt;br /&gt;
| Föderierter Metadatenindex aus vielen Archiven&lt;br /&gt;
| Erfolgt überwiegend bei Quellinstitutionen&lt;br /&gt;
| Verbleibt bei Datenlieferanten; Nationalarchive tragen Suchdienst weiter&lt;br /&gt;
| Mehrsprachige Suche, Karte, Zeitleiste; Verlinkung zu Quellen&lt;br /&gt;
| VuFind, Finna, RecordManager, Solr, Finto, Giellatekno, Leaflet, OpenStreetMap, Europeana-Wege&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''People’s Collection Wales'''&lt;br /&gt;
| Gemeinsame Plattform mit institutionellen und Community-Beiträgen&lt;br /&gt;
| Zentral unterstützte, teils lokale Digitalisierung; Schulungen&lt;br /&gt;
| In Evaluation als klärungsbedürftige Rolle benannt; nicht allein aus Portal abzuleiten&lt;br /&gt;
| Zweisprachiges Portal, Uploads, Lernangebote, Karten&lt;br /&gt;
| Gemeinsame Plattform; Metadaten-, Rechte- und Digitalisierungshilfen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Tobar an Dualchais'''&lt;br /&gt;
| Durchsuchbarer Katalog zu Tonaufnahmen&lt;br /&gt;
| Audio-Digitalisierung, Erschließung und Transkription&lt;br /&gt;
| Originale in institutionellen Archiven; digitale Erhaltung in Partnerstrukturen&lt;br /&gt;
| Mehr als 40.000 Aufnahmen; Sprache, Bildung, Forschung&lt;br /&gt;
| Audio-Workflows; Transkription und automatische Spracherkennung in Ergänzungsprojekten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Euskariana'''&lt;br /&gt;
| Integrierter Katalog aus Bibliotheken, Archiven, Museen und Repositorien&lt;br /&gt;
| Bei Partnern und in eigenen Programmen&lt;br /&gt;
| Eigenes Repositorium plus Links zu externen Repositorien&lt;br /&gt;
| Baskisch/spanisch; öffentliche Suche; Europeana-Anbindung&lt;br /&gt;
| MARC, Dublin Core, METS, PREMIS, ALTO; OAI-Zugang&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''bavarikon'''&lt;br /&gt;
| Gemeinsames Portal mit Partnerdaten&lt;br /&gt;
| Förderprogramm und fachliche Begleitung; zentrale Qualitätsprüfung&lt;br /&gt;
| Verantwortlichkeit für alle Masterdateien nicht einheitlich öffentlich dokumentiert&lt;br /&gt;
| Portalsuche, Ausstellungen, 3D, Bildungs- und Social-Media-Formate&lt;br /&gt;
| Verbindliche Metadaten- und Lieferhandreichungen; zentrales Hosting&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Mukurtu / Plateau Portal'''&lt;br /&gt;
| Institutionelle und Community-Datensätze zu denselben Objekten&lt;br /&gt;
| Nicht Kernfunktion; lokale beziehungsweise institutionelle Workflows&lt;br /&gt;
| Mukurtu ausdrücklich nur Zugangsbaustein; Erhaltung separat zu planen&lt;br /&gt;
| Protokollbasierter Zugang, Community-Erzählungen, Export&lt;br /&gt;
| Open Source auf Drupal-Basis; TK Labels; kulturelle Protokolle; Dublin Core; Roundtrip-Export&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Aṟa Irititja'''&lt;br /&gt;
| Zentraler Multimedia-Katalog mit lokalen Ergänzungen&lt;br /&gt;
| Zentral vorbereitet, mit Community-Kontaktstellen und historischer Formatrettung&lt;br /&gt;
| Physische und digitale Materialien zentral fachlich verwaltet; Details zu Erhaltungsstufen begrenzt&lt;br /&gt;
| Community-Zugänge, mehrsprachig, visuell niedrigschwellig; digitale Rückgabe&lt;br /&gt;
| Speziell entwickelte beziehungsweise weiterentwickelte Wissensmanagement-Software; kulturelle Beschränkungen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''LAAL'''&lt;br /&gt;
| Sprach-, Orts-, Personen- und Titelnachweis&lt;br /&gt;
| Systematische Suche, Scan und Rechteklärung&lt;br /&gt;
| TIFF-Master; zunächst CDU eSpace, später Territory Stories&lt;br /&gt;
| PDFs, Textdateien, App, Bildung; ursprüngliche Kartenfunktion nach Migration verloren&lt;br /&gt;
| TIFF/PDF/TXT/JPG; persistente Kennungen im Zielsystem; Creative-Commons- und Takedown-Modell&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''PARADISEC'''&lt;br /&gt;
| Fachkatalog für audiovisuelle und sprachliche Sammlungen&lt;br /&gt;
| Professionelle Digitalisierung gefährdeter Medien&lt;br /&gt;
| Institutioneller Verbund; Erhaltungsformate, redundante Infrastruktur, CoreTrustSeal&lt;br /&gt;
| Online-Katalog, Forschung, Community-Zugang und Rückgabe von Kopien&lt;br /&gt;
| Internationale Archivstandards; stabile Identifikatoren; laufende Katalogmodernisierung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''RRN'''&lt;br /&gt;
| Föderierte Suche über Daten von 29 Institutionen&lt;br /&gt;
| Erfolgt primär bei Partnern&lt;br /&gt;
| Plattform ist kein einheitliches Langzeitarchiv aller Quellen&lt;br /&gt;
| Kollaborative Projekte, Diskussionen, Uploads und Recherche&lt;br /&gt;
| Föderierte Datenintegration, Programmierschnittstelle; sichtbare Plattformversion von 2014&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Indigitization'''&lt;br /&gt;
| Kein zentraler Gesamtkatalog als Hauptziel&lt;br /&gt;
| Dezentrale Digitalisierung mit zentraler Schulung, Geräten, Standards und Förderung&lt;br /&gt;
| Muss je Community beziehungsweise über Partner gelöst werden&lt;br /&gt;
| Community-interne oder öffentliche Nutzung nach lokalen Regeln&lt;br /&gt;
| Werkzeugkasten, Broadcast-Wave-Audio, Musterunterlagen und Trainingsworkflows&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== E.2 Governance, Finanzierung, Erfolg und Übertragbarkeit ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable sortable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Projekt&lt;br /&gt;
! Organisationsmodell&lt;br /&gt;
! Community-Beteiligung&lt;br /&gt;
! Finanzierung und dauerhafter Betrieb&lt;br /&gt;
! Nachweisbarer Erfolg&lt;br /&gt;
! Grenzen&lt;br /&gt;
! Übertragbarkeit auf die Sorben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''RomArchive'''&lt;br /&gt;
| Internationales Kuratorium/Beirat; seit 2019 Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma&lt;br /&gt;
| Überwiegend Roma in Kuratorien und Beirat; Auswahl und strategische Richtlinien&lt;br /&gt;
| Große öffentliche Anschubförderung; institutioneller Betreiber und laufende öffentliche Förderung&lt;br /&gt;
| Betreiberübergang vollzogen; seit 2019 online weitergeführt&lt;br /&gt;
| Kein Vollregister; wenige aktuelle Nutzungsdaten; Nachnutzung oft restriktiv&lt;br /&gt;
| '''Hoch''' für Governance, kuratierte Kontexte und Betreiberübergang&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Nuohtti'''&lt;br /&gt;
| Drei Nationalarchive plus Universitäten; föderierter Dienst&lt;br /&gt;
| Sámi-Parlamente in Steuerungsgruppe; ethische Leitlinien und Tests&lt;br /&gt;
| EU-Projekt; Weiterbetrieb durch Nationalarchive&lt;br /&gt;
| Rund 30.000 Datensätze, 32 Institutionen, fünf Sprachen; fortbestehender Dienst&lt;br /&gt;
| Datenqualität und Erhaltung bleiben verteilt; geringe aktuelle Wirkungsdaten&lt;br /&gt;
| '''Sehr hoch''' für Kulturregister und föderierte Suche&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''People’s Collection Wales'''&lt;br /&gt;
| Föderation dreier nationaler Einrichtungen&lt;br /&gt;
| Lokale Gruppen und Einzelpersonen liefern Inhalte; umfangreiche Unterstützung&lt;br /&gt;
| Walisische Regierung; Evaluation benennt Nachhaltigkeitsrisiko&lt;br /&gt;
| Dauerbetrieb, Community-Kompetenzen, kritische Masse; unabhängige Evaluation&lt;br /&gt;
| Moderate gemessene Wirkung; Vermittlung personalintensiv; 38 Survey-Antworten&lt;br /&gt;
| '''Sehr hoch''' für Servicezentrum, Zweisprachigkeit und Evaluation&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Tobar an Dualchais'''&lt;br /&gt;
| Partnerschaft kultureller und wissenschaftlicher Einrichtungen&lt;br /&gt;
| Sprachgemeinschaften, Beitragende und Freiwillige bei Erschließung/Transkription&lt;br /&gt;
| Wiederkehrende öffentliche Projekt- und Programmmittel&lt;br /&gt;
| Mehr als 40.000 Aufnahmen; laufende Weiterentwicklung&lt;br /&gt;
| Dauergrundfinanzierung und Rechteaufwand öffentlich nur teilweise sichtbar&lt;br /&gt;
| '''Hoch''' für gefährdete Medien und Spracherschließung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Euskariana'''&lt;br /&gt;
| Baskische Regierung mit öffentlichen und privaten Partnern&lt;br /&gt;
| Eher institutionell als gemeinschaftsgeführt&lt;br /&gt;
| Staatlicher Betrieb&lt;br /&gt;
| Breiter Quellenverbund, Standards, Europeana-Interoperabilität&lt;br /&gt;
| Wenig unabhängige Nutzungsevaluation; Community-Rechte kaum dokumentiert&lt;br /&gt;
| '''Hoch''' für Metadaten, Onboarding-Wege und Aggregation; '''mittel''' für Governance&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''bavarikon'''&lt;br /&gt;
| Ministerien, 14-köpfiger Rat, Bayerische Staatsbibliothek, Rechenzentrum&lt;br /&gt;
| Partnerinstitutionen im Rat; keine Minderheiten-Governance&lt;br /&gt;
| Dauerhafte Landesstruktur plus Projektförderung&lt;br /&gt;
| Über 500.000 Objekte aus rund 170 Einrichtungen; monatlicher Ausbau&lt;br /&gt;
| Große Ressourcen; Präsentation und Förderlogik dominieren&lt;br /&gt;
| '''Mittel bis hoch''' für Verfahren/Qualität; Größenordnung kaum übertragbar&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Mukurtu / Plateau Portal'''&lt;br /&gt;
| Universität als Technikträger; acht indigene Nationen und Museen als Partner&lt;br /&gt;
| Kuration, Metadaten, Protokolle und Zugriff durch Stammesvertreter&lt;br /&gt;
| Öffentliche und philanthropische Forschungsförderung; Universität pflegt Software&lt;br /&gt;
| International genutzte Open-Source-Plattform; dauerhaftes konkretes Portal&lt;br /&gt;
| Qualifizierter Betrieb nötig; Zugangsplattform ersetzt kein Repositorium&lt;br /&gt;
| '''Sehr hoch''' für Rechte, sensible Inhalte und Mehrperspektivität&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Aṟa Irititja'''&lt;br /&gt;
| Zentralfachstelle plus lokale Liaison; seit 2020 unter APY-Organisation&lt;br /&gt;
| Auftrag, Steuerung, Zugangsregeln und Kontext durch Aṉangu&lt;br /&gt;
| Langjährige Mischung aus Zuschüssen, Spenden und lokalen Beiträgen; drei permanente Teilzeitstellen&lt;br /&gt;
| Betrieb seit 1994; lokale Nutzung und digitale Rückgabe&lt;br /&gt;
| Finanzierung lange prekär; Wirkung überwiegend selbst berichtet&lt;br /&gt;
| '''Hoch''' für lokale Kontrolle und abgestufte Zugänge; Technik nicht direkt übertragbar&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''LAAL'''&lt;br /&gt;
| Universität und öffentliche Partner; Übergabe an Landesbibliothek/-archiv&lt;br /&gt;
| Einwilligung, Prüfung und Ergänzung durch Sprachgemeinschaften&lt;br /&gt;
| Zwei Forschungsförderphasen; anschließend institutionelle Übernahme&lt;br /&gt;
| Nahezu 4.000 Bücher, 50 Sprachen, 40 Gemeinschaften&lt;br /&gt;
| Rechte-Rückstand; Verlust der Kartenfunktion bei Migration&lt;br /&gt;
| '''Sehr hoch''' als Migrations-, Rechte- und Sprachlernfall&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''PARADISEC'''&lt;br /&gt;
| Verbund dreier Universitäten mit Beirat&lt;br /&gt;
| Je Sammlung unterschiedlich; Kopien und Kooperationen mit Herkunftsgemeinschaften&lt;br /&gt;
| Forschungsrat, nationale Forschungsinfrastruktur, Hochschulen und Spenden&lt;br /&gt;
| 20.500 Audio-, 4.000 Videostunden, 320 TB, 1.460 Sprachen; Zertifizierung/Auszeichnungen&lt;br /&gt;
| Hohe Fach- und Infrastrukturvoraussetzungen; Zugänglichkeit regional unterschiedlich&lt;br /&gt;
| '''Hoch''' für zentrales Fachrepositorium; Skalierung nur angepasst&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''RRN'''&lt;br /&gt;
| Gemeinsame Steuerung von First Nations und Museum; viele Datenpartner&lt;br /&gt;
| Co-Entwicklung, Projekte, Diskussionen und Community-Wissen&lt;br /&gt;
| Institutionelle Projektstruktur; aktuelle Kosten öffentlich unklar&lt;br /&gt;
| 29 Institutionen, über 570.000 Objekte, über 4.000 Mitglieder&lt;br /&gt;
| Technische Alterung möglich; Erhaltung der Quelldateien dezentral&lt;br /&gt;
| '''Hoch''' für Kooperation und Arbeitsfunktionen; Wartungsrisiko beachten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Indigitization'''&lt;br /&gt;
| Hochschul- und Community-Netzwerk als Kompetenz- und Förderstelle&lt;br /&gt;
| Projekte werden von Gemeinschaften durchgeführt und kontrolliert&lt;br /&gt;
| Hochschulunterstützung; früheres Kassettenförderprogramm aktuell pausiert&lt;br /&gt;
| 45 Förderprojekte, 11.464 Kassetten, über 422.000 CAD Förderung&lt;br /&gt;
| Dezentrale Langzeiterhaltung nicht automatisch gesichert; Förderpause&lt;br /&gt;
| '''Sehr hoch''' für Digitalisierungszentrum und Unterstützung kleiner Träger&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== F. Übergreifende Erfolgsfaktoren ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.1 Governance und Beteiligung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' Die stärksten gemeinschaftsbezogenen Projekte verankern Beteiligung in Gremien, Rollen und Datenmodellen. RomArchive übergab Kuratierung und strategische Leitlinien überwiegend an Roma. Nuohtti beteiligte Sámi-Parlamente. Mukurtu und das Plateau Portal ermöglichen kulturelle Protokolle und mehrere Beschreibungen. Aṟa Irititja ist unter einer Aṉangu-geführten Organisation verankert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Erforderlich ist ein dauerhaftes Steuerungsmodell mit Vertreterinnen und Vertretern zentraler Einrichtungen, lokaler Träger, beider Sprachräume, Fachwissenschaft, Technik und möglichst verschiedener Generationen. Für sensible Inhalte, Priorisierung und öffentliche Darstellung müssen Entscheidungs- und Eskalationsregeln schriftlich festgelegt werden. Eine bloße Anhörung nach Abschluss technischer Entscheidungen ist unzureichend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.2 Erfassung und Priorisierung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' Nuohtti begann mit der Kartierung verteilter Quellen; LAAL mit systematischem Auffinden gefährdeter Literatur. bavarikon nutzt Anträge, Objektlisten und Auswahlkriterien. Audioprojekte priorisieren physisch und technisch gefährdete Medien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Zunächst sollte das Kulturregister einen belastbaren Überblick schaffen, ohne sofort jeden Eintrag maximal tief zu erschließen. Die Digitalisierungspriorität sollte anschließend aus mindestens vier Kriterien gebildet werden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Gefährdung:''' physischer Verfall, technische Obsoleszenz, Verlustgefahr;&lt;br /&gt;
# '''Bedeutung:''' Einzigartigkeit, Repräsentativität, sprachliche und kulturelle Relevanz;&lt;br /&gt;
# '''Nutzungspotenzial:''' Bildung, Forschung, Sprachrevitalisierung, Vermittlung;&lt;br /&gt;
# '''Umsetzbarkeit:''' Rechteklarheit, Zustand, vorhandene Metadaten, Kosten und Zielrepositorium.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Priorisierungswert darf keine endgültige kulturelle Rangliste erzeugen. Er dient der Arbeitsplanung und muss fachlich sowie gemeinschaftlich überprüfbar sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.3 Organisation der Digitalisierung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' Indigitization und People’s Collection Wales zeigen, dass zentrale Kompetenz und lokale Durchführung kombinierbar sind. bavarikon ergänzt dies um Auswahl, Förderung und Qualitätsprüfung. PARADISEC zeigt für anspruchsvolle audiovisuelle Medien den Wert eines spezialisierten Fachzentrums.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Das Digitalisierungszentrum sollte ein gestuftes Dienstemodell anbieten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Beratung und Projektplanung;&lt;br /&gt;
* Leihtechnik und Schulung für geeignete einfache Verfahren;&lt;br /&gt;
* mobile Digitalisierung vor Ort, wenn Kulturgüter nicht transportiert werden können;&lt;br /&gt;
* zentrale Digitalisierung für anspruchsvolle oder gefährdete Medien;&lt;br /&gt;
* Rahmenverträge und Qualitätskontrolle für externe Spezialdienstleister;&lt;br /&gt;
* Übernahmevorbereitung für das Repositorium.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.4 Technische Architektur ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' Föderierte Portale wie Nuohtti und Euskariana verbinden bestehende Systeme, statt alle Partner zu einem identischen Fachverfahren zu zwingen. Erfolgreiche Systeme verfügen über Exporte und Schnittstellen. LAAL zeigt, dass bei Migrationen zielgruppenspezifische Funktionen verloren gehen können, wenn Daten- und Präsentationslogik zu eng gekoppelt sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Die Architektur sollte modular sein. Das Register verwaltet Nachweise und Beziehungen; Digitalisierungsworkflows erzeugen Dateien und technische Metadaten; das Repositorium übernimmt Erhaltungspakete; Präsentationssysteme beziehen freigegebene Daten und Derivate. Jedes System benötigt dokumentierte Exporte. Eine proprietäre Lösung ohne vollständigen Datenexport, Identifikatorerhalt und Migrationsplan sollte ausgeschlossen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.5 Metadaten und Interoperabilität ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' Euskariana und bavarikon arbeiten mit veröffentlichten Standards und Lieferprofilen; Nuohtti normalisiert heterogene Daten; Mukurtu ermöglicht zusätzliche Community-Metadaten. Technische Vollständigkeit allein löst jedoch keine problematischen historischen Begriffe oder fehlenden kulturellen Kontexte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Notwendig ist ein abgestuftes Metadatenprofil:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* '''Pflichtkern''' für alle Träger: eindeutige Kennung, Bezeichnung, Kulturgutart, Standort beziehungsweise Träger, Sprache, Zeit/Ort soweit bekannt, Kurzkontext, Rechte-/Zugangsstatus, Quellenangabe, Bearbeitungsstand;&lt;br /&gt;
* '''fachliche Erweiterungen''' für Archive, Bibliotheken, Museen, audiovisuelle Medien, immaterielles Kulturerbe und Born-digital-Bestände;&lt;br /&gt;
* '''Community-Felder''' für sorbische Bezeichnungen, lokale Varianten, kulturelle Hinweise, alternative Erzählungen und Korrekturen;&lt;br /&gt;
* '''technische Erhaltungsmetadaten''' im Repositorium, etwa Dateiformat, Prüfsumme, Erzeugung, Migration und Beziehungen zwischen Master und Derivaten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Normdaten und kontrollierte Vokabulare sollten dort eingesetzt werden, wo sie Nutzen bringen. Für ehrenamtliche Erfassung müssen einfache Auswahllisten, Hilfetexte und spätere fachliche Anreicherung vorgesehen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.6 Rechte und kulturelle Selbstbestimmung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' Mukurtu, Aṟa Irititja und LAAL zeigen, dass urheberrechtliche Erlaubnis, Datenschutz und kulturelle Angemessenheit getrennt geprüft werden müssen. Ein Werk kann rechtlich veröffentlichbar, kulturell aber sensibel sein; umgekehrt kann eine Gemeinschaft Zugang wünschen, obwohl eine allgemeine Veröffentlichung nicht möglich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Mindestens vier Sichtbarkeitsstufen sind sinnvoll:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# öffentliche Metadaten, aber kein Medium;&lt;br /&gt;
# öffentliches Nutzungsdigitalisat, gegebenenfalls in reduzierter Qualität;&lt;br /&gt;
# beschränkter Zugang für festgelegte Gruppen, Forschung oder Community;&lt;br /&gt;
# gesperrt beziehungsweise nur intern dokumentiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder Datensatz sollte dokumentieren, wer die Entscheidung getroffen hat, auf welcher Grundlage sie beruht und wann sie erneut geprüft wird. Rechteinformationen müssen vom Register über Repositorium bis Präsentation mitgeführt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.7 Langzeiterhaltung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' PARADISEC belegt den Wert eines fachlich betriebenen Repositoriums. LAAL zeigt sowohl die Trennung von Master- und Nutzungsdateien als auch das Risiko einer Migration. Mukurtu warnt ausdrücklich davor, Zugangsplattform und Erhaltungssystem gleichzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Für jedes Digitalisat müssen vor der Produktion feststehen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Zielrepositorium und verantwortlicher Betreiber;&lt;br /&gt;
* Master- und Nutzungsformat;&lt;br /&gt;
* Dateibenennung beziehungsweise Identifikator;&lt;br /&gt;
* Prüfsumme und Integritätskontrolle;&lt;br /&gt;
* mindestens zwei räumlich getrennte Sicherungskopien;&lt;br /&gt;
* Übergabepaket aus Datei, Metadaten, Rechten und Provenienz;&lt;br /&gt;
* Verfahren für Formatbeobachtung, Migration und Wiederherstellung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das OAIS-Modell bietet den konzeptionellen Rahmen; die NDSA-Reifegradstufen können einen realistischen stufenweisen Aufbau unterstützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.8 Präsentation und Nachnutzung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' RomArchive verbindet Objekte mit kuratierten Erzählungen; People’s Collection Wales mit Lern- und Beitragsfunktionen; Tobar an Dualchais mit sprachlicher Erschließung; RRN mit kollaborativen Arbeitsräumen. Erfolg entsteht nicht durch bloße Online-Sichtbarkeit, sondern durch zielgruppengerechte Kontexte und tatsächlich nutzbare Funktionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Ein gemeinsamer Suchzugang ist wichtig, aber nicht jede Zielgruppe braucht dieselbe Oberfläche. Denkbar sind ein übergreifendes Kulturerbeportal, Fachzugänge für Forschung, Bildungsbausteine, kuratierte Ausstellungen und maschinenlesbare Schnittstellen. Download und Nachnutzung sollten dort ermöglicht werden, wo Rechte und kulturelle Interessen dies zulassen. Nutzungsstatistiken, Zitationen, Downloads, Bildungskooperationen und Community-Rückmeldungen sollten kontinuierlich ausgewertet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.9 Finanzierung und Verstetigung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' RomArchive plante den Betreiberübergang früh. People’s Collection Wales und Aṟa Irititja zeigen, wie belastend unsichere Finanzierung bleibt. Indigitization demonstriert die Wirkung kleiner Förderbudgets, aber auch die Verwundbarkeit eines pausierenden Programms. bavarikon und PARADISEC profitieren von institutioneller Infrastruktur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Es sind drei Kostenarten getrennt zu planen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Aufbaukosten:''' Konzeption, Pilot, Beschaffung, Datenmigration, erste Digitalisierung;&lt;br /&gt;
# '''Betriebskosten:''' Personal, Hosting, Speicher, Sicherung, Helpdesk, Rechtearbeit, Qualitätssicherung;&lt;br /&gt;
# '''Erneuerungskosten:''' Softwareupdates, Sicherheitsmaßnahmen, Hardwareersatz, Formatmigration, Neuentwicklung von Schnittstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Projektmittel eignen sich für Aufbau und Erprobung. Kernfunktionen dürfen nach der Pilotphase nur skaliert werden, wenn ein wiederkehrender Betriebsetat und ein verantwortlicher Rechtsträger feststehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.10 Projektsteuerung und schrittweiser Aufbau ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' People’s Collection Wales empfiehlt einen evidenzbasierten Ablauf aus Bedarf, Pilot, Test, Auswertung und Skalierung. Indigitization entwickelte seinen Werkzeugkasten aus drei Pilotprojekten. bavarikon nutzt Vorantrag, Prüfung, Standards und begleitete Umsetzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Der Aufbau sollte in überprüfbaren Ausbaustufen erfolgen. Jede Stufe braucht definierte Ergebnisse, Qualitätskriterien, Verantwortliche, Budget, Risiken und eine Entscheidung über Fortführung oder Anpassung. Technische Pilotierung ohne Governance-, Rechte- und Betriebsprüfung wäre unvollständig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== G. Empfehlungen für den sorbischen Kontext ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.1 Zielmodell: vier Säulen, drei Fundamente, zwei Betriebsregeln ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ergebnisse lassen sich für den sorbischen Kontext in einem priorisierten 4–3–2-Modell zusammenführen. Es verbindet die im Konzept beschriebene Prozesskette mit einer klaren organisatorischen und technischen Verantwortungsstruktur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Vier funktionale Säulen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Säule&lt;br /&gt;
! Mindestauftrag&lt;br /&gt;
! Abgrenzung&lt;br /&gt;
! Unverzichtbare Schnittstellen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''1. Sorbisches Kulturregister (SKR)'''&lt;br /&gt;
| Verteilte Kulturgüter und Bestände nachweisen, beschreiben, verknüpfen, Rechte- und Prioritätsstatus dokumentieren&lt;br /&gt;
| Kein Ersatz für lokale Inventare und nicht automatisch Speicherort aller Dateien&lt;br /&gt;
| Import/Export zu Fachsystemen; Übergabe von Objekt- und Rechtekennungen an Digitalisierung, Repositorium und Präsentation&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''2. Digitalisierungszentrum (DZ)'''&lt;br /&gt;
| Beratung, Planung, Digitalisierung, Qualitätssicherung, Schulung, Dienstleistersteuerung und Vorbereitung der Archivübergabe&lt;br /&gt;
| Nicht primär öffentlicher Katalog und nicht automatisch dauerhafter Speicher&lt;br /&gt;
| Aufträge aus Register/Priorisierung; Lieferung standardisierter Übergabepakete an Repositorium; Erzeugung von Nutzungsderivaten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''3. Repositorium / digitales Langzeitarchiv'''&lt;br /&gt;
| Masterdateien, Metadaten, Rechte und Provenienz dauerhaft übernehmen, prüfen, sichern und migrieren&lt;br /&gt;
| Nicht mit einem Netzlaufwerk, einer Cloudablage oder der öffentlichen Website gleichzusetzen&lt;br /&gt;
| Persistente Identifikatoren; Rückmeldung des Archivstatus an Register; kontrollierte Bereitstellung an Präsentationssysteme&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''4. Präsentations- und Nutzungssysteme'''&lt;br /&gt;
| Freigegebene Inhalte suchen, verstehen, zitieren, herunterladen und weiterverwenden lassen&lt;br /&gt;
| Nicht führendes System für Rechte, Masterdateien oder dauerhafte Erhaltung&lt;br /&gt;
| Bezug von Metadaten aus Register und Derivaten aus Repositorium; Rückgabe von Nutzungs- und Korrekturinformationen&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Entscheidender Punkt:''' Die vier Säulen sind Funktionen, nicht zwingend vier eigenständige Einrichtungen. Ein Träger kann mehrere Funktionen übernehmen. Dennoch müssen für jede Säule Auftrag, Zuständigkeit, Datenhoheit, Budget, Qualitätskriterien, Vertretung und Ausfallvorsorge benannt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Drei gemeinsame Fundamente ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Fundament&lt;br /&gt;
! Inhalt&lt;br /&gt;
! Warum es vor der Skalierung geklärt werden muss&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''A. Gemeinschaftliche Governance und Rechte'''&lt;br /&gt;
| Entscheidungsgremien, Rollen der Kulturgutträger, Community-Beteiligung, Konfliktlösung, sensible Inhalte, abgestufte Zugänge&lt;br /&gt;
| Ohne Entscheidungskompetenz entstehen Vertrauensverlust, Verzögerungen und nachträgliche Sperrungen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''B. Gemeinsame Daten- und Qualitätsarchitektur'''&lt;br /&gt;
| Metadatenkern, Identifikatoren, Sprachwerte, Vokabulare, Dateiformate, Schnittstellen, Lieferpakete, Qualitätssicherung&lt;br /&gt;
| Ohne gemeinsamen Kern können Register, DZ, Repositorium und Präsentation nicht verlässlich zusammenspielen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''C. Dauerbetrieb, Finanzierung und Kompetenz'''&lt;br /&gt;
| Rechtsträger, wiederkehrendes Budget, Personal, Hosting, Speicher, Wartung, Schulung, Helpdesk und Erneuerungsplanung&lt;br /&gt;
| Ohne Betriebsperspektive vergrößert jedes zusätzliche Digitalisat die technische und organisatorische Schuld.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Zwei Betriebsregeln ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Zentral ermöglichen, dezentral verantworten.''' Zentrale Stellen bieten Infrastruktur, Standards, Beratung, Qualitätskontrolle, Repositorium und gemeinsame Zugänge. Kulturgutträger behalten grundsätzlich Originale, lokalen Kontext, Beziehungen zu Urheberinnen und Urhebern sowie Mitentscheidung über kulturelle Bedeutung und Zugang.&lt;br /&gt;
# '''Als Projekt aufbauen, nur mit Dauerbetrieb skalieren.''' Pilot- und Förderprojekte sind geeignet, Register, Dienste und Workflows zu entwickeln. Eine breite Produktion beginnt erst, wenn dauerhafter Betreiber, Regelbudget, Personal und Erhaltungsweg gesichert sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Prüfsatz für Entscheidungen:''' Kein Digitalisat ohne Zielarchiv; kein Portal ohne Datenpflege; kein Register ohne Zuständigkeit; keine Veröffentlichung ohne Rechte- und Kulturprüfung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.2 Was zentral, dezentral und gemeinsam organisiert werden sollte ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Zentral bereitzustellen&lt;br /&gt;
! Dezentral bei den Kulturgutträgern&lt;br /&gt;
! Gemeinsam zu entscheiden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Technische Plattform und Datenmodell des Kulturregisters&lt;br /&gt;
| Besitz, Verwahrung und konservatorische Verantwortung für Originale, soweit nicht anders vereinbart&lt;br /&gt;
| Welche Bestände zunächst erfasst und digitalisiert werden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Metadatenkern, Vokabulare, Identifikatoren und Schnittstellen&lt;br /&gt;
| Erste Bestandskenntnis, lokale Namen, Geschichte und Beziehungen&lt;br /&gt;
| Kulturelle Bedeutung, Repräsentativität und Priorität&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Digitalisierungsberatung, Spezialtechnik, mobile Dienste und Qualitätsprüfung&lt;br /&gt;
| Lokale Auswahl und organisatorische Vorbereitung&lt;br /&gt;
| Transport, Vor-Ort-Digitalisierung oder externe Vergabe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Repositorium, Sicherung, Integritätsprüfung, Migration und Wiederherstellung&lt;br /&gt;
| Mitwirkung an Rechteklärung und Kontakt zu Betroffenen beziehungsweise Nachkommen&lt;br /&gt;
| Zugangs- und Nutzungskategorien für sensible Inhalte&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mustervereinbarungen, Rechte- und Datenschutzberatung&lt;br /&gt;
| Lokale Freigaben, sofern die jeweilige Stelle entscheidungsbefugt ist&lt;br /&gt;
| Verfahren bei Konflikten, Korrekturen und Takedown-Anfragen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Schulungen, Helpdesk, Dokumentation und gegebenenfalls Kleinprojektförderung&lt;br /&gt;
| Pflege von Kontexten, Korrekturen und neuen Informationen&lt;br /&gt;
| Übersetzungs- und Erschließungsprioritäten in Ober- und Niedersorbisch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gemeinsame Präsentationsbausteine und Programmierschnittstellen&lt;br /&gt;
| Eigene lokale Ausstellungen und Nutzungsszenarien&lt;br /&gt;
| Welche Inhalte übergreifend präsentiert oder nachnutzbar gemacht werden&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Verteilung schützt die dezentrale Trägerschaft, ohne kleine Einrichtungen mit jeder technischen Aufgabe allein zu lassen. Sie verhindert zugleich, dass zentrale Infrastruktur mit zentraler kultureller Deutungshoheit verwechselt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.3 Kurzfristig umsetzbare Schritte: 2026–2027 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Priorität 1: Governance und Verantwortungen beschließen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ein gemeinsames Steuerungsgremium für Kulturregister, Digitalisierungszentrum, Repositorium und Präsentation festlegen.&lt;br /&gt;
* Beide sorbischen Sprachräume, zentrale Institutionen und mindestens mehrere lokale beziehungsweise ehrenamtliche Träger verbindlich vertreten.&lt;br /&gt;
* Entscheidungsrechte, Vetorechte bei sensiblen Inhalten, Konfliktlösung und Vertretungsregelungen schriftlich regeln.&lt;br /&gt;
* Einen dauerhaften Produkt- beziehungsweise Serviceverantwortlichen für jede der vier Säulen benennen, auch wenn mehrere Säulen organisatorisch beim selben Träger liegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Priorität 2: Gemeinsamen Mindeststandard verabschieden ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Standard sollte klein genug für ehrenamtliche Erfassung, aber erweiterbar für Fachinstitutionen sein. Er muss mindestens regeln:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* eindeutige Kennung und verantwortlicher Datensatzhalter;&lt;br /&gt;
* Bezeichnung in Originalsprache und gegebenenfalls Übersetzungen;&lt;br /&gt;
* getrennte Sprachkennzeichnung für Obersorbisch, Niedersorbisch, Deutsch und weitere Sprachen;&lt;br /&gt;
* Kulturgutart und Zugehörigkeit zu materiellen, immateriellen oder digitalen Beständen;&lt;br /&gt;
* Standort beziehungsweise verwahrende Stelle;&lt;br /&gt;
* Kurzkontext, Zeit, Ort und beteiligte Personen soweit bekannt;&lt;br /&gt;
* Rechte-, Datenschutz- und kultureller Zugangsstatus;&lt;br /&gt;
* Digitalisierungs- und Archivierungsstatus;&lt;br /&gt;
* Provenienz, Quellen und Bearbeitungsstand;&lt;br /&gt;
* Exportformat und dauerhafte Identifikatoren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Priorität 3: Rechte- und Zugangsmodell entwickeln ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein einheitlicher Workflow sollte rechtliche und kulturelle Fragen getrennt dokumentieren. Empfohlen werden mindestens die vier Stufen „nur Nachweis“, „öffentliches Derivat“, „beschränkter Zugang“ und „gesperrt“. Für jede Stufe sind Verantwortliche, Freigabegrund, Prüffrist und Takedown-Verfahren festzulegen. Local Contexts kann als Anregung dienen; Begriffe und Symbole müssen jedoch gemeinsam für die sorbische Rechts- und Kulturpraxis entwickelt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Priorität 4: End-to-End-Pilot starten ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der erste Pilot sollte nicht nur ein Portal oder einen Scanner testen, sondern die gesamte Kette:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: Kulturgutträger → Erfassung im Register → Priorisierung und Freigabe → Digitalisierung und Qualitätsprüfung → Übernahme ins Repositorium → kontrollierte Präsentation und Nachnutzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beteiligt werden sollten drei bis fünf sehr unterschiedliche Träger, zum Beispiel eine zentrale Institution, eine Heimatstube oder ein Verein, eine kirchliche Einrichtung, eine kommunale Sammlung und gegebenenfalls eine Privatperson. Der Pilot sollte beide sorbischen Schriftsprachen und mindestens drei Medientypen umfassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Priorität 5: Repositoriumsziel vor Produktionsausweitung klären ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits Pilotdigitalisate benötigen einen definierten, überprüfbaren Speicher- und Erhaltungsweg. Falls das endgültige Langzeitarchiv noch nicht vollständig aufgebaut ist, braucht es einen dokumentierten Übergangsdienst mit Prüfsummen, redundanten Kopien, klarer Verantwortung und verbindlichem späteren Migrationsplan. Eine bloße Projektablage ist nicht ausreichend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.4 Mittelfristiger Strukturaufbau: 2027–2030 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Kulturregister ausbauen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Zwei Anbindungswege anbieten: direkte Erfassung beziehungsweise zentral gehostete Mandanten für kleine Träger und standardisierte Datenlieferung für große Fachsysteme.&lt;br /&gt;
* Priorisierungsansicht, Rechte- und Archivstatus sowie Beziehungen zwischen Original, Digitalisat, Werk, Person, Ort, Brauch und Sammlung abbilden.&lt;br /&gt;
* Korrektur- und Ergänzungsworkflow für Community-Wissen einrichten.&lt;br /&gt;
* Export, Programmierschnittstelle und regelmäßige Sicherung verpflichtend machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Digitalisierungszentrum als Dienstleistungsstelle verstetigen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Servicekatalog mit klaren Leistungen, Voraussetzungen, Bearbeitungszeiten und Kosten beziehungsweise Fördermöglichkeiten veröffentlichen.&lt;br /&gt;
* Mobile und stationäre Digitalisierung sowie Vergabe an Spezialdienstleister kombinieren.&lt;br /&gt;
* Schulungsprogramm und „Train-the-Trainer“-Ansatz für lokale Multiplikatorinnen und Multiplikatoren aufbauen.&lt;br /&gt;
* Kleinprojektförderung nach dem Vorbild von Indigitization oder bavarikon erproben.&lt;br /&gt;
* Qualitätssicherung und Übergabepakete zum Repositorium standardisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Repositorium in einen verlässlichen Regelbetrieb überführen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* OAIS-Funktionen organisatorisch zuordnen und mit den NDSA-Reifegradstufen schrittweise umsetzen.&lt;br /&gt;
* mindestens zwei räumlich getrennte Speicherkopien, regelmäßige Fixity Checks (Prüfung der Dateiunverändertheit über Prüfsummen) und Wiederherstellungstests etablieren;&lt;br /&gt;
* Masterdateien, Derivate, Metadaten, Rechte und technische Ereignisse verknüpfen;&lt;br /&gt;
* Verantwortungen bei Trägerwechsel oder Projektende vertraglich sichern;&lt;br /&gt;
* audiovisuelle Daten nach IASA-Empfehlungen behandeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Präsentation zielgruppenspezifisch entwickeln ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Gemeinsame Suche und verständliche Basiskontexte in Deutsch, Ober- und Niedersorbisch sowie ausgewählte englische Zugänge bereitstellen.&lt;br /&gt;
* Nicht jeden Datensatz vollständig in vier Sprachen übersetzen; stattdessen Oberfläche, Kernelemente, kontrollierte Begriffe und besonders relevante Inhalte priorisieren und Übersetzungsstatus sichtbar machen.&lt;br /&gt;
* Bildungs- und Forschungsnutzung in Pilotkooperationen testen.&lt;br /&gt;
* IIIF und Programmierschnittstellen dort einsetzen, wo sie einen konkreten Mehrwert für Anzeige, Zitation oder Datenbezug schaffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.5 Langfristige Aufgaben: ab 2030 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Regelmäßige Daten- und Formatmigrationen, Sicherheitsprüfungen und Erneuerung der Infrastruktur finanzieren.&lt;br /&gt;
* Erfolg anhand eines stabilen Kennzahlensets messen: erfasste und archivierte Bestände, beteiligte Träger, Bearbeitungszeiten, Rechte-Rückstände, Nutzung, Downloads, Bildungsprojekte, wissenschaftliche Zitationen, Community-Zufriedenheit und Korrekturen.&lt;br /&gt;
* Born-digital-Kulturerbe wie Websites, digitale Fotosammlungen, Social-Media-Projekte, digitale Kunst und Software systematisch übernehmen.&lt;br /&gt;
* Repositoriumsprozesse gegebenenfalls auf eine externe Vertrauenswürdigkeitsprüfung oder Zertifizierung vorbereiten.&lt;br /&gt;
* Kooperationen mit nationalen und europäischen Aggregatoren ausbauen, ohne die sorbische Datenhoheit und sprachliche Sichtbarkeit aufzugeben.&lt;br /&gt;
* Alle drei bis fünf Jahre Governance, Standards, Prioritäten und Zugangsregeln gemeinsam überprüfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.6 Empfohlene Pilotprojekte ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Pilot&lt;br /&gt;
! Ziel&lt;br /&gt;
! Warum besonders sinnvoll&lt;br /&gt;
! Erfolgskriterien&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''1. Kulturregister-Pilot mit heterogenen Trägern'''&lt;br /&gt;
| Mindestmetadaten, Onboarding und föderierte Datenlieferung testen&lt;br /&gt;
| Deckt die reale Spannweite von Fachinstitution bis Ehrenamt ab&lt;br /&gt;
| Mindestens 3–5 Träger liefern exportfähige, verständliche Datensätze; Aufwand und Hilfebedarf sind gemessen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''2. Gefährdete sorbische Ton- und Videobestände'''&lt;br /&gt;
| Priorisierung, Digitalisierung, Transkription, Rechte und Archivierung zeitkritischer Medien&lt;br /&gt;
| Hohe Verlustgefahr und großer Sprachwert; Anknüpfung an Tobar an Dualchais, PARADISEC und Indigitization&lt;br /&gt;
| Definierte Masterdateien, geprüfte Übergabe, zweisprachige Erschließung, Nutzungsfall für Bildung/Forschung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''3. Sensibles und immaterielles Kulturerbe'''&lt;br /&gt;
| Abgestufte Rechte und Community-Entscheidungen an Interviews, Bräuchen oder Familienmaterial erproben&lt;br /&gt;
| Testet Governance statt nur Technik&lt;br /&gt;
| Dokumentierte Freigabewege, mehrere Zugangsstufen, Takedown-Prozess und Community-Abnahme&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''4. Durchgängige Vier-Säulen-Kette'''&lt;br /&gt;
| Datenfluss vom Register bis zur Präsentation ohne manuelle Medienbrüche testen&lt;br /&gt;
| Macht Schnittstellen- und Verantwortungsprobleme früh sichtbar&lt;br /&gt;
| Identifikatoren und Rechte bleiben durchgängig erhalten; Übergaben sind reproduzierbar&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''5. Migrations- und Ausstiegstest'''&lt;br /&gt;
| Vollständigen Export eines Pilotbestands in ein neutrales Format und Wiederimport prüfen&lt;br /&gt;
| Reagiert direkt auf das LAAL- und RRN-Lernfeld technischer Alterung&lt;br /&gt;
| Dateien, Beziehungen, Rechte, Sprachwerte und Identifikatoren bleiben erhalten; Dokumentation ist für anderen Betreiber nutzbar&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.7 Mindestanforderungen vor jeder Beschaffung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor der Entscheidung für eine konkrete Software sollten folgende Punkte verbindlich beantwortet sein:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Welche Funktion der vier Säulen soll die Software erfüllen – und welche ausdrücklich nicht?&lt;br /&gt;
# Wer ist fachlich, technisch und rechtlich verantwortlich?&lt;br /&gt;
# Wie werden Ober- und Niedersorbisch in Oberfläche, Datenfeldern, Suche und Export behandelt?&lt;br /&gt;
# Welche vollständigen Daten- und Dateiexporte sind jederzeit möglich?&lt;br /&gt;
# Wie bleiben Identifikatoren und Beziehungen bei einem Systemwechsel erhalten?&lt;br /&gt;
# Welche Rechte- und Sichtbarkeitsstufen lassen sich abbilden?&lt;br /&gt;
# Wie werden Community-Ergänzungen von institutionellen Ausgangsdaten unterschieden, ohne sie abzuwerten?&lt;br /&gt;
# Wo liegen Masterdateien und wer prüft ihre Integrität?&lt;br /&gt;
# Welche wiederkehrenden Lizenz-, Hosting-, Speicher-, Wartungs- und Personalkosten entstehen über mindestens zehn Jahre?&lt;br /&gt;
# Was geschieht bei Anbieterwechsel, Projektende, Insolvenz oder Wegfall einer Förderung?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.8 Übertragbarkeit differenziert bewertet ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Direkt übertragbare Ansätze ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* funktionale Trennung von Register, Digitalisierung, Repositorium und Präsentation;&lt;br /&gt;
* zentraler Service bei dezentraler Trägerschaft;&lt;br /&gt;
* gemeinsamer Metadatenkern mit fachlichen Erweiterungen;&lt;br /&gt;
* abgestufte Zugänge und getrennte rechtliche/kulturelle Prüfung;&lt;br /&gt;
* Pilotierung mit heterogenen Trägern;&lt;br /&gt;
* Betreiber- und Finanzierungsplanung vor Skalierung;&lt;br /&gt;
* Schulung, Helpdesk und Vorlagen für kleine Sammlungen;&lt;br /&gt;
* Exportfähigkeit und Migrationsplanung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Mit Anpassungen übertragbare Ansätze ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Mukurtu-Protokolle und Traditional Knowledge Labels: als Vorbild, aber mit sorbisch entwickelten Begriffen und deutscher beziehungsweise europäischer Rechtsprüfung;&lt;br /&gt;
* Nuohttis föderierte Architektur: gut übertragbar, jedoch mit deutlich kleinerem institutionellem Netz und zwei sorbischen Schriftsprachen;&lt;br /&gt;
* bavarikons Förder- und Qualitätsverfahren: in vereinfachter Form und mit wesentlich kleinerem Budget;&lt;br /&gt;
* PARADISECs Fachrepositorium: als Dienstemodell für gefährdete Medien, nicht in dessen globaler Größenordnung;&lt;br /&gt;
* People’s Collection Wales: Support- und Beteiligungsmodell, angepasst an kleinere Personalressourcen und vorhandene sorbische Institutionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Kaum unmittelbar übertragbare Ansätze ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* eine vollständig eigenständige technische Großinfrastruktur nach Maßstab eines Flächenlandes wie Bayern;&lt;br /&gt;
* ein internationaler Universitätsverbund mit hunderten Terabyte und weltweitem Einzugsbereich wie PARADISEC;&lt;br /&gt;
* die unveränderte Übernahme indigener Rechts- und Kulturkonzepte in den europäischen Minderheitenkontext;&lt;br /&gt;
* die Vorstellung, jedes lokale Haus müsse ein eigenes Langzeitarchiv oder hoch spezialisiertes Digitalisierungslabor betreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Risiken und Fehler, die vermieden werden sollten ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* '''Portal zuerst:''' Eine öffentlich sichtbare Website wird gebaut, bevor Datenpflege, Rechte und Langzeiterhaltung geregelt sind.&lt;br /&gt;
* '''Projektserver als Archiv:''' Dateien liegen nur in Arbeitsordnern, Clouds oder einem Content-Management-System.&lt;br /&gt;
* '''Ein System für alles:''' Register, Produktion, Archivierung und Präsentation werden technisch und organisatorisch untrennbar gekoppelt.&lt;br /&gt;
* '''Offen oder geschlossen:''' Fehlende Zwischenstufen führen entweder zu unnötiger Sperrung oder unangemessener Veröffentlichung.&lt;br /&gt;
* '''Standards ohne Hilfe:''' Ehrenamtliche Träger erhalten komplexe Vorgaben, aber keine Schulung, Zeit oder Nachbearbeitung.&lt;br /&gt;
* '''Zentralisierung der Deutung:''' Lokale und sprachräumliche Perspektiven werden durch ein einziges zentrales Beschreibungsschema verdrängt.&lt;br /&gt;
* '''Digitalisierung ohne Rechtebudget:''' Scans und Aufnahmen entstehen schneller als Einwilligungen, Prüfungen und Freigaben bearbeitet werden können.&lt;br /&gt;
* '''Abhängigkeit ohne Exit:''' Proprietäre Software oder Dienstleister werden gewählt, ohne vollständigen Export und getesteten Betreiberwechsel.&lt;br /&gt;
* '''Projektende ohne Betrieb:''' Förderziele zählen veröffentlichte Objekte, aber keine Stellen, Speicher-, Wartungs- und Migrationskosten nach Förderende.&lt;br /&gt;
* '''Mehrsprachigkeit nur im Menü:''' Die Oberfläche ist übersetzt, Datensätze, Suche, Vokabulare und redaktionelle Prozesse bleiben einsprachig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.9 Priorisierte Schlussfolgerung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wichtigste Lehre lautet nicht, möglichst schnell ein großes Portal zu füllen. Vorrang hat eine belastbare Arbeitsteilung:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Zuerst Regeln und Verantwortung:''' Governance, Rechte, Sprachmodell, Mindestmetadaten und Betreiber festlegen.&lt;br /&gt;
# '''Dann die sichere Kette:''' Register, Digitalisierungszentrum und Repositorium in einem Ende-zu-Ende-Pilot verbinden.&lt;br /&gt;
# '''Danach skalieren:''' Bestände risikobasiert digitalisieren, kleine Träger durch Dienste und Förderung einbinden.&lt;br /&gt;
# '''Erst darauf die breite Präsentation:''' Freigegebene Inhalte zielgruppengerecht, mehrsprachig und nachnutzbar anbieten.&lt;br /&gt;
# '''Dauerhaft überprüfen:''' Nutzung, Datenqualität, Rechte-Rückstände, Betriebskosten und Community-Zufriedenheit messen und Architektur weiterentwickeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit wird aus vier technischen beziehungsweise organisatorischen Säulen ein gemeinsames System: '''dezentrale kulturelle Verantwortung, zentral abgesicherte Dienste und eine verbindliche dauerhafte Finanzierung.'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== H. Verdichtungsvorschlag für den Konzeptabschnitt „Beispiele anderer Kulturen und Regionen“ ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den kurzen Wiki-Abschnitt wird eine Gliederung in höchstens vier Unterabschnitte empfohlen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Ziel und Auswahl:''' Warum der Vergleich durchgeführt wurde und warum kein universelles Idealmodell gesucht wird.&lt;br /&gt;
# '''Sieben aussagekräftige Beispiele:''' RomArchive, Nuohtti, People’s Collection Wales, Tobar an Dualchais, Euskariana, Mukurtu/Plateau Portal und Indigitization. Jedes Beispiel erhält einen kurzen Kontext, die zentrale Besonderheit und ein konkretes Learning.&lt;br /&gt;
# '''Schlussverdichtung:''' Vier Säulen, drei Fundamente und zwei Betriebsregeln.&lt;br /&gt;
# '''Prioritäten für die Sorben:''' Governance und Standards → Ende-zu-Ende-Pilot und Zielrepositorium → Verstetigung des Digitalisierungszentrums → skalierte Präsentation und Nachnutzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die sieben Beispiele decken die für den sorbischen Kontext wichtigsten Perspektiven ab:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Beispiel&lt;br /&gt;
! Zentrale Besonderheit&lt;br /&gt;
! Konkretes Learning für die Sorben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| RomArchive&lt;br /&gt;
| Minderheitenangehörige kuratieren und steuern; Betreiberübergang nach Projektphase&lt;br /&gt;
| Deutungshoheit und dauerhaften Träger von Beginn an verankern&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Nuohtti&lt;br /&gt;
| Föderierte Suche über verteilte Bestände und mehrere Staaten/Sprachen&lt;br /&gt;
| Kulturregister als verbindende Nachweisschicht statt Zwangszentralisierung bauen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| People’s Collection Wales&lt;br /&gt;
| Zweisprachige Plattform plus Schulung und Community-Unterstützung; unabhängige Evaluation&lt;br /&gt;
| Kleine Träger brauchen Helpdesk, Training und realistische Wirkungsmessung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Tobar an Dualchais&lt;br /&gt;
| Sicherung und sprachliche Erschließung gefährdeter Tonaufnahmen&lt;br /&gt;
| Audiovisuelle Bestände zeitlich priorisieren und mit Transkription verbinden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Euskariana&lt;br /&gt;
| Gemeinsamer Katalog, eigenes Repositorium und Anbindung externer Systeme über Standards&lt;br /&gt;
| Zwei Onboarding-Wege und ein schlanker gemeinsamer Metadatenkern&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mukurtu / Plateau Portal&lt;br /&gt;
| Kulturelle Protokolle, mehrere Perspektiven und abgestufte Zugänge&lt;br /&gt;
| Rechte und kulturelle Sensibilität als Datenmodell, nicht als spätere Einzelfallkorrektur&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Indigitization&lt;br /&gt;
| Zentrale Kompetenz, Training und Kleinprojektförderung bei dezentraler Durchführung&lt;br /&gt;
| Digitalisierungszentrum als Dienstleister und Befähiger für lokale Träger ausgestalten&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Zielumfang von etwa 1.200 bis 1.800 Wörtern ist ausreichend. Die ausführlichen Fallprofile, Matrix, Quellen und differenzierten Empfehlungen verbleiben auf dieser Anhangsseite. Dadurch bleibt der Konzepttext lesbar, während zentrale Aussagen überprüfbar belegt und vertieft werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_faq&amp;quot;&amp;gt;RomArchive (o. J.): ''Frequently Asked Questions''. [https://www.romarchive.eu/en/about/frequently-answered-questions/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_imprint&amp;quot;&amp;gt;Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma e. V. / RomArchive (o. J.): ''Imprint''. [https://www.romarchive.eu/en/imprint/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_kulturstiftung&amp;quot;&amp;gt;Kulturstiftung des Bundes (o. J.): ''RomArchive – Digital Archive of the Roma''. [https://www.kulturstiftung-des-bundes.de/en/programmes_projects/film_and_new_media/detail/romarchive.html Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_about&amp;quot;&amp;gt;Nuohtti / Digital Access to the Sámi Heritage Archives (o. J.): ''About Nuohtti''. [https://nuohtti.com/Content/about Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_uarctic&amp;quot;&amp;gt;University of the Arctic (2023): ''The Nuohtti service provides digital access to Sámi material in European archives''. [https://www.uarctic.org/news/2023/3/the-nuohtti-service-provides-digital-access-to-sami-material-in-european-archives/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_dataspace&amp;quot;&amp;gt;Mäkikalli, Maija / Leppälä, Oona (2024): ''Nuohtti platform improves accessibility to the digitised archives of Sámi cultural heritage''. European Collaborative Cloud for Cultural Heritage / Europeana. [https://www.dataspace-culturalheritage.eu/en/news/nuohtti-platform-improves-accessibility-to-the-digitised-archives-of-sami-cultural-heritage Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_eval&amp;quot;&amp;gt;Vittle, Kate / Haswell-Walls, Fran / Dixon, Tim; ERS Ltd. (2016): ''Evaluation of the Casgliad y Werin Cymru / People’s Collection Wales Digital Heritage Programme. Impact Report''. [https://www.gov.wales/sites/default/files/publications/2019-08/evaluation-of-the-peoples-collection-wales-digital-heritage-programme-impact.pdf PDF], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_support&amp;quot;&amp;gt;People’s Collection Wales (o. J.): ''Community Support''. [https://www.peoplescollection.wales/about-us/community-support Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_edinburgh&amp;quot;&amp;gt;University of Edinburgh (2024): ''Tobar an Dualchais / Kist o Riches''. [https://gaelic.ed.ac.uk/gaelic-collections/tobar-an-dualchais-kist-o-riches Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_funding2025&amp;quot;&amp;gt;Scottish Government (2025): ''Rediscovering lost Gaelic words''. [https://www.gov.scot/news/rediscovering-lost-gaelic-words/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_funding2026&amp;quot;&amp;gt;Scottish Government (2026): ''Boost for Gaelic language''. [https://www.gov.scot/news/boost-for-gaelic-language/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_opening&amp;quot;&amp;gt;University of Edinburgh (o. J.): ''Opening the Well''. [https://gaelic.ed.ac.uk/news/opening-the-well Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;euskariana_about&amp;quot;&amp;gt;Gobierno Vasco / Biblioteca Digital de Euskadi (o. J.): ''Acerca de Euskariana''. [https://www.euskariana.euskadi.eus/euskadibib/es/help/about.do Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;bavarikon_about&amp;quot;&amp;gt;bavarikon / Freistaat Bayern (o. J.): ''Über bavarikon''. [https://www.bavarikon.de/about Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;bavarikon_partner&amp;quot;&amp;gt;bavarikon / Freistaat Bayern (o. J.): ''Partner werden''. [https://www.bavarikon.de/becoming-partner Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;bavarikon_500k&amp;quot;&amp;gt;Bayerische Staatsbibliothek (2024): ''bavarikon knackt die halbe Million: 500.000 digitale Kulturschätze aus rund 170 bayerischen Einrichtungen sind weltweit zugänglich''. [https://www.bsb-muenchen.de/en/about-us/article/bavarikon-knackt-die-halbe-million-500000-digitale-kulturschaetze-aus-rund-170-bayerischen-einrichtungen-sind-weltweit-zugaenglich-6555/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_about&amp;quot;&amp;gt;Mukurtu CMS / Center for Digital Scholarship and Curation, Washington State University (o. J.): ''About / Mission, Core Features, Implementation and Sustainability''. [https://mukurtu.org/about/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_plateau&amp;quot;&amp;gt;Mukurtu CMS / Washington State University (o. J.): ''Plateau Peoples’ Web Portal''. [https://mukurtu.org/project/plateau-peoples-web-portal-showcase/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_dlib&amp;quot;&amp;gt;Christen, Kimberly / Merrill, Alex / Wynne, Michael (2017): ''A Community of Relations: Mukurtu Hubs and Spokes''. D-Lib Magazine, 23(5/6). [https://www.dlib.org/dlib/may17/christen/05christen.html Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_who&amp;quot;&amp;gt;Aṟa Irititja (o. J.): ''Who are we?'' [https://irititja.com/about-ara-irititja/who-are-we/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_approach&amp;quot;&amp;gt;Aṟa Irititja (o. J.): ''Community-Based Approach – The Aṟa Irititja Approach''. [https://irititja.com/archive/the-ara-irititja-approach/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_funding&amp;quot;&amp;gt;Aṟa Irititja (o. J.): ''Funding''. [https://irititja.com/challlenges/funding/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_background&amp;quot;&amp;gt;Charles Darwin University / Living Archive of Aboriginal Languages (o. J.): ''Background''. [https://livingarchive.cdu.edu.au/background/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_rights&amp;quot;&amp;gt;Charles Darwin University / Living Archive of Aboriginal Languages (o. J.): ''Copyright and IP issues''. [https://livingarchive.cdu.edu.au/copyright/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_home&amp;quot;&amp;gt;Charles Darwin University / Living Archive of Aboriginal Languages (o. J.): ''Home''. [https://livingarchive.cdu.edu.au/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_migration&amp;quot;&amp;gt;Christie, Michael (2022): ''Post-LAAL update''. Living Archive of Aboriginal Languages, 26.10.2022. [https://livingarchive.cdu.edu.au/post-laal-update/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;paradisec_about&amp;quot;&amp;gt;PARADISEC (o. J.): ''About us''. [https://www.paradisec.org.au/about-us/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;paradisec_home&amp;quot;&amp;gt;PARADISEC (2026): ''Pacific and Regional Archive for Digital Sources in Endangered Cultures – Home and current collection data''. [https://www.paradisec.org.au/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_about&amp;quot;&amp;gt;Reciprocal Research Network (o. J.): ''About''. [https://www.rrncommunity.org/pages/about Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_contact&amp;quot;&amp;gt;Reciprocal Research Network (o. J.): ''Contact Us / Steering Group''. [https://www.rrncommunity.org/pages/contact Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_home&amp;quot;&amp;gt;Reciprocal Research Network (2026): ''Home / What’s inside''. [https://www.rrncommunity.org/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_rowley&amp;quot;&amp;gt;Rowley, Susan (2013): ''The Reciprocal Research Network: The Development Process''. Museum Anthropology Review, 7(1–2). [https://scholarworks.iu.edu/journals/index.php/mar/article/view/2172 Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_about&amp;quot;&amp;gt;Indigitization (o. J.): ''About Us''. [https://www.indigitization.ca/about-2/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_toolkit&amp;quot;&amp;gt;Indigitization (o. J.): ''Indigitization Toolkit''. [https://www.indigitization.ca/toolkit/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_grant&amp;quot;&amp;gt;Indigitization (o. J.): ''Audio Cassette Digitization Grant''. [https://www.indigitization.ca/funding/audio-cassette-grant/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_funding&amp;quot;&amp;gt;Indigitization (o. J.): ''Funding''. [https://www.indigitization.ca/funding/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;unesco_doc_heritage&amp;quot;&amp;gt;UNESCO (2015): ''Recommendation concerning the preservation of, and access to, documentary heritage including in digital form''. [https://www.unesco.org/en/legal-affairs/recommendation-concerning-preservation-and-access-documentary-heritage-including-digital-form Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;unesco_participation&amp;quot;&amp;gt;UNESCO Intangible Cultural Heritage (o. J.): ''Involvement of communities, groups and individuals''. [https://ich.unesco.org/en/involvement-of-communities-0033 Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;unesco_ethics&amp;quot;&amp;gt;UNESCO Intangible Cultural Heritage (o. J.): ''Ethical Principles for Safeguarding Intangible Cultural Heritage''. [https://ich.unesco.org/en/ethics-and-ich-00866 Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;oais&amp;quot;&amp;gt;International Organization for Standardization (ISO) (2025): ''ISO 14721:2025 – Space data and information transfer systems – Open archival information system (OAIS) – Reference model'', 3. Ausgabe. [https://www.iso.org/standard/87471.html Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;ndsa&amp;quot;&amp;gt;National Digital Stewardship Alliance (2026): ''Levels of Digital Preservation, Version 2.1''. [https://www.ndsa.org/publications/levels-of-digital-preservation/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;care&amp;quot;&amp;gt;Global Indigenous Data Alliance (o. J.): ''CARE Principles for Indigenous Data Governance''. [https://www.gida-global.org/careprinciples Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;localcontexts&amp;quot;&amp;gt;Local Contexts (o. J.): ''Traditional Knowledge and Biocultural Labels and Notices''. [https://localcontexts.org/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;edm&amp;quot;&amp;gt;Europeana Pro (o. J.): ''Europeana Data Model Documentation''. [https://pro.europeana.eu/page/edm-documentation Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;oaipmh&amp;quot;&amp;gt;Open Archives Initiative (o. J.): ''OAI-PMH Frequently Asked Questions''. [https://www.openarchives.org/documents/FAQ.html Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;iiif&amp;quot;&amp;gt;IIIF Consortium (2021, laufend gepflegt): ''IIIF Presentation API 3.0''. [https://iiif.io/api/presentation/3.0/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;iasa&amp;quot;&amp;gt;International Association of Sound and Audiovisual Archives (IASA) (o. J.): ''Guidelines on the Production and Preservation of Digital Audio Objects (TC-04)''. [https://www.iasa-web.org/tc04/audio-preservation Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;digicher&amp;quot;&amp;gt;Europeana Foundation / European Collaborative Cloud for Cultural Heritage (2024): ''Discover the DIGICHer project''. [https://www.dataspace-culturalheritage.eu/en/news/discover-the-digicher-project Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/references&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Měrko Šenk</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://koncept.serbski-inkubator.de/index.php?title=12.3.A1_Vergleichende_Recherche_%E2%80%93_Digitalisierung_des_Kulturerbes_anderer_Kulturen_und_Regionen&amp;diff=1069</id>
		<title>12.3.A1 Vergleichende Recherche – Digitalisierung des Kulturerbes anderer Kulturen und Regionen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://koncept.serbski-inkubator.de/index.php?title=12.3.A1_Vergleichende_Recherche_%E2%80%93_Digitalisierung_des_Kulturerbes_anderer_Kulturen_und_Regionen&amp;diff=1069"/>
		<updated>2026-07-22T11:47:08Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Měrko Šenk: /* Nachweisbarer Erfolg und Grenzen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;''Anhang zu [[12.3 Digitalisierung des Kulturerbes]]''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
''Recherche- und Quellenstand: 20. Juli 2026''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Seite dokumentiert eine vergleichende Recherche zu Erfolgsmodellen, Grenzen und übertragbaren Lösungsbausteinen bei der Digitalisierung des Kulturerbes kleiner, autochthoner, indigener, sprachlicher und regional verteilter Gemeinschaften. Sie dient als ausführliche Beleg- und Arbeitsgrundlage für den Konzeptabschnitt [[12.3 Digitalisierung des Kulturerbes#Beispiele anderer Kulturen und Regionen|„Beispiele anderer Kulturen und Regionen“]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Wichtiger Hinweis zur Aussagekraft:''' Die Fallprofile trennen soweit möglich zwischen dokumentierten Tatsachen, Aussagen der Projektverantwortlichen und der hier vorgenommenen Bewertung. Viele Projekte veröffentlichen keine aktuellen Nutzungszahlen oder unabhängigen Wirkungsevaluationen. In diesen Fällen wird nicht allein aus einer ansprechenden Website auf Erfolg geschlossen. Wo eine Schlussfolgerung nur plausibel, aber nicht direkt belegt ist, ist sie als '''Bewertung''' oder '''Annahme''' gekennzeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Hinweis zur Erstellung:''' Die vorliegende Vergleichsrecherche wurde mit Unterstützung der Funktion „Deep Research“ von ChatGPT (Version GPT-5.6 Sol Pro) erstellt und anschließend redaktionell überarbeitet. Maßgeblich für die Nachvollziehbarkeit sind die jeweils angegebenen Quellen, während die daraus abgeleiteten Bewertungen und Schlussfolgerungen eine analytische Einordnung darstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
__TOC__&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== A. Zusammenfassung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die untersuchten Projekte zeigen kein universell ideales System. Erfolgreiche oder besonders lehrreiche Modelle kombinieren vielmehr unterschiedliche Bausteine entsprechend ihrer Gemeinschaft, Rechtslage, Bestandsstruktur und Ressourcen. Für den sorbischen Kontext sind vor allem folgende Erkenntnisse belastbar:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Funktionen klar trennen, Systeme aber verbinden.''' Register beziehungsweise Katalog, Digitalisierungsdienst, Repositorium beziehungsweise Langzeitarchiv und Präsentationssystem erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Erfolgreiche Verbünde verbinden diese Funktionen über Metadaten, Identifikatoren, Übergabeprozesse und Schnittstellen, statt alles in einem einzigen Portal zu vermischen.&lt;br /&gt;
# '''Gemeinschaftliche Steuerung ist keine Zusatzfunktion.''' RomArchive, Nuohtti, Mukurtu, Aṟa Irititja und das Reciprocal Research Network zeigen, dass Angehörige der jeweiligen Kultur an Auswahl, Beschreibung, Kontextualisierung, Zugangsregeln und strategischen Entscheidungen beteiligt sein müssen. Reine institutionelle „Beteiligung“ ohne festgelegte Entscheidungsrechte reicht nicht aus.&lt;br /&gt;
# '''Zentral ermöglichen, dezentral verantworten.''' Besonders übertragbar sind Modelle, bei denen eine zentrale Stelle Standards, Infrastruktur, Beratung, Qualitätssicherung, Schulung und gegebenenfalls Technik bereitstellt, während Kulturgutträger ihre Originale, lokalen Kenntnisse, Beziehungen zu Rechteinhabern und kulturellen Entscheidungen behalten.&lt;br /&gt;
# '''Ein Suchportal ist noch kein digitales Archiv.''' Nuohtti, Euskariana, bavarikon und das Plateau Peoples’ Web Portal aggregieren beziehungsweise präsentieren Inhalte aus verschiedenen Quellen. Die Langzeiterhaltung der Masterdateien muss davon getrennt geregelt sein. Mukurtu weist ausdrücklich darauf hin, dass eine Zugangsplattform nur ein Baustein eines umfassenderen Systems für Digitalisierung, Erhaltung und Betrieb ist.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
# '''Keine Massendigitalisierung ohne Zielarchiv und Rechteworkflow.''' Digitalisierung erzeugt dauerhafte Folgekosten. Vor einer Skalierung müssen Speicherort, Übernahmeprozess, Prüfsummen, Sicherung, Dateiformate, Metadaten, Rechte und spätere Migration festgelegt sein.&lt;br /&gt;
# '''Offenheit ist nicht binär.''' Erfolgreiche gemeinschaftlich gesteuerte Projekte arbeiten mit abgestuften Zugängen: öffentliches Metadatum, frei zugängliches Nutzungsdigitalisat, registrierter oder gemeinschaftsbezogener Zugang, zeitliche Sperre oder keine Online-Veröffentlichung. Zugänglichkeit und kulturelle Selbstbestimmung werden dadurch nicht als Gegensätze behandelt.&lt;br /&gt;
# '''Mehrsprachigkeit muss Teil der Datenarchitektur sein.''' Zweisprachige oder mehrsprachige Angebote wie People’s Collection Wales, Nuohtti, RomArchive, Euskariana und Aṟa Irititja zeigen, dass Sprachen nicht nur in der Oberfläche, sondern auch in Metadatenfeldern, kontrollierten Begriffen, Suchfunktionen, Transkriptionen und Verantwortlichkeiten berücksichtigt werden müssen.&lt;br /&gt;
# '''Kleine Träger brauchen Dienste, nicht nur Vorgaben.''' People’s Collection Wales und Indigitization belegen den Wert von Beratung, Schulung, Vorlagen, Pilotförderung, technischer Begleitung und „Train-the-Trainer“-Ansätzen. Ein Standard, den Ehrenamtliche oder kleine Einrichtungen ohne Hilfe nicht anwenden können, ist praktisch kein gemeinsamer Standard.&lt;br /&gt;
# '''Projektförderung kann den Aufbau finanzieren, nicht automatisch den Dauerbetrieb.''' RomArchive gelang der geplante Übergang an einen institutionellen Betreiber. Aṟa Irititja musste über Jahre um Verstetigung ringen; bei Indigitization ruht das frühere Förderprogramm für Audiokassetten; die Evaluation von People’s Collection Wales bezeichnete Finanzierungssicherheit als Kernproblem. Dauerverantwortung, Grundfinanzierung und technischer Erneuerungszyklus müssen daher vor einer breiten Skalierung geklärt werden.&lt;br /&gt;
# '''Pilotieren, messen, dann skalieren.''' Besonders sinnvoll sind Pilotvorhaben, die die gesamte Kette von der Erfassung über Rechteklärung und Digitalisierung bis zur Archivierung und Präsentation testen. Die Evaluation von People’s Collection Wales empfiehlt ausdrücklich einen Ablauf aus Bedarf, Pilot, Test, Auswertung und anschließender Skalierung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_eval&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daraus lässt sich ein prägnantes Zielmodell ableiten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Vier funktionale Säulen&lt;br /&gt;
! Leitfrage&lt;br /&gt;
! Kernaufgabe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''1. Register'''&lt;br /&gt;
| Was gibt es, wo befindet es sich, was bedeutet es und was ist prioritär?&lt;br /&gt;
| Institutionenübergreifender Nachweis, Kontext, Rechte- und Prioritätsinformationen; Verknüpfung verteilter Bestände.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''2. Digitalisierungsdienst'''&lt;br /&gt;
| Wie entstehen qualitätsgesicherte Digitalisate?&lt;br /&gt;
| Beratung, Auswahl geeigneter Verfahren, Digitalisierung, Qualitätsprüfung, Dienstleistersteuerung, Schulung und Hilfe für kleine Träger.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''3. Repositorium / digitales Langzeitarchiv'''&lt;br /&gt;
| Wie bleiben Masterdateien und Metadaten dauerhaft erhalten?&lt;br /&gt;
| Übernahme, Integritätskontrolle, redundante Sicherung, Dateiformatüberwachung, Migration, persistente Identifikatoren und dokumentierte Verantwortung.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''4. Präsentations- und Nutzungssysteme'''&lt;br /&gt;
| Was wird wem, in welcher Sprache und unter welchen Bedingungen zugänglich?&lt;br /&gt;
| Suche, Kontextualisierung, Bildung, Forschung, Download, Programmierschnittstellen und kreative Nachnutzung – abgestuft nach Rechten und kulturellen Regeln.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Merksatz:''' Das Register weiß, ''was'' und ''wo''; das Digitalisierungszentrum erzeugt und prüft; das Repositorium erhält; die Präsentation vermittelt und ermöglicht Nutzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese funktionale Vierertrennung bedeutet nicht zwingend vier Organisationen oder vier getrennte Beschaffungen. Digitalisierungszentrum und Repositorium können beispielsweise beim selben Träger liegen. Auftrag, Verantwortung, Budget, Qualitätskriterien und Betriebszusagen sollten dennoch getrennt benannt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== B. Stand der Forschung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== B.1 Vorhandene Modelle und Leitlinien ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Gesamtaufgabe „verteilt erfassen, priorisieren, digitalisieren, Metadaten zusammenführen, langfristig erhalten und verantwortungsvoll zugänglich machen“ existiert kein einzelnes, allgemein verbindliches End-to-End-Modell. Es gibt jedoch belastbare Teilmodelle, die zusammengedacht werden können:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die '''UNESCO-Empfehlung''' zur Erhaltung und Zugänglichkeit des dokumentarischen Erbes fordert institutionelle Auswahl- und Erhaltungsstrategien, fachgerechte Erschließung, Metadaten, Zusammenarbeit und rechtzeitige Maßnahmen für gefährdete digitale Bestände.&amp;lt;ref name=&amp;quot;unesco_doc_heritage&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Für immaterielles Kulturerbe verlangt die UNESCO die möglichst breite Beteiligung der Gemeinschaften und die Achtung üblicher Zugangsregeln. Die '''ethischen Grundsätze''' betonen die primäre Rolle der Gemeinschaften sowie freie, vorherige und informierte Zustimmung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;unesco_participation&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;unesco_ethics&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Das '''Referenzmodell OAIS (Open Archival Information System'''; deutsch: Referenzmodell für ein offenes Archiv-Informationssystem) beschreibt Rollen und Kernfunktionen eines digitalen Langzeitarchivs. „Offen“ bezeichnet dabei ein offen entwickeltes Referenzmodell, nicht einen zwingend offenen Zugang zu allen Inhalten.&amp;lt;ref name=&amp;quot;oais&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Die '''NDSA Levels of Digital Preservation''' (Reifegradstufen der National Digital Stewardship Alliance) bieten eine stufenweise, für kleinere Einrichtungen praktikable Orientierung zu Speicherorten, Integrität, Informationssicherheit, Metadaten und Dateiformaten. Die aktuelle Fassung 2.1 von März 2026 stellt ausdrücklich klar, dass nicht jede Sammlung überall die höchste Stufe erreichen muss.&amp;lt;ref name=&amp;quot;ndsa&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Die '''CARE Principles for Indigenous Data Governance''' – Collective Benefit, Authority to Control, Responsibility und Ethics, auf Deutsch etwa gemeinschaftlicher Nutzen, Kontrollbefugnis, Verantwortung und Ethik – ergänzen technische Offenheits- und Nachnutzungsprinzipien um kollektive Rechte und Verantwortlichkeiten.&amp;lt;ref name=&amp;quot;care&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* '''Local Contexts''' stellt Traditional Knowledge Labels und Biocultural Labels bereit, mit denen Gemeinschaften Hinweise zu Herkunft, kultureller Autorität, erlaubter Nutzung und besonderen Protokollen ergänzen können. Diese Instrumente ersetzen das staatliche Urheberrecht nicht, machen aber gemeinschaftsbezogene Erwartungen maschinen- und menschenlesbar.&amp;lt;ref name=&amp;quot;localcontexts&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Für '''Metadaten''' und Austausch stehen etablierte Bausteine zur Verfügung: '''Dublin Core''' für einfache Kernmetadaten, '''Europeana Data Model (EDM'''; Datenmodell der Europeana) für heterogene Kulturdatensätze, '''OAI-PMH (Open Archives Initiative Protocol for Metadata Harvesting'''; Protokoll zum Einsammeln von Metadaten), Programmierschnittstellen sowie '''IIIF (International Image Interoperability Framework'''; Standardfamilie zur interoperablen Präsentation von Bildern und zunehmend Audio/Video).&amp;lt;ref name=&amp;quot;edm&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;oaipmh&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;iiif&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Für audiovisuelle Bestände sind die '''IASA-TC-04'''-Richtlinien der '''International Association of Sound and Audiovisual Archives''' besonders relevant. Sie behandeln unter anderem Signalerfassung, Metadaten, Identifikatoren, Speicherung, kleine Einrichtungen und die Vergabe an Dienstleister.&amp;lt;ref name=&amp;quot;iasa&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== B.2 Vergleichende Forschung und Evaluation ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die belastbarsten Erkenntnisse entstehen aus einer Kombination aus technischen Dokumentationen, Projektberichten, wissenschaftlichen Fallstudien und unabhängigen Evaluationen. Besonders wertvoll ist die Evaluation von People’s Collection Wales, weil sie nicht nur Erfolge, sondern auch geringe Rücklaufzahlen, begrenzte Wirkungsnachweise, Finanzierungsrisiken, Rollenunklarheiten und den hohen Aufwand vermittelter Community-Arbeit offenlegt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_eval&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wissenschaftlich gut dokumentiert sind außerdem das gemeinschaftsbasierte Metadaten- und Zugangsmodell von Mukurtu und dem Plateau Peoples’ Web Portal sowie die kooperative Entwicklung des Reciprocal Research Network. Beide zeigen, dass Vertrauen, Vereinbarungen, parallel mögliche institutionelle und gemeinschaftliche Beschreibungen sowie fein abgestufte Zugänge organisatorisch ebenso wichtig sind wie die Software.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_dlib&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_rowley&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das EU-geförderte Forschungsprojekt DIGICHer untersucht seit 2024, wie Minderheitengemeinschaften – unter anderem Sámi, jüdische und ladinische Gemeinschaften – gerechter an der Digitalisierung und Repräsentation ihres Kulturerbes beteiligt werden können. Da das Projekt bis 2027 läuft, sind im Juli 2026 noch keine abschließenden, allgemein belastbaren Ergebnisse verfügbar. Es ist aber ein relevantes Anschlussvorhaben für die weitere Beobachtung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;digicher&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== B.3 Forschungslücken ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der Auswertung ergeben sich vier wiederkehrende Lücken:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Aktuelle, unabhängige Nutzungs- und Wirkungsevaluationen fehlen bei vielen Projekten.&lt;br /&gt;
# Die technische Präsentationsarchitektur ist häufig besser dokumentiert als die Verantwortung für Masterdateien, Migration und dauerhafte Finanzierung.&lt;br /&gt;
# Community-Beteiligung wird oft beschrieben, aber Entscheidungsrechte, Konfliktlösungen und Repräsentativität bleiben teilweise unklar.&lt;br /&gt;
# Es gibt zahlreiche Standards für Einzelaufgaben, aber wenig empirisch evaluierte Gesamtmodelle für kleine, institutionell verteilte Minderheiten mit ehrenamtlich betreuten Sammlungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Bewertung:''' Der Ansatz bei der Digitalisierung von Kulturerbe sollte deshalb nicht nach einer fertigen „Best-Practice-Software“ suchen. Zielführender ist eine belastbare Gesamtarchitektur aus &lt;br /&gt;
* ''Governance'', &lt;br /&gt;
* ''Diensten'', &lt;br /&gt;
* ''Mindeststandards'' und &lt;br /&gt;
* ''dauerhaftem Betrieb'', &lt;br /&gt;
in die geeignete vorhandene Softwareprodukte eingebunden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== C. Begründete Auswahl der Fallbeispiele ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Auswahl umfasst zwölf Fälle. Sie deckt europäische Minderheiten, indigene und gemeinschaftlich gesteuerte Modelle, regionale Verbünde, Sprach- und Audioarchive sowie problembehaftete Übergänge ab. Nicht jedes Projekt bildet die gesamte Prozesskette ab; gerade die Unterschiede machen sichtbar, welche Funktion jeweils gelöst wird und wo Lücken bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable sortable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Fall&lt;br /&gt;
! Gemeinschaft / Raum&lt;br /&gt;
! Modelltyp&lt;br /&gt;
! Besondere Relevanz für die Sorben&lt;br /&gt;
! Evidenzlage&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| RomArchive&lt;br /&gt;
| Roma und Sinti; transnational, Schwerpunkt Europa; Betrieb in Deutschland&lt;br /&gt;
| Kuratiertes, gemeinschaftsgeprägtes digitales Archiv&lt;br /&gt;
| Deutungshoheit, Übergabe vom Förderprojekt an einen dauerhaften Betreiber, Mehrsprachigkeit&lt;br /&gt;
| Mittel bis hoch: aktuelle Primärquellen; keine aktuelle unabhängige Wirkungsanalyse&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Nuohtti&lt;br /&gt;
| Sámi in Sápmi; Norwegen, Schweden, Finnland, historisch auch Russland&lt;br /&gt;
| Föderierter Suchdienst über Bestände vieler Institutionen&lt;br /&gt;
| Verteilte Bestände, mehrere Staaten und Sprachen, ethische Hinweise, Open-Source-Bausteine&lt;br /&gt;
| Mittel bis hoch: Projekt- und Betreiberquellen; belastbare Umfangsangaben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| People’s Collection Wales&lt;br /&gt;
| Walisische Bevölkerung und walisischsprachige Gemeinschaft; Wales, Vereinigtes Königreich&lt;br /&gt;
| Nationaler Verbund mit Community-Beiträgen und Schulung&lt;br /&gt;
| Zweisprachigkeit, kleine Träger, zentrale Unterstützung, unabhängige Evaluation&lt;br /&gt;
| Hoch für die untersuchte Förderphase; aktuelle Nutzungsdaten begrenzt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Tobar an Dualchais / Kist o Riches&lt;br /&gt;
| Gälisch- und Scots-sprachige Gemeinschaften; Schottland, Vereinigtes Königreich&lt;br /&gt;
| Digitales Oral-History- und Tonarchiv&lt;br /&gt;
| Gefährdete audiovisuelle Bestände, Sprache, Transkription, Bildung&lt;br /&gt;
| Mittel: aktuelle Bestands- und Förderangaben; keine umfassende unabhängige Evaluation&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Euskariana&lt;br /&gt;
| Baskische Kultur- und Sprachgemeinschaft; Projekt der Autonomen Gemeinschaft Baskenland, Spanien&lt;br /&gt;
| Staatlich getragenes Aggregations- und Zugangsportal&lt;br /&gt;
| Gemeinsamer Katalog, eigenes Repositorium plus Verlinkung, Standards und Europeana-Anbindung&lt;br /&gt;
| Mittel: gute offizielle Dokumentation; wenig unabhängige Wirkungsmessung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| bavarikon&lt;br /&gt;
| Regionales Kulturerbe Bayerns; keine Minderheitenplattform&lt;br /&gt;
| Staatlicher institutionsübergreifender Digitalisierungs- und Präsentationsverbund&lt;br /&gt;
| Betreiberverantwortung, Förderverfahren, Qualitätsanforderungen, Beteiligung vieler Einrichtungen&lt;br /&gt;
| Hoch für Organisation und Umfang; wegen Größenordnung nur teilweise übertragbar&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mukurtu und Plateau Peoples’ Web Portal&lt;br /&gt;
| Indigene Nationen des nordwestlichen Plateaus; USA&lt;br /&gt;
| Open-Source-Zugangsplattform und gemeinschaftlich kuratierter Verbund&lt;br /&gt;
| Kulturelle Protokolle, Traditional Knowledge Labels, mehrere Beschreibungen pro Objekt&lt;br /&gt;
| Hoch für Funktionsmodell und Governance; Betriebskapazität bleibt Voraussetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Aṟa Irititja&lt;br /&gt;
| Aṉangu der APY Lands; South Australia, Australien&lt;br /&gt;
| Gemeinschaftsbasiertes Multimediaarchiv und digitale Rückgabe&lt;br /&gt;
| Lokale Kontrolle, sensibler Zugang, mehrsprachige und niedrigschwellige Nutzung&lt;br /&gt;
| Mittel: detaillierte Eigendokumentation; Wirkungsnachweise überwiegend Selbstauskunft&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Living Archive of Aboriginal Languages&lt;br /&gt;
| Zahlreiche Aboriginal-Sprachgemeinschaften im Northern Territory, Australien&lt;br /&gt;
| Digitales Sprach- und Bildungsarchiv&lt;br /&gt;
| Rechteklärung, offene Lehrmaterialien, Master-/Nutzungsdateien, Migrationsrisiko&lt;br /&gt;
| Hoch für Prozess und Bestandsumfang; dokumentierte Einschränkung nach Systemwechsel&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| PARADISEC&lt;br /&gt;
| Viele kleine und gefährdete Sprachgemeinschaften, vor allem im Pazifikraum&lt;br /&gt;
| Universitärer Fachverbund für audiovisuelle Langzeiterhaltung&lt;br /&gt;
| Gefährdete Tonträger, professionelles Repositorium, verteilte Trägerschaft und Rückgabe von Kopien&lt;br /&gt;
| Hoch: große Bestände, aktuelle Berichte, Zertifizierung und Auszeichnungen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reciprocal Research Network&lt;br /&gt;
| First Nations der Nordwestküste von British Columbia; Kanada&lt;br /&gt;
| Föderierte Recherche- und Kooperationsplattform&lt;br /&gt;
| Institutionenübergreifende Suche, Vereinbarungen, Community-Wissen, technische Alterung&lt;br /&gt;
| Mittel bis hoch: aktuelle Bestandszahlen und Forschung; sichtbare Softwareversion von 2014&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Indigitization&lt;br /&gt;
| First Nations und weitere indigene Gemeinschaften in British Columbia; Kanada&lt;br /&gt;
| Kompetenz-, Schulungs- und Förderprogramm für dezentrale Digitalisierung&lt;br /&gt;
| Besonders nah am möglichen Dienstleistungsmodell eines sorbischen Digitalisierungszentrums&lt;br /&gt;
| Hoch für Förderphase 2013–2019; aktuelles Kassettenförderprogramm pausiert&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== D. Fallprofile ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.1 RomArchive – Digitales Archiv der Roma ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Roma sind eine transnationale, historisch in vielen europäischen und außereuropäischen Staaten lebende Minderheit mit vielfältigen Gruppen, Sprachen und Selbstbezeichnungen. Sinti sind eine unter anderem in Deutschland und Mitteleuropa beheimatete Gruppe. RomArchive ist deshalb keinem einzelnen Minderheitengebiet zugeordnet. Das Projekt wurde in Deutschland öffentlich gefördert und international mit überwiegend aus Roma bestehenden kuratorischen und beratenden Teams entwickelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RomArchive versteht sich als digitales Archiv für Kunst und Kulturen der Roma. Es erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern präsentiert kuratierte, repräsentative Bestände und wissenschaftliche Kontextualisierungen. Inhalte wurden von jeweils zuständigen kuratorischen Teams ausgewählt; kuratorische Teams und Beirat waren überwiegend mit Roma besetzt. Nach Angaben des Projekts wirkten rund 150 Personen aus 15 Staaten mit. Die Übergabe an eine Roma-Organisation war von Beginn der fünfjährigen Entwicklungsphase 2015–2019 an vorgesehen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_faq&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entwicklung wurde durch die Kulturstiftung des Bundes mit 3,75 Millionen Euro gefördert; weitere Unterstützer waren unter anderem die Bundeszentrale für politische Bildung, das Auswärtige Amt und das Goethe-Institut. Seit 2019 liegt der Betrieb beim Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg; die laufende Website nennt die Bundeszentrale für politische Bildung als Förderer.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_kulturstiftung&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_imprint&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Fachliche und technische Lösung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RomArchive verbindet kuratierte Themenbereiche, einen durchsuchbaren Archivbestand, biografische Akteursdaten und digitale Vermittlungsformate. Die Deutsche Kinemathek war für Konzeption und Vermittlung von digitaler Archivierung, Digitalisierung und Katalogisierung beteiligt. Die Website nutzt ein auf Django basierendes Content-Management-System; eine Verbindung zu Axiell Collections bindet das Sammlungsmanagement an die Präsentation an.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_imprint&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben veröffentlichten Materialien existiert ein internes Archiv, das auf begründete Anfrage für Forschung zugänglich ist. Dies ist ein einfaches, aber wichtiges Beispiel für abgestufte Zugänge. Das Angebot ist auf Deutsch, Englisch und Romanes verfügbar; die sprachliche Vielfalt des Romanes wird sichtbar gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Rechte, Beteiligung und nachweisbarer Erfolg ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die stärkste Leistung liegt in der kuratorischen und strategischen Beteiligung der Minderheit sowie in dem Anspruch, Fremdzuschreibungen durch selbst erzählte Gegennarrative zu korrigieren. Ethische Richtlinien und eine Sammlungspolitik wurden durch den internationalen Beirat mitentwickelt. Der Übergang vom zeitlich befristeten Entwicklungsprojekt an einen institutionellen Betreiber wurde tatsächlich vollzogen. Dass das Angebot im Juli 2026 weiterhin betrieben wird, ist ein belastbarer Nachhaltigkeitsindikator.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Aktuelle unabhängige Daten zu Nutzung, Reichweite, Aktualisierungsfrequenz und langfristiger digitaler Erhaltung der Masterdateien sind öffentlich nicht in ausreichender Tiefe dokumentiert. Die öffentliche Oberfläche ist stärker ein kuratiertes Archiv und Wissensportal als ein vollständiges Bestandsregister aller Roma-Kulturgüter. Die überwiegend restriktive Rechtekennzeichnung vieler Inhalte begrenzt kreative Nachnutzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* Minderheitenangehörige mit echten kuratorischen und strategischen Entscheidungsrechten;&lt;br /&gt;
* von Beginn an geplanter Betreiberübergang;&lt;br /&gt;
* Verbindung von Sammlungsdatenbank, kuratiertem Kontext und öffentlicher Präsentation;&lt;br /&gt;
* abgestufter Zugang zwischen öffentlicher Website und internem Forschungsarchiv;&lt;br /&gt;
* öffentliche Anschubförderung plus institutionelle Verankerung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwerte:''' &lt;br /&gt;
* Ein sorbisches Portal sollte nicht nur Objekte zeigen, sondern sorbische Perspektiven, Begriffe und Kontexte strukturell verankern. &lt;br /&gt;
* Für Kulturregister, Digitalisierungszentrum und Präsentation braucht es bereits in der Projektphase einen festgelegten dauerhaften Träger. &lt;br /&gt;
* Ein kuratorischer oder gemeinschaftlicher Beirat sollte nicht nur beraten, sondern definierte Entscheidungsrechte bei Auswahl, Beschreibung und sensiblen Inhalten erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.2 Nuohtti – Föderierter Zugang zum Sámi-Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Sámi sind ein indigenes Volk im nordeuropäischen Sápmi, das sich über Gebiete des heutigen Norwegens, Schwedens, Finnlands und Russlands erstreckt. Es gibt mehrere Sámi-Sprachen und unterschiedliche nationale Rechts- und Institutionsrahmen. Viele historische Quellen und Sammlungsobjekte befinden sich außerhalb von Sámi-Institutionen in europäischen Archiven, Bibliotheken und Museen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nuohtti ist ein Suchdienst, der digitalisierte Sámi-Materialien aus verschiedenen europäischen Gedächtnisinstitutionen zusammenführt. Er wurde im Projekt „Digital Access to the Sámi Heritage Archives“ von 2018 bis 2021 mit EU-Mitteln aus Interreg Nord entwickelt. Beteiligt waren die Sámi-Archive der norwegischen und finnischen Nationalarchive, das schwedische Reichsarchiv sowie Universitäten in Lappland, Oulu und Umeå; die Universität Lappland leitete das Projekt. Die Sámi-Parlamente Finnlands, Norwegens und Schwedens entsandten Mitglieder in die Steuerungsgruppe.&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_about&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_uarctic&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Vorgehen und Architektur ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor der technischen Umsetzung wurden einschlägige Bestände und Datenlieferanten kartiert. Nuohtti bündelt keine Originale und ersetzt die Quellsysteme nicht. Es normalisiert und indexiert Metadaten aus Archiven und Aggregatoren und führt Nutzerinnen und Nutzer zu den jeweiligen Digitalisaten. Eine Karte, eine Zeitleiste und mehrsprachige Suchoberflächen unterstützen den Zugang. Nach Projektangaben waren rund 30.000 Datensätze aus 32 Institutionen in fünf Sprachen zugänglich.&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_uarctic&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Technisch baut Nuohtti auf vorhandenen Open-Source- und öffentlichen Komponenten auf, darunter VuFind, Finna, RecordManager, Finto, Giellatekno, Apache Solr, Leaflet, OpenStreetMap und Nominatim. Daten werden unter anderem über nationale und europäische Aggregationswege eingebunden.&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Rechte, Ethik und Nachhaltigkeit ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nuohtti integriert ethische Hinweise in die Nutzung. Das ist besonders relevant, weil viele historische Beschreibungen und Sammlungen außerhalb der Sámi-Gemeinschaft und unter kolonialen Bedingungen entstanden. Nutzertests fanden unter anderem in Schulen und Bibliotheken statt. Nach dem Projekt wird der Dienst von den beteiligten Nationalarchiven weitergeführt; zugleich wird er im laufenden Projekt DIGICHer als Praxisbeispiel weiterentwickelt und untersucht.&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_dataspace&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Nuohtti löst vor allem den gemeinsamen Nachweis und Zugang. Die Digitalisierung, Rechteklärung und Langzeiterhaltung verbleiben überwiegend bei den Datenlieferanten. Unterschiedliche Datenqualität und historisch problematische Beschreibungen werden durch Aggregation nicht automatisch behoben. Aktuelle, öffentlich nachvollziehbare Nutzungszahlen sind begrenzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* föderierte Architektur statt erzwungener Zentralisierung aller Bestände;&lt;br /&gt;
* Bestands- und Datenquellenkartierung vor dem Portalbau;&lt;br /&gt;
* Beteiligung von Sámi-Parlamenten an der Steuerung;&lt;br /&gt;
* Wiederverwendung vorhandener Open-Source-Komponenten und nationaler Infrastrukturen;&lt;br /&gt;
* mehrsprachige, räumliche und zeitliche Suche;&lt;br /&gt;
* sichtbare ethische Kontextualisierung problematischer Bestände.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwerte:''' &lt;br /&gt;
* Das Register kann als föderierender Nachweis funktionieren: große Institutionen liefern Metadaten über Schnittstellen, kleine Träger können Daten direkt in einem zentral angebotenen System erfassen. &lt;br /&gt;
* Eine zentrale Suche muss nicht bedeuten, dass alle Originale oder alle Digitalisate zentral verwaltet werden. &lt;br /&gt;
* Historische Fremdbeschreibungen sollten als solche kenntlich gemacht und um sorbische Bezeichnungen sowie Community-Kontexte ergänzt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.3 People’s Collection Wales / Casgliad y Werin Cymru ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wales ist ein Landesteil des Vereinigten Königreichs mit eigener Regierung und einer starken nationalen sowie walisischsprachigen Identität. Walisisch und Englisch sind für das Angebot gleichberechtigte Arbeitssprachen. Das Projekt richtet sich nicht nur an professionelle Kulturinstitutionen, sondern auch an lokale Geschichtsgruppen, Vereine, Schulen und Einzelpersonen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
People’s Collection Wales ist eine zweisprachige digitale Plattform und ein begleitendes Unterstützungsprogramm, über das Nutzerinnen und Nutzer walisisches Kulturerbe entdecken, beitragen und vermitteln können. Getragen wird es als föderierte Partnerschaft von Amgueddfa Cymru – National Museum Wales, der National Library of Wales und der Royal Commission on the Ancient and Historical Monuments of Wales; finanziert wird das Programm durch die walisische Regierung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_eval&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Plattform wird durch kostenlose Beratung und Schulung ergänzt. Das aktuelle Unterstützungsangebot umfasst Projektplanung, Digitalisierung, Urheberrecht, Datenschutz, Metadaten und Oral History. Diese Kombination aus Technik und persönlicher Begleitung ist für kleine und ehrenamtliche Träger besonders relevant.&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_support&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Nachweisbarer Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die unabhängige Evaluation von 2016 stellte für die Förderphase 2014-2016 eine gestärkte föderierte Partnerschaft, eine kritische Masse an Inhalten, Fortschritte bei Community-Kompetenzen und eine hohe Vertrauenswürdigkeit des nichtkommerziellen Angebots fest. Externe Projekte sparten Ressourcen, weil sie eine vorhandene Plattform nutzen konnten. Zugleich wurden die gemessenen Wirkungen insgesamt als eher moderat beschrieben. Die Nutzerbefragung hatte nur 38 vollständige Antworten; wirtschaftliche und touristische Wirkungen waren damals nicht nachweisbar. Die Evaluation benannte Finanzierungssicherheit, klare Rollen, technische Stabilität, Marketing und dauerhaft finanzierbare Vor-Ort-Unterstützung als zentrale Herausforderungen. Vermittelte Sitzungen seien für bestimmte Zielgruppen unverzichtbar.&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_eval&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Programm existiert weiterhin und bietet aktuell Unterstützung an. Die verfügbaren Quellen belegen damit institutionelle Kontinuität, ersetzen aber keine neue unabhängige Wirkungsevaluation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* föderierte Trägerschaft mehrerer starker Institutionen;&lt;br /&gt;
* zweisprachige Plattform und Materialien;&lt;br /&gt;
* kostenlose Beratung, Metadaten- und Digitalisierungsschulungen;&lt;br /&gt;
* gemeinsamer technischer Dienst, den lokale Projekte nicht selbst entwickeln müssen;&lt;br /&gt;
* expliziter Pilot- und Lernansatz;&lt;br /&gt;
* unabhängige Evaluation mit offen benannten Grenzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwerte:''' &lt;br /&gt;
* Ein Digitalisierungszentrum sollte nicht nur Geräte betreiben, sondern ein sichtbares Serviceangebot für Heimatstuben, Vereine, Kirchengemeinden, Kommunen und Privatpersonen aufbauen: Erstberatung, Vorlagen, Rechtehilfe, Metadatenhilfe, mobile Einsätze, Schulungen und telefonische beziehungsweise digitale Sprechstunden. &lt;br /&gt;
* Für Obersorbisch und Niedersorbisch sollte Mehrsprachigkeit verbindlich geplant und finanziert werden. &lt;br /&gt;
* Erfolgsmessung darf sich nicht auf Objektzahlen beschränken, sondern sollte Kompetenzen, beteiligte Träger, Nachnutzung und Zufriedenheit erfassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.4 Tobar an Dualchais / Kist o Riches ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schottisch-Gälisch ist eine keltische Minderheitensprache, die vor allem in Schottland, besonders in den Highlands und auf den Inseln, gesprochen wird. Scots ist eine weitere historisch gewachsene Sprache beziehungsweise Sprachgruppe Schottlands. Das Projekt umfasst Aufnahmen auf Gälisch, Scots und Englisch und ist in den öffentlichen und kulturellen Institutionen Schottlands verankert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tobar an Dualchais / Kist o Riches macht mehr als 40.000 mündliche Aufnahmen zugänglich, die seit den 1930er Jahren in Schottland und darüber hinaus entstanden. Enthalten sind Erzählungen, Lieder, Musik, Gedichte und Sachinformationen. Ein bedeutender Teil stammt aus den School of Scottish Studies Archives der Universität Edinburgh; die physischen Originalbestände verbleiben in den Archiven.&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_edinburgh&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Vorhaben wird durch eine Partnerschaft kultureller und wissenschaftlicher Einrichtungen getragen und erhält wiederkehrend öffentliche Förderung. Die schottische Regierung bewilligte 2025 beispielsweise 35.000 Pfund für die fortlaufende Online-Sammlung gälischer und Scots-Materialien und 2026 weitere 14.127 Pfund für die Entwicklung des digitalen Archivs.&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_funding2025&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_funding2026&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Technische und fachliche Schwerpunkte ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Projekt konzentriert sich auf bedrohte zeitbasierte Medien und deren sprachliche Erschließung. Suchfelder nach Thema, Titel und beitragender Person erleichtern die Nutzung. Das ergänzende Vorhaben „Opening the Well“ transkribiert einen großen Bestand gälischer Erzählungen und verbindet Freiwilligenarbeit mit automatischer Spracherkennung. Dadurch werden Tonaufnahmen nicht nur erhalten, sondern durchsuchbar und für Sprachforschung sowie Bildung nachnutzbar.&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_opening&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Die öffentlich sichtbaren Förderungen sind überwiegend programm- oder projektbezogen. Sie belegen fortlaufende Unterstützung, aber keine vollständig transparente dauerhafte Grundfinanzierung des gesamten Betriebs. Rechteklärung, Transkription und Qualitätskontrolle bleiben bei umfangreichen historischen Tonbeständen dauerhafte Aufgaben. Eine umfassende unabhängige Evaluation mit aktuellen Nutzungsdaten wurde in dieser Recherche nicht gefunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* klare Priorität für gefährdete audiovisuelle Bestände;&lt;br /&gt;
* institutionelle Aufbewahrung der Originale und digitale öffentliche Vermittlung;&lt;br /&gt;
* Verbindung von Digitalisierung, sprachlicher Erschließung und Bildung;&lt;br /&gt;
* Kombination aus Fachinstitutionen, öffentlicher Förderung und freiwilliger Mitarbeit;&lt;br /&gt;
* sichtbare Mehrsprachigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Sorbische Tonbänder, Kassetten, Filme und Videoformate sollten wegen Materialalterung und technischer Obsoleszenz gesondert priorisiert werden. Ein Pilot „Sorbische Stimmen und Lieder“ könnte Digitalisierung, Rechteklärung, obersorbische und niedersorbische Transkription, Übersetzung, Normdaten und Bildungsnutzung exemplarisch durchspielen. Automatische Spracherkennung kann unterstützen, ersetzt aber bei kleinen Sprachen keine fachliche und gemeinschaftliche Korrektur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.5 Euskariana – Digitales Portal zum baskischen Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Baskinnen und Basken leben beiderseits der spanisch-französischen Grenze. Baskisch (Euskara) ist eine eigenständige europäische Sprache mit mehreren Varietäten. Euskariana ist kein gesamtbaskisches staatenübergreifendes Projekt, sondern ein Angebot der Autonomen Gemeinschaft Baskenland in Spanien; es bezieht jedoch auch einschlägige Bestände aus Institutionen außerhalb dieser Region ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Euskariana wird von der Digitalen Bibliothek Euskadi innerhalb der baskischen Kulturverwaltung betrieben. Das Portal entsteht in Zusammenarbeit des baskischen Regierungsapparats mit den Provinzverwaltungen von Álava/Araba, Bizkaia und Gipuzkoa, Kommunen, Universitäten, kirchlichen und privaten Einrichtungen. Der Sammlungsschwerpunkt umfasst Werke baskischer Urheberinnen und Urheber, Veröffentlichungen aus Euskadi, weltweit entstandene Inhalte zu baskischen Themen sowie besonders Inhalte auf Baskisch oder in baskischer Übersetzung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;euskariana_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als staatlich getragenes Dauerangebot ist Euskariana stärker institutionell abgesichert als ein zeitlich begrenztes Förderprojekt. Öffentlich zugängliche Quellen benennen jedoch keine vollständigen jährlichen Betriebs- und Personalkosten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Architektur, Standards und Nachnutzung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Euskariana ist gleichzeitig gemeinsamer Katalog und Zugangsportal. Es integriert Datensätze aus Bibliotheksnetzen, Verbundkatalogen, Museen, Archiven, Hochschulrepositorien und internationalen Nationalbibliotheken. Digitale Objekte werden entweder im eigenen Repositorium bereitgestellt oder über Links in den Quellsystemen aufgerufen. Damit unterstützt das Projekt zwei Anbindungswege: zentrale Aufnahme und föderierte Verlinkung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;euskariana_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach offizieller Dokumentation nutzt Euskariana unter anderem MARC, Dublin Core (DC), METS, PREMIS und ALTO. Kurz erläutert: MARC dient vor allem bibliografischen Daten; Dublin Core beschreibt einen einfachen Metadatenkern; METS strukturiert digitale Objekte und Dateigruppen; PREMIS dokumentiert Erhaltungsinformationen; ALTO bildet Layout und erkannten Text digitalisierter Seiten ab. Die Standardisierung ermöglicht die Beteiligung an Europeana und die Verbindung zu weiteren spanischen und französischen Portalen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;euskariana_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Die offizielle Dokumentation ist technisch aussagekräftig, liefert aber wenig Informationen über Community-Entscheidungsrechte, abgestufte kulturelle Zugänge, aktuelle Nutzungszahlen oder eine unabhängige Wirkungsevaluation. Das Modell ist stärker verwaltungs- und institutionsgetrieben als gemeinschaftsgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* klar benannter öffentlicher Betreiber;&lt;br /&gt;
* Kooperation über Verwaltungs-, Institutions- und Sektorgrenzen hinweg;&lt;br /&gt;
* sowohl eigenes Repositorium als auch Einbindung externer Digitalisate;&lt;br /&gt;
* verbindliche internationale Metadaten- und Erhaltungsstandards;&lt;br /&gt;
* besondere Sichtbarkeit der Minderheitensprache;&lt;br /&gt;
* Anschluss an größere Aggregatoren wie Europeana.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Für das Sorbische Kulturregister sollte es mindestens zwei Onboarding-Wege geben: Kleine Träger erfassen beziehungsweise hinterlegen Daten und Dateien in zentral bereitgestellten Diensten; größere Einrichtungen liefern Daten aus eigenen Fachsystemen über Export oder Schnittstelle. Ein gemeinsames Kernprofil muss lokale Fachstandards nicht ersetzen, sondern deren wichtigste Angaben abbilden. Obersorbisch und Niedersorbisch sollten als eigenständige Sprachwerte, nicht nur als Übersetzungsvarianten von Deutsch, gespeichert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.6 bavarikon – Regionaler Digitalisierungs- und Präsentationsverbund ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Region und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bavarikon ist keine Minderheitenplattform, sondern das Kulturportal des Freistaats Bayern. Es ist dennoch relevant, weil es zeigt, wie ein Flächenland zahlreiche Museen, Archive, Bibliotheken, wissenschaftliche Einrichtungen und nichtstaatliche Träger in ein geregeltes Förder-, Qualitäts- und Präsentationsmodell einbindet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die grundsätzliche Ausrichtung und der Mitteleinsatz werden durch das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst sowie das Staatsministerium für Digitales bestimmt. Ein Rat mit 14 stimmberechtigten Mitgliedern aus unterschiedlichen Kultursparten entscheidet über neue Inhalte und berät zu Betrieb und Digitalisierungsstrategie. Die Bayerische Staatsbibliothek trägt den laufenden technischen, redaktionellen und organisatorischen Betrieb; das Leibniz-Rechenzentrum übernimmt das Hosting.&amp;lt;ref name=&amp;quot;bavarikon_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Partner können Digitalisierungsvorhaben beantragen. Die Bayerische Staatsbibliothek begleitet die Digitalisierung, wenn die Ergebnisse in hoher Qualität über bavarikon präsentiert werden. Für die Aufnahme existieren Kriterien, Metadatenhandreichungen, Qualitätsanforderungen für Digitalisate, Musterlisten und ein Vorantragsverfahren.&amp;lt;ref name=&amp;quot;bavarikon_partner&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Nachweisbarer Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Portal ging 2013 online und wird monatlich ergänzt. Im November 2024 meldete die Bayerische Staatsbibliothek mehr als 500.000 digitale Objekte aus rund 170 Einrichtungen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;bavarikon_500k&amp;quot;/&amp;gt; Die institutionelle Betreiberverantwortung, der geregelte Zugang zu Fördermitteln und die veröffentlichten Mindestanforderungen sind belastbare Erfolgsindikatoren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' bavarikon verfügt über die Ressourcen eines deutschen Flächenlandes und einer großen Staatsbibliothek. Diese Größenordnung ist für die Sorben nicht direkt übertragbar. Das Portal ist primär Präsentations- und Förderinfrastruktur; aus den öffentlichen Unterlagen lässt sich nicht ableiten, dass bavarikon für sämtliche Masterdateien aller Partner allein die vollständige Langzeiterhaltung übernimmt. Community-Governance und kulturell abgestufte Zugänge stehen nicht im Mittelpunkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* dauerhaft benannter zentraler Betreiber und leistungsfähiges Rechenzentrum;&lt;br /&gt;
* spartenübergreifendes Entscheidungsgremium;&lt;br /&gt;
* geregeltes Förder- und Auswahlverfahren;&lt;br /&gt;
* publizierte Mindeststandards und Vorlagen;&lt;br /&gt;
* zentrale fachliche Begleitung bei dezentralen Beständen;&lt;br /&gt;
* kontinuierlicher Ausbau statt einmaliger Portalveröffentlichung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Übertragbar ist nicht die Größenordnung, sondern die Verfahrenslogik: ein transparentes Antrags- und Priorisierungsverfahren, verbindliche Lieferpakete, klare Qualitätskontrollen und ein zentraler Ansprechpartner. Ein sorbischer Digitalisierungsfonds könnte kleinere, klar abgegrenzte Vorhaben fördern, sofern Rechte, Metadaten, Zielrepositorium und spätere Nutzung vorab geklärt sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.7 Mukurtu und Plateau Peoples’ Web Portal ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mukurtu entstand aus einer Zusammenarbeit mit der Warumungu-Gemeinschaft in Australien und wurde zu einer frei verfügbaren Plattform für indigene Gemeinschaften weiterentwickelt. Das hier besonders betrachtete Plateau Peoples’ Web Portal betrifft acht indigene Nationen des nordwestlichen Plateaus in den USA, darunter Spokane, Colville, Umatilla, Coeur d’Alene, Warm Springs, Yakama, Confederated Salish and Kootenai Tribes und Nez Perce. Diese Nationen besitzen jeweils eigene politische und kulturelle Strukturen innerhalb der Vereinigten Staaten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mukurtu CMS (Content-Management-System; deutsch: System zur Verwaltung und Veröffentlichung von Inhalten) wird am Center for Digital Scholarship and Curation der Washington State University als Open-Source-Software entwickelt und gepflegt. Die Entwicklung wurde unter anderem durch die National Endowment for the Humanities, das Institute of Museum and Library Services, die Mellon Foundation und die National Science Foundation gefördert.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_about&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_plateau&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Plateau Peoples’ Web Portal ist ein konkreter Verbund zwischen den beteiligten Stämmen, der Washington State University und externen Gedächtnisinstitutionen. Stammesvertreterinnen und -vertreter wählen und kuratieren Materialien; die technische Pflege liegt bei der Universität in Partnerschaft mit indigenen Programmen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_plateau&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Rechte- und Metadatenmodell ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mukurtu unterstützt Traditional Knowledge Labels, fein abgestufte kulturelle Protokolle und mehrere parallele Beschreibungen zu einem Objekt. Eine Institution kann beispielsweise eine archivische Beschreibung liefern, während eine Gemeinschaft eigene Namen, Erzählungen, Herkunftsangaben und Zugangsregeln ergänzt. Der „Roundtrip“-Mechanismus ermöglicht den Export angereicherter Daten, ohne ursprüngliche Metadaten zu verlieren.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wissenschaftliche Dokumentationen des Plateau-Portals beschreiben ein Hub-and-Spoke-Modell – also einen zentralen technischen Knoten mit mehreren institutionellen und gemeinschaftlichen Zulieferern – sowie Vereinbarungen zwischen Partnern, Dublin-Core-Metadaten und granulare Zugangsregeln.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_dlib&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Portal demonstriert dauerhaft, dass kulturelle Selbstbestimmung technisch nicht nur durch „öffentlich“ oder „geschlossen“ abgebildet werden muss. Es ermöglicht mehrere Wissensordnungen neben- statt untereinander. Die Plattform ist Open Source und exportfähig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Open Source bedeutet nicht kostenlosen Betrieb. Installation, Aktualisierung, Hosting, Rechtekonzeption, Datenmigration und Support benötigen dauerhaft qualifiziertes Personal. Mukurtu weist selbst ausdrücklich darauf hin, dass es eine Zugangsplattform und nur ein Bestandteil eines größeren Systems für Digitalisierung, Erhaltung und Nachhaltigkeit ist.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_about&amp;quot;/&amp;gt; Die Übernahme von Traditional Knowledge Labels in den sorbischen Kontext wäre nicht eins zu eins möglich, weil kulturelle und rechtliche Ausgangslagen verschieden sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* kulturelle Protokolle als Kern der Daten- und Zugangslogik;&lt;br /&gt;
* mehrere Beschreibungen und Perspektiven pro Objekt;&lt;br /&gt;
* exportfähige Daten statt Plattformbindung;&lt;br /&gt;
* Partnerschaftsvereinbarungen und konkrete Rollen;&lt;br /&gt;
* dauerhafte technische Trägerschaft durch eine Universität;&lt;br /&gt;
* Community-Kuration statt bloßer Rückmeldung nach Veröffentlichung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Im Kulturregister sollte neben institutionellen Angaben Raum für sorbische Bezeichnungen, lokale Varianten, Erinnerungen und Korrekturen bestehen. Rechte- und Sichtbarkeitsstufen müssen pro Datensatz und möglichst pro Mediendatei modelliert werden. Ein Sorbisches Kulturregister könnte zunächst ein eigenes, rechtlich passendes Set von „Kulturhinweisen“ entwickeln, etwa „nur Metadaten öffentlich“, „Nutzung nur nach Rücksprache“, „innergemeinschaftlich“, „zeitlich gesperrt“ oder „freie Nachnutzung erwünscht“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.8 Aṟa Irititja – Gemeinschaftsbasiertes Aṉangu-Archiv ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aṉangu ist eine Selbstbezeichnung von Ngaanyatjarra-, Pitjantjatjara- und Yankunytjatjara-Gemeinschaften im zentralen Australien. Aṟa Irititja arbeitet vor allem in den Aṉangu Pitjantjatjara Yankunytjatjara Lands (APY Lands) im Nordwesten des Bundesstaats South Australia. Die Gemeinschaften sind australischen staatlichen Strukturen zugehörig, verfügen aber über eigene Land- und Organisationsstrukturen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Entstehung, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Projekt entstand 1994 als sozialgeschichtliches Vorhaben der Pitjantjatjara Council Aboriginal Corporation. Es arbeitet mit Schulen, Bildungszentren, Gesundheits-, Frauen-, Medien-, Land- und Kunstorganisationen in den APY Lands zusammen. Ein zentrales Büro in Adelaide bearbeitet Datenbank, Digitalisierung, physische Lagerung und Verwaltung; ein Büro in Alice Springs hält den Kontakt zu Gemeinschaften und ergänzt Sprach-, Familien- und Kontextinformationen. Seit 2020 steht das Projekt unter dem Dach der APY-Organisation und wird durch deren Executive Board gesteuert.&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_who&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Finanzierung war über lange Zeit eine Mischung aus staatlichen Programmen, Stiftungen, Spenden sowie jährlichen Beiträgen beteiligter Schulen und Community-Organisationen. Die eigene Projektdokumentation bezeichnet die langfristige Finanzierung ausdrücklich als dauerhaftes Problem. Mit der Eingliederung in APY wurden 2020 drei permanente Teilzeitstellen geschaffen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_funding&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Fachliche Lösung, Rechte und Zugang ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aṟa Irititja wurde auf Wunsch der Gemeinschaften entwickelt, um kulturelle Geschichte zu bewahren und zurückzugeben. Das Multimediaarchiv umfasst Fotos, Dokumente, Filme, Tonaufnahmen und Objekte. Die Software sollte kulturelle Einschränkungen abbilden und zugleich für Nutzerinnen und Nutzer mit begrenzter Schriftkompetenz oder eingeschränktem Sehvermögen leicht bedienbar sein. Inhalte werden in Ngaanyatjarra, Pitjantjatjara, Yankunytjatjara und Englisch bereitgestellt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_approach&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_who&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gemeinschaftsmitglieder und kulturelle Berater beurteilen sensible Inhalte und Zugangsregeln. Der Ansatz der „digitalen Rückgabe“ bringt digitale Kopien und Nutzungsmöglichkeiten zu den Gemeinschaften zurück, auch wenn Originale in Museen oder anderen Institutionen verbleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Betrieb seit 1994, die Eingliederung in eine Aṉangu-geführte Organisation und die dauerhafte Nutzung in Schulen und Gemeinschaftseinrichtungen sind starke Nachhaltigkeitsindizien. Die Dokumentation beschreibt intergenerationelle Nutzung, Schulungen und Beschäftigung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Viele Wirkungsangaben stammen vom Projekt selbst. Unabhängige aktuelle Evaluationen und detaillierte technische Angaben zur Langzeiterhaltung sind begrenzt. Die langjährige Finanzierungssuche zeigt, dass kulturelle Bedeutung allein keinen verlässlichen Betriebsetat garantiert. Zentraler Betrieb in Adelaide schafft Fachlichkeit, kann aber Distanz zu abgelegenen Gemeinschaften erzeugen; deshalb bleibt die lokale Kontakt- und Trainingsstruktur wesentlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* Entwicklung aus einem ausdrücklichen Wunsch der Gemeinschaft;&lt;br /&gt;
* institutionelle Unterstellung unter eine gemeinschaftseigene Organisation;&lt;br /&gt;
* lokale Ansprechpartner und zentrale Facharbeit;&lt;br /&gt;
* kulturell abgestufte Zugänge;&lt;br /&gt;
* mehrsprachige, visuell einfache Oberfläche;&lt;br /&gt;
* Verbindung von digitaler Rückgabe, Bildung und Kompetenzaufbau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Auch im sorbischen Kontext sollten Nutzeroberflächen nicht nur für wissenschaftliche Fachkräfte gestaltet werden. Lokale Sammlungsbetreuerinnen und -betreuer brauchen einfache Erfassungswege, visuelle Hilfen und persönliche Unterstützung. Sensible Inhalte – etwa private Familienaufnahmen, religiöse Praktiken, personenbezogene Überlieferung oder nicht für eine allgemeine Öffentlichkeit bestimmte Aufzeichnungen – benötigen ein gemeinsam beschlossenes Zugangsmodell. Zentraler Betrieb muss durch lokale Beziehungen ergänzt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.9 Living Archive of Aboriginal Languages (LAAL) ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Living Archive of Aboriginal Languages bündelt Literatur aus zahlreichen Aboriginal-Sprachgemeinschaften des Northern Territory in Australien. Es handelt sich nicht um eine einzige Minderheit, sondern um viele eigenständige Sprach- und Kulturgemeinschaften. Ein großer Teil der Bücher entstand zwischen den 1970er Jahren und dem Ende bilingualer Bildungsprogramme in lokalen Literature Production Centres.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Projekt begann 2012 unter Leitung der Charles Darwin University mit der Australian National University und dem Bildungsressort des Northern Territory. Es wurde durch die Australian Research Council Linkage Infrastructure, Equipment and Facilities Scheme gefördert. Eine zweite Förderphase erweiterte den Bestand und die Community- sowie Bildungsarbeit; weitere Partner kamen hinzu.&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_background&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Vorgehen umfasste das Auffinden verstreuter Bücher, Auswahl und Digitalisierung, Kontakt zu Autorinnen, Autoren und Illustratoren, Rechteklärung sowie Rückspiegelung in die Herkunftsgemeinschaften. Gemeinschaftsmitglieder konnten Texte prüfen und Geschichten oder Tonaufnahmen ergänzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Dateien, Rechte und Zugang ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für jeden Titel wurden Nutzungsdateien wie PDF, Textdatei und Vorschaubild erstellt; seitenweise TIFF-Masterdateien dienten der Langzeitaufbewahrung. Eine kartenbasierte Oberfläche erleichterte auch Menschen mit geringer Schriftkompetenz die Suche.&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_background&amp;quot;/&amp;gt; Materialien wurden nur nach schriftlicher Einwilligung von Urheberinnen, Urhebern oder Nachkommen veröffentlicht. Das Projekt verwendete Creative-Commons-Lizenzen mit Einschränkungen, berücksichtigte indigene Kultur- und Informationsprotokolle und bot ein Takedown-Verfahren, also die vorläufige Entfernung bei Einwänden.&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_rights&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der aktuelle Bestand umfasst nach Projektangaben nahezu 4.000 Bücher in 50 Sprachen aus 40 Gemeinschaften. Die Materialien wurden in die Plattform Territory Stories von Library &amp;amp; Archives Northern Territory überführt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_home&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Erfolg, Problem und Lernwert ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
LAAL verbindet Sprachsicherung, Rechteklärung, offene Bildungsnutzung und echte Erhaltungsdateien. Das Projekt zeigt aber auch eine typische Migrationsgefahr: Nach der Überführung in Territory Stories funktionierte die speziell entwickelte Kartenoberfläche nicht mehr; das Projekt dokumentierte 2022, dass zunächst auf einen möglichen Ersatz gewartet werde.&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_migration&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Die sorgfältige Rechteklärung erzeugte einen beträchtlichen Rückstand nicht veröffentlichter Materialien; dies ist kein Projektversagen, sondern ein realer Zielkonflikt zwischen Geschwindigkeit und Zustimmung. Die Migration bewahrte Inhalte, verlor aber zumindest zeitweise eine für die Zielgruppen wichtige Zugangsfunktion. Die ursprüngliche Projektorganisation war stark förderabhängig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* systematische „Search-and-Rescue“-Phase für verstreute gefährdete Materialien;&lt;br /&gt;
* klare Trennung von Erhaltungs- und Nutzungsdateien;&lt;br /&gt;
* Veröffentlichung nur mit Einwilligung und Takedown-Verfahren;&lt;br /&gt;
* Beteiligung der Sprachgemeinschaften an Prüfung und Ergänzung;&lt;br /&gt;
* Bildungsnutzung und Offline-Zugriff;&lt;br /&gt;
* Übergabe an eine öffentliche Gedächtnisinstitution.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Für jede digitale Sammlung muss ein Migrations- und Exit-Plan festlegen, wie Daten, Rechteangaben, Identifikatoren und zielgruppenspezifische Funktionen beim Systemwechsel erhalten bleiben. Eine funktionierende Fachoberfläche darf nicht der einzige Ort sein, an dem Beziehungen zwischen Daten gespeichert sind. Rechteklärung sollte als eigenes Arbeitspaket mit Aufwand, Rückständen und Prioritäten geplant werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.10 PARADISEC – Facharchiv für gefährdete Sprachen und Kulturen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaften, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PARADISEC steht für Pacific And Regional Archive for Digital Sources in Endangered Cultures. Es ist kein Archiv einer einzelnen Minderheit, sondern bewahrt Forschungs- und Community-Aufnahmen vieler kleiner Sprach- und Kulturgemeinschaften, vor allem im Pazifikraum, aber auch weltweit. Der institutionelle Sitz liegt in Australien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Organisation, Finanzierung und Architektur ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PARADISEC ist ein Verbund der University of Sydney, der University of Melbourne und der Australian National University. Operative Aufgaben sind über die drei Standorte verteilt; ein externer Beirat unterstützt die Steuerung. Das Projekt wurde wesentlich durch den Australian Research Council und in jüngerer Zeit durch die Language Data Commons of Australia im Rahmen nationaler Forschungsinfrastruktur finanziert.&amp;lt;ref name=&amp;quot;paradisec_about&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;paradisec_home&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Archiv hat Verfahren für Übernahme, Katalogisierung, Digitalisierung und Erhaltung von Audio-, Text- und Bildmaterial entwickelt. Es nutzt Forschungsnetze und institutionelle Speicherinfrastruktur, archiviert Audio in Erhaltungsformaten und stellt stabile Katalogdaten bereit. Kopien wurden an Kulturzentren und Institutionen in Vanuatu, Neukaledonien, Papua-Neuguinea, Französisch-Polynesien, den Salomonen und Rapa Nui zurückgegeben.&amp;lt;ref name=&amp;quot;paradisec_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Nachweisbarer Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Juli 2026 weist PARADISEC rund 20.500 Stunden Audio, 4.000 Stunden Video, mehr als 320 Terabyte und Inhalte zu etwa 1.460 Sprachen aus. Es erhielt 2019 das CoreTrustSeal für vertrauenswürdige Repositorien und wurde 2024 bei den Digital Preservation Awards sowie 2025 mit einem Open Scholarship Award ausgezeichnet.&amp;lt;ref name=&amp;quot;paradisec_home&amp;quot;/&amp;gt; Die Kombination aus großem Bestand, langjährigem Betrieb, fachlichen Standards und konkreter Rückgabe an Herkunftsgemeinschaften ist ein starker Erfolgsnachweis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Ein universitärer Forschungsverbund verfügt über Kompetenzen und Infrastrukturen, die kleinen lokalen Trägern nicht direkt zur Verfügung stehen. Die Community-Beteiligung variiert je nach Depositor, Sammlung und Herkunftsgemeinschaft. Online-Zugriff kann in Regionen mit schwacher Internetversorgung oder ohne passende Sprache weiterhin schwierig sein. Auch ein erfolgreiches Facharchiv benötigt laufende Dritt- und Infrastrukturmittel sowie technische Erneuerung; PARADISEC arbeitet derzeit an einer Erneuerung seines Katalogs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* fachlich fokussiertes Repositorium für gefährdete audiovisuelle und sprachliche Materialien;&lt;br /&gt;
* verteilte institutionelle Trägerschaft mit gemeinsamem Verfahren;&lt;br /&gt;
* professionelle Erhaltungsstandards und Zertifizierung;&lt;br /&gt;
* stabile Identifikatoren und wissenschaftliche Zitierbarkeit;&lt;br /&gt;
* Rückgabe von Kopien und Kooperation mit regionalen Kulturzentren;&lt;br /&gt;
* langfristige Verbindung zu Forschungsinfrastruktur statt isoliertem Projektserver.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Für gefährdete Audio-, Video- und Sprachdaten sollte nicht jede kleine Einrichtung ein eigenes Langzeitarchiv aufbauen. Ein zentral betriebener, professioneller Repositoriumsdienst mit klaren Übernahmepaketen ist sinnvoll. Gleichzeitig müssen Kopien, Zugriffsrechte und nutzbare Arbeitsfassungen bei den sorbischen Kulturgutträgern verbleiben können. Zertifizierungsmodelle wie CoreTrustSeal können langfristig Orientierung geben, sollten aber erst nach Aufbau stabiler Prozesse angestrebt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.11 Reciprocal Research Network (RRN) ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Reciprocal Research Network betrifft kulturelle Objekte der First Nations der Nordwestküste von British Columbia in Kanada. Es wurde gemeinsam von der Musqueam Indian Band, der Stó:lō Nation beziehungsweise dem Stó:lō Tribal Council, der U’mista Cultural Society und dem Museum of Anthropology der University of British Columbia entwickelt. Zahlreiche internationale Museen liefern Daten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und technische Lösung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das RRN ist eine föderierte Recherche- und Kooperationsplattform. Es ermöglicht die gemeinsame Suche in institutionellen Sammlungen, persönliche und gemeinsame Forschungsprojekte, Dateiuploads und Diskussionen. Eine Steuerungsgruppe mit Vertreterinnen und Vertretern der beteiligten First Nations und des Museums ist weiterhin ausgewiesen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_about&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_contact&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wissenschaftliche Publikationen beschreiben den Aufbau als langfristigen Vertrauens- und Aushandlungsprozess. Vereinbarungen mit Partnerinstitutionen regelten Datenlieferung und Zusammenarbeit; agile Softwareentwicklung wurde mit unterschiedlichen Erwartungen und Entscheidungsrhythmen in Einklang gebracht.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_rowley&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Nachweisbarer Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Juli 2026 zeigt die Plattform Daten aus 29 Institutionen, mehr als 570.000 Objekte und 391.000 Fotografien sowie über 4.000 registrierte Mitglieder und fast 2.800 Projekte an.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_home&amp;quot;/&amp;gt; Diese Größenordnung belegt eine erhebliche institutionsübergreifende Aggregation und Nutzung der Arbeitsfunktionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Im Seitenfuß wird weiterhin die Softwareversion 1.8.3 mit Startdatum 22. November 2014 ausgewiesen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_contact&amp;quot;/&amp;gt; Das ist kein Beleg dafür, dass der Dienst beendet ist – die Plattform ist erreichbar und aktuelle Bestandszahlen werden angezeigt –, aber ein Warnsignal für Modernisierungs-, Sicherheits- und Wartungsrisiken. Detaillierte aktuelle Angaben zu Erhaltungsrepositorien und Betriebskosten sind öffentlich begrenzt. Das RRN ist vor allem Forschungs- und Zugangsplattform, nicht zwingend das Langzeitarchiv sämtlicher Quelldateien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* gemeinsame Entwicklung durch First Nations und Museum;&lt;br /&gt;
* föderierte Suche über internationale Sammlungen;&lt;br /&gt;
* dauerhafte Steuerungsgruppe;&lt;br /&gt;
* projektbezogene Kollaboration statt nur passiver Objektanzeige;&lt;br /&gt;
* formalisierte Partnerschaften und Aufbau von Vertrauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Ein sorbisches System kann mehr sein als ein Suchkatalog: Arbeitsbereiche für gemeinsame Erschließung, Korrekturen, Transkription, Übersetzung und Forschung erhöhen die aktive Nachnutzung. Solche Funktionen dürfen aber erst aufgebaut werden, wenn technische Wartung und Datenexport gesichert sind. Langfristige Kooperationsvereinbarungen sind wichtiger als einmalige Datenlieferungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.12 Indigitization – Dezentrale Digitalisierung mit zentraler Befähigung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Indigitization richtet sich an First Nations und weitere indigene Gemeinschaften in British Columbia, Kanada. Die Gemeinschaften verfügen über eigene Regierungen, Archive, Sprachprogramme und Kulturinstitutionen, arbeiten aber häufig mit begrenzten technischen und personellen Ressourcen. Viele gefährdete Tonaufnahmen befinden sich weiterhin lokal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Organisations- und Fördermodell ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Indigitization ist eine Kooperation indigener Gemeinschaften und Organisationen mit dem Irving K. Barber Learning Centre, dem Museum of Anthropology, dem Northern BC Archives der University of Northern British Columbia, der X̱wi7x̱wa Library und weiteren Einheiten der University of British Columbia. Das Programm entwickelt Ressourcen, führt Schulungen durch, berät zu Fördermitteln und unterstützt gemeinschaftsgeführte Digitalisierung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Werkzeugkasten entstand aus drei Pilotprojekten mit First Nations und verbindet deren Erfahrungen mit fachlichen Digitalisierungsstandards. Er enthält Planungshilfen, technische Anleitungen, Metadaten- und Dateiverfahren sowie Musterunterlagen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_toolkit&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von 2013 bis 2019 finanzierten Audiokassetten-Zuschüsse drei Pilot- und 45 Förderprojekte. Mehr als 11.464 Kassetten wurden digitalisiert; insgesamt wurden über 422.143 kanadische Dollar vergeben. Die Förderung umfasste ergänzende Mittel bis 10.000 Dollar je Vorhaben und intensive Schulung. Das spezifische Förderprogramm befindet sich derzeit in einer Pause, während Beratung, Workshops und Verweise auf weitere Programme fortgeführt werden.&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_grant&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_funding&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Rechte, Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Digitalisierungsprojekte verbleiben bei den Gemeinschaften; eine öffentliche Veröffentlichung war nicht zwingend. Auch protokollgebundene und nichtöffentliche Zugänge waren förderfähig. Das schützt lokale Kontrolle und stärkt Kompetenzen vor Ort. Die dokumentierten Objekt- und Förderzahlen sowie die fortbestehende Beratungsinfrastruktur belegen konkrete Wirkung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Dezentrale Digitalisierung garantiert noch keine langfristige Erhaltung. Jede Gemeinschaft braucht ein tragfähiges Speicher-, Sicherungs- und Migrationskonzept oder einen verlässlichen Repositoriumspartner. Die Pause des früheren Kassettenprogramms zeigt die Verwundbarkeit zeitlich begrenzter Förderlinien. Für kleine Teams kann die dauerhafte Anwendung technischer Standards trotz Schulung anspruchsvoll bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* zentrale Kompetenz, Vorlagen, Schulung und begrenzte Anschubfinanzierung;&lt;br /&gt;
* Durchführung und Kontrolle bei den lokalen Gemeinschaften;&lt;br /&gt;
* Pilotprojekte als Grundlage des Werkzeugkastens;&lt;br /&gt;
* praxisnahe Muster für Projektplan, Budget und Stellenprofil;&lt;br /&gt;
* kein Zwang zur allgemeinen Veröffentlichung;&lt;br /&gt;
* Netzwerk aus Hochschulen, Archiven und Community-Fachleuten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Dieses Modell kommt einer möglichen Rolle des sorbischen Digitalisierungszentrums besonders nahe. Die zentrale Stelle könnte mobile Technik, Leihgeräte, Schulung, Qualitätsprüfung, Dienstleisterrahmenverträge und Kleinprojektförderung bereitstellen. Lokale Träger behalten Originale, Auswahl, Kontext und Zugangsentscheidungen. Anders als bei rein dezentralen Ansätzen sollte im sorbischen Modell jedoch von Anfang an ein gemeinsames Repositorium oder ein verbindlicher Repositoriumsdienst angeschlossen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== E. Vergleichsmatrix ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== E.1 Funktionen, Architektur und Standards ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable sortable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Projekt&lt;br /&gt;
! Register / Katalog&lt;br /&gt;
! Digitalisierung&lt;br /&gt;
! Repositorium / Langzeiterhaltung&lt;br /&gt;
! Präsentation / Nachnutzung&lt;br /&gt;
! Technologie und Standards&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''RomArchive'''&lt;br /&gt;
| Kuratierter Sammlungsnachweis; kein Vollregister&lt;br /&gt;
| Auswahl und Digitalisierung in der Projektphase&lt;br /&gt;
| Interne und veröffentlichte Bestände; öffentliche Dokumentation der Langzeitprozesse begrenzt&lt;br /&gt;
| Themenarchive, Touren, Forschung; Deutsch, Englisch, Romanes; eingeschränkte Nachnutzung&lt;br /&gt;
| Axiell Collections, Django-Webanwendung, Connector zwischen Sammlung und Website&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Nuohtti'''&lt;br /&gt;
| Föderierter Metadatenindex aus vielen Archiven&lt;br /&gt;
| Erfolgt überwiegend bei Quellinstitutionen&lt;br /&gt;
| Verbleibt bei Datenlieferanten; Nationalarchive tragen Suchdienst weiter&lt;br /&gt;
| Mehrsprachige Suche, Karte, Zeitleiste; Verlinkung zu Quellen&lt;br /&gt;
| VuFind, Finna, RecordManager, Solr, Finto, Giellatekno, Leaflet, OpenStreetMap, Europeana-Wege&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''People’s Collection Wales'''&lt;br /&gt;
| Gemeinsame Plattform mit institutionellen und Community-Beiträgen&lt;br /&gt;
| Zentral unterstützte, teils lokale Digitalisierung; Schulungen&lt;br /&gt;
| In Evaluation als klärungsbedürftige Rolle benannt; nicht allein aus Portal abzuleiten&lt;br /&gt;
| Zweisprachiges Portal, Uploads, Lernangebote, Karten&lt;br /&gt;
| Gemeinsame Plattform; Metadaten-, Rechte- und Digitalisierungshilfen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Tobar an Dualchais'''&lt;br /&gt;
| Durchsuchbarer Katalog zu Tonaufnahmen&lt;br /&gt;
| Audio-Digitalisierung, Erschließung und Transkription&lt;br /&gt;
| Originale in institutionellen Archiven; digitale Erhaltung in Partnerstrukturen&lt;br /&gt;
| Mehr als 40.000 Aufnahmen; Sprache, Bildung, Forschung&lt;br /&gt;
| Audio-Workflows; Transkription und automatische Spracherkennung in Ergänzungsprojekten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Euskariana'''&lt;br /&gt;
| Integrierter Katalog aus Bibliotheken, Archiven, Museen und Repositorien&lt;br /&gt;
| Bei Partnern und in eigenen Programmen&lt;br /&gt;
| Eigenes Repositorium plus Links zu externen Repositorien&lt;br /&gt;
| Baskisch/spanisch; öffentliche Suche; Europeana-Anbindung&lt;br /&gt;
| MARC, Dublin Core, METS, PREMIS, ALTO; OAI-Zugang&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''bavarikon'''&lt;br /&gt;
| Gemeinsames Portal mit Partnerdaten&lt;br /&gt;
| Förderprogramm und fachliche Begleitung; zentrale Qualitätsprüfung&lt;br /&gt;
| Verantwortlichkeit für alle Masterdateien nicht einheitlich öffentlich dokumentiert&lt;br /&gt;
| Portalsuche, Ausstellungen, 3D, Bildungs- und Social-Media-Formate&lt;br /&gt;
| Verbindliche Metadaten- und Lieferhandreichungen; zentrales Hosting&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Mukurtu / Plateau Portal'''&lt;br /&gt;
| Institutionelle und Community-Datensätze zu denselben Objekten&lt;br /&gt;
| Nicht Kernfunktion; lokale beziehungsweise institutionelle Workflows&lt;br /&gt;
| Mukurtu ausdrücklich nur Zugangsbaustein; Erhaltung separat zu planen&lt;br /&gt;
| Protokollbasierter Zugang, Community-Erzählungen, Export&lt;br /&gt;
| Open Source auf Drupal-Basis; TK Labels; kulturelle Protokolle; Dublin Core; Roundtrip-Export&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Aṟa Irititja'''&lt;br /&gt;
| Zentraler Multimedia-Katalog mit lokalen Ergänzungen&lt;br /&gt;
| Zentral vorbereitet, mit Community-Kontaktstellen und historischer Formatrettung&lt;br /&gt;
| Physische und digitale Materialien zentral fachlich verwaltet; Details zu Erhaltungsstufen begrenzt&lt;br /&gt;
| Community-Zugänge, mehrsprachig, visuell niedrigschwellig; digitale Rückgabe&lt;br /&gt;
| Speziell entwickelte beziehungsweise weiterentwickelte Wissensmanagement-Software; kulturelle Beschränkungen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''LAAL'''&lt;br /&gt;
| Sprach-, Orts-, Personen- und Titelnachweis&lt;br /&gt;
| Systematische Suche, Scan und Rechteklärung&lt;br /&gt;
| TIFF-Master; zunächst CDU eSpace, später Territory Stories&lt;br /&gt;
| PDFs, Textdateien, App, Bildung; ursprüngliche Kartenfunktion nach Migration verloren&lt;br /&gt;
| TIFF/PDF/TXT/JPG; persistente Kennungen im Zielsystem; Creative-Commons- und Takedown-Modell&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''PARADISEC'''&lt;br /&gt;
| Fachkatalog für audiovisuelle und sprachliche Sammlungen&lt;br /&gt;
| Professionelle Digitalisierung gefährdeter Medien&lt;br /&gt;
| Institutioneller Verbund; Erhaltungsformate, redundante Infrastruktur, CoreTrustSeal&lt;br /&gt;
| Online-Katalog, Forschung, Community-Zugang und Rückgabe von Kopien&lt;br /&gt;
| Internationale Archivstandards; stabile Identifikatoren; laufende Katalogmodernisierung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''RRN'''&lt;br /&gt;
| Föderierte Suche über Daten von 29 Institutionen&lt;br /&gt;
| Erfolgt primär bei Partnern&lt;br /&gt;
| Plattform ist kein einheitliches Langzeitarchiv aller Quellen&lt;br /&gt;
| Kollaborative Projekte, Diskussionen, Uploads und Recherche&lt;br /&gt;
| Föderierte Datenintegration, Programmierschnittstelle; sichtbare Plattformversion von 2014&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Indigitization'''&lt;br /&gt;
| Kein zentraler Gesamtkatalog als Hauptziel&lt;br /&gt;
| Dezentrale Digitalisierung mit zentraler Schulung, Geräten, Standards und Förderung&lt;br /&gt;
| Muss je Community beziehungsweise über Partner gelöst werden&lt;br /&gt;
| Community-interne oder öffentliche Nutzung nach lokalen Regeln&lt;br /&gt;
| Werkzeugkasten, Broadcast-Wave-Audio, Musterunterlagen und Trainingsworkflows&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== E.2 Governance, Finanzierung, Erfolg und Übertragbarkeit ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable sortable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Projekt&lt;br /&gt;
! Organisationsmodell&lt;br /&gt;
! Community-Beteiligung&lt;br /&gt;
! Finanzierung und dauerhafter Betrieb&lt;br /&gt;
! Nachweisbarer Erfolg&lt;br /&gt;
! Grenzen&lt;br /&gt;
! Übertragbarkeit auf die Sorben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''RomArchive'''&lt;br /&gt;
| Internationales Kuratorium/Beirat; seit 2019 Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma&lt;br /&gt;
| Überwiegend Roma in Kuratorien und Beirat; Auswahl und strategische Richtlinien&lt;br /&gt;
| Große öffentliche Anschubförderung; institutioneller Betreiber und laufende öffentliche Förderung&lt;br /&gt;
| Betreiberübergang vollzogen; seit 2019 online weitergeführt&lt;br /&gt;
| Kein Vollregister; wenige aktuelle Nutzungsdaten; Nachnutzung oft restriktiv&lt;br /&gt;
| '''Hoch''' für Governance, kuratierte Kontexte und Betreiberübergang&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Nuohtti'''&lt;br /&gt;
| Drei Nationalarchive plus Universitäten; föderierter Dienst&lt;br /&gt;
| Sámi-Parlamente in Steuerungsgruppe; ethische Leitlinien und Tests&lt;br /&gt;
| EU-Projekt; Weiterbetrieb durch Nationalarchive&lt;br /&gt;
| Rund 30.000 Datensätze, 32 Institutionen, fünf Sprachen; fortbestehender Dienst&lt;br /&gt;
| Datenqualität und Erhaltung bleiben verteilt; geringe aktuelle Wirkungsdaten&lt;br /&gt;
| '''Sehr hoch''' für Kulturregister und föderierte Suche&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''People’s Collection Wales'''&lt;br /&gt;
| Föderation dreier nationaler Einrichtungen&lt;br /&gt;
| Lokale Gruppen und Einzelpersonen liefern Inhalte; umfangreiche Unterstützung&lt;br /&gt;
| Walisische Regierung; Evaluation benennt Nachhaltigkeitsrisiko&lt;br /&gt;
| Dauerbetrieb, Community-Kompetenzen, kritische Masse; unabhängige Evaluation&lt;br /&gt;
| Moderate gemessene Wirkung; Vermittlung personalintensiv; 38 Survey-Antworten&lt;br /&gt;
| '''Sehr hoch''' für Servicezentrum, Zweisprachigkeit und Evaluation&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Tobar an Dualchais'''&lt;br /&gt;
| Partnerschaft kultureller und wissenschaftlicher Einrichtungen&lt;br /&gt;
| Sprachgemeinschaften, Beitragende und Freiwillige bei Erschließung/Transkription&lt;br /&gt;
| Wiederkehrende öffentliche Projekt- und Programmmittel&lt;br /&gt;
| Mehr als 40.000 Aufnahmen; laufende Weiterentwicklung&lt;br /&gt;
| Dauergrundfinanzierung und Rechteaufwand öffentlich nur teilweise sichtbar&lt;br /&gt;
| '''Hoch''' für gefährdete Medien und Spracherschließung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Euskariana'''&lt;br /&gt;
| Baskische Regierung mit öffentlichen und privaten Partnern&lt;br /&gt;
| Eher institutionell als gemeinschaftsgeführt&lt;br /&gt;
| Staatlicher Betrieb&lt;br /&gt;
| Breiter Quellenverbund, Standards, Europeana-Interoperabilität&lt;br /&gt;
| Wenig unabhängige Nutzungsevaluation; Community-Rechte kaum dokumentiert&lt;br /&gt;
| '''Hoch''' für Metadaten, Onboarding-Wege und Aggregation; '''mittel''' für Governance&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''bavarikon'''&lt;br /&gt;
| Ministerien, 14-köpfiger Rat, Bayerische Staatsbibliothek, Rechenzentrum&lt;br /&gt;
| Partnerinstitutionen im Rat; keine Minderheiten-Governance&lt;br /&gt;
| Dauerhafte Landesstruktur plus Projektförderung&lt;br /&gt;
| Über 500.000 Objekte aus rund 170 Einrichtungen; monatlicher Ausbau&lt;br /&gt;
| Große Ressourcen; Präsentation und Förderlogik dominieren&lt;br /&gt;
| '''Mittel bis hoch''' für Verfahren/Qualität; Größenordnung kaum übertragbar&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Mukurtu / Plateau Portal'''&lt;br /&gt;
| Universität als Technikträger; acht indigene Nationen und Museen als Partner&lt;br /&gt;
| Kuration, Metadaten, Protokolle und Zugriff durch Stammesvertreter&lt;br /&gt;
| Öffentliche und philanthropische Forschungsförderung; Universität pflegt Software&lt;br /&gt;
| International genutzte Open-Source-Plattform; dauerhaftes konkretes Portal&lt;br /&gt;
| Qualifizierter Betrieb nötig; Zugangsplattform ersetzt kein Repositorium&lt;br /&gt;
| '''Sehr hoch''' für Rechte, sensible Inhalte und Mehrperspektivität&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Aṟa Irititja'''&lt;br /&gt;
| Zentralfachstelle plus lokale Liaison; seit 2020 unter APY-Organisation&lt;br /&gt;
| Auftrag, Steuerung, Zugangsregeln und Kontext durch Aṉangu&lt;br /&gt;
| Langjährige Mischung aus Zuschüssen, Spenden und lokalen Beiträgen; drei permanente Teilzeitstellen&lt;br /&gt;
| Betrieb seit 1994; lokale Nutzung und digitale Rückgabe&lt;br /&gt;
| Finanzierung lange prekär; Wirkung überwiegend selbst berichtet&lt;br /&gt;
| '''Hoch''' für lokale Kontrolle und abgestufte Zugänge; Technik nicht direkt übertragbar&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''LAAL'''&lt;br /&gt;
| Universität und öffentliche Partner; Übergabe an Landesbibliothek/-archiv&lt;br /&gt;
| Einwilligung, Prüfung und Ergänzung durch Sprachgemeinschaften&lt;br /&gt;
| Zwei Forschungsförderphasen; anschließend institutionelle Übernahme&lt;br /&gt;
| Nahezu 4.000 Bücher, 50 Sprachen, 40 Gemeinschaften&lt;br /&gt;
| Rechte-Rückstand; Verlust der Kartenfunktion bei Migration&lt;br /&gt;
| '''Sehr hoch''' als Migrations-, Rechte- und Sprachlernfall&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''PARADISEC'''&lt;br /&gt;
| Verbund dreier Universitäten mit Beirat&lt;br /&gt;
| Je Sammlung unterschiedlich; Kopien und Kooperationen mit Herkunftsgemeinschaften&lt;br /&gt;
| Forschungsrat, nationale Forschungsinfrastruktur, Hochschulen und Spenden&lt;br /&gt;
| 20.500 Audio-, 4.000 Videostunden, 320 TB, 1.460 Sprachen; Zertifizierung/Auszeichnungen&lt;br /&gt;
| Hohe Fach- und Infrastrukturvoraussetzungen; Zugänglichkeit regional unterschiedlich&lt;br /&gt;
| '''Hoch''' für zentrales Fachrepositorium; Skalierung nur angepasst&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''RRN'''&lt;br /&gt;
| Gemeinsame Steuerung von First Nations und Museum; viele Datenpartner&lt;br /&gt;
| Co-Entwicklung, Projekte, Diskussionen und Community-Wissen&lt;br /&gt;
| Institutionelle Projektstruktur; aktuelle Kosten öffentlich unklar&lt;br /&gt;
| 29 Institutionen, über 570.000 Objekte, über 4.000 Mitglieder&lt;br /&gt;
| Technische Alterung möglich; Erhaltung der Quelldateien dezentral&lt;br /&gt;
| '''Hoch''' für Kooperation und Arbeitsfunktionen; Wartungsrisiko beachten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Indigitization'''&lt;br /&gt;
| Hochschul- und Community-Netzwerk als Kompetenz- und Förderstelle&lt;br /&gt;
| Projekte werden von Gemeinschaften durchgeführt und kontrolliert&lt;br /&gt;
| Hochschulunterstützung; früheres Kassettenförderprogramm aktuell pausiert&lt;br /&gt;
| 45 Förderprojekte, 11.464 Kassetten, über 422.000 CAD Förderung&lt;br /&gt;
| Dezentrale Langzeiterhaltung nicht automatisch gesichert; Förderpause&lt;br /&gt;
| '''Sehr hoch''' für Digitalisierungszentrum und Unterstützung kleiner Träger&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== F. Übergreifende Erfolgsfaktoren ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.1 Governance und Beteiligung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' Die stärksten gemeinschaftsbezogenen Projekte verankern Beteiligung in Gremien, Rollen und Datenmodellen. RomArchive übergab Kuratierung und strategische Leitlinien überwiegend an Roma. Nuohtti beteiligte Sámi-Parlamente. Mukurtu und das Plateau Portal ermöglichen kulturelle Protokolle und mehrere Beschreibungen. Aṟa Irititja ist unter einer Aṉangu-geführten Organisation verankert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Erforderlich ist ein dauerhaftes Steuerungsmodell mit Vertreterinnen und Vertretern zentraler Einrichtungen, lokaler Träger, beider Sprachräume, Fachwissenschaft, Technik und möglichst verschiedener Generationen. Für sensible Inhalte, Priorisierung und öffentliche Darstellung müssen Entscheidungs- und Eskalationsregeln schriftlich festgelegt werden. Eine bloße Anhörung nach Abschluss technischer Entscheidungen ist unzureichend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.2 Erfassung und Priorisierung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' Nuohtti begann mit der Kartierung verteilter Quellen; LAAL mit systematischem Auffinden gefährdeter Literatur. bavarikon nutzt Anträge, Objektlisten und Auswahlkriterien. Audioprojekte priorisieren physisch und technisch gefährdete Medien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Zunächst sollte das Kulturregister einen belastbaren Überblick schaffen, ohne sofort jeden Eintrag maximal tief zu erschließen. Die Digitalisierungspriorität sollte anschließend aus mindestens vier Kriterien gebildet werden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Gefährdung:''' physischer Verfall, technische Obsoleszenz, Verlustgefahr;&lt;br /&gt;
# '''Bedeutung:''' Einzigartigkeit, Repräsentativität, sprachliche und kulturelle Relevanz;&lt;br /&gt;
# '''Nutzungspotenzial:''' Bildung, Forschung, Sprachrevitalisierung, Vermittlung;&lt;br /&gt;
# '''Umsetzbarkeit:''' Rechteklarheit, Zustand, vorhandene Metadaten, Kosten und Zielrepositorium.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Priorisierungswert darf keine endgültige kulturelle Rangliste erzeugen. Er dient der Arbeitsplanung und muss fachlich sowie gemeinschaftlich überprüfbar sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.3 Organisation der Digitalisierung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' Indigitization und People’s Collection Wales zeigen, dass zentrale Kompetenz und lokale Durchführung kombinierbar sind. bavarikon ergänzt dies um Auswahl, Förderung und Qualitätsprüfung. PARADISEC zeigt für anspruchsvolle audiovisuelle Medien den Wert eines spezialisierten Fachzentrums.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Das Digitalisierungszentrum sollte ein gestuftes Dienstemodell anbieten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Beratung und Projektplanung;&lt;br /&gt;
* Leihtechnik und Schulung für geeignete einfache Verfahren;&lt;br /&gt;
* mobile Digitalisierung vor Ort, wenn Kulturgüter nicht transportiert werden können;&lt;br /&gt;
* zentrale Digitalisierung für anspruchsvolle oder gefährdete Medien;&lt;br /&gt;
* Rahmenverträge und Qualitätskontrolle für externe Spezialdienstleister;&lt;br /&gt;
* Übernahmevorbereitung für das Repositorium.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.4 Technische Architektur ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' Föderierte Portale wie Nuohtti und Euskariana verbinden bestehende Systeme, statt alle Partner zu einem identischen Fachverfahren zu zwingen. Erfolgreiche Systeme verfügen über Exporte und Schnittstellen. LAAL zeigt, dass bei Migrationen zielgruppenspezifische Funktionen verloren gehen können, wenn Daten- und Präsentationslogik zu eng gekoppelt sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Die Architektur sollte modular sein. Das Register verwaltet Nachweise und Beziehungen; Digitalisierungsworkflows erzeugen Dateien und technische Metadaten; das Repositorium übernimmt Erhaltungspakete; Präsentationssysteme beziehen freigegebene Daten und Derivate. Jedes System benötigt dokumentierte Exporte. Eine proprietäre Lösung ohne vollständigen Datenexport, Identifikatorerhalt und Migrationsplan sollte ausgeschlossen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.5 Metadaten und Interoperabilität ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' Euskariana und bavarikon arbeiten mit veröffentlichten Standards und Lieferprofilen; Nuohtti normalisiert heterogene Daten; Mukurtu ermöglicht zusätzliche Community-Metadaten. Technische Vollständigkeit allein löst jedoch keine problematischen historischen Begriffe oder fehlenden kulturellen Kontexte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Notwendig ist ein abgestuftes Metadatenprofil:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* '''Pflichtkern''' für alle Träger: eindeutige Kennung, Bezeichnung, Kulturgutart, Standort beziehungsweise Träger, Sprache, Zeit/Ort soweit bekannt, Kurzkontext, Rechte-/Zugangsstatus, Quellenangabe, Bearbeitungsstand;&lt;br /&gt;
* '''fachliche Erweiterungen''' für Archive, Bibliotheken, Museen, audiovisuelle Medien, immaterielles Kulturerbe und Born-digital-Bestände;&lt;br /&gt;
* '''Community-Felder''' für sorbische Bezeichnungen, lokale Varianten, kulturelle Hinweise, alternative Erzählungen und Korrekturen;&lt;br /&gt;
* '''technische Erhaltungsmetadaten''' im Repositorium, etwa Dateiformat, Prüfsumme, Erzeugung, Migration und Beziehungen zwischen Master und Derivaten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Normdaten und kontrollierte Vokabulare sollten dort eingesetzt werden, wo sie Nutzen bringen. Für ehrenamtliche Erfassung müssen einfache Auswahllisten, Hilfetexte und spätere fachliche Anreicherung vorgesehen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.6 Rechte und kulturelle Selbstbestimmung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' Mukurtu, Aṟa Irititja und LAAL zeigen, dass urheberrechtliche Erlaubnis, Datenschutz und kulturelle Angemessenheit getrennt geprüft werden müssen. Ein Werk kann rechtlich veröffentlichbar, kulturell aber sensibel sein; umgekehrt kann eine Gemeinschaft Zugang wünschen, obwohl eine allgemeine Veröffentlichung nicht möglich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Mindestens vier Sichtbarkeitsstufen sind sinnvoll:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# öffentliche Metadaten, aber kein Medium;&lt;br /&gt;
# öffentliches Nutzungsdigitalisat, gegebenenfalls in reduzierter Qualität;&lt;br /&gt;
# beschränkter Zugang für festgelegte Gruppen, Forschung oder Community;&lt;br /&gt;
# gesperrt beziehungsweise nur intern dokumentiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder Datensatz sollte dokumentieren, wer die Entscheidung getroffen hat, auf welcher Grundlage sie beruht und wann sie erneut geprüft wird. Rechteinformationen müssen vom Register über Repositorium bis Präsentation mitgeführt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.7 Langzeiterhaltung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' PARADISEC belegt den Wert eines fachlich betriebenen Repositoriums. LAAL zeigt sowohl die Trennung von Master- und Nutzungsdateien als auch das Risiko einer Migration. Mukurtu warnt ausdrücklich davor, Zugangsplattform und Erhaltungssystem gleichzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Für jedes Digitalisat müssen vor der Produktion feststehen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Zielrepositorium und verantwortlicher Betreiber;&lt;br /&gt;
* Master- und Nutzungsformat;&lt;br /&gt;
* Dateibenennung beziehungsweise Identifikator;&lt;br /&gt;
* Prüfsumme und Integritätskontrolle;&lt;br /&gt;
* mindestens zwei räumlich getrennte Sicherungskopien;&lt;br /&gt;
* Übergabepaket aus Datei, Metadaten, Rechten und Provenienz;&lt;br /&gt;
* Verfahren für Formatbeobachtung, Migration und Wiederherstellung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das OAIS-Modell bietet den konzeptionellen Rahmen; die NDSA-Reifegradstufen können einen realistischen stufenweisen Aufbau unterstützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.8 Präsentation und Nachnutzung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' RomArchive verbindet Objekte mit kuratierten Erzählungen; People’s Collection Wales mit Lern- und Beitragsfunktionen; Tobar an Dualchais mit sprachlicher Erschließung; RRN mit kollaborativen Arbeitsräumen. Erfolg entsteht nicht durch bloße Online-Sichtbarkeit, sondern durch zielgruppengerechte Kontexte und tatsächlich nutzbare Funktionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Ein gemeinsamer Suchzugang ist wichtig, aber nicht jede Zielgruppe braucht dieselbe Oberfläche. Denkbar sind ein übergreifendes Kulturerbeportal, Fachzugänge für Forschung, Bildungsbausteine, kuratierte Ausstellungen und maschinenlesbare Schnittstellen. Download und Nachnutzung sollten dort ermöglicht werden, wo Rechte und kulturelle Interessen dies zulassen. Nutzungsstatistiken, Zitationen, Downloads, Bildungskooperationen und Community-Rückmeldungen sollten kontinuierlich ausgewertet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.9 Finanzierung und Verstetigung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' RomArchive plante den Betreiberübergang früh. People’s Collection Wales und Aṟa Irititja zeigen, wie belastend unsichere Finanzierung bleibt. Indigitization demonstriert die Wirkung kleiner Förderbudgets, aber auch die Verwundbarkeit eines pausierenden Programms. bavarikon und PARADISEC profitieren von institutioneller Infrastruktur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Es sind drei Kostenarten getrennt zu planen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Aufbaukosten:''' Konzeption, Pilot, Beschaffung, Datenmigration, erste Digitalisierung;&lt;br /&gt;
# '''Betriebskosten:''' Personal, Hosting, Speicher, Sicherung, Helpdesk, Rechtearbeit, Qualitätssicherung;&lt;br /&gt;
# '''Erneuerungskosten:''' Softwareupdates, Sicherheitsmaßnahmen, Hardwareersatz, Formatmigration, Neuentwicklung von Schnittstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Projektmittel eignen sich für Aufbau und Erprobung. Kernfunktionen dürfen nach der Pilotphase nur skaliert werden, wenn ein wiederkehrender Betriebsetat und ein verantwortlicher Rechtsträger feststehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.10 Projektsteuerung und schrittweiser Aufbau ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' People’s Collection Wales empfiehlt einen evidenzbasierten Ablauf aus Bedarf, Pilot, Test, Auswertung und Skalierung. Indigitization entwickelte seinen Werkzeugkasten aus drei Pilotprojekten. bavarikon nutzt Vorantrag, Prüfung, Standards und begleitete Umsetzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Der Aufbau sollte in überprüfbaren Ausbaustufen erfolgen. Jede Stufe braucht definierte Ergebnisse, Qualitätskriterien, Verantwortliche, Budget, Risiken und eine Entscheidung über Fortführung oder Anpassung. Technische Pilotierung ohne Governance-, Rechte- und Betriebsprüfung wäre unvollständig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== G. Empfehlungen für den sorbischen Kontext ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.1 Zielmodell: vier Säulen, drei Fundamente, zwei Betriebsregeln ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ergebnisse lassen sich für den sorbischen Kontext in einem priorisierten 4–3–2-Modell zusammenführen. Es verbindet die im Konzept beschriebene Prozesskette mit einer klaren organisatorischen und technischen Verantwortungsstruktur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Vier funktionale Säulen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Säule&lt;br /&gt;
! Mindestauftrag&lt;br /&gt;
! Abgrenzung&lt;br /&gt;
! Unverzichtbare Schnittstellen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''1. Sorbisches Kulturregister (SKR)'''&lt;br /&gt;
| Verteilte Kulturgüter und Bestände nachweisen, beschreiben, verknüpfen, Rechte- und Prioritätsstatus dokumentieren&lt;br /&gt;
| Kein Ersatz für lokale Inventare und nicht automatisch Speicherort aller Dateien&lt;br /&gt;
| Import/Export zu Fachsystemen; Übergabe von Objekt- und Rechtekennungen an Digitalisierung, Repositorium und Präsentation&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''2. Digitalisierungszentrum (DZ)'''&lt;br /&gt;
| Beratung, Planung, Digitalisierung, Qualitätssicherung, Schulung, Dienstleistersteuerung und Vorbereitung der Archivübergabe&lt;br /&gt;
| Nicht primär öffentlicher Katalog und nicht automatisch dauerhafter Speicher&lt;br /&gt;
| Aufträge aus Register/Priorisierung; Lieferung standardisierter Übergabepakete an Repositorium; Erzeugung von Nutzungsderivaten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''3. Repositorium / digitales Langzeitarchiv'''&lt;br /&gt;
| Masterdateien, Metadaten, Rechte und Provenienz dauerhaft übernehmen, prüfen, sichern und migrieren&lt;br /&gt;
| Nicht mit einem Netzlaufwerk, einer Cloudablage oder der öffentlichen Website gleichzusetzen&lt;br /&gt;
| Persistente Identifikatoren; Rückmeldung des Archivstatus an Register; kontrollierte Bereitstellung an Präsentationssysteme&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''4. Präsentations- und Nutzungssysteme'''&lt;br /&gt;
| Freigegebene Inhalte suchen, verstehen, zitieren, herunterladen und weiterverwenden lassen&lt;br /&gt;
| Nicht führendes System für Rechte, Masterdateien oder dauerhafte Erhaltung&lt;br /&gt;
| Bezug von Metadaten aus Register und Derivaten aus Repositorium; Rückgabe von Nutzungs- und Korrekturinformationen&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Entscheidender Punkt:''' Die vier Säulen sind Funktionen, nicht zwingend vier eigenständige Einrichtungen. Ein Träger kann mehrere Funktionen übernehmen. Dennoch müssen für jede Säule Auftrag, Zuständigkeit, Datenhoheit, Budget, Qualitätskriterien, Vertretung und Ausfallvorsorge benannt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Drei gemeinsame Fundamente ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Fundament&lt;br /&gt;
! Inhalt&lt;br /&gt;
! Warum es vor der Skalierung geklärt werden muss&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''A. Gemeinschaftliche Governance und Rechte'''&lt;br /&gt;
| Entscheidungsgremien, Rollen der Kulturgutträger, Community-Beteiligung, Konfliktlösung, sensible Inhalte, abgestufte Zugänge&lt;br /&gt;
| Ohne Entscheidungskompetenz entstehen Vertrauensverlust, Verzögerungen und nachträgliche Sperrungen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''B. Gemeinsame Daten- und Qualitätsarchitektur'''&lt;br /&gt;
| Metadatenkern, Identifikatoren, Sprachwerte, Vokabulare, Dateiformate, Schnittstellen, Lieferpakete, Qualitätssicherung&lt;br /&gt;
| Ohne gemeinsamen Kern können Register, DZ, Repositorium und Präsentation nicht verlässlich zusammenspielen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''C. Dauerbetrieb, Finanzierung und Kompetenz'''&lt;br /&gt;
| Rechtsträger, wiederkehrendes Budget, Personal, Hosting, Speicher, Wartung, Schulung, Helpdesk und Erneuerungsplanung&lt;br /&gt;
| Ohne Betriebsperspektive vergrößert jedes zusätzliche Digitalisat die technische und organisatorische Schuld.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Zwei Betriebsregeln ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Zentral ermöglichen, dezentral verantworten.''' Zentrale Stellen bieten Infrastruktur, Standards, Beratung, Qualitätskontrolle, Repositorium und gemeinsame Zugänge. Kulturgutträger behalten grundsätzlich Originale, lokalen Kontext, Beziehungen zu Urheberinnen und Urhebern sowie Mitentscheidung über kulturelle Bedeutung und Zugang.&lt;br /&gt;
# '''Als Projekt aufbauen, nur mit Dauerbetrieb skalieren.''' Pilot- und Förderprojekte sind geeignet, Register, Dienste und Workflows zu entwickeln. Eine breite Produktion beginnt erst, wenn dauerhafter Betreiber, Regelbudget, Personal und Erhaltungsweg gesichert sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Prüfsatz für Entscheidungen:''' Kein Digitalisat ohne Zielarchiv; kein Portal ohne Datenpflege; kein Register ohne Zuständigkeit; keine Veröffentlichung ohne Rechte- und Kulturprüfung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.2 Was zentral, dezentral und gemeinsam organisiert werden sollte ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Zentral bereitzustellen&lt;br /&gt;
! Dezentral bei den Kulturgutträgern&lt;br /&gt;
! Gemeinsam zu entscheiden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Technische Plattform und Datenmodell des Kulturregisters&lt;br /&gt;
| Besitz, Verwahrung und konservatorische Verantwortung für Originale, soweit nicht anders vereinbart&lt;br /&gt;
| Welche Bestände zunächst erfasst und digitalisiert werden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Metadatenkern, Vokabulare, Identifikatoren und Schnittstellen&lt;br /&gt;
| Erste Bestandskenntnis, lokale Namen, Geschichte und Beziehungen&lt;br /&gt;
| Kulturelle Bedeutung, Repräsentativität und Priorität&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Digitalisierungsberatung, Spezialtechnik, mobile Dienste und Qualitätsprüfung&lt;br /&gt;
| Lokale Auswahl und organisatorische Vorbereitung&lt;br /&gt;
| Transport, Vor-Ort-Digitalisierung oder externe Vergabe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Repositorium, Sicherung, Integritätsprüfung, Migration und Wiederherstellung&lt;br /&gt;
| Mitwirkung an Rechteklärung und Kontakt zu Betroffenen beziehungsweise Nachkommen&lt;br /&gt;
| Zugangs- und Nutzungskategorien für sensible Inhalte&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mustervereinbarungen, Rechte- und Datenschutzberatung&lt;br /&gt;
| Lokale Freigaben, sofern die jeweilige Stelle entscheidungsbefugt ist&lt;br /&gt;
| Verfahren bei Konflikten, Korrekturen und Takedown-Anfragen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Schulungen, Helpdesk, Dokumentation und gegebenenfalls Kleinprojektförderung&lt;br /&gt;
| Pflege von Kontexten, Korrekturen und neuen Informationen&lt;br /&gt;
| Übersetzungs- und Erschließungsprioritäten in Ober- und Niedersorbisch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gemeinsame Präsentationsbausteine und Programmierschnittstellen&lt;br /&gt;
| Eigene lokale Ausstellungen und Nutzungsszenarien&lt;br /&gt;
| Welche Inhalte übergreifend präsentiert oder nachnutzbar gemacht werden&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Verteilung schützt die dezentrale Trägerschaft, ohne kleine Einrichtungen mit jeder technischen Aufgabe allein zu lassen. Sie verhindert zugleich, dass zentrale Infrastruktur mit zentraler kultureller Deutungshoheit verwechselt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.3 Kurzfristig umsetzbare Schritte: 2026–2027 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Priorität 1: Governance und Verantwortungen beschließen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ein gemeinsames Steuerungsgremium für Kulturregister, Digitalisierungszentrum, Repositorium und Präsentation festlegen.&lt;br /&gt;
* Beide sorbischen Sprachräume, zentrale Institutionen und mindestens mehrere lokale beziehungsweise ehrenamtliche Träger verbindlich vertreten.&lt;br /&gt;
* Entscheidungsrechte, Vetorechte bei sensiblen Inhalten, Konfliktlösung und Vertretungsregelungen schriftlich regeln.&lt;br /&gt;
* Einen dauerhaften Produkt- beziehungsweise Serviceverantwortlichen für jede der vier Säulen benennen, auch wenn mehrere Säulen organisatorisch beim selben Träger liegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Priorität 2: Gemeinsamen Mindeststandard verabschieden ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Standard sollte klein genug für ehrenamtliche Erfassung, aber erweiterbar für Fachinstitutionen sein. Er muss mindestens regeln:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* eindeutige Kennung und verantwortlicher Datensatzhalter;&lt;br /&gt;
* Bezeichnung in Originalsprache und gegebenenfalls Übersetzungen;&lt;br /&gt;
* getrennte Sprachkennzeichnung für Obersorbisch, Niedersorbisch, Deutsch und weitere Sprachen;&lt;br /&gt;
* Kulturgutart und Zugehörigkeit zu materiellen, immateriellen oder digitalen Beständen;&lt;br /&gt;
* Standort beziehungsweise verwahrende Stelle;&lt;br /&gt;
* Kurzkontext, Zeit, Ort und beteiligte Personen soweit bekannt;&lt;br /&gt;
* Rechte-, Datenschutz- und kultureller Zugangsstatus;&lt;br /&gt;
* Digitalisierungs- und Archivierungsstatus;&lt;br /&gt;
* Provenienz, Quellen und Bearbeitungsstand;&lt;br /&gt;
* Exportformat und dauerhafte Identifikatoren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Priorität 3: Rechte- und Zugangsmodell entwickeln ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein einheitlicher Workflow sollte rechtliche und kulturelle Fragen getrennt dokumentieren. Empfohlen werden mindestens die vier Stufen „nur Nachweis“, „öffentliches Derivat“, „beschränkter Zugang“ und „gesperrt“. Für jede Stufe sind Verantwortliche, Freigabegrund, Prüffrist und Takedown-Verfahren festzulegen. Local Contexts kann als Anregung dienen; Begriffe und Symbole müssen jedoch gemeinsam für die sorbische Rechts- und Kulturpraxis entwickelt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Priorität 4: End-to-End-Pilot starten ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der erste Pilot sollte nicht nur ein Portal oder einen Scanner testen, sondern die gesamte Kette:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: Kulturgutträger → Erfassung im Register → Priorisierung und Freigabe → Digitalisierung und Qualitätsprüfung → Übernahme ins Repositorium → kontrollierte Präsentation und Nachnutzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beteiligt werden sollten drei bis fünf sehr unterschiedliche Träger, zum Beispiel eine zentrale Institution, eine Heimatstube oder ein Verein, eine kirchliche Einrichtung, eine kommunale Sammlung und gegebenenfalls eine Privatperson. Der Pilot sollte beide sorbischen Schriftsprachen und mindestens drei Medientypen umfassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Priorität 5: Repositoriumsziel vor Produktionsausweitung klären ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits Pilotdigitalisate benötigen einen definierten, überprüfbaren Speicher- und Erhaltungsweg. Falls das endgültige Langzeitarchiv noch nicht vollständig aufgebaut ist, braucht es einen dokumentierten Übergangsdienst mit Prüfsummen, redundanten Kopien, klarer Verantwortung und verbindlichem späteren Migrationsplan. Eine bloße Projektablage ist nicht ausreichend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.4 Mittelfristiger Strukturaufbau: 2027–2030 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Kulturregister ausbauen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Zwei Anbindungswege anbieten: direkte Erfassung beziehungsweise zentral gehostete Mandanten für kleine Träger und standardisierte Datenlieferung für große Fachsysteme.&lt;br /&gt;
* Priorisierungsansicht, Rechte- und Archivstatus sowie Beziehungen zwischen Original, Digitalisat, Werk, Person, Ort, Brauch und Sammlung abbilden.&lt;br /&gt;
* Korrektur- und Ergänzungsworkflow für Community-Wissen einrichten.&lt;br /&gt;
* Export, Programmierschnittstelle und regelmäßige Sicherung verpflichtend machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Digitalisierungszentrum als Dienstleistungsstelle verstetigen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Servicekatalog mit klaren Leistungen, Voraussetzungen, Bearbeitungszeiten und Kosten beziehungsweise Fördermöglichkeiten veröffentlichen.&lt;br /&gt;
* Mobile und stationäre Digitalisierung sowie Vergabe an Spezialdienstleister kombinieren.&lt;br /&gt;
* Schulungsprogramm und „Train-the-Trainer“-Ansatz für lokale Multiplikatorinnen und Multiplikatoren aufbauen.&lt;br /&gt;
* Kleinprojektförderung nach dem Vorbild von Indigitization oder bavarikon erproben.&lt;br /&gt;
* Qualitätssicherung und Übergabepakete zum Repositorium standardisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Repositorium in einen verlässlichen Regelbetrieb überführen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* OAIS-Funktionen organisatorisch zuordnen und mit den NDSA-Reifegradstufen schrittweise umsetzen.&lt;br /&gt;
* mindestens zwei räumlich getrennte Speicherkopien, regelmäßige Fixity Checks (Prüfung der Dateiunverändertheit über Prüfsummen) und Wiederherstellungstests etablieren;&lt;br /&gt;
* Masterdateien, Derivate, Metadaten, Rechte und technische Ereignisse verknüpfen;&lt;br /&gt;
* Verantwortungen bei Trägerwechsel oder Projektende vertraglich sichern;&lt;br /&gt;
* audiovisuelle Daten nach IASA-Empfehlungen behandeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Präsentation zielgruppenspezifisch entwickeln ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Gemeinsame Suche und verständliche Basiskontexte in Deutsch, Ober- und Niedersorbisch sowie ausgewählte englische Zugänge bereitstellen.&lt;br /&gt;
* Nicht jeden Datensatz vollständig in vier Sprachen übersetzen; stattdessen Oberfläche, Kernelemente, kontrollierte Begriffe und besonders relevante Inhalte priorisieren und Übersetzungsstatus sichtbar machen.&lt;br /&gt;
* Bildungs- und Forschungsnutzung in Pilotkooperationen testen.&lt;br /&gt;
* IIIF und Programmierschnittstellen dort einsetzen, wo sie einen konkreten Mehrwert für Anzeige, Zitation oder Datenbezug schaffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.5 Langfristige Aufgaben: ab 2030 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Regelmäßige Daten- und Formatmigrationen, Sicherheitsprüfungen und Erneuerung der Infrastruktur finanzieren.&lt;br /&gt;
* Erfolg anhand eines stabilen Kennzahlensets messen: erfasste und archivierte Bestände, beteiligte Träger, Bearbeitungszeiten, Rechte-Rückstände, Nutzung, Downloads, Bildungsprojekte, wissenschaftliche Zitationen, Community-Zufriedenheit und Korrekturen.&lt;br /&gt;
* Born-digital-Kulturerbe wie Websites, digitale Fotosammlungen, Social-Media-Projekte, digitale Kunst und Software systematisch übernehmen.&lt;br /&gt;
* Repositoriumsprozesse gegebenenfalls auf eine externe Vertrauenswürdigkeitsprüfung oder Zertifizierung vorbereiten.&lt;br /&gt;
* Kooperationen mit nationalen und europäischen Aggregatoren ausbauen, ohne die sorbische Datenhoheit und sprachliche Sichtbarkeit aufzugeben.&lt;br /&gt;
* Alle drei bis fünf Jahre Governance, Standards, Prioritäten und Zugangsregeln gemeinsam überprüfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.6 Empfohlene Pilotprojekte ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Pilot&lt;br /&gt;
! Ziel&lt;br /&gt;
! Warum besonders sinnvoll&lt;br /&gt;
! Erfolgskriterien&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''1. Kulturregister-Pilot mit heterogenen Trägern'''&lt;br /&gt;
| Mindestmetadaten, Onboarding und föderierte Datenlieferung testen&lt;br /&gt;
| Deckt die reale Spannweite von Fachinstitution bis Ehrenamt ab&lt;br /&gt;
| Mindestens 3–5 Träger liefern exportfähige, verständliche Datensätze; Aufwand und Hilfebedarf sind gemessen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''2. Gefährdete sorbische Ton- und Videobestände'''&lt;br /&gt;
| Priorisierung, Digitalisierung, Transkription, Rechte und Archivierung zeitkritischer Medien&lt;br /&gt;
| Hohe Verlustgefahr und großer Sprachwert; Anknüpfung an Tobar an Dualchais, PARADISEC und Indigitization&lt;br /&gt;
| Definierte Masterdateien, geprüfte Übergabe, zweisprachige Erschließung, Nutzungsfall für Bildung/Forschung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''3. Sensibles und immaterielles Kulturerbe'''&lt;br /&gt;
| Abgestufte Rechte und Community-Entscheidungen an Interviews, Bräuchen oder Familienmaterial erproben&lt;br /&gt;
| Testet Governance statt nur Technik&lt;br /&gt;
| Dokumentierte Freigabewege, mehrere Zugangsstufen, Takedown-Prozess und Community-Abnahme&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''4. Durchgängige Vier-Säulen-Kette'''&lt;br /&gt;
| Datenfluss vom Register bis zur Präsentation ohne manuelle Medienbrüche testen&lt;br /&gt;
| Macht Schnittstellen- und Verantwortungsprobleme früh sichtbar&lt;br /&gt;
| Identifikatoren und Rechte bleiben durchgängig erhalten; Übergaben sind reproduzierbar&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''5. Migrations- und Ausstiegstest'''&lt;br /&gt;
| Vollständigen Export eines Pilotbestands in ein neutrales Format und Wiederimport prüfen&lt;br /&gt;
| Reagiert direkt auf das LAAL- und RRN-Lernfeld technischer Alterung&lt;br /&gt;
| Dateien, Beziehungen, Rechte, Sprachwerte und Identifikatoren bleiben erhalten; Dokumentation ist für anderen Betreiber nutzbar&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.7 Mindestanforderungen vor jeder Beschaffung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor der Entscheidung für eine konkrete Software sollten folgende Punkte verbindlich beantwortet sein:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Welche Funktion der vier Säulen soll die Software erfüllen – und welche ausdrücklich nicht?&lt;br /&gt;
# Wer ist fachlich, technisch und rechtlich verantwortlich?&lt;br /&gt;
# Wie werden Ober- und Niedersorbisch in Oberfläche, Datenfeldern, Suche und Export behandelt?&lt;br /&gt;
# Welche vollständigen Daten- und Dateiexporte sind jederzeit möglich?&lt;br /&gt;
# Wie bleiben Identifikatoren und Beziehungen bei einem Systemwechsel erhalten?&lt;br /&gt;
# Welche Rechte- und Sichtbarkeitsstufen lassen sich abbilden?&lt;br /&gt;
# Wie werden Community-Ergänzungen von institutionellen Ausgangsdaten unterschieden, ohne sie abzuwerten?&lt;br /&gt;
# Wo liegen Masterdateien und wer prüft ihre Integrität?&lt;br /&gt;
# Welche wiederkehrenden Lizenz-, Hosting-, Speicher-, Wartungs- und Personalkosten entstehen über mindestens zehn Jahre?&lt;br /&gt;
# Was geschieht bei Anbieterwechsel, Projektende, Insolvenz oder Wegfall einer Förderung?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.8 Übertragbarkeit differenziert bewertet ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Direkt übertragbare Ansätze ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* funktionale Trennung von Register, Digitalisierung, Repositorium und Präsentation;&lt;br /&gt;
* zentraler Service bei dezentraler Trägerschaft;&lt;br /&gt;
* gemeinsamer Metadatenkern mit fachlichen Erweiterungen;&lt;br /&gt;
* abgestufte Zugänge und getrennte rechtliche/kulturelle Prüfung;&lt;br /&gt;
* Pilotierung mit heterogenen Trägern;&lt;br /&gt;
* Betreiber- und Finanzierungsplanung vor Skalierung;&lt;br /&gt;
* Schulung, Helpdesk und Vorlagen für kleine Sammlungen;&lt;br /&gt;
* Exportfähigkeit und Migrationsplanung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Mit Anpassungen übertragbare Ansätze ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Mukurtu-Protokolle und Traditional Knowledge Labels: als Vorbild, aber mit sorbisch entwickelten Begriffen und deutscher beziehungsweise europäischer Rechtsprüfung;&lt;br /&gt;
* Nuohttis föderierte Architektur: gut übertragbar, jedoch mit deutlich kleinerem institutionellem Netz und zwei sorbischen Schriftsprachen;&lt;br /&gt;
* bavarikons Förder- und Qualitätsverfahren: in vereinfachter Form und mit wesentlich kleinerem Budget;&lt;br /&gt;
* PARADISECs Fachrepositorium: als Dienstemodell für gefährdete Medien, nicht in dessen globaler Größenordnung;&lt;br /&gt;
* People’s Collection Wales: Support- und Beteiligungsmodell, angepasst an kleinere Personalressourcen und vorhandene sorbische Institutionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Kaum unmittelbar übertragbare Ansätze ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* eine vollständig eigenständige technische Großinfrastruktur nach Maßstab eines Flächenlandes wie Bayern;&lt;br /&gt;
* ein internationaler Universitätsverbund mit hunderten Terabyte und weltweitem Einzugsbereich wie PARADISEC;&lt;br /&gt;
* die unveränderte Übernahme indigener Rechts- und Kulturkonzepte in den europäischen Minderheitenkontext;&lt;br /&gt;
* die Vorstellung, jedes lokale Haus müsse ein eigenes Langzeitarchiv oder hoch spezialisiertes Digitalisierungslabor betreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Risiken und Fehler, die vermieden werden sollten ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* '''Portal zuerst:''' Eine öffentlich sichtbare Website wird gebaut, bevor Datenpflege, Rechte und Langzeiterhaltung geregelt sind.&lt;br /&gt;
* '''Projektserver als Archiv:''' Dateien liegen nur in Arbeitsordnern, Clouds oder einem Content-Management-System.&lt;br /&gt;
* '''Ein System für alles:''' Register, Produktion, Archivierung und Präsentation werden technisch und organisatorisch untrennbar gekoppelt.&lt;br /&gt;
* '''Offen oder geschlossen:''' Fehlende Zwischenstufen führen entweder zu unnötiger Sperrung oder unangemessener Veröffentlichung.&lt;br /&gt;
* '''Standards ohne Hilfe:''' Ehrenamtliche Träger erhalten komplexe Vorgaben, aber keine Schulung, Zeit oder Nachbearbeitung.&lt;br /&gt;
* '''Zentralisierung der Deutung:''' Lokale und sprachräumliche Perspektiven werden durch ein einziges zentrales Beschreibungsschema verdrängt.&lt;br /&gt;
* '''Digitalisierung ohne Rechtebudget:''' Scans und Aufnahmen entstehen schneller als Einwilligungen, Prüfungen und Freigaben bearbeitet werden können.&lt;br /&gt;
* '''Abhängigkeit ohne Exit:''' Proprietäre Software oder Dienstleister werden gewählt, ohne vollständigen Export und getesteten Betreiberwechsel.&lt;br /&gt;
* '''Projektende ohne Betrieb:''' Förderziele zählen veröffentlichte Objekte, aber keine Stellen, Speicher-, Wartungs- und Migrationskosten nach Förderende.&lt;br /&gt;
* '''Mehrsprachigkeit nur im Menü:''' Die Oberfläche ist übersetzt, Datensätze, Suche, Vokabulare und redaktionelle Prozesse bleiben einsprachig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.9 Priorisierte Schlussfolgerung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wichtigste Lehre lautet nicht, möglichst schnell ein großes Portal zu füllen. Vorrang hat eine belastbare Arbeitsteilung:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Zuerst Regeln und Verantwortung:''' Governance, Rechte, Sprachmodell, Mindestmetadaten und Betreiber festlegen.&lt;br /&gt;
# '''Dann die sichere Kette:''' Register, Digitalisierungszentrum und Repositorium in einem Ende-zu-Ende-Pilot verbinden.&lt;br /&gt;
# '''Danach skalieren:''' Bestände risikobasiert digitalisieren, kleine Träger durch Dienste und Förderung einbinden.&lt;br /&gt;
# '''Erst darauf die breite Präsentation:''' Freigegebene Inhalte zielgruppengerecht, mehrsprachig und nachnutzbar anbieten.&lt;br /&gt;
# '''Dauerhaft überprüfen:''' Nutzung, Datenqualität, Rechte-Rückstände, Betriebskosten und Community-Zufriedenheit messen und Architektur weiterentwickeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit wird aus vier technischen beziehungsweise organisatorischen Säulen ein gemeinsames System: '''dezentrale kulturelle Verantwortung, zentral abgesicherte Dienste und eine verbindliche dauerhafte Finanzierung.'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== H. Verdichtungsvorschlag für den Konzeptabschnitt „Beispiele anderer Kulturen und Regionen“ ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den kurzen Wiki-Abschnitt wird eine Gliederung in höchstens vier Unterabschnitte empfohlen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Ziel und Auswahl:''' Warum der Vergleich durchgeführt wurde und warum kein universelles Idealmodell gesucht wird.&lt;br /&gt;
# '''Sieben aussagekräftige Beispiele:''' RomArchive, Nuohtti, People’s Collection Wales, Tobar an Dualchais, Euskariana, Mukurtu/Plateau Portal und Indigitization. Jedes Beispiel erhält einen kurzen Kontext, die zentrale Besonderheit und ein konkretes Learning.&lt;br /&gt;
# '''Schlussverdichtung:''' Vier Säulen, drei Fundamente und zwei Betriebsregeln.&lt;br /&gt;
# '''Prioritäten für die Sorben:''' Governance und Standards → Ende-zu-Ende-Pilot und Zielrepositorium → Verstetigung des Digitalisierungszentrums → skalierte Präsentation und Nachnutzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die sieben Beispiele decken die für den sorbischen Kontext wichtigsten Perspektiven ab:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Beispiel&lt;br /&gt;
! Zentrale Besonderheit&lt;br /&gt;
! Konkretes Learning für die Sorben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| RomArchive&lt;br /&gt;
| Minderheitenangehörige kuratieren und steuern; Betreiberübergang nach Projektphase&lt;br /&gt;
| Deutungshoheit und dauerhaften Träger von Beginn an verankern&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Nuohtti&lt;br /&gt;
| Föderierte Suche über verteilte Bestände und mehrere Staaten/Sprachen&lt;br /&gt;
| Kulturregister als verbindende Nachweisschicht statt Zwangszentralisierung bauen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| People’s Collection Wales&lt;br /&gt;
| Zweisprachige Plattform plus Schulung und Community-Unterstützung; unabhängige Evaluation&lt;br /&gt;
| Kleine Träger brauchen Helpdesk, Training und realistische Wirkungsmessung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Tobar an Dualchais&lt;br /&gt;
| Sicherung und sprachliche Erschließung gefährdeter Tonaufnahmen&lt;br /&gt;
| Audiovisuelle Bestände zeitlich priorisieren und mit Transkription verbinden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Euskariana&lt;br /&gt;
| Gemeinsamer Katalog, eigenes Repositorium und Anbindung externer Systeme über Standards&lt;br /&gt;
| Zwei Onboarding-Wege und ein schlanker gemeinsamer Metadatenkern&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mukurtu / Plateau Portal&lt;br /&gt;
| Kulturelle Protokolle, mehrere Perspektiven und abgestufte Zugänge&lt;br /&gt;
| Rechte und kulturelle Sensibilität als Datenmodell, nicht als spätere Einzelfallkorrektur&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Indigitization&lt;br /&gt;
| Zentrale Kompetenz, Training und Kleinprojektförderung bei dezentraler Durchführung&lt;br /&gt;
| Digitalisierungszentrum als Dienstleister und Befähiger für lokale Träger ausgestalten&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Zielumfang von etwa 1.200 bis 1.800 Wörtern ist ausreichend. Die ausführlichen Fallprofile, Matrix, Quellen und differenzierten Empfehlungen verbleiben auf dieser Anhangsseite. Dadurch bleibt der Konzepttext lesbar, während zentrale Aussagen überprüfbar belegt und vertieft werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_faq&amp;quot;&amp;gt;RomArchive (o. J.): ''Frequently Asked Questions''. [https://www.romarchive.eu/en/about/frequently-answered-questions/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_imprint&amp;quot;&amp;gt;Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma e. V. / RomArchive (o. J.): ''Imprint''. [https://www.romarchive.eu/en/imprint/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_kulturstiftung&amp;quot;&amp;gt;Kulturstiftung des Bundes (o. J.): ''RomArchive – Digital Archive of the Roma''. [https://www.kulturstiftung-des-bundes.de/en/programmes_projects/film_and_new_media/detail/romarchive.html Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_about&amp;quot;&amp;gt;Nuohtti / Digital Access to the Sámi Heritage Archives (o. J.): ''About Nuohtti''. [https://nuohtti.com/Content/about Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_uarctic&amp;quot;&amp;gt;University of the Arctic (2023): ''The Nuohtti service provides digital access to Sámi material in European archives''. [https://www.uarctic.org/news/2023/3/the-nuohtti-service-provides-digital-access-to-sami-material-in-european-archives/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_dataspace&amp;quot;&amp;gt;Mäkikalli, Maija / Leppälä, Oona (2024): ''Nuohtti platform improves accessibility to the digitised archives of Sámi cultural heritage''. European Collaborative Cloud for Cultural Heritage / Europeana. [https://www.dataspace-culturalheritage.eu/en/news/nuohtti-platform-improves-accessibility-to-the-digitised-archives-of-sami-cultural-heritage Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_eval&amp;quot;&amp;gt;Vittle, Kate / Haswell-Walls, Fran / Dixon, Tim; ERS Ltd. (2016): ''Evaluation of the Casgliad y Werin Cymru / People’s Collection Wales Digital Heritage Programme. Impact Report''. [https://www.gov.wales/sites/default/files/publications/2019-08/evaluation-of-the-peoples-collection-wales-digital-heritage-programme-impact.pdf PDF], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_support&amp;quot;&amp;gt;People’s Collection Wales (o. J.): ''Community Support''. [https://www.peoplescollection.wales/about-us/community-support Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_edinburgh&amp;quot;&amp;gt;University of Edinburgh (2024): ''Tobar an Dualchais / Kist o Riches''. [https://gaelic.ed.ac.uk/gaelic-collections/tobar-an-dualchais-kist-o-riches Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_funding2025&amp;quot;&amp;gt;Scottish Government (2025): ''Rediscovering lost Gaelic words''. [https://www.gov.scot/news/rediscovering-lost-gaelic-words/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_funding2026&amp;quot;&amp;gt;Scottish Government (2026): ''Boost for Gaelic language''. [https://www.gov.scot/news/boost-for-gaelic-language/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_opening&amp;quot;&amp;gt;University of Edinburgh (o. J.): ''Opening the Well''. [https://gaelic.ed.ac.uk/news/opening-the-well Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;euskariana_about&amp;quot;&amp;gt;Gobierno Vasco / Biblioteca Digital de Euskadi (o. J.): ''Acerca de Euskariana''. [https://www.euskariana.euskadi.eus/euskadibib/es/help/about.do Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;bavarikon_about&amp;quot;&amp;gt;bavarikon / Freistaat Bayern (o. J.): ''Über bavarikon''. [https://www.bavarikon.de/about Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;bavarikon_partner&amp;quot;&amp;gt;bavarikon / Freistaat Bayern (o. J.): ''Partner werden''. [https://www.bavarikon.de/becoming-partner Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;bavarikon_500k&amp;quot;&amp;gt;Bayerische Staatsbibliothek (2024): ''bavarikon knackt die halbe Million: 500.000 digitale Kulturschätze aus rund 170 bayerischen Einrichtungen sind weltweit zugänglich''. [https://www.bsb-muenchen.de/en/about-us/article/bavarikon-knackt-die-halbe-million-500000-digitale-kulturschaetze-aus-rund-170-bayerischen-einrichtungen-sind-weltweit-zugaenglich-6555/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_about&amp;quot;&amp;gt;Mukurtu CMS / Center for Digital Scholarship and Curation, Washington State University (o. J.): ''About / Mission, Core Features, Implementation and Sustainability''. [https://mukurtu.org/about/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_plateau&amp;quot;&amp;gt;Mukurtu CMS / Washington State University (o. J.): ''Plateau Peoples’ Web Portal''. [https://mukurtu.org/project/plateau-peoples-web-portal-showcase/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_dlib&amp;quot;&amp;gt;Christen, Kimberly / Merrill, Alex / Wynne, Michael (2017): ''A Community of Relations: Mukurtu Hubs and Spokes''. D-Lib Magazine, 23(5/6). [https://www.dlib.org/dlib/may17/christen/05christen.html Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_who&amp;quot;&amp;gt;Aṟa Irititja (o. J.): ''Who are we?'' [https://irititja.com/about-ara-irititja/who-are-we/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_approach&amp;quot;&amp;gt;Aṟa Irititja (o. J.): ''Community-Based Approach – The Aṟa Irititja Approach''. [https://irititja.com/archive/the-ara-irititja-approach/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_funding&amp;quot;&amp;gt;Aṟa Irititja (o. J.): ''Funding''. [https://irititja.com/challlenges/funding/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_background&amp;quot;&amp;gt;Charles Darwin University / Living Archive of Aboriginal Languages (o. J.): ''Background''. [https://livingarchive.cdu.edu.au/background/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_rights&amp;quot;&amp;gt;Charles Darwin University / Living Archive of Aboriginal Languages (o. J.): ''Copyright and IP issues''. [https://livingarchive.cdu.edu.au/copyright/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_home&amp;quot;&amp;gt;Charles Darwin University / Living Archive of Aboriginal Languages (o. J.): ''Home''. [https://livingarchive.cdu.edu.au/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_migration&amp;quot;&amp;gt;Christie, Michael (2022): ''Post-LAAL update''. Living Archive of Aboriginal Languages, 26.10.2022. [https://livingarchive.cdu.edu.au/post-laal-update/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;paradisec_about&amp;quot;&amp;gt;PARADISEC (o. J.): ''About us''. [https://www.paradisec.org.au/about-us/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;paradisec_home&amp;quot;&amp;gt;PARADISEC (2026): ''Pacific and Regional Archive for Digital Sources in Endangered Cultures – Home and current collection data''. [https://www.paradisec.org.au/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_about&amp;quot;&amp;gt;Reciprocal Research Network (o. J.): ''About''. [https://www.rrncommunity.org/pages/about Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_contact&amp;quot;&amp;gt;Reciprocal Research Network (o. J.): ''Contact Us / Steering Group''. [https://www.rrncommunity.org/pages/contact Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_home&amp;quot;&amp;gt;Reciprocal Research Network (2026): ''Home / What’s inside''. [https://www.rrncommunity.org/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_rowley&amp;quot;&amp;gt;Rowley, Susan (2013): ''The Reciprocal Research Network: The Development Process''. Museum Anthropology Review, 7(1–2). [https://scholarworks.iu.edu/journals/index.php/mar/article/view/2172 Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_about&amp;quot;&amp;gt;Indigitization (o. J.): ''About Us''. [https://www.indigitization.ca/about-2/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_toolkit&amp;quot;&amp;gt;Indigitization (o. J.): ''Indigitization Toolkit''. [https://www.indigitization.ca/toolkit/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_grant&amp;quot;&amp;gt;Indigitization (o. J.): ''Audio Cassette Digitization Grant''. [https://www.indigitization.ca/funding/audio-cassette-grant/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_funding&amp;quot;&amp;gt;Indigitization (o. J.): ''Funding''. [https://www.indigitization.ca/funding/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;unesco_doc_heritage&amp;quot;&amp;gt;UNESCO (2015): ''Recommendation concerning the preservation of, and access to, documentary heritage including in digital form''. [https://www.unesco.org/en/legal-affairs/recommendation-concerning-preservation-and-access-documentary-heritage-including-digital-form Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;unesco_participation&amp;quot;&amp;gt;UNESCO Intangible Cultural Heritage (o. J.): ''Involvement of communities, groups and individuals''. [https://ich.unesco.org/en/involvement-of-communities-0033 Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;unesco_ethics&amp;quot;&amp;gt;UNESCO Intangible Cultural Heritage (o. J.): ''Ethical Principles for Safeguarding Intangible Cultural Heritage''. [https://ich.unesco.org/en/ethics-and-ich-00866 Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;oais&amp;quot;&amp;gt;International Organization for Standardization (ISO) (2025): ''ISO 14721:2025 – Space data and information transfer systems – Open archival information system (OAIS) – Reference model'', 3. Ausgabe. [https://www.iso.org/standard/87471.html Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;ndsa&amp;quot;&amp;gt;National Digital Stewardship Alliance (2026): ''Levels of Digital Preservation, Version 2.1''. [https://www.ndsa.org/publications/levels-of-digital-preservation/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;care&amp;quot;&amp;gt;Global Indigenous Data Alliance (o. J.): ''CARE Principles for Indigenous Data Governance''. [https://www.gida-global.org/careprinciples Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;localcontexts&amp;quot;&amp;gt;Local Contexts (o. J.): ''Traditional Knowledge and Biocultural Labels and Notices''. [https://localcontexts.org/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;edm&amp;quot;&amp;gt;Europeana Pro (o. J.): ''Europeana Data Model Documentation''. [https://pro.europeana.eu/page/edm-documentation Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;oaipmh&amp;quot;&amp;gt;Open Archives Initiative (o. J.): ''OAI-PMH Frequently Asked Questions''. [https://www.openarchives.org/documents/FAQ.html Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;iiif&amp;quot;&amp;gt;IIIF Consortium (2021, laufend gepflegt): ''IIIF Presentation API 3.0''. [https://iiif.io/api/presentation/3.0/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;iasa&amp;quot;&amp;gt;International Association of Sound and Audiovisual Archives (IASA) (o. J.): ''Guidelines on the Production and Preservation of Digital Audio Objects (TC-04)''. [https://www.iasa-web.org/tc04/audio-preservation Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;digicher&amp;quot;&amp;gt;Europeana Foundation / European Collaborative Cloud for Cultural Heritage (2024): ''Discover the DIGICHer project''. [https://www.dataspace-culturalheritage.eu/en/news/discover-the-digicher-project Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/references&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Měrko Šenk</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://koncept.serbski-inkubator.de/index.php?title=12.3.A1_Vergleichende_Recherche_%E2%80%93_Digitalisierung_des_Kulturerbes_anderer_Kulturen_und_Regionen&amp;diff=1068</id>
		<title>12.3.A1 Vergleichende Recherche – Digitalisierung des Kulturerbes anderer Kulturen und Regionen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://koncept.serbski-inkubator.de/index.php?title=12.3.A1_Vergleichende_Recherche_%E2%80%93_Digitalisierung_des_Kulturerbes_anderer_Kulturen_und_Regionen&amp;diff=1068"/>
		<updated>2026-07-22T11:45:42Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Měrko Šenk: /* Rechte, Ethik und Nachhaltigkeit */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;''Anhang zu [[12.3 Digitalisierung des Kulturerbes]]''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
''Recherche- und Quellenstand: 20. Juli 2026''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Seite dokumentiert eine vergleichende Recherche zu Erfolgsmodellen, Grenzen und übertragbaren Lösungsbausteinen bei der Digitalisierung des Kulturerbes kleiner, autochthoner, indigener, sprachlicher und regional verteilter Gemeinschaften. Sie dient als ausführliche Beleg- und Arbeitsgrundlage für den Konzeptabschnitt [[12.3 Digitalisierung des Kulturerbes#Beispiele anderer Kulturen und Regionen|„Beispiele anderer Kulturen und Regionen“]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Wichtiger Hinweis zur Aussagekraft:''' Die Fallprofile trennen soweit möglich zwischen dokumentierten Tatsachen, Aussagen der Projektverantwortlichen und der hier vorgenommenen Bewertung. Viele Projekte veröffentlichen keine aktuellen Nutzungszahlen oder unabhängigen Wirkungsevaluationen. In diesen Fällen wird nicht allein aus einer ansprechenden Website auf Erfolg geschlossen. Wo eine Schlussfolgerung nur plausibel, aber nicht direkt belegt ist, ist sie als '''Bewertung''' oder '''Annahme''' gekennzeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Hinweis zur Erstellung:''' Die vorliegende Vergleichsrecherche wurde mit Unterstützung der Funktion „Deep Research“ von ChatGPT (Version GPT-5.6 Sol Pro) erstellt und anschließend redaktionell überarbeitet. Maßgeblich für die Nachvollziehbarkeit sind die jeweils angegebenen Quellen, während die daraus abgeleiteten Bewertungen und Schlussfolgerungen eine analytische Einordnung darstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
__TOC__&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== A. Zusammenfassung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die untersuchten Projekte zeigen kein universell ideales System. Erfolgreiche oder besonders lehrreiche Modelle kombinieren vielmehr unterschiedliche Bausteine entsprechend ihrer Gemeinschaft, Rechtslage, Bestandsstruktur und Ressourcen. Für den sorbischen Kontext sind vor allem folgende Erkenntnisse belastbar:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Funktionen klar trennen, Systeme aber verbinden.''' Register beziehungsweise Katalog, Digitalisierungsdienst, Repositorium beziehungsweise Langzeitarchiv und Präsentationssystem erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Erfolgreiche Verbünde verbinden diese Funktionen über Metadaten, Identifikatoren, Übergabeprozesse und Schnittstellen, statt alles in einem einzigen Portal zu vermischen.&lt;br /&gt;
# '''Gemeinschaftliche Steuerung ist keine Zusatzfunktion.''' RomArchive, Nuohtti, Mukurtu, Aṟa Irititja und das Reciprocal Research Network zeigen, dass Angehörige der jeweiligen Kultur an Auswahl, Beschreibung, Kontextualisierung, Zugangsregeln und strategischen Entscheidungen beteiligt sein müssen. Reine institutionelle „Beteiligung“ ohne festgelegte Entscheidungsrechte reicht nicht aus.&lt;br /&gt;
# '''Zentral ermöglichen, dezentral verantworten.''' Besonders übertragbar sind Modelle, bei denen eine zentrale Stelle Standards, Infrastruktur, Beratung, Qualitätssicherung, Schulung und gegebenenfalls Technik bereitstellt, während Kulturgutträger ihre Originale, lokalen Kenntnisse, Beziehungen zu Rechteinhabern und kulturellen Entscheidungen behalten.&lt;br /&gt;
# '''Ein Suchportal ist noch kein digitales Archiv.''' Nuohtti, Euskariana, bavarikon und das Plateau Peoples’ Web Portal aggregieren beziehungsweise präsentieren Inhalte aus verschiedenen Quellen. Die Langzeiterhaltung der Masterdateien muss davon getrennt geregelt sein. Mukurtu weist ausdrücklich darauf hin, dass eine Zugangsplattform nur ein Baustein eines umfassenderen Systems für Digitalisierung, Erhaltung und Betrieb ist.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
# '''Keine Massendigitalisierung ohne Zielarchiv und Rechteworkflow.''' Digitalisierung erzeugt dauerhafte Folgekosten. Vor einer Skalierung müssen Speicherort, Übernahmeprozess, Prüfsummen, Sicherung, Dateiformate, Metadaten, Rechte und spätere Migration festgelegt sein.&lt;br /&gt;
# '''Offenheit ist nicht binär.''' Erfolgreiche gemeinschaftlich gesteuerte Projekte arbeiten mit abgestuften Zugängen: öffentliches Metadatum, frei zugängliches Nutzungsdigitalisat, registrierter oder gemeinschaftsbezogener Zugang, zeitliche Sperre oder keine Online-Veröffentlichung. Zugänglichkeit und kulturelle Selbstbestimmung werden dadurch nicht als Gegensätze behandelt.&lt;br /&gt;
# '''Mehrsprachigkeit muss Teil der Datenarchitektur sein.''' Zweisprachige oder mehrsprachige Angebote wie People’s Collection Wales, Nuohtti, RomArchive, Euskariana und Aṟa Irititja zeigen, dass Sprachen nicht nur in der Oberfläche, sondern auch in Metadatenfeldern, kontrollierten Begriffen, Suchfunktionen, Transkriptionen und Verantwortlichkeiten berücksichtigt werden müssen.&lt;br /&gt;
# '''Kleine Träger brauchen Dienste, nicht nur Vorgaben.''' People’s Collection Wales und Indigitization belegen den Wert von Beratung, Schulung, Vorlagen, Pilotförderung, technischer Begleitung und „Train-the-Trainer“-Ansätzen. Ein Standard, den Ehrenamtliche oder kleine Einrichtungen ohne Hilfe nicht anwenden können, ist praktisch kein gemeinsamer Standard.&lt;br /&gt;
# '''Projektförderung kann den Aufbau finanzieren, nicht automatisch den Dauerbetrieb.''' RomArchive gelang der geplante Übergang an einen institutionellen Betreiber. Aṟa Irititja musste über Jahre um Verstetigung ringen; bei Indigitization ruht das frühere Förderprogramm für Audiokassetten; die Evaluation von People’s Collection Wales bezeichnete Finanzierungssicherheit als Kernproblem. Dauerverantwortung, Grundfinanzierung und technischer Erneuerungszyklus müssen daher vor einer breiten Skalierung geklärt werden.&lt;br /&gt;
# '''Pilotieren, messen, dann skalieren.''' Besonders sinnvoll sind Pilotvorhaben, die die gesamte Kette von der Erfassung über Rechteklärung und Digitalisierung bis zur Archivierung und Präsentation testen. Die Evaluation von People’s Collection Wales empfiehlt ausdrücklich einen Ablauf aus Bedarf, Pilot, Test, Auswertung und anschließender Skalierung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_eval&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daraus lässt sich ein prägnantes Zielmodell ableiten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Vier funktionale Säulen&lt;br /&gt;
! Leitfrage&lt;br /&gt;
! Kernaufgabe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''1. Register'''&lt;br /&gt;
| Was gibt es, wo befindet es sich, was bedeutet es und was ist prioritär?&lt;br /&gt;
| Institutionenübergreifender Nachweis, Kontext, Rechte- und Prioritätsinformationen; Verknüpfung verteilter Bestände.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''2. Digitalisierungsdienst'''&lt;br /&gt;
| Wie entstehen qualitätsgesicherte Digitalisate?&lt;br /&gt;
| Beratung, Auswahl geeigneter Verfahren, Digitalisierung, Qualitätsprüfung, Dienstleistersteuerung, Schulung und Hilfe für kleine Träger.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''3. Repositorium / digitales Langzeitarchiv'''&lt;br /&gt;
| Wie bleiben Masterdateien und Metadaten dauerhaft erhalten?&lt;br /&gt;
| Übernahme, Integritätskontrolle, redundante Sicherung, Dateiformatüberwachung, Migration, persistente Identifikatoren und dokumentierte Verantwortung.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''4. Präsentations- und Nutzungssysteme'''&lt;br /&gt;
| Was wird wem, in welcher Sprache und unter welchen Bedingungen zugänglich?&lt;br /&gt;
| Suche, Kontextualisierung, Bildung, Forschung, Download, Programmierschnittstellen und kreative Nachnutzung – abgestuft nach Rechten und kulturellen Regeln.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Merksatz:''' Das Register weiß, ''was'' und ''wo''; das Digitalisierungszentrum erzeugt und prüft; das Repositorium erhält; die Präsentation vermittelt und ermöglicht Nutzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese funktionale Vierertrennung bedeutet nicht zwingend vier Organisationen oder vier getrennte Beschaffungen. Digitalisierungszentrum und Repositorium können beispielsweise beim selben Träger liegen. Auftrag, Verantwortung, Budget, Qualitätskriterien und Betriebszusagen sollten dennoch getrennt benannt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== B. Stand der Forschung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== B.1 Vorhandene Modelle und Leitlinien ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Gesamtaufgabe „verteilt erfassen, priorisieren, digitalisieren, Metadaten zusammenführen, langfristig erhalten und verantwortungsvoll zugänglich machen“ existiert kein einzelnes, allgemein verbindliches End-to-End-Modell. Es gibt jedoch belastbare Teilmodelle, die zusammengedacht werden können:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die '''UNESCO-Empfehlung''' zur Erhaltung und Zugänglichkeit des dokumentarischen Erbes fordert institutionelle Auswahl- und Erhaltungsstrategien, fachgerechte Erschließung, Metadaten, Zusammenarbeit und rechtzeitige Maßnahmen für gefährdete digitale Bestände.&amp;lt;ref name=&amp;quot;unesco_doc_heritage&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Für immaterielles Kulturerbe verlangt die UNESCO die möglichst breite Beteiligung der Gemeinschaften und die Achtung üblicher Zugangsregeln. Die '''ethischen Grundsätze''' betonen die primäre Rolle der Gemeinschaften sowie freie, vorherige und informierte Zustimmung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;unesco_participation&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;unesco_ethics&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Das '''Referenzmodell OAIS (Open Archival Information System'''; deutsch: Referenzmodell für ein offenes Archiv-Informationssystem) beschreibt Rollen und Kernfunktionen eines digitalen Langzeitarchivs. „Offen“ bezeichnet dabei ein offen entwickeltes Referenzmodell, nicht einen zwingend offenen Zugang zu allen Inhalten.&amp;lt;ref name=&amp;quot;oais&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Die '''NDSA Levels of Digital Preservation''' (Reifegradstufen der National Digital Stewardship Alliance) bieten eine stufenweise, für kleinere Einrichtungen praktikable Orientierung zu Speicherorten, Integrität, Informationssicherheit, Metadaten und Dateiformaten. Die aktuelle Fassung 2.1 von März 2026 stellt ausdrücklich klar, dass nicht jede Sammlung überall die höchste Stufe erreichen muss.&amp;lt;ref name=&amp;quot;ndsa&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Die '''CARE Principles for Indigenous Data Governance''' – Collective Benefit, Authority to Control, Responsibility und Ethics, auf Deutsch etwa gemeinschaftlicher Nutzen, Kontrollbefugnis, Verantwortung und Ethik – ergänzen technische Offenheits- und Nachnutzungsprinzipien um kollektive Rechte und Verantwortlichkeiten.&amp;lt;ref name=&amp;quot;care&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* '''Local Contexts''' stellt Traditional Knowledge Labels und Biocultural Labels bereit, mit denen Gemeinschaften Hinweise zu Herkunft, kultureller Autorität, erlaubter Nutzung und besonderen Protokollen ergänzen können. Diese Instrumente ersetzen das staatliche Urheberrecht nicht, machen aber gemeinschaftsbezogene Erwartungen maschinen- und menschenlesbar.&amp;lt;ref name=&amp;quot;localcontexts&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Für '''Metadaten''' und Austausch stehen etablierte Bausteine zur Verfügung: '''Dublin Core''' für einfache Kernmetadaten, '''Europeana Data Model (EDM'''; Datenmodell der Europeana) für heterogene Kulturdatensätze, '''OAI-PMH (Open Archives Initiative Protocol for Metadata Harvesting'''; Protokoll zum Einsammeln von Metadaten), Programmierschnittstellen sowie '''IIIF (International Image Interoperability Framework'''; Standardfamilie zur interoperablen Präsentation von Bildern und zunehmend Audio/Video).&amp;lt;ref name=&amp;quot;edm&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;oaipmh&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;iiif&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Für audiovisuelle Bestände sind die '''IASA-TC-04'''-Richtlinien der '''International Association of Sound and Audiovisual Archives''' besonders relevant. Sie behandeln unter anderem Signalerfassung, Metadaten, Identifikatoren, Speicherung, kleine Einrichtungen und die Vergabe an Dienstleister.&amp;lt;ref name=&amp;quot;iasa&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== B.2 Vergleichende Forschung und Evaluation ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die belastbarsten Erkenntnisse entstehen aus einer Kombination aus technischen Dokumentationen, Projektberichten, wissenschaftlichen Fallstudien und unabhängigen Evaluationen. Besonders wertvoll ist die Evaluation von People’s Collection Wales, weil sie nicht nur Erfolge, sondern auch geringe Rücklaufzahlen, begrenzte Wirkungsnachweise, Finanzierungsrisiken, Rollenunklarheiten und den hohen Aufwand vermittelter Community-Arbeit offenlegt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_eval&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wissenschaftlich gut dokumentiert sind außerdem das gemeinschaftsbasierte Metadaten- und Zugangsmodell von Mukurtu und dem Plateau Peoples’ Web Portal sowie die kooperative Entwicklung des Reciprocal Research Network. Beide zeigen, dass Vertrauen, Vereinbarungen, parallel mögliche institutionelle und gemeinschaftliche Beschreibungen sowie fein abgestufte Zugänge organisatorisch ebenso wichtig sind wie die Software.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_dlib&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_rowley&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das EU-geförderte Forschungsprojekt DIGICHer untersucht seit 2024, wie Minderheitengemeinschaften – unter anderem Sámi, jüdische und ladinische Gemeinschaften – gerechter an der Digitalisierung und Repräsentation ihres Kulturerbes beteiligt werden können. Da das Projekt bis 2027 läuft, sind im Juli 2026 noch keine abschließenden, allgemein belastbaren Ergebnisse verfügbar. Es ist aber ein relevantes Anschlussvorhaben für die weitere Beobachtung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;digicher&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== B.3 Forschungslücken ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der Auswertung ergeben sich vier wiederkehrende Lücken:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Aktuelle, unabhängige Nutzungs- und Wirkungsevaluationen fehlen bei vielen Projekten.&lt;br /&gt;
# Die technische Präsentationsarchitektur ist häufig besser dokumentiert als die Verantwortung für Masterdateien, Migration und dauerhafte Finanzierung.&lt;br /&gt;
# Community-Beteiligung wird oft beschrieben, aber Entscheidungsrechte, Konfliktlösungen und Repräsentativität bleiben teilweise unklar.&lt;br /&gt;
# Es gibt zahlreiche Standards für Einzelaufgaben, aber wenig empirisch evaluierte Gesamtmodelle für kleine, institutionell verteilte Minderheiten mit ehrenamtlich betreuten Sammlungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Bewertung:''' Der Ansatz bei der Digitalisierung von Kulturerbe sollte deshalb nicht nach einer fertigen „Best-Practice-Software“ suchen. Zielführender ist eine belastbare Gesamtarchitektur aus &lt;br /&gt;
* ''Governance'', &lt;br /&gt;
* ''Diensten'', &lt;br /&gt;
* ''Mindeststandards'' und &lt;br /&gt;
* ''dauerhaftem Betrieb'', &lt;br /&gt;
in die geeignete vorhandene Softwareprodukte eingebunden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== C. Begründete Auswahl der Fallbeispiele ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Auswahl umfasst zwölf Fälle. Sie deckt europäische Minderheiten, indigene und gemeinschaftlich gesteuerte Modelle, regionale Verbünde, Sprach- und Audioarchive sowie problembehaftete Übergänge ab. Nicht jedes Projekt bildet die gesamte Prozesskette ab; gerade die Unterschiede machen sichtbar, welche Funktion jeweils gelöst wird und wo Lücken bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable sortable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Fall&lt;br /&gt;
! Gemeinschaft / Raum&lt;br /&gt;
! Modelltyp&lt;br /&gt;
! Besondere Relevanz für die Sorben&lt;br /&gt;
! Evidenzlage&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| RomArchive&lt;br /&gt;
| Roma und Sinti; transnational, Schwerpunkt Europa; Betrieb in Deutschland&lt;br /&gt;
| Kuratiertes, gemeinschaftsgeprägtes digitales Archiv&lt;br /&gt;
| Deutungshoheit, Übergabe vom Förderprojekt an einen dauerhaften Betreiber, Mehrsprachigkeit&lt;br /&gt;
| Mittel bis hoch: aktuelle Primärquellen; keine aktuelle unabhängige Wirkungsanalyse&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Nuohtti&lt;br /&gt;
| Sámi in Sápmi; Norwegen, Schweden, Finnland, historisch auch Russland&lt;br /&gt;
| Föderierter Suchdienst über Bestände vieler Institutionen&lt;br /&gt;
| Verteilte Bestände, mehrere Staaten und Sprachen, ethische Hinweise, Open-Source-Bausteine&lt;br /&gt;
| Mittel bis hoch: Projekt- und Betreiberquellen; belastbare Umfangsangaben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| People’s Collection Wales&lt;br /&gt;
| Walisische Bevölkerung und walisischsprachige Gemeinschaft; Wales, Vereinigtes Königreich&lt;br /&gt;
| Nationaler Verbund mit Community-Beiträgen und Schulung&lt;br /&gt;
| Zweisprachigkeit, kleine Träger, zentrale Unterstützung, unabhängige Evaluation&lt;br /&gt;
| Hoch für die untersuchte Förderphase; aktuelle Nutzungsdaten begrenzt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Tobar an Dualchais / Kist o Riches&lt;br /&gt;
| Gälisch- und Scots-sprachige Gemeinschaften; Schottland, Vereinigtes Königreich&lt;br /&gt;
| Digitales Oral-History- und Tonarchiv&lt;br /&gt;
| Gefährdete audiovisuelle Bestände, Sprache, Transkription, Bildung&lt;br /&gt;
| Mittel: aktuelle Bestands- und Förderangaben; keine umfassende unabhängige Evaluation&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Euskariana&lt;br /&gt;
| Baskische Kultur- und Sprachgemeinschaft; Projekt der Autonomen Gemeinschaft Baskenland, Spanien&lt;br /&gt;
| Staatlich getragenes Aggregations- und Zugangsportal&lt;br /&gt;
| Gemeinsamer Katalog, eigenes Repositorium plus Verlinkung, Standards und Europeana-Anbindung&lt;br /&gt;
| Mittel: gute offizielle Dokumentation; wenig unabhängige Wirkungsmessung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| bavarikon&lt;br /&gt;
| Regionales Kulturerbe Bayerns; keine Minderheitenplattform&lt;br /&gt;
| Staatlicher institutionsübergreifender Digitalisierungs- und Präsentationsverbund&lt;br /&gt;
| Betreiberverantwortung, Förderverfahren, Qualitätsanforderungen, Beteiligung vieler Einrichtungen&lt;br /&gt;
| Hoch für Organisation und Umfang; wegen Größenordnung nur teilweise übertragbar&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mukurtu und Plateau Peoples’ Web Portal&lt;br /&gt;
| Indigene Nationen des nordwestlichen Plateaus; USA&lt;br /&gt;
| Open-Source-Zugangsplattform und gemeinschaftlich kuratierter Verbund&lt;br /&gt;
| Kulturelle Protokolle, Traditional Knowledge Labels, mehrere Beschreibungen pro Objekt&lt;br /&gt;
| Hoch für Funktionsmodell und Governance; Betriebskapazität bleibt Voraussetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Aṟa Irititja&lt;br /&gt;
| Aṉangu der APY Lands; South Australia, Australien&lt;br /&gt;
| Gemeinschaftsbasiertes Multimediaarchiv und digitale Rückgabe&lt;br /&gt;
| Lokale Kontrolle, sensibler Zugang, mehrsprachige und niedrigschwellige Nutzung&lt;br /&gt;
| Mittel: detaillierte Eigendokumentation; Wirkungsnachweise überwiegend Selbstauskunft&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Living Archive of Aboriginal Languages&lt;br /&gt;
| Zahlreiche Aboriginal-Sprachgemeinschaften im Northern Territory, Australien&lt;br /&gt;
| Digitales Sprach- und Bildungsarchiv&lt;br /&gt;
| Rechteklärung, offene Lehrmaterialien, Master-/Nutzungsdateien, Migrationsrisiko&lt;br /&gt;
| Hoch für Prozess und Bestandsumfang; dokumentierte Einschränkung nach Systemwechsel&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| PARADISEC&lt;br /&gt;
| Viele kleine und gefährdete Sprachgemeinschaften, vor allem im Pazifikraum&lt;br /&gt;
| Universitärer Fachverbund für audiovisuelle Langzeiterhaltung&lt;br /&gt;
| Gefährdete Tonträger, professionelles Repositorium, verteilte Trägerschaft und Rückgabe von Kopien&lt;br /&gt;
| Hoch: große Bestände, aktuelle Berichte, Zertifizierung und Auszeichnungen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reciprocal Research Network&lt;br /&gt;
| First Nations der Nordwestküste von British Columbia; Kanada&lt;br /&gt;
| Föderierte Recherche- und Kooperationsplattform&lt;br /&gt;
| Institutionenübergreifende Suche, Vereinbarungen, Community-Wissen, technische Alterung&lt;br /&gt;
| Mittel bis hoch: aktuelle Bestandszahlen und Forschung; sichtbare Softwareversion von 2014&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Indigitization&lt;br /&gt;
| First Nations und weitere indigene Gemeinschaften in British Columbia; Kanada&lt;br /&gt;
| Kompetenz-, Schulungs- und Förderprogramm für dezentrale Digitalisierung&lt;br /&gt;
| Besonders nah am möglichen Dienstleistungsmodell eines sorbischen Digitalisierungszentrums&lt;br /&gt;
| Hoch für Förderphase 2013–2019; aktuelles Kassettenförderprogramm pausiert&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== D. Fallprofile ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.1 RomArchive – Digitales Archiv der Roma ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Roma sind eine transnationale, historisch in vielen europäischen und außereuropäischen Staaten lebende Minderheit mit vielfältigen Gruppen, Sprachen und Selbstbezeichnungen. Sinti sind eine unter anderem in Deutschland und Mitteleuropa beheimatete Gruppe. RomArchive ist deshalb keinem einzelnen Minderheitengebiet zugeordnet. Das Projekt wurde in Deutschland öffentlich gefördert und international mit überwiegend aus Roma bestehenden kuratorischen und beratenden Teams entwickelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RomArchive versteht sich als digitales Archiv für Kunst und Kulturen der Roma. Es erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern präsentiert kuratierte, repräsentative Bestände und wissenschaftliche Kontextualisierungen. Inhalte wurden von jeweils zuständigen kuratorischen Teams ausgewählt; kuratorische Teams und Beirat waren überwiegend mit Roma besetzt. Nach Angaben des Projekts wirkten rund 150 Personen aus 15 Staaten mit. Die Übergabe an eine Roma-Organisation war von Beginn der fünfjährigen Entwicklungsphase 2015–2019 an vorgesehen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_faq&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entwicklung wurde durch die Kulturstiftung des Bundes mit 3,75 Millionen Euro gefördert; weitere Unterstützer waren unter anderem die Bundeszentrale für politische Bildung, das Auswärtige Amt und das Goethe-Institut. Seit 2019 liegt der Betrieb beim Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg; die laufende Website nennt die Bundeszentrale für politische Bildung als Förderer.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_kulturstiftung&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_imprint&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Fachliche und technische Lösung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RomArchive verbindet kuratierte Themenbereiche, einen durchsuchbaren Archivbestand, biografische Akteursdaten und digitale Vermittlungsformate. Die Deutsche Kinemathek war für Konzeption und Vermittlung von digitaler Archivierung, Digitalisierung und Katalogisierung beteiligt. Die Website nutzt ein auf Django basierendes Content-Management-System; eine Verbindung zu Axiell Collections bindet das Sammlungsmanagement an die Präsentation an.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_imprint&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben veröffentlichten Materialien existiert ein internes Archiv, das auf begründete Anfrage für Forschung zugänglich ist. Dies ist ein einfaches, aber wichtiges Beispiel für abgestufte Zugänge. Das Angebot ist auf Deutsch, Englisch und Romanes verfügbar; die sprachliche Vielfalt des Romanes wird sichtbar gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Rechte, Beteiligung und nachweisbarer Erfolg ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die stärkste Leistung liegt in der kuratorischen und strategischen Beteiligung der Minderheit sowie in dem Anspruch, Fremdzuschreibungen durch selbst erzählte Gegennarrative zu korrigieren. Ethische Richtlinien und eine Sammlungspolitik wurden durch den internationalen Beirat mitentwickelt. Der Übergang vom zeitlich befristeten Entwicklungsprojekt an einen institutionellen Betreiber wurde tatsächlich vollzogen. Dass das Angebot im Juli 2026 weiterhin betrieben wird, ist ein belastbarer Nachhaltigkeitsindikator.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Aktuelle unabhängige Daten zu Nutzung, Reichweite, Aktualisierungsfrequenz und langfristiger digitaler Erhaltung der Masterdateien sind öffentlich nicht in ausreichender Tiefe dokumentiert. Die öffentliche Oberfläche ist stärker ein kuratiertes Archiv und Wissensportal als ein vollständiges Bestandsregister aller Roma-Kulturgüter. Die überwiegend restriktive Rechtekennzeichnung vieler Inhalte begrenzt kreative Nachnutzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* Minderheitenangehörige mit echten kuratorischen und strategischen Entscheidungsrechten;&lt;br /&gt;
* von Beginn an geplanter Betreiberübergang;&lt;br /&gt;
* Verbindung von Sammlungsdatenbank, kuratiertem Kontext und öffentlicher Präsentation;&lt;br /&gt;
* abgestufter Zugang zwischen öffentlicher Website und internem Forschungsarchiv;&lt;br /&gt;
* öffentliche Anschubförderung plus institutionelle Verankerung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwerte:''' &lt;br /&gt;
* Ein sorbisches Portal sollte nicht nur Objekte zeigen, sondern sorbische Perspektiven, Begriffe und Kontexte strukturell verankern. &lt;br /&gt;
* Für Kulturregister, Digitalisierungszentrum und Präsentation braucht es bereits in der Projektphase einen festgelegten dauerhaften Träger. &lt;br /&gt;
* Ein kuratorischer oder gemeinschaftlicher Beirat sollte nicht nur beraten, sondern definierte Entscheidungsrechte bei Auswahl, Beschreibung und sensiblen Inhalten erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.2 Nuohtti – Föderierter Zugang zum Sámi-Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Sámi sind ein indigenes Volk im nordeuropäischen Sápmi, das sich über Gebiete des heutigen Norwegens, Schwedens, Finnlands und Russlands erstreckt. Es gibt mehrere Sámi-Sprachen und unterschiedliche nationale Rechts- und Institutionsrahmen. Viele historische Quellen und Sammlungsobjekte befinden sich außerhalb von Sámi-Institutionen in europäischen Archiven, Bibliotheken und Museen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nuohtti ist ein Suchdienst, der digitalisierte Sámi-Materialien aus verschiedenen europäischen Gedächtnisinstitutionen zusammenführt. Er wurde im Projekt „Digital Access to the Sámi Heritage Archives“ von 2018 bis 2021 mit EU-Mitteln aus Interreg Nord entwickelt. Beteiligt waren die Sámi-Archive der norwegischen und finnischen Nationalarchive, das schwedische Reichsarchiv sowie Universitäten in Lappland, Oulu und Umeå; die Universität Lappland leitete das Projekt. Die Sámi-Parlamente Finnlands, Norwegens und Schwedens entsandten Mitglieder in die Steuerungsgruppe.&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_about&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_uarctic&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Vorgehen und Architektur ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor der technischen Umsetzung wurden einschlägige Bestände und Datenlieferanten kartiert. Nuohtti bündelt keine Originale und ersetzt die Quellsysteme nicht. Es normalisiert und indexiert Metadaten aus Archiven und Aggregatoren und führt Nutzerinnen und Nutzer zu den jeweiligen Digitalisaten. Eine Karte, eine Zeitleiste und mehrsprachige Suchoberflächen unterstützen den Zugang. Nach Projektangaben waren rund 30.000 Datensätze aus 32 Institutionen in fünf Sprachen zugänglich.&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_uarctic&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Technisch baut Nuohtti auf vorhandenen Open-Source- und öffentlichen Komponenten auf, darunter VuFind, Finna, RecordManager, Finto, Giellatekno, Apache Solr, Leaflet, OpenStreetMap und Nominatim. Daten werden unter anderem über nationale und europäische Aggregationswege eingebunden.&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Rechte, Ethik und Nachhaltigkeit ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nuohtti integriert ethische Hinweise in die Nutzung. Das ist besonders relevant, weil viele historische Beschreibungen und Sammlungen außerhalb der Sámi-Gemeinschaft und unter kolonialen Bedingungen entstanden. Nutzertests fanden unter anderem in Schulen und Bibliotheken statt. Nach dem Projekt wird der Dienst von den beteiligten Nationalarchiven weitergeführt; zugleich wird er im laufenden Projekt DIGICHer als Praxisbeispiel weiterentwickelt und untersucht.&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_dataspace&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Nuohtti löst vor allem den gemeinsamen Nachweis und Zugang. Die Digitalisierung, Rechteklärung und Langzeiterhaltung verbleiben überwiegend bei den Datenlieferanten. Unterschiedliche Datenqualität und historisch problematische Beschreibungen werden durch Aggregation nicht automatisch behoben. Aktuelle, öffentlich nachvollziehbare Nutzungszahlen sind begrenzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* föderierte Architektur statt erzwungener Zentralisierung aller Bestände;&lt;br /&gt;
* Bestands- und Datenquellenkartierung vor dem Portalbau;&lt;br /&gt;
* Beteiligung von Sámi-Parlamenten an der Steuerung;&lt;br /&gt;
* Wiederverwendung vorhandener Open-Source-Komponenten und nationaler Infrastrukturen;&lt;br /&gt;
* mehrsprachige, räumliche und zeitliche Suche;&lt;br /&gt;
* sichtbare ethische Kontextualisierung problematischer Bestände.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwerte:''' &lt;br /&gt;
* Das Register kann als föderierender Nachweis funktionieren: große Institutionen liefern Metadaten über Schnittstellen, kleine Träger können Daten direkt in einem zentral angebotenen System erfassen. &lt;br /&gt;
* Eine zentrale Suche muss nicht bedeuten, dass alle Originale oder alle Digitalisate zentral verwaltet werden. &lt;br /&gt;
* Historische Fremdbeschreibungen sollten als solche kenntlich gemacht und um sorbische Bezeichnungen sowie Community-Kontexte ergänzt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.3 People’s Collection Wales / Casgliad y Werin Cymru ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wales ist ein Landesteil des Vereinigten Königreichs mit eigener Regierung und einer starken nationalen sowie walisischsprachigen Identität. Walisisch und Englisch sind für das Angebot gleichberechtigte Arbeitssprachen. Das Projekt richtet sich nicht nur an professionelle Kulturinstitutionen, sondern auch an lokale Geschichtsgruppen, Vereine, Schulen und Einzelpersonen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
People’s Collection Wales ist eine zweisprachige digitale Plattform und ein begleitendes Unterstützungsprogramm, über das Nutzerinnen und Nutzer walisisches Kulturerbe entdecken, beitragen und vermitteln können. Getragen wird es als föderierte Partnerschaft von Amgueddfa Cymru – National Museum Wales, der National Library of Wales und der Royal Commission on the Ancient and Historical Monuments of Wales; finanziert wird das Programm durch die walisische Regierung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_eval&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Plattform wird durch kostenlose Beratung und Schulung ergänzt. Das aktuelle Unterstützungsangebot umfasst Projektplanung, Digitalisierung, Urheberrecht, Datenschutz, Metadaten und Oral History. Diese Kombination aus Technik und persönlicher Begleitung ist für kleine und ehrenamtliche Träger besonders relevant.&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_support&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Nachweisbarer Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die unabhängige Evaluation von 2016 stellte für die Förderphase 2014–2016 eine gestärkte föderierte Partnerschaft, eine kritische Masse an Inhalten, Fortschritte bei Community-Kompetenzen und eine hohe Vertrauenswürdigkeit des nichtkommerziellen Angebots fest. Externe Projekte sparten Ressourcen, weil sie eine vorhandene Plattform nutzen konnten. Zugleich wurden die gemessenen Wirkungen insgesamt als eher moderat beschrieben. Die Nutzerbefragung hatte nur 38 vollständige Antworten; wirtschaftliche und touristische Wirkungen waren damals nicht nachweisbar. Die Evaluation benannte Finanzierungssicherheit, klare Rollen, technische Stabilität, Marketing und dauerhaft finanzierbare Vor-Ort-Unterstützung als zentrale Herausforderungen. Vermittelte Sitzungen seien für bestimmte Zielgruppen unverzichtbar.&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_eval&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Programm existiert weiterhin und bietet aktuell Unterstützung an. Die verfügbaren Quellen belegen damit institutionelle Kontinuität, ersetzen aber keine neue unabhängige Wirkungsevaluation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* föderierte Trägerschaft mehrerer starker Institutionen;&lt;br /&gt;
* zweisprachige Plattform und Materialien;&lt;br /&gt;
* kostenlose Beratung, Metadaten- und Digitalisierungsschulungen;&lt;br /&gt;
* gemeinsamer technischer Dienst, den lokale Projekte nicht selbst entwickeln müssen;&lt;br /&gt;
* expliziter Pilot- und Lernansatz;&lt;br /&gt;
* unabhängige Evaluation mit offen benannten Grenzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Ein Digitalisierungszentrum sollte nicht nur Geräte betreiben, sondern ein sichtbares Serviceangebot für Heimatstuben, Vereine, Kirchengemeinden, Kommunen und Privatpersonen aufbauen: Erstberatung, Vorlagen, Rechtehilfe, Metadatenhilfe, mobile Einsätze, Schulungen und telefonische beziehungsweise digitale Sprechstunden. Für Obersorbisch und Niedersorbisch sollte Mehrsprachigkeit verbindlich geplant und finanziert werden. Erfolgsmessung darf sich nicht auf Objektzahlen beschränken, sondern sollte Kompetenzen, beteiligte Träger, Nachnutzung und Zufriedenheit erfassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.4 Tobar an Dualchais / Kist o Riches ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schottisch-Gälisch ist eine keltische Minderheitensprache, die vor allem in Schottland, besonders in den Highlands und auf den Inseln, gesprochen wird. Scots ist eine weitere historisch gewachsene Sprache beziehungsweise Sprachgruppe Schottlands. Das Projekt umfasst Aufnahmen auf Gälisch, Scots und Englisch und ist in den öffentlichen und kulturellen Institutionen Schottlands verankert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tobar an Dualchais / Kist o Riches macht mehr als 40.000 mündliche Aufnahmen zugänglich, die seit den 1930er Jahren in Schottland und darüber hinaus entstanden. Enthalten sind Erzählungen, Lieder, Musik, Gedichte und Sachinformationen. Ein bedeutender Teil stammt aus den School of Scottish Studies Archives der Universität Edinburgh; die physischen Originalbestände verbleiben in den Archiven.&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_edinburgh&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Vorhaben wird durch eine Partnerschaft kultureller und wissenschaftlicher Einrichtungen getragen und erhält wiederkehrend öffentliche Förderung. Die schottische Regierung bewilligte 2025 beispielsweise 35.000 Pfund für die fortlaufende Online-Sammlung gälischer und Scots-Materialien und 2026 weitere 14.127 Pfund für die Entwicklung des digitalen Archivs.&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_funding2025&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_funding2026&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Technische und fachliche Schwerpunkte ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Projekt konzentriert sich auf bedrohte zeitbasierte Medien und deren sprachliche Erschließung. Suchfelder nach Thema, Titel und beitragender Person erleichtern die Nutzung. Das ergänzende Vorhaben „Opening the Well“ transkribiert einen großen Bestand gälischer Erzählungen und verbindet Freiwilligenarbeit mit automatischer Spracherkennung. Dadurch werden Tonaufnahmen nicht nur erhalten, sondern durchsuchbar und für Sprachforschung sowie Bildung nachnutzbar.&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_opening&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Die öffentlich sichtbaren Förderungen sind überwiegend programm- oder projektbezogen. Sie belegen fortlaufende Unterstützung, aber keine vollständig transparente dauerhafte Grundfinanzierung des gesamten Betriebs. Rechteklärung, Transkription und Qualitätskontrolle bleiben bei umfangreichen historischen Tonbeständen dauerhafte Aufgaben. Eine umfassende unabhängige Evaluation mit aktuellen Nutzungsdaten wurde in dieser Recherche nicht gefunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* klare Priorität für gefährdete audiovisuelle Bestände;&lt;br /&gt;
* institutionelle Aufbewahrung der Originale und digitale öffentliche Vermittlung;&lt;br /&gt;
* Verbindung von Digitalisierung, sprachlicher Erschließung und Bildung;&lt;br /&gt;
* Kombination aus Fachinstitutionen, öffentlicher Förderung und freiwilliger Mitarbeit;&lt;br /&gt;
* sichtbare Mehrsprachigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Sorbische Tonbänder, Kassetten, Filme und Videoformate sollten wegen Materialalterung und technischer Obsoleszenz gesondert priorisiert werden. Ein Pilot „Sorbische Stimmen und Lieder“ könnte Digitalisierung, Rechteklärung, obersorbische und niedersorbische Transkription, Übersetzung, Normdaten und Bildungsnutzung exemplarisch durchspielen. Automatische Spracherkennung kann unterstützen, ersetzt aber bei kleinen Sprachen keine fachliche und gemeinschaftliche Korrektur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.5 Euskariana – Digitales Portal zum baskischen Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Baskinnen und Basken leben beiderseits der spanisch-französischen Grenze. Baskisch (Euskara) ist eine eigenständige europäische Sprache mit mehreren Varietäten. Euskariana ist kein gesamtbaskisches staatenübergreifendes Projekt, sondern ein Angebot der Autonomen Gemeinschaft Baskenland in Spanien; es bezieht jedoch auch einschlägige Bestände aus Institutionen außerhalb dieser Region ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Euskariana wird von der Digitalen Bibliothek Euskadi innerhalb der baskischen Kulturverwaltung betrieben. Das Portal entsteht in Zusammenarbeit des baskischen Regierungsapparats mit den Provinzverwaltungen von Álava/Araba, Bizkaia und Gipuzkoa, Kommunen, Universitäten, kirchlichen und privaten Einrichtungen. Der Sammlungsschwerpunkt umfasst Werke baskischer Urheberinnen und Urheber, Veröffentlichungen aus Euskadi, weltweit entstandene Inhalte zu baskischen Themen sowie besonders Inhalte auf Baskisch oder in baskischer Übersetzung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;euskariana_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als staatlich getragenes Dauerangebot ist Euskariana stärker institutionell abgesichert als ein zeitlich begrenztes Förderprojekt. Öffentlich zugängliche Quellen benennen jedoch keine vollständigen jährlichen Betriebs- und Personalkosten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Architektur, Standards und Nachnutzung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Euskariana ist gleichzeitig gemeinsamer Katalog und Zugangsportal. Es integriert Datensätze aus Bibliotheksnetzen, Verbundkatalogen, Museen, Archiven, Hochschulrepositorien und internationalen Nationalbibliotheken. Digitale Objekte werden entweder im eigenen Repositorium bereitgestellt oder über Links in den Quellsystemen aufgerufen. Damit unterstützt das Projekt zwei Anbindungswege: zentrale Aufnahme und föderierte Verlinkung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;euskariana_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach offizieller Dokumentation nutzt Euskariana unter anderem MARC, Dublin Core (DC), METS, PREMIS und ALTO. Kurz erläutert: MARC dient vor allem bibliografischen Daten; Dublin Core beschreibt einen einfachen Metadatenkern; METS strukturiert digitale Objekte und Dateigruppen; PREMIS dokumentiert Erhaltungsinformationen; ALTO bildet Layout und erkannten Text digitalisierter Seiten ab. Die Standardisierung ermöglicht die Beteiligung an Europeana und die Verbindung zu weiteren spanischen und französischen Portalen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;euskariana_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Die offizielle Dokumentation ist technisch aussagekräftig, liefert aber wenig Informationen über Community-Entscheidungsrechte, abgestufte kulturelle Zugänge, aktuelle Nutzungszahlen oder eine unabhängige Wirkungsevaluation. Das Modell ist stärker verwaltungs- und institutionsgetrieben als gemeinschaftsgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* klar benannter öffentlicher Betreiber;&lt;br /&gt;
* Kooperation über Verwaltungs-, Institutions- und Sektorgrenzen hinweg;&lt;br /&gt;
* sowohl eigenes Repositorium als auch Einbindung externer Digitalisate;&lt;br /&gt;
* verbindliche internationale Metadaten- und Erhaltungsstandards;&lt;br /&gt;
* besondere Sichtbarkeit der Minderheitensprache;&lt;br /&gt;
* Anschluss an größere Aggregatoren wie Europeana.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Für das Sorbische Kulturregister sollte es mindestens zwei Onboarding-Wege geben: Kleine Träger erfassen beziehungsweise hinterlegen Daten und Dateien in zentral bereitgestellten Diensten; größere Einrichtungen liefern Daten aus eigenen Fachsystemen über Export oder Schnittstelle. Ein gemeinsames Kernprofil muss lokale Fachstandards nicht ersetzen, sondern deren wichtigste Angaben abbilden. Obersorbisch und Niedersorbisch sollten als eigenständige Sprachwerte, nicht nur als Übersetzungsvarianten von Deutsch, gespeichert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.6 bavarikon – Regionaler Digitalisierungs- und Präsentationsverbund ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Region und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bavarikon ist keine Minderheitenplattform, sondern das Kulturportal des Freistaats Bayern. Es ist dennoch relevant, weil es zeigt, wie ein Flächenland zahlreiche Museen, Archive, Bibliotheken, wissenschaftliche Einrichtungen und nichtstaatliche Träger in ein geregeltes Förder-, Qualitäts- und Präsentationsmodell einbindet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die grundsätzliche Ausrichtung und der Mitteleinsatz werden durch das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst sowie das Staatsministerium für Digitales bestimmt. Ein Rat mit 14 stimmberechtigten Mitgliedern aus unterschiedlichen Kultursparten entscheidet über neue Inhalte und berät zu Betrieb und Digitalisierungsstrategie. Die Bayerische Staatsbibliothek trägt den laufenden technischen, redaktionellen und organisatorischen Betrieb; das Leibniz-Rechenzentrum übernimmt das Hosting.&amp;lt;ref name=&amp;quot;bavarikon_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Partner können Digitalisierungsvorhaben beantragen. Die Bayerische Staatsbibliothek begleitet die Digitalisierung, wenn die Ergebnisse in hoher Qualität über bavarikon präsentiert werden. Für die Aufnahme existieren Kriterien, Metadatenhandreichungen, Qualitätsanforderungen für Digitalisate, Musterlisten und ein Vorantragsverfahren.&amp;lt;ref name=&amp;quot;bavarikon_partner&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Nachweisbarer Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Portal ging 2013 online und wird monatlich ergänzt. Im November 2024 meldete die Bayerische Staatsbibliothek mehr als 500.000 digitale Objekte aus rund 170 Einrichtungen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;bavarikon_500k&amp;quot;/&amp;gt; Die institutionelle Betreiberverantwortung, der geregelte Zugang zu Fördermitteln und die veröffentlichten Mindestanforderungen sind belastbare Erfolgsindikatoren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' bavarikon verfügt über die Ressourcen eines deutschen Flächenlandes und einer großen Staatsbibliothek. Diese Größenordnung ist für die Sorben nicht direkt übertragbar. Das Portal ist primär Präsentations- und Förderinfrastruktur; aus den öffentlichen Unterlagen lässt sich nicht ableiten, dass bavarikon für sämtliche Masterdateien aller Partner allein die vollständige Langzeiterhaltung übernimmt. Community-Governance und kulturell abgestufte Zugänge stehen nicht im Mittelpunkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* dauerhaft benannter zentraler Betreiber und leistungsfähiges Rechenzentrum;&lt;br /&gt;
* spartenübergreifendes Entscheidungsgremium;&lt;br /&gt;
* geregeltes Förder- und Auswahlverfahren;&lt;br /&gt;
* publizierte Mindeststandards und Vorlagen;&lt;br /&gt;
* zentrale fachliche Begleitung bei dezentralen Beständen;&lt;br /&gt;
* kontinuierlicher Ausbau statt einmaliger Portalveröffentlichung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Übertragbar ist nicht die Größenordnung, sondern die Verfahrenslogik: ein transparentes Antrags- und Priorisierungsverfahren, verbindliche Lieferpakete, klare Qualitätskontrollen und ein zentraler Ansprechpartner. Ein sorbischer Digitalisierungsfonds könnte kleinere, klar abgegrenzte Vorhaben fördern, sofern Rechte, Metadaten, Zielrepositorium und spätere Nutzung vorab geklärt sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.7 Mukurtu und Plateau Peoples’ Web Portal ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mukurtu entstand aus einer Zusammenarbeit mit der Warumungu-Gemeinschaft in Australien und wurde zu einer frei verfügbaren Plattform für indigene Gemeinschaften weiterentwickelt. Das hier besonders betrachtete Plateau Peoples’ Web Portal betrifft acht indigene Nationen des nordwestlichen Plateaus in den USA, darunter Spokane, Colville, Umatilla, Coeur d’Alene, Warm Springs, Yakama, Confederated Salish and Kootenai Tribes und Nez Perce. Diese Nationen besitzen jeweils eigene politische und kulturelle Strukturen innerhalb der Vereinigten Staaten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mukurtu CMS (Content-Management-System; deutsch: System zur Verwaltung und Veröffentlichung von Inhalten) wird am Center for Digital Scholarship and Curation der Washington State University als Open-Source-Software entwickelt und gepflegt. Die Entwicklung wurde unter anderem durch die National Endowment for the Humanities, das Institute of Museum and Library Services, die Mellon Foundation und die National Science Foundation gefördert.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_about&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_plateau&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Plateau Peoples’ Web Portal ist ein konkreter Verbund zwischen den beteiligten Stämmen, der Washington State University und externen Gedächtnisinstitutionen. Stammesvertreterinnen und -vertreter wählen und kuratieren Materialien; die technische Pflege liegt bei der Universität in Partnerschaft mit indigenen Programmen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_plateau&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Rechte- und Metadatenmodell ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mukurtu unterstützt Traditional Knowledge Labels, fein abgestufte kulturelle Protokolle und mehrere parallele Beschreibungen zu einem Objekt. Eine Institution kann beispielsweise eine archivische Beschreibung liefern, während eine Gemeinschaft eigene Namen, Erzählungen, Herkunftsangaben und Zugangsregeln ergänzt. Der „Roundtrip“-Mechanismus ermöglicht den Export angereicherter Daten, ohne ursprüngliche Metadaten zu verlieren.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wissenschaftliche Dokumentationen des Plateau-Portals beschreiben ein Hub-and-Spoke-Modell – also einen zentralen technischen Knoten mit mehreren institutionellen und gemeinschaftlichen Zulieferern – sowie Vereinbarungen zwischen Partnern, Dublin-Core-Metadaten und granulare Zugangsregeln.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_dlib&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Portal demonstriert dauerhaft, dass kulturelle Selbstbestimmung technisch nicht nur durch „öffentlich“ oder „geschlossen“ abgebildet werden muss. Es ermöglicht mehrere Wissensordnungen neben- statt untereinander. Die Plattform ist Open Source und exportfähig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Open Source bedeutet nicht kostenlosen Betrieb. Installation, Aktualisierung, Hosting, Rechtekonzeption, Datenmigration und Support benötigen dauerhaft qualifiziertes Personal. Mukurtu weist selbst ausdrücklich darauf hin, dass es eine Zugangsplattform und nur ein Bestandteil eines größeren Systems für Digitalisierung, Erhaltung und Nachhaltigkeit ist.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_about&amp;quot;/&amp;gt; Die Übernahme von Traditional Knowledge Labels in den sorbischen Kontext wäre nicht eins zu eins möglich, weil kulturelle und rechtliche Ausgangslagen verschieden sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* kulturelle Protokolle als Kern der Daten- und Zugangslogik;&lt;br /&gt;
* mehrere Beschreibungen und Perspektiven pro Objekt;&lt;br /&gt;
* exportfähige Daten statt Plattformbindung;&lt;br /&gt;
* Partnerschaftsvereinbarungen und konkrete Rollen;&lt;br /&gt;
* dauerhafte technische Trägerschaft durch eine Universität;&lt;br /&gt;
* Community-Kuration statt bloßer Rückmeldung nach Veröffentlichung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Im Kulturregister sollte neben institutionellen Angaben Raum für sorbische Bezeichnungen, lokale Varianten, Erinnerungen und Korrekturen bestehen. Rechte- und Sichtbarkeitsstufen müssen pro Datensatz und möglichst pro Mediendatei modelliert werden. Ein Sorbisches Kulturregister könnte zunächst ein eigenes, rechtlich passendes Set von „Kulturhinweisen“ entwickeln, etwa „nur Metadaten öffentlich“, „Nutzung nur nach Rücksprache“, „innergemeinschaftlich“, „zeitlich gesperrt“ oder „freie Nachnutzung erwünscht“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.8 Aṟa Irititja – Gemeinschaftsbasiertes Aṉangu-Archiv ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aṉangu ist eine Selbstbezeichnung von Ngaanyatjarra-, Pitjantjatjara- und Yankunytjatjara-Gemeinschaften im zentralen Australien. Aṟa Irititja arbeitet vor allem in den Aṉangu Pitjantjatjara Yankunytjatjara Lands (APY Lands) im Nordwesten des Bundesstaats South Australia. Die Gemeinschaften sind australischen staatlichen Strukturen zugehörig, verfügen aber über eigene Land- und Organisationsstrukturen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Entstehung, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Projekt entstand 1994 als sozialgeschichtliches Vorhaben der Pitjantjatjara Council Aboriginal Corporation. Es arbeitet mit Schulen, Bildungszentren, Gesundheits-, Frauen-, Medien-, Land- und Kunstorganisationen in den APY Lands zusammen. Ein zentrales Büro in Adelaide bearbeitet Datenbank, Digitalisierung, physische Lagerung und Verwaltung; ein Büro in Alice Springs hält den Kontakt zu Gemeinschaften und ergänzt Sprach-, Familien- und Kontextinformationen. Seit 2020 steht das Projekt unter dem Dach der APY-Organisation und wird durch deren Executive Board gesteuert.&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_who&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Finanzierung war über lange Zeit eine Mischung aus staatlichen Programmen, Stiftungen, Spenden sowie jährlichen Beiträgen beteiligter Schulen und Community-Organisationen. Die eigene Projektdokumentation bezeichnet die langfristige Finanzierung ausdrücklich als dauerhaftes Problem. Mit der Eingliederung in APY wurden 2020 drei permanente Teilzeitstellen geschaffen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_funding&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Fachliche Lösung, Rechte und Zugang ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aṟa Irititja wurde auf Wunsch der Gemeinschaften entwickelt, um kulturelle Geschichte zu bewahren und zurückzugeben. Das Multimediaarchiv umfasst Fotos, Dokumente, Filme, Tonaufnahmen und Objekte. Die Software sollte kulturelle Einschränkungen abbilden und zugleich für Nutzerinnen und Nutzer mit begrenzter Schriftkompetenz oder eingeschränktem Sehvermögen leicht bedienbar sein. Inhalte werden in Ngaanyatjarra, Pitjantjatjara, Yankunytjatjara und Englisch bereitgestellt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_approach&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_who&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gemeinschaftsmitglieder und kulturelle Berater beurteilen sensible Inhalte und Zugangsregeln. Der Ansatz der „digitalen Rückgabe“ bringt digitale Kopien und Nutzungsmöglichkeiten zu den Gemeinschaften zurück, auch wenn Originale in Museen oder anderen Institutionen verbleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Betrieb seit 1994, die Eingliederung in eine Aṉangu-geführte Organisation und die dauerhafte Nutzung in Schulen und Gemeinschaftseinrichtungen sind starke Nachhaltigkeitsindizien. Die Dokumentation beschreibt intergenerationelle Nutzung, Schulungen und Beschäftigung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Viele Wirkungsangaben stammen vom Projekt selbst. Unabhängige aktuelle Evaluationen und detaillierte technische Angaben zur Langzeiterhaltung sind begrenzt. Die langjährige Finanzierungssuche zeigt, dass kulturelle Bedeutung allein keinen verlässlichen Betriebsetat garantiert. Zentraler Betrieb in Adelaide schafft Fachlichkeit, kann aber Distanz zu abgelegenen Gemeinschaften erzeugen; deshalb bleibt die lokale Kontakt- und Trainingsstruktur wesentlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* Entwicklung aus einem ausdrücklichen Wunsch der Gemeinschaft;&lt;br /&gt;
* institutionelle Unterstellung unter eine gemeinschaftseigene Organisation;&lt;br /&gt;
* lokale Ansprechpartner und zentrale Facharbeit;&lt;br /&gt;
* kulturell abgestufte Zugänge;&lt;br /&gt;
* mehrsprachige, visuell einfache Oberfläche;&lt;br /&gt;
* Verbindung von digitaler Rückgabe, Bildung und Kompetenzaufbau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Auch im sorbischen Kontext sollten Nutzeroberflächen nicht nur für wissenschaftliche Fachkräfte gestaltet werden. Lokale Sammlungsbetreuerinnen und -betreuer brauchen einfache Erfassungswege, visuelle Hilfen und persönliche Unterstützung. Sensible Inhalte – etwa private Familienaufnahmen, religiöse Praktiken, personenbezogene Überlieferung oder nicht für eine allgemeine Öffentlichkeit bestimmte Aufzeichnungen – benötigen ein gemeinsam beschlossenes Zugangsmodell. Zentraler Betrieb muss durch lokale Beziehungen ergänzt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.9 Living Archive of Aboriginal Languages (LAAL) ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Living Archive of Aboriginal Languages bündelt Literatur aus zahlreichen Aboriginal-Sprachgemeinschaften des Northern Territory in Australien. Es handelt sich nicht um eine einzige Minderheit, sondern um viele eigenständige Sprach- und Kulturgemeinschaften. Ein großer Teil der Bücher entstand zwischen den 1970er Jahren und dem Ende bilingualer Bildungsprogramme in lokalen Literature Production Centres.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Projekt begann 2012 unter Leitung der Charles Darwin University mit der Australian National University und dem Bildungsressort des Northern Territory. Es wurde durch die Australian Research Council Linkage Infrastructure, Equipment and Facilities Scheme gefördert. Eine zweite Förderphase erweiterte den Bestand und die Community- sowie Bildungsarbeit; weitere Partner kamen hinzu.&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_background&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Vorgehen umfasste das Auffinden verstreuter Bücher, Auswahl und Digitalisierung, Kontakt zu Autorinnen, Autoren und Illustratoren, Rechteklärung sowie Rückspiegelung in die Herkunftsgemeinschaften. Gemeinschaftsmitglieder konnten Texte prüfen und Geschichten oder Tonaufnahmen ergänzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Dateien, Rechte und Zugang ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für jeden Titel wurden Nutzungsdateien wie PDF, Textdatei und Vorschaubild erstellt; seitenweise TIFF-Masterdateien dienten der Langzeitaufbewahrung. Eine kartenbasierte Oberfläche erleichterte auch Menschen mit geringer Schriftkompetenz die Suche.&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_background&amp;quot;/&amp;gt; Materialien wurden nur nach schriftlicher Einwilligung von Urheberinnen, Urhebern oder Nachkommen veröffentlicht. Das Projekt verwendete Creative-Commons-Lizenzen mit Einschränkungen, berücksichtigte indigene Kultur- und Informationsprotokolle und bot ein Takedown-Verfahren, also die vorläufige Entfernung bei Einwänden.&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_rights&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der aktuelle Bestand umfasst nach Projektangaben nahezu 4.000 Bücher in 50 Sprachen aus 40 Gemeinschaften. Die Materialien wurden in die Plattform Territory Stories von Library &amp;amp; Archives Northern Territory überführt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_home&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Erfolg, Problem und Lernwert ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
LAAL verbindet Sprachsicherung, Rechteklärung, offene Bildungsnutzung und echte Erhaltungsdateien. Das Projekt zeigt aber auch eine typische Migrationsgefahr: Nach der Überführung in Territory Stories funktionierte die speziell entwickelte Kartenoberfläche nicht mehr; das Projekt dokumentierte 2022, dass zunächst auf einen möglichen Ersatz gewartet werde.&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_migration&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Die sorgfältige Rechteklärung erzeugte einen beträchtlichen Rückstand nicht veröffentlichter Materialien; dies ist kein Projektversagen, sondern ein realer Zielkonflikt zwischen Geschwindigkeit und Zustimmung. Die Migration bewahrte Inhalte, verlor aber zumindest zeitweise eine für die Zielgruppen wichtige Zugangsfunktion. Die ursprüngliche Projektorganisation war stark förderabhängig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* systematische „Search-and-Rescue“-Phase für verstreute gefährdete Materialien;&lt;br /&gt;
* klare Trennung von Erhaltungs- und Nutzungsdateien;&lt;br /&gt;
* Veröffentlichung nur mit Einwilligung und Takedown-Verfahren;&lt;br /&gt;
* Beteiligung der Sprachgemeinschaften an Prüfung und Ergänzung;&lt;br /&gt;
* Bildungsnutzung und Offline-Zugriff;&lt;br /&gt;
* Übergabe an eine öffentliche Gedächtnisinstitution.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Für jede digitale Sammlung muss ein Migrations- und Exit-Plan festlegen, wie Daten, Rechteangaben, Identifikatoren und zielgruppenspezifische Funktionen beim Systemwechsel erhalten bleiben. Eine funktionierende Fachoberfläche darf nicht der einzige Ort sein, an dem Beziehungen zwischen Daten gespeichert sind. Rechteklärung sollte als eigenes Arbeitspaket mit Aufwand, Rückständen und Prioritäten geplant werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.10 PARADISEC – Facharchiv für gefährdete Sprachen und Kulturen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaften, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PARADISEC steht für Pacific And Regional Archive for Digital Sources in Endangered Cultures. Es ist kein Archiv einer einzelnen Minderheit, sondern bewahrt Forschungs- und Community-Aufnahmen vieler kleiner Sprach- und Kulturgemeinschaften, vor allem im Pazifikraum, aber auch weltweit. Der institutionelle Sitz liegt in Australien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Organisation, Finanzierung und Architektur ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PARADISEC ist ein Verbund der University of Sydney, der University of Melbourne und der Australian National University. Operative Aufgaben sind über die drei Standorte verteilt; ein externer Beirat unterstützt die Steuerung. Das Projekt wurde wesentlich durch den Australian Research Council und in jüngerer Zeit durch die Language Data Commons of Australia im Rahmen nationaler Forschungsinfrastruktur finanziert.&amp;lt;ref name=&amp;quot;paradisec_about&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;paradisec_home&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Archiv hat Verfahren für Übernahme, Katalogisierung, Digitalisierung und Erhaltung von Audio-, Text- und Bildmaterial entwickelt. Es nutzt Forschungsnetze und institutionelle Speicherinfrastruktur, archiviert Audio in Erhaltungsformaten und stellt stabile Katalogdaten bereit. Kopien wurden an Kulturzentren und Institutionen in Vanuatu, Neukaledonien, Papua-Neuguinea, Französisch-Polynesien, den Salomonen und Rapa Nui zurückgegeben.&amp;lt;ref name=&amp;quot;paradisec_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Nachweisbarer Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Juli 2026 weist PARADISEC rund 20.500 Stunden Audio, 4.000 Stunden Video, mehr als 320 Terabyte und Inhalte zu etwa 1.460 Sprachen aus. Es erhielt 2019 das CoreTrustSeal für vertrauenswürdige Repositorien und wurde 2024 bei den Digital Preservation Awards sowie 2025 mit einem Open Scholarship Award ausgezeichnet.&amp;lt;ref name=&amp;quot;paradisec_home&amp;quot;/&amp;gt; Die Kombination aus großem Bestand, langjährigem Betrieb, fachlichen Standards und konkreter Rückgabe an Herkunftsgemeinschaften ist ein starker Erfolgsnachweis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Ein universitärer Forschungsverbund verfügt über Kompetenzen und Infrastrukturen, die kleinen lokalen Trägern nicht direkt zur Verfügung stehen. Die Community-Beteiligung variiert je nach Depositor, Sammlung und Herkunftsgemeinschaft. Online-Zugriff kann in Regionen mit schwacher Internetversorgung oder ohne passende Sprache weiterhin schwierig sein. Auch ein erfolgreiches Facharchiv benötigt laufende Dritt- und Infrastrukturmittel sowie technische Erneuerung; PARADISEC arbeitet derzeit an einer Erneuerung seines Katalogs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* fachlich fokussiertes Repositorium für gefährdete audiovisuelle und sprachliche Materialien;&lt;br /&gt;
* verteilte institutionelle Trägerschaft mit gemeinsamem Verfahren;&lt;br /&gt;
* professionelle Erhaltungsstandards und Zertifizierung;&lt;br /&gt;
* stabile Identifikatoren und wissenschaftliche Zitierbarkeit;&lt;br /&gt;
* Rückgabe von Kopien und Kooperation mit regionalen Kulturzentren;&lt;br /&gt;
* langfristige Verbindung zu Forschungsinfrastruktur statt isoliertem Projektserver.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Für gefährdete Audio-, Video- und Sprachdaten sollte nicht jede kleine Einrichtung ein eigenes Langzeitarchiv aufbauen. Ein zentral betriebener, professioneller Repositoriumsdienst mit klaren Übernahmepaketen ist sinnvoll. Gleichzeitig müssen Kopien, Zugriffsrechte und nutzbare Arbeitsfassungen bei den sorbischen Kulturgutträgern verbleiben können. Zertifizierungsmodelle wie CoreTrustSeal können langfristig Orientierung geben, sollten aber erst nach Aufbau stabiler Prozesse angestrebt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.11 Reciprocal Research Network (RRN) ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Reciprocal Research Network betrifft kulturelle Objekte der First Nations der Nordwestküste von British Columbia in Kanada. Es wurde gemeinsam von der Musqueam Indian Band, der Stó:lō Nation beziehungsweise dem Stó:lō Tribal Council, der U’mista Cultural Society und dem Museum of Anthropology der University of British Columbia entwickelt. Zahlreiche internationale Museen liefern Daten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und technische Lösung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das RRN ist eine föderierte Recherche- und Kooperationsplattform. Es ermöglicht die gemeinsame Suche in institutionellen Sammlungen, persönliche und gemeinsame Forschungsprojekte, Dateiuploads und Diskussionen. Eine Steuerungsgruppe mit Vertreterinnen und Vertretern der beteiligten First Nations und des Museums ist weiterhin ausgewiesen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_about&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_contact&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wissenschaftliche Publikationen beschreiben den Aufbau als langfristigen Vertrauens- und Aushandlungsprozess. Vereinbarungen mit Partnerinstitutionen regelten Datenlieferung und Zusammenarbeit; agile Softwareentwicklung wurde mit unterschiedlichen Erwartungen und Entscheidungsrhythmen in Einklang gebracht.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_rowley&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Nachweisbarer Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Juli 2026 zeigt die Plattform Daten aus 29 Institutionen, mehr als 570.000 Objekte und 391.000 Fotografien sowie über 4.000 registrierte Mitglieder und fast 2.800 Projekte an.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_home&amp;quot;/&amp;gt; Diese Größenordnung belegt eine erhebliche institutionsübergreifende Aggregation und Nutzung der Arbeitsfunktionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Im Seitenfuß wird weiterhin die Softwareversion 1.8.3 mit Startdatum 22. November 2014 ausgewiesen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_contact&amp;quot;/&amp;gt; Das ist kein Beleg dafür, dass der Dienst beendet ist – die Plattform ist erreichbar und aktuelle Bestandszahlen werden angezeigt –, aber ein Warnsignal für Modernisierungs-, Sicherheits- und Wartungsrisiken. Detaillierte aktuelle Angaben zu Erhaltungsrepositorien und Betriebskosten sind öffentlich begrenzt. Das RRN ist vor allem Forschungs- und Zugangsplattform, nicht zwingend das Langzeitarchiv sämtlicher Quelldateien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* gemeinsame Entwicklung durch First Nations und Museum;&lt;br /&gt;
* föderierte Suche über internationale Sammlungen;&lt;br /&gt;
* dauerhafte Steuerungsgruppe;&lt;br /&gt;
* projektbezogene Kollaboration statt nur passiver Objektanzeige;&lt;br /&gt;
* formalisierte Partnerschaften und Aufbau von Vertrauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Ein sorbisches System kann mehr sein als ein Suchkatalog: Arbeitsbereiche für gemeinsame Erschließung, Korrekturen, Transkription, Übersetzung und Forschung erhöhen die aktive Nachnutzung. Solche Funktionen dürfen aber erst aufgebaut werden, wenn technische Wartung und Datenexport gesichert sind. Langfristige Kooperationsvereinbarungen sind wichtiger als einmalige Datenlieferungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.12 Indigitization – Dezentrale Digitalisierung mit zentraler Befähigung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Indigitization richtet sich an First Nations und weitere indigene Gemeinschaften in British Columbia, Kanada. Die Gemeinschaften verfügen über eigene Regierungen, Archive, Sprachprogramme und Kulturinstitutionen, arbeiten aber häufig mit begrenzten technischen und personellen Ressourcen. Viele gefährdete Tonaufnahmen befinden sich weiterhin lokal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Organisations- und Fördermodell ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Indigitization ist eine Kooperation indigener Gemeinschaften und Organisationen mit dem Irving K. Barber Learning Centre, dem Museum of Anthropology, dem Northern BC Archives der University of Northern British Columbia, der X̱wi7x̱wa Library und weiteren Einheiten der University of British Columbia. Das Programm entwickelt Ressourcen, führt Schulungen durch, berät zu Fördermitteln und unterstützt gemeinschaftsgeführte Digitalisierung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Werkzeugkasten entstand aus drei Pilotprojekten mit First Nations und verbindet deren Erfahrungen mit fachlichen Digitalisierungsstandards. Er enthält Planungshilfen, technische Anleitungen, Metadaten- und Dateiverfahren sowie Musterunterlagen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_toolkit&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von 2013 bis 2019 finanzierten Audiokassetten-Zuschüsse drei Pilot- und 45 Förderprojekte. Mehr als 11.464 Kassetten wurden digitalisiert; insgesamt wurden über 422.143 kanadische Dollar vergeben. Die Förderung umfasste ergänzende Mittel bis 10.000 Dollar je Vorhaben und intensive Schulung. Das spezifische Förderprogramm befindet sich derzeit in einer Pause, während Beratung, Workshops und Verweise auf weitere Programme fortgeführt werden.&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_grant&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_funding&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Rechte, Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Digitalisierungsprojekte verbleiben bei den Gemeinschaften; eine öffentliche Veröffentlichung war nicht zwingend. Auch protokollgebundene und nichtöffentliche Zugänge waren förderfähig. Das schützt lokale Kontrolle und stärkt Kompetenzen vor Ort. Die dokumentierten Objekt- und Förderzahlen sowie die fortbestehende Beratungsinfrastruktur belegen konkrete Wirkung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Dezentrale Digitalisierung garantiert noch keine langfristige Erhaltung. Jede Gemeinschaft braucht ein tragfähiges Speicher-, Sicherungs- und Migrationskonzept oder einen verlässlichen Repositoriumspartner. Die Pause des früheren Kassettenprogramms zeigt die Verwundbarkeit zeitlich begrenzter Förderlinien. Für kleine Teams kann die dauerhafte Anwendung technischer Standards trotz Schulung anspruchsvoll bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* zentrale Kompetenz, Vorlagen, Schulung und begrenzte Anschubfinanzierung;&lt;br /&gt;
* Durchführung und Kontrolle bei den lokalen Gemeinschaften;&lt;br /&gt;
* Pilotprojekte als Grundlage des Werkzeugkastens;&lt;br /&gt;
* praxisnahe Muster für Projektplan, Budget und Stellenprofil;&lt;br /&gt;
* kein Zwang zur allgemeinen Veröffentlichung;&lt;br /&gt;
* Netzwerk aus Hochschulen, Archiven und Community-Fachleuten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Dieses Modell kommt einer möglichen Rolle des sorbischen Digitalisierungszentrums besonders nahe. Die zentrale Stelle könnte mobile Technik, Leihgeräte, Schulung, Qualitätsprüfung, Dienstleisterrahmenverträge und Kleinprojektförderung bereitstellen. Lokale Träger behalten Originale, Auswahl, Kontext und Zugangsentscheidungen. Anders als bei rein dezentralen Ansätzen sollte im sorbischen Modell jedoch von Anfang an ein gemeinsames Repositorium oder ein verbindlicher Repositoriumsdienst angeschlossen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== E. Vergleichsmatrix ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== E.1 Funktionen, Architektur und Standards ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable sortable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Projekt&lt;br /&gt;
! Register / Katalog&lt;br /&gt;
! Digitalisierung&lt;br /&gt;
! Repositorium / Langzeiterhaltung&lt;br /&gt;
! Präsentation / Nachnutzung&lt;br /&gt;
! Technologie und Standards&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''RomArchive'''&lt;br /&gt;
| Kuratierter Sammlungsnachweis; kein Vollregister&lt;br /&gt;
| Auswahl und Digitalisierung in der Projektphase&lt;br /&gt;
| Interne und veröffentlichte Bestände; öffentliche Dokumentation der Langzeitprozesse begrenzt&lt;br /&gt;
| Themenarchive, Touren, Forschung; Deutsch, Englisch, Romanes; eingeschränkte Nachnutzung&lt;br /&gt;
| Axiell Collections, Django-Webanwendung, Connector zwischen Sammlung und Website&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Nuohtti'''&lt;br /&gt;
| Föderierter Metadatenindex aus vielen Archiven&lt;br /&gt;
| Erfolgt überwiegend bei Quellinstitutionen&lt;br /&gt;
| Verbleibt bei Datenlieferanten; Nationalarchive tragen Suchdienst weiter&lt;br /&gt;
| Mehrsprachige Suche, Karte, Zeitleiste; Verlinkung zu Quellen&lt;br /&gt;
| VuFind, Finna, RecordManager, Solr, Finto, Giellatekno, Leaflet, OpenStreetMap, Europeana-Wege&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''People’s Collection Wales'''&lt;br /&gt;
| Gemeinsame Plattform mit institutionellen und Community-Beiträgen&lt;br /&gt;
| Zentral unterstützte, teils lokale Digitalisierung; Schulungen&lt;br /&gt;
| In Evaluation als klärungsbedürftige Rolle benannt; nicht allein aus Portal abzuleiten&lt;br /&gt;
| Zweisprachiges Portal, Uploads, Lernangebote, Karten&lt;br /&gt;
| Gemeinsame Plattform; Metadaten-, Rechte- und Digitalisierungshilfen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Tobar an Dualchais'''&lt;br /&gt;
| Durchsuchbarer Katalog zu Tonaufnahmen&lt;br /&gt;
| Audio-Digitalisierung, Erschließung und Transkription&lt;br /&gt;
| Originale in institutionellen Archiven; digitale Erhaltung in Partnerstrukturen&lt;br /&gt;
| Mehr als 40.000 Aufnahmen; Sprache, Bildung, Forschung&lt;br /&gt;
| Audio-Workflows; Transkription und automatische Spracherkennung in Ergänzungsprojekten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Euskariana'''&lt;br /&gt;
| Integrierter Katalog aus Bibliotheken, Archiven, Museen und Repositorien&lt;br /&gt;
| Bei Partnern und in eigenen Programmen&lt;br /&gt;
| Eigenes Repositorium plus Links zu externen Repositorien&lt;br /&gt;
| Baskisch/spanisch; öffentliche Suche; Europeana-Anbindung&lt;br /&gt;
| MARC, Dublin Core, METS, PREMIS, ALTO; OAI-Zugang&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''bavarikon'''&lt;br /&gt;
| Gemeinsames Portal mit Partnerdaten&lt;br /&gt;
| Förderprogramm und fachliche Begleitung; zentrale Qualitätsprüfung&lt;br /&gt;
| Verantwortlichkeit für alle Masterdateien nicht einheitlich öffentlich dokumentiert&lt;br /&gt;
| Portalsuche, Ausstellungen, 3D, Bildungs- und Social-Media-Formate&lt;br /&gt;
| Verbindliche Metadaten- und Lieferhandreichungen; zentrales Hosting&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Mukurtu / Plateau Portal'''&lt;br /&gt;
| Institutionelle und Community-Datensätze zu denselben Objekten&lt;br /&gt;
| Nicht Kernfunktion; lokale beziehungsweise institutionelle Workflows&lt;br /&gt;
| Mukurtu ausdrücklich nur Zugangsbaustein; Erhaltung separat zu planen&lt;br /&gt;
| Protokollbasierter Zugang, Community-Erzählungen, Export&lt;br /&gt;
| Open Source auf Drupal-Basis; TK Labels; kulturelle Protokolle; Dublin Core; Roundtrip-Export&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Aṟa Irititja'''&lt;br /&gt;
| Zentraler Multimedia-Katalog mit lokalen Ergänzungen&lt;br /&gt;
| Zentral vorbereitet, mit Community-Kontaktstellen und historischer Formatrettung&lt;br /&gt;
| Physische und digitale Materialien zentral fachlich verwaltet; Details zu Erhaltungsstufen begrenzt&lt;br /&gt;
| Community-Zugänge, mehrsprachig, visuell niedrigschwellig; digitale Rückgabe&lt;br /&gt;
| Speziell entwickelte beziehungsweise weiterentwickelte Wissensmanagement-Software; kulturelle Beschränkungen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''LAAL'''&lt;br /&gt;
| Sprach-, Orts-, Personen- und Titelnachweis&lt;br /&gt;
| Systematische Suche, Scan und Rechteklärung&lt;br /&gt;
| TIFF-Master; zunächst CDU eSpace, später Territory Stories&lt;br /&gt;
| PDFs, Textdateien, App, Bildung; ursprüngliche Kartenfunktion nach Migration verloren&lt;br /&gt;
| TIFF/PDF/TXT/JPG; persistente Kennungen im Zielsystem; Creative-Commons- und Takedown-Modell&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''PARADISEC'''&lt;br /&gt;
| Fachkatalog für audiovisuelle und sprachliche Sammlungen&lt;br /&gt;
| Professionelle Digitalisierung gefährdeter Medien&lt;br /&gt;
| Institutioneller Verbund; Erhaltungsformate, redundante Infrastruktur, CoreTrustSeal&lt;br /&gt;
| Online-Katalog, Forschung, Community-Zugang und Rückgabe von Kopien&lt;br /&gt;
| Internationale Archivstandards; stabile Identifikatoren; laufende Katalogmodernisierung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''RRN'''&lt;br /&gt;
| Föderierte Suche über Daten von 29 Institutionen&lt;br /&gt;
| Erfolgt primär bei Partnern&lt;br /&gt;
| Plattform ist kein einheitliches Langzeitarchiv aller Quellen&lt;br /&gt;
| Kollaborative Projekte, Diskussionen, Uploads und Recherche&lt;br /&gt;
| Föderierte Datenintegration, Programmierschnittstelle; sichtbare Plattformversion von 2014&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Indigitization'''&lt;br /&gt;
| Kein zentraler Gesamtkatalog als Hauptziel&lt;br /&gt;
| Dezentrale Digitalisierung mit zentraler Schulung, Geräten, Standards und Förderung&lt;br /&gt;
| Muss je Community beziehungsweise über Partner gelöst werden&lt;br /&gt;
| Community-interne oder öffentliche Nutzung nach lokalen Regeln&lt;br /&gt;
| Werkzeugkasten, Broadcast-Wave-Audio, Musterunterlagen und Trainingsworkflows&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== E.2 Governance, Finanzierung, Erfolg und Übertragbarkeit ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable sortable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Projekt&lt;br /&gt;
! Organisationsmodell&lt;br /&gt;
! Community-Beteiligung&lt;br /&gt;
! Finanzierung und dauerhafter Betrieb&lt;br /&gt;
! Nachweisbarer Erfolg&lt;br /&gt;
! Grenzen&lt;br /&gt;
! Übertragbarkeit auf die Sorben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''RomArchive'''&lt;br /&gt;
| Internationales Kuratorium/Beirat; seit 2019 Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma&lt;br /&gt;
| Überwiegend Roma in Kuratorien und Beirat; Auswahl und strategische Richtlinien&lt;br /&gt;
| Große öffentliche Anschubförderung; institutioneller Betreiber und laufende öffentliche Förderung&lt;br /&gt;
| Betreiberübergang vollzogen; seit 2019 online weitergeführt&lt;br /&gt;
| Kein Vollregister; wenige aktuelle Nutzungsdaten; Nachnutzung oft restriktiv&lt;br /&gt;
| '''Hoch''' für Governance, kuratierte Kontexte und Betreiberübergang&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Nuohtti'''&lt;br /&gt;
| Drei Nationalarchive plus Universitäten; föderierter Dienst&lt;br /&gt;
| Sámi-Parlamente in Steuerungsgruppe; ethische Leitlinien und Tests&lt;br /&gt;
| EU-Projekt; Weiterbetrieb durch Nationalarchive&lt;br /&gt;
| Rund 30.000 Datensätze, 32 Institutionen, fünf Sprachen; fortbestehender Dienst&lt;br /&gt;
| Datenqualität und Erhaltung bleiben verteilt; geringe aktuelle Wirkungsdaten&lt;br /&gt;
| '''Sehr hoch''' für Kulturregister und föderierte Suche&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''People’s Collection Wales'''&lt;br /&gt;
| Föderation dreier nationaler Einrichtungen&lt;br /&gt;
| Lokale Gruppen und Einzelpersonen liefern Inhalte; umfangreiche Unterstützung&lt;br /&gt;
| Walisische Regierung; Evaluation benennt Nachhaltigkeitsrisiko&lt;br /&gt;
| Dauerbetrieb, Community-Kompetenzen, kritische Masse; unabhängige Evaluation&lt;br /&gt;
| Moderate gemessene Wirkung; Vermittlung personalintensiv; 38 Survey-Antworten&lt;br /&gt;
| '''Sehr hoch''' für Servicezentrum, Zweisprachigkeit und Evaluation&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Tobar an Dualchais'''&lt;br /&gt;
| Partnerschaft kultureller und wissenschaftlicher Einrichtungen&lt;br /&gt;
| Sprachgemeinschaften, Beitragende und Freiwillige bei Erschließung/Transkription&lt;br /&gt;
| Wiederkehrende öffentliche Projekt- und Programmmittel&lt;br /&gt;
| Mehr als 40.000 Aufnahmen; laufende Weiterentwicklung&lt;br /&gt;
| Dauergrundfinanzierung und Rechteaufwand öffentlich nur teilweise sichtbar&lt;br /&gt;
| '''Hoch''' für gefährdete Medien und Spracherschließung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Euskariana'''&lt;br /&gt;
| Baskische Regierung mit öffentlichen und privaten Partnern&lt;br /&gt;
| Eher institutionell als gemeinschaftsgeführt&lt;br /&gt;
| Staatlicher Betrieb&lt;br /&gt;
| Breiter Quellenverbund, Standards, Europeana-Interoperabilität&lt;br /&gt;
| Wenig unabhängige Nutzungsevaluation; Community-Rechte kaum dokumentiert&lt;br /&gt;
| '''Hoch''' für Metadaten, Onboarding-Wege und Aggregation; '''mittel''' für Governance&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''bavarikon'''&lt;br /&gt;
| Ministerien, 14-köpfiger Rat, Bayerische Staatsbibliothek, Rechenzentrum&lt;br /&gt;
| Partnerinstitutionen im Rat; keine Minderheiten-Governance&lt;br /&gt;
| Dauerhafte Landesstruktur plus Projektförderung&lt;br /&gt;
| Über 500.000 Objekte aus rund 170 Einrichtungen; monatlicher Ausbau&lt;br /&gt;
| Große Ressourcen; Präsentation und Förderlogik dominieren&lt;br /&gt;
| '''Mittel bis hoch''' für Verfahren/Qualität; Größenordnung kaum übertragbar&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Mukurtu / Plateau Portal'''&lt;br /&gt;
| Universität als Technikträger; acht indigene Nationen und Museen als Partner&lt;br /&gt;
| Kuration, Metadaten, Protokolle und Zugriff durch Stammesvertreter&lt;br /&gt;
| Öffentliche und philanthropische Forschungsförderung; Universität pflegt Software&lt;br /&gt;
| International genutzte Open-Source-Plattform; dauerhaftes konkretes Portal&lt;br /&gt;
| Qualifizierter Betrieb nötig; Zugangsplattform ersetzt kein Repositorium&lt;br /&gt;
| '''Sehr hoch''' für Rechte, sensible Inhalte und Mehrperspektivität&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Aṟa Irititja'''&lt;br /&gt;
| Zentralfachstelle plus lokale Liaison; seit 2020 unter APY-Organisation&lt;br /&gt;
| Auftrag, Steuerung, Zugangsregeln und Kontext durch Aṉangu&lt;br /&gt;
| Langjährige Mischung aus Zuschüssen, Spenden und lokalen Beiträgen; drei permanente Teilzeitstellen&lt;br /&gt;
| Betrieb seit 1994; lokale Nutzung und digitale Rückgabe&lt;br /&gt;
| Finanzierung lange prekär; Wirkung überwiegend selbst berichtet&lt;br /&gt;
| '''Hoch''' für lokale Kontrolle und abgestufte Zugänge; Technik nicht direkt übertragbar&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''LAAL'''&lt;br /&gt;
| Universität und öffentliche Partner; Übergabe an Landesbibliothek/-archiv&lt;br /&gt;
| Einwilligung, Prüfung und Ergänzung durch Sprachgemeinschaften&lt;br /&gt;
| Zwei Forschungsförderphasen; anschließend institutionelle Übernahme&lt;br /&gt;
| Nahezu 4.000 Bücher, 50 Sprachen, 40 Gemeinschaften&lt;br /&gt;
| Rechte-Rückstand; Verlust der Kartenfunktion bei Migration&lt;br /&gt;
| '''Sehr hoch''' als Migrations-, Rechte- und Sprachlernfall&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''PARADISEC'''&lt;br /&gt;
| Verbund dreier Universitäten mit Beirat&lt;br /&gt;
| Je Sammlung unterschiedlich; Kopien und Kooperationen mit Herkunftsgemeinschaften&lt;br /&gt;
| Forschungsrat, nationale Forschungsinfrastruktur, Hochschulen und Spenden&lt;br /&gt;
| 20.500 Audio-, 4.000 Videostunden, 320 TB, 1.460 Sprachen; Zertifizierung/Auszeichnungen&lt;br /&gt;
| Hohe Fach- und Infrastrukturvoraussetzungen; Zugänglichkeit regional unterschiedlich&lt;br /&gt;
| '''Hoch''' für zentrales Fachrepositorium; Skalierung nur angepasst&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''RRN'''&lt;br /&gt;
| Gemeinsame Steuerung von First Nations und Museum; viele Datenpartner&lt;br /&gt;
| Co-Entwicklung, Projekte, Diskussionen und Community-Wissen&lt;br /&gt;
| Institutionelle Projektstruktur; aktuelle Kosten öffentlich unklar&lt;br /&gt;
| 29 Institutionen, über 570.000 Objekte, über 4.000 Mitglieder&lt;br /&gt;
| Technische Alterung möglich; Erhaltung der Quelldateien dezentral&lt;br /&gt;
| '''Hoch''' für Kooperation und Arbeitsfunktionen; Wartungsrisiko beachten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Indigitization'''&lt;br /&gt;
| Hochschul- und Community-Netzwerk als Kompetenz- und Förderstelle&lt;br /&gt;
| Projekte werden von Gemeinschaften durchgeführt und kontrolliert&lt;br /&gt;
| Hochschulunterstützung; früheres Kassettenförderprogramm aktuell pausiert&lt;br /&gt;
| 45 Förderprojekte, 11.464 Kassetten, über 422.000 CAD Förderung&lt;br /&gt;
| Dezentrale Langzeiterhaltung nicht automatisch gesichert; Förderpause&lt;br /&gt;
| '''Sehr hoch''' für Digitalisierungszentrum und Unterstützung kleiner Träger&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== F. Übergreifende Erfolgsfaktoren ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.1 Governance und Beteiligung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' Die stärksten gemeinschaftsbezogenen Projekte verankern Beteiligung in Gremien, Rollen und Datenmodellen. RomArchive übergab Kuratierung und strategische Leitlinien überwiegend an Roma. Nuohtti beteiligte Sámi-Parlamente. Mukurtu und das Plateau Portal ermöglichen kulturelle Protokolle und mehrere Beschreibungen. Aṟa Irititja ist unter einer Aṉangu-geführten Organisation verankert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Erforderlich ist ein dauerhaftes Steuerungsmodell mit Vertreterinnen und Vertretern zentraler Einrichtungen, lokaler Träger, beider Sprachräume, Fachwissenschaft, Technik und möglichst verschiedener Generationen. Für sensible Inhalte, Priorisierung und öffentliche Darstellung müssen Entscheidungs- und Eskalationsregeln schriftlich festgelegt werden. Eine bloße Anhörung nach Abschluss technischer Entscheidungen ist unzureichend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.2 Erfassung und Priorisierung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' Nuohtti begann mit der Kartierung verteilter Quellen; LAAL mit systematischem Auffinden gefährdeter Literatur. bavarikon nutzt Anträge, Objektlisten und Auswahlkriterien. Audioprojekte priorisieren physisch und technisch gefährdete Medien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Zunächst sollte das Kulturregister einen belastbaren Überblick schaffen, ohne sofort jeden Eintrag maximal tief zu erschließen. Die Digitalisierungspriorität sollte anschließend aus mindestens vier Kriterien gebildet werden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Gefährdung:''' physischer Verfall, technische Obsoleszenz, Verlustgefahr;&lt;br /&gt;
# '''Bedeutung:''' Einzigartigkeit, Repräsentativität, sprachliche und kulturelle Relevanz;&lt;br /&gt;
# '''Nutzungspotenzial:''' Bildung, Forschung, Sprachrevitalisierung, Vermittlung;&lt;br /&gt;
# '''Umsetzbarkeit:''' Rechteklarheit, Zustand, vorhandene Metadaten, Kosten und Zielrepositorium.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Priorisierungswert darf keine endgültige kulturelle Rangliste erzeugen. Er dient der Arbeitsplanung und muss fachlich sowie gemeinschaftlich überprüfbar sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.3 Organisation der Digitalisierung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' Indigitization und People’s Collection Wales zeigen, dass zentrale Kompetenz und lokale Durchführung kombinierbar sind. bavarikon ergänzt dies um Auswahl, Förderung und Qualitätsprüfung. PARADISEC zeigt für anspruchsvolle audiovisuelle Medien den Wert eines spezialisierten Fachzentrums.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Das Digitalisierungszentrum sollte ein gestuftes Dienstemodell anbieten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Beratung und Projektplanung;&lt;br /&gt;
* Leihtechnik und Schulung für geeignete einfache Verfahren;&lt;br /&gt;
* mobile Digitalisierung vor Ort, wenn Kulturgüter nicht transportiert werden können;&lt;br /&gt;
* zentrale Digitalisierung für anspruchsvolle oder gefährdete Medien;&lt;br /&gt;
* Rahmenverträge und Qualitätskontrolle für externe Spezialdienstleister;&lt;br /&gt;
* Übernahmevorbereitung für das Repositorium.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.4 Technische Architektur ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' Föderierte Portale wie Nuohtti und Euskariana verbinden bestehende Systeme, statt alle Partner zu einem identischen Fachverfahren zu zwingen. Erfolgreiche Systeme verfügen über Exporte und Schnittstellen. LAAL zeigt, dass bei Migrationen zielgruppenspezifische Funktionen verloren gehen können, wenn Daten- und Präsentationslogik zu eng gekoppelt sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Die Architektur sollte modular sein. Das Register verwaltet Nachweise und Beziehungen; Digitalisierungsworkflows erzeugen Dateien und technische Metadaten; das Repositorium übernimmt Erhaltungspakete; Präsentationssysteme beziehen freigegebene Daten und Derivate. Jedes System benötigt dokumentierte Exporte. Eine proprietäre Lösung ohne vollständigen Datenexport, Identifikatorerhalt und Migrationsplan sollte ausgeschlossen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.5 Metadaten und Interoperabilität ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' Euskariana und bavarikon arbeiten mit veröffentlichten Standards und Lieferprofilen; Nuohtti normalisiert heterogene Daten; Mukurtu ermöglicht zusätzliche Community-Metadaten. Technische Vollständigkeit allein löst jedoch keine problematischen historischen Begriffe oder fehlenden kulturellen Kontexte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Notwendig ist ein abgestuftes Metadatenprofil:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* '''Pflichtkern''' für alle Träger: eindeutige Kennung, Bezeichnung, Kulturgutart, Standort beziehungsweise Träger, Sprache, Zeit/Ort soweit bekannt, Kurzkontext, Rechte-/Zugangsstatus, Quellenangabe, Bearbeitungsstand;&lt;br /&gt;
* '''fachliche Erweiterungen''' für Archive, Bibliotheken, Museen, audiovisuelle Medien, immaterielles Kulturerbe und Born-digital-Bestände;&lt;br /&gt;
* '''Community-Felder''' für sorbische Bezeichnungen, lokale Varianten, kulturelle Hinweise, alternative Erzählungen und Korrekturen;&lt;br /&gt;
* '''technische Erhaltungsmetadaten''' im Repositorium, etwa Dateiformat, Prüfsumme, Erzeugung, Migration und Beziehungen zwischen Master und Derivaten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Normdaten und kontrollierte Vokabulare sollten dort eingesetzt werden, wo sie Nutzen bringen. Für ehrenamtliche Erfassung müssen einfache Auswahllisten, Hilfetexte und spätere fachliche Anreicherung vorgesehen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.6 Rechte und kulturelle Selbstbestimmung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' Mukurtu, Aṟa Irititja und LAAL zeigen, dass urheberrechtliche Erlaubnis, Datenschutz und kulturelle Angemessenheit getrennt geprüft werden müssen. Ein Werk kann rechtlich veröffentlichbar, kulturell aber sensibel sein; umgekehrt kann eine Gemeinschaft Zugang wünschen, obwohl eine allgemeine Veröffentlichung nicht möglich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Mindestens vier Sichtbarkeitsstufen sind sinnvoll:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# öffentliche Metadaten, aber kein Medium;&lt;br /&gt;
# öffentliches Nutzungsdigitalisat, gegebenenfalls in reduzierter Qualität;&lt;br /&gt;
# beschränkter Zugang für festgelegte Gruppen, Forschung oder Community;&lt;br /&gt;
# gesperrt beziehungsweise nur intern dokumentiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder Datensatz sollte dokumentieren, wer die Entscheidung getroffen hat, auf welcher Grundlage sie beruht und wann sie erneut geprüft wird. Rechteinformationen müssen vom Register über Repositorium bis Präsentation mitgeführt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.7 Langzeiterhaltung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' PARADISEC belegt den Wert eines fachlich betriebenen Repositoriums. LAAL zeigt sowohl die Trennung von Master- und Nutzungsdateien als auch das Risiko einer Migration. Mukurtu warnt ausdrücklich davor, Zugangsplattform und Erhaltungssystem gleichzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Für jedes Digitalisat müssen vor der Produktion feststehen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Zielrepositorium und verantwortlicher Betreiber;&lt;br /&gt;
* Master- und Nutzungsformat;&lt;br /&gt;
* Dateibenennung beziehungsweise Identifikator;&lt;br /&gt;
* Prüfsumme und Integritätskontrolle;&lt;br /&gt;
* mindestens zwei räumlich getrennte Sicherungskopien;&lt;br /&gt;
* Übergabepaket aus Datei, Metadaten, Rechten und Provenienz;&lt;br /&gt;
* Verfahren für Formatbeobachtung, Migration und Wiederherstellung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das OAIS-Modell bietet den konzeptionellen Rahmen; die NDSA-Reifegradstufen können einen realistischen stufenweisen Aufbau unterstützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.8 Präsentation und Nachnutzung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' RomArchive verbindet Objekte mit kuratierten Erzählungen; People’s Collection Wales mit Lern- und Beitragsfunktionen; Tobar an Dualchais mit sprachlicher Erschließung; RRN mit kollaborativen Arbeitsräumen. Erfolg entsteht nicht durch bloße Online-Sichtbarkeit, sondern durch zielgruppengerechte Kontexte und tatsächlich nutzbare Funktionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Ein gemeinsamer Suchzugang ist wichtig, aber nicht jede Zielgruppe braucht dieselbe Oberfläche. Denkbar sind ein übergreifendes Kulturerbeportal, Fachzugänge für Forschung, Bildungsbausteine, kuratierte Ausstellungen und maschinenlesbare Schnittstellen. Download und Nachnutzung sollten dort ermöglicht werden, wo Rechte und kulturelle Interessen dies zulassen. Nutzungsstatistiken, Zitationen, Downloads, Bildungskooperationen und Community-Rückmeldungen sollten kontinuierlich ausgewertet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.9 Finanzierung und Verstetigung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' RomArchive plante den Betreiberübergang früh. People’s Collection Wales und Aṟa Irititja zeigen, wie belastend unsichere Finanzierung bleibt. Indigitization demonstriert die Wirkung kleiner Förderbudgets, aber auch die Verwundbarkeit eines pausierenden Programms. bavarikon und PARADISEC profitieren von institutioneller Infrastruktur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Es sind drei Kostenarten getrennt zu planen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Aufbaukosten:''' Konzeption, Pilot, Beschaffung, Datenmigration, erste Digitalisierung;&lt;br /&gt;
# '''Betriebskosten:''' Personal, Hosting, Speicher, Sicherung, Helpdesk, Rechtearbeit, Qualitätssicherung;&lt;br /&gt;
# '''Erneuerungskosten:''' Softwareupdates, Sicherheitsmaßnahmen, Hardwareersatz, Formatmigration, Neuentwicklung von Schnittstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Projektmittel eignen sich für Aufbau und Erprobung. Kernfunktionen dürfen nach der Pilotphase nur skaliert werden, wenn ein wiederkehrender Betriebsetat und ein verantwortlicher Rechtsträger feststehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.10 Projektsteuerung und schrittweiser Aufbau ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' People’s Collection Wales empfiehlt einen evidenzbasierten Ablauf aus Bedarf, Pilot, Test, Auswertung und Skalierung. Indigitization entwickelte seinen Werkzeugkasten aus drei Pilotprojekten. bavarikon nutzt Vorantrag, Prüfung, Standards und begleitete Umsetzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Der Aufbau sollte in überprüfbaren Ausbaustufen erfolgen. Jede Stufe braucht definierte Ergebnisse, Qualitätskriterien, Verantwortliche, Budget, Risiken und eine Entscheidung über Fortführung oder Anpassung. Technische Pilotierung ohne Governance-, Rechte- und Betriebsprüfung wäre unvollständig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== G. Empfehlungen für den sorbischen Kontext ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.1 Zielmodell: vier Säulen, drei Fundamente, zwei Betriebsregeln ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ergebnisse lassen sich für den sorbischen Kontext in einem priorisierten 4–3–2-Modell zusammenführen. Es verbindet die im Konzept beschriebene Prozesskette mit einer klaren organisatorischen und technischen Verantwortungsstruktur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Vier funktionale Säulen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Säule&lt;br /&gt;
! Mindestauftrag&lt;br /&gt;
! Abgrenzung&lt;br /&gt;
! Unverzichtbare Schnittstellen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''1. Sorbisches Kulturregister (SKR)'''&lt;br /&gt;
| Verteilte Kulturgüter und Bestände nachweisen, beschreiben, verknüpfen, Rechte- und Prioritätsstatus dokumentieren&lt;br /&gt;
| Kein Ersatz für lokale Inventare und nicht automatisch Speicherort aller Dateien&lt;br /&gt;
| Import/Export zu Fachsystemen; Übergabe von Objekt- und Rechtekennungen an Digitalisierung, Repositorium und Präsentation&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''2. Digitalisierungszentrum (DZ)'''&lt;br /&gt;
| Beratung, Planung, Digitalisierung, Qualitätssicherung, Schulung, Dienstleistersteuerung und Vorbereitung der Archivübergabe&lt;br /&gt;
| Nicht primär öffentlicher Katalog und nicht automatisch dauerhafter Speicher&lt;br /&gt;
| Aufträge aus Register/Priorisierung; Lieferung standardisierter Übergabepakete an Repositorium; Erzeugung von Nutzungsderivaten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''3. Repositorium / digitales Langzeitarchiv'''&lt;br /&gt;
| Masterdateien, Metadaten, Rechte und Provenienz dauerhaft übernehmen, prüfen, sichern und migrieren&lt;br /&gt;
| Nicht mit einem Netzlaufwerk, einer Cloudablage oder der öffentlichen Website gleichzusetzen&lt;br /&gt;
| Persistente Identifikatoren; Rückmeldung des Archivstatus an Register; kontrollierte Bereitstellung an Präsentationssysteme&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''4. Präsentations- und Nutzungssysteme'''&lt;br /&gt;
| Freigegebene Inhalte suchen, verstehen, zitieren, herunterladen und weiterverwenden lassen&lt;br /&gt;
| Nicht führendes System für Rechte, Masterdateien oder dauerhafte Erhaltung&lt;br /&gt;
| Bezug von Metadaten aus Register und Derivaten aus Repositorium; Rückgabe von Nutzungs- und Korrekturinformationen&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Entscheidender Punkt:''' Die vier Säulen sind Funktionen, nicht zwingend vier eigenständige Einrichtungen. Ein Träger kann mehrere Funktionen übernehmen. Dennoch müssen für jede Säule Auftrag, Zuständigkeit, Datenhoheit, Budget, Qualitätskriterien, Vertretung und Ausfallvorsorge benannt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Drei gemeinsame Fundamente ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Fundament&lt;br /&gt;
! Inhalt&lt;br /&gt;
! Warum es vor der Skalierung geklärt werden muss&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''A. Gemeinschaftliche Governance und Rechte'''&lt;br /&gt;
| Entscheidungsgremien, Rollen der Kulturgutträger, Community-Beteiligung, Konfliktlösung, sensible Inhalte, abgestufte Zugänge&lt;br /&gt;
| Ohne Entscheidungskompetenz entstehen Vertrauensverlust, Verzögerungen und nachträgliche Sperrungen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''B. Gemeinsame Daten- und Qualitätsarchitektur'''&lt;br /&gt;
| Metadatenkern, Identifikatoren, Sprachwerte, Vokabulare, Dateiformate, Schnittstellen, Lieferpakete, Qualitätssicherung&lt;br /&gt;
| Ohne gemeinsamen Kern können Register, DZ, Repositorium und Präsentation nicht verlässlich zusammenspielen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''C. Dauerbetrieb, Finanzierung und Kompetenz'''&lt;br /&gt;
| Rechtsträger, wiederkehrendes Budget, Personal, Hosting, Speicher, Wartung, Schulung, Helpdesk und Erneuerungsplanung&lt;br /&gt;
| Ohne Betriebsperspektive vergrößert jedes zusätzliche Digitalisat die technische und organisatorische Schuld.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Zwei Betriebsregeln ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Zentral ermöglichen, dezentral verantworten.''' Zentrale Stellen bieten Infrastruktur, Standards, Beratung, Qualitätskontrolle, Repositorium und gemeinsame Zugänge. Kulturgutträger behalten grundsätzlich Originale, lokalen Kontext, Beziehungen zu Urheberinnen und Urhebern sowie Mitentscheidung über kulturelle Bedeutung und Zugang.&lt;br /&gt;
# '''Als Projekt aufbauen, nur mit Dauerbetrieb skalieren.''' Pilot- und Förderprojekte sind geeignet, Register, Dienste und Workflows zu entwickeln. Eine breite Produktion beginnt erst, wenn dauerhafter Betreiber, Regelbudget, Personal und Erhaltungsweg gesichert sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Prüfsatz für Entscheidungen:''' Kein Digitalisat ohne Zielarchiv; kein Portal ohne Datenpflege; kein Register ohne Zuständigkeit; keine Veröffentlichung ohne Rechte- und Kulturprüfung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.2 Was zentral, dezentral und gemeinsam organisiert werden sollte ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Zentral bereitzustellen&lt;br /&gt;
! Dezentral bei den Kulturgutträgern&lt;br /&gt;
! Gemeinsam zu entscheiden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Technische Plattform und Datenmodell des Kulturregisters&lt;br /&gt;
| Besitz, Verwahrung und konservatorische Verantwortung für Originale, soweit nicht anders vereinbart&lt;br /&gt;
| Welche Bestände zunächst erfasst und digitalisiert werden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Metadatenkern, Vokabulare, Identifikatoren und Schnittstellen&lt;br /&gt;
| Erste Bestandskenntnis, lokale Namen, Geschichte und Beziehungen&lt;br /&gt;
| Kulturelle Bedeutung, Repräsentativität und Priorität&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Digitalisierungsberatung, Spezialtechnik, mobile Dienste und Qualitätsprüfung&lt;br /&gt;
| Lokale Auswahl und organisatorische Vorbereitung&lt;br /&gt;
| Transport, Vor-Ort-Digitalisierung oder externe Vergabe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Repositorium, Sicherung, Integritätsprüfung, Migration und Wiederherstellung&lt;br /&gt;
| Mitwirkung an Rechteklärung und Kontakt zu Betroffenen beziehungsweise Nachkommen&lt;br /&gt;
| Zugangs- und Nutzungskategorien für sensible Inhalte&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mustervereinbarungen, Rechte- und Datenschutzberatung&lt;br /&gt;
| Lokale Freigaben, sofern die jeweilige Stelle entscheidungsbefugt ist&lt;br /&gt;
| Verfahren bei Konflikten, Korrekturen und Takedown-Anfragen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Schulungen, Helpdesk, Dokumentation und gegebenenfalls Kleinprojektförderung&lt;br /&gt;
| Pflege von Kontexten, Korrekturen und neuen Informationen&lt;br /&gt;
| Übersetzungs- und Erschließungsprioritäten in Ober- und Niedersorbisch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gemeinsame Präsentationsbausteine und Programmierschnittstellen&lt;br /&gt;
| Eigene lokale Ausstellungen und Nutzungsszenarien&lt;br /&gt;
| Welche Inhalte übergreifend präsentiert oder nachnutzbar gemacht werden&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Verteilung schützt die dezentrale Trägerschaft, ohne kleine Einrichtungen mit jeder technischen Aufgabe allein zu lassen. Sie verhindert zugleich, dass zentrale Infrastruktur mit zentraler kultureller Deutungshoheit verwechselt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.3 Kurzfristig umsetzbare Schritte: 2026–2027 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Priorität 1: Governance und Verantwortungen beschließen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ein gemeinsames Steuerungsgremium für Kulturregister, Digitalisierungszentrum, Repositorium und Präsentation festlegen.&lt;br /&gt;
* Beide sorbischen Sprachräume, zentrale Institutionen und mindestens mehrere lokale beziehungsweise ehrenamtliche Träger verbindlich vertreten.&lt;br /&gt;
* Entscheidungsrechte, Vetorechte bei sensiblen Inhalten, Konfliktlösung und Vertretungsregelungen schriftlich regeln.&lt;br /&gt;
* Einen dauerhaften Produkt- beziehungsweise Serviceverantwortlichen für jede der vier Säulen benennen, auch wenn mehrere Säulen organisatorisch beim selben Träger liegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Priorität 2: Gemeinsamen Mindeststandard verabschieden ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Standard sollte klein genug für ehrenamtliche Erfassung, aber erweiterbar für Fachinstitutionen sein. Er muss mindestens regeln:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* eindeutige Kennung und verantwortlicher Datensatzhalter;&lt;br /&gt;
* Bezeichnung in Originalsprache und gegebenenfalls Übersetzungen;&lt;br /&gt;
* getrennte Sprachkennzeichnung für Obersorbisch, Niedersorbisch, Deutsch und weitere Sprachen;&lt;br /&gt;
* Kulturgutart und Zugehörigkeit zu materiellen, immateriellen oder digitalen Beständen;&lt;br /&gt;
* Standort beziehungsweise verwahrende Stelle;&lt;br /&gt;
* Kurzkontext, Zeit, Ort und beteiligte Personen soweit bekannt;&lt;br /&gt;
* Rechte-, Datenschutz- und kultureller Zugangsstatus;&lt;br /&gt;
* Digitalisierungs- und Archivierungsstatus;&lt;br /&gt;
* Provenienz, Quellen und Bearbeitungsstand;&lt;br /&gt;
* Exportformat und dauerhafte Identifikatoren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Priorität 3: Rechte- und Zugangsmodell entwickeln ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein einheitlicher Workflow sollte rechtliche und kulturelle Fragen getrennt dokumentieren. Empfohlen werden mindestens die vier Stufen „nur Nachweis“, „öffentliches Derivat“, „beschränkter Zugang“ und „gesperrt“. Für jede Stufe sind Verantwortliche, Freigabegrund, Prüffrist und Takedown-Verfahren festzulegen. Local Contexts kann als Anregung dienen; Begriffe und Symbole müssen jedoch gemeinsam für die sorbische Rechts- und Kulturpraxis entwickelt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Priorität 4: End-to-End-Pilot starten ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der erste Pilot sollte nicht nur ein Portal oder einen Scanner testen, sondern die gesamte Kette:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: Kulturgutträger → Erfassung im Register → Priorisierung und Freigabe → Digitalisierung und Qualitätsprüfung → Übernahme ins Repositorium → kontrollierte Präsentation und Nachnutzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beteiligt werden sollten drei bis fünf sehr unterschiedliche Träger, zum Beispiel eine zentrale Institution, eine Heimatstube oder ein Verein, eine kirchliche Einrichtung, eine kommunale Sammlung und gegebenenfalls eine Privatperson. Der Pilot sollte beide sorbischen Schriftsprachen und mindestens drei Medientypen umfassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Priorität 5: Repositoriumsziel vor Produktionsausweitung klären ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits Pilotdigitalisate benötigen einen definierten, überprüfbaren Speicher- und Erhaltungsweg. Falls das endgültige Langzeitarchiv noch nicht vollständig aufgebaut ist, braucht es einen dokumentierten Übergangsdienst mit Prüfsummen, redundanten Kopien, klarer Verantwortung und verbindlichem späteren Migrationsplan. Eine bloße Projektablage ist nicht ausreichend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.4 Mittelfristiger Strukturaufbau: 2027–2030 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Kulturregister ausbauen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Zwei Anbindungswege anbieten: direkte Erfassung beziehungsweise zentral gehostete Mandanten für kleine Träger und standardisierte Datenlieferung für große Fachsysteme.&lt;br /&gt;
* Priorisierungsansicht, Rechte- und Archivstatus sowie Beziehungen zwischen Original, Digitalisat, Werk, Person, Ort, Brauch und Sammlung abbilden.&lt;br /&gt;
* Korrektur- und Ergänzungsworkflow für Community-Wissen einrichten.&lt;br /&gt;
* Export, Programmierschnittstelle und regelmäßige Sicherung verpflichtend machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Digitalisierungszentrum als Dienstleistungsstelle verstetigen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Servicekatalog mit klaren Leistungen, Voraussetzungen, Bearbeitungszeiten und Kosten beziehungsweise Fördermöglichkeiten veröffentlichen.&lt;br /&gt;
* Mobile und stationäre Digitalisierung sowie Vergabe an Spezialdienstleister kombinieren.&lt;br /&gt;
* Schulungsprogramm und „Train-the-Trainer“-Ansatz für lokale Multiplikatorinnen und Multiplikatoren aufbauen.&lt;br /&gt;
* Kleinprojektförderung nach dem Vorbild von Indigitization oder bavarikon erproben.&lt;br /&gt;
* Qualitätssicherung und Übergabepakete zum Repositorium standardisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Repositorium in einen verlässlichen Regelbetrieb überführen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* OAIS-Funktionen organisatorisch zuordnen und mit den NDSA-Reifegradstufen schrittweise umsetzen.&lt;br /&gt;
* mindestens zwei räumlich getrennte Speicherkopien, regelmäßige Fixity Checks (Prüfung der Dateiunverändertheit über Prüfsummen) und Wiederherstellungstests etablieren;&lt;br /&gt;
* Masterdateien, Derivate, Metadaten, Rechte und technische Ereignisse verknüpfen;&lt;br /&gt;
* Verantwortungen bei Trägerwechsel oder Projektende vertraglich sichern;&lt;br /&gt;
* audiovisuelle Daten nach IASA-Empfehlungen behandeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Präsentation zielgruppenspezifisch entwickeln ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Gemeinsame Suche und verständliche Basiskontexte in Deutsch, Ober- und Niedersorbisch sowie ausgewählte englische Zugänge bereitstellen.&lt;br /&gt;
* Nicht jeden Datensatz vollständig in vier Sprachen übersetzen; stattdessen Oberfläche, Kernelemente, kontrollierte Begriffe und besonders relevante Inhalte priorisieren und Übersetzungsstatus sichtbar machen.&lt;br /&gt;
* Bildungs- und Forschungsnutzung in Pilotkooperationen testen.&lt;br /&gt;
* IIIF und Programmierschnittstellen dort einsetzen, wo sie einen konkreten Mehrwert für Anzeige, Zitation oder Datenbezug schaffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.5 Langfristige Aufgaben: ab 2030 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Regelmäßige Daten- und Formatmigrationen, Sicherheitsprüfungen und Erneuerung der Infrastruktur finanzieren.&lt;br /&gt;
* Erfolg anhand eines stabilen Kennzahlensets messen: erfasste und archivierte Bestände, beteiligte Träger, Bearbeitungszeiten, Rechte-Rückstände, Nutzung, Downloads, Bildungsprojekte, wissenschaftliche Zitationen, Community-Zufriedenheit und Korrekturen.&lt;br /&gt;
* Born-digital-Kulturerbe wie Websites, digitale Fotosammlungen, Social-Media-Projekte, digitale Kunst und Software systematisch übernehmen.&lt;br /&gt;
* Repositoriumsprozesse gegebenenfalls auf eine externe Vertrauenswürdigkeitsprüfung oder Zertifizierung vorbereiten.&lt;br /&gt;
* Kooperationen mit nationalen und europäischen Aggregatoren ausbauen, ohne die sorbische Datenhoheit und sprachliche Sichtbarkeit aufzugeben.&lt;br /&gt;
* Alle drei bis fünf Jahre Governance, Standards, Prioritäten und Zugangsregeln gemeinsam überprüfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.6 Empfohlene Pilotprojekte ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Pilot&lt;br /&gt;
! Ziel&lt;br /&gt;
! Warum besonders sinnvoll&lt;br /&gt;
! Erfolgskriterien&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''1. Kulturregister-Pilot mit heterogenen Trägern'''&lt;br /&gt;
| Mindestmetadaten, Onboarding und föderierte Datenlieferung testen&lt;br /&gt;
| Deckt die reale Spannweite von Fachinstitution bis Ehrenamt ab&lt;br /&gt;
| Mindestens 3–5 Träger liefern exportfähige, verständliche Datensätze; Aufwand und Hilfebedarf sind gemessen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''2. Gefährdete sorbische Ton- und Videobestände'''&lt;br /&gt;
| Priorisierung, Digitalisierung, Transkription, Rechte und Archivierung zeitkritischer Medien&lt;br /&gt;
| Hohe Verlustgefahr und großer Sprachwert; Anknüpfung an Tobar an Dualchais, PARADISEC und Indigitization&lt;br /&gt;
| Definierte Masterdateien, geprüfte Übergabe, zweisprachige Erschließung, Nutzungsfall für Bildung/Forschung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''3. Sensibles und immaterielles Kulturerbe'''&lt;br /&gt;
| Abgestufte Rechte und Community-Entscheidungen an Interviews, Bräuchen oder Familienmaterial erproben&lt;br /&gt;
| Testet Governance statt nur Technik&lt;br /&gt;
| Dokumentierte Freigabewege, mehrere Zugangsstufen, Takedown-Prozess und Community-Abnahme&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''4. Durchgängige Vier-Säulen-Kette'''&lt;br /&gt;
| Datenfluss vom Register bis zur Präsentation ohne manuelle Medienbrüche testen&lt;br /&gt;
| Macht Schnittstellen- und Verantwortungsprobleme früh sichtbar&lt;br /&gt;
| Identifikatoren und Rechte bleiben durchgängig erhalten; Übergaben sind reproduzierbar&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''5. Migrations- und Ausstiegstest'''&lt;br /&gt;
| Vollständigen Export eines Pilotbestands in ein neutrales Format und Wiederimport prüfen&lt;br /&gt;
| Reagiert direkt auf das LAAL- und RRN-Lernfeld technischer Alterung&lt;br /&gt;
| Dateien, Beziehungen, Rechte, Sprachwerte und Identifikatoren bleiben erhalten; Dokumentation ist für anderen Betreiber nutzbar&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.7 Mindestanforderungen vor jeder Beschaffung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor der Entscheidung für eine konkrete Software sollten folgende Punkte verbindlich beantwortet sein:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Welche Funktion der vier Säulen soll die Software erfüllen – und welche ausdrücklich nicht?&lt;br /&gt;
# Wer ist fachlich, technisch und rechtlich verantwortlich?&lt;br /&gt;
# Wie werden Ober- und Niedersorbisch in Oberfläche, Datenfeldern, Suche und Export behandelt?&lt;br /&gt;
# Welche vollständigen Daten- und Dateiexporte sind jederzeit möglich?&lt;br /&gt;
# Wie bleiben Identifikatoren und Beziehungen bei einem Systemwechsel erhalten?&lt;br /&gt;
# Welche Rechte- und Sichtbarkeitsstufen lassen sich abbilden?&lt;br /&gt;
# Wie werden Community-Ergänzungen von institutionellen Ausgangsdaten unterschieden, ohne sie abzuwerten?&lt;br /&gt;
# Wo liegen Masterdateien und wer prüft ihre Integrität?&lt;br /&gt;
# Welche wiederkehrenden Lizenz-, Hosting-, Speicher-, Wartungs- und Personalkosten entstehen über mindestens zehn Jahre?&lt;br /&gt;
# Was geschieht bei Anbieterwechsel, Projektende, Insolvenz oder Wegfall einer Förderung?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.8 Übertragbarkeit differenziert bewertet ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Direkt übertragbare Ansätze ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* funktionale Trennung von Register, Digitalisierung, Repositorium und Präsentation;&lt;br /&gt;
* zentraler Service bei dezentraler Trägerschaft;&lt;br /&gt;
* gemeinsamer Metadatenkern mit fachlichen Erweiterungen;&lt;br /&gt;
* abgestufte Zugänge und getrennte rechtliche/kulturelle Prüfung;&lt;br /&gt;
* Pilotierung mit heterogenen Trägern;&lt;br /&gt;
* Betreiber- und Finanzierungsplanung vor Skalierung;&lt;br /&gt;
* Schulung, Helpdesk und Vorlagen für kleine Sammlungen;&lt;br /&gt;
* Exportfähigkeit und Migrationsplanung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Mit Anpassungen übertragbare Ansätze ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Mukurtu-Protokolle und Traditional Knowledge Labels: als Vorbild, aber mit sorbisch entwickelten Begriffen und deutscher beziehungsweise europäischer Rechtsprüfung;&lt;br /&gt;
* Nuohttis föderierte Architektur: gut übertragbar, jedoch mit deutlich kleinerem institutionellem Netz und zwei sorbischen Schriftsprachen;&lt;br /&gt;
* bavarikons Förder- und Qualitätsverfahren: in vereinfachter Form und mit wesentlich kleinerem Budget;&lt;br /&gt;
* PARADISECs Fachrepositorium: als Dienstemodell für gefährdete Medien, nicht in dessen globaler Größenordnung;&lt;br /&gt;
* People’s Collection Wales: Support- und Beteiligungsmodell, angepasst an kleinere Personalressourcen und vorhandene sorbische Institutionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Kaum unmittelbar übertragbare Ansätze ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* eine vollständig eigenständige technische Großinfrastruktur nach Maßstab eines Flächenlandes wie Bayern;&lt;br /&gt;
* ein internationaler Universitätsverbund mit hunderten Terabyte und weltweitem Einzugsbereich wie PARADISEC;&lt;br /&gt;
* die unveränderte Übernahme indigener Rechts- und Kulturkonzepte in den europäischen Minderheitenkontext;&lt;br /&gt;
* die Vorstellung, jedes lokale Haus müsse ein eigenes Langzeitarchiv oder hoch spezialisiertes Digitalisierungslabor betreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Risiken und Fehler, die vermieden werden sollten ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* '''Portal zuerst:''' Eine öffentlich sichtbare Website wird gebaut, bevor Datenpflege, Rechte und Langzeiterhaltung geregelt sind.&lt;br /&gt;
* '''Projektserver als Archiv:''' Dateien liegen nur in Arbeitsordnern, Clouds oder einem Content-Management-System.&lt;br /&gt;
* '''Ein System für alles:''' Register, Produktion, Archivierung und Präsentation werden technisch und organisatorisch untrennbar gekoppelt.&lt;br /&gt;
* '''Offen oder geschlossen:''' Fehlende Zwischenstufen führen entweder zu unnötiger Sperrung oder unangemessener Veröffentlichung.&lt;br /&gt;
* '''Standards ohne Hilfe:''' Ehrenamtliche Träger erhalten komplexe Vorgaben, aber keine Schulung, Zeit oder Nachbearbeitung.&lt;br /&gt;
* '''Zentralisierung der Deutung:''' Lokale und sprachräumliche Perspektiven werden durch ein einziges zentrales Beschreibungsschema verdrängt.&lt;br /&gt;
* '''Digitalisierung ohne Rechtebudget:''' Scans und Aufnahmen entstehen schneller als Einwilligungen, Prüfungen und Freigaben bearbeitet werden können.&lt;br /&gt;
* '''Abhängigkeit ohne Exit:''' Proprietäre Software oder Dienstleister werden gewählt, ohne vollständigen Export und getesteten Betreiberwechsel.&lt;br /&gt;
* '''Projektende ohne Betrieb:''' Förderziele zählen veröffentlichte Objekte, aber keine Stellen, Speicher-, Wartungs- und Migrationskosten nach Förderende.&lt;br /&gt;
* '''Mehrsprachigkeit nur im Menü:''' Die Oberfläche ist übersetzt, Datensätze, Suche, Vokabulare und redaktionelle Prozesse bleiben einsprachig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.9 Priorisierte Schlussfolgerung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wichtigste Lehre lautet nicht, möglichst schnell ein großes Portal zu füllen. Vorrang hat eine belastbare Arbeitsteilung:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Zuerst Regeln und Verantwortung:''' Governance, Rechte, Sprachmodell, Mindestmetadaten und Betreiber festlegen.&lt;br /&gt;
# '''Dann die sichere Kette:''' Register, Digitalisierungszentrum und Repositorium in einem Ende-zu-Ende-Pilot verbinden.&lt;br /&gt;
# '''Danach skalieren:''' Bestände risikobasiert digitalisieren, kleine Träger durch Dienste und Förderung einbinden.&lt;br /&gt;
# '''Erst darauf die breite Präsentation:''' Freigegebene Inhalte zielgruppengerecht, mehrsprachig und nachnutzbar anbieten.&lt;br /&gt;
# '''Dauerhaft überprüfen:''' Nutzung, Datenqualität, Rechte-Rückstände, Betriebskosten und Community-Zufriedenheit messen und Architektur weiterentwickeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit wird aus vier technischen beziehungsweise organisatorischen Säulen ein gemeinsames System: '''dezentrale kulturelle Verantwortung, zentral abgesicherte Dienste und eine verbindliche dauerhafte Finanzierung.'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== H. Verdichtungsvorschlag für den Konzeptabschnitt „Beispiele anderer Kulturen und Regionen“ ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den kurzen Wiki-Abschnitt wird eine Gliederung in höchstens vier Unterabschnitte empfohlen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Ziel und Auswahl:''' Warum der Vergleich durchgeführt wurde und warum kein universelles Idealmodell gesucht wird.&lt;br /&gt;
# '''Sieben aussagekräftige Beispiele:''' RomArchive, Nuohtti, People’s Collection Wales, Tobar an Dualchais, Euskariana, Mukurtu/Plateau Portal und Indigitization. Jedes Beispiel erhält einen kurzen Kontext, die zentrale Besonderheit und ein konkretes Learning.&lt;br /&gt;
# '''Schlussverdichtung:''' Vier Säulen, drei Fundamente und zwei Betriebsregeln.&lt;br /&gt;
# '''Prioritäten für die Sorben:''' Governance und Standards → Ende-zu-Ende-Pilot und Zielrepositorium → Verstetigung des Digitalisierungszentrums → skalierte Präsentation und Nachnutzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die sieben Beispiele decken die für den sorbischen Kontext wichtigsten Perspektiven ab:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Beispiel&lt;br /&gt;
! Zentrale Besonderheit&lt;br /&gt;
! Konkretes Learning für die Sorben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| RomArchive&lt;br /&gt;
| Minderheitenangehörige kuratieren und steuern; Betreiberübergang nach Projektphase&lt;br /&gt;
| Deutungshoheit und dauerhaften Träger von Beginn an verankern&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Nuohtti&lt;br /&gt;
| Föderierte Suche über verteilte Bestände und mehrere Staaten/Sprachen&lt;br /&gt;
| Kulturregister als verbindende Nachweisschicht statt Zwangszentralisierung bauen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| People’s Collection Wales&lt;br /&gt;
| Zweisprachige Plattform plus Schulung und Community-Unterstützung; unabhängige Evaluation&lt;br /&gt;
| Kleine Träger brauchen Helpdesk, Training und realistische Wirkungsmessung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Tobar an Dualchais&lt;br /&gt;
| Sicherung und sprachliche Erschließung gefährdeter Tonaufnahmen&lt;br /&gt;
| Audiovisuelle Bestände zeitlich priorisieren und mit Transkription verbinden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Euskariana&lt;br /&gt;
| Gemeinsamer Katalog, eigenes Repositorium und Anbindung externer Systeme über Standards&lt;br /&gt;
| Zwei Onboarding-Wege und ein schlanker gemeinsamer Metadatenkern&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mukurtu / Plateau Portal&lt;br /&gt;
| Kulturelle Protokolle, mehrere Perspektiven und abgestufte Zugänge&lt;br /&gt;
| Rechte und kulturelle Sensibilität als Datenmodell, nicht als spätere Einzelfallkorrektur&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Indigitization&lt;br /&gt;
| Zentrale Kompetenz, Training und Kleinprojektförderung bei dezentraler Durchführung&lt;br /&gt;
| Digitalisierungszentrum als Dienstleister und Befähiger für lokale Träger ausgestalten&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Zielumfang von etwa 1.200 bis 1.800 Wörtern ist ausreichend. Die ausführlichen Fallprofile, Matrix, Quellen und differenzierten Empfehlungen verbleiben auf dieser Anhangsseite. Dadurch bleibt der Konzepttext lesbar, während zentrale Aussagen überprüfbar belegt und vertieft werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_faq&amp;quot;&amp;gt;RomArchive (o. J.): ''Frequently Asked Questions''. [https://www.romarchive.eu/en/about/frequently-answered-questions/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_imprint&amp;quot;&amp;gt;Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma e. V. / RomArchive (o. J.): ''Imprint''. [https://www.romarchive.eu/en/imprint/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_kulturstiftung&amp;quot;&amp;gt;Kulturstiftung des Bundes (o. J.): ''RomArchive – Digital Archive of the Roma''. [https://www.kulturstiftung-des-bundes.de/en/programmes_projects/film_and_new_media/detail/romarchive.html Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_about&amp;quot;&amp;gt;Nuohtti / Digital Access to the Sámi Heritage Archives (o. J.): ''About Nuohtti''. [https://nuohtti.com/Content/about Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_uarctic&amp;quot;&amp;gt;University of the Arctic (2023): ''The Nuohtti service provides digital access to Sámi material in European archives''. [https://www.uarctic.org/news/2023/3/the-nuohtti-service-provides-digital-access-to-sami-material-in-european-archives/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_dataspace&amp;quot;&amp;gt;Mäkikalli, Maija / Leppälä, Oona (2024): ''Nuohtti platform improves accessibility to the digitised archives of Sámi cultural heritage''. European Collaborative Cloud for Cultural Heritage / Europeana. [https://www.dataspace-culturalheritage.eu/en/news/nuohtti-platform-improves-accessibility-to-the-digitised-archives-of-sami-cultural-heritage Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_eval&amp;quot;&amp;gt;Vittle, Kate / Haswell-Walls, Fran / Dixon, Tim; ERS Ltd. (2016): ''Evaluation of the Casgliad y Werin Cymru / People’s Collection Wales Digital Heritage Programme. Impact Report''. [https://www.gov.wales/sites/default/files/publications/2019-08/evaluation-of-the-peoples-collection-wales-digital-heritage-programme-impact.pdf PDF], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_support&amp;quot;&amp;gt;People’s Collection Wales (o. J.): ''Community Support''. [https://www.peoplescollection.wales/about-us/community-support Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_edinburgh&amp;quot;&amp;gt;University of Edinburgh (2024): ''Tobar an Dualchais / Kist o Riches''. [https://gaelic.ed.ac.uk/gaelic-collections/tobar-an-dualchais-kist-o-riches Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_funding2025&amp;quot;&amp;gt;Scottish Government (2025): ''Rediscovering lost Gaelic words''. [https://www.gov.scot/news/rediscovering-lost-gaelic-words/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_funding2026&amp;quot;&amp;gt;Scottish Government (2026): ''Boost for Gaelic language''. [https://www.gov.scot/news/boost-for-gaelic-language/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_opening&amp;quot;&amp;gt;University of Edinburgh (o. J.): ''Opening the Well''. [https://gaelic.ed.ac.uk/news/opening-the-well Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;euskariana_about&amp;quot;&amp;gt;Gobierno Vasco / Biblioteca Digital de Euskadi (o. J.): ''Acerca de Euskariana''. [https://www.euskariana.euskadi.eus/euskadibib/es/help/about.do Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;bavarikon_about&amp;quot;&amp;gt;bavarikon / Freistaat Bayern (o. J.): ''Über bavarikon''. [https://www.bavarikon.de/about Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;bavarikon_partner&amp;quot;&amp;gt;bavarikon / Freistaat Bayern (o. J.): ''Partner werden''. [https://www.bavarikon.de/becoming-partner Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;bavarikon_500k&amp;quot;&amp;gt;Bayerische Staatsbibliothek (2024): ''bavarikon knackt die halbe Million: 500.000 digitale Kulturschätze aus rund 170 bayerischen Einrichtungen sind weltweit zugänglich''. [https://www.bsb-muenchen.de/en/about-us/article/bavarikon-knackt-die-halbe-million-500000-digitale-kulturschaetze-aus-rund-170-bayerischen-einrichtungen-sind-weltweit-zugaenglich-6555/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_about&amp;quot;&amp;gt;Mukurtu CMS / Center for Digital Scholarship and Curation, Washington State University (o. J.): ''About / Mission, Core Features, Implementation and Sustainability''. [https://mukurtu.org/about/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_plateau&amp;quot;&amp;gt;Mukurtu CMS / Washington State University (o. J.): ''Plateau Peoples’ Web Portal''. [https://mukurtu.org/project/plateau-peoples-web-portal-showcase/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_dlib&amp;quot;&amp;gt;Christen, Kimberly / Merrill, Alex / Wynne, Michael (2017): ''A Community of Relations: Mukurtu Hubs and Spokes''. D-Lib Magazine, 23(5/6). [https://www.dlib.org/dlib/may17/christen/05christen.html Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_who&amp;quot;&amp;gt;Aṟa Irititja (o. J.): ''Who are we?'' [https://irititja.com/about-ara-irititja/who-are-we/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_approach&amp;quot;&amp;gt;Aṟa Irititja (o. J.): ''Community-Based Approach – The Aṟa Irititja Approach''. [https://irititja.com/archive/the-ara-irititja-approach/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_funding&amp;quot;&amp;gt;Aṟa Irititja (o. J.): ''Funding''. [https://irititja.com/challlenges/funding/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_background&amp;quot;&amp;gt;Charles Darwin University / Living Archive of Aboriginal Languages (o. J.): ''Background''. [https://livingarchive.cdu.edu.au/background/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_rights&amp;quot;&amp;gt;Charles Darwin University / Living Archive of Aboriginal Languages (o. J.): ''Copyright and IP issues''. [https://livingarchive.cdu.edu.au/copyright/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_home&amp;quot;&amp;gt;Charles Darwin University / Living Archive of Aboriginal Languages (o. J.): ''Home''. [https://livingarchive.cdu.edu.au/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_migration&amp;quot;&amp;gt;Christie, Michael (2022): ''Post-LAAL update''. Living Archive of Aboriginal Languages, 26.10.2022. [https://livingarchive.cdu.edu.au/post-laal-update/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;paradisec_about&amp;quot;&amp;gt;PARADISEC (o. J.): ''About us''. [https://www.paradisec.org.au/about-us/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;paradisec_home&amp;quot;&amp;gt;PARADISEC (2026): ''Pacific and Regional Archive for Digital Sources in Endangered Cultures – Home and current collection data''. [https://www.paradisec.org.au/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_about&amp;quot;&amp;gt;Reciprocal Research Network (o. J.): ''About''. [https://www.rrncommunity.org/pages/about Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_contact&amp;quot;&amp;gt;Reciprocal Research Network (o. J.): ''Contact Us / Steering Group''. [https://www.rrncommunity.org/pages/contact Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_home&amp;quot;&amp;gt;Reciprocal Research Network (2026): ''Home / What’s inside''. [https://www.rrncommunity.org/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_rowley&amp;quot;&amp;gt;Rowley, Susan (2013): ''The Reciprocal Research Network: The Development Process''. Museum Anthropology Review, 7(1–2). [https://scholarworks.iu.edu/journals/index.php/mar/article/view/2172 Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_about&amp;quot;&amp;gt;Indigitization (o. J.): ''About Us''. [https://www.indigitization.ca/about-2/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_toolkit&amp;quot;&amp;gt;Indigitization (o. J.): ''Indigitization Toolkit''. [https://www.indigitization.ca/toolkit/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_grant&amp;quot;&amp;gt;Indigitization (o. J.): ''Audio Cassette Digitization Grant''. [https://www.indigitization.ca/funding/audio-cassette-grant/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_funding&amp;quot;&amp;gt;Indigitization (o. J.): ''Funding''. [https://www.indigitization.ca/funding/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;unesco_doc_heritage&amp;quot;&amp;gt;UNESCO (2015): ''Recommendation concerning the preservation of, and access to, documentary heritage including in digital form''. [https://www.unesco.org/en/legal-affairs/recommendation-concerning-preservation-and-access-documentary-heritage-including-digital-form Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;unesco_participation&amp;quot;&amp;gt;UNESCO Intangible Cultural Heritage (o. J.): ''Involvement of communities, groups and individuals''. [https://ich.unesco.org/en/involvement-of-communities-0033 Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;unesco_ethics&amp;quot;&amp;gt;UNESCO Intangible Cultural Heritage (o. J.): ''Ethical Principles for Safeguarding Intangible Cultural Heritage''. [https://ich.unesco.org/en/ethics-and-ich-00866 Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;oais&amp;quot;&amp;gt;International Organization for Standardization (ISO) (2025): ''ISO 14721:2025 – Space data and information transfer systems – Open archival information system (OAIS) – Reference model'', 3. Ausgabe. [https://www.iso.org/standard/87471.html Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;ndsa&amp;quot;&amp;gt;National Digital Stewardship Alliance (2026): ''Levels of Digital Preservation, Version 2.1''. [https://www.ndsa.org/publications/levels-of-digital-preservation/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;care&amp;quot;&amp;gt;Global Indigenous Data Alliance (o. J.): ''CARE Principles for Indigenous Data Governance''. [https://www.gida-global.org/careprinciples Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;localcontexts&amp;quot;&amp;gt;Local Contexts (o. J.): ''Traditional Knowledge and Biocultural Labels and Notices''. [https://localcontexts.org/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;edm&amp;quot;&amp;gt;Europeana Pro (o. J.): ''Europeana Data Model Documentation''. [https://pro.europeana.eu/page/edm-documentation Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;oaipmh&amp;quot;&amp;gt;Open Archives Initiative (o. J.): ''OAI-PMH Frequently Asked Questions''. [https://www.openarchives.org/documents/FAQ.html Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;iiif&amp;quot;&amp;gt;IIIF Consortium (2021, laufend gepflegt): ''IIIF Presentation API 3.0''. [https://iiif.io/api/presentation/3.0/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;iasa&amp;quot;&amp;gt;International Association of Sound and Audiovisual Archives (IASA) (o. J.): ''Guidelines on the Production and Preservation of Digital Audio Objects (TC-04)''. [https://www.iasa-web.org/tc04/audio-preservation Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;digicher&amp;quot;&amp;gt;Europeana Foundation / European Collaborative Cloud for Cultural Heritage (2024): ''Discover the DIGICHer project''. [https://www.dataspace-culturalheritage.eu/en/news/discover-the-digicher-project Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/references&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Měrko Šenk</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://koncept.serbski-inkubator.de/index.php?title=12.3.A1_Vergleichende_Recherche_%E2%80%93_Digitalisierung_des_Kulturerbes_anderer_Kulturen_und_Regionen&amp;diff=1067</id>
		<title>12.3.A1 Vergleichende Recherche – Digitalisierung des Kulturerbes anderer Kulturen und Regionen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://koncept.serbski-inkubator.de/index.php?title=12.3.A1_Vergleichende_Recherche_%E2%80%93_Digitalisierung_des_Kulturerbes_anderer_Kulturen_und_Regionen&amp;diff=1067"/>
		<updated>2026-07-22T11:41:18Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Měrko Šenk: /* B.3 Forschungslücken */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;''Anhang zu [[12.3 Digitalisierung des Kulturerbes]]''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
''Recherche- und Quellenstand: 20. Juli 2026''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Seite dokumentiert eine vergleichende Recherche zu Erfolgsmodellen, Grenzen und übertragbaren Lösungsbausteinen bei der Digitalisierung des Kulturerbes kleiner, autochthoner, indigener, sprachlicher und regional verteilter Gemeinschaften. Sie dient als ausführliche Beleg- und Arbeitsgrundlage für den Konzeptabschnitt [[12.3 Digitalisierung des Kulturerbes#Beispiele anderer Kulturen und Regionen|„Beispiele anderer Kulturen und Regionen“]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Wichtiger Hinweis zur Aussagekraft:''' Die Fallprofile trennen soweit möglich zwischen dokumentierten Tatsachen, Aussagen der Projektverantwortlichen und der hier vorgenommenen Bewertung. Viele Projekte veröffentlichen keine aktuellen Nutzungszahlen oder unabhängigen Wirkungsevaluationen. In diesen Fällen wird nicht allein aus einer ansprechenden Website auf Erfolg geschlossen. Wo eine Schlussfolgerung nur plausibel, aber nicht direkt belegt ist, ist sie als '''Bewertung''' oder '''Annahme''' gekennzeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Hinweis zur Erstellung:''' Die vorliegende Vergleichsrecherche wurde mit Unterstützung der Funktion „Deep Research“ von ChatGPT (Version GPT-5.6 Sol Pro) erstellt und anschließend redaktionell überarbeitet. Maßgeblich für die Nachvollziehbarkeit sind die jeweils angegebenen Quellen, während die daraus abgeleiteten Bewertungen und Schlussfolgerungen eine analytische Einordnung darstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
__TOC__&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== A. Zusammenfassung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die untersuchten Projekte zeigen kein universell ideales System. Erfolgreiche oder besonders lehrreiche Modelle kombinieren vielmehr unterschiedliche Bausteine entsprechend ihrer Gemeinschaft, Rechtslage, Bestandsstruktur und Ressourcen. Für den sorbischen Kontext sind vor allem folgende Erkenntnisse belastbar:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Funktionen klar trennen, Systeme aber verbinden.''' Register beziehungsweise Katalog, Digitalisierungsdienst, Repositorium beziehungsweise Langzeitarchiv und Präsentationssystem erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Erfolgreiche Verbünde verbinden diese Funktionen über Metadaten, Identifikatoren, Übergabeprozesse und Schnittstellen, statt alles in einem einzigen Portal zu vermischen.&lt;br /&gt;
# '''Gemeinschaftliche Steuerung ist keine Zusatzfunktion.''' RomArchive, Nuohtti, Mukurtu, Aṟa Irititja und das Reciprocal Research Network zeigen, dass Angehörige der jeweiligen Kultur an Auswahl, Beschreibung, Kontextualisierung, Zugangsregeln und strategischen Entscheidungen beteiligt sein müssen. Reine institutionelle „Beteiligung“ ohne festgelegte Entscheidungsrechte reicht nicht aus.&lt;br /&gt;
# '''Zentral ermöglichen, dezentral verantworten.''' Besonders übertragbar sind Modelle, bei denen eine zentrale Stelle Standards, Infrastruktur, Beratung, Qualitätssicherung, Schulung und gegebenenfalls Technik bereitstellt, während Kulturgutträger ihre Originale, lokalen Kenntnisse, Beziehungen zu Rechteinhabern und kulturellen Entscheidungen behalten.&lt;br /&gt;
# '''Ein Suchportal ist noch kein digitales Archiv.''' Nuohtti, Euskariana, bavarikon und das Plateau Peoples’ Web Portal aggregieren beziehungsweise präsentieren Inhalte aus verschiedenen Quellen. Die Langzeiterhaltung der Masterdateien muss davon getrennt geregelt sein. Mukurtu weist ausdrücklich darauf hin, dass eine Zugangsplattform nur ein Baustein eines umfassenderen Systems für Digitalisierung, Erhaltung und Betrieb ist.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
# '''Keine Massendigitalisierung ohne Zielarchiv und Rechteworkflow.''' Digitalisierung erzeugt dauerhafte Folgekosten. Vor einer Skalierung müssen Speicherort, Übernahmeprozess, Prüfsummen, Sicherung, Dateiformate, Metadaten, Rechte und spätere Migration festgelegt sein.&lt;br /&gt;
# '''Offenheit ist nicht binär.''' Erfolgreiche gemeinschaftlich gesteuerte Projekte arbeiten mit abgestuften Zugängen: öffentliches Metadatum, frei zugängliches Nutzungsdigitalisat, registrierter oder gemeinschaftsbezogener Zugang, zeitliche Sperre oder keine Online-Veröffentlichung. Zugänglichkeit und kulturelle Selbstbestimmung werden dadurch nicht als Gegensätze behandelt.&lt;br /&gt;
# '''Mehrsprachigkeit muss Teil der Datenarchitektur sein.''' Zweisprachige oder mehrsprachige Angebote wie People’s Collection Wales, Nuohtti, RomArchive, Euskariana und Aṟa Irititja zeigen, dass Sprachen nicht nur in der Oberfläche, sondern auch in Metadatenfeldern, kontrollierten Begriffen, Suchfunktionen, Transkriptionen und Verantwortlichkeiten berücksichtigt werden müssen.&lt;br /&gt;
# '''Kleine Träger brauchen Dienste, nicht nur Vorgaben.''' People’s Collection Wales und Indigitization belegen den Wert von Beratung, Schulung, Vorlagen, Pilotförderung, technischer Begleitung und „Train-the-Trainer“-Ansätzen. Ein Standard, den Ehrenamtliche oder kleine Einrichtungen ohne Hilfe nicht anwenden können, ist praktisch kein gemeinsamer Standard.&lt;br /&gt;
# '''Projektförderung kann den Aufbau finanzieren, nicht automatisch den Dauerbetrieb.''' RomArchive gelang der geplante Übergang an einen institutionellen Betreiber. Aṟa Irititja musste über Jahre um Verstetigung ringen; bei Indigitization ruht das frühere Förderprogramm für Audiokassetten; die Evaluation von People’s Collection Wales bezeichnete Finanzierungssicherheit als Kernproblem. Dauerverantwortung, Grundfinanzierung und technischer Erneuerungszyklus müssen daher vor einer breiten Skalierung geklärt werden.&lt;br /&gt;
# '''Pilotieren, messen, dann skalieren.''' Besonders sinnvoll sind Pilotvorhaben, die die gesamte Kette von der Erfassung über Rechteklärung und Digitalisierung bis zur Archivierung und Präsentation testen. Die Evaluation von People’s Collection Wales empfiehlt ausdrücklich einen Ablauf aus Bedarf, Pilot, Test, Auswertung und anschließender Skalierung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_eval&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daraus lässt sich ein prägnantes Zielmodell ableiten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Vier funktionale Säulen&lt;br /&gt;
! Leitfrage&lt;br /&gt;
! Kernaufgabe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''1. Register'''&lt;br /&gt;
| Was gibt es, wo befindet es sich, was bedeutet es und was ist prioritär?&lt;br /&gt;
| Institutionenübergreifender Nachweis, Kontext, Rechte- und Prioritätsinformationen; Verknüpfung verteilter Bestände.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''2. Digitalisierungsdienst'''&lt;br /&gt;
| Wie entstehen qualitätsgesicherte Digitalisate?&lt;br /&gt;
| Beratung, Auswahl geeigneter Verfahren, Digitalisierung, Qualitätsprüfung, Dienstleistersteuerung, Schulung und Hilfe für kleine Träger.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''3. Repositorium / digitales Langzeitarchiv'''&lt;br /&gt;
| Wie bleiben Masterdateien und Metadaten dauerhaft erhalten?&lt;br /&gt;
| Übernahme, Integritätskontrolle, redundante Sicherung, Dateiformatüberwachung, Migration, persistente Identifikatoren und dokumentierte Verantwortung.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''4. Präsentations- und Nutzungssysteme'''&lt;br /&gt;
| Was wird wem, in welcher Sprache und unter welchen Bedingungen zugänglich?&lt;br /&gt;
| Suche, Kontextualisierung, Bildung, Forschung, Download, Programmierschnittstellen und kreative Nachnutzung – abgestuft nach Rechten und kulturellen Regeln.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Merksatz:''' Das Register weiß, ''was'' und ''wo''; das Digitalisierungszentrum erzeugt und prüft; das Repositorium erhält; die Präsentation vermittelt und ermöglicht Nutzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese funktionale Vierertrennung bedeutet nicht zwingend vier Organisationen oder vier getrennte Beschaffungen. Digitalisierungszentrum und Repositorium können beispielsweise beim selben Träger liegen. Auftrag, Verantwortung, Budget, Qualitätskriterien und Betriebszusagen sollten dennoch getrennt benannt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== B. Stand der Forschung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== B.1 Vorhandene Modelle und Leitlinien ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Gesamtaufgabe „verteilt erfassen, priorisieren, digitalisieren, Metadaten zusammenführen, langfristig erhalten und verantwortungsvoll zugänglich machen“ existiert kein einzelnes, allgemein verbindliches End-to-End-Modell. Es gibt jedoch belastbare Teilmodelle, die zusammengedacht werden können:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die '''UNESCO-Empfehlung''' zur Erhaltung und Zugänglichkeit des dokumentarischen Erbes fordert institutionelle Auswahl- und Erhaltungsstrategien, fachgerechte Erschließung, Metadaten, Zusammenarbeit und rechtzeitige Maßnahmen für gefährdete digitale Bestände.&amp;lt;ref name=&amp;quot;unesco_doc_heritage&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Für immaterielles Kulturerbe verlangt die UNESCO die möglichst breite Beteiligung der Gemeinschaften und die Achtung üblicher Zugangsregeln. Die '''ethischen Grundsätze''' betonen die primäre Rolle der Gemeinschaften sowie freie, vorherige und informierte Zustimmung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;unesco_participation&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;unesco_ethics&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Das '''Referenzmodell OAIS (Open Archival Information System'''; deutsch: Referenzmodell für ein offenes Archiv-Informationssystem) beschreibt Rollen und Kernfunktionen eines digitalen Langzeitarchivs. „Offen“ bezeichnet dabei ein offen entwickeltes Referenzmodell, nicht einen zwingend offenen Zugang zu allen Inhalten.&amp;lt;ref name=&amp;quot;oais&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Die '''NDSA Levels of Digital Preservation''' (Reifegradstufen der National Digital Stewardship Alliance) bieten eine stufenweise, für kleinere Einrichtungen praktikable Orientierung zu Speicherorten, Integrität, Informationssicherheit, Metadaten und Dateiformaten. Die aktuelle Fassung 2.1 von März 2026 stellt ausdrücklich klar, dass nicht jede Sammlung überall die höchste Stufe erreichen muss.&amp;lt;ref name=&amp;quot;ndsa&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Die '''CARE Principles for Indigenous Data Governance''' – Collective Benefit, Authority to Control, Responsibility und Ethics, auf Deutsch etwa gemeinschaftlicher Nutzen, Kontrollbefugnis, Verantwortung und Ethik – ergänzen technische Offenheits- und Nachnutzungsprinzipien um kollektive Rechte und Verantwortlichkeiten.&amp;lt;ref name=&amp;quot;care&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* '''Local Contexts''' stellt Traditional Knowledge Labels und Biocultural Labels bereit, mit denen Gemeinschaften Hinweise zu Herkunft, kultureller Autorität, erlaubter Nutzung und besonderen Protokollen ergänzen können. Diese Instrumente ersetzen das staatliche Urheberrecht nicht, machen aber gemeinschaftsbezogene Erwartungen maschinen- und menschenlesbar.&amp;lt;ref name=&amp;quot;localcontexts&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Für '''Metadaten''' und Austausch stehen etablierte Bausteine zur Verfügung: '''Dublin Core''' für einfache Kernmetadaten, '''Europeana Data Model (EDM'''; Datenmodell der Europeana) für heterogene Kulturdatensätze, '''OAI-PMH (Open Archives Initiative Protocol for Metadata Harvesting'''; Protokoll zum Einsammeln von Metadaten), Programmierschnittstellen sowie '''IIIF (International Image Interoperability Framework'''; Standardfamilie zur interoperablen Präsentation von Bildern und zunehmend Audio/Video).&amp;lt;ref name=&amp;quot;edm&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;oaipmh&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;iiif&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Für audiovisuelle Bestände sind die '''IASA-TC-04'''-Richtlinien der '''International Association of Sound and Audiovisual Archives''' besonders relevant. Sie behandeln unter anderem Signalerfassung, Metadaten, Identifikatoren, Speicherung, kleine Einrichtungen und die Vergabe an Dienstleister.&amp;lt;ref name=&amp;quot;iasa&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== B.2 Vergleichende Forschung und Evaluation ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die belastbarsten Erkenntnisse entstehen aus einer Kombination aus technischen Dokumentationen, Projektberichten, wissenschaftlichen Fallstudien und unabhängigen Evaluationen. Besonders wertvoll ist die Evaluation von People’s Collection Wales, weil sie nicht nur Erfolge, sondern auch geringe Rücklaufzahlen, begrenzte Wirkungsnachweise, Finanzierungsrisiken, Rollenunklarheiten und den hohen Aufwand vermittelter Community-Arbeit offenlegt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_eval&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wissenschaftlich gut dokumentiert sind außerdem das gemeinschaftsbasierte Metadaten- und Zugangsmodell von Mukurtu und dem Plateau Peoples’ Web Portal sowie die kooperative Entwicklung des Reciprocal Research Network. Beide zeigen, dass Vertrauen, Vereinbarungen, parallel mögliche institutionelle und gemeinschaftliche Beschreibungen sowie fein abgestufte Zugänge organisatorisch ebenso wichtig sind wie die Software.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_dlib&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_rowley&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das EU-geförderte Forschungsprojekt DIGICHer untersucht seit 2024, wie Minderheitengemeinschaften – unter anderem Sámi, jüdische und ladinische Gemeinschaften – gerechter an der Digitalisierung und Repräsentation ihres Kulturerbes beteiligt werden können. Da das Projekt bis 2027 läuft, sind im Juli 2026 noch keine abschließenden, allgemein belastbaren Ergebnisse verfügbar. Es ist aber ein relevantes Anschlussvorhaben für die weitere Beobachtung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;digicher&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== B.3 Forschungslücken ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der Auswertung ergeben sich vier wiederkehrende Lücken:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Aktuelle, unabhängige Nutzungs- und Wirkungsevaluationen fehlen bei vielen Projekten.&lt;br /&gt;
# Die technische Präsentationsarchitektur ist häufig besser dokumentiert als die Verantwortung für Masterdateien, Migration und dauerhafte Finanzierung.&lt;br /&gt;
# Community-Beteiligung wird oft beschrieben, aber Entscheidungsrechte, Konfliktlösungen und Repräsentativität bleiben teilweise unklar.&lt;br /&gt;
# Es gibt zahlreiche Standards für Einzelaufgaben, aber wenig empirisch evaluierte Gesamtmodelle für kleine, institutionell verteilte Minderheiten mit ehrenamtlich betreuten Sammlungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Bewertung:''' Der Ansatz bei der Digitalisierung von Kulturerbe sollte deshalb nicht nach einer fertigen „Best-Practice-Software“ suchen. Zielführender ist eine belastbare Gesamtarchitektur aus &lt;br /&gt;
* ''Governance'', &lt;br /&gt;
* ''Diensten'', &lt;br /&gt;
* ''Mindeststandards'' und &lt;br /&gt;
* ''dauerhaftem Betrieb'', &lt;br /&gt;
in die geeignete vorhandene Softwareprodukte eingebunden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== C. Begründete Auswahl der Fallbeispiele ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Auswahl umfasst zwölf Fälle. Sie deckt europäische Minderheiten, indigene und gemeinschaftlich gesteuerte Modelle, regionale Verbünde, Sprach- und Audioarchive sowie problembehaftete Übergänge ab. Nicht jedes Projekt bildet die gesamte Prozesskette ab; gerade die Unterschiede machen sichtbar, welche Funktion jeweils gelöst wird und wo Lücken bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable sortable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Fall&lt;br /&gt;
! Gemeinschaft / Raum&lt;br /&gt;
! Modelltyp&lt;br /&gt;
! Besondere Relevanz für die Sorben&lt;br /&gt;
! Evidenzlage&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| RomArchive&lt;br /&gt;
| Roma und Sinti; transnational, Schwerpunkt Europa; Betrieb in Deutschland&lt;br /&gt;
| Kuratiertes, gemeinschaftsgeprägtes digitales Archiv&lt;br /&gt;
| Deutungshoheit, Übergabe vom Förderprojekt an einen dauerhaften Betreiber, Mehrsprachigkeit&lt;br /&gt;
| Mittel bis hoch: aktuelle Primärquellen; keine aktuelle unabhängige Wirkungsanalyse&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Nuohtti&lt;br /&gt;
| Sámi in Sápmi; Norwegen, Schweden, Finnland, historisch auch Russland&lt;br /&gt;
| Föderierter Suchdienst über Bestände vieler Institutionen&lt;br /&gt;
| Verteilte Bestände, mehrere Staaten und Sprachen, ethische Hinweise, Open-Source-Bausteine&lt;br /&gt;
| Mittel bis hoch: Projekt- und Betreiberquellen; belastbare Umfangsangaben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| People’s Collection Wales&lt;br /&gt;
| Walisische Bevölkerung und walisischsprachige Gemeinschaft; Wales, Vereinigtes Königreich&lt;br /&gt;
| Nationaler Verbund mit Community-Beiträgen und Schulung&lt;br /&gt;
| Zweisprachigkeit, kleine Träger, zentrale Unterstützung, unabhängige Evaluation&lt;br /&gt;
| Hoch für die untersuchte Förderphase; aktuelle Nutzungsdaten begrenzt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Tobar an Dualchais / Kist o Riches&lt;br /&gt;
| Gälisch- und Scots-sprachige Gemeinschaften; Schottland, Vereinigtes Königreich&lt;br /&gt;
| Digitales Oral-History- und Tonarchiv&lt;br /&gt;
| Gefährdete audiovisuelle Bestände, Sprache, Transkription, Bildung&lt;br /&gt;
| Mittel: aktuelle Bestands- und Förderangaben; keine umfassende unabhängige Evaluation&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Euskariana&lt;br /&gt;
| Baskische Kultur- und Sprachgemeinschaft; Projekt der Autonomen Gemeinschaft Baskenland, Spanien&lt;br /&gt;
| Staatlich getragenes Aggregations- und Zugangsportal&lt;br /&gt;
| Gemeinsamer Katalog, eigenes Repositorium plus Verlinkung, Standards und Europeana-Anbindung&lt;br /&gt;
| Mittel: gute offizielle Dokumentation; wenig unabhängige Wirkungsmessung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| bavarikon&lt;br /&gt;
| Regionales Kulturerbe Bayerns; keine Minderheitenplattform&lt;br /&gt;
| Staatlicher institutionsübergreifender Digitalisierungs- und Präsentationsverbund&lt;br /&gt;
| Betreiberverantwortung, Förderverfahren, Qualitätsanforderungen, Beteiligung vieler Einrichtungen&lt;br /&gt;
| Hoch für Organisation und Umfang; wegen Größenordnung nur teilweise übertragbar&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mukurtu und Plateau Peoples’ Web Portal&lt;br /&gt;
| Indigene Nationen des nordwestlichen Plateaus; USA&lt;br /&gt;
| Open-Source-Zugangsplattform und gemeinschaftlich kuratierter Verbund&lt;br /&gt;
| Kulturelle Protokolle, Traditional Knowledge Labels, mehrere Beschreibungen pro Objekt&lt;br /&gt;
| Hoch für Funktionsmodell und Governance; Betriebskapazität bleibt Voraussetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Aṟa Irititja&lt;br /&gt;
| Aṉangu der APY Lands; South Australia, Australien&lt;br /&gt;
| Gemeinschaftsbasiertes Multimediaarchiv und digitale Rückgabe&lt;br /&gt;
| Lokale Kontrolle, sensibler Zugang, mehrsprachige und niedrigschwellige Nutzung&lt;br /&gt;
| Mittel: detaillierte Eigendokumentation; Wirkungsnachweise überwiegend Selbstauskunft&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Living Archive of Aboriginal Languages&lt;br /&gt;
| Zahlreiche Aboriginal-Sprachgemeinschaften im Northern Territory, Australien&lt;br /&gt;
| Digitales Sprach- und Bildungsarchiv&lt;br /&gt;
| Rechteklärung, offene Lehrmaterialien, Master-/Nutzungsdateien, Migrationsrisiko&lt;br /&gt;
| Hoch für Prozess und Bestandsumfang; dokumentierte Einschränkung nach Systemwechsel&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| PARADISEC&lt;br /&gt;
| Viele kleine und gefährdete Sprachgemeinschaften, vor allem im Pazifikraum&lt;br /&gt;
| Universitärer Fachverbund für audiovisuelle Langzeiterhaltung&lt;br /&gt;
| Gefährdete Tonträger, professionelles Repositorium, verteilte Trägerschaft und Rückgabe von Kopien&lt;br /&gt;
| Hoch: große Bestände, aktuelle Berichte, Zertifizierung und Auszeichnungen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reciprocal Research Network&lt;br /&gt;
| First Nations der Nordwestküste von British Columbia; Kanada&lt;br /&gt;
| Föderierte Recherche- und Kooperationsplattform&lt;br /&gt;
| Institutionenübergreifende Suche, Vereinbarungen, Community-Wissen, technische Alterung&lt;br /&gt;
| Mittel bis hoch: aktuelle Bestandszahlen und Forschung; sichtbare Softwareversion von 2014&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Indigitization&lt;br /&gt;
| First Nations und weitere indigene Gemeinschaften in British Columbia; Kanada&lt;br /&gt;
| Kompetenz-, Schulungs- und Förderprogramm für dezentrale Digitalisierung&lt;br /&gt;
| Besonders nah am möglichen Dienstleistungsmodell eines sorbischen Digitalisierungszentrums&lt;br /&gt;
| Hoch für Förderphase 2013–2019; aktuelles Kassettenförderprogramm pausiert&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== D. Fallprofile ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.1 RomArchive – Digitales Archiv der Roma ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Roma sind eine transnationale, historisch in vielen europäischen und außereuropäischen Staaten lebende Minderheit mit vielfältigen Gruppen, Sprachen und Selbstbezeichnungen. Sinti sind eine unter anderem in Deutschland und Mitteleuropa beheimatete Gruppe. RomArchive ist deshalb keinem einzelnen Minderheitengebiet zugeordnet. Das Projekt wurde in Deutschland öffentlich gefördert und international mit überwiegend aus Roma bestehenden kuratorischen und beratenden Teams entwickelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RomArchive versteht sich als digitales Archiv für Kunst und Kulturen der Roma. Es erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern präsentiert kuratierte, repräsentative Bestände und wissenschaftliche Kontextualisierungen. Inhalte wurden von jeweils zuständigen kuratorischen Teams ausgewählt; kuratorische Teams und Beirat waren überwiegend mit Roma besetzt. Nach Angaben des Projekts wirkten rund 150 Personen aus 15 Staaten mit. Die Übergabe an eine Roma-Organisation war von Beginn der fünfjährigen Entwicklungsphase 2015–2019 an vorgesehen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_faq&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entwicklung wurde durch die Kulturstiftung des Bundes mit 3,75 Millionen Euro gefördert; weitere Unterstützer waren unter anderem die Bundeszentrale für politische Bildung, das Auswärtige Amt und das Goethe-Institut. Seit 2019 liegt der Betrieb beim Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg; die laufende Website nennt die Bundeszentrale für politische Bildung als Förderer.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_kulturstiftung&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_imprint&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Fachliche und technische Lösung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RomArchive verbindet kuratierte Themenbereiche, einen durchsuchbaren Archivbestand, biografische Akteursdaten und digitale Vermittlungsformate. Die Deutsche Kinemathek war für Konzeption und Vermittlung von digitaler Archivierung, Digitalisierung und Katalogisierung beteiligt. Die Website nutzt ein auf Django basierendes Content-Management-System; eine Verbindung zu Axiell Collections bindet das Sammlungsmanagement an die Präsentation an.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_imprint&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben veröffentlichten Materialien existiert ein internes Archiv, das auf begründete Anfrage für Forschung zugänglich ist. Dies ist ein einfaches, aber wichtiges Beispiel für abgestufte Zugänge. Das Angebot ist auf Deutsch, Englisch und Romanes verfügbar; die sprachliche Vielfalt des Romanes wird sichtbar gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Rechte, Beteiligung und nachweisbarer Erfolg ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die stärkste Leistung liegt in der kuratorischen und strategischen Beteiligung der Minderheit sowie in dem Anspruch, Fremdzuschreibungen durch selbst erzählte Gegennarrative zu korrigieren. Ethische Richtlinien und eine Sammlungspolitik wurden durch den internationalen Beirat mitentwickelt. Der Übergang vom zeitlich befristeten Entwicklungsprojekt an einen institutionellen Betreiber wurde tatsächlich vollzogen. Dass das Angebot im Juli 2026 weiterhin betrieben wird, ist ein belastbarer Nachhaltigkeitsindikator.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Aktuelle unabhängige Daten zu Nutzung, Reichweite, Aktualisierungsfrequenz und langfristiger digitaler Erhaltung der Masterdateien sind öffentlich nicht in ausreichender Tiefe dokumentiert. Die öffentliche Oberfläche ist stärker ein kuratiertes Archiv und Wissensportal als ein vollständiges Bestandsregister aller Roma-Kulturgüter. Die überwiegend restriktive Rechtekennzeichnung vieler Inhalte begrenzt kreative Nachnutzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* Minderheitenangehörige mit echten kuratorischen und strategischen Entscheidungsrechten;&lt;br /&gt;
* von Beginn an geplanter Betreiberübergang;&lt;br /&gt;
* Verbindung von Sammlungsdatenbank, kuratiertem Kontext und öffentlicher Präsentation;&lt;br /&gt;
* abgestufter Zugang zwischen öffentlicher Website und internem Forschungsarchiv;&lt;br /&gt;
* öffentliche Anschubförderung plus institutionelle Verankerung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwerte:''' &lt;br /&gt;
* Ein sorbisches Portal sollte nicht nur Objekte zeigen, sondern sorbische Perspektiven, Begriffe und Kontexte strukturell verankern. &lt;br /&gt;
* Für Kulturregister, Digitalisierungszentrum und Präsentation braucht es bereits in der Projektphase einen festgelegten dauerhaften Träger. &lt;br /&gt;
* Ein kuratorischer oder gemeinschaftlicher Beirat sollte nicht nur beraten, sondern definierte Entscheidungsrechte bei Auswahl, Beschreibung und sensiblen Inhalten erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.2 Nuohtti – Föderierter Zugang zum Sámi-Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Sámi sind ein indigenes Volk im nordeuropäischen Sápmi, das sich über Gebiete des heutigen Norwegens, Schwedens, Finnlands und Russlands erstreckt. Es gibt mehrere Sámi-Sprachen und unterschiedliche nationale Rechts- und Institutionsrahmen. Viele historische Quellen und Sammlungsobjekte befinden sich außerhalb von Sámi-Institutionen in europäischen Archiven, Bibliotheken und Museen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nuohtti ist ein Suchdienst, der digitalisierte Sámi-Materialien aus verschiedenen europäischen Gedächtnisinstitutionen zusammenführt. Er wurde im Projekt „Digital Access to the Sámi Heritage Archives“ von 2018 bis 2021 mit EU-Mitteln aus Interreg Nord entwickelt. Beteiligt waren die Sámi-Archive der norwegischen und finnischen Nationalarchive, das schwedische Reichsarchiv sowie Universitäten in Lappland, Oulu und Umeå; die Universität Lappland leitete das Projekt. Die Sámi-Parlamente Finnlands, Norwegens und Schwedens entsandten Mitglieder in die Steuerungsgruppe.&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_about&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_uarctic&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Vorgehen und Architektur ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor der technischen Umsetzung wurden einschlägige Bestände und Datenlieferanten kartiert. Nuohtti bündelt keine Originale und ersetzt die Quellsysteme nicht. Es normalisiert und indexiert Metadaten aus Archiven und Aggregatoren und führt Nutzerinnen und Nutzer zu den jeweiligen Digitalisaten. Eine Karte, eine Zeitleiste und mehrsprachige Suchoberflächen unterstützen den Zugang. Nach Projektangaben waren rund 30.000 Datensätze aus 32 Institutionen in fünf Sprachen zugänglich.&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_uarctic&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Technisch baut Nuohtti auf vorhandenen Open-Source- und öffentlichen Komponenten auf, darunter VuFind, Finna, RecordManager, Finto, Giellatekno, Apache Solr, Leaflet, OpenStreetMap und Nominatim. Daten werden unter anderem über nationale und europäische Aggregationswege eingebunden.&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Rechte, Ethik und Nachhaltigkeit ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nuohtti integriert ethische Hinweise in die Nutzung. Das ist besonders relevant, weil viele historische Beschreibungen und Sammlungen außerhalb der Sámi-Gemeinschaft und unter kolonialen Bedingungen entstanden. Nutzertests fanden unter anderem in Schulen und Bibliotheken statt. Nach dem Projekt wird der Dienst von den beteiligten Nationalarchiven weitergeführt; zugleich wird er im laufenden Projekt DIGICHer als Praxisbeispiel weiterentwickelt und untersucht.&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_dataspace&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Nuohtti löst vor allem den gemeinsamen Nachweis und Zugang. Die Digitalisierung, Rechteklärung und Langzeiterhaltung verbleiben überwiegend bei den Datenlieferanten. Unterschiedliche Datenqualität und historisch problematische Beschreibungen werden durch Aggregation nicht automatisch behoben. Aktuelle, öffentlich nachvollziehbare Nutzungszahlen sind begrenzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* föderierte Architektur statt erzwungener Zentralisierung aller Bestände;&lt;br /&gt;
* Bestands- und Datenquellenkartierung vor dem Portalbau;&lt;br /&gt;
* Beteiligung von Sámi-Parlamenten an der Steuerung;&lt;br /&gt;
* Wiederverwendung vorhandener Open-Source-Komponenten und nationaler Infrastrukturen;&lt;br /&gt;
* mehrsprachige, räumliche und zeitliche Suche;&lt;br /&gt;
* sichtbare ethische Kontextualisierung problematischer Bestände.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Das Sorbische Kulturregister kann als föderierender Nachweis funktionieren: große Institutionen liefern Metadaten über Schnittstellen, kleine Träger können Daten direkt in einem zentral angebotenen System erfassen. Eine zentrale Suche muss nicht bedeuten, dass alle Originale oder alle Digitalisate zentral verwaltet werden. Historische Fremdbeschreibungen sollten als solche kenntlich gemacht und um sorbische Bezeichnungen sowie Community-Kontexte ergänzt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.3 People’s Collection Wales / Casgliad y Werin Cymru ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wales ist ein Landesteil des Vereinigten Königreichs mit eigener Regierung und einer starken nationalen sowie walisischsprachigen Identität. Walisisch und Englisch sind für das Angebot gleichberechtigte Arbeitssprachen. Das Projekt richtet sich nicht nur an professionelle Kulturinstitutionen, sondern auch an lokale Geschichtsgruppen, Vereine, Schulen und Einzelpersonen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
People’s Collection Wales ist eine zweisprachige digitale Plattform und ein begleitendes Unterstützungsprogramm, über das Nutzerinnen und Nutzer walisisches Kulturerbe entdecken, beitragen und vermitteln können. Getragen wird es als föderierte Partnerschaft von Amgueddfa Cymru – National Museum Wales, der National Library of Wales und der Royal Commission on the Ancient and Historical Monuments of Wales; finanziert wird das Programm durch die walisische Regierung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_eval&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Plattform wird durch kostenlose Beratung und Schulung ergänzt. Das aktuelle Unterstützungsangebot umfasst Projektplanung, Digitalisierung, Urheberrecht, Datenschutz, Metadaten und Oral History. Diese Kombination aus Technik und persönlicher Begleitung ist für kleine und ehrenamtliche Träger besonders relevant.&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_support&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Nachweisbarer Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die unabhängige Evaluation von 2016 stellte für die Förderphase 2014–2016 eine gestärkte föderierte Partnerschaft, eine kritische Masse an Inhalten, Fortschritte bei Community-Kompetenzen und eine hohe Vertrauenswürdigkeit des nichtkommerziellen Angebots fest. Externe Projekte sparten Ressourcen, weil sie eine vorhandene Plattform nutzen konnten. Zugleich wurden die gemessenen Wirkungen insgesamt als eher moderat beschrieben. Die Nutzerbefragung hatte nur 38 vollständige Antworten; wirtschaftliche und touristische Wirkungen waren damals nicht nachweisbar. Die Evaluation benannte Finanzierungssicherheit, klare Rollen, technische Stabilität, Marketing und dauerhaft finanzierbare Vor-Ort-Unterstützung als zentrale Herausforderungen. Vermittelte Sitzungen seien für bestimmte Zielgruppen unverzichtbar.&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_eval&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Programm existiert weiterhin und bietet aktuell Unterstützung an. Die verfügbaren Quellen belegen damit institutionelle Kontinuität, ersetzen aber keine neue unabhängige Wirkungsevaluation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* föderierte Trägerschaft mehrerer starker Institutionen;&lt;br /&gt;
* zweisprachige Plattform und Materialien;&lt;br /&gt;
* kostenlose Beratung, Metadaten- und Digitalisierungsschulungen;&lt;br /&gt;
* gemeinsamer technischer Dienst, den lokale Projekte nicht selbst entwickeln müssen;&lt;br /&gt;
* expliziter Pilot- und Lernansatz;&lt;br /&gt;
* unabhängige Evaluation mit offen benannten Grenzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Ein Digitalisierungszentrum sollte nicht nur Geräte betreiben, sondern ein sichtbares Serviceangebot für Heimatstuben, Vereine, Kirchengemeinden, Kommunen und Privatpersonen aufbauen: Erstberatung, Vorlagen, Rechtehilfe, Metadatenhilfe, mobile Einsätze, Schulungen und telefonische beziehungsweise digitale Sprechstunden. Für Obersorbisch und Niedersorbisch sollte Mehrsprachigkeit verbindlich geplant und finanziert werden. Erfolgsmessung darf sich nicht auf Objektzahlen beschränken, sondern sollte Kompetenzen, beteiligte Träger, Nachnutzung und Zufriedenheit erfassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.4 Tobar an Dualchais / Kist o Riches ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schottisch-Gälisch ist eine keltische Minderheitensprache, die vor allem in Schottland, besonders in den Highlands und auf den Inseln, gesprochen wird. Scots ist eine weitere historisch gewachsene Sprache beziehungsweise Sprachgruppe Schottlands. Das Projekt umfasst Aufnahmen auf Gälisch, Scots und Englisch und ist in den öffentlichen und kulturellen Institutionen Schottlands verankert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tobar an Dualchais / Kist o Riches macht mehr als 40.000 mündliche Aufnahmen zugänglich, die seit den 1930er Jahren in Schottland und darüber hinaus entstanden. Enthalten sind Erzählungen, Lieder, Musik, Gedichte und Sachinformationen. Ein bedeutender Teil stammt aus den School of Scottish Studies Archives der Universität Edinburgh; die physischen Originalbestände verbleiben in den Archiven.&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_edinburgh&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Vorhaben wird durch eine Partnerschaft kultureller und wissenschaftlicher Einrichtungen getragen und erhält wiederkehrend öffentliche Förderung. Die schottische Regierung bewilligte 2025 beispielsweise 35.000 Pfund für die fortlaufende Online-Sammlung gälischer und Scots-Materialien und 2026 weitere 14.127 Pfund für die Entwicklung des digitalen Archivs.&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_funding2025&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_funding2026&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Technische und fachliche Schwerpunkte ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Projekt konzentriert sich auf bedrohte zeitbasierte Medien und deren sprachliche Erschließung. Suchfelder nach Thema, Titel und beitragender Person erleichtern die Nutzung. Das ergänzende Vorhaben „Opening the Well“ transkribiert einen großen Bestand gälischer Erzählungen und verbindet Freiwilligenarbeit mit automatischer Spracherkennung. Dadurch werden Tonaufnahmen nicht nur erhalten, sondern durchsuchbar und für Sprachforschung sowie Bildung nachnutzbar.&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_opening&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Die öffentlich sichtbaren Förderungen sind überwiegend programm- oder projektbezogen. Sie belegen fortlaufende Unterstützung, aber keine vollständig transparente dauerhafte Grundfinanzierung des gesamten Betriebs. Rechteklärung, Transkription und Qualitätskontrolle bleiben bei umfangreichen historischen Tonbeständen dauerhafte Aufgaben. Eine umfassende unabhängige Evaluation mit aktuellen Nutzungsdaten wurde in dieser Recherche nicht gefunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* klare Priorität für gefährdete audiovisuelle Bestände;&lt;br /&gt;
* institutionelle Aufbewahrung der Originale und digitale öffentliche Vermittlung;&lt;br /&gt;
* Verbindung von Digitalisierung, sprachlicher Erschließung und Bildung;&lt;br /&gt;
* Kombination aus Fachinstitutionen, öffentlicher Förderung und freiwilliger Mitarbeit;&lt;br /&gt;
* sichtbare Mehrsprachigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Sorbische Tonbänder, Kassetten, Filme und Videoformate sollten wegen Materialalterung und technischer Obsoleszenz gesondert priorisiert werden. Ein Pilot „Sorbische Stimmen und Lieder“ könnte Digitalisierung, Rechteklärung, obersorbische und niedersorbische Transkription, Übersetzung, Normdaten und Bildungsnutzung exemplarisch durchspielen. Automatische Spracherkennung kann unterstützen, ersetzt aber bei kleinen Sprachen keine fachliche und gemeinschaftliche Korrektur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.5 Euskariana – Digitales Portal zum baskischen Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Baskinnen und Basken leben beiderseits der spanisch-französischen Grenze. Baskisch (Euskara) ist eine eigenständige europäische Sprache mit mehreren Varietäten. Euskariana ist kein gesamtbaskisches staatenübergreifendes Projekt, sondern ein Angebot der Autonomen Gemeinschaft Baskenland in Spanien; es bezieht jedoch auch einschlägige Bestände aus Institutionen außerhalb dieser Region ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Euskariana wird von der Digitalen Bibliothek Euskadi innerhalb der baskischen Kulturverwaltung betrieben. Das Portal entsteht in Zusammenarbeit des baskischen Regierungsapparats mit den Provinzverwaltungen von Álava/Araba, Bizkaia und Gipuzkoa, Kommunen, Universitäten, kirchlichen und privaten Einrichtungen. Der Sammlungsschwerpunkt umfasst Werke baskischer Urheberinnen und Urheber, Veröffentlichungen aus Euskadi, weltweit entstandene Inhalte zu baskischen Themen sowie besonders Inhalte auf Baskisch oder in baskischer Übersetzung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;euskariana_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als staatlich getragenes Dauerangebot ist Euskariana stärker institutionell abgesichert als ein zeitlich begrenztes Förderprojekt. Öffentlich zugängliche Quellen benennen jedoch keine vollständigen jährlichen Betriebs- und Personalkosten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Architektur, Standards und Nachnutzung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Euskariana ist gleichzeitig gemeinsamer Katalog und Zugangsportal. Es integriert Datensätze aus Bibliotheksnetzen, Verbundkatalogen, Museen, Archiven, Hochschulrepositorien und internationalen Nationalbibliotheken. Digitale Objekte werden entweder im eigenen Repositorium bereitgestellt oder über Links in den Quellsystemen aufgerufen. Damit unterstützt das Projekt zwei Anbindungswege: zentrale Aufnahme und föderierte Verlinkung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;euskariana_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach offizieller Dokumentation nutzt Euskariana unter anderem MARC, Dublin Core (DC), METS, PREMIS und ALTO. Kurz erläutert: MARC dient vor allem bibliografischen Daten; Dublin Core beschreibt einen einfachen Metadatenkern; METS strukturiert digitale Objekte und Dateigruppen; PREMIS dokumentiert Erhaltungsinformationen; ALTO bildet Layout und erkannten Text digitalisierter Seiten ab. Die Standardisierung ermöglicht die Beteiligung an Europeana und die Verbindung zu weiteren spanischen und französischen Portalen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;euskariana_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Die offizielle Dokumentation ist technisch aussagekräftig, liefert aber wenig Informationen über Community-Entscheidungsrechte, abgestufte kulturelle Zugänge, aktuelle Nutzungszahlen oder eine unabhängige Wirkungsevaluation. Das Modell ist stärker verwaltungs- und institutionsgetrieben als gemeinschaftsgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* klar benannter öffentlicher Betreiber;&lt;br /&gt;
* Kooperation über Verwaltungs-, Institutions- und Sektorgrenzen hinweg;&lt;br /&gt;
* sowohl eigenes Repositorium als auch Einbindung externer Digitalisate;&lt;br /&gt;
* verbindliche internationale Metadaten- und Erhaltungsstandards;&lt;br /&gt;
* besondere Sichtbarkeit der Minderheitensprache;&lt;br /&gt;
* Anschluss an größere Aggregatoren wie Europeana.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Für das Sorbische Kulturregister sollte es mindestens zwei Onboarding-Wege geben: Kleine Träger erfassen beziehungsweise hinterlegen Daten und Dateien in zentral bereitgestellten Diensten; größere Einrichtungen liefern Daten aus eigenen Fachsystemen über Export oder Schnittstelle. Ein gemeinsames Kernprofil muss lokale Fachstandards nicht ersetzen, sondern deren wichtigste Angaben abbilden. Obersorbisch und Niedersorbisch sollten als eigenständige Sprachwerte, nicht nur als Übersetzungsvarianten von Deutsch, gespeichert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.6 bavarikon – Regionaler Digitalisierungs- und Präsentationsverbund ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Region und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bavarikon ist keine Minderheitenplattform, sondern das Kulturportal des Freistaats Bayern. Es ist dennoch relevant, weil es zeigt, wie ein Flächenland zahlreiche Museen, Archive, Bibliotheken, wissenschaftliche Einrichtungen und nichtstaatliche Träger in ein geregeltes Förder-, Qualitäts- und Präsentationsmodell einbindet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die grundsätzliche Ausrichtung und der Mitteleinsatz werden durch das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst sowie das Staatsministerium für Digitales bestimmt. Ein Rat mit 14 stimmberechtigten Mitgliedern aus unterschiedlichen Kultursparten entscheidet über neue Inhalte und berät zu Betrieb und Digitalisierungsstrategie. Die Bayerische Staatsbibliothek trägt den laufenden technischen, redaktionellen und organisatorischen Betrieb; das Leibniz-Rechenzentrum übernimmt das Hosting.&amp;lt;ref name=&amp;quot;bavarikon_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Partner können Digitalisierungsvorhaben beantragen. Die Bayerische Staatsbibliothek begleitet die Digitalisierung, wenn die Ergebnisse in hoher Qualität über bavarikon präsentiert werden. Für die Aufnahme existieren Kriterien, Metadatenhandreichungen, Qualitätsanforderungen für Digitalisate, Musterlisten und ein Vorantragsverfahren.&amp;lt;ref name=&amp;quot;bavarikon_partner&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Nachweisbarer Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Portal ging 2013 online und wird monatlich ergänzt. Im November 2024 meldete die Bayerische Staatsbibliothek mehr als 500.000 digitale Objekte aus rund 170 Einrichtungen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;bavarikon_500k&amp;quot;/&amp;gt; Die institutionelle Betreiberverantwortung, der geregelte Zugang zu Fördermitteln und die veröffentlichten Mindestanforderungen sind belastbare Erfolgsindikatoren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' bavarikon verfügt über die Ressourcen eines deutschen Flächenlandes und einer großen Staatsbibliothek. Diese Größenordnung ist für die Sorben nicht direkt übertragbar. Das Portal ist primär Präsentations- und Förderinfrastruktur; aus den öffentlichen Unterlagen lässt sich nicht ableiten, dass bavarikon für sämtliche Masterdateien aller Partner allein die vollständige Langzeiterhaltung übernimmt. Community-Governance und kulturell abgestufte Zugänge stehen nicht im Mittelpunkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* dauerhaft benannter zentraler Betreiber und leistungsfähiges Rechenzentrum;&lt;br /&gt;
* spartenübergreifendes Entscheidungsgremium;&lt;br /&gt;
* geregeltes Förder- und Auswahlverfahren;&lt;br /&gt;
* publizierte Mindeststandards und Vorlagen;&lt;br /&gt;
* zentrale fachliche Begleitung bei dezentralen Beständen;&lt;br /&gt;
* kontinuierlicher Ausbau statt einmaliger Portalveröffentlichung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Übertragbar ist nicht die Größenordnung, sondern die Verfahrenslogik: ein transparentes Antrags- und Priorisierungsverfahren, verbindliche Lieferpakete, klare Qualitätskontrollen und ein zentraler Ansprechpartner. Ein sorbischer Digitalisierungsfonds könnte kleinere, klar abgegrenzte Vorhaben fördern, sofern Rechte, Metadaten, Zielrepositorium und spätere Nutzung vorab geklärt sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.7 Mukurtu und Plateau Peoples’ Web Portal ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mukurtu entstand aus einer Zusammenarbeit mit der Warumungu-Gemeinschaft in Australien und wurde zu einer frei verfügbaren Plattform für indigene Gemeinschaften weiterentwickelt. Das hier besonders betrachtete Plateau Peoples’ Web Portal betrifft acht indigene Nationen des nordwestlichen Plateaus in den USA, darunter Spokane, Colville, Umatilla, Coeur d’Alene, Warm Springs, Yakama, Confederated Salish and Kootenai Tribes und Nez Perce. Diese Nationen besitzen jeweils eigene politische und kulturelle Strukturen innerhalb der Vereinigten Staaten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mukurtu CMS (Content-Management-System; deutsch: System zur Verwaltung und Veröffentlichung von Inhalten) wird am Center for Digital Scholarship and Curation der Washington State University als Open-Source-Software entwickelt und gepflegt. Die Entwicklung wurde unter anderem durch die National Endowment for the Humanities, das Institute of Museum and Library Services, die Mellon Foundation und die National Science Foundation gefördert.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_about&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_plateau&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Plateau Peoples’ Web Portal ist ein konkreter Verbund zwischen den beteiligten Stämmen, der Washington State University und externen Gedächtnisinstitutionen. Stammesvertreterinnen und -vertreter wählen und kuratieren Materialien; die technische Pflege liegt bei der Universität in Partnerschaft mit indigenen Programmen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_plateau&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Rechte- und Metadatenmodell ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mukurtu unterstützt Traditional Knowledge Labels, fein abgestufte kulturelle Protokolle und mehrere parallele Beschreibungen zu einem Objekt. Eine Institution kann beispielsweise eine archivische Beschreibung liefern, während eine Gemeinschaft eigene Namen, Erzählungen, Herkunftsangaben und Zugangsregeln ergänzt. Der „Roundtrip“-Mechanismus ermöglicht den Export angereicherter Daten, ohne ursprüngliche Metadaten zu verlieren.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wissenschaftliche Dokumentationen des Plateau-Portals beschreiben ein Hub-and-Spoke-Modell – also einen zentralen technischen Knoten mit mehreren institutionellen und gemeinschaftlichen Zulieferern – sowie Vereinbarungen zwischen Partnern, Dublin-Core-Metadaten und granulare Zugangsregeln.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_dlib&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Portal demonstriert dauerhaft, dass kulturelle Selbstbestimmung technisch nicht nur durch „öffentlich“ oder „geschlossen“ abgebildet werden muss. Es ermöglicht mehrere Wissensordnungen neben- statt untereinander. Die Plattform ist Open Source und exportfähig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Open Source bedeutet nicht kostenlosen Betrieb. Installation, Aktualisierung, Hosting, Rechtekonzeption, Datenmigration und Support benötigen dauerhaft qualifiziertes Personal. Mukurtu weist selbst ausdrücklich darauf hin, dass es eine Zugangsplattform und nur ein Bestandteil eines größeren Systems für Digitalisierung, Erhaltung und Nachhaltigkeit ist.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_about&amp;quot;/&amp;gt; Die Übernahme von Traditional Knowledge Labels in den sorbischen Kontext wäre nicht eins zu eins möglich, weil kulturelle und rechtliche Ausgangslagen verschieden sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* kulturelle Protokolle als Kern der Daten- und Zugangslogik;&lt;br /&gt;
* mehrere Beschreibungen und Perspektiven pro Objekt;&lt;br /&gt;
* exportfähige Daten statt Plattformbindung;&lt;br /&gt;
* Partnerschaftsvereinbarungen und konkrete Rollen;&lt;br /&gt;
* dauerhafte technische Trägerschaft durch eine Universität;&lt;br /&gt;
* Community-Kuration statt bloßer Rückmeldung nach Veröffentlichung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Im Kulturregister sollte neben institutionellen Angaben Raum für sorbische Bezeichnungen, lokale Varianten, Erinnerungen und Korrekturen bestehen. Rechte- und Sichtbarkeitsstufen müssen pro Datensatz und möglichst pro Mediendatei modelliert werden. Ein Sorbisches Kulturregister könnte zunächst ein eigenes, rechtlich passendes Set von „Kulturhinweisen“ entwickeln, etwa „nur Metadaten öffentlich“, „Nutzung nur nach Rücksprache“, „innergemeinschaftlich“, „zeitlich gesperrt“ oder „freie Nachnutzung erwünscht“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.8 Aṟa Irititja – Gemeinschaftsbasiertes Aṉangu-Archiv ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aṉangu ist eine Selbstbezeichnung von Ngaanyatjarra-, Pitjantjatjara- und Yankunytjatjara-Gemeinschaften im zentralen Australien. Aṟa Irititja arbeitet vor allem in den Aṉangu Pitjantjatjara Yankunytjatjara Lands (APY Lands) im Nordwesten des Bundesstaats South Australia. Die Gemeinschaften sind australischen staatlichen Strukturen zugehörig, verfügen aber über eigene Land- und Organisationsstrukturen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Entstehung, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Projekt entstand 1994 als sozialgeschichtliches Vorhaben der Pitjantjatjara Council Aboriginal Corporation. Es arbeitet mit Schulen, Bildungszentren, Gesundheits-, Frauen-, Medien-, Land- und Kunstorganisationen in den APY Lands zusammen. Ein zentrales Büro in Adelaide bearbeitet Datenbank, Digitalisierung, physische Lagerung und Verwaltung; ein Büro in Alice Springs hält den Kontakt zu Gemeinschaften und ergänzt Sprach-, Familien- und Kontextinformationen. Seit 2020 steht das Projekt unter dem Dach der APY-Organisation und wird durch deren Executive Board gesteuert.&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_who&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Finanzierung war über lange Zeit eine Mischung aus staatlichen Programmen, Stiftungen, Spenden sowie jährlichen Beiträgen beteiligter Schulen und Community-Organisationen. Die eigene Projektdokumentation bezeichnet die langfristige Finanzierung ausdrücklich als dauerhaftes Problem. Mit der Eingliederung in APY wurden 2020 drei permanente Teilzeitstellen geschaffen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_funding&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Fachliche Lösung, Rechte und Zugang ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aṟa Irititja wurde auf Wunsch der Gemeinschaften entwickelt, um kulturelle Geschichte zu bewahren und zurückzugeben. Das Multimediaarchiv umfasst Fotos, Dokumente, Filme, Tonaufnahmen und Objekte. Die Software sollte kulturelle Einschränkungen abbilden und zugleich für Nutzerinnen und Nutzer mit begrenzter Schriftkompetenz oder eingeschränktem Sehvermögen leicht bedienbar sein. Inhalte werden in Ngaanyatjarra, Pitjantjatjara, Yankunytjatjara und Englisch bereitgestellt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_approach&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_who&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gemeinschaftsmitglieder und kulturelle Berater beurteilen sensible Inhalte und Zugangsregeln. Der Ansatz der „digitalen Rückgabe“ bringt digitale Kopien und Nutzungsmöglichkeiten zu den Gemeinschaften zurück, auch wenn Originale in Museen oder anderen Institutionen verbleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Betrieb seit 1994, die Eingliederung in eine Aṉangu-geführte Organisation und die dauerhafte Nutzung in Schulen und Gemeinschaftseinrichtungen sind starke Nachhaltigkeitsindizien. Die Dokumentation beschreibt intergenerationelle Nutzung, Schulungen und Beschäftigung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Viele Wirkungsangaben stammen vom Projekt selbst. Unabhängige aktuelle Evaluationen und detaillierte technische Angaben zur Langzeiterhaltung sind begrenzt. Die langjährige Finanzierungssuche zeigt, dass kulturelle Bedeutung allein keinen verlässlichen Betriebsetat garantiert. Zentraler Betrieb in Adelaide schafft Fachlichkeit, kann aber Distanz zu abgelegenen Gemeinschaften erzeugen; deshalb bleibt die lokale Kontakt- und Trainingsstruktur wesentlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* Entwicklung aus einem ausdrücklichen Wunsch der Gemeinschaft;&lt;br /&gt;
* institutionelle Unterstellung unter eine gemeinschaftseigene Organisation;&lt;br /&gt;
* lokale Ansprechpartner und zentrale Facharbeit;&lt;br /&gt;
* kulturell abgestufte Zugänge;&lt;br /&gt;
* mehrsprachige, visuell einfache Oberfläche;&lt;br /&gt;
* Verbindung von digitaler Rückgabe, Bildung und Kompetenzaufbau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Auch im sorbischen Kontext sollten Nutzeroberflächen nicht nur für wissenschaftliche Fachkräfte gestaltet werden. Lokale Sammlungsbetreuerinnen und -betreuer brauchen einfache Erfassungswege, visuelle Hilfen und persönliche Unterstützung. Sensible Inhalte – etwa private Familienaufnahmen, religiöse Praktiken, personenbezogene Überlieferung oder nicht für eine allgemeine Öffentlichkeit bestimmte Aufzeichnungen – benötigen ein gemeinsam beschlossenes Zugangsmodell. Zentraler Betrieb muss durch lokale Beziehungen ergänzt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.9 Living Archive of Aboriginal Languages (LAAL) ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Living Archive of Aboriginal Languages bündelt Literatur aus zahlreichen Aboriginal-Sprachgemeinschaften des Northern Territory in Australien. Es handelt sich nicht um eine einzige Minderheit, sondern um viele eigenständige Sprach- und Kulturgemeinschaften. Ein großer Teil der Bücher entstand zwischen den 1970er Jahren und dem Ende bilingualer Bildungsprogramme in lokalen Literature Production Centres.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Projekt begann 2012 unter Leitung der Charles Darwin University mit der Australian National University und dem Bildungsressort des Northern Territory. Es wurde durch die Australian Research Council Linkage Infrastructure, Equipment and Facilities Scheme gefördert. Eine zweite Förderphase erweiterte den Bestand und die Community- sowie Bildungsarbeit; weitere Partner kamen hinzu.&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_background&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Vorgehen umfasste das Auffinden verstreuter Bücher, Auswahl und Digitalisierung, Kontakt zu Autorinnen, Autoren und Illustratoren, Rechteklärung sowie Rückspiegelung in die Herkunftsgemeinschaften. Gemeinschaftsmitglieder konnten Texte prüfen und Geschichten oder Tonaufnahmen ergänzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Dateien, Rechte und Zugang ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für jeden Titel wurden Nutzungsdateien wie PDF, Textdatei und Vorschaubild erstellt; seitenweise TIFF-Masterdateien dienten der Langzeitaufbewahrung. Eine kartenbasierte Oberfläche erleichterte auch Menschen mit geringer Schriftkompetenz die Suche.&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_background&amp;quot;/&amp;gt; Materialien wurden nur nach schriftlicher Einwilligung von Urheberinnen, Urhebern oder Nachkommen veröffentlicht. Das Projekt verwendete Creative-Commons-Lizenzen mit Einschränkungen, berücksichtigte indigene Kultur- und Informationsprotokolle und bot ein Takedown-Verfahren, also die vorläufige Entfernung bei Einwänden.&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_rights&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der aktuelle Bestand umfasst nach Projektangaben nahezu 4.000 Bücher in 50 Sprachen aus 40 Gemeinschaften. Die Materialien wurden in die Plattform Territory Stories von Library &amp;amp; Archives Northern Territory überführt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_home&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Erfolg, Problem und Lernwert ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
LAAL verbindet Sprachsicherung, Rechteklärung, offene Bildungsnutzung und echte Erhaltungsdateien. Das Projekt zeigt aber auch eine typische Migrationsgefahr: Nach der Überführung in Territory Stories funktionierte die speziell entwickelte Kartenoberfläche nicht mehr; das Projekt dokumentierte 2022, dass zunächst auf einen möglichen Ersatz gewartet werde.&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_migration&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Die sorgfältige Rechteklärung erzeugte einen beträchtlichen Rückstand nicht veröffentlichter Materialien; dies ist kein Projektversagen, sondern ein realer Zielkonflikt zwischen Geschwindigkeit und Zustimmung. Die Migration bewahrte Inhalte, verlor aber zumindest zeitweise eine für die Zielgruppen wichtige Zugangsfunktion. Die ursprüngliche Projektorganisation war stark förderabhängig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* systematische „Search-and-Rescue“-Phase für verstreute gefährdete Materialien;&lt;br /&gt;
* klare Trennung von Erhaltungs- und Nutzungsdateien;&lt;br /&gt;
* Veröffentlichung nur mit Einwilligung und Takedown-Verfahren;&lt;br /&gt;
* Beteiligung der Sprachgemeinschaften an Prüfung und Ergänzung;&lt;br /&gt;
* Bildungsnutzung und Offline-Zugriff;&lt;br /&gt;
* Übergabe an eine öffentliche Gedächtnisinstitution.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Für jede digitale Sammlung muss ein Migrations- und Exit-Plan festlegen, wie Daten, Rechteangaben, Identifikatoren und zielgruppenspezifische Funktionen beim Systemwechsel erhalten bleiben. Eine funktionierende Fachoberfläche darf nicht der einzige Ort sein, an dem Beziehungen zwischen Daten gespeichert sind. Rechteklärung sollte als eigenes Arbeitspaket mit Aufwand, Rückständen und Prioritäten geplant werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.10 PARADISEC – Facharchiv für gefährdete Sprachen und Kulturen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaften, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PARADISEC steht für Pacific And Regional Archive for Digital Sources in Endangered Cultures. Es ist kein Archiv einer einzelnen Minderheit, sondern bewahrt Forschungs- und Community-Aufnahmen vieler kleiner Sprach- und Kulturgemeinschaften, vor allem im Pazifikraum, aber auch weltweit. Der institutionelle Sitz liegt in Australien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Organisation, Finanzierung und Architektur ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PARADISEC ist ein Verbund der University of Sydney, der University of Melbourne und der Australian National University. Operative Aufgaben sind über die drei Standorte verteilt; ein externer Beirat unterstützt die Steuerung. Das Projekt wurde wesentlich durch den Australian Research Council und in jüngerer Zeit durch die Language Data Commons of Australia im Rahmen nationaler Forschungsinfrastruktur finanziert.&amp;lt;ref name=&amp;quot;paradisec_about&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;paradisec_home&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Archiv hat Verfahren für Übernahme, Katalogisierung, Digitalisierung und Erhaltung von Audio-, Text- und Bildmaterial entwickelt. Es nutzt Forschungsnetze und institutionelle Speicherinfrastruktur, archiviert Audio in Erhaltungsformaten und stellt stabile Katalogdaten bereit. Kopien wurden an Kulturzentren und Institutionen in Vanuatu, Neukaledonien, Papua-Neuguinea, Französisch-Polynesien, den Salomonen und Rapa Nui zurückgegeben.&amp;lt;ref name=&amp;quot;paradisec_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Nachweisbarer Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Juli 2026 weist PARADISEC rund 20.500 Stunden Audio, 4.000 Stunden Video, mehr als 320 Terabyte und Inhalte zu etwa 1.460 Sprachen aus. Es erhielt 2019 das CoreTrustSeal für vertrauenswürdige Repositorien und wurde 2024 bei den Digital Preservation Awards sowie 2025 mit einem Open Scholarship Award ausgezeichnet.&amp;lt;ref name=&amp;quot;paradisec_home&amp;quot;/&amp;gt; Die Kombination aus großem Bestand, langjährigem Betrieb, fachlichen Standards und konkreter Rückgabe an Herkunftsgemeinschaften ist ein starker Erfolgsnachweis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Ein universitärer Forschungsverbund verfügt über Kompetenzen und Infrastrukturen, die kleinen lokalen Trägern nicht direkt zur Verfügung stehen. Die Community-Beteiligung variiert je nach Depositor, Sammlung und Herkunftsgemeinschaft. Online-Zugriff kann in Regionen mit schwacher Internetversorgung oder ohne passende Sprache weiterhin schwierig sein. Auch ein erfolgreiches Facharchiv benötigt laufende Dritt- und Infrastrukturmittel sowie technische Erneuerung; PARADISEC arbeitet derzeit an einer Erneuerung seines Katalogs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* fachlich fokussiertes Repositorium für gefährdete audiovisuelle und sprachliche Materialien;&lt;br /&gt;
* verteilte institutionelle Trägerschaft mit gemeinsamem Verfahren;&lt;br /&gt;
* professionelle Erhaltungsstandards und Zertifizierung;&lt;br /&gt;
* stabile Identifikatoren und wissenschaftliche Zitierbarkeit;&lt;br /&gt;
* Rückgabe von Kopien und Kooperation mit regionalen Kulturzentren;&lt;br /&gt;
* langfristige Verbindung zu Forschungsinfrastruktur statt isoliertem Projektserver.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Für gefährdete Audio-, Video- und Sprachdaten sollte nicht jede kleine Einrichtung ein eigenes Langzeitarchiv aufbauen. Ein zentral betriebener, professioneller Repositoriumsdienst mit klaren Übernahmepaketen ist sinnvoll. Gleichzeitig müssen Kopien, Zugriffsrechte und nutzbare Arbeitsfassungen bei den sorbischen Kulturgutträgern verbleiben können. Zertifizierungsmodelle wie CoreTrustSeal können langfristig Orientierung geben, sollten aber erst nach Aufbau stabiler Prozesse angestrebt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.11 Reciprocal Research Network (RRN) ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Reciprocal Research Network betrifft kulturelle Objekte der First Nations der Nordwestküste von British Columbia in Kanada. Es wurde gemeinsam von der Musqueam Indian Band, der Stó:lō Nation beziehungsweise dem Stó:lō Tribal Council, der U’mista Cultural Society und dem Museum of Anthropology der University of British Columbia entwickelt. Zahlreiche internationale Museen liefern Daten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und technische Lösung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das RRN ist eine föderierte Recherche- und Kooperationsplattform. Es ermöglicht die gemeinsame Suche in institutionellen Sammlungen, persönliche und gemeinsame Forschungsprojekte, Dateiuploads und Diskussionen. Eine Steuerungsgruppe mit Vertreterinnen und Vertretern der beteiligten First Nations und des Museums ist weiterhin ausgewiesen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_about&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_contact&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wissenschaftliche Publikationen beschreiben den Aufbau als langfristigen Vertrauens- und Aushandlungsprozess. Vereinbarungen mit Partnerinstitutionen regelten Datenlieferung und Zusammenarbeit; agile Softwareentwicklung wurde mit unterschiedlichen Erwartungen und Entscheidungsrhythmen in Einklang gebracht.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_rowley&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Nachweisbarer Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Juli 2026 zeigt die Plattform Daten aus 29 Institutionen, mehr als 570.000 Objekte und 391.000 Fotografien sowie über 4.000 registrierte Mitglieder und fast 2.800 Projekte an.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_home&amp;quot;/&amp;gt; Diese Größenordnung belegt eine erhebliche institutionsübergreifende Aggregation und Nutzung der Arbeitsfunktionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Im Seitenfuß wird weiterhin die Softwareversion 1.8.3 mit Startdatum 22. November 2014 ausgewiesen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_contact&amp;quot;/&amp;gt; Das ist kein Beleg dafür, dass der Dienst beendet ist – die Plattform ist erreichbar und aktuelle Bestandszahlen werden angezeigt –, aber ein Warnsignal für Modernisierungs-, Sicherheits- und Wartungsrisiken. Detaillierte aktuelle Angaben zu Erhaltungsrepositorien und Betriebskosten sind öffentlich begrenzt. Das RRN ist vor allem Forschungs- und Zugangsplattform, nicht zwingend das Langzeitarchiv sämtlicher Quelldateien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* gemeinsame Entwicklung durch First Nations und Museum;&lt;br /&gt;
* föderierte Suche über internationale Sammlungen;&lt;br /&gt;
* dauerhafte Steuerungsgruppe;&lt;br /&gt;
* projektbezogene Kollaboration statt nur passiver Objektanzeige;&lt;br /&gt;
* formalisierte Partnerschaften und Aufbau von Vertrauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Ein sorbisches System kann mehr sein als ein Suchkatalog: Arbeitsbereiche für gemeinsame Erschließung, Korrekturen, Transkription, Übersetzung und Forschung erhöhen die aktive Nachnutzung. Solche Funktionen dürfen aber erst aufgebaut werden, wenn technische Wartung und Datenexport gesichert sind. Langfristige Kooperationsvereinbarungen sind wichtiger als einmalige Datenlieferungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.12 Indigitization – Dezentrale Digitalisierung mit zentraler Befähigung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Indigitization richtet sich an First Nations und weitere indigene Gemeinschaften in British Columbia, Kanada. Die Gemeinschaften verfügen über eigene Regierungen, Archive, Sprachprogramme und Kulturinstitutionen, arbeiten aber häufig mit begrenzten technischen und personellen Ressourcen. Viele gefährdete Tonaufnahmen befinden sich weiterhin lokal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Organisations- und Fördermodell ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Indigitization ist eine Kooperation indigener Gemeinschaften und Organisationen mit dem Irving K. Barber Learning Centre, dem Museum of Anthropology, dem Northern BC Archives der University of Northern British Columbia, der X̱wi7x̱wa Library und weiteren Einheiten der University of British Columbia. Das Programm entwickelt Ressourcen, führt Schulungen durch, berät zu Fördermitteln und unterstützt gemeinschaftsgeführte Digitalisierung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Werkzeugkasten entstand aus drei Pilotprojekten mit First Nations und verbindet deren Erfahrungen mit fachlichen Digitalisierungsstandards. Er enthält Planungshilfen, technische Anleitungen, Metadaten- und Dateiverfahren sowie Musterunterlagen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_toolkit&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von 2013 bis 2019 finanzierten Audiokassetten-Zuschüsse drei Pilot- und 45 Förderprojekte. Mehr als 11.464 Kassetten wurden digitalisiert; insgesamt wurden über 422.143 kanadische Dollar vergeben. Die Förderung umfasste ergänzende Mittel bis 10.000 Dollar je Vorhaben und intensive Schulung. Das spezifische Förderprogramm befindet sich derzeit in einer Pause, während Beratung, Workshops und Verweise auf weitere Programme fortgeführt werden.&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_grant&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_funding&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Rechte, Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Digitalisierungsprojekte verbleiben bei den Gemeinschaften; eine öffentliche Veröffentlichung war nicht zwingend. Auch protokollgebundene und nichtöffentliche Zugänge waren förderfähig. Das schützt lokale Kontrolle und stärkt Kompetenzen vor Ort. Die dokumentierten Objekt- und Förderzahlen sowie die fortbestehende Beratungsinfrastruktur belegen konkrete Wirkung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Dezentrale Digitalisierung garantiert noch keine langfristige Erhaltung. Jede Gemeinschaft braucht ein tragfähiges Speicher-, Sicherungs- und Migrationskonzept oder einen verlässlichen Repositoriumspartner. Die Pause des früheren Kassettenprogramms zeigt die Verwundbarkeit zeitlich begrenzter Förderlinien. Für kleine Teams kann die dauerhafte Anwendung technischer Standards trotz Schulung anspruchsvoll bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* zentrale Kompetenz, Vorlagen, Schulung und begrenzte Anschubfinanzierung;&lt;br /&gt;
* Durchführung und Kontrolle bei den lokalen Gemeinschaften;&lt;br /&gt;
* Pilotprojekte als Grundlage des Werkzeugkastens;&lt;br /&gt;
* praxisnahe Muster für Projektplan, Budget und Stellenprofil;&lt;br /&gt;
* kein Zwang zur allgemeinen Veröffentlichung;&lt;br /&gt;
* Netzwerk aus Hochschulen, Archiven und Community-Fachleuten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Dieses Modell kommt einer möglichen Rolle des sorbischen Digitalisierungszentrums besonders nahe. Die zentrale Stelle könnte mobile Technik, Leihgeräte, Schulung, Qualitätsprüfung, Dienstleisterrahmenverträge und Kleinprojektförderung bereitstellen. Lokale Träger behalten Originale, Auswahl, Kontext und Zugangsentscheidungen. Anders als bei rein dezentralen Ansätzen sollte im sorbischen Modell jedoch von Anfang an ein gemeinsames Repositorium oder ein verbindlicher Repositoriumsdienst angeschlossen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== E. Vergleichsmatrix ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== E.1 Funktionen, Architektur und Standards ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable sortable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Projekt&lt;br /&gt;
! Register / Katalog&lt;br /&gt;
! Digitalisierung&lt;br /&gt;
! Repositorium / Langzeiterhaltung&lt;br /&gt;
! Präsentation / Nachnutzung&lt;br /&gt;
! Technologie und Standards&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''RomArchive'''&lt;br /&gt;
| Kuratierter Sammlungsnachweis; kein Vollregister&lt;br /&gt;
| Auswahl und Digitalisierung in der Projektphase&lt;br /&gt;
| Interne und veröffentlichte Bestände; öffentliche Dokumentation der Langzeitprozesse begrenzt&lt;br /&gt;
| Themenarchive, Touren, Forschung; Deutsch, Englisch, Romanes; eingeschränkte Nachnutzung&lt;br /&gt;
| Axiell Collections, Django-Webanwendung, Connector zwischen Sammlung und Website&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Nuohtti'''&lt;br /&gt;
| Föderierter Metadatenindex aus vielen Archiven&lt;br /&gt;
| Erfolgt überwiegend bei Quellinstitutionen&lt;br /&gt;
| Verbleibt bei Datenlieferanten; Nationalarchive tragen Suchdienst weiter&lt;br /&gt;
| Mehrsprachige Suche, Karte, Zeitleiste; Verlinkung zu Quellen&lt;br /&gt;
| VuFind, Finna, RecordManager, Solr, Finto, Giellatekno, Leaflet, OpenStreetMap, Europeana-Wege&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''People’s Collection Wales'''&lt;br /&gt;
| Gemeinsame Plattform mit institutionellen und Community-Beiträgen&lt;br /&gt;
| Zentral unterstützte, teils lokale Digitalisierung; Schulungen&lt;br /&gt;
| In Evaluation als klärungsbedürftige Rolle benannt; nicht allein aus Portal abzuleiten&lt;br /&gt;
| Zweisprachiges Portal, Uploads, Lernangebote, Karten&lt;br /&gt;
| Gemeinsame Plattform; Metadaten-, Rechte- und Digitalisierungshilfen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Tobar an Dualchais'''&lt;br /&gt;
| Durchsuchbarer Katalog zu Tonaufnahmen&lt;br /&gt;
| Audio-Digitalisierung, Erschließung und Transkription&lt;br /&gt;
| Originale in institutionellen Archiven; digitale Erhaltung in Partnerstrukturen&lt;br /&gt;
| Mehr als 40.000 Aufnahmen; Sprache, Bildung, Forschung&lt;br /&gt;
| Audio-Workflows; Transkription und automatische Spracherkennung in Ergänzungsprojekten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Euskariana'''&lt;br /&gt;
| Integrierter Katalog aus Bibliotheken, Archiven, Museen und Repositorien&lt;br /&gt;
| Bei Partnern und in eigenen Programmen&lt;br /&gt;
| Eigenes Repositorium plus Links zu externen Repositorien&lt;br /&gt;
| Baskisch/spanisch; öffentliche Suche; Europeana-Anbindung&lt;br /&gt;
| MARC, Dublin Core, METS, PREMIS, ALTO; OAI-Zugang&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''bavarikon'''&lt;br /&gt;
| Gemeinsames Portal mit Partnerdaten&lt;br /&gt;
| Förderprogramm und fachliche Begleitung; zentrale Qualitätsprüfung&lt;br /&gt;
| Verantwortlichkeit für alle Masterdateien nicht einheitlich öffentlich dokumentiert&lt;br /&gt;
| Portalsuche, Ausstellungen, 3D, Bildungs- und Social-Media-Formate&lt;br /&gt;
| Verbindliche Metadaten- und Lieferhandreichungen; zentrales Hosting&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Mukurtu / Plateau Portal'''&lt;br /&gt;
| Institutionelle und Community-Datensätze zu denselben Objekten&lt;br /&gt;
| Nicht Kernfunktion; lokale beziehungsweise institutionelle Workflows&lt;br /&gt;
| Mukurtu ausdrücklich nur Zugangsbaustein; Erhaltung separat zu planen&lt;br /&gt;
| Protokollbasierter Zugang, Community-Erzählungen, Export&lt;br /&gt;
| Open Source auf Drupal-Basis; TK Labels; kulturelle Protokolle; Dublin Core; Roundtrip-Export&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Aṟa Irititja'''&lt;br /&gt;
| Zentraler Multimedia-Katalog mit lokalen Ergänzungen&lt;br /&gt;
| Zentral vorbereitet, mit Community-Kontaktstellen und historischer Formatrettung&lt;br /&gt;
| Physische und digitale Materialien zentral fachlich verwaltet; Details zu Erhaltungsstufen begrenzt&lt;br /&gt;
| Community-Zugänge, mehrsprachig, visuell niedrigschwellig; digitale Rückgabe&lt;br /&gt;
| Speziell entwickelte beziehungsweise weiterentwickelte Wissensmanagement-Software; kulturelle Beschränkungen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''LAAL'''&lt;br /&gt;
| Sprach-, Orts-, Personen- und Titelnachweis&lt;br /&gt;
| Systematische Suche, Scan und Rechteklärung&lt;br /&gt;
| TIFF-Master; zunächst CDU eSpace, später Territory Stories&lt;br /&gt;
| PDFs, Textdateien, App, Bildung; ursprüngliche Kartenfunktion nach Migration verloren&lt;br /&gt;
| TIFF/PDF/TXT/JPG; persistente Kennungen im Zielsystem; Creative-Commons- und Takedown-Modell&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''PARADISEC'''&lt;br /&gt;
| Fachkatalog für audiovisuelle und sprachliche Sammlungen&lt;br /&gt;
| Professionelle Digitalisierung gefährdeter Medien&lt;br /&gt;
| Institutioneller Verbund; Erhaltungsformate, redundante Infrastruktur, CoreTrustSeal&lt;br /&gt;
| Online-Katalog, Forschung, Community-Zugang und Rückgabe von Kopien&lt;br /&gt;
| Internationale Archivstandards; stabile Identifikatoren; laufende Katalogmodernisierung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''RRN'''&lt;br /&gt;
| Föderierte Suche über Daten von 29 Institutionen&lt;br /&gt;
| Erfolgt primär bei Partnern&lt;br /&gt;
| Plattform ist kein einheitliches Langzeitarchiv aller Quellen&lt;br /&gt;
| Kollaborative Projekte, Diskussionen, Uploads und Recherche&lt;br /&gt;
| Föderierte Datenintegration, Programmierschnittstelle; sichtbare Plattformversion von 2014&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Indigitization'''&lt;br /&gt;
| Kein zentraler Gesamtkatalog als Hauptziel&lt;br /&gt;
| Dezentrale Digitalisierung mit zentraler Schulung, Geräten, Standards und Förderung&lt;br /&gt;
| Muss je Community beziehungsweise über Partner gelöst werden&lt;br /&gt;
| Community-interne oder öffentliche Nutzung nach lokalen Regeln&lt;br /&gt;
| Werkzeugkasten, Broadcast-Wave-Audio, Musterunterlagen und Trainingsworkflows&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== E.2 Governance, Finanzierung, Erfolg und Übertragbarkeit ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable sortable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Projekt&lt;br /&gt;
! Organisationsmodell&lt;br /&gt;
! Community-Beteiligung&lt;br /&gt;
! Finanzierung und dauerhafter Betrieb&lt;br /&gt;
! Nachweisbarer Erfolg&lt;br /&gt;
! Grenzen&lt;br /&gt;
! Übertragbarkeit auf die Sorben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''RomArchive'''&lt;br /&gt;
| Internationales Kuratorium/Beirat; seit 2019 Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma&lt;br /&gt;
| Überwiegend Roma in Kuratorien und Beirat; Auswahl und strategische Richtlinien&lt;br /&gt;
| Große öffentliche Anschubförderung; institutioneller Betreiber und laufende öffentliche Förderung&lt;br /&gt;
| Betreiberübergang vollzogen; seit 2019 online weitergeführt&lt;br /&gt;
| Kein Vollregister; wenige aktuelle Nutzungsdaten; Nachnutzung oft restriktiv&lt;br /&gt;
| '''Hoch''' für Governance, kuratierte Kontexte und Betreiberübergang&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Nuohtti'''&lt;br /&gt;
| Drei Nationalarchive plus Universitäten; föderierter Dienst&lt;br /&gt;
| Sámi-Parlamente in Steuerungsgruppe; ethische Leitlinien und Tests&lt;br /&gt;
| EU-Projekt; Weiterbetrieb durch Nationalarchive&lt;br /&gt;
| Rund 30.000 Datensätze, 32 Institutionen, fünf Sprachen; fortbestehender Dienst&lt;br /&gt;
| Datenqualität und Erhaltung bleiben verteilt; geringe aktuelle Wirkungsdaten&lt;br /&gt;
| '''Sehr hoch''' für Kulturregister und föderierte Suche&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''People’s Collection Wales'''&lt;br /&gt;
| Föderation dreier nationaler Einrichtungen&lt;br /&gt;
| Lokale Gruppen und Einzelpersonen liefern Inhalte; umfangreiche Unterstützung&lt;br /&gt;
| Walisische Regierung; Evaluation benennt Nachhaltigkeitsrisiko&lt;br /&gt;
| Dauerbetrieb, Community-Kompetenzen, kritische Masse; unabhängige Evaluation&lt;br /&gt;
| Moderate gemessene Wirkung; Vermittlung personalintensiv; 38 Survey-Antworten&lt;br /&gt;
| '''Sehr hoch''' für Servicezentrum, Zweisprachigkeit und Evaluation&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Tobar an Dualchais'''&lt;br /&gt;
| Partnerschaft kultureller und wissenschaftlicher Einrichtungen&lt;br /&gt;
| Sprachgemeinschaften, Beitragende und Freiwillige bei Erschließung/Transkription&lt;br /&gt;
| Wiederkehrende öffentliche Projekt- und Programmmittel&lt;br /&gt;
| Mehr als 40.000 Aufnahmen; laufende Weiterentwicklung&lt;br /&gt;
| Dauergrundfinanzierung und Rechteaufwand öffentlich nur teilweise sichtbar&lt;br /&gt;
| '''Hoch''' für gefährdete Medien und Spracherschließung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Euskariana'''&lt;br /&gt;
| Baskische Regierung mit öffentlichen und privaten Partnern&lt;br /&gt;
| Eher institutionell als gemeinschaftsgeführt&lt;br /&gt;
| Staatlicher Betrieb&lt;br /&gt;
| Breiter Quellenverbund, Standards, Europeana-Interoperabilität&lt;br /&gt;
| Wenig unabhängige Nutzungsevaluation; Community-Rechte kaum dokumentiert&lt;br /&gt;
| '''Hoch''' für Metadaten, Onboarding-Wege und Aggregation; '''mittel''' für Governance&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''bavarikon'''&lt;br /&gt;
| Ministerien, 14-köpfiger Rat, Bayerische Staatsbibliothek, Rechenzentrum&lt;br /&gt;
| Partnerinstitutionen im Rat; keine Minderheiten-Governance&lt;br /&gt;
| Dauerhafte Landesstruktur plus Projektförderung&lt;br /&gt;
| Über 500.000 Objekte aus rund 170 Einrichtungen; monatlicher Ausbau&lt;br /&gt;
| Große Ressourcen; Präsentation und Förderlogik dominieren&lt;br /&gt;
| '''Mittel bis hoch''' für Verfahren/Qualität; Größenordnung kaum übertragbar&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Mukurtu / Plateau Portal'''&lt;br /&gt;
| Universität als Technikträger; acht indigene Nationen und Museen als Partner&lt;br /&gt;
| Kuration, Metadaten, Protokolle und Zugriff durch Stammesvertreter&lt;br /&gt;
| Öffentliche und philanthropische Forschungsförderung; Universität pflegt Software&lt;br /&gt;
| International genutzte Open-Source-Plattform; dauerhaftes konkretes Portal&lt;br /&gt;
| Qualifizierter Betrieb nötig; Zugangsplattform ersetzt kein Repositorium&lt;br /&gt;
| '''Sehr hoch''' für Rechte, sensible Inhalte und Mehrperspektivität&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Aṟa Irititja'''&lt;br /&gt;
| Zentralfachstelle plus lokale Liaison; seit 2020 unter APY-Organisation&lt;br /&gt;
| Auftrag, Steuerung, Zugangsregeln und Kontext durch Aṉangu&lt;br /&gt;
| Langjährige Mischung aus Zuschüssen, Spenden und lokalen Beiträgen; drei permanente Teilzeitstellen&lt;br /&gt;
| Betrieb seit 1994; lokale Nutzung und digitale Rückgabe&lt;br /&gt;
| Finanzierung lange prekär; Wirkung überwiegend selbst berichtet&lt;br /&gt;
| '''Hoch''' für lokale Kontrolle und abgestufte Zugänge; Technik nicht direkt übertragbar&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''LAAL'''&lt;br /&gt;
| Universität und öffentliche Partner; Übergabe an Landesbibliothek/-archiv&lt;br /&gt;
| Einwilligung, Prüfung und Ergänzung durch Sprachgemeinschaften&lt;br /&gt;
| Zwei Forschungsförderphasen; anschließend institutionelle Übernahme&lt;br /&gt;
| Nahezu 4.000 Bücher, 50 Sprachen, 40 Gemeinschaften&lt;br /&gt;
| Rechte-Rückstand; Verlust der Kartenfunktion bei Migration&lt;br /&gt;
| '''Sehr hoch''' als Migrations-, Rechte- und Sprachlernfall&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''PARADISEC'''&lt;br /&gt;
| Verbund dreier Universitäten mit Beirat&lt;br /&gt;
| Je Sammlung unterschiedlich; Kopien und Kooperationen mit Herkunftsgemeinschaften&lt;br /&gt;
| Forschungsrat, nationale Forschungsinfrastruktur, Hochschulen und Spenden&lt;br /&gt;
| 20.500 Audio-, 4.000 Videostunden, 320 TB, 1.460 Sprachen; Zertifizierung/Auszeichnungen&lt;br /&gt;
| Hohe Fach- und Infrastrukturvoraussetzungen; Zugänglichkeit regional unterschiedlich&lt;br /&gt;
| '''Hoch''' für zentrales Fachrepositorium; Skalierung nur angepasst&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''RRN'''&lt;br /&gt;
| Gemeinsame Steuerung von First Nations und Museum; viele Datenpartner&lt;br /&gt;
| Co-Entwicklung, Projekte, Diskussionen und Community-Wissen&lt;br /&gt;
| Institutionelle Projektstruktur; aktuelle Kosten öffentlich unklar&lt;br /&gt;
| 29 Institutionen, über 570.000 Objekte, über 4.000 Mitglieder&lt;br /&gt;
| Technische Alterung möglich; Erhaltung der Quelldateien dezentral&lt;br /&gt;
| '''Hoch''' für Kooperation und Arbeitsfunktionen; Wartungsrisiko beachten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Indigitization'''&lt;br /&gt;
| Hochschul- und Community-Netzwerk als Kompetenz- und Förderstelle&lt;br /&gt;
| Projekte werden von Gemeinschaften durchgeführt und kontrolliert&lt;br /&gt;
| Hochschulunterstützung; früheres Kassettenförderprogramm aktuell pausiert&lt;br /&gt;
| 45 Förderprojekte, 11.464 Kassetten, über 422.000 CAD Förderung&lt;br /&gt;
| Dezentrale Langzeiterhaltung nicht automatisch gesichert; Förderpause&lt;br /&gt;
| '''Sehr hoch''' für Digitalisierungszentrum und Unterstützung kleiner Träger&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== F. Übergreifende Erfolgsfaktoren ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.1 Governance und Beteiligung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' Die stärksten gemeinschaftsbezogenen Projekte verankern Beteiligung in Gremien, Rollen und Datenmodellen. RomArchive übergab Kuratierung und strategische Leitlinien überwiegend an Roma. Nuohtti beteiligte Sámi-Parlamente. Mukurtu und das Plateau Portal ermöglichen kulturelle Protokolle und mehrere Beschreibungen. Aṟa Irititja ist unter einer Aṉangu-geführten Organisation verankert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Erforderlich ist ein dauerhaftes Steuerungsmodell mit Vertreterinnen und Vertretern zentraler Einrichtungen, lokaler Träger, beider Sprachräume, Fachwissenschaft, Technik und möglichst verschiedener Generationen. Für sensible Inhalte, Priorisierung und öffentliche Darstellung müssen Entscheidungs- und Eskalationsregeln schriftlich festgelegt werden. Eine bloße Anhörung nach Abschluss technischer Entscheidungen ist unzureichend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.2 Erfassung und Priorisierung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' Nuohtti begann mit der Kartierung verteilter Quellen; LAAL mit systematischem Auffinden gefährdeter Literatur. bavarikon nutzt Anträge, Objektlisten und Auswahlkriterien. Audioprojekte priorisieren physisch und technisch gefährdete Medien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Zunächst sollte das Kulturregister einen belastbaren Überblick schaffen, ohne sofort jeden Eintrag maximal tief zu erschließen. Die Digitalisierungspriorität sollte anschließend aus mindestens vier Kriterien gebildet werden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Gefährdung:''' physischer Verfall, technische Obsoleszenz, Verlustgefahr;&lt;br /&gt;
# '''Bedeutung:''' Einzigartigkeit, Repräsentativität, sprachliche und kulturelle Relevanz;&lt;br /&gt;
# '''Nutzungspotenzial:''' Bildung, Forschung, Sprachrevitalisierung, Vermittlung;&lt;br /&gt;
# '''Umsetzbarkeit:''' Rechteklarheit, Zustand, vorhandene Metadaten, Kosten und Zielrepositorium.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Priorisierungswert darf keine endgültige kulturelle Rangliste erzeugen. Er dient der Arbeitsplanung und muss fachlich sowie gemeinschaftlich überprüfbar sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.3 Organisation der Digitalisierung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' Indigitization und People’s Collection Wales zeigen, dass zentrale Kompetenz und lokale Durchführung kombinierbar sind. bavarikon ergänzt dies um Auswahl, Förderung und Qualitätsprüfung. PARADISEC zeigt für anspruchsvolle audiovisuelle Medien den Wert eines spezialisierten Fachzentrums.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Das Digitalisierungszentrum sollte ein gestuftes Dienstemodell anbieten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Beratung und Projektplanung;&lt;br /&gt;
* Leihtechnik und Schulung für geeignete einfache Verfahren;&lt;br /&gt;
* mobile Digitalisierung vor Ort, wenn Kulturgüter nicht transportiert werden können;&lt;br /&gt;
* zentrale Digitalisierung für anspruchsvolle oder gefährdete Medien;&lt;br /&gt;
* Rahmenverträge und Qualitätskontrolle für externe Spezialdienstleister;&lt;br /&gt;
* Übernahmevorbereitung für das Repositorium.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.4 Technische Architektur ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' Föderierte Portale wie Nuohtti und Euskariana verbinden bestehende Systeme, statt alle Partner zu einem identischen Fachverfahren zu zwingen. Erfolgreiche Systeme verfügen über Exporte und Schnittstellen. LAAL zeigt, dass bei Migrationen zielgruppenspezifische Funktionen verloren gehen können, wenn Daten- und Präsentationslogik zu eng gekoppelt sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Die Architektur sollte modular sein. Das Register verwaltet Nachweise und Beziehungen; Digitalisierungsworkflows erzeugen Dateien und technische Metadaten; das Repositorium übernimmt Erhaltungspakete; Präsentationssysteme beziehen freigegebene Daten und Derivate. Jedes System benötigt dokumentierte Exporte. Eine proprietäre Lösung ohne vollständigen Datenexport, Identifikatorerhalt und Migrationsplan sollte ausgeschlossen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.5 Metadaten und Interoperabilität ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' Euskariana und bavarikon arbeiten mit veröffentlichten Standards und Lieferprofilen; Nuohtti normalisiert heterogene Daten; Mukurtu ermöglicht zusätzliche Community-Metadaten. Technische Vollständigkeit allein löst jedoch keine problematischen historischen Begriffe oder fehlenden kulturellen Kontexte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Notwendig ist ein abgestuftes Metadatenprofil:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* '''Pflichtkern''' für alle Träger: eindeutige Kennung, Bezeichnung, Kulturgutart, Standort beziehungsweise Träger, Sprache, Zeit/Ort soweit bekannt, Kurzkontext, Rechte-/Zugangsstatus, Quellenangabe, Bearbeitungsstand;&lt;br /&gt;
* '''fachliche Erweiterungen''' für Archive, Bibliotheken, Museen, audiovisuelle Medien, immaterielles Kulturerbe und Born-digital-Bestände;&lt;br /&gt;
* '''Community-Felder''' für sorbische Bezeichnungen, lokale Varianten, kulturelle Hinweise, alternative Erzählungen und Korrekturen;&lt;br /&gt;
* '''technische Erhaltungsmetadaten''' im Repositorium, etwa Dateiformat, Prüfsumme, Erzeugung, Migration und Beziehungen zwischen Master und Derivaten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Normdaten und kontrollierte Vokabulare sollten dort eingesetzt werden, wo sie Nutzen bringen. Für ehrenamtliche Erfassung müssen einfache Auswahllisten, Hilfetexte und spätere fachliche Anreicherung vorgesehen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.6 Rechte und kulturelle Selbstbestimmung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' Mukurtu, Aṟa Irititja und LAAL zeigen, dass urheberrechtliche Erlaubnis, Datenschutz und kulturelle Angemessenheit getrennt geprüft werden müssen. Ein Werk kann rechtlich veröffentlichbar, kulturell aber sensibel sein; umgekehrt kann eine Gemeinschaft Zugang wünschen, obwohl eine allgemeine Veröffentlichung nicht möglich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Mindestens vier Sichtbarkeitsstufen sind sinnvoll:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# öffentliche Metadaten, aber kein Medium;&lt;br /&gt;
# öffentliches Nutzungsdigitalisat, gegebenenfalls in reduzierter Qualität;&lt;br /&gt;
# beschränkter Zugang für festgelegte Gruppen, Forschung oder Community;&lt;br /&gt;
# gesperrt beziehungsweise nur intern dokumentiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder Datensatz sollte dokumentieren, wer die Entscheidung getroffen hat, auf welcher Grundlage sie beruht und wann sie erneut geprüft wird. Rechteinformationen müssen vom Register über Repositorium bis Präsentation mitgeführt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.7 Langzeiterhaltung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' PARADISEC belegt den Wert eines fachlich betriebenen Repositoriums. LAAL zeigt sowohl die Trennung von Master- und Nutzungsdateien als auch das Risiko einer Migration. Mukurtu warnt ausdrücklich davor, Zugangsplattform und Erhaltungssystem gleichzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Für jedes Digitalisat müssen vor der Produktion feststehen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Zielrepositorium und verantwortlicher Betreiber;&lt;br /&gt;
* Master- und Nutzungsformat;&lt;br /&gt;
* Dateibenennung beziehungsweise Identifikator;&lt;br /&gt;
* Prüfsumme und Integritätskontrolle;&lt;br /&gt;
* mindestens zwei räumlich getrennte Sicherungskopien;&lt;br /&gt;
* Übergabepaket aus Datei, Metadaten, Rechten und Provenienz;&lt;br /&gt;
* Verfahren für Formatbeobachtung, Migration und Wiederherstellung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das OAIS-Modell bietet den konzeptionellen Rahmen; die NDSA-Reifegradstufen können einen realistischen stufenweisen Aufbau unterstützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.8 Präsentation und Nachnutzung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' RomArchive verbindet Objekte mit kuratierten Erzählungen; People’s Collection Wales mit Lern- und Beitragsfunktionen; Tobar an Dualchais mit sprachlicher Erschließung; RRN mit kollaborativen Arbeitsräumen. Erfolg entsteht nicht durch bloße Online-Sichtbarkeit, sondern durch zielgruppengerechte Kontexte und tatsächlich nutzbare Funktionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Ein gemeinsamer Suchzugang ist wichtig, aber nicht jede Zielgruppe braucht dieselbe Oberfläche. Denkbar sind ein übergreifendes Kulturerbeportal, Fachzugänge für Forschung, Bildungsbausteine, kuratierte Ausstellungen und maschinenlesbare Schnittstellen. Download und Nachnutzung sollten dort ermöglicht werden, wo Rechte und kulturelle Interessen dies zulassen. Nutzungsstatistiken, Zitationen, Downloads, Bildungskooperationen und Community-Rückmeldungen sollten kontinuierlich ausgewertet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.9 Finanzierung und Verstetigung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' RomArchive plante den Betreiberübergang früh. People’s Collection Wales und Aṟa Irititja zeigen, wie belastend unsichere Finanzierung bleibt. Indigitization demonstriert die Wirkung kleiner Förderbudgets, aber auch die Verwundbarkeit eines pausierenden Programms. bavarikon und PARADISEC profitieren von institutioneller Infrastruktur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Es sind drei Kostenarten getrennt zu planen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Aufbaukosten:''' Konzeption, Pilot, Beschaffung, Datenmigration, erste Digitalisierung;&lt;br /&gt;
# '''Betriebskosten:''' Personal, Hosting, Speicher, Sicherung, Helpdesk, Rechtearbeit, Qualitätssicherung;&lt;br /&gt;
# '''Erneuerungskosten:''' Softwareupdates, Sicherheitsmaßnahmen, Hardwareersatz, Formatmigration, Neuentwicklung von Schnittstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Projektmittel eignen sich für Aufbau und Erprobung. Kernfunktionen dürfen nach der Pilotphase nur skaliert werden, wenn ein wiederkehrender Betriebsetat und ein verantwortlicher Rechtsträger feststehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.10 Projektsteuerung und schrittweiser Aufbau ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' People’s Collection Wales empfiehlt einen evidenzbasierten Ablauf aus Bedarf, Pilot, Test, Auswertung und Skalierung. Indigitization entwickelte seinen Werkzeugkasten aus drei Pilotprojekten. bavarikon nutzt Vorantrag, Prüfung, Standards und begleitete Umsetzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Der Aufbau sollte in überprüfbaren Ausbaustufen erfolgen. Jede Stufe braucht definierte Ergebnisse, Qualitätskriterien, Verantwortliche, Budget, Risiken und eine Entscheidung über Fortführung oder Anpassung. Technische Pilotierung ohne Governance-, Rechte- und Betriebsprüfung wäre unvollständig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== G. Empfehlungen für den sorbischen Kontext ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.1 Zielmodell: vier Säulen, drei Fundamente, zwei Betriebsregeln ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ergebnisse lassen sich für den sorbischen Kontext in einem priorisierten 4–3–2-Modell zusammenführen. Es verbindet die im Konzept beschriebene Prozesskette mit einer klaren organisatorischen und technischen Verantwortungsstruktur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Vier funktionale Säulen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Säule&lt;br /&gt;
! Mindestauftrag&lt;br /&gt;
! Abgrenzung&lt;br /&gt;
! Unverzichtbare Schnittstellen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''1. Sorbisches Kulturregister (SKR)'''&lt;br /&gt;
| Verteilte Kulturgüter und Bestände nachweisen, beschreiben, verknüpfen, Rechte- und Prioritätsstatus dokumentieren&lt;br /&gt;
| Kein Ersatz für lokale Inventare und nicht automatisch Speicherort aller Dateien&lt;br /&gt;
| Import/Export zu Fachsystemen; Übergabe von Objekt- und Rechtekennungen an Digitalisierung, Repositorium und Präsentation&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''2. Digitalisierungszentrum (DZ)'''&lt;br /&gt;
| Beratung, Planung, Digitalisierung, Qualitätssicherung, Schulung, Dienstleistersteuerung und Vorbereitung der Archivübergabe&lt;br /&gt;
| Nicht primär öffentlicher Katalog und nicht automatisch dauerhafter Speicher&lt;br /&gt;
| Aufträge aus Register/Priorisierung; Lieferung standardisierter Übergabepakete an Repositorium; Erzeugung von Nutzungsderivaten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''3. Repositorium / digitales Langzeitarchiv'''&lt;br /&gt;
| Masterdateien, Metadaten, Rechte und Provenienz dauerhaft übernehmen, prüfen, sichern und migrieren&lt;br /&gt;
| Nicht mit einem Netzlaufwerk, einer Cloudablage oder der öffentlichen Website gleichzusetzen&lt;br /&gt;
| Persistente Identifikatoren; Rückmeldung des Archivstatus an Register; kontrollierte Bereitstellung an Präsentationssysteme&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''4. Präsentations- und Nutzungssysteme'''&lt;br /&gt;
| Freigegebene Inhalte suchen, verstehen, zitieren, herunterladen und weiterverwenden lassen&lt;br /&gt;
| Nicht führendes System für Rechte, Masterdateien oder dauerhafte Erhaltung&lt;br /&gt;
| Bezug von Metadaten aus Register und Derivaten aus Repositorium; Rückgabe von Nutzungs- und Korrekturinformationen&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Entscheidender Punkt:''' Die vier Säulen sind Funktionen, nicht zwingend vier eigenständige Einrichtungen. Ein Träger kann mehrere Funktionen übernehmen. Dennoch müssen für jede Säule Auftrag, Zuständigkeit, Datenhoheit, Budget, Qualitätskriterien, Vertretung und Ausfallvorsorge benannt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Drei gemeinsame Fundamente ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Fundament&lt;br /&gt;
! Inhalt&lt;br /&gt;
! Warum es vor der Skalierung geklärt werden muss&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''A. Gemeinschaftliche Governance und Rechte'''&lt;br /&gt;
| Entscheidungsgremien, Rollen der Kulturgutträger, Community-Beteiligung, Konfliktlösung, sensible Inhalte, abgestufte Zugänge&lt;br /&gt;
| Ohne Entscheidungskompetenz entstehen Vertrauensverlust, Verzögerungen und nachträgliche Sperrungen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''B. Gemeinsame Daten- und Qualitätsarchitektur'''&lt;br /&gt;
| Metadatenkern, Identifikatoren, Sprachwerte, Vokabulare, Dateiformate, Schnittstellen, Lieferpakete, Qualitätssicherung&lt;br /&gt;
| Ohne gemeinsamen Kern können Register, DZ, Repositorium und Präsentation nicht verlässlich zusammenspielen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''C. Dauerbetrieb, Finanzierung und Kompetenz'''&lt;br /&gt;
| Rechtsträger, wiederkehrendes Budget, Personal, Hosting, Speicher, Wartung, Schulung, Helpdesk und Erneuerungsplanung&lt;br /&gt;
| Ohne Betriebsperspektive vergrößert jedes zusätzliche Digitalisat die technische und organisatorische Schuld.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Zwei Betriebsregeln ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Zentral ermöglichen, dezentral verantworten.''' Zentrale Stellen bieten Infrastruktur, Standards, Beratung, Qualitätskontrolle, Repositorium und gemeinsame Zugänge. Kulturgutträger behalten grundsätzlich Originale, lokalen Kontext, Beziehungen zu Urheberinnen und Urhebern sowie Mitentscheidung über kulturelle Bedeutung und Zugang.&lt;br /&gt;
# '''Als Projekt aufbauen, nur mit Dauerbetrieb skalieren.''' Pilot- und Förderprojekte sind geeignet, Register, Dienste und Workflows zu entwickeln. Eine breite Produktion beginnt erst, wenn dauerhafter Betreiber, Regelbudget, Personal und Erhaltungsweg gesichert sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Prüfsatz für Entscheidungen:''' Kein Digitalisat ohne Zielarchiv; kein Portal ohne Datenpflege; kein Register ohne Zuständigkeit; keine Veröffentlichung ohne Rechte- und Kulturprüfung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.2 Was zentral, dezentral und gemeinsam organisiert werden sollte ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Zentral bereitzustellen&lt;br /&gt;
! Dezentral bei den Kulturgutträgern&lt;br /&gt;
! Gemeinsam zu entscheiden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Technische Plattform und Datenmodell des Kulturregisters&lt;br /&gt;
| Besitz, Verwahrung und konservatorische Verantwortung für Originale, soweit nicht anders vereinbart&lt;br /&gt;
| Welche Bestände zunächst erfasst und digitalisiert werden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Metadatenkern, Vokabulare, Identifikatoren und Schnittstellen&lt;br /&gt;
| Erste Bestandskenntnis, lokale Namen, Geschichte und Beziehungen&lt;br /&gt;
| Kulturelle Bedeutung, Repräsentativität und Priorität&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Digitalisierungsberatung, Spezialtechnik, mobile Dienste und Qualitätsprüfung&lt;br /&gt;
| Lokale Auswahl und organisatorische Vorbereitung&lt;br /&gt;
| Transport, Vor-Ort-Digitalisierung oder externe Vergabe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Repositorium, Sicherung, Integritätsprüfung, Migration und Wiederherstellung&lt;br /&gt;
| Mitwirkung an Rechteklärung und Kontakt zu Betroffenen beziehungsweise Nachkommen&lt;br /&gt;
| Zugangs- und Nutzungskategorien für sensible Inhalte&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mustervereinbarungen, Rechte- und Datenschutzberatung&lt;br /&gt;
| Lokale Freigaben, sofern die jeweilige Stelle entscheidungsbefugt ist&lt;br /&gt;
| Verfahren bei Konflikten, Korrekturen und Takedown-Anfragen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Schulungen, Helpdesk, Dokumentation und gegebenenfalls Kleinprojektförderung&lt;br /&gt;
| Pflege von Kontexten, Korrekturen und neuen Informationen&lt;br /&gt;
| Übersetzungs- und Erschließungsprioritäten in Ober- und Niedersorbisch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gemeinsame Präsentationsbausteine und Programmierschnittstellen&lt;br /&gt;
| Eigene lokale Ausstellungen und Nutzungsszenarien&lt;br /&gt;
| Welche Inhalte übergreifend präsentiert oder nachnutzbar gemacht werden&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Verteilung schützt die dezentrale Trägerschaft, ohne kleine Einrichtungen mit jeder technischen Aufgabe allein zu lassen. Sie verhindert zugleich, dass zentrale Infrastruktur mit zentraler kultureller Deutungshoheit verwechselt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.3 Kurzfristig umsetzbare Schritte: 2026–2027 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Priorität 1: Governance und Verantwortungen beschließen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ein gemeinsames Steuerungsgremium für Kulturregister, Digitalisierungszentrum, Repositorium und Präsentation festlegen.&lt;br /&gt;
* Beide sorbischen Sprachräume, zentrale Institutionen und mindestens mehrere lokale beziehungsweise ehrenamtliche Träger verbindlich vertreten.&lt;br /&gt;
* Entscheidungsrechte, Vetorechte bei sensiblen Inhalten, Konfliktlösung und Vertretungsregelungen schriftlich regeln.&lt;br /&gt;
* Einen dauerhaften Produkt- beziehungsweise Serviceverantwortlichen für jede der vier Säulen benennen, auch wenn mehrere Säulen organisatorisch beim selben Träger liegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Priorität 2: Gemeinsamen Mindeststandard verabschieden ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Standard sollte klein genug für ehrenamtliche Erfassung, aber erweiterbar für Fachinstitutionen sein. Er muss mindestens regeln:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* eindeutige Kennung und verantwortlicher Datensatzhalter;&lt;br /&gt;
* Bezeichnung in Originalsprache und gegebenenfalls Übersetzungen;&lt;br /&gt;
* getrennte Sprachkennzeichnung für Obersorbisch, Niedersorbisch, Deutsch und weitere Sprachen;&lt;br /&gt;
* Kulturgutart und Zugehörigkeit zu materiellen, immateriellen oder digitalen Beständen;&lt;br /&gt;
* Standort beziehungsweise verwahrende Stelle;&lt;br /&gt;
* Kurzkontext, Zeit, Ort und beteiligte Personen soweit bekannt;&lt;br /&gt;
* Rechte-, Datenschutz- und kultureller Zugangsstatus;&lt;br /&gt;
* Digitalisierungs- und Archivierungsstatus;&lt;br /&gt;
* Provenienz, Quellen und Bearbeitungsstand;&lt;br /&gt;
* Exportformat und dauerhafte Identifikatoren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Priorität 3: Rechte- und Zugangsmodell entwickeln ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein einheitlicher Workflow sollte rechtliche und kulturelle Fragen getrennt dokumentieren. Empfohlen werden mindestens die vier Stufen „nur Nachweis“, „öffentliches Derivat“, „beschränkter Zugang“ und „gesperrt“. Für jede Stufe sind Verantwortliche, Freigabegrund, Prüffrist und Takedown-Verfahren festzulegen. Local Contexts kann als Anregung dienen; Begriffe und Symbole müssen jedoch gemeinsam für die sorbische Rechts- und Kulturpraxis entwickelt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Priorität 4: End-to-End-Pilot starten ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der erste Pilot sollte nicht nur ein Portal oder einen Scanner testen, sondern die gesamte Kette:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: Kulturgutträger → Erfassung im Register → Priorisierung und Freigabe → Digitalisierung und Qualitätsprüfung → Übernahme ins Repositorium → kontrollierte Präsentation und Nachnutzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beteiligt werden sollten drei bis fünf sehr unterschiedliche Träger, zum Beispiel eine zentrale Institution, eine Heimatstube oder ein Verein, eine kirchliche Einrichtung, eine kommunale Sammlung und gegebenenfalls eine Privatperson. Der Pilot sollte beide sorbischen Schriftsprachen und mindestens drei Medientypen umfassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Priorität 5: Repositoriumsziel vor Produktionsausweitung klären ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits Pilotdigitalisate benötigen einen definierten, überprüfbaren Speicher- und Erhaltungsweg. Falls das endgültige Langzeitarchiv noch nicht vollständig aufgebaut ist, braucht es einen dokumentierten Übergangsdienst mit Prüfsummen, redundanten Kopien, klarer Verantwortung und verbindlichem späteren Migrationsplan. Eine bloße Projektablage ist nicht ausreichend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.4 Mittelfristiger Strukturaufbau: 2027–2030 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Kulturregister ausbauen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Zwei Anbindungswege anbieten: direkte Erfassung beziehungsweise zentral gehostete Mandanten für kleine Träger und standardisierte Datenlieferung für große Fachsysteme.&lt;br /&gt;
* Priorisierungsansicht, Rechte- und Archivstatus sowie Beziehungen zwischen Original, Digitalisat, Werk, Person, Ort, Brauch und Sammlung abbilden.&lt;br /&gt;
* Korrektur- und Ergänzungsworkflow für Community-Wissen einrichten.&lt;br /&gt;
* Export, Programmierschnittstelle und regelmäßige Sicherung verpflichtend machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Digitalisierungszentrum als Dienstleistungsstelle verstetigen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Servicekatalog mit klaren Leistungen, Voraussetzungen, Bearbeitungszeiten und Kosten beziehungsweise Fördermöglichkeiten veröffentlichen.&lt;br /&gt;
* Mobile und stationäre Digitalisierung sowie Vergabe an Spezialdienstleister kombinieren.&lt;br /&gt;
* Schulungsprogramm und „Train-the-Trainer“-Ansatz für lokale Multiplikatorinnen und Multiplikatoren aufbauen.&lt;br /&gt;
* Kleinprojektförderung nach dem Vorbild von Indigitization oder bavarikon erproben.&lt;br /&gt;
* Qualitätssicherung und Übergabepakete zum Repositorium standardisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Repositorium in einen verlässlichen Regelbetrieb überführen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* OAIS-Funktionen organisatorisch zuordnen und mit den NDSA-Reifegradstufen schrittweise umsetzen.&lt;br /&gt;
* mindestens zwei räumlich getrennte Speicherkopien, regelmäßige Fixity Checks (Prüfung der Dateiunverändertheit über Prüfsummen) und Wiederherstellungstests etablieren;&lt;br /&gt;
* Masterdateien, Derivate, Metadaten, Rechte und technische Ereignisse verknüpfen;&lt;br /&gt;
* Verantwortungen bei Trägerwechsel oder Projektende vertraglich sichern;&lt;br /&gt;
* audiovisuelle Daten nach IASA-Empfehlungen behandeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Präsentation zielgruppenspezifisch entwickeln ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Gemeinsame Suche und verständliche Basiskontexte in Deutsch, Ober- und Niedersorbisch sowie ausgewählte englische Zugänge bereitstellen.&lt;br /&gt;
* Nicht jeden Datensatz vollständig in vier Sprachen übersetzen; stattdessen Oberfläche, Kernelemente, kontrollierte Begriffe und besonders relevante Inhalte priorisieren und Übersetzungsstatus sichtbar machen.&lt;br /&gt;
* Bildungs- und Forschungsnutzung in Pilotkooperationen testen.&lt;br /&gt;
* IIIF und Programmierschnittstellen dort einsetzen, wo sie einen konkreten Mehrwert für Anzeige, Zitation oder Datenbezug schaffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.5 Langfristige Aufgaben: ab 2030 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Regelmäßige Daten- und Formatmigrationen, Sicherheitsprüfungen und Erneuerung der Infrastruktur finanzieren.&lt;br /&gt;
* Erfolg anhand eines stabilen Kennzahlensets messen: erfasste und archivierte Bestände, beteiligte Träger, Bearbeitungszeiten, Rechte-Rückstände, Nutzung, Downloads, Bildungsprojekte, wissenschaftliche Zitationen, Community-Zufriedenheit und Korrekturen.&lt;br /&gt;
* Born-digital-Kulturerbe wie Websites, digitale Fotosammlungen, Social-Media-Projekte, digitale Kunst und Software systematisch übernehmen.&lt;br /&gt;
* Repositoriumsprozesse gegebenenfalls auf eine externe Vertrauenswürdigkeitsprüfung oder Zertifizierung vorbereiten.&lt;br /&gt;
* Kooperationen mit nationalen und europäischen Aggregatoren ausbauen, ohne die sorbische Datenhoheit und sprachliche Sichtbarkeit aufzugeben.&lt;br /&gt;
* Alle drei bis fünf Jahre Governance, Standards, Prioritäten und Zugangsregeln gemeinsam überprüfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.6 Empfohlene Pilotprojekte ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Pilot&lt;br /&gt;
! Ziel&lt;br /&gt;
! Warum besonders sinnvoll&lt;br /&gt;
! Erfolgskriterien&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''1. Kulturregister-Pilot mit heterogenen Trägern'''&lt;br /&gt;
| Mindestmetadaten, Onboarding und föderierte Datenlieferung testen&lt;br /&gt;
| Deckt die reale Spannweite von Fachinstitution bis Ehrenamt ab&lt;br /&gt;
| Mindestens 3–5 Träger liefern exportfähige, verständliche Datensätze; Aufwand und Hilfebedarf sind gemessen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''2. Gefährdete sorbische Ton- und Videobestände'''&lt;br /&gt;
| Priorisierung, Digitalisierung, Transkription, Rechte und Archivierung zeitkritischer Medien&lt;br /&gt;
| Hohe Verlustgefahr und großer Sprachwert; Anknüpfung an Tobar an Dualchais, PARADISEC und Indigitization&lt;br /&gt;
| Definierte Masterdateien, geprüfte Übergabe, zweisprachige Erschließung, Nutzungsfall für Bildung/Forschung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''3. Sensibles und immaterielles Kulturerbe'''&lt;br /&gt;
| Abgestufte Rechte und Community-Entscheidungen an Interviews, Bräuchen oder Familienmaterial erproben&lt;br /&gt;
| Testet Governance statt nur Technik&lt;br /&gt;
| Dokumentierte Freigabewege, mehrere Zugangsstufen, Takedown-Prozess und Community-Abnahme&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''4. Durchgängige Vier-Säulen-Kette'''&lt;br /&gt;
| Datenfluss vom Register bis zur Präsentation ohne manuelle Medienbrüche testen&lt;br /&gt;
| Macht Schnittstellen- und Verantwortungsprobleme früh sichtbar&lt;br /&gt;
| Identifikatoren und Rechte bleiben durchgängig erhalten; Übergaben sind reproduzierbar&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''5. Migrations- und Ausstiegstest'''&lt;br /&gt;
| Vollständigen Export eines Pilotbestands in ein neutrales Format und Wiederimport prüfen&lt;br /&gt;
| Reagiert direkt auf das LAAL- und RRN-Lernfeld technischer Alterung&lt;br /&gt;
| Dateien, Beziehungen, Rechte, Sprachwerte und Identifikatoren bleiben erhalten; Dokumentation ist für anderen Betreiber nutzbar&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.7 Mindestanforderungen vor jeder Beschaffung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor der Entscheidung für eine konkrete Software sollten folgende Punkte verbindlich beantwortet sein:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Welche Funktion der vier Säulen soll die Software erfüllen – und welche ausdrücklich nicht?&lt;br /&gt;
# Wer ist fachlich, technisch und rechtlich verantwortlich?&lt;br /&gt;
# Wie werden Ober- und Niedersorbisch in Oberfläche, Datenfeldern, Suche und Export behandelt?&lt;br /&gt;
# Welche vollständigen Daten- und Dateiexporte sind jederzeit möglich?&lt;br /&gt;
# Wie bleiben Identifikatoren und Beziehungen bei einem Systemwechsel erhalten?&lt;br /&gt;
# Welche Rechte- und Sichtbarkeitsstufen lassen sich abbilden?&lt;br /&gt;
# Wie werden Community-Ergänzungen von institutionellen Ausgangsdaten unterschieden, ohne sie abzuwerten?&lt;br /&gt;
# Wo liegen Masterdateien und wer prüft ihre Integrität?&lt;br /&gt;
# Welche wiederkehrenden Lizenz-, Hosting-, Speicher-, Wartungs- und Personalkosten entstehen über mindestens zehn Jahre?&lt;br /&gt;
# Was geschieht bei Anbieterwechsel, Projektende, Insolvenz oder Wegfall einer Förderung?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.8 Übertragbarkeit differenziert bewertet ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Direkt übertragbare Ansätze ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* funktionale Trennung von Register, Digitalisierung, Repositorium und Präsentation;&lt;br /&gt;
* zentraler Service bei dezentraler Trägerschaft;&lt;br /&gt;
* gemeinsamer Metadatenkern mit fachlichen Erweiterungen;&lt;br /&gt;
* abgestufte Zugänge und getrennte rechtliche/kulturelle Prüfung;&lt;br /&gt;
* Pilotierung mit heterogenen Trägern;&lt;br /&gt;
* Betreiber- und Finanzierungsplanung vor Skalierung;&lt;br /&gt;
* Schulung, Helpdesk und Vorlagen für kleine Sammlungen;&lt;br /&gt;
* Exportfähigkeit und Migrationsplanung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Mit Anpassungen übertragbare Ansätze ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Mukurtu-Protokolle und Traditional Knowledge Labels: als Vorbild, aber mit sorbisch entwickelten Begriffen und deutscher beziehungsweise europäischer Rechtsprüfung;&lt;br /&gt;
* Nuohttis föderierte Architektur: gut übertragbar, jedoch mit deutlich kleinerem institutionellem Netz und zwei sorbischen Schriftsprachen;&lt;br /&gt;
* bavarikons Förder- und Qualitätsverfahren: in vereinfachter Form und mit wesentlich kleinerem Budget;&lt;br /&gt;
* PARADISECs Fachrepositorium: als Dienstemodell für gefährdete Medien, nicht in dessen globaler Größenordnung;&lt;br /&gt;
* People’s Collection Wales: Support- und Beteiligungsmodell, angepasst an kleinere Personalressourcen und vorhandene sorbische Institutionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Kaum unmittelbar übertragbare Ansätze ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* eine vollständig eigenständige technische Großinfrastruktur nach Maßstab eines Flächenlandes wie Bayern;&lt;br /&gt;
* ein internationaler Universitätsverbund mit hunderten Terabyte und weltweitem Einzugsbereich wie PARADISEC;&lt;br /&gt;
* die unveränderte Übernahme indigener Rechts- und Kulturkonzepte in den europäischen Minderheitenkontext;&lt;br /&gt;
* die Vorstellung, jedes lokale Haus müsse ein eigenes Langzeitarchiv oder hoch spezialisiertes Digitalisierungslabor betreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Risiken und Fehler, die vermieden werden sollten ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* '''Portal zuerst:''' Eine öffentlich sichtbare Website wird gebaut, bevor Datenpflege, Rechte und Langzeiterhaltung geregelt sind.&lt;br /&gt;
* '''Projektserver als Archiv:''' Dateien liegen nur in Arbeitsordnern, Clouds oder einem Content-Management-System.&lt;br /&gt;
* '''Ein System für alles:''' Register, Produktion, Archivierung und Präsentation werden technisch und organisatorisch untrennbar gekoppelt.&lt;br /&gt;
* '''Offen oder geschlossen:''' Fehlende Zwischenstufen führen entweder zu unnötiger Sperrung oder unangemessener Veröffentlichung.&lt;br /&gt;
* '''Standards ohne Hilfe:''' Ehrenamtliche Träger erhalten komplexe Vorgaben, aber keine Schulung, Zeit oder Nachbearbeitung.&lt;br /&gt;
* '''Zentralisierung der Deutung:''' Lokale und sprachräumliche Perspektiven werden durch ein einziges zentrales Beschreibungsschema verdrängt.&lt;br /&gt;
* '''Digitalisierung ohne Rechtebudget:''' Scans und Aufnahmen entstehen schneller als Einwilligungen, Prüfungen und Freigaben bearbeitet werden können.&lt;br /&gt;
* '''Abhängigkeit ohne Exit:''' Proprietäre Software oder Dienstleister werden gewählt, ohne vollständigen Export und getesteten Betreiberwechsel.&lt;br /&gt;
* '''Projektende ohne Betrieb:''' Förderziele zählen veröffentlichte Objekte, aber keine Stellen, Speicher-, Wartungs- und Migrationskosten nach Förderende.&lt;br /&gt;
* '''Mehrsprachigkeit nur im Menü:''' Die Oberfläche ist übersetzt, Datensätze, Suche, Vokabulare und redaktionelle Prozesse bleiben einsprachig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.9 Priorisierte Schlussfolgerung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wichtigste Lehre lautet nicht, möglichst schnell ein großes Portal zu füllen. Vorrang hat eine belastbare Arbeitsteilung:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Zuerst Regeln und Verantwortung:''' Governance, Rechte, Sprachmodell, Mindestmetadaten und Betreiber festlegen.&lt;br /&gt;
# '''Dann die sichere Kette:''' Register, Digitalisierungszentrum und Repositorium in einem Ende-zu-Ende-Pilot verbinden.&lt;br /&gt;
# '''Danach skalieren:''' Bestände risikobasiert digitalisieren, kleine Träger durch Dienste und Förderung einbinden.&lt;br /&gt;
# '''Erst darauf die breite Präsentation:''' Freigegebene Inhalte zielgruppengerecht, mehrsprachig und nachnutzbar anbieten.&lt;br /&gt;
# '''Dauerhaft überprüfen:''' Nutzung, Datenqualität, Rechte-Rückstände, Betriebskosten und Community-Zufriedenheit messen und Architektur weiterentwickeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit wird aus vier technischen beziehungsweise organisatorischen Säulen ein gemeinsames System: '''dezentrale kulturelle Verantwortung, zentral abgesicherte Dienste und eine verbindliche dauerhafte Finanzierung.'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== H. Verdichtungsvorschlag für den Konzeptabschnitt „Beispiele anderer Kulturen und Regionen“ ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den kurzen Wiki-Abschnitt wird eine Gliederung in höchstens vier Unterabschnitte empfohlen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Ziel und Auswahl:''' Warum der Vergleich durchgeführt wurde und warum kein universelles Idealmodell gesucht wird.&lt;br /&gt;
# '''Sieben aussagekräftige Beispiele:''' RomArchive, Nuohtti, People’s Collection Wales, Tobar an Dualchais, Euskariana, Mukurtu/Plateau Portal und Indigitization. Jedes Beispiel erhält einen kurzen Kontext, die zentrale Besonderheit und ein konkretes Learning.&lt;br /&gt;
# '''Schlussverdichtung:''' Vier Säulen, drei Fundamente und zwei Betriebsregeln.&lt;br /&gt;
# '''Prioritäten für die Sorben:''' Governance und Standards → Ende-zu-Ende-Pilot und Zielrepositorium → Verstetigung des Digitalisierungszentrums → skalierte Präsentation und Nachnutzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die sieben Beispiele decken die für den sorbischen Kontext wichtigsten Perspektiven ab:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Beispiel&lt;br /&gt;
! Zentrale Besonderheit&lt;br /&gt;
! Konkretes Learning für die Sorben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| RomArchive&lt;br /&gt;
| Minderheitenangehörige kuratieren und steuern; Betreiberübergang nach Projektphase&lt;br /&gt;
| Deutungshoheit und dauerhaften Träger von Beginn an verankern&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Nuohtti&lt;br /&gt;
| Föderierte Suche über verteilte Bestände und mehrere Staaten/Sprachen&lt;br /&gt;
| Kulturregister als verbindende Nachweisschicht statt Zwangszentralisierung bauen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| People’s Collection Wales&lt;br /&gt;
| Zweisprachige Plattform plus Schulung und Community-Unterstützung; unabhängige Evaluation&lt;br /&gt;
| Kleine Träger brauchen Helpdesk, Training und realistische Wirkungsmessung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Tobar an Dualchais&lt;br /&gt;
| Sicherung und sprachliche Erschließung gefährdeter Tonaufnahmen&lt;br /&gt;
| Audiovisuelle Bestände zeitlich priorisieren und mit Transkription verbinden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Euskariana&lt;br /&gt;
| Gemeinsamer Katalog, eigenes Repositorium und Anbindung externer Systeme über Standards&lt;br /&gt;
| Zwei Onboarding-Wege und ein schlanker gemeinsamer Metadatenkern&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mukurtu / Plateau Portal&lt;br /&gt;
| Kulturelle Protokolle, mehrere Perspektiven und abgestufte Zugänge&lt;br /&gt;
| Rechte und kulturelle Sensibilität als Datenmodell, nicht als spätere Einzelfallkorrektur&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Indigitization&lt;br /&gt;
| Zentrale Kompetenz, Training und Kleinprojektförderung bei dezentraler Durchführung&lt;br /&gt;
| Digitalisierungszentrum als Dienstleister und Befähiger für lokale Träger ausgestalten&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Zielumfang von etwa 1.200 bis 1.800 Wörtern ist ausreichend. Die ausführlichen Fallprofile, Matrix, Quellen und differenzierten Empfehlungen verbleiben auf dieser Anhangsseite. Dadurch bleibt der Konzepttext lesbar, während zentrale Aussagen überprüfbar belegt und vertieft werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_faq&amp;quot;&amp;gt;RomArchive (o. J.): ''Frequently Asked Questions''. [https://www.romarchive.eu/en/about/frequently-answered-questions/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_imprint&amp;quot;&amp;gt;Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma e. V. / RomArchive (o. J.): ''Imprint''. [https://www.romarchive.eu/en/imprint/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_kulturstiftung&amp;quot;&amp;gt;Kulturstiftung des Bundes (o. J.): ''RomArchive – Digital Archive of the Roma''. [https://www.kulturstiftung-des-bundes.de/en/programmes_projects/film_and_new_media/detail/romarchive.html Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_about&amp;quot;&amp;gt;Nuohtti / Digital Access to the Sámi Heritage Archives (o. J.): ''About Nuohtti''. [https://nuohtti.com/Content/about Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_uarctic&amp;quot;&amp;gt;University of the Arctic (2023): ''The Nuohtti service provides digital access to Sámi material in European archives''. [https://www.uarctic.org/news/2023/3/the-nuohtti-service-provides-digital-access-to-sami-material-in-european-archives/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_dataspace&amp;quot;&amp;gt;Mäkikalli, Maija / Leppälä, Oona (2024): ''Nuohtti platform improves accessibility to the digitised archives of Sámi cultural heritage''. European Collaborative Cloud for Cultural Heritage / Europeana. [https://www.dataspace-culturalheritage.eu/en/news/nuohtti-platform-improves-accessibility-to-the-digitised-archives-of-sami-cultural-heritage Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_eval&amp;quot;&amp;gt;Vittle, Kate / Haswell-Walls, Fran / Dixon, Tim; ERS Ltd. (2016): ''Evaluation of the Casgliad y Werin Cymru / People’s Collection Wales Digital Heritage Programme. Impact Report''. [https://www.gov.wales/sites/default/files/publications/2019-08/evaluation-of-the-peoples-collection-wales-digital-heritage-programme-impact.pdf PDF], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_support&amp;quot;&amp;gt;People’s Collection Wales (o. J.): ''Community Support''. [https://www.peoplescollection.wales/about-us/community-support Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_edinburgh&amp;quot;&amp;gt;University of Edinburgh (2024): ''Tobar an Dualchais / Kist o Riches''. [https://gaelic.ed.ac.uk/gaelic-collections/tobar-an-dualchais-kist-o-riches Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_funding2025&amp;quot;&amp;gt;Scottish Government (2025): ''Rediscovering lost Gaelic words''. [https://www.gov.scot/news/rediscovering-lost-gaelic-words/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_funding2026&amp;quot;&amp;gt;Scottish Government (2026): ''Boost for Gaelic language''. [https://www.gov.scot/news/boost-for-gaelic-language/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_opening&amp;quot;&amp;gt;University of Edinburgh (o. J.): ''Opening the Well''. [https://gaelic.ed.ac.uk/news/opening-the-well Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;euskariana_about&amp;quot;&amp;gt;Gobierno Vasco / Biblioteca Digital de Euskadi (o. J.): ''Acerca de Euskariana''. [https://www.euskariana.euskadi.eus/euskadibib/es/help/about.do Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;bavarikon_about&amp;quot;&amp;gt;bavarikon / Freistaat Bayern (o. J.): ''Über bavarikon''. [https://www.bavarikon.de/about Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;bavarikon_partner&amp;quot;&amp;gt;bavarikon / Freistaat Bayern (o. J.): ''Partner werden''. [https://www.bavarikon.de/becoming-partner Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;bavarikon_500k&amp;quot;&amp;gt;Bayerische Staatsbibliothek (2024): ''bavarikon knackt die halbe Million: 500.000 digitale Kulturschätze aus rund 170 bayerischen Einrichtungen sind weltweit zugänglich''. [https://www.bsb-muenchen.de/en/about-us/article/bavarikon-knackt-die-halbe-million-500000-digitale-kulturschaetze-aus-rund-170-bayerischen-einrichtungen-sind-weltweit-zugaenglich-6555/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_about&amp;quot;&amp;gt;Mukurtu CMS / Center for Digital Scholarship and Curation, Washington State University (o. J.): ''About / Mission, Core Features, Implementation and Sustainability''. [https://mukurtu.org/about/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_plateau&amp;quot;&amp;gt;Mukurtu CMS / Washington State University (o. J.): ''Plateau Peoples’ Web Portal''. [https://mukurtu.org/project/plateau-peoples-web-portal-showcase/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_dlib&amp;quot;&amp;gt;Christen, Kimberly / Merrill, Alex / Wynne, Michael (2017): ''A Community of Relations: Mukurtu Hubs and Spokes''. D-Lib Magazine, 23(5/6). [https://www.dlib.org/dlib/may17/christen/05christen.html Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_who&amp;quot;&amp;gt;Aṟa Irititja (o. J.): ''Who are we?'' [https://irititja.com/about-ara-irititja/who-are-we/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_approach&amp;quot;&amp;gt;Aṟa Irititja (o. J.): ''Community-Based Approach – The Aṟa Irititja Approach''. [https://irititja.com/archive/the-ara-irititja-approach/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_funding&amp;quot;&amp;gt;Aṟa Irititja (o. J.): ''Funding''. [https://irititja.com/challlenges/funding/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_background&amp;quot;&amp;gt;Charles Darwin University / Living Archive of Aboriginal Languages (o. J.): ''Background''. [https://livingarchive.cdu.edu.au/background/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_rights&amp;quot;&amp;gt;Charles Darwin University / Living Archive of Aboriginal Languages (o. J.): ''Copyright and IP issues''. [https://livingarchive.cdu.edu.au/copyright/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_home&amp;quot;&amp;gt;Charles Darwin University / Living Archive of Aboriginal Languages (o. J.): ''Home''. [https://livingarchive.cdu.edu.au/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_migration&amp;quot;&amp;gt;Christie, Michael (2022): ''Post-LAAL update''. Living Archive of Aboriginal Languages, 26.10.2022. [https://livingarchive.cdu.edu.au/post-laal-update/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;paradisec_about&amp;quot;&amp;gt;PARADISEC (o. J.): ''About us''. [https://www.paradisec.org.au/about-us/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;paradisec_home&amp;quot;&amp;gt;PARADISEC (2026): ''Pacific and Regional Archive for Digital Sources in Endangered Cultures – Home and current collection data''. [https://www.paradisec.org.au/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_about&amp;quot;&amp;gt;Reciprocal Research Network (o. J.): ''About''. [https://www.rrncommunity.org/pages/about Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_contact&amp;quot;&amp;gt;Reciprocal Research Network (o. J.): ''Contact Us / Steering Group''. [https://www.rrncommunity.org/pages/contact Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_home&amp;quot;&amp;gt;Reciprocal Research Network (2026): ''Home / What’s inside''. [https://www.rrncommunity.org/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_rowley&amp;quot;&amp;gt;Rowley, Susan (2013): ''The Reciprocal Research Network: The Development Process''. Museum Anthropology Review, 7(1–2). [https://scholarworks.iu.edu/journals/index.php/mar/article/view/2172 Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_about&amp;quot;&amp;gt;Indigitization (o. J.): ''About Us''. [https://www.indigitization.ca/about-2/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_toolkit&amp;quot;&amp;gt;Indigitization (o. J.): ''Indigitization Toolkit''. [https://www.indigitization.ca/toolkit/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_grant&amp;quot;&amp;gt;Indigitization (o. J.): ''Audio Cassette Digitization Grant''. [https://www.indigitization.ca/funding/audio-cassette-grant/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_funding&amp;quot;&amp;gt;Indigitization (o. J.): ''Funding''. [https://www.indigitization.ca/funding/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;unesco_doc_heritage&amp;quot;&amp;gt;UNESCO (2015): ''Recommendation concerning the preservation of, and access to, documentary heritage including in digital form''. [https://www.unesco.org/en/legal-affairs/recommendation-concerning-preservation-and-access-documentary-heritage-including-digital-form Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;unesco_participation&amp;quot;&amp;gt;UNESCO Intangible Cultural Heritage (o. J.): ''Involvement of communities, groups and individuals''. [https://ich.unesco.org/en/involvement-of-communities-0033 Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;unesco_ethics&amp;quot;&amp;gt;UNESCO Intangible Cultural Heritage (o. J.): ''Ethical Principles for Safeguarding Intangible Cultural Heritage''. [https://ich.unesco.org/en/ethics-and-ich-00866 Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;oais&amp;quot;&amp;gt;International Organization for Standardization (ISO) (2025): ''ISO 14721:2025 – Space data and information transfer systems – Open archival information system (OAIS) – Reference model'', 3. Ausgabe. [https://www.iso.org/standard/87471.html Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;ndsa&amp;quot;&amp;gt;National Digital Stewardship Alliance (2026): ''Levels of Digital Preservation, Version 2.1''. [https://www.ndsa.org/publications/levels-of-digital-preservation/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;care&amp;quot;&amp;gt;Global Indigenous Data Alliance (o. J.): ''CARE Principles for Indigenous Data Governance''. [https://www.gida-global.org/careprinciples Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;localcontexts&amp;quot;&amp;gt;Local Contexts (o. J.): ''Traditional Knowledge and Biocultural Labels and Notices''. [https://localcontexts.org/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;edm&amp;quot;&amp;gt;Europeana Pro (o. J.): ''Europeana Data Model Documentation''. [https://pro.europeana.eu/page/edm-documentation Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;oaipmh&amp;quot;&amp;gt;Open Archives Initiative (o. J.): ''OAI-PMH Frequently Asked Questions''. [https://www.openarchives.org/documents/FAQ.html Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;iiif&amp;quot;&amp;gt;IIIF Consortium (2021, laufend gepflegt): ''IIIF Presentation API 3.0''. [https://iiif.io/api/presentation/3.0/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;iasa&amp;quot;&amp;gt;International Association of Sound and Audiovisual Archives (IASA) (o. J.): ''Guidelines on the Production and Preservation of Digital Audio Objects (TC-04)''. [https://www.iasa-web.org/tc04/audio-preservation Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;digicher&amp;quot;&amp;gt;Europeana Foundation / European Collaborative Cloud for Cultural Heritage (2024): ''Discover the DIGICHer project''. [https://www.dataspace-culturalheritage.eu/en/news/discover-the-digicher-project Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/references&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Měrko Šenk</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://koncept.serbski-inkubator.de/index.php?title=12.3.A1_Vergleichende_Recherche_%E2%80%93_Digitalisierung_des_Kulturerbes_anderer_Kulturen_und_Regionen&amp;diff=1066</id>
		<title>12.3.A1 Vergleichende Recherche – Digitalisierung des Kulturerbes anderer Kulturen und Regionen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://koncept.serbski-inkubator.de/index.php?title=12.3.A1_Vergleichende_Recherche_%E2%80%93_Digitalisierung_des_Kulturerbes_anderer_Kulturen_und_Regionen&amp;diff=1066"/>
		<updated>2026-07-22T11:39:53Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Měrko Šenk: /* A. Zusammenfassung */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;''Anhang zu [[12.3 Digitalisierung des Kulturerbes]]''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
''Recherche- und Quellenstand: 20. Juli 2026''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Seite dokumentiert eine vergleichende Recherche zu Erfolgsmodellen, Grenzen und übertragbaren Lösungsbausteinen bei der Digitalisierung des Kulturerbes kleiner, autochthoner, indigener, sprachlicher und regional verteilter Gemeinschaften. Sie dient als ausführliche Beleg- und Arbeitsgrundlage für den Konzeptabschnitt [[12.3 Digitalisierung des Kulturerbes#Beispiele anderer Kulturen und Regionen|„Beispiele anderer Kulturen und Regionen“]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Wichtiger Hinweis zur Aussagekraft:''' Die Fallprofile trennen soweit möglich zwischen dokumentierten Tatsachen, Aussagen der Projektverantwortlichen und der hier vorgenommenen Bewertung. Viele Projekte veröffentlichen keine aktuellen Nutzungszahlen oder unabhängigen Wirkungsevaluationen. In diesen Fällen wird nicht allein aus einer ansprechenden Website auf Erfolg geschlossen. Wo eine Schlussfolgerung nur plausibel, aber nicht direkt belegt ist, ist sie als '''Bewertung''' oder '''Annahme''' gekennzeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Hinweis zur Erstellung:''' Die vorliegende Vergleichsrecherche wurde mit Unterstützung der Funktion „Deep Research“ von ChatGPT (Version GPT-5.6 Sol Pro) erstellt und anschließend redaktionell überarbeitet. Maßgeblich für die Nachvollziehbarkeit sind die jeweils angegebenen Quellen, während die daraus abgeleiteten Bewertungen und Schlussfolgerungen eine analytische Einordnung darstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
__TOC__&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== A. Zusammenfassung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die untersuchten Projekte zeigen kein universell ideales System. Erfolgreiche oder besonders lehrreiche Modelle kombinieren vielmehr unterschiedliche Bausteine entsprechend ihrer Gemeinschaft, Rechtslage, Bestandsstruktur und Ressourcen. Für den sorbischen Kontext sind vor allem folgende Erkenntnisse belastbar:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Funktionen klar trennen, Systeme aber verbinden.''' Register beziehungsweise Katalog, Digitalisierungsdienst, Repositorium beziehungsweise Langzeitarchiv und Präsentationssystem erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Erfolgreiche Verbünde verbinden diese Funktionen über Metadaten, Identifikatoren, Übergabeprozesse und Schnittstellen, statt alles in einem einzigen Portal zu vermischen.&lt;br /&gt;
# '''Gemeinschaftliche Steuerung ist keine Zusatzfunktion.''' RomArchive, Nuohtti, Mukurtu, Aṟa Irititja und das Reciprocal Research Network zeigen, dass Angehörige der jeweiligen Kultur an Auswahl, Beschreibung, Kontextualisierung, Zugangsregeln und strategischen Entscheidungen beteiligt sein müssen. Reine institutionelle „Beteiligung“ ohne festgelegte Entscheidungsrechte reicht nicht aus.&lt;br /&gt;
# '''Zentral ermöglichen, dezentral verantworten.''' Besonders übertragbar sind Modelle, bei denen eine zentrale Stelle Standards, Infrastruktur, Beratung, Qualitätssicherung, Schulung und gegebenenfalls Technik bereitstellt, während Kulturgutträger ihre Originale, lokalen Kenntnisse, Beziehungen zu Rechteinhabern und kulturellen Entscheidungen behalten.&lt;br /&gt;
# '''Ein Suchportal ist noch kein digitales Archiv.''' Nuohtti, Euskariana, bavarikon und das Plateau Peoples’ Web Portal aggregieren beziehungsweise präsentieren Inhalte aus verschiedenen Quellen. Die Langzeiterhaltung der Masterdateien muss davon getrennt geregelt sein. Mukurtu weist ausdrücklich darauf hin, dass eine Zugangsplattform nur ein Baustein eines umfassenderen Systems für Digitalisierung, Erhaltung und Betrieb ist.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
# '''Keine Massendigitalisierung ohne Zielarchiv und Rechteworkflow.''' Digitalisierung erzeugt dauerhafte Folgekosten. Vor einer Skalierung müssen Speicherort, Übernahmeprozess, Prüfsummen, Sicherung, Dateiformate, Metadaten, Rechte und spätere Migration festgelegt sein.&lt;br /&gt;
# '''Offenheit ist nicht binär.''' Erfolgreiche gemeinschaftlich gesteuerte Projekte arbeiten mit abgestuften Zugängen: öffentliches Metadatum, frei zugängliches Nutzungsdigitalisat, registrierter oder gemeinschaftsbezogener Zugang, zeitliche Sperre oder keine Online-Veröffentlichung. Zugänglichkeit und kulturelle Selbstbestimmung werden dadurch nicht als Gegensätze behandelt.&lt;br /&gt;
# '''Mehrsprachigkeit muss Teil der Datenarchitektur sein.''' Zweisprachige oder mehrsprachige Angebote wie People’s Collection Wales, Nuohtti, RomArchive, Euskariana und Aṟa Irititja zeigen, dass Sprachen nicht nur in der Oberfläche, sondern auch in Metadatenfeldern, kontrollierten Begriffen, Suchfunktionen, Transkriptionen und Verantwortlichkeiten berücksichtigt werden müssen.&lt;br /&gt;
# '''Kleine Träger brauchen Dienste, nicht nur Vorgaben.''' People’s Collection Wales und Indigitization belegen den Wert von Beratung, Schulung, Vorlagen, Pilotförderung, technischer Begleitung und „Train-the-Trainer“-Ansätzen. Ein Standard, den Ehrenamtliche oder kleine Einrichtungen ohne Hilfe nicht anwenden können, ist praktisch kein gemeinsamer Standard.&lt;br /&gt;
# '''Projektförderung kann den Aufbau finanzieren, nicht automatisch den Dauerbetrieb.''' RomArchive gelang der geplante Übergang an einen institutionellen Betreiber. Aṟa Irititja musste über Jahre um Verstetigung ringen; bei Indigitization ruht das frühere Förderprogramm für Audiokassetten; die Evaluation von People’s Collection Wales bezeichnete Finanzierungssicherheit als Kernproblem. Dauerverantwortung, Grundfinanzierung und technischer Erneuerungszyklus müssen daher vor einer breiten Skalierung geklärt werden.&lt;br /&gt;
# '''Pilotieren, messen, dann skalieren.''' Besonders sinnvoll sind Pilotvorhaben, die die gesamte Kette von der Erfassung über Rechteklärung und Digitalisierung bis zur Archivierung und Präsentation testen. Die Evaluation von People’s Collection Wales empfiehlt ausdrücklich einen Ablauf aus Bedarf, Pilot, Test, Auswertung und anschließender Skalierung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_eval&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daraus lässt sich ein prägnantes Zielmodell ableiten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Vier funktionale Säulen&lt;br /&gt;
! Leitfrage&lt;br /&gt;
! Kernaufgabe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''1. Register'''&lt;br /&gt;
| Was gibt es, wo befindet es sich, was bedeutet es und was ist prioritär?&lt;br /&gt;
| Institutionenübergreifender Nachweis, Kontext, Rechte- und Prioritätsinformationen; Verknüpfung verteilter Bestände.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''2. Digitalisierungsdienst'''&lt;br /&gt;
| Wie entstehen qualitätsgesicherte Digitalisate?&lt;br /&gt;
| Beratung, Auswahl geeigneter Verfahren, Digitalisierung, Qualitätsprüfung, Dienstleistersteuerung, Schulung und Hilfe für kleine Träger.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''3. Repositorium / digitales Langzeitarchiv'''&lt;br /&gt;
| Wie bleiben Masterdateien und Metadaten dauerhaft erhalten?&lt;br /&gt;
| Übernahme, Integritätskontrolle, redundante Sicherung, Dateiformatüberwachung, Migration, persistente Identifikatoren und dokumentierte Verantwortung.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''4. Präsentations- und Nutzungssysteme'''&lt;br /&gt;
| Was wird wem, in welcher Sprache und unter welchen Bedingungen zugänglich?&lt;br /&gt;
| Suche, Kontextualisierung, Bildung, Forschung, Download, Programmierschnittstellen und kreative Nachnutzung – abgestuft nach Rechten und kulturellen Regeln.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Merksatz:''' Das Register weiß, ''was'' und ''wo''; das Digitalisierungszentrum erzeugt und prüft; das Repositorium erhält; die Präsentation vermittelt und ermöglicht Nutzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese funktionale Vierertrennung bedeutet nicht zwingend vier Organisationen oder vier getrennte Beschaffungen. Digitalisierungszentrum und Repositorium können beispielsweise beim selben Träger liegen. Auftrag, Verantwortung, Budget, Qualitätskriterien und Betriebszusagen sollten dennoch getrennt benannt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== B. Stand der Forschung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== B.1 Vorhandene Modelle und Leitlinien ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Gesamtaufgabe „verteilt erfassen, priorisieren, digitalisieren, Metadaten zusammenführen, langfristig erhalten und verantwortungsvoll zugänglich machen“ existiert kein einzelnes, allgemein verbindliches End-to-End-Modell. Es gibt jedoch belastbare Teilmodelle, die zusammengedacht werden können:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die '''UNESCO-Empfehlung''' zur Erhaltung und Zugänglichkeit des dokumentarischen Erbes fordert institutionelle Auswahl- und Erhaltungsstrategien, fachgerechte Erschließung, Metadaten, Zusammenarbeit und rechtzeitige Maßnahmen für gefährdete digitale Bestände.&amp;lt;ref name=&amp;quot;unesco_doc_heritage&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Für immaterielles Kulturerbe verlangt die UNESCO die möglichst breite Beteiligung der Gemeinschaften und die Achtung üblicher Zugangsregeln. Die '''ethischen Grundsätze''' betonen die primäre Rolle der Gemeinschaften sowie freie, vorherige und informierte Zustimmung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;unesco_participation&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;unesco_ethics&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Das '''Referenzmodell OAIS (Open Archival Information System'''; deutsch: Referenzmodell für ein offenes Archiv-Informationssystem) beschreibt Rollen und Kernfunktionen eines digitalen Langzeitarchivs. „Offen“ bezeichnet dabei ein offen entwickeltes Referenzmodell, nicht einen zwingend offenen Zugang zu allen Inhalten.&amp;lt;ref name=&amp;quot;oais&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Die '''NDSA Levels of Digital Preservation''' (Reifegradstufen der National Digital Stewardship Alliance) bieten eine stufenweise, für kleinere Einrichtungen praktikable Orientierung zu Speicherorten, Integrität, Informationssicherheit, Metadaten und Dateiformaten. Die aktuelle Fassung 2.1 von März 2026 stellt ausdrücklich klar, dass nicht jede Sammlung überall die höchste Stufe erreichen muss.&amp;lt;ref name=&amp;quot;ndsa&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Die '''CARE Principles for Indigenous Data Governance''' – Collective Benefit, Authority to Control, Responsibility und Ethics, auf Deutsch etwa gemeinschaftlicher Nutzen, Kontrollbefugnis, Verantwortung und Ethik – ergänzen technische Offenheits- und Nachnutzungsprinzipien um kollektive Rechte und Verantwortlichkeiten.&amp;lt;ref name=&amp;quot;care&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* '''Local Contexts''' stellt Traditional Knowledge Labels und Biocultural Labels bereit, mit denen Gemeinschaften Hinweise zu Herkunft, kultureller Autorität, erlaubter Nutzung und besonderen Protokollen ergänzen können. Diese Instrumente ersetzen das staatliche Urheberrecht nicht, machen aber gemeinschaftsbezogene Erwartungen maschinen- und menschenlesbar.&amp;lt;ref name=&amp;quot;localcontexts&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Für '''Metadaten''' und Austausch stehen etablierte Bausteine zur Verfügung: '''Dublin Core''' für einfache Kernmetadaten, '''Europeana Data Model (EDM'''; Datenmodell der Europeana) für heterogene Kulturdatensätze, '''OAI-PMH (Open Archives Initiative Protocol for Metadata Harvesting'''; Protokoll zum Einsammeln von Metadaten), Programmierschnittstellen sowie '''IIIF (International Image Interoperability Framework'''; Standardfamilie zur interoperablen Präsentation von Bildern und zunehmend Audio/Video).&amp;lt;ref name=&amp;quot;edm&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;oaipmh&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;iiif&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Für audiovisuelle Bestände sind die '''IASA-TC-04'''-Richtlinien der '''International Association of Sound and Audiovisual Archives''' besonders relevant. Sie behandeln unter anderem Signalerfassung, Metadaten, Identifikatoren, Speicherung, kleine Einrichtungen und die Vergabe an Dienstleister.&amp;lt;ref name=&amp;quot;iasa&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== B.2 Vergleichende Forschung und Evaluation ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die belastbarsten Erkenntnisse entstehen aus einer Kombination aus technischen Dokumentationen, Projektberichten, wissenschaftlichen Fallstudien und unabhängigen Evaluationen. Besonders wertvoll ist die Evaluation von People’s Collection Wales, weil sie nicht nur Erfolge, sondern auch geringe Rücklaufzahlen, begrenzte Wirkungsnachweise, Finanzierungsrisiken, Rollenunklarheiten und den hohen Aufwand vermittelter Community-Arbeit offenlegt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_eval&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wissenschaftlich gut dokumentiert sind außerdem das gemeinschaftsbasierte Metadaten- und Zugangsmodell von Mukurtu und dem Plateau Peoples’ Web Portal sowie die kooperative Entwicklung des Reciprocal Research Network. Beide zeigen, dass Vertrauen, Vereinbarungen, parallel mögliche institutionelle und gemeinschaftliche Beschreibungen sowie fein abgestufte Zugänge organisatorisch ebenso wichtig sind wie die Software.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_dlib&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_rowley&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das EU-geförderte Forschungsprojekt DIGICHer untersucht seit 2024, wie Minderheitengemeinschaften – unter anderem Sámi, jüdische und ladinische Gemeinschaften – gerechter an der Digitalisierung und Repräsentation ihres Kulturerbes beteiligt werden können. Da das Projekt bis 2027 läuft, sind im Juli 2026 noch keine abschließenden, allgemein belastbaren Ergebnisse verfügbar. Es ist aber ein relevantes Anschlussvorhaben für die weitere Beobachtung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;digicher&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== B.3 Forschungslücken ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der Auswertung ergeben sich vier wiederkehrende Lücken:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Aktuelle, unabhängige Nutzungs- und Wirkungsevaluationen fehlen bei vielen Projekten.&lt;br /&gt;
# Die technische Präsentationsarchitektur ist häufig besser dokumentiert als die Verantwortung für Masterdateien, Migration und dauerhafte Finanzierung.&lt;br /&gt;
# Community-Beteiligung wird oft beschrieben, aber Entscheidungsrechte, Konfliktlösungen und Repräsentativität bleiben teilweise unklar.&lt;br /&gt;
# Es gibt zahlreiche Standards für Einzelaufgaben, aber wenig empirisch evaluierte Gesamtmodelle für kleine, institutionell verteilte Minderheiten mit ehrenamtlich betreuten Sammlungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Bewertung:''' Der sorbische Ansatz sollte deshalb nicht nach einer fertigen „Best-Practice-Software“ suchen. Zielführender ist eine belastbare Gesamtarchitektur aus ''Governance'', ''Diensten'', ''Mindeststandards'' und ''dauerhaftem Betrieb'', in die geeignete vorhandene Softwareprodukte eingebunden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== C. Begründete Auswahl der Fallbeispiele ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Auswahl umfasst zwölf Fälle. Sie deckt europäische Minderheiten, indigene und gemeinschaftlich gesteuerte Modelle, regionale Verbünde, Sprach- und Audioarchive sowie problembehaftete Übergänge ab. Nicht jedes Projekt bildet die gesamte Prozesskette ab; gerade die Unterschiede machen sichtbar, welche Funktion jeweils gelöst wird und wo Lücken bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable sortable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Fall&lt;br /&gt;
! Gemeinschaft / Raum&lt;br /&gt;
! Modelltyp&lt;br /&gt;
! Besondere Relevanz für die Sorben&lt;br /&gt;
! Evidenzlage&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| RomArchive&lt;br /&gt;
| Roma und Sinti; transnational, Schwerpunkt Europa; Betrieb in Deutschland&lt;br /&gt;
| Kuratiertes, gemeinschaftsgeprägtes digitales Archiv&lt;br /&gt;
| Deutungshoheit, Übergabe vom Förderprojekt an einen dauerhaften Betreiber, Mehrsprachigkeit&lt;br /&gt;
| Mittel bis hoch: aktuelle Primärquellen; keine aktuelle unabhängige Wirkungsanalyse&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Nuohtti&lt;br /&gt;
| Sámi in Sápmi; Norwegen, Schweden, Finnland, historisch auch Russland&lt;br /&gt;
| Föderierter Suchdienst über Bestände vieler Institutionen&lt;br /&gt;
| Verteilte Bestände, mehrere Staaten und Sprachen, ethische Hinweise, Open-Source-Bausteine&lt;br /&gt;
| Mittel bis hoch: Projekt- und Betreiberquellen; belastbare Umfangsangaben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| People’s Collection Wales&lt;br /&gt;
| Walisische Bevölkerung und walisischsprachige Gemeinschaft; Wales, Vereinigtes Königreich&lt;br /&gt;
| Nationaler Verbund mit Community-Beiträgen und Schulung&lt;br /&gt;
| Zweisprachigkeit, kleine Träger, zentrale Unterstützung, unabhängige Evaluation&lt;br /&gt;
| Hoch für die untersuchte Förderphase; aktuelle Nutzungsdaten begrenzt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Tobar an Dualchais / Kist o Riches&lt;br /&gt;
| Gälisch- und Scots-sprachige Gemeinschaften; Schottland, Vereinigtes Königreich&lt;br /&gt;
| Digitales Oral-History- und Tonarchiv&lt;br /&gt;
| Gefährdete audiovisuelle Bestände, Sprache, Transkription, Bildung&lt;br /&gt;
| Mittel: aktuelle Bestands- und Förderangaben; keine umfassende unabhängige Evaluation&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Euskariana&lt;br /&gt;
| Baskische Kultur- und Sprachgemeinschaft; Projekt der Autonomen Gemeinschaft Baskenland, Spanien&lt;br /&gt;
| Staatlich getragenes Aggregations- und Zugangsportal&lt;br /&gt;
| Gemeinsamer Katalog, eigenes Repositorium plus Verlinkung, Standards und Europeana-Anbindung&lt;br /&gt;
| Mittel: gute offizielle Dokumentation; wenig unabhängige Wirkungsmessung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| bavarikon&lt;br /&gt;
| Regionales Kulturerbe Bayerns; keine Minderheitenplattform&lt;br /&gt;
| Staatlicher institutionsübergreifender Digitalisierungs- und Präsentationsverbund&lt;br /&gt;
| Betreiberverantwortung, Förderverfahren, Qualitätsanforderungen, Beteiligung vieler Einrichtungen&lt;br /&gt;
| Hoch für Organisation und Umfang; wegen Größenordnung nur teilweise übertragbar&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mukurtu und Plateau Peoples’ Web Portal&lt;br /&gt;
| Indigene Nationen des nordwestlichen Plateaus; USA&lt;br /&gt;
| Open-Source-Zugangsplattform und gemeinschaftlich kuratierter Verbund&lt;br /&gt;
| Kulturelle Protokolle, Traditional Knowledge Labels, mehrere Beschreibungen pro Objekt&lt;br /&gt;
| Hoch für Funktionsmodell und Governance; Betriebskapazität bleibt Voraussetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Aṟa Irititja&lt;br /&gt;
| Aṉangu der APY Lands; South Australia, Australien&lt;br /&gt;
| Gemeinschaftsbasiertes Multimediaarchiv und digitale Rückgabe&lt;br /&gt;
| Lokale Kontrolle, sensibler Zugang, mehrsprachige und niedrigschwellige Nutzung&lt;br /&gt;
| Mittel: detaillierte Eigendokumentation; Wirkungsnachweise überwiegend Selbstauskunft&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Living Archive of Aboriginal Languages&lt;br /&gt;
| Zahlreiche Aboriginal-Sprachgemeinschaften im Northern Territory, Australien&lt;br /&gt;
| Digitales Sprach- und Bildungsarchiv&lt;br /&gt;
| Rechteklärung, offene Lehrmaterialien, Master-/Nutzungsdateien, Migrationsrisiko&lt;br /&gt;
| Hoch für Prozess und Bestandsumfang; dokumentierte Einschränkung nach Systemwechsel&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| PARADISEC&lt;br /&gt;
| Viele kleine und gefährdete Sprachgemeinschaften, vor allem im Pazifikraum&lt;br /&gt;
| Universitärer Fachverbund für audiovisuelle Langzeiterhaltung&lt;br /&gt;
| Gefährdete Tonträger, professionelles Repositorium, verteilte Trägerschaft und Rückgabe von Kopien&lt;br /&gt;
| Hoch: große Bestände, aktuelle Berichte, Zertifizierung und Auszeichnungen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reciprocal Research Network&lt;br /&gt;
| First Nations der Nordwestküste von British Columbia; Kanada&lt;br /&gt;
| Föderierte Recherche- und Kooperationsplattform&lt;br /&gt;
| Institutionenübergreifende Suche, Vereinbarungen, Community-Wissen, technische Alterung&lt;br /&gt;
| Mittel bis hoch: aktuelle Bestandszahlen und Forschung; sichtbare Softwareversion von 2014&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Indigitization&lt;br /&gt;
| First Nations und weitere indigene Gemeinschaften in British Columbia; Kanada&lt;br /&gt;
| Kompetenz-, Schulungs- und Förderprogramm für dezentrale Digitalisierung&lt;br /&gt;
| Besonders nah am möglichen Dienstleistungsmodell eines sorbischen Digitalisierungszentrums&lt;br /&gt;
| Hoch für Förderphase 2013–2019; aktuelles Kassettenförderprogramm pausiert&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== D. Fallprofile ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.1 RomArchive – Digitales Archiv der Roma ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Roma sind eine transnationale, historisch in vielen europäischen und außereuropäischen Staaten lebende Minderheit mit vielfältigen Gruppen, Sprachen und Selbstbezeichnungen. Sinti sind eine unter anderem in Deutschland und Mitteleuropa beheimatete Gruppe. RomArchive ist deshalb keinem einzelnen Minderheitengebiet zugeordnet. Das Projekt wurde in Deutschland öffentlich gefördert und international mit überwiegend aus Roma bestehenden kuratorischen und beratenden Teams entwickelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RomArchive versteht sich als digitales Archiv für Kunst und Kulturen der Roma. Es erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern präsentiert kuratierte, repräsentative Bestände und wissenschaftliche Kontextualisierungen. Inhalte wurden von jeweils zuständigen kuratorischen Teams ausgewählt; kuratorische Teams und Beirat waren überwiegend mit Roma besetzt. Nach Angaben des Projekts wirkten rund 150 Personen aus 15 Staaten mit. Die Übergabe an eine Roma-Organisation war von Beginn der fünfjährigen Entwicklungsphase 2015–2019 an vorgesehen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_faq&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entwicklung wurde durch die Kulturstiftung des Bundes mit 3,75 Millionen Euro gefördert; weitere Unterstützer waren unter anderem die Bundeszentrale für politische Bildung, das Auswärtige Amt und das Goethe-Institut. Seit 2019 liegt der Betrieb beim Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg; die laufende Website nennt die Bundeszentrale für politische Bildung als Förderer.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_kulturstiftung&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_imprint&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Fachliche und technische Lösung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RomArchive verbindet kuratierte Themenbereiche, einen durchsuchbaren Archivbestand, biografische Akteursdaten und digitale Vermittlungsformate. Die Deutsche Kinemathek war für Konzeption und Vermittlung von digitaler Archivierung, Digitalisierung und Katalogisierung beteiligt. Die Website nutzt ein auf Django basierendes Content-Management-System; eine Verbindung zu Axiell Collections bindet das Sammlungsmanagement an die Präsentation an.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_imprint&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben veröffentlichten Materialien existiert ein internes Archiv, das auf begründete Anfrage für Forschung zugänglich ist. Dies ist ein einfaches, aber wichtiges Beispiel für abgestufte Zugänge. Das Angebot ist auf Deutsch, Englisch und Romanes verfügbar; die sprachliche Vielfalt des Romanes wird sichtbar gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Rechte, Beteiligung und nachweisbarer Erfolg ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die stärkste Leistung liegt in der kuratorischen und strategischen Beteiligung der Minderheit sowie in dem Anspruch, Fremdzuschreibungen durch selbst erzählte Gegennarrative zu korrigieren. Ethische Richtlinien und eine Sammlungspolitik wurden durch den internationalen Beirat mitentwickelt. Der Übergang vom zeitlich befristeten Entwicklungsprojekt an einen institutionellen Betreiber wurde tatsächlich vollzogen. Dass das Angebot im Juli 2026 weiterhin betrieben wird, ist ein belastbarer Nachhaltigkeitsindikator.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Aktuelle unabhängige Daten zu Nutzung, Reichweite, Aktualisierungsfrequenz und langfristiger digitaler Erhaltung der Masterdateien sind öffentlich nicht in ausreichender Tiefe dokumentiert. Die öffentliche Oberfläche ist stärker ein kuratiertes Archiv und Wissensportal als ein vollständiges Bestandsregister aller Roma-Kulturgüter. Die überwiegend restriktive Rechtekennzeichnung vieler Inhalte begrenzt kreative Nachnutzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* Minderheitenangehörige mit echten kuratorischen und strategischen Entscheidungsrechten;&lt;br /&gt;
* von Beginn an geplanter Betreiberübergang;&lt;br /&gt;
* Verbindung von Sammlungsdatenbank, kuratiertem Kontext und öffentlicher Präsentation;&lt;br /&gt;
* abgestufter Zugang zwischen öffentlicher Website und internem Forschungsarchiv;&lt;br /&gt;
* öffentliche Anschubförderung plus institutionelle Verankerung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwerte:''' &lt;br /&gt;
* Ein sorbisches Portal sollte nicht nur Objekte zeigen, sondern sorbische Perspektiven, Begriffe und Kontexte strukturell verankern. &lt;br /&gt;
* Für Kulturregister, Digitalisierungszentrum und Präsentation braucht es bereits in der Projektphase einen festgelegten dauerhaften Träger. &lt;br /&gt;
* Ein kuratorischer oder gemeinschaftlicher Beirat sollte nicht nur beraten, sondern definierte Entscheidungsrechte bei Auswahl, Beschreibung und sensiblen Inhalten erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.2 Nuohtti – Föderierter Zugang zum Sámi-Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Sámi sind ein indigenes Volk im nordeuropäischen Sápmi, das sich über Gebiete des heutigen Norwegens, Schwedens, Finnlands und Russlands erstreckt. Es gibt mehrere Sámi-Sprachen und unterschiedliche nationale Rechts- und Institutionsrahmen. Viele historische Quellen und Sammlungsobjekte befinden sich außerhalb von Sámi-Institutionen in europäischen Archiven, Bibliotheken und Museen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nuohtti ist ein Suchdienst, der digitalisierte Sámi-Materialien aus verschiedenen europäischen Gedächtnisinstitutionen zusammenführt. Er wurde im Projekt „Digital Access to the Sámi Heritage Archives“ von 2018 bis 2021 mit EU-Mitteln aus Interreg Nord entwickelt. Beteiligt waren die Sámi-Archive der norwegischen und finnischen Nationalarchive, das schwedische Reichsarchiv sowie Universitäten in Lappland, Oulu und Umeå; die Universität Lappland leitete das Projekt. Die Sámi-Parlamente Finnlands, Norwegens und Schwedens entsandten Mitglieder in die Steuerungsgruppe.&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_about&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_uarctic&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Vorgehen und Architektur ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor der technischen Umsetzung wurden einschlägige Bestände und Datenlieferanten kartiert. Nuohtti bündelt keine Originale und ersetzt die Quellsysteme nicht. Es normalisiert und indexiert Metadaten aus Archiven und Aggregatoren und führt Nutzerinnen und Nutzer zu den jeweiligen Digitalisaten. Eine Karte, eine Zeitleiste und mehrsprachige Suchoberflächen unterstützen den Zugang. Nach Projektangaben waren rund 30.000 Datensätze aus 32 Institutionen in fünf Sprachen zugänglich.&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_uarctic&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Technisch baut Nuohtti auf vorhandenen Open-Source- und öffentlichen Komponenten auf, darunter VuFind, Finna, RecordManager, Finto, Giellatekno, Apache Solr, Leaflet, OpenStreetMap und Nominatim. Daten werden unter anderem über nationale und europäische Aggregationswege eingebunden.&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Rechte, Ethik und Nachhaltigkeit ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nuohtti integriert ethische Hinweise in die Nutzung. Das ist besonders relevant, weil viele historische Beschreibungen und Sammlungen außerhalb der Sámi-Gemeinschaft und unter kolonialen Bedingungen entstanden. Nutzertests fanden unter anderem in Schulen und Bibliotheken statt. Nach dem Projekt wird der Dienst von den beteiligten Nationalarchiven weitergeführt; zugleich wird er im laufenden Projekt DIGICHer als Praxisbeispiel weiterentwickelt und untersucht.&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_dataspace&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Nuohtti löst vor allem den gemeinsamen Nachweis und Zugang. Die Digitalisierung, Rechteklärung und Langzeiterhaltung verbleiben überwiegend bei den Datenlieferanten. Unterschiedliche Datenqualität und historisch problematische Beschreibungen werden durch Aggregation nicht automatisch behoben. Aktuelle, öffentlich nachvollziehbare Nutzungszahlen sind begrenzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* föderierte Architektur statt erzwungener Zentralisierung aller Bestände;&lt;br /&gt;
* Bestands- und Datenquellenkartierung vor dem Portalbau;&lt;br /&gt;
* Beteiligung von Sámi-Parlamenten an der Steuerung;&lt;br /&gt;
* Wiederverwendung vorhandener Open-Source-Komponenten und nationaler Infrastrukturen;&lt;br /&gt;
* mehrsprachige, räumliche und zeitliche Suche;&lt;br /&gt;
* sichtbare ethische Kontextualisierung problematischer Bestände.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Das Sorbische Kulturregister kann als föderierender Nachweis funktionieren: große Institutionen liefern Metadaten über Schnittstellen, kleine Träger können Daten direkt in einem zentral angebotenen System erfassen. Eine zentrale Suche muss nicht bedeuten, dass alle Originale oder alle Digitalisate zentral verwaltet werden. Historische Fremdbeschreibungen sollten als solche kenntlich gemacht und um sorbische Bezeichnungen sowie Community-Kontexte ergänzt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.3 People’s Collection Wales / Casgliad y Werin Cymru ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wales ist ein Landesteil des Vereinigten Königreichs mit eigener Regierung und einer starken nationalen sowie walisischsprachigen Identität. Walisisch und Englisch sind für das Angebot gleichberechtigte Arbeitssprachen. Das Projekt richtet sich nicht nur an professionelle Kulturinstitutionen, sondern auch an lokale Geschichtsgruppen, Vereine, Schulen und Einzelpersonen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
People’s Collection Wales ist eine zweisprachige digitale Plattform und ein begleitendes Unterstützungsprogramm, über das Nutzerinnen und Nutzer walisisches Kulturerbe entdecken, beitragen und vermitteln können. Getragen wird es als föderierte Partnerschaft von Amgueddfa Cymru – National Museum Wales, der National Library of Wales und der Royal Commission on the Ancient and Historical Monuments of Wales; finanziert wird das Programm durch die walisische Regierung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_eval&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Plattform wird durch kostenlose Beratung und Schulung ergänzt. Das aktuelle Unterstützungsangebot umfasst Projektplanung, Digitalisierung, Urheberrecht, Datenschutz, Metadaten und Oral History. Diese Kombination aus Technik und persönlicher Begleitung ist für kleine und ehrenamtliche Träger besonders relevant.&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_support&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Nachweisbarer Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die unabhängige Evaluation von 2016 stellte für die Förderphase 2014–2016 eine gestärkte föderierte Partnerschaft, eine kritische Masse an Inhalten, Fortschritte bei Community-Kompetenzen und eine hohe Vertrauenswürdigkeit des nichtkommerziellen Angebots fest. Externe Projekte sparten Ressourcen, weil sie eine vorhandene Plattform nutzen konnten. Zugleich wurden die gemessenen Wirkungen insgesamt als eher moderat beschrieben. Die Nutzerbefragung hatte nur 38 vollständige Antworten; wirtschaftliche und touristische Wirkungen waren damals nicht nachweisbar. Die Evaluation benannte Finanzierungssicherheit, klare Rollen, technische Stabilität, Marketing und dauerhaft finanzierbare Vor-Ort-Unterstützung als zentrale Herausforderungen. Vermittelte Sitzungen seien für bestimmte Zielgruppen unverzichtbar.&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_eval&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Programm existiert weiterhin und bietet aktuell Unterstützung an. Die verfügbaren Quellen belegen damit institutionelle Kontinuität, ersetzen aber keine neue unabhängige Wirkungsevaluation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* föderierte Trägerschaft mehrerer starker Institutionen;&lt;br /&gt;
* zweisprachige Plattform und Materialien;&lt;br /&gt;
* kostenlose Beratung, Metadaten- und Digitalisierungsschulungen;&lt;br /&gt;
* gemeinsamer technischer Dienst, den lokale Projekte nicht selbst entwickeln müssen;&lt;br /&gt;
* expliziter Pilot- und Lernansatz;&lt;br /&gt;
* unabhängige Evaluation mit offen benannten Grenzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Ein Digitalisierungszentrum sollte nicht nur Geräte betreiben, sondern ein sichtbares Serviceangebot für Heimatstuben, Vereine, Kirchengemeinden, Kommunen und Privatpersonen aufbauen: Erstberatung, Vorlagen, Rechtehilfe, Metadatenhilfe, mobile Einsätze, Schulungen und telefonische beziehungsweise digitale Sprechstunden. Für Obersorbisch und Niedersorbisch sollte Mehrsprachigkeit verbindlich geplant und finanziert werden. Erfolgsmessung darf sich nicht auf Objektzahlen beschränken, sondern sollte Kompetenzen, beteiligte Träger, Nachnutzung und Zufriedenheit erfassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.4 Tobar an Dualchais / Kist o Riches ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schottisch-Gälisch ist eine keltische Minderheitensprache, die vor allem in Schottland, besonders in den Highlands und auf den Inseln, gesprochen wird. Scots ist eine weitere historisch gewachsene Sprache beziehungsweise Sprachgruppe Schottlands. Das Projekt umfasst Aufnahmen auf Gälisch, Scots und Englisch und ist in den öffentlichen und kulturellen Institutionen Schottlands verankert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tobar an Dualchais / Kist o Riches macht mehr als 40.000 mündliche Aufnahmen zugänglich, die seit den 1930er Jahren in Schottland und darüber hinaus entstanden. Enthalten sind Erzählungen, Lieder, Musik, Gedichte und Sachinformationen. Ein bedeutender Teil stammt aus den School of Scottish Studies Archives der Universität Edinburgh; die physischen Originalbestände verbleiben in den Archiven.&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_edinburgh&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Vorhaben wird durch eine Partnerschaft kultureller und wissenschaftlicher Einrichtungen getragen und erhält wiederkehrend öffentliche Förderung. Die schottische Regierung bewilligte 2025 beispielsweise 35.000 Pfund für die fortlaufende Online-Sammlung gälischer und Scots-Materialien und 2026 weitere 14.127 Pfund für die Entwicklung des digitalen Archivs.&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_funding2025&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_funding2026&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Technische und fachliche Schwerpunkte ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Projekt konzentriert sich auf bedrohte zeitbasierte Medien und deren sprachliche Erschließung. Suchfelder nach Thema, Titel und beitragender Person erleichtern die Nutzung. Das ergänzende Vorhaben „Opening the Well“ transkribiert einen großen Bestand gälischer Erzählungen und verbindet Freiwilligenarbeit mit automatischer Spracherkennung. Dadurch werden Tonaufnahmen nicht nur erhalten, sondern durchsuchbar und für Sprachforschung sowie Bildung nachnutzbar.&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_opening&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Die öffentlich sichtbaren Förderungen sind überwiegend programm- oder projektbezogen. Sie belegen fortlaufende Unterstützung, aber keine vollständig transparente dauerhafte Grundfinanzierung des gesamten Betriebs. Rechteklärung, Transkription und Qualitätskontrolle bleiben bei umfangreichen historischen Tonbeständen dauerhafte Aufgaben. Eine umfassende unabhängige Evaluation mit aktuellen Nutzungsdaten wurde in dieser Recherche nicht gefunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* klare Priorität für gefährdete audiovisuelle Bestände;&lt;br /&gt;
* institutionelle Aufbewahrung der Originale und digitale öffentliche Vermittlung;&lt;br /&gt;
* Verbindung von Digitalisierung, sprachlicher Erschließung und Bildung;&lt;br /&gt;
* Kombination aus Fachinstitutionen, öffentlicher Förderung und freiwilliger Mitarbeit;&lt;br /&gt;
* sichtbare Mehrsprachigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Sorbische Tonbänder, Kassetten, Filme und Videoformate sollten wegen Materialalterung und technischer Obsoleszenz gesondert priorisiert werden. Ein Pilot „Sorbische Stimmen und Lieder“ könnte Digitalisierung, Rechteklärung, obersorbische und niedersorbische Transkription, Übersetzung, Normdaten und Bildungsnutzung exemplarisch durchspielen. Automatische Spracherkennung kann unterstützen, ersetzt aber bei kleinen Sprachen keine fachliche und gemeinschaftliche Korrektur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.5 Euskariana – Digitales Portal zum baskischen Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Baskinnen und Basken leben beiderseits der spanisch-französischen Grenze. Baskisch (Euskara) ist eine eigenständige europäische Sprache mit mehreren Varietäten. Euskariana ist kein gesamtbaskisches staatenübergreifendes Projekt, sondern ein Angebot der Autonomen Gemeinschaft Baskenland in Spanien; es bezieht jedoch auch einschlägige Bestände aus Institutionen außerhalb dieser Region ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Euskariana wird von der Digitalen Bibliothek Euskadi innerhalb der baskischen Kulturverwaltung betrieben. Das Portal entsteht in Zusammenarbeit des baskischen Regierungsapparats mit den Provinzverwaltungen von Álava/Araba, Bizkaia und Gipuzkoa, Kommunen, Universitäten, kirchlichen und privaten Einrichtungen. Der Sammlungsschwerpunkt umfasst Werke baskischer Urheberinnen und Urheber, Veröffentlichungen aus Euskadi, weltweit entstandene Inhalte zu baskischen Themen sowie besonders Inhalte auf Baskisch oder in baskischer Übersetzung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;euskariana_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als staatlich getragenes Dauerangebot ist Euskariana stärker institutionell abgesichert als ein zeitlich begrenztes Förderprojekt. Öffentlich zugängliche Quellen benennen jedoch keine vollständigen jährlichen Betriebs- und Personalkosten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Architektur, Standards und Nachnutzung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Euskariana ist gleichzeitig gemeinsamer Katalog und Zugangsportal. Es integriert Datensätze aus Bibliotheksnetzen, Verbundkatalogen, Museen, Archiven, Hochschulrepositorien und internationalen Nationalbibliotheken. Digitale Objekte werden entweder im eigenen Repositorium bereitgestellt oder über Links in den Quellsystemen aufgerufen. Damit unterstützt das Projekt zwei Anbindungswege: zentrale Aufnahme und föderierte Verlinkung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;euskariana_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach offizieller Dokumentation nutzt Euskariana unter anderem MARC, Dublin Core (DC), METS, PREMIS und ALTO. Kurz erläutert: MARC dient vor allem bibliografischen Daten; Dublin Core beschreibt einen einfachen Metadatenkern; METS strukturiert digitale Objekte und Dateigruppen; PREMIS dokumentiert Erhaltungsinformationen; ALTO bildet Layout und erkannten Text digitalisierter Seiten ab. Die Standardisierung ermöglicht die Beteiligung an Europeana und die Verbindung zu weiteren spanischen und französischen Portalen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;euskariana_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Die offizielle Dokumentation ist technisch aussagekräftig, liefert aber wenig Informationen über Community-Entscheidungsrechte, abgestufte kulturelle Zugänge, aktuelle Nutzungszahlen oder eine unabhängige Wirkungsevaluation. Das Modell ist stärker verwaltungs- und institutionsgetrieben als gemeinschaftsgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* klar benannter öffentlicher Betreiber;&lt;br /&gt;
* Kooperation über Verwaltungs-, Institutions- und Sektorgrenzen hinweg;&lt;br /&gt;
* sowohl eigenes Repositorium als auch Einbindung externer Digitalisate;&lt;br /&gt;
* verbindliche internationale Metadaten- und Erhaltungsstandards;&lt;br /&gt;
* besondere Sichtbarkeit der Minderheitensprache;&lt;br /&gt;
* Anschluss an größere Aggregatoren wie Europeana.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Für das Sorbische Kulturregister sollte es mindestens zwei Onboarding-Wege geben: Kleine Träger erfassen beziehungsweise hinterlegen Daten und Dateien in zentral bereitgestellten Diensten; größere Einrichtungen liefern Daten aus eigenen Fachsystemen über Export oder Schnittstelle. Ein gemeinsames Kernprofil muss lokale Fachstandards nicht ersetzen, sondern deren wichtigste Angaben abbilden. Obersorbisch und Niedersorbisch sollten als eigenständige Sprachwerte, nicht nur als Übersetzungsvarianten von Deutsch, gespeichert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.6 bavarikon – Regionaler Digitalisierungs- und Präsentationsverbund ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Region und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bavarikon ist keine Minderheitenplattform, sondern das Kulturportal des Freistaats Bayern. Es ist dennoch relevant, weil es zeigt, wie ein Flächenland zahlreiche Museen, Archive, Bibliotheken, wissenschaftliche Einrichtungen und nichtstaatliche Träger in ein geregeltes Förder-, Qualitäts- und Präsentationsmodell einbindet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die grundsätzliche Ausrichtung und der Mitteleinsatz werden durch das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst sowie das Staatsministerium für Digitales bestimmt. Ein Rat mit 14 stimmberechtigten Mitgliedern aus unterschiedlichen Kultursparten entscheidet über neue Inhalte und berät zu Betrieb und Digitalisierungsstrategie. Die Bayerische Staatsbibliothek trägt den laufenden technischen, redaktionellen und organisatorischen Betrieb; das Leibniz-Rechenzentrum übernimmt das Hosting.&amp;lt;ref name=&amp;quot;bavarikon_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Partner können Digitalisierungsvorhaben beantragen. Die Bayerische Staatsbibliothek begleitet die Digitalisierung, wenn die Ergebnisse in hoher Qualität über bavarikon präsentiert werden. Für die Aufnahme existieren Kriterien, Metadatenhandreichungen, Qualitätsanforderungen für Digitalisate, Musterlisten und ein Vorantragsverfahren.&amp;lt;ref name=&amp;quot;bavarikon_partner&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Nachweisbarer Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Portal ging 2013 online und wird monatlich ergänzt. Im November 2024 meldete die Bayerische Staatsbibliothek mehr als 500.000 digitale Objekte aus rund 170 Einrichtungen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;bavarikon_500k&amp;quot;/&amp;gt; Die institutionelle Betreiberverantwortung, der geregelte Zugang zu Fördermitteln und die veröffentlichten Mindestanforderungen sind belastbare Erfolgsindikatoren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' bavarikon verfügt über die Ressourcen eines deutschen Flächenlandes und einer großen Staatsbibliothek. Diese Größenordnung ist für die Sorben nicht direkt übertragbar. Das Portal ist primär Präsentations- und Förderinfrastruktur; aus den öffentlichen Unterlagen lässt sich nicht ableiten, dass bavarikon für sämtliche Masterdateien aller Partner allein die vollständige Langzeiterhaltung übernimmt. Community-Governance und kulturell abgestufte Zugänge stehen nicht im Mittelpunkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* dauerhaft benannter zentraler Betreiber und leistungsfähiges Rechenzentrum;&lt;br /&gt;
* spartenübergreifendes Entscheidungsgremium;&lt;br /&gt;
* geregeltes Förder- und Auswahlverfahren;&lt;br /&gt;
* publizierte Mindeststandards und Vorlagen;&lt;br /&gt;
* zentrale fachliche Begleitung bei dezentralen Beständen;&lt;br /&gt;
* kontinuierlicher Ausbau statt einmaliger Portalveröffentlichung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Übertragbar ist nicht die Größenordnung, sondern die Verfahrenslogik: ein transparentes Antrags- und Priorisierungsverfahren, verbindliche Lieferpakete, klare Qualitätskontrollen und ein zentraler Ansprechpartner. Ein sorbischer Digitalisierungsfonds könnte kleinere, klar abgegrenzte Vorhaben fördern, sofern Rechte, Metadaten, Zielrepositorium und spätere Nutzung vorab geklärt sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.7 Mukurtu und Plateau Peoples’ Web Portal ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mukurtu entstand aus einer Zusammenarbeit mit der Warumungu-Gemeinschaft in Australien und wurde zu einer frei verfügbaren Plattform für indigene Gemeinschaften weiterentwickelt. Das hier besonders betrachtete Plateau Peoples’ Web Portal betrifft acht indigene Nationen des nordwestlichen Plateaus in den USA, darunter Spokane, Colville, Umatilla, Coeur d’Alene, Warm Springs, Yakama, Confederated Salish and Kootenai Tribes und Nez Perce. Diese Nationen besitzen jeweils eigene politische und kulturelle Strukturen innerhalb der Vereinigten Staaten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mukurtu CMS (Content-Management-System; deutsch: System zur Verwaltung und Veröffentlichung von Inhalten) wird am Center for Digital Scholarship and Curation der Washington State University als Open-Source-Software entwickelt und gepflegt. Die Entwicklung wurde unter anderem durch die National Endowment for the Humanities, das Institute of Museum and Library Services, die Mellon Foundation und die National Science Foundation gefördert.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_about&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_plateau&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Plateau Peoples’ Web Portal ist ein konkreter Verbund zwischen den beteiligten Stämmen, der Washington State University und externen Gedächtnisinstitutionen. Stammesvertreterinnen und -vertreter wählen und kuratieren Materialien; die technische Pflege liegt bei der Universität in Partnerschaft mit indigenen Programmen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_plateau&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Rechte- und Metadatenmodell ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mukurtu unterstützt Traditional Knowledge Labels, fein abgestufte kulturelle Protokolle und mehrere parallele Beschreibungen zu einem Objekt. Eine Institution kann beispielsweise eine archivische Beschreibung liefern, während eine Gemeinschaft eigene Namen, Erzählungen, Herkunftsangaben und Zugangsregeln ergänzt. Der „Roundtrip“-Mechanismus ermöglicht den Export angereicherter Daten, ohne ursprüngliche Metadaten zu verlieren.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wissenschaftliche Dokumentationen des Plateau-Portals beschreiben ein Hub-and-Spoke-Modell – also einen zentralen technischen Knoten mit mehreren institutionellen und gemeinschaftlichen Zulieferern – sowie Vereinbarungen zwischen Partnern, Dublin-Core-Metadaten und granulare Zugangsregeln.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_dlib&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Portal demonstriert dauerhaft, dass kulturelle Selbstbestimmung technisch nicht nur durch „öffentlich“ oder „geschlossen“ abgebildet werden muss. Es ermöglicht mehrere Wissensordnungen neben- statt untereinander. Die Plattform ist Open Source und exportfähig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Open Source bedeutet nicht kostenlosen Betrieb. Installation, Aktualisierung, Hosting, Rechtekonzeption, Datenmigration und Support benötigen dauerhaft qualifiziertes Personal. Mukurtu weist selbst ausdrücklich darauf hin, dass es eine Zugangsplattform und nur ein Bestandteil eines größeren Systems für Digitalisierung, Erhaltung und Nachhaltigkeit ist.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_about&amp;quot;/&amp;gt; Die Übernahme von Traditional Knowledge Labels in den sorbischen Kontext wäre nicht eins zu eins möglich, weil kulturelle und rechtliche Ausgangslagen verschieden sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* kulturelle Protokolle als Kern der Daten- und Zugangslogik;&lt;br /&gt;
* mehrere Beschreibungen und Perspektiven pro Objekt;&lt;br /&gt;
* exportfähige Daten statt Plattformbindung;&lt;br /&gt;
* Partnerschaftsvereinbarungen und konkrete Rollen;&lt;br /&gt;
* dauerhafte technische Trägerschaft durch eine Universität;&lt;br /&gt;
* Community-Kuration statt bloßer Rückmeldung nach Veröffentlichung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Im Kulturregister sollte neben institutionellen Angaben Raum für sorbische Bezeichnungen, lokale Varianten, Erinnerungen und Korrekturen bestehen. Rechte- und Sichtbarkeitsstufen müssen pro Datensatz und möglichst pro Mediendatei modelliert werden. Ein Sorbisches Kulturregister könnte zunächst ein eigenes, rechtlich passendes Set von „Kulturhinweisen“ entwickeln, etwa „nur Metadaten öffentlich“, „Nutzung nur nach Rücksprache“, „innergemeinschaftlich“, „zeitlich gesperrt“ oder „freie Nachnutzung erwünscht“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.8 Aṟa Irititja – Gemeinschaftsbasiertes Aṉangu-Archiv ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aṉangu ist eine Selbstbezeichnung von Ngaanyatjarra-, Pitjantjatjara- und Yankunytjatjara-Gemeinschaften im zentralen Australien. Aṟa Irititja arbeitet vor allem in den Aṉangu Pitjantjatjara Yankunytjatjara Lands (APY Lands) im Nordwesten des Bundesstaats South Australia. Die Gemeinschaften sind australischen staatlichen Strukturen zugehörig, verfügen aber über eigene Land- und Organisationsstrukturen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Entstehung, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Projekt entstand 1994 als sozialgeschichtliches Vorhaben der Pitjantjatjara Council Aboriginal Corporation. Es arbeitet mit Schulen, Bildungszentren, Gesundheits-, Frauen-, Medien-, Land- und Kunstorganisationen in den APY Lands zusammen. Ein zentrales Büro in Adelaide bearbeitet Datenbank, Digitalisierung, physische Lagerung und Verwaltung; ein Büro in Alice Springs hält den Kontakt zu Gemeinschaften und ergänzt Sprach-, Familien- und Kontextinformationen. Seit 2020 steht das Projekt unter dem Dach der APY-Organisation und wird durch deren Executive Board gesteuert.&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_who&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Finanzierung war über lange Zeit eine Mischung aus staatlichen Programmen, Stiftungen, Spenden sowie jährlichen Beiträgen beteiligter Schulen und Community-Organisationen. Die eigene Projektdokumentation bezeichnet die langfristige Finanzierung ausdrücklich als dauerhaftes Problem. Mit der Eingliederung in APY wurden 2020 drei permanente Teilzeitstellen geschaffen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_funding&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Fachliche Lösung, Rechte und Zugang ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aṟa Irititja wurde auf Wunsch der Gemeinschaften entwickelt, um kulturelle Geschichte zu bewahren und zurückzugeben. Das Multimediaarchiv umfasst Fotos, Dokumente, Filme, Tonaufnahmen und Objekte. Die Software sollte kulturelle Einschränkungen abbilden und zugleich für Nutzerinnen und Nutzer mit begrenzter Schriftkompetenz oder eingeschränktem Sehvermögen leicht bedienbar sein. Inhalte werden in Ngaanyatjarra, Pitjantjatjara, Yankunytjatjara und Englisch bereitgestellt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_approach&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_who&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gemeinschaftsmitglieder und kulturelle Berater beurteilen sensible Inhalte und Zugangsregeln. Der Ansatz der „digitalen Rückgabe“ bringt digitale Kopien und Nutzungsmöglichkeiten zu den Gemeinschaften zurück, auch wenn Originale in Museen oder anderen Institutionen verbleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Betrieb seit 1994, die Eingliederung in eine Aṉangu-geführte Organisation und die dauerhafte Nutzung in Schulen und Gemeinschaftseinrichtungen sind starke Nachhaltigkeitsindizien. Die Dokumentation beschreibt intergenerationelle Nutzung, Schulungen und Beschäftigung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Viele Wirkungsangaben stammen vom Projekt selbst. Unabhängige aktuelle Evaluationen und detaillierte technische Angaben zur Langzeiterhaltung sind begrenzt. Die langjährige Finanzierungssuche zeigt, dass kulturelle Bedeutung allein keinen verlässlichen Betriebsetat garantiert. Zentraler Betrieb in Adelaide schafft Fachlichkeit, kann aber Distanz zu abgelegenen Gemeinschaften erzeugen; deshalb bleibt die lokale Kontakt- und Trainingsstruktur wesentlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* Entwicklung aus einem ausdrücklichen Wunsch der Gemeinschaft;&lt;br /&gt;
* institutionelle Unterstellung unter eine gemeinschaftseigene Organisation;&lt;br /&gt;
* lokale Ansprechpartner und zentrale Facharbeit;&lt;br /&gt;
* kulturell abgestufte Zugänge;&lt;br /&gt;
* mehrsprachige, visuell einfache Oberfläche;&lt;br /&gt;
* Verbindung von digitaler Rückgabe, Bildung und Kompetenzaufbau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Auch im sorbischen Kontext sollten Nutzeroberflächen nicht nur für wissenschaftliche Fachkräfte gestaltet werden. Lokale Sammlungsbetreuerinnen und -betreuer brauchen einfache Erfassungswege, visuelle Hilfen und persönliche Unterstützung. Sensible Inhalte – etwa private Familienaufnahmen, religiöse Praktiken, personenbezogene Überlieferung oder nicht für eine allgemeine Öffentlichkeit bestimmte Aufzeichnungen – benötigen ein gemeinsam beschlossenes Zugangsmodell. Zentraler Betrieb muss durch lokale Beziehungen ergänzt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.9 Living Archive of Aboriginal Languages (LAAL) ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Living Archive of Aboriginal Languages bündelt Literatur aus zahlreichen Aboriginal-Sprachgemeinschaften des Northern Territory in Australien. Es handelt sich nicht um eine einzige Minderheit, sondern um viele eigenständige Sprach- und Kulturgemeinschaften. Ein großer Teil der Bücher entstand zwischen den 1970er Jahren und dem Ende bilingualer Bildungsprogramme in lokalen Literature Production Centres.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Projekt begann 2012 unter Leitung der Charles Darwin University mit der Australian National University und dem Bildungsressort des Northern Territory. Es wurde durch die Australian Research Council Linkage Infrastructure, Equipment and Facilities Scheme gefördert. Eine zweite Förderphase erweiterte den Bestand und die Community- sowie Bildungsarbeit; weitere Partner kamen hinzu.&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_background&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Vorgehen umfasste das Auffinden verstreuter Bücher, Auswahl und Digitalisierung, Kontakt zu Autorinnen, Autoren und Illustratoren, Rechteklärung sowie Rückspiegelung in die Herkunftsgemeinschaften. Gemeinschaftsmitglieder konnten Texte prüfen und Geschichten oder Tonaufnahmen ergänzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Dateien, Rechte und Zugang ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für jeden Titel wurden Nutzungsdateien wie PDF, Textdatei und Vorschaubild erstellt; seitenweise TIFF-Masterdateien dienten der Langzeitaufbewahrung. Eine kartenbasierte Oberfläche erleichterte auch Menschen mit geringer Schriftkompetenz die Suche.&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_background&amp;quot;/&amp;gt; Materialien wurden nur nach schriftlicher Einwilligung von Urheberinnen, Urhebern oder Nachkommen veröffentlicht. Das Projekt verwendete Creative-Commons-Lizenzen mit Einschränkungen, berücksichtigte indigene Kultur- und Informationsprotokolle und bot ein Takedown-Verfahren, also die vorläufige Entfernung bei Einwänden.&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_rights&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der aktuelle Bestand umfasst nach Projektangaben nahezu 4.000 Bücher in 50 Sprachen aus 40 Gemeinschaften. Die Materialien wurden in die Plattform Territory Stories von Library &amp;amp; Archives Northern Territory überführt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_home&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Erfolg, Problem und Lernwert ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
LAAL verbindet Sprachsicherung, Rechteklärung, offene Bildungsnutzung und echte Erhaltungsdateien. Das Projekt zeigt aber auch eine typische Migrationsgefahr: Nach der Überführung in Territory Stories funktionierte die speziell entwickelte Kartenoberfläche nicht mehr; das Projekt dokumentierte 2022, dass zunächst auf einen möglichen Ersatz gewartet werde.&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_migration&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Die sorgfältige Rechteklärung erzeugte einen beträchtlichen Rückstand nicht veröffentlichter Materialien; dies ist kein Projektversagen, sondern ein realer Zielkonflikt zwischen Geschwindigkeit und Zustimmung. Die Migration bewahrte Inhalte, verlor aber zumindest zeitweise eine für die Zielgruppen wichtige Zugangsfunktion. Die ursprüngliche Projektorganisation war stark förderabhängig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* systematische „Search-and-Rescue“-Phase für verstreute gefährdete Materialien;&lt;br /&gt;
* klare Trennung von Erhaltungs- und Nutzungsdateien;&lt;br /&gt;
* Veröffentlichung nur mit Einwilligung und Takedown-Verfahren;&lt;br /&gt;
* Beteiligung der Sprachgemeinschaften an Prüfung und Ergänzung;&lt;br /&gt;
* Bildungsnutzung und Offline-Zugriff;&lt;br /&gt;
* Übergabe an eine öffentliche Gedächtnisinstitution.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Für jede digitale Sammlung muss ein Migrations- und Exit-Plan festlegen, wie Daten, Rechteangaben, Identifikatoren und zielgruppenspezifische Funktionen beim Systemwechsel erhalten bleiben. Eine funktionierende Fachoberfläche darf nicht der einzige Ort sein, an dem Beziehungen zwischen Daten gespeichert sind. Rechteklärung sollte als eigenes Arbeitspaket mit Aufwand, Rückständen und Prioritäten geplant werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.10 PARADISEC – Facharchiv für gefährdete Sprachen und Kulturen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaften, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PARADISEC steht für Pacific And Regional Archive for Digital Sources in Endangered Cultures. Es ist kein Archiv einer einzelnen Minderheit, sondern bewahrt Forschungs- und Community-Aufnahmen vieler kleiner Sprach- und Kulturgemeinschaften, vor allem im Pazifikraum, aber auch weltweit. Der institutionelle Sitz liegt in Australien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Organisation, Finanzierung und Architektur ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PARADISEC ist ein Verbund der University of Sydney, der University of Melbourne und der Australian National University. Operative Aufgaben sind über die drei Standorte verteilt; ein externer Beirat unterstützt die Steuerung. Das Projekt wurde wesentlich durch den Australian Research Council und in jüngerer Zeit durch die Language Data Commons of Australia im Rahmen nationaler Forschungsinfrastruktur finanziert.&amp;lt;ref name=&amp;quot;paradisec_about&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;paradisec_home&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Archiv hat Verfahren für Übernahme, Katalogisierung, Digitalisierung und Erhaltung von Audio-, Text- und Bildmaterial entwickelt. Es nutzt Forschungsnetze und institutionelle Speicherinfrastruktur, archiviert Audio in Erhaltungsformaten und stellt stabile Katalogdaten bereit. Kopien wurden an Kulturzentren und Institutionen in Vanuatu, Neukaledonien, Papua-Neuguinea, Französisch-Polynesien, den Salomonen und Rapa Nui zurückgegeben.&amp;lt;ref name=&amp;quot;paradisec_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Nachweisbarer Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Juli 2026 weist PARADISEC rund 20.500 Stunden Audio, 4.000 Stunden Video, mehr als 320 Terabyte und Inhalte zu etwa 1.460 Sprachen aus. Es erhielt 2019 das CoreTrustSeal für vertrauenswürdige Repositorien und wurde 2024 bei den Digital Preservation Awards sowie 2025 mit einem Open Scholarship Award ausgezeichnet.&amp;lt;ref name=&amp;quot;paradisec_home&amp;quot;/&amp;gt; Die Kombination aus großem Bestand, langjährigem Betrieb, fachlichen Standards und konkreter Rückgabe an Herkunftsgemeinschaften ist ein starker Erfolgsnachweis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Ein universitärer Forschungsverbund verfügt über Kompetenzen und Infrastrukturen, die kleinen lokalen Trägern nicht direkt zur Verfügung stehen. Die Community-Beteiligung variiert je nach Depositor, Sammlung und Herkunftsgemeinschaft. Online-Zugriff kann in Regionen mit schwacher Internetversorgung oder ohne passende Sprache weiterhin schwierig sein. Auch ein erfolgreiches Facharchiv benötigt laufende Dritt- und Infrastrukturmittel sowie technische Erneuerung; PARADISEC arbeitet derzeit an einer Erneuerung seines Katalogs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* fachlich fokussiertes Repositorium für gefährdete audiovisuelle und sprachliche Materialien;&lt;br /&gt;
* verteilte institutionelle Trägerschaft mit gemeinsamem Verfahren;&lt;br /&gt;
* professionelle Erhaltungsstandards und Zertifizierung;&lt;br /&gt;
* stabile Identifikatoren und wissenschaftliche Zitierbarkeit;&lt;br /&gt;
* Rückgabe von Kopien und Kooperation mit regionalen Kulturzentren;&lt;br /&gt;
* langfristige Verbindung zu Forschungsinfrastruktur statt isoliertem Projektserver.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Für gefährdete Audio-, Video- und Sprachdaten sollte nicht jede kleine Einrichtung ein eigenes Langzeitarchiv aufbauen. Ein zentral betriebener, professioneller Repositoriumsdienst mit klaren Übernahmepaketen ist sinnvoll. Gleichzeitig müssen Kopien, Zugriffsrechte und nutzbare Arbeitsfassungen bei den sorbischen Kulturgutträgern verbleiben können. Zertifizierungsmodelle wie CoreTrustSeal können langfristig Orientierung geben, sollten aber erst nach Aufbau stabiler Prozesse angestrebt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.11 Reciprocal Research Network (RRN) ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Reciprocal Research Network betrifft kulturelle Objekte der First Nations der Nordwestküste von British Columbia in Kanada. Es wurde gemeinsam von der Musqueam Indian Band, der Stó:lō Nation beziehungsweise dem Stó:lō Tribal Council, der U’mista Cultural Society und dem Museum of Anthropology der University of British Columbia entwickelt. Zahlreiche internationale Museen liefern Daten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und technische Lösung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das RRN ist eine föderierte Recherche- und Kooperationsplattform. Es ermöglicht die gemeinsame Suche in institutionellen Sammlungen, persönliche und gemeinsame Forschungsprojekte, Dateiuploads und Diskussionen. Eine Steuerungsgruppe mit Vertreterinnen und Vertretern der beteiligten First Nations und des Museums ist weiterhin ausgewiesen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_about&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_contact&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wissenschaftliche Publikationen beschreiben den Aufbau als langfristigen Vertrauens- und Aushandlungsprozess. Vereinbarungen mit Partnerinstitutionen regelten Datenlieferung und Zusammenarbeit; agile Softwareentwicklung wurde mit unterschiedlichen Erwartungen und Entscheidungsrhythmen in Einklang gebracht.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_rowley&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Nachweisbarer Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Juli 2026 zeigt die Plattform Daten aus 29 Institutionen, mehr als 570.000 Objekte und 391.000 Fotografien sowie über 4.000 registrierte Mitglieder und fast 2.800 Projekte an.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_home&amp;quot;/&amp;gt; Diese Größenordnung belegt eine erhebliche institutionsübergreifende Aggregation und Nutzung der Arbeitsfunktionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Im Seitenfuß wird weiterhin die Softwareversion 1.8.3 mit Startdatum 22. November 2014 ausgewiesen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_contact&amp;quot;/&amp;gt; Das ist kein Beleg dafür, dass der Dienst beendet ist – die Plattform ist erreichbar und aktuelle Bestandszahlen werden angezeigt –, aber ein Warnsignal für Modernisierungs-, Sicherheits- und Wartungsrisiken. Detaillierte aktuelle Angaben zu Erhaltungsrepositorien und Betriebskosten sind öffentlich begrenzt. Das RRN ist vor allem Forschungs- und Zugangsplattform, nicht zwingend das Langzeitarchiv sämtlicher Quelldateien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* gemeinsame Entwicklung durch First Nations und Museum;&lt;br /&gt;
* föderierte Suche über internationale Sammlungen;&lt;br /&gt;
* dauerhafte Steuerungsgruppe;&lt;br /&gt;
* projektbezogene Kollaboration statt nur passiver Objektanzeige;&lt;br /&gt;
* formalisierte Partnerschaften und Aufbau von Vertrauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Ein sorbisches System kann mehr sein als ein Suchkatalog: Arbeitsbereiche für gemeinsame Erschließung, Korrekturen, Transkription, Übersetzung und Forschung erhöhen die aktive Nachnutzung. Solche Funktionen dürfen aber erst aufgebaut werden, wenn technische Wartung und Datenexport gesichert sind. Langfristige Kooperationsvereinbarungen sind wichtiger als einmalige Datenlieferungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.12 Indigitization – Dezentrale Digitalisierung mit zentraler Befähigung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Indigitization richtet sich an First Nations und weitere indigene Gemeinschaften in British Columbia, Kanada. Die Gemeinschaften verfügen über eigene Regierungen, Archive, Sprachprogramme und Kulturinstitutionen, arbeiten aber häufig mit begrenzten technischen und personellen Ressourcen. Viele gefährdete Tonaufnahmen befinden sich weiterhin lokal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Organisations- und Fördermodell ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Indigitization ist eine Kooperation indigener Gemeinschaften und Organisationen mit dem Irving K. Barber Learning Centre, dem Museum of Anthropology, dem Northern BC Archives der University of Northern British Columbia, der X̱wi7x̱wa Library und weiteren Einheiten der University of British Columbia. Das Programm entwickelt Ressourcen, führt Schulungen durch, berät zu Fördermitteln und unterstützt gemeinschaftsgeführte Digitalisierung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Werkzeugkasten entstand aus drei Pilotprojekten mit First Nations und verbindet deren Erfahrungen mit fachlichen Digitalisierungsstandards. Er enthält Planungshilfen, technische Anleitungen, Metadaten- und Dateiverfahren sowie Musterunterlagen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_toolkit&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von 2013 bis 2019 finanzierten Audiokassetten-Zuschüsse drei Pilot- und 45 Förderprojekte. Mehr als 11.464 Kassetten wurden digitalisiert; insgesamt wurden über 422.143 kanadische Dollar vergeben. Die Förderung umfasste ergänzende Mittel bis 10.000 Dollar je Vorhaben und intensive Schulung. Das spezifische Förderprogramm befindet sich derzeit in einer Pause, während Beratung, Workshops und Verweise auf weitere Programme fortgeführt werden.&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_grant&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_funding&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Rechte, Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Digitalisierungsprojekte verbleiben bei den Gemeinschaften; eine öffentliche Veröffentlichung war nicht zwingend. Auch protokollgebundene und nichtöffentliche Zugänge waren förderfähig. Das schützt lokale Kontrolle und stärkt Kompetenzen vor Ort. Die dokumentierten Objekt- und Förderzahlen sowie die fortbestehende Beratungsinfrastruktur belegen konkrete Wirkung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Dezentrale Digitalisierung garantiert noch keine langfristige Erhaltung. Jede Gemeinschaft braucht ein tragfähiges Speicher-, Sicherungs- und Migrationskonzept oder einen verlässlichen Repositoriumspartner. Die Pause des früheren Kassettenprogramms zeigt die Verwundbarkeit zeitlich begrenzter Förderlinien. Für kleine Teams kann die dauerhafte Anwendung technischer Standards trotz Schulung anspruchsvoll bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* zentrale Kompetenz, Vorlagen, Schulung und begrenzte Anschubfinanzierung;&lt;br /&gt;
* Durchführung und Kontrolle bei den lokalen Gemeinschaften;&lt;br /&gt;
* Pilotprojekte als Grundlage des Werkzeugkastens;&lt;br /&gt;
* praxisnahe Muster für Projektplan, Budget und Stellenprofil;&lt;br /&gt;
* kein Zwang zur allgemeinen Veröffentlichung;&lt;br /&gt;
* Netzwerk aus Hochschulen, Archiven und Community-Fachleuten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Dieses Modell kommt einer möglichen Rolle des sorbischen Digitalisierungszentrums besonders nahe. Die zentrale Stelle könnte mobile Technik, Leihgeräte, Schulung, Qualitätsprüfung, Dienstleisterrahmenverträge und Kleinprojektförderung bereitstellen. Lokale Träger behalten Originale, Auswahl, Kontext und Zugangsentscheidungen. Anders als bei rein dezentralen Ansätzen sollte im sorbischen Modell jedoch von Anfang an ein gemeinsames Repositorium oder ein verbindlicher Repositoriumsdienst angeschlossen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== E. Vergleichsmatrix ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== E.1 Funktionen, Architektur und Standards ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable sortable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Projekt&lt;br /&gt;
! Register / Katalog&lt;br /&gt;
! Digitalisierung&lt;br /&gt;
! Repositorium / Langzeiterhaltung&lt;br /&gt;
! Präsentation / Nachnutzung&lt;br /&gt;
! Technologie und Standards&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''RomArchive'''&lt;br /&gt;
| Kuratierter Sammlungsnachweis; kein Vollregister&lt;br /&gt;
| Auswahl und Digitalisierung in der Projektphase&lt;br /&gt;
| Interne und veröffentlichte Bestände; öffentliche Dokumentation der Langzeitprozesse begrenzt&lt;br /&gt;
| Themenarchive, Touren, Forschung; Deutsch, Englisch, Romanes; eingeschränkte Nachnutzung&lt;br /&gt;
| Axiell Collections, Django-Webanwendung, Connector zwischen Sammlung und Website&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Nuohtti'''&lt;br /&gt;
| Föderierter Metadatenindex aus vielen Archiven&lt;br /&gt;
| Erfolgt überwiegend bei Quellinstitutionen&lt;br /&gt;
| Verbleibt bei Datenlieferanten; Nationalarchive tragen Suchdienst weiter&lt;br /&gt;
| Mehrsprachige Suche, Karte, Zeitleiste; Verlinkung zu Quellen&lt;br /&gt;
| VuFind, Finna, RecordManager, Solr, Finto, Giellatekno, Leaflet, OpenStreetMap, Europeana-Wege&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''People’s Collection Wales'''&lt;br /&gt;
| Gemeinsame Plattform mit institutionellen und Community-Beiträgen&lt;br /&gt;
| Zentral unterstützte, teils lokale Digitalisierung; Schulungen&lt;br /&gt;
| In Evaluation als klärungsbedürftige Rolle benannt; nicht allein aus Portal abzuleiten&lt;br /&gt;
| Zweisprachiges Portal, Uploads, Lernangebote, Karten&lt;br /&gt;
| Gemeinsame Plattform; Metadaten-, Rechte- und Digitalisierungshilfen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Tobar an Dualchais'''&lt;br /&gt;
| Durchsuchbarer Katalog zu Tonaufnahmen&lt;br /&gt;
| Audio-Digitalisierung, Erschließung und Transkription&lt;br /&gt;
| Originale in institutionellen Archiven; digitale Erhaltung in Partnerstrukturen&lt;br /&gt;
| Mehr als 40.000 Aufnahmen; Sprache, Bildung, Forschung&lt;br /&gt;
| Audio-Workflows; Transkription und automatische Spracherkennung in Ergänzungsprojekten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Euskariana'''&lt;br /&gt;
| Integrierter Katalog aus Bibliotheken, Archiven, Museen und Repositorien&lt;br /&gt;
| Bei Partnern und in eigenen Programmen&lt;br /&gt;
| Eigenes Repositorium plus Links zu externen Repositorien&lt;br /&gt;
| Baskisch/spanisch; öffentliche Suche; Europeana-Anbindung&lt;br /&gt;
| MARC, Dublin Core, METS, PREMIS, ALTO; OAI-Zugang&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''bavarikon'''&lt;br /&gt;
| Gemeinsames Portal mit Partnerdaten&lt;br /&gt;
| Förderprogramm und fachliche Begleitung; zentrale Qualitätsprüfung&lt;br /&gt;
| Verantwortlichkeit für alle Masterdateien nicht einheitlich öffentlich dokumentiert&lt;br /&gt;
| Portalsuche, Ausstellungen, 3D, Bildungs- und Social-Media-Formate&lt;br /&gt;
| Verbindliche Metadaten- und Lieferhandreichungen; zentrales Hosting&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Mukurtu / Plateau Portal'''&lt;br /&gt;
| Institutionelle und Community-Datensätze zu denselben Objekten&lt;br /&gt;
| Nicht Kernfunktion; lokale beziehungsweise institutionelle Workflows&lt;br /&gt;
| Mukurtu ausdrücklich nur Zugangsbaustein; Erhaltung separat zu planen&lt;br /&gt;
| Protokollbasierter Zugang, Community-Erzählungen, Export&lt;br /&gt;
| Open Source auf Drupal-Basis; TK Labels; kulturelle Protokolle; Dublin Core; Roundtrip-Export&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Aṟa Irititja'''&lt;br /&gt;
| Zentraler Multimedia-Katalog mit lokalen Ergänzungen&lt;br /&gt;
| Zentral vorbereitet, mit Community-Kontaktstellen und historischer Formatrettung&lt;br /&gt;
| Physische und digitale Materialien zentral fachlich verwaltet; Details zu Erhaltungsstufen begrenzt&lt;br /&gt;
| Community-Zugänge, mehrsprachig, visuell niedrigschwellig; digitale Rückgabe&lt;br /&gt;
| Speziell entwickelte beziehungsweise weiterentwickelte Wissensmanagement-Software; kulturelle Beschränkungen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''LAAL'''&lt;br /&gt;
| Sprach-, Orts-, Personen- und Titelnachweis&lt;br /&gt;
| Systematische Suche, Scan und Rechteklärung&lt;br /&gt;
| TIFF-Master; zunächst CDU eSpace, später Territory Stories&lt;br /&gt;
| PDFs, Textdateien, App, Bildung; ursprüngliche Kartenfunktion nach Migration verloren&lt;br /&gt;
| TIFF/PDF/TXT/JPG; persistente Kennungen im Zielsystem; Creative-Commons- und Takedown-Modell&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''PARADISEC'''&lt;br /&gt;
| Fachkatalog für audiovisuelle und sprachliche Sammlungen&lt;br /&gt;
| Professionelle Digitalisierung gefährdeter Medien&lt;br /&gt;
| Institutioneller Verbund; Erhaltungsformate, redundante Infrastruktur, CoreTrustSeal&lt;br /&gt;
| Online-Katalog, Forschung, Community-Zugang und Rückgabe von Kopien&lt;br /&gt;
| Internationale Archivstandards; stabile Identifikatoren; laufende Katalogmodernisierung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''RRN'''&lt;br /&gt;
| Föderierte Suche über Daten von 29 Institutionen&lt;br /&gt;
| Erfolgt primär bei Partnern&lt;br /&gt;
| Plattform ist kein einheitliches Langzeitarchiv aller Quellen&lt;br /&gt;
| Kollaborative Projekte, Diskussionen, Uploads und Recherche&lt;br /&gt;
| Föderierte Datenintegration, Programmierschnittstelle; sichtbare Plattformversion von 2014&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Indigitization'''&lt;br /&gt;
| Kein zentraler Gesamtkatalog als Hauptziel&lt;br /&gt;
| Dezentrale Digitalisierung mit zentraler Schulung, Geräten, Standards und Förderung&lt;br /&gt;
| Muss je Community beziehungsweise über Partner gelöst werden&lt;br /&gt;
| Community-interne oder öffentliche Nutzung nach lokalen Regeln&lt;br /&gt;
| Werkzeugkasten, Broadcast-Wave-Audio, Musterunterlagen und Trainingsworkflows&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== E.2 Governance, Finanzierung, Erfolg und Übertragbarkeit ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable sortable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Projekt&lt;br /&gt;
! Organisationsmodell&lt;br /&gt;
! Community-Beteiligung&lt;br /&gt;
! Finanzierung und dauerhafter Betrieb&lt;br /&gt;
! Nachweisbarer Erfolg&lt;br /&gt;
! Grenzen&lt;br /&gt;
! Übertragbarkeit auf die Sorben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''RomArchive'''&lt;br /&gt;
| Internationales Kuratorium/Beirat; seit 2019 Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma&lt;br /&gt;
| Überwiegend Roma in Kuratorien und Beirat; Auswahl und strategische Richtlinien&lt;br /&gt;
| Große öffentliche Anschubförderung; institutioneller Betreiber und laufende öffentliche Förderung&lt;br /&gt;
| Betreiberübergang vollzogen; seit 2019 online weitergeführt&lt;br /&gt;
| Kein Vollregister; wenige aktuelle Nutzungsdaten; Nachnutzung oft restriktiv&lt;br /&gt;
| '''Hoch''' für Governance, kuratierte Kontexte und Betreiberübergang&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Nuohtti'''&lt;br /&gt;
| Drei Nationalarchive plus Universitäten; föderierter Dienst&lt;br /&gt;
| Sámi-Parlamente in Steuerungsgruppe; ethische Leitlinien und Tests&lt;br /&gt;
| EU-Projekt; Weiterbetrieb durch Nationalarchive&lt;br /&gt;
| Rund 30.000 Datensätze, 32 Institutionen, fünf Sprachen; fortbestehender Dienst&lt;br /&gt;
| Datenqualität und Erhaltung bleiben verteilt; geringe aktuelle Wirkungsdaten&lt;br /&gt;
| '''Sehr hoch''' für Kulturregister und föderierte Suche&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''People’s Collection Wales'''&lt;br /&gt;
| Föderation dreier nationaler Einrichtungen&lt;br /&gt;
| Lokale Gruppen und Einzelpersonen liefern Inhalte; umfangreiche Unterstützung&lt;br /&gt;
| Walisische Regierung; Evaluation benennt Nachhaltigkeitsrisiko&lt;br /&gt;
| Dauerbetrieb, Community-Kompetenzen, kritische Masse; unabhängige Evaluation&lt;br /&gt;
| Moderate gemessene Wirkung; Vermittlung personalintensiv; 38 Survey-Antworten&lt;br /&gt;
| '''Sehr hoch''' für Servicezentrum, Zweisprachigkeit und Evaluation&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Tobar an Dualchais'''&lt;br /&gt;
| Partnerschaft kultureller und wissenschaftlicher Einrichtungen&lt;br /&gt;
| Sprachgemeinschaften, Beitragende und Freiwillige bei Erschließung/Transkription&lt;br /&gt;
| Wiederkehrende öffentliche Projekt- und Programmmittel&lt;br /&gt;
| Mehr als 40.000 Aufnahmen; laufende Weiterentwicklung&lt;br /&gt;
| Dauergrundfinanzierung und Rechteaufwand öffentlich nur teilweise sichtbar&lt;br /&gt;
| '''Hoch''' für gefährdete Medien und Spracherschließung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Euskariana'''&lt;br /&gt;
| Baskische Regierung mit öffentlichen und privaten Partnern&lt;br /&gt;
| Eher institutionell als gemeinschaftsgeführt&lt;br /&gt;
| Staatlicher Betrieb&lt;br /&gt;
| Breiter Quellenverbund, Standards, Europeana-Interoperabilität&lt;br /&gt;
| Wenig unabhängige Nutzungsevaluation; Community-Rechte kaum dokumentiert&lt;br /&gt;
| '''Hoch''' für Metadaten, Onboarding-Wege und Aggregation; '''mittel''' für Governance&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''bavarikon'''&lt;br /&gt;
| Ministerien, 14-köpfiger Rat, Bayerische Staatsbibliothek, Rechenzentrum&lt;br /&gt;
| Partnerinstitutionen im Rat; keine Minderheiten-Governance&lt;br /&gt;
| Dauerhafte Landesstruktur plus Projektförderung&lt;br /&gt;
| Über 500.000 Objekte aus rund 170 Einrichtungen; monatlicher Ausbau&lt;br /&gt;
| Große Ressourcen; Präsentation und Förderlogik dominieren&lt;br /&gt;
| '''Mittel bis hoch''' für Verfahren/Qualität; Größenordnung kaum übertragbar&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Mukurtu / Plateau Portal'''&lt;br /&gt;
| Universität als Technikträger; acht indigene Nationen und Museen als Partner&lt;br /&gt;
| Kuration, Metadaten, Protokolle und Zugriff durch Stammesvertreter&lt;br /&gt;
| Öffentliche und philanthropische Forschungsförderung; Universität pflegt Software&lt;br /&gt;
| International genutzte Open-Source-Plattform; dauerhaftes konkretes Portal&lt;br /&gt;
| Qualifizierter Betrieb nötig; Zugangsplattform ersetzt kein Repositorium&lt;br /&gt;
| '''Sehr hoch''' für Rechte, sensible Inhalte und Mehrperspektivität&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Aṟa Irititja'''&lt;br /&gt;
| Zentralfachstelle plus lokale Liaison; seit 2020 unter APY-Organisation&lt;br /&gt;
| Auftrag, Steuerung, Zugangsregeln und Kontext durch Aṉangu&lt;br /&gt;
| Langjährige Mischung aus Zuschüssen, Spenden und lokalen Beiträgen; drei permanente Teilzeitstellen&lt;br /&gt;
| Betrieb seit 1994; lokale Nutzung und digitale Rückgabe&lt;br /&gt;
| Finanzierung lange prekär; Wirkung überwiegend selbst berichtet&lt;br /&gt;
| '''Hoch''' für lokale Kontrolle und abgestufte Zugänge; Technik nicht direkt übertragbar&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''LAAL'''&lt;br /&gt;
| Universität und öffentliche Partner; Übergabe an Landesbibliothek/-archiv&lt;br /&gt;
| Einwilligung, Prüfung und Ergänzung durch Sprachgemeinschaften&lt;br /&gt;
| Zwei Forschungsförderphasen; anschließend institutionelle Übernahme&lt;br /&gt;
| Nahezu 4.000 Bücher, 50 Sprachen, 40 Gemeinschaften&lt;br /&gt;
| Rechte-Rückstand; Verlust der Kartenfunktion bei Migration&lt;br /&gt;
| '''Sehr hoch''' als Migrations-, Rechte- und Sprachlernfall&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''PARADISEC'''&lt;br /&gt;
| Verbund dreier Universitäten mit Beirat&lt;br /&gt;
| Je Sammlung unterschiedlich; Kopien und Kooperationen mit Herkunftsgemeinschaften&lt;br /&gt;
| Forschungsrat, nationale Forschungsinfrastruktur, Hochschulen und Spenden&lt;br /&gt;
| 20.500 Audio-, 4.000 Videostunden, 320 TB, 1.460 Sprachen; Zertifizierung/Auszeichnungen&lt;br /&gt;
| Hohe Fach- und Infrastrukturvoraussetzungen; Zugänglichkeit regional unterschiedlich&lt;br /&gt;
| '''Hoch''' für zentrales Fachrepositorium; Skalierung nur angepasst&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''RRN'''&lt;br /&gt;
| Gemeinsame Steuerung von First Nations und Museum; viele Datenpartner&lt;br /&gt;
| Co-Entwicklung, Projekte, Diskussionen und Community-Wissen&lt;br /&gt;
| Institutionelle Projektstruktur; aktuelle Kosten öffentlich unklar&lt;br /&gt;
| 29 Institutionen, über 570.000 Objekte, über 4.000 Mitglieder&lt;br /&gt;
| Technische Alterung möglich; Erhaltung der Quelldateien dezentral&lt;br /&gt;
| '''Hoch''' für Kooperation und Arbeitsfunktionen; Wartungsrisiko beachten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Indigitization'''&lt;br /&gt;
| Hochschul- und Community-Netzwerk als Kompetenz- und Förderstelle&lt;br /&gt;
| Projekte werden von Gemeinschaften durchgeführt und kontrolliert&lt;br /&gt;
| Hochschulunterstützung; früheres Kassettenförderprogramm aktuell pausiert&lt;br /&gt;
| 45 Förderprojekte, 11.464 Kassetten, über 422.000 CAD Förderung&lt;br /&gt;
| Dezentrale Langzeiterhaltung nicht automatisch gesichert; Förderpause&lt;br /&gt;
| '''Sehr hoch''' für Digitalisierungszentrum und Unterstützung kleiner Träger&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== F. Übergreifende Erfolgsfaktoren ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.1 Governance und Beteiligung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' Die stärksten gemeinschaftsbezogenen Projekte verankern Beteiligung in Gremien, Rollen und Datenmodellen. RomArchive übergab Kuratierung und strategische Leitlinien überwiegend an Roma. Nuohtti beteiligte Sámi-Parlamente. Mukurtu und das Plateau Portal ermöglichen kulturelle Protokolle und mehrere Beschreibungen. Aṟa Irititja ist unter einer Aṉangu-geführten Organisation verankert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Erforderlich ist ein dauerhaftes Steuerungsmodell mit Vertreterinnen und Vertretern zentraler Einrichtungen, lokaler Träger, beider Sprachräume, Fachwissenschaft, Technik und möglichst verschiedener Generationen. Für sensible Inhalte, Priorisierung und öffentliche Darstellung müssen Entscheidungs- und Eskalationsregeln schriftlich festgelegt werden. Eine bloße Anhörung nach Abschluss technischer Entscheidungen ist unzureichend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.2 Erfassung und Priorisierung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' Nuohtti begann mit der Kartierung verteilter Quellen; LAAL mit systematischem Auffinden gefährdeter Literatur. bavarikon nutzt Anträge, Objektlisten und Auswahlkriterien. Audioprojekte priorisieren physisch und technisch gefährdete Medien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Zunächst sollte das Kulturregister einen belastbaren Überblick schaffen, ohne sofort jeden Eintrag maximal tief zu erschließen. Die Digitalisierungspriorität sollte anschließend aus mindestens vier Kriterien gebildet werden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Gefährdung:''' physischer Verfall, technische Obsoleszenz, Verlustgefahr;&lt;br /&gt;
# '''Bedeutung:''' Einzigartigkeit, Repräsentativität, sprachliche und kulturelle Relevanz;&lt;br /&gt;
# '''Nutzungspotenzial:''' Bildung, Forschung, Sprachrevitalisierung, Vermittlung;&lt;br /&gt;
# '''Umsetzbarkeit:''' Rechteklarheit, Zustand, vorhandene Metadaten, Kosten und Zielrepositorium.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Priorisierungswert darf keine endgültige kulturelle Rangliste erzeugen. Er dient der Arbeitsplanung und muss fachlich sowie gemeinschaftlich überprüfbar sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.3 Organisation der Digitalisierung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' Indigitization und People’s Collection Wales zeigen, dass zentrale Kompetenz und lokale Durchführung kombinierbar sind. bavarikon ergänzt dies um Auswahl, Förderung und Qualitätsprüfung. PARADISEC zeigt für anspruchsvolle audiovisuelle Medien den Wert eines spezialisierten Fachzentrums.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Das Digitalisierungszentrum sollte ein gestuftes Dienstemodell anbieten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Beratung und Projektplanung;&lt;br /&gt;
* Leihtechnik und Schulung für geeignete einfache Verfahren;&lt;br /&gt;
* mobile Digitalisierung vor Ort, wenn Kulturgüter nicht transportiert werden können;&lt;br /&gt;
* zentrale Digitalisierung für anspruchsvolle oder gefährdete Medien;&lt;br /&gt;
* Rahmenverträge und Qualitätskontrolle für externe Spezialdienstleister;&lt;br /&gt;
* Übernahmevorbereitung für das Repositorium.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.4 Technische Architektur ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' Föderierte Portale wie Nuohtti und Euskariana verbinden bestehende Systeme, statt alle Partner zu einem identischen Fachverfahren zu zwingen. Erfolgreiche Systeme verfügen über Exporte und Schnittstellen. LAAL zeigt, dass bei Migrationen zielgruppenspezifische Funktionen verloren gehen können, wenn Daten- und Präsentationslogik zu eng gekoppelt sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Die Architektur sollte modular sein. Das Register verwaltet Nachweise und Beziehungen; Digitalisierungsworkflows erzeugen Dateien und technische Metadaten; das Repositorium übernimmt Erhaltungspakete; Präsentationssysteme beziehen freigegebene Daten und Derivate. Jedes System benötigt dokumentierte Exporte. Eine proprietäre Lösung ohne vollständigen Datenexport, Identifikatorerhalt und Migrationsplan sollte ausgeschlossen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.5 Metadaten und Interoperabilität ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' Euskariana und bavarikon arbeiten mit veröffentlichten Standards und Lieferprofilen; Nuohtti normalisiert heterogene Daten; Mukurtu ermöglicht zusätzliche Community-Metadaten. Technische Vollständigkeit allein löst jedoch keine problematischen historischen Begriffe oder fehlenden kulturellen Kontexte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Notwendig ist ein abgestuftes Metadatenprofil:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* '''Pflichtkern''' für alle Träger: eindeutige Kennung, Bezeichnung, Kulturgutart, Standort beziehungsweise Träger, Sprache, Zeit/Ort soweit bekannt, Kurzkontext, Rechte-/Zugangsstatus, Quellenangabe, Bearbeitungsstand;&lt;br /&gt;
* '''fachliche Erweiterungen''' für Archive, Bibliotheken, Museen, audiovisuelle Medien, immaterielles Kulturerbe und Born-digital-Bestände;&lt;br /&gt;
* '''Community-Felder''' für sorbische Bezeichnungen, lokale Varianten, kulturelle Hinweise, alternative Erzählungen und Korrekturen;&lt;br /&gt;
* '''technische Erhaltungsmetadaten''' im Repositorium, etwa Dateiformat, Prüfsumme, Erzeugung, Migration und Beziehungen zwischen Master und Derivaten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Normdaten und kontrollierte Vokabulare sollten dort eingesetzt werden, wo sie Nutzen bringen. Für ehrenamtliche Erfassung müssen einfache Auswahllisten, Hilfetexte und spätere fachliche Anreicherung vorgesehen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.6 Rechte und kulturelle Selbstbestimmung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' Mukurtu, Aṟa Irititja und LAAL zeigen, dass urheberrechtliche Erlaubnis, Datenschutz und kulturelle Angemessenheit getrennt geprüft werden müssen. Ein Werk kann rechtlich veröffentlichbar, kulturell aber sensibel sein; umgekehrt kann eine Gemeinschaft Zugang wünschen, obwohl eine allgemeine Veröffentlichung nicht möglich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Mindestens vier Sichtbarkeitsstufen sind sinnvoll:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# öffentliche Metadaten, aber kein Medium;&lt;br /&gt;
# öffentliches Nutzungsdigitalisat, gegebenenfalls in reduzierter Qualität;&lt;br /&gt;
# beschränkter Zugang für festgelegte Gruppen, Forschung oder Community;&lt;br /&gt;
# gesperrt beziehungsweise nur intern dokumentiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder Datensatz sollte dokumentieren, wer die Entscheidung getroffen hat, auf welcher Grundlage sie beruht und wann sie erneut geprüft wird. Rechteinformationen müssen vom Register über Repositorium bis Präsentation mitgeführt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.7 Langzeiterhaltung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' PARADISEC belegt den Wert eines fachlich betriebenen Repositoriums. LAAL zeigt sowohl die Trennung von Master- und Nutzungsdateien als auch das Risiko einer Migration. Mukurtu warnt ausdrücklich davor, Zugangsplattform und Erhaltungssystem gleichzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Für jedes Digitalisat müssen vor der Produktion feststehen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Zielrepositorium und verantwortlicher Betreiber;&lt;br /&gt;
* Master- und Nutzungsformat;&lt;br /&gt;
* Dateibenennung beziehungsweise Identifikator;&lt;br /&gt;
* Prüfsumme und Integritätskontrolle;&lt;br /&gt;
* mindestens zwei räumlich getrennte Sicherungskopien;&lt;br /&gt;
* Übergabepaket aus Datei, Metadaten, Rechten und Provenienz;&lt;br /&gt;
* Verfahren für Formatbeobachtung, Migration und Wiederherstellung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das OAIS-Modell bietet den konzeptionellen Rahmen; die NDSA-Reifegradstufen können einen realistischen stufenweisen Aufbau unterstützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.8 Präsentation und Nachnutzung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' RomArchive verbindet Objekte mit kuratierten Erzählungen; People’s Collection Wales mit Lern- und Beitragsfunktionen; Tobar an Dualchais mit sprachlicher Erschließung; RRN mit kollaborativen Arbeitsräumen. Erfolg entsteht nicht durch bloße Online-Sichtbarkeit, sondern durch zielgruppengerechte Kontexte und tatsächlich nutzbare Funktionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Ein gemeinsamer Suchzugang ist wichtig, aber nicht jede Zielgruppe braucht dieselbe Oberfläche. Denkbar sind ein übergreifendes Kulturerbeportal, Fachzugänge für Forschung, Bildungsbausteine, kuratierte Ausstellungen und maschinenlesbare Schnittstellen. Download und Nachnutzung sollten dort ermöglicht werden, wo Rechte und kulturelle Interessen dies zulassen. Nutzungsstatistiken, Zitationen, Downloads, Bildungskooperationen und Community-Rückmeldungen sollten kontinuierlich ausgewertet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.9 Finanzierung und Verstetigung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' RomArchive plante den Betreiberübergang früh. People’s Collection Wales und Aṟa Irititja zeigen, wie belastend unsichere Finanzierung bleibt. Indigitization demonstriert die Wirkung kleiner Förderbudgets, aber auch die Verwundbarkeit eines pausierenden Programms. bavarikon und PARADISEC profitieren von institutioneller Infrastruktur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Es sind drei Kostenarten getrennt zu planen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Aufbaukosten:''' Konzeption, Pilot, Beschaffung, Datenmigration, erste Digitalisierung;&lt;br /&gt;
# '''Betriebskosten:''' Personal, Hosting, Speicher, Sicherung, Helpdesk, Rechtearbeit, Qualitätssicherung;&lt;br /&gt;
# '''Erneuerungskosten:''' Softwareupdates, Sicherheitsmaßnahmen, Hardwareersatz, Formatmigration, Neuentwicklung von Schnittstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Projektmittel eignen sich für Aufbau und Erprobung. Kernfunktionen dürfen nach der Pilotphase nur skaliert werden, wenn ein wiederkehrender Betriebsetat und ein verantwortlicher Rechtsträger feststehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.10 Projektsteuerung und schrittweiser Aufbau ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' People’s Collection Wales empfiehlt einen evidenzbasierten Ablauf aus Bedarf, Pilot, Test, Auswertung und Skalierung. Indigitization entwickelte seinen Werkzeugkasten aus drei Pilotprojekten. bavarikon nutzt Vorantrag, Prüfung, Standards und begleitete Umsetzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Der Aufbau sollte in überprüfbaren Ausbaustufen erfolgen. Jede Stufe braucht definierte Ergebnisse, Qualitätskriterien, Verantwortliche, Budget, Risiken und eine Entscheidung über Fortführung oder Anpassung. Technische Pilotierung ohne Governance-, Rechte- und Betriebsprüfung wäre unvollständig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== G. Empfehlungen für den sorbischen Kontext ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.1 Zielmodell: vier Säulen, drei Fundamente, zwei Betriebsregeln ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ergebnisse lassen sich für den sorbischen Kontext in einem priorisierten 4–3–2-Modell zusammenführen. Es verbindet die im Konzept beschriebene Prozesskette mit einer klaren organisatorischen und technischen Verantwortungsstruktur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Vier funktionale Säulen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Säule&lt;br /&gt;
! Mindestauftrag&lt;br /&gt;
! Abgrenzung&lt;br /&gt;
! Unverzichtbare Schnittstellen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''1. Sorbisches Kulturregister (SKR)'''&lt;br /&gt;
| Verteilte Kulturgüter und Bestände nachweisen, beschreiben, verknüpfen, Rechte- und Prioritätsstatus dokumentieren&lt;br /&gt;
| Kein Ersatz für lokale Inventare und nicht automatisch Speicherort aller Dateien&lt;br /&gt;
| Import/Export zu Fachsystemen; Übergabe von Objekt- und Rechtekennungen an Digitalisierung, Repositorium und Präsentation&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''2. Digitalisierungszentrum (DZ)'''&lt;br /&gt;
| Beratung, Planung, Digitalisierung, Qualitätssicherung, Schulung, Dienstleistersteuerung und Vorbereitung der Archivübergabe&lt;br /&gt;
| Nicht primär öffentlicher Katalog und nicht automatisch dauerhafter Speicher&lt;br /&gt;
| Aufträge aus Register/Priorisierung; Lieferung standardisierter Übergabepakete an Repositorium; Erzeugung von Nutzungsderivaten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''3. Repositorium / digitales Langzeitarchiv'''&lt;br /&gt;
| Masterdateien, Metadaten, Rechte und Provenienz dauerhaft übernehmen, prüfen, sichern und migrieren&lt;br /&gt;
| Nicht mit einem Netzlaufwerk, einer Cloudablage oder der öffentlichen Website gleichzusetzen&lt;br /&gt;
| Persistente Identifikatoren; Rückmeldung des Archivstatus an Register; kontrollierte Bereitstellung an Präsentationssysteme&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''4. Präsentations- und Nutzungssysteme'''&lt;br /&gt;
| Freigegebene Inhalte suchen, verstehen, zitieren, herunterladen und weiterverwenden lassen&lt;br /&gt;
| Nicht führendes System für Rechte, Masterdateien oder dauerhafte Erhaltung&lt;br /&gt;
| Bezug von Metadaten aus Register und Derivaten aus Repositorium; Rückgabe von Nutzungs- und Korrekturinformationen&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Entscheidender Punkt:''' Die vier Säulen sind Funktionen, nicht zwingend vier eigenständige Einrichtungen. Ein Träger kann mehrere Funktionen übernehmen. Dennoch müssen für jede Säule Auftrag, Zuständigkeit, Datenhoheit, Budget, Qualitätskriterien, Vertretung und Ausfallvorsorge benannt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Drei gemeinsame Fundamente ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Fundament&lt;br /&gt;
! Inhalt&lt;br /&gt;
! Warum es vor der Skalierung geklärt werden muss&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''A. Gemeinschaftliche Governance und Rechte'''&lt;br /&gt;
| Entscheidungsgremien, Rollen der Kulturgutträger, Community-Beteiligung, Konfliktlösung, sensible Inhalte, abgestufte Zugänge&lt;br /&gt;
| Ohne Entscheidungskompetenz entstehen Vertrauensverlust, Verzögerungen und nachträgliche Sperrungen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''B. Gemeinsame Daten- und Qualitätsarchitektur'''&lt;br /&gt;
| Metadatenkern, Identifikatoren, Sprachwerte, Vokabulare, Dateiformate, Schnittstellen, Lieferpakete, Qualitätssicherung&lt;br /&gt;
| Ohne gemeinsamen Kern können Register, DZ, Repositorium und Präsentation nicht verlässlich zusammenspielen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''C. Dauerbetrieb, Finanzierung und Kompetenz'''&lt;br /&gt;
| Rechtsträger, wiederkehrendes Budget, Personal, Hosting, Speicher, Wartung, Schulung, Helpdesk und Erneuerungsplanung&lt;br /&gt;
| Ohne Betriebsperspektive vergrößert jedes zusätzliche Digitalisat die technische und organisatorische Schuld.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Zwei Betriebsregeln ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Zentral ermöglichen, dezentral verantworten.''' Zentrale Stellen bieten Infrastruktur, Standards, Beratung, Qualitätskontrolle, Repositorium und gemeinsame Zugänge. Kulturgutträger behalten grundsätzlich Originale, lokalen Kontext, Beziehungen zu Urheberinnen und Urhebern sowie Mitentscheidung über kulturelle Bedeutung und Zugang.&lt;br /&gt;
# '''Als Projekt aufbauen, nur mit Dauerbetrieb skalieren.''' Pilot- und Förderprojekte sind geeignet, Register, Dienste und Workflows zu entwickeln. Eine breite Produktion beginnt erst, wenn dauerhafter Betreiber, Regelbudget, Personal und Erhaltungsweg gesichert sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Prüfsatz für Entscheidungen:''' Kein Digitalisat ohne Zielarchiv; kein Portal ohne Datenpflege; kein Register ohne Zuständigkeit; keine Veröffentlichung ohne Rechte- und Kulturprüfung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.2 Was zentral, dezentral und gemeinsam organisiert werden sollte ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Zentral bereitzustellen&lt;br /&gt;
! Dezentral bei den Kulturgutträgern&lt;br /&gt;
! Gemeinsam zu entscheiden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Technische Plattform und Datenmodell des Kulturregisters&lt;br /&gt;
| Besitz, Verwahrung und konservatorische Verantwortung für Originale, soweit nicht anders vereinbart&lt;br /&gt;
| Welche Bestände zunächst erfasst und digitalisiert werden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Metadatenkern, Vokabulare, Identifikatoren und Schnittstellen&lt;br /&gt;
| Erste Bestandskenntnis, lokale Namen, Geschichte und Beziehungen&lt;br /&gt;
| Kulturelle Bedeutung, Repräsentativität und Priorität&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Digitalisierungsberatung, Spezialtechnik, mobile Dienste und Qualitätsprüfung&lt;br /&gt;
| Lokale Auswahl und organisatorische Vorbereitung&lt;br /&gt;
| Transport, Vor-Ort-Digitalisierung oder externe Vergabe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Repositorium, Sicherung, Integritätsprüfung, Migration und Wiederherstellung&lt;br /&gt;
| Mitwirkung an Rechteklärung und Kontakt zu Betroffenen beziehungsweise Nachkommen&lt;br /&gt;
| Zugangs- und Nutzungskategorien für sensible Inhalte&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mustervereinbarungen, Rechte- und Datenschutzberatung&lt;br /&gt;
| Lokale Freigaben, sofern die jeweilige Stelle entscheidungsbefugt ist&lt;br /&gt;
| Verfahren bei Konflikten, Korrekturen und Takedown-Anfragen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Schulungen, Helpdesk, Dokumentation und gegebenenfalls Kleinprojektförderung&lt;br /&gt;
| Pflege von Kontexten, Korrekturen und neuen Informationen&lt;br /&gt;
| Übersetzungs- und Erschließungsprioritäten in Ober- und Niedersorbisch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gemeinsame Präsentationsbausteine und Programmierschnittstellen&lt;br /&gt;
| Eigene lokale Ausstellungen und Nutzungsszenarien&lt;br /&gt;
| Welche Inhalte übergreifend präsentiert oder nachnutzbar gemacht werden&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Verteilung schützt die dezentrale Trägerschaft, ohne kleine Einrichtungen mit jeder technischen Aufgabe allein zu lassen. Sie verhindert zugleich, dass zentrale Infrastruktur mit zentraler kultureller Deutungshoheit verwechselt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.3 Kurzfristig umsetzbare Schritte: 2026–2027 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Priorität 1: Governance und Verantwortungen beschließen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ein gemeinsames Steuerungsgremium für Kulturregister, Digitalisierungszentrum, Repositorium und Präsentation festlegen.&lt;br /&gt;
* Beide sorbischen Sprachräume, zentrale Institutionen und mindestens mehrere lokale beziehungsweise ehrenamtliche Träger verbindlich vertreten.&lt;br /&gt;
* Entscheidungsrechte, Vetorechte bei sensiblen Inhalten, Konfliktlösung und Vertretungsregelungen schriftlich regeln.&lt;br /&gt;
* Einen dauerhaften Produkt- beziehungsweise Serviceverantwortlichen für jede der vier Säulen benennen, auch wenn mehrere Säulen organisatorisch beim selben Träger liegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Priorität 2: Gemeinsamen Mindeststandard verabschieden ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Standard sollte klein genug für ehrenamtliche Erfassung, aber erweiterbar für Fachinstitutionen sein. Er muss mindestens regeln:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* eindeutige Kennung und verantwortlicher Datensatzhalter;&lt;br /&gt;
* Bezeichnung in Originalsprache und gegebenenfalls Übersetzungen;&lt;br /&gt;
* getrennte Sprachkennzeichnung für Obersorbisch, Niedersorbisch, Deutsch und weitere Sprachen;&lt;br /&gt;
* Kulturgutart und Zugehörigkeit zu materiellen, immateriellen oder digitalen Beständen;&lt;br /&gt;
* Standort beziehungsweise verwahrende Stelle;&lt;br /&gt;
* Kurzkontext, Zeit, Ort und beteiligte Personen soweit bekannt;&lt;br /&gt;
* Rechte-, Datenschutz- und kultureller Zugangsstatus;&lt;br /&gt;
* Digitalisierungs- und Archivierungsstatus;&lt;br /&gt;
* Provenienz, Quellen und Bearbeitungsstand;&lt;br /&gt;
* Exportformat und dauerhafte Identifikatoren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Priorität 3: Rechte- und Zugangsmodell entwickeln ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein einheitlicher Workflow sollte rechtliche und kulturelle Fragen getrennt dokumentieren. Empfohlen werden mindestens die vier Stufen „nur Nachweis“, „öffentliches Derivat“, „beschränkter Zugang“ und „gesperrt“. Für jede Stufe sind Verantwortliche, Freigabegrund, Prüffrist und Takedown-Verfahren festzulegen. Local Contexts kann als Anregung dienen; Begriffe und Symbole müssen jedoch gemeinsam für die sorbische Rechts- und Kulturpraxis entwickelt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Priorität 4: End-to-End-Pilot starten ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der erste Pilot sollte nicht nur ein Portal oder einen Scanner testen, sondern die gesamte Kette:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: Kulturgutträger → Erfassung im Register → Priorisierung und Freigabe → Digitalisierung und Qualitätsprüfung → Übernahme ins Repositorium → kontrollierte Präsentation und Nachnutzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beteiligt werden sollten drei bis fünf sehr unterschiedliche Träger, zum Beispiel eine zentrale Institution, eine Heimatstube oder ein Verein, eine kirchliche Einrichtung, eine kommunale Sammlung und gegebenenfalls eine Privatperson. Der Pilot sollte beide sorbischen Schriftsprachen und mindestens drei Medientypen umfassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Priorität 5: Repositoriumsziel vor Produktionsausweitung klären ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits Pilotdigitalisate benötigen einen definierten, überprüfbaren Speicher- und Erhaltungsweg. Falls das endgültige Langzeitarchiv noch nicht vollständig aufgebaut ist, braucht es einen dokumentierten Übergangsdienst mit Prüfsummen, redundanten Kopien, klarer Verantwortung und verbindlichem späteren Migrationsplan. Eine bloße Projektablage ist nicht ausreichend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.4 Mittelfristiger Strukturaufbau: 2027–2030 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Kulturregister ausbauen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Zwei Anbindungswege anbieten: direkte Erfassung beziehungsweise zentral gehostete Mandanten für kleine Träger und standardisierte Datenlieferung für große Fachsysteme.&lt;br /&gt;
* Priorisierungsansicht, Rechte- und Archivstatus sowie Beziehungen zwischen Original, Digitalisat, Werk, Person, Ort, Brauch und Sammlung abbilden.&lt;br /&gt;
* Korrektur- und Ergänzungsworkflow für Community-Wissen einrichten.&lt;br /&gt;
* Export, Programmierschnittstelle und regelmäßige Sicherung verpflichtend machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Digitalisierungszentrum als Dienstleistungsstelle verstetigen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Servicekatalog mit klaren Leistungen, Voraussetzungen, Bearbeitungszeiten und Kosten beziehungsweise Fördermöglichkeiten veröffentlichen.&lt;br /&gt;
* Mobile und stationäre Digitalisierung sowie Vergabe an Spezialdienstleister kombinieren.&lt;br /&gt;
* Schulungsprogramm und „Train-the-Trainer“-Ansatz für lokale Multiplikatorinnen und Multiplikatoren aufbauen.&lt;br /&gt;
* Kleinprojektförderung nach dem Vorbild von Indigitization oder bavarikon erproben.&lt;br /&gt;
* Qualitätssicherung und Übergabepakete zum Repositorium standardisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Repositorium in einen verlässlichen Regelbetrieb überführen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* OAIS-Funktionen organisatorisch zuordnen und mit den NDSA-Reifegradstufen schrittweise umsetzen.&lt;br /&gt;
* mindestens zwei räumlich getrennte Speicherkopien, regelmäßige Fixity Checks (Prüfung der Dateiunverändertheit über Prüfsummen) und Wiederherstellungstests etablieren;&lt;br /&gt;
* Masterdateien, Derivate, Metadaten, Rechte und technische Ereignisse verknüpfen;&lt;br /&gt;
* Verantwortungen bei Trägerwechsel oder Projektende vertraglich sichern;&lt;br /&gt;
* audiovisuelle Daten nach IASA-Empfehlungen behandeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Präsentation zielgruppenspezifisch entwickeln ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Gemeinsame Suche und verständliche Basiskontexte in Deutsch, Ober- und Niedersorbisch sowie ausgewählte englische Zugänge bereitstellen.&lt;br /&gt;
* Nicht jeden Datensatz vollständig in vier Sprachen übersetzen; stattdessen Oberfläche, Kernelemente, kontrollierte Begriffe und besonders relevante Inhalte priorisieren und Übersetzungsstatus sichtbar machen.&lt;br /&gt;
* Bildungs- und Forschungsnutzung in Pilotkooperationen testen.&lt;br /&gt;
* IIIF und Programmierschnittstellen dort einsetzen, wo sie einen konkreten Mehrwert für Anzeige, Zitation oder Datenbezug schaffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.5 Langfristige Aufgaben: ab 2030 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Regelmäßige Daten- und Formatmigrationen, Sicherheitsprüfungen und Erneuerung der Infrastruktur finanzieren.&lt;br /&gt;
* Erfolg anhand eines stabilen Kennzahlensets messen: erfasste und archivierte Bestände, beteiligte Träger, Bearbeitungszeiten, Rechte-Rückstände, Nutzung, Downloads, Bildungsprojekte, wissenschaftliche Zitationen, Community-Zufriedenheit und Korrekturen.&lt;br /&gt;
* Born-digital-Kulturerbe wie Websites, digitale Fotosammlungen, Social-Media-Projekte, digitale Kunst und Software systematisch übernehmen.&lt;br /&gt;
* Repositoriumsprozesse gegebenenfalls auf eine externe Vertrauenswürdigkeitsprüfung oder Zertifizierung vorbereiten.&lt;br /&gt;
* Kooperationen mit nationalen und europäischen Aggregatoren ausbauen, ohne die sorbische Datenhoheit und sprachliche Sichtbarkeit aufzugeben.&lt;br /&gt;
* Alle drei bis fünf Jahre Governance, Standards, Prioritäten und Zugangsregeln gemeinsam überprüfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.6 Empfohlene Pilotprojekte ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Pilot&lt;br /&gt;
! Ziel&lt;br /&gt;
! Warum besonders sinnvoll&lt;br /&gt;
! Erfolgskriterien&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''1. Kulturregister-Pilot mit heterogenen Trägern'''&lt;br /&gt;
| Mindestmetadaten, Onboarding und föderierte Datenlieferung testen&lt;br /&gt;
| Deckt die reale Spannweite von Fachinstitution bis Ehrenamt ab&lt;br /&gt;
| Mindestens 3–5 Träger liefern exportfähige, verständliche Datensätze; Aufwand und Hilfebedarf sind gemessen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''2. Gefährdete sorbische Ton- und Videobestände'''&lt;br /&gt;
| Priorisierung, Digitalisierung, Transkription, Rechte und Archivierung zeitkritischer Medien&lt;br /&gt;
| Hohe Verlustgefahr und großer Sprachwert; Anknüpfung an Tobar an Dualchais, PARADISEC und Indigitization&lt;br /&gt;
| Definierte Masterdateien, geprüfte Übergabe, zweisprachige Erschließung, Nutzungsfall für Bildung/Forschung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''3. Sensibles und immaterielles Kulturerbe'''&lt;br /&gt;
| Abgestufte Rechte und Community-Entscheidungen an Interviews, Bräuchen oder Familienmaterial erproben&lt;br /&gt;
| Testet Governance statt nur Technik&lt;br /&gt;
| Dokumentierte Freigabewege, mehrere Zugangsstufen, Takedown-Prozess und Community-Abnahme&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''4. Durchgängige Vier-Säulen-Kette'''&lt;br /&gt;
| Datenfluss vom Register bis zur Präsentation ohne manuelle Medienbrüche testen&lt;br /&gt;
| Macht Schnittstellen- und Verantwortungsprobleme früh sichtbar&lt;br /&gt;
| Identifikatoren und Rechte bleiben durchgängig erhalten; Übergaben sind reproduzierbar&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''5. Migrations- und Ausstiegstest'''&lt;br /&gt;
| Vollständigen Export eines Pilotbestands in ein neutrales Format und Wiederimport prüfen&lt;br /&gt;
| Reagiert direkt auf das LAAL- und RRN-Lernfeld technischer Alterung&lt;br /&gt;
| Dateien, Beziehungen, Rechte, Sprachwerte und Identifikatoren bleiben erhalten; Dokumentation ist für anderen Betreiber nutzbar&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.7 Mindestanforderungen vor jeder Beschaffung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor der Entscheidung für eine konkrete Software sollten folgende Punkte verbindlich beantwortet sein:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Welche Funktion der vier Säulen soll die Software erfüllen – und welche ausdrücklich nicht?&lt;br /&gt;
# Wer ist fachlich, technisch und rechtlich verantwortlich?&lt;br /&gt;
# Wie werden Ober- und Niedersorbisch in Oberfläche, Datenfeldern, Suche und Export behandelt?&lt;br /&gt;
# Welche vollständigen Daten- und Dateiexporte sind jederzeit möglich?&lt;br /&gt;
# Wie bleiben Identifikatoren und Beziehungen bei einem Systemwechsel erhalten?&lt;br /&gt;
# Welche Rechte- und Sichtbarkeitsstufen lassen sich abbilden?&lt;br /&gt;
# Wie werden Community-Ergänzungen von institutionellen Ausgangsdaten unterschieden, ohne sie abzuwerten?&lt;br /&gt;
# Wo liegen Masterdateien und wer prüft ihre Integrität?&lt;br /&gt;
# Welche wiederkehrenden Lizenz-, Hosting-, Speicher-, Wartungs- und Personalkosten entstehen über mindestens zehn Jahre?&lt;br /&gt;
# Was geschieht bei Anbieterwechsel, Projektende, Insolvenz oder Wegfall einer Förderung?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.8 Übertragbarkeit differenziert bewertet ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Direkt übertragbare Ansätze ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* funktionale Trennung von Register, Digitalisierung, Repositorium und Präsentation;&lt;br /&gt;
* zentraler Service bei dezentraler Trägerschaft;&lt;br /&gt;
* gemeinsamer Metadatenkern mit fachlichen Erweiterungen;&lt;br /&gt;
* abgestufte Zugänge und getrennte rechtliche/kulturelle Prüfung;&lt;br /&gt;
* Pilotierung mit heterogenen Trägern;&lt;br /&gt;
* Betreiber- und Finanzierungsplanung vor Skalierung;&lt;br /&gt;
* Schulung, Helpdesk und Vorlagen für kleine Sammlungen;&lt;br /&gt;
* Exportfähigkeit und Migrationsplanung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Mit Anpassungen übertragbare Ansätze ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Mukurtu-Protokolle und Traditional Knowledge Labels: als Vorbild, aber mit sorbisch entwickelten Begriffen und deutscher beziehungsweise europäischer Rechtsprüfung;&lt;br /&gt;
* Nuohttis föderierte Architektur: gut übertragbar, jedoch mit deutlich kleinerem institutionellem Netz und zwei sorbischen Schriftsprachen;&lt;br /&gt;
* bavarikons Förder- und Qualitätsverfahren: in vereinfachter Form und mit wesentlich kleinerem Budget;&lt;br /&gt;
* PARADISECs Fachrepositorium: als Dienstemodell für gefährdete Medien, nicht in dessen globaler Größenordnung;&lt;br /&gt;
* People’s Collection Wales: Support- und Beteiligungsmodell, angepasst an kleinere Personalressourcen und vorhandene sorbische Institutionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Kaum unmittelbar übertragbare Ansätze ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* eine vollständig eigenständige technische Großinfrastruktur nach Maßstab eines Flächenlandes wie Bayern;&lt;br /&gt;
* ein internationaler Universitätsverbund mit hunderten Terabyte und weltweitem Einzugsbereich wie PARADISEC;&lt;br /&gt;
* die unveränderte Übernahme indigener Rechts- und Kulturkonzepte in den europäischen Minderheitenkontext;&lt;br /&gt;
* die Vorstellung, jedes lokale Haus müsse ein eigenes Langzeitarchiv oder hoch spezialisiertes Digitalisierungslabor betreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Risiken und Fehler, die vermieden werden sollten ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* '''Portal zuerst:''' Eine öffentlich sichtbare Website wird gebaut, bevor Datenpflege, Rechte und Langzeiterhaltung geregelt sind.&lt;br /&gt;
* '''Projektserver als Archiv:''' Dateien liegen nur in Arbeitsordnern, Clouds oder einem Content-Management-System.&lt;br /&gt;
* '''Ein System für alles:''' Register, Produktion, Archivierung und Präsentation werden technisch und organisatorisch untrennbar gekoppelt.&lt;br /&gt;
* '''Offen oder geschlossen:''' Fehlende Zwischenstufen führen entweder zu unnötiger Sperrung oder unangemessener Veröffentlichung.&lt;br /&gt;
* '''Standards ohne Hilfe:''' Ehrenamtliche Träger erhalten komplexe Vorgaben, aber keine Schulung, Zeit oder Nachbearbeitung.&lt;br /&gt;
* '''Zentralisierung der Deutung:''' Lokale und sprachräumliche Perspektiven werden durch ein einziges zentrales Beschreibungsschema verdrängt.&lt;br /&gt;
* '''Digitalisierung ohne Rechtebudget:''' Scans und Aufnahmen entstehen schneller als Einwilligungen, Prüfungen und Freigaben bearbeitet werden können.&lt;br /&gt;
* '''Abhängigkeit ohne Exit:''' Proprietäre Software oder Dienstleister werden gewählt, ohne vollständigen Export und getesteten Betreiberwechsel.&lt;br /&gt;
* '''Projektende ohne Betrieb:''' Förderziele zählen veröffentlichte Objekte, aber keine Stellen, Speicher-, Wartungs- und Migrationskosten nach Förderende.&lt;br /&gt;
* '''Mehrsprachigkeit nur im Menü:''' Die Oberfläche ist übersetzt, Datensätze, Suche, Vokabulare und redaktionelle Prozesse bleiben einsprachig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.9 Priorisierte Schlussfolgerung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wichtigste Lehre lautet nicht, möglichst schnell ein großes Portal zu füllen. Vorrang hat eine belastbare Arbeitsteilung:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Zuerst Regeln und Verantwortung:''' Governance, Rechte, Sprachmodell, Mindestmetadaten und Betreiber festlegen.&lt;br /&gt;
# '''Dann die sichere Kette:''' Register, Digitalisierungszentrum und Repositorium in einem Ende-zu-Ende-Pilot verbinden.&lt;br /&gt;
# '''Danach skalieren:''' Bestände risikobasiert digitalisieren, kleine Träger durch Dienste und Förderung einbinden.&lt;br /&gt;
# '''Erst darauf die breite Präsentation:''' Freigegebene Inhalte zielgruppengerecht, mehrsprachig und nachnutzbar anbieten.&lt;br /&gt;
# '''Dauerhaft überprüfen:''' Nutzung, Datenqualität, Rechte-Rückstände, Betriebskosten und Community-Zufriedenheit messen und Architektur weiterentwickeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit wird aus vier technischen beziehungsweise organisatorischen Säulen ein gemeinsames System: '''dezentrale kulturelle Verantwortung, zentral abgesicherte Dienste und eine verbindliche dauerhafte Finanzierung.'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== H. Verdichtungsvorschlag für den Konzeptabschnitt „Beispiele anderer Kulturen und Regionen“ ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den kurzen Wiki-Abschnitt wird eine Gliederung in höchstens vier Unterabschnitte empfohlen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Ziel und Auswahl:''' Warum der Vergleich durchgeführt wurde und warum kein universelles Idealmodell gesucht wird.&lt;br /&gt;
# '''Sieben aussagekräftige Beispiele:''' RomArchive, Nuohtti, People’s Collection Wales, Tobar an Dualchais, Euskariana, Mukurtu/Plateau Portal und Indigitization. Jedes Beispiel erhält einen kurzen Kontext, die zentrale Besonderheit und ein konkretes Learning.&lt;br /&gt;
# '''Schlussverdichtung:''' Vier Säulen, drei Fundamente und zwei Betriebsregeln.&lt;br /&gt;
# '''Prioritäten für die Sorben:''' Governance und Standards → Ende-zu-Ende-Pilot und Zielrepositorium → Verstetigung des Digitalisierungszentrums → skalierte Präsentation und Nachnutzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die sieben Beispiele decken die für den sorbischen Kontext wichtigsten Perspektiven ab:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Beispiel&lt;br /&gt;
! Zentrale Besonderheit&lt;br /&gt;
! Konkretes Learning für die Sorben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| RomArchive&lt;br /&gt;
| Minderheitenangehörige kuratieren und steuern; Betreiberübergang nach Projektphase&lt;br /&gt;
| Deutungshoheit und dauerhaften Träger von Beginn an verankern&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Nuohtti&lt;br /&gt;
| Föderierte Suche über verteilte Bestände und mehrere Staaten/Sprachen&lt;br /&gt;
| Kulturregister als verbindende Nachweisschicht statt Zwangszentralisierung bauen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| People’s Collection Wales&lt;br /&gt;
| Zweisprachige Plattform plus Schulung und Community-Unterstützung; unabhängige Evaluation&lt;br /&gt;
| Kleine Träger brauchen Helpdesk, Training und realistische Wirkungsmessung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Tobar an Dualchais&lt;br /&gt;
| Sicherung und sprachliche Erschließung gefährdeter Tonaufnahmen&lt;br /&gt;
| Audiovisuelle Bestände zeitlich priorisieren und mit Transkription verbinden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Euskariana&lt;br /&gt;
| Gemeinsamer Katalog, eigenes Repositorium und Anbindung externer Systeme über Standards&lt;br /&gt;
| Zwei Onboarding-Wege und ein schlanker gemeinsamer Metadatenkern&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mukurtu / Plateau Portal&lt;br /&gt;
| Kulturelle Protokolle, mehrere Perspektiven und abgestufte Zugänge&lt;br /&gt;
| Rechte und kulturelle Sensibilität als Datenmodell, nicht als spätere Einzelfallkorrektur&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Indigitization&lt;br /&gt;
| Zentrale Kompetenz, Training und Kleinprojektförderung bei dezentraler Durchführung&lt;br /&gt;
| Digitalisierungszentrum als Dienstleister und Befähiger für lokale Träger ausgestalten&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Zielumfang von etwa 1.200 bis 1.800 Wörtern ist ausreichend. Die ausführlichen Fallprofile, Matrix, Quellen und differenzierten Empfehlungen verbleiben auf dieser Anhangsseite. Dadurch bleibt der Konzepttext lesbar, während zentrale Aussagen überprüfbar belegt und vertieft werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_faq&amp;quot;&amp;gt;RomArchive (o. J.): ''Frequently Asked Questions''. [https://www.romarchive.eu/en/about/frequently-answered-questions/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_imprint&amp;quot;&amp;gt;Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma e. V. / RomArchive (o. J.): ''Imprint''. [https://www.romarchive.eu/en/imprint/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_kulturstiftung&amp;quot;&amp;gt;Kulturstiftung des Bundes (o. J.): ''RomArchive – Digital Archive of the Roma''. [https://www.kulturstiftung-des-bundes.de/en/programmes_projects/film_and_new_media/detail/romarchive.html Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_about&amp;quot;&amp;gt;Nuohtti / Digital Access to the Sámi Heritage Archives (o. J.): ''About Nuohtti''. [https://nuohtti.com/Content/about Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_uarctic&amp;quot;&amp;gt;University of the Arctic (2023): ''The Nuohtti service provides digital access to Sámi material in European archives''. [https://www.uarctic.org/news/2023/3/the-nuohtti-service-provides-digital-access-to-sami-material-in-european-archives/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_dataspace&amp;quot;&amp;gt;Mäkikalli, Maija / Leppälä, Oona (2024): ''Nuohtti platform improves accessibility to the digitised archives of Sámi cultural heritage''. European Collaborative Cloud for Cultural Heritage / Europeana. [https://www.dataspace-culturalheritage.eu/en/news/nuohtti-platform-improves-accessibility-to-the-digitised-archives-of-sami-cultural-heritage Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_eval&amp;quot;&amp;gt;Vittle, Kate / Haswell-Walls, Fran / Dixon, Tim; ERS Ltd. (2016): ''Evaluation of the Casgliad y Werin Cymru / People’s Collection Wales Digital Heritage Programme. Impact Report''. [https://www.gov.wales/sites/default/files/publications/2019-08/evaluation-of-the-peoples-collection-wales-digital-heritage-programme-impact.pdf PDF], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_support&amp;quot;&amp;gt;People’s Collection Wales (o. J.): ''Community Support''. [https://www.peoplescollection.wales/about-us/community-support Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_edinburgh&amp;quot;&amp;gt;University of Edinburgh (2024): ''Tobar an Dualchais / Kist o Riches''. [https://gaelic.ed.ac.uk/gaelic-collections/tobar-an-dualchais-kist-o-riches Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_funding2025&amp;quot;&amp;gt;Scottish Government (2025): ''Rediscovering lost Gaelic words''. [https://www.gov.scot/news/rediscovering-lost-gaelic-words/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_funding2026&amp;quot;&amp;gt;Scottish Government (2026): ''Boost for Gaelic language''. [https://www.gov.scot/news/boost-for-gaelic-language/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_opening&amp;quot;&amp;gt;University of Edinburgh (o. J.): ''Opening the Well''. [https://gaelic.ed.ac.uk/news/opening-the-well Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;euskariana_about&amp;quot;&amp;gt;Gobierno Vasco / Biblioteca Digital de Euskadi (o. J.): ''Acerca de Euskariana''. [https://www.euskariana.euskadi.eus/euskadibib/es/help/about.do Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;bavarikon_about&amp;quot;&amp;gt;bavarikon / Freistaat Bayern (o. J.): ''Über bavarikon''. [https://www.bavarikon.de/about Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;bavarikon_partner&amp;quot;&amp;gt;bavarikon / Freistaat Bayern (o. J.): ''Partner werden''. [https://www.bavarikon.de/becoming-partner Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;bavarikon_500k&amp;quot;&amp;gt;Bayerische Staatsbibliothek (2024): ''bavarikon knackt die halbe Million: 500.000 digitale Kulturschätze aus rund 170 bayerischen Einrichtungen sind weltweit zugänglich''. [https://www.bsb-muenchen.de/en/about-us/article/bavarikon-knackt-die-halbe-million-500000-digitale-kulturschaetze-aus-rund-170-bayerischen-einrichtungen-sind-weltweit-zugaenglich-6555/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_about&amp;quot;&amp;gt;Mukurtu CMS / Center for Digital Scholarship and Curation, Washington State University (o. J.): ''About / Mission, Core Features, Implementation and Sustainability''. [https://mukurtu.org/about/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_plateau&amp;quot;&amp;gt;Mukurtu CMS / Washington State University (o. J.): ''Plateau Peoples’ Web Portal''. [https://mukurtu.org/project/plateau-peoples-web-portal-showcase/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_dlib&amp;quot;&amp;gt;Christen, Kimberly / Merrill, Alex / Wynne, Michael (2017): ''A Community of Relations: Mukurtu Hubs and Spokes''. D-Lib Magazine, 23(5/6). [https://www.dlib.org/dlib/may17/christen/05christen.html Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_who&amp;quot;&amp;gt;Aṟa Irititja (o. J.): ''Who are we?'' [https://irititja.com/about-ara-irititja/who-are-we/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_approach&amp;quot;&amp;gt;Aṟa Irititja (o. J.): ''Community-Based Approach – The Aṟa Irititja Approach''. [https://irititja.com/archive/the-ara-irititja-approach/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_funding&amp;quot;&amp;gt;Aṟa Irititja (o. J.): ''Funding''. [https://irititja.com/challlenges/funding/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_background&amp;quot;&amp;gt;Charles Darwin University / Living Archive of Aboriginal Languages (o. J.): ''Background''. [https://livingarchive.cdu.edu.au/background/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_rights&amp;quot;&amp;gt;Charles Darwin University / Living Archive of Aboriginal Languages (o. J.): ''Copyright and IP issues''. [https://livingarchive.cdu.edu.au/copyright/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_home&amp;quot;&amp;gt;Charles Darwin University / Living Archive of Aboriginal Languages (o. J.): ''Home''. [https://livingarchive.cdu.edu.au/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_migration&amp;quot;&amp;gt;Christie, Michael (2022): ''Post-LAAL update''. Living Archive of Aboriginal Languages, 26.10.2022. [https://livingarchive.cdu.edu.au/post-laal-update/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;paradisec_about&amp;quot;&amp;gt;PARADISEC (o. J.): ''About us''. [https://www.paradisec.org.au/about-us/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;paradisec_home&amp;quot;&amp;gt;PARADISEC (2026): ''Pacific and Regional Archive for Digital Sources in Endangered Cultures – Home and current collection data''. [https://www.paradisec.org.au/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_about&amp;quot;&amp;gt;Reciprocal Research Network (o. J.): ''About''. [https://www.rrncommunity.org/pages/about Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_contact&amp;quot;&amp;gt;Reciprocal Research Network (o. J.): ''Contact Us / Steering Group''. [https://www.rrncommunity.org/pages/contact Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_home&amp;quot;&amp;gt;Reciprocal Research Network (2026): ''Home / What’s inside''. [https://www.rrncommunity.org/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_rowley&amp;quot;&amp;gt;Rowley, Susan (2013): ''The Reciprocal Research Network: The Development Process''. Museum Anthropology Review, 7(1–2). [https://scholarworks.iu.edu/journals/index.php/mar/article/view/2172 Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_about&amp;quot;&amp;gt;Indigitization (o. J.): ''About Us''. [https://www.indigitization.ca/about-2/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_toolkit&amp;quot;&amp;gt;Indigitization (o. J.): ''Indigitization Toolkit''. [https://www.indigitization.ca/toolkit/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_grant&amp;quot;&amp;gt;Indigitization (o. J.): ''Audio Cassette Digitization Grant''. [https://www.indigitization.ca/funding/audio-cassette-grant/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_funding&amp;quot;&amp;gt;Indigitization (o. J.): ''Funding''. [https://www.indigitization.ca/funding/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;unesco_doc_heritage&amp;quot;&amp;gt;UNESCO (2015): ''Recommendation concerning the preservation of, and access to, documentary heritage including in digital form''. [https://www.unesco.org/en/legal-affairs/recommendation-concerning-preservation-and-access-documentary-heritage-including-digital-form Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;unesco_participation&amp;quot;&amp;gt;UNESCO Intangible Cultural Heritage (o. J.): ''Involvement of communities, groups and individuals''. [https://ich.unesco.org/en/involvement-of-communities-0033 Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;unesco_ethics&amp;quot;&amp;gt;UNESCO Intangible Cultural Heritage (o. J.): ''Ethical Principles for Safeguarding Intangible Cultural Heritage''. [https://ich.unesco.org/en/ethics-and-ich-00866 Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;oais&amp;quot;&amp;gt;International Organization for Standardization (ISO) (2025): ''ISO 14721:2025 – Space data and information transfer systems – Open archival information system (OAIS) – Reference model'', 3. Ausgabe. [https://www.iso.org/standard/87471.html Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;ndsa&amp;quot;&amp;gt;National Digital Stewardship Alliance (2026): ''Levels of Digital Preservation, Version 2.1''. [https://www.ndsa.org/publications/levels-of-digital-preservation/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;care&amp;quot;&amp;gt;Global Indigenous Data Alliance (o. J.): ''CARE Principles for Indigenous Data Governance''. [https://www.gida-global.org/careprinciples Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;localcontexts&amp;quot;&amp;gt;Local Contexts (o. J.): ''Traditional Knowledge and Biocultural Labels and Notices''. [https://localcontexts.org/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;edm&amp;quot;&amp;gt;Europeana Pro (o. J.): ''Europeana Data Model Documentation''. [https://pro.europeana.eu/page/edm-documentation Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;oaipmh&amp;quot;&amp;gt;Open Archives Initiative (o. J.): ''OAI-PMH Frequently Asked Questions''. [https://www.openarchives.org/documents/FAQ.html Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;iiif&amp;quot;&amp;gt;IIIF Consortium (2021, laufend gepflegt): ''IIIF Presentation API 3.0''. [https://iiif.io/api/presentation/3.0/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;iasa&amp;quot;&amp;gt;International Association of Sound and Audiovisual Archives (IASA) (o. J.): ''Guidelines on the Production and Preservation of Digital Audio Objects (TC-04)''. [https://www.iasa-web.org/tc04/audio-preservation Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;digicher&amp;quot;&amp;gt;Europeana Foundation / European Collaborative Cloud for Cultural Heritage (2024): ''Discover the DIGICHer project''. [https://www.dataspace-culturalheritage.eu/en/news/discover-the-digicher-project Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/references&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Měrko Šenk</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://koncept.serbski-inkubator.de/index.php?title=12.3.A1_Vergleichende_Recherche_%E2%80%93_Digitalisierung_des_Kulturerbes_anderer_Kulturen_und_Regionen&amp;diff=1065</id>
		<title>12.3.A1 Vergleichende Recherche – Digitalisierung des Kulturerbes anderer Kulturen und Regionen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://koncept.serbski-inkubator.de/index.php?title=12.3.A1_Vergleichende_Recherche_%E2%80%93_Digitalisierung_des_Kulturerbes_anderer_Kulturen_und_Regionen&amp;diff=1065"/>
		<updated>2026-07-22T11:37:44Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Měrko Šenk: /* Rechte, Beteiligung und nachweisbarer Erfolg */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;''Anhang zu [[12.3 Digitalisierung des Kulturerbes]]''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
''Recherche- und Quellenstand: 20. Juli 2026''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Seite dokumentiert eine vergleichende Recherche zu Erfolgsmodellen, Grenzen und übertragbaren Lösungsbausteinen bei der Digitalisierung des Kulturerbes kleiner, autochthoner, indigener, sprachlicher und regional verteilter Gemeinschaften. Sie dient als ausführliche Beleg- und Arbeitsgrundlage für den Konzeptabschnitt [[12.3 Digitalisierung des Kulturerbes#Beispiele anderer Kulturen und Regionen|„Beispiele anderer Kulturen und Regionen“]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Wichtiger Hinweis zur Aussagekraft:''' Die Fallprofile trennen soweit möglich zwischen dokumentierten Tatsachen, Aussagen der Projektverantwortlichen und der hier vorgenommenen Bewertung. Viele Projekte veröffentlichen keine aktuellen Nutzungszahlen oder unabhängigen Wirkungsevaluationen. In diesen Fällen wird nicht allein aus einer ansprechenden Website auf Erfolg geschlossen. Wo eine Schlussfolgerung nur plausibel, aber nicht direkt belegt ist, ist sie als '''Bewertung''' oder '''Annahme''' gekennzeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Hinweis zur Erstellung:''' Die vorliegende Vergleichsrecherche wurde mit Unterstützung der Funktion „Deep Research“ von ChatGPT (Version GPT-5.6 Sol Pro) erstellt und anschließend redaktionell überarbeitet. Maßgeblich für die Nachvollziehbarkeit sind die jeweils angegebenen Quellen, während die daraus abgeleiteten Bewertungen und Schlussfolgerungen eine analytische Einordnung darstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
__TOC__&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== A. Zusammenfassung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die untersuchten Projekte zeigen kein universell ideales System. Erfolgreiche oder besonders lehrreiche Modelle kombinieren vielmehr unterschiedliche Bausteine entsprechend ihrer Gemeinschaft, Rechtslage, Bestandsstruktur und Ressourcen. Für den sorbischen Kontext sind vor allem folgende Erkenntnisse belastbar:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Funktionen klar trennen, Systeme aber verbinden.''' Register beziehungsweise Katalog, Digitalisierungsdienst, Repositorium beziehungsweise Langzeitarchiv und Präsentationssystem erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Erfolgreiche Verbünde verbinden diese Funktionen über Metadaten, Identifikatoren, Übergabeprozesse und Schnittstellen, statt alles in einem einzigen Portal zu vermischen.&lt;br /&gt;
# '''Gemeinschaftliche Steuerung ist keine Zusatzfunktion.''' RomArchive, Nuohtti, Mukurtu, Aṟa Irititja und das Reciprocal Research Network zeigen, dass Angehörige der jeweiligen Kultur an Auswahl, Beschreibung, Kontextualisierung, Zugangsregeln und strategischen Entscheidungen beteiligt sein müssen. Reine institutionelle „Beteiligung“ ohne festgelegte Entscheidungsrechte reicht nicht aus.&lt;br /&gt;
# '''Zentral ermöglichen, dezentral verantworten.''' Besonders übertragbar sind Modelle, bei denen eine zentrale Stelle Standards, Infrastruktur, Beratung, Qualitätssicherung, Schulung und gegebenenfalls Technik bereitstellt, während Kulturgutträger ihre Originale, lokalen Kenntnisse, Beziehungen zu Rechteinhabern und kulturellen Entscheidungen behalten.&lt;br /&gt;
# '''Ein Suchportal ist noch kein digitales Archiv.''' Nuohtti, Euskariana, bavarikon und das Plateau Peoples’ Web Portal aggregieren beziehungsweise präsentieren Inhalte aus verschiedenen Quellen. Die Langzeiterhaltung der Masterdateien muss davon getrennt geregelt sein. Mukurtu weist ausdrücklich darauf hin, dass eine Zugangsplattform nur ein Baustein eines umfassenderen Systems für Digitalisierung, Erhaltung und Betrieb ist.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
# '''Keine Massendigitalisierung ohne Zielarchiv und Rechteworkflow.''' Digitalisierung erzeugt dauerhafte Folgekosten. Vor einer Skalierung müssen Speicherort, Übernahmeprozess, Prüfsummen, Sicherung, Dateiformate, Metadaten, Rechte und spätere Migration festgelegt sein.&lt;br /&gt;
# '''Offenheit ist nicht binär.''' Erfolgreiche gemeinschaftlich gesteuerte Projekte arbeiten mit abgestuften Zugängen: öffentliches Metadatum, frei zugängliches Nutzungsdigitalisat, registrierter oder gemeinschaftsbezogener Zugang, zeitliche Sperre oder keine Online-Veröffentlichung. Zugänglichkeit und kulturelle Selbstbestimmung werden dadurch nicht als Gegensätze behandelt.&lt;br /&gt;
# '''Mehrsprachigkeit muss Teil der Datenarchitektur sein.''' Zweisprachige oder mehrsprachige Angebote wie People’s Collection Wales, Nuohtti, RomArchive, Euskariana und Aṟa Irititja zeigen, dass Sprachen nicht nur in der Oberfläche, sondern auch in Metadatenfeldern, kontrollierten Begriffen, Suchfunktionen, Transkriptionen und Verantwortlichkeiten berücksichtigt werden müssen.&lt;br /&gt;
# '''Kleine Träger brauchen Dienste, nicht nur Vorgaben.''' People’s Collection Wales und Indigitization belegen den Wert von Beratung, Schulung, Vorlagen, Pilotförderung, technischer Begleitung und „Train-the-Trainer“-Ansätzen. Ein Standard, den Ehrenamtliche oder kleine Einrichtungen ohne Hilfe nicht anwenden können, ist praktisch kein gemeinsamer Standard.&lt;br /&gt;
# '''Projektförderung kann den Aufbau finanzieren, nicht automatisch den Dauerbetrieb.''' RomArchive gelang der geplante Übergang an einen institutionellen Betreiber. Aṟa Irititja musste über Jahre um Verstetigung ringen; bei Indigitization ruht das frühere Förderprogramm für Audiokassetten; die Evaluation von People’s Collection Wales bezeichnete Finanzierungssicherheit als Kernproblem. Dauerverantwortung, Grundfinanzierung und technischer Erneuerungszyklus müssen daher vor einer breiten Skalierung geklärt werden.&lt;br /&gt;
# '''Pilotieren, messen, dann skalieren.''' Besonders sinnvoll sind Pilotvorhaben, die die gesamte Kette von der Erfassung über Rechteklärung und Digitalisierung bis zur Archivierung und Präsentation testen. Die Evaluation von People’s Collection Wales empfiehlt ausdrücklich einen Ablauf aus Bedarf, Pilot, Test, Auswertung und anschließender Skalierung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_eval&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Sorben lässt sich daraus ein prägnantes Zielmodell ableiten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Vier funktionale Säulen&lt;br /&gt;
! Leitfrage&lt;br /&gt;
! Kernaufgabe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''1. Sorbisches Kulturregister'''&lt;br /&gt;
| Was gibt es, wo befindet es sich, was bedeutet es und was ist prioritär?&lt;br /&gt;
| Institutionenübergreifender Nachweis, Kontext, Rechte- und Prioritätsinformationen; Verknüpfung verteilter Bestände.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''2. Digitalisierungszentrum'''&lt;br /&gt;
| Wie entstehen qualitätsgesicherte Digitalisate?&lt;br /&gt;
| Beratung, Auswahl geeigneter Verfahren, Digitalisierung, Qualitätsprüfung, Dienstleistersteuerung, Schulung und Hilfe für kleine Träger.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''3. Repositorium / digitales Langzeitarchiv'''&lt;br /&gt;
| Wie bleiben Masterdateien und Metadaten dauerhaft erhalten?&lt;br /&gt;
| Übernahme, Integritätskontrolle, redundante Sicherung, Dateiformatüberwachung, Migration, persistente Identifikatoren und dokumentierte Verantwortung.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''4. Präsentations- und Nutzungssysteme'''&lt;br /&gt;
| Was wird wem, in welcher Sprache und unter welchen Bedingungen zugänglich?&lt;br /&gt;
| Suche, Kontextualisierung, Bildung, Forschung, Download, Programmierschnittstellen und kreative Nachnutzung – abgestuft nach Rechten und kulturellen Regeln.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Merksatz:''' Das Register weiß, ''was'' und ''wo''; das Digitalisierungszentrum erzeugt und prüft; das Repositorium erhält; die Präsentation vermittelt und ermöglicht Nutzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese funktionale Vierertrennung bedeutet nicht zwingend vier Organisationen oder vier getrennte Beschaffungen. Digitalisierungszentrum und Repositorium können beispielsweise beim selben Träger liegen. Auftrag, Verantwortung, Budget, Qualitätskriterien und Betriebszusagen sollten dennoch getrennt benannt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== B. Stand der Forschung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== B.1 Vorhandene Modelle und Leitlinien ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Gesamtaufgabe „verteilt erfassen, priorisieren, digitalisieren, Metadaten zusammenführen, langfristig erhalten und verantwortungsvoll zugänglich machen“ existiert kein einzelnes, allgemein verbindliches End-to-End-Modell. Es gibt jedoch belastbare Teilmodelle, die zusammengedacht werden können:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die '''UNESCO-Empfehlung''' zur Erhaltung und Zugänglichkeit des dokumentarischen Erbes fordert institutionelle Auswahl- und Erhaltungsstrategien, fachgerechte Erschließung, Metadaten, Zusammenarbeit und rechtzeitige Maßnahmen für gefährdete digitale Bestände.&amp;lt;ref name=&amp;quot;unesco_doc_heritage&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Für immaterielles Kulturerbe verlangt die UNESCO die möglichst breite Beteiligung der Gemeinschaften und die Achtung üblicher Zugangsregeln. Die '''ethischen Grundsätze''' betonen die primäre Rolle der Gemeinschaften sowie freie, vorherige und informierte Zustimmung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;unesco_participation&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;unesco_ethics&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Das '''Referenzmodell OAIS (Open Archival Information System'''; deutsch: Referenzmodell für ein offenes Archiv-Informationssystem) beschreibt Rollen und Kernfunktionen eines digitalen Langzeitarchivs. „Offen“ bezeichnet dabei ein offen entwickeltes Referenzmodell, nicht einen zwingend offenen Zugang zu allen Inhalten.&amp;lt;ref name=&amp;quot;oais&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Die '''NDSA Levels of Digital Preservation''' (Reifegradstufen der National Digital Stewardship Alliance) bieten eine stufenweise, für kleinere Einrichtungen praktikable Orientierung zu Speicherorten, Integrität, Informationssicherheit, Metadaten und Dateiformaten. Die aktuelle Fassung 2.1 von März 2026 stellt ausdrücklich klar, dass nicht jede Sammlung überall die höchste Stufe erreichen muss.&amp;lt;ref name=&amp;quot;ndsa&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Die '''CARE Principles for Indigenous Data Governance''' – Collective Benefit, Authority to Control, Responsibility und Ethics, auf Deutsch etwa gemeinschaftlicher Nutzen, Kontrollbefugnis, Verantwortung und Ethik – ergänzen technische Offenheits- und Nachnutzungsprinzipien um kollektive Rechte und Verantwortlichkeiten.&amp;lt;ref name=&amp;quot;care&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* '''Local Contexts''' stellt Traditional Knowledge Labels und Biocultural Labels bereit, mit denen Gemeinschaften Hinweise zu Herkunft, kultureller Autorität, erlaubter Nutzung und besonderen Protokollen ergänzen können. Diese Instrumente ersetzen das staatliche Urheberrecht nicht, machen aber gemeinschaftsbezogene Erwartungen maschinen- und menschenlesbar.&amp;lt;ref name=&amp;quot;localcontexts&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Für '''Metadaten''' und Austausch stehen etablierte Bausteine zur Verfügung: '''Dublin Core''' für einfache Kernmetadaten, '''Europeana Data Model (EDM'''; Datenmodell der Europeana) für heterogene Kulturdatensätze, '''OAI-PMH (Open Archives Initiative Protocol for Metadata Harvesting'''; Protokoll zum Einsammeln von Metadaten), Programmierschnittstellen sowie '''IIIF (International Image Interoperability Framework'''; Standardfamilie zur interoperablen Präsentation von Bildern und zunehmend Audio/Video).&amp;lt;ref name=&amp;quot;edm&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;oaipmh&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;iiif&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Für audiovisuelle Bestände sind die '''IASA-TC-04'''-Richtlinien der '''International Association of Sound and Audiovisual Archives''' besonders relevant. Sie behandeln unter anderem Signalerfassung, Metadaten, Identifikatoren, Speicherung, kleine Einrichtungen und die Vergabe an Dienstleister.&amp;lt;ref name=&amp;quot;iasa&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== B.2 Vergleichende Forschung und Evaluation ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die belastbarsten Erkenntnisse entstehen aus einer Kombination aus technischen Dokumentationen, Projektberichten, wissenschaftlichen Fallstudien und unabhängigen Evaluationen. Besonders wertvoll ist die Evaluation von People’s Collection Wales, weil sie nicht nur Erfolge, sondern auch geringe Rücklaufzahlen, begrenzte Wirkungsnachweise, Finanzierungsrisiken, Rollenunklarheiten und den hohen Aufwand vermittelter Community-Arbeit offenlegt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_eval&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wissenschaftlich gut dokumentiert sind außerdem das gemeinschaftsbasierte Metadaten- und Zugangsmodell von Mukurtu und dem Plateau Peoples’ Web Portal sowie die kooperative Entwicklung des Reciprocal Research Network. Beide zeigen, dass Vertrauen, Vereinbarungen, parallel mögliche institutionelle und gemeinschaftliche Beschreibungen sowie fein abgestufte Zugänge organisatorisch ebenso wichtig sind wie die Software.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_dlib&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_rowley&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das EU-geförderte Forschungsprojekt DIGICHer untersucht seit 2024, wie Minderheitengemeinschaften – unter anderem Sámi, jüdische und ladinische Gemeinschaften – gerechter an der Digitalisierung und Repräsentation ihres Kulturerbes beteiligt werden können. Da das Projekt bis 2027 läuft, sind im Juli 2026 noch keine abschließenden, allgemein belastbaren Ergebnisse verfügbar. Es ist aber ein relevantes Anschlussvorhaben für die weitere Beobachtung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;digicher&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== B.3 Forschungslücken ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der Auswertung ergeben sich vier wiederkehrende Lücken:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Aktuelle, unabhängige Nutzungs- und Wirkungsevaluationen fehlen bei vielen Projekten.&lt;br /&gt;
# Die technische Präsentationsarchitektur ist häufig besser dokumentiert als die Verantwortung für Masterdateien, Migration und dauerhafte Finanzierung.&lt;br /&gt;
# Community-Beteiligung wird oft beschrieben, aber Entscheidungsrechte, Konfliktlösungen und Repräsentativität bleiben teilweise unklar.&lt;br /&gt;
# Es gibt zahlreiche Standards für Einzelaufgaben, aber wenig empirisch evaluierte Gesamtmodelle für kleine, institutionell verteilte Minderheiten mit ehrenamtlich betreuten Sammlungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Bewertung:''' Der sorbische Ansatz sollte deshalb nicht nach einer fertigen „Best-Practice-Software“ suchen. Zielführender ist eine belastbare Gesamtarchitektur aus ''Governance'', ''Diensten'', ''Mindeststandards'' und ''dauerhaftem Betrieb'', in die geeignete vorhandene Softwareprodukte eingebunden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== C. Begründete Auswahl der Fallbeispiele ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Auswahl umfasst zwölf Fälle. Sie deckt europäische Minderheiten, indigene und gemeinschaftlich gesteuerte Modelle, regionale Verbünde, Sprach- und Audioarchive sowie problembehaftete Übergänge ab. Nicht jedes Projekt bildet die gesamte Prozesskette ab; gerade die Unterschiede machen sichtbar, welche Funktion jeweils gelöst wird und wo Lücken bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable sortable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Fall&lt;br /&gt;
! Gemeinschaft / Raum&lt;br /&gt;
! Modelltyp&lt;br /&gt;
! Besondere Relevanz für die Sorben&lt;br /&gt;
! Evidenzlage&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| RomArchive&lt;br /&gt;
| Roma und Sinti; transnational, Schwerpunkt Europa; Betrieb in Deutschland&lt;br /&gt;
| Kuratiertes, gemeinschaftsgeprägtes digitales Archiv&lt;br /&gt;
| Deutungshoheit, Übergabe vom Förderprojekt an einen dauerhaften Betreiber, Mehrsprachigkeit&lt;br /&gt;
| Mittel bis hoch: aktuelle Primärquellen; keine aktuelle unabhängige Wirkungsanalyse&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Nuohtti&lt;br /&gt;
| Sámi in Sápmi; Norwegen, Schweden, Finnland, historisch auch Russland&lt;br /&gt;
| Föderierter Suchdienst über Bestände vieler Institutionen&lt;br /&gt;
| Verteilte Bestände, mehrere Staaten und Sprachen, ethische Hinweise, Open-Source-Bausteine&lt;br /&gt;
| Mittel bis hoch: Projekt- und Betreiberquellen; belastbare Umfangsangaben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| People’s Collection Wales&lt;br /&gt;
| Walisische Bevölkerung und walisischsprachige Gemeinschaft; Wales, Vereinigtes Königreich&lt;br /&gt;
| Nationaler Verbund mit Community-Beiträgen und Schulung&lt;br /&gt;
| Zweisprachigkeit, kleine Träger, zentrale Unterstützung, unabhängige Evaluation&lt;br /&gt;
| Hoch für die untersuchte Förderphase; aktuelle Nutzungsdaten begrenzt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Tobar an Dualchais / Kist o Riches&lt;br /&gt;
| Gälisch- und Scots-sprachige Gemeinschaften; Schottland, Vereinigtes Königreich&lt;br /&gt;
| Digitales Oral-History- und Tonarchiv&lt;br /&gt;
| Gefährdete audiovisuelle Bestände, Sprache, Transkription, Bildung&lt;br /&gt;
| Mittel: aktuelle Bestands- und Förderangaben; keine umfassende unabhängige Evaluation&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Euskariana&lt;br /&gt;
| Baskische Kultur- und Sprachgemeinschaft; Projekt der Autonomen Gemeinschaft Baskenland, Spanien&lt;br /&gt;
| Staatlich getragenes Aggregations- und Zugangsportal&lt;br /&gt;
| Gemeinsamer Katalog, eigenes Repositorium plus Verlinkung, Standards und Europeana-Anbindung&lt;br /&gt;
| Mittel: gute offizielle Dokumentation; wenig unabhängige Wirkungsmessung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| bavarikon&lt;br /&gt;
| Regionales Kulturerbe Bayerns; keine Minderheitenplattform&lt;br /&gt;
| Staatlicher institutionsübergreifender Digitalisierungs- und Präsentationsverbund&lt;br /&gt;
| Betreiberverantwortung, Förderverfahren, Qualitätsanforderungen, Beteiligung vieler Einrichtungen&lt;br /&gt;
| Hoch für Organisation und Umfang; wegen Größenordnung nur teilweise übertragbar&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mukurtu und Plateau Peoples’ Web Portal&lt;br /&gt;
| Indigene Nationen des nordwestlichen Plateaus; USA&lt;br /&gt;
| Open-Source-Zugangsplattform und gemeinschaftlich kuratierter Verbund&lt;br /&gt;
| Kulturelle Protokolle, Traditional Knowledge Labels, mehrere Beschreibungen pro Objekt&lt;br /&gt;
| Hoch für Funktionsmodell und Governance; Betriebskapazität bleibt Voraussetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Aṟa Irititja&lt;br /&gt;
| Aṉangu der APY Lands; South Australia, Australien&lt;br /&gt;
| Gemeinschaftsbasiertes Multimediaarchiv und digitale Rückgabe&lt;br /&gt;
| Lokale Kontrolle, sensibler Zugang, mehrsprachige und niedrigschwellige Nutzung&lt;br /&gt;
| Mittel: detaillierte Eigendokumentation; Wirkungsnachweise überwiegend Selbstauskunft&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Living Archive of Aboriginal Languages&lt;br /&gt;
| Zahlreiche Aboriginal-Sprachgemeinschaften im Northern Territory, Australien&lt;br /&gt;
| Digitales Sprach- und Bildungsarchiv&lt;br /&gt;
| Rechteklärung, offene Lehrmaterialien, Master-/Nutzungsdateien, Migrationsrisiko&lt;br /&gt;
| Hoch für Prozess und Bestandsumfang; dokumentierte Einschränkung nach Systemwechsel&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| PARADISEC&lt;br /&gt;
| Viele kleine und gefährdete Sprachgemeinschaften, vor allem im Pazifikraum&lt;br /&gt;
| Universitärer Fachverbund für audiovisuelle Langzeiterhaltung&lt;br /&gt;
| Gefährdete Tonträger, professionelles Repositorium, verteilte Trägerschaft und Rückgabe von Kopien&lt;br /&gt;
| Hoch: große Bestände, aktuelle Berichte, Zertifizierung und Auszeichnungen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reciprocal Research Network&lt;br /&gt;
| First Nations der Nordwestküste von British Columbia; Kanada&lt;br /&gt;
| Föderierte Recherche- und Kooperationsplattform&lt;br /&gt;
| Institutionenübergreifende Suche, Vereinbarungen, Community-Wissen, technische Alterung&lt;br /&gt;
| Mittel bis hoch: aktuelle Bestandszahlen und Forschung; sichtbare Softwareversion von 2014&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Indigitization&lt;br /&gt;
| First Nations und weitere indigene Gemeinschaften in British Columbia; Kanada&lt;br /&gt;
| Kompetenz-, Schulungs- und Förderprogramm für dezentrale Digitalisierung&lt;br /&gt;
| Besonders nah am möglichen Dienstleistungsmodell eines sorbischen Digitalisierungszentrums&lt;br /&gt;
| Hoch für Förderphase 2013–2019; aktuelles Kassettenförderprogramm pausiert&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== D. Fallprofile ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.1 RomArchive – Digitales Archiv der Roma ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Roma sind eine transnationale, historisch in vielen europäischen und außereuropäischen Staaten lebende Minderheit mit vielfältigen Gruppen, Sprachen und Selbstbezeichnungen. Sinti sind eine unter anderem in Deutschland und Mitteleuropa beheimatete Gruppe. RomArchive ist deshalb keinem einzelnen Minderheitengebiet zugeordnet. Das Projekt wurde in Deutschland öffentlich gefördert und international mit überwiegend aus Roma bestehenden kuratorischen und beratenden Teams entwickelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RomArchive versteht sich als digitales Archiv für Kunst und Kulturen der Roma. Es erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern präsentiert kuratierte, repräsentative Bestände und wissenschaftliche Kontextualisierungen. Inhalte wurden von jeweils zuständigen kuratorischen Teams ausgewählt; kuratorische Teams und Beirat waren überwiegend mit Roma besetzt. Nach Angaben des Projekts wirkten rund 150 Personen aus 15 Staaten mit. Die Übergabe an eine Roma-Organisation war von Beginn der fünfjährigen Entwicklungsphase 2015–2019 an vorgesehen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_faq&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entwicklung wurde durch die Kulturstiftung des Bundes mit 3,75 Millionen Euro gefördert; weitere Unterstützer waren unter anderem die Bundeszentrale für politische Bildung, das Auswärtige Amt und das Goethe-Institut. Seit 2019 liegt der Betrieb beim Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg; die laufende Website nennt die Bundeszentrale für politische Bildung als Förderer.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_kulturstiftung&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_imprint&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Fachliche und technische Lösung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RomArchive verbindet kuratierte Themenbereiche, einen durchsuchbaren Archivbestand, biografische Akteursdaten und digitale Vermittlungsformate. Die Deutsche Kinemathek war für Konzeption und Vermittlung von digitaler Archivierung, Digitalisierung und Katalogisierung beteiligt. Die Website nutzt ein auf Django basierendes Content-Management-System; eine Verbindung zu Axiell Collections bindet das Sammlungsmanagement an die Präsentation an.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_imprint&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben veröffentlichten Materialien existiert ein internes Archiv, das auf begründete Anfrage für Forschung zugänglich ist. Dies ist ein einfaches, aber wichtiges Beispiel für abgestufte Zugänge. Das Angebot ist auf Deutsch, Englisch und Romanes verfügbar; die sprachliche Vielfalt des Romanes wird sichtbar gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Rechte, Beteiligung und nachweisbarer Erfolg ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die stärkste Leistung liegt in der kuratorischen und strategischen Beteiligung der Minderheit sowie in dem Anspruch, Fremdzuschreibungen durch selbst erzählte Gegennarrative zu korrigieren. Ethische Richtlinien und eine Sammlungspolitik wurden durch den internationalen Beirat mitentwickelt. Der Übergang vom zeitlich befristeten Entwicklungsprojekt an einen institutionellen Betreiber wurde tatsächlich vollzogen. Dass das Angebot im Juli 2026 weiterhin betrieben wird, ist ein belastbarer Nachhaltigkeitsindikator.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Aktuelle unabhängige Daten zu Nutzung, Reichweite, Aktualisierungsfrequenz und langfristiger digitaler Erhaltung der Masterdateien sind öffentlich nicht in ausreichender Tiefe dokumentiert. Die öffentliche Oberfläche ist stärker ein kuratiertes Archiv und Wissensportal als ein vollständiges Bestandsregister aller Roma-Kulturgüter. Die überwiegend restriktive Rechtekennzeichnung vieler Inhalte begrenzt kreative Nachnutzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* Minderheitenangehörige mit echten kuratorischen und strategischen Entscheidungsrechten;&lt;br /&gt;
* von Beginn an geplanter Betreiberübergang;&lt;br /&gt;
* Verbindung von Sammlungsdatenbank, kuratiertem Kontext und öffentlicher Präsentation;&lt;br /&gt;
* abgestufter Zugang zwischen öffentlicher Website und internem Forschungsarchiv;&lt;br /&gt;
* öffentliche Anschubförderung plus institutionelle Verankerung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwerte:''' &lt;br /&gt;
* Ein sorbisches Portal sollte nicht nur Objekte zeigen, sondern sorbische Perspektiven, Begriffe und Kontexte strukturell verankern. &lt;br /&gt;
* Für Kulturregister, Digitalisierungszentrum und Präsentation braucht es bereits in der Projektphase einen festgelegten dauerhaften Träger. &lt;br /&gt;
* Ein kuratorischer oder gemeinschaftlicher Beirat sollte nicht nur beraten, sondern definierte Entscheidungsrechte bei Auswahl, Beschreibung und sensiblen Inhalten erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.2 Nuohtti – Föderierter Zugang zum Sámi-Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Sámi sind ein indigenes Volk im nordeuropäischen Sápmi, das sich über Gebiete des heutigen Norwegens, Schwedens, Finnlands und Russlands erstreckt. Es gibt mehrere Sámi-Sprachen und unterschiedliche nationale Rechts- und Institutionsrahmen. Viele historische Quellen und Sammlungsobjekte befinden sich außerhalb von Sámi-Institutionen in europäischen Archiven, Bibliotheken und Museen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nuohtti ist ein Suchdienst, der digitalisierte Sámi-Materialien aus verschiedenen europäischen Gedächtnisinstitutionen zusammenführt. Er wurde im Projekt „Digital Access to the Sámi Heritage Archives“ von 2018 bis 2021 mit EU-Mitteln aus Interreg Nord entwickelt. Beteiligt waren die Sámi-Archive der norwegischen und finnischen Nationalarchive, das schwedische Reichsarchiv sowie Universitäten in Lappland, Oulu und Umeå; die Universität Lappland leitete das Projekt. Die Sámi-Parlamente Finnlands, Norwegens und Schwedens entsandten Mitglieder in die Steuerungsgruppe.&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_about&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_uarctic&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Vorgehen und Architektur ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor der technischen Umsetzung wurden einschlägige Bestände und Datenlieferanten kartiert. Nuohtti bündelt keine Originale und ersetzt die Quellsysteme nicht. Es normalisiert und indexiert Metadaten aus Archiven und Aggregatoren und führt Nutzerinnen und Nutzer zu den jeweiligen Digitalisaten. Eine Karte, eine Zeitleiste und mehrsprachige Suchoberflächen unterstützen den Zugang. Nach Projektangaben waren rund 30.000 Datensätze aus 32 Institutionen in fünf Sprachen zugänglich.&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_uarctic&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Technisch baut Nuohtti auf vorhandenen Open-Source- und öffentlichen Komponenten auf, darunter VuFind, Finna, RecordManager, Finto, Giellatekno, Apache Solr, Leaflet, OpenStreetMap und Nominatim. Daten werden unter anderem über nationale und europäische Aggregationswege eingebunden.&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Rechte, Ethik und Nachhaltigkeit ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nuohtti integriert ethische Hinweise in die Nutzung. Das ist besonders relevant, weil viele historische Beschreibungen und Sammlungen außerhalb der Sámi-Gemeinschaft und unter kolonialen Bedingungen entstanden. Nutzertests fanden unter anderem in Schulen und Bibliotheken statt. Nach dem Projekt wird der Dienst von den beteiligten Nationalarchiven weitergeführt; zugleich wird er im laufenden Projekt DIGICHer als Praxisbeispiel weiterentwickelt und untersucht.&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_dataspace&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Nuohtti löst vor allem den gemeinsamen Nachweis und Zugang. Die Digitalisierung, Rechteklärung und Langzeiterhaltung verbleiben überwiegend bei den Datenlieferanten. Unterschiedliche Datenqualität und historisch problematische Beschreibungen werden durch Aggregation nicht automatisch behoben. Aktuelle, öffentlich nachvollziehbare Nutzungszahlen sind begrenzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* föderierte Architektur statt erzwungener Zentralisierung aller Bestände;&lt;br /&gt;
* Bestands- und Datenquellenkartierung vor dem Portalbau;&lt;br /&gt;
* Beteiligung von Sámi-Parlamenten an der Steuerung;&lt;br /&gt;
* Wiederverwendung vorhandener Open-Source-Komponenten und nationaler Infrastrukturen;&lt;br /&gt;
* mehrsprachige, räumliche und zeitliche Suche;&lt;br /&gt;
* sichtbare ethische Kontextualisierung problematischer Bestände.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Das Sorbische Kulturregister kann als föderierender Nachweis funktionieren: große Institutionen liefern Metadaten über Schnittstellen, kleine Träger können Daten direkt in einem zentral angebotenen System erfassen. Eine zentrale Suche muss nicht bedeuten, dass alle Originale oder alle Digitalisate zentral verwaltet werden. Historische Fremdbeschreibungen sollten als solche kenntlich gemacht und um sorbische Bezeichnungen sowie Community-Kontexte ergänzt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.3 People’s Collection Wales / Casgliad y Werin Cymru ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wales ist ein Landesteil des Vereinigten Königreichs mit eigener Regierung und einer starken nationalen sowie walisischsprachigen Identität. Walisisch und Englisch sind für das Angebot gleichberechtigte Arbeitssprachen. Das Projekt richtet sich nicht nur an professionelle Kulturinstitutionen, sondern auch an lokale Geschichtsgruppen, Vereine, Schulen und Einzelpersonen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
People’s Collection Wales ist eine zweisprachige digitale Plattform und ein begleitendes Unterstützungsprogramm, über das Nutzerinnen und Nutzer walisisches Kulturerbe entdecken, beitragen und vermitteln können. Getragen wird es als föderierte Partnerschaft von Amgueddfa Cymru – National Museum Wales, der National Library of Wales und der Royal Commission on the Ancient and Historical Monuments of Wales; finanziert wird das Programm durch die walisische Regierung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_eval&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Plattform wird durch kostenlose Beratung und Schulung ergänzt. Das aktuelle Unterstützungsangebot umfasst Projektplanung, Digitalisierung, Urheberrecht, Datenschutz, Metadaten und Oral History. Diese Kombination aus Technik und persönlicher Begleitung ist für kleine und ehrenamtliche Träger besonders relevant.&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_support&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Nachweisbarer Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die unabhängige Evaluation von 2016 stellte für die Förderphase 2014–2016 eine gestärkte föderierte Partnerschaft, eine kritische Masse an Inhalten, Fortschritte bei Community-Kompetenzen und eine hohe Vertrauenswürdigkeit des nichtkommerziellen Angebots fest. Externe Projekte sparten Ressourcen, weil sie eine vorhandene Plattform nutzen konnten. Zugleich wurden die gemessenen Wirkungen insgesamt als eher moderat beschrieben. Die Nutzerbefragung hatte nur 38 vollständige Antworten; wirtschaftliche und touristische Wirkungen waren damals nicht nachweisbar. Die Evaluation benannte Finanzierungssicherheit, klare Rollen, technische Stabilität, Marketing und dauerhaft finanzierbare Vor-Ort-Unterstützung als zentrale Herausforderungen. Vermittelte Sitzungen seien für bestimmte Zielgruppen unverzichtbar.&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_eval&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Programm existiert weiterhin und bietet aktuell Unterstützung an. Die verfügbaren Quellen belegen damit institutionelle Kontinuität, ersetzen aber keine neue unabhängige Wirkungsevaluation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* föderierte Trägerschaft mehrerer starker Institutionen;&lt;br /&gt;
* zweisprachige Plattform und Materialien;&lt;br /&gt;
* kostenlose Beratung, Metadaten- und Digitalisierungsschulungen;&lt;br /&gt;
* gemeinsamer technischer Dienst, den lokale Projekte nicht selbst entwickeln müssen;&lt;br /&gt;
* expliziter Pilot- und Lernansatz;&lt;br /&gt;
* unabhängige Evaluation mit offen benannten Grenzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Ein Digitalisierungszentrum sollte nicht nur Geräte betreiben, sondern ein sichtbares Serviceangebot für Heimatstuben, Vereine, Kirchengemeinden, Kommunen und Privatpersonen aufbauen: Erstberatung, Vorlagen, Rechtehilfe, Metadatenhilfe, mobile Einsätze, Schulungen und telefonische beziehungsweise digitale Sprechstunden. Für Obersorbisch und Niedersorbisch sollte Mehrsprachigkeit verbindlich geplant und finanziert werden. Erfolgsmessung darf sich nicht auf Objektzahlen beschränken, sondern sollte Kompetenzen, beteiligte Träger, Nachnutzung und Zufriedenheit erfassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.4 Tobar an Dualchais / Kist o Riches ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schottisch-Gälisch ist eine keltische Minderheitensprache, die vor allem in Schottland, besonders in den Highlands und auf den Inseln, gesprochen wird. Scots ist eine weitere historisch gewachsene Sprache beziehungsweise Sprachgruppe Schottlands. Das Projekt umfasst Aufnahmen auf Gälisch, Scots und Englisch und ist in den öffentlichen und kulturellen Institutionen Schottlands verankert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tobar an Dualchais / Kist o Riches macht mehr als 40.000 mündliche Aufnahmen zugänglich, die seit den 1930er Jahren in Schottland und darüber hinaus entstanden. Enthalten sind Erzählungen, Lieder, Musik, Gedichte und Sachinformationen. Ein bedeutender Teil stammt aus den School of Scottish Studies Archives der Universität Edinburgh; die physischen Originalbestände verbleiben in den Archiven.&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_edinburgh&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Vorhaben wird durch eine Partnerschaft kultureller und wissenschaftlicher Einrichtungen getragen und erhält wiederkehrend öffentliche Förderung. Die schottische Regierung bewilligte 2025 beispielsweise 35.000 Pfund für die fortlaufende Online-Sammlung gälischer und Scots-Materialien und 2026 weitere 14.127 Pfund für die Entwicklung des digitalen Archivs.&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_funding2025&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_funding2026&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Technische und fachliche Schwerpunkte ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Projekt konzentriert sich auf bedrohte zeitbasierte Medien und deren sprachliche Erschließung. Suchfelder nach Thema, Titel und beitragender Person erleichtern die Nutzung. Das ergänzende Vorhaben „Opening the Well“ transkribiert einen großen Bestand gälischer Erzählungen und verbindet Freiwilligenarbeit mit automatischer Spracherkennung. Dadurch werden Tonaufnahmen nicht nur erhalten, sondern durchsuchbar und für Sprachforschung sowie Bildung nachnutzbar.&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_opening&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Die öffentlich sichtbaren Förderungen sind überwiegend programm- oder projektbezogen. Sie belegen fortlaufende Unterstützung, aber keine vollständig transparente dauerhafte Grundfinanzierung des gesamten Betriebs. Rechteklärung, Transkription und Qualitätskontrolle bleiben bei umfangreichen historischen Tonbeständen dauerhafte Aufgaben. Eine umfassende unabhängige Evaluation mit aktuellen Nutzungsdaten wurde in dieser Recherche nicht gefunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* klare Priorität für gefährdete audiovisuelle Bestände;&lt;br /&gt;
* institutionelle Aufbewahrung der Originale und digitale öffentliche Vermittlung;&lt;br /&gt;
* Verbindung von Digitalisierung, sprachlicher Erschließung und Bildung;&lt;br /&gt;
* Kombination aus Fachinstitutionen, öffentlicher Förderung und freiwilliger Mitarbeit;&lt;br /&gt;
* sichtbare Mehrsprachigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Sorbische Tonbänder, Kassetten, Filme und Videoformate sollten wegen Materialalterung und technischer Obsoleszenz gesondert priorisiert werden. Ein Pilot „Sorbische Stimmen und Lieder“ könnte Digitalisierung, Rechteklärung, obersorbische und niedersorbische Transkription, Übersetzung, Normdaten und Bildungsnutzung exemplarisch durchspielen. Automatische Spracherkennung kann unterstützen, ersetzt aber bei kleinen Sprachen keine fachliche und gemeinschaftliche Korrektur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.5 Euskariana – Digitales Portal zum baskischen Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Baskinnen und Basken leben beiderseits der spanisch-französischen Grenze. Baskisch (Euskara) ist eine eigenständige europäische Sprache mit mehreren Varietäten. Euskariana ist kein gesamtbaskisches staatenübergreifendes Projekt, sondern ein Angebot der Autonomen Gemeinschaft Baskenland in Spanien; es bezieht jedoch auch einschlägige Bestände aus Institutionen außerhalb dieser Region ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Euskariana wird von der Digitalen Bibliothek Euskadi innerhalb der baskischen Kulturverwaltung betrieben. Das Portal entsteht in Zusammenarbeit des baskischen Regierungsapparats mit den Provinzverwaltungen von Álava/Araba, Bizkaia und Gipuzkoa, Kommunen, Universitäten, kirchlichen und privaten Einrichtungen. Der Sammlungsschwerpunkt umfasst Werke baskischer Urheberinnen und Urheber, Veröffentlichungen aus Euskadi, weltweit entstandene Inhalte zu baskischen Themen sowie besonders Inhalte auf Baskisch oder in baskischer Übersetzung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;euskariana_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als staatlich getragenes Dauerangebot ist Euskariana stärker institutionell abgesichert als ein zeitlich begrenztes Förderprojekt. Öffentlich zugängliche Quellen benennen jedoch keine vollständigen jährlichen Betriebs- und Personalkosten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Architektur, Standards und Nachnutzung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Euskariana ist gleichzeitig gemeinsamer Katalog und Zugangsportal. Es integriert Datensätze aus Bibliotheksnetzen, Verbundkatalogen, Museen, Archiven, Hochschulrepositorien und internationalen Nationalbibliotheken. Digitale Objekte werden entweder im eigenen Repositorium bereitgestellt oder über Links in den Quellsystemen aufgerufen. Damit unterstützt das Projekt zwei Anbindungswege: zentrale Aufnahme und föderierte Verlinkung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;euskariana_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach offizieller Dokumentation nutzt Euskariana unter anderem MARC, Dublin Core (DC), METS, PREMIS und ALTO. Kurz erläutert: MARC dient vor allem bibliografischen Daten; Dublin Core beschreibt einen einfachen Metadatenkern; METS strukturiert digitale Objekte und Dateigruppen; PREMIS dokumentiert Erhaltungsinformationen; ALTO bildet Layout und erkannten Text digitalisierter Seiten ab. Die Standardisierung ermöglicht die Beteiligung an Europeana und die Verbindung zu weiteren spanischen und französischen Portalen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;euskariana_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Die offizielle Dokumentation ist technisch aussagekräftig, liefert aber wenig Informationen über Community-Entscheidungsrechte, abgestufte kulturelle Zugänge, aktuelle Nutzungszahlen oder eine unabhängige Wirkungsevaluation. Das Modell ist stärker verwaltungs- und institutionsgetrieben als gemeinschaftsgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* klar benannter öffentlicher Betreiber;&lt;br /&gt;
* Kooperation über Verwaltungs-, Institutions- und Sektorgrenzen hinweg;&lt;br /&gt;
* sowohl eigenes Repositorium als auch Einbindung externer Digitalisate;&lt;br /&gt;
* verbindliche internationale Metadaten- und Erhaltungsstandards;&lt;br /&gt;
* besondere Sichtbarkeit der Minderheitensprache;&lt;br /&gt;
* Anschluss an größere Aggregatoren wie Europeana.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Für das Sorbische Kulturregister sollte es mindestens zwei Onboarding-Wege geben: Kleine Träger erfassen beziehungsweise hinterlegen Daten und Dateien in zentral bereitgestellten Diensten; größere Einrichtungen liefern Daten aus eigenen Fachsystemen über Export oder Schnittstelle. Ein gemeinsames Kernprofil muss lokale Fachstandards nicht ersetzen, sondern deren wichtigste Angaben abbilden. Obersorbisch und Niedersorbisch sollten als eigenständige Sprachwerte, nicht nur als Übersetzungsvarianten von Deutsch, gespeichert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.6 bavarikon – Regionaler Digitalisierungs- und Präsentationsverbund ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Region und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bavarikon ist keine Minderheitenplattform, sondern das Kulturportal des Freistaats Bayern. Es ist dennoch relevant, weil es zeigt, wie ein Flächenland zahlreiche Museen, Archive, Bibliotheken, wissenschaftliche Einrichtungen und nichtstaatliche Träger in ein geregeltes Förder-, Qualitäts- und Präsentationsmodell einbindet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die grundsätzliche Ausrichtung und der Mitteleinsatz werden durch das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst sowie das Staatsministerium für Digitales bestimmt. Ein Rat mit 14 stimmberechtigten Mitgliedern aus unterschiedlichen Kultursparten entscheidet über neue Inhalte und berät zu Betrieb und Digitalisierungsstrategie. Die Bayerische Staatsbibliothek trägt den laufenden technischen, redaktionellen und organisatorischen Betrieb; das Leibniz-Rechenzentrum übernimmt das Hosting.&amp;lt;ref name=&amp;quot;bavarikon_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Partner können Digitalisierungsvorhaben beantragen. Die Bayerische Staatsbibliothek begleitet die Digitalisierung, wenn die Ergebnisse in hoher Qualität über bavarikon präsentiert werden. Für die Aufnahme existieren Kriterien, Metadatenhandreichungen, Qualitätsanforderungen für Digitalisate, Musterlisten und ein Vorantragsverfahren.&amp;lt;ref name=&amp;quot;bavarikon_partner&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Nachweisbarer Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Portal ging 2013 online und wird monatlich ergänzt. Im November 2024 meldete die Bayerische Staatsbibliothek mehr als 500.000 digitale Objekte aus rund 170 Einrichtungen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;bavarikon_500k&amp;quot;/&amp;gt; Die institutionelle Betreiberverantwortung, der geregelte Zugang zu Fördermitteln und die veröffentlichten Mindestanforderungen sind belastbare Erfolgsindikatoren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' bavarikon verfügt über die Ressourcen eines deutschen Flächenlandes und einer großen Staatsbibliothek. Diese Größenordnung ist für die Sorben nicht direkt übertragbar. Das Portal ist primär Präsentations- und Förderinfrastruktur; aus den öffentlichen Unterlagen lässt sich nicht ableiten, dass bavarikon für sämtliche Masterdateien aller Partner allein die vollständige Langzeiterhaltung übernimmt. Community-Governance und kulturell abgestufte Zugänge stehen nicht im Mittelpunkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* dauerhaft benannter zentraler Betreiber und leistungsfähiges Rechenzentrum;&lt;br /&gt;
* spartenübergreifendes Entscheidungsgremium;&lt;br /&gt;
* geregeltes Förder- und Auswahlverfahren;&lt;br /&gt;
* publizierte Mindeststandards und Vorlagen;&lt;br /&gt;
* zentrale fachliche Begleitung bei dezentralen Beständen;&lt;br /&gt;
* kontinuierlicher Ausbau statt einmaliger Portalveröffentlichung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Übertragbar ist nicht die Größenordnung, sondern die Verfahrenslogik: ein transparentes Antrags- und Priorisierungsverfahren, verbindliche Lieferpakete, klare Qualitätskontrollen und ein zentraler Ansprechpartner. Ein sorbischer Digitalisierungsfonds könnte kleinere, klar abgegrenzte Vorhaben fördern, sofern Rechte, Metadaten, Zielrepositorium und spätere Nutzung vorab geklärt sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.7 Mukurtu und Plateau Peoples’ Web Portal ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mukurtu entstand aus einer Zusammenarbeit mit der Warumungu-Gemeinschaft in Australien und wurde zu einer frei verfügbaren Plattform für indigene Gemeinschaften weiterentwickelt. Das hier besonders betrachtete Plateau Peoples’ Web Portal betrifft acht indigene Nationen des nordwestlichen Plateaus in den USA, darunter Spokane, Colville, Umatilla, Coeur d’Alene, Warm Springs, Yakama, Confederated Salish and Kootenai Tribes und Nez Perce. Diese Nationen besitzen jeweils eigene politische und kulturelle Strukturen innerhalb der Vereinigten Staaten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mukurtu CMS (Content-Management-System; deutsch: System zur Verwaltung und Veröffentlichung von Inhalten) wird am Center for Digital Scholarship and Curation der Washington State University als Open-Source-Software entwickelt und gepflegt. Die Entwicklung wurde unter anderem durch die National Endowment for the Humanities, das Institute of Museum and Library Services, die Mellon Foundation und die National Science Foundation gefördert.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_about&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_plateau&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Plateau Peoples’ Web Portal ist ein konkreter Verbund zwischen den beteiligten Stämmen, der Washington State University und externen Gedächtnisinstitutionen. Stammesvertreterinnen und -vertreter wählen und kuratieren Materialien; die technische Pflege liegt bei der Universität in Partnerschaft mit indigenen Programmen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_plateau&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Rechte- und Metadatenmodell ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mukurtu unterstützt Traditional Knowledge Labels, fein abgestufte kulturelle Protokolle und mehrere parallele Beschreibungen zu einem Objekt. Eine Institution kann beispielsweise eine archivische Beschreibung liefern, während eine Gemeinschaft eigene Namen, Erzählungen, Herkunftsangaben und Zugangsregeln ergänzt. Der „Roundtrip“-Mechanismus ermöglicht den Export angereicherter Daten, ohne ursprüngliche Metadaten zu verlieren.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wissenschaftliche Dokumentationen des Plateau-Portals beschreiben ein Hub-and-Spoke-Modell – also einen zentralen technischen Knoten mit mehreren institutionellen und gemeinschaftlichen Zulieferern – sowie Vereinbarungen zwischen Partnern, Dublin-Core-Metadaten und granulare Zugangsregeln.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_dlib&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Portal demonstriert dauerhaft, dass kulturelle Selbstbestimmung technisch nicht nur durch „öffentlich“ oder „geschlossen“ abgebildet werden muss. Es ermöglicht mehrere Wissensordnungen neben- statt untereinander. Die Plattform ist Open Source und exportfähig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Open Source bedeutet nicht kostenlosen Betrieb. Installation, Aktualisierung, Hosting, Rechtekonzeption, Datenmigration und Support benötigen dauerhaft qualifiziertes Personal. Mukurtu weist selbst ausdrücklich darauf hin, dass es eine Zugangsplattform und nur ein Bestandteil eines größeren Systems für Digitalisierung, Erhaltung und Nachhaltigkeit ist.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_about&amp;quot;/&amp;gt; Die Übernahme von Traditional Knowledge Labels in den sorbischen Kontext wäre nicht eins zu eins möglich, weil kulturelle und rechtliche Ausgangslagen verschieden sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* kulturelle Protokolle als Kern der Daten- und Zugangslogik;&lt;br /&gt;
* mehrere Beschreibungen und Perspektiven pro Objekt;&lt;br /&gt;
* exportfähige Daten statt Plattformbindung;&lt;br /&gt;
* Partnerschaftsvereinbarungen und konkrete Rollen;&lt;br /&gt;
* dauerhafte technische Trägerschaft durch eine Universität;&lt;br /&gt;
* Community-Kuration statt bloßer Rückmeldung nach Veröffentlichung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Im Kulturregister sollte neben institutionellen Angaben Raum für sorbische Bezeichnungen, lokale Varianten, Erinnerungen und Korrekturen bestehen. Rechte- und Sichtbarkeitsstufen müssen pro Datensatz und möglichst pro Mediendatei modelliert werden. Ein Sorbisches Kulturregister könnte zunächst ein eigenes, rechtlich passendes Set von „Kulturhinweisen“ entwickeln, etwa „nur Metadaten öffentlich“, „Nutzung nur nach Rücksprache“, „innergemeinschaftlich“, „zeitlich gesperrt“ oder „freie Nachnutzung erwünscht“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.8 Aṟa Irititja – Gemeinschaftsbasiertes Aṉangu-Archiv ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aṉangu ist eine Selbstbezeichnung von Ngaanyatjarra-, Pitjantjatjara- und Yankunytjatjara-Gemeinschaften im zentralen Australien. Aṟa Irititja arbeitet vor allem in den Aṉangu Pitjantjatjara Yankunytjatjara Lands (APY Lands) im Nordwesten des Bundesstaats South Australia. Die Gemeinschaften sind australischen staatlichen Strukturen zugehörig, verfügen aber über eigene Land- und Organisationsstrukturen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Entstehung, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Projekt entstand 1994 als sozialgeschichtliches Vorhaben der Pitjantjatjara Council Aboriginal Corporation. Es arbeitet mit Schulen, Bildungszentren, Gesundheits-, Frauen-, Medien-, Land- und Kunstorganisationen in den APY Lands zusammen. Ein zentrales Büro in Adelaide bearbeitet Datenbank, Digitalisierung, physische Lagerung und Verwaltung; ein Büro in Alice Springs hält den Kontakt zu Gemeinschaften und ergänzt Sprach-, Familien- und Kontextinformationen. Seit 2020 steht das Projekt unter dem Dach der APY-Organisation und wird durch deren Executive Board gesteuert.&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_who&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Finanzierung war über lange Zeit eine Mischung aus staatlichen Programmen, Stiftungen, Spenden sowie jährlichen Beiträgen beteiligter Schulen und Community-Organisationen. Die eigene Projektdokumentation bezeichnet die langfristige Finanzierung ausdrücklich als dauerhaftes Problem. Mit der Eingliederung in APY wurden 2020 drei permanente Teilzeitstellen geschaffen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_funding&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Fachliche Lösung, Rechte und Zugang ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aṟa Irititja wurde auf Wunsch der Gemeinschaften entwickelt, um kulturelle Geschichte zu bewahren und zurückzugeben. Das Multimediaarchiv umfasst Fotos, Dokumente, Filme, Tonaufnahmen und Objekte. Die Software sollte kulturelle Einschränkungen abbilden und zugleich für Nutzerinnen und Nutzer mit begrenzter Schriftkompetenz oder eingeschränktem Sehvermögen leicht bedienbar sein. Inhalte werden in Ngaanyatjarra, Pitjantjatjara, Yankunytjatjara und Englisch bereitgestellt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_approach&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_who&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gemeinschaftsmitglieder und kulturelle Berater beurteilen sensible Inhalte und Zugangsregeln. Der Ansatz der „digitalen Rückgabe“ bringt digitale Kopien und Nutzungsmöglichkeiten zu den Gemeinschaften zurück, auch wenn Originale in Museen oder anderen Institutionen verbleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Betrieb seit 1994, die Eingliederung in eine Aṉangu-geführte Organisation und die dauerhafte Nutzung in Schulen und Gemeinschaftseinrichtungen sind starke Nachhaltigkeitsindizien. Die Dokumentation beschreibt intergenerationelle Nutzung, Schulungen und Beschäftigung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Viele Wirkungsangaben stammen vom Projekt selbst. Unabhängige aktuelle Evaluationen und detaillierte technische Angaben zur Langzeiterhaltung sind begrenzt. Die langjährige Finanzierungssuche zeigt, dass kulturelle Bedeutung allein keinen verlässlichen Betriebsetat garantiert. Zentraler Betrieb in Adelaide schafft Fachlichkeit, kann aber Distanz zu abgelegenen Gemeinschaften erzeugen; deshalb bleibt die lokale Kontakt- und Trainingsstruktur wesentlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* Entwicklung aus einem ausdrücklichen Wunsch der Gemeinschaft;&lt;br /&gt;
* institutionelle Unterstellung unter eine gemeinschaftseigene Organisation;&lt;br /&gt;
* lokale Ansprechpartner und zentrale Facharbeit;&lt;br /&gt;
* kulturell abgestufte Zugänge;&lt;br /&gt;
* mehrsprachige, visuell einfache Oberfläche;&lt;br /&gt;
* Verbindung von digitaler Rückgabe, Bildung und Kompetenzaufbau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Auch im sorbischen Kontext sollten Nutzeroberflächen nicht nur für wissenschaftliche Fachkräfte gestaltet werden. Lokale Sammlungsbetreuerinnen und -betreuer brauchen einfache Erfassungswege, visuelle Hilfen und persönliche Unterstützung. Sensible Inhalte – etwa private Familienaufnahmen, religiöse Praktiken, personenbezogene Überlieferung oder nicht für eine allgemeine Öffentlichkeit bestimmte Aufzeichnungen – benötigen ein gemeinsam beschlossenes Zugangsmodell. Zentraler Betrieb muss durch lokale Beziehungen ergänzt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.9 Living Archive of Aboriginal Languages (LAAL) ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Living Archive of Aboriginal Languages bündelt Literatur aus zahlreichen Aboriginal-Sprachgemeinschaften des Northern Territory in Australien. Es handelt sich nicht um eine einzige Minderheit, sondern um viele eigenständige Sprach- und Kulturgemeinschaften. Ein großer Teil der Bücher entstand zwischen den 1970er Jahren und dem Ende bilingualer Bildungsprogramme in lokalen Literature Production Centres.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Projekt begann 2012 unter Leitung der Charles Darwin University mit der Australian National University und dem Bildungsressort des Northern Territory. Es wurde durch die Australian Research Council Linkage Infrastructure, Equipment and Facilities Scheme gefördert. Eine zweite Förderphase erweiterte den Bestand und die Community- sowie Bildungsarbeit; weitere Partner kamen hinzu.&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_background&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Vorgehen umfasste das Auffinden verstreuter Bücher, Auswahl und Digitalisierung, Kontakt zu Autorinnen, Autoren und Illustratoren, Rechteklärung sowie Rückspiegelung in die Herkunftsgemeinschaften. Gemeinschaftsmitglieder konnten Texte prüfen und Geschichten oder Tonaufnahmen ergänzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Dateien, Rechte und Zugang ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für jeden Titel wurden Nutzungsdateien wie PDF, Textdatei und Vorschaubild erstellt; seitenweise TIFF-Masterdateien dienten der Langzeitaufbewahrung. Eine kartenbasierte Oberfläche erleichterte auch Menschen mit geringer Schriftkompetenz die Suche.&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_background&amp;quot;/&amp;gt; Materialien wurden nur nach schriftlicher Einwilligung von Urheberinnen, Urhebern oder Nachkommen veröffentlicht. Das Projekt verwendete Creative-Commons-Lizenzen mit Einschränkungen, berücksichtigte indigene Kultur- und Informationsprotokolle und bot ein Takedown-Verfahren, also die vorläufige Entfernung bei Einwänden.&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_rights&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der aktuelle Bestand umfasst nach Projektangaben nahezu 4.000 Bücher in 50 Sprachen aus 40 Gemeinschaften. Die Materialien wurden in die Plattform Territory Stories von Library &amp;amp; Archives Northern Territory überführt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_home&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Erfolg, Problem und Lernwert ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
LAAL verbindet Sprachsicherung, Rechteklärung, offene Bildungsnutzung und echte Erhaltungsdateien. Das Projekt zeigt aber auch eine typische Migrationsgefahr: Nach der Überführung in Territory Stories funktionierte die speziell entwickelte Kartenoberfläche nicht mehr; das Projekt dokumentierte 2022, dass zunächst auf einen möglichen Ersatz gewartet werde.&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_migration&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Die sorgfältige Rechteklärung erzeugte einen beträchtlichen Rückstand nicht veröffentlichter Materialien; dies ist kein Projektversagen, sondern ein realer Zielkonflikt zwischen Geschwindigkeit und Zustimmung. Die Migration bewahrte Inhalte, verlor aber zumindest zeitweise eine für die Zielgruppen wichtige Zugangsfunktion. Die ursprüngliche Projektorganisation war stark förderabhängig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* systematische „Search-and-Rescue“-Phase für verstreute gefährdete Materialien;&lt;br /&gt;
* klare Trennung von Erhaltungs- und Nutzungsdateien;&lt;br /&gt;
* Veröffentlichung nur mit Einwilligung und Takedown-Verfahren;&lt;br /&gt;
* Beteiligung der Sprachgemeinschaften an Prüfung und Ergänzung;&lt;br /&gt;
* Bildungsnutzung und Offline-Zugriff;&lt;br /&gt;
* Übergabe an eine öffentliche Gedächtnisinstitution.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Für jede digitale Sammlung muss ein Migrations- und Exit-Plan festlegen, wie Daten, Rechteangaben, Identifikatoren und zielgruppenspezifische Funktionen beim Systemwechsel erhalten bleiben. Eine funktionierende Fachoberfläche darf nicht der einzige Ort sein, an dem Beziehungen zwischen Daten gespeichert sind. Rechteklärung sollte als eigenes Arbeitspaket mit Aufwand, Rückständen und Prioritäten geplant werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.10 PARADISEC – Facharchiv für gefährdete Sprachen und Kulturen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaften, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PARADISEC steht für Pacific And Regional Archive for Digital Sources in Endangered Cultures. Es ist kein Archiv einer einzelnen Minderheit, sondern bewahrt Forschungs- und Community-Aufnahmen vieler kleiner Sprach- und Kulturgemeinschaften, vor allem im Pazifikraum, aber auch weltweit. Der institutionelle Sitz liegt in Australien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Organisation, Finanzierung und Architektur ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PARADISEC ist ein Verbund der University of Sydney, der University of Melbourne und der Australian National University. Operative Aufgaben sind über die drei Standorte verteilt; ein externer Beirat unterstützt die Steuerung. Das Projekt wurde wesentlich durch den Australian Research Council und in jüngerer Zeit durch die Language Data Commons of Australia im Rahmen nationaler Forschungsinfrastruktur finanziert.&amp;lt;ref name=&amp;quot;paradisec_about&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;paradisec_home&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Archiv hat Verfahren für Übernahme, Katalogisierung, Digitalisierung und Erhaltung von Audio-, Text- und Bildmaterial entwickelt. Es nutzt Forschungsnetze und institutionelle Speicherinfrastruktur, archiviert Audio in Erhaltungsformaten und stellt stabile Katalogdaten bereit. Kopien wurden an Kulturzentren und Institutionen in Vanuatu, Neukaledonien, Papua-Neuguinea, Französisch-Polynesien, den Salomonen und Rapa Nui zurückgegeben.&amp;lt;ref name=&amp;quot;paradisec_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Nachweisbarer Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Juli 2026 weist PARADISEC rund 20.500 Stunden Audio, 4.000 Stunden Video, mehr als 320 Terabyte und Inhalte zu etwa 1.460 Sprachen aus. Es erhielt 2019 das CoreTrustSeal für vertrauenswürdige Repositorien und wurde 2024 bei den Digital Preservation Awards sowie 2025 mit einem Open Scholarship Award ausgezeichnet.&amp;lt;ref name=&amp;quot;paradisec_home&amp;quot;/&amp;gt; Die Kombination aus großem Bestand, langjährigem Betrieb, fachlichen Standards und konkreter Rückgabe an Herkunftsgemeinschaften ist ein starker Erfolgsnachweis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Ein universitärer Forschungsverbund verfügt über Kompetenzen und Infrastrukturen, die kleinen lokalen Trägern nicht direkt zur Verfügung stehen. Die Community-Beteiligung variiert je nach Depositor, Sammlung und Herkunftsgemeinschaft. Online-Zugriff kann in Regionen mit schwacher Internetversorgung oder ohne passende Sprache weiterhin schwierig sein. Auch ein erfolgreiches Facharchiv benötigt laufende Dritt- und Infrastrukturmittel sowie technische Erneuerung; PARADISEC arbeitet derzeit an einer Erneuerung seines Katalogs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* fachlich fokussiertes Repositorium für gefährdete audiovisuelle und sprachliche Materialien;&lt;br /&gt;
* verteilte institutionelle Trägerschaft mit gemeinsamem Verfahren;&lt;br /&gt;
* professionelle Erhaltungsstandards und Zertifizierung;&lt;br /&gt;
* stabile Identifikatoren und wissenschaftliche Zitierbarkeit;&lt;br /&gt;
* Rückgabe von Kopien und Kooperation mit regionalen Kulturzentren;&lt;br /&gt;
* langfristige Verbindung zu Forschungsinfrastruktur statt isoliertem Projektserver.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Für gefährdete Audio-, Video- und Sprachdaten sollte nicht jede kleine Einrichtung ein eigenes Langzeitarchiv aufbauen. Ein zentral betriebener, professioneller Repositoriumsdienst mit klaren Übernahmepaketen ist sinnvoll. Gleichzeitig müssen Kopien, Zugriffsrechte und nutzbare Arbeitsfassungen bei den sorbischen Kulturgutträgern verbleiben können. Zertifizierungsmodelle wie CoreTrustSeal können langfristig Orientierung geben, sollten aber erst nach Aufbau stabiler Prozesse angestrebt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.11 Reciprocal Research Network (RRN) ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Reciprocal Research Network betrifft kulturelle Objekte der First Nations der Nordwestküste von British Columbia in Kanada. Es wurde gemeinsam von der Musqueam Indian Band, der Stó:lō Nation beziehungsweise dem Stó:lō Tribal Council, der U’mista Cultural Society und dem Museum of Anthropology der University of British Columbia entwickelt. Zahlreiche internationale Museen liefern Daten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und technische Lösung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das RRN ist eine föderierte Recherche- und Kooperationsplattform. Es ermöglicht die gemeinsame Suche in institutionellen Sammlungen, persönliche und gemeinsame Forschungsprojekte, Dateiuploads und Diskussionen. Eine Steuerungsgruppe mit Vertreterinnen und Vertretern der beteiligten First Nations und des Museums ist weiterhin ausgewiesen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_about&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_contact&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wissenschaftliche Publikationen beschreiben den Aufbau als langfristigen Vertrauens- und Aushandlungsprozess. Vereinbarungen mit Partnerinstitutionen regelten Datenlieferung und Zusammenarbeit; agile Softwareentwicklung wurde mit unterschiedlichen Erwartungen und Entscheidungsrhythmen in Einklang gebracht.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_rowley&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Nachweisbarer Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Juli 2026 zeigt die Plattform Daten aus 29 Institutionen, mehr als 570.000 Objekte und 391.000 Fotografien sowie über 4.000 registrierte Mitglieder und fast 2.800 Projekte an.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_home&amp;quot;/&amp;gt; Diese Größenordnung belegt eine erhebliche institutionsübergreifende Aggregation und Nutzung der Arbeitsfunktionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Im Seitenfuß wird weiterhin die Softwareversion 1.8.3 mit Startdatum 22. November 2014 ausgewiesen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_contact&amp;quot;/&amp;gt; Das ist kein Beleg dafür, dass der Dienst beendet ist – die Plattform ist erreichbar und aktuelle Bestandszahlen werden angezeigt –, aber ein Warnsignal für Modernisierungs-, Sicherheits- und Wartungsrisiken. Detaillierte aktuelle Angaben zu Erhaltungsrepositorien und Betriebskosten sind öffentlich begrenzt. Das RRN ist vor allem Forschungs- und Zugangsplattform, nicht zwingend das Langzeitarchiv sämtlicher Quelldateien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* gemeinsame Entwicklung durch First Nations und Museum;&lt;br /&gt;
* föderierte Suche über internationale Sammlungen;&lt;br /&gt;
* dauerhafte Steuerungsgruppe;&lt;br /&gt;
* projektbezogene Kollaboration statt nur passiver Objektanzeige;&lt;br /&gt;
* formalisierte Partnerschaften und Aufbau von Vertrauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Ein sorbisches System kann mehr sein als ein Suchkatalog: Arbeitsbereiche für gemeinsame Erschließung, Korrekturen, Transkription, Übersetzung und Forschung erhöhen die aktive Nachnutzung. Solche Funktionen dürfen aber erst aufgebaut werden, wenn technische Wartung und Datenexport gesichert sind. Langfristige Kooperationsvereinbarungen sind wichtiger als einmalige Datenlieferungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.12 Indigitization – Dezentrale Digitalisierung mit zentraler Befähigung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Indigitization richtet sich an First Nations und weitere indigene Gemeinschaften in British Columbia, Kanada. Die Gemeinschaften verfügen über eigene Regierungen, Archive, Sprachprogramme und Kulturinstitutionen, arbeiten aber häufig mit begrenzten technischen und personellen Ressourcen. Viele gefährdete Tonaufnahmen befinden sich weiterhin lokal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Organisations- und Fördermodell ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Indigitization ist eine Kooperation indigener Gemeinschaften und Organisationen mit dem Irving K. Barber Learning Centre, dem Museum of Anthropology, dem Northern BC Archives der University of Northern British Columbia, der X̱wi7x̱wa Library und weiteren Einheiten der University of British Columbia. Das Programm entwickelt Ressourcen, führt Schulungen durch, berät zu Fördermitteln und unterstützt gemeinschaftsgeführte Digitalisierung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Werkzeugkasten entstand aus drei Pilotprojekten mit First Nations und verbindet deren Erfahrungen mit fachlichen Digitalisierungsstandards. Er enthält Planungshilfen, technische Anleitungen, Metadaten- und Dateiverfahren sowie Musterunterlagen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_toolkit&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von 2013 bis 2019 finanzierten Audiokassetten-Zuschüsse drei Pilot- und 45 Förderprojekte. Mehr als 11.464 Kassetten wurden digitalisiert; insgesamt wurden über 422.143 kanadische Dollar vergeben. Die Förderung umfasste ergänzende Mittel bis 10.000 Dollar je Vorhaben und intensive Schulung. Das spezifische Förderprogramm befindet sich derzeit in einer Pause, während Beratung, Workshops und Verweise auf weitere Programme fortgeführt werden.&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_grant&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_funding&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Rechte, Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Digitalisierungsprojekte verbleiben bei den Gemeinschaften; eine öffentliche Veröffentlichung war nicht zwingend. Auch protokollgebundene und nichtöffentliche Zugänge waren förderfähig. Das schützt lokale Kontrolle und stärkt Kompetenzen vor Ort. Die dokumentierten Objekt- und Förderzahlen sowie die fortbestehende Beratungsinfrastruktur belegen konkrete Wirkung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Dezentrale Digitalisierung garantiert noch keine langfristige Erhaltung. Jede Gemeinschaft braucht ein tragfähiges Speicher-, Sicherungs- und Migrationskonzept oder einen verlässlichen Repositoriumspartner. Die Pause des früheren Kassettenprogramms zeigt die Verwundbarkeit zeitlich begrenzter Förderlinien. Für kleine Teams kann die dauerhafte Anwendung technischer Standards trotz Schulung anspruchsvoll bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* zentrale Kompetenz, Vorlagen, Schulung und begrenzte Anschubfinanzierung;&lt;br /&gt;
* Durchführung und Kontrolle bei den lokalen Gemeinschaften;&lt;br /&gt;
* Pilotprojekte als Grundlage des Werkzeugkastens;&lt;br /&gt;
* praxisnahe Muster für Projektplan, Budget und Stellenprofil;&lt;br /&gt;
* kein Zwang zur allgemeinen Veröffentlichung;&lt;br /&gt;
* Netzwerk aus Hochschulen, Archiven und Community-Fachleuten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Dieses Modell kommt einer möglichen Rolle des sorbischen Digitalisierungszentrums besonders nahe. Die zentrale Stelle könnte mobile Technik, Leihgeräte, Schulung, Qualitätsprüfung, Dienstleisterrahmenverträge und Kleinprojektförderung bereitstellen. Lokale Träger behalten Originale, Auswahl, Kontext und Zugangsentscheidungen. Anders als bei rein dezentralen Ansätzen sollte im sorbischen Modell jedoch von Anfang an ein gemeinsames Repositorium oder ein verbindlicher Repositoriumsdienst angeschlossen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== E. Vergleichsmatrix ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== E.1 Funktionen, Architektur und Standards ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable sortable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Projekt&lt;br /&gt;
! Register / Katalog&lt;br /&gt;
! Digitalisierung&lt;br /&gt;
! Repositorium / Langzeiterhaltung&lt;br /&gt;
! Präsentation / Nachnutzung&lt;br /&gt;
! Technologie und Standards&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''RomArchive'''&lt;br /&gt;
| Kuratierter Sammlungsnachweis; kein Vollregister&lt;br /&gt;
| Auswahl und Digitalisierung in der Projektphase&lt;br /&gt;
| Interne und veröffentlichte Bestände; öffentliche Dokumentation der Langzeitprozesse begrenzt&lt;br /&gt;
| Themenarchive, Touren, Forschung; Deutsch, Englisch, Romanes; eingeschränkte Nachnutzung&lt;br /&gt;
| Axiell Collections, Django-Webanwendung, Connector zwischen Sammlung und Website&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Nuohtti'''&lt;br /&gt;
| Föderierter Metadatenindex aus vielen Archiven&lt;br /&gt;
| Erfolgt überwiegend bei Quellinstitutionen&lt;br /&gt;
| Verbleibt bei Datenlieferanten; Nationalarchive tragen Suchdienst weiter&lt;br /&gt;
| Mehrsprachige Suche, Karte, Zeitleiste; Verlinkung zu Quellen&lt;br /&gt;
| VuFind, Finna, RecordManager, Solr, Finto, Giellatekno, Leaflet, OpenStreetMap, Europeana-Wege&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''People’s Collection Wales'''&lt;br /&gt;
| Gemeinsame Plattform mit institutionellen und Community-Beiträgen&lt;br /&gt;
| Zentral unterstützte, teils lokale Digitalisierung; Schulungen&lt;br /&gt;
| In Evaluation als klärungsbedürftige Rolle benannt; nicht allein aus Portal abzuleiten&lt;br /&gt;
| Zweisprachiges Portal, Uploads, Lernangebote, Karten&lt;br /&gt;
| Gemeinsame Plattform; Metadaten-, Rechte- und Digitalisierungshilfen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Tobar an Dualchais'''&lt;br /&gt;
| Durchsuchbarer Katalog zu Tonaufnahmen&lt;br /&gt;
| Audio-Digitalisierung, Erschließung und Transkription&lt;br /&gt;
| Originale in institutionellen Archiven; digitale Erhaltung in Partnerstrukturen&lt;br /&gt;
| Mehr als 40.000 Aufnahmen; Sprache, Bildung, Forschung&lt;br /&gt;
| Audio-Workflows; Transkription und automatische Spracherkennung in Ergänzungsprojekten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Euskariana'''&lt;br /&gt;
| Integrierter Katalog aus Bibliotheken, Archiven, Museen und Repositorien&lt;br /&gt;
| Bei Partnern und in eigenen Programmen&lt;br /&gt;
| Eigenes Repositorium plus Links zu externen Repositorien&lt;br /&gt;
| Baskisch/spanisch; öffentliche Suche; Europeana-Anbindung&lt;br /&gt;
| MARC, Dublin Core, METS, PREMIS, ALTO; OAI-Zugang&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''bavarikon'''&lt;br /&gt;
| Gemeinsames Portal mit Partnerdaten&lt;br /&gt;
| Förderprogramm und fachliche Begleitung; zentrale Qualitätsprüfung&lt;br /&gt;
| Verantwortlichkeit für alle Masterdateien nicht einheitlich öffentlich dokumentiert&lt;br /&gt;
| Portalsuche, Ausstellungen, 3D, Bildungs- und Social-Media-Formate&lt;br /&gt;
| Verbindliche Metadaten- und Lieferhandreichungen; zentrales Hosting&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Mukurtu / Plateau Portal'''&lt;br /&gt;
| Institutionelle und Community-Datensätze zu denselben Objekten&lt;br /&gt;
| Nicht Kernfunktion; lokale beziehungsweise institutionelle Workflows&lt;br /&gt;
| Mukurtu ausdrücklich nur Zugangsbaustein; Erhaltung separat zu planen&lt;br /&gt;
| Protokollbasierter Zugang, Community-Erzählungen, Export&lt;br /&gt;
| Open Source auf Drupal-Basis; TK Labels; kulturelle Protokolle; Dublin Core; Roundtrip-Export&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Aṟa Irititja'''&lt;br /&gt;
| Zentraler Multimedia-Katalog mit lokalen Ergänzungen&lt;br /&gt;
| Zentral vorbereitet, mit Community-Kontaktstellen und historischer Formatrettung&lt;br /&gt;
| Physische und digitale Materialien zentral fachlich verwaltet; Details zu Erhaltungsstufen begrenzt&lt;br /&gt;
| Community-Zugänge, mehrsprachig, visuell niedrigschwellig; digitale Rückgabe&lt;br /&gt;
| Speziell entwickelte beziehungsweise weiterentwickelte Wissensmanagement-Software; kulturelle Beschränkungen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''LAAL'''&lt;br /&gt;
| Sprach-, Orts-, Personen- und Titelnachweis&lt;br /&gt;
| Systematische Suche, Scan und Rechteklärung&lt;br /&gt;
| TIFF-Master; zunächst CDU eSpace, später Territory Stories&lt;br /&gt;
| PDFs, Textdateien, App, Bildung; ursprüngliche Kartenfunktion nach Migration verloren&lt;br /&gt;
| TIFF/PDF/TXT/JPG; persistente Kennungen im Zielsystem; Creative-Commons- und Takedown-Modell&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''PARADISEC'''&lt;br /&gt;
| Fachkatalog für audiovisuelle und sprachliche Sammlungen&lt;br /&gt;
| Professionelle Digitalisierung gefährdeter Medien&lt;br /&gt;
| Institutioneller Verbund; Erhaltungsformate, redundante Infrastruktur, CoreTrustSeal&lt;br /&gt;
| Online-Katalog, Forschung, Community-Zugang und Rückgabe von Kopien&lt;br /&gt;
| Internationale Archivstandards; stabile Identifikatoren; laufende Katalogmodernisierung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''RRN'''&lt;br /&gt;
| Föderierte Suche über Daten von 29 Institutionen&lt;br /&gt;
| Erfolgt primär bei Partnern&lt;br /&gt;
| Plattform ist kein einheitliches Langzeitarchiv aller Quellen&lt;br /&gt;
| Kollaborative Projekte, Diskussionen, Uploads und Recherche&lt;br /&gt;
| Föderierte Datenintegration, Programmierschnittstelle; sichtbare Plattformversion von 2014&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Indigitization'''&lt;br /&gt;
| Kein zentraler Gesamtkatalog als Hauptziel&lt;br /&gt;
| Dezentrale Digitalisierung mit zentraler Schulung, Geräten, Standards und Förderung&lt;br /&gt;
| Muss je Community beziehungsweise über Partner gelöst werden&lt;br /&gt;
| Community-interne oder öffentliche Nutzung nach lokalen Regeln&lt;br /&gt;
| Werkzeugkasten, Broadcast-Wave-Audio, Musterunterlagen und Trainingsworkflows&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== E.2 Governance, Finanzierung, Erfolg und Übertragbarkeit ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable sortable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Projekt&lt;br /&gt;
! Organisationsmodell&lt;br /&gt;
! Community-Beteiligung&lt;br /&gt;
! Finanzierung und dauerhafter Betrieb&lt;br /&gt;
! Nachweisbarer Erfolg&lt;br /&gt;
! Grenzen&lt;br /&gt;
! Übertragbarkeit auf die Sorben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''RomArchive'''&lt;br /&gt;
| Internationales Kuratorium/Beirat; seit 2019 Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma&lt;br /&gt;
| Überwiegend Roma in Kuratorien und Beirat; Auswahl und strategische Richtlinien&lt;br /&gt;
| Große öffentliche Anschubförderung; institutioneller Betreiber und laufende öffentliche Förderung&lt;br /&gt;
| Betreiberübergang vollzogen; seit 2019 online weitergeführt&lt;br /&gt;
| Kein Vollregister; wenige aktuelle Nutzungsdaten; Nachnutzung oft restriktiv&lt;br /&gt;
| '''Hoch''' für Governance, kuratierte Kontexte und Betreiberübergang&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Nuohtti'''&lt;br /&gt;
| Drei Nationalarchive plus Universitäten; föderierter Dienst&lt;br /&gt;
| Sámi-Parlamente in Steuerungsgruppe; ethische Leitlinien und Tests&lt;br /&gt;
| EU-Projekt; Weiterbetrieb durch Nationalarchive&lt;br /&gt;
| Rund 30.000 Datensätze, 32 Institutionen, fünf Sprachen; fortbestehender Dienst&lt;br /&gt;
| Datenqualität und Erhaltung bleiben verteilt; geringe aktuelle Wirkungsdaten&lt;br /&gt;
| '''Sehr hoch''' für Kulturregister und föderierte Suche&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''People’s Collection Wales'''&lt;br /&gt;
| Föderation dreier nationaler Einrichtungen&lt;br /&gt;
| Lokale Gruppen und Einzelpersonen liefern Inhalte; umfangreiche Unterstützung&lt;br /&gt;
| Walisische Regierung; Evaluation benennt Nachhaltigkeitsrisiko&lt;br /&gt;
| Dauerbetrieb, Community-Kompetenzen, kritische Masse; unabhängige Evaluation&lt;br /&gt;
| Moderate gemessene Wirkung; Vermittlung personalintensiv; 38 Survey-Antworten&lt;br /&gt;
| '''Sehr hoch''' für Servicezentrum, Zweisprachigkeit und Evaluation&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Tobar an Dualchais'''&lt;br /&gt;
| Partnerschaft kultureller und wissenschaftlicher Einrichtungen&lt;br /&gt;
| Sprachgemeinschaften, Beitragende und Freiwillige bei Erschließung/Transkription&lt;br /&gt;
| Wiederkehrende öffentliche Projekt- und Programmmittel&lt;br /&gt;
| Mehr als 40.000 Aufnahmen; laufende Weiterentwicklung&lt;br /&gt;
| Dauergrundfinanzierung und Rechteaufwand öffentlich nur teilweise sichtbar&lt;br /&gt;
| '''Hoch''' für gefährdete Medien und Spracherschließung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Euskariana'''&lt;br /&gt;
| Baskische Regierung mit öffentlichen und privaten Partnern&lt;br /&gt;
| Eher institutionell als gemeinschaftsgeführt&lt;br /&gt;
| Staatlicher Betrieb&lt;br /&gt;
| Breiter Quellenverbund, Standards, Europeana-Interoperabilität&lt;br /&gt;
| Wenig unabhängige Nutzungsevaluation; Community-Rechte kaum dokumentiert&lt;br /&gt;
| '''Hoch''' für Metadaten, Onboarding-Wege und Aggregation; '''mittel''' für Governance&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''bavarikon'''&lt;br /&gt;
| Ministerien, 14-köpfiger Rat, Bayerische Staatsbibliothek, Rechenzentrum&lt;br /&gt;
| Partnerinstitutionen im Rat; keine Minderheiten-Governance&lt;br /&gt;
| Dauerhafte Landesstruktur plus Projektförderung&lt;br /&gt;
| Über 500.000 Objekte aus rund 170 Einrichtungen; monatlicher Ausbau&lt;br /&gt;
| Große Ressourcen; Präsentation und Förderlogik dominieren&lt;br /&gt;
| '''Mittel bis hoch''' für Verfahren/Qualität; Größenordnung kaum übertragbar&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Mukurtu / Plateau Portal'''&lt;br /&gt;
| Universität als Technikträger; acht indigene Nationen und Museen als Partner&lt;br /&gt;
| Kuration, Metadaten, Protokolle und Zugriff durch Stammesvertreter&lt;br /&gt;
| Öffentliche und philanthropische Forschungsförderung; Universität pflegt Software&lt;br /&gt;
| International genutzte Open-Source-Plattform; dauerhaftes konkretes Portal&lt;br /&gt;
| Qualifizierter Betrieb nötig; Zugangsplattform ersetzt kein Repositorium&lt;br /&gt;
| '''Sehr hoch''' für Rechte, sensible Inhalte und Mehrperspektivität&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Aṟa Irititja'''&lt;br /&gt;
| Zentralfachstelle plus lokale Liaison; seit 2020 unter APY-Organisation&lt;br /&gt;
| Auftrag, Steuerung, Zugangsregeln und Kontext durch Aṉangu&lt;br /&gt;
| Langjährige Mischung aus Zuschüssen, Spenden und lokalen Beiträgen; drei permanente Teilzeitstellen&lt;br /&gt;
| Betrieb seit 1994; lokale Nutzung und digitale Rückgabe&lt;br /&gt;
| Finanzierung lange prekär; Wirkung überwiegend selbst berichtet&lt;br /&gt;
| '''Hoch''' für lokale Kontrolle und abgestufte Zugänge; Technik nicht direkt übertragbar&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''LAAL'''&lt;br /&gt;
| Universität und öffentliche Partner; Übergabe an Landesbibliothek/-archiv&lt;br /&gt;
| Einwilligung, Prüfung und Ergänzung durch Sprachgemeinschaften&lt;br /&gt;
| Zwei Forschungsförderphasen; anschließend institutionelle Übernahme&lt;br /&gt;
| Nahezu 4.000 Bücher, 50 Sprachen, 40 Gemeinschaften&lt;br /&gt;
| Rechte-Rückstand; Verlust der Kartenfunktion bei Migration&lt;br /&gt;
| '''Sehr hoch''' als Migrations-, Rechte- und Sprachlernfall&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''PARADISEC'''&lt;br /&gt;
| Verbund dreier Universitäten mit Beirat&lt;br /&gt;
| Je Sammlung unterschiedlich; Kopien und Kooperationen mit Herkunftsgemeinschaften&lt;br /&gt;
| Forschungsrat, nationale Forschungsinfrastruktur, Hochschulen und Spenden&lt;br /&gt;
| 20.500 Audio-, 4.000 Videostunden, 320 TB, 1.460 Sprachen; Zertifizierung/Auszeichnungen&lt;br /&gt;
| Hohe Fach- und Infrastrukturvoraussetzungen; Zugänglichkeit regional unterschiedlich&lt;br /&gt;
| '''Hoch''' für zentrales Fachrepositorium; Skalierung nur angepasst&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''RRN'''&lt;br /&gt;
| Gemeinsame Steuerung von First Nations und Museum; viele Datenpartner&lt;br /&gt;
| Co-Entwicklung, Projekte, Diskussionen und Community-Wissen&lt;br /&gt;
| Institutionelle Projektstruktur; aktuelle Kosten öffentlich unklar&lt;br /&gt;
| 29 Institutionen, über 570.000 Objekte, über 4.000 Mitglieder&lt;br /&gt;
| Technische Alterung möglich; Erhaltung der Quelldateien dezentral&lt;br /&gt;
| '''Hoch''' für Kooperation und Arbeitsfunktionen; Wartungsrisiko beachten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Indigitization'''&lt;br /&gt;
| Hochschul- und Community-Netzwerk als Kompetenz- und Förderstelle&lt;br /&gt;
| Projekte werden von Gemeinschaften durchgeführt und kontrolliert&lt;br /&gt;
| Hochschulunterstützung; früheres Kassettenförderprogramm aktuell pausiert&lt;br /&gt;
| 45 Förderprojekte, 11.464 Kassetten, über 422.000 CAD Förderung&lt;br /&gt;
| Dezentrale Langzeiterhaltung nicht automatisch gesichert; Förderpause&lt;br /&gt;
| '''Sehr hoch''' für Digitalisierungszentrum und Unterstützung kleiner Träger&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== F. Übergreifende Erfolgsfaktoren ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.1 Governance und Beteiligung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' Die stärksten gemeinschaftsbezogenen Projekte verankern Beteiligung in Gremien, Rollen und Datenmodellen. RomArchive übergab Kuratierung und strategische Leitlinien überwiegend an Roma. Nuohtti beteiligte Sámi-Parlamente. Mukurtu und das Plateau Portal ermöglichen kulturelle Protokolle und mehrere Beschreibungen. Aṟa Irititja ist unter einer Aṉangu-geführten Organisation verankert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Erforderlich ist ein dauerhaftes Steuerungsmodell mit Vertreterinnen und Vertretern zentraler Einrichtungen, lokaler Träger, beider Sprachräume, Fachwissenschaft, Technik und möglichst verschiedener Generationen. Für sensible Inhalte, Priorisierung und öffentliche Darstellung müssen Entscheidungs- und Eskalationsregeln schriftlich festgelegt werden. Eine bloße Anhörung nach Abschluss technischer Entscheidungen ist unzureichend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.2 Erfassung und Priorisierung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' Nuohtti begann mit der Kartierung verteilter Quellen; LAAL mit systematischem Auffinden gefährdeter Literatur. bavarikon nutzt Anträge, Objektlisten und Auswahlkriterien. Audioprojekte priorisieren physisch und technisch gefährdete Medien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Zunächst sollte das Kulturregister einen belastbaren Überblick schaffen, ohne sofort jeden Eintrag maximal tief zu erschließen. Die Digitalisierungspriorität sollte anschließend aus mindestens vier Kriterien gebildet werden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Gefährdung:''' physischer Verfall, technische Obsoleszenz, Verlustgefahr;&lt;br /&gt;
# '''Bedeutung:''' Einzigartigkeit, Repräsentativität, sprachliche und kulturelle Relevanz;&lt;br /&gt;
# '''Nutzungspotenzial:''' Bildung, Forschung, Sprachrevitalisierung, Vermittlung;&lt;br /&gt;
# '''Umsetzbarkeit:''' Rechteklarheit, Zustand, vorhandene Metadaten, Kosten und Zielrepositorium.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Priorisierungswert darf keine endgültige kulturelle Rangliste erzeugen. Er dient der Arbeitsplanung und muss fachlich sowie gemeinschaftlich überprüfbar sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.3 Organisation der Digitalisierung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' Indigitization und People’s Collection Wales zeigen, dass zentrale Kompetenz und lokale Durchführung kombinierbar sind. bavarikon ergänzt dies um Auswahl, Förderung und Qualitätsprüfung. PARADISEC zeigt für anspruchsvolle audiovisuelle Medien den Wert eines spezialisierten Fachzentrums.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Das Digitalisierungszentrum sollte ein gestuftes Dienstemodell anbieten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Beratung und Projektplanung;&lt;br /&gt;
* Leihtechnik und Schulung für geeignete einfache Verfahren;&lt;br /&gt;
* mobile Digitalisierung vor Ort, wenn Kulturgüter nicht transportiert werden können;&lt;br /&gt;
* zentrale Digitalisierung für anspruchsvolle oder gefährdete Medien;&lt;br /&gt;
* Rahmenverträge und Qualitätskontrolle für externe Spezialdienstleister;&lt;br /&gt;
* Übernahmevorbereitung für das Repositorium.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.4 Technische Architektur ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' Föderierte Portale wie Nuohtti und Euskariana verbinden bestehende Systeme, statt alle Partner zu einem identischen Fachverfahren zu zwingen. Erfolgreiche Systeme verfügen über Exporte und Schnittstellen. LAAL zeigt, dass bei Migrationen zielgruppenspezifische Funktionen verloren gehen können, wenn Daten- und Präsentationslogik zu eng gekoppelt sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Die Architektur sollte modular sein. Das Register verwaltet Nachweise und Beziehungen; Digitalisierungsworkflows erzeugen Dateien und technische Metadaten; das Repositorium übernimmt Erhaltungspakete; Präsentationssysteme beziehen freigegebene Daten und Derivate. Jedes System benötigt dokumentierte Exporte. Eine proprietäre Lösung ohne vollständigen Datenexport, Identifikatorerhalt und Migrationsplan sollte ausgeschlossen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.5 Metadaten und Interoperabilität ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' Euskariana und bavarikon arbeiten mit veröffentlichten Standards und Lieferprofilen; Nuohtti normalisiert heterogene Daten; Mukurtu ermöglicht zusätzliche Community-Metadaten. Technische Vollständigkeit allein löst jedoch keine problematischen historischen Begriffe oder fehlenden kulturellen Kontexte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Notwendig ist ein abgestuftes Metadatenprofil:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* '''Pflichtkern''' für alle Träger: eindeutige Kennung, Bezeichnung, Kulturgutart, Standort beziehungsweise Träger, Sprache, Zeit/Ort soweit bekannt, Kurzkontext, Rechte-/Zugangsstatus, Quellenangabe, Bearbeitungsstand;&lt;br /&gt;
* '''fachliche Erweiterungen''' für Archive, Bibliotheken, Museen, audiovisuelle Medien, immaterielles Kulturerbe und Born-digital-Bestände;&lt;br /&gt;
* '''Community-Felder''' für sorbische Bezeichnungen, lokale Varianten, kulturelle Hinweise, alternative Erzählungen und Korrekturen;&lt;br /&gt;
* '''technische Erhaltungsmetadaten''' im Repositorium, etwa Dateiformat, Prüfsumme, Erzeugung, Migration und Beziehungen zwischen Master und Derivaten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Normdaten und kontrollierte Vokabulare sollten dort eingesetzt werden, wo sie Nutzen bringen. Für ehrenamtliche Erfassung müssen einfache Auswahllisten, Hilfetexte und spätere fachliche Anreicherung vorgesehen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.6 Rechte und kulturelle Selbstbestimmung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' Mukurtu, Aṟa Irititja und LAAL zeigen, dass urheberrechtliche Erlaubnis, Datenschutz und kulturelle Angemessenheit getrennt geprüft werden müssen. Ein Werk kann rechtlich veröffentlichbar, kulturell aber sensibel sein; umgekehrt kann eine Gemeinschaft Zugang wünschen, obwohl eine allgemeine Veröffentlichung nicht möglich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Mindestens vier Sichtbarkeitsstufen sind sinnvoll:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# öffentliche Metadaten, aber kein Medium;&lt;br /&gt;
# öffentliches Nutzungsdigitalisat, gegebenenfalls in reduzierter Qualität;&lt;br /&gt;
# beschränkter Zugang für festgelegte Gruppen, Forschung oder Community;&lt;br /&gt;
# gesperrt beziehungsweise nur intern dokumentiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder Datensatz sollte dokumentieren, wer die Entscheidung getroffen hat, auf welcher Grundlage sie beruht und wann sie erneut geprüft wird. Rechteinformationen müssen vom Register über Repositorium bis Präsentation mitgeführt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.7 Langzeiterhaltung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' PARADISEC belegt den Wert eines fachlich betriebenen Repositoriums. LAAL zeigt sowohl die Trennung von Master- und Nutzungsdateien als auch das Risiko einer Migration. Mukurtu warnt ausdrücklich davor, Zugangsplattform und Erhaltungssystem gleichzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Für jedes Digitalisat müssen vor der Produktion feststehen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Zielrepositorium und verantwortlicher Betreiber;&lt;br /&gt;
* Master- und Nutzungsformat;&lt;br /&gt;
* Dateibenennung beziehungsweise Identifikator;&lt;br /&gt;
* Prüfsumme und Integritätskontrolle;&lt;br /&gt;
* mindestens zwei räumlich getrennte Sicherungskopien;&lt;br /&gt;
* Übergabepaket aus Datei, Metadaten, Rechten und Provenienz;&lt;br /&gt;
* Verfahren für Formatbeobachtung, Migration und Wiederherstellung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das OAIS-Modell bietet den konzeptionellen Rahmen; die NDSA-Reifegradstufen können einen realistischen stufenweisen Aufbau unterstützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.8 Präsentation und Nachnutzung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' RomArchive verbindet Objekte mit kuratierten Erzählungen; People’s Collection Wales mit Lern- und Beitragsfunktionen; Tobar an Dualchais mit sprachlicher Erschließung; RRN mit kollaborativen Arbeitsräumen. Erfolg entsteht nicht durch bloße Online-Sichtbarkeit, sondern durch zielgruppengerechte Kontexte und tatsächlich nutzbare Funktionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Ein gemeinsamer Suchzugang ist wichtig, aber nicht jede Zielgruppe braucht dieselbe Oberfläche. Denkbar sind ein übergreifendes Kulturerbeportal, Fachzugänge für Forschung, Bildungsbausteine, kuratierte Ausstellungen und maschinenlesbare Schnittstellen. Download und Nachnutzung sollten dort ermöglicht werden, wo Rechte und kulturelle Interessen dies zulassen. Nutzungsstatistiken, Zitationen, Downloads, Bildungskooperationen und Community-Rückmeldungen sollten kontinuierlich ausgewertet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.9 Finanzierung und Verstetigung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' RomArchive plante den Betreiberübergang früh. People’s Collection Wales und Aṟa Irititja zeigen, wie belastend unsichere Finanzierung bleibt. Indigitization demonstriert die Wirkung kleiner Förderbudgets, aber auch die Verwundbarkeit eines pausierenden Programms. bavarikon und PARADISEC profitieren von institutioneller Infrastruktur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Es sind drei Kostenarten getrennt zu planen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Aufbaukosten:''' Konzeption, Pilot, Beschaffung, Datenmigration, erste Digitalisierung;&lt;br /&gt;
# '''Betriebskosten:''' Personal, Hosting, Speicher, Sicherung, Helpdesk, Rechtearbeit, Qualitätssicherung;&lt;br /&gt;
# '''Erneuerungskosten:''' Softwareupdates, Sicherheitsmaßnahmen, Hardwareersatz, Formatmigration, Neuentwicklung von Schnittstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Projektmittel eignen sich für Aufbau und Erprobung. Kernfunktionen dürfen nach der Pilotphase nur skaliert werden, wenn ein wiederkehrender Betriebsetat und ein verantwortlicher Rechtsträger feststehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.10 Projektsteuerung und schrittweiser Aufbau ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' People’s Collection Wales empfiehlt einen evidenzbasierten Ablauf aus Bedarf, Pilot, Test, Auswertung und Skalierung. Indigitization entwickelte seinen Werkzeugkasten aus drei Pilotprojekten. bavarikon nutzt Vorantrag, Prüfung, Standards und begleitete Umsetzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Der Aufbau sollte in überprüfbaren Ausbaustufen erfolgen. Jede Stufe braucht definierte Ergebnisse, Qualitätskriterien, Verantwortliche, Budget, Risiken und eine Entscheidung über Fortführung oder Anpassung. Technische Pilotierung ohne Governance-, Rechte- und Betriebsprüfung wäre unvollständig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== G. Empfehlungen für den sorbischen Kontext ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.1 Zielmodell: vier Säulen, drei Fundamente, zwei Betriebsregeln ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ergebnisse lassen sich für den sorbischen Kontext in einem priorisierten 4–3–2-Modell zusammenführen. Es verbindet die im Konzept beschriebene Prozesskette mit einer klaren organisatorischen und technischen Verantwortungsstruktur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Vier funktionale Säulen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Säule&lt;br /&gt;
! Mindestauftrag&lt;br /&gt;
! Abgrenzung&lt;br /&gt;
! Unverzichtbare Schnittstellen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''1. Sorbisches Kulturregister (SKR)'''&lt;br /&gt;
| Verteilte Kulturgüter und Bestände nachweisen, beschreiben, verknüpfen, Rechte- und Prioritätsstatus dokumentieren&lt;br /&gt;
| Kein Ersatz für lokale Inventare und nicht automatisch Speicherort aller Dateien&lt;br /&gt;
| Import/Export zu Fachsystemen; Übergabe von Objekt- und Rechtekennungen an Digitalisierung, Repositorium und Präsentation&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''2. Digitalisierungszentrum (DZ)'''&lt;br /&gt;
| Beratung, Planung, Digitalisierung, Qualitätssicherung, Schulung, Dienstleistersteuerung und Vorbereitung der Archivübergabe&lt;br /&gt;
| Nicht primär öffentlicher Katalog und nicht automatisch dauerhafter Speicher&lt;br /&gt;
| Aufträge aus Register/Priorisierung; Lieferung standardisierter Übergabepakete an Repositorium; Erzeugung von Nutzungsderivaten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''3. Repositorium / digitales Langzeitarchiv'''&lt;br /&gt;
| Masterdateien, Metadaten, Rechte und Provenienz dauerhaft übernehmen, prüfen, sichern und migrieren&lt;br /&gt;
| Nicht mit einem Netzlaufwerk, einer Cloudablage oder der öffentlichen Website gleichzusetzen&lt;br /&gt;
| Persistente Identifikatoren; Rückmeldung des Archivstatus an Register; kontrollierte Bereitstellung an Präsentationssysteme&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''4. Präsentations- und Nutzungssysteme'''&lt;br /&gt;
| Freigegebene Inhalte suchen, verstehen, zitieren, herunterladen und weiterverwenden lassen&lt;br /&gt;
| Nicht führendes System für Rechte, Masterdateien oder dauerhafte Erhaltung&lt;br /&gt;
| Bezug von Metadaten aus Register und Derivaten aus Repositorium; Rückgabe von Nutzungs- und Korrekturinformationen&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Entscheidender Punkt:''' Die vier Säulen sind Funktionen, nicht zwingend vier eigenständige Einrichtungen. Ein Träger kann mehrere Funktionen übernehmen. Dennoch müssen für jede Säule Auftrag, Zuständigkeit, Datenhoheit, Budget, Qualitätskriterien, Vertretung und Ausfallvorsorge benannt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Drei gemeinsame Fundamente ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Fundament&lt;br /&gt;
! Inhalt&lt;br /&gt;
! Warum es vor der Skalierung geklärt werden muss&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''A. Gemeinschaftliche Governance und Rechte'''&lt;br /&gt;
| Entscheidungsgremien, Rollen der Kulturgutträger, Community-Beteiligung, Konfliktlösung, sensible Inhalte, abgestufte Zugänge&lt;br /&gt;
| Ohne Entscheidungskompetenz entstehen Vertrauensverlust, Verzögerungen und nachträgliche Sperrungen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''B. Gemeinsame Daten- und Qualitätsarchitektur'''&lt;br /&gt;
| Metadatenkern, Identifikatoren, Sprachwerte, Vokabulare, Dateiformate, Schnittstellen, Lieferpakete, Qualitätssicherung&lt;br /&gt;
| Ohne gemeinsamen Kern können Register, DZ, Repositorium und Präsentation nicht verlässlich zusammenspielen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''C. Dauerbetrieb, Finanzierung und Kompetenz'''&lt;br /&gt;
| Rechtsträger, wiederkehrendes Budget, Personal, Hosting, Speicher, Wartung, Schulung, Helpdesk und Erneuerungsplanung&lt;br /&gt;
| Ohne Betriebsperspektive vergrößert jedes zusätzliche Digitalisat die technische und organisatorische Schuld.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Zwei Betriebsregeln ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Zentral ermöglichen, dezentral verantworten.''' Zentrale Stellen bieten Infrastruktur, Standards, Beratung, Qualitätskontrolle, Repositorium und gemeinsame Zugänge. Kulturgutträger behalten grundsätzlich Originale, lokalen Kontext, Beziehungen zu Urheberinnen und Urhebern sowie Mitentscheidung über kulturelle Bedeutung und Zugang.&lt;br /&gt;
# '''Als Projekt aufbauen, nur mit Dauerbetrieb skalieren.''' Pilot- und Förderprojekte sind geeignet, Register, Dienste und Workflows zu entwickeln. Eine breite Produktion beginnt erst, wenn dauerhafter Betreiber, Regelbudget, Personal und Erhaltungsweg gesichert sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Prüfsatz für Entscheidungen:''' Kein Digitalisat ohne Zielarchiv; kein Portal ohne Datenpflege; kein Register ohne Zuständigkeit; keine Veröffentlichung ohne Rechte- und Kulturprüfung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.2 Was zentral, dezentral und gemeinsam organisiert werden sollte ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Zentral bereitzustellen&lt;br /&gt;
! Dezentral bei den Kulturgutträgern&lt;br /&gt;
! Gemeinsam zu entscheiden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Technische Plattform und Datenmodell des Kulturregisters&lt;br /&gt;
| Besitz, Verwahrung und konservatorische Verantwortung für Originale, soweit nicht anders vereinbart&lt;br /&gt;
| Welche Bestände zunächst erfasst und digitalisiert werden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Metadatenkern, Vokabulare, Identifikatoren und Schnittstellen&lt;br /&gt;
| Erste Bestandskenntnis, lokale Namen, Geschichte und Beziehungen&lt;br /&gt;
| Kulturelle Bedeutung, Repräsentativität und Priorität&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Digitalisierungsberatung, Spezialtechnik, mobile Dienste und Qualitätsprüfung&lt;br /&gt;
| Lokale Auswahl und organisatorische Vorbereitung&lt;br /&gt;
| Transport, Vor-Ort-Digitalisierung oder externe Vergabe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Repositorium, Sicherung, Integritätsprüfung, Migration und Wiederherstellung&lt;br /&gt;
| Mitwirkung an Rechteklärung und Kontakt zu Betroffenen beziehungsweise Nachkommen&lt;br /&gt;
| Zugangs- und Nutzungskategorien für sensible Inhalte&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mustervereinbarungen, Rechte- und Datenschutzberatung&lt;br /&gt;
| Lokale Freigaben, sofern die jeweilige Stelle entscheidungsbefugt ist&lt;br /&gt;
| Verfahren bei Konflikten, Korrekturen und Takedown-Anfragen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Schulungen, Helpdesk, Dokumentation und gegebenenfalls Kleinprojektförderung&lt;br /&gt;
| Pflege von Kontexten, Korrekturen und neuen Informationen&lt;br /&gt;
| Übersetzungs- und Erschließungsprioritäten in Ober- und Niedersorbisch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gemeinsame Präsentationsbausteine und Programmierschnittstellen&lt;br /&gt;
| Eigene lokale Ausstellungen und Nutzungsszenarien&lt;br /&gt;
| Welche Inhalte übergreifend präsentiert oder nachnutzbar gemacht werden&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Verteilung schützt die dezentrale Trägerschaft, ohne kleine Einrichtungen mit jeder technischen Aufgabe allein zu lassen. Sie verhindert zugleich, dass zentrale Infrastruktur mit zentraler kultureller Deutungshoheit verwechselt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.3 Kurzfristig umsetzbare Schritte: 2026–2027 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Priorität 1: Governance und Verantwortungen beschließen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ein gemeinsames Steuerungsgremium für Kulturregister, Digitalisierungszentrum, Repositorium und Präsentation festlegen.&lt;br /&gt;
* Beide sorbischen Sprachräume, zentrale Institutionen und mindestens mehrere lokale beziehungsweise ehrenamtliche Träger verbindlich vertreten.&lt;br /&gt;
* Entscheidungsrechte, Vetorechte bei sensiblen Inhalten, Konfliktlösung und Vertretungsregelungen schriftlich regeln.&lt;br /&gt;
* Einen dauerhaften Produkt- beziehungsweise Serviceverantwortlichen für jede der vier Säulen benennen, auch wenn mehrere Säulen organisatorisch beim selben Träger liegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Priorität 2: Gemeinsamen Mindeststandard verabschieden ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Standard sollte klein genug für ehrenamtliche Erfassung, aber erweiterbar für Fachinstitutionen sein. Er muss mindestens regeln:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* eindeutige Kennung und verantwortlicher Datensatzhalter;&lt;br /&gt;
* Bezeichnung in Originalsprache und gegebenenfalls Übersetzungen;&lt;br /&gt;
* getrennte Sprachkennzeichnung für Obersorbisch, Niedersorbisch, Deutsch und weitere Sprachen;&lt;br /&gt;
* Kulturgutart und Zugehörigkeit zu materiellen, immateriellen oder digitalen Beständen;&lt;br /&gt;
* Standort beziehungsweise verwahrende Stelle;&lt;br /&gt;
* Kurzkontext, Zeit, Ort und beteiligte Personen soweit bekannt;&lt;br /&gt;
* Rechte-, Datenschutz- und kultureller Zugangsstatus;&lt;br /&gt;
* Digitalisierungs- und Archivierungsstatus;&lt;br /&gt;
* Provenienz, Quellen und Bearbeitungsstand;&lt;br /&gt;
* Exportformat und dauerhafte Identifikatoren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Priorität 3: Rechte- und Zugangsmodell entwickeln ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein einheitlicher Workflow sollte rechtliche und kulturelle Fragen getrennt dokumentieren. Empfohlen werden mindestens die vier Stufen „nur Nachweis“, „öffentliches Derivat“, „beschränkter Zugang“ und „gesperrt“. Für jede Stufe sind Verantwortliche, Freigabegrund, Prüffrist und Takedown-Verfahren festzulegen. Local Contexts kann als Anregung dienen; Begriffe und Symbole müssen jedoch gemeinsam für die sorbische Rechts- und Kulturpraxis entwickelt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Priorität 4: End-to-End-Pilot starten ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der erste Pilot sollte nicht nur ein Portal oder einen Scanner testen, sondern die gesamte Kette:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: Kulturgutträger → Erfassung im Register → Priorisierung und Freigabe → Digitalisierung und Qualitätsprüfung → Übernahme ins Repositorium → kontrollierte Präsentation und Nachnutzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beteiligt werden sollten drei bis fünf sehr unterschiedliche Träger, zum Beispiel eine zentrale Institution, eine Heimatstube oder ein Verein, eine kirchliche Einrichtung, eine kommunale Sammlung und gegebenenfalls eine Privatperson. Der Pilot sollte beide sorbischen Schriftsprachen und mindestens drei Medientypen umfassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Priorität 5: Repositoriumsziel vor Produktionsausweitung klären ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits Pilotdigitalisate benötigen einen definierten, überprüfbaren Speicher- und Erhaltungsweg. Falls das endgültige Langzeitarchiv noch nicht vollständig aufgebaut ist, braucht es einen dokumentierten Übergangsdienst mit Prüfsummen, redundanten Kopien, klarer Verantwortung und verbindlichem späteren Migrationsplan. Eine bloße Projektablage ist nicht ausreichend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.4 Mittelfristiger Strukturaufbau: 2027–2030 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Kulturregister ausbauen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Zwei Anbindungswege anbieten: direkte Erfassung beziehungsweise zentral gehostete Mandanten für kleine Träger und standardisierte Datenlieferung für große Fachsysteme.&lt;br /&gt;
* Priorisierungsansicht, Rechte- und Archivstatus sowie Beziehungen zwischen Original, Digitalisat, Werk, Person, Ort, Brauch und Sammlung abbilden.&lt;br /&gt;
* Korrektur- und Ergänzungsworkflow für Community-Wissen einrichten.&lt;br /&gt;
* Export, Programmierschnittstelle und regelmäßige Sicherung verpflichtend machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Digitalisierungszentrum als Dienstleistungsstelle verstetigen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Servicekatalog mit klaren Leistungen, Voraussetzungen, Bearbeitungszeiten und Kosten beziehungsweise Fördermöglichkeiten veröffentlichen.&lt;br /&gt;
* Mobile und stationäre Digitalisierung sowie Vergabe an Spezialdienstleister kombinieren.&lt;br /&gt;
* Schulungsprogramm und „Train-the-Trainer“-Ansatz für lokale Multiplikatorinnen und Multiplikatoren aufbauen.&lt;br /&gt;
* Kleinprojektförderung nach dem Vorbild von Indigitization oder bavarikon erproben.&lt;br /&gt;
* Qualitätssicherung und Übergabepakete zum Repositorium standardisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Repositorium in einen verlässlichen Regelbetrieb überführen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* OAIS-Funktionen organisatorisch zuordnen und mit den NDSA-Reifegradstufen schrittweise umsetzen.&lt;br /&gt;
* mindestens zwei räumlich getrennte Speicherkopien, regelmäßige Fixity Checks (Prüfung der Dateiunverändertheit über Prüfsummen) und Wiederherstellungstests etablieren;&lt;br /&gt;
* Masterdateien, Derivate, Metadaten, Rechte und technische Ereignisse verknüpfen;&lt;br /&gt;
* Verantwortungen bei Trägerwechsel oder Projektende vertraglich sichern;&lt;br /&gt;
* audiovisuelle Daten nach IASA-Empfehlungen behandeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Präsentation zielgruppenspezifisch entwickeln ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Gemeinsame Suche und verständliche Basiskontexte in Deutsch, Ober- und Niedersorbisch sowie ausgewählte englische Zugänge bereitstellen.&lt;br /&gt;
* Nicht jeden Datensatz vollständig in vier Sprachen übersetzen; stattdessen Oberfläche, Kernelemente, kontrollierte Begriffe und besonders relevante Inhalte priorisieren und Übersetzungsstatus sichtbar machen.&lt;br /&gt;
* Bildungs- und Forschungsnutzung in Pilotkooperationen testen.&lt;br /&gt;
* IIIF und Programmierschnittstellen dort einsetzen, wo sie einen konkreten Mehrwert für Anzeige, Zitation oder Datenbezug schaffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.5 Langfristige Aufgaben: ab 2030 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Regelmäßige Daten- und Formatmigrationen, Sicherheitsprüfungen und Erneuerung der Infrastruktur finanzieren.&lt;br /&gt;
* Erfolg anhand eines stabilen Kennzahlensets messen: erfasste und archivierte Bestände, beteiligte Träger, Bearbeitungszeiten, Rechte-Rückstände, Nutzung, Downloads, Bildungsprojekte, wissenschaftliche Zitationen, Community-Zufriedenheit und Korrekturen.&lt;br /&gt;
* Born-digital-Kulturerbe wie Websites, digitale Fotosammlungen, Social-Media-Projekte, digitale Kunst und Software systematisch übernehmen.&lt;br /&gt;
* Repositoriumsprozesse gegebenenfalls auf eine externe Vertrauenswürdigkeitsprüfung oder Zertifizierung vorbereiten.&lt;br /&gt;
* Kooperationen mit nationalen und europäischen Aggregatoren ausbauen, ohne die sorbische Datenhoheit und sprachliche Sichtbarkeit aufzugeben.&lt;br /&gt;
* Alle drei bis fünf Jahre Governance, Standards, Prioritäten und Zugangsregeln gemeinsam überprüfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.6 Empfohlene Pilotprojekte ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Pilot&lt;br /&gt;
! Ziel&lt;br /&gt;
! Warum besonders sinnvoll&lt;br /&gt;
! Erfolgskriterien&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''1. Kulturregister-Pilot mit heterogenen Trägern'''&lt;br /&gt;
| Mindestmetadaten, Onboarding und föderierte Datenlieferung testen&lt;br /&gt;
| Deckt die reale Spannweite von Fachinstitution bis Ehrenamt ab&lt;br /&gt;
| Mindestens 3–5 Träger liefern exportfähige, verständliche Datensätze; Aufwand und Hilfebedarf sind gemessen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''2. Gefährdete sorbische Ton- und Videobestände'''&lt;br /&gt;
| Priorisierung, Digitalisierung, Transkription, Rechte und Archivierung zeitkritischer Medien&lt;br /&gt;
| Hohe Verlustgefahr und großer Sprachwert; Anknüpfung an Tobar an Dualchais, PARADISEC und Indigitization&lt;br /&gt;
| Definierte Masterdateien, geprüfte Übergabe, zweisprachige Erschließung, Nutzungsfall für Bildung/Forschung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''3. Sensibles und immaterielles Kulturerbe'''&lt;br /&gt;
| Abgestufte Rechte und Community-Entscheidungen an Interviews, Bräuchen oder Familienmaterial erproben&lt;br /&gt;
| Testet Governance statt nur Technik&lt;br /&gt;
| Dokumentierte Freigabewege, mehrere Zugangsstufen, Takedown-Prozess und Community-Abnahme&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''4. Durchgängige Vier-Säulen-Kette'''&lt;br /&gt;
| Datenfluss vom Register bis zur Präsentation ohne manuelle Medienbrüche testen&lt;br /&gt;
| Macht Schnittstellen- und Verantwortungsprobleme früh sichtbar&lt;br /&gt;
| Identifikatoren und Rechte bleiben durchgängig erhalten; Übergaben sind reproduzierbar&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''5. Migrations- und Ausstiegstest'''&lt;br /&gt;
| Vollständigen Export eines Pilotbestands in ein neutrales Format und Wiederimport prüfen&lt;br /&gt;
| Reagiert direkt auf das LAAL- und RRN-Lernfeld technischer Alterung&lt;br /&gt;
| Dateien, Beziehungen, Rechte, Sprachwerte und Identifikatoren bleiben erhalten; Dokumentation ist für anderen Betreiber nutzbar&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.7 Mindestanforderungen vor jeder Beschaffung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor der Entscheidung für eine konkrete Software sollten folgende Punkte verbindlich beantwortet sein:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Welche Funktion der vier Säulen soll die Software erfüllen – und welche ausdrücklich nicht?&lt;br /&gt;
# Wer ist fachlich, technisch und rechtlich verantwortlich?&lt;br /&gt;
# Wie werden Ober- und Niedersorbisch in Oberfläche, Datenfeldern, Suche und Export behandelt?&lt;br /&gt;
# Welche vollständigen Daten- und Dateiexporte sind jederzeit möglich?&lt;br /&gt;
# Wie bleiben Identifikatoren und Beziehungen bei einem Systemwechsel erhalten?&lt;br /&gt;
# Welche Rechte- und Sichtbarkeitsstufen lassen sich abbilden?&lt;br /&gt;
# Wie werden Community-Ergänzungen von institutionellen Ausgangsdaten unterschieden, ohne sie abzuwerten?&lt;br /&gt;
# Wo liegen Masterdateien und wer prüft ihre Integrität?&lt;br /&gt;
# Welche wiederkehrenden Lizenz-, Hosting-, Speicher-, Wartungs- und Personalkosten entstehen über mindestens zehn Jahre?&lt;br /&gt;
# Was geschieht bei Anbieterwechsel, Projektende, Insolvenz oder Wegfall einer Förderung?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.8 Übertragbarkeit differenziert bewertet ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Direkt übertragbare Ansätze ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* funktionale Trennung von Register, Digitalisierung, Repositorium und Präsentation;&lt;br /&gt;
* zentraler Service bei dezentraler Trägerschaft;&lt;br /&gt;
* gemeinsamer Metadatenkern mit fachlichen Erweiterungen;&lt;br /&gt;
* abgestufte Zugänge und getrennte rechtliche/kulturelle Prüfung;&lt;br /&gt;
* Pilotierung mit heterogenen Trägern;&lt;br /&gt;
* Betreiber- und Finanzierungsplanung vor Skalierung;&lt;br /&gt;
* Schulung, Helpdesk und Vorlagen für kleine Sammlungen;&lt;br /&gt;
* Exportfähigkeit und Migrationsplanung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Mit Anpassungen übertragbare Ansätze ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Mukurtu-Protokolle und Traditional Knowledge Labels: als Vorbild, aber mit sorbisch entwickelten Begriffen und deutscher beziehungsweise europäischer Rechtsprüfung;&lt;br /&gt;
* Nuohttis föderierte Architektur: gut übertragbar, jedoch mit deutlich kleinerem institutionellem Netz und zwei sorbischen Schriftsprachen;&lt;br /&gt;
* bavarikons Förder- und Qualitätsverfahren: in vereinfachter Form und mit wesentlich kleinerem Budget;&lt;br /&gt;
* PARADISECs Fachrepositorium: als Dienstemodell für gefährdete Medien, nicht in dessen globaler Größenordnung;&lt;br /&gt;
* People’s Collection Wales: Support- und Beteiligungsmodell, angepasst an kleinere Personalressourcen und vorhandene sorbische Institutionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Kaum unmittelbar übertragbare Ansätze ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* eine vollständig eigenständige technische Großinfrastruktur nach Maßstab eines Flächenlandes wie Bayern;&lt;br /&gt;
* ein internationaler Universitätsverbund mit hunderten Terabyte und weltweitem Einzugsbereich wie PARADISEC;&lt;br /&gt;
* die unveränderte Übernahme indigener Rechts- und Kulturkonzepte in den europäischen Minderheitenkontext;&lt;br /&gt;
* die Vorstellung, jedes lokale Haus müsse ein eigenes Langzeitarchiv oder hoch spezialisiertes Digitalisierungslabor betreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Risiken und Fehler, die vermieden werden sollten ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* '''Portal zuerst:''' Eine öffentlich sichtbare Website wird gebaut, bevor Datenpflege, Rechte und Langzeiterhaltung geregelt sind.&lt;br /&gt;
* '''Projektserver als Archiv:''' Dateien liegen nur in Arbeitsordnern, Clouds oder einem Content-Management-System.&lt;br /&gt;
* '''Ein System für alles:''' Register, Produktion, Archivierung und Präsentation werden technisch und organisatorisch untrennbar gekoppelt.&lt;br /&gt;
* '''Offen oder geschlossen:''' Fehlende Zwischenstufen führen entweder zu unnötiger Sperrung oder unangemessener Veröffentlichung.&lt;br /&gt;
* '''Standards ohne Hilfe:''' Ehrenamtliche Träger erhalten komplexe Vorgaben, aber keine Schulung, Zeit oder Nachbearbeitung.&lt;br /&gt;
* '''Zentralisierung der Deutung:''' Lokale und sprachräumliche Perspektiven werden durch ein einziges zentrales Beschreibungsschema verdrängt.&lt;br /&gt;
* '''Digitalisierung ohne Rechtebudget:''' Scans und Aufnahmen entstehen schneller als Einwilligungen, Prüfungen und Freigaben bearbeitet werden können.&lt;br /&gt;
* '''Abhängigkeit ohne Exit:''' Proprietäre Software oder Dienstleister werden gewählt, ohne vollständigen Export und getesteten Betreiberwechsel.&lt;br /&gt;
* '''Projektende ohne Betrieb:''' Förderziele zählen veröffentlichte Objekte, aber keine Stellen, Speicher-, Wartungs- und Migrationskosten nach Förderende.&lt;br /&gt;
* '''Mehrsprachigkeit nur im Menü:''' Die Oberfläche ist übersetzt, Datensätze, Suche, Vokabulare und redaktionelle Prozesse bleiben einsprachig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.9 Priorisierte Schlussfolgerung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wichtigste Lehre lautet nicht, möglichst schnell ein großes Portal zu füllen. Vorrang hat eine belastbare Arbeitsteilung:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Zuerst Regeln und Verantwortung:''' Governance, Rechte, Sprachmodell, Mindestmetadaten und Betreiber festlegen.&lt;br /&gt;
# '''Dann die sichere Kette:''' Register, Digitalisierungszentrum und Repositorium in einem Ende-zu-Ende-Pilot verbinden.&lt;br /&gt;
# '''Danach skalieren:''' Bestände risikobasiert digitalisieren, kleine Träger durch Dienste und Förderung einbinden.&lt;br /&gt;
# '''Erst darauf die breite Präsentation:''' Freigegebene Inhalte zielgruppengerecht, mehrsprachig und nachnutzbar anbieten.&lt;br /&gt;
# '''Dauerhaft überprüfen:''' Nutzung, Datenqualität, Rechte-Rückstände, Betriebskosten und Community-Zufriedenheit messen und Architektur weiterentwickeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit wird aus vier technischen beziehungsweise organisatorischen Säulen ein gemeinsames System: '''dezentrale kulturelle Verantwortung, zentral abgesicherte Dienste und eine verbindliche dauerhafte Finanzierung.'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== H. Verdichtungsvorschlag für den Konzeptabschnitt „Beispiele anderer Kulturen und Regionen“ ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den kurzen Wiki-Abschnitt wird eine Gliederung in höchstens vier Unterabschnitte empfohlen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Ziel und Auswahl:''' Warum der Vergleich durchgeführt wurde und warum kein universelles Idealmodell gesucht wird.&lt;br /&gt;
# '''Sieben aussagekräftige Beispiele:''' RomArchive, Nuohtti, People’s Collection Wales, Tobar an Dualchais, Euskariana, Mukurtu/Plateau Portal und Indigitization. Jedes Beispiel erhält einen kurzen Kontext, die zentrale Besonderheit und ein konkretes Learning.&lt;br /&gt;
# '''Schlussverdichtung:''' Vier Säulen, drei Fundamente und zwei Betriebsregeln.&lt;br /&gt;
# '''Prioritäten für die Sorben:''' Governance und Standards → Ende-zu-Ende-Pilot und Zielrepositorium → Verstetigung des Digitalisierungszentrums → skalierte Präsentation und Nachnutzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die sieben Beispiele decken die für den sorbischen Kontext wichtigsten Perspektiven ab:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Beispiel&lt;br /&gt;
! Zentrale Besonderheit&lt;br /&gt;
! Konkretes Learning für die Sorben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| RomArchive&lt;br /&gt;
| Minderheitenangehörige kuratieren und steuern; Betreiberübergang nach Projektphase&lt;br /&gt;
| Deutungshoheit und dauerhaften Träger von Beginn an verankern&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Nuohtti&lt;br /&gt;
| Föderierte Suche über verteilte Bestände und mehrere Staaten/Sprachen&lt;br /&gt;
| Kulturregister als verbindende Nachweisschicht statt Zwangszentralisierung bauen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| People’s Collection Wales&lt;br /&gt;
| Zweisprachige Plattform plus Schulung und Community-Unterstützung; unabhängige Evaluation&lt;br /&gt;
| Kleine Träger brauchen Helpdesk, Training und realistische Wirkungsmessung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Tobar an Dualchais&lt;br /&gt;
| Sicherung und sprachliche Erschließung gefährdeter Tonaufnahmen&lt;br /&gt;
| Audiovisuelle Bestände zeitlich priorisieren und mit Transkription verbinden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Euskariana&lt;br /&gt;
| Gemeinsamer Katalog, eigenes Repositorium und Anbindung externer Systeme über Standards&lt;br /&gt;
| Zwei Onboarding-Wege und ein schlanker gemeinsamer Metadatenkern&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mukurtu / Plateau Portal&lt;br /&gt;
| Kulturelle Protokolle, mehrere Perspektiven und abgestufte Zugänge&lt;br /&gt;
| Rechte und kulturelle Sensibilität als Datenmodell, nicht als spätere Einzelfallkorrektur&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Indigitization&lt;br /&gt;
| Zentrale Kompetenz, Training und Kleinprojektförderung bei dezentraler Durchführung&lt;br /&gt;
| Digitalisierungszentrum als Dienstleister und Befähiger für lokale Träger ausgestalten&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Zielumfang von etwa 1.200 bis 1.800 Wörtern ist ausreichend. Die ausführlichen Fallprofile, Matrix, Quellen und differenzierten Empfehlungen verbleiben auf dieser Anhangsseite. Dadurch bleibt der Konzepttext lesbar, während zentrale Aussagen überprüfbar belegt und vertieft werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_faq&amp;quot;&amp;gt;RomArchive (o. J.): ''Frequently Asked Questions''. [https://www.romarchive.eu/en/about/frequently-answered-questions/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_imprint&amp;quot;&amp;gt;Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma e. V. / RomArchive (o. J.): ''Imprint''. [https://www.romarchive.eu/en/imprint/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_kulturstiftung&amp;quot;&amp;gt;Kulturstiftung des Bundes (o. J.): ''RomArchive – Digital Archive of the Roma''. [https://www.kulturstiftung-des-bundes.de/en/programmes_projects/film_and_new_media/detail/romarchive.html Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_about&amp;quot;&amp;gt;Nuohtti / Digital Access to the Sámi Heritage Archives (o. J.): ''About Nuohtti''. [https://nuohtti.com/Content/about Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_uarctic&amp;quot;&amp;gt;University of the Arctic (2023): ''The Nuohtti service provides digital access to Sámi material in European archives''. [https://www.uarctic.org/news/2023/3/the-nuohtti-service-provides-digital-access-to-sami-material-in-european-archives/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_dataspace&amp;quot;&amp;gt;Mäkikalli, Maija / Leppälä, Oona (2024): ''Nuohtti platform improves accessibility to the digitised archives of Sámi cultural heritage''. European Collaborative Cloud for Cultural Heritage / Europeana. [https://www.dataspace-culturalheritage.eu/en/news/nuohtti-platform-improves-accessibility-to-the-digitised-archives-of-sami-cultural-heritage Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_eval&amp;quot;&amp;gt;Vittle, Kate / Haswell-Walls, Fran / Dixon, Tim; ERS Ltd. (2016): ''Evaluation of the Casgliad y Werin Cymru / People’s Collection Wales Digital Heritage Programme. Impact Report''. [https://www.gov.wales/sites/default/files/publications/2019-08/evaluation-of-the-peoples-collection-wales-digital-heritage-programme-impact.pdf PDF], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_support&amp;quot;&amp;gt;People’s Collection Wales (o. J.): ''Community Support''. [https://www.peoplescollection.wales/about-us/community-support Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_edinburgh&amp;quot;&amp;gt;University of Edinburgh (2024): ''Tobar an Dualchais / Kist o Riches''. [https://gaelic.ed.ac.uk/gaelic-collections/tobar-an-dualchais-kist-o-riches Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_funding2025&amp;quot;&amp;gt;Scottish Government (2025): ''Rediscovering lost Gaelic words''. [https://www.gov.scot/news/rediscovering-lost-gaelic-words/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_funding2026&amp;quot;&amp;gt;Scottish Government (2026): ''Boost for Gaelic language''. [https://www.gov.scot/news/boost-for-gaelic-language/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_opening&amp;quot;&amp;gt;University of Edinburgh (o. J.): ''Opening the Well''. [https://gaelic.ed.ac.uk/news/opening-the-well Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;euskariana_about&amp;quot;&amp;gt;Gobierno Vasco / Biblioteca Digital de Euskadi (o. J.): ''Acerca de Euskariana''. [https://www.euskariana.euskadi.eus/euskadibib/es/help/about.do Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;bavarikon_about&amp;quot;&amp;gt;bavarikon / Freistaat Bayern (o. J.): ''Über bavarikon''. [https://www.bavarikon.de/about Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;bavarikon_partner&amp;quot;&amp;gt;bavarikon / Freistaat Bayern (o. J.): ''Partner werden''. [https://www.bavarikon.de/becoming-partner Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;bavarikon_500k&amp;quot;&amp;gt;Bayerische Staatsbibliothek (2024): ''bavarikon knackt die halbe Million: 500.000 digitale Kulturschätze aus rund 170 bayerischen Einrichtungen sind weltweit zugänglich''. [https://www.bsb-muenchen.de/en/about-us/article/bavarikon-knackt-die-halbe-million-500000-digitale-kulturschaetze-aus-rund-170-bayerischen-einrichtungen-sind-weltweit-zugaenglich-6555/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_about&amp;quot;&amp;gt;Mukurtu CMS / Center for Digital Scholarship and Curation, Washington State University (o. J.): ''About / Mission, Core Features, Implementation and Sustainability''. [https://mukurtu.org/about/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_plateau&amp;quot;&amp;gt;Mukurtu CMS / Washington State University (o. J.): ''Plateau Peoples’ Web Portal''. [https://mukurtu.org/project/plateau-peoples-web-portal-showcase/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_dlib&amp;quot;&amp;gt;Christen, Kimberly / Merrill, Alex / Wynne, Michael (2017): ''A Community of Relations: Mukurtu Hubs and Spokes''. D-Lib Magazine, 23(5/6). [https://www.dlib.org/dlib/may17/christen/05christen.html Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_who&amp;quot;&amp;gt;Aṟa Irititja (o. J.): ''Who are we?'' [https://irititja.com/about-ara-irititja/who-are-we/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_approach&amp;quot;&amp;gt;Aṟa Irititja (o. J.): ''Community-Based Approach – The Aṟa Irititja Approach''. [https://irititja.com/archive/the-ara-irititja-approach/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_funding&amp;quot;&amp;gt;Aṟa Irititja (o. J.): ''Funding''. [https://irititja.com/challlenges/funding/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_background&amp;quot;&amp;gt;Charles Darwin University / Living Archive of Aboriginal Languages (o. J.): ''Background''. [https://livingarchive.cdu.edu.au/background/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_rights&amp;quot;&amp;gt;Charles Darwin University / Living Archive of Aboriginal Languages (o. J.): ''Copyright and IP issues''. [https://livingarchive.cdu.edu.au/copyright/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_home&amp;quot;&amp;gt;Charles Darwin University / Living Archive of Aboriginal Languages (o. J.): ''Home''. [https://livingarchive.cdu.edu.au/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_migration&amp;quot;&amp;gt;Christie, Michael (2022): ''Post-LAAL update''. Living Archive of Aboriginal Languages, 26.10.2022. [https://livingarchive.cdu.edu.au/post-laal-update/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;paradisec_about&amp;quot;&amp;gt;PARADISEC (o. J.): ''About us''. [https://www.paradisec.org.au/about-us/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;paradisec_home&amp;quot;&amp;gt;PARADISEC (2026): ''Pacific and Regional Archive for Digital Sources in Endangered Cultures – Home and current collection data''. [https://www.paradisec.org.au/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_about&amp;quot;&amp;gt;Reciprocal Research Network (o. J.): ''About''. [https://www.rrncommunity.org/pages/about Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_contact&amp;quot;&amp;gt;Reciprocal Research Network (o. J.): ''Contact Us / Steering Group''. [https://www.rrncommunity.org/pages/contact Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_home&amp;quot;&amp;gt;Reciprocal Research Network (2026): ''Home / What’s inside''. [https://www.rrncommunity.org/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_rowley&amp;quot;&amp;gt;Rowley, Susan (2013): ''The Reciprocal Research Network: The Development Process''. Museum Anthropology Review, 7(1–2). [https://scholarworks.iu.edu/journals/index.php/mar/article/view/2172 Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_about&amp;quot;&amp;gt;Indigitization (o. J.): ''About Us''. [https://www.indigitization.ca/about-2/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_toolkit&amp;quot;&amp;gt;Indigitization (o. J.): ''Indigitization Toolkit''. [https://www.indigitization.ca/toolkit/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_grant&amp;quot;&amp;gt;Indigitization (o. J.): ''Audio Cassette Digitization Grant''. [https://www.indigitization.ca/funding/audio-cassette-grant/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_funding&amp;quot;&amp;gt;Indigitization (o. J.): ''Funding''. [https://www.indigitization.ca/funding/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;unesco_doc_heritage&amp;quot;&amp;gt;UNESCO (2015): ''Recommendation concerning the preservation of, and access to, documentary heritage including in digital form''. [https://www.unesco.org/en/legal-affairs/recommendation-concerning-preservation-and-access-documentary-heritage-including-digital-form Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;unesco_participation&amp;quot;&amp;gt;UNESCO Intangible Cultural Heritage (o. J.): ''Involvement of communities, groups and individuals''. [https://ich.unesco.org/en/involvement-of-communities-0033 Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;unesco_ethics&amp;quot;&amp;gt;UNESCO Intangible Cultural Heritage (o. J.): ''Ethical Principles for Safeguarding Intangible Cultural Heritage''. [https://ich.unesco.org/en/ethics-and-ich-00866 Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;oais&amp;quot;&amp;gt;International Organization for Standardization (ISO) (2025): ''ISO 14721:2025 – Space data and information transfer systems – Open archival information system (OAIS) – Reference model'', 3. Ausgabe. [https://www.iso.org/standard/87471.html Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;ndsa&amp;quot;&amp;gt;National Digital Stewardship Alliance (2026): ''Levels of Digital Preservation, Version 2.1''. [https://www.ndsa.org/publications/levels-of-digital-preservation/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;care&amp;quot;&amp;gt;Global Indigenous Data Alliance (o. J.): ''CARE Principles for Indigenous Data Governance''. [https://www.gida-global.org/careprinciples Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;localcontexts&amp;quot;&amp;gt;Local Contexts (o. J.): ''Traditional Knowledge and Biocultural Labels and Notices''. [https://localcontexts.org/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;edm&amp;quot;&amp;gt;Europeana Pro (o. J.): ''Europeana Data Model Documentation''. [https://pro.europeana.eu/page/edm-documentation Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;oaipmh&amp;quot;&amp;gt;Open Archives Initiative (o. J.): ''OAI-PMH Frequently Asked Questions''. [https://www.openarchives.org/documents/FAQ.html Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;iiif&amp;quot;&amp;gt;IIIF Consortium (2021, laufend gepflegt): ''IIIF Presentation API 3.0''. [https://iiif.io/api/presentation/3.0/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;iasa&amp;quot;&amp;gt;International Association of Sound and Audiovisual Archives (IASA) (o. J.): ''Guidelines on the Production and Preservation of Digital Audio Objects (TC-04)''. [https://www.iasa-web.org/tc04/audio-preservation Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;digicher&amp;quot;&amp;gt;Europeana Foundation / European Collaborative Cloud for Cultural Heritage (2024): ''Discover the DIGICHer project''. [https://www.dataspace-culturalheritage.eu/en/news/discover-the-digicher-project Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/references&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Měrko Šenk</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://koncept.serbski-inkubator.de/index.php?title=12.3.A1_Vergleichende_Recherche_%E2%80%93_Digitalisierung_des_Kulturerbes_anderer_Kulturen_und_Regionen&amp;diff=1064</id>
		<title>12.3.A1 Vergleichende Recherche – Digitalisierung des Kulturerbes anderer Kulturen und Regionen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://koncept.serbski-inkubator.de/index.php?title=12.3.A1_Vergleichende_Recherche_%E2%80%93_Digitalisierung_des_Kulturerbes_anderer_Kulturen_und_Regionen&amp;diff=1064"/>
		<updated>2026-07-22T11:28:52Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Měrko Šenk: /* B.3 Forschungslücken */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;''Anhang zu [[12.3 Digitalisierung des Kulturerbes]]''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
''Recherche- und Quellenstand: 20. Juli 2026''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Seite dokumentiert eine vergleichende Recherche zu Erfolgsmodellen, Grenzen und übertragbaren Lösungsbausteinen bei der Digitalisierung des Kulturerbes kleiner, autochthoner, indigener, sprachlicher und regional verteilter Gemeinschaften. Sie dient als ausführliche Beleg- und Arbeitsgrundlage für den Konzeptabschnitt [[12.3 Digitalisierung des Kulturerbes#Beispiele anderer Kulturen und Regionen|„Beispiele anderer Kulturen und Regionen“]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Wichtiger Hinweis zur Aussagekraft:''' Die Fallprofile trennen soweit möglich zwischen dokumentierten Tatsachen, Aussagen der Projektverantwortlichen und der hier vorgenommenen Bewertung. Viele Projekte veröffentlichen keine aktuellen Nutzungszahlen oder unabhängigen Wirkungsevaluationen. In diesen Fällen wird nicht allein aus einer ansprechenden Website auf Erfolg geschlossen. Wo eine Schlussfolgerung nur plausibel, aber nicht direkt belegt ist, ist sie als '''Bewertung''' oder '''Annahme''' gekennzeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Hinweis zur Erstellung:''' Die vorliegende Vergleichsrecherche wurde mit Unterstützung der Funktion „Deep Research“ von ChatGPT (Version GPT-5.6 Sol Pro) erstellt und anschließend redaktionell überarbeitet. Maßgeblich für die Nachvollziehbarkeit sind die jeweils angegebenen Quellen, während die daraus abgeleiteten Bewertungen und Schlussfolgerungen eine analytische Einordnung darstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
__TOC__&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== A. Zusammenfassung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die untersuchten Projekte zeigen kein universell ideales System. Erfolgreiche oder besonders lehrreiche Modelle kombinieren vielmehr unterschiedliche Bausteine entsprechend ihrer Gemeinschaft, Rechtslage, Bestandsstruktur und Ressourcen. Für den sorbischen Kontext sind vor allem folgende Erkenntnisse belastbar:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Funktionen klar trennen, Systeme aber verbinden.''' Register beziehungsweise Katalog, Digitalisierungsdienst, Repositorium beziehungsweise Langzeitarchiv und Präsentationssystem erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Erfolgreiche Verbünde verbinden diese Funktionen über Metadaten, Identifikatoren, Übergabeprozesse und Schnittstellen, statt alles in einem einzigen Portal zu vermischen.&lt;br /&gt;
# '''Gemeinschaftliche Steuerung ist keine Zusatzfunktion.''' RomArchive, Nuohtti, Mukurtu, Aṟa Irititja und das Reciprocal Research Network zeigen, dass Angehörige der jeweiligen Kultur an Auswahl, Beschreibung, Kontextualisierung, Zugangsregeln und strategischen Entscheidungen beteiligt sein müssen. Reine institutionelle „Beteiligung“ ohne festgelegte Entscheidungsrechte reicht nicht aus.&lt;br /&gt;
# '''Zentral ermöglichen, dezentral verantworten.''' Besonders übertragbar sind Modelle, bei denen eine zentrale Stelle Standards, Infrastruktur, Beratung, Qualitätssicherung, Schulung und gegebenenfalls Technik bereitstellt, während Kulturgutträger ihre Originale, lokalen Kenntnisse, Beziehungen zu Rechteinhabern und kulturellen Entscheidungen behalten.&lt;br /&gt;
# '''Ein Suchportal ist noch kein digitales Archiv.''' Nuohtti, Euskariana, bavarikon und das Plateau Peoples’ Web Portal aggregieren beziehungsweise präsentieren Inhalte aus verschiedenen Quellen. Die Langzeiterhaltung der Masterdateien muss davon getrennt geregelt sein. Mukurtu weist ausdrücklich darauf hin, dass eine Zugangsplattform nur ein Baustein eines umfassenderen Systems für Digitalisierung, Erhaltung und Betrieb ist.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
# '''Keine Massendigitalisierung ohne Zielarchiv und Rechteworkflow.''' Digitalisierung erzeugt dauerhafte Folgekosten. Vor einer Skalierung müssen Speicherort, Übernahmeprozess, Prüfsummen, Sicherung, Dateiformate, Metadaten, Rechte und spätere Migration festgelegt sein.&lt;br /&gt;
# '''Offenheit ist nicht binär.''' Erfolgreiche gemeinschaftlich gesteuerte Projekte arbeiten mit abgestuften Zugängen: öffentliches Metadatum, frei zugängliches Nutzungsdigitalisat, registrierter oder gemeinschaftsbezogener Zugang, zeitliche Sperre oder keine Online-Veröffentlichung. Zugänglichkeit und kulturelle Selbstbestimmung werden dadurch nicht als Gegensätze behandelt.&lt;br /&gt;
# '''Mehrsprachigkeit muss Teil der Datenarchitektur sein.''' Zweisprachige oder mehrsprachige Angebote wie People’s Collection Wales, Nuohtti, RomArchive, Euskariana und Aṟa Irititja zeigen, dass Sprachen nicht nur in der Oberfläche, sondern auch in Metadatenfeldern, kontrollierten Begriffen, Suchfunktionen, Transkriptionen und Verantwortlichkeiten berücksichtigt werden müssen.&lt;br /&gt;
# '''Kleine Träger brauchen Dienste, nicht nur Vorgaben.''' People’s Collection Wales und Indigitization belegen den Wert von Beratung, Schulung, Vorlagen, Pilotförderung, technischer Begleitung und „Train-the-Trainer“-Ansätzen. Ein Standard, den Ehrenamtliche oder kleine Einrichtungen ohne Hilfe nicht anwenden können, ist praktisch kein gemeinsamer Standard.&lt;br /&gt;
# '''Projektförderung kann den Aufbau finanzieren, nicht automatisch den Dauerbetrieb.''' RomArchive gelang der geplante Übergang an einen institutionellen Betreiber. Aṟa Irititja musste über Jahre um Verstetigung ringen; bei Indigitization ruht das frühere Förderprogramm für Audiokassetten; die Evaluation von People’s Collection Wales bezeichnete Finanzierungssicherheit als Kernproblem. Dauerverantwortung, Grundfinanzierung und technischer Erneuerungszyklus müssen daher vor einer breiten Skalierung geklärt werden.&lt;br /&gt;
# '''Pilotieren, messen, dann skalieren.''' Besonders sinnvoll sind Pilotvorhaben, die die gesamte Kette von der Erfassung über Rechteklärung und Digitalisierung bis zur Archivierung und Präsentation testen. Die Evaluation von People’s Collection Wales empfiehlt ausdrücklich einen Ablauf aus Bedarf, Pilot, Test, Auswertung und anschließender Skalierung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_eval&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Sorben lässt sich daraus ein prägnantes Zielmodell ableiten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Vier funktionale Säulen&lt;br /&gt;
! Leitfrage&lt;br /&gt;
! Kernaufgabe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''1. Sorbisches Kulturregister'''&lt;br /&gt;
| Was gibt es, wo befindet es sich, was bedeutet es und was ist prioritär?&lt;br /&gt;
| Institutionenübergreifender Nachweis, Kontext, Rechte- und Prioritätsinformationen; Verknüpfung verteilter Bestände.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''2. Digitalisierungszentrum'''&lt;br /&gt;
| Wie entstehen qualitätsgesicherte Digitalisate?&lt;br /&gt;
| Beratung, Auswahl geeigneter Verfahren, Digitalisierung, Qualitätsprüfung, Dienstleistersteuerung, Schulung und Hilfe für kleine Träger.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''3. Repositorium / digitales Langzeitarchiv'''&lt;br /&gt;
| Wie bleiben Masterdateien und Metadaten dauerhaft erhalten?&lt;br /&gt;
| Übernahme, Integritätskontrolle, redundante Sicherung, Dateiformatüberwachung, Migration, persistente Identifikatoren und dokumentierte Verantwortung.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''4. Präsentations- und Nutzungssysteme'''&lt;br /&gt;
| Was wird wem, in welcher Sprache und unter welchen Bedingungen zugänglich?&lt;br /&gt;
| Suche, Kontextualisierung, Bildung, Forschung, Download, Programmierschnittstellen und kreative Nachnutzung – abgestuft nach Rechten und kulturellen Regeln.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Merksatz:''' Das Register weiß, ''was'' und ''wo''; das Digitalisierungszentrum erzeugt und prüft; das Repositorium erhält; die Präsentation vermittelt und ermöglicht Nutzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese funktionale Vierertrennung bedeutet nicht zwingend vier Organisationen oder vier getrennte Beschaffungen. Digitalisierungszentrum und Repositorium können beispielsweise beim selben Träger liegen. Auftrag, Verantwortung, Budget, Qualitätskriterien und Betriebszusagen sollten dennoch getrennt benannt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== B. Stand der Forschung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== B.1 Vorhandene Modelle und Leitlinien ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Gesamtaufgabe „verteilt erfassen, priorisieren, digitalisieren, Metadaten zusammenführen, langfristig erhalten und verantwortungsvoll zugänglich machen“ existiert kein einzelnes, allgemein verbindliches End-to-End-Modell. Es gibt jedoch belastbare Teilmodelle, die zusammengedacht werden können:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die '''UNESCO-Empfehlung''' zur Erhaltung und Zugänglichkeit des dokumentarischen Erbes fordert institutionelle Auswahl- und Erhaltungsstrategien, fachgerechte Erschließung, Metadaten, Zusammenarbeit und rechtzeitige Maßnahmen für gefährdete digitale Bestände.&amp;lt;ref name=&amp;quot;unesco_doc_heritage&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Für immaterielles Kulturerbe verlangt die UNESCO die möglichst breite Beteiligung der Gemeinschaften und die Achtung üblicher Zugangsregeln. Die '''ethischen Grundsätze''' betonen die primäre Rolle der Gemeinschaften sowie freie, vorherige und informierte Zustimmung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;unesco_participation&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;unesco_ethics&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Das '''Referenzmodell OAIS (Open Archival Information System'''; deutsch: Referenzmodell für ein offenes Archiv-Informationssystem) beschreibt Rollen und Kernfunktionen eines digitalen Langzeitarchivs. „Offen“ bezeichnet dabei ein offen entwickeltes Referenzmodell, nicht einen zwingend offenen Zugang zu allen Inhalten.&amp;lt;ref name=&amp;quot;oais&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Die '''NDSA Levels of Digital Preservation''' (Reifegradstufen der National Digital Stewardship Alliance) bieten eine stufenweise, für kleinere Einrichtungen praktikable Orientierung zu Speicherorten, Integrität, Informationssicherheit, Metadaten und Dateiformaten. Die aktuelle Fassung 2.1 von März 2026 stellt ausdrücklich klar, dass nicht jede Sammlung überall die höchste Stufe erreichen muss.&amp;lt;ref name=&amp;quot;ndsa&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Die '''CARE Principles for Indigenous Data Governance''' – Collective Benefit, Authority to Control, Responsibility und Ethics, auf Deutsch etwa gemeinschaftlicher Nutzen, Kontrollbefugnis, Verantwortung und Ethik – ergänzen technische Offenheits- und Nachnutzungsprinzipien um kollektive Rechte und Verantwortlichkeiten.&amp;lt;ref name=&amp;quot;care&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* '''Local Contexts''' stellt Traditional Knowledge Labels und Biocultural Labels bereit, mit denen Gemeinschaften Hinweise zu Herkunft, kultureller Autorität, erlaubter Nutzung und besonderen Protokollen ergänzen können. Diese Instrumente ersetzen das staatliche Urheberrecht nicht, machen aber gemeinschaftsbezogene Erwartungen maschinen- und menschenlesbar.&amp;lt;ref name=&amp;quot;localcontexts&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Für '''Metadaten''' und Austausch stehen etablierte Bausteine zur Verfügung: '''Dublin Core''' für einfache Kernmetadaten, '''Europeana Data Model (EDM'''; Datenmodell der Europeana) für heterogene Kulturdatensätze, '''OAI-PMH (Open Archives Initiative Protocol for Metadata Harvesting'''; Protokoll zum Einsammeln von Metadaten), Programmierschnittstellen sowie '''IIIF (International Image Interoperability Framework'''; Standardfamilie zur interoperablen Präsentation von Bildern und zunehmend Audio/Video).&amp;lt;ref name=&amp;quot;edm&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;oaipmh&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;iiif&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Für audiovisuelle Bestände sind die '''IASA-TC-04'''-Richtlinien der '''International Association of Sound and Audiovisual Archives''' besonders relevant. Sie behandeln unter anderem Signalerfassung, Metadaten, Identifikatoren, Speicherung, kleine Einrichtungen und die Vergabe an Dienstleister.&amp;lt;ref name=&amp;quot;iasa&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== B.2 Vergleichende Forschung und Evaluation ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die belastbarsten Erkenntnisse entstehen aus einer Kombination aus technischen Dokumentationen, Projektberichten, wissenschaftlichen Fallstudien und unabhängigen Evaluationen. Besonders wertvoll ist die Evaluation von People’s Collection Wales, weil sie nicht nur Erfolge, sondern auch geringe Rücklaufzahlen, begrenzte Wirkungsnachweise, Finanzierungsrisiken, Rollenunklarheiten und den hohen Aufwand vermittelter Community-Arbeit offenlegt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_eval&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wissenschaftlich gut dokumentiert sind außerdem das gemeinschaftsbasierte Metadaten- und Zugangsmodell von Mukurtu und dem Plateau Peoples’ Web Portal sowie die kooperative Entwicklung des Reciprocal Research Network. Beide zeigen, dass Vertrauen, Vereinbarungen, parallel mögliche institutionelle und gemeinschaftliche Beschreibungen sowie fein abgestufte Zugänge organisatorisch ebenso wichtig sind wie die Software.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_dlib&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_rowley&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das EU-geförderte Forschungsprojekt DIGICHer untersucht seit 2024, wie Minderheitengemeinschaften – unter anderem Sámi, jüdische und ladinische Gemeinschaften – gerechter an der Digitalisierung und Repräsentation ihres Kulturerbes beteiligt werden können. Da das Projekt bis 2027 läuft, sind im Juli 2026 noch keine abschließenden, allgemein belastbaren Ergebnisse verfügbar. Es ist aber ein relevantes Anschlussvorhaben für die weitere Beobachtung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;digicher&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== B.3 Forschungslücken ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der Auswertung ergeben sich vier wiederkehrende Lücken:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Aktuelle, unabhängige Nutzungs- und Wirkungsevaluationen fehlen bei vielen Projekten.&lt;br /&gt;
# Die technische Präsentationsarchitektur ist häufig besser dokumentiert als die Verantwortung für Masterdateien, Migration und dauerhafte Finanzierung.&lt;br /&gt;
# Community-Beteiligung wird oft beschrieben, aber Entscheidungsrechte, Konfliktlösungen und Repräsentativität bleiben teilweise unklar.&lt;br /&gt;
# Es gibt zahlreiche Standards für Einzelaufgaben, aber wenig empirisch evaluierte Gesamtmodelle für kleine, institutionell verteilte Minderheiten mit ehrenamtlich betreuten Sammlungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Bewertung:''' Der sorbische Ansatz sollte deshalb nicht nach einer fertigen „Best-Practice-Software“ suchen. Zielführender ist eine belastbare Gesamtarchitektur aus ''Governance'', ''Diensten'', ''Mindeststandards'' und ''dauerhaftem Betrieb'', in die geeignete vorhandene Softwareprodukte eingebunden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== C. Begründete Auswahl der Fallbeispiele ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Auswahl umfasst zwölf Fälle. Sie deckt europäische Minderheiten, indigene und gemeinschaftlich gesteuerte Modelle, regionale Verbünde, Sprach- und Audioarchive sowie problembehaftete Übergänge ab. Nicht jedes Projekt bildet die gesamte Prozesskette ab; gerade die Unterschiede machen sichtbar, welche Funktion jeweils gelöst wird und wo Lücken bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable sortable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Fall&lt;br /&gt;
! Gemeinschaft / Raum&lt;br /&gt;
! Modelltyp&lt;br /&gt;
! Besondere Relevanz für die Sorben&lt;br /&gt;
! Evidenzlage&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| RomArchive&lt;br /&gt;
| Roma und Sinti; transnational, Schwerpunkt Europa; Betrieb in Deutschland&lt;br /&gt;
| Kuratiertes, gemeinschaftsgeprägtes digitales Archiv&lt;br /&gt;
| Deutungshoheit, Übergabe vom Förderprojekt an einen dauerhaften Betreiber, Mehrsprachigkeit&lt;br /&gt;
| Mittel bis hoch: aktuelle Primärquellen; keine aktuelle unabhängige Wirkungsanalyse&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Nuohtti&lt;br /&gt;
| Sámi in Sápmi; Norwegen, Schweden, Finnland, historisch auch Russland&lt;br /&gt;
| Föderierter Suchdienst über Bestände vieler Institutionen&lt;br /&gt;
| Verteilte Bestände, mehrere Staaten und Sprachen, ethische Hinweise, Open-Source-Bausteine&lt;br /&gt;
| Mittel bis hoch: Projekt- und Betreiberquellen; belastbare Umfangsangaben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| People’s Collection Wales&lt;br /&gt;
| Walisische Bevölkerung und walisischsprachige Gemeinschaft; Wales, Vereinigtes Königreich&lt;br /&gt;
| Nationaler Verbund mit Community-Beiträgen und Schulung&lt;br /&gt;
| Zweisprachigkeit, kleine Träger, zentrale Unterstützung, unabhängige Evaluation&lt;br /&gt;
| Hoch für die untersuchte Förderphase; aktuelle Nutzungsdaten begrenzt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Tobar an Dualchais / Kist o Riches&lt;br /&gt;
| Gälisch- und Scots-sprachige Gemeinschaften; Schottland, Vereinigtes Königreich&lt;br /&gt;
| Digitales Oral-History- und Tonarchiv&lt;br /&gt;
| Gefährdete audiovisuelle Bestände, Sprache, Transkription, Bildung&lt;br /&gt;
| Mittel: aktuelle Bestands- und Förderangaben; keine umfassende unabhängige Evaluation&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Euskariana&lt;br /&gt;
| Baskische Kultur- und Sprachgemeinschaft; Projekt der Autonomen Gemeinschaft Baskenland, Spanien&lt;br /&gt;
| Staatlich getragenes Aggregations- und Zugangsportal&lt;br /&gt;
| Gemeinsamer Katalog, eigenes Repositorium plus Verlinkung, Standards und Europeana-Anbindung&lt;br /&gt;
| Mittel: gute offizielle Dokumentation; wenig unabhängige Wirkungsmessung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| bavarikon&lt;br /&gt;
| Regionales Kulturerbe Bayerns; keine Minderheitenplattform&lt;br /&gt;
| Staatlicher institutionsübergreifender Digitalisierungs- und Präsentationsverbund&lt;br /&gt;
| Betreiberverantwortung, Förderverfahren, Qualitätsanforderungen, Beteiligung vieler Einrichtungen&lt;br /&gt;
| Hoch für Organisation und Umfang; wegen Größenordnung nur teilweise übertragbar&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mukurtu und Plateau Peoples’ Web Portal&lt;br /&gt;
| Indigene Nationen des nordwestlichen Plateaus; USA&lt;br /&gt;
| Open-Source-Zugangsplattform und gemeinschaftlich kuratierter Verbund&lt;br /&gt;
| Kulturelle Protokolle, Traditional Knowledge Labels, mehrere Beschreibungen pro Objekt&lt;br /&gt;
| Hoch für Funktionsmodell und Governance; Betriebskapazität bleibt Voraussetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Aṟa Irititja&lt;br /&gt;
| Aṉangu der APY Lands; South Australia, Australien&lt;br /&gt;
| Gemeinschaftsbasiertes Multimediaarchiv und digitale Rückgabe&lt;br /&gt;
| Lokale Kontrolle, sensibler Zugang, mehrsprachige und niedrigschwellige Nutzung&lt;br /&gt;
| Mittel: detaillierte Eigendokumentation; Wirkungsnachweise überwiegend Selbstauskunft&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Living Archive of Aboriginal Languages&lt;br /&gt;
| Zahlreiche Aboriginal-Sprachgemeinschaften im Northern Territory, Australien&lt;br /&gt;
| Digitales Sprach- und Bildungsarchiv&lt;br /&gt;
| Rechteklärung, offene Lehrmaterialien, Master-/Nutzungsdateien, Migrationsrisiko&lt;br /&gt;
| Hoch für Prozess und Bestandsumfang; dokumentierte Einschränkung nach Systemwechsel&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| PARADISEC&lt;br /&gt;
| Viele kleine und gefährdete Sprachgemeinschaften, vor allem im Pazifikraum&lt;br /&gt;
| Universitärer Fachverbund für audiovisuelle Langzeiterhaltung&lt;br /&gt;
| Gefährdete Tonträger, professionelles Repositorium, verteilte Trägerschaft und Rückgabe von Kopien&lt;br /&gt;
| Hoch: große Bestände, aktuelle Berichte, Zertifizierung und Auszeichnungen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reciprocal Research Network&lt;br /&gt;
| First Nations der Nordwestküste von British Columbia; Kanada&lt;br /&gt;
| Föderierte Recherche- und Kooperationsplattform&lt;br /&gt;
| Institutionenübergreifende Suche, Vereinbarungen, Community-Wissen, technische Alterung&lt;br /&gt;
| Mittel bis hoch: aktuelle Bestandszahlen und Forschung; sichtbare Softwareversion von 2014&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Indigitization&lt;br /&gt;
| First Nations und weitere indigene Gemeinschaften in British Columbia; Kanada&lt;br /&gt;
| Kompetenz-, Schulungs- und Förderprogramm für dezentrale Digitalisierung&lt;br /&gt;
| Besonders nah am möglichen Dienstleistungsmodell eines sorbischen Digitalisierungszentrums&lt;br /&gt;
| Hoch für Förderphase 2013–2019; aktuelles Kassettenförderprogramm pausiert&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== D. Fallprofile ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.1 RomArchive – Digitales Archiv der Roma ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Roma sind eine transnationale, historisch in vielen europäischen und außereuropäischen Staaten lebende Minderheit mit vielfältigen Gruppen, Sprachen und Selbstbezeichnungen. Sinti sind eine unter anderem in Deutschland und Mitteleuropa beheimatete Gruppe. RomArchive ist deshalb keinem einzelnen Minderheitengebiet zugeordnet. Das Projekt wurde in Deutschland öffentlich gefördert und international mit überwiegend aus Roma bestehenden kuratorischen und beratenden Teams entwickelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RomArchive versteht sich als digitales Archiv für Kunst und Kulturen der Roma. Es erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern präsentiert kuratierte, repräsentative Bestände und wissenschaftliche Kontextualisierungen. Inhalte wurden von jeweils zuständigen kuratorischen Teams ausgewählt; kuratorische Teams und Beirat waren überwiegend mit Roma besetzt. Nach Angaben des Projekts wirkten rund 150 Personen aus 15 Staaten mit. Die Übergabe an eine Roma-Organisation war von Beginn der fünfjährigen Entwicklungsphase 2015–2019 an vorgesehen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_faq&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entwicklung wurde durch die Kulturstiftung des Bundes mit 3,75 Millionen Euro gefördert; weitere Unterstützer waren unter anderem die Bundeszentrale für politische Bildung, das Auswärtige Amt und das Goethe-Institut. Seit 2019 liegt der Betrieb beim Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg; die laufende Website nennt die Bundeszentrale für politische Bildung als Förderer.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_kulturstiftung&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_imprint&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Fachliche und technische Lösung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RomArchive verbindet kuratierte Themenbereiche, einen durchsuchbaren Archivbestand, biografische Akteursdaten und digitale Vermittlungsformate. Die Deutsche Kinemathek war für Konzeption und Vermittlung von digitaler Archivierung, Digitalisierung und Katalogisierung beteiligt. Die Website nutzt ein auf Django basierendes Content-Management-System; eine Verbindung zu Axiell Collections bindet das Sammlungsmanagement an die Präsentation an.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_imprint&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben veröffentlichten Materialien existiert ein internes Archiv, das auf begründete Anfrage für Forschung zugänglich ist. Dies ist ein einfaches, aber wichtiges Beispiel für abgestufte Zugänge. Das Angebot ist auf Deutsch, Englisch und Romanes verfügbar; die sprachliche Vielfalt des Romanes wird sichtbar gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Rechte, Beteiligung und nachweisbarer Erfolg ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die stärkste Leistung liegt in der kuratorischen und strategischen Beteiligung der Minderheit sowie in dem Anspruch, Fremdzuschreibungen durch selbst erzählte Gegennarrative zu korrigieren. Ethische Richtlinien und eine Sammlungspolitik wurden durch den internationalen Beirat mitentwickelt. Der Übergang vom zeitlich befristeten Entwicklungsprojekt an einen institutionellen Betreiber wurde tatsächlich vollzogen. Dass das Angebot im Juli 2026 weiterhin betrieben wird, ist ein belastbarer Nachhaltigkeitsindikator.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Aktuelle unabhängige Daten zu Nutzung, Reichweite, Aktualisierungsfrequenz und langfristiger digitaler Erhaltung der Masterdateien sind öffentlich nicht in ausreichender Tiefe dokumentiert. Die öffentliche Oberfläche ist stärker ein kuratiertes Archiv und Wissensportal als ein vollständiges Bestandsregister aller Roma-Kulturgüter. Die überwiegend restriktive Rechtekennzeichnung vieler Inhalte begrenzt kreative Nachnutzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* Minderheitenangehörige mit echten kuratorischen und strategischen Entscheidungsrechten;&lt;br /&gt;
* von Beginn an geplanter Betreiberübergang;&lt;br /&gt;
* Verbindung von Sammlungsdatenbank, kuratiertem Kontext und öffentlicher Präsentation;&lt;br /&gt;
* abgestufter Zugang zwischen öffentlicher Website und internem Forschungsarchiv;&lt;br /&gt;
* öffentliche Anschubförderung plus institutionelle Verankerung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Ein sorbisches Portal sollte nicht nur Objekte zeigen, sondern sorbische Perspektiven, Begriffe und Kontexte strukturell verankern. Für Kulturregister, Digitalisierungszentrum und Präsentation braucht es bereits in der Projektphase einen festgelegten dauerhaften Träger. Ein kuratorischer oder gemeinschaftlicher Beirat sollte nicht nur beraten, sondern definierte Entscheidungsrechte bei Auswahl, Beschreibung und sensiblen Inhalten erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.2 Nuohtti – Föderierter Zugang zum Sámi-Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Sámi sind ein indigenes Volk im nordeuropäischen Sápmi, das sich über Gebiete des heutigen Norwegens, Schwedens, Finnlands und Russlands erstreckt. Es gibt mehrere Sámi-Sprachen und unterschiedliche nationale Rechts- und Institutionsrahmen. Viele historische Quellen und Sammlungsobjekte befinden sich außerhalb von Sámi-Institutionen in europäischen Archiven, Bibliotheken und Museen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nuohtti ist ein Suchdienst, der digitalisierte Sámi-Materialien aus verschiedenen europäischen Gedächtnisinstitutionen zusammenführt. Er wurde im Projekt „Digital Access to the Sámi Heritage Archives“ von 2018 bis 2021 mit EU-Mitteln aus Interreg Nord entwickelt. Beteiligt waren die Sámi-Archive der norwegischen und finnischen Nationalarchive, das schwedische Reichsarchiv sowie Universitäten in Lappland, Oulu und Umeå; die Universität Lappland leitete das Projekt. Die Sámi-Parlamente Finnlands, Norwegens und Schwedens entsandten Mitglieder in die Steuerungsgruppe.&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_about&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_uarctic&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Vorgehen und Architektur ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor der technischen Umsetzung wurden einschlägige Bestände und Datenlieferanten kartiert. Nuohtti bündelt keine Originale und ersetzt die Quellsysteme nicht. Es normalisiert und indexiert Metadaten aus Archiven und Aggregatoren und führt Nutzerinnen und Nutzer zu den jeweiligen Digitalisaten. Eine Karte, eine Zeitleiste und mehrsprachige Suchoberflächen unterstützen den Zugang. Nach Projektangaben waren rund 30.000 Datensätze aus 32 Institutionen in fünf Sprachen zugänglich.&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_uarctic&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Technisch baut Nuohtti auf vorhandenen Open-Source- und öffentlichen Komponenten auf, darunter VuFind, Finna, RecordManager, Finto, Giellatekno, Apache Solr, Leaflet, OpenStreetMap und Nominatim. Daten werden unter anderem über nationale und europäische Aggregationswege eingebunden.&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Rechte, Ethik und Nachhaltigkeit ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nuohtti integriert ethische Hinweise in die Nutzung. Das ist besonders relevant, weil viele historische Beschreibungen und Sammlungen außerhalb der Sámi-Gemeinschaft und unter kolonialen Bedingungen entstanden. Nutzertests fanden unter anderem in Schulen und Bibliotheken statt. Nach dem Projekt wird der Dienst von den beteiligten Nationalarchiven weitergeführt; zugleich wird er im laufenden Projekt DIGICHer als Praxisbeispiel weiterentwickelt und untersucht.&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_dataspace&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Nuohtti löst vor allem den gemeinsamen Nachweis und Zugang. Die Digitalisierung, Rechteklärung und Langzeiterhaltung verbleiben überwiegend bei den Datenlieferanten. Unterschiedliche Datenqualität und historisch problematische Beschreibungen werden durch Aggregation nicht automatisch behoben. Aktuelle, öffentlich nachvollziehbare Nutzungszahlen sind begrenzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* föderierte Architektur statt erzwungener Zentralisierung aller Bestände;&lt;br /&gt;
* Bestands- und Datenquellenkartierung vor dem Portalbau;&lt;br /&gt;
* Beteiligung von Sámi-Parlamenten an der Steuerung;&lt;br /&gt;
* Wiederverwendung vorhandener Open-Source-Komponenten und nationaler Infrastrukturen;&lt;br /&gt;
* mehrsprachige, räumliche und zeitliche Suche;&lt;br /&gt;
* sichtbare ethische Kontextualisierung problematischer Bestände.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Das Sorbische Kulturregister kann als föderierender Nachweis funktionieren: große Institutionen liefern Metadaten über Schnittstellen, kleine Träger können Daten direkt in einem zentral angebotenen System erfassen. Eine zentrale Suche muss nicht bedeuten, dass alle Originale oder alle Digitalisate zentral verwaltet werden. Historische Fremdbeschreibungen sollten als solche kenntlich gemacht und um sorbische Bezeichnungen sowie Community-Kontexte ergänzt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.3 People’s Collection Wales / Casgliad y Werin Cymru ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wales ist ein Landesteil des Vereinigten Königreichs mit eigener Regierung und einer starken nationalen sowie walisischsprachigen Identität. Walisisch und Englisch sind für das Angebot gleichberechtigte Arbeitssprachen. Das Projekt richtet sich nicht nur an professionelle Kulturinstitutionen, sondern auch an lokale Geschichtsgruppen, Vereine, Schulen und Einzelpersonen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
People’s Collection Wales ist eine zweisprachige digitale Plattform und ein begleitendes Unterstützungsprogramm, über das Nutzerinnen und Nutzer walisisches Kulturerbe entdecken, beitragen und vermitteln können. Getragen wird es als föderierte Partnerschaft von Amgueddfa Cymru – National Museum Wales, der National Library of Wales und der Royal Commission on the Ancient and Historical Monuments of Wales; finanziert wird das Programm durch die walisische Regierung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_eval&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Plattform wird durch kostenlose Beratung und Schulung ergänzt. Das aktuelle Unterstützungsangebot umfasst Projektplanung, Digitalisierung, Urheberrecht, Datenschutz, Metadaten und Oral History. Diese Kombination aus Technik und persönlicher Begleitung ist für kleine und ehrenamtliche Träger besonders relevant.&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_support&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Nachweisbarer Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die unabhängige Evaluation von 2016 stellte für die Förderphase 2014–2016 eine gestärkte föderierte Partnerschaft, eine kritische Masse an Inhalten, Fortschritte bei Community-Kompetenzen und eine hohe Vertrauenswürdigkeit des nichtkommerziellen Angebots fest. Externe Projekte sparten Ressourcen, weil sie eine vorhandene Plattform nutzen konnten. Zugleich wurden die gemessenen Wirkungen insgesamt als eher moderat beschrieben. Die Nutzerbefragung hatte nur 38 vollständige Antworten; wirtschaftliche und touristische Wirkungen waren damals nicht nachweisbar. Die Evaluation benannte Finanzierungssicherheit, klare Rollen, technische Stabilität, Marketing und dauerhaft finanzierbare Vor-Ort-Unterstützung als zentrale Herausforderungen. Vermittelte Sitzungen seien für bestimmte Zielgruppen unverzichtbar.&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_eval&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Programm existiert weiterhin und bietet aktuell Unterstützung an. Die verfügbaren Quellen belegen damit institutionelle Kontinuität, ersetzen aber keine neue unabhängige Wirkungsevaluation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* föderierte Trägerschaft mehrerer starker Institutionen;&lt;br /&gt;
* zweisprachige Plattform und Materialien;&lt;br /&gt;
* kostenlose Beratung, Metadaten- und Digitalisierungsschulungen;&lt;br /&gt;
* gemeinsamer technischer Dienst, den lokale Projekte nicht selbst entwickeln müssen;&lt;br /&gt;
* expliziter Pilot- und Lernansatz;&lt;br /&gt;
* unabhängige Evaluation mit offen benannten Grenzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Ein Digitalisierungszentrum sollte nicht nur Geräte betreiben, sondern ein sichtbares Serviceangebot für Heimatstuben, Vereine, Kirchengemeinden, Kommunen und Privatpersonen aufbauen: Erstberatung, Vorlagen, Rechtehilfe, Metadatenhilfe, mobile Einsätze, Schulungen und telefonische beziehungsweise digitale Sprechstunden. Für Obersorbisch und Niedersorbisch sollte Mehrsprachigkeit verbindlich geplant und finanziert werden. Erfolgsmessung darf sich nicht auf Objektzahlen beschränken, sondern sollte Kompetenzen, beteiligte Träger, Nachnutzung und Zufriedenheit erfassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.4 Tobar an Dualchais / Kist o Riches ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schottisch-Gälisch ist eine keltische Minderheitensprache, die vor allem in Schottland, besonders in den Highlands und auf den Inseln, gesprochen wird. Scots ist eine weitere historisch gewachsene Sprache beziehungsweise Sprachgruppe Schottlands. Das Projekt umfasst Aufnahmen auf Gälisch, Scots und Englisch und ist in den öffentlichen und kulturellen Institutionen Schottlands verankert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tobar an Dualchais / Kist o Riches macht mehr als 40.000 mündliche Aufnahmen zugänglich, die seit den 1930er Jahren in Schottland und darüber hinaus entstanden. Enthalten sind Erzählungen, Lieder, Musik, Gedichte und Sachinformationen. Ein bedeutender Teil stammt aus den School of Scottish Studies Archives der Universität Edinburgh; die physischen Originalbestände verbleiben in den Archiven.&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_edinburgh&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Vorhaben wird durch eine Partnerschaft kultureller und wissenschaftlicher Einrichtungen getragen und erhält wiederkehrend öffentliche Förderung. Die schottische Regierung bewilligte 2025 beispielsweise 35.000 Pfund für die fortlaufende Online-Sammlung gälischer und Scots-Materialien und 2026 weitere 14.127 Pfund für die Entwicklung des digitalen Archivs.&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_funding2025&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_funding2026&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Technische und fachliche Schwerpunkte ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Projekt konzentriert sich auf bedrohte zeitbasierte Medien und deren sprachliche Erschließung. Suchfelder nach Thema, Titel und beitragender Person erleichtern die Nutzung. Das ergänzende Vorhaben „Opening the Well“ transkribiert einen großen Bestand gälischer Erzählungen und verbindet Freiwilligenarbeit mit automatischer Spracherkennung. Dadurch werden Tonaufnahmen nicht nur erhalten, sondern durchsuchbar und für Sprachforschung sowie Bildung nachnutzbar.&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_opening&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Die öffentlich sichtbaren Förderungen sind überwiegend programm- oder projektbezogen. Sie belegen fortlaufende Unterstützung, aber keine vollständig transparente dauerhafte Grundfinanzierung des gesamten Betriebs. Rechteklärung, Transkription und Qualitätskontrolle bleiben bei umfangreichen historischen Tonbeständen dauerhafte Aufgaben. Eine umfassende unabhängige Evaluation mit aktuellen Nutzungsdaten wurde in dieser Recherche nicht gefunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* klare Priorität für gefährdete audiovisuelle Bestände;&lt;br /&gt;
* institutionelle Aufbewahrung der Originale und digitale öffentliche Vermittlung;&lt;br /&gt;
* Verbindung von Digitalisierung, sprachlicher Erschließung und Bildung;&lt;br /&gt;
* Kombination aus Fachinstitutionen, öffentlicher Förderung und freiwilliger Mitarbeit;&lt;br /&gt;
* sichtbare Mehrsprachigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Sorbische Tonbänder, Kassetten, Filme und Videoformate sollten wegen Materialalterung und technischer Obsoleszenz gesondert priorisiert werden. Ein Pilot „Sorbische Stimmen und Lieder“ könnte Digitalisierung, Rechteklärung, obersorbische und niedersorbische Transkription, Übersetzung, Normdaten und Bildungsnutzung exemplarisch durchspielen. Automatische Spracherkennung kann unterstützen, ersetzt aber bei kleinen Sprachen keine fachliche und gemeinschaftliche Korrektur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.5 Euskariana – Digitales Portal zum baskischen Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Baskinnen und Basken leben beiderseits der spanisch-französischen Grenze. Baskisch (Euskara) ist eine eigenständige europäische Sprache mit mehreren Varietäten. Euskariana ist kein gesamtbaskisches staatenübergreifendes Projekt, sondern ein Angebot der Autonomen Gemeinschaft Baskenland in Spanien; es bezieht jedoch auch einschlägige Bestände aus Institutionen außerhalb dieser Region ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Euskariana wird von der Digitalen Bibliothek Euskadi innerhalb der baskischen Kulturverwaltung betrieben. Das Portal entsteht in Zusammenarbeit des baskischen Regierungsapparats mit den Provinzverwaltungen von Álava/Araba, Bizkaia und Gipuzkoa, Kommunen, Universitäten, kirchlichen und privaten Einrichtungen. Der Sammlungsschwerpunkt umfasst Werke baskischer Urheberinnen und Urheber, Veröffentlichungen aus Euskadi, weltweit entstandene Inhalte zu baskischen Themen sowie besonders Inhalte auf Baskisch oder in baskischer Übersetzung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;euskariana_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als staatlich getragenes Dauerangebot ist Euskariana stärker institutionell abgesichert als ein zeitlich begrenztes Förderprojekt. Öffentlich zugängliche Quellen benennen jedoch keine vollständigen jährlichen Betriebs- und Personalkosten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Architektur, Standards und Nachnutzung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Euskariana ist gleichzeitig gemeinsamer Katalog und Zugangsportal. Es integriert Datensätze aus Bibliotheksnetzen, Verbundkatalogen, Museen, Archiven, Hochschulrepositorien und internationalen Nationalbibliotheken. Digitale Objekte werden entweder im eigenen Repositorium bereitgestellt oder über Links in den Quellsystemen aufgerufen. Damit unterstützt das Projekt zwei Anbindungswege: zentrale Aufnahme und föderierte Verlinkung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;euskariana_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach offizieller Dokumentation nutzt Euskariana unter anderem MARC, Dublin Core (DC), METS, PREMIS und ALTO. Kurz erläutert: MARC dient vor allem bibliografischen Daten; Dublin Core beschreibt einen einfachen Metadatenkern; METS strukturiert digitale Objekte und Dateigruppen; PREMIS dokumentiert Erhaltungsinformationen; ALTO bildet Layout und erkannten Text digitalisierter Seiten ab. Die Standardisierung ermöglicht die Beteiligung an Europeana und die Verbindung zu weiteren spanischen und französischen Portalen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;euskariana_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Die offizielle Dokumentation ist technisch aussagekräftig, liefert aber wenig Informationen über Community-Entscheidungsrechte, abgestufte kulturelle Zugänge, aktuelle Nutzungszahlen oder eine unabhängige Wirkungsevaluation. Das Modell ist stärker verwaltungs- und institutionsgetrieben als gemeinschaftsgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* klar benannter öffentlicher Betreiber;&lt;br /&gt;
* Kooperation über Verwaltungs-, Institutions- und Sektorgrenzen hinweg;&lt;br /&gt;
* sowohl eigenes Repositorium als auch Einbindung externer Digitalisate;&lt;br /&gt;
* verbindliche internationale Metadaten- und Erhaltungsstandards;&lt;br /&gt;
* besondere Sichtbarkeit der Minderheitensprache;&lt;br /&gt;
* Anschluss an größere Aggregatoren wie Europeana.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Für das Sorbische Kulturregister sollte es mindestens zwei Onboarding-Wege geben: Kleine Träger erfassen beziehungsweise hinterlegen Daten und Dateien in zentral bereitgestellten Diensten; größere Einrichtungen liefern Daten aus eigenen Fachsystemen über Export oder Schnittstelle. Ein gemeinsames Kernprofil muss lokale Fachstandards nicht ersetzen, sondern deren wichtigste Angaben abbilden. Obersorbisch und Niedersorbisch sollten als eigenständige Sprachwerte, nicht nur als Übersetzungsvarianten von Deutsch, gespeichert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.6 bavarikon – Regionaler Digitalisierungs- und Präsentationsverbund ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Region und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bavarikon ist keine Minderheitenplattform, sondern das Kulturportal des Freistaats Bayern. Es ist dennoch relevant, weil es zeigt, wie ein Flächenland zahlreiche Museen, Archive, Bibliotheken, wissenschaftliche Einrichtungen und nichtstaatliche Träger in ein geregeltes Förder-, Qualitäts- und Präsentationsmodell einbindet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die grundsätzliche Ausrichtung und der Mitteleinsatz werden durch das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst sowie das Staatsministerium für Digitales bestimmt. Ein Rat mit 14 stimmberechtigten Mitgliedern aus unterschiedlichen Kultursparten entscheidet über neue Inhalte und berät zu Betrieb und Digitalisierungsstrategie. Die Bayerische Staatsbibliothek trägt den laufenden technischen, redaktionellen und organisatorischen Betrieb; das Leibniz-Rechenzentrum übernimmt das Hosting.&amp;lt;ref name=&amp;quot;bavarikon_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Partner können Digitalisierungsvorhaben beantragen. Die Bayerische Staatsbibliothek begleitet die Digitalisierung, wenn die Ergebnisse in hoher Qualität über bavarikon präsentiert werden. Für die Aufnahme existieren Kriterien, Metadatenhandreichungen, Qualitätsanforderungen für Digitalisate, Musterlisten und ein Vorantragsverfahren.&amp;lt;ref name=&amp;quot;bavarikon_partner&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Nachweisbarer Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Portal ging 2013 online und wird monatlich ergänzt. Im November 2024 meldete die Bayerische Staatsbibliothek mehr als 500.000 digitale Objekte aus rund 170 Einrichtungen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;bavarikon_500k&amp;quot;/&amp;gt; Die institutionelle Betreiberverantwortung, der geregelte Zugang zu Fördermitteln und die veröffentlichten Mindestanforderungen sind belastbare Erfolgsindikatoren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' bavarikon verfügt über die Ressourcen eines deutschen Flächenlandes und einer großen Staatsbibliothek. Diese Größenordnung ist für die Sorben nicht direkt übertragbar. Das Portal ist primär Präsentations- und Förderinfrastruktur; aus den öffentlichen Unterlagen lässt sich nicht ableiten, dass bavarikon für sämtliche Masterdateien aller Partner allein die vollständige Langzeiterhaltung übernimmt. Community-Governance und kulturell abgestufte Zugänge stehen nicht im Mittelpunkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* dauerhaft benannter zentraler Betreiber und leistungsfähiges Rechenzentrum;&lt;br /&gt;
* spartenübergreifendes Entscheidungsgremium;&lt;br /&gt;
* geregeltes Förder- und Auswahlverfahren;&lt;br /&gt;
* publizierte Mindeststandards und Vorlagen;&lt;br /&gt;
* zentrale fachliche Begleitung bei dezentralen Beständen;&lt;br /&gt;
* kontinuierlicher Ausbau statt einmaliger Portalveröffentlichung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Übertragbar ist nicht die Größenordnung, sondern die Verfahrenslogik: ein transparentes Antrags- und Priorisierungsverfahren, verbindliche Lieferpakete, klare Qualitätskontrollen und ein zentraler Ansprechpartner. Ein sorbischer Digitalisierungsfonds könnte kleinere, klar abgegrenzte Vorhaben fördern, sofern Rechte, Metadaten, Zielrepositorium und spätere Nutzung vorab geklärt sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.7 Mukurtu und Plateau Peoples’ Web Portal ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mukurtu entstand aus einer Zusammenarbeit mit der Warumungu-Gemeinschaft in Australien und wurde zu einer frei verfügbaren Plattform für indigene Gemeinschaften weiterentwickelt. Das hier besonders betrachtete Plateau Peoples’ Web Portal betrifft acht indigene Nationen des nordwestlichen Plateaus in den USA, darunter Spokane, Colville, Umatilla, Coeur d’Alene, Warm Springs, Yakama, Confederated Salish and Kootenai Tribes und Nez Perce. Diese Nationen besitzen jeweils eigene politische und kulturelle Strukturen innerhalb der Vereinigten Staaten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mukurtu CMS (Content-Management-System; deutsch: System zur Verwaltung und Veröffentlichung von Inhalten) wird am Center for Digital Scholarship and Curation der Washington State University als Open-Source-Software entwickelt und gepflegt. Die Entwicklung wurde unter anderem durch die National Endowment for the Humanities, das Institute of Museum and Library Services, die Mellon Foundation und die National Science Foundation gefördert.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_about&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_plateau&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Plateau Peoples’ Web Portal ist ein konkreter Verbund zwischen den beteiligten Stämmen, der Washington State University und externen Gedächtnisinstitutionen. Stammesvertreterinnen und -vertreter wählen und kuratieren Materialien; die technische Pflege liegt bei der Universität in Partnerschaft mit indigenen Programmen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_plateau&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Rechte- und Metadatenmodell ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mukurtu unterstützt Traditional Knowledge Labels, fein abgestufte kulturelle Protokolle und mehrere parallele Beschreibungen zu einem Objekt. Eine Institution kann beispielsweise eine archivische Beschreibung liefern, während eine Gemeinschaft eigene Namen, Erzählungen, Herkunftsangaben und Zugangsregeln ergänzt. Der „Roundtrip“-Mechanismus ermöglicht den Export angereicherter Daten, ohne ursprüngliche Metadaten zu verlieren.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wissenschaftliche Dokumentationen des Plateau-Portals beschreiben ein Hub-and-Spoke-Modell – also einen zentralen technischen Knoten mit mehreren institutionellen und gemeinschaftlichen Zulieferern – sowie Vereinbarungen zwischen Partnern, Dublin-Core-Metadaten und granulare Zugangsregeln.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_dlib&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Portal demonstriert dauerhaft, dass kulturelle Selbstbestimmung technisch nicht nur durch „öffentlich“ oder „geschlossen“ abgebildet werden muss. Es ermöglicht mehrere Wissensordnungen neben- statt untereinander. Die Plattform ist Open Source und exportfähig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Open Source bedeutet nicht kostenlosen Betrieb. Installation, Aktualisierung, Hosting, Rechtekonzeption, Datenmigration und Support benötigen dauerhaft qualifiziertes Personal. Mukurtu weist selbst ausdrücklich darauf hin, dass es eine Zugangsplattform und nur ein Bestandteil eines größeren Systems für Digitalisierung, Erhaltung und Nachhaltigkeit ist.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_about&amp;quot;/&amp;gt; Die Übernahme von Traditional Knowledge Labels in den sorbischen Kontext wäre nicht eins zu eins möglich, weil kulturelle und rechtliche Ausgangslagen verschieden sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* kulturelle Protokolle als Kern der Daten- und Zugangslogik;&lt;br /&gt;
* mehrere Beschreibungen und Perspektiven pro Objekt;&lt;br /&gt;
* exportfähige Daten statt Plattformbindung;&lt;br /&gt;
* Partnerschaftsvereinbarungen und konkrete Rollen;&lt;br /&gt;
* dauerhafte technische Trägerschaft durch eine Universität;&lt;br /&gt;
* Community-Kuration statt bloßer Rückmeldung nach Veröffentlichung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Im Kulturregister sollte neben institutionellen Angaben Raum für sorbische Bezeichnungen, lokale Varianten, Erinnerungen und Korrekturen bestehen. Rechte- und Sichtbarkeitsstufen müssen pro Datensatz und möglichst pro Mediendatei modelliert werden. Ein Sorbisches Kulturregister könnte zunächst ein eigenes, rechtlich passendes Set von „Kulturhinweisen“ entwickeln, etwa „nur Metadaten öffentlich“, „Nutzung nur nach Rücksprache“, „innergemeinschaftlich“, „zeitlich gesperrt“ oder „freie Nachnutzung erwünscht“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.8 Aṟa Irititja – Gemeinschaftsbasiertes Aṉangu-Archiv ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aṉangu ist eine Selbstbezeichnung von Ngaanyatjarra-, Pitjantjatjara- und Yankunytjatjara-Gemeinschaften im zentralen Australien. Aṟa Irititja arbeitet vor allem in den Aṉangu Pitjantjatjara Yankunytjatjara Lands (APY Lands) im Nordwesten des Bundesstaats South Australia. Die Gemeinschaften sind australischen staatlichen Strukturen zugehörig, verfügen aber über eigene Land- und Organisationsstrukturen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Entstehung, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Projekt entstand 1994 als sozialgeschichtliches Vorhaben der Pitjantjatjara Council Aboriginal Corporation. Es arbeitet mit Schulen, Bildungszentren, Gesundheits-, Frauen-, Medien-, Land- und Kunstorganisationen in den APY Lands zusammen. Ein zentrales Büro in Adelaide bearbeitet Datenbank, Digitalisierung, physische Lagerung und Verwaltung; ein Büro in Alice Springs hält den Kontakt zu Gemeinschaften und ergänzt Sprach-, Familien- und Kontextinformationen. Seit 2020 steht das Projekt unter dem Dach der APY-Organisation und wird durch deren Executive Board gesteuert.&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_who&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Finanzierung war über lange Zeit eine Mischung aus staatlichen Programmen, Stiftungen, Spenden sowie jährlichen Beiträgen beteiligter Schulen und Community-Organisationen. Die eigene Projektdokumentation bezeichnet die langfristige Finanzierung ausdrücklich als dauerhaftes Problem. Mit der Eingliederung in APY wurden 2020 drei permanente Teilzeitstellen geschaffen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_funding&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Fachliche Lösung, Rechte und Zugang ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aṟa Irititja wurde auf Wunsch der Gemeinschaften entwickelt, um kulturelle Geschichte zu bewahren und zurückzugeben. Das Multimediaarchiv umfasst Fotos, Dokumente, Filme, Tonaufnahmen und Objekte. Die Software sollte kulturelle Einschränkungen abbilden und zugleich für Nutzerinnen und Nutzer mit begrenzter Schriftkompetenz oder eingeschränktem Sehvermögen leicht bedienbar sein. Inhalte werden in Ngaanyatjarra, Pitjantjatjara, Yankunytjatjara und Englisch bereitgestellt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_approach&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_who&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gemeinschaftsmitglieder und kulturelle Berater beurteilen sensible Inhalte und Zugangsregeln. Der Ansatz der „digitalen Rückgabe“ bringt digitale Kopien und Nutzungsmöglichkeiten zu den Gemeinschaften zurück, auch wenn Originale in Museen oder anderen Institutionen verbleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Betrieb seit 1994, die Eingliederung in eine Aṉangu-geführte Organisation und die dauerhafte Nutzung in Schulen und Gemeinschaftseinrichtungen sind starke Nachhaltigkeitsindizien. Die Dokumentation beschreibt intergenerationelle Nutzung, Schulungen und Beschäftigung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Viele Wirkungsangaben stammen vom Projekt selbst. Unabhängige aktuelle Evaluationen und detaillierte technische Angaben zur Langzeiterhaltung sind begrenzt. Die langjährige Finanzierungssuche zeigt, dass kulturelle Bedeutung allein keinen verlässlichen Betriebsetat garantiert. Zentraler Betrieb in Adelaide schafft Fachlichkeit, kann aber Distanz zu abgelegenen Gemeinschaften erzeugen; deshalb bleibt die lokale Kontakt- und Trainingsstruktur wesentlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* Entwicklung aus einem ausdrücklichen Wunsch der Gemeinschaft;&lt;br /&gt;
* institutionelle Unterstellung unter eine gemeinschaftseigene Organisation;&lt;br /&gt;
* lokale Ansprechpartner und zentrale Facharbeit;&lt;br /&gt;
* kulturell abgestufte Zugänge;&lt;br /&gt;
* mehrsprachige, visuell einfache Oberfläche;&lt;br /&gt;
* Verbindung von digitaler Rückgabe, Bildung und Kompetenzaufbau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Auch im sorbischen Kontext sollten Nutzeroberflächen nicht nur für wissenschaftliche Fachkräfte gestaltet werden. Lokale Sammlungsbetreuerinnen und -betreuer brauchen einfache Erfassungswege, visuelle Hilfen und persönliche Unterstützung. Sensible Inhalte – etwa private Familienaufnahmen, religiöse Praktiken, personenbezogene Überlieferung oder nicht für eine allgemeine Öffentlichkeit bestimmte Aufzeichnungen – benötigen ein gemeinsam beschlossenes Zugangsmodell. Zentraler Betrieb muss durch lokale Beziehungen ergänzt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.9 Living Archive of Aboriginal Languages (LAAL) ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Living Archive of Aboriginal Languages bündelt Literatur aus zahlreichen Aboriginal-Sprachgemeinschaften des Northern Territory in Australien. Es handelt sich nicht um eine einzige Minderheit, sondern um viele eigenständige Sprach- und Kulturgemeinschaften. Ein großer Teil der Bücher entstand zwischen den 1970er Jahren und dem Ende bilingualer Bildungsprogramme in lokalen Literature Production Centres.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Projekt begann 2012 unter Leitung der Charles Darwin University mit der Australian National University und dem Bildungsressort des Northern Territory. Es wurde durch die Australian Research Council Linkage Infrastructure, Equipment and Facilities Scheme gefördert. Eine zweite Förderphase erweiterte den Bestand und die Community- sowie Bildungsarbeit; weitere Partner kamen hinzu.&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_background&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Vorgehen umfasste das Auffinden verstreuter Bücher, Auswahl und Digitalisierung, Kontakt zu Autorinnen, Autoren und Illustratoren, Rechteklärung sowie Rückspiegelung in die Herkunftsgemeinschaften. Gemeinschaftsmitglieder konnten Texte prüfen und Geschichten oder Tonaufnahmen ergänzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Dateien, Rechte und Zugang ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für jeden Titel wurden Nutzungsdateien wie PDF, Textdatei und Vorschaubild erstellt; seitenweise TIFF-Masterdateien dienten der Langzeitaufbewahrung. Eine kartenbasierte Oberfläche erleichterte auch Menschen mit geringer Schriftkompetenz die Suche.&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_background&amp;quot;/&amp;gt; Materialien wurden nur nach schriftlicher Einwilligung von Urheberinnen, Urhebern oder Nachkommen veröffentlicht. Das Projekt verwendete Creative-Commons-Lizenzen mit Einschränkungen, berücksichtigte indigene Kultur- und Informationsprotokolle und bot ein Takedown-Verfahren, also die vorläufige Entfernung bei Einwänden.&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_rights&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der aktuelle Bestand umfasst nach Projektangaben nahezu 4.000 Bücher in 50 Sprachen aus 40 Gemeinschaften. Die Materialien wurden in die Plattform Territory Stories von Library &amp;amp; Archives Northern Territory überführt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_home&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Erfolg, Problem und Lernwert ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
LAAL verbindet Sprachsicherung, Rechteklärung, offene Bildungsnutzung und echte Erhaltungsdateien. Das Projekt zeigt aber auch eine typische Migrationsgefahr: Nach der Überführung in Territory Stories funktionierte die speziell entwickelte Kartenoberfläche nicht mehr; das Projekt dokumentierte 2022, dass zunächst auf einen möglichen Ersatz gewartet werde.&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_migration&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Die sorgfältige Rechteklärung erzeugte einen beträchtlichen Rückstand nicht veröffentlichter Materialien; dies ist kein Projektversagen, sondern ein realer Zielkonflikt zwischen Geschwindigkeit und Zustimmung. Die Migration bewahrte Inhalte, verlor aber zumindest zeitweise eine für die Zielgruppen wichtige Zugangsfunktion. Die ursprüngliche Projektorganisation war stark förderabhängig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* systematische „Search-and-Rescue“-Phase für verstreute gefährdete Materialien;&lt;br /&gt;
* klare Trennung von Erhaltungs- und Nutzungsdateien;&lt;br /&gt;
* Veröffentlichung nur mit Einwilligung und Takedown-Verfahren;&lt;br /&gt;
* Beteiligung der Sprachgemeinschaften an Prüfung und Ergänzung;&lt;br /&gt;
* Bildungsnutzung und Offline-Zugriff;&lt;br /&gt;
* Übergabe an eine öffentliche Gedächtnisinstitution.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Für jede digitale Sammlung muss ein Migrations- und Exit-Plan festlegen, wie Daten, Rechteangaben, Identifikatoren und zielgruppenspezifische Funktionen beim Systemwechsel erhalten bleiben. Eine funktionierende Fachoberfläche darf nicht der einzige Ort sein, an dem Beziehungen zwischen Daten gespeichert sind. Rechteklärung sollte als eigenes Arbeitspaket mit Aufwand, Rückständen und Prioritäten geplant werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.10 PARADISEC – Facharchiv für gefährdete Sprachen und Kulturen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaften, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PARADISEC steht für Pacific And Regional Archive for Digital Sources in Endangered Cultures. Es ist kein Archiv einer einzelnen Minderheit, sondern bewahrt Forschungs- und Community-Aufnahmen vieler kleiner Sprach- und Kulturgemeinschaften, vor allem im Pazifikraum, aber auch weltweit. Der institutionelle Sitz liegt in Australien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Organisation, Finanzierung und Architektur ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PARADISEC ist ein Verbund der University of Sydney, der University of Melbourne und der Australian National University. Operative Aufgaben sind über die drei Standorte verteilt; ein externer Beirat unterstützt die Steuerung. Das Projekt wurde wesentlich durch den Australian Research Council und in jüngerer Zeit durch die Language Data Commons of Australia im Rahmen nationaler Forschungsinfrastruktur finanziert.&amp;lt;ref name=&amp;quot;paradisec_about&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;paradisec_home&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Archiv hat Verfahren für Übernahme, Katalogisierung, Digitalisierung und Erhaltung von Audio-, Text- und Bildmaterial entwickelt. Es nutzt Forschungsnetze und institutionelle Speicherinfrastruktur, archiviert Audio in Erhaltungsformaten und stellt stabile Katalogdaten bereit. Kopien wurden an Kulturzentren und Institutionen in Vanuatu, Neukaledonien, Papua-Neuguinea, Französisch-Polynesien, den Salomonen und Rapa Nui zurückgegeben.&amp;lt;ref name=&amp;quot;paradisec_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Nachweisbarer Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Juli 2026 weist PARADISEC rund 20.500 Stunden Audio, 4.000 Stunden Video, mehr als 320 Terabyte und Inhalte zu etwa 1.460 Sprachen aus. Es erhielt 2019 das CoreTrustSeal für vertrauenswürdige Repositorien und wurde 2024 bei den Digital Preservation Awards sowie 2025 mit einem Open Scholarship Award ausgezeichnet.&amp;lt;ref name=&amp;quot;paradisec_home&amp;quot;/&amp;gt; Die Kombination aus großem Bestand, langjährigem Betrieb, fachlichen Standards und konkreter Rückgabe an Herkunftsgemeinschaften ist ein starker Erfolgsnachweis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Ein universitärer Forschungsverbund verfügt über Kompetenzen und Infrastrukturen, die kleinen lokalen Trägern nicht direkt zur Verfügung stehen. Die Community-Beteiligung variiert je nach Depositor, Sammlung und Herkunftsgemeinschaft. Online-Zugriff kann in Regionen mit schwacher Internetversorgung oder ohne passende Sprache weiterhin schwierig sein. Auch ein erfolgreiches Facharchiv benötigt laufende Dritt- und Infrastrukturmittel sowie technische Erneuerung; PARADISEC arbeitet derzeit an einer Erneuerung seines Katalogs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* fachlich fokussiertes Repositorium für gefährdete audiovisuelle und sprachliche Materialien;&lt;br /&gt;
* verteilte institutionelle Trägerschaft mit gemeinsamem Verfahren;&lt;br /&gt;
* professionelle Erhaltungsstandards und Zertifizierung;&lt;br /&gt;
* stabile Identifikatoren und wissenschaftliche Zitierbarkeit;&lt;br /&gt;
* Rückgabe von Kopien und Kooperation mit regionalen Kulturzentren;&lt;br /&gt;
* langfristige Verbindung zu Forschungsinfrastruktur statt isoliertem Projektserver.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Für gefährdete Audio-, Video- und Sprachdaten sollte nicht jede kleine Einrichtung ein eigenes Langzeitarchiv aufbauen. Ein zentral betriebener, professioneller Repositoriumsdienst mit klaren Übernahmepaketen ist sinnvoll. Gleichzeitig müssen Kopien, Zugriffsrechte und nutzbare Arbeitsfassungen bei den sorbischen Kulturgutträgern verbleiben können. Zertifizierungsmodelle wie CoreTrustSeal können langfristig Orientierung geben, sollten aber erst nach Aufbau stabiler Prozesse angestrebt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.11 Reciprocal Research Network (RRN) ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Reciprocal Research Network betrifft kulturelle Objekte der First Nations der Nordwestküste von British Columbia in Kanada. Es wurde gemeinsam von der Musqueam Indian Band, der Stó:lō Nation beziehungsweise dem Stó:lō Tribal Council, der U’mista Cultural Society und dem Museum of Anthropology der University of British Columbia entwickelt. Zahlreiche internationale Museen liefern Daten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und technische Lösung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das RRN ist eine föderierte Recherche- und Kooperationsplattform. Es ermöglicht die gemeinsame Suche in institutionellen Sammlungen, persönliche und gemeinsame Forschungsprojekte, Dateiuploads und Diskussionen. Eine Steuerungsgruppe mit Vertreterinnen und Vertretern der beteiligten First Nations und des Museums ist weiterhin ausgewiesen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_about&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_contact&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wissenschaftliche Publikationen beschreiben den Aufbau als langfristigen Vertrauens- und Aushandlungsprozess. Vereinbarungen mit Partnerinstitutionen regelten Datenlieferung und Zusammenarbeit; agile Softwareentwicklung wurde mit unterschiedlichen Erwartungen und Entscheidungsrhythmen in Einklang gebracht.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_rowley&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Nachweisbarer Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Juli 2026 zeigt die Plattform Daten aus 29 Institutionen, mehr als 570.000 Objekte und 391.000 Fotografien sowie über 4.000 registrierte Mitglieder und fast 2.800 Projekte an.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_home&amp;quot;/&amp;gt; Diese Größenordnung belegt eine erhebliche institutionsübergreifende Aggregation und Nutzung der Arbeitsfunktionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Im Seitenfuß wird weiterhin die Softwareversion 1.8.3 mit Startdatum 22. November 2014 ausgewiesen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_contact&amp;quot;/&amp;gt; Das ist kein Beleg dafür, dass der Dienst beendet ist – die Plattform ist erreichbar und aktuelle Bestandszahlen werden angezeigt –, aber ein Warnsignal für Modernisierungs-, Sicherheits- und Wartungsrisiken. Detaillierte aktuelle Angaben zu Erhaltungsrepositorien und Betriebskosten sind öffentlich begrenzt. Das RRN ist vor allem Forschungs- und Zugangsplattform, nicht zwingend das Langzeitarchiv sämtlicher Quelldateien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* gemeinsame Entwicklung durch First Nations und Museum;&lt;br /&gt;
* föderierte Suche über internationale Sammlungen;&lt;br /&gt;
* dauerhafte Steuerungsgruppe;&lt;br /&gt;
* projektbezogene Kollaboration statt nur passiver Objektanzeige;&lt;br /&gt;
* formalisierte Partnerschaften und Aufbau von Vertrauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Ein sorbisches System kann mehr sein als ein Suchkatalog: Arbeitsbereiche für gemeinsame Erschließung, Korrekturen, Transkription, Übersetzung und Forschung erhöhen die aktive Nachnutzung. Solche Funktionen dürfen aber erst aufgebaut werden, wenn technische Wartung und Datenexport gesichert sind. Langfristige Kooperationsvereinbarungen sind wichtiger als einmalige Datenlieferungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.12 Indigitization – Dezentrale Digitalisierung mit zentraler Befähigung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Indigitization richtet sich an First Nations und weitere indigene Gemeinschaften in British Columbia, Kanada. Die Gemeinschaften verfügen über eigene Regierungen, Archive, Sprachprogramme und Kulturinstitutionen, arbeiten aber häufig mit begrenzten technischen und personellen Ressourcen. Viele gefährdete Tonaufnahmen befinden sich weiterhin lokal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Organisations- und Fördermodell ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Indigitization ist eine Kooperation indigener Gemeinschaften und Organisationen mit dem Irving K. Barber Learning Centre, dem Museum of Anthropology, dem Northern BC Archives der University of Northern British Columbia, der X̱wi7x̱wa Library und weiteren Einheiten der University of British Columbia. Das Programm entwickelt Ressourcen, führt Schulungen durch, berät zu Fördermitteln und unterstützt gemeinschaftsgeführte Digitalisierung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Werkzeugkasten entstand aus drei Pilotprojekten mit First Nations und verbindet deren Erfahrungen mit fachlichen Digitalisierungsstandards. Er enthält Planungshilfen, technische Anleitungen, Metadaten- und Dateiverfahren sowie Musterunterlagen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_toolkit&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von 2013 bis 2019 finanzierten Audiokassetten-Zuschüsse drei Pilot- und 45 Förderprojekte. Mehr als 11.464 Kassetten wurden digitalisiert; insgesamt wurden über 422.143 kanadische Dollar vergeben. Die Förderung umfasste ergänzende Mittel bis 10.000 Dollar je Vorhaben und intensive Schulung. Das spezifische Förderprogramm befindet sich derzeit in einer Pause, während Beratung, Workshops und Verweise auf weitere Programme fortgeführt werden.&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_grant&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_funding&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Rechte, Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Digitalisierungsprojekte verbleiben bei den Gemeinschaften; eine öffentliche Veröffentlichung war nicht zwingend. Auch protokollgebundene und nichtöffentliche Zugänge waren förderfähig. Das schützt lokale Kontrolle und stärkt Kompetenzen vor Ort. Die dokumentierten Objekt- und Förderzahlen sowie die fortbestehende Beratungsinfrastruktur belegen konkrete Wirkung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Dezentrale Digitalisierung garantiert noch keine langfristige Erhaltung. Jede Gemeinschaft braucht ein tragfähiges Speicher-, Sicherungs- und Migrationskonzept oder einen verlässlichen Repositoriumspartner. Die Pause des früheren Kassettenprogramms zeigt die Verwundbarkeit zeitlich begrenzter Förderlinien. Für kleine Teams kann die dauerhafte Anwendung technischer Standards trotz Schulung anspruchsvoll bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* zentrale Kompetenz, Vorlagen, Schulung und begrenzte Anschubfinanzierung;&lt;br /&gt;
* Durchführung und Kontrolle bei den lokalen Gemeinschaften;&lt;br /&gt;
* Pilotprojekte als Grundlage des Werkzeugkastens;&lt;br /&gt;
* praxisnahe Muster für Projektplan, Budget und Stellenprofil;&lt;br /&gt;
* kein Zwang zur allgemeinen Veröffentlichung;&lt;br /&gt;
* Netzwerk aus Hochschulen, Archiven und Community-Fachleuten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Dieses Modell kommt einer möglichen Rolle des sorbischen Digitalisierungszentrums besonders nahe. Die zentrale Stelle könnte mobile Technik, Leihgeräte, Schulung, Qualitätsprüfung, Dienstleisterrahmenverträge und Kleinprojektförderung bereitstellen. Lokale Träger behalten Originale, Auswahl, Kontext und Zugangsentscheidungen. Anders als bei rein dezentralen Ansätzen sollte im sorbischen Modell jedoch von Anfang an ein gemeinsames Repositorium oder ein verbindlicher Repositoriumsdienst angeschlossen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== E. Vergleichsmatrix ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== E.1 Funktionen, Architektur und Standards ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable sortable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Projekt&lt;br /&gt;
! Register / Katalog&lt;br /&gt;
! Digitalisierung&lt;br /&gt;
! Repositorium / Langzeiterhaltung&lt;br /&gt;
! Präsentation / Nachnutzung&lt;br /&gt;
! Technologie und Standards&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''RomArchive'''&lt;br /&gt;
| Kuratierter Sammlungsnachweis; kein Vollregister&lt;br /&gt;
| Auswahl und Digitalisierung in der Projektphase&lt;br /&gt;
| Interne und veröffentlichte Bestände; öffentliche Dokumentation der Langzeitprozesse begrenzt&lt;br /&gt;
| Themenarchive, Touren, Forschung; Deutsch, Englisch, Romanes; eingeschränkte Nachnutzung&lt;br /&gt;
| Axiell Collections, Django-Webanwendung, Connector zwischen Sammlung und Website&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Nuohtti'''&lt;br /&gt;
| Föderierter Metadatenindex aus vielen Archiven&lt;br /&gt;
| Erfolgt überwiegend bei Quellinstitutionen&lt;br /&gt;
| Verbleibt bei Datenlieferanten; Nationalarchive tragen Suchdienst weiter&lt;br /&gt;
| Mehrsprachige Suche, Karte, Zeitleiste; Verlinkung zu Quellen&lt;br /&gt;
| VuFind, Finna, RecordManager, Solr, Finto, Giellatekno, Leaflet, OpenStreetMap, Europeana-Wege&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''People’s Collection Wales'''&lt;br /&gt;
| Gemeinsame Plattform mit institutionellen und Community-Beiträgen&lt;br /&gt;
| Zentral unterstützte, teils lokale Digitalisierung; Schulungen&lt;br /&gt;
| In Evaluation als klärungsbedürftige Rolle benannt; nicht allein aus Portal abzuleiten&lt;br /&gt;
| Zweisprachiges Portal, Uploads, Lernangebote, Karten&lt;br /&gt;
| Gemeinsame Plattform; Metadaten-, Rechte- und Digitalisierungshilfen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Tobar an Dualchais'''&lt;br /&gt;
| Durchsuchbarer Katalog zu Tonaufnahmen&lt;br /&gt;
| Audio-Digitalisierung, Erschließung und Transkription&lt;br /&gt;
| Originale in institutionellen Archiven; digitale Erhaltung in Partnerstrukturen&lt;br /&gt;
| Mehr als 40.000 Aufnahmen; Sprache, Bildung, Forschung&lt;br /&gt;
| Audio-Workflows; Transkription und automatische Spracherkennung in Ergänzungsprojekten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Euskariana'''&lt;br /&gt;
| Integrierter Katalog aus Bibliotheken, Archiven, Museen und Repositorien&lt;br /&gt;
| Bei Partnern und in eigenen Programmen&lt;br /&gt;
| Eigenes Repositorium plus Links zu externen Repositorien&lt;br /&gt;
| Baskisch/spanisch; öffentliche Suche; Europeana-Anbindung&lt;br /&gt;
| MARC, Dublin Core, METS, PREMIS, ALTO; OAI-Zugang&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''bavarikon'''&lt;br /&gt;
| Gemeinsames Portal mit Partnerdaten&lt;br /&gt;
| Förderprogramm und fachliche Begleitung; zentrale Qualitätsprüfung&lt;br /&gt;
| Verantwortlichkeit für alle Masterdateien nicht einheitlich öffentlich dokumentiert&lt;br /&gt;
| Portalsuche, Ausstellungen, 3D, Bildungs- und Social-Media-Formate&lt;br /&gt;
| Verbindliche Metadaten- und Lieferhandreichungen; zentrales Hosting&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Mukurtu / Plateau Portal'''&lt;br /&gt;
| Institutionelle und Community-Datensätze zu denselben Objekten&lt;br /&gt;
| Nicht Kernfunktion; lokale beziehungsweise institutionelle Workflows&lt;br /&gt;
| Mukurtu ausdrücklich nur Zugangsbaustein; Erhaltung separat zu planen&lt;br /&gt;
| Protokollbasierter Zugang, Community-Erzählungen, Export&lt;br /&gt;
| Open Source auf Drupal-Basis; TK Labels; kulturelle Protokolle; Dublin Core; Roundtrip-Export&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Aṟa Irititja'''&lt;br /&gt;
| Zentraler Multimedia-Katalog mit lokalen Ergänzungen&lt;br /&gt;
| Zentral vorbereitet, mit Community-Kontaktstellen und historischer Formatrettung&lt;br /&gt;
| Physische und digitale Materialien zentral fachlich verwaltet; Details zu Erhaltungsstufen begrenzt&lt;br /&gt;
| Community-Zugänge, mehrsprachig, visuell niedrigschwellig; digitale Rückgabe&lt;br /&gt;
| Speziell entwickelte beziehungsweise weiterentwickelte Wissensmanagement-Software; kulturelle Beschränkungen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''LAAL'''&lt;br /&gt;
| Sprach-, Orts-, Personen- und Titelnachweis&lt;br /&gt;
| Systematische Suche, Scan und Rechteklärung&lt;br /&gt;
| TIFF-Master; zunächst CDU eSpace, später Territory Stories&lt;br /&gt;
| PDFs, Textdateien, App, Bildung; ursprüngliche Kartenfunktion nach Migration verloren&lt;br /&gt;
| TIFF/PDF/TXT/JPG; persistente Kennungen im Zielsystem; Creative-Commons- und Takedown-Modell&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''PARADISEC'''&lt;br /&gt;
| Fachkatalog für audiovisuelle und sprachliche Sammlungen&lt;br /&gt;
| Professionelle Digitalisierung gefährdeter Medien&lt;br /&gt;
| Institutioneller Verbund; Erhaltungsformate, redundante Infrastruktur, CoreTrustSeal&lt;br /&gt;
| Online-Katalog, Forschung, Community-Zugang und Rückgabe von Kopien&lt;br /&gt;
| Internationale Archivstandards; stabile Identifikatoren; laufende Katalogmodernisierung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''RRN'''&lt;br /&gt;
| Föderierte Suche über Daten von 29 Institutionen&lt;br /&gt;
| Erfolgt primär bei Partnern&lt;br /&gt;
| Plattform ist kein einheitliches Langzeitarchiv aller Quellen&lt;br /&gt;
| Kollaborative Projekte, Diskussionen, Uploads und Recherche&lt;br /&gt;
| Föderierte Datenintegration, Programmierschnittstelle; sichtbare Plattformversion von 2014&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Indigitization'''&lt;br /&gt;
| Kein zentraler Gesamtkatalog als Hauptziel&lt;br /&gt;
| Dezentrale Digitalisierung mit zentraler Schulung, Geräten, Standards und Förderung&lt;br /&gt;
| Muss je Community beziehungsweise über Partner gelöst werden&lt;br /&gt;
| Community-interne oder öffentliche Nutzung nach lokalen Regeln&lt;br /&gt;
| Werkzeugkasten, Broadcast-Wave-Audio, Musterunterlagen und Trainingsworkflows&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== E.2 Governance, Finanzierung, Erfolg und Übertragbarkeit ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable sortable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Projekt&lt;br /&gt;
! Organisationsmodell&lt;br /&gt;
! Community-Beteiligung&lt;br /&gt;
! Finanzierung und dauerhafter Betrieb&lt;br /&gt;
! Nachweisbarer Erfolg&lt;br /&gt;
! Grenzen&lt;br /&gt;
! Übertragbarkeit auf die Sorben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''RomArchive'''&lt;br /&gt;
| Internationales Kuratorium/Beirat; seit 2019 Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma&lt;br /&gt;
| Überwiegend Roma in Kuratorien und Beirat; Auswahl und strategische Richtlinien&lt;br /&gt;
| Große öffentliche Anschubförderung; institutioneller Betreiber und laufende öffentliche Förderung&lt;br /&gt;
| Betreiberübergang vollzogen; seit 2019 online weitergeführt&lt;br /&gt;
| Kein Vollregister; wenige aktuelle Nutzungsdaten; Nachnutzung oft restriktiv&lt;br /&gt;
| '''Hoch''' für Governance, kuratierte Kontexte und Betreiberübergang&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Nuohtti'''&lt;br /&gt;
| Drei Nationalarchive plus Universitäten; föderierter Dienst&lt;br /&gt;
| Sámi-Parlamente in Steuerungsgruppe; ethische Leitlinien und Tests&lt;br /&gt;
| EU-Projekt; Weiterbetrieb durch Nationalarchive&lt;br /&gt;
| Rund 30.000 Datensätze, 32 Institutionen, fünf Sprachen; fortbestehender Dienst&lt;br /&gt;
| Datenqualität und Erhaltung bleiben verteilt; geringe aktuelle Wirkungsdaten&lt;br /&gt;
| '''Sehr hoch''' für Kulturregister und föderierte Suche&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''People’s Collection Wales'''&lt;br /&gt;
| Föderation dreier nationaler Einrichtungen&lt;br /&gt;
| Lokale Gruppen und Einzelpersonen liefern Inhalte; umfangreiche Unterstützung&lt;br /&gt;
| Walisische Regierung; Evaluation benennt Nachhaltigkeitsrisiko&lt;br /&gt;
| Dauerbetrieb, Community-Kompetenzen, kritische Masse; unabhängige Evaluation&lt;br /&gt;
| Moderate gemessene Wirkung; Vermittlung personalintensiv; 38 Survey-Antworten&lt;br /&gt;
| '''Sehr hoch''' für Servicezentrum, Zweisprachigkeit und Evaluation&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Tobar an Dualchais'''&lt;br /&gt;
| Partnerschaft kultureller und wissenschaftlicher Einrichtungen&lt;br /&gt;
| Sprachgemeinschaften, Beitragende und Freiwillige bei Erschließung/Transkription&lt;br /&gt;
| Wiederkehrende öffentliche Projekt- und Programmmittel&lt;br /&gt;
| Mehr als 40.000 Aufnahmen; laufende Weiterentwicklung&lt;br /&gt;
| Dauergrundfinanzierung und Rechteaufwand öffentlich nur teilweise sichtbar&lt;br /&gt;
| '''Hoch''' für gefährdete Medien und Spracherschließung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Euskariana'''&lt;br /&gt;
| Baskische Regierung mit öffentlichen und privaten Partnern&lt;br /&gt;
| Eher institutionell als gemeinschaftsgeführt&lt;br /&gt;
| Staatlicher Betrieb&lt;br /&gt;
| Breiter Quellenverbund, Standards, Europeana-Interoperabilität&lt;br /&gt;
| Wenig unabhängige Nutzungsevaluation; Community-Rechte kaum dokumentiert&lt;br /&gt;
| '''Hoch''' für Metadaten, Onboarding-Wege und Aggregation; '''mittel''' für Governance&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''bavarikon'''&lt;br /&gt;
| Ministerien, 14-köpfiger Rat, Bayerische Staatsbibliothek, Rechenzentrum&lt;br /&gt;
| Partnerinstitutionen im Rat; keine Minderheiten-Governance&lt;br /&gt;
| Dauerhafte Landesstruktur plus Projektförderung&lt;br /&gt;
| Über 500.000 Objekte aus rund 170 Einrichtungen; monatlicher Ausbau&lt;br /&gt;
| Große Ressourcen; Präsentation und Förderlogik dominieren&lt;br /&gt;
| '''Mittel bis hoch''' für Verfahren/Qualität; Größenordnung kaum übertragbar&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Mukurtu / Plateau Portal'''&lt;br /&gt;
| Universität als Technikträger; acht indigene Nationen und Museen als Partner&lt;br /&gt;
| Kuration, Metadaten, Protokolle und Zugriff durch Stammesvertreter&lt;br /&gt;
| Öffentliche und philanthropische Forschungsförderung; Universität pflegt Software&lt;br /&gt;
| International genutzte Open-Source-Plattform; dauerhaftes konkretes Portal&lt;br /&gt;
| Qualifizierter Betrieb nötig; Zugangsplattform ersetzt kein Repositorium&lt;br /&gt;
| '''Sehr hoch''' für Rechte, sensible Inhalte und Mehrperspektivität&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Aṟa Irititja'''&lt;br /&gt;
| Zentralfachstelle plus lokale Liaison; seit 2020 unter APY-Organisation&lt;br /&gt;
| Auftrag, Steuerung, Zugangsregeln und Kontext durch Aṉangu&lt;br /&gt;
| Langjährige Mischung aus Zuschüssen, Spenden und lokalen Beiträgen; drei permanente Teilzeitstellen&lt;br /&gt;
| Betrieb seit 1994; lokale Nutzung und digitale Rückgabe&lt;br /&gt;
| Finanzierung lange prekär; Wirkung überwiegend selbst berichtet&lt;br /&gt;
| '''Hoch''' für lokale Kontrolle und abgestufte Zugänge; Technik nicht direkt übertragbar&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''LAAL'''&lt;br /&gt;
| Universität und öffentliche Partner; Übergabe an Landesbibliothek/-archiv&lt;br /&gt;
| Einwilligung, Prüfung und Ergänzung durch Sprachgemeinschaften&lt;br /&gt;
| Zwei Forschungsförderphasen; anschließend institutionelle Übernahme&lt;br /&gt;
| Nahezu 4.000 Bücher, 50 Sprachen, 40 Gemeinschaften&lt;br /&gt;
| Rechte-Rückstand; Verlust der Kartenfunktion bei Migration&lt;br /&gt;
| '''Sehr hoch''' als Migrations-, Rechte- und Sprachlernfall&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''PARADISEC'''&lt;br /&gt;
| Verbund dreier Universitäten mit Beirat&lt;br /&gt;
| Je Sammlung unterschiedlich; Kopien und Kooperationen mit Herkunftsgemeinschaften&lt;br /&gt;
| Forschungsrat, nationale Forschungsinfrastruktur, Hochschulen und Spenden&lt;br /&gt;
| 20.500 Audio-, 4.000 Videostunden, 320 TB, 1.460 Sprachen; Zertifizierung/Auszeichnungen&lt;br /&gt;
| Hohe Fach- und Infrastrukturvoraussetzungen; Zugänglichkeit regional unterschiedlich&lt;br /&gt;
| '''Hoch''' für zentrales Fachrepositorium; Skalierung nur angepasst&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''RRN'''&lt;br /&gt;
| Gemeinsame Steuerung von First Nations und Museum; viele Datenpartner&lt;br /&gt;
| Co-Entwicklung, Projekte, Diskussionen und Community-Wissen&lt;br /&gt;
| Institutionelle Projektstruktur; aktuelle Kosten öffentlich unklar&lt;br /&gt;
| 29 Institutionen, über 570.000 Objekte, über 4.000 Mitglieder&lt;br /&gt;
| Technische Alterung möglich; Erhaltung der Quelldateien dezentral&lt;br /&gt;
| '''Hoch''' für Kooperation und Arbeitsfunktionen; Wartungsrisiko beachten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Indigitization'''&lt;br /&gt;
| Hochschul- und Community-Netzwerk als Kompetenz- und Förderstelle&lt;br /&gt;
| Projekte werden von Gemeinschaften durchgeführt und kontrolliert&lt;br /&gt;
| Hochschulunterstützung; früheres Kassettenförderprogramm aktuell pausiert&lt;br /&gt;
| 45 Förderprojekte, 11.464 Kassetten, über 422.000 CAD Förderung&lt;br /&gt;
| Dezentrale Langzeiterhaltung nicht automatisch gesichert; Förderpause&lt;br /&gt;
| '''Sehr hoch''' für Digitalisierungszentrum und Unterstützung kleiner Träger&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== F. Übergreifende Erfolgsfaktoren ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.1 Governance und Beteiligung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' Die stärksten gemeinschaftsbezogenen Projekte verankern Beteiligung in Gremien, Rollen und Datenmodellen. RomArchive übergab Kuratierung und strategische Leitlinien überwiegend an Roma. Nuohtti beteiligte Sámi-Parlamente. Mukurtu und das Plateau Portal ermöglichen kulturelle Protokolle und mehrere Beschreibungen. Aṟa Irititja ist unter einer Aṉangu-geführten Organisation verankert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Erforderlich ist ein dauerhaftes Steuerungsmodell mit Vertreterinnen und Vertretern zentraler Einrichtungen, lokaler Träger, beider Sprachräume, Fachwissenschaft, Technik und möglichst verschiedener Generationen. Für sensible Inhalte, Priorisierung und öffentliche Darstellung müssen Entscheidungs- und Eskalationsregeln schriftlich festgelegt werden. Eine bloße Anhörung nach Abschluss technischer Entscheidungen ist unzureichend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.2 Erfassung und Priorisierung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' Nuohtti begann mit der Kartierung verteilter Quellen; LAAL mit systematischem Auffinden gefährdeter Literatur. bavarikon nutzt Anträge, Objektlisten und Auswahlkriterien. Audioprojekte priorisieren physisch und technisch gefährdete Medien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Zunächst sollte das Kulturregister einen belastbaren Überblick schaffen, ohne sofort jeden Eintrag maximal tief zu erschließen. Die Digitalisierungspriorität sollte anschließend aus mindestens vier Kriterien gebildet werden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Gefährdung:''' physischer Verfall, technische Obsoleszenz, Verlustgefahr;&lt;br /&gt;
# '''Bedeutung:''' Einzigartigkeit, Repräsentativität, sprachliche und kulturelle Relevanz;&lt;br /&gt;
# '''Nutzungspotenzial:''' Bildung, Forschung, Sprachrevitalisierung, Vermittlung;&lt;br /&gt;
# '''Umsetzbarkeit:''' Rechteklarheit, Zustand, vorhandene Metadaten, Kosten und Zielrepositorium.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Priorisierungswert darf keine endgültige kulturelle Rangliste erzeugen. Er dient der Arbeitsplanung und muss fachlich sowie gemeinschaftlich überprüfbar sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.3 Organisation der Digitalisierung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' Indigitization und People’s Collection Wales zeigen, dass zentrale Kompetenz und lokale Durchführung kombinierbar sind. bavarikon ergänzt dies um Auswahl, Förderung und Qualitätsprüfung. PARADISEC zeigt für anspruchsvolle audiovisuelle Medien den Wert eines spezialisierten Fachzentrums.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Das Digitalisierungszentrum sollte ein gestuftes Dienstemodell anbieten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Beratung und Projektplanung;&lt;br /&gt;
* Leihtechnik und Schulung für geeignete einfache Verfahren;&lt;br /&gt;
* mobile Digitalisierung vor Ort, wenn Kulturgüter nicht transportiert werden können;&lt;br /&gt;
* zentrale Digitalisierung für anspruchsvolle oder gefährdete Medien;&lt;br /&gt;
* Rahmenverträge und Qualitätskontrolle für externe Spezialdienstleister;&lt;br /&gt;
* Übernahmevorbereitung für das Repositorium.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.4 Technische Architektur ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' Föderierte Portale wie Nuohtti und Euskariana verbinden bestehende Systeme, statt alle Partner zu einem identischen Fachverfahren zu zwingen. Erfolgreiche Systeme verfügen über Exporte und Schnittstellen. LAAL zeigt, dass bei Migrationen zielgruppenspezifische Funktionen verloren gehen können, wenn Daten- und Präsentationslogik zu eng gekoppelt sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Die Architektur sollte modular sein. Das Register verwaltet Nachweise und Beziehungen; Digitalisierungsworkflows erzeugen Dateien und technische Metadaten; das Repositorium übernimmt Erhaltungspakete; Präsentationssysteme beziehen freigegebene Daten und Derivate. Jedes System benötigt dokumentierte Exporte. Eine proprietäre Lösung ohne vollständigen Datenexport, Identifikatorerhalt und Migrationsplan sollte ausgeschlossen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.5 Metadaten und Interoperabilität ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' Euskariana und bavarikon arbeiten mit veröffentlichten Standards und Lieferprofilen; Nuohtti normalisiert heterogene Daten; Mukurtu ermöglicht zusätzliche Community-Metadaten. Technische Vollständigkeit allein löst jedoch keine problematischen historischen Begriffe oder fehlenden kulturellen Kontexte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Notwendig ist ein abgestuftes Metadatenprofil:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* '''Pflichtkern''' für alle Träger: eindeutige Kennung, Bezeichnung, Kulturgutart, Standort beziehungsweise Träger, Sprache, Zeit/Ort soweit bekannt, Kurzkontext, Rechte-/Zugangsstatus, Quellenangabe, Bearbeitungsstand;&lt;br /&gt;
* '''fachliche Erweiterungen''' für Archive, Bibliotheken, Museen, audiovisuelle Medien, immaterielles Kulturerbe und Born-digital-Bestände;&lt;br /&gt;
* '''Community-Felder''' für sorbische Bezeichnungen, lokale Varianten, kulturelle Hinweise, alternative Erzählungen und Korrekturen;&lt;br /&gt;
* '''technische Erhaltungsmetadaten''' im Repositorium, etwa Dateiformat, Prüfsumme, Erzeugung, Migration und Beziehungen zwischen Master und Derivaten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Normdaten und kontrollierte Vokabulare sollten dort eingesetzt werden, wo sie Nutzen bringen. Für ehrenamtliche Erfassung müssen einfache Auswahllisten, Hilfetexte und spätere fachliche Anreicherung vorgesehen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.6 Rechte und kulturelle Selbstbestimmung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' Mukurtu, Aṟa Irititja und LAAL zeigen, dass urheberrechtliche Erlaubnis, Datenschutz und kulturelle Angemessenheit getrennt geprüft werden müssen. Ein Werk kann rechtlich veröffentlichbar, kulturell aber sensibel sein; umgekehrt kann eine Gemeinschaft Zugang wünschen, obwohl eine allgemeine Veröffentlichung nicht möglich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Mindestens vier Sichtbarkeitsstufen sind sinnvoll:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# öffentliche Metadaten, aber kein Medium;&lt;br /&gt;
# öffentliches Nutzungsdigitalisat, gegebenenfalls in reduzierter Qualität;&lt;br /&gt;
# beschränkter Zugang für festgelegte Gruppen, Forschung oder Community;&lt;br /&gt;
# gesperrt beziehungsweise nur intern dokumentiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder Datensatz sollte dokumentieren, wer die Entscheidung getroffen hat, auf welcher Grundlage sie beruht und wann sie erneut geprüft wird. Rechteinformationen müssen vom Register über Repositorium bis Präsentation mitgeführt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.7 Langzeiterhaltung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' PARADISEC belegt den Wert eines fachlich betriebenen Repositoriums. LAAL zeigt sowohl die Trennung von Master- und Nutzungsdateien als auch das Risiko einer Migration. Mukurtu warnt ausdrücklich davor, Zugangsplattform und Erhaltungssystem gleichzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Für jedes Digitalisat müssen vor der Produktion feststehen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Zielrepositorium und verantwortlicher Betreiber;&lt;br /&gt;
* Master- und Nutzungsformat;&lt;br /&gt;
* Dateibenennung beziehungsweise Identifikator;&lt;br /&gt;
* Prüfsumme und Integritätskontrolle;&lt;br /&gt;
* mindestens zwei räumlich getrennte Sicherungskopien;&lt;br /&gt;
* Übergabepaket aus Datei, Metadaten, Rechten und Provenienz;&lt;br /&gt;
* Verfahren für Formatbeobachtung, Migration und Wiederherstellung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das OAIS-Modell bietet den konzeptionellen Rahmen; die NDSA-Reifegradstufen können einen realistischen stufenweisen Aufbau unterstützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.8 Präsentation und Nachnutzung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' RomArchive verbindet Objekte mit kuratierten Erzählungen; People’s Collection Wales mit Lern- und Beitragsfunktionen; Tobar an Dualchais mit sprachlicher Erschließung; RRN mit kollaborativen Arbeitsräumen. Erfolg entsteht nicht durch bloße Online-Sichtbarkeit, sondern durch zielgruppengerechte Kontexte und tatsächlich nutzbare Funktionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Ein gemeinsamer Suchzugang ist wichtig, aber nicht jede Zielgruppe braucht dieselbe Oberfläche. Denkbar sind ein übergreifendes Kulturerbeportal, Fachzugänge für Forschung, Bildungsbausteine, kuratierte Ausstellungen und maschinenlesbare Schnittstellen. Download und Nachnutzung sollten dort ermöglicht werden, wo Rechte und kulturelle Interessen dies zulassen. Nutzungsstatistiken, Zitationen, Downloads, Bildungskooperationen und Community-Rückmeldungen sollten kontinuierlich ausgewertet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.9 Finanzierung und Verstetigung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' RomArchive plante den Betreiberübergang früh. People’s Collection Wales und Aṟa Irititja zeigen, wie belastend unsichere Finanzierung bleibt. Indigitization demonstriert die Wirkung kleiner Förderbudgets, aber auch die Verwundbarkeit eines pausierenden Programms. bavarikon und PARADISEC profitieren von institutioneller Infrastruktur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Es sind drei Kostenarten getrennt zu planen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Aufbaukosten:''' Konzeption, Pilot, Beschaffung, Datenmigration, erste Digitalisierung;&lt;br /&gt;
# '''Betriebskosten:''' Personal, Hosting, Speicher, Sicherung, Helpdesk, Rechtearbeit, Qualitätssicherung;&lt;br /&gt;
# '''Erneuerungskosten:''' Softwareupdates, Sicherheitsmaßnahmen, Hardwareersatz, Formatmigration, Neuentwicklung von Schnittstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Projektmittel eignen sich für Aufbau und Erprobung. Kernfunktionen dürfen nach der Pilotphase nur skaliert werden, wenn ein wiederkehrender Betriebsetat und ein verantwortlicher Rechtsträger feststehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.10 Projektsteuerung und schrittweiser Aufbau ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' People’s Collection Wales empfiehlt einen evidenzbasierten Ablauf aus Bedarf, Pilot, Test, Auswertung und Skalierung. Indigitization entwickelte seinen Werkzeugkasten aus drei Pilotprojekten. bavarikon nutzt Vorantrag, Prüfung, Standards und begleitete Umsetzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Der Aufbau sollte in überprüfbaren Ausbaustufen erfolgen. Jede Stufe braucht definierte Ergebnisse, Qualitätskriterien, Verantwortliche, Budget, Risiken und eine Entscheidung über Fortführung oder Anpassung. Technische Pilotierung ohne Governance-, Rechte- und Betriebsprüfung wäre unvollständig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== G. Empfehlungen für den sorbischen Kontext ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.1 Zielmodell: vier Säulen, drei Fundamente, zwei Betriebsregeln ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ergebnisse lassen sich für den sorbischen Kontext in einem priorisierten 4–3–2-Modell zusammenführen. Es verbindet die im Konzept beschriebene Prozesskette mit einer klaren organisatorischen und technischen Verantwortungsstruktur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Vier funktionale Säulen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Säule&lt;br /&gt;
! Mindestauftrag&lt;br /&gt;
! Abgrenzung&lt;br /&gt;
! Unverzichtbare Schnittstellen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''1. Sorbisches Kulturregister (SKR)'''&lt;br /&gt;
| Verteilte Kulturgüter und Bestände nachweisen, beschreiben, verknüpfen, Rechte- und Prioritätsstatus dokumentieren&lt;br /&gt;
| Kein Ersatz für lokale Inventare und nicht automatisch Speicherort aller Dateien&lt;br /&gt;
| Import/Export zu Fachsystemen; Übergabe von Objekt- und Rechtekennungen an Digitalisierung, Repositorium und Präsentation&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''2. Digitalisierungszentrum (DZ)'''&lt;br /&gt;
| Beratung, Planung, Digitalisierung, Qualitätssicherung, Schulung, Dienstleistersteuerung und Vorbereitung der Archivübergabe&lt;br /&gt;
| Nicht primär öffentlicher Katalog und nicht automatisch dauerhafter Speicher&lt;br /&gt;
| Aufträge aus Register/Priorisierung; Lieferung standardisierter Übergabepakete an Repositorium; Erzeugung von Nutzungsderivaten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''3. Repositorium / digitales Langzeitarchiv'''&lt;br /&gt;
| Masterdateien, Metadaten, Rechte und Provenienz dauerhaft übernehmen, prüfen, sichern und migrieren&lt;br /&gt;
| Nicht mit einem Netzlaufwerk, einer Cloudablage oder der öffentlichen Website gleichzusetzen&lt;br /&gt;
| Persistente Identifikatoren; Rückmeldung des Archivstatus an Register; kontrollierte Bereitstellung an Präsentationssysteme&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''4. Präsentations- und Nutzungssysteme'''&lt;br /&gt;
| Freigegebene Inhalte suchen, verstehen, zitieren, herunterladen und weiterverwenden lassen&lt;br /&gt;
| Nicht führendes System für Rechte, Masterdateien oder dauerhafte Erhaltung&lt;br /&gt;
| Bezug von Metadaten aus Register und Derivaten aus Repositorium; Rückgabe von Nutzungs- und Korrekturinformationen&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Entscheidender Punkt:''' Die vier Säulen sind Funktionen, nicht zwingend vier eigenständige Einrichtungen. Ein Träger kann mehrere Funktionen übernehmen. Dennoch müssen für jede Säule Auftrag, Zuständigkeit, Datenhoheit, Budget, Qualitätskriterien, Vertretung und Ausfallvorsorge benannt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Drei gemeinsame Fundamente ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Fundament&lt;br /&gt;
! Inhalt&lt;br /&gt;
! Warum es vor der Skalierung geklärt werden muss&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''A. Gemeinschaftliche Governance und Rechte'''&lt;br /&gt;
| Entscheidungsgremien, Rollen der Kulturgutträger, Community-Beteiligung, Konfliktlösung, sensible Inhalte, abgestufte Zugänge&lt;br /&gt;
| Ohne Entscheidungskompetenz entstehen Vertrauensverlust, Verzögerungen und nachträgliche Sperrungen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''B. Gemeinsame Daten- und Qualitätsarchitektur'''&lt;br /&gt;
| Metadatenkern, Identifikatoren, Sprachwerte, Vokabulare, Dateiformate, Schnittstellen, Lieferpakete, Qualitätssicherung&lt;br /&gt;
| Ohne gemeinsamen Kern können Register, DZ, Repositorium und Präsentation nicht verlässlich zusammenspielen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''C. Dauerbetrieb, Finanzierung und Kompetenz'''&lt;br /&gt;
| Rechtsträger, wiederkehrendes Budget, Personal, Hosting, Speicher, Wartung, Schulung, Helpdesk und Erneuerungsplanung&lt;br /&gt;
| Ohne Betriebsperspektive vergrößert jedes zusätzliche Digitalisat die technische und organisatorische Schuld.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Zwei Betriebsregeln ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Zentral ermöglichen, dezentral verantworten.''' Zentrale Stellen bieten Infrastruktur, Standards, Beratung, Qualitätskontrolle, Repositorium und gemeinsame Zugänge. Kulturgutträger behalten grundsätzlich Originale, lokalen Kontext, Beziehungen zu Urheberinnen und Urhebern sowie Mitentscheidung über kulturelle Bedeutung und Zugang.&lt;br /&gt;
# '''Als Projekt aufbauen, nur mit Dauerbetrieb skalieren.''' Pilot- und Förderprojekte sind geeignet, Register, Dienste und Workflows zu entwickeln. Eine breite Produktion beginnt erst, wenn dauerhafter Betreiber, Regelbudget, Personal und Erhaltungsweg gesichert sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Prüfsatz für Entscheidungen:''' Kein Digitalisat ohne Zielarchiv; kein Portal ohne Datenpflege; kein Register ohne Zuständigkeit; keine Veröffentlichung ohne Rechte- und Kulturprüfung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.2 Was zentral, dezentral und gemeinsam organisiert werden sollte ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Zentral bereitzustellen&lt;br /&gt;
! Dezentral bei den Kulturgutträgern&lt;br /&gt;
! Gemeinsam zu entscheiden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Technische Plattform und Datenmodell des Kulturregisters&lt;br /&gt;
| Besitz, Verwahrung und konservatorische Verantwortung für Originale, soweit nicht anders vereinbart&lt;br /&gt;
| Welche Bestände zunächst erfasst und digitalisiert werden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Metadatenkern, Vokabulare, Identifikatoren und Schnittstellen&lt;br /&gt;
| Erste Bestandskenntnis, lokale Namen, Geschichte und Beziehungen&lt;br /&gt;
| Kulturelle Bedeutung, Repräsentativität und Priorität&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Digitalisierungsberatung, Spezialtechnik, mobile Dienste und Qualitätsprüfung&lt;br /&gt;
| Lokale Auswahl und organisatorische Vorbereitung&lt;br /&gt;
| Transport, Vor-Ort-Digitalisierung oder externe Vergabe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Repositorium, Sicherung, Integritätsprüfung, Migration und Wiederherstellung&lt;br /&gt;
| Mitwirkung an Rechteklärung und Kontakt zu Betroffenen beziehungsweise Nachkommen&lt;br /&gt;
| Zugangs- und Nutzungskategorien für sensible Inhalte&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mustervereinbarungen, Rechte- und Datenschutzberatung&lt;br /&gt;
| Lokale Freigaben, sofern die jeweilige Stelle entscheidungsbefugt ist&lt;br /&gt;
| Verfahren bei Konflikten, Korrekturen und Takedown-Anfragen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Schulungen, Helpdesk, Dokumentation und gegebenenfalls Kleinprojektförderung&lt;br /&gt;
| Pflege von Kontexten, Korrekturen und neuen Informationen&lt;br /&gt;
| Übersetzungs- und Erschließungsprioritäten in Ober- und Niedersorbisch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gemeinsame Präsentationsbausteine und Programmierschnittstellen&lt;br /&gt;
| Eigene lokale Ausstellungen und Nutzungsszenarien&lt;br /&gt;
| Welche Inhalte übergreifend präsentiert oder nachnutzbar gemacht werden&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Verteilung schützt die dezentrale Trägerschaft, ohne kleine Einrichtungen mit jeder technischen Aufgabe allein zu lassen. Sie verhindert zugleich, dass zentrale Infrastruktur mit zentraler kultureller Deutungshoheit verwechselt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.3 Kurzfristig umsetzbare Schritte: 2026–2027 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Priorität 1: Governance und Verantwortungen beschließen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ein gemeinsames Steuerungsgremium für Kulturregister, Digitalisierungszentrum, Repositorium und Präsentation festlegen.&lt;br /&gt;
* Beide sorbischen Sprachräume, zentrale Institutionen und mindestens mehrere lokale beziehungsweise ehrenamtliche Träger verbindlich vertreten.&lt;br /&gt;
* Entscheidungsrechte, Vetorechte bei sensiblen Inhalten, Konfliktlösung und Vertretungsregelungen schriftlich regeln.&lt;br /&gt;
* Einen dauerhaften Produkt- beziehungsweise Serviceverantwortlichen für jede der vier Säulen benennen, auch wenn mehrere Säulen organisatorisch beim selben Träger liegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Priorität 2: Gemeinsamen Mindeststandard verabschieden ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Standard sollte klein genug für ehrenamtliche Erfassung, aber erweiterbar für Fachinstitutionen sein. Er muss mindestens regeln:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* eindeutige Kennung und verantwortlicher Datensatzhalter;&lt;br /&gt;
* Bezeichnung in Originalsprache und gegebenenfalls Übersetzungen;&lt;br /&gt;
* getrennte Sprachkennzeichnung für Obersorbisch, Niedersorbisch, Deutsch und weitere Sprachen;&lt;br /&gt;
* Kulturgutart und Zugehörigkeit zu materiellen, immateriellen oder digitalen Beständen;&lt;br /&gt;
* Standort beziehungsweise verwahrende Stelle;&lt;br /&gt;
* Kurzkontext, Zeit, Ort und beteiligte Personen soweit bekannt;&lt;br /&gt;
* Rechte-, Datenschutz- und kultureller Zugangsstatus;&lt;br /&gt;
* Digitalisierungs- und Archivierungsstatus;&lt;br /&gt;
* Provenienz, Quellen und Bearbeitungsstand;&lt;br /&gt;
* Exportformat und dauerhafte Identifikatoren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Priorität 3: Rechte- und Zugangsmodell entwickeln ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein einheitlicher Workflow sollte rechtliche und kulturelle Fragen getrennt dokumentieren. Empfohlen werden mindestens die vier Stufen „nur Nachweis“, „öffentliches Derivat“, „beschränkter Zugang“ und „gesperrt“. Für jede Stufe sind Verantwortliche, Freigabegrund, Prüffrist und Takedown-Verfahren festzulegen. Local Contexts kann als Anregung dienen; Begriffe und Symbole müssen jedoch gemeinsam für die sorbische Rechts- und Kulturpraxis entwickelt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Priorität 4: End-to-End-Pilot starten ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der erste Pilot sollte nicht nur ein Portal oder einen Scanner testen, sondern die gesamte Kette:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: Kulturgutträger → Erfassung im Register → Priorisierung und Freigabe → Digitalisierung und Qualitätsprüfung → Übernahme ins Repositorium → kontrollierte Präsentation und Nachnutzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beteiligt werden sollten drei bis fünf sehr unterschiedliche Träger, zum Beispiel eine zentrale Institution, eine Heimatstube oder ein Verein, eine kirchliche Einrichtung, eine kommunale Sammlung und gegebenenfalls eine Privatperson. Der Pilot sollte beide sorbischen Schriftsprachen und mindestens drei Medientypen umfassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Priorität 5: Repositoriumsziel vor Produktionsausweitung klären ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits Pilotdigitalisate benötigen einen definierten, überprüfbaren Speicher- und Erhaltungsweg. Falls das endgültige Langzeitarchiv noch nicht vollständig aufgebaut ist, braucht es einen dokumentierten Übergangsdienst mit Prüfsummen, redundanten Kopien, klarer Verantwortung und verbindlichem späteren Migrationsplan. Eine bloße Projektablage ist nicht ausreichend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.4 Mittelfristiger Strukturaufbau: 2027–2030 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Kulturregister ausbauen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Zwei Anbindungswege anbieten: direkte Erfassung beziehungsweise zentral gehostete Mandanten für kleine Träger und standardisierte Datenlieferung für große Fachsysteme.&lt;br /&gt;
* Priorisierungsansicht, Rechte- und Archivstatus sowie Beziehungen zwischen Original, Digitalisat, Werk, Person, Ort, Brauch und Sammlung abbilden.&lt;br /&gt;
* Korrektur- und Ergänzungsworkflow für Community-Wissen einrichten.&lt;br /&gt;
* Export, Programmierschnittstelle und regelmäßige Sicherung verpflichtend machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Digitalisierungszentrum als Dienstleistungsstelle verstetigen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Servicekatalog mit klaren Leistungen, Voraussetzungen, Bearbeitungszeiten und Kosten beziehungsweise Fördermöglichkeiten veröffentlichen.&lt;br /&gt;
* Mobile und stationäre Digitalisierung sowie Vergabe an Spezialdienstleister kombinieren.&lt;br /&gt;
* Schulungsprogramm und „Train-the-Trainer“-Ansatz für lokale Multiplikatorinnen und Multiplikatoren aufbauen.&lt;br /&gt;
* Kleinprojektförderung nach dem Vorbild von Indigitization oder bavarikon erproben.&lt;br /&gt;
* Qualitätssicherung und Übergabepakete zum Repositorium standardisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Repositorium in einen verlässlichen Regelbetrieb überführen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* OAIS-Funktionen organisatorisch zuordnen und mit den NDSA-Reifegradstufen schrittweise umsetzen.&lt;br /&gt;
* mindestens zwei räumlich getrennte Speicherkopien, regelmäßige Fixity Checks (Prüfung der Dateiunverändertheit über Prüfsummen) und Wiederherstellungstests etablieren;&lt;br /&gt;
* Masterdateien, Derivate, Metadaten, Rechte und technische Ereignisse verknüpfen;&lt;br /&gt;
* Verantwortungen bei Trägerwechsel oder Projektende vertraglich sichern;&lt;br /&gt;
* audiovisuelle Daten nach IASA-Empfehlungen behandeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Präsentation zielgruppenspezifisch entwickeln ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Gemeinsame Suche und verständliche Basiskontexte in Deutsch, Ober- und Niedersorbisch sowie ausgewählte englische Zugänge bereitstellen.&lt;br /&gt;
* Nicht jeden Datensatz vollständig in vier Sprachen übersetzen; stattdessen Oberfläche, Kernelemente, kontrollierte Begriffe und besonders relevante Inhalte priorisieren und Übersetzungsstatus sichtbar machen.&lt;br /&gt;
* Bildungs- und Forschungsnutzung in Pilotkooperationen testen.&lt;br /&gt;
* IIIF und Programmierschnittstellen dort einsetzen, wo sie einen konkreten Mehrwert für Anzeige, Zitation oder Datenbezug schaffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.5 Langfristige Aufgaben: ab 2030 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Regelmäßige Daten- und Formatmigrationen, Sicherheitsprüfungen und Erneuerung der Infrastruktur finanzieren.&lt;br /&gt;
* Erfolg anhand eines stabilen Kennzahlensets messen: erfasste und archivierte Bestände, beteiligte Träger, Bearbeitungszeiten, Rechte-Rückstände, Nutzung, Downloads, Bildungsprojekte, wissenschaftliche Zitationen, Community-Zufriedenheit und Korrekturen.&lt;br /&gt;
* Born-digital-Kulturerbe wie Websites, digitale Fotosammlungen, Social-Media-Projekte, digitale Kunst und Software systematisch übernehmen.&lt;br /&gt;
* Repositoriumsprozesse gegebenenfalls auf eine externe Vertrauenswürdigkeitsprüfung oder Zertifizierung vorbereiten.&lt;br /&gt;
* Kooperationen mit nationalen und europäischen Aggregatoren ausbauen, ohne die sorbische Datenhoheit und sprachliche Sichtbarkeit aufzugeben.&lt;br /&gt;
* Alle drei bis fünf Jahre Governance, Standards, Prioritäten und Zugangsregeln gemeinsam überprüfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.6 Empfohlene Pilotprojekte ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Pilot&lt;br /&gt;
! Ziel&lt;br /&gt;
! Warum besonders sinnvoll&lt;br /&gt;
! Erfolgskriterien&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''1. Kulturregister-Pilot mit heterogenen Trägern'''&lt;br /&gt;
| Mindestmetadaten, Onboarding und föderierte Datenlieferung testen&lt;br /&gt;
| Deckt die reale Spannweite von Fachinstitution bis Ehrenamt ab&lt;br /&gt;
| Mindestens 3–5 Träger liefern exportfähige, verständliche Datensätze; Aufwand und Hilfebedarf sind gemessen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''2. Gefährdete sorbische Ton- und Videobestände'''&lt;br /&gt;
| Priorisierung, Digitalisierung, Transkription, Rechte und Archivierung zeitkritischer Medien&lt;br /&gt;
| Hohe Verlustgefahr und großer Sprachwert; Anknüpfung an Tobar an Dualchais, PARADISEC und Indigitization&lt;br /&gt;
| Definierte Masterdateien, geprüfte Übergabe, zweisprachige Erschließung, Nutzungsfall für Bildung/Forschung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''3. Sensibles und immaterielles Kulturerbe'''&lt;br /&gt;
| Abgestufte Rechte und Community-Entscheidungen an Interviews, Bräuchen oder Familienmaterial erproben&lt;br /&gt;
| Testet Governance statt nur Technik&lt;br /&gt;
| Dokumentierte Freigabewege, mehrere Zugangsstufen, Takedown-Prozess und Community-Abnahme&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''4. Durchgängige Vier-Säulen-Kette'''&lt;br /&gt;
| Datenfluss vom Register bis zur Präsentation ohne manuelle Medienbrüche testen&lt;br /&gt;
| Macht Schnittstellen- und Verantwortungsprobleme früh sichtbar&lt;br /&gt;
| Identifikatoren und Rechte bleiben durchgängig erhalten; Übergaben sind reproduzierbar&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''5. Migrations- und Ausstiegstest'''&lt;br /&gt;
| Vollständigen Export eines Pilotbestands in ein neutrales Format und Wiederimport prüfen&lt;br /&gt;
| Reagiert direkt auf das LAAL- und RRN-Lernfeld technischer Alterung&lt;br /&gt;
| Dateien, Beziehungen, Rechte, Sprachwerte und Identifikatoren bleiben erhalten; Dokumentation ist für anderen Betreiber nutzbar&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.7 Mindestanforderungen vor jeder Beschaffung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor der Entscheidung für eine konkrete Software sollten folgende Punkte verbindlich beantwortet sein:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Welche Funktion der vier Säulen soll die Software erfüllen – und welche ausdrücklich nicht?&lt;br /&gt;
# Wer ist fachlich, technisch und rechtlich verantwortlich?&lt;br /&gt;
# Wie werden Ober- und Niedersorbisch in Oberfläche, Datenfeldern, Suche und Export behandelt?&lt;br /&gt;
# Welche vollständigen Daten- und Dateiexporte sind jederzeit möglich?&lt;br /&gt;
# Wie bleiben Identifikatoren und Beziehungen bei einem Systemwechsel erhalten?&lt;br /&gt;
# Welche Rechte- und Sichtbarkeitsstufen lassen sich abbilden?&lt;br /&gt;
# Wie werden Community-Ergänzungen von institutionellen Ausgangsdaten unterschieden, ohne sie abzuwerten?&lt;br /&gt;
# Wo liegen Masterdateien und wer prüft ihre Integrität?&lt;br /&gt;
# Welche wiederkehrenden Lizenz-, Hosting-, Speicher-, Wartungs- und Personalkosten entstehen über mindestens zehn Jahre?&lt;br /&gt;
# Was geschieht bei Anbieterwechsel, Projektende, Insolvenz oder Wegfall einer Förderung?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.8 Übertragbarkeit differenziert bewertet ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Direkt übertragbare Ansätze ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* funktionale Trennung von Register, Digitalisierung, Repositorium und Präsentation;&lt;br /&gt;
* zentraler Service bei dezentraler Trägerschaft;&lt;br /&gt;
* gemeinsamer Metadatenkern mit fachlichen Erweiterungen;&lt;br /&gt;
* abgestufte Zugänge und getrennte rechtliche/kulturelle Prüfung;&lt;br /&gt;
* Pilotierung mit heterogenen Trägern;&lt;br /&gt;
* Betreiber- und Finanzierungsplanung vor Skalierung;&lt;br /&gt;
* Schulung, Helpdesk und Vorlagen für kleine Sammlungen;&lt;br /&gt;
* Exportfähigkeit und Migrationsplanung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Mit Anpassungen übertragbare Ansätze ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Mukurtu-Protokolle und Traditional Knowledge Labels: als Vorbild, aber mit sorbisch entwickelten Begriffen und deutscher beziehungsweise europäischer Rechtsprüfung;&lt;br /&gt;
* Nuohttis föderierte Architektur: gut übertragbar, jedoch mit deutlich kleinerem institutionellem Netz und zwei sorbischen Schriftsprachen;&lt;br /&gt;
* bavarikons Förder- und Qualitätsverfahren: in vereinfachter Form und mit wesentlich kleinerem Budget;&lt;br /&gt;
* PARADISECs Fachrepositorium: als Dienstemodell für gefährdete Medien, nicht in dessen globaler Größenordnung;&lt;br /&gt;
* People’s Collection Wales: Support- und Beteiligungsmodell, angepasst an kleinere Personalressourcen und vorhandene sorbische Institutionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Kaum unmittelbar übertragbare Ansätze ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* eine vollständig eigenständige technische Großinfrastruktur nach Maßstab eines Flächenlandes wie Bayern;&lt;br /&gt;
* ein internationaler Universitätsverbund mit hunderten Terabyte und weltweitem Einzugsbereich wie PARADISEC;&lt;br /&gt;
* die unveränderte Übernahme indigener Rechts- und Kulturkonzepte in den europäischen Minderheitenkontext;&lt;br /&gt;
* die Vorstellung, jedes lokale Haus müsse ein eigenes Langzeitarchiv oder hoch spezialisiertes Digitalisierungslabor betreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Risiken und Fehler, die vermieden werden sollten ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* '''Portal zuerst:''' Eine öffentlich sichtbare Website wird gebaut, bevor Datenpflege, Rechte und Langzeiterhaltung geregelt sind.&lt;br /&gt;
* '''Projektserver als Archiv:''' Dateien liegen nur in Arbeitsordnern, Clouds oder einem Content-Management-System.&lt;br /&gt;
* '''Ein System für alles:''' Register, Produktion, Archivierung und Präsentation werden technisch und organisatorisch untrennbar gekoppelt.&lt;br /&gt;
* '''Offen oder geschlossen:''' Fehlende Zwischenstufen führen entweder zu unnötiger Sperrung oder unangemessener Veröffentlichung.&lt;br /&gt;
* '''Standards ohne Hilfe:''' Ehrenamtliche Träger erhalten komplexe Vorgaben, aber keine Schulung, Zeit oder Nachbearbeitung.&lt;br /&gt;
* '''Zentralisierung der Deutung:''' Lokale und sprachräumliche Perspektiven werden durch ein einziges zentrales Beschreibungsschema verdrängt.&lt;br /&gt;
* '''Digitalisierung ohne Rechtebudget:''' Scans und Aufnahmen entstehen schneller als Einwilligungen, Prüfungen und Freigaben bearbeitet werden können.&lt;br /&gt;
* '''Abhängigkeit ohne Exit:''' Proprietäre Software oder Dienstleister werden gewählt, ohne vollständigen Export und getesteten Betreiberwechsel.&lt;br /&gt;
* '''Projektende ohne Betrieb:''' Förderziele zählen veröffentlichte Objekte, aber keine Stellen, Speicher-, Wartungs- und Migrationskosten nach Förderende.&lt;br /&gt;
* '''Mehrsprachigkeit nur im Menü:''' Die Oberfläche ist übersetzt, Datensätze, Suche, Vokabulare und redaktionelle Prozesse bleiben einsprachig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.9 Priorisierte Schlussfolgerung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wichtigste Lehre lautet nicht, möglichst schnell ein großes Portal zu füllen. Vorrang hat eine belastbare Arbeitsteilung:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Zuerst Regeln und Verantwortung:''' Governance, Rechte, Sprachmodell, Mindestmetadaten und Betreiber festlegen.&lt;br /&gt;
# '''Dann die sichere Kette:''' Register, Digitalisierungszentrum und Repositorium in einem Ende-zu-Ende-Pilot verbinden.&lt;br /&gt;
# '''Danach skalieren:''' Bestände risikobasiert digitalisieren, kleine Träger durch Dienste und Förderung einbinden.&lt;br /&gt;
# '''Erst darauf die breite Präsentation:''' Freigegebene Inhalte zielgruppengerecht, mehrsprachig und nachnutzbar anbieten.&lt;br /&gt;
# '''Dauerhaft überprüfen:''' Nutzung, Datenqualität, Rechte-Rückstände, Betriebskosten und Community-Zufriedenheit messen und Architektur weiterentwickeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit wird aus vier technischen beziehungsweise organisatorischen Säulen ein gemeinsames System: '''dezentrale kulturelle Verantwortung, zentral abgesicherte Dienste und eine verbindliche dauerhafte Finanzierung.'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== H. Verdichtungsvorschlag für den Konzeptabschnitt „Beispiele anderer Kulturen und Regionen“ ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den kurzen Wiki-Abschnitt wird eine Gliederung in höchstens vier Unterabschnitte empfohlen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Ziel und Auswahl:''' Warum der Vergleich durchgeführt wurde und warum kein universelles Idealmodell gesucht wird.&lt;br /&gt;
# '''Sieben aussagekräftige Beispiele:''' RomArchive, Nuohtti, People’s Collection Wales, Tobar an Dualchais, Euskariana, Mukurtu/Plateau Portal und Indigitization. Jedes Beispiel erhält einen kurzen Kontext, die zentrale Besonderheit und ein konkretes Learning.&lt;br /&gt;
# '''Schlussverdichtung:''' Vier Säulen, drei Fundamente und zwei Betriebsregeln.&lt;br /&gt;
# '''Prioritäten für die Sorben:''' Governance und Standards → Ende-zu-Ende-Pilot und Zielrepositorium → Verstetigung des Digitalisierungszentrums → skalierte Präsentation und Nachnutzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die sieben Beispiele decken die für den sorbischen Kontext wichtigsten Perspektiven ab:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Beispiel&lt;br /&gt;
! Zentrale Besonderheit&lt;br /&gt;
! Konkretes Learning für die Sorben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| RomArchive&lt;br /&gt;
| Minderheitenangehörige kuratieren und steuern; Betreiberübergang nach Projektphase&lt;br /&gt;
| Deutungshoheit und dauerhaften Träger von Beginn an verankern&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Nuohtti&lt;br /&gt;
| Föderierte Suche über verteilte Bestände und mehrere Staaten/Sprachen&lt;br /&gt;
| Kulturregister als verbindende Nachweisschicht statt Zwangszentralisierung bauen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| People’s Collection Wales&lt;br /&gt;
| Zweisprachige Plattform plus Schulung und Community-Unterstützung; unabhängige Evaluation&lt;br /&gt;
| Kleine Träger brauchen Helpdesk, Training und realistische Wirkungsmessung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Tobar an Dualchais&lt;br /&gt;
| Sicherung und sprachliche Erschließung gefährdeter Tonaufnahmen&lt;br /&gt;
| Audiovisuelle Bestände zeitlich priorisieren und mit Transkription verbinden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Euskariana&lt;br /&gt;
| Gemeinsamer Katalog, eigenes Repositorium und Anbindung externer Systeme über Standards&lt;br /&gt;
| Zwei Onboarding-Wege und ein schlanker gemeinsamer Metadatenkern&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mukurtu / Plateau Portal&lt;br /&gt;
| Kulturelle Protokolle, mehrere Perspektiven und abgestufte Zugänge&lt;br /&gt;
| Rechte und kulturelle Sensibilität als Datenmodell, nicht als spätere Einzelfallkorrektur&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Indigitization&lt;br /&gt;
| Zentrale Kompetenz, Training und Kleinprojektförderung bei dezentraler Durchführung&lt;br /&gt;
| Digitalisierungszentrum als Dienstleister und Befähiger für lokale Träger ausgestalten&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Zielumfang von etwa 1.200 bis 1.800 Wörtern ist ausreichend. Die ausführlichen Fallprofile, Matrix, Quellen und differenzierten Empfehlungen verbleiben auf dieser Anhangsseite. Dadurch bleibt der Konzepttext lesbar, während zentrale Aussagen überprüfbar belegt und vertieft werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_faq&amp;quot;&amp;gt;RomArchive (o. J.): ''Frequently Asked Questions''. [https://www.romarchive.eu/en/about/frequently-answered-questions/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_imprint&amp;quot;&amp;gt;Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma e. V. / RomArchive (o. J.): ''Imprint''. [https://www.romarchive.eu/en/imprint/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_kulturstiftung&amp;quot;&amp;gt;Kulturstiftung des Bundes (o. J.): ''RomArchive – Digital Archive of the Roma''. [https://www.kulturstiftung-des-bundes.de/en/programmes_projects/film_and_new_media/detail/romarchive.html Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_about&amp;quot;&amp;gt;Nuohtti / Digital Access to the Sámi Heritage Archives (o. J.): ''About Nuohtti''. [https://nuohtti.com/Content/about Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_uarctic&amp;quot;&amp;gt;University of the Arctic (2023): ''The Nuohtti service provides digital access to Sámi material in European archives''. [https://www.uarctic.org/news/2023/3/the-nuohtti-service-provides-digital-access-to-sami-material-in-european-archives/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_dataspace&amp;quot;&amp;gt;Mäkikalli, Maija / Leppälä, Oona (2024): ''Nuohtti platform improves accessibility to the digitised archives of Sámi cultural heritage''. European Collaborative Cloud for Cultural Heritage / Europeana. [https://www.dataspace-culturalheritage.eu/en/news/nuohtti-platform-improves-accessibility-to-the-digitised-archives-of-sami-cultural-heritage Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_eval&amp;quot;&amp;gt;Vittle, Kate / Haswell-Walls, Fran / Dixon, Tim; ERS Ltd. (2016): ''Evaluation of the Casgliad y Werin Cymru / People’s Collection Wales Digital Heritage Programme. Impact Report''. [https://www.gov.wales/sites/default/files/publications/2019-08/evaluation-of-the-peoples-collection-wales-digital-heritage-programme-impact.pdf PDF], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_support&amp;quot;&amp;gt;People’s Collection Wales (o. J.): ''Community Support''. [https://www.peoplescollection.wales/about-us/community-support Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_edinburgh&amp;quot;&amp;gt;University of Edinburgh (2024): ''Tobar an Dualchais / Kist o Riches''. [https://gaelic.ed.ac.uk/gaelic-collections/tobar-an-dualchais-kist-o-riches Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_funding2025&amp;quot;&amp;gt;Scottish Government (2025): ''Rediscovering lost Gaelic words''. [https://www.gov.scot/news/rediscovering-lost-gaelic-words/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_funding2026&amp;quot;&amp;gt;Scottish Government (2026): ''Boost for Gaelic language''. [https://www.gov.scot/news/boost-for-gaelic-language/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_opening&amp;quot;&amp;gt;University of Edinburgh (o. J.): ''Opening the Well''. [https://gaelic.ed.ac.uk/news/opening-the-well Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;euskariana_about&amp;quot;&amp;gt;Gobierno Vasco / Biblioteca Digital de Euskadi (o. J.): ''Acerca de Euskariana''. [https://www.euskariana.euskadi.eus/euskadibib/es/help/about.do Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;bavarikon_about&amp;quot;&amp;gt;bavarikon / Freistaat Bayern (o. J.): ''Über bavarikon''. [https://www.bavarikon.de/about Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;bavarikon_partner&amp;quot;&amp;gt;bavarikon / Freistaat Bayern (o. J.): ''Partner werden''. [https://www.bavarikon.de/becoming-partner Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;bavarikon_500k&amp;quot;&amp;gt;Bayerische Staatsbibliothek (2024): ''bavarikon knackt die halbe Million: 500.000 digitale Kulturschätze aus rund 170 bayerischen Einrichtungen sind weltweit zugänglich''. [https://www.bsb-muenchen.de/en/about-us/article/bavarikon-knackt-die-halbe-million-500000-digitale-kulturschaetze-aus-rund-170-bayerischen-einrichtungen-sind-weltweit-zugaenglich-6555/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_about&amp;quot;&amp;gt;Mukurtu CMS / Center for Digital Scholarship and Curation, Washington State University (o. J.): ''About / Mission, Core Features, Implementation and Sustainability''. [https://mukurtu.org/about/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_plateau&amp;quot;&amp;gt;Mukurtu CMS / Washington State University (o. J.): ''Plateau Peoples’ Web Portal''. [https://mukurtu.org/project/plateau-peoples-web-portal-showcase/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_dlib&amp;quot;&amp;gt;Christen, Kimberly / Merrill, Alex / Wynne, Michael (2017): ''A Community of Relations: Mukurtu Hubs and Spokes''. D-Lib Magazine, 23(5/6). [https://www.dlib.org/dlib/may17/christen/05christen.html Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_who&amp;quot;&amp;gt;Aṟa Irititja (o. J.): ''Who are we?'' [https://irititja.com/about-ara-irititja/who-are-we/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_approach&amp;quot;&amp;gt;Aṟa Irititja (o. J.): ''Community-Based Approach – The Aṟa Irititja Approach''. [https://irititja.com/archive/the-ara-irititja-approach/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_funding&amp;quot;&amp;gt;Aṟa Irititja (o. J.): ''Funding''. [https://irititja.com/challlenges/funding/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_background&amp;quot;&amp;gt;Charles Darwin University / Living Archive of Aboriginal Languages (o. J.): ''Background''. [https://livingarchive.cdu.edu.au/background/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_rights&amp;quot;&amp;gt;Charles Darwin University / Living Archive of Aboriginal Languages (o. J.): ''Copyright and IP issues''. [https://livingarchive.cdu.edu.au/copyright/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_home&amp;quot;&amp;gt;Charles Darwin University / Living Archive of Aboriginal Languages (o. J.): ''Home''. [https://livingarchive.cdu.edu.au/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_migration&amp;quot;&amp;gt;Christie, Michael (2022): ''Post-LAAL update''. Living Archive of Aboriginal Languages, 26.10.2022. [https://livingarchive.cdu.edu.au/post-laal-update/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;paradisec_about&amp;quot;&amp;gt;PARADISEC (o. J.): ''About us''. [https://www.paradisec.org.au/about-us/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;paradisec_home&amp;quot;&amp;gt;PARADISEC (2026): ''Pacific and Regional Archive for Digital Sources in Endangered Cultures – Home and current collection data''. [https://www.paradisec.org.au/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_about&amp;quot;&amp;gt;Reciprocal Research Network (o. J.): ''About''. [https://www.rrncommunity.org/pages/about Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_contact&amp;quot;&amp;gt;Reciprocal Research Network (o. J.): ''Contact Us / Steering Group''. [https://www.rrncommunity.org/pages/contact Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_home&amp;quot;&amp;gt;Reciprocal Research Network (2026): ''Home / What’s inside''. [https://www.rrncommunity.org/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_rowley&amp;quot;&amp;gt;Rowley, Susan (2013): ''The Reciprocal Research Network: The Development Process''. Museum Anthropology Review, 7(1–2). [https://scholarworks.iu.edu/journals/index.php/mar/article/view/2172 Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_about&amp;quot;&amp;gt;Indigitization (o. J.): ''About Us''. [https://www.indigitization.ca/about-2/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_toolkit&amp;quot;&amp;gt;Indigitization (o. J.): ''Indigitization Toolkit''. [https://www.indigitization.ca/toolkit/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_grant&amp;quot;&amp;gt;Indigitization (o. J.): ''Audio Cassette Digitization Grant''. [https://www.indigitization.ca/funding/audio-cassette-grant/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_funding&amp;quot;&amp;gt;Indigitization (o. J.): ''Funding''. [https://www.indigitization.ca/funding/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;unesco_doc_heritage&amp;quot;&amp;gt;UNESCO (2015): ''Recommendation concerning the preservation of, and access to, documentary heritage including in digital form''. [https://www.unesco.org/en/legal-affairs/recommendation-concerning-preservation-and-access-documentary-heritage-including-digital-form Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;unesco_participation&amp;quot;&amp;gt;UNESCO Intangible Cultural Heritage (o. J.): ''Involvement of communities, groups and individuals''. [https://ich.unesco.org/en/involvement-of-communities-0033 Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;unesco_ethics&amp;quot;&amp;gt;UNESCO Intangible Cultural Heritage (o. J.): ''Ethical Principles for Safeguarding Intangible Cultural Heritage''. [https://ich.unesco.org/en/ethics-and-ich-00866 Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;oais&amp;quot;&amp;gt;International Organization for Standardization (ISO) (2025): ''ISO 14721:2025 – Space data and information transfer systems – Open archival information system (OAIS) – Reference model'', 3. Ausgabe. [https://www.iso.org/standard/87471.html Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;ndsa&amp;quot;&amp;gt;National Digital Stewardship Alliance (2026): ''Levels of Digital Preservation, Version 2.1''. [https://www.ndsa.org/publications/levels-of-digital-preservation/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;care&amp;quot;&amp;gt;Global Indigenous Data Alliance (o. J.): ''CARE Principles for Indigenous Data Governance''. [https://www.gida-global.org/careprinciples Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;localcontexts&amp;quot;&amp;gt;Local Contexts (o. J.): ''Traditional Knowledge and Biocultural Labels and Notices''. [https://localcontexts.org/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;edm&amp;quot;&amp;gt;Europeana Pro (o. J.): ''Europeana Data Model Documentation''. [https://pro.europeana.eu/page/edm-documentation Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;oaipmh&amp;quot;&amp;gt;Open Archives Initiative (o. J.): ''OAI-PMH Frequently Asked Questions''. [https://www.openarchives.org/documents/FAQ.html Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;iiif&amp;quot;&amp;gt;IIIF Consortium (2021, laufend gepflegt): ''IIIF Presentation API 3.0''. [https://iiif.io/api/presentation/3.0/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;iasa&amp;quot;&amp;gt;International Association of Sound and Audiovisual Archives (IASA) (o. J.): ''Guidelines on the Production and Preservation of Digital Audio Objects (TC-04)''. [https://www.iasa-web.org/tc04/audio-preservation Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;digicher&amp;quot;&amp;gt;Europeana Foundation / European Collaborative Cloud for Cultural Heritage (2024): ''Discover the DIGICHer project''. [https://www.dataspace-culturalheritage.eu/en/news/discover-the-digicher-project Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/references&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Měrko Šenk</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://koncept.serbski-inkubator.de/index.php?title=12.3.A1_Vergleichende_Recherche_%E2%80%93_Digitalisierung_des_Kulturerbes_anderer_Kulturen_und_Regionen&amp;diff=1063</id>
		<title>12.3.A1 Vergleichende Recherche – Digitalisierung des Kulturerbes anderer Kulturen und Regionen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://koncept.serbski-inkubator.de/index.php?title=12.3.A1_Vergleichende_Recherche_%E2%80%93_Digitalisierung_des_Kulturerbes_anderer_Kulturen_und_Regionen&amp;diff=1063"/>
		<updated>2026-07-22T11:26:40Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Měrko Šenk: /* B.1 Vorhandene Modelle und Leitlinien */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;''Anhang zu [[12.3 Digitalisierung des Kulturerbes]]''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
''Recherche- und Quellenstand: 20. Juli 2026''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Seite dokumentiert eine vergleichende Recherche zu Erfolgsmodellen, Grenzen und übertragbaren Lösungsbausteinen bei der Digitalisierung des Kulturerbes kleiner, autochthoner, indigener, sprachlicher und regional verteilter Gemeinschaften. Sie dient als ausführliche Beleg- und Arbeitsgrundlage für den Konzeptabschnitt [[12.3 Digitalisierung des Kulturerbes#Beispiele anderer Kulturen und Regionen|„Beispiele anderer Kulturen und Regionen“]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Wichtiger Hinweis zur Aussagekraft:''' Die Fallprofile trennen soweit möglich zwischen dokumentierten Tatsachen, Aussagen der Projektverantwortlichen und der hier vorgenommenen Bewertung. Viele Projekte veröffentlichen keine aktuellen Nutzungszahlen oder unabhängigen Wirkungsevaluationen. In diesen Fällen wird nicht allein aus einer ansprechenden Website auf Erfolg geschlossen. Wo eine Schlussfolgerung nur plausibel, aber nicht direkt belegt ist, ist sie als '''Bewertung''' oder '''Annahme''' gekennzeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Hinweis zur Erstellung:''' Die vorliegende Vergleichsrecherche wurde mit Unterstützung der Funktion „Deep Research“ von ChatGPT (Version GPT-5.6 Sol Pro) erstellt und anschließend redaktionell überarbeitet. Maßgeblich für die Nachvollziehbarkeit sind die jeweils angegebenen Quellen, während die daraus abgeleiteten Bewertungen und Schlussfolgerungen eine analytische Einordnung darstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
__TOC__&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== A. Zusammenfassung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die untersuchten Projekte zeigen kein universell ideales System. Erfolgreiche oder besonders lehrreiche Modelle kombinieren vielmehr unterschiedliche Bausteine entsprechend ihrer Gemeinschaft, Rechtslage, Bestandsstruktur und Ressourcen. Für den sorbischen Kontext sind vor allem folgende Erkenntnisse belastbar:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Funktionen klar trennen, Systeme aber verbinden.''' Register beziehungsweise Katalog, Digitalisierungsdienst, Repositorium beziehungsweise Langzeitarchiv und Präsentationssystem erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Erfolgreiche Verbünde verbinden diese Funktionen über Metadaten, Identifikatoren, Übergabeprozesse und Schnittstellen, statt alles in einem einzigen Portal zu vermischen.&lt;br /&gt;
# '''Gemeinschaftliche Steuerung ist keine Zusatzfunktion.''' RomArchive, Nuohtti, Mukurtu, Aṟa Irititja und das Reciprocal Research Network zeigen, dass Angehörige der jeweiligen Kultur an Auswahl, Beschreibung, Kontextualisierung, Zugangsregeln und strategischen Entscheidungen beteiligt sein müssen. Reine institutionelle „Beteiligung“ ohne festgelegte Entscheidungsrechte reicht nicht aus.&lt;br /&gt;
# '''Zentral ermöglichen, dezentral verantworten.''' Besonders übertragbar sind Modelle, bei denen eine zentrale Stelle Standards, Infrastruktur, Beratung, Qualitätssicherung, Schulung und gegebenenfalls Technik bereitstellt, während Kulturgutträger ihre Originale, lokalen Kenntnisse, Beziehungen zu Rechteinhabern und kulturellen Entscheidungen behalten.&lt;br /&gt;
# '''Ein Suchportal ist noch kein digitales Archiv.''' Nuohtti, Euskariana, bavarikon und das Plateau Peoples’ Web Portal aggregieren beziehungsweise präsentieren Inhalte aus verschiedenen Quellen. Die Langzeiterhaltung der Masterdateien muss davon getrennt geregelt sein. Mukurtu weist ausdrücklich darauf hin, dass eine Zugangsplattform nur ein Baustein eines umfassenderen Systems für Digitalisierung, Erhaltung und Betrieb ist.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
# '''Keine Massendigitalisierung ohne Zielarchiv und Rechteworkflow.''' Digitalisierung erzeugt dauerhafte Folgekosten. Vor einer Skalierung müssen Speicherort, Übernahmeprozess, Prüfsummen, Sicherung, Dateiformate, Metadaten, Rechte und spätere Migration festgelegt sein.&lt;br /&gt;
# '''Offenheit ist nicht binär.''' Erfolgreiche gemeinschaftlich gesteuerte Projekte arbeiten mit abgestuften Zugängen: öffentliches Metadatum, frei zugängliches Nutzungsdigitalisat, registrierter oder gemeinschaftsbezogener Zugang, zeitliche Sperre oder keine Online-Veröffentlichung. Zugänglichkeit und kulturelle Selbstbestimmung werden dadurch nicht als Gegensätze behandelt.&lt;br /&gt;
# '''Mehrsprachigkeit muss Teil der Datenarchitektur sein.''' Zweisprachige oder mehrsprachige Angebote wie People’s Collection Wales, Nuohtti, RomArchive, Euskariana und Aṟa Irititja zeigen, dass Sprachen nicht nur in der Oberfläche, sondern auch in Metadatenfeldern, kontrollierten Begriffen, Suchfunktionen, Transkriptionen und Verantwortlichkeiten berücksichtigt werden müssen.&lt;br /&gt;
# '''Kleine Träger brauchen Dienste, nicht nur Vorgaben.''' People’s Collection Wales und Indigitization belegen den Wert von Beratung, Schulung, Vorlagen, Pilotförderung, technischer Begleitung und „Train-the-Trainer“-Ansätzen. Ein Standard, den Ehrenamtliche oder kleine Einrichtungen ohne Hilfe nicht anwenden können, ist praktisch kein gemeinsamer Standard.&lt;br /&gt;
# '''Projektförderung kann den Aufbau finanzieren, nicht automatisch den Dauerbetrieb.''' RomArchive gelang der geplante Übergang an einen institutionellen Betreiber. Aṟa Irititja musste über Jahre um Verstetigung ringen; bei Indigitization ruht das frühere Förderprogramm für Audiokassetten; die Evaluation von People’s Collection Wales bezeichnete Finanzierungssicherheit als Kernproblem. Dauerverantwortung, Grundfinanzierung und technischer Erneuerungszyklus müssen daher vor einer breiten Skalierung geklärt werden.&lt;br /&gt;
# '''Pilotieren, messen, dann skalieren.''' Besonders sinnvoll sind Pilotvorhaben, die die gesamte Kette von der Erfassung über Rechteklärung und Digitalisierung bis zur Archivierung und Präsentation testen. Die Evaluation von People’s Collection Wales empfiehlt ausdrücklich einen Ablauf aus Bedarf, Pilot, Test, Auswertung und anschließender Skalierung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_eval&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Sorben lässt sich daraus ein prägnantes Zielmodell ableiten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Vier funktionale Säulen&lt;br /&gt;
! Leitfrage&lt;br /&gt;
! Kernaufgabe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''1. Sorbisches Kulturregister'''&lt;br /&gt;
| Was gibt es, wo befindet es sich, was bedeutet es und was ist prioritär?&lt;br /&gt;
| Institutionenübergreifender Nachweis, Kontext, Rechte- und Prioritätsinformationen; Verknüpfung verteilter Bestände.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''2. Digitalisierungszentrum'''&lt;br /&gt;
| Wie entstehen qualitätsgesicherte Digitalisate?&lt;br /&gt;
| Beratung, Auswahl geeigneter Verfahren, Digitalisierung, Qualitätsprüfung, Dienstleistersteuerung, Schulung und Hilfe für kleine Träger.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''3. Repositorium / digitales Langzeitarchiv'''&lt;br /&gt;
| Wie bleiben Masterdateien und Metadaten dauerhaft erhalten?&lt;br /&gt;
| Übernahme, Integritätskontrolle, redundante Sicherung, Dateiformatüberwachung, Migration, persistente Identifikatoren und dokumentierte Verantwortung.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''4. Präsentations- und Nutzungssysteme'''&lt;br /&gt;
| Was wird wem, in welcher Sprache und unter welchen Bedingungen zugänglich?&lt;br /&gt;
| Suche, Kontextualisierung, Bildung, Forschung, Download, Programmierschnittstellen und kreative Nachnutzung – abgestuft nach Rechten und kulturellen Regeln.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Merksatz:''' Das Register weiß, ''was'' und ''wo''; das Digitalisierungszentrum erzeugt und prüft; das Repositorium erhält; die Präsentation vermittelt und ermöglicht Nutzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese funktionale Vierertrennung bedeutet nicht zwingend vier Organisationen oder vier getrennte Beschaffungen. Digitalisierungszentrum und Repositorium können beispielsweise beim selben Träger liegen. Auftrag, Verantwortung, Budget, Qualitätskriterien und Betriebszusagen sollten dennoch getrennt benannt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== B. Stand der Forschung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== B.1 Vorhandene Modelle und Leitlinien ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Gesamtaufgabe „verteilt erfassen, priorisieren, digitalisieren, Metadaten zusammenführen, langfristig erhalten und verantwortungsvoll zugänglich machen“ existiert kein einzelnes, allgemein verbindliches End-to-End-Modell. Es gibt jedoch belastbare Teilmodelle, die zusammengedacht werden können:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die '''UNESCO-Empfehlung''' zur Erhaltung und Zugänglichkeit des dokumentarischen Erbes fordert institutionelle Auswahl- und Erhaltungsstrategien, fachgerechte Erschließung, Metadaten, Zusammenarbeit und rechtzeitige Maßnahmen für gefährdete digitale Bestände.&amp;lt;ref name=&amp;quot;unesco_doc_heritage&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Für immaterielles Kulturerbe verlangt die UNESCO die möglichst breite Beteiligung der Gemeinschaften und die Achtung üblicher Zugangsregeln. Die '''ethischen Grundsätze''' betonen die primäre Rolle der Gemeinschaften sowie freie, vorherige und informierte Zustimmung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;unesco_participation&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;unesco_ethics&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Das '''Referenzmodell OAIS (Open Archival Information System'''; deutsch: Referenzmodell für ein offenes Archiv-Informationssystem) beschreibt Rollen und Kernfunktionen eines digitalen Langzeitarchivs. „Offen“ bezeichnet dabei ein offen entwickeltes Referenzmodell, nicht einen zwingend offenen Zugang zu allen Inhalten.&amp;lt;ref name=&amp;quot;oais&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Die '''NDSA Levels of Digital Preservation''' (Reifegradstufen der National Digital Stewardship Alliance) bieten eine stufenweise, für kleinere Einrichtungen praktikable Orientierung zu Speicherorten, Integrität, Informationssicherheit, Metadaten und Dateiformaten. Die aktuelle Fassung 2.1 von März 2026 stellt ausdrücklich klar, dass nicht jede Sammlung überall die höchste Stufe erreichen muss.&amp;lt;ref name=&amp;quot;ndsa&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Die '''CARE Principles for Indigenous Data Governance''' – Collective Benefit, Authority to Control, Responsibility und Ethics, auf Deutsch etwa gemeinschaftlicher Nutzen, Kontrollbefugnis, Verantwortung und Ethik – ergänzen technische Offenheits- und Nachnutzungsprinzipien um kollektive Rechte und Verantwortlichkeiten.&amp;lt;ref name=&amp;quot;care&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* '''Local Contexts''' stellt Traditional Knowledge Labels und Biocultural Labels bereit, mit denen Gemeinschaften Hinweise zu Herkunft, kultureller Autorität, erlaubter Nutzung und besonderen Protokollen ergänzen können. Diese Instrumente ersetzen das staatliche Urheberrecht nicht, machen aber gemeinschaftsbezogene Erwartungen maschinen- und menschenlesbar.&amp;lt;ref name=&amp;quot;localcontexts&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Für '''Metadaten''' und Austausch stehen etablierte Bausteine zur Verfügung: '''Dublin Core''' für einfache Kernmetadaten, '''Europeana Data Model (EDM'''; Datenmodell der Europeana) für heterogene Kulturdatensätze, '''OAI-PMH (Open Archives Initiative Protocol for Metadata Harvesting'''; Protokoll zum Einsammeln von Metadaten), Programmierschnittstellen sowie '''IIIF (International Image Interoperability Framework'''; Standardfamilie zur interoperablen Präsentation von Bildern und zunehmend Audio/Video).&amp;lt;ref name=&amp;quot;edm&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;oaipmh&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;iiif&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Für audiovisuelle Bestände sind die '''IASA-TC-04'''-Richtlinien der '''International Association of Sound and Audiovisual Archives''' besonders relevant. Sie behandeln unter anderem Signalerfassung, Metadaten, Identifikatoren, Speicherung, kleine Einrichtungen und die Vergabe an Dienstleister.&amp;lt;ref name=&amp;quot;iasa&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== B.2 Vergleichende Forschung und Evaluation ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die belastbarsten Erkenntnisse entstehen aus einer Kombination aus technischen Dokumentationen, Projektberichten, wissenschaftlichen Fallstudien und unabhängigen Evaluationen. Besonders wertvoll ist die Evaluation von People’s Collection Wales, weil sie nicht nur Erfolge, sondern auch geringe Rücklaufzahlen, begrenzte Wirkungsnachweise, Finanzierungsrisiken, Rollenunklarheiten und den hohen Aufwand vermittelter Community-Arbeit offenlegt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_eval&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wissenschaftlich gut dokumentiert sind außerdem das gemeinschaftsbasierte Metadaten- und Zugangsmodell von Mukurtu und dem Plateau Peoples’ Web Portal sowie die kooperative Entwicklung des Reciprocal Research Network. Beide zeigen, dass Vertrauen, Vereinbarungen, parallel mögliche institutionelle und gemeinschaftliche Beschreibungen sowie fein abgestufte Zugänge organisatorisch ebenso wichtig sind wie die Software.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_dlib&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_rowley&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das EU-geförderte Forschungsprojekt DIGICHer untersucht seit 2024, wie Minderheitengemeinschaften – unter anderem Sámi, jüdische und ladinische Gemeinschaften – gerechter an der Digitalisierung und Repräsentation ihres Kulturerbes beteiligt werden können. Da das Projekt bis 2027 läuft, sind im Juli 2026 noch keine abschließenden, allgemein belastbaren Ergebnisse verfügbar. Es ist aber ein relevantes Anschlussvorhaben für die weitere Beobachtung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;digicher&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== B.3 Forschungslücken ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der Auswertung ergeben sich vier wiederkehrende Lücken:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Aktuelle, unabhängige Nutzungs- und Wirkungsevaluationen fehlen bei vielen Projekten.&lt;br /&gt;
# Die technische Präsentationsarchitektur ist häufig besser dokumentiert als die Verantwortung für Masterdateien, Migration und dauerhafte Finanzierung.&lt;br /&gt;
# Community-Beteiligung wird oft beschrieben, aber Entscheidungsrechte, Konfliktlösungen und Repräsentativität bleiben teilweise unklar.&lt;br /&gt;
# Es gibt zahlreiche Standards für Einzelaufgaben, aber wenig empirisch evaluierte Gesamtmodelle für kleine, institutionell verteilte Minderheiten mit ehrenamtlich betreuten Sammlungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Bewertung:''' Der sorbische Ansatz sollte deshalb nicht nach einer fertigen „Best-Practice-Software“ suchen. Zielführender ist eine belastbare Gesamtarchitektur aus Governance, Diensten, Mindeststandards und dauerhaftem Betrieb, in die geeignete vorhandene Softwareprodukte eingebunden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== C. Begründete Auswahl der Fallbeispiele ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Auswahl umfasst zwölf Fälle. Sie deckt europäische Minderheiten, indigene und gemeinschaftlich gesteuerte Modelle, regionale Verbünde, Sprach- und Audioarchive sowie problembehaftete Übergänge ab. Nicht jedes Projekt bildet die gesamte Prozesskette ab; gerade die Unterschiede machen sichtbar, welche Funktion jeweils gelöst wird und wo Lücken bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable sortable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Fall&lt;br /&gt;
! Gemeinschaft / Raum&lt;br /&gt;
! Modelltyp&lt;br /&gt;
! Besondere Relevanz für die Sorben&lt;br /&gt;
! Evidenzlage&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| RomArchive&lt;br /&gt;
| Roma und Sinti; transnational, Schwerpunkt Europa; Betrieb in Deutschland&lt;br /&gt;
| Kuratiertes, gemeinschaftsgeprägtes digitales Archiv&lt;br /&gt;
| Deutungshoheit, Übergabe vom Förderprojekt an einen dauerhaften Betreiber, Mehrsprachigkeit&lt;br /&gt;
| Mittel bis hoch: aktuelle Primärquellen; keine aktuelle unabhängige Wirkungsanalyse&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Nuohtti&lt;br /&gt;
| Sámi in Sápmi; Norwegen, Schweden, Finnland, historisch auch Russland&lt;br /&gt;
| Föderierter Suchdienst über Bestände vieler Institutionen&lt;br /&gt;
| Verteilte Bestände, mehrere Staaten und Sprachen, ethische Hinweise, Open-Source-Bausteine&lt;br /&gt;
| Mittel bis hoch: Projekt- und Betreiberquellen; belastbare Umfangsangaben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| People’s Collection Wales&lt;br /&gt;
| Walisische Bevölkerung und walisischsprachige Gemeinschaft; Wales, Vereinigtes Königreich&lt;br /&gt;
| Nationaler Verbund mit Community-Beiträgen und Schulung&lt;br /&gt;
| Zweisprachigkeit, kleine Träger, zentrale Unterstützung, unabhängige Evaluation&lt;br /&gt;
| Hoch für die untersuchte Förderphase; aktuelle Nutzungsdaten begrenzt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Tobar an Dualchais / Kist o Riches&lt;br /&gt;
| Gälisch- und Scots-sprachige Gemeinschaften; Schottland, Vereinigtes Königreich&lt;br /&gt;
| Digitales Oral-History- und Tonarchiv&lt;br /&gt;
| Gefährdete audiovisuelle Bestände, Sprache, Transkription, Bildung&lt;br /&gt;
| Mittel: aktuelle Bestands- und Förderangaben; keine umfassende unabhängige Evaluation&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Euskariana&lt;br /&gt;
| Baskische Kultur- und Sprachgemeinschaft; Projekt der Autonomen Gemeinschaft Baskenland, Spanien&lt;br /&gt;
| Staatlich getragenes Aggregations- und Zugangsportal&lt;br /&gt;
| Gemeinsamer Katalog, eigenes Repositorium plus Verlinkung, Standards und Europeana-Anbindung&lt;br /&gt;
| Mittel: gute offizielle Dokumentation; wenig unabhängige Wirkungsmessung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| bavarikon&lt;br /&gt;
| Regionales Kulturerbe Bayerns; keine Minderheitenplattform&lt;br /&gt;
| Staatlicher institutionsübergreifender Digitalisierungs- und Präsentationsverbund&lt;br /&gt;
| Betreiberverantwortung, Förderverfahren, Qualitätsanforderungen, Beteiligung vieler Einrichtungen&lt;br /&gt;
| Hoch für Organisation und Umfang; wegen Größenordnung nur teilweise übertragbar&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mukurtu und Plateau Peoples’ Web Portal&lt;br /&gt;
| Indigene Nationen des nordwestlichen Plateaus; USA&lt;br /&gt;
| Open-Source-Zugangsplattform und gemeinschaftlich kuratierter Verbund&lt;br /&gt;
| Kulturelle Protokolle, Traditional Knowledge Labels, mehrere Beschreibungen pro Objekt&lt;br /&gt;
| Hoch für Funktionsmodell und Governance; Betriebskapazität bleibt Voraussetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Aṟa Irititja&lt;br /&gt;
| Aṉangu der APY Lands; South Australia, Australien&lt;br /&gt;
| Gemeinschaftsbasiertes Multimediaarchiv und digitale Rückgabe&lt;br /&gt;
| Lokale Kontrolle, sensibler Zugang, mehrsprachige und niedrigschwellige Nutzung&lt;br /&gt;
| Mittel: detaillierte Eigendokumentation; Wirkungsnachweise überwiegend Selbstauskunft&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Living Archive of Aboriginal Languages&lt;br /&gt;
| Zahlreiche Aboriginal-Sprachgemeinschaften im Northern Territory, Australien&lt;br /&gt;
| Digitales Sprach- und Bildungsarchiv&lt;br /&gt;
| Rechteklärung, offene Lehrmaterialien, Master-/Nutzungsdateien, Migrationsrisiko&lt;br /&gt;
| Hoch für Prozess und Bestandsumfang; dokumentierte Einschränkung nach Systemwechsel&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| PARADISEC&lt;br /&gt;
| Viele kleine und gefährdete Sprachgemeinschaften, vor allem im Pazifikraum&lt;br /&gt;
| Universitärer Fachverbund für audiovisuelle Langzeiterhaltung&lt;br /&gt;
| Gefährdete Tonträger, professionelles Repositorium, verteilte Trägerschaft und Rückgabe von Kopien&lt;br /&gt;
| Hoch: große Bestände, aktuelle Berichte, Zertifizierung und Auszeichnungen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reciprocal Research Network&lt;br /&gt;
| First Nations der Nordwestküste von British Columbia; Kanada&lt;br /&gt;
| Föderierte Recherche- und Kooperationsplattform&lt;br /&gt;
| Institutionenübergreifende Suche, Vereinbarungen, Community-Wissen, technische Alterung&lt;br /&gt;
| Mittel bis hoch: aktuelle Bestandszahlen und Forschung; sichtbare Softwareversion von 2014&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Indigitization&lt;br /&gt;
| First Nations und weitere indigene Gemeinschaften in British Columbia; Kanada&lt;br /&gt;
| Kompetenz-, Schulungs- und Förderprogramm für dezentrale Digitalisierung&lt;br /&gt;
| Besonders nah am möglichen Dienstleistungsmodell eines sorbischen Digitalisierungszentrums&lt;br /&gt;
| Hoch für Förderphase 2013–2019; aktuelles Kassettenförderprogramm pausiert&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== D. Fallprofile ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.1 RomArchive – Digitales Archiv der Roma ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Roma sind eine transnationale, historisch in vielen europäischen und außereuropäischen Staaten lebende Minderheit mit vielfältigen Gruppen, Sprachen und Selbstbezeichnungen. Sinti sind eine unter anderem in Deutschland und Mitteleuropa beheimatete Gruppe. RomArchive ist deshalb keinem einzelnen Minderheitengebiet zugeordnet. Das Projekt wurde in Deutschland öffentlich gefördert und international mit überwiegend aus Roma bestehenden kuratorischen und beratenden Teams entwickelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RomArchive versteht sich als digitales Archiv für Kunst und Kulturen der Roma. Es erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern präsentiert kuratierte, repräsentative Bestände und wissenschaftliche Kontextualisierungen. Inhalte wurden von jeweils zuständigen kuratorischen Teams ausgewählt; kuratorische Teams und Beirat waren überwiegend mit Roma besetzt. Nach Angaben des Projekts wirkten rund 150 Personen aus 15 Staaten mit. Die Übergabe an eine Roma-Organisation war von Beginn der fünfjährigen Entwicklungsphase 2015–2019 an vorgesehen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_faq&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entwicklung wurde durch die Kulturstiftung des Bundes mit 3,75 Millionen Euro gefördert; weitere Unterstützer waren unter anderem die Bundeszentrale für politische Bildung, das Auswärtige Amt und das Goethe-Institut. Seit 2019 liegt der Betrieb beim Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg; die laufende Website nennt die Bundeszentrale für politische Bildung als Förderer.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_kulturstiftung&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_imprint&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Fachliche und technische Lösung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RomArchive verbindet kuratierte Themenbereiche, einen durchsuchbaren Archivbestand, biografische Akteursdaten und digitale Vermittlungsformate. Die Deutsche Kinemathek war für Konzeption und Vermittlung von digitaler Archivierung, Digitalisierung und Katalogisierung beteiligt. Die Website nutzt ein auf Django basierendes Content-Management-System; eine Verbindung zu Axiell Collections bindet das Sammlungsmanagement an die Präsentation an.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_imprint&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben veröffentlichten Materialien existiert ein internes Archiv, das auf begründete Anfrage für Forschung zugänglich ist. Dies ist ein einfaches, aber wichtiges Beispiel für abgestufte Zugänge. Das Angebot ist auf Deutsch, Englisch und Romanes verfügbar; die sprachliche Vielfalt des Romanes wird sichtbar gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Rechte, Beteiligung und nachweisbarer Erfolg ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die stärkste Leistung liegt in der kuratorischen und strategischen Beteiligung der Minderheit sowie in dem Anspruch, Fremdzuschreibungen durch selbst erzählte Gegennarrative zu korrigieren. Ethische Richtlinien und eine Sammlungspolitik wurden durch den internationalen Beirat mitentwickelt. Der Übergang vom zeitlich befristeten Entwicklungsprojekt an einen institutionellen Betreiber wurde tatsächlich vollzogen. Dass das Angebot im Juli 2026 weiterhin betrieben wird, ist ein belastbarer Nachhaltigkeitsindikator.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Aktuelle unabhängige Daten zu Nutzung, Reichweite, Aktualisierungsfrequenz und langfristiger digitaler Erhaltung der Masterdateien sind öffentlich nicht in ausreichender Tiefe dokumentiert. Die öffentliche Oberfläche ist stärker ein kuratiertes Archiv und Wissensportal als ein vollständiges Bestandsregister aller Roma-Kulturgüter. Die überwiegend restriktive Rechtekennzeichnung vieler Inhalte begrenzt kreative Nachnutzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* Minderheitenangehörige mit echten kuratorischen und strategischen Entscheidungsrechten;&lt;br /&gt;
* von Beginn an geplanter Betreiberübergang;&lt;br /&gt;
* Verbindung von Sammlungsdatenbank, kuratiertem Kontext und öffentlicher Präsentation;&lt;br /&gt;
* abgestufter Zugang zwischen öffentlicher Website und internem Forschungsarchiv;&lt;br /&gt;
* öffentliche Anschubförderung plus institutionelle Verankerung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Ein sorbisches Portal sollte nicht nur Objekte zeigen, sondern sorbische Perspektiven, Begriffe und Kontexte strukturell verankern. Für Kulturregister, Digitalisierungszentrum und Präsentation braucht es bereits in der Projektphase einen festgelegten dauerhaften Träger. Ein kuratorischer oder gemeinschaftlicher Beirat sollte nicht nur beraten, sondern definierte Entscheidungsrechte bei Auswahl, Beschreibung und sensiblen Inhalten erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.2 Nuohtti – Föderierter Zugang zum Sámi-Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Sámi sind ein indigenes Volk im nordeuropäischen Sápmi, das sich über Gebiete des heutigen Norwegens, Schwedens, Finnlands und Russlands erstreckt. Es gibt mehrere Sámi-Sprachen und unterschiedliche nationale Rechts- und Institutionsrahmen. Viele historische Quellen und Sammlungsobjekte befinden sich außerhalb von Sámi-Institutionen in europäischen Archiven, Bibliotheken und Museen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nuohtti ist ein Suchdienst, der digitalisierte Sámi-Materialien aus verschiedenen europäischen Gedächtnisinstitutionen zusammenführt. Er wurde im Projekt „Digital Access to the Sámi Heritage Archives“ von 2018 bis 2021 mit EU-Mitteln aus Interreg Nord entwickelt. Beteiligt waren die Sámi-Archive der norwegischen und finnischen Nationalarchive, das schwedische Reichsarchiv sowie Universitäten in Lappland, Oulu und Umeå; die Universität Lappland leitete das Projekt. Die Sámi-Parlamente Finnlands, Norwegens und Schwedens entsandten Mitglieder in die Steuerungsgruppe.&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_about&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_uarctic&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Vorgehen und Architektur ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor der technischen Umsetzung wurden einschlägige Bestände und Datenlieferanten kartiert. Nuohtti bündelt keine Originale und ersetzt die Quellsysteme nicht. Es normalisiert und indexiert Metadaten aus Archiven und Aggregatoren und führt Nutzerinnen und Nutzer zu den jeweiligen Digitalisaten. Eine Karte, eine Zeitleiste und mehrsprachige Suchoberflächen unterstützen den Zugang. Nach Projektangaben waren rund 30.000 Datensätze aus 32 Institutionen in fünf Sprachen zugänglich.&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_uarctic&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Technisch baut Nuohtti auf vorhandenen Open-Source- und öffentlichen Komponenten auf, darunter VuFind, Finna, RecordManager, Finto, Giellatekno, Apache Solr, Leaflet, OpenStreetMap und Nominatim. Daten werden unter anderem über nationale und europäische Aggregationswege eingebunden.&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Rechte, Ethik und Nachhaltigkeit ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nuohtti integriert ethische Hinweise in die Nutzung. Das ist besonders relevant, weil viele historische Beschreibungen und Sammlungen außerhalb der Sámi-Gemeinschaft und unter kolonialen Bedingungen entstanden. Nutzertests fanden unter anderem in Schulen und Bibliotheken statt. Nach dem Projekt wird der Dienst von den beteiligten Nationalarchiven weitergeführt; zugleich wird er im laufenden Projekt DIGICHer als Praxisbeispiel weiterentwickelt und untersucht.&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_dataspace&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Nuohtti löst vor allem den gemeinsamen Nachweis und Zugang. Die Digitalisierung, Rechteklärung und Langzeiterhaltung verbleiben überwiegend bei den Datenlieferanten. Unterschiedliche Datenqualität und historisch problematische Beschreibungen werden durch Aggregation nicht automatisch behoben. Aktuelle, öffentlich nachvollziehbare Nutzungszahlen sind begrenzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* föderierte Architektur statt erzwungener Zentralisierung aller Bestände;&lt;br /&gt;
* Bestands- und Datenquellenkartierung vor dem Portalbau;&lt;br /&gt;
* Beteiligung von Sámi-Parlamenten an der Steuerung;&lt;br /&gt;
* Wiederverwendung vorhandener Open-Source-Komponenten und nationaler Infrastrukturen;&lt;br /&gt;
* mehrsprachige, räumliche und zeitliche Suche;&lt;br /&gt;
* sichtbare ethische Kontextualisierung problematischer Bestände.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Das Sorbische Kulturregister kann als föderierender Nachweis funktionieren: große Institutionen liefern Metadaten über Schnittstellen, kleine Träger können Daten direkt in einem zentral angebotenen System erfassen. Eine zentrale Suche muss nicht bedeuten, dass alle Originale oder alle Digitalisate zentral verwaltet werden. Historische Fremdbeschreibungen sollten als solche kenntlich gemacht und um sorbische Bezeichnungen sowie Community-Kontexte ergänzt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.3 People’s Collection Wales / Casgliad y Werin Cymru ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wales ist ein Landesteil des Vereinigten Königreichs mit eigener Regierung und einer starken nationalen sowie walisischsprachigen Identität. Walisisch und Englisch sind für das Angebot gleichberechtigte Arbeitssprachen. Das Projekt richtet sich nicht nur an professionelle Kulturinstitutionen, sondern auch an lokale Geschichtsgruppen, Vereine, Schulen und Einzelpersonen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
People’s Collection Wales ist eine zweisprachige digitale Plattform und ein begleitendes Unterstützungsprogramm, über das Nutzerinnen und Nutzer walisisches Kulturerbe entdecken, beitragen und vermitteln können. Getragen wird es als föderierte Partnerschaft von Amgueddfa Cymru – National Museum Wales, der National Library of Wales und der Royal Commission on the Ancient and Historical Monuments of Wales; finanziert wird das Programm durch die walisische Regierung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_eval&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Plattform wird durch kostenlose Beratung und Schulung ergänzt. Das aktuelle Unterstützungsangebot umfasst Projektplanung, Digitalisierung, Urheberrecht, Datenschutz, Metadaten und Oral History. Diese Kombination aus Technik und persönlicher Begleitung ist für kleine und ehrenamtliche Träger besonders relevant.&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_support&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Nachweisbarer Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die unabhängige Evaluation von 2016 stellte für die Förderphase 2014–2016 eine gestärkte föderierte Partnerschaft, eine kritische Masse an Inhalten, Fortschritte bei Community-Kompetenzen und eine hohe Vertrauenswürdigkeit des nichtkommerziellen Angebots fest. Externe Projekte sparten Ressourcen, weil sie eine vorhandene Plattform nutzen konnten. Zugleich wurden die gemessenen Wirkungen insgesamt als eher moderat beschrieben. Die Nutzerbefragung hatte nur 38 vollständige Antworten; wirtschaftliche und touristische Wirkungen waren damals nicht nachweisbar. Die Evaluation benannte Finanzierungssicherheit, klare Rollen, technische Stabilität, Marketing und dauerhaft finanzierbare Vor-Ort-Unterstützung als zentrale Herausforderungen. Vermittelte Sitzungen seien für bestimmte Zielgruppen unverzichtbar.&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_eval&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Programm existiert weiterhin und bietet aktuell Unterstützung an. Die verfügbaren Quellen belegen damit institutionelle Kontinuität, ersetzen aber keine neue unabhängige Wirkungsevaluation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* föderierte Trägerschaft mehrerer starker Institutionen;&lt;br /&gt;
* zweisprachige Plattform und Materialien;&lt;br /&gt;
* kostenlose Beratung, Metadaten- und Digitalisierungsschulungen;&lt;br /&gt;
* gemeinsamer technischer Dienst, den lokale Projekte nicht selbst entwickeln müssen;&lt;br /&gt;
* expliziter Pilot- und Lernansatz;&lt;br /&gt;
* unabhängige Evaluation mit offen benannten Grenzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Ein Digitalisierungszentrum sollte nicht nur Geräte betreiben, sondern ein sichtbares Serviceangebot für Heimatstuben, Vereine, Kirchengemeinden, Kommunen und Privatpersonen aufbauen: Erstberatung, Vorlagen, Rechtehilfe, Metadatenhilfe, mobile Einsätze, Schulungen und telefonische beziehungsweise digitale Sprechstunden. Für Obersorbisch und Niedersorbisch sollte Mehrsprachigkeit verbindlich geplant und finanziert werden. Erfolgsmessung darf sich nicht auf Objektzahlen beschränken, sondern sollte Kompetenzen, beteiligte Träger, Nachnutzung und Zufriedenheit erfassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.4 Tobar an Dualchais / Kist o Riches ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schottisch-Gälisch ist eine keltische Minderheitensprache, die vor allem in Schottland, besonders in den Highlands und auf den Inseln, gesprochen wird. Scots ist eine weitere historisch gewachsene Sprache beziehungsweise Sprachgruppe Schottlands. Das Projekt umfasst Aufnahmen auf Gälisch, Scots und Englisch und ist in den öffentlichen und kulturellen Institutionen Schottlands verankert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tobar an Dualchais / Kist o Riches macht mehr als 40.000 mündliche Aufnahmen zugänglich, die seit den 1930er Jahren in Schottland und darüber hinaus entstanden. Enthalten sind Erzählungen, Lieder, Musik, Gedichte und Sachinformationen. Ein bedeutender Teil stammt aus den School of Scottish Studies Archives der Universität Edinburgh; die physischen Originalbestände verbleiben in den Archiven.&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_edinburgh&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Vorhaben wird durch eine Partnerschaft kultureller und wissenschaftlicher Einrichtungen getragen und erhält wiederkehrend öffentliche Förderung. Die schottische Regierung bewilligte 2025 beispielsweise 35.000 Pfund für die fortlaufende Online-Sammlung gälischer und Scots-Materialien und 2026 weitere 14.127 Pfund für die Entwicklung des digitalen Archivs.&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_funding2025&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_funding2026&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Technische und fachliche Schwerpunkte ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Projekt konzentriert sich auf bedrohte zeitbasierte Medien und deren sprachliche Erschließung. Suchfelder nach Thema, Titel und beitragender Person erleichtern die Nutzung. Das ergänzende Vorhaben „Opening the Well“ transkribiert einen großen Bestand gälischer Erzählungen und verbindet Freiwilligenarbeit mit automatischer Spracherkennung. Dadurch werden Tonaufnahmen nicht nur erhalten, sondern durchsuchbar und für Sprachforschung sowie Bildung nachnutzbar.&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_opening&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Die öffentlich sichtbaren Förderungen sind überwiegend programm- oder projektbezogen. Sie belegen fortlaufende Unterstützung, aber keine vollständig transparente dauerhafte Grundfinanzierung des gesamten Betriebs. Rechteklärung, Transkription und Qualitätskontrolle bleiben bei umfangreichen historischen Tonbeständen dauerhafte Aufgaben. Eine umfassende unabhängige Evaluation mit aktuellen Nutzungsdaten wurde in dieser Recherche nicht gefunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* klare Priorität für gefährdete audiovisuelle Bestände;&lt;br /&gt;
* institutionelle Aufbewahrung der Originale und digitale öffentliche Vermittlung;&lt;br /&gt;
* Verbindung von Digitalisierung, sprachlicher Erschließung und Bildung;&lt;br /&gt;
* Kombination aus Fachinstitutionen, öffentlicher Förderung und freiwilliger Mitarbeit;&lt;br /&gt;
* sichtbare Mehrsprachigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Sorbische Tonbänder, Kassetten, Filme und Videoformate sollten wegen Materialalterung und technischer Obsoleszenz gesondert priorisiert werden. Ein Pilot „Sorbische Stimmen und Lieder“ könnte Digitalisierung, Rechteklärung, obersorbische und niedersorbische Transkription, Übersetzung, Normdaten und Bildungsnutzung exemplarisch durchspielen. Automatische Spracherkennung kann unterstützen, ersetzt aber bei kleinen Sprachen keine fachliche und gemeinschaftliche Korrektur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.5 Euskariana – Digitales Portal zum baskischen Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Baskinnen und Basken leben beiderseits der spanisch-französischen Grenze. Baskisch (Euskara) ist eine eigenständige europäische Sprache mit mehreren Varietäten. Euskariana ist kein gesamtbaskisches staatenübergreifendes Projekt, sondern ein Angebot der Autonomen Gemeinschaft Baskenland in Spanien; es bezieht jedoch auch einschlägige Bestände aus Institutionen außerhalb dieser Region ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Euskariana wird von der Digitalen Bibliothek Euskadi innerhalb der baskischen Kulturverwaltung betrieben. Das Portal entsteht in Zusammenarbeit des baskischen Regierungsapparats mit den Provinzverwaltungen von Álava/Araba, Bizkaia und Gipuzkoa, Kommunen, Universitäten, kirchlichen und privaten Einrichtungen. Der Sammlungsschwerpunkt umfasst Werke baskischer Urheberinnen und Urheber, Veröffentlichungen aus Euskadi, weltweit entstandene Inhalte zu baskischen Themen sowie besonders Inhalte auf Baskisch oder in baskischer Übersetzung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;euskariana_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als staatlich getragenes Dauerangebot ist Euskariana stärker institutionell abgesichert als ein zeitlich begrenztes Förderprojekt. Öffentlich zugängliche Quellen benennen jedoch keine vollständigen jährlichen Betriebs- und Personalkosten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Architektur, Standards und Nachnutzung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Euskariana ist gleichzeitig gemeinsamer Katalog und Zugangsportal. Es integriert Datensätze aus Bibliotheksnetzen, Verbundkatalogen, Museen, Archiven, Hochschulrepositorien und internationalen Nationalbibliotheken. Digitale Objekte werden entweder im eigenen Repositorium bereitgestellt oder über Links in den Quellsystemen aufgerufen. Damit unterstützt das Projekt zwei Anbindungswege: zentrale Aufnahme und föderierte Verlinkung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;euskariana_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach offizieller Dokumentation nutzt Euskariana unter anderem MARC, Dublin Core (DC), METS, PREMIS und ALTO. Kurz erläutert: MARC dient vor allem bibliografischen Daten; Dublin Core beschreibt einen einfachen Metadatenkern; METS strukturiert digitale Objekte und Dateigruppen; PREMIS dokumentiert Erhaltungsinformationen; ALTO bildet Layout und erkannten Text digitalisierter Seiten ab. Die Standardisierung ermöglicht die Beteiligung an Europeana und die Verbindung zu weiteren spanischen und französischen Portalen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;euskariana_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Die offizielle Dokumentation ist technisch aussagekräftig, liefert aber wenig Informationen über Community-Entscheidungsrechte, abgestufte kulturelle Zugänge, aktuelle Nutzungszahlen oder eine unabhängige Wirkungsevaluation. Das Modell ist stärker verwaltungs- und institutionsgetrieben als gemeinschaftsgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* klar benannter öffentlicher Betreiber;&lt;br /&gt;
* Kooperation über Verwaltungs-, Institutions- und Sektorgrenzen hinweg;&lt;br /&gt;
* sowohl eigenes Repositorium als auch Einbindung externer Digitalisate;&lt;br /&gt;
* verbindliche internationale Metadaten- und Erhaltungsstandards;&lt;br /&gt;
* besondere Sichtbarkeit der Minderheitensprache;&lt;br /&gt;
* Anschluss an größere Aggregatoren wie Europeana.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Für das Sorbische Kulturregister sollte es mindestens zwei Onboarding-Wege geben: Kleine Träger erfassen beziehungsweise hinterlegen Daten und Dateien in zentral bereitgestellten Diensten; größere Einrichtungen liefern Daten aus eigenen Fachsystemen über Export oder Schnittstelle. Ein gemeinsames Kernprofil muss lokale Fachstandards nicht ersetzen, sondern deren wichtigste Angaben abbilden. Obersorbisch und Niedersorbisch sollten als eigenständige Sprachwerte, nicht nur als Übersetzungsvarianten von Deutsch, gespeichert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.6 bavarikon – Regionaler Digitalisierungs- und Präsentationsverbund ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Region und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bavarikon ist keine Minderheitenplattform, sondern das Kulturportal des Freistaats Bayern. Es ist dennoch relevant, weil es zeigt, wie ein Flächenland zahlreiche Museen, Archive, Bibliotheken, wissenschaftliche Einrichtungen und nichtstaatliche Träger in ein geregeltes Förder-, Qualitäts- und Präsentationsmodell einbindet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die grundsätzliche Ausrichtung und der Mitteleinsatz werden durch das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst sowie das Staatsministerium für Digitales bestimmt. Ein Rat mit 14 stimmberechtigten Mitgliedern aus unterschiedlichen Kultursparten entscheidet über neue Inhalte und berät zu Betrieb und Digitalisierungsstrategie. Die Bayerische Staatsbibliothek trägt den laufenden technischen, redaktionellen und organisatorischen Betrieb; das Leibniz-Rechenzentrum übernimmt das Hosting.&amp;lt;ref name=&amp;quot;bavarikon_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Partner können Digitalisierungsvorhaben beantragen. Die Bayerische Staatsbibliothek begleitet die Digitalisierung, wenn die Ergebnisse in hoher Qualität über bavarikon präsentiert werden. Für die Aufnahme existieren Kriterien, Metadatenhandreichungen, Qualitätsanforderungen für Digitalisate, Musterlisten und ein Vorantragsverfahren.&amp;lt;ref name=&amp;quot;bavarikon_partner&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Nachweisbarer Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Portal ging 2013 online und wird monatlich ergänzt. Im November 2024 meldete die Bayerische Staatsbibliothek mehr als 500.000 digitale Objekte aus rund 170 Einrichtungen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;bavarikon_500k&amp;quot;/&amp;gt; Die institutionelle Betreiberverantwortung, der geregelte Zugang zu Fördermitteln und die veröffentlichten Mindestanforderungen sind belastbare Erfolgsindikatoren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' bavarikon verfügt über die Ressourcen eines deutschen Flächenlandes und einer großen Staatsbibliothek. Diese Größenordnung ist für die Sorben nicht direkt übertragbar. Das Portal ist primär Präsentations- und Förderinfrastruktur; aus den öffentlichen Unterlagen lässt sich nicht ableiten, dass bavarikon für sämtliche Masterdateien aller Partner allein die vollständige Langzeiterhaltung übernimmt. Community-Governance und kulturell abgestufte Zugänge stehen nicht im Mittelpunkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* dauerhaft benannter zentraler Betreiber und leistungsfähiges Rechenzentrum;&lt;br /&gt;
* spartenübergreifendes Entscheidungsgremium;&lt;br /&gt;
* geregeltes Förder- und Auswahlverfahren;&lt;br /&gt;
* publizierte Mindeststandards und Vorlagen;&lt;br /&gt;
* zentrale fachliche Begleitung bei dezentralen Beständen;&lt;br /&gt;
* kontinuierlicher Ausbau statt einmaliger Portalveröffentlichung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Übertragbar ist nicht die Größenordnung, sondern die Verfahrenslogik: ein transparentes Antrags- und Priorisierungsverfahren, verbindliche Lieferpakete, klare Qualitätskontrollen und ein zentraler Ansprechpartner. Ein sorbischer Digitalisierungsfonds könnte kleinere, klar abgegrenzte Vorhaben fördern, sofern Rechte, Metadaten, Zielrepositorium und spätere Nutzung vorab geklärt sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.7 Mukurtu und Plateau Peoples’ Web Portal ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mukurtu entstand aus einer Zusammenarbeit mit der Warumungu-Gemeinschaft in Australien und wurde zu einer frei verfügbaren Plattform für indigene Gemeinschaften weiterentwickelt. Das hier besonders betrachtete Plateau Peoples’ Web Portal betrifft acht indigene Nationen des nordwestlichen Plateaus in den USA, darunter Spokane, Colville, Umatilla, Coeur d’Alene, Warm Springs, Yakama, Confederated Salish and Kootenai Tribes und Nez Perce. Diese Nationen besitzen jeweils eigene politische und kulturelle Strukturen innerhalb der Vereinigten Staaten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mukurtu CMS (Content-Management-System; deutsch: System zur Verwaltung und Veröffentlichung von Inhalten) wird am Center for Digital Scholarship and Curation der Washington State University als Open-Source-Software entwickelt und gepflegt. Die Entwicklung wurde unter anderem durch die National Endowment for the Humanities, das Institute of Museum and Library Services, die Mellon Foundation und die National Science Foundation gefördert.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_about&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_plateau&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Plateau Peoples’ Web Portal ist ein konkreter Verbund zwischen den beteiligten Stämmen, der Washington State University und externen Gedächtnisinstitutionen. Stammesvertreterinnen und -vertreter wählen und kuratieren Materialien; die technische Pflege liegt bei der Universität in Partnerschaft mit indigenen Programmen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_plateau&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Rechte- und Metadatenmodell ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mukurtu unterstützt Traditional Knowledge Labels, fein abgestufte kulturelle Protokolle und mehrere parallele Beschreibungen zu einem Objekt. Eine Institution kann beispielsweise eine archivische Beschreibung liefern, während eine Gemeinschaft eigene Namen, Erzählungen, Herkunftsangaben und Zugangsregeln ergänzt. Der „Roundtrip“-Mechanismus ermöglicht den Export angereicherter Daten, ohne ursprüngliche Metadaten zu verlieren.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wissenschaftliche Dokumentationen des Plateau-Portals beschreiben ein Hub-and-Spoke-Modell – also einen zentralen technischen Knoten mit mehreren institutionellen und gemeinschaftlichen Zulieferern – sowie Vereinbarungen zwischen Partnern, Dublin-Core-Metadaten und granulare Zugangsregeln.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_dlib&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Portal demonstriert dauerhaft, dass kulturelle Selbstbestimmung technisch nicht nur durch „öffentlich“ oder „geschlossen“ abgebildet werden muss. Es ermöglicht mehrere Wissensordnungen neben- statt untereinander. Die Plattform ist Open Source und exportfähig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Open Source bedeutet nicht kostenlosen Betrieb. Installation, Aktualisierung, Hosting, Rechtekonzeption, Datenmigration und Support benötigen dauerhaft qualifiziertes Personal. Mukurtu weist selbst ausdrücklich darauf hin, dass es eine Zugangsplattform und nur ein Bestandteil eines größeren Systems für Digitalisierung, Erhaltung und Nachhaltigkeit ist.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_about&amp;quot;/&amp;gt; Die Übernahme von Traditional Knowledge Labels in den sorbischen Kontext wäre nicht eins zu eins möglich, weil kulturelle und rechtliche Ausgangslagen verschieden sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* kulturelle Protokolle als Kern der Daten- und Zugangslogik;&lt;br /&gt;
* mehrere Beschreibungen und Perspektiven pro Objekt;&lt;br /&gt;
* exportfähige Daten statt Plattformbindung;&lt;br /&gt;
* Partnerschaftsvereinbarungen und konkrete Rollen;&lt;br /&gt;
* dauerhafte technische Trägerschaft durch eine Universität;&lt;br /&gt;
* Community-Kuration statt bloßer Rückmeldung nach Veröffentlichung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Im Kulturregister sollte neben institutionellen Angaben Raum für sorbische Bezeichnungen, lokale Varianten, Erinnerungen und Korrekturen bestehen. Rechte- und Sichtbarkeitsstufen müssen pro Datensatz und möglichst pro Mediendatei modelliert werden. Ein Sorbisches Kulturregister könnte zunächst ein eigenes, rechtlich passendes Set von „Kulturhinweisen“ entwickeln, etwa „nur Metadaten öffentlich“, „Nutzung nur nach Rücksprache“, „innergemeinschaftlich“, „zeitlich gesperrt“ oder „freie Nachnutzung erwünscht“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.8 Aṟa Irititja – Gemeinschaftsbasiertes Aṉangu-Archiv ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aṉangu ist eine Selbstbezeichnung von Ngaanyatjarra-, Pitjantjatjara- und Yankunytjatjara-Gemeinschaften im zentralen Australien. Aṟa Irititja arbeitet vor allem in den Aṉangu Pitjantjatjara Yankunytjatjara Lands (APY Lands) im Nordwesten des Bundesstaats South Australia. Die Gemeinschaften sind australischen staatlichen Strukturen zugehörig, verfügen aber über eigene Land- und Organisationsstrukturen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Entstehung, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Projekt entstand 1994 als sozialgeschichtliches Vorhaben der Pitjantjatjara Council Aboriginal Corporation. Es arbeitet mit Schulen, Bildungszentren, Gesundheits-, Frauen-, Medien-, Land- und Kunstorganisationen in den APY Lands zusammen. Ein zentrales Büro in Adelaide bearbeitet Datenbank, Digitalisierung, physische Lagerung und Verwaltung; ein Büro in Alice Springs hält den Kontakt zu Gemeinschaften und ergänzt Sprach-, Familien- und Kontextinformationen. Seit 2020 steht das Projekt unter dem Dach der APY-Organisation und wird durch deren Executive Board gesteuert.&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_who&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Finanzierung war über lange Zeit eine Mischung aus staatlichen Programmen, Stiftungen, Spenden sowie jährlichen Beiträgen beteiligter Schulen und Community-Organisationen. Die eigene Projektdokumentation bezeichnet die langfristige Finanzierung ausdrücklich als dauerhaftes Problem. Mit der Eingliederung in APY wurden 2020 drei permanente Teilzeitstellen geschaffen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_funding&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Fachliche Lösung, Rechte und Zugang ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aṟa Irititja wurde auf Wunsch der Gemeinschaften entwickelt, um kulturelle Geschichte zu bewahren und zurückzugeben. Das Multimediaarchiv umfasst Fotos, Dokumente, Filme, Tonaufnahmen und Objekte. Die Software sollte kulturelle Einschränkungen abbilden und zugleich für Nutzerinnen und Nutzer mit begrenzter Schriftkompetenz oder eingeschränktem Sehvermögen leicht bedienbar sein. Inhalte werden in Ngaanyatjarra, Pitjantjatjara, Yankunytjatjara und Englisch bereitgestellt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_approach&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_who&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gemeinschaftsmitglieder und kulturelle Berater beurteilen sensible Inhalte und Zugangsregeln. Der Ansatz der „digitalen Rückgabe“ bringt digitale Kopien und Nutzungsmöglichkeiten zu den Gemeinschaften zurück, auch wenn Originale in Museen oder anderen Institutionen verbleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Betrieb seit 1994, die Eingliederung in eine Aṉangu-geführte Organisation und die dauerhafte Nutzung in Schulen und Gemeinschaftseinrichtungen sind starke Nachhaltigkeitsindizien. Die Dokumentation beschreibt intergenerationelle Nutzung, Schulungen und Beschäftigung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Viele Wirkungsangaben stammen vom Projekt selbst. Unabhängige aktuelle Evaluationen und detaillierte technische Angaben zur Langzeiterhaltung sind begrenzt. Die langjährige Finanzierungssuche zeigt, dass kulturelle Bedeutung allein keinen verlässlichen Betriebsetat garantiert. Zentraler Betrieb in Adelaide schafft Fachlichkeit, kann aber Distanz zu abgelegenen Gemeinschaften erzeugen; deshalb bleibt die lokale Kontakt- und Trainingsstruktur wesentlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* Entwicklung aus einem ausdrücklichen Wunsch der Gemeinschaft;&lt;br /&gt;
* institutionelle Unterstellung unter eine gemeinschaftseigene Organisation;&lt;br /&gt;
* lokale Ansprechpartner und zentrale Facharbeit;&lt;br /&gt;
* kulturell abgestufte Zugänge;&lt;br /&gt;
* mehrsprachige, visuell einfache Oberfläche;&lt;br /&gt;
* Verbindung von digitaler Rückgabe, Bildung und Kompetenzaufbau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Auch im sorbischen Kontext sollten Nutzeroberflächen nicht nur für wissenschaftliche Fachkräfte gestaltet werden. Lokale Sammlungsbetreuerinnen und -betreuer brauchen einfache Erfassungswege, visuelle Hilfen und persönliche Unterstützung. Sensible Inhalte – etwa private Familienaufnahmen, religiöse Praktiken, personenbezogene Überlieferung oder nicht für eine allgemeine Öffentlichkeit bestimmte Aufzeichnungen – benötigen ein gemeinsam beschlossenes Zugangsmodell. Zentraler Betrieb muss durch lokale Beziehungen ergänzt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.9 Living Archive of Aboriginal Languages (LAAL) ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Living Archive of Aboriginal Languages bündelt Literatur aus zahlreichen Aboriginal-Sprachgemeinschaften des Northern Territory in Australien. Es handelt sich nicht um eine einzige Minderheit, sondern um viele eigenständige Sprach- und Kulturgemeinschaften. Ein großer Teil der Bücher entstand zwischen den 1970er Jahren und dem Ende bilingualer Bildungsprogramme in lokalen Literature Production Centres.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Projekt begann 2012 unter Leitung der Charles Darwin University mit der Australian National University und dem Bildungsressort des Northern Territory. Es wurde durch die Australian Research Council Linkage Infrastructure, Equipment and Facilities Scheme gefördert. Eine zweite Förderphase erweiterte den Bestand und die Community- sowie Bildungsarbeit; weitere Partner kamen hinzu.&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_background&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Vorgehen umfasste das Auffinden verstreuter Bücher, Auswahl und Digitalisierung, Kontakt zu Autorinnen, Autoren und Illustratoren, Rechteklärung sowie Rückspiegelung in die Herkunftsgemeinschaften. Gemeinschaftsmitglieder konnten Texte prüfen und Geschichten oder Tonaufnahmen ergänzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Dateien, Rechte und Zugang ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für jeden Titel wurden Nutzungsdateien wie PDF, Textdatei und Vorschaubild erstellt; seitenweise TIFF-Masterdateien dienten der Langzeitaufbewahrung. Eine kartenbasierte Oberfläche erleichterte auch Menschen mit geringer Schriftkompetenz die Suche.&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_background&amp;quot;/&amp;gt; Materialien wurden nur nach schriftlicher Einwilligung von Urheberinnen, Urhebern oder Nachkommen veröffentlicht. Das Projekt verwendete Creative-Commons-Lizenzen mit Einschränkungen, berücksichtigte indigene Kultur- und Informationsprotokolle und bot ein Takedown-Verfahren, also die vorläufige Entfernung bei Einwänden.&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_rights&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der aktuelle Bestand umfasst nach Projektangaben nahezu 4.000 Bücher in 50 Sprachen aus 40 Gemeinschaften. Die Materialien wurden in die Plattform Territory Stories von Library &amp;amp; Archives Northern Territory überführt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_home&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Erfolg, Problem und Lernwert ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
LAAL verbindet Sprachsicherung, Rechteklärung, offene Bildungsnutzung und echte Erhaltungsdateien. Das Projekt zeigt aber auch eine typische Migrationsgefahr: Nach der Überführung in Territory Stories funktionierte die speziell entwickelte Kartenoberfläche nicht mehr; das Projekt dokumentierte 2022, dass zunächst auf einen möglichen Ersatz gewartet werde.&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_migration&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Die sorgfältige Rechteklärung erzeugte einen beträchtlichen Rückstand nicht veröffentlichter Materialien; dies ist kein Projektversagen, sondern ein realer Zielkonflikt zwischen Geschwindigkeit und Zustimmung. Die Migration bewahrte Inhalte, verlor aber zumindest zeitweise eine für die Zielgruppen wichtige Zugangsfunktion. Die ursprüngliche Projektorganisation war stark förderabhängig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* systematische „Search-and-Rescue“-Phase für verstreute gefährdete Materialien;&lt;br /&gt;
* klare Trennung von Erhaltungs- und Nutzungsdateien;&lt;br /&gt;
* Veröffentlichung nur mit Einwilligung und Takedown-Verfahren;&lt;br /&gt;
* Beteiligung der Sprachgemeinschaften an Prüfung und Ergänzung;&lt;br /&gt;
* Bildungsnutzung und Offline-Zugriff;&lt;br /&gt;
* Übergabe an eine öffentliche Gedächtnisinstitution.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Für jede digitale Sammlung muss ein Migrations- und Exit-Plan festlegen, wie Daten, Rechteangaben, Identifikatoren und zielgruppenspezifische Funktionen beim Systemwechsel erhalten bleiben. Eine funktionierende Fachoberfläche darf nicht der einzige Ort sein, an dem Beziehungen zwischen Daten gespeichert sind. Rechteklärung sollte als eigenes Arbeitspaket mit Aufwand, Rückständen und Prioritäten geplant werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.10 PARADISEC – Facharchiv für gefährdete Sprachen und Kulturen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaften, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PARADISEC steht für Pacific And Regional Archive for Digital Sources in Endangered Cultures. Es ist kein Archiv einer einzelnen Minderheit, sondern bewahrt Forschungs- und Community-Aufnahmen vieler kleiner Sprach- und Kulturgemeinschaften, vor allem im Pazifikraum, aber auch weltweit. Der institutionelle Sitz liegt in Australien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Organisation, Finanzierung und Architektur ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PARADISEC ist ein Verbund der University of Sydney, der University of Melbourne und der Australian National University. Operative Aufgaben sind über die drei Standorte verteilt; ein externer Beirat unterstützt die Steuerung. Das Projekt wurde wesentlich durch den Australian Research Council und in jüngerer Zeit durch die Language Data Commons of Australia im Rahmen nationaler Forschungsinfrastruktur finanziert.&amp;lt;ref name=&amp;quot;paradisec_about&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;paradisec_home&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Archiv hat Verfahren für Übernahme, Katalogisierung, Digitalisierung und Erhaltung von Audio-, Text- und Bildmaterial entwickelt. Es nutzt Forschungsnetze und institutionelle Speicherinfrastruktur, archiviert Audio in Erhaltungsformaten und stellt stabile Katalogdaten bereit. Kopien wurden an Kulturzentren und Institutionen in Vanuatu, Neukaledonien, Papua-Neuguinea, Französisch-Polynesien, den Salomonen und Rapa Nui zurückgegeben.&amp;lt;ref name=&amp;quot;paradisec_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Nachweisbarer Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Juli 2026 weist PARADISEC rund 20.500 Stunden Audio, 4.000 Stunden Video, mehr als 320 Terabyte und Inhalte zu etwa 1.460 Sprachen aus. Es erhielt 2019 das CoreTrustSeal für vertrauenswürdige Repositorien und wurde 2024 bei den Digital Preservation Awards sowie 2025 mit einem Open Scholarship Award ausgezeichnet.&amp;lt;ref name=&amp;quot;paradisec_home&amp;quot;/&amp;gt; Die Kombination aus großem Bestand, langjährigem Betrieb, fachlichen Standards und konkreter Rückgabe an Herkunftsgemeinschaften ist ein starker Erfolgsnachweis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Ein universitärer Forschungsverbund verfügt über Kompetenzen und Infrastrukturen, die kleinen lokalen Trägern nicht direkt zur Verfügung stehen. Die Community-Beteiligung variiert je nach Depositor, Sammlung und Herkunftsgemeinschaft. Online-Zugriff kann in Regionen mit schwacher Internetversorgung oder ohne passende Sprache weiterhin schwierig sein. Auch ein erfolgreiches Facharchiv benötigt laufende Dritt- und Infrastrukturmittel sowie technische Erneuerung; PARADISEC arbeitet derzeit an einer Erneuerung seines Katalogs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* fachlich fokussiertes Repositorium für gefährdete audiovisuelle und sprachliche Materialien;&lt;br /&gt;
* verteilte institutionelle Trägerschaft mit gemeinsamem Verfahren;&lt;br /&gt;
* professionelle Erhaltungsstandards und Zertifizierung;&lt;br /&gt;
* stabile Identifikatoren und wissenschaftliche Zitierbarkeit;&lt;br /&gt;
* Rückgabe von Kopien und Kooperation mit regionalen Kulturzentren;&lt;br /&gt;
* langfristige Verbindung zu Forschungsinfrastruktur statt isoliertem Projektserver.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Für gefährdete Audio-, Video- und Sprachdaten sollte nicht jede kleine Einrichtung ein eigenes Langzeitarchiv aufbauen. Ein zentral betriebener, professioneller Repositoriumsdienst mit klaren Übernahmepaketen ist sinnvoll. Gleichzeitig müssen Kopien, Zugriffsrechte und nutzbare Arbeitsfassungen bei den sorbischen Kulturgutträgern verbleiben können. Zertifizierungsmodelle wie CoreTrustSeal können langfristig Orientierung geben, sollten aber erst nach Aufbau stabiler Prozesse angestrebt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.11 Reciprocal Research Network (RRN) ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Reciprocal Research Network betrifft kulturelle Objekte der First Nations der Nordwestküste von British Columbia in Kanada. Es wurde gemeinsam von der Musqueam Indian Band, der Stó:lō Nation beziehungsweise dem Stó:lō Tribal Council, der U’mista Cultural Society und dem Museum of Anthropology der University of British Columbia entwickelt. Zahlreiche internationale Museen liefern Daten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und technische Lösung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das RRN ist eine föderierte Recherche- und Kooperationsplattform. Es ermöglicht die gemeinsame Suche in institutionellen Sammlungen, persönliche und gemeinsame Forschungsprojekte, Dateiuploads und Diskussionen. Eine Steuerungsgruppe mit Vertreterinnen und Vertretern der beteiligten First Nations und des Museums ist weiterhin ausgewiesen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_about&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_contact&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wissenschaftliche Publikationen beschreiben den Aufbau als langfristigen Vertrauens- und Aushandlungsprozess. Vereinbarungen mit Partnerinstitutionen regelten Datenlieferung und Zusammenarbeit; agile Softwareentwicklung wurde mit unterschiedlichen Erwartungen und Entscheidungsrhythmen in Einklang gebracht.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_rowley&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Nachweisbarer Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Juli 2026 zeigt die Plattform Daten aus 29 Institutionen, mehr als 570.000 Objekte und 391.000 Fotografien sowie über 4.000 registrierte Mitglieder und fast 2.800 Projekte an.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_home&amp;quot;/&amp;gt; Diese Größenordnung belegt eine erhebliche institutionsübergreifende Aggregation und Nutzung der Arbeitsfunktionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Im Seitenfuß wird weiterhin die Softwareversion 1.8.3 mit Startdatum 22. November 2014 ausgewiesen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_contact&amp;quot;/&amp;gt; Das ist kein Beleg dafür, dass der Dienst beendet ist – die Plattform ist erreichbar und aktuelle Bestandszahlen werden angezeigt –, aber ein Warnsignal für Modernisierungs-, Sicherheits- und Wartungsrisiken. Detaillierte aktuelle Angaben zu Erhaltungsrepositorien und Betriebskosten sind öffentlich begrenzt. Das RRN ist vor allem Forschungs- und Zugangsplattform, nicht zwingend das Langzeitarchiv sämtlicher Quelldateien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* gemeinsame Entwicklung durch First Nations und Museum;&lt;br /&gt;
* föderierte Suche über internationale Sammlungen;&lt;br /&gt;
* dauerhafte Steuerungsgruppe;&lt;br /&gt;
* projektbezogene Kollaboration statt nur passiver Objektanzeige;&lt;br /&gt;
* formalisierte Partnerschaften und Aufbau von Vertrauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Ein sorbisches System kann mehr sein als ein Suchkatalog: Arbeitsbereiche für gemeinsame Erschließung, Korrekturen, Transkription, Übersetzung und Forschung erhöhen die aktive Nachnutzung. Solche Funktionen dürfen aber erst aufgebaut werden, wenn technische Wartung und Datenexport gesichert sind. Langfristige Kooperationsvereinbarungen sind wichtiger als einmalige Datenlieferungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.12 Indigitization – Dezentrale Digitalisierung mit zentraler Befähigung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Indigitization richtet sich an First Nations und weitere indigene Gemeinschaften in British Columbia, Kanada. Die Gemeinschaften verfügen über eigene Regierungen, Archive, Sprachprogramme und Kulturinstitutionen, arbeiten aber häufig mit begrenzten technischen und personellen Ressourcen. Viele gefährdete Tonaufnahmen befinden sich weiterhin lokal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Organisations- und Fördermodell ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Indigitization ist eine Kooperation indigener Gemeinschaften und Organisationen mit dem Irving K. Barber Learning Centre, dem Museum of Anthropology, dem Northern BC Archives der University of Northern British Columbia, der X̱wi7x̱wa Library und weiteren Einheiten der University of British Columbia. Das Programm entwickelt Ressourcen, führt Schulungen durch, berät zu Fördermitteln und unterstützt gemeinschaftsgeführte Digitalisierung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Werkzeugkasten entstand aus drei Pilotprojekten mit First Nations und verbindet deren Erfahrungen mit fachlichen Digitalisierungsstandards. Er enthält Planungshilfen, technische Anleitungen, Metadaten- und Dateiverfahren sowie Musterunterlagen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_toolkit&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von 2013 bis 2019 finanzierten Audiokassetten-Zuschüsse drei Pilot- und 45 Förderprojekte. Mehr als 11.464 Kassetten wurden digitalisiert; insgesamt wurden über 422.143 kanadische Dollar vergeben. Die Förderung umfasste ergänzende Mittel bis 10.000 Dollar je Vorhaben und intensive Schulung. Das spezifische Förderprogramm befindet sich derzeit in einer Pause, während Beratung, Workshops und Verweise auf weitere Programme fortgeführt werden.&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_grant&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_funding&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Rechte, Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Digitalisierungsprojekte verbleiben bei den Gemeinschaften; eine öffentliche Veröffentlichung war nicht zwingend. Auch protokollgebundene und nichtöffentliche Zugänge waren förderfähig. Das schützt lokale Kontrolle und stärkt Kompetenzen vor Ort. Die dokumentierten Objekt- und Förderzahlen sowie die fortbestehende Beratungsinfrastruktur belegen konkrete Wirkung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Dezentrale Digitalisierung garantiert noch keine langfristige Erhaltung. Jede Gemeinschaft braucht ein tragfähiges Speicher-, Sicherungs- und Migrationskonzept oder einen verlässlichen Repositoriumspartner. Die Pause des früheren Kassettenprogramms zeigt die Verwundbarkeit zeitlich begrenzter Förderlinien. Für kleine Teams kann die dauerhafte Anwendung technischer Standards trotz Schulung anspruchsvoll bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* zentrale Kompetenz, Vorlagen, Schulung und begrenzte Anschubfinanzierung;&lt;br /&gt;
* Durchführung und Kontrolle bei den lokalen Gemeinschaften;&lt;br /&gt;
* Pilotprojekte als Grundlage des Werkzeugkastens;&lt;br /&gt;
* praxisnahe Muster für Projektplan, Budget und Stellenprofil;&lt;br /&gt;
* kein Zwang zur allgemeinen Veröffentlichung;&lt;br /&gt;
* Netzwerk aus Hochschulen, Archiven und Community-Fachleuten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Dieses Modell kommt einer möglichen Rolle des sorbischen Digitalisierungszentrums besonders nahe. Die zentrale Stelle könnte mobile Technik, Leihgeräte, Schulung, Qualitätsprüfung, Dienstleisterrahmenverträge und Kleinprojektförderung bereitstellen. Lokale Träger behalten Originale, Auswahl, Kontext und Zugangsentscheidungen. Anders als bei rein dezentralen Ansätzen sollte im sorbischen Modell jedoch von Anfang an ein gemeinsames Repositorium oder ein verbindlicher Repositoriumsdienst angeschlossen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== E. Vergleichsmatrix ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== E.1 Funktionen, Architektur und Standards ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable sortable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Projekt&lt;br /&gt;
! Register / Katalog&lt;br /&gt;
! Digitalisierung&lt;br /&gt;
! Repositorium / Langzeiterhaltung&lt;br /&gt;
! Präsentation / Nachnutzung&lt;br /&gt;
! Technologie und Standards&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''RomArchive'''&lt;br /&gt;
| Kuratierter Sammlungsnachweis; kein Vollregister&lt;br /&gt;
| Auswahl und Digitalisierung in der Projektphase&lt;br /&gt;
| Interne und veröffentlichte Bestände; öffentliche Dokumentation der Langzeitprozesse begrenzt&lt;br /&gt;
| Themenarchive, Touren, Forschung; Deutsch, Englisch, Romanes; eingeschränkte Nachnutzung&lt;br /&gt;
| Axiell Collections, Django-Webanwendung, Connector zwischen Sammlung und Website&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Nuohtti'''&lt;br /&gt;
| Föderierter Metadatenindex aus vielen Archiven&lt;br /&gt;
| Erfolgt überwiegend bei Quellinstitutionen&lt;br /&gt;
| Verbleibt bei Datenlieferanten; Nationalarchive tragen Suchdienst weiter&lt;br /&gt;
| Mehrsprachige Suche, Karte, Zeitleiste; Verlinkung zu Quellen&lt;br /&gt;
| VuFind, Finna, RecordManager, Solr, Finto, Giellatekno, Leaflet, OpenStreetMap, Europeana-Wege&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''People’s Collection Wales'''&lt;br /&gt;
| Gemeinsame Plattform mit institutionellen und Community-Beiträgen&lt;br /&gt;
| Zentral unterstützte, teils lokale Digitalisierung; Schulungen&lt;br /&gt;
| In Evaluation als klärungsbedürftige Rolle benannt; nicht allein aus Portal abzuleiten&lt;br /&gt;
| Zweisprachiges Portal, Uploads, Lernangebote, Karten&lt;br /&gt;
| Gemeinsame Plattform; Metadaten-, Rechte- und Digitalisierungshilfen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Tobar an Dualchais'''&lt;br /&gt;
| Durchsuchbarer Katalog zu Tonaufnahmen&lt;br /&gt;
| Audio-Digitalisierung, Erschließung und Transkription&lt;br /&gt;
| Originale in institutionellen Archiven; digitale Erhaltung in Partnerstrukturen&lt;br /&gt;
| Mehr als 40.000 Aufnahmen; Sprache, Bildung, Forschung&lt;br /&gt;
| Audio-Workflows; Transkription und automatische Spracherkennung in Ergänzungsprojekten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Euskariana'''&lt;br /&gt;
| Integrierter Katalog aus Bibliotheken, Archiven, Museen und Repositorien&lt;br /&gt;
| Bei Partnern und in eigenen Programmen&lt;br /&gt;
| Eigenes Repositorium plus Links zu externen Repositorien&lt;br /&gt;
| Baskisch/spanisch; öffentliche Suche; Europeana-Anbindung&lt;br /&gt;
| MARC, Dublin Core, METS, PREMIS, ALTO; OAI-Zugang&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''bavarikon'''&lt;br /&gt;
| Gemeinsames Portal mit Partnerdaten&lt;br /&gt;
| Förderprogramm und fachliche Begleitung; zentrale Qualitätsprüfung&lt;br /&gt;
| Verantwortlichkeit für alle Masterdateien nicht einheitlich öffentlich dokumentiert&lt;br /&gt;
| Portalsuche, Ausstellungen, 3D, Bildungs- und Social-Media-Formate&lt;br /&gt;
| Verbindliche Metadaten- und Lieferhandreichungen; zentrales Hosting&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Mukurtu / Plateau Portal'''&lt;br /&gt;
| Institutionelle und Community-Datensätze zu denselben Objekten&lt;br /&gt;
| Nicht Kernfunktion; lokale beziehungsweise institutionelle Workflows&lt;br /&gt;
| Mukurtu ausdrücklich nur Zugangsbaustein; Erhaltung separat zu planen&lt;br /&gt;
| Protokollbasierter Zugang, Community-Erzählungen, Export&lt;br /&gt;
| Open Source auf Drupal-Basis; TK Labels; kulturelle Protokolle; Dublin Core; Roundtrip-Export&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Aṟa Irititja'''&lt;br /&gt;
| Zentraler Multimedia-Katalog mit lokalen Ergänzungen&lt;br /&gt;
| Zentral vorbereitet, mit Community-Kontaktstellen und historischer Formatrettung&lt;br /&gt;
| Physische und digitale Materialien zentral fachlich verwaltet; Details zu Erhaltungsstufen begrenzt&lt;br /&gt;
| Community-Zugänge, mehrsprachig, visuell niedrigschwellig; digitale Rückgabe&lt;br /&gt;
| Speziell entwickelte beziehungsweise weiterentwickelte Wissensmanagement-Software; kulturelle Beschränkungen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''LAAL'''&lt;br /&gt;
| Sprach-, Orts-, Personen- und Titelnachweis&lt;br /&gt;
| Systematische Suche, Scan und Rechteklärung&lt;br /&gt;
| TIFF-Master; zunächst CDU eSpace, später Territory Stories&lt;br /&gt;
| PDFs, Textdateien, App, Bildung; ursprüngliche Kartenfunktion nach Migration verloren&lt;br /&gt;
| TIFF/PDF/TXT/JPG; persistente Kennungen im Zielsystem; Creative-Commons- und Takedown-Modell&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''PARADISEC'''&lt;br /&gt;
| Fachkatalog für audiovisuelle und sprachliche Sammlungen&lt;br /&gt;
| Professionelle Digitalisierung gefährdeter Medien&lt;br /&gt;
| Institutioneller Verbund; Erhaltungsformate, redundante Infrastruktur, CoreTrustSeal&lt;br /&gt;
| Online-Katalog, Forschung, Community-Zugang und Rückgabe von Kopien&lt;br /&gt;
| Internationale Archivstandards; stabile Identifikatoren; laufende Katalogmodernisierung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''RRN'''&lt;br /&gt;
| Föderierte Suche über Daten von 29 Institutionen&lt;br /&gt;
| Erfolgt primär bei Partnern&lt;br /&gt;
| Plattform ist kein einheitliches Langzeitarchiv aller Quellen&lt;br /&gt;
| Kollaborative Projekte, Diskussionen, Uploads und Recherche&lt;br /&gt;
| Föderierte Datenintegration, Programmierschnittstelle; sichtbare Plattformversion von 2014&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Indigitization'''&lt;br /&gt;
| Kein zentraler Gesamtkatalog als Hauptziel&lt;br /&gt;
| Dezentrale Digitalisierung mit zentraler Schulung, Geräten, Standards und Förderung&lt;br /&gt;
| Muss je Community beziehungsweise über Partner gelöst werden&lt;br /&gt;
| Community-interne oder öffentliche Nutzung nach lokalen Regeln&lt;br /&gt;
| Werkzeugkasten, Broadcast-Wave-Audio, Musterunterlagen und Trainingsworkflows&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== E.2 Governance, Finanzierung, Erfolg und Übertragbarkeit ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable sortable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Projekt&lt;br /&gt;
! Organisationsmodell&lt;br /&gt;
! Community-Beteiligung&lt;br /&gt;
! Finanzierung und dauerhafter Betrieb&lt;br /&gt;
! Nachweisbarer Erfolg&lt;br /&gt;
! Grenzen&lt;br /&gt;
! Übertragbarkeit auf die Sorben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''RomArchive'''&lt;br /&gt;
| Internationales Kuratorium/Beirat; seit 2019 Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma&lt;br /&gt;
| Überwiegend Roma in Kuratorien und Beirat; Auswahl und strategische Richtlinien&lt;br /&gt;
| Große öffentliche Anschubförderung; institutioneller Betreiber und laufende öffentliche Förderung&lt;br /&gt;
| Betreiberübergang vollzogen; seit 2019 online weitergeführt&lt;br /&gt;
| Kein Vollregister; wenige aktuelle Nutzungsdaten; Nachnutzung oft restriktiv&lt;br /&gt;
| '''Hoch''' für Governance, kuratierte Kontexte und Betreiberübergang&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Nuohtti'''&lt;br /&gt;
| Drei Nationalarchive plus Universitäten; föderierter Dienst&lt;br /&gt;
| Sámi-Parlamente in Steuerungsgruppe; ethische Leitlinien und Tests&lt;br /&gt;
| EU-Projekt; Weiterbetrieb durch Nationalarchive&lt;br /&gt;
| Rund 30.000 Datensätze, 32 Institutionen, fünf Sprachen; fortbestehender Dienst&lt;br /&gt;
| Datenqualität und Erhaltung bleiben verteilt; geringe aktuelle Wirkungsdaten&lt;br /&gt;
| '''Sehr hoch''' für Kulturregister und föderierte Suche&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''People’s Collection Wales'''&lt;br /&gt;
| Föderation dreier nationaler Einrichtungen&lt;br /&gt;
| Lokale Gruppen und Einzelpersonen liefern Inhalte; umfangreiche Unterstützung&lt;br /&gt;
| Walisische Regierung; Evaluation benennt Nachhaltigkeitsrisiko&lt;br /&gt;
| Dauerbetrieb, Community-Kompetenzen, kritische Masse; unabhängige Evaluation&lt;br /&gt;
| Moderate gemessene Wirkung; Vermittlung personalintensiv; 38 Survey-Antworten&lt;br /&gt;
| '''Sehr hoch''' für Servicezentrum, Zweisprachigkeit und Evaluation&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Tobar an Dualchais'''&lt;br /&gt;
| Partnerschaft kultureller und wissenschaftlicher Einrichtungen&lt;br /&gt;
| Sprachgemeinschaften, Beitragende und Freiwillige bei Erschließung/Transkription&lt;br /&gt;
| Wiederkehrende öffentliche Projekt- und Programmmittel&lt;br /&gt;
| Mehr als 40.000 Aufnahmen; laufende Weiterentwicklung&lt;br /&gt;
| Dauergrundfinanzierung und Rechteaufwand öffentlich nur teilweise sichtbar&lt;br /&gt;
| '''Hoch''' für gefährdete Medien und Spracherschließung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Euskariana'''&lt;br /&gt;
| Baskische Regierung mit öffentlichen und privaten Partnern&lt;br /&gt;
| Eher institutionell als gemeinschaftsgeführt&lt;br /&gt;
| Staatlicher Betrieb&lt;br /&gt;
| Breiter Quellenverbund, Standards, Europeana-Interoperabilität&lt;br /&gt;
| Wenig unabhängige Nutzungsevaluation; Community-Rechte kaum dokumentiert&lt;br /&gt;
| '''Hoch''' für Metadaten, Onboarding-Wege und Aggregation; '''mittel''' für Governance&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''bavarikon'''&lt;br /&gt;
| Ministerien, 14-köpfiger Rat, Bayerische Staatsbibliothek, Rechenzentrum&lt;br /&gt;
| Partnerinstitutionen im Rat; keine Minderheiten-Governance&lt;br /&gt;
| Dauerhafte Landesstruktur plus Projektförderung&lt;br /&gt;
| Über 500.000 Objekte aus rund 170 Einrichtungen; monatlicher Ausbau&lt;br /&gt;
| Große Ressourcen; Präsentation und Förderlogik dominieren&lt;br /&gt;
| '''Mittel bis hoch''' für Verfahren/Qualität; Größenordnung kaum übertragbar&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Mukurtu / Plateau Portal'''&lt;br /&gt;
| Universität als Technikträger; acht indigene Nationen und Museen als Partner&lt;br /&gt;
| Kuration, Metadaten, Protokolle und Zugriff durch Stammesvertreter&lt;br /&gt;
| Öffentliche und philanthropische Forschungsförderung; Universität pflegt Software&lt;br /&gt;
| International genutzte Open-Source-Plattform; dauerhaftes konkretes Portal&lt;br /&gt;
| Qualifizierter Betrieb nötig; Zugangsplattform ersetzt kein Repositorium&lt;br /&gt;
| '''Sehr hoch''' für Rechte, sensible Inhalte und Mehrperspektivität&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Aṟa Irititja'''&lt;br /&gt;
| Zentralfachstelle plus lokale Liaison; seit 2020 unter APY-Organisation&lt;br /&gt;
| Auftrag, Steuerung, Zugangsregeln und Kontext durch Aṉangu&lt;br /&gt;
| Langjährige Mischung aus Zuschüssen, Spenden und lokalen Beiträgen; drei permanente Teilzeitstellen&lt;br /&gt;
| Betrieb seit 1994; lokale Nutzung und digitale Rückgabe&lt;br /&gt;
| Finanzierung lange prekär; Wirkung überwiegend selbst berichtet&lt;br /&gt;
| '''Hoch''' für lokale Kontrolle und abgestufte Zugänge; Technik nicht direkt übertragbar&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''LAAL'''&lt;br /&gt;
| Universität und öffentliche Partner; Übergabe an Landesbibliothek/-archiv&lt;br /&gt;
| Einwilligung, Prüfung und Ergänzung durch Sprachgemeinschaften&lt;br /&gt;
| Zwei Forschungsförderphasen; anschließend institutionelle Übernahme&lt;br /&gt;
| Nahezu 4.000 Bücher, 50 Sprachen, 40 Gemeinschaften&lt;br /&gt;
| Rechte-Rückstand; Verlust der Kartenfunktion bei Migration&lt;br /&gt;
| '''Sehr hoch''' als Migrations-, Rechte- und Sprachlernfall&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''PARADISEC'''&lt;br /&gt;
| Verbund dreier Universitäten mit Beirat&lt;br /&gt;
| Je Sammlung unterschiedlich; Kopien und Kooperationen mit Herkunftsgemeinschaften&lt;br /&gt;
| Forschungsrat, nationale Forschungsinfrastruktur, Hochschulen und Spenden&lt;br /&gt;
| 20.500 Audio-, 4.000 Videostunden, 320 TB, 1.460 Sprachen; Zertifizierung/Auszeichnungen&lt;br /&gt;
| Hohe Fach- und Infrastrukturvoraussetzungen; Zugänglichkeit regional unterschiedlich&lt;br /&gt;
| '''Hoch''' für zentrales Fachrepositorium; Skalierung nur angepasst&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''RRN'''&lt;br /&gt;
| Gemeinsame Steuerung von First Nations und Museum; viele Datenpartner&lt;br /&gt;
| Co-Entwicklung, Projekte, Diskussionen und Community-Wissen&lt;br /&gt;
| Institutionelle Projektstruktur; aktuelle Kosten öffentlich unklar&lt;br /&gt;
| 29 Institutionen, über 570.000 Objekte, über 4.000 Mitglieder&lt;br /&gt;
| Technische Alterung möglich; Erhaltung der Quelldateien dezentral&lt;br /&gt;
| '''Hoch''' für Kooperation und Arbeitsfunktionen; Wartungsrisiko beachten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Indigitization'''&lt;br /&gt;
| Hochschul- und Community-Netzwerk als Kompetenz- und Förderstelle&lt;br /&gt;
| Projekte werden von Gemeinschaften durchgeführt und kontrolliert&lt;br /&gt;
| Hochschulunterstützung; früheres Kassettenförderprogramm aktuell pausiert&lt;br /&gt;
| 45 Förderprojekte, 11.464 Kassetten, über 422.000 CAD Förderung&lt;br /&gt;
| Dezentrale Langzeiterhaltung nicht automatisch gesichert; Förderpause&lt;br /&gt;
| '''Sehr hoch''' für Digitalisierungszentrum und Unterstützung kleiner Träger&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== F. Übergreifende Erfolgsfaktoren ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.1 Governance und Beteiligung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' Die stärksten gemeinschaftsbezogenen Projekte verankern Beteiligung in Gremien, Rollen und Datenmodellen. RomArchive übergab Kuratierung und strategische Leitlinien überwiegend an Roma. Nuohtti beteiligte Sámi-Parlamente. Mukurtu und das Plateau Portal ermöglichen kulturelle Protokolle und mehrere Beschreibungen. Aṟa Irititja ist unter einer Aṉangu-geführten Organisation verankert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Erforderlich ist ein dauerhaftes Steuerungsmodell mit Vertreterinnen und Vertretern zentraler Einrichtungen, lokaler Träger, beider Sprachräume, Fachwissenschaft, Technik und möglichst verschiedener Generationen. Für sensible Inhalte, Priorisierung und öffentliche Darstellung müssen Entscheidungs- und Eskalationsregeln schriftlich festgelegt werden. Eine bloße Anhörung nach Abschluss technischer Entscheidungen ist unzureichend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.2 Erfassung und Priorisierung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' Nuohtti begann mit der Kartierung verteilter Quellen; LAAL mit systematischem Auffinden gefährdeter Literatur. bavarikon nutzt Anträge, Objektlisten und Auswahlkriterien. Audioprojekte priorisieren physisch und technisch gefährdete Medien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Zunächst sollte das Kulturregister einen belastbaren Überblick schaffen, ohne sofort jeden Eintrag maximal tief zu erschließen. Die Digitalisierungspriorität sollte anschließend aus mindestens vier Kriterien gebildet werden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Gefährdung:''' physischer Verfall, technische Obsoleszenz, Verlustgefahr;&lt;br /&gt;
# '''Bedeutung:''' Einzigartigkeit, Repräsentativität, sprachliche und kulturelle Relevanz;&lt;br /&gt;
# '''Nutzungspotenzial:''' Bildung, Forschung, Sprachrevitalisierung, Vermittlung;&lt;br /&gt;
# '''Umsetzbarkeit:''' Rechteklarheit, Zustand, vorhandene Metadaten, Kosten und Zielrepositorium.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Priorisierungswert darf keine endgültige kulturelle Rangliste erzeugen. Er dient der Arbeitsplanung und muss fachlich sowie gemeinschaftlich überprüfbar sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.3 Organisation der Digitalisierung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' Indigitization und People’s Collection Wales zeigen, dass zentrale Kompetenz und lokale Durchführung kombinierbar sind. bavarikon ergänzt dies um Auswahl, Förderung und Qualitätsprüfung. PARADISEC zeigt für anspruchsvolle audiovisuelle Medien den Wert eines spezialisierten Fachzentrums.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Das Digitalisierungszentrum sollte ein gestuftes Dienstemodell anbieten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Beratung und Projektplanung;&lt;br /&gt;
* Leihtechnik und Schulung für geeignete einfache Verfahren;&lt;br /&gt;
* mobile Digitalisierung vor Ort, wenn Kulturgüter nicht transportiert werden können;&lt;br /&gt;
* zentrale Digitalisierung für anspruchsvolle oder gefährdete Medien;&lt;br /&gt;
* Rahmenverträge und Qualitätskontrolle für externe Spezialdienstleister;&lt;br /&gt;
* Übernahmevorbereitung für das Repositorium.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.4 Technische Architektur ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' Föderierte Portale wie Nuohtti und Euskariana verbinden bestehende Systeme, statt alle Partner zu einem identischen Fachverfahren zu zwingen. Erfolgreiche Systeme verfügen über Exporte und Schnittstellen. LAAL zeigt, dass bei Migrationen zielgruppenspezifische Funktionen verloren gehen können, wenn Daten- und Präsentationslogik zu eng gekoppelt sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Die Architektur sollte modular sein. Das Register verwaltet Nachweise und Beziehungen; Digitalisierungsworkflows erzeugen Dateien und technische Metadaten; das Repositorium übernimmt Erhaltungspakete; Präsentationssysteme beziehen freigegebene Daten und Derivate. Jedes System benötigt dokumentierte Exporte. Eine proprietäre Lösung ohne vollständigen Datenexport, Identifikatorerhalt und Migrationsplan sollte ausgeschlossen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.5 Metadaten und Interoperabilität ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' Euskariana und bavarikon arbeiten mit veröffentlichten Standards und Lieferprofilen; Nuohtti normalisiert heterogene Daten; Mukurtu ermöglicht zusätzliche Community-Metadaten. Technische Vollständigkeit allein löst jedoch keine problematischen historischen Begriffe oder fehlenden kulturellen Kontexte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Notwendig ist ein abgestuftes Metadatenprofil:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* '''Pflichtkern''' für alle Träger: eindeutige Kennung, Bezeichnung, Kulturgutart, Standort beziehungsweise Träger, Sprache, Zeit/Ort soweit bekannt, Kurzkontext, Rechte-/Zugangsstatus, Quellenangabe, Bearbeitungsstand;&lt;br /&gt;
* '''fachliche Erweiterungen''' für Archive, Bibliotheken, Museen, audiovisuelle Medien, immaterielles Kulturerbe und Born-digital-Bestände;&lt;br /&gt;
* '''Community-Felder''' für sorbische Bezeichnungen, lokale Varianten, kulturelle Hinweise, alternative Erzählungen und Korrekturen;&lt;br /&gt;
* '''technische Erhaltungsmetadaten''' im Repositorium, etwa Dateiformat, Prüfsumme, Erzeugung, Migration und Beziehungen zwischen Master und Derivaten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Normdaten und kontrollierte Vokabulare sollten dort eingesetzt werden, wo sie Nutzen bringen. Für ehrenamtliche Erfassung müssen einfache Auswahllisten, Hilfetexte und spätere fachliche Anreicherung vorgesehen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.6 Rechte und kulturelle Selbstbestimmung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' Mukurtu, Aṟa Irititja und LAAL zeigen, dass urheberrechtliche Erlaubnis, Datenschutz und kulturelle Angemessenheit getrennt geprüft werden müssen. Ein Werk kann rechtlich veröffentlichbar, kulturell aber sensibel sein; umgekehrt kann eine Gemeinschaft Zugang wünschen, obwohl eine allgemeine Veröffentlichung nicht möglich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Mindestens vier Sichtbarkeitsstufen sind sinnvoll:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# öffentliche Metadaten, aber kein Medium;&lt;br /&gt;
# öffentliches Nutzungsdigitalisat, gegebenenfalls in reduzierter Qualität;&lt;br /&gt;
# beschränkter Zugang für festgelegte Gruppen, Forschung oder Community;&lt;br /&gt;
# gesperrt beziehungsweise nur intern dokumentiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder Datensatz sollte dokumentieren, wer die Entscheidung getroffen hat, auf welcher Grundlage sie beruht und wann sie erneut geprüft wird. Rechteinformationen müssen vom Register über Repositorium bis Präsentation mitgeführt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.7 Langzeiterhaltung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' PARADISEC belegt den Wert eines fachlich betriebenen Repositoriums. LAAL zeigt sowohl die Trennung von Master- und Nutzungsdateien als auch das Risiko einer Migration. Mukurtu warnt ausdrücklich davor, Zugangsplattform und Erhaltungssystem gleichzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Für jedes Digitalisat müssen vor der Produktion feststehen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Zielrepositorium und verantwortlicher Betreiber;&lt;br /&gt;
* Master- und Nutzungsformat;&lt;br /&gt;
* Dateibenennung beziehungsweise Identifikator;&lt;br /&gt;
* Prüfsumme und Integritätskontrolle;&lt;br /&gt;
* mindestens zwei räumlich getrennte Sicherungskopien;&lt;br /&gt;
* Übergabepaket aus Datei, Metadaten, Rechten und Provenienz;&lt;br /&gt;
* Verfahren für Formatbeobachtung, Migration und Wiederherstellung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das OAIS-Modell bietet den konzeptionellen Rahmen; die NDSA-Reifegradstufen können einen realistischen stufenweisen Aufbau unterstützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.8 Präsentation und Nachnutzung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' RomArchive verbindet Objekte mit kuratierten Erzählungen; People’s Collection Wales mit Lern- und Beitragsfunktionen; Tobar an Dualchais mit sprachlicher Erschließung; RRN mit kollaborativen Arbeitsräumen. Erfolg entsteht nicht durch bloße Online-Sichtbarkeit, sondern durch zielgruppengerechte Kontexte und tatsächlich nutzbare Funktionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Ein gemeinsamer Suchzugang ist wichtig, aber nicht jede Zielgruppe braucht dieselbe Oberfläche. Denkbar sind ein übergreifendes Kulturerbeportal, Fachzugänge für Forschung, Bildungsbausteine, kuratierte Ausstellungen und maschinenlesbare Schnittstellen. Download und Nachnutzung sollten dort ermöglicht werden, wo Rechte und kulturelle Interessen dies zulassen. Nutzungsstatistiken, Zitationen, Downloads, Bildungskooperationen und Community-Rückmeldungen sollten kontinuierlich ausgewertet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.9 Finanzierung und Verstetigung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' RomArchive plante den Betreiberübergang früh. People’s Collection Wales und Aṟa Irititja zeigen, wie belastend unsichere Finanzierung bleibt. Indigitization demonstriert die Wirkung kleiner Förderbudgets, aber auch die Verwundbarkeit eines pausierenden Programms. bavarikon und PARADISEC profitieren von institutioneller Infrastruktur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Es sind drei Kostenarten getrennt zu planen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Aufbaukosten:''' Konzeption, Pilot, Beschaffung, Datenmigration, erste Digitalisierung;&lt;br /&gt;
# '''Betriebskosten:''' Personal, Hosting, Speicher, Sicherung, Helpdesk, Rechtearbeit, Qualitätssicherung;&lt;br /&gt;
# '''Erneuerungskosten:''' Softwareupdates, Sicherheitsmaßnahmen, Hardwareersatz, Formatmigration, Neuentwicklung von Schnittstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Projektmittel eignen sich für Aufbau und Erprobung. Kernfunktionen dürfen nach der Pilotphase nur skaliert werden, wenn ein wiederkehrender Betriebsetat und ein verantwortlicher Rechtsträger feststehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.10 Projektsteuerung und schrittweiser Aufbau ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' People’s Collection Wales empfiehlt einen evidenzbasierten Ablauf aus Bedarf, Pilot, Test, Auswertung und Skalierung. Indigitization entwickelte seinen Werkzeugkasten aus drei Pilotprojekten. bavarikon nutzt Vorantrag, Prüfung, Standards und begleitete Umsetzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Der Aufbau sollte in überprüfbaren Ausbaustufen erfolgen. Jede Stufe braucht definierte Ergebnisse, Qualitätskriterien, Verantwortliche, Budget, Risiken und eine Entscheidung über Fortführung oder Anpassung. Technische Pilotierung ohne Governance-, Rechte- und Betriebsprüfung wäre unvollständig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== G. Empfehlungen für den sorbischen Kontext ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.1 Zielmodell: vier Säulen, drei Fundamente, zwei Betriebsregeln ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ergebnisse lassen sich für den sorbischen Kontext in einem priorisierten 4–3–2-Modell zusammenführen. Es verbindet die im Konzept beschriebene Prozesskette mit einer klaren organisatorischen und technischen Verantwortungsstruktur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Vier funktionale Säulen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Säule&lt;br /&gt;
! Mindestauftrag&lt;br /&gt;
! Abgrenzung&lt;br /&gt;
! Unverzichtbare Schnittstellen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''1. Sorbisches Kulturregister (SKR)'''&lt;br /&gt;
| Verteilte Kulturgüter und Bestände nachweisen, beschreiben, verknüpfen, Rechte- und Prioritätsstatus dokumentieren&lt;br /&gt;
| Kein Ersatz für lokale Inventare und nicht automatisch Speicherort aller Dateien&lt;br /&gt;
| Import/Export zu Fachsystemen; Übergabe von Objekt- und Rechtekennungen an Digitalisierung, Repositorium und Präsentation&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''2. Digitalisierungszentrum (DZ)'''&lt;br /&gt;
| Beratung, Planung, Digitalisierung, Qualitätssicherung, Schulung, Dienstleistersteuerung und Vorbereitung der Archivübergabe&lt;br /&gt;
| Nicht primär öffentlicher Katalog und nicht automatisch dauerhafter Speicher&lt;br /&gt;
| Aufträge aus Register/Priorisierung; Lieferung standardisierter Übergabepakete an Repositorium; Erzeugung von Nutzungsderivaten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''3. Repositorium / digitales Langzeitarchiv'''&lt;br /&gt;
| Masterdateien, Metadaten, Rechte und Provenienz dauerhaft übernehmen, prüfen, sichern und migrieren&lt;br /&gt;
| Nicht mit einem Netzlaufwerk, einer Cloudablage oder der öffentlichen Website gleichzusetzen&lt;br /&gt;
| Persistente Identifikatoren; Rückmeldung des Archivstatus an Register; kontrollierte Bereitstellung an Präsentationssysteme&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''4. Präsentations- und Nutzungssysteme'''&lt;br /&gt;
| Freigegebene Inhalte suchen, verstehen, zitieren, herunterladen und weiterverwenden lassen&lt;br /&gt;
| Nicht führendes System für Rechte, Masterdateien oder dauerhafte Erhaltung&lt;br /&gt;
| Bezug von Metadaten aus Register und Derivaten aus Repositorium; Rückgabe von Nutzungs- und Korrekturinformationen&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Entscheidender Punkt:''' Die vier Säulen sind Funktionen, nicht zwingend vier eigenständige Einrichtungen. Ein Träger kann mehrere Funktionen übernehmen. Dennoch müssen für jede Säule Auftrag, Zuständigkeit, Datenhoheit, Budget, Qualitätskriterien, Vertretung und Ausfallvorsorge benannt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Drei gemeinsame Fundamente ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Fundament&lt;br /&gt;
! Inhalt&lt;br /&gt;
! Warum es vor der Skalierung geklärt werden muss&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''A. Gemeinschaftliche Governance und Rechte'''&lt;br /&gt;
| Entscheidungsgremien, Rollen der Kulturgutträger, Community-Beteiligung, Konfliktlösung, sensible Inhalte, abgestufte Zugänge&lt;br /&gt;
| Ohne Entscheidungskompetenz entstehen Vertrauensverlust, Verzögerungen und nachträgliche Sperrungen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''B. Gemeinsame Daten- und Qualitätsarchitektur'''&lt;br /&gt;
| Metadatenkern, Identifikatoren, Sprachwerte, Vokabulare, Dateiformate, Schnittstellen, Lieferpakete, Qualitätssicherung&lt;br /&gt;
| Ohne gemeinsamen Kern können Register, DZ, Repositorium und Präsentation nicht verlässlich zusammenspielen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''C. Dauerbetrieb, Finanzierung und Kompetenz'''&lt;br /&gt;
| Rechtsträger, wiederkehrendes Budget, Personal, Hosting, Speicher, Wartung, Schulung, Helpdesk und Erneuerungsplanung&lt;br /&gt;
| Ohne Betriebsperspektive vergrößert jedes zusätzliche Digitalisat die technische und organisatorische Schuld.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Zwei Betriebsregeln ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Zentral ermöglichen, dezentral verantworten.''' Zentrale Stellen bieten Infrastruktur, Standards, Beratung, Qualitätskontrolle, Repositorium und gemeinsame Zugänge. Kulturgutträger behalten grundsätzlich Originale, lokalen Kontext, Beziehungen zu Urheberinnen und Urhebern sowie Mitentscheidung über kulturelle Bedeutung und Zugang.&lt;br /&gt;
# '''Als Projekt aufbauen, nur mit Dauerbetrieb skalieren.''' Pilot- und Förderprojekte sind geeignet, Register, Dienste und Workflows zu entwickeln. Eine breite Produktion beginnt erst, wenn dauerhafter Betreiber, Regelbudget, Personal und Erhaltungsweg gesichert sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Prüfsatz für Entscheidungen:''' Kein Digitalisat ohne Zielarchiv; kein Portal ohne Datenpflege; kein Register ohne Zuständigkeit; keine Veröffentlichung ohne Rechte- und Kulturprüfung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.2 Was zentral, dezentral und gemeinsam organisiert werden sollte ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Zentral bereitzustellen&lt;br /&gt;
! Dezentral bei den Kulturgutträgern&lt;br /&gt;
! Gemeinsam zu entscheiden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Technische Plattform und Datenmodell des Kulturregisters&lt;br /&gt;
| Besitz, Verwahrung und konservatorische Verantwortung für Originale, soweit nicht anders vereinbart&lt;br /&gt;
| Welche Bestände zunächst erfasst und digitalisiert werden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Metadatenkern, Vokabulare, Identifikatoren und Schnittstellen&lt;br /&gt;
| Erste Bestandskenntnis, lokale Namen, Geschichte und Beziehungen&lt;br /&gt;
| Kulturelle Bedeutung, Repräsentativität und Priorität&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Digitalisierungsberatung, Spezialtechnik, mobile Dienste und Qualitätsprüfung&lt;br /&gt;
| Lokale Auswahl und organisatorische Vorbereitung&lt;br /&gt;
| Transport, Vor-Ort-Digitalisierung oder externe Vergabe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Repositorium, Sicherung, Integritätsprüfung, Migration und Wiederherstellung&lt;br /&gt;
| Mitwirkung an Rechteklärung und Kontakt zu Betroffenen beziehungsweise Nachkommen&lt;br /&gt;
| Zugangs- und Nutzungskategorien für sensible Inhalte&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mustervereinbarungen, Rechte- und Datenschutzberatung&lt;br /&gt;
| Lokale Freigaben, sofern die jeweilige Stelle entscheidungsbefugt ist&lt;br /&gt;
| Verfahren bei Konflikten, Korrekturen und Takedown-Anfragen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Schulungen, Helpdesk, Dokumentation und gegebenenfalls Kleinprojektförderung&lt;br /&gt;
| Pflege von Kontexten, Korrekturen und neuen Informationen&lt;br /&gt;
| Übersetzungs- und Erschließungsprioritäten in Ober- und Niedersorbisch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gemeinsame Präsentationsbausteine und Programmierschnittstellen&lt;br /&gt;
| Eigene lokale Ausstellungen und Nutzungsszenarien&lt;br /&gt;
| Welche Inhalte übergreifend präsentiert oder nachnutzbar gemacht werden&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Verteilung schützt die dezentrale Trägerschaft, ohne kleine Einrichtungen mit jeder technischen Aufgabe allein zu lassen. Sie verhindert zugleich, dass zentrale Infrastruktur mit zentraler kultureller Deutungshoheit verwechselt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.3 Kurzfristig umsetzbare Schritte: 2026–2027 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Priorität 1: Governance und Verantwortungen beschließen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ein gemeinsames Steuerungsgremium für Kulturregister, Digitalisierungszentrum, Repositorium und Präsentation festlegen.&lt;br /&gt;
* Beide sorbischen Sprachräume, zentrale Institutionen und mindestens mehrere lokale beziehungsweise ehrenamtliche Träger verbindlich vertreten.&lt;br /&gt;
* Entscheidungsrechte, Vetorechte bei sensiblen Inhalten, Konfliktlösung und Vertretungsregelungen schriftlich regeln.&lt;br /&gt;
* Einen dauerhaften Produkt- beziehungsweise Serviceverantwortlichen für jede der vier Säulen benennen, auch wenn mehrere Säulen organisatorisch beim selben Träger liegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Priorität 2: Gemeinsamen Mindeststandard verabschieden ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Standard sollte klein genug für ehrenamtliche Erfassung, aber erweiterbar für Fachinstitutionen sein. Er muss mindestens regeln:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* eindeutige Kennung und verantwortlicher Datensatzhalter;&lt;br /&gt;
* Bezeichnung in Originalsprache und gegebenenfalls Übersetzungen;&lt;br /&gt;
* getrennte Sprachkennzeichnung für Obersorbisch, Niedersorbisch, Deutsch und weitere Sprachen;&lt;br /&gt;
* Kulturgutart und Zugehörigkeit zu materiellen, immateriellen oder digitalen Beständen;&lt;br /&gt;
* Standort beziehungsweise verwahrende Stelle;&lt;br /&gt;
* Kurzkontext, Zeit, Ort und beteiligte Personen soweit bekannt;&lt;br /&gt;
* Rechte-, Datenschutz- und kultureller Zugangsstatus;&lt;br /&gt;
* Digitalisierungs- und Archivierungsstatus;&lt;br /&gt;
* Provenienz, Quellen und Bearbeitungsstand;&lt;br /&gt;
* Exportformat und dauerhafte Identifikatoren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Priorität 3: Rechte- und Zugangsmodell entwickeln ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein einheitlicher Workflow sollte rechtliche und kulturelle Fragen getrennt dokumentieren. Empfohlen werden mindestens die vier Stufen „nur Nachweis“, „öffentliches Derivat“, „beschränkter Zugang“ und „gesperrt“. Für jede Stufe sind Verantwortliche, Freigabegrund, Prüffrist und Takedown-Verfahren festzulegen. Local Contexts kann als Anregung dienen; Begriffe und Symbole müssen jedoch gemeinsam für die sorbische Rechts- und Kulturpraxis entwickelt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Priorität 4: End-to-End-Pilot starten ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der erste Pilot sollte nicht nur ein Portal oder einen Scanner testen, sondern die gesamte Kette:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: Kulturgutträger → Erfassung im Register → Priorisierung und Freigabe → Digitalisierung und Qualitätsprüfung → Übernahme ins Repositorium → kontrollierte Präsentation und Nachnutzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beteiligt werden sollten drei bis fünf sehr unterschiedliche Träger, zum Beispiel eine zentrale Institution, eine Heimatstube oder ein Verein, eine kirchliche Einrichtung, eine kommunale Sammlung und gegebenenfalls eine Privatperson. Der Pilot sollte beide sorbischen Schriftsprachen und mindestens drei Medientypen umfassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Priorität 5: Repositoriumsziel vor Produktionsausweitung klären ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits Pilotdigitalisate benötigen einen definierten, überprüfbaren Speicher- und Erhaltungsweg. Falls das endgültige Langzeitarchiv noch nicht vollständig aufgebaut ist, braucht es einen dokumentierten Übergangsdienst mit Prüfsummen, redundanten Kopien, klarer Verantwortung und verbindlichem späteren Migrationsplan. Eine bloße Projektablage ist nicht ausreichend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.4 Mittelfristiger Strukturaufbau: 2027–2030 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Kulturregister ausbauen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Zwei Anbindungswege anbieten: direkte Erfassung beziehungsweise zentral gehostete Mandanten für kleine Träger und standardisierte Datenlieferung für große Fachsysteme.&lt;br /&gt;
* Priorisierungsansicht, Rechte- und Archivstatus sowie Beziehungen zwischen Original, Digitalisat, Werk, Person, Ort, Brauch und Sammlung abbilden.&lt;br /&gt;
* Korrektur- und Ergänzungsworkflow für Community-Wissen einrichten.&lt;br /&gt;
* Export, Programmierschnittstelle und regelmäßige Sicherung verpflichtend machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Digitalisierungszentrum als Dienstleistungsstelle verstetigen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Servicekatalog mit klaren Leistungen, Voraussetzungen, Bearbeitungszeiten und Kosten beziehungsweise Fördermöglichkeiten veröffentlichen.&lt;br /&gt;
* Mobile und stationäre Digitalisierung sowie Vergabe an Spezialdienstleister kombinieren.&lt;br /&gt;
* Schulungsprogramm und „Train-the-Trainer“-Ansatz für lokale Multiplikatorinnen und Multiplikatoren aufbauen.&lt;br /&gt;
* Kleinprojektförderung nach dem Vorbild von Indigitization oder bavarikon erproben.&lt;br /&gt;
* Qualitätssicherung und Übergabepakete zum Repositorium standardisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Repositorium in einen verlässlichen Regelbetrieb überführen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* OAIS-Funktionen organisatorisch zuordnen und mit den NDSA-Reifegradstufen schrittweise umsetzen.&lt;br /&gt;
* mindestens zwei räumlich getrennte Speicherkopien, regelmäßige Fixity Checks (Prüfung der Dateiunverändertheit über Prüfsummen) und Wiederherstellungstests etablieren;&lt;br /&gt;
* Masterdateien, Derivate, Metadaten, Rechte und technische Ereignisse verknüpfen;&lt;br /&gt;
* Verantwortungen bei Trägerwechsel oder Projektende vertraglich sichern;&lt;br /&gt;
* audiovisuelle Daten nach IASA-Empfehlungen behandeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Präsentation zielgruppenspezifisch entwickeln ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Gemeinsame Suche und verständliche Basiskontexte in Deutsch, Ober- und Niedersorbisch sowie ausgewählte englische Zugänge bereitstellen.&lt;br /&gt;
* Nicht jeden Datensatz vollständig in vier Sprachen übersetzen; stattdessen Oberfläche, Kernelemente, kontrollierte Begriffe und besonders relevante Inhalte priorisieren und Übersetzungsstatus sichtbar machen.&lt;br /&gt;
* Bildungs- und Forschungsnutzung in Pilotkooperationen testen.&lt;br /&gt;
* IIIF und Programmierschnittstellen dort einsetzen, wo sie einen konkreten Mehrwert für Anzeige, Zitation oder Datenbezug schaffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.5 Langfristige Aufgaben: ab 2030 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Regelmäßige Daten- und Formatmigrationen, Sicherheitsprüfungen und Erneuerung der Infrastruktur finanzieren.&lt;br /&gt;
* Erfolg anhand eines stabilen Kennzahlensets messen: erfasste und archivierte Bestände, beteiligte Träger, Bearbeitungszeiten, Rechte-Rückstände, Nutzung, Downloads, Bildungsprojekte, wissenschaftliche Zitationen, Community-Zufriedenheit und Korrekturen.&lt;br /&gt;
* Born-digital-Kulturerbe wie Websites, digitale Fotosammlungen, Social-Media-Projekte, digitale Kunst und Software systematisch übernehmen.&lt;br /&gt;
* Repositoriumsprozesse gegebenenfalls auf eine externe Vertrauenswürdigkeitsprüfung oder Zertifizierung vorbereiten.&lt;br /&gt;
* Kooperationen mit nationalen und europäischen Aggregatoren ausbauen, ohne die sorbische Datenhoheit und sprachliche Sichtbarkeit aufzugeben.&lt;br /&gt;
* Alle drei bis fünf Jahre Governance, Standards, Prioritäten und Zugangsregeln gemeinsam überprüfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.6 Empfohlene Pilotprojekte ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Pilot&lt;br /&gt;
! Ziel&lt;br /&gt;
! Warum besonders sinnvoll&lt;br /&gt;
! Erfolgskriterien&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''1. Kulturregister-Pilot mit heterogenen Trägern'''&lt;br /&gt;
| Mindestmetadaten, Onboarding und föderierte Datenlieferung testen&lt;br /&gt;
| Deckt die reale Spannweite von Fachinstitution bis Ehrenamt ab&lt;br /&gt;
| Mindestens 3–5 Träger liefern exportfähige, verständliche Datensätze; Aufwand und Hilfebedarf sind gemessen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''2. Gefährdete sorbische Ton- und Videobestände'''&lt;br /&gt;
| Priorisierung, Digitalisierung, Transkription, Rechte und Archivierung zeitkritischer Medien&lt;br /&gt;
| Hohe Verlustgefahr und großer Sprachwert; Anknüpfung an Tobar an Dualchais, PARADISEC und Indigitization&lt;br /&gt;
| Definierte Masterdateien, geprüfte Übergabe, zweisprachige Erschließung, Nutzungsfall für Bildung/Forschung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''3. Sensibles und immaterielles Kulturerbe'''&lt;br /&gt;
| Abgestufte Rechte und Community-Entscheidungen an Interviews, Bräuchen oder Familienmaterial erproben&lt;br /&gt;
| Testet Governance statt nur Technik&lt;br /&gt;
| Dokumentierte Freigabewege, mehrere Zugangsstufen, Takedown-Prozess und Community-Abnahme&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''4. Durchgängige Vier-Säulen-Kette'''&lt;br /&gt;
| Datenfluss vom Register bis zur Präsentation ohne manuelle Medienbrüche testen&lt;br /&gt;
| Macht Schnittstellen- und Verantwortungsprobleme früh sichtbar&lt;br /&gt;
| Identifikatoren und Rechte bleiben durchgängig erhalten; Übergaben sind reproduzierbar&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''5. Migrations- und Ausstiegstest'''&lt;br /&gt;
| Vollständigen Export eines Pilotbestands in ein neutrales Format und Wiederimport prüfen&lt;br /&gt;
| Reagiert direkt auf das LAAL- und RRN-Lernfeld technischer Alterung&lt;br /&gt;
| Dateien, Beziehungen, Rechte, Sprachwerte und Identifikatoren bleiben erhalten; Dokumentation ist für anderen Betreiber nutzbar&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.7 Mindestanforderungen vor jeder Beschaffung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor der Entscheidung für eine konkrete Software sollten folgende Punkte verbindlich beantwortet sein:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Welche Funktion der vier Säulen soll die Software erfüllen – und welche ausdrücklich nicht?&lt;br /&gt;
# Wer ist fachlich, technisch und rechtlich verantwortlich?&lt;br /&gt;
# Wie werden Ober- und Niedersorbisch in Oberfläche, Datenfeldern, Suche und Export behandelt?&lt;br /&gt;
# Welche vollständigen Daten- und Dateiexporte sind jederzeit möglich?&lt;br /&gt;
# Wie bleiben Identifikatoren und Beziehungen bei einem Systemwechsel erhalten?&lt;br /&gt;
# Welche Rechte- und Sichtbarkeitsstufen lassen sich abbilden?&lt;br /&gt;
# Wie werden Community-Ergänzungen von institutionellen Ausgangsdaten unterschieden, ohne sie abzuwerten?&lt;br /&gt;
# Wo liegen Masterdateien und wer prüft ihre Integrität?&lt;br /&gt;
# Welche wiederkehrenden Lizenz-, Hosting-, Speicher-, Wartungs- und Personalkosten entstehen über mindestens zehn Jahre?&lt;br /&gt;
# Was geschieht bei Anbieterwechsel, Projektende, Insolvenz oder Wegfall einer Förderung?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.8 Übertragbarkeit differenziert bewertet ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Direkt übertragbare Ansätze ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* funktionale Trennung von Register, Digitalisierung, Repositorium und Präsentation;&lt;br /&gt;
* zentraler Service bei dezentraler Trägerschaft;&lt;br /&gt;
* gemeinsamer Metadatenkern mit fachlichen Erweiterungen;&lt;br /&gt;
* abgestufte Zugänge und getrennte rechtliche/kulturelle Prüfung;&lt;br /&gt;
* Pilotierung mit heterogenen Trägern;&lt;br /&gt;
* Betreiber- und Finanzierungsplanung vor Skalierung;&lt;br /&gt;
* Schulung, Helpdesk und Vorlagen für kleine Sammlungen;&lt;br /&gt;
* Exportfähigkeit und Migrationsplanung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Mit Anpassungen übertragbare Ansätze ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Mukurtu-Protokolle und Traditional Knowledge Labels: als Vorbild, aber mit sorbisch entwickelten Begriffen und deutscher beziehungsweise europäischer Rechtsprüfung;&lt;br /&gt;
* Nuohttis föderierte Architektur: gut übertragbar, jedoch mit deutlich kleinerem institutionellem Netz und zwei sorbischen Schriftsprachen;&lt;br /&gt;
* bavarikons Förder- und Qualitätsverfahren: in vereinfachter Form und mit wesentlich kleinerem Budget;&lt;br /&gt;
* PARADISECs Fachrepositorium: als Dienstemodell für gefährdete Medien, nicht in dessen globaler Größenordnung;&lt;br /&gt;
* People’s Collection Wales: Support- und Beteiligungsmodell, angepasst an kleinere Personalressourcen und vorhandene sorbische Institutionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Kaum unmittelbar übertragbare Ansätze ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* eine vollständig eigenständige technische Großinfrastruktur nach Maßstab eines Flächenlandes wie Bayern;&lt;br /&gt;
* ein internationaler Universitätsverbund mit hunderten Terabyte und weltweitem Einzugsbereich wie PARADISEC;&lt;br /&gt;
* die unveränderte Übernahme indigener Rechts- und Kulturkonzepte in den europäischen Minderheitenkontext;&lt;br /&gt;
* die Vorstellung, jedes lokale Haus müsse ein eigenes Langzeitarchiv oder hoch spezialisiertes Digitalisierungslabor betreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Risiken und Fehler, die vermieden werden sollten ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* '''Portal zuerst:''' Eine öffentlich sichtbare Website wird gebaut, bevor Datenpflege, Rechte und Langzeiterhaltung geregelt sind.&lt;br /&gt;
* '''Projektserver als Archiv:''' Dateien liegen nur in Arbeitsordnern, Clouds oder einem Content-Management-System.&lt;br /&gt;
* '''Ein System für alles:''' Register, Produktion, Archivierung und Präsentation werden technisch und organisatorisch untrennbar gekoppelt.&lt;br /&gt;
* '''Offen oder geschlossen:''' Fehlende Zwischenstufen führen entweder zu unnötiger Sperrung oder unangemessener Veröffentlichung.&lt;br /&gt;
* '''Standards ohne Hilfe:''' Ehrenamtliche Träger erhalten komplexe Vorgaben, aber keine Schulung, Zeit oder Nachbearbeitung.&lt;br /&gt;
* '''Zentralisierung der Deutung:''' Lokale und sprachräumliche Perspektiven werden durch ein einziges zentrales Beschreibungsschema verdrängt.&lt;br /&gt;
* '''Digitalisierung ohne Rechtebudget:''' Scans und Aufnahmen entstehen schneller als Einwilligungen, Prüfungen und Freigaben bearbeitet werden können.&lt;br /&gt;
* '''Abhängigkeit ohne Exit:''' Proprietäre Software oder Dienstleister werden gewählt, ohne vollständigen Export und getesteten Betreiberwechsel.&lt;br /&gt;
* '''Projektende ohne Betrieb:''' Förderziele zählen veröffentlichte Objekte, aber keine Stellen, Speicher-, Wartungs- und Migrationskosten nach Förderende.&lt;br /&gt;
* '''Mehrsprachigkeit nur im Menü:''' Die Oberfläche ist übersetzt, Datensätze, Suche, Vokabulare und redaktionelle Prozesse bleiben einsprachig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.9 Priorisierte Schlussfolgerung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wichtigste Lehre lautet nicht, möglichst schnell ein großes Portal zu füllen. Vorrang hat eine belastbare Arbeitsteilung:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Zuerst Regeln und Verantwortung:''' Governance, Rechte, Sprachmodell, Mindestmetadaten und Betreiber festlegen.&lt;br /&gt;
# '''Dann die sichere Kette:''' Register, Digitalisierungszentrum und Repositorium in einem Ende-zu-Ende-Pilot verbinden.&lt;br /&gt;
# '''Danach skalieren:''' Bestände risikobasiert digitalisieren, kleine Träger durch Dienste und Förderung einbinden.&lt;br /&gt;
# '''Erst darauf die breite Präsentation:''' Freigegebene Inhalte zielgruppengerecht, mehrsprachig und nachnutzbar anbieten.&lt;br /&gt;
# '''Dauerhaft überprüfen:''' Nutzung, Datenqualität, Rechte-Rückstände, Betriebskosten und Community-Zufriedenheit messen und Architektur weiterentwickeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit wird aus vier technischen beziehungsweise organisatorischen Säulen ein gemeinsames System: '''dezentrale kulturelle Verantwortung, zentral abgesicherte Dienste und eine verbindliche dauerhafte Finanzierung.'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== H. Verdichtungsvorschlag für den Konzeptabschnitt „Beispiele anderer Kulturen und Regionen“ ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den kurzen Wiki-Abschnitt wird eine Gliederung in höchstens vier Unterabschnitte empfohlen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Ziel und Auswahl:''' Warum der Vergleich durchgeführt wurde und warum kein universelles Idealmodell gesucht wird.&lt;br /&gt;
# '''Sieben aussagekräftige Beispiele:''' RomArchive, Nuohtti, People’s Collection Wales, Tobar an Dualchais, Euskariana, Mukurtu/Plateau Portal und Indigitization. Jedes Beispiel erhält einen kurzen Kontext, die zentrale Besonderheit und ein konkretes Learning.&lt;br /&gt;
# '''Schlussverdichtung:''' Vier Säulen, drei Fundamente und zwei Betriebsregeln.&lt;br /&gt;
# '''Prioritäten für die Sorben:''' Governance und Standards → Ende-zu-Ende-Pilot und Zielrepositorium → Verstetigung des Digitalisierungszentrums → skalierte Präsentation und Nachnutzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die sieben Beispiele decken die für den sorbischen Kontext wichtigsten Perspektiven ab:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Beispiel&lt;br /&gt;
! Zentrale Besonderheit&lt;br /&gt;
! Konkretes Learning für die Sorben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| RomArchive&lt;br /&gt;
| Minderheitenangehörige kuratieren und steuern; Betreiberübergang nach Projektphase&lt;br /&gt;
| Deutungshoheit und dauerhaften Träger von Beginn an verankern&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Nuohtti&lt;br /&gt;
| Föderierte Suche über verteilte Bestände und mehrere Staaten/Sprachen&lt;br /&gt;
| Kulturregister als verbindende Nachweisschicht statt Zwangszentralisierung bauen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| People’s Collection Wales&lt;br /&gt;
| Zweisprachige Plattform plus Schulung und Community-Unterstützung; unabhängige Evaluation&lt;br /&gt;
| Kleine Träger brauchen Helpdesk, Training und realistische Wirkungsmessung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Tobar an Dualchais&lt;br /&gt;
| Sicherung und sprachliche Erschließung gefährdeter Tonaufnahmen&lt;br /&gt;
| Audiovisuelle Bestände zeitlich priorisieren und mit Transkription verbinden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Euskariana&lt;br /&gt;
| Gemeinsamer Katalog, eigenes Repositorium und Anbindung externer Systeme über Standards&lt;br /&gt;
| Zwei Onboarding-Wege und ein schlanker gemeinsamer Metadatenkern&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mukurtu / Plateau Portal&lt;br /&gt;
| Kulturelle Protokolle, mehrere Perspektiven und abgestufte Zugänge&lt;br /&gt;
| Rechte und kulturelle Sensibilität als Datenmodell, nicht als spätere Einzelfallkorrektur&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Indigitization&lt;br /&gt;
| Zentrale Kompetenz, Training und Kleinprojektförderung bei dezentraler Durchführung&lt;br /&gt;
| Digitalisierungszentrum als Dienstleister und Befähiger für lokale Träger ausgestalten&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Zielumfang von etwa 1.200 bis 1.800 Wörtern ist ausreichend. Die ausführlichen Fallprofile, Matrix, Quellen und differenzierten Empfehlungen verbleiben auf dieser Anhangsseite. Dadurch bleibt der Konzepttext lesbar, während zentrale Aussagen überprüfbar belegt und vertieft werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_faq&amp;quot;&amp;gt;RomArchive (o. J.): ''Frequently Asked Questions''. [https://www.romarchive.eu/en/about/frequently-answered-questions/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_imprint&amp;quot;&amp;gt;Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma e. V. / RomArchive (o. J.): ''Imprint''. [https://www.romarchive.eu/en/imprint/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_kulturstiftung&amp;quot;&amp;gt;Kulturstiftung des Bundes (o. J.): ''RomArchive – Digital Archive of the Roma''. [https://www.kulturstiftung-des-bundes.de/en/programmes_projects/film_and_new_media/detail/romarchive.html Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_about&amp;quot;&amp;gt;Nuohtti / Digital Access to the Sámi Heritage Archives (o. J.): ''About Nuohtti''. [https://nuohtti.com/Content/about Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_uarctic&amp;quot;&amp;gt;University of the Arctic (2023): ''The Nuohtti service provides digital access to Sámi material in European archives''. [https://www.uarctic.org/news/2023/3/the-nuohtti-service-provides-digital-access-to-sami-material-in-european-archives/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_dataspace&amp;quot;&amp;gt;Mäkikalli, Maija / Leppälä, Oona (2024): ''Nuohtti platform improves accessibility to the digitised archives of Sámi cultural heritage''. European Collaborative Cloud for Cultural Heritage / Europeana. [https://www.dataspace-culturalheritage.eu/en/news/nuohtti-platform-improves-accessibility-to-the-digitised-archives-of-sami-cultural-heritage Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_eval&amp;quot;&amp;gt;Vittle, Kate / Haswell-Walls, Fran / Dixon, Tim; ERS Ltd. (2016): ''Evaluation of the Casgliad y Werin Cymru / People’s Collection Wales Digital Heritage Programme. Impact Report''. [https://www.gov.wales/sites/default/files/publications/2019-08/evaluation-of-the-peoples-collection-wales-digital-heritage-programme-impact.pdf PDF], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_support&amp;quot;&amp;gt;People’s Collection Wales (o. J.): ''Community Support''. [https://www.peoplescollection.wales/about-us/community-support Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_edinburgh&amp;quot;&amp;gt;University of Edinburgh (2024): ''Tobar an Dualchais / Kist o Riches''. [https://gaelic.ed.ac.uk/gaelic-collections/tobar-an-dualchais-kist-o-riches Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_funding2025&amp;quot;&amp;gt;Scottish Government (2025): ''Rediscovering lost Gaelic words''. [https://www.gov.scot/news/rediscovering-lost-gaelic-words/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_funding2026&amp;quot;&amp;gt;Scottish Government (2026): ''Boost for Gaelic language''. [https://www.gov.scot/news/boost-for-gaelic-language/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_opening&amp;quot;&amp;gt;University of Edinburgh (o. J.): ''Opening the Well''. [https://gaelic.ed.ac.uk/news/opening-the-well Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;euskariana_about&amp;quot;&amp;gt;Gobierno Vasco / Biblioteca Digital de Euskadi (o. J.): ''Acerca de Euskariana''. [https://www.euskariana.euskadi.eus/euskadibib/es/help/about.do Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;bavarikon_about&amp;quot;&amp;gt;bavarikon / Freistaat Bayern (o. J.): ''Über bavarikon''. [https://www.bavarikon.de/about Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;bavarikon_partner&amp;quot;&amp;gt;bavarikon / Freistaat Bayern (o. J.): ''Partner werden''. [https://www.bavarikon.de/becoming-partner Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;bavarikon_500k&amp;quot;&amp;gt;Bayerische Staatsbibliothek (2024): ''bavarikon knackt die halbe Million: 500.000 digitale Kulturschätze aus rund 170 bayerischen Einrichtungen sind weltweit zugänglich''. [https://www.bsb-muenchen.de/en/about-us/article/bavarikon-knackt-die-halbe-million-500000-digitale-kulturschaetze-aus-rund-170-bayerischen-einrichtungen-sind-weltweit-zugaenglich-6555/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_about&amp;quot;&amp;gt;Mukurtu CMS / Center for Digital Scholarship and Curation, Washington State University (o. J.): ''About / Mission, Core Features, Implementation and Sustainability''. [https://mukurtu.org/about/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_plateau&amp;quot;&amp;gt;Mukurtu CMS / Washington State University (o. J.): ''Plateau Peoples’ Web Portal''. [https://mukurtu.org/project/plateau-peoples-web-portal-showcase/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_dlib&amp;quot;&amp;gt;Christen, Kimberly / Merrill, Alex / Wynne, Michael (2017): ''A Community of Relations: Mukurtu Hubs and Spokes''. D-Lib Magazine, 23(5/6). [https://www.dlib.org/dlib/may17/christen/05christen.html Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_who&amp;quot;&amp;gt;Aṟa Irititja (o. J.): ''Who are we?'' [https://irititja.com/about-ara-irititja/who-are-we/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_approach&amp;quot;&amp;gt;Aṟa Irititja (o. J.): ''Community-Based Approach – The Aṟa Irititja Approach''. [https://irititja.com/archive/the-ara-irititja-approach/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_funding&amp;quot;&amp;gt;Aṟa Irititja (o. J.): ''Funding''. [https://irititja.com/challlenges/funding/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_background&amp;quot;&amp;gt;Charles Darwin University / Living Archive of Aboriginal Languages (o. J.): ''Background''. [https://livingarchive.cdu.edu.au/background/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_rights&amp;quot;&amp;gt;Charles Darwin University / Living Archive of Aboriginal Languages (o. J.): ''Copyright and IP issues''. [https://livingarchive.cdu.edu.au/copyright/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_home&amp;quot;&amp;gt;Charles Darwin University / Living Archive of Aboriginal Languages (o. J.): ''Home''. [https://livingarchive.cdu.edu.au/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_migration&amp;quot;&amp;gt;Christie, Michael (2022): ''Post-LAAL update''. Living Archive of Aboriginal Languages, 26.10.2022. [https://livingarchive.cdu.edu.au/post-laal-update/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;paradisec_about&amp;quot;&amp;gt;PARADISEC (o. J.): ''About us''. [https://www.paradisec.org.au/about-us/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;paradisec_home&amp;quot;&amp;gt;PARADISEC (2026): ''Pacific and Regional Archive for Digital Sources in Endangered Cultures – Home and current collection data''. [https://www.paradisec.org.au/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_about&amp;quot;&amp;gt;Reciprocal Research Network (o. J.): ''About''. [https://www.rrncommunity.org/pages/about Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_contact&amp;quot;&amp;gt;Reciprocal Research Network (o. J.): ''Contact Us / Steering Group''. [https://www.rrncommunity.org/pages/contact Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_home&amp;quot;&amp;gt;Reciprocal Research Network (2026): ''Home / What’s inside''. [https://www.rrncommunity.org/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_rowley&amp;quot;&amp;gt;Rowley, Susan (2013): ''The Reciprocal Research Network: The Development Process''. Museum Anthropology Review, 7(1–2). [https://scholarworks.iu.edu/journals/index.php/mar/article/view/2172 Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_about&amp;quot;&amp;gt;Indigitization (o. J.): ''About Us''. [https://www.indigitization.ca/about-2/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_toolkit&amp;quot;&amp;gt;Indigitization (o. J.): ''Indigitization Toolkit''. [https://www.indigitization.ca/toolkit/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_grant&amp;quot;&amp;gt;Indigitization (o. J.): ''Audio Cassette Digitization Grant''. [https://www.indigitization.ca/funding/audio-cassette-grant/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_funding&amp;quot;&amp;gt;Indigitization (o. J.): ''Funding''. [https://www.indigitization.ca/funding/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;unesco_doc_heritage&amp;quot;&amp;gt;UNESCO (2015): ''Recommendation concerning the preservation of, and access to, documentary heritage including in digital form''. [https://www.unesco.org/en/legal-affairs/recommendation-concerning-preservation-and-access-documentary-heritage-including-digital-form Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;unesco_participation&amp;quot;&amp;gt;UNESCO Intangible Cultural Heritage (o. J.): ''Involvement of communities, groups and individuals''. [https://ich.unesco.org/en/involvement-of-communities-0033 Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;unesco_ethics&amp;quot;&amp;gt;UNESCO Intangible Cultural Heritage (o. J.): ''Ethical Principles for Safeguarding Intangible Cultural Heritage''. [https://ich.unesco.org/en/ethics-and-ich-00866 Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;oais&amp;quot;&amp;gt;International Organization for Standardization (ISO) (2025): ''ISO 14721:2025 – Space data and information transfer systems – Open archival information system (OAIS) – Reference model'', 3. Ausgabe. [https://www.iso.org/standard/87471.html Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;ndsa&amp;quot;&amp;gt;National Digital Stewardship Alliance (2026): ''Levels of Digital Preservation, Version 2.1''. [https://www.ndsa.org/publications/levels-of-digital-preservation/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;care&amp;quot;&amp;gt;Global Indigenous Data Alliance (o. J.): ''CARE Principles for Indigenous Data Governance''. [https://www.gida-global.org/careprinciples Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;localcontexts&amp;quot;&amp;gt;Local Contexts (o. J.): ''Traditional Knowledge and Biocultural Labels and Notices''. [https://localcontexts.org/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;edm&amp;quot;&amp;gt;Europeana Pro (o. J.): ''Europeana Data Model Documentation''. [https://pro.europeana.eu/page/edm-documentation Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;oaipmh&amp;quot;&amp;gt;Open Archives Initiative (o. J.): ''OAI-PMH Frequently Asked Questions''. [https://www.openarchives.org/documents/FAQ.html Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;iiif&amp;quot;&amp;gt;IIIF Consortium (2021, laufend gepflegt): ''IIIF Presentation API 3.0''. [https://iiif.io/api/presentation/3.0/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;iasa&amp;quot;&amp;gt;International Association of Sound and Audiovisual Archives (IASA) (o. J.): ''Guidelines on the Production and Preservation of Digital Audio Objects (TC-04)''. [https://www.iasa-web.org/tc04/audio-preservation Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;digicher&amp;quot;&amp;gt;Europeana Foundation / European Collaborative Cloud for Cultural Heritage (2024): ''Discover the DIGICHer project''. [https://www.dataspace-culturalheritage.eu/en/news/discover-the-digicher-project Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/references&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Měrko Šenk</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://koncept.serbski-inkubator.de/index.php?title=12.3_Digitalisierung_des_Kulturerbes&amp;diff=1062</id>
		<title>12.3 Digitalisierung des Kulturerbes</title>
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		<updated>2026-07-22T11:13:19Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Měrko Šenk: /* 2.5 Beispiele anderer Kulturen und Regionen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;= 1 Einleitung =&lt;br /&gt;
Die Digitalisierung von sorbischem Kulturerbe ist eine historische Chance für uns Sorben, eine Chance, unser kulturelles Erbe neu zu entdecken, es für kommende Generationen zu erhalten, für eine breitere Öffentlichkeit zugänglich zu machen und dabei die eigene Deutungshoheit zu stärken. Das erfordert neben Mut, einer klaren gemeinsamen Vision, starker Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Akteuren auch die notwendigen Ressourcen in Form von Personal mit entsprechenden Kompetenzen, passender Technik sowie einer nachhaltig gesicherten Finanzierung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im folgenden Abschnitt werden Zielbilder für die Digitalisierung des sorbischen Kulturerbes entworfen mittels lang- und kurzfristiger Visionen sowie konkreter Ziele.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 1.1 Visionen und Ziele für die sorbische digitale Welt ==&lt;br /&gt;
'''Vision 2035'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
''Sorbisches materielles und immaterielles Kulturerbe ist systematisch digital erfasst, rechtssicher und langfristig gesichert, leicht auffindbar, offen nutzbar und wird aktiv von Interessierten genutzt.''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Konkrete Ziele'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bis 2032 ist ein tragfähiges, finanziell und organisatorisch abgesichertes Modell etabliert, das:&lt;br /&gt;
* Ein zentrales (oder föderiertes) digitales Langzeitarchiv nach OAIS-Referenzmodell betreibt,&lt;br /&gt;
* klare Zuständigkeiten, Prozesse und Budgets definiert,&lt;br /&gt;
* regelmäßige Qualitätssicherung und Technik-Updates vorsieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis 2030 sind wichtige sorbische Kulturerbe-Bestände (Kernbestände nach fachlicher Festlegung) in hoher Qualität digitalisiert, beschrieben und im Langzeitarchiv gesichert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis 2028 liegt eine institutionenübergreifende Übersicht über relevante Kulturerbe-Bestände (analog und digital, materiell und immateriell) vor, einschließlich einer Prioritätenliste für die Digitalisierung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis 2028 existiert ein zentrales, nutzerfreundliches „Sorbisches Kulturerbe-Portal“, das:&lt;br /&gt;
* Suchzugang über alle teilnehmenden Institutionen ermöglicht,&lt;br /&gt;
* grundlegende Inhalte frei zugänglich bereitstellt,&lt;br /&gt;
* mehrsprachige Oberflächen anbietet (Deutsch, Obersorbisch, Niedersorbisch, Englisch).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= 2 IST-Analyse „Digitalisierung von Kulturerbe“ =&lt;br /&gt;
Das Ziel in diesem Themenbereich ist es, sorbisches Kulturerbe digital zu verwalten und damit langfristig für Recherche, Nutzung und Präsentation vorzuhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Abschnitt &amp;quot;IST-Analyse“ werden die folgenden Fragen beantwortet: Was ist sorbisches Kulturerbe und was zählt alles dazu? Welche Schritte durchläuft ein Kulturgut, um zum digitalen Kulturerbe zu gehören? Wie können die digitale Verwaltung, Archivierung, Nutzung und Präsentation von Kulturgütern umgesetzt werden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die grundlegenden Terminologien des Kulturerbes sollen im Folgenden festgelegt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2.1 Terminologie – von Kultur zu Kulturerbe ==&lt;br /&gt;
In diesem Abschnitt werden die Begriffe rund um das Kulturerbe grundlegend definiert. Es soll ein Verständnis über die Begriffe Kultur, kulturelle Ausprägung, Kulturgut und Kulturerbe erreicht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K1.png|center|260px]]&amp;lt;ref&amp;gt;Mermaid Flowchart Code: [https://mermaid.live/edit#pako:eNpF0UtuwyAQBuCroFlaTuRHTGMvKuWxq7pqV627IGZso2CIMChtk9ymN-nFimmasmJGfP-AOEGjOUIFrdTHpmfGkudtrWpF_Fq9RtGDk9aZKHojU-_aJ7PZ_bmGgSnR4mgFejaKpidC1XAmq8zDfYAoJZKVG7lxzX5stRl81C0_uwYdheGEubHD4_dXLy1hcpyC1rcLdM4GOLH1Ve2E5Gj9TPLkhgEnsLkBNDsMAmLojOBQWeMwhgHNwKYSTuFBYHucbOW3HFvmcQ21unh2YOpF6-FPGu26HqrW381X7sCZxa1gnWH_R1BxNBvtlIUqTUMEVCd49xVdzpeLMs1pXmRFXiY0hg-o8iyZL_LFXZaVSTJ1LzF8hqHJnBZ5WhZLWt5RmtIsBuTCavP4-2Hh3y4_NXaMmw hier klicken], abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.1 Kultur ===&lt;br /&gt;
Kultur bezeichnet hier die Gesamtheit aller '''vom Menschen geschaffenen und erlernten Ausdrucksformen''' des Lebens, die auf gemeinsamen Werten und Verhaltensweisen beruhen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;wiki-kultur&amp;quot;&amp;gt;URL: https://de.wikipedia.org/wiki/Kultur&amp;lt;/ref&amp;gt; Dazu zählen '''materielle Ergebnisse''' (z. B. Kunstwerke, Technik) ebenso wie '''immaterielle Praktiken''' (Sprache, Bräuche, Wissen). Kultur umfasst laut der UNESCO geistige, materielle, intellektuelle und emotionale Merkmale, die eine Gesellschaft oder soziale Gruppe kennzeichnen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mondiacult&amp;quot;&amp;gt;UNESCO 1982: Mexico City Declaration on Cultural Policies (MONDIACULT). URL: https://www.lacult.unesco.org/docc/1982_MONDIACULT.pdf&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;ref name=&amp;quot;cultureaction&amp;quot;&amp;gt;Culture Action Europe 2024: The State of Culture report. URL: https://cultureactioneurope.org/de/news/the-state-of-culture-report-published, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;  Sie ist dynamisch und wird von jeder Generation neu gestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das deutsche Wort „Kultur“ ist eine Eindeutschung des lateinischen Worts „cultura“. Dieses bedeutet ursprünglich „Bebauung, Bearbeitung, Bestellung, Pflege“ und meinte sowohl die physische Bearbeitung als auch die Pflege geistiger Güter, z. B. der Sprache.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.2 Kulturelle Ausdrucksform ===&lt;br /&gt;
Eine kulturelle Ausdrucksform ist eine '''konkrete, gegenwärtige oder historische, Manifestation von Kultur''', bspw. eine Zeichnung, eine Tracht oder ein Lied: Sie macht die Kultur sichtbar und erlebbar. Im engeren Sinne ist es eine Ausdrucksweise, die aus der Kreativität einer Person, Gruppe oder Gesellschaft entsteht und '''kulturellen Inhalt''' trägt (symbolische Bedeutung, künstlerische Dimension, kulturelle Werte).&amp;lt;ref&amp;gt;Österreichische UNESCO-Kommission 2007: Übereinkommen zum Schutz und zur Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen, Art. 4, Seite 13. URL: https://www.unesco.at/fileadmin/Redaktion/Publikationen/Publikations-Dokumente/2005er_UNESCO-Convention_German.pdf, abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt; Sie wird innerhalb und zwischen Gemeinschaften weitergegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle kulturellen Ausdrucksformen bilden einen wesentlichen Kern von Kultur, aber Kultur enthält auch latente Dimensionen (Werte, Normen, Vorannahmen etc.), die nicht unmittelbar als Ausdrucksform erscheinen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.3 Kulturgut ===&lt;br /&gt;
Ein „Kulturgut“ ist '''eine einzelne kulturelle Ausdrucksform''', der ein '''besonderer kultureller Wert zugemessen wird''' (durch Anerkennung, Schutz, Bedeutung). Es ist somit ein Erzeugnis menschlicher Kreativität oder Zeugnis menschlichen Lebens, welches '''Bedeutung für die Kultur einer Gemeinschaft''' hat und daher '''Bestand haben und bewahrt werden soll'''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die '''Summe aller Kulturgüter''' einer Gemeinschaft wird als dessen '''Kulturerbe''' bezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.4 Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
Kulturerbe ist die '''Summe der materiellen und immateriellen Ausdrucksformen''' (= Kulturgüter) einer Kultur, die als „'''bewahrenswert'''“ anerkannt wurden. International umfasst das u. a. das '''Welterbe''' (Denkmäler, Ensembles, Stätten)&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO (1972), Welterbekonvention, Art. 1. URL: https://www.dnk.de/wp-content/uploads/2021/02/1972_DNK_UNESCO-Welterbekonvention.pdf (abgerufen am 11.09.2025).&amp;lt;/ref&amp;gt; und das '''Immaterielles Kulturerbe''' (Praktiken, Wissen).&amp;lt;ref&amp;gt;Deutsche UNESCO-Kommission o. J.:, Übereinkommen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes (dt. Ausgabe). URL: https://www.unesco.de/assets/dokumente/Deutsche_UNESCO-Kommission/02_Publikationen/Publikation_UNESCO-%C3%9Cbereinkommen_zur_Erhaltung_des_immateriellen_Kulturerbes_01.pdf, (abgerufen am 11.09.2025).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ob etwas „zum Kulturerbe“ zählt, ist Ergebnis von Bewertung, Diskurs und teils formellen Verfahren. Dem Sorbischen Kulturregister (SKR) zufolge ist „sorbisch-wendisches Kulturerbe“ eine Zuschreibung, die durch Gesellschaft, Museen, Archive und Wissenschaft erfolgen kann.&amp;lt;ref&amp;gt;Sorbisches Institut 2025: Konzept für ein Sorbisches Kulturregister (SKR). URL: https://www.serbski-institut.de/wp-content/uploads/2021/11/00_Zweite-aktualisierte-Fassung_Konzept_Sorbisches-Kulturregister_20.11.2025.pdf, abgerufen am 20.11.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.5 Abgrenzung: Kultur und Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
'''Kultur / Kulturelle Ausdrucksform''' sind als Begriffe weiter gefasst als '''Kulturgut / Kulturerbe'''. Kulturelle Ausdrucksformen umfassen alles Gelebte und Gestaltete einer Gemeinschaft in Gegenwart und Vergangenheit, während Kulturgut / Kulturerbe diejenigen kulturellen Güter und Traditionen meint, denen eine Bedeutung beigemessen wurde und die als bewahrens- und weitergebenswert erkannt wurden. Kultur ist der „aktuelle“ kreative Prozess (einschließlich Popkultur, Alltagskultur), Kulturerbe der daraus überkommene Schatz. Dennoch sind die Grenzen fließend: Was heute nur Kultur ist, kann morgen zum Kulturerbe erklärt werden – abhängig von Wertzuschreibung und Diskurs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Rahmen dieses Dokuments werden für den sorbischen Kontext die Begriffe '''„kulturelle Ausdrucksform“''' und '''„Kulturgut“''' weitgehend '''synonym''' verwendet, sofern nicht ausdrücklich anders gekennzeichnet. Hintergrund ist, dass die Gesamtzahl der identifizierbaren kulturellen Ausdrucksformen einer kleinen Minderheit wie der Sorben/Wenden im Vergleich zu großen Mehrheitsgesellschaften überschaubar ist. Zugleich ist der Anteil dieser Ausdrucksformen, denen in der Community ein besonderer Wert beigemessen wird und die daher faktisch als Kulturgut wahrgenommen und behandelt werden, sehr hoch: Ein großer Teil des gelebten kulturellen Repertoires wird als identitätsstiftend und bewahrenswert verstanden und damit dem Kulturerbe zugerechnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2.2 Klassifizierung von Kulturgütern ==&lt;br /&gt;
Im Folgenden soll eine griffige Klassifizierung von Kulturgütern entwickelt werden, so dass pro Kulturgut-Klasse später auf die Besonderheiten ihrer Digitalisierung eingegangen werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K2.png|center|600px]]&amp;lt;ref&amp;gt;Mermaid Flowchart Code: [https://mermaid.live/edit#pako:eNptlM9u00AQxl9ltFWoFDlp_C9OjISU2KSgUCq1BSRIDxt77Syxd6v1mkKjSDwBlThw4YCEeuXOoeLSN-EF4BHYjZOQQG67-32_2ZnZsWco4jFBPqrVZpRR6cNsP8n4ZTTBQu7rHVP66QWOKEvV3nQM2BeYTf8eea35fF6rjdiIrUl4cjJiAMPDV_X6sMxkKdJS1uvnvu9PtRGgp5ReE46wJIKSLIOf779CycbkkqQZjSb1Ovz-cv351_drDWGN9BXS_xfZBj7dLoGxBgIFBE14nOcrZGH68E07Iu0IlSNsQkhTKnGlfvyh1bjKcngIjcYD6G2s-xvrYGMdLuuqAFOXZ0IflzFh0xxn5OBU3t1ISZhqw6KaKpo29k04jSaCJrLq0oZsa9mCAZc8FTihhBnQp1ksxd1NSsS22dFmG3oMZzwl0HveONtlc7XNATtsHI9fk6kkC3nRsKoqnVNgwrFQaUOvLGJRRtMi4SJfZ790WtppQYhFIVV7CYsJDO9uWbEMujbqOgIbTqgsddB7MCD_eXT6gQMvaFEQBlclPMVqcA6eMfqGiKLMt926isCFM4FjKiln-voCHmEWXxIxXZcUVo-jSwrVe3DBGvHqtc83DLqS0FpNAi3wRluiDBdFSBIYQ0KzzN_r265jPjQinnHh7yVJYhRS8ClZKfe3KLyk2oHneuEuqlK2qWhJWYPOwGnvoiplm4qXVMd17V5rF1UpikIGSgWNkS9FSQyUE5FjvUUzHXGE5ITkZIR8tYxJgtVXPEIjNlfYBWYvOc9XpOBlOkF-grNC7cqLWPUupFjNa74-FXo0RMBLJpFvWtYiCPJn6C3yG7bTNO2u6Tidrue0W13HQO_Usdtquuqg1bG6TtvzPNuZG-hqcXGr2baV5NhuyzId13XbBiJqDrg4qn5ni7_a_A_W9oMu hier klicken], abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.1 A. Materiell - unbeweglich 🏛️ ===&lt;br /&gt;
„Materiell - unbeweglich&amp;quot; bezeichnet ortsfeste Kulturobjekte wie Bauwerke, Ensembles, Gebäudekomplexe und Stätten/Kulturlandschaften, wie sie in Art. 1 der UNESCO-Welterbekonvention als Kategorien des kulturellen Erbes definiert sind.&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO World Heritage Centre o. J.: Convention Concerning the Protection of the World Cultural and Natural Heritage, Artikel 1. URL: https://whc.unesco.org/en/conventiontext/, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.2 B. Materiell - beweglich 🖼️ ===&lt;br /&gt;
Die Kategorie „Materiell - beweglich&amp;quot; umfasst bewegliche Sachen bzw. Sachgesamtheiten von kulturellem Wert (z. B. Objekte, Sammlungen), wie sie das deutsche Kulturgutschutzgesetz (§ 2 KGSG)&amp;lt;ref&amp;gt;Deutschland 2016: Kulturgutschutzgesetz (KGSG), § 2. URL: https://www.buzer.de/2_KGSG.htm, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt; als „Kulturgut“ beschreibt.&lt;br /&gt;
* B1 '''Schriftgut''' - Bücher, Zeitungen, Handschriften, Archivgut, Graphiken, Pläne, Karten&lt;br /&gt;
* B2 '''Fotografien &amp;amp; Bildträger''' &lt;br /&gt;
** Fotografisch erzeugte statische Bildträger, auch Stillbildträger genannt, z. B. Positive/Negative auf Film/Platte/Photopapier, Dias, Abzüge, Mikrofilm/-fiche und vergleichbare fotografische Repro-Träger.&lt;br /&gt;
* B3 '''Analoge AV-Träger''' (Audio/Video/Film)&lt;br /&gt;
** Analoge zeitbasierte Medien, z. B. Magnetton (Tonband, Kassette), Schallplatte, Videobänder, Film.&lt;br /&gt;
* B4 '''3D-Objekte''' - Gegenstände, „sachkulturelle Artefakte“&amp;lt;ref&amp;gt;Sorbisches Institut o. J.: Konzept zum Digitalisierungszentrum am Sorbischen Institut, S. 24.&lt;br /&gt;
(Unveröffentlichtes Konzeptpapier; interne Projektunterlage.)&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.3 C. Immateriell 🎭 ===&lt;br /&gt;
Meint lebendige Praktiken, Darstellungen, Ausdrucksformen, Ideen, Werte, Wissen und Fertigkeiten, die von Gemeinschaften getragen und weitergegeben werden, gemäß der folgenden 5 UNESCO ICH-Domänen.&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO o. J.: Intangible Cultural Heritage – Five Domains. URL: https://ich.unesco.org/doc/src/01857-EN.pdf, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* C1 '''Orale Traditionen/Ausdrucksformen''' - Sprache, Gesangstraditionen&lt;br /&gt;
* C2 '''Darstellende Künste''' - Musik, Tanz, Theater&lt;br /&gt;
* C3 '''Rituale &amp;amp; Feste''' - Bräuche und soziale Praktiken des Kalenders und Lebenslaufs&lt;br /&gt;
* C4 '''Wissen &amp;amp; Praktiken''' zu Natur &amp;amp; Universum - Heil- und Sammelkenntnisse, ökologisches und astronomisches Wissen, Glaube, Religion&lt;br /&gt;
* C5 '''Traditionelles Handwerk''' - Techniken, Werkzeuge und Gestaltungsmuster&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.4 D. Digital 💾 ===&lt;br /&gt;
Bezeichnet in digitaler Form vorliegende Ressourcen menschlichen Wissens und Ausdrucks. Diese können sowohl born-digital sein als auch digitalisierte Repräsentationen von materiellen und immateriellen Kulturgütern.&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO 2003: Charter on the Preservation of Digital Heritage. URL: https://www.unesco.org/en/legal-affairs/charter-preservation-digital-heritage, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* D1 '''Born-digital''' (ursprünglich digital erzeugt, kein analoges Original), z. B. Webseiten, Social-Media-Beiträge, Software, Apps, Spiele, digitale Fotos/Audio/Video.&lt;br /&gt;
* D2 '''Digitalisate''' - Digitalisierte Repräsentationen/Derivate aus den Klassen A, B und C.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2.3 Begriffe und Funktionsbausteine der Kulturerbe-Digitalisierung ==&lt;br /&gt;
Die vorherigen Abschnitte haben geklärt, was unter Kulturerbe verstanden wird und welche Arten von Kulturgütern unterschieden werden. Bevor der nachfolgende Abschnitt den Prozess der Kulturerbe-Digitalisierung beschreibt, werden in diesem Abschnitt die dafür wichtigsten Arbeitsbegriffe und Funktionen erläutert. Der Abschnitt soll dabei die Frage beantworten: Welche Arbeitsabläufe und Funktionen sind notwendig, damit Kulturgüter nicht nur digital erfasst, sondern auch gefunden, verstanden, gesichert und genutzt werden können?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erläuterungen sollen eine gemeinsame und leicht verständliche Grundlage schaffen für alle, die an der Digitalisierung von Kulturerbe interessiert sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.3.1 Vom Kulturgut zur digitalen Repräsentation ===&lt;br /&gt;
Dieser Abschnitt erklärt, was bei einer Digitalisierung entsteht und wie sich das digitale Ergebnis vom ursprünglichen Kulturgut unterscheidet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Begriff&lt;br /&gt;
! Erklärung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Digitalisierung von Kulturerbe'''&lt;br /&gt;
| Digitalisierung bezeichnet in diesem Konzept den gesamten zusammenhängenden Prozess: Kulturgüter erfassen, beschreiben und bewerten, digitale Repräsentationen erzeugen oder übernehmen, ihre Qualität prüfen, sie sichern und für die Nutzung zugänglich machen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;DFG2016&amp;quot;&amp;gt;Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) 2016: Praxisregeln „Digitalisierung“, insbesondere S. 13 und 41-44. URL: https://www.dfg.de/resource/blob/176108/898bf3574ad0ff3b1db525fa7d04c86c/12-151-v1216-de-data.pdf, abgerufen am 16.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bei ursprünglich digital entstandenen Kulturgütern – auch ''born digital'' genannt – entfällt die Überführung aus einem analogen Original; die weiteren Aufgaben bleiben bestehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Digitalisat und digitale Repräsentation'''&lt;br /&gt;
| Ein '''Digitalisat''' ist ein digitales Abbild eines analogen Kulturguts, beispielsweise ein Scan einer Handschrift oder ein Foto eines Museumsobjekts. Der weitere Begriff '''digitale Repräsentation''' umfasst auch Audio-, Video- oder 3D-Dokumentationen einer immateriellen kulturellen Praxis. Die digitale Repräsentation ersetzt weder das materielle Kulturgut noch die lebendige Praxis.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Masterdatei und Nutzungsderivat'''&lt;br /&gt;
| Die '''Masterdatei''' ist die möglichst hochwertige und qualitätsgeprüfte Ausgangsdatei. Sie wird für die langfristige Sicherung und spätere Bearbeitungen aufbewahrt. Ein '''Nutzungsderivat''' ist eine daraus erzeugte, an einen bestimmten Zweck angepasste Datei, beispielsweise ein kleineres Bild für eine Internetseite.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Digitales Objekt'''&lt;br /&gt;
| Als '''digitales Objekt''' wird in diesem Konzept eine zusammengehörige digitale Einheit bezeichnet. Sie kann aus einer oder mehreren Dateien, den zugehörigen Metadaten und ihren Verknüpfungen bestehen. Ein digitales Objekt kann ein Digitalisat oder ein ursprünglich digital entstandenes Kulturgut sein.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
''Beispiel:'' Das verzierte sorbische Osterei bleibt das materielle Kulturgut. Hochauflösende Fotografien, ein 3D-Modell und die dazugehörigen Beschreibungen bilden gemeinsam seine digitale Repräsentation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.3.2 Funktionsbausteine und ihr Zusammenspiel ===&lt;br /&gt;
Die folgende Tabelle erläutert die grundlegenden Funktionen bei der Digitalisierung von Kulturerbe, unabhängig von konkreten Institutionen oder technischen Produkten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Funktionsbaustein&lt;br /&gt;
! Hauptaufgabe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Register oder Katalog'''&lt;br /&gt;
| Weist Kulturgüter nach, beschreibt und verknüpft sie und macht sichtbar, was vorhanden ist, wo es sich befindet und in welchem Zusammenhang es steht. Ein Registereintrag kann bereits bestehen, bevor ein Digitalisat angefertigt wurde.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Digitalisierungsdienst oder Digitalisierungszentrum'''&lt;br /&gt;
| Erzeugt digitale Repräsentationen, bearbeitet und prüft sie und dokumentiert technische Angaben zur Digitalisierung. Es liefert beispielsweise geprüfte Masterdateien und Nutzungsderivate.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Repositorium oder digitales Archiv'''&lt;br /&gt;
| Übernimmt digitale Dateien und Metadaten, speichert und verwaltet sie und sorgt entsprechend seinem Auftrag für ihre Sicherung, Langzeiterhaltung und Bereitstellung.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Präsentations- und Nutzungssystem'''&lt;br /&gt;
| Führt beschreibende Informationen und digitale Medien für Nutzerinnen und Nutzer zusammen. Es ermöglicht beispielsweise Suche, Anzeige, Kontextualisierung, Vermittlung und – soweit zulässig – Nachnutzung.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Bausteine beschreiben zunächst '''Funktionen''' und nicht zwingend getrennte Institutionen oder Systeme. Eine Einrichtung kann mehrere Funktionen übernehmen. Umgekehrt kann eine Funktion auf mehrere Einrichtungen oder technische Systeme verteilt sein. Entscheidend sind klare Zuständigkeiten, verlässliche Übergaben und gemeinsame Standards.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vereinfacht lässt sich das Zusammenspiel so zusammenfassen:&lt;br /&gt;
# Das '''Register oder der Katalog''' beschreibt und verknüpft das Kulturgut.&lt;br /&gt;
# Der '''Digitalisierungsdienst''' erzeugt und prüft seine digitale Repräsentation.&lt;br /&gt;
# Das '''Repositorium oder digitale Archiv''' übernimmt und erhält die Dateien.&lt;br /&gt;
# Das '''Präsentationssystem''' führt Beschreibungen und Medien für die Nutzung zusammen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die konkrete Ausgestaltung kann zentral, dezentral oder als Verbund mehrerer Systeme erfolgen. Welche dieser Funktionen in der sorbischen Welt bereits durch das Sorbische Kulturregister, das Digitalisierungszentrum, Archive, Repositorien und Präsentationsumgebungen erfüllt werden und wo noch Lücken bestehen, wird in der sorbischen IST-Analyse untersucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.3.3 Register: Kulturgüter erfassen, beschreiben und verknüpfen ===&lt;br /&gt;
Die folgende Tabelle erklärt, wie Kulturgüter so beschrieben und bearbeitet werden, dass sie eindeutig zugeordnet, wiedergefunden und nach einheitlichen Regeln weiterverarbeitet werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Begriff&lt;br /&gt;
! Erklärung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Erschließung, Verzeichnung und Registrierung'''&lt;br /&gt;
| '''Erschließung''' ist der übergeordnete Vorgang, bei dem ein Kulturgut identifiziert, beschrieben und in seinen Zusammenhang eingeordnet wird. '''Verzeichnung''' bezeichnet seine strukturierte dokumentarische Beschreibung. '''Registrierung''' bedeutet die Aufnahme in ein konkretes Register, einen Katalog oder ein Sammlungssystem. Ein Kulturgut kann bereits registriert werden, bevor ein Digitalisat vorhanden ist.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Metadaten'''&lt;br /&gt;
| Metadaten sind strukturierte Informationen über ein Kulturgut und seine digitalen Repräsentationen. Dazu gehören beispielsweise Titel, Herkunft, beteiligte Personen, Ort, Zeit, kultureller Kontext, Rechte, Dateieigenschaften und Bearbeitungsschritte. Je nach Zweck werden beschreibende, technische, rechtliche und erhaltungsbezogene Metadaten unterschieden. Sie machen Kulturgüter auffindbar, verständlich, verwaltbar und langfristig nutzbar.&amp;lt;ref name=&amp;quot;PREMIS&amp;quot;&amp;gt;Library of Congress o. J.: PREMIS – Preservation Metadata: Implementation Strategies. Internationaler Standard für Erhaltungsmetadaten. URL: https://www.loc.gov/standards/premis/, abgerufen am 16.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Persistenter Identifikator'''&lt;br /&gt;
| Ein '''persistenter Identifikator''' ist eine dauerhafte und eindeutige Kennung für ein Kulturgut, einen Datensatz oder eine digitale Ressource. Die Kennung bleibt bestehen, auch wenn sich der technische Speicherort oder die Internetadresse ändern. Dadurch können Kulturgüter dauerhaft zitiert und zwischen Systemen verknüpft werden.&amp;lt;ref name=&amp;quot;DFG2016&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Metadaten sind keine bloße Beigabe zu einer Datei. Ohne ausreichende Beschreibungen kann ein Digitalisat zwar technisch vorhanden sein, später aber kaum gefunden, verstanden oder zuverlässig zugeordnet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.3.4 Digitalisierungsdienst und Archiv: Digitalisieren, speichern und langfristig erhalten ===&lt;br /&gt;
Die folgende Tabelle erklärt was erforderlich ist, damit digitale Kulturgüter nicht nur heute gespeichert sind, sondern auch nach technischen und organisatorischen Veränderungen noch gefunden, verstanden und genutzt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Begriff&lt;br /&gt;
! Erklärung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Repositorium'''&lt;br /&gt;
| Ein '''Repositorium''', auch ''Repository'' genannt, ist eine verwaltete technische Umgebung, in der digitale Objekte und ihre Metadaten übernommen, gespeichert, geordnet, verwaltet und bereitgestellt werden. Ein Repositorium kann Teil eines digitalen Archivs sein. Nicht jedes Repositorium erfüllt jedoch automatisch alle Anforderungen der Langzeiterhaltung.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Digitales Archiv oder digitales Langzeitarchiv'''&lt;br /&gt;
| Ein digitales Archiv ist mehr als ein Server oder ein Speicherprogramm. Es verbindet eine verantwortliche Organisation, fachkundiges Personal, Regeln, Arbeitsabläufe und technische Systeme. Es übernimmt die Verantwortung dafür, digitale Informationen langfristig zu erhalten und für festgelegte Nutzergruppen zugänglich zu machen. Das internationale Referenzmodell '''Open Archival Information System''' (OAIS, offenes Archiv-Informationssystem) bietet hierfür einen fachlichen Rahmen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;OAIS2024&amp;quot;&amp;gt;Consultative Committee for Space Data Systems (CCSDS) 2024: Reference Model for an Open Archival Information System (OAIS), CCSDS 650.0-M-3, insbesondere S. 1-1–1-2 und 2-1–2-2. URL: https://ccsds.org/Pubs/650x0m3.pdf, abgerufen am 16.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Ingest oder kontrollierte Übernahme'''&lt;br /&gt;
| '''Ingest''' bezeichnet die kontrollierte Übernahme digitaler Dateien und Metadaten in ein Repositorium oder digitales Archiv. Dabei werden beispielsweise Vollständigkeit, Dateiformate, Metadaten und Dateiintegrität geprüft und die Übernahme dokumentiert.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Langzeitverfügbarkeit und digitale Langzeiterhaltung'''&lt;br /&gt;
| '''Langzeitverfügbarkeit''' ist das Ziel, digitale Inhalte über technische und organisatorische Veränderungen hinweg auffindbar, lesbar, verständlich und nutzbar zu halten. '''Digitale Langzeiterhaltung''' bezeichnet die dafür notwendigen fortlaufenden Maßnahmen. Dazu können mehrere Speicherorte, regelmäßige Prüfungen, Formatüberwachung, technische Migrationen und eine nachvollziehbare Dokumentation gehören. „Langfristig“ bezeichnet dabei keine feste Zahl von Jahren, sondern einen Zeitraum, in dem mit veränderten Technologien, Formaten und Nutzungsanforderungen gerechnet werden muss.&amp;lt;ref name=&amp;quot;OAIS2024&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Datensicherung oder Backup'''&lt;br /&gt;
| Ein '''Backup''' ist eine zusätzliche Sicherungskopie, aus der Dateien nach einem Verlust oder technischen Ausfall wiederhergestellt werden können. Backups sind notwendig, ersetzen aber keine Langzeiterhaltung: Sie regeln allein noch keine dauerhaften Zuständigkeiten, Metadaten, Formatüberwachung, Integritätsprüfungen oder langfristige Zugänglichkeit.&amp;lt;ref name=&amp;quot;DPCStorage&amp;quot;&amp;gt;Digital Preservation Coalition o. J.: Digital Preservation Handbook – Storage. URL: https://www.dpconline.org/handbook/organisational-activities/storage, abgerufen am 16.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Integrität und Authentizität'''&lt;br /&gt;
| '''Integrität''' bedeutet, dass unbeabsichtigte Veränderungen oder Beschädigungen einer Datei erkannt werden können. Dafür werden häufig Prüfsummen verwendet - digitale Kontrollwerte, die regelmäßig verglichen werden. '''Authentizität''' bedeutet, dass Herkunft, Identität und Bearbeitungsgeschichte eines digitalen Objekts nachvollziehbar sind und belegt werden kann, dass es das ist, was es zu sein vorgibt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Dateiformat und Datenformat'''&lt;br /&gt;
| Ein '''Dateiformat''' legt den technischen Aufbau einer einzelnen Datei fest. Ein '''Datenformat''' beschreibt, wie Informationen strukturiert und zwischen Systemen ausgetauscht werden. Gut dokumentierte, verbreitete und möglichst offen beschriebene Formate erleichtern den Austausch und die langfristige Nutzung. Sie ersetzen jedoch keine aktive Langzeiterhaltung.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Merksatz:''' Speichern ist nicht dasselbe wie langfristiges Erhalten. Auch ein vorhandenes Backup ist noch kein digitales Langzeitarchiv.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.3.5 Präsentationssystem: Kulturerbe zugänglich machen und präsentieren ===&lt;br /&gt;
Die folgende Tabelle erklärt, wie aus langfristig gesicherten Dateien ein digitales Kulturerbe wird, das von Menschen gefunden, verstanden und sinnvoll genutzt werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Begriff&lt;br /&gt;
! Erklärung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Zugänglichmachung und Präsentation'''&lt;br /&gt;
| '''Zugänglichmachung''' bedeutet, dass digitale Objekte auffindbar und im rechtlich sowie technisch zulässigen Umfang abrufbar sind. '''Präsentation''' geht darüber hinaus: Inhalte werden ausgewählt, miteinander verknüpft, erklärt und für bestimmte Zielgruppen vermittelt. Dazu gehören verständliche Kontextinformationen, klare Rechteangaben, Mehrsprachigkeit und möglichst barrierearme Zugänge. Abhängig von Rechten, personenbezogenen Daten oder kulturellen Schutzbedarfen kann der Zugang offen oder eingeschränkt sein.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Nutzung und Nachnutzung'''&lt;br /&gt;
| '''Nutzung''' umfasst beispielsweise das Betrachten, Lesen, Anhören, Erforschen oder Vermitteln eines digitalen Kulturguts. '''Nachnutzung''' bedeutet seine weitere Verwendung in einem neuen Zusammenhang, etwa in Bildung, Forschung, Publikationen, Ausstellungen, Anwendungen oder kreativen Werken. Dafür werden geeignete Dateien, verständliche Metadaten und klare Rechteinformationen benötigt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Rechteinformation und Lizenz'''&lt;br /&gt;
| Eine '''Rechteinformation''' beschreibt den rechtlichen Status eines digitalen Objekts und mögliche Einschränkungen seiner Nutzung. Eine '''Lizenz''' räumt durch eine dazu berechtigte Person oder Institution konkrete Nutzungsrechte ein. Ein allgemeiner Rechtehinweis ist daher nicht automatisch eine Lizenz.&amp;lt;ref name=&amp;quot;RightsReuse&amp;quot;&amp;gt;RightsStatements.org o. J.: Standardisierte Rechtehinweise für online verfügbares Kulturerbe. URL: https://rightsstatements.org/de/, abgerufen am 16.07.2026. Creative Commons 2025: Recommended Licenses and Tools for Cultural Heritage Content. URL: https://creativecommons.org/2025/07/09/recommended-licenses-and-tools-for-cultural-heritage-content/, abgerufen am 16.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Interoperabilität'''&lt;br /&gt;
| '''Interoperabilität''' bezeichnet die Fähigkeit von Systemen und Organisationen, Daten auszutauschen und in gleicher Bedeutung zu verstehen. Dafür werden gemeinsame Metadatenmodelle, Begriffe, Identifikatoren und technische Schnittstellen benötigt. So können beispielsweise Register, Repositorien, Präsentationsportale und externe Kulturplattformen miteinander verbunden werden.&amp;lt;ref name=&amp;quot;EuropeanaEDM&amp;quot;&amp;gt;Europeana o. J.: Metadata – Europeana Data Model (EDM, Europeana-Datenmodell). URL: https://pro.europeana.eu/page/metadata, abgerufen am 16.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Digitalisierte Inhalte entfalten ihren kulturellen und gesellschaftlichen Nutzen erst dann vollständig, wenn sie auffindbar, verständlich, rechtlich klar und für unterschiedliche Zielgruppen tatsächlich verwendbar sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der folgende Abschnitt 2.4 beschreibt, wie diese Funktionen innerhalb des gesamten Prozesses der Kulturerbe-Digitalisierung zusammenwirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2.4 Prozess der Digitalisierung von Kulturerbe ==&lt;br /&gt;
Die Digitalisierung von Kulturgut ist kein rein technischer Arbeitsschritt, sondern ein vielschichtiger, oft langfristiger Prozess, der bereits mit der Wahrnehmung und Identifikation einer kulturellen Ausdrucksform beginnt. Ziel dieses Abschnitts ist es, diesen Gesamtprozess systematisch darzustellen: von der gelebten Kultur über das identifizierte Kulturgut bis hin zur digital nutzbaren Repräsentation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die hier entwickelte Prozessdarstellung soll als praxisorientierter Überblick dienen für die Digitalisierung des sorbischen Kulturerbes. Sie berücksichtigt die Anforderungen sorbischer Einrichtungen ebenso wie die international etablierten Referenzmodelle und Standards, darunter:&lt;br /&gt;
* das OAIS-Referenzmodell (ISO 14721) für digitale Archivierung&amp;lt;ref&amp;gt;Consultative Committee for Space Data Systems (CCSDS) 2024: Reference Model for an Open Archival Information System (OAIS), CCSDS 650.0-M-3. URL: https://ccsds.org/Pubs/650x0m3.pdf, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* das DCC Curation Lifecycle Model für kuratorische Entscheidungsprozesse&amp;lt;ref&amp;gt;Higgins 2008: The DCC Curation Lifecycle Model. International Journal of Digital Curation, 3(1), 134-140. URL: https://ijdc.net/index.php/ijdc/article/view/48, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* das Spectrum-Modell für museale Objektverwaltung&amp;lt;ref&amp;gt;Collections Trust 2022. Spectrum 5.1 - The UK Museum Collections Management Standard. URL: https://collectionstrust.org.uk/spectrum/spectrum-5, abgerufen am 01.10.2025. &amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* die UNESCO-Leitlinien zur Inventarisierung immateriellen Kulturerbes&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO 2024: Operational Directives for the Implementation of the Convention for the Safeguarding of the Intangible Cultural Heritage (10.GA). URL: https://ich.unesco.org/doc/src/ICH-Operational_Directives-10.GA_EN.pdf, abgerufen am 01.10.2025. &amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* sowie technische Vorgaben wie die DFG-Praxisregeln Digitalisierung&amp;lt;ref&amp;gt;Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) 2022: Praxisregeln Digitalisierung (aktualisierte Fassung). URL: https://www.ulb.hhu.de/fileadmin/redaktion/ULB/Documents/Infomaterial/DFG_Praxisregeln_Digitalisierung_Aktualisierte_Fassung2022.pdf, abgerufen am 01.10.2025. &amp;lt;/ref&amp;gt; und die FADGI-Richtlinien&amp;lt;ref&amp;gt;Federal Agencies Digital Guidelines Initiative (FADGI) 2023: Technical Guidelines for Digitizing Cultural Heritage Materials – Still Image, 3rd ed. URL: https://www.digitizationguidelines.gov/guidelines/digitize-technical.html, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Folge soll der „Lebenslauf“ eines Kulturguts dargestellt werden, also der Weg, den ein Objekt oder eine kulturelle Praxis vom Zeitpunkt der Entstehung über die Erfassung, Digitalisierung und Archivierung bis zur Veröffentlichung in einem digitalen Präsentationsmodul durchläuft.&lt;br /&gt;
Hierfür erläutert der folgende Abschnitt die einzelnen Prozessschritte im Detail, jeweils mit Akteuren und Beispielen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.4.1 Vorüberlegungen zum Prozess ===&lt;br /&gt;
Im hier vorgestellten Prozess wird auf eine harte, systematische Filterung verzichtet, welche kulturellen Ausdrucksformen „nur“ Kultur und welche bereits Kulturgut sind. Ein solcher Bewertungs- und Abgrenzungsprozess wäre ressourcenintensiv und würde den vorhandenen Kapazitäten in den beteiligten Einrichtungen nicht entsprechen. Stattdessen folgt das Konzept einer inklusiven Logik: Alle dokumentierten Ausdrucksformen werden zunächst als potenzielle Kulturgüter erfasst. Eine feinere Auswahl und Priorisierung erfolgen erst in einem späteren Schritt, nämlich dann, wenn konkret entschieden wird, welche Ausdrucksformen bzw. Kulturgüter in welcher Tiefe digitalisiert, archiviert und präsentiert werden sollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Vorgehen schließt an das SKR-Konzept an, das bewusst auf eine frühe normative Trennung zwischen „kultureller Ausdrucksform“ und „Kulturgut“ verzichtet. Auch hier steht zunächst der möglichst vollständige, strukturierte Überblick über die sorbischen Kulturgüter im Vordergrund. Die differenzierte Bewertung und Schwerpunktsetzung werden als anschließende fachliche Aufgabe verstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.4.2 Prozessschritte im Detail ===&lt;br /&gt;
Das folgende Diagramm gibt einen Überblick über die sechs Kernschritte des Gesamtprozesses der Digitalisierung von Kulturgut – von der ersten Wahrnehmung einer kulturellen Ausdrucksform bis zu ihrer digitalen Präsentation als Kulturgut. Die Abfolge zeigt zugleich die Entwicklungsstufen: von gelebter Kultur zur kulturellen Ausdrucksform, von dort zum Kulturgut und schließlich zum digitalen Kulturgut. Die Schritte sind als generischer Ablauf zu verstehen: Je nach Art des Kulturguts können einzelne Tätigkeiten unterschiedlich aufwendig sein oder parallel erfolgen.&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K3.png|center|600px]]&amp;lt;ref&amp;gt;Mermaid Flowchart Code: [https://mermaid.live/edit#pako:eNplkk1OwzAQha8yGqmbkloxSZs2CyTa8LOphIAVhIVJpolF4iDH4a_qbXqTXgzHFdAKr2y97703lmaNWZMTxriqmvesFNrAfZIqgPPHFIdDzuBO1DVVajhM8QlGozOYO-WUwS0VsjVakqa93Pvmjlk4JmAwp3fS5kCHwQAWjkkcE_Y5WWkIXqrd9jBpT138UIkspBGVbI_7-rwLR146csLgRryQ-U8lMGLwTG1WapLPpHKCZQLMOY9ch7m2VxiSpOAEjJ1TSev_M_bkvv3KtY8ZnOuslG_H9VcOuf4dUO-2LamjGdHDQsscY6M78rAmXYv-ies-IEVTUk0pxvaa00p0lUkxVRtrexXqoWnqH6duuqLEeCWq1r6619zOn0hRaPGH9J_Xi6ZTBuOxS8B4jR8YhxGLeDThkR-EM37KuYefFmHTaOz7fOZHQTidBMHGwy9X6VslnNnDw4jPuB8GHlIuTaOX-7Vy27X5Bh_Osqo hier klicken], abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Prozess zeigt, dass Digitalisierung von Kulturgut mehr ist als das Erstellen digitaler Dateien. Sie umfasst eine Reihe aufeinander bezogener Schritte – von der ersten Wahrnehmung einer kulturellen Ausdrucksform über ihre Erfassung, Bewertung und Digitalisierung bis hin zur langfristigen Sicherung und Präsentation. Dabei sind je nach Schritt unterschiedliche Akteure beteiligt, etwa Gemeinschaften, Museen, Archive, Fachgremien, Digitalisierungsstellen oder IT. Die folgenden Beschreibungen erläutern diese Schritte so, dass nachvollziehbar wird, was jeweils mit einem Kulturgut geschieht, wer daran beteiligt ist und wie sich der Ablauf in der Praxis vorstellen lässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''1. Sammeln &amp;amp; erfassen''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Hier wird eine kulturelle Ausdrucksform erstmals wahrgenommen, benannt und mit ersten Informationen erfasst: Was ist es, wer macht es oder hat es geschaffen, wo kommt es vor, warum ist es bedeutsam für die Gemeinschaft? &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Community, Vereine, Museen, Archive, Forschende, Privatpersonen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Auf einem Dorffest zeigt eine Frau das Verzieren sorbischer Ostereier. Jemand fotografiert dies und notiert Technik, Ort und Namen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''2. Registrieren &amp;amp; beschreiben''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Hier wird aus der ersten Beobachtung ein strukturierter Nachweis. Das Kulturgut oder die kulturelle Ausdrucksform wird in ein Register, eine Sammlung oder einen Katalog aufgenommen und mit strukturierten Metadaten beschrieben, damit es wiedergefunden, zugeordnet und verstanden werden kann. Dazu gehören z. B. Titel, Ort, Zeit, Technik, Funktion, beteiligte Personen und der kulturelle Kontext.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Registerverantwortliche, Kurator:innen, Sammlungsmitarbeitende, Community für Kontextinformationen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Das Osterei erhält einen Eintrag mit Angaben wie „Wachsbatik“, „Schleife“, „Osterei-Verzierung“, Name der Trägerin und Entstehungsjahr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''3. Bewerten &amp;amp; freigeben''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
In diesem Schritt wird entschieden, ob und in welcher Priorität ein Kulturgut oder die kulturelle Ausdrucksform digitalisiert werden soll und ob dies rechtlich und ethisch möglich ist. Dabei spielen fachliche Kriterien wie Bedeutung, Repräsentativität, Seltenheit oder Gefährdung eine Rolle, aber auch Fragen des Urheberrechts, Datenschutzes und möglicher kultureller Sensibilitäten. Am Ende steht eine begründete Entscheidung, ob und in welchem Umfang das Kulturgut weiterbearbeitet und später veröffentlicht werden darf. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Kurator:innen, Fachgremien, Community-Vertretungen, Register/SKR, ggf. Rechteverantwortliche und Behörden. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Es wird entschieden, dass die Osterei-Technik wegen ihrer Bedeutung für die sorbische Identität digital gesichert werden soll; die Kunsthandwerkerin stimmt der Veröffentlichung zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''4. Digitalisieren &amp;amp; prüfen''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nun wird das Kulturgut technisch erfasst, also in eine digitale Form überführt. Das kann je nach Objektart durch Scan, Fotografie, Audio- oder Videoaufnahme oder 3D-Erfassung geschehen. Dabei entstehen hochwertige Master-Dateien und nutzbare Derivate. Die Digitalisierung folgt qualifizierten Standards, um Reproduzierbarkeit, Farbkonsistenz und Nutzbarkeit zu gewährleisten. Anschließend wird geprüft, ob Schärfe, Farbe, Vollständigkeit und Dateiformate den Anforderungen für Archivierung und Nutzung entsprechen. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Digitalisierungszentrum, Foto-/AV-/3D-Spezialist:innen, externe Dienstleister bei Spezialfällen. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Das Osterei wird fotografisch hochauflösend aufgenommen und zusätzlich als 3D-Modell erfasst. Danach werden Schärfe, Farbe und Dateiformate geprüft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''5. Archivieren &amp;amp; sichern''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die entstandenen digitalen Dateien werden geordnet abgelegt, mit den zugehörigen Metadaten verknüpft und für die langfristige Erhaltung gesichert. Dazu gehören sichere Speicherorte, Backups, Integritätskontrollen und – wenn nötig – spätere technische Migration auf neue Systeme. Ziel ist, dass das digitale Kulturgut langfristig erhalten bleibt, auch wenn sich Technik und Formate verändern. Das Original bleibt in der Regel weiterhin am Sammlungs- oder Aufbewahrungsort. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Archiv, Repository, IT-Betrieb, ggf. Sorbisches Kulturarchiv bzw. Digitalisierungszentrum. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Die Bilder und das 3D-Modell des Ostereis werden auf gesicherten Servern gespeichert; das Original bleibt im Museum oder bei der Eigentümerin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''6. Präsentieren &amp;amp; nutzen''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im letzten Schritt werden die digitalen Objekte so bereitgestellt, dass sie gefunden, verstanden und genutzt werden können, z. B. in Portalen, digitalen Sammlungen oder virtuellen Ausstellungen. Dafür reicht es nicht, nur Dateien anzuzeigen: Es braucht auch verständliche Kontexte, Rechteangaben, Mehrsprachigkeit und möglichst barrierearme Zugänge. So wird aus der technischen Digitalisierung eine tatsächliche kulturelle Nutzung. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Kurator:innen, Vermittlung, Web/IT, Museen, Kulturinformationen, Community. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Das Osterei erscheint in einer Online-Ausstellung, kann herangezoomt oder als 3D-Modell gedreht werden und wird mit einem kurzen Text zur Technik erklärt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.4.3 Organisatorische Perspektive ===&lt;br /&gt;
Die folgende Abbildung ist entnommen aus einem Poster des Sorbischen Instituts zu dessen Digitalisierungsstrategie, gefunden auf der Projektseite des Digitalisierungszentrums.&amp;lt;ref&amp;gt;Sorbisches Institut: Digitalisierungszentrum (DZ). URL: [https://www.serbski-institut.de/projekte-zentrale-vorhaben/digitalisierungszentrum-dz/ https://www.serbski-institut.de/projekte-zentrale-vorhaben/digitalisierungszentrum-dz/], abgerufen am 25.03.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Digitalisierungsstrategie des Sorbischen Instituts zeigt die Erfassung, Registrierung, Digitalisierung und Archivierung bis zur Präsentation von Kulturgütern aus '''organisatorischer Sicht'''. Sie basiert auf einem '''3-Säulen-Modell aus Kulturregister, Digitalisierungszentrum und Präsentationsumgebung'''. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K4.png|mini||center|600px|Abbildung: 3-Säulen-Modell der Digitalisierungsstrategie des Sorbischen Instituts. Quelle: Sorbisches Institut, „Digitalizacija serbskich kulturnych datow / Digitalisierung der sorbischen/wendischen Kulturdaten“&amp;lt;ref&amp;gt;Sorbisches Institut 2025: Digitalizacija serbskich kulturnych datow / Digitalisierung der sorbischen/wendischen Kulturdaten (Poster). URL:  [https://www.serbski-institut.de/wp-content/uploads/2021/11/A0-Druck_Digitalisierungsstrategie-SI.pdf  https://www.serbski-institut.de/wp-content/uploads/2021/11/A0-Druck_Digitalisierungsstrategie-SI.pdf], abgerufen am 25.03.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Beide Sichtweisen - die fachliche &amp;quot;Prozess-Sicht&amp;quot; und die &amp;quot;organisatorische Sicht&amp;quot; lassen sich wie folgt in einer Darstellung zusammenfassen:&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K5.jpg|mini||center|600px|Abbildung: Zusammengefasste Sichtweisen auf die Digitalisierung von Kulturerbe.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der &amp;quot;Prozess der Digitalisierung von Kulturerbe&amp;quot; beschreibt, '''was''' mit einem Kulturgut geschieht; das 3-Säulen-Modell zeigt, '''wo''' diese Aufgaben organisatorisch verortet sind. Bezogen auf die oben beschriebenen [[#2.3.2 Prozessschritte im Detail|Prozessschritte der Digitalisierung von Kulturerbe]] steht das '''Sorbische Kulturregister''' für den Prozessschritt „'''2. Registrieren'''“ und dient dabei vor allem der Verzeichnung und Metadatenverwaltung. Das '''Digitalisierungszentrum''' steht für die Prozessschritte „'''4. Digitalisieren'''“ und „'''5. Archivieren'''“ und dient dabei der technischen Erfassung, Bearbeitung und Sicherung der Digitalisate. Die '''Präsentationsumgebung''' steht für den Schritt „'''6. Präsentieren'''“ und dient der öffentlichen oder kuratierten Bereitstellung zur Nutzung. Ergänzende Konzepte des SI machen dabei deutlich, dass die Digitalisierung im Regelfall eine vorherige Verzeichnung im Register voraussetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Prozessschritt&lt;br /&gt;
! Verantwortliche Organisation&lt;br /&gt;
! Funktion im Gesamtsystem&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''2. Registrieren'''&lt;br /&gt;
| '''Sorbisches Kulturregister'''&lt;br /&gt;
| Kulturgüter werden als Entitäten nachgewiesen, beschrieben, mit Metadaten versehen und miteinander verknüpft. Das Register erfüllt damit eine katalogähnliche Funktion: Es macht sichtbar, welche Kulturgüter es gibt, wo sie sich befinden und in welchem Kontext sie stehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''4. Digitalisieren'''&lt;br /&gt;
| '''Digitalisierungszentrum'''&lt;br /&gt;
| Kulturgüter werden technisch erfasst, z. B. durch Scan, Fotografie, Audio-/Videoübertragung oder 3D-Erfassung. Das Digitalisierungszentrum erzeugt und prüft die Digitalisate, ist aber nicht selbst primär ein Präsentationssystem.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''5. Archivieren'''&lt;br /&gt;
| '''Digitalisierungszentrum / Repositorium / Archiv'''&lt;br /&gt;
| Die digitalen Dateien werden geordnet gespeichert, mit Metadaten verbunden und langfristig gesichert. Dazu gehört auch die Sicherstellung der Langzeitaufbewahrung, etwa durch geeignete Speicherorte, Prüfroutinen und spätere Migrationen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''6. Präsentieren'''&lt;br /&gt;
| '''Sorabicon / weitere Präsentationsumgebungen'''&lt;br /&gt;
| Die digitalen Inhalte werden für Nutzer:innen sichtbar, erfahrbar und verständlich gemacht, z. B. in Portalen, digitalen Sammlungen oder virtuellen Ausstellungen. Die Präsentation greift dafür auf Metadaten aus dem Register und auf Digitalisate aus dem Repositorium bzw. dem Digitalisierungszentrum zurück.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Schritt '''1. Sammeln''' liegt vor diesen drei Säulen. Er betrifft die Sammlungsorte selbst, also z. B. Museen, Archive, Heimatstuben, Vereine, Projekte, Gemeinden oder Privatpersonen. Dort entstehen oder befinden sich die Kulturgüter zunächst, bevor sie systematisch registriert, bewertet oder digitalisiert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Schritt '''3. Bewerten''' ist ebenfalls keine eigene technische Säule, sondern ein steuernder Entscheidungsschritt. In ihm wird geklärt, welche Kulturgüter priorisiert digitalisiert werden, welche fachliche Bedeutung sie haben, welche Rechte zu beachten sind und ob eine öffentliche Präsentation möglich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit wird deutlich: Register, Digitalisierungszentrum und Präsentation erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Das '''Register''' beschreibt und verknüpft Kulturgüter, das '''Digitalisierungszentrum''' erzeugt und sichert Digitalisate und die '''Präsentationsumgebung''' macht ausgewählte Inhalte verständlich zugänglich. Gerade diese Trennung schafft klare Zuständigkeiten und erleichtert die Zusammenarbeit zwischen Sammlungsorten, Fachstellen, technischen Dienstleistern und Öffentlichkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2.5 Beispiele anderer Kulturen und Regionen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Digitalisierung des Kulturerbes kleiner, autochthoner, indigener und sprachlicher Gemeinschaften weist häufig vergleichbare Herausforderungen auf: Kulturgüter und Bestände sind auf viele Institutionen, Vereine, lokale Einrichtungen und private Träger verteilt. Personelle und finanzielle Ressourcen sind begrenzt, mehrere Sprachen und Beschreibungstraditionen müssen berücksichtigt werden und nicht alle kulturellen Inhalte dürfen oder sollen ohne Einschränkung öffentlich zugänglich gemacht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer vergleichenden Recherche wurde daher untersucht, wie andere Gemeinschaften und Regionen ihr Kulturerbe erfassen, beschreiben, digitalisieren, langfristig sichern und zur Nutzung bereitstellen. Dabei wurde nicht nach einer universell „idealen“ technischen Lösung gesucht. Untersucht wurde vielmehr, welche organisatorischen, technischen, rechtlichen und gemeinschaftlichen Modelle unter welchen Rahmenbedingungen funktionieren, welche Schwierigkeiten auftreten und welche übertragbaren Erfolgsfaktoren erkennbar sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nachfolgenden Beispiele verdeutlichen unterschiedliche Schwerpunkte: gemeinschaftliche Steuerung, institutionsübergreifende Register und Suchsysteme, Digitalisierung verteilter Bestände, Sprach- und Tonarchive, abgestufte Zugänge, Unterstützung kleiner Kulturgutträger sowie die Überführung zeitlich begrenzter Projekte in einen dauerhaften Betrieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die daraus abgeleiteten Kriterien bilden einen Referenzrahmen. Anhand dieses Referenzrahmens kann in einer späteren Ist-Analyse geprüft werden, welche Funktionen bereits vorhanden, nur konzeptionell beschrieben, in Pilotprojekten erprobt oder dauerhaft im Regelbetrieb verankert sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ausführlichen Fallprofile, Vergleichsmatrizen, Quellen sowie ein Hinweis zur KI-gestützten Erstellung befinden sich in der [[12.3.A1 Vergleichende Recherche – Digitalisierung des Kulturerbes anderer Kulturen und Regionen|ausführlichen Vergleichsrecherche]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.5.1 RomArchive – Digitales Archiv der Roma ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Roma und Sinti sind eine transnationale Minderheit, die in zahlreichen europäischen Staaten lebt. RomArchive wurde von 2015 bis 2019 mit 3,75 Millionen Euro durch die Kulturstiftung des Bundes gefördert. Weitere Unterstützer waren unter anderem die Bundeszentrale für politische Bildung, das Auswärtige Amt und das Goethe-Institut. Seit 2019 wird das Archiv durch das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg betrieben.&amp;lt;ref name=&amp;quot;vergleich_romarchive&amp;quot;&amp;gt;RomArchive o. J.: Frequently Asked Questions. URL: https://www.romarchive.eu/en/about/frequently-answered-questions/; Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma e. V. o. J.: Imprint. URL: https://www.romarchive.eu/en/imprint/; Kulturstiftung des Bundes o. J.: RomArchive. URL: https://www.kulturstiftung-des-bundes.de/en/programmes_projects/film_and_new_media/detail/romarchive.html, jeweils abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Archiv präsentiert Kunst, Geschichte und Kultur aus der Perspektive der Roma. Kuratorische Teams und Beirat waren überwiegend mit Angehörigen der Minderheit besetzt. Neben öffentlich zugänglichen Inhalten existiert ein internes Archiv mit beschränktem Forschungszugang. Besonders lehrreich ist der bereits zu Projektbeginn geplante und später tatsächlich vollzogene Übergang an einen dauerhaften Betreiber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren und Learning:''' Angehörige der betreffenden Gemeinschaft sollten nicht nur Inhalte zuliefern, sondern festgelegte Entscheidungsrechte bei Auswahl, Beschreibung, Kontextualisierung und Zugangsregeln besitzen. Ähnliche Vorhaben sollten außerdem bereits zu Beginn einer Projektphase verbindlich klären, welche Institution das Register, Archiv oder Portal nach dem Ende der Förderung dauerhaft betreibt, pflegt und finanziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.5.2 Nuohtti – gemeinsamer Zugang zum Sámi-Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Sámi sind ein indigenes Volk im nordeuropäischen Sápmi, das sich über Teile Norwegens, Schwedens, Finnlands und Russlands erstreckt. Viele historische Sámi-Materialien befinden sich außerhalb der Sámi-Institutionen in europäischen Archiven und Museen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nuohtti ist ein gemeinsamer Suchdienst für digitalisierte Sámi-Materialien. Er wurde von 2018 bis 2021 mit Mitteln des Programms Interreg Nord der EU (Europäische Union) entwickelt. Beteiligt waren unter anderem die Sámi-Archive der finnischen und norwegischen Nationalarchive, das schwedische Reichsarchiv und mehrere Universitäten. Die Sámi-Parlamente Finnlands, Norwegens und Schwedens waren in der Steuerungsgruppe vertreten. Der Dienst führte nach Projektangaben etwa 30.000 Datensätze aus 32 Institutionen zusammen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;vergleich_nuohtti&amp;quot;&amp;gt;Nuohtti o. J.: About Nuohtti. URL: https://nuohtti.com/Content/about; University of the Arctic 2023: The Nuohtti service provides digital access to Sámi material in European archives. URL: https://www.uarctic.org/news/2023/3/the-nuohtti-service-provides-digital-access-to-sami-material-in-european-archives/, jeweils abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nuohtti übernimmt nicht alle Bestände in ein einziges System. Stattdessen werden Metadaten, also strukturierte Beschreibungsdaten zu Objekten und Beständen, aus vorhandenen Einrichtungen zusammengeführt und mit mehrsprachiger Suche, Karte und Zeitleiste zugänglich gemacht. Ethische Hinweise machen darauf aufmerksam, dass viele Bestände unter historischen und teilweise kolonialen Bedingungen gesammelt und beschrieben wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren und Learning:''' Ein gemeinsamer Zugang erfordert nicht die Zentralisierung aller Originale, Dateien und Fachsysteme. Ein Register für Kulturdaten kann als übergreifende Nachweisschicht arbeiten: Größere Einrichtungen liefern Daten über technische Schnittstellen, während kleine Träger zentrale oder gemeinsam bereitgestellte Erfassungsdienste nutzen können. Historische Fremdbeschreibungen sollten ergänzt werden durch Selbstbezeichnungen, eigene Sprachformen, alternative Benennungen und Kontexte der betreffenden Gemeinschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.5.3 People’s Collection Wales / Casgliad y Werin Cymru ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wales ist ein Landesteil des Vereinigten Königreichs mit einer eigenständigen nationalen und walisischsprachigen Identität. People’s Collection Wales ist eine zweisprachige Plattform für institutionelles und gemeinschaftlich getragenes Kulturerbe. Sie wird als Verbund der National Library of Wales, des National Museum Wales und der Royal Commission on the Ancient and Historical Monuments of Wales betrieben und durch die walisische Regierung finanziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben der technischen Plattform werden kostenlose Beratung und Schulungen zu Digitalisierung, Metadaten, Urheberrecht, Datenschutz und Oral History, also mündlich überlieferter und aufgezeichneter Geschichte, angeboten. Eine unabhängige Evaluation stellte Fortschritte bei der Zusammenarbeit und beim Kompetenzaufbau fest, benannte aber auch begrenzte Wirkungsnachweise, Finanzierungsrisiken und den hohen Personalaufwand für die Unterstützung der beteiligten Gemeinschaften.&amp;lt;ref name=&amp;quot;vergleich_wales&amp;quot;&amp;gt;Vittle, Kate / Haswell-Walls, Fran / Dixon, Tim; ERS Ltd. 2016: Evaluation of the Casgliad y Werin Cymru / People’s Collection Wales Digital Heritage Programme. Impact Report. URL: https://www.gov.wales/sites/default/files/publications/2019-08/evaluation-of-the-peoples-collection-wales-digital-heritage-programme-impact.pdf; People’s Collection Wales o. J.: Community Support. URL: https://www.peoplescollection.wales/about-us/community-support, jeweils abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren und Learning:''' Kleine und ehrenamtlich betreute Sammlungen benötigen nicht nur technische Standards, sondern konkrete und dauerhaft verfügbare Dienstleistungen: Erstberatung, Schulung, Vorlagen, Unterstützung bei Rechtefragen, Qualitätskontrolle und persönliche Ansprechpartner. Ein Digitalisierungszentrum oder ein Verbund koordinierter Digitalisierungsdienste sollte daher als Service- und Kompetenzstruktur ausgestaltet werden und nicht lediglich als technische Produktionsstelle. Der dafür notwendige Beratungs- und Unterstützungsaufwand muss als dauerhafte Betriebsaufgabe eingeplant werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.5.4 Tobar an Dualchais / Kist o Riches ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schottisch-Gälisch ist eine Minderheitensprache, die vor allem in den Highlands und auf den schottischen Inseln gesprochen wird. Tobar an Dualchais macht mehr als 40.000 seit den 1930er Jahren entstandene Tonaufnahmen zugänglich. Die Bestände umfassen Erzählungen, Lieder, Musik, Gedichte und mündlich überliefertes Wissen auf Gälisch, Scots und Englisch. Ein bedeutender Teil der Originalbestände wird in den School of Scottish Studies Archives der Universität Edinburgh verwahrt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;vergleich_tobar&amp;quot;&amp;gt;University of Edinburgh 2024: Tobar an Dualchais / Kist o Riches. URL: https://gaelic.ed.ac.uk/gaelic-collections/tobar-an-dualchais-kist-o-riches; Scottish Government 2025: Rediscovering lost Gaelic words. URL: https://www.gov.scot/news/rediscovering-lost-gaelic-words/, jeweils abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Digitalisierung wird mit Verschriftlichung beziehungsweise Transkription, sprachlicher Erschließung, Freiwilligenarbeit und teilweise automatischer Spracherkennung verbunden. Das Projekt erhält wiederkehrende öffentliche Förderungen, muss Rechteklärung, Transkription und technische Weiterentwicklung jedoch dauerhaft fortsetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren und Learning:''' Gefährdete Ton-, Film- und Videobestände müssen wegen Materialverfall, beschädigungsanfälliger Trägermaterialien und nicht mehr verfügbarer Wiedergabetechnik zeitlich priorisiert werden. Ein geeignetes Pilotprojekt kann Digitalisierung, Rechteklärung, Verschriftlichung, Übersetzung, Metadatenerfassung, Archivierung und Bildungsnutzung entlang einer vollständigen Prozesskette verbinden. Dadurch werden nicht nur einzelne Dateien erzeugt, sondern zugleich die notwendigen Standards, Zuständigkeiten und Aufwände erprobt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.5.5 Euskariana – Portal zum baskischen Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Baskinnen und Basken leben in Gebieten Spaniens und Frankreichs. Euskariana ist das staatlich betriebene Kulturportal der Autonomen Gemeinschaft Baskenland in Spanien. Es wird durch die Digitale Bibliothek Euskadi betrieben und verbindet Daten der baskischen Regierung, der Provinzen, Kommunen, Universitäten sowie öffentlicher, kirchlicher und privater Einrichtungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Portal ist zugleich gemeinsamer Katalog und Zugang zu digitalen Objekten. Es kann Inhalte über ein eigenes Repositorium, also ein institutionell betriebenes digitales Ablage- und Erhaltungssystem, bereitstellen oder zu den Systemen der Partner verlinken. Verwendet werden internationale Standards wie Dublin Core als allgemeiner Metadatenstandard, METS (Metadata Encoding and Transmission Standard) zur Strukturierung und Übertragung digitaler Objekte, PREMIS (Preservation Metadata: Implementation Strategies) für Metadaten zur digitalen Langzeiterhaltung und ALTO (Analyzed Layout and Text Object) für erkannte Texte und Seitenlayouts. Die standardisierten Daten können unter anderem an Europeana weitergegeben werden.&amp;lt;ref name=&amp;quot;vergleich_euskariana&amp;quot;&amp;gt;Gobierno Vasco / Biblioteca Digital de Euskadi o. J.: Acerca de Euskariana. URL: https://www.euskariana.euskadi.eus/euskadibib/es/help/about.do, abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren und Learning:''' Unterschiedliche Kulturgutträger benötigen unterschiedliche Anschlussmöglichkeiten. Kleine Einrichtungen sollten Daten und gegebenenfalls Dateien in zentral bereitgestellten Diensten erfassen und verwalten können. Größere Institutionen sollten ihre vorhandenen Systeme über Datenexporte oder Programmierschnittstellen anbinden können. Dafür ist ein gemeinsamer, bewusst schlank gehaltener Metadatenkern erforderlich, der durch fach- und institutionsspezifische Angaben erweitert werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.5.6 Mukurtu und Plateau Peoples’ Web Portal ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mukurtu ist eine frei verfügbare Software für die gemeinschaftlich kontrollierte Verwaltung digitalen indigenen Kulturerbes. Das Plateau Peoples’ Web Portal verbindet acht indigene Nationen des nordwestlichen Plateaus der USA mit der Washington State University und mehreren Museen und Archiven. Stammesvertreter wählen und beschreiben die Inhalte; die Universität übernimmt wesentliche technische Betriebsaufgaben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mukurtu ermöglicht kulturelle Protokolle, also gemeinschaftlich festgelegte Regeln für Zugang und Nutzung, Traditional Knowledge Labels als Kennzeichnungen für überliefertes gemeinschaftliches Wissen sowie mehrere Beschreibungen zu demselben Objekt. Dadurch kann neben einer institutionellen Museumsbeschreibung eine Beschreibung der Herkunftsgemeinschaft stehen. Zugänge können von vollständig öffentlich bis streng beschränkt reichen. Mukurtu weist ausdrücklich darauf hin, dass die Plattform vor allem dem Zugang und der gemeinschaftlichen Verwaltung dient und ein gesondertes Konzept für Digitalisierung, Langzeiterhaltung, Personal und Finanzierung erforderlich bleibt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;vergleich_mukurtu&amp;quot;&amp;gt;Mukurtu CMS / Washington State University o. J.: About. URL: https://mukurtu.org/about/; Plateau Peoples’ Web Portal. URL: https://mukurtu.org/project/plateau-peoples-web-portal-showcase/, jeweils abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren und Learning:''' Rechte und kulturelle Sensibilität müssen als Bestandteil des Datenmodells behandelt werden und dürfen nicht erst unmittelbar vor einer Veröffentlichung geprüft werden. Sinnvoll sind abgestufte Kategorien wie „nur Metadaten öffentlich“, „öffentliches Nutzungsdigitalisat“, „Zugang nach Rücksprache“, „beschränkter Gemeinschafts- oder Forschungszugang“, „zeitlich gesperrt“ und „nicht zugänglich“. Mehrere Beschreibungen zu demselben Objekt ermöglichen es außerdem, institutionelle Überlieferung und Selbstbeschreibung nebeneinander nachvollziehbar zu dokumentieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.5.7 Indigitization – zentrale Unterstützung für dezentrale Digitalisierung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Indigitization unterstützt First Nations und weitere indigene Gemeinschaften in British Columbia in Kanada. Das Programm wird gemeinsam von indigenen Organisationen, Bibliotheken, Archiven und Hochschulen getragen. Es stellt einen Werkzeugkasten, Schulungen, Musterunterlagen, technische Beratung und Förderhilfen bereit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von 2013 bis 2019 wurden drei Pilotprojekte und 45 weitere Projekte gefördert. Dabei wurden mehr als 11.000 Audiokassetten digitalisiert. Die Digitalisierung erfolgte in den Gemeinschaften; eine allgemeine Veröffentlichung war nicht zwingend. Das frühere Förderprogramm für Audiokassetten befindet sich inzwischen allerdings in einer Pause.&amp;lt;ref name=&amp;quot;vergleich_indigitization&amp;quot;&amp;gt;Indigitization o. J.: About Us. URL: https://www.indigitization.ca/about-2/; Indigitization Toolkit. URL: https://www.indigitization.ca/toolkit/; Audio Cassette Digitization Grant. URL: https://www.indigitization.ca/funding/audio-cassette-grant/, jeweils abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren und Learning:''' Zentral bereitgestellte Kompetenz lässt sich mit dezentraler Verantwortung verbinden. Ein Digitalisierungszentrum oder ein Verbund gemeinsamer Dienste kann Schulungen, Leih- und Mobiltechnik, Qualitätsprüfung, Rahmenverträge, Musterunterlagen, Beratung und Kleinprojektförderung anbieten. Originale, lokales Wissen und kulturelle Beziehungen können grundsätzlich bei den jeweiligen Kulturgutträgern verbleiben. Damit nach Abschluss einzelner Digitalisierungsprojekte keine ungesicherten Dateien zurückbleiben, sollte jedoch von Beginn an ein gemeinsames oder verbindlich angebundenes Repositorium beziehungsweise digitales Archiv vorgesehen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.5.8 Schlussverdichtung: vier Säulen, drei Fundamente und zwei Betriebsregeln ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus den untersuchten Beispielen ergibt sich kein einzelnes Projekt und kein bestimmtes Softwaresystem, das unverändert übernommen werden könnte. Übertragbar ist vielmehr ein funktionaler Referenzrahmen aus vier Säulen, drei gemeinsamen Fundamenten und zwei Betriebsregeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Vier funktionale Säulen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot; style=&amp;quot;width:100%;&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Funktionale Säule&lt;br /&gt;
! Kernaufgabe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''1. Register für Kulturdaten'''&lt;br /&gt;
| Das Register weist nach, welche Kulturgüter, Sammlungen und digitalen Bestände existieren, wo sie sich befinden, wer sie betreut, wie sie fachlich einzuordnen sind, welche Rechte und Zugangsbeschränkungen gelten, ob bereits Digitalisate vorhanden sind und welche Bestände prioritär behandelt werden sollten. Es muss nicht alle Dateien selbst speichern.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''2. Digitalisierungszentrum / Digitalisierungsdienste'''&lt;br /&gt;
| Diese Säule berät Kulturgutträger, unterstützt die Bestandsbewertung und Priorisierung, klärt Anforderungen, organisiert oder übernimmt die Digitalisierung, sichert die fachliche und technische Qualität und bereitet Dateien und Metadaten für die Übergabe an ein Repositorium vor. Die Leistungen können zentral, mobil oder in einem Netzwerk mehrerer Einrichtungen erbracht werden.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''3. Repositorium / digitales Langzeitarchiv'''&lt;br /&gt;
| Das Repositorium übernimmt erhaltungsgeeignete Masterdateien, Nutzungsdateien und zugehörige Metadaten. Es kontrolliert die Dateiunversehrtheit, erstellt getrennte Sicherungskopien, dokumentiert Veränderungen und organisiert spätere Überführungen in neue Dateiformate oder technische Systeme. Es trägt damit die Verantwortung für die langfristige Erhaltung, nicht nur für die kurzfristige Speicherung.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''4. Präsentations- und Nutzungssysteme'''&lt;br /&gt;
| Diese Systeme machen freigegebene Inhalte für unterschiedliche Zielgruppen auffindbar, verständlich, zitierbar und – soweit rechtlich und kulturell zulässig – nachnutzbar. Sie können mehrsprachige Portale, Bildungsangebote, Forschungssysteme, Ausstellungen oder thematische Anwendungen umfassen. Präsentationssysteme verwenden in der Regel freigegebene Nutzungsdateien und ersetzen nicht das Langzeitarchiv.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die vier Säulen müssen technisch und organisatorisch miteinander verbunden, zugleich aber fachlich unterscheidbar bleiben. Sie bedeuten nicht zwingend vier eigenständige Einrichtungen. Auch wenn mehrere Funktionen bei demselben Träger angesiedelt sind, sollten Auftrag, Verantwortung, Budget, Qualitätsanforderungen und Übergabepunkte getrennt beschrieben werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Register beantwortet vor allem die Fragen, '''was vorhanden ist und was priorisiert werden soll'''. Die Digitalisierungsdienste beantworten, '''wie ein Bestand qualitätsgesichert bearbeitet wird'''. Das Repositorium beantwortet, '''wie Dateien und Metadaten dauerhaft erhalten werden'''. Die Präsentationssysteme beantworten, '''welche freigegebenen Inhalte für welche Zielgruppen in welcher Form genutzt werden können'''. Diese funktionale Trennung verhindert insbesondere, dass ein öffentlich sichtbares Portal mit einem digitalen Archiv oder einer nachhaltigen Gesamtinfrastruktur gleichgesetzt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Drei gemeinsame Fundamente ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Gemeinschaftliche Steuerung, klare Entscheidungsrechte und abgestufte Zugänge:''' Angehörige der betreffenden Kultur, Kulturgutträger, Fachinstitutionen und technische Betreiber benötigen nachvollziehbar geregelte Rollen und Entscheidungsrechte. Zu klären ist insbesondere, wer über Auswahl, Priorisierung, Beschreibung, Veröffentlichung, Einschränkung und gegebenenfalls spätere Rücknahme von Inhalten entscheiden darf.&lt;br /&gt;
#* Abgestufte Zugänge bedeuten, dass Inhalte nicht nur als vollständig „öffentlich“ oder vollständig „gesperrt“ behandelt werden. Möglich sind beispielsweise öffentlich sichtbare Metadaten ohne Datei, frei zugängliche Nutzungsdateien, Zugang nach Anmeldung oder Rücksprache, zeitlich begrenzte Sperren sowie ein beschränkter Zugang für bestimmte Gemeinschaften oder Forschungszwecke. Rechtliche Zulässigkeit und kulturelle Angemessenheit sollten getrennt geprüft und gemeinsam dokumentiert werden. Eine rechtlich mögliche Veröffentlichung ist nicht automatisch kulturell angemessen.&lt;br /&gt;
# '''Gemeinsame Metadaten-, Sprach- und Qualitätsstandards:''' Ein einfacher gemeinsamer Pflichtkern sollte alle beteiligten Einrichtungen verbinden. Dazu gehören mindestens eine eindeutige Kennung, Bezeichnung, Kulturgutart, betreuende Einrichtung, Entstehungszeit und -ort, Sprache, Rechte- und Zugangsstatus, Digitalisierungsstatus sowie die Beziehung zu zugehörigen Dateien. Fachinstitutionen können darüber hinaus detailliertere Erschließungsstandards weiterverwenden.&lt;br /&gt;
#* Ein Sprachkonzept sollte mindestens die Sprache des Kulturgutes, die Sprache der Beschreibung, Originaltitel, übersetzte Titel, Selbstbezeichnungen, historische Fremdbezeichnungen und unterschiedliche Schreibvarianten getrennt erfassen können. Bei mehreren Schrift-, Regional- oder Minderheitensprachen dürfen diese nicht lediglich als Übersetzungen der Benutzeroberfläche behandelt werden, sondern müssen als eigenständige Datenwerte in Erfassung, Suche und Anzeige berücksichtigt werden.&lt;br /&gt;
#* Ergänzend werden Qualitätsprofile für unterschiedliche Kulturgutarten benötigt, beispielsweise für Schriftgut, Fotografien, dreidimensionale Objekte, Tonaufnahmen und Filme. Sie sollten unter anderem Dateiformate, Auflösung, Benennung, Farb- und Tonqualität, Master- und Nutzungsdateien, Prüfschritte, dauerhafte Identifikatoren, Datenexporte und technische Schnittstellen festlegen.&lt;br /&gt;
# '''Dauerhafter Betrieb und dauerhafte Finanzierung:''' Aufbaukosten und Betriebskosten müssen voneinander unterschieden werden. Eine zeitlich begrenzte Förderung kann Technik, Pilotprojekte und erste Datenbestände aufbauen, ersetzt aber keine dauerhafte Betreiberverantwortung.&lt;br /&gt;
#* Zu den laufenden Kosten gehören insbesondere Personal, technischer Betrieb, Speicher, Sicherungskopien, Rechtearbeit, Datenpflege, Beratung, Qualitätskontrolle, Informationssicherheit, Softwarepflege, technische Erneuerung und spätere Datenmigrationen. Für jede der vier Säulen muss benannt werden, wer diese Aufgaben nach Projektende übernimmt und aus welchem wiederkehrenden Budget sie finanziert werden. Zusätzlich sollten Mittel für technische Erneuerungen und unvorhergesehene Aufwände eingeplant werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Zwei Betriebsregeln ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Als Projekt erproben, erst mit gesichertem Dauerbetrieb skalieren:''' Pilotprojekte eignen sich dazu, Anforderungen zu klären, Standards zu testen, Aufwände zu messen und die Zusammenarbeit unterschiedlicher Träger zu erproben. Sie sollten jedoch möglichst die vollständige Prozesskette vom Register über Priorisierung und Digitalisierung bis zum Repositorium und zur Präsentation abbilden. Ein Projekt ist ein geeignetes Instrument zur Erprobung und zum Aufbau, aber kein Ersatz für dauerhafte Verantwortung.&lt;br /&gt;
#* Bevor größere Mengen digitalisiert oder ein Portal breit ausgebaut werden, sollten Betreiber, Zuständigkeiten, Repositorium, Personalbedarf, wiederkehrende Finanzierung und die Übergabe aus der Projekt- in die Betriebsphase verbindlich geklärt sein.&lt;br /&gt;
# '''Zentral ermöglichen, dezentral verantworten:''' Zentrale oder gemeinsam getragene Stellen können Infrastruktur, Standards, Beratung, Digitalisierungstechnik, Qualitätssicherung, Rechtehilfe und Langzeiterhaltung bereitstellen. Originale, lokaler Kontext, fachliches Wissen und kulturelle Beziehungen können grundsätzlich bei den jeweiligen Kulturgutträgern verbleiben.&lt;br /&gt;
#* Zentralisierung und dezentrale Trägerschaft sind daher keine Gegensätze. Entscheidend ist eine klare Aufgabenverteilung: Welche Leistungen werden zentral angeboten, welche Entscheidungen verbleiben bei den Trägern, wer pflegt die Metadaten und wer ist für Übergabe, Archivierung und Freigabe verantwortlich? Unterschiedliche Träger müssen entsprechend ihrer personellen und technischen Möglichkeiten auf verschiedenen Wegen an die gemeinsame Infrastruktur anschließen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.5.9 Prioritäten und Prüfkriterien für den Aufbau ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem Vergleich lässt sich eine schrittweise Aufbau- und Prüfstruktur ableiten. Sie ist nicht als vollständig starres Phasenmodell zu verstehen, da einzelne Arbeitsschritte parallel erfolgen können. Bestimmte Abhängigkeiten müssen jedoch beachtet werden: Eine breite Digitalisierung setzt beispielsweise geklärte Standards, Rechte und Archivierungswege voraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Ist-Analyse kann jeder Arbeitsschritt auf einer fünfstufigen Skala bewertet werden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* '''Reifegrad 0 – nicht begonnen:''' Es bestehen noch keine abgestimmten Konzepte oder Zuständigkeiten.&lt;br /&gt;
* '''Reifegrad 1 – konzeptionell geklärt:''' Ziele, Rollen und Anforderungen sind beschrieben, aber noch nicht praktisch erprobt.&lt;br /&gt;
* '''Reifegrad 2 – pilotiert:''' Das Vorgehen wurde mit einzelnen Beständen oder Trägern erprobt.&lt;br /&gt;
* '''Reifegrad 3 – teilweise im Regelbetrieb:''' Leistungen werden wiederholt erbracht, decken aber noch nicht alle Träger, Bestandsarten oder notwendigen Funktionen ab.&lt;br /&gt;
* '''Reifegrad 4 – dauerhaft etabliert und überprüft:''' Zuständigkeiten, Finanzierung, technische Verfahren und Qualitätskontrollen sind im Regelbetrieb verankert und werden regelmäßig überprüft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot; style=&amp;quot;width:100%;&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Priorität und Arbeitsschritt&lt;br /&gt;
! Angestrebter Zustand&lt;br /&gt;
! Prüffragen und nachweisbare Ergebnisse&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''1. Auftrag, Zielbild und Verantwortungen klären'''&lt;br /&gt;
| Für die Gesamtaufgabe besteht ein verbindlicher Auftrag. Die vier funktionalen Säulen sind voneinander abgegrenzt und ihre Beziehungen beschrieben. Betreiber, fachlich Verantwortliche, beteiligte Kulturgutträger und gemeinschaftliche Entscheidungsgremien sind benannt.&lt;br /&gt;
| Gibt es ein beschlossenes Zielbild? Sind Verantwortung, Entscheidungskompetenz und Finanzierung für jede Säule benannt? Bestehen eine Rollen- und Verantwortungsmatrix, Regeln für Konfliktfälle sowie ein Verfahren für spätere Änderungen? Ist festgelegt, wer nach einer Projektphase den Betrieb übernimmt?&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''2. Bestände erfassen und priorisieren'''&lt;br /&gt;
| Eine repräsentative Bestandsübersicht wird aufgebaut. Sie berücksichtigt große und kleine Einrichtungen, ehrenamtliche Träger, private oder kirchliche Bestände sowie materielles und immaterielles Kulturerbe. Prioritäten werden nach nachvollziehbaren Kriterien vergeben.&lt;br /&gt;
| Wie viele relevante Kulturgutträger und Bestände sind bereits erfasst? Wie vollständig sind die Pflichtangaben? Gibt es dokumentierte Kriterien für Gefährdung, kulturelle Bedeutung, Nachfrage, Rechteklarheit, technischen Aufwand und Kosten? Existiert eine abgestimmte und regelmäßig aktualisierte Prioritätenliste?&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''3. Metadaten-, Sprach-, Qualitäts- und Rechtekonzept festlegen'''&lt;br /&gt;
| Ein versionierter gemeinsamer Metadatenkern, Sprachregeln, Digitalisierungsprofile, Dateiformate, Qualitätsprüfungen sowie Rechte- und Zugangsstufen sind beschlossen. Vorlagen und Erweiterungsmöglichkeiten für unterschiedliche Bestandsarten stehen zur Verfügung.&lt;br /&gt;
| Liegen veröffentlichte und abgestimmte Standards vor? Können Datensätze technisch geprüft werden? Sind Sprachen, Originalbezeichnungen und Übersetzungen getrennt erfassbar? Ist der Rechte- und Zugangsstatus für jedes Objekt dokumentierbar? Gibt es Muster für Einwilligungen, Lizenzen, Sperren und Zugangsbeschränkungen?&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''4. Die vollständige Prozesskette pilotieren'''&lt;br /&gt;
| Mit drei bis fünf möglichst unterschiedlichen Kulturgutträgern wird der gesamte Ablauf vom Register über Auswahl, Rechteklärung und Digitalisierung bis zur Archivierung und Präsentation erprobt. Einbezogen werden sollten unterschiedliche Materialarten, Einrichtungsgrößen und mindestens ein rechtlich oder technisch anspruchsvoller Bestand.&lt;br /&gt;
| Ist jedes Pilotobjekt über alle Prozessschritte nachvollziehbar? Wurden Zeit, Kosten, Personalaufwand, Fehler, Nacharbeiten und offene Rechtefälle erfasst? Konnten Dateien und Metadaten erfolgreich in das Repositorium übergeben, wiedergefunden und für die Präsentation bereitgestellt werden? Sind ungelöste Schnittstellen und Zuständigkeitslücken dokumentiert?&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''5. Repositorium und dauerhaften Betrieb absichern'''&lt;br /&gt;
| Das Zielrepositorium ist ausgewählt, technisch angebunden und organisatorisch verantwortlich betrieben. Übernahmeverfahren, Prüfsummen zur Kontrolle der Dateiunversehrtheit, Sicherungskopien, Wiederherstellung, technische Überwachung und spätere Format- oder Systemwechsel sind geregelt.&lt;br /&gt;
| Bestehen Betriebs- und Übergabevereinbarungen? Wurde eine Wiederherstellung aus einer Sicherungskopie praktisch getestet? Gibt es eine Speicher- und Kostenprognose? Sind Erhaltungsstrategie, Migrationsverfahren, Informationssicherheit, Personal und wiederkehrendes Budget dokumentiert und finanziert?&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''6. Digitalisierungs- und Beratungsdienste verstetigen'''&lt;br /&gt;
| Ein dauerhaft verfügbarer Leistungskatalog umfasst Beratung, Bestandsbewertung, Priorisierung, mobile oder stationäre Digitalisierung, externe Vergaben, Schulung, Rechtehilfe, Metadatenunterstützung und Qualitätskontrolle. Leistungen und Kapazitäten sind aufeinander abgestimmt.&lt;br /&gt;
| Gibt es feste Ansprechpartner, ein transparentes Antrags- und Priorisierungsverfahren sowie nachvollziehbare Bearbeitungszeiten? Wie viele kleine und ehrenamtliche Träger werden erreicht? Werden Fehler- und Abnahmequoten, Schulungen, Nachfrage, Kapazitätsengpässe und Zufriedenheit regelmäßig ausgewertet?&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''7. Präsentation, Nachnutzung und Wirkung ausbauen'''&lt;br /&gt;
| Freigegebene Inhalte werden zielgruppengerecht, mehrsprachig und möglichst barrierearm bereitgestellt. Präsentationssysteme beziehen ihre Daten aus geregelten Quellen und unterstützen – soweit zulässig – Zitierbarkeit, Download, Datenexport und technische Nachnutzung. Aktualisierung und Rücknahme von Inhalten sind geregelt.&lt;br /&gt;
| Sind Aktualisierungswege und Datenverantwortliche festgelegt? Wie vollständig sind Sprachfassungen, Rechteangaben und Quellenhinweise? Werden Nutzung, Downloads, Bildungs- und Forschungsanwendungen, kulturelle Nachnutzung und Rückmeldungen erfasst? Können fehlerhafte oder nachträglich eingeschränkte Inhalte zuverlässig korrigiert oder zurückgezogen werden?&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Präsentation kann bereits Bestandteil eines Pilotprojektes sein. Der breite Ausbau öffentlich sichtbarer Systeme sollte jedoch erst erfolgen, wenn Datenpflege, Rechteprüfung, Archivierung und dauerhafte Zuständigkeiten ausreichend gesichert sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor dem Übergang in die jeweils nächste größere Ausbaustufe sollten drei Entscheidungspunkte geprüft werden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* '''Vor einer breiten Digitalisierung:''' Sind Priorisierung, Mindeststandards, Rechte- und Zugangsstufen, Zielrepositorium, Qualitätsprüfung und Betreiberverantwortung geklärt?&lt;br /&gt;
* '''Vor einem breiten Ausbau der Präsentation:''' Sind Datenpflege, Aktualisierung, Mehrsprachigkeit, Freigabe, Rücknahme, Beschwerdewege und redaktionelle Verantwortung geregelt?&lt;br /&gt;
* '''Vor dem Ende einer Projektförderung:''' Sind dauerhafte Finanzierung, Personal, Betriebsvereinbarungen, technische Dokumentation, Wissenstransfer sowie die Übergabe von Daten und Rechten verbindlich abgesichert?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Bewertung sollte nicht lediglich ein Durchschnitt über alle Reifegrade gebildet werden. Entscheidend ist häufig die schwächste kritische Abhängigkeit. Ein weit entwickeltes Präsentationsportal kann beispielsweise ein fehlendes Langzeitarchiv, ungeklärte Rechte oder eine nicht geregelte Betreiberverantwortung nicht ausgleichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusammengefasst gilt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:''Kein Pilot ohne Übergabekonzept, kein Digitalisat ohne Zielarchiv, kein Register ohne Zuständigkeit, kein Portal ohne Datenpflege und keine Veröffentlichung ohne Rechte- und Kulturprüfung.''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine belastbare Gesamtstruktur verbindet damit '''schrittweisen Projektaufbau, dauerhaft gesicherten Betrieb, zentrale oder gemeinsam getragene Dienste, dezentrale kulturelle Verantwortung, gemeinsame Standards und überprüfbare Qualitäts- und Reifegradkriterien'''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Referenzen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Měrko Šenk</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://koncept.serbski-inkubator.de/index.php?title=12.3.A1_Vergleichende_Recherche_%E2%80%93_Digitalisierung_des_Kulturerbes_anderer_Kulturen_und_Regionen&amp;diff=1061</id>
		<title>12.3.A1 Vergleichende Recherche – Digitalisierung des Kulturerbes anderer Kulturen und Regionen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://koncept.serbski-inkubator.de/index.php?title=12.3.A1_Vergleichende_Recherche_%E2%80%93_Digitalisierung_des_Kulturerbes_anderer_Kulturen_und_Regionen&amp;diff=1061"/>
		<updated>2026-07-22T11:09:51Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Měrko Šenk: Hinweis zur Erstellung eingefügt&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;''Anhang zu [[12.3 Digitalisierung des Kulturerbes]]''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
''Recherche- und Quellenstand: 20. Juli 2026''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Seite dokumentiert eine vergleichende Recherche zu Erfolgsmodellen, Grenzen und übertragbaren Lösungsbausteinen bei der Digitalisierung des Kulturerbes kleiner, autochthoner, indigener, sprachlicher und regional verteilter Gemeinschaften. Sie dient als ausführliche Beleg- und Arbeitsgrundlage für den Konzeptabschnitt [[12.3 Digitalisierung des Kulturerbes#Beispiele anderer Kulturen und Regionen|„Beispiele anderer Kulturen und Regionen“]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Wichtiger Hinweis zur Aussagekraft:''' Die Fallprofile trennen soweit möglich zwischen dokumentierten Tatsachen, Aussagen der Projektverantwortlichen und der hier vorgenommenen Bewertung. Viele Projekte veröffentlichen keine aktuellen Nutzungszahlen oder unabhängigen Wirkungsevaluationen. In diesen Fällen wird nicht allein aus einer ansprechenden Website auf Erfolg geschlossen. Wo eine Schlussfolgerung nur plausibel, aber nicht direkt belegt ist, ist sie als '''Bewertung''' oder '''Annahme''' gekennzeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Hinweis zur Erstellung:''' Die vorliegende Vergleichsrecherche wurde mit Unterstützung der Funktion „Deep Research“ von ChatGPT (Version GPT-5.6 Sol Pro) erstellt und anschließend redaktionell überarbeitet. Maßgeblich für die Nachvollziehbarkeit sind die jeweils angegebenen Quellen, während die daraus abgeleiteten Bewertungen und Schlussfolgerungen eine analytische Einordnung darstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
__TOC__&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== A. Zusammenfassung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die untersuchten Projekte zeigen kein universell ideales System. Erfolgreiche oder besonders lehrreiche Modelle kombinieren vielmehr unterschiedliche Bausteine entsprechend ihrer Gemeinschaft, Rechtslage, Bestandsstruktur und Ressourcen. Für den sorbischen Kontext sind vor allem folgende Erkenntnisse belastbar:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Funktionen klar trennen, Systeme aber verbinden.''' Register beziehungsweise Katalog, Digitalisierungsdienst, Repositorium beziehungsweise Langzeitarchiv und Präsentationssystem erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Erfolgreiche Verbünde verbinden diese Funktionen über Metadaten, Identifikatoren, Übergabeprozesse und Schnittstellen, statt alles in einem einzigen Portal zu vermischen.&lt;br /&gt;
# '''Gemeinschaftliche Steuerung ist keine Zusatzfunktion.''' RomArchive, Nuohtti, Mukurtu, Aṟa Irititja und das Reciprocal Research Network zeigen, dass Angehörige der jeweiligen Kultur an Auswahl, Beschreibung, Kontextualisierung, Zugangsregeln und strategischen Entscheidungen beteiligt sein müssen. Reine institutionelle „Beteiligung“ ohne festgelegte Entscheidungsrechte reicht nicht aus.&lt;br /&gt;
# '''Zentral ermöglichen, dezentral verantworten.''' Besonders übertragbar sind Modelle, bei denen eine zentrale Stelle Standards, Infrastruktur, Beratung, Qualitätssicherung, Schulung und gegebenenfalls Technik bereitstellt, während Kulturgutträger ihre Originale, lokalen Kenntnisse, Beziehungen zu Rechteinhabern und kulturellen Entscheidungen behalten.&lt;br /&gt;
# '''Ein Suchportal ist noch kein digitales Archiv.''' Nuohtti, Euskariana, bavarikon und das Plateau Peoples’ Web Portal aggregieren beziehungsweise präsentieren Inhalte aus verschiedenen Quellen. Die Langzeiterhaltung der Masterdateien muss davon getrennt geregelt sein. Mukurtu weist ausdrücklich darauf hin, dass eine Zugangsplattform nur ein Baustein eines umfassenderen Systems für Digitalisierung, Erhaltung und Betrieb ist.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
# '''Keine Massendigitalisierung ohne Zielarchiv und Rechteworkflow.''' Digitalisierung erzeugt dauerhafte Folgekosten. Vor einer Skalierung müssen Speicherort, Übernahmeprozess, Prüfsummen, Sicherung, Dateiformate, Metadaten, Rechte und spätere Migration festgelegt sein.&lt;br /&gt;
# '''Offenheit ist nicht binär.''' Erfolgreiche gemeinschaftlich gesteuerte Projekte arbeiten mit abgestuften Zugängen: öffentliches Metadatum, frei zugängliches Nutzungsdigitalisat, registrierter oder gemeinschaftsbezogener Zugang, zeitliche Sperre oder keine Online-Veröffentlichung. Zugänglichkeit und kulturelle Selbstbestimmung werden dadurch nicht als Gegensätze behandelt.&lt;br /&gt;
# '''Mehrsprachigkeit muss Teil der Datenarchitektur sein.''' Zweisprachige oder mehrsprachige Angebote wie People’s Collection Wales, Nuohtti, RomArchive, Euskariana und Aṟa Irititja zeigen, dass Sprachen nicht nur in der Oberfläche, sondern auch in Metadatenfeldern, kontrollierten Begriffen, Suchfunktionen, Transkriptionen und Verantwortlichkeiten berücksichtigt werden müssen.&lt;br /&gt;
# '''Kleine Träger brauchen Dienste, nicht nur Vorgaben.''' People’s Collection Wales und Indigitization belegen den Wert von Beratung, Schulung, Vorlagen, Pilotförderung, technischer Begleitung und „Train-the-Trainer“-Ansätzen. Ein Standard, den Ehrenamtliche oder kleine Einrichtungen ohne Hilfe nicht anwenden können, ist praktisch kein gemeinsamer Standard.&lt;br /&gt;
# '''Projektförderung kann den Aufbau finanzieren, nicht automatisch den Dauerbetrieb.''' RomArchive gelang der geplante Übergang an einen institutionellen Betreiber. Aṟa Irititja musste über Jahre um Verstetigung ringen; bei Indigitization ruht das frühere Förderprogramm für Audiokassetten; die Evaluation von People’s Collection Wales bezeichnete Finanzierungssicherheit als Kernproblem. Dauerverantwortung, Grundfinanzierung und technischer Erneuerungszyklus müssen daher vor einer breiten Skalierung geklärt werden.&lt;br /&gt;
# '''Pilotieren, messen, dann skalieren.''' Besonders sinnvoll sind Pilotvorhaben, die die gesamte Kette von der Erfassung über Rechteklärung und Digitalisierung bis zur Archivierung und Präsentation testen. Die Evaluation von People’s Collection Wales empfiehlt ausdrücklich einen Ablauf aus Bedarf, Pilot, Test, Auswertung und anschließender Skalierung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_eval&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Sorben lässt sich daraus ein prägnantes Zielmodell ableiten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Vier funktionale Säulen&lt;br /&gt;
! Leitfrage&lt;br /&gt;
! Kernaufgabe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''1. Sorbisches Kulturregister'''&lt;br /&gt;
| Was gibt es, wo befindet es sich, was bedeutet es und was ist prioritär?&lt;br /&gt;
| Institutionenübergreifender Nachweis, Kontext, Rechte- und Prioritätsinformationen; Verknüpfung verteilter Bestände.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''2. Digitalisierungszentrum'''&lt;br /&gt;
| Wie entstehen qualitätsgesicherte Digitalisate?&lt;br /&gt;
| Beratung, Auswahl geeigneter Verfahren, Digitalisierung, Qualitätsprüfung, Dienstleistersteuerung, Schulung und Hilfe für kleine Träger.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''3. Repositorium / digitales Langzeitarchiv'''&lt;br /&gt;
| Wie bleiben Masterdateien und Metadaten dauerhaft erhalten?&lt;br /&gt;
| Übernahme, Integritätskontrolle, redundante Sicherung, Dateiformatüberwachung, Migration, persistente Identifikatoren und dokumentierte Verantwortung.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''4. Präsentations- und Nutzungssysteme'''&lt;br /&gt;
| Was wird wem, in welcher Sprache und unter welchen Bedingungen zugänglich?&lt;br /&gt;
| Suche, Kontextualisierung, Bildung, Forschung, Download, Programmierschnittstellen und kreative Nachnutzung – abgestuft nach Rechten und kulturellen Regeln.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Merksatz:''' Das Register weiß, ''was'' und ''wo''; das Digitalisierungszentrum erzeugt und prüft; das Repositorium erhält; die Präsentation vermittelt und ermöglicht Nutzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese funktionale Vierertrennung bedeutet nicht zwingend vier Organisationen oder vier getrennte Beschaffungen. Digitalisierungszentrum und Repositorium können beispielsweise beim selben Träger liegen. Auftrag, Verantwortung, Budget, Qualitätskriterien und Betriebszusagen sollten dennoch getrennt benannt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== B. Stand der Forschung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== B.1 Vorhandene Modelle und Leitlinien ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Gesamtaufgabe „verteilt erfassen, priorisieren, digitalisieren, Metadaten zusammenführen, langfristig erhalten und verantwortungsvoll zugänglich machen“ existiert kein einzelnes, allgemein verbindliches End-to-End-Modell. Es gibt jedoch belastbare Teilmodelle, die zusammengedacht werden können:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die UNESCO-Empfehlung zur Erhaltung und Zugänglichkeit des dokumentarischen Erbes fordert institutionelle Auswahl- und Erhaltungsstrategien, fachgerechte Erschließung, Metadaten, Zusammenarbeit und rechtzeitige Maßnahmen für gefährdete digitale Bestände.&amp;lt;ref name=&amp;quot;unesco_doc_heritage&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Für immaterielles Kulturerbe verlangt die UNESCO die möglichst breite Beteiligung der Gemeinschaften und die Achtung üblicher Zugangsregeln. Die ethischen Grundsätze betonen die primäre Rolle der Gemeinschaften sowie freie, vorherige und informierte Zustimmung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;unesco_participation&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;unesco_ethics&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Das Referenzmodell OAIS (Open Archival Information System; deutsch: Referenzmodell für ein offenes Archiv-Informationssystem) beschreibt Rollen und Kernfunktionen eines digitalen Langzeitarchivs. „Offen“ bezeichnet dabei ein offen entwickeltes Referenzmodell, nicht einen zwingend offenen Zugang zu allen Inhalten.&amp;lt;ref name=&amp;quot;oais&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Die NDSA Levels of Digital Preservation (Reifegradstufen der National Digital Stewardship Alliance) bieten eine stufenweise, für kleinere Einrichtungen praktikable Orientierung zu Speicherorten, Integrität, Informationssicherheit, Metadaten und Dateiformaten. Die aktuelle Fassung 2.1 von März 2026 stellt ausdrücklich klar, dass nicht jede Sammlung überall die höchste Stufe erreichen muss.&amp;lt;ref name=&amp;quot;ndsa&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Die CARE Principles for Indigenous Data Governance – Collective Benefit, Authority to Control, Responsibility und Ethics, auf Deutsch etwa gemeinschaftlicher Nutzen, Kontrollbefugnis, Verantwortung und Ethik – ergänzen technische Offenheits- und Nachnutzungsprinzipien um kollektive Rechte und Verantwortlichkeiten.&amp;lt;ref name=&amp;quot;care&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Local Contexts stellt Traditional Knowledge Labels und Biocultural Labels bereit, mit denen Gemeinschaften Hinweise zu Herkunft, kultureller Autorität, erlaubter Nutzung und besonderen Protokollen ergänzen können. Diese Instrumente ersetzen das staatliche Urheberrecht nicht, machen aber gemeinschaftsbezogene Erwartungen maschinen- und menschenlesbar.&amp;lt;ref name=&amp;quot;localcontexts&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Für Metadaten und Austausch stehen etablierte Bausteine zur Verfügung: Dublin Core für einfache Kernmetadaten, Europeana Data Model (EDM; Datenmodell der Europeana) für heterogene Kulturdatensätze, OAI-PMH (Open Archives Initiative Protocol for Metadata Harvesting; Protokoll zum Einsammeln von Metadaten), Programmierschnittstellen sowie IIIF (International Image Interoperability Framework; Standardfamilie zur interoperablen Präsentation von Bildern und zunehmend Audio/Video).&amp;lt;ref name=&amp;quot;edm&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;oaipmh&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;iiif&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Für audiovisuelle Bestände sind die IASA-TC-04-Richtlinien der International Association of Sound and Audiovisual Archives besonders relevant. Sie behandeln unter anderem Signalerfassung, Metadaten, Identifikatoren, Speicherung, kleine Einrichtungen und die Vergabe an Dienstleister.&amp;lt;ref name=&amp;quot;iasa&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== B.2 Vergleichende Forschung und Evaluation ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die belastbarsten Erkenntnisse entstehen aus einer Kombination aus technischen Dokumentationen, Projektberichten, wissenschaftlichen Fallstudien und unabhängigen Evaluationen. Besonders wertvoll ist die Evaluation von People’s Collection Wales, weil sie nicht nur Erfolge, sondern auch geringe Rücklaufzahlen, begrenzte Wirkungsnachweise, Finanzierungsrisiken, Rollenunklarheiten und den hohen Aufwand vermittelter Community-Arbeit offenlegt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_eval&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wissenschaftlich gut dokumentiert sind außerdem das gemeinschaftsbasierte Metadaten- und Zugangsmodell von Mukurtu und dem Plateau Peoples’ Web Portal sowie die kooperative Entwicklung des Reciprocal Research Network. Beide zeigen, dass Vertrauen, Vereinbarungen, parallel mögliche institutionelle und gemeinschaftliche Beschreibungen sowie fein abgestufte Zugänge organisatorisch ebenso wichtig sind wie die Software.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_dlib&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_rowley&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das EU-geförderte Forschungsprojekt DIGICHer untersucht seit 2024, wie Minderheitengemeinschaften – unter anderem Sámi, jüdische und ladinische Gemeinschaften – gerechter an der Digitalisierung und Repräsentation ihres Kulturerbes beteiligt werden können. Da das Projekt bis 2027 läuft, sind im Juli 2026 noch keine abschließenden, allgemein belastbaren Ergebnisse verfügbar. Es ist aber ein relevantes Anschlussvorhaben für die weitere Beobachtung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;digicher&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== B.3 Forschungslücken ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der Auswertung ergeben sich vier wiederkehrende Lücken:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Aktuelle, unabhängige Nutzungs- und Wirkungsevaluationen fehlen bei vielen Projekten.&lt;br /&gt;
# Die technische Präsentationsarchitektur ist häufig besser dokumentiert als die Verantwortung für Masterdateien, Migration und dauerhafte Finanzierung.&lt;br /&gt;
# Community-Beteiligung wird oft beschrieben, aber Entscheidungsrechte, Konfliktlösungen und Repräsentativität bleiben teilweise unklar.&lt;br /&gt;
# Es gibt zahlreiche Standards für Einzelaufgaben, aber wenig empirisch evaluierte Gesamtmodelle für kleine, institutionell verteilte Minderheiten mit ehrenamtlich betreuten Sammlungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Bewertung:''' Der sorbische Ansatz sollte deshalb nicht nach einer fertigen „Best-Practice-Software“ suchen. Zielführender ist eine belastbare Gesamtarchitektur aus Governance, Diensten, Mindeststandards und dauerhaftem Betrieb, in die geeignete vorhandene Softwareprodukte eingebunden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== C. Begründete Auswahl der Fallbeispiele ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Auswahl umfasst zwölf Fälle. Sie deckt europäische Minderheiten, indigene und gemeinschaftlich gesteuerte Modelle, regionale Verbünde, Sprach- und Audioarchive sowie problembehaftete Übergänge ab. Nicht jedes Projekt bildet die gesamte Prozesskette ab; gerade die Unterschiede machen sichtbar, welche Funktion jeweils gelöst wird und wo Lücken bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable sortable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Fall&lt;br /&gt;
! Gemeinschaft / Raum&lt;br /&gt;
! Modelltyp&lt;br /&gt;
! Besondere Relevanz für die Sorben&lt;br /&gt;
! Evidenzlage&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| RomArchive&lt;br /&gt;
| Roma und Sinti; transnational, Schwerpunkt Europa; Betrieb in Deutschland&lt;br /&gt;
| Kuratiertes, gemeinschaftsgeprägtes digitales Archiv&lt;br /&gt;
| Deutungshoheit, Übergabe vom Förderprojekt an einen dauerhaften Betreiber, Mehrsprachigkeit&lt;br /&gt;
| Mittel bis hoch: aktuelle Primärquellen; keine aktuelle unabhängige Wirkungsanalyse&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Nuohtti&lt;br /&gt;
| Sámi in Sápmi; Norwegen, Schweden, Finnland, historisch auch Russland&lt;br /&gt;
| Föderierter Suchdienst über Bestände vieler Institutionen&lt;br /&gt;
| Verteilte Bestände, mehrere Staaten und Sprachen, ethische Hinweise, Open-Source-Bausteine&lt;br /&gt;
| Mittel bis hoch: Projekt- und Betreiberquellen; belastbare Umfangsangaben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| People’s Collection Wales&lt;br /&gt;
| Walisische Bevölkerung und walisischsprachige Gemeinschaft; Wales, Vereinigtes Königreich&lt;br /&gt;
| Nationaler Verbund mit Community-Beiträgen und Schulung&lt;br /&gt;
| Zweisprachigkeit, kleine Träger, zentrale Unterstützung, unabhängige Evaluation&lt;br /&gt;
| Hoch für die untersuchte Förderphase; aktuelle Nutzungsdaten begrenzt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Tobar an Dualchais / Kist o Riches&lt;br /&gt;
| Gälisch- und Scots-sprachige Gemeinschaften; Schottland, Vereinigtes Königreich&lt;br /&gt;
| Digitales Oral-History- und Tonarchiv&lt;br /&gt;
| Gefährdete audiovisuelle Bestände, Sprache, Transkription, Bildung&lt;br /&gt;
| Mittel: aktuelle Bestands- und Förderangaben; keine umfassende unabhängige Evaluation&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Euskariana&lt;br /&gt;
| Baskische Kultur- und Sprachgemeinschaft; Projekt der Autonomen Gemeinschaft Baskenland, Spanien&lt;br /&gt;
| Staatlich getragenes Aggregations- und Zugangsportal&lt;br /&gt;
| Gemeinsamer Katalog, eigenes Repositorium plus Verlinkung, Standards und Europeana-Anbindung&lt;br /&gt;
| Mittel: gute offizielle Dokumentation; wenig unabhängige Wirkungsmessung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| bavarikon&lt;br /&gt;
| Regionales Kulturerbe Bayerns; keine Minderheitenplattform&lt;br /&gt;
| Staatlicher institutionsübergreifender Digitalisierungs- und Präsentationsverbund&lt;br /&gt;
| Betreiberverantwortung, Förderverfahren, Qualitätsanforderungen, Beteiligung vieler Einrichtungen&lt;br /&gt;
| Hoch für Organisation und Umfang; wegen Größenordnung nur teilweise übertragbar&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mukurtu und Plateau Peoples’ Web Portal&lt;br /&gt;
| Indigene Nationen des nordwestlichen Plateaus; USA&lt;br /&gt;
| Open-Source-Zugangsplattform und gemeinschaftlich kuratierter Verbund&lt;br /&gt;
| Kulturelle Protokolle, Traditional Knowledge Labels, mehrere Beschreibungen pro Objekt&lt;br /&gt;
| Hoch für Funktionsmodell und Governance; Betriebskapazität bleibt Voraussetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Aṟa Irititja&lt;br /&gt;
| Aṉangu der APY Lands; South Australia, Australien&lt;br /&gt;
| Gemeinschaftsbasiertes Multimediaarchiv und digitale Rückgabe&lt;br /&gt;
| Lokale Kontrolle, sensibler Zugang, mehrsprachige und niedrigschwellige Nutzung&lt;br /&gt;
| Mittel: detaillierte Eigendokumentation; Wirkungsnachweise überwiegend Selbstauskunft&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Living Archive of Aboriginal Languages&lt;br /&gt;
| Zahlreiche Aboriginal-Sprachgemeinschaften im Northern Territory, Australien&lt;br /&gt;
| Digitales Sprach- und Bildungsarchiv&lt;br /&gt;
| Rechteklärung, offene Lehrmaterialien, Master-/Nutzungsdateien, Migrationsrisiko&lt;br /&gt;
| Hoch für Prozess und Bestandsumfang; dokumentierte Einschränkung nach Systemwechsel&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| PARADISEC&lt;br /&gt;
| Viele kleine und gefährdete Sprachgemeinschaften, vor allem im Pazifikraum&lt;br /&gt;
| Universitärer Fachverbund für audiovisuelle Langzeiterhaltung&lt;br /&gt;
| Gefährdete Tonträger, professionelles Repositorium, verteilte Trägerschaft und Rückgabe von Kopien&lt;br /&gt;
| Hoch: große Bestände, aktuelle Berichte, Zertifizierung und Auszeichnungen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reciprocal Research Network&lt;br /&gt;
| First Nations der Nordwestküste von British Columbia; Kanada&lt;br /&gt;
| Föderierte Recherche- und Kooperationsplattform&lt;br /&gt;
| Institutionenübergreifende Suche, Vereinbarungen, Community-Wissen, technische Alterung&lt;br /&gt;
| Mittel bis hoch: aktuelle Bestandszahlen und Forschung; sichtbare Softwareversion von 2014&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Indigitization&lt;br /&gt;
| First Nations und weitere indigene Gemeinschaften in British Columbia; Kanada&lt;br /&gt;
| Kompetenz-, Schulungs- und Förderprogramm für dezentrale Digitalisierung&lt;br /&gt;
| Besonders nah am möglichen Dienstleistungsmodell eines sorbischen Digitalisierungszentrums&lt;br /&gt;
| Hoch für Förderphase 2013–2019; aktuelles Kassettenförderprogramm pausiert&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== D. Fallprofile ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.1 RomArchive – Digitales Archiv der Roma ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Roma sind eine transnationale, historisch in vielen europäischen und außereuropäischen Staaten lebende Minderheit mit vielfältigen Gruppen, Sprachen und Selbstbezeichnungen. Sinti sind eine unter anderem in Deutschland und Mitteleuropa beheimatete Gruppe. RomArchive ist deshalb keinem einzelnen Minderheitengebiet zugeordnet. Das Projekt wurde in Deutschland öffentlich gefördert und international mit überwiegend aus Roma bestehenden kuratorischen und beratenden Teams entwickelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RomArchive versteht sich als digitales Archiv für Kunst und Kulturen der Roma. Es erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern präsentiert kuratierte, repräsentative Bestände und wissenschaftliche Kontextualisierungen. Inhalte wurden von jeweils zuständigen kuratorischen Teams ausgewählt; kuratorische Teams und Beirat waren überwiegend mit Roma besetzt. Nach Angaben des Projekts wirkten rund 150 Personen aus 15 Staaten mit. Die Übergabe an eine Roma-Organisation war von Beginn der fünfjährigen Entwicklungsphase 2015–2019 an vorgesehen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_faq&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entwicklung wurde durch die Kulturstiftung des Bundes mit 3,75 Millionen Euro gefördert; weitere Unterstützer waren unter anderem die Bundeszentrale für politische Bildung, das Auswärtige Amt und das Goethe-Institut. Seit 2019 liegt der Betrieb beim Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg; die laufende Website nennt die Bundeszentrale für politische Bildung als Förderer.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_kulturstiftung&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_imprint&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Fachliche und technische Lösung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RomArchive verbindet kuratierte Themenbereiche, einen durchsuchbaren Archivbestand, biografische Akteursdaten und digitale Vermittlungsformate. Die Deutsche Kinemathek war für Konzeption und Vermittlung von digitaler Archivierung, Digitalisierung und Katalogisierung beteiligt. Die Website nutzt ein auf Django basierendes Content-Management-System; eine Verbindung zu Axiell Collections bindet das Sammlungsmanagement an die Präsentation an.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_imprint&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben veröffentlichten Materialien existiert ein internes Archiv, das auf begründete Anfrage für Forschung zugänglich ist. Dies ist ein einfaches, aber wichtiges Beispiel für abgestufte Zugänge. Das Angebot ist auf Deutsch, Englisch und Romanes verfügbar; die sprachliche Vielfalt des Romanes wird sichtbar gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Rechte, Beteiligung und nachweisbarer Erfolg ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die stärkste Leistung liegt in der kuratorischen und strategischen Beteiligung der Minderheit sowie in dem Anspruch, Fremdzuschreibungen durch selbst erzählte Gegennarrative zu korrigieren. Ethische Richtlinien und eine Sammlungspolitik wurden durch den internationalen Beirat mitentwickelt. Der Übergang vom zeitlich befristeten Entwicklungsprojekt an einen institutionellen Betreiber wurde tatsächlich vollzogen. Dass das Angebot im Juli 2026 weiterhin betrieben wird, ist ein belastbarer Nachhaltigkeitsindikator.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Aktuelle unabhängige Daten zu Nutzung, Reichweite, Aktualisierungsfrequenz und langfristiger digitaler Erhaltung der Masterdateien sind öffentlich nicht in ausreichender Tiefe dokumentiert. Die öffentliche Oberfläche ist stärker ein kuratiertes Archiv und Wissensportal als ein vollständiges Bestandsregister aller Roma-Kulturgüter. Die überwiegend restriktive Rechtekennzeichnung vieler Inhalte begrenzt kreative Nachnutzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* Minderheitenangehörige mit echten kuratorischen und strategischen Entscheidungsrechten;&lt;br /&gt;
* von Beginn an geplanter Betreiberübergang;&lt;br /&gt;
* Verbindung von Sammlungsdatenbank, kuratiertem Kontext und öffentlicher Präsentation;&lt;br /&gt;
* abgestufter Zugang zwischen öffentlicher Website und internem Forschungsarchiv;&lt;br /&gt;
* öffentliche Anschubförderung plus institutionelle Verankerung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Ein sorbisches Portal sollte nicht nur Objekte zeigen, sondern sorbische Perspektiven, Begriffe und Kontexte strukturell verankern. Für Kulturregister, Digitalisierungszentrum und Präsentation braucht es bereits in der Projektphase einen festgelegten dauerhaften Träger. Ein kuratorischer oder gemeinschaftlicher Beirat sollte nicht nur beraten, sondern definierte Entscheidungsrechte bei Auswahl, Beschreibung und sensiblen Inhalten erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.2 Nuohtti – Föderierter Zugang zum Sámi-Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Sámi sind ein indigenes Volk im nordeuropäischen Sápmi, das sich über Gebiete des heutigen Norwegens, Schwedens, Finnlands und Russlands erstreckt. Es gibt mehrere Sámi-Sprachen und unterschiedliche nationale Rechts- und Institutionsrahmen. Viele historische Quellen und Sammlungsobjekte befinden sich außerhalb von Sámi-Institutionen in europäischen Archiven, Bibliotheken und Museen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nuohtti ist ein Suchdienst, der digitalisierte Sámi-Materialien aus verschiedenen europäischen Gedächtnisinstitutionen zusammenführt. Er wurde im Projekt „Digital Access to the Sámi Heritage Archives“ von 2018 bis 2021 mit EU-Mitteln aus Interreg Nord entwickelt. Beteiligt waren die Sámi-Archive der norwegischen und finnischen Nationalarchive, das schwedische Reichsarchiv sowie Universitäten in Lappland, Oulu und Umeå; die Universität Lappland leitete das Projekt. Die Sámi-Parlamente Finnlands, Norwegens und Schwedens entsandten Mitglieder in die Steuerungsgruppe.&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_about&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_uarctic&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Vorgehen und Architektur ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor der technischen Umsetzung wurden einschlägige Bestände und Datenlieferanten kartiert. Nuohtti bündelt keine Originale und ersetzt die Quellsysteme nicht. Es normalisiert und indexiert Metadaten aus Archiven und Aggregatoren und führt Nutzerinnen und Nutzer zu den jeweiligen Digitalisaten. Eine Karte, eine Zeitleiste und mehrsprachige Suchoberflächen unterstützen den Zugang. Nach Projektangaben waren rund 30.000 Datensätze aus 32 Institutionen in fünf Sprachen zugänglich.&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_uarctic&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Technisch baut Nuohtti auf vorhandenen Open-Source- und öffentlichen Komponenten auf, darunter VuFind, Finna, RecordManager, Finto, Giellatekno, Apache Solr, Leaflet, OpenStreetMap und Nominatim. Daten werden unter anderem über nationale und europäische Aggregationswege eingebunden.&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Rechte, Ethik und Nachhaltigkeit ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nuohtti integriert ethische Hinweise in die Nutzung. Das ist besonders relevant, weil viele historische Beschreibungen und Sammlungen außerhalb der Sámi-Gemeinschaft und unter kolonialen Bedingungen entstanden. Nutzertests fanden unter anderem in Schulen und Bibliotheken statt. Nach dem Projekt wird der Dienst von den beteiligten Nationalarchiven weitergeführt; zugleich wird er im laufenden Projekt DIGICHer als Praxisbeispiel weiterentwickelt und untersucht.&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_dataspace&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Nuohtti löst vor allem den gemeinsamen Nachweis und Zugang. Die Digitalisierung, Rechteklärung und Langzeiterhaltung verbleiben überwiegend bei den Datenlieferanten. Unterschiedliche Datenqualität und historisch problematische Beschreibungen werden durch Aggregation nicht automatisch behoben. Aktuelle, öffentlich nachvollziehbare Nutzungszahlen sind begrenzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* föderierte Architektur statt erzwungener Zentralisierung aller Bestände;&lt;br /&gt;
* Bestands- und Datenquellenkartierung vor dem Portalbau;&lt;br /&gt;
* Beteiligung von Sámi-Parlamenten an der Steuerung;&lt;br /&gt;
* Wiederverwendung vorhandener Open-Source-Komponenten und nationaler Infrastrukturen;&lt;br /&gt;
* mehrsprachige, räumliche und zeitliche Suche;&lt;br /&gt;
* sichtbare ethische Kontextualisierung problematischer Bestände.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Das Sorbische Kulturregister kann als föderierender Nachweis funktionieren: große Institutionen liefern Metadaten über Schnittstellen, kleine Träger können Daten direkt in einem zentral angebotenen System erfassen. Eine zentrale Suche muss nicht bedeuten, dass alle Originale oder alle Digitalisate zentral verwaltet werden. Historische Fremdbeschreibungen sollten als solche kenntlich gemacht und um sorbische Bezeichnungen sowie Community-Kontexte ergänzt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.3 People’s Collection Wales / Casgliad y Werin Cymru ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wales ist ein Landesteil des Vereinigten Königreichs mit eigener Regierung und einer starken nationalen sowie walisischsprachigen Identität. Walisisch und Englisch sind für das Angebot gleichberechtigte Arbeitssprachen. Das Projekt richtet sich nicht nur an professionelle Kulturinstitutionen, sondern auch an lokale Geschichtsgruppen, Vereine, Schulen und Einzelpersonen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
People’s Collection Wales ist eine zweisprachige digitale Plattform und ein begleitendes Unterstützungsprogramm, über das Nutzerinnen und Nutzer walisisches Kulturerbe entdecken, beitragen und vermitteln können. Getragen wird es als föderierte Partnerschaft von Amgueddfa Cymru – National Museum Wales, der National Library of Wales und der Royal Commission on the Ancient and Historical Monuments of Wales; finanziert wird das Programm durch die walisische Regierung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_eval&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Plattform wird durch kostenlose Beratung und Schulung ergänzt. Das aktuelle Unterstützungsangebot umfasst Projektplanung, Digitalisierung, Urheberrecht, Datenschutz, Metadaten und Oral History. Diese Kombination aus Technik und persönlicher Begleitung ist für kleine und ehrenamtliche Träger besonders relevant.&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_support&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Nachweisbarer Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die unabhängige Evaluation von 2016 stellte für die Förderphase 2014–2016 eine gestärkte föderierte Partnerschaft, eine kritische Masse an Inhalten, Fortschritte bei Community-Kompetenzen und eine hohe Vertrauenswürdigkeit des nichtkommerziellen Angebots fest. Externe Projekte sparten Ressourcen, weil sie eine vorhandene Plattform nutzen konnten. Zugleich wurden die gemessenen Wirkungen insgesamt als eher moderat beschrieben. Die Nutzerbefragung hatte nur 38 vollständige Antworten; wirtschaftliche und touristische Wirkungen waren damals nicht nachweisbar. Die Evaluation benannte Finanzierungssicherheit, klare Rollen, technische Stabilität, Marketing und dauerhaft finanzierbare Vor-Ort-Unterstützung als zentrale Herausforderungen. Vermittelte Sitzungen seien für bestimmte Zielgruppen unverzichtbar.&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_eval&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Programm existiert weiterhin und bietet aktuell Unterstützung an. Die verfügbaren Quellen belegen damit institutionelle Kontinuität, ersetzen aber keine neue unabhängige Wirkungsevaluation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* föderierte Trägerschaft mehrerer starker Institutionen;&lt;br /&gt;
* zweisprachige Plattform und Materialien;&lt;br /&gt;
* kostenlose Beratung, Metadaten- und Digitalisierungsschulungen;&lt;br /&gt;
* gemeinsamer technischer Dienst, den lokale Projekte nicht selbst entwickeln müssen;&lt;br /&gt;
* expliziter Pilot- und Lernansatz;&lt;br /&gt;
* unabhängige Evaluation mit offen benannten Grenzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Ein Digitalisierungszentrum sollte nicht nur Geräte betreiben, sondern ein sichtbares Serviceangebot für Heimatstuben, Vereine, Kirchengemeinden, Kommunen und Privatpersonen aufbauen: Erstberatung, Vorlagen, Rechtehilfe, Metadatenhilfe, mobile Einsätze, Schulungen und telefonische beziehungsweise digitale Sprechstunden. Für Obersorbisch und Niedersorbisch sollte Mehrsprachigkeit verbindlich geplant und finanziert werden. Erfolgsmessung darf sich nicht auf Objektzahlen beschränken, sondern sollte Kompetenzen, beteiligte Träger, Nachnutzung und Zufriedenheit erfassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.4 Tobar an Dualchais / Kist o Riches ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schottisch-Gälisch ist eine keltische Minderheitensprache, die vor allem in Schottland, besonders in den Highlands und auf den Inseln, gesprochen wird. Scots ist eine weitere historisch gewachsene Sprache beziehungsweise Sprachgruppe Schottlands. Das Projekt umfasst Aufnahmen auf Gälisch, Scots und Englisch und ist in den öffentlichen und kulturellen Institutionen Schottlands verankert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tobar an Dualchais / Kist o Riches macht mehr als 40.000 mündliche Aufnahmen zugänglich, die seit den 1930er Jahren in Schottland und darüber hinaus entstanden. Enthalten sind Erzählungen, Lieder, Musik, Gedichte und Sachinformationen. Ein bedeutender Teil stammt aus den School of Scottish Studies Archives der Universität Edinburgh; die physischen Originalbestände verbleiben in den Archiven.&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_edinburgh&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Vorhaben wird durch eine Partnerschaft kultureller und wissenschaftlicher Einrichtungen getragen und erhält wiederkehrend öffentliche Förderung. Die schottische Regierung bewilligte 2025 beispielsweise 35.000 Pfund für die fortlaufende Online-Sammlung gälischer und Scots-Materialien und 2026 weitere 14.127 Pfund für die Entwicklung des digitalen Archivs.&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_funding2025&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_funding2026&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Technische und fachliche Schwerpunkte ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Projekt konzentriert sich auf bedrohte zeitbasierte Medien und deren sprachliche Erschließung. Suchfelder nach Thema, Titel und beitragender Person erleichtern die Nutzung. Das ergänzende Vorhaben „Opening the Well“ transkribiert einen großen Bestand gälischer Erzählungen und verbindet Freiwilligenarbeit mit automatischer Spracherkennung. Dadurch werden Tonaufnahmen nicht nur erhalten, sondern durchsuchbar und für Sprachforschung sowie Bildung nachnutzbar.&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_opening&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Die öffentlich sichtbaren Förderungen sind überwiegend programm- oder projektbezogen. Sie belegen fortlaufende Unterstützung, aber keine vollständig transparente dauerhafte Grundfinanzierung des gesamten Betriebs. Rechteklärung, Transkription und Qualitätskontrolle bleiben bei umfangreichen historischen Tonbeständen dauerhafte Aufgaben. Eine umfassende unabhängige Evaluation mit aktuellen Nutzungsdaten wurde in dieser Recherche nicht gefunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* klare Priorität für gefährdete audiovisuelle Bestände;&lt;br /&gt;
* institutionelle Aufbewahrung der Originale und digitale öffentliche Vermittlung;&lt;br /&gt;
* Verbindung von Digitalisierung, sprachlicher Erschließung und Bildung;&lt;br /&gt;
* Kombination aus Fachinstitutionen, öffentlicher Förderung und freiwilliger Mitarbeit;&lt;br /&gt;
* sichtbare Mehrsprachigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Sorbische Tonbänder, Kassetten, Filme und Videoformate sollten wegen Materialalterung und technischer Obsoleszenz gesondert priorisiert werden. Ein Pilot „Sorbische Stimmen und Lieder“ könnte Digitalisierung, Rechteklärung, obersorbische und niedersorbische Transkription, Übersetzung, Normdaten und Bildungsnutzung exemplarisch durchspielen. Automatische Spracherkennung kann unterstützen, ersetzt aber bei kleinen Sprachen keine fachliche und gemeinschaftliche Korrektur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.5 Euskariana – Digitales Portal zum baskischen Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Baskinnen und Basken leben beiderseits der spanisch-französischen Grenze. Baskisch (Euskara) ist eine eigenständige europäische Sprache mit mehreren Varietäten. Euskariana ist kein gesamtbaskisches staatenübergreifendes Projekt, sondern ein Angebot der Autonomen Gemeinschaft Baskenland in Spanien; es bezieht jedoch auch einschlägige Bestände aus Institutionen außerhalb dieser Region ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Euskariana wird von der Digitalen Bibliothek Euskadi innerhalb der baskischen Kulturverwaltung betrieben. Das Portal entsteht in Zusammenarbeit des baskischen Regierungsapparats mit den Provinzverwaltungen von Álava/Araba, Bizkaia und Gipuzkoa, Kommunen, Universitäten, kirchlichen und privaten Einrichtungen. Der Sammlungsschwerpunkt umfasst Werke baskischer Urheberinnen und Urheber, Veröffentlichungen aus Euskadi, weltweit entstandene Inhalte zu baskischen Themen sowie besonders Inhalte auf Baskisch oder in baskischer Übersetzung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;euskariana_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als staatlich getragenes Dauerangebot ist Euskariana stärker institutionell abgesichert als ein zeitlich begrenztes Förderprojekt. Öffentlich zugängliche Quellen benennen jedoch keine vollständigen jährlichen Betriebs- und Personalkosten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Architektur, Standards und Nachnutzung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Euskariana ist gleichzeitig gemeinsamer Katalog und Zugangsportal. Es integriert Datensätze aus Bibliotheksnetzen, Verbundkatalogen, Museen, Archiven, Hochschulrepositorien und internationalen Nationalbibliotheken. Digitale Objekte werden entweder im eigenen Repositorium bereitgestellt oder über Links in den Quellsystemen aufgerufen. Damit unterstützt das Projekt zwei Anbindungswege: zentrale Aufnahme und föderierte Verlinkung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;euskariana_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach offizieller Dokumentation nutzt Euskariana unter anderem MARC, Dublin Core (DC), METS, PREMIS und ALTO. Kurz erläutert: MARC dient vor allem bibliografischen Daten; Dublin Core beschreibt einen einfachen Metadatenkern; METS strukturiert digitale Objekte und Dateigruppen; PREMIS dokumentiert Erhaltungsinformationen; ALTO bildet Layout und erkannten Text digitalisierter Seiten ab. Die Standardisierung ermöglicht die Beteiligung an Europeana und die Verbindung zu weiteren spanischen und französischen Portalen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;euskariana_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Die offizielle Dokumentation ist technisch aussagekräftig, liefert aber wenig Informationen über Community-Entscheidungsrechte, abgestufte kulturelle Zugänge, aktuelle Nutzungszahlen oder eine unabhängige Wirkungsevaluation. Das Modell ist stärker verwaltungs- und institutionsgetrieben als gemeinschaftsgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* klar benannter öffentlicher Betreiber;&lt;br /&gt;
* Kooperation über Verwaltungs-, Institutions- und Sektorgrenzen hinweg;&lt;br /&gt;
* sowohl eigenes Repositorium als auch Einbindung externer Digitalisate;&lt;br /&gt;
* verbindliche internationale Metadaten- und Erhaltungsstandards;&lt;br /&gt;
* besondere Sichtbarkeit der Minderheitensprache;&lt;br /&gt;
* Anschluss an größere Aggregatoren wie Europeana.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Für das Sorbische Kulturregister sollte es mindestens zwei Onboarding-Wege geben: Kleine Träger erfassen beziehungsweise hinterlegen Daten und Dateien in zentral bereitgestellten Diensten; größere Einrichtungen liefern Daten aus eigenen Fachsystemen über Export oder Schnittstelle. Ein gemeinsames Kernprofil muss lokale Fachstandards nicht ersetzen, sondern deren wichtigste Angaben abbilden. Obersorbisch und Niedersorbisch sollten als eigenständige Sprachwerte, nicht nur als Übersetzungsvarianten von Deutsch, gespeichert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.6 bavarikon – Regionaler Digitalisierungs- und Präsentationsverbund ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Region und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bavarikon ist keine Minderheitenplattform, sondern das Kulturportal des Freistaats Bayern. Es ist dennoch relevant, weil es zeigt, wie ein Flächenland zahlreiche Museen, Archive, Bibliotheken, wissenschaftliche Einrichtungen und nichtstaatliche Träger in ein geregeltes Förder-, Qualitäts- und Präsentationsmodell einbindet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die grundsätzliche Ausrichtung und der Mitteleinsatz werden durch das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst sowie das Staatsministerium für Digitales bestimmt. Ein Rat mit 14 stimmberechtigten Mitgliedern aus unterschiedlichen Kultursparten entscheidet über neue Inhalte und berät zu Betrieb und Digitalisierungsstrategie. Die Bayerische Staatsbibliothek trägt den laufenden technischen, redaktionellen und organisatorischen Betrieb; das Leibniz-Rechenzentrum übernimmt das Hosting.&amp;lt;ref name=&amp;quot;bavarikon_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Partner können Digitalisierungsvorhaben beantragen. Die Bayerische Staatsbibliothek begleitet die Digitalisierung, wenn die Ergebnisse in hoher Qualität über bavarikon präsentiert werden. Für die Aufnahme existieren Kriterien, Metadatenhandreichungen, Qualitätsanforderungen für Digitalisate, Musterlisten und ein Vorantragsverfahren.&amp;lt;ref name=&amp;quot;bavarikon_partner&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Nachweisbarer Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Portal ging 2013 online und wird monatlich ergänzt. Im November 2024 meldete die Bayerische Staatsbibliothek mehr als 500.000 digitale Objekte aus rund 170 Einrichtungen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;bavarikon_500k&amp;quot;/&amp;gt; Die institutionelle Betreiberverantwortung, der geregelte Zugang zu Fördermitteln und die veröffentlichten Mindestanforderungen sind belastbare Erfolgsindikatoren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' bavarikon verfügt über die Ressourcen eines deutschen Flächenlandes und einer großen Staatsbibliothek. Diese Größenordnung ist für die Sorben nicht direkt übertragbar. Das Portal ist primär Präsentations- und Förderinfrastruktur; aus den öffentlichen Unterlagen lässt sich nicht ableiten, dass bavarikon für sämtliche Masterdateien aller Partner allein die vollständige Langzeiterhaltung übernimmt. Community-Governance und kulturell abgestufte Zugänge stehen nicht im Mittelpunkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* dauerhaft benannter zentraler Betreiber und leistungsfähiges Rechenzentrum;&lt;br /&gt;
* spartenübergreifendes Entscheidungsgremium;&lt;br /&gt;
* geregeltes Förder- und Auswahlverfahren;&lt;br /&gt;
* publizierte Mindeststandards und Vorlagen;&lt;br /&gt;
* zentrale fachliche Begleitung bei dezentralen Beständen;&lt;br /&gt;
* kontinuierlicher Ausbau statt einmaliger Portalveröffentlichung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Übertragbar ist nicht die Größenordnung, sondern die Verfahrenslogik: ein transparentes Antrags- und Priorisierungsverfahren, verbindliche Lieferpakete, klare Qualitätskontrollen und ein zentraler Ansprechpartner. Ein sorbischer Digitalisierungsfonds könnte kleinere, klar abgegrenzte Vorhaben fördern, sofern Rechte, Metadaten, Zielrepositorium und spätere Nutzung vorab geklärt sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.7 Mukurtu und Plateau Peoples’ Web Portal ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mukurtu entstand aus einer Zusammenarbeit mit der Warumungu-Gemeinschaft in Australien und wurde zu einer frei verfügbaren Plattform für indigene Gemeinschaften weiterentwickelt. Das hier besonders betrachtete Plateau Peoples’ Web Portal betrifft acht indigene Nationen des nordwestlichen Plateaus in den USA, darunter Spokane, Colville, Umatilla, Coeur d’Alene, Warm Springs, Yakama, Confederated Salish and Kootenai Tribes und Nez Perce. Diese Nationen besitzen jeweils eigene politische und kulturelle Strukturen innerhalb der Vereinigten Staaten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mukurtu CMS (Content-Management-System; deutsch: System zur Verwaltung und Veröffentlichung von Inhalten) wird am Center for Digital Scholarship and Curation der Washington State University als Open-Source-Software entwickelt und gepflegt. Die Entwicklung wurde unter anderem durch die National Endowment for the Humanities, das Institute of Museum and Library Services, die Mellon Foundation und die National Science Foundation gefördert.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_about&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_plateau&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Plateau Peoples’ Web Portal ist ein konkreter Verbund zwischen den beteiligten Stämmen, der Washington State University und externen Gedächtnisinstitutionen. Stammesvertreterinnen und -vertreter wählen und kuratieren Materialien; die technische Pflege liegt bei der Universität in Partnerschaft mit indigenen Programmen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_plateau&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Rechte- und Metadatenmodell ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mukurtu unterstützt Traditional Knowledge Labels, fein abgestufte kulturelle Protokolle und mehrere parallele Beschreibungen zu einem Objekt. Eine Institution kann beispielsweise eine archivische Beschreibung liefern, während eine Gemeinschaft eigene Namen, Erzählungen, Herkunftsangaben und Zugangsregeln ergänzt. Der „Roundtrip“-Mechanismus ermöglicht den Export angereicherter Daten, ohne ursprüngliche Metadaten zu verlieren.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wissenschaftliche Dokumentationen des Plateau-Portals beschreiben ein Hub-and-Spoke-Modell – also einen zentralen technischen Knoten mit mehreren institutionellen und gemeinschaftlichen Zulieferern – sowie Vereinbarungen zwischen Partnern, Dublin-Core-Metadaten und granulare Zugangsregeln.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_dlib&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Portal demonstriert dauerhaft, dass kulturelle Selbstbestimmung technisch nicht nur durch „öffentlich“ oder „geschlossen“ abgebildet werden muss. Es ermöglicht mehrere Wissensordnungen neben- statt untereinander. Die Plattform ist Open Source und exportfähig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Open Source bedeutet nicht kostenlosen Betrieb. Installation, Aktualisierung, Hosting, Rechtekonzeption, Datenmigration und Support benötigen dauerhaft qualifiziertes Personal. Mukurtu weist selbst ausdrücklich darauf hin, dass es eine Zugangsplattform und nur ein Bestandteil eines größeren Systems für Digitalisierung, Erhaltung und Nachhaltigkeit ist.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_about&amp;quot;/&amp;gt; Die Übernahme von Traditional Knowledge Labels in den sorbischen Kontext wäre nicht eins zu eins möglich, weil kulturelle und rechtliche Ausgangslagen verschieden sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* kulturelle Protokolle als Kern der Daten- und Zugangslogik;&lt;br /&gt;
* mehrere Beschreibungen und Perspektiven pro Objekt;&lt;br /&gt;
* exportfähige Daten statt Plattformbindung;&lt;br /&gt;
* Partnerschaftsvereinbarungen und konkrete Rollen;&lt;br /&gt;
* dauerhafte technische Trägerschaft durch eine Universität;&lt;br /&gt;
* Community-Kuration statt bloßer Rückmeldung nach Veröffentlichung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Im Kulturregister sollte neben institutionellen Angaben Raum für sorbische Bezeichnungen, lokale Varianten, Erinnerungen und Korrekturen bestehen. Rechte- und Sichtbarkeitsstufen müssen pro Datensatz und möglichst pro Mediendatei modelliert werden. Ein Sorbisches Kulturregister könnte zunächst ein eigenes, rechtlich passendes Set von „Kulturhinweisen“ entwickeln, etwa „nur Metadaten öffentlich“, „Nutzung nur nach Rücksprache“, „innergemeinschaftlich“, „zeitlich gesperrt“ oder „freie Nachnutzung erwünscht“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.8 Aṟa Irititja – Gemeinschaftsbasiertes Aṉangu-Archiv ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aṉangu ist eine Selbstbezeichnung von Ngaanyatjarra-, Pitjantjatjara- und Yankunytjatjara-Gemeinschaften im zentralen Australien. Aṟa Irititja arbeitet vor allem in den Aṉangu Pitjantjatjara Yankunytjatjara Lands (APY Lands) im Nordwesten des Bundesstaats South Australia. Die Gemeinschaften sind australischen staatlichen Strukturen zugehörig, verfügen aber über eigene Land- und Organisationsstrukturen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Entstehung, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Projekt entstand 1994 als sozialgeschichtliches Vorhaben der Pitjantjatjara Council Aboriginal Corporation. Es arbeitet mit Schulen, Bildungszentren, Gesundheits-, Frauen-, Medien-, Land- und Kunstorganisationen in den APY Lands zusammen. Ein zentrales Büro in Adelaide bearbeitet Datenbank, Digitalisierung, physische Lagerung und Verwaltung; ein Büro in Alice Springs hält den Kontakt zu Gemeinschaften und ergänzt Sprach-, Familien- und Kontextinformationen. Seit 2020 steht das Projekt unter dem Dach der APY-Organisation und wird durch deren Executive Board gesteuert.&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_who&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Finanzierung war über lange Zeit eine Mischung aus staatlichen Programmen, Stiftungen, Spenden sowie jährlichen Beiträgen beteiligter Schulen und Community-Organisationen. Die eigene Projektdokumentation bezeichnet die langfristige Finanzierung ausdrücklich als dauerhaftes Problem. Mit der Eingliederung in APY wurden 2020 drei permanente Teilzeitstellen geschaffen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_funding&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Fachliche Lösung, Rechte und Zugang ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aṟa Irititja wurde auf Wunsch der Gemeinschaften entwickelt, um kulturelle Geschichte zu bewahren und zurückzugeben. Das Multimediaarchiv umfasst Fotos, Dokumente, Filme, Tonaufnahmen und Objekte. Die Software sollte kulturelle Einschränkungen abbilden und zugleich für Nutzerinnen und Nutzer mit begrenzter Schriftkompetenz oder eingeschränktem Sehvermögen leicht bedienbar sein. Inhalte werden in Ngaanyatjarra, Pitjantjatjara, Yankunytjatjara und Englisch bereitgestellt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_approach&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_who&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gemeinschaftsmitglieder und kulturelle Berater beurteilen sensible Inhalte und Zugangsregeln. Der Ansatz der „digitalen Rückgabe“ bringt digitale Kopien und Nutzungsmöglichkeiten zu den Gemeinschaften zurück, auch wenn Originale in Museen oder anderen Institutionen verbleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Betrieb seit 1994, die Eingliederung in eine Aṉangu-geführte Organisation und die dauerhafte Nutzung in Schulen und Gemeinschaftseinrichtungen sind starke Nachhaltigkeitsindizien. Die Dokumentation beschreibt intergenerationelle Nutzung, Schulungen und Beschäftigung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Viele Wirkungsangaben stammen vom Projekt selbst. Unabhängige aktuelle Evaluationen und detaillierte technische Angaben zur Langzeiterhaltung sind begrenzt. Die langjährige Finanzierungssuche zeigt, dass kulturelle Bedeutung allein keinen verlässlichen Betriebsetat garantiert. Zentraler Betrieb in Adelaide schafft Fachlichkeit, kann aber Distanz zu abgelegenen Gemeinschaften erzeugen; deshalb bleibt die lokale Kontakt- und Trainingsstruktur wesentlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* Entwicklung aus einem ausdrücklichen Wunsch der Gemeinschaft;&lt;br /&gt;
* institutionelle Unterstellung unter eine gemeinschaftseigene Organisation;&lt;br /&gt;
* lokale Ansprechpartner und zentrale Facharbeit;&lt;br /&gt;
* kulturell abgestufte Zugänge;&lt;br /&gt;
* mehrsprachige, visuell einfache Oberfläche;&lt;br /&gt;
* Verbindung von digitaler Rückgabe, Bildung und Kompetenzaufbau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Auch im sorbischen Kontext sollten Nutzeroberflächen nicht nur für wissenschaftliche Fachkräfte gestaltet werden. Lokale Sammlungsbetreuerinnen und -betreuer brauchen einfache Erfassungswege, visuelle Hilfen und persönliche Unterstützung. Sensible Inhalte – etwa private Familienaufnahmen, religiöse Praktiken, personenbezogene Überlieferung oder nicht für eine allgemeine Öffentlichkeit bestimmte Aufzeichnungen – benötigen ein gemeinsam beschlossenes Zugangsmodell. Zentraler Betrieb muss durch lokale Beziehungen ergänzt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.9 Living Archive of Aboriginal Languages (LAAL) ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Living Archive of Aboriginal Languages bündelt Literatur aus zahlreichen Aboriginal-Sprachgemeinschaften des Northern Territory in Australien. Es handelt sich nicht um eine einzige Minderheit, sondern um viele eigenständige Sprach- und Kulturgemeinschaften. Ein großer Teil der Bücher entstand zwischen den 1970er Jahren und dem Ende bilingualer Bildungsprogramme in lokalen Literature Production Centres.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Projekt begann 2012 unter Leitung der Charles Darwin University mit der Australian National University und dem Bildungsressort des Northern Territory. Es wurde durch die Australian Research Council Linkage Infrastructure, Equipment and Facilities Scheme gefördert. Eine zweite Förderphase erweiterte den Bestand und die Community- sowie Bildungsarbeit; weitere Partner kamen hinzu.&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_background&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Vorgehen umfasste das Auffinden verstreuter Bücher, Auswahl und Digitalisierung, Kontakt zu Autorinnen, Autoren und Illustratoren, Rechteklärung sowie Rückspiegelung in die Herkunftsgemeinschaften. Gemeinschaftsmitglieder konnten Texte prüfen und Geschichten oder Tonaufnahmen ergänzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Dateien, Rechte und Zugang ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für jeden Titel wurden Nutzungsdateien wie PDF, Textdatei und Vorschaubild erstellt; seitenweise TIFF-Masterdateien dienten der Langzeitaufbewahrung. Eine kartenbasierte Oberfläche erleichterte auch Menschen mit geringer Schriftkompetenz die Suche.&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_background&amp;quot;/&amp;gt; Materialien wurden nur nach schriftlicher Einwilligung von Urheberinnen, Urhebern oder Nachkommen veröffentlicht. Das Projekt verwendete Creative-Commons-Lizenzen mit Einschränkungen, berücksichtigte indigene Kultur- und Informationsprotokolle und bot ein Takedown-Verfahren, also die vorläufige Entfernung bei Einwänden.&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_rights&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der aktuelle Bestand umfasst nach Projektangaben nahezu 4.000 Bücher in 50 Sprachen aus 40 Gemeinschaften. Die Materialien wurden in die Plattform Territory Stories von Library &amp;amp; Archives Northern Territory überführt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_home&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Erfolg, Problem und Lernwert ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
LAAL verbindet Sprachsicherung, Rechteklärung, offene Bildungsnutzung und echte Erhaltungsdateien. Das Projekt zeigt aber auch eine typische Migrationsgefahr: Nach der Überführung in Territory Stories funktionierte die speziell entwickelte Kartenoberfläche nicht mehr; das Projekt dokumentierte 2022, dass zunächst auf einen möglichen Ersatz gewartet werde.&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_migration&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Die sorgfältige Rechteklärung erzeugte einen beträchtlichen Rückstand nicht veröffentlichter Materialien; dies ist kein Projektversagen, sondern ein realer Zielkonflikt zwischen Geschwindigkeit und Zustimmung. Die Migration bewahrte Inhalte, verlor aber zumindest zeitweise eine für die Zielgruppen wichtige Zugangsfunktion. Die ursprüngliche Projektorganisation war stark förderabhängig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* systematische „Search-and-Rescue“-Phase für verstreute gefährdete Materialien;&lt;br /&gt;
* klare Trennung von Erhaltungs- und Nutzungsdateien;&lt;br /&gt;
* Veröffentlichung nur mit Einwilligung und Takedown-Verfahren;&lt;br /&gt;
* Beteiligung der Sprachgemeinschaften an Prüfung und Ergänzung;&lt;br /&gt;
* Bildungsnutzung und Offline-Zugriff;&lt;br /&gt;
* Übergabe an eine öffentliche Gedächtnisinstitution.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Für jede digitale Sammlung muss ein Migrations- und Exit-Plan festlegen, wie Daten, Rechteangaben, Identifikatoren und zielgruppenspezifische Funktionen beim Systemwechsel erhalten bleiben. Eine funktionierende Fachoberfläche darf nicht der einzige Ort sein, an dem Beziehungen zwischen Daten gespeichert sind. Rechteklärung sollte als eigenes Arbeitspaket mit Aufwand, Rückständen und Prioritäten geplant werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.10 PARADISEC – Facharchiv für gefährdete Sprachen und Kulturen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaften, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PARADISEC steht für Pacific And Regional Archive for Digital Sources in Endangered Cultures. Es ist kein Archiv einer einzelnen Minderheit, sondern bewahrt Forschungs- und Community-Aufnahmen vieler kleiner Sprach- und Kulturgemeinschaften, vor allem im Pazifikraum, aber auch weltweit. Der institutionelle Sitz liegt in Australien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Organisation, Finanzierung und Architektur ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PARADISEC ist ein Verbund der University of Sydney, der University of Melbourne und der Australian National University. Operative Aufgaben sind über die drei Standorte verteilt; ein externer Beirat unterstützt die Steuerung. Das Projekt wurde wesentlich durch den Australian Research Council und in jüngerer Zeit durch die Language Data Commons of Australia im Rahmen nationaler Forschungsinfrastruktur finanziert.&amp;lt;ref name=&amp;quot;paradisec_about&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;paradisec_home&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Archiv hat Verfahren für Übernahme, Katalogisierung, Digitalisierung und Erhaltung von Audio-, Text- und Bildmaterial entwickelt. Es nutzt Forschungsnetze und institutionelle Speicherinfrastruktur, archiviert Audio in Erhaltungsformaten und stellt stabile Katalogdaten bereit. Kopien wurden an Kulturzentren und Institutionen in Vanuatu, Neukaledonien, Papua-Neuguinea, Französisch-Polynesien, den Salomonen und Rapa Nui zurückgegeben.&amp;lt;ref name=&amp;quot;paradisec_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Nachweisbarer Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Juli 2026 weist PARADISEC rund 20.500 Stunden Audio, 4.000 Stunden Video, mehr als 320 Terabyte und Inhalte zu etwa 1.460 Sprachen aus. Es erhielt 2019 das CoreTrustSeal für vertrauenswürdige Repositorien und wurde 2024 bei den Digital Preservation Awards sowie 2025 mit einem Open Scholarship Award ausgezeichnet.&amp;lt;ref name=&amp;quot;paradisec_home&amp;quot;/&amp;gt; Die Kombination aus großem Bestand, langjährigem Betrieb, fachlichen Standards und konkreter Rückgabe an Herkunftsgemeinschaften ist ein starker Erfolgsnachweis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Ein universitärer Forschungsverbund verfügt über Kompetenzen und Infrastrukturen, die kleinen lokalen Trägern nicht direkt zur Verfügung stehen. Die Community-Beteiligung variiert je nach Depositor, Sammlung und Herkunftsgemeinschaft. Online-Zugriff kann in Regionen mit schwacher Internetversorgung oder ohne passende Sprache weiterhin schwierig sein. Auch ein erfolgreiches Facharchiv benötigt laufende Dritt- und Infrastrukturmittel sowie technische Erneuerung; PARADISEC arbeitet derzeit an einer Erneuerung seines Katalogs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* fachlich fokussiertes Repositorium für gefährdete audiovisuelle und sprachliche Materialien;&lt;br /&gt;
* verteilte institutionelle Trägerschaft mit gemeinsamem Verfahren;&lt;br /&gt;
* professionelle Erhaltungsstandards und Zertifizierung;&lt;br /&gt;
* stabile Identifikatoren und wissenschaftliche Zitierbarkeit;&lt;br /&gt;
* Rückgabe von Kopien und Kooperation mit regionalen Kulturzentren;&lt;br /&gt;
* langfristige Verbindung zu Forschungsinfrastruktur statt isoliertem Projektserver.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Für gefährdete Audio-, Video- und Sprachdaten sollte nicht jede kleine Einrichtung ein eigenes Langzeitarchiv aufbauen. Ein zentral betriebener, professioneller Repositoriumsdienst mit klaren Übernahmepaketen ist sinnvoll. Gleichzeitig müssen Kopien, Zugriffsrechte und nutzbare Arbeitsfassungen bei den sorbischen Kulturgutträgern verbleiben können. Zertifizierungsmodelle wie CoreTrustSeal können langfristig Orientierung geben, sollten aber erst nach Aufbau stabiler Prozesse angestrebt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.11 Reciprocal Research Network (RRN) ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Reciprocal Research Network betrifft kulturelle Objekte der First Nations der Nordwestküste von British Columbia in Kanada. Es wurde gemeinsam von der Musqueam Indian Band, der Stó:lō Nation beziehungsweise dem Stó:lō Tribal Council, der U’mista Cultural Society und dem Museum of Anthropology der University of British Columbia entwickelt. Zahlreiche internationale Museen liefern Daten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und technische Lösung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das RRN ist eine föderierte Recherche- und Kooperationsplattform. Es ermöglicht die gemeinsame Suche in institutionellen Sammlungen, persönliche und gemeinsame Forschungsprojekte, Dateiuploads und Diskussionen. Eine Steuerungsgruppe mit Vertreterinnen und Vertretern der beteiligten First Nations und des Museums ist weiterhin ausgewiesen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_about&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_contact&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wissenschaftliche Publikationen beschreiben den Aufbau als langfristigen Vertrauens- und Aushandlungsprozess. Vereinbarungen mit Partnerinstitutionen regelten Datenlieferung und Zusammenarbeit; agile Softwareentwicklung wurde mit unterschiedlichen Erwartungen und Entscheidungsrhythmen in Einklang gebracht.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_rowley&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Nachweisbarer Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Juli 2026 zeigt die Plattform Daten aus 29 Institutionen, mehr als 570.000 Objekte und 391.000 Fotografien sowie über 4.000 registrierte Mitglieder und fast 2.800 Projekte an.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_home&amp;quot;/&amp;gt; Diese Größenordnung belegt eine erhebliche institutionsübergreifende Aggregation und Nutzung der Arbeitsfunktionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Im Seitenfuß wird weiterhin die Softwareversion 1.8.3 mit Startdatum 22. November 2014 ausgewiesen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_contact&amp;quot;/&amp;gt; Das ist kein Beleg dafür, dass der Dienst beendet ist – die Plattform ist erreichbar und aktuelle Bestandszahlen werden angezeigt –, aber ein Warnsignal für Modernisierungs-, Sicherheits- und Wartungsrisiken. Detaillierte aktuelle Angaben zu Erhaltungsrepositorien und Betriebskosten sind öffentlich begrenzt. Das RRN ist vor allem Forschungs- und Zugangsplattform, nicht zwingend das Langzeitarchiv sämtlicher Quelldateien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* gemeinsame Entwicklung durch First Nations und Museum;&lt;br /&gt;
* föderierte Suche über internationale Sammlungen;&lt;br /&gt;
* dauerhafte Steuerungsgruppe;&lt;br /&gt;
* projektbezogene Kollaboration statt nur passiver Objektanzeige;&lt;br /&gt;
* formalisierte Partnerschaften und Aufbau von Vertrauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Ein sorbisches System kann mehr sein als ein Suchkatalog: Arbeitsbereiche für gemeinsame Erschließung, Korrekturen, Transkription, Übersetzung und Forschung erhöhen die aktive Nachnutzung. Solche Funktionen dürfen aber erst aufgebaut werden, wenn technische Wartung und Datenexport gesichert sind. Langfristige Kooperationsvereinbarungen sind wichtiger als einmalige Datenlieferungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.12 Indigitization – Dezentrale Digitalisierung mit zentraler Befähigung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Indigitization richtet sich an First Nations und weitere indigene Gemeinschaften in British Columbia, Kanada. Die Gemeinschaften verfügen über eigene Regierungen, Archive, Sprachprogramme und Kulturinstitutionen, arbeiten aber häufig mit begrenzten technischen und personellen Ressourcen. Viele gefährdete Tonaufnahmen befinden sich weiterhin lokal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Organisations- und Fördermodell ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Indigitization ist eine Kooperation indigener Gemeinschaften und Organisationen mit dem Irving K. Barber Learning Centre, dem Museum of Anthropology, dem Northern BC Archives der University of Northern British Columbia, der X̱wi7x̱wa Library und weiteren Einheiten der University of British Columbia. Das Programm entwickelt Ressourcen, führt Schulungen durch, berät zu Fördermitteln und unterstützt gemeinschaftsgeführte Digitalisierung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Werkzeugkasten entstand aus drei Pilotprojekten mit First Nations und verbindet deren Erfahrungen mit fachlichen Digitalisierungsstandards. Er enthält Planungshilfen, technische Anleitungen, Metadaten- und Dateiverfahren sowie Musterunterlagen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_toolkit&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von 2013 bis 2019 finanzierten Audiokassetten-Zuschüsse drei Pilot- und 45 Förderprojekte. Mehr als 11.464 Kassetten wurden digitalisiert; insgesamt wurden über 422.143 kanadische Dollar vergeben. Die Förderung umfasste ergänzende Mittel bis 10.000 Dollar je Vorhaben und intensive Schulung. Das spezifische Förderprogramm befindet sich derzeit in einer Pause, während Beratung, Workshops und Verweise auf weitere Programme fortgeführt werden.&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_grant&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_funding&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Rechte, Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Digitalisierungsprojekte verbleiben bei den Gemeinschaften; eine öffentliche Veröffentlichung war nicht zwingend. Auch protokollgebundene und nichtöffentliche Zugänge waren förderfähig. Das schützt lokale Kontrolle und stärkt Kompetenzen vor Ort. Die dokumentierten Objekt- und Förderzahlen sowie die fortbestehende Beratungsinfrastruktur belegen konkrete Wirkung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Dezentrale Digitalisierung garantiert noch keine langfristige Erhaltung. Jede Gemeinschaft braucht ein tragfähiges Speicher-, Sicherungs- und Migrationskonzept oder einen verlässlichen Repositoriumspartner. Die Pause des früheren Kassettenprogramms zeigt die Verwundbarkeit zeitlich begrenzter Förderlinien. Für kleine Teams kann die dauerhafte Anwendung technischer Standards trotz Schulung anspruchsvoll bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* zentrale Kompetenz, Vorlagen, Schulung und begrenzte Anschubfinanzierung;&lt;br /&gt;
* Durchführung und Kontrolle bei den lokalen Gemeinschaften;&lt;br /&gt;
* Pilotprojekte als Grundlage des Werkzeugkastens;&lt;br /&gt;
* praxisnahe Muster für Projektplan, Budget und Stellenprofil;&lt;br /&gt;
* kein Zwang zur allgemeinen Veröffentlichung;&lt;br /&gt;
* Netzwerk aus Hochschulen, Archiven und Community-Fachleuten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Dieses Modell kommt einer möglichen Rolle des sorbischen Digitalisierungszentrums besonders nahe. Die zentrale Stelle könnte mobile Technik, Leihgeräte, Schulung, Qualitätsprüfung, Dienstleisterrahmenverträge und Kleinprojektförderung bereitstellen. Lokale Träger behalten Originale, Auswahl, Kontext und Zugangsentscheidungen. Anders als bei rein dezentralen Ansätzen sollte im sorbischen Modell jedoch von Anfang an ein gemeinsames Repositorium oder ein verbindlicher Repositoriumsdienst angeschlossen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== E. Vergleichsmatrix ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== E.1 Funktionen, Architektur und Standards ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable sortable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Projekt&lt;br /&gt;
! Register / Katalog&lt;br /&gt;
! Digitalisierung&lt;br /&gt;
! Repositorium / Langzeiterhaltung&lt;br /&gt;
! Präsentation / Nachnutzung&lt;br /&gt;
! Technologie und Standards&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''RomArchive'''&lt;br /&gt;
| Kuratierter Sammlungsnachweis; kein Vollregister&lt;br /&gt;
| Auswahl und Digitalisierung in der Projektphase&lt;br /&gt;
| Interne und veröffentlichte Bestände; öffentliche Dokumentation der Langzeitprozesse begrenzt&lt;br /&gt;
| Themenarchive, Touren, Forschung; Deutsch, Englisch, Romanes; eingeschränkte Nachnutzung&lt;br /&gt;
| Axiell Collections, Django-Webanwendung, Connector zwischen Sammlung und Website&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Nuohtti'''&lt;br /&gt;
| Föderierter Metadatenindex aus vielen Archiven&lt;br /&gt;
| Erfolgt überwiegend bei Quellinstitutionen&lt;br /&gt;
| Verbleibt bei Datenlieferanten; Nationalarchive tragen Suchdienst weiter&lt;br /&gt;
| Mehrsprachige Suche, Karte, Zeitleiste; Verlinkung zu Quellen&lt;br /&gt;
| VuFind, Finna, RecordManager, Solr, Finto, Giellatekno, Leaflet, OpenStreetMap, Europeana-Wege&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''People’s Collection Wales'''&lt;br /&gt;
| Gemeinsame Plattform mit institutionellen und Community-Beiträgen&lt;br /&gt;
| Zentral unterstützte, teils lokale Digitalisierung; Schulungen&lt;br /&gt;
| In Evaluation als klärungsbedürftige Rolle benannt; nicht allein aus Portal abzuleiten&lt;br /&gt;
| Zweisprachiges Portal, Uploads, Lernangebote, Karten&lt;br /&gt;
| Gemeinsame Plattform; Metadaten-, Rechte- und Digitalisierungshilfen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Tobar an Dualchais'''&lt;br /&gt;
| Durchsuchbarer Katalog zu Tonaufnahmen&lt;br /&gt;
| Audio-Digitalisierung, Erschließung und Transkription&lt;br /&gt;
| Originale in institutionellen Archiven; digitale Erhaltung in Partnerstrukturen&lt;br /&gt;
| Mehr als 40.000 Aufnahmen; Sprache, Bildung, Forschung&lt;br /&gt;
| Audio-Workflows; Transkription und automatische Spracherkennung in Ergänzungsprojekten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Euskariana'''&lt;br /&gt;
| Integrierter Katalog aus Bibliotheken, Archiven, Museen und Repositorien&lt;br /&gt;
| Bei Partnern und in eigenen Programmen&lt;br /&gt;
| Eigenes Repositorium plus Links zu externen Repositorien&lt;br /&gt;
| Baskisch/spanisch; öffentliche Suche; Europeana-Anbindung&lt;br /&gt;
| MARC, Dublin Core, METS, PREMIS, ALTO; OAI-Zugang&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''bavarikon'''&lt;br /&gt;
| Gemeinsames Portal mit Partnerdaten&lt;br /&gt;
| Förderprogramm und fachliche Begleitung; zentrale Qualitätsprüfung&lt;br /&gt;
| Verantwortlichkeit für alle Masterdateien nicht einheitlich öffentlich dokumentiert&lt;br /&gt;
| Portalsuche, Ausstellungen, 3D, Bildungs- und Social-Media-Formate&lt;br /&gt;
| Verbindliche Metadaten- und Lieferhandreichungen; zentrales Hosting&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Mukurtu / Plateau Portal'''&lt;br /&gt;
| Institutionelle und Community-Datensätze zu denselben Objekten&lt;br /&gt;
| Nicht Kernfunktion; lokale beziehungsweise institutionelle Workflows&lt;br /&gt;
| Mukurtu ausdrücklich nur Zugangsbaustein; Erhaltung separat zu planen&lt;br /&gt;
| Protokollbasierter Zugang, Community-Erzählungen, Export&lt;br /&gt;
| Open Source auf Drupal-Basis; TK Labels; kulturelle Protokolle; Dublin Core; Roundtrip-Export&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Aṟa Irititja'''&lt;br /&gt;
| Zentraler Multimedia-Katalog mit lokalen Ergänzungen&lt;br /&gt;
| Zentral vorbereitet, mit Community-Kontaktstellen und historischer Formatrettung&lt;br /&gt;
| Physische und digitale Materialien zentral fachlich verwaltet; Details zu Erhaltungsstufen begrenzt&lt;br /&gt;
| Community-Zugänge, mehrsprachig, visuell niedrigschwellig; digitale Rückgabe&lt;br /&gt;
| Speziell entwickelte beziehungsweise weiterentwickelte Wissensmanagement-Software; kulturelle Beschränkungen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''LAAL'''&lt;br /&gt;
| Sprach-, Orts-, Personen- und Titelnachweis&lt;br /&gt;
| Systematische Suche, Scan und Rechteklärung&lt;br /&gt;
| TIFF-Master; zunächst CDU eSpace, später Territory Stories&lt;br /&gt;
| PDFs, Textdateien, App, Bildung; ursprüngliche Kartenfunktion nach Migration verloren&lt;br /&gt;
| TIFF/PDF/TXT/JPG; persistente Kennungen im Zielsystem; Creative-Commons- und Takedown-Modell&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''PARADISEC'''&lt;br /&gt;
| Fachkatalog für audiovisuelle und sprachliche Sammlungen&lt;br /&gt;
| Professionelle Digitalisierung gefährdeter Medien&lt;br /&gt;
| Institutioneller Verbund; Erhaltungsformate, redundante Infrastruktur, CoreTrustSeal&lt;br /&gt;
| Online-Katalog, Forschung, Community-Zugang und Rückgabe von Kopien&lt;br /&gt;
| Internationale Archivstandards; stabile Identifikatoren; laufende Katalogmodernisierung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''RRN'''&lt;br /&gt;
| Föderierte Suche über Daten von 29 Institutionen&lt;br /&gt;
| Erfolgt primär bei Partnern&lt;br /&gt;
| Plattform ist kein einheitliches Langzeitarchiv aller Quellen&lt;br /&gt;
| Kollaborative Projekte, Diskussionen, Uploads und Recherche&lt;br /&gt;
| Föderierte Datenintegration, Programmierschnittstelle; sichtbare Plattformversion von 2014&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Indigitization'''&lt;br /&gt;
| Kein zentraler Gesamtkatalog als Hauptziel&lt;br /&gt;
| Dezentrale Digitalisierung mit zentraler Schulung, Geräten, Standards und Förderung&lt;br /&gt;
| Muss je Community beziehungsweise über Partner gelöst werden&lt;br /&gt;
| Community-interne oder öffentliche Nutzung nach lokalen Regeln&lt;br /&gt;
| Werkzeugkasten, Broadcast-Wave-Audio, Musterunterlagen und Trainingsworkflows&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== E.2 Governance, Finanzierung, Erfolg und Übertragbarkeit ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable sortable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Projekt&lt;br /&gt;
! Organisationsmodell&lt;br /&gt;
! Community-Beteiligung&lt;br /&gt;
! Finanzierung und dauerhafter Betrieb&lt;br /&gt;
! Nachweisbarer Erfolg&lt;br /&gt;
! Grenzen&lt;br /&gt;
! Übertragbarkeit auf die Sorben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''RomArchive'''&lt;br /&gt;
| Internationales Kuratorium/Beirat; seit 2019 Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma&lt;br /&gt;
| Überwiegend Roma in Kuratorien und Beirat; Auswahl und strategische Richtlinien&lt;br /&gt;
| Große öffentliche Anschubförderung; institutioneller Betreiber und laufende öffentliche Förderung&lt;br /&gt;
| Betreiberübergang vollzogen; seit 2019 online weitergeführt&lt;br /&gt;
| Kein Vollregister; wenige aktuelle Nutzungsdaten; Nachnutzung oft restriktiv&lt;br /&gt;
| '''Hoch''' für Governance, kuratierte Kontexte und Betreiberübergang&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Nuohtti'''&lt;br /&gt;
| Drei Nationalarchive plus Universitäten; föderierter Dienst&lt;br /&gt;
| Sámi-Parlamente in Steuerungsgruppe; ethische Leitlinien und Tests&lt;br /&gt;
| EU-Projekt; Weiterbetrieb durch Nationalarchive&lt;br /&gt;
| Rund 30.000 Datensätze, 32 Institutionen, fünf Sprachen; fortbestehender Dienst&lt;br /&gt;
| Datenqualität und Erhaltung bleiben verteilt; geringe aktuelle Wirkungsdaten&lt;br /&gt;
| '''Sehr hoch''' für Kulturregister und föderierte Suche&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''People’s Collection Wales'''&lt;br /&gt;
| Föderation dreier nationaler Einrichtungen&lt;br /&gt;
| Lokale Gruppen und Einzelpersonen liefern Inhalte; umfangreiche Unterstützung&lt;br /&gt;
| Walisische Regierung; Evaluation benennt Nachhaltigkeitsrisiko&lt;br /&gt;
| Dauerbetrieb, Community-Kompetenzen, kritische Masse; unabhängige Evaluation&lt;br /&gt;
| Moderate gemessene Wirkung; Vermittlung personalintensiv; 38 Survey-Antworten&lt;br /&gt;
| '''Sehr hoch''' für Servicezentrum, Zweisprachigkeit und Evaluation&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Tobar an Dualchais'''&lt;br /&gt;
| Partnerschaft kultureller und wissenschaftlicher Einrichtungen&lt;br /&gt;
| Sprachgemeinschaften, Beitragende und Freiwillige bei Erschließung/Transkription&lt;br /&gt;
| Wiederkehrende öffentliche Projekt- und Programmmittel&lt;br /&gt;
| Mehr als 40.000 Aufnahmen; laufende Weiterentwicklung&lt;br /&gt;
| Dauergrundfinanzierung und Rechteaufwand öffentlich nur teilweise sichtbar&lt;br /&gt;
| '''Hoch''' für gefährdete Medien und Spracherschließung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Euskariana'''&lt;br /&gt;
| Baskische Regierung mit öffentlichen und privaten Partnern&lt;br /&gt;
| Eher institutionell als gemeinschaftsgeführt&lt;br /&gt;
| Staatlicher Betrieb&lt;br /&gt;
| Breiter Quellenverbund, Standards, Europeana-Interoperabilität&lt;br /&gt;
| Wenig unabhängige Nutzungsevaluation; Community-Rechte kaum dokumentiert&lt;br /&gt;
| '''Hoch''' für Metadaten, Onboarding-Wege und Aggregation; '''mittel''' für Governance&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''bavarikon'''&lt;br /&gt;
| Ministerien, 14-köpfiger Rat, Bayerische Staatsbibliothek, Rechenzentrum&lt;br /&gt;
| Partnerinstitutionen im Rat; keine Minderheiten-Governance&lt;br /&gt;
| Dauerhafte Landesstruktur plus Projektförderung&lt;br /&gt;
| Über 500.000 Objekte aus rund 170 Einrichtungen; monatlicher Ausbau&lt;br /&gt;
| Große Ressourcen; Präsentation und Förderlogik dominieren&lt;br /&gt;
| '''Mittel bis hoch''' für Verfahren/Qualität; Größenordnung kaum übertragbar&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Mukurtu / Plateau Portal'''&lt;br /&gt;
| Universität als Technikträger; acht indigene Nationen und Museen als Partner&lt;br /&gt;
| Kuration, Metadaten, Protokolle und Zugriff durch Stammesvertreter&lt;br /&gt;
| Öffentliche und philanthropische Forschungsförderung; Universität pflegt Software&lt;br /&gt;
| International genutzte Open-Source-Plattform; dauerhaftes konkretes Portal&lt;br /&gt;
| Qualifizierter Betrieb nötig; Zugangsplattform ersetzt kein Repositorium&lt;br /&gt;
| '''Sehr hoch''' für Rechte, sensible Inhalte und Mehrperspektivität&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Aṟa Irititja'''&lt;br /&gt;
| Zentralfachstelle plus lokale Liaison; seit 2020 unter APY-Organisation&lt;br /&gt;
| Auftrag, Steuerung, Zugangsregeln und Kontext durch Aṉangu&lt;br /&gt;
| Langjährige Mischung aus Zuschüssen, Spenden und lokalen Beiträgen; drei permanente Teilzeitstellen&lt;br /&gt;
| Betrieb seit 1994; lokale Nutzung und digitale Rückgabe&lt;br /&gt;
| Finanzierung lange prekär; Wirkung überwiegend selbst berichtet&lt;br /&gt;
| '''Hoch''' für lokale Kontrolle und abgestufte Zugänge; Technik nicht direkt übertragbar&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''LAAL'''&lt;br /&gt;
| Universität und öffentliche Partner; Übergabe an Landesbibliothek/-archiv&lt;br /&gt;
| Einwilligung, Prüfung und Ergänzung durch Sprachgemeinschaften&lt;br /&gt;
| Zwei Forschungsförderphasen; anschließend institutionelle Übernahme&lt;br /&gt;
| Nahezu 4.000 Bücher, 50 Sprachen, 40 Gemeinschaften&lt;br /&gt;
| Rechte-Rückstand; Verlust der Kartenfunktion bei Migration&lt;br /&gt;
| '''Sehr hoch''' als Migrations-, Rechte- und Sprachlernfall&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''PARADISEC'''&lt;br /&gt;
| Verbund dreier Universitäten mit Beirat&lt;br /&gt;
| Je Sammlung unterschiedlich; Kopien und Kooperationen mit Herkunftsgemeinschaften&lt;br /&gt;
| Forschungsrat, nationale Forschungsinfrastruktur, Hochschulen und Spenden&lt;br /&gt;
| 20.500 Audio-, 4.000 Videostunden, 320 TB, 1.460 Sprachen; Zertifizierung/Auszeichnungen&lt;br /&gt;
| Hohe Fach- und Infrastrukturvoraussetzungen; Zugänglichkeit regional unterschiedlich&lt;br /&gt;
| '''Hoch''' für zentrales Fachrepositorium; Skalierung nur angepasst&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''RRN'''&lt;br /&gt;
| Gemeinsame Steuerung von First Nations und Museum; viele Datenpartner&lt;br /&gt;
| Co-Entwicklung, Projekte, Diskussionen und Community-Wissen&lt;br /&gt;
| Institutionelle Projektstruktur; aktuelle Kosten öffentlich unklar&lt;br /&gt;
| 29 Institutionen, über 570.000 Objekte, über 4.000 Mitglieder&lt;br /&gt;
| Technische Alterung möglich; Erhaltung der Quelldateien dezentral&lt;br /&gt;
| '''Hoch''' für Kooperation und Arbeitsfunktionen; Wartungsrisiko beachten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Indigitization'''&lt;br /&gt;
| Hochschul- und Community-Netzwerk als Kompetenz- und Förderstelle&lt;br /&gt;
| Projekte werden von Gemeinschaften durchgeführt und kontrolliert&lt;br /&gt;
| Hochschulunterstützung; früheres Kassettenförderprogramm aktuell pausiert&lt;br /&gt;
| 45 Förderprojekte, 11.464 Kassetten, über 422.000 CAD Förderung&lt;br /&gt;
| Dezentrale Langzeiterhaltung nicht automatisch gesichert; Förderpause&lt;br /&gt;
| '''Sehr hoch''' für Digitalisierungszentrum und Unterstützung kleiner Träger&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== F. Übergreifende Erfolgsfaktoren ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.1 Governance und Beteiligung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' Die stärksten gemeinschaftsbezogenen Projekte verankern Beteiligung in Gremien, Rollen und Datenmodellen. RomArchive übergab Kuratierung und strategische Leitlinien überwiegend an Roma. Nuohtti beteiligte Sámi-Parlamente. Mukurtu und das Plateau Portal ermöglichen kulturelle Protokolle und mehrere Beschreibungen. Aṟa Irititja ist unter einer Aṉangu-geführten Organisation verankert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Erforderlich ist ein dauerhaftes Steuerungsmodell mit Vertreterinnen und Vertretern zentraler Einrichtungen, lokaler Träger, beider Sprachräume, Fachwissenschaft, Technik und möglichst verschiedener Generationen. Für sensible Inhalte, Priorisierung und öffentliche Darstellung müssen Entscheidungs- und Eskalationsregeln schriftlich festgelegt werden. Eine bloße Anhörung nach Abschluss technischer Entscheidungen ist unzureichend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.2 Erfassung und Priorisierung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' Nuohtti begann mit der Kartierung verteilter Quellen; LAAL mit systematischem Auffinden gefährdeter Literatur. bavarikon nutzt Anträge, Objektlisten und Auswahlkriterien. Audioprojekte priorisieren physisch und technisch gefährdete Medien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Zunächst sollte das Kulturregister einen belastbaren Überblick schaffen, ohne sofort jeden Eintrag maximal tief zu erschließen. Die Digitalisierungspriorität sollte anschließend aus mindestens vier Kriterien gebildet werden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Gefährdung:''' physischer Verfall, technische Obsoleszenz, Verlustgefahr;&lt;br /&gt;
# '''Bedeutung:''' Einzigartigkeit, Repräsentativität, sprachliche und kulturelle Relevanz;&lt;br /&gt;
# '''Nutzungspotenzial:''' Bildung, Forschung, Sprachrevitalisierung, Vermittlung;&lt;br /&gt;
# '''Umsetzbarkeit:''' Rechteklarheit, Zustand, vorhandene Metadaten, Kosten und Zielrepositorium.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Priorisierungswert darf keine endgültige kulturelle Rangliste erzeugen. Er dient der Arbeitsplanung und muss fachlich sowie gemeinschaftlich überprüfbar sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.3 Organisation der Digitalisierung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' Indigitization und People’s Collection Wales zeigen, dass zentrale Kompetenz und lokale Durchführung kombinierbar sind. bavarikon ergänzt dies um Auswahl, Förderung und Qualitätsprüfung. PARADISEC zeigt für anspruchsvolle audiovisuelle Medien den Wert eines spezialisierten Fachzentrums.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Das Digitalisierungszentrum sollte ein gestuftes Dienstemodell anbieten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Beratung und Projektplanung;&lt;br /&gt;
* Leihtechnik und Schulung für geeignete einfache Verfahren;&lt;br /&gt;
* mobile Digitalisierung vor Ort, wenn Kulturgüter nicht transportiert werden können;&lt;br /&gt;
* zentrale Digitalisierung für anspruchsvolle oder gefährdete Medien;&lt;br /&gt;
* Rahmenverträge und Qualitätskontrolle für externe Spezialdienstleister;&lt;br /&gt;
* Übernahmevorbereitung für das Repositorium.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.4 Technische Architektur ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' Föderierte Portale wie Nuohtti und Euskariana verbinden bestehende Systeme, statt alle Partner zu einem identischen Fachverfahren zu zwingen. Erfolgreiche Systeme verfügen über Exporte und Schnittstellen. LAAL zeigt, dass bei Migrationen zielgruppenspezifische Funktionen verloren gehen können, wenn Daten- und Präsentationslogik zu eng gekoppelt sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Die Architektur sollte modular sein. Das Register verwaltet Nachweise und Beziehungen; Digitalisierungsworkflows erzeugen Dateien und technische Metadaten; das Repositorium übernimmt Erhaltungspakete; Präsentationssysteme beziehen freigegebene Daten und Derivate. Jedes System benötigt dokumentierte Exporte. Eine proprietäre Lösung ohne vollständigen Datenexport, Identifikatorerhalt und Migrationsplan sollte ausgeschlossen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.5 Metadaten und Interoperabilität ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' Euskariana und bavarikon arbeiten mit veröffentlichten Standards und Lieferprofilen; Nuohtti normalisiert heterogene Daten; Mukurtu ermöglicht zusätzliche Community-Metadaten. Technische Vollständigkeit allein löst jedoch keine problematischen historischen Begriffe oder fehlenden kulturellen Kontexte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Notwendig ist ein abgestuftes Metadatenprofil:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* '''Pflichtkern''' für alle Träger: eindeutige Kennung, Bezeichnung, Kulturgutart, Standort beziehungsweise Träger, Sprache, Zeit/Ort soweit bekannt, Kurzkontext, Rechte-/Zugangsstatus, Quellenangabe, Bearbeitungsstand;&lt;br /&gt;
* '''fachliche Erweiterungen''' für Archive, Bibliotheken, Museen, audiovisuelle Medien, immaterielles Kulturerbe und Born-digital-Bestände;&lt;br /&gt;
* '''Community-Felder''' für sorbische Bezeichnungen, lokale Varianten, kulturelle Hinweise, alternative Erzählungen und Korrekturen;&lt;br /&gt;
* '''technische Erhaltungsmetadaten''' im Repositorium, etwa Dateiformat, Prüfsumme, Erzeugung, Migration und Beziehungen zwischen Master und Derivaten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Normdaten und kontrollierte Vokabulare sollten dort eingesetzt werden, wo sie Nutzen bringen. Für ehrenamtliche Erfassung müssen einfache Auswahllisten, Hilfetexte und spätere fachliche Anreicherung vorgesehen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.6 Rechte und kulturelle Selbstbestimmung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' Mukurtu, Aṟa Irititja und LAAL zeigen, dass urheberrechtliche Erlaubnis, Datenschutz und kulturelle Angemessenheit getrennt geprüft werden müssen. Ein Werk kann rechtlich veröffentlichbar, kulturell aber sensibel sein; umgekehrt kann eine Gemeinschaft Zugang wünschen, obwohl eine allgemeine Veröffentlichung nicht möglich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Mindestens vier Sichtbarkeitsstufen sind sinnvoll:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# öffentliche Metadaten, aber kein Medium;&lt;br /&gt;
# öffentliches Nutzungsdigitalisat, gegebenenfalls in reduzierter Qualität;&lt;br /&gt;
# beschränkter Zugang für festgelegte Gruppen, Forschung oder Community;&lt;br /&gt;
# gesperrt beziehungsweise nur intern dokumentiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder Datensatz sollte dokumentieren, wer die Entscheidung getroffen hat, auf welcher Grundlage sie beruht und wann sie erneut geprüft wird. Rechteinformationen müssen vom Register über Repositorium bis Präsentation mitgeführt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.7 Langzeiterhaltung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' PARADISEC belegt den Wert eines fachlich betriebenen Repositoriums. LAAL zeigt sowohl die Trennung von Master- und Nutzungsdateien als auch das Risiko einer Migration. Mukurtu warnt ausdrücklich davor, Zugangsplattform und Erhaltungssystem gleichzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Für jedes Digitalisat müssen vor der Produktion feststehen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Zielrepositorium und verantwortlicher Betreiber;&lt;br /&gt;
* Master- und Nutzungsformat;&lt;br /&gt;
* Dateibenennung beziehungsweise Identifikator;&lt;br /&gt;
* Prüfsumme und Integritätskontrolle;&lt;br /&gt;
* mindestens zwei räumlich getrennte Sicherungskopien;&lt;br /&gt;
* Übergabepaket aus Datei, Metadaten, Rechten und Provenienz;&lt;br /&gt;
* Verfahren für Formatbeobachtung, Migration und Wiederherstellung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das OAIS-Modell bietet den konzeptionellen Rahmen; die NDSA-Reifegradstufen können einen realistischen stufenweisen Aufbau unterstützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.8 Präsentation und Nachnutzung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' RomArchive verbindet Objekte mit kuratierten Erzählungen; People’s Collection Wales mit Lern- und Beitragsfunktionen; Tobar an Dualchais mit sprachlicher Erschließung; RRN mit kollaborativen Arbeitsräumen. Erfolg entsteht nicht durch bloße Online-Sichtbarkeit, sondern durch zielgruppengerechte Kontexte und tatsächlich nutzbare Funktionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Ein gemeinsamer Suchzugang ist wichtig, aber nicht jede Zielgruppe braucht dieselbe Oberfläche. Denkbar sind ein übergreifendes Kulturerbeportal, Fachzugänge für Forschung, Bildungsbausteine, kuratierte Ausstellungen und maschinenlesbare Schnittstellen. Download und Nachnutzung sollten dort ermöglicht werden, wo Rechte und kulturelle Interessen dies zulassen. Nutzungsstatistiken, Zitationen, Downloads, Bildungskooperationen und Community-Rückmeldungen sollten kontinuierlich ausgewertet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.9 Finanzierung und Verstetigung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' RomArchive plante den Betreiberübergang früh. People’s Collection Wales und Aṟa Irititja zeigen, wie belastend unsichere Finanzierung bleibt. Indigitization demonstriert die Wirkung kleiner Förderbudgets, aber auch die Verwundbarkeit eines pausierenden Programms. bavarikon und PARADISEC profitieren von institutioneller Infrastruktur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Es sind drei Kostenarten getrennt zu planen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Aufbaukosten:''' Konzeption, Pilot, Beschaffung, Datenmigration, erste Digitalisierung;&lt;br /&gt;
# '''Betriebskosten:''' Personal, Hosting, Speicher, Sicherung, Helpdesk, Rechtearbeit, Qualitätssicherung;&lt;br /&gt;
# '''Erneuerungskosten:''' Softwareupdates, Sicherheitsmaßnahmen, Hardwareersatz, Formatmigration, Neuentwicklung von Schnittstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Projektmittel eignen sich für Aufbau und Erprobung. Kernfunktionen dürfen nach der Pilotphase nur skaliert werden, wenn ein wiederkehrender Betriebsetat und ein verantwortlicher Rechtsträger feststehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.10 Projektsteuerung und schrittweiser Aufbau ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' People’s Collection Wales empfiehlt einen evidenzbasierten Ablauf aus Bedarf, Pilot, Test, Auswertung und Skalierung. Indigitization entwickelte seinen Werkzeugkasten aus drei Pilotprojekten. bavarikon nutzt Vorantrag, Prüfung, Standards und begleitete Umsetzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Der Aufbau sollte in überprüfbaren Ausbaustufen erfolgen. Jede Stufe braucht definierte Ergebnisse, Qualitätskriterien, Verantwortliche, Budget, Risiken und eine Entscheidung über Fortführung oder Anpassung. Technische Pilotierung ohne Governance-, Rechte- und Betriebsprüfung wäre unvollständig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== G. Empfehlungen für den sorbischen Kontext ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.1 Zielmodell: vier Säulen, drei Fundamente, zwei Betriebsregeln ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ergebnisse lassen sich für den sorbischen Kontext in einem priorisierten 4–3–2-Modell zusammenführen. Es verbindet die im Konzept beschriebene Prozesskette mit einer klaren organisatorischen und technischen Verantwortungsstruktur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Vier funktionale Säulen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Säule&lt;br /&gt;
! Mindestauftrag&lt;br /&gt;
! Abgrenzung&lt;br /&gt;
! Unverzichtbare Schnittstellen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''1. Sorbisches Kulturregister (SKR)'''&lt;br /&gt;
| Verteilte Kulturgüter und Bestände nachweisen, beschreiben, verknüpfen, Rechte- und Prioritätsstatus dokumentieren&lt;br /&gt;
| Kein Ersatz für lokale Inventare und nicht automatisch Speicherort aller Dateien&lt;br /&gt;
| Import/Export zu Fachsystemen; Übergabe von Objekt- und Rechtekennungen an Digitalisierung, Repositorium und Präsentation&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''2. Digitalisierungszentrum (DZ)'''&lt;br /&gt;
| Beratung, Planung, Digitalisierung, Qualitätssicherung, Schulung, Dienstleistersteuerung und Vorbereitung der Archivübergabe&lt;br /&gt;
| Nicht primär öffentlicher Katalog und nicht automatisch dauerhafter Speicher&lt;br /&gt;
| Aufträge aus Register/Priorisierung; Lieferung standardisierter Übergabepakete an Repositorium; Erzeugung von Nutzungsderivaten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''3. Repositorium / digitales Langzeitarchiv'''&lt;br /&gt;
| Masterdateien, Metadaten, Rechte und Provenienz dauerhaft übernehmen, prüfen, sichern und migrieren&lt;br /&gt;
| Nicht mit einem Netzlaufwerk, einer Cloudablage oder der öffentlichen Website gleichzusetzen&lt;br /&gt;
| Persistente Identifikatoren; Rückmeldung des Archivstatus an Register; kontrollierte Bereitstellung an Präsentationssysteme&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''4. Präsentations- und Nutzungssysteme'''&lt;br /&gt;
| Freigegebene Inhalte suchen, verstehen, zitieren, herunterladen und weiterverwenden lassen&lt;br /&gt;
| Nicht führendes System für Rechte, Masterdateien oder dauerhafte Erhaltung&lt;br /&gt;
| Bezug von Metadaten aus Register und Derivaten aus Repositorium; Rückgabe von Nutzungs- und Korrekturinformationen&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Entscheidender Punkt:''' Die vier Säulen sind Funktionen, nicht zwingend vier eigenständige Einrichtungen. Ein Träger kann mehrere Funktionen übernehmen. Dennoch müssen für jede Säule Auftrag, Zuständigkeit, Datenhoheit, Budget, Qualitätskriterien, Vertretung und Ausfallvorsorge benannt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Drei gemeinsame Fundamente ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Fundament&lt;br /&gt;
! Inhalt&lt;br /&gt;
! Warum es vor der Skalierung geklärt werden muss&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''A. Gemeinschaftliche Governance und Rechte'''&lt;br /&gt;
| Entscheidungsgremien, Rollen der Kulturgutträger, Community-Beteiligung, Konfliktlösung, sensible Inhalte, abgestufte Zugänge&lt;br /&gt;
| Ohne Entscheidungskompetenz entstehen Vertrauensverlust, Verzögerungen und nachträgliche Sperrungen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''B. Gemeinsame Daten- und Qualitätsarchitektur'''&lt;br /&gt;
| Metadatenkern, Identifikatoren, Sprachwerte, Vokabulare, Dateiformate, Schnittstellen, Lieferpakete, Qualitätssicherung&lt;br /&gt;
| Ohne gemeinsamen Kern können Register, DZ, Repositorium und Präsentation nicht verlässlich zusammenspielen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''C. Dauerbetrieb, Finanzierung und Kompetenz'''&lt;br /&gt;
| Rechtsträger, wiederkehrendes Budget, Personal, Hosting, Speicher, Wartung, Schulung, Helpdesk und Erneuerungsplanung&lt;br /&gt;
| Ohne Betriebsperspektive vergrößert jedes zusätzliche Digitalisat die technische und organisatorische Schuld.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Zwei Betriebsregeln ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Zentral ermöglichen, dezentral verantworten.''' Zentrale Stellen bieten Infrastruktur, Standards, Beratung, Qualitätskontrolle, Repositorium und gemeinsame Zugänge. Kulturgutträger behalten grundsätzlich Originale, lokalen Kontext, Beziehungen zu Urheberinnen und Urhebern sowie Mitentscheidung über kulturelle Bedeutung und Zugang.&lt;br /&gt;
# '''Als Projekt aufbauen, nur mit Dauerbetrieb skalieren.''' Pilot- und Förderprojekte sind geeignet, Register, Dienste und Workflows zu entwickeln. Eine breite Produktion beginnt erst, wenn dauerhafter Betreiber, Regelbudget, Personal und Erhaltungsweg gesichert sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Prüfsatz für Entscheidungen:''' Kein Digitalisat ohne Zielarchiv; kein Portal ohne Datenpflege; kein Register ohne Zuständigkeit; keine Veröffentlichung ohne Rechte- und Kulturprüfung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.2 Was zentral, dezentral und gemeinsam organisiert werden sollte ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Zentral bereitzustellen&lt;br /&gt;
! Dezentral bei den Kulturgutträgern&lt;br /&gt;
! Gemeinsam zu entscheiden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Technische Plattform und Datenmodell des Kulturregisters&lt;br /&gt;
| Besitz, Verwahrung und konservatorische Verantwortung für Originale, soweit nicht anders vereinbart&lt;br /&gt;
| Welche Bestände zunächst erfasst und digitalisiert werden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Metadatenkern, Vokabulare, Identifikatoren und Schnittstellen&lt;br /&gt;
| Erste Bestandskenntnis, lokale Namen, Geschichte und Beziehungen&lt;br /&gt;
| Kulturelle Bedeutung, Repräsentativität und Priorität&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Digitalisierungsberatung, Spezialtechnik, mobile Dienste und Qualitätsprüfung&lt;br /&gt;
| Lokale Auswahl und organisatorische Vorbereitung&lt;br /&gt;
| Transport, Vor-Ort-Digitalisierung oder externe Vergabe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Repositorium, Sicherung, Integritätsprüfung, Migration und Wiederherstellung&lt;br /&gt;
| Mitwirkung an Rechteklärung und Kontakt zu Betroffenen beziehungsweise Nachkommen&lt;br /&gt;
| Zugangs- und Nutzungskategorien für sensible Inhalte&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mustervereinbarungen, Rechte- und Datenschutzberatung&lt;br /&gt;
| Lokale Freigaben, sofern die jeweilige Stelle entscheidungsbefugt ist&lt;br /&gt;
| Verfahren bei Konflikten, Korrekturen und Takedown-Anfragen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Schulungen, Helpdesk, Dokumentation und gegebenenfalls Kleinprojektförderung&lt;br /&gt;
| Pflege von Kontexten, Korrekturen und neuen Informationen&lt;br /&gt;
| Übersetzungs- und Erschließungsprioritäten in Ober- und Niedersorbisch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gemeinsame Präsentationsbausteine und Programmierschnittstellen&lt;br /&gt;
| Eigene lokale Ausstellungen und Nutzungsszenarien&lt;br /&gt;
| Welche Inhalte übergreifend präsentiert oder nachnutzbar gemacht werden&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Verteilung schützt die dezentrale Trägerschaft, ohne kleine Einrichtungen mit jeder technischen Aufgabe allein zu lassen. Sie verhindert zugleich, dass zentrale Infrastruktur mit zentraler kultureller Deutungshoheit verwechselt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.3 Kurzfristig umsetzbare Schritte: 2026–2027 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Priorität 1: Governance und Verantwortungen beschließen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ein gemeinsames Steuerungsgremium für Kulturregister, Digitalisierungszentrum, Repositorium und Präsentation festlegen.&lt;br /&gt;
* Beide sorbischen Sprachräume, zentrale Institutionen und mindestens mehrere lokale beziehungsweise ehrenamtliche Träger verbindlich vertreten.&lt;br /&gt;
* Entscheidungsrechte, Vetorechte bei sensiblen Inhalten, Konfliktlösung und Vertretungsregelungen schriftlich regeln.&lt;br /&gt;
* Einen dauerhaften Produkt- beziehungsweise Serviceverantwortlichen für jede der vier Säulen benennen, auch wenn mehrere Säulen organisatorisch beim selben Träger liegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Priorität 2: Gemeinsamen Mindeststandard verabschieden ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Standard sollte klein genug für ehrenamtliche Erfassung, aber erweiterbar für Fachinstitutionen sein. Er muss mindestens regeln:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* eindeutige Kennung und verantwortlicher Datensatzhalter;&lt;br /&gt;
* Bezeichnung in Originalsprache und gegebenenfalls Übersetzungen;&lt;br /&gt;
* getrennte Sprachkennzeichnung für Obersorbisch, Niedersorbisch, Deutsch und weitere Sprachen;&lt;br /&gt;
* Kulturgutart und Zugehörigkeit zu materiellen, immateriellen oder digitalen Beständen;&lt;br /&gt;
* Standort beziehungsweise verwahrende Stelle;&lt;br /&gt;
* Kurzkontext, Zeit, Ort und beteiligte Personen soweit bekannt;&lt;br /&gt;
* Rechte-, Datenschutz- und kultureller Zugangsstatus;&lt;br /&gt;
* Digitalisierungs- und Archivierungsstatus;&lt;br /&gt;
* Provenienz, Quellen und Bearbeitungsstand;&lt;br /&gt;
* Exportformat und dauerhafte Identifikatoren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Priorität 3: Rechte- und Zugangsmodell entwickeln ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein einheitlicher Workflow sollte rechtliche und kulturelle Fragen getrennt dokumentieren. Empfohlen werden mindestens die vier Stufen „nur Nachweis“, „öffentliches Derivat“, „beschränkter Zugang“ und „gesperrt“. Für jede Stufe sind Verantwortliche, Freigabegrund, Prüffrist und Takedown-Verfahren festzulegen. Local Contexts kann als Anregung dienen; Begriffe und Symbole müssen jedoch gemeinsam für die sorbische Rechts- und Kulturpraxis entwickelt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Priorität 4: End-to-End-Pilot starten ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der erste Pilot sollte nicht nur ein Portal oder einen Scanner testen, sondern die gesamte Kette:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: Kulturgutträger → Erfassung im Register → Priorisierung und Freigabe → Digitalisierung und Qualitätsprüfung → Übernahme ins Repositorium → kontrollierte Präsentation und Nachnutzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beteiligt werden sollten drei bis fünf sehr unterschiedliche Träger, zum Beispiel eine zentrale Institution, eine Heimatstube oder ein Verein, eine kirchliche Einrichtung, eine kommunale Sammlung und gegebenenfalls eine Privatperson. Der Pilot sollte beide sorbischen Schriftsprachen und mindestens drei Medientypen umfassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Priorität 5: Repositoriumsziel vor Produktionsausweitung klären ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits Pilotdigitalisate benötigen einen definierten, überprüfbaren Speicher- und Erhaltungsweg. Falls das endgültige Langzeitarchiv noch nicht vollständig aufgebaut ist, braucht es einen dokumentierten Übergangsdienst mit Prüfsummen, redundanten Kopien, klarer Verantwortung und verbindlichem späteren Migrationsplan. Eine bloße Projektablage ist nicht ausreichend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.4 Mittelfristiger Strukturaufbau: 2027–2030 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Kulturregister ausbauen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Zwei Anbindungswege anbieten: direkte Erfassung beziehungsweise zentral gehostete Mandanten für kleine Träger und standardisierte Datenlieferung für große Fachsysteme.&lt;br /&gt;
* Priorisierungsansicht, Rechte- und Archivstatus sowie Beziehungen zwischen Original, Digitalisat, Werk, Person, Ort, Brauch und Sammlung abbilden.&lt;br /&gt;
* Korrektur- und Ergänzungsworkflow für Community-Wissen einrichten.&lt;br /&gt;
* Export, Programmierschnittstelle und regelmäßige Sicherung verpflichtend machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Digitalisierungszentrum als Dienstleistungsstelle verstetigen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Servicekatalog mit klaren Leistungen, Voraussetzungen, Bearbeitungszeiten und Kosten beziehungsweise Fördermöglichkeiten veröffentlichen.&lt;br /&gt;
* Mobile und stationäre Digitalisierung sowie Vergabe an Spezialdienstleister kombinieren.&lt;br /&gt;
* Schulungsprogramm und „Train-the-Trainer“-Ansatz für lokale Multiplikatorinnen und Multiplikatoren aufbauen.&lt;br /&gt;
* Kleinprojektförderung nach dem Vorbild von Indigitization oder bavarikon erproben.&lt;br /&gt;
* Qualitätssicherung und Übergabepakete zum Repositorium standardisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Repositorium in einen verlässlichen Regelbetrieb überführen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* OAIS-Funktionen organisatorisch zuordnen und mit den NDSA-Reifegradstufen schrittweise umsetzen.&lt;br /&gt;
* mindestens zwei räumlich getrennte Speicherkopien, regelmäßige Fixity Checks (Prüfung der Dateiunverändertheit über Prüfsummen) und Wiederherstellungstests etablieren;&lt;br /&gt;
* Masterdateien, Derivate, Metadaten, Rechte und technische Ereignisse verknüpfen;&lt;br /&gt;
* Verantwortungen bei Trägerwechsel oder Projektende vertraglich sichern;&lt;br /&gt;
* audiovisuelle Daten nach IASA-Empfehlungen behandeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Präsentation zielgruppenspezifisch entwickeln ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Gemeinsame Suche und verständliche Basiskontexte in Deutsch, Ober- und Niedersorbisch sowie ausgewählte englische Zugänge bereitstellen.&lt;br /&gt;
* Nicht jeden Datensatz vollständig in vier Sprachen übersetzen; stattdessen Oberfläche, Kernelemente, kontrollierte Begriffe und besonders relevante Inhalte priorisieren und Übersetzungsstatus sichtbar machen.&lt;br /&gt;
* Bildungs- und Forschungsnutzung in Pilotkooperationen testen.&lt;br /&gt;
* IIIF und Programmierschnittstellen dort einsetzen, wo sie einen konkreten Mehrwert für Anzeige, Zitation oder Datenbezug schaffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.5 Langfristige Aufgaben: ab 2030 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Regelmäßige Daten- und Formatmigrationen, Sicherheitsprüfungen und Erneuerung der Infrastruktur finanzieren.&lt;br /&gt;
* Erfolg anhand eines stabilen Kennzahlensets messen: erfasste und archivierte Bestände, beteiligte Träger, Bearbeitungszeiten, Rechte-Rückstände, Nutzung, Downloads, Bildungsprojekte, wissenschaftliche Zitationen, Community-Zufriedenheit und Korrekturen.&lt;br /&gt;
* Born-digital-Kulturerbe wie Websites, digitale Fotosammlungen, Social-Media-Projekte, digitale Kunst und Software systematisch übernehmen.&lt;br /&gt;
* Repositoriumsprozesse gegebenenfalls auf eine externe Vertrauenswürdigkeitsprüfung oder Zertifizierung vorbereiten.&lt;br /&gt;
* Kooperationen mit nationalen und europäischen Aggregatoren ausbauen, ohne die sorbische Datenhoheit und sprachliche Sichtbarkeit aufzugeben.&lt;br /&gt;
* Alle drei bis fünf Jahre Governance, Standards, Prioritäten und Zugangsregeln gemeinsam überprüfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.6 Empfohlene Pilotprojekte ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Pilot&lt;br /&gt;
! Ziel&lt;br /&gt;
! Warum besonders sinnvoll&lt;br /&gt;
! Erfolgskriterien&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''1. Kulturregister-Pilot mit heterogenen Trägern'''&lt;br /&gt;
| Mindestmetadaten, Onboarding und föderierte Datenlieferung testen&lt;br /&gt;
| Deckt die reale Spannweite von Fachinstitution bis Ehrenamt ab&lt;br /&gt;
| Mindestens 3–5 Träger liefern exportfähige, verständliche Datensätze; Aufwand und Hilfebedarf sind gemessen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''2. Gefährdete sorbische Ton- und Videobestände'''&lt;br /&gt;
| Priorisierung, Digitalisierung, Transkription, Rechte und Archivierung zeitkritischer Medien&lt;br /&gt;
| Hohe Verlustgefahr und großer Sprachwert; Anknüpfung an Tobar an Dualchais, PARADISEC und Indigitization&lt;br /&gt;
| Definierte Masterdateien, geprüfte Übergabe, zweisprachige Erschließung, Nutzungsfall für Bildung/Forschung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''3. Sensibles und immaterielles Kulturerbe'''&lt;br /&gt;
| Abgestufte Rechte und Community-Entscheidungen an Interviews, Bräuchen oder Familienmaterial erproben&lt;br /&gt;
| Testet Governance statt nur Technik&lt;br /&gt;
| Dokumentierte Freigabewege, mehrere Zugangsstufen, Takedown-Prozess und Community-Abnahme&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''4. Durchgängige Vier-Säulen-Kette'''&lt;br /&gt;
| Datenfluss vom Register bis zur Präsentation ohne manuelle Medienbrüche testen&lt;br /&gt;
| Macht Schnittstellen- und Verantwortungsprobleme früh sichtbar&lt;br /&gt;
| Identifikatoren und Rechte bleiben durchgängig erhalten; Übergaben sind reproduzierbar&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''5. Migrations- und Ausstiegstest'''&lt;br /&gt;
| Vollständigen Export eines Pilotbestands in ein neutrales Format und Wiederimport prüfen&lt;br /&gt;
| Reagiert direkt auf das LAAL- und RRN-Lernfeld technischer Alterung&lt;br /&gt;
| Dateien, Beziehungen, Rechte, Sprachwerte und Identifikatoren bleiben erhalten; Dokumentation ist für anderen Betreiber nutzbar&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.7 Mindestanforderungen vor jeder Beschaffung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor der Entscheidung für eine konkrete Software sollten folgende Punkte verbindlich beantwortet sein:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Welche Funktion der vier Säulen soll die Software erfüllen – und welche ausdrücklich nicht?&lt;br /&gt;
# Wer ist fachlich, technisch und rechtlich verantwortlich?&lt;br /&gt;
# Wie werden Ober- und Niedersorbisch in Oberfläche, Datenfeldern, Suche und Export behandelt?&lt;br /&gt;
# Welche vollständigen Daten- und Dateiexporte sind jederzeit möglich?&lt;br /&gt;
# Wie bleiben Identifikatoren und Beziehungen bei einem Systemwechsel erhalten?&lt;br /&gt;
# Welche Rechte- und Sichtbarkeitsstufen lassen sich abbilden?&lt;br /&gt;
# Wie werden Community-Ergänzungen von institutionellen Ausgangsdaten unterschieden, ohne sie abzuwerten?&lt;br /&gt;
# Wo liegen Masterdateien und wer prüft ihre Integrität?&lt;br /&gt;
# Welche wiederkehrenden Lizenz-, Hosting-, Speicher-, Wartungs- und Personalkosten entstehen über mindestens zehn Jahre?&lt;br /&gt;
# Was geschieht bei Anbieterwechsel, Projektende, Insolvenz oder Wegfall einer Förderung?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.8 Übertragbarkeit differenziert bewertet ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Direkt übertragbare Ansätze ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* funktionale Trennung von Register, Digitalisierung, Repositorium und Präsentation;&lt;br /&gt;
* zentraler Service bei dezentraler Trägerschaft;&lt;br /&gt;
* gemeinsamer Metadatenkern mit fachlichen Erweiterungen;&lt;br /&gt;
* abgestufte Zugänge und getrennte rechtliche/kulturelle Prüfung;&lt;br /&gt;
* Pilotierung mit heterogenen Trägern;&lt;br /&gt;
* Betreiber- und Finanzierungsplanung vor Skalierung;&lt;br /&gt;
* Schulung, Helpdesk und Vorlagen für kleine Sammlungen;&lt;br /&gt;
* Exportfähigkeit und Migrationsplanung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Mit Anpassungen übertragbare Ansätze ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Mukurtu-Protokolle und Traditional Knowledge Labels: als Vorbild, aber mit sorbisch entwickelten Begriffen und deutscher beziehungsweise europäischer Rechtsprüfung;&lt;br /&gt;
* Nuohttis föderierte Architektur: gut übertragbar, jedoch mit deutlich kleinerem institutionellem Netz und zwei sorbischen Schriftsprachen;&lt;br /&gt;
* bavarikons Förder- und Qualitätsverfahren: in vereinfachter Form und mit wesentlich kleinerem Budget;&lt;br /&gt;
* PARADISECs Fachrepositorium: als Dienstemodell für gefährdete Medien, nicht in dessen globaler Größenordnung;&lt;br /&gt;
* People’s Collection Wales: Support- und Beteiligungsmodell, angepasst an kleinere Personalressourcen und vorhandene sorbische Institutionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Kaum unmittelbar übertragbare Ansätze ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* eine vollständig eigenständige technische Großinfrastruktur nach Maßstab eines Flächenlandes wie Bayern;&lt;br /&gt;
* ein internationaler Universitätsverbund mit hunderten Terabyte und weltweitem Einzugsbereich wie PARADISEC;&lt;br /&gt;
* die unveränderte Übernahme indigener Rechts- und Kulturkonzepte in den europäischen Minderheitenkontext;&lt;br /&gt;
* die Vorstellung, jedes lokale Haus müsse ein eigenes Langzeitarchiv oder hoch spezialisiertes Digitalisierungslabor betreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Risiken und Fehler, die vermieden werden sollten ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* '''Portal zuerst:''' Eine öffentlich sichtbare Website wird gebaut, bevor Datenpflege, Rechte und Langzeiterhaltung geregelt sind.&lt;br /&gt;
* '''Projektserver als Archiv:''' Dateien liegen nur in Arbeitsordnern, Clouds oder einem Content-Management-System.&lt;br /&gt;
* '''Ein System für alles:''' Register, Produktion, Archivierung und Präsentation werden technisch und organisatorisch untrennbar gekoppelt.&lt;br /&gt;
* '''Offen oder geschlossen:''' Fehlende Zwischenstufen führen entweder zu unnötiger Sperrung oder unangemessener Veröffentlichung.&lt;br /&gt;
* '''Standards ohne Hilfe:''' Ehrenamtliche Träger erhalten komplexe Vorgaben, aber keine Schulung, Zeit oder Nachbearbeitung.&lt;br /&gt;
* '''Zentralisierung der Deutung:''' Lokale und sprachräumliche Perspektiven werden durch ein einziges zentrales Beschreibungsschema verdrängt.&lt;br /&gt;
* '''Digitalisierung ohne Rechtebudget:''' Scans und Aufnahmen entstehen schneller als Einwilligungen, Prüfungen und Freigaben bearbeitet werden können.&lt;br /&gt;
* '''Abhängigkeit ohne Exit:''' Proprietäre Software oder Dienstleister werden gewählt, ohne vollständigen Export und getesteten Betreiberwechsel.&lt;br /&gt;
* '''Projektende ohne Betrieb:''' Förderziele zählen veröffentlichte Objekte, aber keine Stellen, Speicher-, Wartungs- und Migrationskosten nach Förderende.&lt;br /&gt;
* '''Mehrsprachigkeit nur im Menü:''' Die Oberfläche ist übersetzt, Datensätze, Suche, Vokabulare und redaktionelle Prozesse bleiben einsprachig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.9 Priorisierte Schlussfolgerung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wichtigste Lehre lautet nicht, möglichst schnell ein großes Portal zu füllen. Vorrang hat eine belastbare Arbeitsteilung:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Zuerst Regeln und Verantwortung:''' Governance, Rechte, Sprachmodell, Mindestmetadaten und Betreiber festlegen.&lt;br /&gt;
# '''Dann die sichere Kette:''' Register, Digitalisierungszentrum und Repositorium in einem Ende-zu-Ende-Pilot verbinden.&lt;br /&gt;
# '''Danach skalieren:''' Bestände risikobasiert digitalisieren, kleine Träger durch Dienste und Förderung einbinden.&lt;br /&gt;
# '''Erst darauf die breite Präsentation:''' Freigegebene Inhalte zielgruppengerecht, mehrsprachig und nachnutzbar anbieten.&lt;br /&gt;
# '''Dauerhaft überprüfen:''' Nutzung, Datenqualität, Rechte-Rückstände, Betriebskosten und Community-Zufriedenheit messen und Architektur weiterentwickeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit wird aus vier technischen beziehungsweise organisatorischen Säulen ein gemeinsames System: '''dezentrale kulturelle Verantwortung, zentral abgesicherte Dienste und eine verbindliche dauerhafte Finanzierung.'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== H. Verdichtungsvorschlag für den Konzeptabschnitt „Beispiele anderer Kulturen und Regionen“ ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den kurzen Wiki-Abschnitt wird eine Gliederung in höchstens vier Unterabschnitte empfohlen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Ziel und Auswahl:''' Warum der Vergleich durchgeführt wurde und warum kein universelles Idealmodell gesucht wird.&lt;br /&gt;
# '''Sieben aussagekräftige Beispiele:''' RomArchive, Nuohtti, People’s Collection Wales, Tobar an Dualchais, Euskariana, Mukurtu/Plateau Portal und Indigitization. Jedes Beispiel erhält einen kurzen Kontext, die zentrale Besonderheit und ein konkretes Learning.&lt;br /&gt;
# '''Schlussverdichtung:''' Vier Säulen, drei Fundamente und zwei Betriebsregeln.&lt;br /&gt;
# '''Prioritäten für die Sorben:''' Governance und Standards → Ende-zu-Ende-Pilot und Zielrepositorium → Verstetigung des Digitalisierungszentrums → skalierte Präsentation und Nachnutzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die sieben Beispiele decken die für den sorbischen Kontext wichtigsten Perspektiven ab:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Beispiel&lt;br /&gt;
! Zentrale Besonderheit&lt;br /&gt;
! Konkretes Learning für die Sorben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| RomArchive&lt;br /&gt;
| Minderheitenangehörige kuratieren und steuern; Betreiberübergang nach Projektphase&lt;br /&gt;
| Deutungshoheit und dauerhaften Träger von Beginn an verankern&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Nuohtti&lt;br /&gt;
| Föderierte Suche über verteilte Bestände und mehrere Staaten/Sprachen&lt;br /&gt;
| Kulturregister als verbindende Nachweisschicht statt Zwangszentralisierung bauen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| People’s Collection Wales&lt;br /&gt;
| Zweisprachige Plattform plus Schulung und Community-Unterstützung; unabhängige Evaluation&lt;br /&gt;
| Kleine Träger brauchen Helpdesk, Training und realistische Wirkungsmessung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Tobar an Dualchais&lt;br /&gt;
| Sicherung und sprachliche Erschließung gefährdeter Tonaufnahmen&lt;br /&gt;
| Audiovisuelle Bestände zeitlich priorisieren und mit Transkription verbinden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Euskariana&lt;br /&gt;
| Gemeinsamer Katalog, eigenes Repositorium und Anbindung externer Systeme über Standards&lt;br /&gt;
| Zwei Onboarding-Wege und ein schlanker gemeinsamer Metadatenkern&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mukurtu / Plateau Portal&lt;br /&gt;
| Kulturelle Protokolle, mehrere Perspektiven und abgestufte Zugänge&lt;br /&gt;
| Rechte und kulturelle Sensibilität als Datenmodell, nicht als spätere Einzelfallkorrektur&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Indigitization&lt;br /&gt;
| Zentrale Kompetenz, Training und Kleinprojektförderung bei dezentraler Durchführung&lt;br /&gt;
| Digitalisierungszentrum als Dienstleister und Befähiger für lokale Träger ausgestalten&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Zielumfang von etwa 1.200 bis 1.800 Wörtern ist ausreichend. Die ausführlichen Fallprofile, Matrix, Quellen und differenzierten Empfehlungen verbleiben auf dieser Anhangsseite. Dadurch bleibt der Konzepttext lesbar, während zentrale Aussagen überprüfbar belegt und vertieft werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_faq&amp;quot;&amp;gt;RomArchive (o. J.): ''Frequently Asked Questions''. [https://www.romarchive.eu/en/about/frequently-answered-questions/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_imprint&amp;quot;&amp;gt;Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma e. V. / RomArchive (o. J.): ''Imprint''. [https://www.romarchive.eu/en/imprint/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_kulturstiftung&amp;quot;&amp;gt;Kulturstiftung des Bundes (o. J.): ''RomArchive – Digital Archive of the Roma''. [https://www.kulturstiftung-des-bundes.de/en/programmes_projects/film_and_new_media/detail/romarchive.html Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_about&amp;quot;&amp;gt;Nuohtti / Digital Access to the Sámi Heritage Archives (o. J.): ''About Nuohtti''. [https://nuohtti.com/Content/about Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_uarctic&amp;quot;&amp;gt;University of the Arctic (2023): ''The Nuohtti service provides digital access to Sámi material in European archives''. [https://www.uarctic.org/news/2023/3/the-nuohtti-service-provides-digital-access-to-sami-material-in-european-archives/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_dataspace&amp;quot;&amp;gt;Mäkikalli, Maija / Leppälä, Oona (2024): ''Nuohtti platform improves accessibility to the digitised archives of Sámi cultural heritage''. European Collaborative Cloud for Cultural Heritage / Europeana. [https://www.dataspace-culturalheritage.eu/en/news/nuohtti-platform-improves-accessibility-to-the-digitised-archives-of-sami-cultural-heritage Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_eval&amp;quot;&amp;gt;Vittle, Kate / Haswell-Walls, Fran / Dixon, Tim; ERS Ltd. (2016): ''Evaluation of the Casgliad y Werin Cymru / People’s Collection Wales Digital Heritage Programme. Impact Report''. [https://www.gov.wales/sites/default/files/publications/2019-08/evaluation-of-the-peoples-collection-wales-digital-heritage-programme-impact.pdf PDF], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_support&amp;quot;&amp;gt;People’s Collection Wales (o. J.): ''Community Support''. [https://www.peoplescollection.wales/about-us/community-support Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_edinburgh&amp;quot;&amp;gt;University of Edinburgh (2024): ''Tobar an Dualchais / Kist o Riches''. [https://gaelic.ed.ac.uk/gaelic-collections/tobar-an-dualchais-kist-o-riches Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_funding2025&amp;quot;&amp;gt;Scottish Government (2025): ''Rediscovering lost Gaelic words''. [https://www.gov.scot/news/rediscovering-lost-gaelic-words/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_funding2026&amp;quot;&amp;gt;Scottish Government (2026): ''Boost for Gaelic language''. [https://www.gov.scot/news/boost-for-gaelic-language/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_opening&amp;quot;&amp;gt;University of Edinburgh (o. J.): ''Opening the Well''. [https://gaelic.ed.ac.uk/news/opening-the-well Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;euskariana_about&amp;quot;&amp;gt;Gobierno Vasco / Biblioteca Digital de Euskadi (o. J.): ''Acerca de Euskariana''. [https://www.euskariana.euskadi.eus/euskadibib/es/help/about.do Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;bavarikon_about&amp;quot;&amp;gt;bavarikon / Freistaat Bayern (o. J.): ''Über bavarikon''. [https://www.bavarikon.de/about Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;bavarikon_partner&amp;quot;&amp;gt;bavarikon / Freistaat Bayern (o. J.): ''Partner werden''. [https://www.bavarikon.de/becoming-partner Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;bavarikon_500k&amp;quot;&amp;gt;Bayerische Staatsbibliothek (2024): ''bavarikon knackt die halbe Million: 500.000 digitale Kulturschätze aus rund 170 bayerischen Einrichtungen sind weltweit zugänglich''. [https://www.bsb-muenchen.de/en/about-us/article/bavarikon-knackt-die-halbe-million-500000-digitale-kulturschaetze-aus-rund-170-bayerischen-einrichtungen-sind-weltweit-zugaenglich-6555/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_about&amp;quot;&amp;gt;Mukurtu CMS / Center for Digital Scholarship and Curation, Washington State University (o. J.): ''About / Mission, Core Features, Implementation and Sustainability''. [https://mukurtu.org/about/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_plateau&amp;quot;&amp;gt;Mukurtu CMS / Washington State University (o. J.): ''Plateau Peoples’ Web Portal''. [https://mukurtu.org/project/plateau-peoples-web-portal-showcase/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_dlib&amp;quot;&amp;gt;Christen, Kimberly / Merrill, Alex / Wynne, Michael (2017): ''A Community of Relations: Mukurtu Hubs and Spokes''. D-Lib Magazine, 23(5/6). [https://www.dlib.org/dlib/may17/christen/05christen.html Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_who&amp;quot;&amp;gt;Aṟa Irititja (o. J.): ''Who are we?'' [https://irititja.com/about-ara-irititja/who-are-we/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_approach&amp;quot;&amp;gt;Aṟa Irititja (o. J.): ''Community-Based Approach – The Aṟa Irititja Approach''. [https://irititja.com/archive/the-ara-irititja-approach/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_funding&amp;quot;&amp;gt;Aṟa Irititja (o. J.): ''Funding''. [https://irititja.com/challlenges/funding/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_background&amp;quot;&amp;gt;Charles Darwin University / Living Archive of Aboriginal Languages (o. J.): ''Background''. [https://livingarchive.cdu.edu.au/background/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_rights&amp;quot;&amp;gt;Charles Darwin University / Living Archive of Aboriginal Languages (o. J.): ''Copyright and IP issues''. [https://livingarchive.cdu.edu.au/copyright/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_home&amp;quot;&amp;gt;Charles Darwin University / Living Archive of Aboriginal Languages (o. J.): ''Home''. [https://livingarchive.cdu.edu.au/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_migration&amp;quot;&amp;gt;Christie, Michael (2022): ''Post-LAAL update''. Living Archive of Aboriginal Languages, 26.10.2022. [https://livingarchive.cdu.edu.au/post-laal-update/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;paradisec_about&amp;quot;&amp;gt;PARADISEC (o. J.): ''About us''. [https://www.paradisec.org.au/about-us/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;paradisec_home&amp;quot;&amp;gt;PARADISEC (2026): ''Pacific and Regional Archive for Digital Sources in Endangered Cultures – Home and current collection data''. [https://www.paradisec.org.au/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_about&amp;quot;&amp;gt;Reciprocal Research Network (o. J.): ''About''. [https://www.rrncommunity.org/pages/about Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_contact&amp;quot;&amp;gt;Reciprocal Research Network (o. J.): ''Contact Us / Steering Group''. [https://www.rrncommunity.org/pages/contact Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_home&amp;quot;&amp;gt;Reciprocal Research Network (2026): ''Home / What’s inside''. [https://www.rrncommunity.org/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_rowley&amp;quot;&amp;gt;Rowley, Susan (2013): ''The Reciprocal Research Network: The Development Process''. Museum Anthropology Review, 7(1–2). [https://scholarworks.iu.edu/journals/index.php/mar/article/view/2172 Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_about&amp;quot;&amp;gt;Indigitization (o. J.): ''About Us''. [https://www.indigitization.ca/about-2/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_toolkit&amp;quot;&amp;gt;Indigitization (o. J.): ''Indigitization Toolkit''. [https://www.indigitization.ca/toolkit/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_grant&amp;quot;&amp;gt;Indigitization (o. J.): ''Audio Cassette Digitization Grant''. [https://www.indigitization.ca/funding/audio-cassette-grant/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_funding&amp;quot;&amp;gt;Indigitization (o. J.): ''Funding''. [https://www.indigitization.ca/funding/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;unesco_doc_heritage&amp;quot;&amp;gt;UNESCO (2015): ''Recommendation concerning the preservation of, and access to, documentary heritage including in digital form''. [https://www.unesco.org/en/legal-affairs/recommendation-concerning-preservation-and-access-documentary-heritage-including-digital-form Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;unesco_participation&amp;quot;&amp;gt;UNESCO Intangible Cultural Heritage (o. J.): ''Involvement of communities, groups and individuals''. [https://ich.unesco.org/en/involvement-of-communities-0033 Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;unesco_ethics&amp;quot;&amp;gt;UNESCO Intangible Cultural Heritage (o. J.): ''Ethical Principles for Safeguarding Intangible Cultural Heritage''. [https://ich.unesco.org/en/ethics-and-ich-00866 Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;oais&amp;quot;&amp;gt;International Organization for Standardization (ISO) (2025): ''ISO 14721:2025 – Space data and information transfer systems – Open archival information system (OAIS) – Reference model'', 3. Ausgabe. [https://www.iso.org/standard/87471.html Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;ndsa&amp;quot;&amp;gt;National Digital Stewardship Alliance (2026): ''Levels of Digital Preservation, Version 2.1''. [https://www.ndsa.org/publications/levels-of-digital-preservation/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;care&amp;quot;&amp;gt;Global Indigenous Data Alliance (o. J.): ''CARE Principles for Indigenous Data Governance''. [https://www.gida-global.org/careprinciples Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;localcontexts&amp;quot;&amp;gt;Local Contexts (o. J.): ''Traditional Knowledge and Biocultural Labels and Notices''. [https://localcontexts.org/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;edm&amp;quot;&amp;gt;Europeana Pro (o. J.): ''Europeana Data Model Documentation''. [https://pro.europeana.eu/page/edm-documentation Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;oaipmh&amp;quot;&amp;gt;Open Archives Initiative (o. J.): ''OAI-PMH Frequently Asked Questions''. [https://www.openarchives.org/documents/FAQ.html Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;iiif&amp;quot;&amp;gt;IIIF Consortium (2021, laufend gepflegt): ''IIIF Presentation API 3.0''. [https://iiif.io/api/presentation/3.0/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;iasa&amp;quot;&amp;gt;International Association of Sound and Audiovisual Archives (IASA) (o. J.): ''Guidelines on the Production and Preservation of Digital Audio Objects (TC-04)''. [https://www.iasa-web.org/tc04/audio-preservation Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;digicher&amp;quot;&amp;gt;Europeana Foundation / European Collaborative Cloud for Cultural Heritage (2024): ''Discover the DIGICHer project''. [https://www.dataspace-culturalheritage.eu/en/news/discover-the-digicher-project Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/references&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Měrko Šenk</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://koncept.serbski-inkubator.de/index.php?title=12.3.A1_Vergleichende_Recherche_%E2%80%93_Digitalisierung_des_Kulturerbes_anderer_Kulturen_und_Regionen&amp;diff=1060</id>
		<title>12.3.A1 Vergleichende Recherche – Digitalisierung des Kulturerbes anderer Kulturen und Regionen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://koncept.serbski-inkubator.de/index.php?title=12.3.A1_Vergleichende_Recherche_%E2%80%93_Digitalisierung_des_Kulturerbes_anderer_Kulturen_und_Regionen&amp;diff=1060"/>
		<updated>2026-07-20T14:10:02Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Měrko Šenk: Wutwori stronu z '''Anhang zu 12.3 Digitalisierung des Kulturerbes''  ''Recherche- und Quellenstand: 20. Juli 2026''  Diese Seite dokumentiert eine vergleichende Recherche zu Erfolgsmodellen…'&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;''Anhang zu [[12.3 Digitalisierung des Kulturerbes]]''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
''Recherche- und Quellenstand: 20. Juli 2026''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Seite dokumentiert eine vergleichende Recherche zu Erfolgsmodellen, Grenzen und übertragbaren Lösungsbausteinen bei der Digitalisierung des Kulturerbes kleiner, autochthoner, indigener, sprachlicher und regional verteilter Gemeinschaften. Sie dient als ausführliche Beleg- und Arbeitsgrundlage für den kurzen Konzeptabschnitt [[12.3 Digitalisierung des Kulturerbes#Beispiele anderer Kulturen und Regionen|„Beispiele anderer Kulturen und Regionen“]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Wichtiger Hinweis zur Aussagekraft:''' Die Fallprofile trennen soweit möglich zwischen dokumentierten Tatsachen, Aussagen der Projektverantwortlichen und der hier vorgenommenen Bewertung. Viele Projekte veröffentlichen keine aktuellen Nutzungszahlen oder unabhängigen Wirkungsevaluationen. In diesen Fällen wird nicht allein aus einer ansprechenden Website auf Erfolg geschlossen. Wo eine Schlussfolgerung nur plausibel, aber nicht direkt belegt ist, ist sie als '''Bewertung''' oder '''Annahme''' gekennzeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
__TOC__&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== A. Zusammenfassung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die untersuchten Projekte zeigen kein universell ideales System. Erfolgreiche oder besonders lehrreiche Modelle kombinieren vielmehr unterschiedliche Bausteine entsprechend ihrer Gemeinschaft, Rechtslage, Bestandsstruktur und Ressourcen. Für den sorbischen Kontext sind vor allem folgende Erkenntnisse belastbar:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Funktionen klar trennen, Systeme aber verbinden.''' Register beziehungsweise Katalog, Digitalisierungsdienst, Repositorium beziehungsweise Langzeitarchiv und Präsentationssystem erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Erfolgreiche Verbünde verbinden diese Funktionen über Metadaten, Identifikatoren, Übergabeprozesse und Schnittstellen, statt alles in einem einzigen Portal zu vermischen.&lt;br /&gt;
# '''Gemeinschaftliche Steuerung ist keine Zusatzfunktion.''' RomArchive, Nuohtti, Mukurtu, Aṟa Irititja und das Reciprocal Research Network zeigen, dass Angehörige der jeweiligen Kultur an Auswahl, Beschreibung, Kontextualisierung, Zugangsregeln und strategischen Entscheidungen beteiligt sein müssen. Reine institutionelle „Beteiligung“ ohne festgelegte Entscheidungsrechte reicht nicht aus.&lt;br /&gt;
# '''Zentral ermöglichen, dezentral verantworten.''' Besonders übertragbar sind Modelle, bei denen eine zentrale Stelle Standards, Infrastruktur, Beratung, Qualitätssicherung, Schulung und gegebenenfalls Technik bereitstellt, während Kulturgutträger ihre Originale, lokalen Kenntnisse, Beziehungen zu Rechteinhabern und kulturellen Entscheidungen behalten.&lt;br /&gt;
# '''Ein Suchportal ist noch kein digitales Archiv.''' Nuohtti, Euskariana, bavarikon und das Plateau Peoples’ Web Portal aggregieren beziehungsweise präsentieren Inhalte aus verschiedenen Quellen. Die Langzeiterhaltung der Masterdateien muss davon getrennt geregelt sein. Mukurtu weist ausdrücklich darauf hin, dass eine Zugangsplattform nur ein Baustein eines umfassenderen Systems für Digitalisierung, Erhaltung und Betrieb ist.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
# '''Keine Massendigitalisierung ohne Zielarchiv und Rechteworkflow.''' Digitalisierung erzeugt dauerhafte Folgekosten. Vor einer Skalierung müssen Speicherort, Übernahmeprozess, Prüfsummen, Sicherung, Dateiformate, Metadaten, Rechte und spätere Migration festgelegt sein.&lt;br /&gt;
# '''Offenheit ist nicht binär.''' Erfolgreiche gemeinschaftlich gesteuerte Projekte arbeiten mit abgestuften Zugängen: öffentliches Metadatum, frei zugängliches Nutzungsdigitalisat, registrierter oder gemeinschaftsbezogener Zugang, zeitliche Sperre oder keine Online-Veröffentlichung. Zugänglichkeit und kulturelle Selbstbestimmung werden dadurch nicht als Gegensätze behandelt.&lt;br /&gt;
# '''Mehrsprachigkeit muss Teil der Datenarchitektur sein.''' Zweisprachige oder mehrsprachige Angebote wie People’s Collection Wales, Nuohtti, RomArchive, Euskariana und Aṟa Irititja zeigen, dass Sprachen nicht nur in der Oberfläche, sondern auch in Metadatenfeldern, kontrollierten Begriffen, Suchfunktionen, Transkriptionen und Verantwortlichkeiten berücksichtigt werden müssen.&lt;br /&gt;
# '''Kleine Träger brauchen Dienste, nicht nur Vorgaben.''' People’s Collection Wales und Indigitization belegen den Wert von Beratung, Schulung, Vorlagen, Pilotförderung, technischer Begleitung und „Train-the-Trainer“-Ansätzen. Ein Standard, den Ehrenamtliche oder kleine Einrichtungen ohne Hilfe nicht anwenden können, ist praktisch kein gemeinsamer Standard.&lt;br /&gt;
# '''Projektförderung kann den Aufbau finanzieren, nicht automatisch den Dauerbetrieb.''' RomArchive gelang der geplante Übergang an einen institutionellen Betreiber. Aṟa Irititja musste über Jahre um Verstetigung ringen; bei Indigitization ruht das frühere Förderprogramm für Audiokassetten; die Evaluation von People’s Collection Wales bezeichnete Finanzierungssicherheit als Kernproblem. Dauerverantwortung, Grundfinanzierung und technischer Erneuerungszyklus müssen daher vor einer breiten Skalierung geklärt werden.&lt;br /&gt;
# '''Pilotieren, messen, dann skalieren.''' Besonders sinnvoll sind Pilotvorhaben, die die gesamte Kette von der Erfassung über Rechteklärung und Digitalisierung bis zur Archivierung und Präsentation testen. Die Evaluation von People’s Collection Wales empfiehlt ausdrücklich einen Ablauf aus Bedarf, Pilot, Test, Auswertung und anschließender Skalierung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_eval&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Sorben lässt sich daraus ein prägnantes Zielmodell ableiten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Vier funktionale Säulen&lt;br /&gt;
! Leitfrage&lt;br /&gt;
! Kernaufgabe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''1. Sorbisches Kulturregister'''&lt;br /&gt;
| Was gibt es, wo befindet es sich, was bedeutet es und was ist prioritär?&lt;br /&gt;
| Institutionenübergreifender Nachweis, Kontext, Rechte- und Prioritätsinformationen; Verknüpfung verteilter Bestände.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''2. Digitalisierungszentrum'''&lt;br /&gt;
| Wie entstehen qualitätsgesicherte Digitalisate?&lt;br /&gt;
| Beratung, Auswahl geeigneter Verfahren, Digitalisierung, Qualitätsprüfung, Dienstleistersteuerung, Schulung und Hilfe für kleine Träger.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''3. Repositorium / digitales Langzeitarchiv'''&lt;br /&gt;
| Wie bleiben Masterdateien und Metadaten dauerhaft erhalten?&lt;br /&gt;
| Übernahme, Integritätskontrolle, redundante Sicherung, Dateiformatüberwachung, Migration, persistente Identifikatoren und dokumentierte Verantwortung.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''4. Präsentations- und Nutzungssysteme'''&lt;br /&gt;
| Was wird wem, in welcher Sprache und unter welchen Bedingungen zugänglich?&lt;br /&gt;
| Suche, Kontextualisierung, Bildung, Forschung, Download, Programmierschnittstellen und kreative Nachnutzung – abgestuft nach Rechten und kulturellen Regeln.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Merksatz:''' Das Register weiß, ''was'' und ''wo''; das Digitalisierungszentrum erzeugt und prüft; das Repositorium erhält; die Präsentation vermittelt und ermöglicht Nutzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese funktionale Vierertrennung bedeutet nicht zwingend vier Organisationen oder vier getrennte Beschaffungen. Digitalisierungszentrum und Repositorium können beispielsweise beim selben Träger liegen. Auftrag, Verantwortung, Budget, Qualitätskriterien und Betriebszusagen sollten dennoch getrennt benannt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== B. Stand der Forschung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== B.1 Vorhandene Modelle und Leitlinien ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Gesamtaufgabe „verteilt erfassen, priorisieren, digitalisieren, Metadaten zusammenführen, langfristig erhalten und verantwortungsvoll zugänglich machen“ existiert kein einzelnes, allgemein verbindliches End-to-End-Modell. Es gibt jedoch belastbare Teilmodelle, die zusammengedacht werden können:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die UNESCO-Empfehlung zur Erhaltung und Zugänglichkeit des dokumentarischen Erbes fordert institutionelle Auswahl- und Erhaltungsstrategien, fachgerechte Erschließung, Metadaten, Zusammenarbeit und rechtzeitige Maßnahmen für gefährdete digitale Bestände.&amp;lt;ref name=&amp;quot;unesco_doc_heritage&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Für immaterielles Kulturerbe verlangt die UNESCO die möglichst breite Beteiligung der Gemeinschaften und die Achtung üblicher Zugangsregeln. Die ethischen Grundsätze betonen die primäre Rolle der Gemeinschaften sowie freie, vorherige und informierte Zustimmung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;unesco_participation&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;unesco_ethics&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Das Referenzmodell OAIS (Open Archival Information System; deutsch: Referenzmodell für ein offenes Archiv-Informationssystem) beschreibt Rollen und Kernfunktionen eines digitalen Langzeitarchivs. „Offen“ bezeichnet dabei ein offen entwickeltes Referenzmodell, nicht einen zwingend offenen Zugang zu allen Inhalten.&amp;lt;ref name=&amp;quot;oais&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Die NDSA Levels of Digital Preservation (Reifegradstufen der National Digital Stewardship Alliance) bieten eine stufenweise, für kleinere Einrichtungen praktikable Orientierung zu Speicherorten, Integrität, Informationssicherheit, Metadaten und Dateiformaten. Die aktuelle Fassung 2.1 von März 2026 stellt ausdrücklich klar, dass nicht jede Sammlung überall die höchste Stufe erreichen muss.&amp;lt;ref name=&amp;quot;ndsa&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Die CARE Principles for Indigenous Data Governance – Collective Benefit, Authority to Control, Responsibility und Ethics, auf Deutsch etwa gemeinschaftlicher Nutzen, Kontrollbefugnis, Verantwortung und Ethik – ergänzen technische Offenheits- und Nachnutzungsprinzipien um kollektive Rechte und Verantwortlichkeiten.&amp;lt;ref name=&amp;quot;care&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Local Contexts stellt Traditional Knowledge Labels und Biocultural Labels bereit, mit denen Gemeinschaften Hinweise zu Herkunft, kultureller Autorität, erlaubter Nutzung und besonderen Protokollen ergänzen können. Diese Instrumente ersetzen das staatliche Urheberrecht nicht, machen aber gemeinschaftsbezogene Erwartungen maschinen- und menschenlesbar.&amp;lt;ref name=&amp;quot;localcontexts&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Für Metadaten und Austausch stehen etablierte Bausteine zur Verfügung: Dublin Core für einfache Kernmetadaten, Europeana Data Model (EDM; Datenmodell der Europeana) für heterogene Kulturdatensätze, OAI-PMH (Open Archives Initiative Protocol for Metadata Harvesting; Protokoll zum Einsammeln von Metadaten), Programmierschnittstellen sowie IIIF (International Image Interoperability Framework; Standardfamilie zur interoperablen Präsentation von Bildern und zunehmend Audio/Video).&amp;lt;ref name=&amp;quot;edm&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;oaipmh&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;iiif&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Für audiovisuelle Bestände sind die IASA-TC-04-Richtlinien der International Association of Sound and Audiovisual Archives besonders relevant. Sie behandeln unter anderem Signalerfassung, Metadaten, Identifikatoren, Speicherung, kleine Einrichtungen und die Vergabe an Dienstleister.&amp;lt;ref name=&amp;quot;iasa&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== B.2 Vergleichende Forschung und Evaluation ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die belastbarsten Erkenntnisse entstehen aus einer Kombination aus technischen Dokumentationen, Projektberichten, wissenschaftlichen Fallstudien und unabhängigen Evaluationen. Besonders wertvoll ist die Evaluation von People’s Collection Wales, weil sie nicht nur Erfolge, sondern auch geringe Rücklaufzahlen, begrenzte Wirkungsnachweise, Finanzierungsrisiken, Rollenunklarheiten und den hohen Aufwand vermittelter Community-Arbeit offenlegt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_eval&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wissenschaftlich gut dokumentiert sind außerdem das gemeinschaftsbasierte Metadaten- und Zugangsmodell von Mukurtu und dem Plateau Peoples’ Web Portal sowie die kooperative Entwicklung des Reciprocal Research Network. Beide zeigen, dass Vertrauen, Vereinbarungen, parallel mögliche institutionelle und gemeinschaftliche Beschreibungen sowie fein abgestufte Zugänge organisatorisch ebenso wichtig sind wie die Software.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_dlib&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_rowley&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das EU-geförderte Forschungsprojekt DIGICHer untersucht seit 2024, wie Minderheitengemeinschaften – unter anderem Sámi, jüdische und ladinische Gemeinschaften – gerechter an der Digitalisierung und Repräsentation ihres Kulturerbes beteiligt werden können. Da das Projekt bis 2027 läuft, sind im Juli 2026 noch keine abschließenden, allgemein belastbaren Ergebnisse verfügbar. Es ist aber ein relevantes Anschlussvorhaben für die weitere Beobachtung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;digicher&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== B.3 Forschungslücken ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der Auswertung ergeben sich vier wiederkehrende Lücken:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Aktuelle, unabhängige Nutzungs- und Wirkungsevaluationen fehlen bei vielen Projekten.&lt;br /&gt;
# Die technische Präsentationsarchitektur ist häufig besser dokumentiert als die Verantwortung für Masterdateien, Migration und dauerhafte Finanzierung.&lt;br /&gt;
# Community-Beteiligung wird oft beschrieben, aber Entscheidungsrechte, Konfliktlösungen und Repräsentativität bleiben teilweise unklar.&lt;br /&gt;
# Es gibt zahlreiche Standards für Einzelaufgaben, aber wenig empirisch evaluierte Gesamtmodelle für kleine, institutionell verteilte Minderheiten mit ehrenamtlich betreuten Sammlungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Bewertung:''' Der sorbische Ansatz sollte deshalb nicht nach einer fertigen „Best-Practice-Software“ suchen. Zielführender ist eine belastbare Gesamtarchitektur aus Governance, Diensten, Mindeststandards und dauerhaftem Betrieb, in die geeignete vorhandene Softwareprodukte eingebunden werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== C. Begründete Auswahl der Fallbeispiele ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Auswahl umfasst zwölf Fälle. Sie deckt europäische Minderheiten, indigene und gemeinschaftlich gesteuerte Modelle, regionale Verbünde, Sprach- und Audioarchive sowie problembehaftete Übergänge ab. Nicht jedes Projekt bildet die gesamte Prozesskette ab; gerade die Unterschiede machen sichtbar, welche Funktion jeweils gelöst wird und wo Lücken bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable sortable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Fall&lt;br /&gt;
! Gemeinschaft / Raum&lt;br /&gt;
! Modelltyp&lt;br /&gt;
! Besondere Relevanz für die Sorben&lt;br /&gt;
! Evidenzlage&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| RomArchive&lt;br /&gt;
| Roma und Sinti; transnational, Schwerpunkt Europa; Betrieb in Deutschland&lt;br /&gt;
| Kuratiertes, gemeinschaftsgeprägtes digitales Archiv&lt;br /&gt;
| Deutungshoheit, Übergabe vom Förderprojekt an einen dauerhaften Betreiber, Mehrsprachigkeit&lt;br /&gt;
| Mittel bis hoch: aktuelle Primärquellen; keine aktuelle unabhängige Wirkungsanalyse&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Nuohtti&lt;br /&gt;
| Sámi in Sápmi; Norwegen, Schweden, Finnland, historisch auch Russland&lt;br /&gt;
| Föderierter Suchdienst über Bestände vieler Institutionen&lt;br /&gt;
| Verteilte Bestände, mehrere Staaten und Sprachen, ethische Hinweise, Open-Source-Bausteine&lt;br /&gt;
| Mittel bis hoch: Projekt- und Betreiberquellen; belastbare Umfangsangaben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| People’s Collection Wales&lt;br /&gt;
| Walisische Bevölkerung und walisischsprachige Gemeinschaft; Wales, Vereinigtes Königreich&lt;br /&gt;
| Nationaler Verbund mit Community-Beiträgen und Schulung&lt;br /&gt;
| Zweisprachigkeit, kleine Träger, zentrale Unterstützung, unabhängige Evaluation&lt;br /&gt;
| Hoch für die untersuchte Förderphase; aktuelle Nutzungsdaten begrenzt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Tobar an Dualchais / Kist o Riches&lt;br /&gt;
| Gälisch- und Scots-sprachige Gemeinschaften; Schottland, Vereinigtes Königreich&lt;br /&gt;
| Digitales Oral-History- und Tonarchiv&lt;br /&gt;
| Gefährdete audiovisuelle Bestände, Sprache, Transkription, Bildung&lt;br /&gt;
| Mittel: aktuelle Bestands- und Förderangaben; keine umfassende unabhängige Evaluation&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Euskariana&lt;br /&gt;
| Baskische Kultur- und Sprachgemeinschaft; Projekt der Autonomen Gemeinschaft Baskenland, Spanien&lt;br /&gt;
| Staatlich getragenes Aggregations- und Zugangsportal&lt;br /&gt;
| Gemeinsamer Katalog, eigenes Repositorium plus Verlinkung, Standards und Europeana-Anbindung&lt;br /&gt;
| Mittel: gute offizielle Dokumentation; wenig unabhängige Wirkungsmessung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| bavarikon&lt;br /&gt;
| Regionales Kulturerbe Bayerns; keine Minderheitenplattform&lt;br /&gt;
| Staatlicher institutionsübergreifender Digitalisierungs- und Präsentationsverbund&lt;br /&gt;
| Betreiberverantwortung, Förderverfahren, Qualitätsanforderungen, Beteiligung vieler Einrichtungen&lt;br /&gt;
| Hoch für Organisation und Umfang; wegen Größenordnung nur teilweise übertragbar&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mukurtu und Plateau Peoples’ Web Portal&lt;br /&gt;
| Indigene Nationen des nordwestlichen Plateaus; USA&lt;br /&gt;
| Open-Source-Zugangsplattform und gemeinschaftlich kuratierter Verbund&lt;br /&gt;
| Kulturelle Protokolle, Traditional Knowledge Labels, mehrere Beschreibungen pro Objekt&lt;br /&gt;
| Hoch für Funktionsmodell und Governance; Betriebskapazität bleibt Voraussetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Aṟa Irititja&lt;br /&gt;
| Aṉangu der APY Lands; South Australia, Australien&lt;br /&gt;
| Gemeinschaftsbasiertes Multimediaarchiv und digitale Rückgabe&lt;br /&gt;
| Lokale Kontrolle, sensibler Zugang, mehrsprachige und niedrigschwellige Nutzung&lt;br /&gt;
| Mittel: detaillierte Eigendokumentation; Wirkungsnachweise überwiegend Selbstauskunft&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Living Archive of Aboriginal Languages&lt;br /&gt;
| Zahlreiche Aboriginal-Sprachgemeinschaften im Northern Territory, Australien&lt;br /&gt;
| Digitales Sprach- und Bildungsarchiv&lt;br /&gt;
| Rechteklärung, offene Lehrmaterialien, Master-/Nutzungsdateien, Migrationsrisiko&lt;br /&gt;
| Hoch für Prozess und Bestandsumfang; dokumentierte Einschränkung nach Systemwechsel&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| PARADISEC&lt;br /&gt;
| Viele kleine und gefährdete Sprachgemeinschaften, vor allem im Pazifikraum&lt;br /&gt;
| Universitärer Fachverbund für audiovisuelle Langzeiterhaltung&lt;br /&gt;
| Gefährdete Tonträger, professionelles Repositorium, verteilte Trägerschaft und Rückgabe von Kopien&lt;br /&gt;
| Hoch: große Bestände, aktuelle Berichte, Zertifizierung und Auszeichnungen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reciprocal Research Network&lt;br /&gt;
| First Nations der Nordwestküste von British Columbia; Kanada&lt;br /&gt;
| Föderierte Recherche- und Kooperationsplattform&lt;br /&gt;
| Institutionenübergreifende Suche, Vereinbarungen, Community-Wissen, technische Alterung&lt;br /&gt;
| Mittel bis hoch: aktuelle Bestandszahlen und Forschung; sichtbare Softwareversion von 2014&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Indigitization&lt;br /&gt;
| First Nations und weitere indigene Gemeinschaften in British Columbia; Kanada&lt;br /&gt;
| Kompetenz-, Schulungs- und Förderprogramm für dezentrale Digitalisierung&lt;br /&gt;
| Besonders nah am möglichen Dienstleistungsmodell eines sorbischen Digitalisierungszentrums&lt;br /&gt;
| Hoch für Förderphase 2013–2019; aktuelles Kassettenförderprogramm pausiert&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== D. Fallprofile ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.1 RomArchive – Digitales Archiv der Roma ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Roma sind eine transnationale, historisch in vielen europäischen und außereuropäischen Staaten lebende Minderheit mit vielfältigen Gruppen, Sprachen und Selbstbezeichnungen. Sinti sind eine unter anderem in Deutschland und Mitteleuropa beheimatete Gruppe. RomArchive ist deshalb keinem einzelnen Minderheitengebiet zugeordnet. Das Projekt wurde in Deutschland öffentlich gefördert und international mit überwiegend aus Roma bestehenden kuratorischen und beratenden Teams entwickelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RomArchive versteht sich als digitales Archiv für Kunst und Kulturen der Roma. Es erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern präsentiert kuratierte, repräsentative Bestände und wissenschaftliche Kontextualisierungen. Inhalte wurden von jeweils zuständigen kuratorischen Teams ausgewählt; kuratorische Teams und Beirat waren überwiegend mit Roma besetzt. Nach Angaben des Projekts wirkten rund 150 Personen aus 15 Staaten mit. Die Übergabe an eine Roma-Organisation war von Beginn der fünfjährigen Entwicklungsphase 2015–2019 an vorgesehen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_faq&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entwicklung wurde durch die Kulturstiftung des Bundes mit 3,75 Millionen Euro gefördert; weitere Unterstützer waren unter anderem die Bundeszentrale für politische Bildung, das Auswärtige Amt und das Goethe-Institut. Seit 2019 liegt der Betrieb beim Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg; die laufende Website nennt die Bundeszentrale für politische Bildung als Förderer.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_kulturstiftung&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_imprint&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Fachliche und technische Lösung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
RomArchive verbindet kuratierte Themenbereiche, einen durchsuchbaren Archivbestand, biografische Akteursdaten und digitale Vermittlungsformate. Die Deutsche Kinemathek war für Konzeption und Vermittlung von digitaler Archivierung, Digitalisierung und Katalogisierung beteiligt. Die Website nutzt ein auf Django basierendes Content-Management-System; eine Verbindung zu Axiell Collections bindet das Sammlungsmanagement an die Präsentation an.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_imprint&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben veröffentlichten Materialien existiert ein internes Archiv, das auf begründete Anfrage für Forschung zugänglich ist. Dies ist ein einfaches, aber wichtiges Beispiel für abgestufte Zugänge. Das Angebot ist auf Deutsch, Englisch und Romanes verfügbar; die sprachliche Vielfalt des Romanes wird sichtbar gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Rechte, Beteiligung und nachweisbarer Erfolg ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die stärkste Leistung liegt in der kuratorischen und strategischen Beteiligung der Minderheit sowie in dem Anspruch, Fremdzuschreibungen durch selbst erzählte Gegennarrative zu korrigieren. Ethische Richtlinien und eine Sammlungspolitik wurden durch den internationalen Beirat mitentwickelt. Der Übergang vom zeitlich befristeten Entwicklungsprojekt an einen institutionellen Betreiber wurde tatsächlich vollzogen. Dass das Angebot im Juli 2026 weiterhin betrieben wird, ist ein belastbarer Nachhaltigkeitsindikator.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Aktuelle unabhängige Daten zu Nutzung, Reichweite, Aktualisierungsfrequenz und langfristiger digitaler Erhaltung der Masterdateien sind öffentlich nicht in ausreichender Tiefe dokumentiert. Die öffentliche Oberfläche ist stärker ein kuratiertes Archiv und Wissensportal als ein vollständiges Bestandsregister aller Roma-Kulturgüter. Die überwiegend restriktive Rechtekennzeichnung vieler Inhalte begrenzt kreative Nachnutzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* Minderheitenangehörige mit echten kuratorischen und strategischen Entscheidungsrechten;&lt;br /&gt;
* von Beginn an geplanter Betreiberübergang;&lt;br /&gt;
* Verbindung von Sammlungsdatenbank, kuratiertem Kontext und öffentlicher Präsentation;&lt;br /&gt;
* abgestufter Zugang zwischen öffentlicher Website und internem Forschungsarchiv;&lt;br /&gt;
* öffentliche Anschubförderung plus institutionelle Verankerung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Ein sorbisches Portal sollte nicht nur Objekte zeigen, sondern sorbische Perspektiven, Begriffe und Kontexte strukturell verankern. Für Kulturregister, Digitalisierungszentrum und Präsentation braucht es bereits in der Projektphase einen festgelegten dauerhaften Träger. Ein kuratorischer oder gemeinschaftlicher Beirat sollte nicht nur beraten, sondern definierte Entscheidungsrechte bei Auswahl, Beschreibung und sensiblen Inhalten erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.2 Nuohtti – Föderierter Zugang zum Sámi-Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Sámi sind ein indigenes Volk im nordeuropäischen Sápmi, das sich über Gebiete des heutigen Norwegens, Schwedens, Finnlands und Russlands erstreckt. Es gibt mehrere Sámi-Sprachen und unterschiedliche nationale Rechts- und Institutionsrahmen. Viele historische Quellen und Sammlungsobjekte befinden sich außerhalb von Sámi-Institutionen in europäischen Archiven, Bibliotheken und Museen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nuohtti ist ein Suchdienst, der digitalisierte Sámi-Materialien aus verschiedenen europäischen Gedächtnisinstitutionen zusammenführt. Er wurde im Projekt „Digital Access to the Sámi Heritage Archives“ von 2018 bis 2021 mit EU-Mitteln aus Interreg Nord entwickelt. Beteiligt waren die Sámi-Archive der norwegischen und finnischen Nationalarchive, das schwedische Reichsarchiv sowie Universitäten in Lappland, Oulu und Umeå; die Universität Lappland leitete das Projekt. Die Sámi-Parlamente Finnlands, Norwegens und Schwedens entsandten Mitglieder in die Steuerungsgruppe.&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_about&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_uarctic&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Vorgehen und Architektur ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor der technischen Umsetzung wurden einschlägige Bestände und Datenlieferanten kartiert. Nuohtti bündelt keine Originale und ersetzt die Quellsysteme nicht. Es normalisiert und indexiert Metadaten aus Archiven und Aggregatoren und führt Nutzerinnen und Nutzer zu den jeweiligen Digitalisaten. Eine Karte, eine Zeitleiste und mehrsprachige Suchoberflächen unterstützen den Zugang. Nach Projektangaben waren rund 30.000 Datensätze aus 32 Institutionen in fünf Sprachen zugänglich.&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_uarctic&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Technisch baut Nuohtti auf vorhandenen Open-Source- und öffentlichen Komponenten auf, darunter VuFind, Finna, RecordManager, Finto, Giellatekno, Apache Solr, Leaflet, OpenStreetMap und Nominatim. Daten werden unter anderem über nationale und europäische Aggregationswege eingebunden.&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Rechte, Ethik und Nachhaltigkeit ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nuohtti integriert ethische Hinweise in die Nutzung. Das ist besonders relevant, weil viele historische Beschreibungen und Sammlungen außerhalb der Sámi-Gemeinschaft und unter kolonialen Bedingungen entstanden. Nutzertests fanden unter anderem in Schulen und Bibliotheken statt. Nach dem Projekt wird der Dienst von den beteiligten Nationalarchiven weitergeführt; zugleich wird er im laufenden Projekt DIGICHer als Praxisbeispiel weiterentwickelt und untersucht.&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_dataspace&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Nuohtti löst vor allem den gemeinsamen Nachweis und Zugang. Die Digitalisierung, Rechteklärung und Langzeiterhaltung verbleiben überwiegend bei den Datenlieferanten. Unterschiedliche Datenqualität und historisch problematische Beschreibungen werden durch Aggregation nicht automatisch behoben. Aktuelle, öffentlich nachvollziehbare Nutzungszahlen sind begrenzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* föderierte Architektur statt erzwungener Zentralisierung aller Bestände;&lt;br /&gt;
* Bestands- und Datenquellenkartierung vor dem Portalbau;&lt;br /&gt;
* Beteiligung von Sámi-Parlamenten an der Steuerung;&lt;br /&gt;
* Wiederverwendung vorhandener Open-Source-Komponenten und nationaler Infrastrukturen;&lt;br /&gt;
* mehrsprachige, räumliche und zeitliche Suche;&lt;br /&gt;
* sichtbare ethische Kontextualisierung problematischer Bestände.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Das Sorbische Kulturregister kann als föderierender Nachweis funktionieren: große Institutionen liefern Metadaten über Schnittstellen, kleine Träger können Daten direkt in einem zentral angebotenen System erfassen. Eine zentrale Suche muss nicht bedeuten, dass alle Originale oder alle Digitalisate zentral verwaltet werden. Historische Fremdbeschreibungen sollten als solche kenntlich gemacht und um sorbische Bezeichnungen sowie Community-Kontexte ergänzt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.3 People’s Collection Wales / Casgliad y Werin Cymru ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wales ist ein Landesteil des Vereinigten Königreichs mit eigener Regierung und einer starken nationalen sowie walisischsprachigen Identität. Walisisch und Englisch sind für das Angebot gleichberechtigte Arbeitssprachen. Das Projekt richtet sich nicht nur an professionelle Kulturinstitutionen, sondern auch an lokale Geschichtsgruppen, Vereine, Schulen und Einzelpersonen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
People’s Collection Wales ist eine zweisprachige digitale Plattform und ein begleitendes Unterstützungsprogramm, über das Nutzerinnen und Nutzer walisisches Kulturerbe entdecken, beitragen und vermitteln können. Getragen wird es als föderierte Partnerschaft von Amgueddfa Cymru – National Museum Wales, der National Library of Wales und der Royal Commission on the Ancient and Historical Monuments of Wales; finanziert wird das Programm durch die walisische Regierung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_eval&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Plattform wird durch kostenlose Beratung und Schulung ergänzt. Das aktuelle Unterstützungsangebot umfasst Projektplanung, Digitalisierung, Urheberrecht, Datenschutz, Metadaten und Oral History. Diese Kombination aus Technik und persönlicher Begleitung ist für kleine und ehrenamtliche Träger besonders relevant.&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_support&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Nachweisbarer Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die unabhängige Evaluation von 2016 stellte für die Förderphase 2014–2016 eine gestärkte föderierte Partnerschaft, eine kritische Masse an Inhalten, Fortschritte bei Community-Kompetenzen und eine hohe Vertrauenswürdigkeit des nichtkommerziellen Angebots fest. Externe Projekte sparten Ressourcen, weil sie eine vorhandene Plattform nutzen konnten. Zugleich wurden die gemessenen Wirkungen insgesamt als eher moderat beschrieben. Die Nutzerbefragung hatte nur 38 vollständige Antworten; wirtschaftliche und touristische Wirkungen waren damals nicht nachweisbar. Die Evaluation benannte Finanzierungssicherheit, klare Rollen, technische Stabilität, Marketing und dauerhaft finanzierbare Vor-Ort-Unterstützung als zentrale Herausforderungen. Vermittelte Sitzungen seien für bestimmte Zielgruppen unverzichtbar.&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_eval&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Programm existiert weiterhin und bietet aktuell Unterstützung an. Die verfügbaren Quellen belegen damit institutionelle Kontinuität, ersetzen aber keine neue unabhängige Wirkungsevaluation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* föderierte Trägerschaft mehrerer starker Institutionen;&lt;br /&gt;
* zweisprachige Plattform und Materialien;&lt;br /&gt;
* kostenlose Beratung, Metadaten- und Digitalisierungsschulungen;&lt;br /&gt;
* gemeinsamer technischer Dienst, den lokale Projekte nicht selbst entwickeln müssen;&lt;br /&gt;
* expliziter Pilot- und Lernansatz;&lt;br /&gt;
* unabhängige Evaluation mit offen benannten Grenzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Ein Digitalisierungszentrum sollte nicht nur Geräte betreiben, sondern ein sichtbares Serviceangebot für Heimatstuben, Vereine, Kirchengemeinden, Kommunen und Privatpersonen aufbauen: Erstberatung, Vorlagen, Rechtehilfe, Metadatenhilfe, mobile Einsätze, Schulungen und telefonische beziehungsweise digitale Sprechstunden. Für Obersorbisch und Niedersorbisch sollte Mehrsprachigkeit verbindlich geplant und finanziert werden. Erfolgsmessung darf sich nicht auf Objektzahlen beschränken, sondern sollte Kompetenzen, beteiligte Träger, Nachnutzung und Zufriedenheit erfassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.4 Tobar an Dualchais / Kist o Riches ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schottisch-Gälisch ist eine keltische Minderheitensprache, die vor allem in Schottland, besonders in den Highlands und auf den Inseln, gesprochen wird. Scots ist eine weitere historisch gewachsene Sprache beziehungsweise Sprachgruppe Schottlands. Das Projekt umfasst Aufnahmen auf Gälisch, Scots und Englisch und ist in den öffentlichen und kulturellen Institutionen Schottlands verankert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tobar an Dualchais / Kist o Riches macht mehr als 40.000 mündliche Aufnahmen zugänglich, die seit den 1930er Jahren in Schottland und darüber hinaus entstanden. Enthalten sind Erzählungen, Lieder, Musik, Gedichte und Sachinformationen. Ein bedeutender Teil stammt aus den School of Scottish Studies Archives der Universität Edinburgh; die physischen Originalbestände verbleiben in den Archiven.&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_edinburgh&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Vorhaben wird durch eine Partnerschaft kultureller und wissenschaftlicher Einrichtungen getragen und erhält wiederkehrend öffentliche Förderung. Die schottische Regierung bewilligte 2025 beispielsweise 35.000 Pfund für die fortlaufende Online-Sammlung gälischer und Scots-Materialien und 2026 weitere 14.127 Pfund für die Entwicklung des digitalen Archivs.&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_funding2025&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_funding2026&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Technische und fachliche Schwerpunkte ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Projekt konzentriert sich auf bedrohte zeitbasierte Medien und deren sprachliche Erschließung. Suchfelder nach Thema, Titel und beitragender Person erleichtern die Nutzung. Das ergänzende Vorhaben „Opening the Well“ transkribiert einen großen Bestand gälischer Erzählungen und verbindet Freiwilligenarbeit mit automatischer Spracherkennung. Dadurch werden Tonaufnahmen nicht nur erhalten, sondern durchsuchbar und für Sprachforschung sowie Bildung nachnutzbar.&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_opening&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Die öffentlich sichtbaren Förderungen sind überwiegend programm- oder projektbezogen. Sie belegen fortlaufende Unterstützung, aber keine vollständig transparente dauerhafte Grundfinanzierung des gesamten Betriebs. Rechteklärung, Transkription und Qualitätskontrolle bleiben bei umfangreichen historischen Tonbeständen dauerhafte Aufgaben. Eine umfassende unabhängige Evaluation mit aktuellen Nutzungsdaten wurde in dieser Recherche nicht gefunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* klare Priorität für gefährdete audiovisuelle Bestände;&lt;br /&gt;
* institutionelle Aufbewahrung der Originale und digitale öffentliche Vermittlung;&lt;br /&gt;
* Verbindung von Digitalisierung, sprachlicher Erschließung und Bildung;&lt;br /&gt;
* Kombination aus Fachinstitutionen, öffentlicher Förderung und freiwilliger Mitarbeit;&lt;br /&gt;
* sichtbare Mehrsprachigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Sorbische Tonbänder, Kassetten, Filme und Videoformate sollten wegen Materialalterung und technischer Obsoleszenz gesondert priorisiert werden. Ein Pilot „Sorbische Stimmen und Lieder“ könnte Digitalisierung, Rechteklärung, obersorbische und niedersorbische Transkription, Übersetzung, Normdaten und Bildungsnutzung exemplarisch durchspielen. Automatische Spracherkennung kann unterstützen, ersetzt aber bei kleinen Sprachen keine fachliche und gemeinschaftliche Korrektur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.5 Euskariana – Digitales Portal zum baskischen Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Baskinnen und Basken leben beiderseits der spanisch-französischen Grenze. Baskisch (Euskara) ist eine eigenständige europäische Sprache mit mehreren Varietäten. Euskariana ist kein gesamtbaskisches staatenübergreifendes Projekt, sondern ein Angebot der Autonomen Gemeinschaft Baskenland in Spanien; es bezieht jedoch auch einschlägige Bestände aus Institutionen außerhalb dieser Region ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Euskariana wird von der Digitalen Bibliothek Euskadi innerhalb der baskischen Kulturverwaltung betrieben. Das Portal entsteht in Zusammenarbeit des baskischen Regierungsapparats mit den Provinzverwaltungen von Álava/Araba, Bizkaia und Gipuzkoa, Kommunen, Universitäten, kirchlichen und privaten Einrichtungen. Der Sammlungsschwerpunkt umfasst Werke baskischer Urheberinnen und Urheber, Veröffentlichungen aus Euskadi, weltweit entstandene Inhalte zu baskischen Themen sowie besonders Inhalte auf Baskisch oder in baskischer Übersetzung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;euskariana_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als staatlich getragenes Dauerangebot ist Euskariana stärker institutionell abgesichert als ein zeitlich begrenztes Förderprojekt. Öffentlich zugängliche Quellen benennen jedoch keine vollständigen jährlichen Betriebs- und Personalkosten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Architektur, Standards und Nachnutzung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Euskariana ist gleichzeitig gemeinsamer Katalog und Zugangsportal. Es integriert Datensätze aus Bibliotheksnetzen, Verbundkatalogen, Museen, Archiven, Hochschulrepositorien und internationalen Nationalbibliotheken. Digitale Objekte werden entweder im eigenen Repositorium bereitgestellt oder über Links in den Quellsystemen aufgerufen. Damit unterstützt das Projekt zwei Anbindungswege: zentrale Aufnahme und föderierte Verlinkung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;euskariana_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach offizieller Dokumentation nutzt Euskariana unter anderem MARC, Dublin Core (DC), METS, PREMIS und ALTO. Kurz erläutert: MARC dient vor allem bibliografischen Daten; Dublin Core beschreibt einen einfachen Metadatenkern; METS strukturiert digitale Objekte und Dateigruppen; PREMIS dokumentiert Erhaltungsinformationen; ALTO bildet Layout und erkannten Text digitalisierter Seiten ab. Die Standardisierung ermöglicht die Beteiligung an Europeana und die Verbindung zu weiteren spanischen und französischen Portalen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;euskariana_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Die offizielle Dokumentation ist technisch aussagekräftig, liefert aber wenig Informationen über Community-Entscheidungsrechte, abgestufte kulturelle Zugänge, aktuelle Nutzungszahlen oder eine unabhängige Wirkungsevaluation. Das Modell ist stärker verwaltungs- und institutionsgetrieben als gemeinschaftsgeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* klar benannter öffentlicher Betreiber;&lt;br /&gt;
* Kooperation über Verwaltungs-, Institutions- und Sektorgrenzen hinweg;&lt;br /&gt;
* sowohl eigenes Repositorium als auch Einbindung externer Digitalisate;&lt;br /&gt;
* verbindliche internationale Metadaten- und Erhaltungsstandards;&lt;br /&gt;
* besondere Sichtbarkeit der Minderheitensprache;&lt;br /&gt;
* Anschluss an größere Aggregatoren wie Europeana.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Für das Sorbische Kulturregister sollte es mindestens zwei Onboarding-Wege geben: Kleine Träger erfassen beziehungsweise hinterlegen Daten und Dateien in zentral bereitgestellten Diensten; größere Einrichtungen liefern Daten aus eigenen Fachsystemen über Export oder Schnittstelle. Ein gemeinsames Kernprofil muss lokale Fachstandards nicht ersetzen, sondern deren wichtigste Angaben abbilden. Obersorbisch und Niedersorbisch sollten als eigenständige Sprachwerte, nicht nur als Übersetzungsvarianten von Deutsch, gespeichert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.6 bavarikon – Regionaler Digitalisierungs- und Präsentationsverbund ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Region und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bavarikon ist keine Minderheitenplattform, sondern das Kulturportal des Freistaats Bayern. Es ist dennoch relevant, weil es zeigt, wie ein Flächenland zahlreiche Museen, Archive, Bibliotheken, wissenschaftliche Einrichtungen und nichtstaatliche Träger in ein geregeltes Förder-, Qualitäts- und Präsentationsmodell einbindet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die grundsätzliche Ausrichtung und der Mitteleinsatz werden durch das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst sowie das Staatsministerium für Digitales bestimmt. Ein Rat mit 14 stimmberechtigten Mitgliedern aus unterschiedlichen Kultursparten entscheidet über neue Inhalte und berät zu Betrieb und Digitalisierungsstrategie. Die Bayerische Staatsbibliothek trägt den laufenden technischen, redaktionellen und organisatorischen Betrieb; das Leibniz-Rechenzentrum übernimmt das Hosting.&amp;lt;ref name=&amp;quot;bavarikon_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Partner können Digitalisierungsvorhaben beantragen. Die Bayerische Staatsbibliothek begleitet die Digitalisierung, wenn die Ergebnisse in hoher Qualität über bavarikon präsentiert werden. Für die Aufnahme existieren Kriterien, Metadatenhandreichungen, Qualitätsanforderungen für Digitalisate, Musterlisten und ein Vorantragsverfahren.&amp;lt;ref name=&amp;quot;bavarikon_partner&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Nachweisbarer Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Portal ging 2013 online und wird monatlich ergänzt. Im November 2024 meldete die Bayerische Staatsbibliothek mehr als 500.000 digitale Objekte aus rund 170 Einrichtungen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;bavarikon_500k&amp;quot;/&amp;gt; Die institutionelle Betreiberverantwortung, der geregelte Zugang zu Fördermitteln und die veröffentlichten Mindestanforderungen sind belastbare Erfolgsindikatoren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' bavarikon verfügt über die Ressourcen eines deutschen Flächenlandes und einer großen Staatsbibliothek. Diese Größenordnung ist für die Sorben nicht direkt übertragbar. Das Portal ist primär Präsentations- und Förderinfrastruktur; aus den öffentlichen Unterlagen lässt sich nicht ableiten, dass bavarikon für sämtliche Masterdateien aller Partner allein die vollständige Langzeiterhaltung übernimmt. Community-Governance und kulturell abgestufte Zugänge stehen nicht im Mittelpunkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* dauerhaft benannter zentraler Betreiber und leistungsfähiges Rechenzentrum;&lt;br /&gt;
* spartenübergreifendes Entscheidungsgremium;&lt;br /&gt;
* geregeltes Förder- und Auswahlverfahren;&lt;br /&gt;
* publizierte Mindeststandards und Vorlagen;&lt;br /&gt;
* zentrale fachliche Begleitung bei dezentralen Beständen;&lt;br /&gt;
* kontinuierlicher Ausbau statt einmaliger Portalveröffentlichung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Übertragbar ist nicht die Größenordnung, sondern die Verfahrenslogik: ein transparentes Antrags- und Priorisierungsverfahren, verbindliche Lieferpakete, klare Qualitätskontrollen und ein zentraler Ansprechpartner. Ein sorbischer Digitalisierungsfonds könnte kleinere, klar abgegrenzte Vorhaben fördern, sofern Rechte, Metadaten, Zielrepositorium und spätere Nutzung vorab geklärt sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.7 Mukurtu und Plateau Peoples’ Web Portal ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mukurtu entstand aus einer Zusammenarbeit mit der Warumungu-Gemeinschaft in Australien und wurde zu einer frei verfügbaren Plattform für indigene Gemeinschaften weiterentwickelt. Das hier besonders betrachtete Plateau Peoples’ Web Portal betrifft acht indigene Nationen des nordwestlichen Plateaus in den USA, darunter Spokane, Colville, Umatilla, Coeur d’Alene, Warm Springs, Yakama, Confederated Salish and Kootenai Tribes und Nez Perce. Diese Nationen besitzen jeweils eigene politische und kulturelle Strukturen innerhalb der Vereinigten Staaten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mukurtu CMS (Content-Management-System; deutsch: System zur Verwaltung und Veröffentlichung von Inhalten) wird am Center for Digital Scholarship and Curation der Washington State University als Open-Source-Software entwickelt und gepflegt. Die Entwicklung wurde unter anderem durch die National Endowment for the Humanities, das Institute of Museum and Library Services, die Mellon Foundation und die National Science Foundation gefördert.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_about&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_plateau&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Plateau Peoples’ Web Portal ist ein konkreter Verbund zwischen den beteiligten Stämmen, der Washington State University und externen Gedächtnisinstitutionen. Stammesvertreterinnen und -vertreter wählen und kuratieren Materialien; die technische Pflege liegt bei der Universität in Partnerschaft mit indigenen Programmen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_plateau&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Rechte- und Metadatenmodell ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mukurtu unterstützt Traditional Knowledge Labels, fein abgestufte kulturelle Protokolle und mehrere parallele Beschreibungen zu einem Objekt. Eine Institution kann beispielsweise eine archivische Beschreibung liefern, während eine Gemeinschaft eigene Namen, Erzählungen, Herkunftsangaben und Zugangsregeln ergänzt. Der „Roundtrip“-Mechanismus ermöglicht den Export angereicherter Daten, ohne ursprüngliche Metadaten zu verlieren.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wissenschaftliche Dokumentationen des Plateau-Portals beschreiben ein Hub-and-Spoke-Modell – also einen zentralen technischen Knoten mit mehreren institutionellen und gemeinschaftlichen Zulieferern – sowie Vereinbarungen zwischen Partnern, Dublin-Core-Metadaten und granulare Zugangsregeln.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_dlib&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Portal demonstriert dauerhaft, dass kulturelle Selbstbestimmung technisch nicht nur durch „öffentlich“ oder „geschlossen“ abgebildet werden muss. Es ermöglicht mehrere Wissensordnungen neben- statt untereinander. Die Plattform ist Open Source und exportfähig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Open Source bedeutet nicht kostenlosen Betrieb. Installation, Aktualisierung, Hosting, Rechtekonzeption, Datenmigration und Support benötigen dauerhaft qualifiziertes Personal. Mukurtu weist selbst ausdrücklich darauf hin, dass es eine Zugangsplattform und nur ein Bestandteil eines größeren Systems für Digitalisierung, Erhaltung und Nachhaltigkeit ist.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_about&amp;quot;/&amp;gt; Die Übernahme von Traditional Knowledge Labels in den sorbischen Kontext wäre nicht eins zu eins möglich, weil kulturelle und rechtliche Ausgangslagen verschieden sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* kulturelle Protokolle als Kern der Daten- und Zugangslogik;&lt;br /&gt;
* mehrere Beschreibungen und Perspektiven pro Objekt;&lt;br /&gt;
* exportfähige Daten statt Plattformbindung;&lt;br /&gt;
* Partnerschaftsvereinbarungen und konkrete Rollen;&lt;br /&gt;
* dauerhafte technische Trägerschaft durch eine Universität;&lt;br /&gt;
* Community-Kuration statt bloßer Rückmeldung nach Veröffentlichung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Im Kulturregister sollte neben institutionellen Angaben Raum für sorbische Bezeichnungen, lokale Varianten, Erinnerungen und Korrekturen bestehen. Rechte- und Sichtbarkeitsstufen müssen pro Datensatz und möglichst pro Mediendatei modelliert werden. Ein Sorbisches Kulturregister könnte zunächst ein eigenes, rechtlich passendes Set von „Kulturhinweisen“ entwickeln, etwa „nur Metadaten öffentlich“, „Nutzung nur nach Rücksprache“, „innergemeinschaftlich“, „zeitlich gesperrt“ oder „freie Nachnutzung erwünscht“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.8 Aṟa Irititja – Gemeinschaftsbasiertes Aṉangu-Archiv ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aṉangu ist eine Selbstbezeichnung von Ngaanyatjarra-, Pitjantjatjara- und Yankunytjatjara-Gemeinschaften im zentralen Australien. Aṟa Irititja arbeitet vor allem in den Aṉangu Pitjantjatjara Yankunytjatjara Lands (APY Lands) im Nordwesten des Bundesstaats South Australia. Die Gemeinschaften sind australischen staatlichen Strukturen zugehörig, verfügen aber über eigene Land- und Organisationsstrukturen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Entstehung, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Projekt entstand 1994 als sozialgeschichtliches Vorhaben der Pitjantjatjara Council Aboriginal Corporation. Es arbeitet mit Schulen, Bildungszentren, Gesundheits-, Frauen-, Medien-, Land- und Kunstorganisationen in den APY Lands zusammen. Ein zentrales Büro in Adelaide bearbeitet Datenbank, Digitalisierung, physische Lagerung und Verwaltung; ein Büro in Alice Springs hält den Kontakt zu Gemeinschaften und ergänzt Sprach-, Familien- und Kontextinformationen. Seit 2020 steht das Projekt unter dem Dach der APY-Organisation und wird durch deren Executive Board gesteuert.&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_who&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Finanzierung war über lange Zeit eine Mischung aus staatlichen Programmen, Stiftungen, Spenden sowie jährlichen Beiträgen beteiligter Schulen und Community-Organisationen. Die eigene Projektdokumentation bezeichnet die langfristige Finanzierung ausdrücklich als dauerhaftes Problem. Mit der Eingliederung in APY wurden 2020 drei permanente Teilzeitstellen geschaffen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_funding&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Fachliche Lösung, Rechte und Zugang ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aṟa Irititja wurde auf Wunsch der Gemeinschaften entwickelt, um kulturelle Geschichte zu bewahren und zurückzugeben. Das Multimediaarchiv umfasst Fotos, Dokumente, Filme, Tonaufnahmen und Objekte. Die Software sollte kulturelle Einschränkungen abbilden und zugleich für Nutzerinnen und Nutzer mit begrenzter Schriftkompetenz oder eingeschränktem Sehvermögen leicht bedienbar sein. Inhalte werden in Ngaanyatjarra, Pitjantjatjara, Yankunytjatjara und Englisch bereitgestellt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_approach&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_who&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gemeinschaftsmitglieder und kulturelle Berater beurteilen sensible Inhalte und Zugangsregeln. Der Ansatz der „digitalen Rückgabe“ bringt digitale Kopien und Nutzungsmöglichkeiten zu den Gemeinschaften zurück, auch wenn Originale in Museen oder anderen Institutionen verbleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Betrieb seit 1994, die Eingliederung in eine Aṉangu-geführte Organisation und die dauerhafte Nutzung in Schulen und Gemeinschaftseinrichtungen sind starke Nachhaltigkeitsindizien. Die Dokumentation beschreibt intergenerationelle Nutzung, Schulungen und Beschäftigung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Viele Wirkungsangaben stammen vom Projekt selbst. Unabhängige aktuelle Evaluationen und detaillierte technische Angaben zur Langzeiterhaltung sind begrenzt. Die langjährige Finanzierungssuche zeigt, dass kulturelle Bedeutung allein keinen verlässlichen Betriebsetat garantiert. Zentraler Betrieb in Adelaide schafft Fachlichkeit, kann aber Distanz zu abgelegenen Gemeinschaften erzeugen; deshalb bleibt die lokale Kontakt- und Trainingsstruktur wesentlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* Entwicklung aus einem ausdrücklichen Wunsch der Gemeinschaft;&lt;br /&gt;
* institutionelle Unterstellung unter eine gemeinschaftseigene Organisation;&lt;br /&gt;
* lokale Ansprechpartner und zentrale Facharbeit;&lt;br /&gt;
* kulturell abgestufte Zugänge;&lt;br /&gt;
* mehrsprachige, visuell einfache Oberfläche;&lt;br /&gt;
* Verbindung von digitaler Rückgabe, Bildung und Kompetenzaufbau.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Auch im sorbischen Kontext sollten Nutzeroberflächen nicht nur für wissenschaftliche Fachkräfte gestaltet werden. Lokale Sammlungsbetreuerinnen und -betreuer brauchen einfache Erfassungswege, visuelle Hilfen und persönliche Unterstützung. Sensible Inhalte – etwa private Familienaufnahmen, religiöse Praktiken, personenbezogene Überlieferung oder nicht für eine allgemeine Öffentlichkeit bestimmte Aufzeichnungen – benötigen ein gemeinsam beschlossenes Zugangsmodell. Zentraler Betrieb muss durch lokale Beziehungen ergänzt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.9 Living Archive of Aboriginal Languages (LAAL) ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Living Archive of Aboriginal Languages bündelt Literatur aus zahlreichen Aboriginal-Sprachgemeinschaften des Northern Territory in Australien. Es handelt sich nicht um eine einzige Minderheit, sondern um viele eigenständige Sprach- und Kulturgemeinschaften. Ein großer Teil der Bücher entstand zwischen den 1970er Jahren und dem Ende bilingualer Bildungsprogramme in lokalen Literature Production Centres.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und Finanzierung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Projekt begann 2012 unter Leitung der Charles Darwin University mit der Australian National University und dem Bildungsressort des Northern Territory. Es wurde durch die Australian Research Council Linkage Infrastructure, Equipment and Facilities Scheme gefördert. Eine zweite Förderphase erweiterte den Bestand und die Community- sowie Bildungsarbeit; weitere Partner kamen hinzu.&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_background&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Vorgehen umfasste das Auffinden verstreuter Bücher, Auswahl und Digitalisierung, Kontakt zu Autorinnen, Autoren und Illustratoren, Rechteklärung sowie Rückspiegelung in die Herkunftsgemeinschaften. Gemeinschaftsmitglieder konnten Texte prüfen und Geschichten oder Tonaufnahmen ergänzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Dateien, Rechte und Zugang ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für jeden Titel wurden Nutzungsdateien wie PDF, Textdatei und Vorschaubild erstellt; seitenweise TIFF-Masterdateien dienten der Langzeitaufbewahrung. Eine kartenbasierte Oberfläche erleichterte auch Menschen mit geringer Schriftkompetenz die Suche.&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_background&amp;quot;/&amp;gt; Materialien wurden nur nach schriftlicher Einwilligung von Urheberinnen, Urhebern oder Nachkommen veröffentlicht. Das Projekt verwendete Creative-Commons-Lizenzen mit Einschränkungen, berücksichtigte indigene Kultur- und Informationsprotokolle und bot ein Takedown-Verfahren, also die vorläufige Entfernung bei Einwänden.&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_rights&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der aktuelle Bestand umfasst nach Projektangaben nahezu 4.000 Bücher in 50 Sprachen aus 40 Gemeinschaften. Die Materialien wurden in die Plattform Territory Stories von Library &amp;amp; Archives Northern Territory überführt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_home&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Erfolg, Problem und Lernwert ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
LAAL verbindet Sprachsicherung, Rechteklärung, offene Bildungsnutzung und echte Erhaltungsdateien. Das Projekt zeigt aber auch eine typische Migrationsgefahr: Nach der Überführung in Territory Stories funktionierte die speziell entwickelte Kartenoberfläche nicht mehr; das Projekt dokumentierte 2022, dass zunächst auf einen möglichen Ersatz gewartet werde.&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_migration&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Die sorgfältige Rechteklärung erzeugte einen beträchtlichen Rückstand nicht veröffentlichter Materialien; dies ist kein Projektversagen, sondern ein realer Zielkonflikt zwischen Geschwindigkeit und Zustimmung. Die Migration bewahrte Inhalte, verlor aber zumindest zeitweise eine für die Zielgruppen wichtige Zugangsfunktion. Die ursprüngliche Projektorganisation war stark förderabhängig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* systematische „Search-and-Rescue“-Phase für verstreute gefährdete Materialien;&lt;br /&gt;
* klare Trennung von Erhaltungs- und Nutzungsdateien;&lt;br /&gt;
* Veröffentlichung nur mit Einwilligung und Takedown-Verfahren;&lt;br /&gt;
* Beteiligung der Sprachgemeinschaften an Prüfung und Ergänzung;&lt;br /&gt;
* Bildungsnutzung und Offline-Zugriff;&lt;br /&gt;
* Übergabe an eine öffentliche Gedächtnisinstitution.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Für jede digitale Sammlung muss ein Migrations- und Exit-Plan festlegen, wie Daten, Rechteangaben, Identifikatoren und zielgruppenspezifische Funktionen beim Systemwechsel erhalten bleiben. Eine funktionierende Fachoberfläche darf nicht der einzige Ort sein, an dem Beziehungen zwischen Daten gespeichert sind. Rechteklärung sollte als eigenes Arbeitspaket mit Aufwand, Rückständen und Prioritäten geplant werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.10 PARADISEC – Facharchiv für gefährdete Sprachen und Kulturen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaften, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PARADISEC steht für Pacific And Regional Archive for Digital Sources in Endangered Cultures. Es ist kein Archiv einer einzelnen Minderheit, sondern bewahrt Forschungs- und Community-Aufnahmen vieler kleiner Sprach- und Kulturgemeinschaften, vor allem im Pazifikraum, aber auch weltweit. Der institutionelle Sitz liegt in Australien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Organisation, Finanzierung und Architektur ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
PARADISEC ist ein Verbund der University of Sydney, der University of Melbourne und der Australian National University. Operative Aufgaben sind über die drei Standorte verteilt; ein externer Beirat unterstützt die Steuerung. Das Projekt wurde wesentlich durch den Australian Research Council und in jüngerer Zeit durch die Language Data Commons of Australia im Rahmen nationaler Forschungsinfrastruktur finanziert.&amp;lt;ref name=&amp;quot;paradisec_about&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;paradisec_home&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Archiv hat Verfahren für Übernahme, Katalogisierung, Digitalisierung und Erhaltung von Audio-, Text- und Bildmaterial entwickelt. Es nutzt Forschungsnetze und institutionelle Speicherinfrastruktur, archiviert Audio in Erhaltungsformaten und stellt stabile Katalogdaten bereit. Kopien wurden an Kulturzentren und Institutionen in Vanuatu, Neukaledonien, Papua-Neuguinea, Französisch-Polynesien, den Salomonen und Rapa Nui zurückgegeben.&amp;lt;ref name=&amp;quot;paradisec_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Nachweisbarer Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Juli 2026 weist PARADISEC rund 20.500 Stunden Audio, 4.000 Stunden Video, mehr als 320 Terabyte und Inhalte zu etwa 1.460 Sprachen aus. Es erhielt 2019 das CoreTrustSeal für vertrauenswürdige Repositorien und wurde 2024 bei den Digital Preservation Awards sowie 2025 mit einem Open Scholarship Award ausgezeichnet.&amp;lt;ref name=&amp;quot;paradisec_home&amp;quot;/&amp;gt; Die Kombination aus großem Bestand, langjährigem Betrieb, fachlichen Standards und konkreter Rückgabe an Herkunftsgemeinschaften ist ein starker Erfolgsnachweis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Ein universitärer Forschungsverbund verfügt über Kompetenzen und Infrastrukturen, die kleinen lokalen Trägern nicht direkt zur Verfügung stehen. Die Community-Beteiligung variiert je nach Depositor, Sammlung und Herkunftsgemeinschaft. Online-Zugriff kann in Regionen mit schwacher Internetversorgung oder ohne passende Sprache weiterhin schwierig sein. Auch ein erfolgreiches Facharchiv benötigt laufende Dritt- und Infrastrukturmittel sowie technische Erneuerung; PARADISEC arbeitet derzeit an einer Erneuerung seines Katalogs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* fachlich fokussiertes Repositorium für gefährdete audiovisuelle und sprachliche Materialien;&lt;br /&gt;
* verteilte institutionelle Trägerschaft mit gemeinsamem Verfahren;&lt;br /&gt;
* professionelle Erhaltungsstandards und Zertifizierung;&lt;br /&gt;
* stabile Identifikatoren und wissenschaftliche Zitierbarkeit;&lt;br /&gt;
* Rückgabe von Kopien und Kooperation mit regionalen Kulturzentren;&lt;br /&gt;
* langfristige Verbindung zu Forschungsinfrastruktur statt isoliertem Projektserver.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Für gefährdete Audio-, Video- und Sprachdaten sollte nicht jede kleine Einrichtung ein eigenes Langzeitarchiv aufbauen. Ein zentral betriebener, professioneller Repositoriumsdienst mit klaren Übernahmepaketen ist sinnvoll. Gleichzeitig müssen Kopien, Zugriffsrechte und nutzbare Arbeitsfassungen bei den sorbischen Kulturgutträgern verbleiben können. Zertifizierungsmodelle wie CoreTrustSeal können langfristig Orientierung geben, sollten aber erst nach Aufbau stabiler Prozesse angestrebt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.11 Reciprocal Research Network (RRN) ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Reciprocal Research Network betrifft kulturelle Objekte der First Nations der Nordwestküste von British Columbia in Kanada. Es wurde gemeinsam von der Musqueam Indian Band, der Stó:lō Nation beziehungsweise dem Stó:lō Tribal Council, der U’mista Cultural Society und dem Museum of Anthropology der University of British Columbia entwickelt. Zahlreiche internationale Museen liefern Daten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Ziel, Organisation und technische Lösung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das RRN ist eine föderierte Recherche- und Kooperationsplattform. Es ermöglicht die gemeinsame Suche in institutionellen Sammlungen, persönliche und gemeinsame Forschungsprojekte, Dateiuploads und Diskussionen. Eine Steuerungsgruppe mit Vertreterinnen und Vertretern der beteiligten First Nations und des Museums ist weiterhin ausgewiesen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_about&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_contact&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wissenschaftliche Publikationen beschreiben den Aufbau als langfristigen Vertrauens- und Aushandlungsprozess. Vereinbarungen mit Partnerinstitutionen regelten Datenlieferung und Zusammenarbeit; agile Softwareentwicklung wurde mit unterschiedlichen Erwartungen und Entscheidungsrhythmen in Einklang gebracht.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_rowley&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Nachweisbarer Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Juli 2026 zeigt die Plattform Daten aus 29 Institutionen, mehr als 570.000 Objekte und 391.000 Fotografien sowie über 4.000 registrierte Mitglieder und fast 2.800 Projekte an.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_home&amp;quot;/&amp;gt; Diese Größenordnung belegt eine erhebliche institutionsübergreifende Aggregation und Nutzung der Arbeitsfunktionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Im Seitenfuß wird weiterhin die Softwareversion 1.8.3 mit Startdatum 22. November 2014 ausgewiesen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_contact&amp;quot;/&amp;gt; Das ist kein Beleg dafür, dass der Dienst beendet ist – die Plattform ist erreichbar und aktuelle Bestandszahlen werden angezeigt –, aber ein Warnsignal für Modernisierungs-, Sicherheits- und Wartungsrisiken. Detaillierte aktuelle Angaben zu Erhaltungsrepositorien und Betriebskosten sind öffentlich begrenzt. Das RRN ist vor allem Forschungs- und Zugangsplattform, nicht zwingend das Langzeitarchiv sämtlicher Quelldateien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* gemeinsame Entwicklung durch First Nations und Museum;&lt;br /&gt;
* föderierte Suche über internationale Sammlungen;&lt;br /&gt;
* dauerhafte Steuerungsgruppe;&lt;br /&gt;
* projektbezogene Kollaboration statt nur passiver Objektanzeige;&lt;br /&gt;
* formalisierte Partnerschaften und Aufbau von Vertrauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Ein sorbisches System kann mehr sein als ein Suchkatalog: Arbeitsbereiche für gemeinsame Erschließung, Korrekturen, Transkription, Übersetzung und Forschung erhöhen die aktive Nachnutzung. Solche Funktionen dürfen aber erst aufgebaut werden, wenn technische Wartung und Datenexport gesichert sind. Langfristige Kooperationsvereinbarungen sind wichtiger als einmalige Datenlieferungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== D.12 Indigitization – Dezentrale Digitalisierung mit zentraler Befähigung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gemeinschaft, Raum und staatliche Einordnung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Indigitization richtet sich an First Nations und weitere indigene Gemeinschaften in British Columbia, Kanada. Die Gemeinschaften verfügen über eigene Regierungen, Archive, Sprachprogramme und Kulturinstitutionen, arbeiten aber häufig mit begrenzten technischen und personellen Ressourcen. Viele gefährdete Tonaufnahmen befinden sich weiterhin lokal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Organisations- und Fördermodell ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Indigitization ist eine Kooperation indigener Gemeinschaften und Organisationen mit dem Irving K. Barber Learning Centre, dem Museum of Anthropology, dem Northern BC Archives der University of Northern British Columbia, der X̱wi7x̱wa Library und weiteren Einheiten der University of British Columbia. Das Programm entwickelt Ressourcen, führt Schulungen durch, berät zu Fördermitteln und unterstützt gemeinschaftsgeführte Digitalisierung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_about&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Werkzeugkasten entstand aus drei Pilotprojekten mit First Nations und verbindet deren Erfahrungen mit fachlichen Digitalisierungsstandards. Er enthält Planungshilfen, technische Anleitungen, Metadaten- und Dateiverfahren sowie Musterunterlagen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_toolkit&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von 2013 bis 2019 finanzierten Audiokassetten-Zuschüsse drei Pilot- und 45 Förderprojekte. Mehr als 11.464 Kassetten wurden digitalisiert; insgesamt wurden über 422.143 kanadische Dollar vergeben. Die Förderung umfasste ergänzende Mittel bis 10.000 Dollar je Vorhaben und intensive Schulung. Das spezifische Förderprogramm befindet sich derzeit in einer Pause, während Beratung, Workshops und Verweise auf weitere Programme fortgeführt werden.&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_grant&amp;quot;/&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_funding&amp;quot;/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Rechte, Erfolg und Grenzen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Digitalisierungsprojekte verbleiben bei den Gemeinschaften; eine öffentliche Veröffentlichung war nicht zwingend. Auch protokollgebundene und nichtöffentliche Zugänge waren förderfähig. Das schützt lokale Kontrolle und stärkt Kompetenzen vor Ort. Die dokumentierten Objekt- und Förderzahlen sowie die fortbestehende Beratungsinfrastruktur belegen konkrete Wirkung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Grenzen:''' Dezentrale Digitalisierung garantiert noch keine langfristige Erhaltung. Jede Gemeinschaft braucht ein tragfähiges Speicher-, Sicherungs- und Migrationskonzept oder einen verlässlichen Repositoriumspartner. Die Pause des früheren Kassettenprogramms zeigt die Verwundbarkeit zeitlich begrenzter Förderlinien. Für kleine Teams kann die dauerhafte Anwendung technischer Standards trotz Schulung anspruchsvoll bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren:'''&lt;br /&gt;
* zentrale Kompetenz, Vorlagen, Schulung und begrenzte Anschubfinanzierung;&lt;br /&gt;
* Durchführung und Kontrolle bei den lokalen Gemeinschaften;&lt;br /&gt;
* Pilotprojekte als Grundlage des Werkzeugkastens;&lt;br /&gt;
* praxisnahe Muster für Projektplan, Budget und Stellenprofil;&lt;br /&gt;
* kein Zwang zur allgemeinen Veröffentlichung;&lt;br /&gt;
* Netzwerk aus Hochschulen, Archiven und Community-Fachleuten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Lernwert für die Sorben:''' Dieses Modell kommt einer möglichen Rolle des sorbischen Digitalisierungszentrums besonders nahe. Die zentrale Stelle könnte mobile Technik, Leihgeräte, Schulung, Qualitätsprüfung, Dienstleisterrahmenverträge und Kleinprojektförderung bereitstellen. Lokale Träger behalten Originale, Auswahl, Kontext und Zugangsentscheidungen. Anders als bei rein dezentralen Ansätzen sollte im sorbischen Modell jedoch von Anfang an ein gemeinsames Repositorium oder ein verbindlicher Repositoriumsdienst angeschlossen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== E. Vergleichsmatrix ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== E.1 Funktionen, Architektur und Standards ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable sortable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Projekt&lt;br /&gt;
! Register / Katalog&lt;br /&gt;
! Digitalisierung&lt;br /&gt;
! Repositorium / Langzeiterhaltung&lt;br /&gt;
! Präsentation / Nachnutzung&lt;br /&gt;
! Technologie und Standards&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''RomArchive'''&lt;br /&gt;
| Kuratierter Sammlungsnachweis; kein Vollregister&lt;br /&gt;
| Auswahl und Digitalisierung in der Projektphase&lt;br /&gt;
| Interne und veröffentlichte Bestände; öffentliche Dokumentation der Langzeitprozesse begrenzt&lt;br /&gt;
| Themenarchive, Touren, Forschung; Deutsch, Englisch, Romanes; eingeschränkte Nachnutzung&lt;br /&gt;
| Axiell Collections, Django-Webanwendung, Connector zwischen Sammlung und Website&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Nuohtti'''&lt;br /&gt;
| Föderierter Metadatenindex aus vielen Archiven&lt;br /&gt;
| Erfolgt überwiegend bei Quellinstitutionen&lt;br /&gt;
| Verbleibt bei Datenlieferanten; Nationalarchive tragen Suchdienst weiter&lt;br /&gt;
| Mehrsprachige Suche, Karte, Zeitleiste; Verlinkung zu Quellen&lt;br /&gt;
| VuFind, Finna, RecordManager, Solr, Finto, Giellatekno, Leaflet, OpenStreetMap, Europeana-Wege&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''People’s Collection Wales'''&lt;br /&gt;
| Gemeinsame Plattform mit institutionellen und Community-Beiträgen&lt;br /&gt;
| Zentral unterstützte, teils lokale Digitalisierung; Schulungen&lt;br /&gt;
| In Evaluation als klärungsbedürftige Rolle benannt; nicht allein aus Portal abzuleiten&lt;br /&gt;
| Zweisprachiges Portal, Uploads, Lernangebote, Karten&lt;br /&gt;
| Gemeinsame Plattform; Metadaten-, Rechte- und Digitalisierungshilfen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Tobar an Dualchais'''&lt;br /&gt;
| Durchsuchbarer Katalog zu Tonaufnahmen&lt;br /&gt;
| Audio-Digitalisierung, Erschließung und Transkription&lt;br /&gt;
| Originale in institutionellen Archiven; digitale Erhaltung in Partnerstrukturen&lt;br /&gt;
| Mehr als 40.000 Aufnahmen; Sprache, Bildung, Forschung&lt;br /&gt;
| Audio-Workflows; Transkription und automatische Spracherkennung in Ergänzungsprojekten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Euskariana'''&lt;br /&gt;
| Integrierter Katalog aus Bibliotheken, Archiven, Museen und Repositorien&lt;br /&gt;
| Bei Partnern und in eigenen Programmen&lt;br /&gt;
| Eigenes Repositorium plus Links zu externen Repositorien&lt;br /&gt;
| Baskisch/spanisch; öffentliche Suche; Europeana-Anbindung&lt;br /&gt;
| MARC, Dublin Core, METS, PREMIS, ALTO; OAI-Zugang&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''bavarikon'''&lt;br /&gt;
| Gemeinsames Portal mit Partnerdaten&lt;br /&gt;
| Förderprogramm und fachliche Begleitung; zentrale Qualitätsprüfung&lt;br /&gt;
| Verantwortlichkeit für alle Masterdateien nicht einheitlich öffentlich dokumentiert&lt;br /&gt;
| Portalsuche, Ausstellungen, 3D, Bildungs- und Social-Media-Formate&lt;br /&gt;
| Verbindliche Metadaten- und Lieferhandreichungen; zentrales Hosting&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Mukurtu / Plateau Portal'''&lt;br /&gt;
| Institutionelle und Community-Datensätze zu denselben Objekten&lt;br /&gt;
| Nicht Kernfunktion; lokale beziehungsweise institutionelle Workflows&lt;br /&gt;
| Mukurtu ausdrücklich nur Zugangsbaustein; Erhaltung separat zu planen&lt;br /&gt;
| Protokollbasierter Zugang, Community-Erzählungen, Export&lt;br /&gt;
| Open Source auf Drupal-Basis; TK Labels; kulturelle Protokolle; Dublin Core; Roundtrip-Export&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Aṟa Irititja'''&lt;br /&gt;
| Zentraler Multimedia-Katalog mit lokalen Ergänzungen&lt;br /&gt;
| Zentral vorbereitet, mit Community-Kontaktstellen und historischer Formatrettung&lt;br /&gt;
| Physische und digitale Materialien zentral fachlich verwaltet; Details zu Erhaltungsstufen begrenzt&lt;br /&gt;
| Community-Zugänge, mehrsprachig, visuell niedrigschwellig; digitale Rückgabe&lt;br /&gt;
| Speziell entwickelte beziehungsweise weiterentwickelte Wissensmanagement-Software; kulturelle Beschränkungen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''LAAL'''&lt;br /&gt;
| Sprach-, Orts-, Personen- und Titelnachweis&lt;br /&gt;
| Systematische Suche, Scan und Rechteklärung&lt;br /&gt;
| TIFF-Master; zunächst CDU eSpace, später Territory Stories&lt;br /&gt;
| PDFs, Textdateien, App, Bildung; ursprüngliche Kartenfunktion nach Migration verloren&lt;br /&gt;
| TIFF/PDF/TXT/JPG; persistente Kennungen im Zielsystem; Creative-Commons- und Takedown-Modell&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''PARADISEC'''&lt;br /&gt;
| Fachkatalog für audiovisuelle und sprachliche Sammlungen&lt;br /&gt;
| Professionelle Digitalisierung gefährdeter Medien&lt;br /&gt;
| Institutioneller Verbund; Erhaltungsformate, redundante Infrastruktur, CoreTrustSeal&lt;br /&gt;
| Online-Katalog, Forschung, Community-Zugang und Rückgabe von Kopien&lt;br /&gt;
| Internationale Archivstandards; stabile Identifikatoren; laufende Katalogmodernisierung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''RRN'''&lt;br /&gt;
| Föderierte Suche über Daten von 29 Institutionen&lt;br /&gt;
| Erfolgt primär bei Partnern&lt;br /&gt;
| Plattform ist kein einheitliches Langzeitarchiv aller Quellen&lt;br /&gt;
| Kollaborative Projekte, Diskussionen, Uploads und Recherche&lt;br /&gt;
| Föderierte Datenintegration, Programmierschnittstelle; sichtbare Plattformversion von 2014&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Indigitization'''&lt;br /&gt;
| Kein zentraler Gesamtkatalog als Hauptziel&lt;br /&gt;
| Dezentrale Digitalisierung mit zentraler Schulung, Geräten, Standards und Förderung&lt;br /&gt;
| Muss je Community beziehungsweise über Partner gelöst werden&lt;br /&gt;
| Community-interne oder öffentliche Nutzung nach lokalen Regeln&lt;br /&gt;
| Werkzeugkasten, Broadcast-Wave-Audio, Musterunterlagen und Trainingsworkflows&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== E.2 Governance, Finanzierung, Erfolg und Übertragbarkeit ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable sortable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Projekt&lt;br /&gt;
! Organisationsmodell&lt;br /&gt;
! Community-Beteiligung&lt;br /&gt;
! Finanzierung und dauerhafter Betrieb&lt;br /&gt;
! Nachweisbarer Erfolg&lt;br /&gt;
! Grenzen&lt;br /&gt;
! Übertragbarkeit auf die Sorben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''RomArchive'''&lt;br /&gt;
| Internationales Kuratorium/Beirat; seit 2019 Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma&lt;br /&gt;
| Überwiegend Roma in Kuratorien und Beirat; Auswahl und strategische Richtlinien&lt;br /&gt;
| Große öffentliche Anschubförderung; institutioneller Betreiber und laufende öffentliche Förderung&lt;br /&gt;
| Betreiberübergang vollzogen; seit 2019 online weitergeführt&lt;br /&gt;
| Kein Vollregister; wenige aktuelle Nutzungsdaten; Nachnutzung oft restriktiv&lt;br /&gt;
| '''Hoch''' für Governance, kuratierte Kontexte und Betreiberübergang&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Nuohtti'''&lt;br /&gt;
| Drei Nationalarchive plus Universitäten; föderierter Dienst&lt;br /&gt;
| Sámi-Parlamente in Steuerungsgruppe; ethische Leitlinien und Tests&lt;br /&gt;
| EU-Projekt; Weiterbetrieb durch Nationalarchive&lt;br /&gt;
| Rund 30.000 Datensätze, 32 Institutionen, fünf Sprachen; fortbestehender Dienst&lt;br /&gt;
| Datenqualität und Erhaltung bleiben verteilt; geringe aktuelle Wirkungsdaten&lt;br /&gt;
| '''Sehr hoch''' für Kulturregister und föderierte Suche&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''People’s Collection Wales'''&lt;br /&gt;
| Föderation dreier nationaler Einrichtungen&lt;br /&gt;
| Lokale Gruppen und Einzelpersonen liefern Inhalte; umfangreiche Unterstützung&lt;br /&gt;
| Walisische Regierung; Evaluation benennt Nachhaltigkeitsrisiko&lt;br /&gt;
| Dauerbetrieb, Community-Kompetenzen, kritische Masse; unabhängige Evaluation&lt;br /&gt;
| Moderate gemessene Wirkung; Vermittlung personalintensiv; 38 Survey-Antworten&lt;br /&gt;
| '''Sehr hoch''' für Servicezentrum, Zweisprachigkeit und Evaluation&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Tobar an Dualchais'''&lt;br /&gt;
| Partnerschaft kultureller und wissenschaftlicher Einrichtungen&lt;br /&gt;
| Sprachgemeinschaften, Beitragende und Freiwillige bei Erschließung/Transkription&lt;br /&gt;
| Wiederkehrende öffentliche Projekt- und Programmmittel&lt;br /&gt;
| Mehr als 40.000 Aufnahmen; laufende Weiterentwicklung&lt;br /&gt;
| Dauergrundfinanzierung und Rechteaufwand öffentlich nur teilweise sichtbar&lt;br /&gt;
| '''Hoch''' für gefährdete Medien und Spracherschließung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Euskariana'''&lt;br /&gt;
| Baskische Regierung mit öffentlichen und privaten Partnern&lt;br /&gt;
| Eher institutionell als gemeinschaftsgeführt&lt;br /&gt;
| Staatlicher Betrieb&lt;br /&gt;
| Breiter Quellenverbund, Standards, Europeana-Interoperabilität&lt;br /&gt;
| Wenig unabhängige Nutzungsevaluation; Community-Rechte kaum dokumentiert&lt;br /&gt;
| '''Hoch''' für Metadaten, Onboarding-Wege und Aggregation; '''mittel''' für Governance&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''bavarikon'''&lt;br /&gt;
| Ministerien, 14-köpfiger Rat, Bayerische Staatsbibliothek, Rechenzentrum&lt;br /&gt;
| Partnerinstitutionen im Rat; keine Minderheiten-Governance&lt;br /&gt;
| Dauerhafte Landesstruktur plus Projektförderung&lt;br /&gt;
| Über 500.000 Objekte aus rund 170 Einrichtungen; monatlicher Ausbau&lt;br /&gt;
| Große Ressourcen; Präsentation und Förderlogik dominieren&lt;br /&gt;
| '''Mittel bis hoch''' für Verfahren/Qualität; Größenordnung kaum übertragbar&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Mukurtu / Plateau Portal'''&lt;br /&gt;
| Universität als Technikträger; acht indigene Nationen und Museen als Partner&lt;br /&gt;
| Kuration, Metadaten, Protokolle und Zugriff durch Stammesvertreter&lt;br /&gt;
| Öffentliche und philanthropische Forschungsförderung; Universität pflegt Software&lt;br /&gt;
| International genutzte Open-Source-Plattform; dauerhaftes konkretes Portal&lt;br /&gt;
| Qualifizierter Betrieb nötig; Zugangsplattform ersetzt kein Repositorium&lt;br /&gt;
| '''Sehr hoch''' für Rechte, sensible Inhalte und Mehrperspektivität&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Aṟa Irititja'''&lt;br /&gt;
| Zentralfachstelle plus lokale Liaison; seit 2020 unter APY-Organisation&lt;br /&gt;
| Auftrag, Steuerung, Zugangsregeln und Kontext durch Aṉangu&lt;br /&gt;
| Langjährige Mischung aus Zuschüssen, Spenden und lokalen Beiträgen; drei permanente Teilzeitstellen&lt;br /&gt;
| Betrieb seit 1994; lokale Nutzung und digitale Rückgabe&lt;br /&gt;
| Finanzierung lange prekär; Wirkung überwiegend selbst berichtet&lt;br /&gt;
| '''Hoch''' für lokale Kontrolle und abgestufte Zugänge; Technik nicht direkt übertragbar&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''LAAL'''&lt;br /&gt;
| Universität und öffentliche Partner; Übergabe an Landesbibliothek/-archiv&lt;br /&gt;
| Einwilligung, Prüfung und Ergänzung durch Sprachgemeinschaften&lt;br /&gt;
| Zwei Forschungsförderphasen; anschließend institutionelle Übernahme&lt;br /&gt;
| Nahezu 4.000 Bücher, 50 Sprachen, 40 Gemeinschaften&lt;br /&gt;
| Rechte-Rückstand; Verlust der Kartenfunktion bei Migration&lt;br /&gt;
| '''Sehr hoch''' als Migrations-, Rechte- und Sprachlernfall&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''PARADISEC'''&lt;br /&gt;
| Verbund dreier Universitäten mit Beirat&lt;br /&gt;
| Je Sammlung unterschiedlich; Kopien und Kooperationen mit Herkunftsgemeinschaften&lt;br /&gt;
| Forschungsrat, nationale Forschungsinfrastruktur, Hochschulen und Spenden&lt;br /&gt;
| 20.500 Audio-, 4.000 Videostunden, 320 TB, 1.460 Sprachen; Zertifizierung/Auszeichnungen&lt;br /&gt;
| Hohe Fach- und Infrastrukturvoraussetzungen; Zugänglichkeit regional unterschiedlich&lt;br /&gt;
| '''Hoch''' für zentrales Fachrepositorium; Skalierung nur angepasst&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''RRN'''&lt;br /&gt;
| Gemeinsame Steuerung von First Nations und Museum; viele Datenpartner&lt;br /&gt;
| Co-Entwicklung, Projekte, Diskussionen und Community-Wissen&lt;br /&gt;
| Institutionelle Projektstruktur; aktuelle Kosten öffentlich unklar&lt;br /&gt;
| 29 Institutionen, über 570.000 Objekte, über 4.000 Mitglieder&lt;br /&gt;
| Technische Alterung möglich; Erhaltung der Quelldateien dezentral&lt;br /&gt;
| '''Hoch''' für Kooperation und Arbeitsfunktionen; Wartungsrisiko beachten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Indigitization'''&lt;br /&gt;
| Hochschul- und Community-Netzwerk als Kompetenz- und Förderstelle&lt;br /&gt;
| Projekte werden von Gemeinschaften durchgeführt und kontrolliert&lt;br /&gt;
| Hochschulunterstützung; früheres Kassettenförderprogramm aktuell pausiert&lt;br /&gt;
| 45 Förderprojekte, 11.464 Kassetten, über 422.000 CAD Förderung&lt;br /&gt;
| Dezentrale Langzeiterhaltung nicht automatisch gesichert; Förderpause&lt;br /&gt;
| '''Sehr hoch''' für Digitalisierungszentrum und Unterstützung kleiner Träger&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== F. Übergreifende Erfolgsfaktoren ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.1 Governance und Beteiligung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' Die stärksten gemeinschaftsbezogenen Projekte verankern Beteiligung in Gremien, Rollen und Datenmodellen. RomArchive übergab Kuratierung und strategische Leitlinien überwiegend an Roma. Nuohtti beteiligte Sámi-Parlamente. Mukurtu und das Plateau Portal ermöglichen kulturelle Protokolle und mehrere Beschreibungen. Aṟa Irititja ist unter einer Aṉangu-geführten Organisation verankert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Erforderlich ist ein dauerhaftes Steuerungsmodell mit Vertreterinnen und Vertretern zentraler Einrichtungen, lokaler Träger, beider Sprachräume, Fachwissenschaft, Technik und möglichst verschiedener Generationen. Für sensible Inhalte, Priorisierung und öffentliche Darstellung müssen Entscheidungs- und Eskalationsregeln schriftlich festgelegt werden. Eine bloße Anhörung nach Abschluss technischer Entscheidungen ist unzureichend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.2 Erfassung und Priorisierung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' Nuohtti begann mit der Kartierung verteilter Quellen; LAAL mit systematischem Auffinden gefährdeter Literatur. bavarikon nutzt Anträge, Objektlisten und Auswahlkriterien. Audioprojekte priorisieren physisch und technisch gefährdete Medien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Zunächst sollte das Kulturregister einen belastbaren Überblick schaffen, ohne sofort jeden Eintrag maximal tief zu erschließen. Die Digitalisierungspriorität sollte anschließend aus mindestens vier Kriterien gebildet werden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Gefährdung:''' physischer Verfall, technische Obsoleszenz, Verlustgefahr;&lt;br /&gt;
# '''Bedeutung:''' Einzigartigkeit, Repräsentativität, sprachliche und kulturelle Relevanz;&lt;br /&gt;
# '''Nutzungspotenzial:''' Bildung, Forschung, Sprachrevitalisierung, Vermittlung;&lt;br /&gt;
# '''Umsetzbarkeit:''' Rechteklarheit, Zustand, vorhandene Metadaten, Kosten und Zielrepositorium.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Priorisierungswert darf keine endgültige kulturelle Rangliste erzeugen. Er dient der Arbeitsplanung und muss fachlich sowie gemeinschaftlich überprüfbar sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.3 Organisation der Digitalisierung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' Indigitization und People’s Collection Wales zeigen, dass zentrale Kompetenz und lokale Durchführung kombinierbar sind. bavarikon ergänzt dies um Auswahl, Förderung und Qualitätsprüfung. PARADISEC zeigt für anspruchsvolle audiovisuelle Medien den Wert eines spezialisierten Fachzentrums.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Das Digitalisierungszentrum sollte ein gestuftes Dienstemodell anbieten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Beratung und Projektplanung;&lt;br /&gt;
* Leihtechnik und Schulung für geeignete einfache Verfahren;&lt;br /&gt;
* mobile Digitalisierung vor Ort, wenn Kulturgüter nicht transportiert werden können;&lt;br /&gt;
* zentrale Digitalisierung für anspruchsvolle oder gefährdete Medien;&lt;br /&gt;
* Rahmenverträge und Qualitätskontrolle für externe Spezialdienstleister;&lt;br /&gt;
* Übernahmevorbereitung für das Repositorium.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.4 Technische Architektur ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' Föderierte Portale wie Nuohtti und Euskariana verbinden bestehende Systeme, statt alle Partner zu einem identischen Fachverfahren zu zwingen. Erfolgreiche Systeme verfügen über Exporte und Schnittstellen. LAAL zeigt, dass bei Migrationen zielgruppenspezifische Funktionen verloren gehen können, wenn Daten- und Präsentationslogik zu eng gekoppelt sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Die Architektur sollte modular sein. Das Register verwaltet Nachweise und Beziehungen; Digitalisierungsworkflows erzeugen Dateien und technische Metadaten; das Repositorium übernimmt Erhaltungspakete; Präsentationssysteme beziehen freigegebene Daten und Derivate. Jedes System benötigt dokumentierte Exporte. Eine proprietäre Lösung ohne vollständigen Datenexport, Identifikatorerhalt und Migrationsplan sollte ausgeschlossen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.5 Metadaten und Interoperabilität ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' Euskariana und bavarikon arbeiten mit veröffentlichten Standards und Lieferprofilen; Nuohtti normalisiert heterogene Daten; Mukurtu ermöglicht zusätzliche Community-Metadaten. Technische Vollständigkeit allein löst jedoch keine problematischen historischen Begriffe oder fehlenden kulturellen Kontexte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Notwendig ist ein abgestuftes Metadatenprofil:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* '''Pflichtkern''' für alle Träger: eindeutige Kennung, Bezeichnung, Kulturgutart, Standort beziehungsweise Träger, Sprache, Zeit/Ort soweit bekannt, Kurzkontext, Rechte-/Zugangsstatus, Quellenangabe, Bearbeitungsstand;&lt;br /&gt;
* '''fachliche Erweiterungen''' für Archive, Bibliotheken, Museen, audiovisuelle Medien, immaterielles Kulturerbe und Born-digital-Bestände;&lt;br /&gt;
* '''Community-Felder''' für sorbische Bezeichnungen, lokale Varianten, kulturelle Hinweise, alternative Erzählungen und Korrekturen;&lt;br /&gt;
* '''technische Erhaltungsmetadaten''' im Repositorium, etwa Dateiformat, Prüfsumme, Erzeugung, Migration und Beziehungen zwischen Master und Derivaten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Normdaten und kontrollierte Vokabulare sollten dort eingesetzt werden, wo sie Nutzen bringen. Für ehrenamtliche Erfassung müssen einfache Auswahllisten, Hilfetexte und spätere fachliche Anreicherung vorgesehen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.6 Rechte und kulturelle Selbstbestimmung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' Mukurtu, Aṟa Irititja und LAAL zeigen, dass urheberrechtliche Erlaubnis, Datenschutz und kulturelle Angemessenheit getrennt geprüft werden müssen. Ein Werk kann rechtlich veröffentlichbar, kulturell aber sensibel sein; umgekehrt kann eine Gemeinschaft Zugang wünschen, obwohl eine allgemeine Veröffentlichung nicht möglich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Mindestens vier Sichtbarkeitsstufen sind sinnvoll:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# öffentliche Metadaten, aber kein Medium;&lt;br /&gt;
# öffentliches Nutzungsdigitalisat, gegebenenfalls in reduzierter Qualität;&lt;br /&gt;
# beschränkter Zugang für festgelegte Gruppen, Forschung oder Community;&lt;br /&gt;
# gesperrt beziehungsweise nur intern dokumentiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jeder Datensatz sollte dokumentieren, wer die Entscheidung getroffen hat, auf welcher Grundlage sie beruht und wann sie erneut geprüft wird. Rechteinformationen müssen vom Register über Repositorium bis Präsentation mitgeführt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.7 Langzeiterhaltung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' PARADISEC belegt den Wert eines fachlich betriebenen Repositoriums. LAAL zeigt sowohl die Trennung von Master- und Nutzungsdateien als auch das Risiko einer Migration. Mukurtu warnt ausdrücklich davor, Zugangsplattform und Erhaltungssystem gleichzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Für jedes Digitalisat müssen vor der Produktion feststehen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Zielrepositorium und verantwortlicher Betreiber;&lt;br /&gt;
* Master- und Nutzungsformat;&lt;br /&gt;
* Dateibenennung beziehungsweise Identifikator;&lt;br /&gt;
* Prüfsumme und Integritätskontrolle;&lt;br /&gt;
* mindestens zwei räumlich getrennte Sicherungskopien;&lt;br /&gt;
* Übergabepaket aus Datei, Metadaten, Rechten und Provenienz;&lt;br /&gt;
* Verfahren für Formatbeobachtung, Migration und Wiederherstellung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das OAIS-Modell bietet den konzeptionellen Rahmen; die NDSA-Reifegradstufen können einen realistischen stufenweisen Aufbau unterstützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.8 Präsentation und Nachnutzung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' RomArchive verbindet Objekte mit kuratierten Erzählungen; People’s Collection Wales mit Lern- und Beitragsfunktionen; Tobar an Dualchais mit sprachlicher Erschließung; RRN mit kollaborativen Arbeitsräumen. Erfolg entsteht nicht durch bloße Online-Sichtbarkeit, sondern durch zielgruppengerechte Kontexte und tatsächlich nutzbare Funktionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Ein gemeinsamer Suchzugang ist wichtig, aber nicht jede Zielgruppe braucht dieselbe Oberfläche. Denkbar sind ein übergreifendes Kulturerbeportal, Fachzugänge für Forschung, Bildungsbausteine, kuratierte Ausstellungen und maschinenlesbare Schnittstellen. Download und Nachnutzung sollten dort ermöglicht werden, wo Rechte und kulturelle Interessen dies zulassen. Nutzungsstatistiken, Zitationen, Downloads, Bildungskooperationen und Community-Rückmeldungen sollten kontinuierlich ausgewertet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.9 Finanzierung und Verstetigung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' RomArchive plante den Betreiberübergang früh. People’s Collection Wales und Aṟa Irititja zeigen, wie belastend unsichere Finanzierung bleibt. Indigitization demonstriert die Wirkung kleiner Förderbudgets, aber auch die Verwundbarkeit eines pausierenden Programms. bavarikon und PARADISEC profitieren von institutioneller Infrastruktur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Es sind drei Kostenarten getrennt zu planen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Aufbaukosten:''' Konzeption, Pilot, Beschaffung, Datenmigration, erste Digitalisierung;&lt;br /&gt;
# '''Betriebskosten:''' Personal, Hosting, Speicher, Sicherung, Helpdesk, Rechtearbeit, Qualitätssicherung;&lt;br /&gt;
# '''Erneuerungskosten:''' Softwareupdates, Sicherheitsmaßnahmen, Hardwareersatz, Formatmigration, Neuentwicklung von Schnittstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Projektmittel eignen sich für Aufbau und Erprobung. Kernfunktionen dürfen nach der Pilotphase nur skaliert werden, wenn ein wiederkehrender Betriebsetat und ein verantwortlicher Rechtsträger feststehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== F.10 Projektsteuerung und schrittweiser Aufbau ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Beobachtetes Muster:''' People’s Collection Wales empfiehlt einen evidenzbasierten Ablauf aus Bedarf, Pilot, Test, Auswertung und Skalierung. Indigitization entwickelte seinen Werkzeugkasten aus drei Pilotprojekten. bavarikon nutzt Vorantrag, Prüfung, Standards und begleitete Umsetzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Folgerung für die Sorben:''' Der Aufbau sollte in überprüfbaren Ausbaustufen erfolgen. Jede Stufe braucht definierte Ergebnisse, Qualitätskriterien, Verantwortliche, Budget, Risiken und eine Entscheidung über Fortführung oder Anpassung. Technische Pilotierung ohne Governance-, Rechte- und Betriebsprüfung wäre unvollständig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== G. Empfehlungen für den sorbischen Kontext ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.1 Zielmodell: vier Säulen, drei Fundamente, zwei Betriebsregeln ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ergebnisse lassen sich für den sorbischen Kontext in einem priorisierten 4–3–2-Modell zusammenführen. Es verbindet die im Konzept beschriebene Prozesskette mit einer klaren organisatorischen und technischen Verantwortungsstruktur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Vier funktionale Säulen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Säule&lt;br /&gt;
! Mindestauftrag&lt;br /&gt;
! Abgrenzung&lt;br /&gt;
! Unverzichtbare Schnittstellen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''1. Sorbisches Kulturregister (SKR)'''&lt;br /&gt;
| Verteilte Kulturgüter und Bestände nachweisen, beschreiben, verknüpfen, Rechte- und Prioritätsstatus dokumentieren&lt;br /&gt;
| Kein Ersatz für lokale Inventare und nicht automatisch Speicherort aller Dateien&lt;br /&gt;
| Import/Export zu Fachsystemen; Übergabe von Objekt- und Rechtekennungen an Digitalisierung, Repositorium und Präsentation&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''2. Digitalisierungszentrum (DZ)'''&lt;br /&gt;
| Beratung, Planung, Digitalisierung, Qualitätssicherung, Schulung, Dienstleistersteuerung und Vorbereitung der Archivübergabe&lt;br /&gt;
| Nicht primär öffentlicher Katalog und nicht automatisch dauerhafter Speicher&lt;br /&gt;
| Aufträge aus Register/Priorisierung; Lieferung standardisierter Übergabepakete an Repositorium; Erzeugung von Nutzungsderivaten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''3. Repositorium / digitales Langzeitarchiv'''&lt;br /&gt;
| Masterdateien, Metadaten, Rechte und Provenienz dauerhaft übernehmen, prüfen, sichern und migrieren&lt;br /&gt;
| Nicht mit einem Netzlaufwerk, einer Cloudablage oder der öffentlichen Website gleichzusetzen&lt;br /&gt;
| Persistente Identifikatoren; Rückmeldung des Archivstatus an Register; kontrollierte Bereitstellung an Präsentationssysteme&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''4. Präsentations- und Nutzungssysteme'''&lt;br /&gt;
| Freigegebene Inhalte suchen, verstehen, zitieren, herunterladen und weiterverwenden lassen&lt;br /&gt;
| Nicht führendes System für Rechte, Masterdateien oder dauerhafte Erhaltung&lt;br /&gt;
| Bezug von Metadaten aus Register und Derivaten aus Repositorium; Rückgabe von Nutzungs- und Korrekturinformationen&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Entscheidender Punkt:''' Die vier Säulen sind Funktionen, nicht zwingend vier eigenständige Einrichtungen. Ein Träger kann mehrere Funktionen übernehmen. Dennoch müssen für jede Säule Auftrag, Zuständigkeit, Datenhoheit, Budget, Qualitätskriterien, Vertretung und Ausfallvorsorge benannt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Drei gemeinsame Fundamente ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Fundament&lt;br /&gt;
! Inhalt&lt;br /&gt;
! Warum es vor der Skalierung geklärt werden muss&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''A. Gemeinschaftliche Governance und Rechte'''&lt;br /&gt;
| Entscheidungsgremien, Rollen der Kulturgutträger, Community-Beteiligung, Konfliktlösung, sensible Inhalte, abgestufte Zugänge&lt;br /&gt;
| Ohne Entscheidungskompetenz entstehen Vertrauensverlust, Verzögerungen und nachträgliche Sperrungen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''B. Gemeinsame Daten- und Qualitätsarchitektur'''&lt;br /&gt;
| Metadatenkern, Identifikatoren, Sprachwerte, Vokabulare, Dateiformate, Schnittstellen, Lieferpakete, Qualitätssicherung&lt;br /&gt;
| Ohne gemeinsamen Kern können Register, DZ, Repositorium und Präsentation nicht verlässlich zusammenspielen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''C. Dauerbetrieb, Finanzierung und Kompetenz'''&lt;br /&gt;
| Rechtsträger, wiederkehrendes Budget, Personal, Hosting, Speicher, Wartung, Schulung, Helpdesk und Erneuerungsplanung&lt;br /&gt;
| Ohne Betriebsperspektive vergrößert jedes zusätzliche Digitalisat die technische und organisatorische Schuld.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Zwei Betriebsregeln ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Zentral ermöglichen, dezentral verantworten.''' Zentrale Stellen bieten Infrastruktur, Standards, Beratung, Qualitätskontrolle, Repositorium und gemeinsame Zugänge. Kulturgutträger behalten grundsätzlich Originale, lokalen Kontext, Beziehungen zu Urheberinnen und Urhebern sowie Mitentscheidung über kulturelle Bedeutung und Zugang.&lt;br /&gt;
# '''Als Projekt aufbauen, nur mit Dauerbetrieb skalieren.''' Pilot- und Förderprojekte sind geeignet, Register, Dienste und Workflows zu entwickeln. Eine breite Produktion beginnt erst, wenn dauerhafter Betreiber, Regelbudget, Personal und Erhaltungsweg gesichert sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Prüfsatz für Entscheidungen:''' Kein Digitalisat ohne Zielarchiv; kein Portal ohne Datenpflege; kein Register ohne Zuständigkeit; keine Veröffentlichung ohne Rechte- und Kulturprüfung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.2 Was zentral, dezentral und gemeinsam organisiert werden sollte ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Zentral bereitzustellen&lt;br /&gt;
! Dezentral bei den Kulturgutträgern&lt;br /&gt;
! Gemeinsam zu entscheiden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Technische Plattform und Datenmodell des Kulturregisters&lt;br /&gt;
| Besitz, Verwahrung und konservatorische Verantwortung für Originale, soweit nicht anders vereinbart&lt;br /&gt;
| Welche Bestände zunächst erfasst und digitalisiert werden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Metadatenkern, Vokabulare, Identifikatoren und Schnittstellen&lt;br /&gt;
| Erste Bestandskenntnis, lokale Namen, Geschichte und Beziehungen&lt;br /&gt;
| Kulturelle Bedeutung, Repräsentativität und Priorität&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Digitalisierungsberatung, Spezialtechnik, mobile Dienste und Qualitätsprüfung&lt;br /&gt;
| Lokale Auswahl und organisatorische Vorbereitung&lt;br /&gt;
| Transport, Vor-Ort-Digitalisierung oder externe Vergabe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Repositorium, Sicherung, Integritätsprüfung, Migration und Wiederherstellung&lt;br /&gt;
| Mitwirkung an Rechteklärung und Kontakt zu Betroffenen beziehungsweise Nachkommen&lt;br /&gt;
| Zugangs- und Nutzungskategorien für sensible Inhalte&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mustervereinbarungen, Rechte- und Datenschutzberatung&lt;br /&gt;
| Lokale Freigaben, sofern die jeweilige Stelle entscheidungsbefugt ist&lt;br /&gt;
| Verfahren bei Konflikten, Korrekturen und Takedown-Anfragen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Schulungen, Helpdesk, Dokumentation und gegebenenfalls Kleinprojektförderung&lt;br /&gt;
| Pflege von Kontexten, Korrekturen und neuen Informationen&lt;br /&gt;
| Übersetzungs- und Erschließungsprioritäten in Ober- und Niedersorbisch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gemeinsame Präsentationsbausteine und Programmierschnittstellen&lt;br /&gt;
| Eigene lokale Ausstellungen und Nutzungsszenarien&lt;br /&gt;
| Welche Inhalte übergreifend präsentiert oder nachnutzbar gemacht werden&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Verteilung schützt die dezentrale Trägerschaft, ohne kleine Einrichtungen mit jeder technischen Aufgabe allein zu lassen. Sie verhindert zugleich, dass zentrale Infrastruktur mit zentraler kultureller Deutungshoheit verwechselt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.3 Kurzfristig umsetzbare Schritte: 2026–2027 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Priorität 1: Governance und Verantwortungen beschließen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ein gemeinsames Steuerungsgremium für Kulturregister, Digitalisierungszentrum, Repositorium und Präsentation festlegen.&lt;br /&gt;
* Beide sorbischen Sprachräume, zentrale Institutionen und mindestens mehrere lokale beziehungsweise ehrenamtliche Träger verbindlich vertreten.&lt;br /&gt;
* Entscheidungsrechte, Vetorechte bei sensiblen Inhalten, Konfliktlösung und Vertretungsregelungen schriftlich regeln.&lt;br /&gt;
* Einen dauerhaften Produkt- beziehungsweise Serviceverantwortlichen für jede der vier Säulen benennen, auch wenn mehrere Säulen organisatorisch beim selben Träger liegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Priorität 2: Gemeinsamen Mindeststandard verabschieden ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Standard sollte klein genug für ehrenamtliche Erfassung, aber erweiterbar für Fachinstitutionen sein. Er muss mindestens regeln:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* eindeutige Kennung und verantwortlicher Datensatzhalter;&lt;br /&gt;
* Bezeichnung in Originalsprache und gegebenenfalls Übersetzungen;&lt;br /&gt;
* getrennte Sprachkennzeichnung für Obersorbisch, Niedersorbisch, Deutsch und weitere Sprachen;&lt;br /&gt;
* Kulturgutart und Zugehörigkeit zu materiellen, immateriellen oder digitalen Beständen;&lt;br /&gt;
* Standort beziehungsweise verwahrende Stelle;&lt;br /&gt;
* Kurzkontext, Zeit, Ort und beteiligte Personen soweit bekannt;&lt;br /&gt;
* Rechte-, Datenschutz- und kultureller Zugangsstatus;&lt;br /&gt;
* Digitalisierungs- und Archivierungsstatus;&lt;br /&gt;
* Provenienz, Quellen und Bearbeitungsstand;&lt;br /&gt;
* Exportformat und dauerhafte Identifikatoren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Priorität 3: Rechte- und Zugangsmodell entwickeln ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein einheitlicher Workflow sollte rechtliche und kulturelle Fragen getrennt dokumentieren. Empfohlen werden mindestens die vier Stufen „nur Nachweis“, „öffentliches Derivat“, „beschränkter Zugang“ und „gesperrt“. Für jede Stufe sind Verantwortliche, Freigabegrund, Prüffrist und Takedown-Verfahren festzulegen. Local Contexts kann als Anregung dienen; Begriffe und Symbole müssen jedoch gemeinsam für die sorbische Rechts- und Kulturpraxis entwickelt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Priorität 4: End-to-End-Pilot starten ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der erste Pilot sollte nicht nur ein Portal oder einen Scanner testen, sondern die gesamte Kette:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: Kulturgutträger → Erfassung im Register → Priorisierung und Freigabe → Digitalisierung und Qualitätsprüfung → Übernahme ins Repositorium → kontrollierte Präsentation und Nachnutzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beteiligt werden sollten drei bis fünf sehr unterschiedliche Träger, zum Beispiel eine zentrale Institution, eine Heimatstube oder ein Verein, eine kirchliche Einrichtung, eine kommunale Sammlung und gegebenenfalls eine Privatperson. Der Pilot sollte beide sorbischen Schriftsprachen und mindestens drei Medientypen umfassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Priorität 5: Repositoriumsziel vor Produktionsausweitung klären ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits Pilotdigitalisate benötigen einen definierten, überprüfbaren Speicher- und Erhaltungsweg. Falls das endgültige Langzeitarchiv noch nicht vollständig aufgebaut ist, braucht es einen dokumentierten Übergangsdienst mit Prüfsummen, redundanten Kopien, klarer Verantwortung und verbindlichem späteren Migrationsplan. Eine bloße Projektablage ist nicht ausreichend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.4 Mittelfristiger Strukturaufbau: 2027–2030 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Kulturregister ausbauen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Zwei Anbindungswege anbieten: direkte Erfassung beziehungsweise zentral gehostete Mandanten für kleine Träger und standardisierte Datenlieferung für große Fachsysteme.&lt;br /&gt;
* Priorisierungsansicht, Rechte- und Archivstatus sowie Beziehungen zwischen Original, Digitalisat, Werk, Person, Ort, Brauch und Sammlung abbilden.&lt;br /&gt;
* Korrektur- und Ergänzungsworkflow für Community-Wissen einrichten.&lt;br /&gt;
* Export, Programmierschnittstelle und regelmäßige Sicherung verpflichtend machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Digitalisierungszentrum als Dienstleistungsstelle verstetigen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Servicekatalog mit klaren Leistungen, Voraussetzungen, Bearbeitungszeiten und Kosten beziehungsweise Fördermöglichkeiten veröffentlichen.&lt;br /&gt;
* Mobile und stationäre Digitalisierung sowie Vergabe an Spezialdienstleister kombinieren.&lt;br /&gt;
* Schulungsprogramm und „Train-the-Trainer“-Ansatz für lokale Multiplikatorinnen und Multiplikatoren aufbauen.&lt;br /&gt;
* Kleinprojektförderung nach dem Vorbild von Indigitization oder bavarikon erproben.&lt;br /&gt;
* Qualitätssicherung und Übergabepakete zum Repositorium standardisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Repositorium in einen verlässlichen Regelbetrieb überführen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* OAIS-Funktionen organisatorisch zuordnen und mit den NDSA-Reifegradstufen schrittweise umsetzen.&lt;br /&gt;
* mindestens zwei räumlich getrennte Speicherkopien, regelmäßige Fixity Checks (Prüfung der Dateiunverändertheit über Prüfsummen) und Wiederherstellungstests etablieren;&lt;br /&gt;
* Masterdateien, Derivate, Metadaten, Rechte und technische Ereignisse verknüpfen;&lt;br /&gt;
* Verantwortungen bei Trägerwechsel oder Projektende vertraglich sichern;&lt;br /&gt;
* audiovisuelle Daten nach IASA-Empfehlungen behandeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Präsentation zielgruppenspezifisch entwickeln ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Gemeinsame Suche und verständliche Basiskontexte in Deutsch, Ober- und Niedersorbisch sowie ausgewählte englische Zugänge bereitstellen.&lt;br /&gt;
* Nicht jeden Datensatz vollständig in vier Sprachen übersetzen; stattdessen Oberfläche, Kernelemente, kontrollierte Begriffe und besonders relevante Inhalte priorisieren und Übersetzungsstatus sichtbar machen.&lt;br /&gt;
* Bildungs- und Forschungsnutzung in Pilotkooperationen testen.&lt;br /&gt;
* IIIF und Programmierschnittstellen dort einsetzen, wo sie einen konkreten Mehrwert für Anzeige, Zitation oder Datenbezug schaffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.5 Langfristige Aufgaben: ab 2030 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Regelmäßige Daten- und Formatmigrationen, Sicherheitsprüfungen und Erneuerung der Infrastruktur finanzieren.&lt;br /&gt;
* Erfolg anhand eines stabilen Kennzahlensets messen: erfasste und archivierte Bestände, beteiligte Träger, Bearbeitungszeiten, Rechte-Rückstände, Nutzung, Downloads, Bildungsprojekte, wissenschaftliche Zitationen, Community-Zufriedenheit und Korrekturen.&lt;br /&gt;
* Born-digital-Kulturerbe wie Websites, digitale Fotosammlungen, Social-Media-Projekte, digitale Kunst und Software systematisch übernehmen.&lt;br /&gt;
* Repositoriumsprozesse gegebenenfalls auf eine externe Vertrauenswürdigkeitsprüfung oder Zertifizierung vorbereiten.&lt;br /&gt;
* Kooperationen mit nationalen und europäischen Aggregatoren ausbauen, ohne die sorbische Datenhoheit und sprachliche Sichtbarkeit aufzugeben.&lt;br /&gt;
* Alle drei bis fünf Jahre Governance, Standards, Prioritäten und Zugangsregeln gemeinsam überprüfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.6 Empfohlene Pilotprojekte ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Pilot&lt;br /&gt;
! Ziel&lt;br /&gt;
! Warum besonders sinnvoll&lt;br /&gt;
! Erfolgskriterien&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''1. Kulturregister-Pilot mit heterogenen Trägern'''&lt;br /&gt;
| Mindestmetadaten, Onboarding und föderierte Datenlieferung testen&lt;br /&gt;
| Deckt die reale Spannweite von Fachinstitution bis Ehrenamt ab&lt;br /&gt;
| Mindestens 3–5 Träger liefern exportfähige, verständliche Datensätze; Aufwand und Hilfebedarf sind gemessen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''2. Gefährdete sorbische Ton- und Videobestände'''&lt;br /&gt;
| Priorisierung, Digitalisierung, Transkription, Rechte und Archivierung zeitkritischer Medien&lt;br /&gt;
| Hohe Verlustgefahr und großer Sprachwert; Anknüpfung an Tobar an Dualchais, PARADISEC und Indigitization&lt;br /&gt;
| Definierte Masterdateien, geprüfte Übergabe, zweisprachige Erschließung, Nutzungsfall für Bildung/Forschung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''3. Sensibles und immaterielles Kulturerbe'''&lt;br /&gt;
| Abgestufte Rechte und Community-Entscheidungen an Interviews, Bräuchen oder Familienmaterial erproben&lt;br /&gt;
| Testet Governance statt nur Technik&lt;br /&gt;
| Dokumentierte Freigabewege, mehrere Zugangsstufen, Takedown-Prozess und Community-Abnahme&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''4. Durchgängige Vier-Säulen-Kette'''&lt;br /&gt;
| Datenfluss vom Register bis zur Präsentation ohne manuelle Medienbrüche testen&lt;br /&gt;
| Macht Schnittstellen- und Verantwortungsprobleme früh sichtbar&lt;br /&gt;
| Identifikatoren und Rechte bleiben durchgängig erhalten; Übergaben sind reproduzierbar&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''5. Migrations- und Ausstiegstest'''&lt;br /&gt;
| Vollständigen Export eines Pilotbestands in ein neutrales Format und Wiederimport prüfen&lt;br /&gt;
| Reagiert direkt auf das LAAL- und RRN-Lernfeld technischer Alterung&lt;br /&gt;
| Dateien, Beziehungen, Rechte, Sprachwerte und Identifikatoren bleiben erhalten; Dokumentation ist für anderen Betreiber nutzbar&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.7 Mindestanforderungen vor jeder Beschaffung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor der Entscheidung für eine konkrete Software sollten folgende Punkte verbindlich beantwortet sein:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Welche Funktion der vier Säulen soll die Software erfüllen – und welche ausdrücklich nicht?&lt;br /&gt;
# Wer ist fachlich, technisch und rechtlich verantwortlich?&lt;br /&gt;
# Wie werden Ober- und Niedersorbisch in Oberfläche, Datenfeldern, Suche und Export behandelt?&lt;br /&gt;
# Welche vollständigen Daten- und Dateiexporte sind jederzeit möglich?&lt;br /&gt;
# Wie bleiben Identifikatoren und Beziehungen bei einem Systemwechsel erhalten?&lt;br /&gt;
# Welche Rechte- und Sichtbarkeitsstufen lassen sich abbilden?&lt;br /&gt;
# Wie werden Community-Ergänzungen von institutionellen Ausgangsdaten unterschieden, ohne sie abzuwerten?&lt;br /&gt;
# Wo liegen Masterdateien und wer prüft ihre Integrität?&lt;br /&gt;
# Welche wiederkehrenden Lizenz-, Hosting-, Speicher-, Wartungs- und Personalkosten entstehen über mindestens zehn Jahre?&lt;br /&gt;
# Was geschieht bei Anbieterwechsel, Projektende, Insolvenz oder Wegfall einer Förderung?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.8 Übertragbarkeit differenziert bewertet ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Direkt übertragbare Ansätze ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* funktionale Trennung von Register, Digitalisierung, Repositorium und Präsentation;&lt;br /&gt;
* zentraler Service bei dezentraler Trägerschaft;&lt;br /&gt;
* gemeinsamer Metadatenkern mit fachlichen Erweiterungen;&lt;br /&gt;
* abgestufte Zugänge und getrennte rechtliche/kulturelle Prüfung;&lt;br /&gt;
* Pilotierung mit heterogenen Trägern;&lt;br /&gt;
* Betreiber- und Finanzierungsplanung vor Skalierung;&lt;br /&gt;
* Schulung, Helpdesk und Vorlagen für kleine Sammlungen;&lt;br /&gt;
* Exportfähigkeit und Migrationsplanung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Mit Anpassungen übertragbare Ansätze ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Mukurtu-Protokolle und Traditional Knowledge Labels: als Vorbild, aber mit sorbisch entwickelten Begriffen und deutscher beziehungsweise europäischer Rechtsprüfung;&lt;br /&gt;
* Nuohttis föderierte Architektur: gut übertragbar, jedoch mit deutlich kleinerem institutionellem Netz und zwei sorbischen Schriftsprachen;&lt;br /&gt;
* bavarikons Förder- und Qualitätsverfahren: in vereinfachter Form und mit wesentlich kleinerem Budget;&lt;br /&gt;
* PARADISECs Fachrepositorium: als Dienstemodell für gefährdete Medien, nicht in dessen globaler Größenordnung;&lt;br /&gt;
* People’s Collection Wales: Support- und Beteiligungsmodell, angepasst an kleinere Personalressourcen und vorhandene sorbische Institutionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Kaum unmittelbar übertragbare Ansätze ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* eine vollständig eigenständige technische Großinfrastruktur nach Maßstab eines Flächenlandes wie Bayern;&lt;br /&gt;
* ein internationaler Universitätsverbund mit hunderten Terabyte und weltweitem Einzugsbereich wie PARADISEC;&lt;br /&gt;
* die unveränderte Übernahme indigener Rechts- und Kulturkonzepte in den europäischen Minderheitenkontext;&lt;br /&gt;
* die Vorstellung, jedes lokale Haus müsse ein eigenes Langzeitarchiv oder hoch spezialisiertes Digitalisierungslabor betreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Risiken und Fehler, die vermieden werden sollten ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* '''Portal zuerst:''' Eine öffentlich sichtbare Website wird gebaut, bevor Datenpflege, Rechte und Langzeiterhaltung geregelt sind.&lt;br /&gt;
* '''Projektserver als Archiv:''' Dateien liegen nur in Arbeitsordnern, Clouds oder einem Content-Management-System.&lt;br /&gt;
* '''Ein System für alles:''' Register, Produktion, Archivierung und Präsentation werden technisch und organisatorisch untrennbar gekoppelt.&lt;br /&gt;
* '''Offen oder geschlossen:''' Fehlende Zwischenstufen führen entweder zu unnötiger Sperrung oder unangemessener Veröffentlichung.&lt;br /&gt;
* '''Standards ohne Hilfe:''' Ehrenamtliche Träger erhalten komplexe Vorgaben, aber keine Schulung, Zeit oder Nachbearbeitung.&lt;br /&gt;
* '''Zentralisierung der Deutung:''' Lokale und sprachräumliche Perspektiven werden durch ein einziges zentrales Beschreibungsschema verdrängt.&lt;br /&gt;
* '''Digitalisierung ohne Rechtebudget:''' Scans und Aufnahmen entstehen schneller als Einwilligungen, Prüfungen und Freigaben bearbeitet werden können.&lt;br /&gt;
* '''Abhängigkeit ohne Exit:''' Proprietäre Software oder Dienstleister werden gewählt, ohne vollständigen Export und getesteten Betreiberwechsel.&lt;br /&gt;
* '''Projektende ohne Betrieb:''' Förderziele zählen veröffentlichte Objekte, aber keine Stellen, Speicher-, Wartungs- und Migrationskosten nach Förderende.&lt;br /&gt;
* '''Mehrsprachigkeit nur im Menü:''' Die Oberfläche ist übersetzt, Datensätze, Suche, Vokabulare und redaktionelle Prozesse bleiben einsprachig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== G.9 Priorisierte Schlussfolgerung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wichtigste Lehre lautet nicht, möglichst schnell ein großes Portal zu füllen. Vorrang hat eine belastbare Arbeitsteilung:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Zuerst Regeln und Verantwortung:''' Governance, Rechte, Sprachmodell, Mindestmetadaten und Betreiber festlegen.&lt;br /&gt;
# '''Dann die sichere Kette:''' Register, Digitalisierungszentrum und Repositorium in einem Ende-zu-Ende-Pilot verbinden.&lt;br /&gt;
# '''Danach skalieren:''' Bestände risikobasiert digitalisieren, kleine Träger durch Dienste und Förderung einbinden.&lt;br /&gt;
# '''Erst darauf die breite Präsentation:''' Freigegebene Inhalte zielgruppengerecht, mehrsprachig und nachnutzbar anbieten.&lt;br /&gt;
# '''Dauerhaft überprüfen:''' Nutzung, Datenqualität, Rechte-Rückstände, Betriebskosten und Community-Zufriedenheit messen und Architektur weiterentwickeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit wird aus vier technischen beziehungsweise organisatorischen Säulen ein gemeinsames System: '''dezentrale kulturelle Verantwortung, zentral abgesicherte Dienste und eine verbindliche dauerhafte Finanzierung.'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== H. Verdichtungsvorschlag für den Konzeptabschnitt „Beispiele anderer Kulturen und Regionen“ ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den kurzen Wiki-Abschnitt wird eine Gliederung in höchstens vier Unterabschnitte empfohlen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Ziel und Auswahl:''' Warum der Vergleich durchgeführt wurde und warum kein universelles Idealmodell gesucht wird.&lt;br /&gt;
# '''Sieben aussagekräftige Beispiele:''' RomArchive, Nuohtti, People’s Collection Wales, Tobar an Dualchais, Euskariana, Mukurtu/Plateau Portal und Indigitization. Jedes Beispiel erhält einen kurzen Kontext, die zentrale Besonderheit und ein konkretes Learning.&lt;br /&gt;
# '''Schlussverdichtung:''' Vier Säulen, drei Fundamente und zwei Betriebsregeln.&lt;br /&gt;
# '''Prioritäten für die Sorben:''' Governance und Standards → Ende-zu-Ende-Pilot und Zielrepositorium → Verstetigung des Digitalisierungszentrums → skalierte Präsentation und Nachnutzung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die sieben Beispiele decken die für den sorbischen Kontext wichtigsten Perspektiven ab:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Beispiel&lt;br /&gt;
! Zentrale Besonderheit&lt;br /&gt;
! Konkretes Learning für die Sorben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| RomArchive&lt;br /&gt;
| Minderheitenangehörige kuratieren und steuern; Betreiberübergang nach Projektphase&lt;br /&gt;
| Deutungshoheit und dauerhaften Träger von Beginn an verankern&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Nuohtti&lt;br /&gt;
| Föderierte Suche über verteilte Bestände und mehrere Staaten/Sprachen&lt;br /&gt;
| Kulturregister als verbindende Nachweisschicht statt Zwangszentralisierung bauen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| People’s Collection Wales&lt;br /&gt;
| Zweisprachige Plattform plus Schulung und Community-Unterstützung; unabhängige Evaluation&lt;br /&gt;
| Kleine Träger brauchen Helpdesk, Training und realistische Wirkungsmessung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Tobar an Dualchais&lt;br /&gt;
| Sicherung und sprachliche Erschließung gefährdeter Tonaufnahmen&lt;br /&gt;
| Audiovisuelle Bestände zeitlich priorisieren und mit Transkription verbinden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Euskariana&lt;br /&gt;
| Gemeinsamer Katalog, eigenes Repositorium und Anbindung externer Systeme über Standards&lt;br /&gt;
| Zwei Onboarding-Wege und ein schlanker gemeinsamer Metadatenkern&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mukurtu / Plateau Portal&lt;br /&gt;
| Kulturelle Protokolle, mehrere Perspektiven und abgestufte Zugänge&lt;br /&gt;
| Rechte und kulturelle Sensibilität als Datenmodell, nicht als spätere Einzelfallkorrektur&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Indigitization&lt;br /&gt;
| Zentrale Kompetenz, Training und Kleinprojektförderung bei dezentraler Durchführung&lt;br /&gt;
| Digitalisierungszentrum als Dienstleister und Befähiger für lokale Träger ausgestalten&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Zielumfang von etwa 1.200 bis 1.800 Wörtern ist ausreichend. Die ausführlichen Fallprofile, Matrix, Quellen und differenzierten Empfehlungen verbleiben auf dieser Anhangsseite. Dadurch bleibt der Konzepttext lesbar, während zentrale Aussagen überprüfbar belegt und vertieft werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_faq&amp;quot;&amp;gt;RomArchive (o. J.): ''Frequently Asked Questions''. [https://www.romarchive.eu/en/about/frequently-answered-questions/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_imprint&amp;quot;&amp;gt;Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma e. V. / RomArchive (o. J.): ''Imprint''. [https://www.romarchive.eu/en/imprint/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rom_kulturstiftung&amp;quot;&amp;gt;Kulturstiftung des Bundes (o. J.): ''RomArchive – Digital Archive of the Roma''. [https://www.kulturstiftung-des-bundes.de/en/programmes_projects/film_and_new_media/detail/romarchive.html Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_about&amp;quot;&amp;gt;Nuohtti / Digital Access to the Sámi Heritage Archives (o. J.): ''About Nuohtti''. [https://nuohtti.com/Content/about Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_uarctic&amp;quot;&amp;gt;University of the Arctic (2023): ''The Nuohtti service provides digital access to Sámi material in European archives''. [https://www.uarctic.org/news/2023/3/the-nuohtti-service-provides-digital-access-to-sami-material-in-european-archives/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;nuohtti_dataspace&amp;quot;&amp;gt;Mäkikalli, Maija / Leppälä, Oona (2024): ''Nuohtti platform improves accessibility to the digitised archives of Sámi cultural heritage''. European Collaborative Cloud for Cultural Heritage / Europeana. [https://www.dataspace-culturalheritage.eu/en/news/nuohtti-platform-improves-accessibility-to-the-digitised-archives-of-sami-cultural-heritage Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_eval&amp;quot;&amp;gt;Vittle, Kate / Haswell-Walls, Fran / Dixon, Tim; ERS Ltd. (2016): ''Evaluation of the Casgliad y Werin Cymru / People’s Collection Wales Digital Heritage Programme. Impact Report''. [https://www.gov.wales/sites/default/files/publications/2019-08/evaluation-of-the-peoples-collection-wales-digital-heritage-programme-impact.pdf PDF], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;pcw_support&amp;quot;&amp;gt;People’s Collection Wales (o. J.): ''Community Support''. [https://www.peoplescollection.wales/about-us/community-support Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_edinburgh&amp;quot;&amp;gt;University of Edinburgh (2024): ''Tobar an Dualchais / Kist o Riches''. [https://gaelic.ed.ac.uk/gaelic-collections/tobar-an-dualchais-kist-o-riches Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_funding2025&amp;quot;&amp;gt;Scottish Government (2025): ''Rediscovering lost Gaelic words''. [https://www.gov.scot/news/rediscovering-lost-gaelic-words/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_funding2026&amp;quot;&amp;gt;Scottish Government (2026): ''Boost for Gaelic language''. [https://www.gov.scot/news/boost-for-gaelic-language/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;tad_opening&amp;quot;&amp;gt;University of Edinburgh (o. J.): ''Opening the Well''. [https://gaelic.ed.ac.uk/news/opening-the-well Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;euskariana_about&amp;quot;&amp;gt;Gobierno Vasco / Biblioteca Digital de Euskadi (o. J.): ''Acerca de Euskariana''. [https://www.euskariana.euskadi.eus/euskadibib/es/help/about.do Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;bavarikon_about&amp;quot;&amp;gt;bavarikon / Freistaat Bayern (o. J.): ''Über bavarikon''. [https://www.bavarikon.de/about Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;bavarikon_partner&amp;quot;&amp;gt;bavarikon / Freistaat Bayern (o. J.): ''Partner werden''. [https://www.bavarikon.de/becoming-partner Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;bavarikon_500k&amp;quot;&amp;gt;Bayerische Staatsbibliothek (2024): ''bavarikon knackt die halbe Million: 500.000 digitale Kulturschätze aus rund 170 bayerischen Einrichtungen sind weltweit zugänglich''. [https://www.bsb-muenchen.de/en/about-us/article/bavarikon-knackt-die-halbe-million-500000-digitale-kulturschaetze-aus-rund-170-bayerischen-einrichtungen-sind-weltweit-zugaenglich-6555/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_about&amp;quot;&amp;gt;Mukurtu CMS / Center for Digital Scholarship and Curation, Washington State University (o. J.): ''About / Mission, Core Features, Implementation and Sustainability''. [https://mukurtu.org/about/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_plateau&amp;quot;&amp;gt;Mukurtu CMS / Washington State University (o. J.): ''Plateau Peoples’ Web Portal''. [https://mukurtu.org/project/plateau-peoples-web-portal-showcase/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;mukurtu_dlib&amp;quot;&amp;gt;Christen, Kimberly / Merrill, Alex / Wynne, Michael (2017): ''A Community of Relations: Mukurtu Hubs and Spokes''. D-Lib Magazine, 23(5/6). [https://www.dlib.org/dlib/may17/christen/05christen.html Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_who&amp;quot;&amp;gt;Aṟa Irititja (o. J.): ''Who are we?'' [https://irititja.com/about-ara-irititja/who-are-we/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_approach&amp;quot;&amp;gt;Aṟa Irititja (o. J.): ''Community-Based Approach – The Aṟa Irititja Approach''. [https://irititja.com/archive/the-ara-irititja-approach/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;ara_funding&amp;quot;&amp;gt;Aṟa Irititja (o. J.): ''Funding''. [https://irititja.com/challlenges/funding/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_background&amp;quot;&amp;gt;Charles Darwin University / Living Archive of Aboriginal Languages (o. J.): ''Background''. [https://livingarchive.cdu.edu.au/background/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_rights&amp;quot;&amp;gt;Charles Darwin University / Living Archive of Aboriginal Languages (o. J.): ''Copyright and IP issues''. [https://livingarchive.cdu.edu.au/copyright/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_home&amp;quot;&amp;gt;Charles Darwin University / Living Archive of Aboriginal Languages (o. J.): ''Home''. [https://livingarchive.cdu.edu.au/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;laal_migration&amp;quot;&amp;gt;Christie, Michael (2022): ''Post-LAAL update''. Living Archive of Aboriginal Languages, 26.10.2022. [https://livingarchive.cdu.edu.au/post-laal-update/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;paradisec_about&amp;quot;&amp;gt;PARADISEC (o. J.): ''About us''. [https://www.paradisec.org.au/about-us/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;paradisec_home&amp;quot;&amp;gt;PARADISEC (2026): ''Pacific and Regional Archive for Digital Sources in Endangered Cultures – Home and current collection data''. [https://www.paradisec.org.au/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_about&amp;quot;&amp;gt;Reciprocal Research Network (o. J.): ''About''. [https://www.rrncommunity.org/pages/about Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_contact&amp;quot;&amp;gt;Reciprocal Research Network (o. J.): ''Contact Us / Steering Group''. [https://www.rrncommunity.org/pages/contact Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_home&amp;quot;&amp;gt;Reciprocal Research Network (2026): ''Home / What’s inside''. [https://www.rrncommunity.org/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;rrn_rowley&amp;quot;&amp;gt;Rowley, Susan (2013): ''The Reciprocal Research Network: The Development Process''. Museum Anthropology Review, 7(1–2). [https://scholarworks.iu.edu/journals/index.php/mar/article/view/2172 Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_about&amp;quot;&amp;gt;Indigitization (o. J.): ''About Us''. [https://www.indigitization.ca/about-2/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_toolkit&amp;quot;&amp;gt;Indigitization (o. J.): ''Indigitization Toolkit''. [https://www.indigitization.ca/toolkit/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_grant&amp;quot;&amp;gt;Indigitization (o. J.): ''Audio Cassette Digitization Grant''. [https://www.indigitization.ca/funding/audio-cassette-grant/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;indigitization_funding&amp;quot;&amp;gt;Indigitization (o. J.): ''Funding''. [https://www.indigitization.ca/funding/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;unesco_doc_heritage&amp;quot;&amp;gt;UNESCO (2015): ''Recommendation concerning the preservation of, and access to, documentary heritage including in digital form''. [https://www.unesco.org/en/legal-affairs/recommendation-concerning-preservation-and-access-documentary-heritage-including-digital-form Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;unesco_participation&amp;quot;&amp;gt;UNESCO Intangible Cultural Heritage (o. J.): ''Involvement of communities, groups and individuals''. [https://ich.unesco.org/en/involvement-of-communities-0033 Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;unesco_ethics&amp;quot;&amp;gt;UNESCO Intangible Cultural Heritage (o. J.): ''Ethical Principles for Safeguarding Intangible Cultural Heritage''. [https://ich.unesco.org/en/ethics-and-ich-00866 Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;oais&amp;quot;&amp;gt;International Organization for Standardization (ISO) (2025): ''ISO 14721:2025 – Space data and information transfer systems – Open archival information system (OAIS) – Reference model'', 3. Ausgabe. [https://www.iso.org/standard/87471.html Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;ndsa&amp;quot;&amp;gt;National Digital Stewardship Alliance (2026): ''Levels of Digital Preservation, Version 2.1''. [https://www.ndsa.org/publications/levels-of-digital-preservation/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;care&amp;quot;&amp;gt;Global Indigenous Data Alliance (o. J.): ''CARE Principles for Indigenous Data Governance''. [https://www.gida-global.org/careprinciples Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;localcontexts&amp;quot;&amp;gt;Local Contexts (o. J.): ''Traditional Knowledge and Biocultural Labels and Notices''. [https://localcontexts.org/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;edm&amp;quot;&amp;gt;Europeana Pro (o. J.): ''Europeana Data Model Documentation''. [https://pro.europeana.eu/page/edm-documentation Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;oaipmh&amp;quot;&amp;gt;Open Archives Initiative (o. J.): ''OAI-PMH Frequently Asked Questions''. [https://www.openarchives.org/documents/FAQ.html Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;iiif&amp;quot;&amp;gt;IIIF Consortium (2021, laufend gepflegt): ''IIIF Presentation API 3.0''. [https://iiif.io/api/presentation/3.0/ Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;iasa&amp;quot;&amp;gt;International Association of Sound and Audiovisual Archives (IASA) (o. J.): ''Guidelines on the Production and Preservation of Digital Audio Objects (TC-04)''. [https://www.iasa-web.org/tc04/audio-preservation Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;digicher&amp;quot;&amp;gt;Europeana Foundation / European Collaborative Cloud for Cultural Heritage (2024): ''Discover the DIGICHer project''. [https://www.dataspace-culturalheritage.eu/en/news/discover-the-digicher-project Online], abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/references&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Měrko Šenk</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://koncept.serbski-inkubator.de/index.php?title=12.3_Digitalisierung_des_Kulturerbes&amp;diff=1059</id>
		<title>12.3 Digitalisierung des Kulturerbes</title>
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		<updated>2026-07-20T14:08:11Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Měrko Šenk: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;= 1 Einleitung =&lt;br /&gt;
Die Digitalisierung von sorbischem Kulturerbe ist eine historische Chance für uns Sorben, eine Chance, unser kulturelles Erbe neu zu entdecken, es für kommende Generationen zu erhalten, für eine breitere Öffentlichkeit zugänglich zu machen und dabei die eigene Deutungshoheit zu stärken. Das erfordert neben Mut, einer klaren gemeinsamen Vision, starker Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Akteuren auch die notwendigen Ressourcen in Form von Personal mit entsprechenden Kompetenzen, passender Technik sowie einer nachhaltig gesicherten Finanzierung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im folgenden Abschnitt werden Zielbilder für die Digitalisierung des sorbischen Kulturerbes entworfen mittels lang- und kurzfristiger Visionen sowie konkreter Ziele.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 1.1 Visionen und Ziele für die sorbische digitale Welt ==&lt;br /&gt;
'''Vision 2035'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
''Sorbisches materielles und immaterielles Kulturerbe ist systematisch digital erfasst, rechtssicher und langfristig gesichert, leicht auffindbar, offen nutzbar und wird aktiv von Interessierten genutzt.''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Konkrete Ziele'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bis 2032 ist ein tragfähiges, finanziell und organisatorisch abgesichertes Modell etabliert, das:&lt;br /&gt;
* Ein zentrales (oder föderiertes) digitales Langzeitarchiv nach OAIS-Referenzmodell betreibt,&lt;br /&gt;
* klare Zuständigkeiten, Prozesse und Budgets definiert,&lt;br /&gt;
* regelmäßige Qualitätssicherung und Technik-Updates vorsieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis 2030 sind wichtige sorbische Kulturerbe-Bestände (Kernbestände nach fachlicher Festlegung) in hoher Qualität digitalisiert, beschrieben und im Langzeitarchiv gesichert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis 2028 liegt eine institutionenübergreifende Übersicht über relevante Kulturerbe-Bestände (analog und digital, materiell und immateriell) vor, einschließlich einer Prioritätenliste für die Digitalisierung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis 2028 existiert ein zentrales, nutzerfreundliches „Sorbisches Kulturerbe-Portal“, das:&lt;br /&gt;
* Suchzugang über alle teilnehmenden Institutionen ermöglicht,&lt;br /&gt;
* grundlegende Inhalte frei zugänglich bereitstellt,&lt;br /&gt;
* mehrsprachige Oberflächen anbietet (Deutsch, Obersorbisch, Niedersorbisch, Englisch).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= 2 IST-Analyse „Digitalisierung von Kulturerbe“ =&lt;br /&gt;
Das Ziel in diesem Themenbereich ist es, sorbisches Kulturerbe digital zu verwalten und damit langfristig für Recherche, Nutzung und Präsentation vorzuhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Abschnitt &amp;quot;IST-Analyse“ werden die folgenden Fragen beantwortet: Was ist sorbisches Kulturerbe und was zählt alles dazu? Welche Schritte durchläuft ein Kulturgut, um zum digitalen Kulturerbe zu gehören? Wie können die digitale Verwaltung, Archivierung, Nutzung und Präsentation von Kulturgütern umgesetzt werden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die grundlegenden Terminologien des Kulturerbes sollen im Folgenden festgelegt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2.1 Terminologie – von Kultur zu Kulturerbe ==&lt;br /&gt;
In diesem Abschnitt werden die Begriffe rund um das Kulturerbe grundlegend definiert. Es soll ein Verständnis über die Begriffe Kultur, kulturelle Ausprägung, Kulturgut und Kulturerbe erreicht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K1.png|center|260px]]&amp;lt;ref&amp;gt;Mermaid Flowchart Code: [https://mermaid.live/edit#pako:eNpF0UtuwyAQBuCroFlaTuRHTGMvKuWxq7pqV627IGZso2CIMChtk9ymN-nFimmasmJGfP-AOEGjOUIFrdTHpmfGkudtrWpF_Fq9RtGDk9aZKHojU-_aJ7PZ_bmGgSnR4mgFejaKpidC1XAmq8zDfYAoJZKVG7lxzX5stRl81C0_uwYdheGEubHD4_dXLy1hcpyC1rcLdM4GOLH1Ve2E5Gj9TPLkhgEnsLkBNDsMAmLojOBQWeMwhgHNwKYSTuFBYHucbOW3HFvmcQ21unh2YOpF6-FPGu26HqrW381X7sCZxa1gnWH_R1BxNBvtlIUqTUMEVCd49xVdzpeLMs1pXmRFXiY0hg-o8iyZL_LFXZaVSTJ1LzF8hqHJnBZ5WhZLWt5RmtIsBuTCavP4-2Hh3y4_NXaMmw hier klicken], abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.1 Kultur ===&lt;br /&gt;
Kultur bezeichnet hier die Gesamtheit aller '''vom Menschen geschaffenen und erlernten Ausdrucksformen''' des Lebens, die auf gemeinsamen Werten und Verhaltensweisen beruhen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;wiki-kultur&amp;quot;&amp;gt;URL: https://de.wikipedia.org/wiki/Kultur&amp;lt;/ref&amp;gt; Dazu zählen '''materielle Ergebnisse''' (z. B. Kunstwerke, Technik) ebenso wie '''immaterielle Praktiken''' (Sprache, Bräuche, Wissen). Kultur umfasst laut der UNESCO geistige, materielle, intellektuelle und emotionale Merkmale, die eine Gesellschaft oder soziale Gruppe kennzeichnen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mondiacult&amp;quot;&amp;gt;UNESCO 1982: Mexico City Declaration on Cultural Policies (MONDIACULT). URL: https://www.lacult.unesco.org/docc/1982_MONDIACULT.pdf&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;ref name=&amp;quot;cultureaction&amp;quot;&amp;gt;Culture Action Europe 2024: The State of Culture report. URL: https://cultureactioneurope.org/de/news/the-state-of-culture-report-published, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;  Sie ist dynamisch und wird von jeder Generation neu gestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das deutsche Wort „Kultur“ ist eine Eindeutschung des lateinischen Worts „cultura“. Dieses bedeutet ursprünglich „Bebauung, Bearbeitung, Bestellung, Pflege“ und meinte sowohl die physische Bearbeitung als auch die Pflege geistiger Güter, z. B. der Sprache.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.2 Kulturelle Ausdrucksform ===&lt;br /&gt;
Eine kulturelle Ausdrucksform ist eine '''konkrete, gegenwärtige oder historische, Manifestation von Kultur''', bspw. eine Zeichnung, eine Tracht oder ein Lied: Sie macht die Kultur sichtbar und erlebbar. Im engeren Sinne ist es eine Ausdrucksweise, die aus der Kreativität einer Person, Gruppe oder Gesellschaft entsteht und '''kulturellen Inhalt''' trägt (symbolische Bedeutung, künstlerische Dimension, kulturelle Werte).&amp;lt;ref&amp;gt;Österreichische UNESCO-Kommission 2007: Übereinkommen zum Schutz und zur Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen, Art. 4, Seite 13. URL: https://www.unesco.at/fileadmin/Redaktion/Publikationen/Publikations-Dokumente/2005er_UNESCO-Convention_German.pdf, abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt; Sie wird innerhalb und zwischen Gemeinschaften weitergegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle kulturellen Ausdrucksformen bilden einen wesentlichen Kern von Kultur, aber Kultur enthält auch latente Dimensionen (Werte, Normen, Vorannahmen etc.), die nicht unmittelbar als Ausdrucksform erscheinen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.3 Kulturgut ===&lt;br /&gt;
Ein „Kulturgut“ ist '''eine einzelne kulturelle Ausdrucksform''', der ein '''besonderer kultureller Wert zugemessen wird''' (durch Anerkennung, Schutz, Bedeutung). Es ist somit ein Erzeugnis menschlicher Kreativität oder Zeugnis menschlichen Lebens, welches '''Bedeutung für die Kultur einer Gemeinschaft''' hat und daher '''Bestand haben und bewahrt werden soll'''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die '''Summe aller Kulturgüter''' einer Gemeinschaft wird als dessen '''Kulturerbe''' bezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.4 Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
Kulturerbe ist die '''Summe der materiellen und immateriellen Ausdrucksformen''' (= Kulturgüter) einer Kultur, die als „'''bewahrenswert'''“ anerkannt wurden. International umfasst das u. a. das '''Welterbe''' (Denkmäler, Ensembles, Stätten)&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO (1972), Welterbekonvention, Art. 1. URL: https://www.dnk.de/wp-content/uploads/2021/02/1972_DNK_UNESCO-Welterbekonvention.pdf (abgerufen am 11.09.2025).&amp;lt;/ref&amp;gt; und das '''Immaterielles Kulturerbe''' (Praktiken, Wissen).&amp;lt;ref&amp;gt;Deutsche UNESCO-Kommission o. J.:, Übereinkommen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes (dt. Ausgabe). URL: https://www.unesco.de/assets/dokumente/Deutsche_UNESCO-Kommission/02_Publikationen/Publikation_UNESCO-%C3%9Cbereinkommen_zur_Erhaltung_des_immateriellen_Kulturerbes_01.pdf, (abgerufen am 11.09.2025).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ob etwas „zum Kulturerbe“ zählt, ist Ergebnis von Bewertung, Diskurs und teils formellen Verfahren. Dem Sorbischen Kulturregister (SKR) zufolge ist „sorbisch-wendisches Kulturerbe“ eine Zuschreibung, die durch Gesellschaft, Museen, Archive und Wissenschaft erfolgen kann.&amp;lt;ref&amp;gt;Sorbisches Institut 2025: Konzept für ein Sorbisches Kulturregister (SKR). URL: https://www.serbski-institut.de/wp-content/uploads/2021/11/00_Zweite-aktualisierte-Fassung_Konzept_Sorbisches-Kulturregister_20.11.2025.pdf, abgerufen am 20.11.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.5 Abgrenzung: Kultur und Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
'''Kultur / Kulturelle Ausdrucksform''' sind als Begriffe weiter gefasst als '''Kulturgut / Kulturerbe'''. Kulturelle Ausdrucksformen umfassen alles Gelebte und Gestaltete einer Gemeinschaft in Gegenwart und Vergangenheit, während Kulturgut / Kulturerbe diejenigen kulturellen Güter und Traditionen meint, denen eine Bedeutung beigemessen wurde und die als bewahrens- und weitergebenswert erkannt wurden. Kultur ist der „aktuelle“ kreative Prozess (einschließlich Popkultur, Alltagskultur), Kulturerbe der daraus überkommene Schatz. Dennoch sind die Grenzen fließend: Was heute nur Kultur ist, kann morgen zum Kulturerbe erklärt werden – abhängig von Wertzuschreibung und Diskurs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Rahmen dieses Dokuments werden für den sorbischen Kontext die Begriffe '''„kulturelle Ausdrucksform“''' und '''„Kulturgut“''' weitgehend '''synonym''' verwendet, sofern nicht ausdrücklich anders gekennzeichnet. Hintergrund ist, dass die Gesamtzahl der identifizierbaren kulturellen Ausdrucksformen einer kleinen Minderheit wie der Sorben/Wenden im Vergleich zu großen Mehrheitsgesellschaften überschaubar ist. Zugleich ist der Anteil dieser Ausdrucksformen, denen in der Community ein besonderer Wert beigemessen wird und die daher faktisch als Kulturgut wahrgenommen und behandelt werden, sehr hoch: Ein großer Teil des gelebten kulturellen Repertoires wird als identitätsstiftend und bewahrenswert verstanden und damit dem Kulturerbe zugerechnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2.2 Klassifizierung von Kulturgütern ==&lt;br /&gt;
Im Folgenden soll eine griffige Klassifizierung von Kulturgütern entwickelt werden, so dass pro Kulturgut-Klasse später auf die Besonderheiten ihrer Digitalisierung eingegangen werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K2.png|center|600px]]&amp;lt;ref&amp;gt;Mermaid Flowchart Code: [https://mermaid.live/edit#pako:eNptlM9u00AQxl9ltFWoFDlp_C9OjISU2KSgUCq1BSRIDxt77Syxd6v1mkKjSDwBlThw4YCEeuXOoeLSN-EF4BHYjZOQQG67-32_2ZnZsWco4jFBPqrVZpRR6cNsP8n4ZTTBQu7rHVP66QWOKEvV3nQM2BeYTf8eea35fF6rjdiIrUl4cjJiAMPDV_X6sMxkKdJS1uvnvu9PtRGgp5ReE46wJIKSLIOf779CycbkkqQZjSb1Ovz-cv351_drDWGN9BXS_xfZBj7dLoGxBgIFBE14nOcrZGH68E07Iu0IlSNsQkhTKnGlfvyh1bjKcngIjcYD6G2s-xvrYGMdLuuqAFOXZ0IflzFh0xxn5OBU3t1ISZhqw6KaKpo29k04jSaCJrLq0oZsa9mCAZc8FTihhBnQp1ksxd1NSsS22dFmG3oMZzwl0HveONtlc7XNATtsHI9fk6kkC3nRsKoqnVNgwrFQaUOvLGJRRtMi4SJfZ790WtppQYhFIVV7CYsJDO9uWbEMujbqOgIbTqgsddB7MCD_eXT6gQMvaFEQBlclPMVqcA6eMfqGiKLMt926isCFM4FjKiln-voCHmEWXxIxXZcUVo-jSwrVe3DBGvHqtc83DLqS0FpNAi3wRluiDBdFSBIYQ0KzzN_r265jPjQinnHh7yVJYhRS8ClZKfe3KLyk2oHneuEuqlK2qWhJWYPOwGnvoiplm4qXVMd17V5rF1UpikIGSgWNkS9FSQyUE5FjvUUzHXGE5ITkZIR8tYxJgtVXPEIjNlfYBWYvOc9XpOBlOkF-grNC7cqLWPUupFjNa74-FXo0RMBLJpFvWtYiCPJn6C3yG7bTNO2u6Tidrue0W13HQO_Usdtquuqg1bG6TtvzPNuZG-hqcXGr2baV5NhuyzId13XbBiJqDrg4qn5ni7_a_A_W9oMu hier klicken], abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.1 A. Materiell - unbeweglich 🏛️ ===&lt;br /&gt;
„Materiell - unbeweglich&amp;quot; bezeichnet ortsfeste Kulturobjekte wie Bauwerke, Ensembles, Gebäudekomplexe und Stätten/Kulturlandschaften, wie sie in Art. 1 der UNESCO-Welterbekonvention als Kategorien des kulturellen Erbes definiert sind.&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO World Heritage Centre o. J.: Convention Concerning the Protection of the World Cultural and Natural Heritage, Artikel 1. URL: https://whc.unesco.org/en/conventiontext/, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.2 B. Materiell - beweglich 🖼️ ===&lt;br /&gt;
Die Kategorie „Materiell - beweglich&amp;quot; umfasst bewegliche Sachen bzw. Sachgesamtheiten von kulturellem Wert (z. B. Objekte, Sammlungen), wie sie das deutsche Kulturgutschutzgesetz (§ 2 KGSG)&amp;lt;ref&amp;gt;Deutschland 2016: Kulturgutschutzgesetz (KGSG), § 2. URL: https://www.buzer.de/2_KGSG.htm, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt; als „Kulturgut“ beschreibt.&lt;br /&gt;
* B1 '''Schriftgut''' - Bücher, Zeitungen, Handschriften, Archivgut, Graphiken, Pläne, Karten&lt;br /&gt;
* B2 '''Fotografien &amp;amp; Bildträger''' &lt;br /&gt;
** Fotografisch erzeugte statische Bildträger, auch Stillbildträger genannt, z. B. Positive/Negative auf Film/Platte/Photopapier, Dias, Abzüge, Mikrofilm/-fiche und vergleichbare fotografische Repro-Träger.&lt;br /&gt;
* B3 '''Analoge AV-Träger''' (Audio/Video/Film)&lt;br /&gt;
** Analoge zeitbasierte Medien, z. B. Magnetton (Tonband, Kassette), Schallplatte, Videobänder, Film.&lt;br /&gt;
* B4 '''3D-Objekte''' - Gegenstände, „sachkulturelle Artefakte“&amp;lt;ref&amp;gt;Sorbisches Institut o. J.: Konzept zum Digitalisierungszentrum am Sorbischen Institut, S. 24.&lt;br /&gt;
(Unveröffentlichtes Konzeptpapier; interne Projektunterlage.)&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.3 C. Immateriell 🎭 ===&lt;br /&gt;
Meint lebendige Praktiken, Darstellungen, Ausdrucksformen, Ideen, Werte, Wissen und Fertigkeiten, die von Gemeinschaften getragen und weitergegeben werden, gemäß der folgenden 5 UNESCO ICH-Domänen.&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO o. J.: Intangible Cultural Heritage – Five Domains. URL: https://ich.unesco.org/doc/src/01857-EN.pdf, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* C1 '''Orale Traditionen/Ausdrucksformen''' - Sprache, Gesangstraditionen&lt;br /&gt;
* C2 '''Darstellende Künste''' - Musik, Tanz, Theater&lt;br /&gt;
* C3 '''Rituale &amp;amp; Feste''' - Bräuche und soziale Praktiken des Kalenders und Lebenslaufs&lt;br /&gt;
* C4 '''Wissen &amp;amp; Praktiken''' zu Natur &amp;amp; Universum - Heil- und Sammelkenntnisse, ökologisches und astronomisches Wissen, Glaube, Religion&lt;br /&gt;
* C5 '''Traditionelles Handwerk''' - Techniken, Werkzeuge und Gestaltungsmuster&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.4 D. Digital 💾 ===&lt;br /&gt;
Bezeichnet in digitaler Form vorliegende Ressourcen menschlichen Wissens und Ausdrucks. Diese können sowohl born-digital sein als auch digitalisierte Repräsentationen von materiellen und immateriellen Kulturgütern.&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO 2003: Charter on the Preservation of Digital Heritage. URL: https://www.unesco.org/en/legal-affairs/charter-preservation-digital-heritage, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* D1 '''Born-digital''' (ursprünglich digital erzeugt, kein analoges Original), z. B. Webseiten, Social-Media-Beiträge, Software, Apps, Spiele, digitale Fotos/Audio/Video.&lt;br /&gt;
* D2 '''Digitalisate''' - Digitalisierte Repräsentationen/Derivate aus den Klassen A, B und C.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2.3 Begriffe und Funktionsbausteine der Kulturerbe-Digitalisierung ==&lt;br /&gt;
Die vorherigen Abschnitte haben geklärt, was unter Kulturerbe verstanden wird und welche Arten von Kulturgütern unterschieden werden. Bevor der nachfolgende Abschnitt den Prozess der Kulturerbe-Digitalisierung beschreibt, werden in diesem Abschnitt die dafür wichtigsten Arbeitsbegriffe und Funktionen erläutert. Der Abschnitt soll dabei die Frage beantworten: Welche Arbeitsabläufe und Funktionen sind notwendig, damit Kulturgüter nicht nur digital erfasst, sondern auch gefunden, verstanden, gesichert und genutzt werden können?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erläuterungen sollen eine gemeinsame und leicht verständliche Grundlage schaffen für alle, die an der Digitalisierung von Kulturerbe interessiert sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.3.1 Vom Kulturgut zur digitalen Repräsentation ===&lt;br /&gt;
Dieser Abschnitt erklärt, was bei einer Digitalisierung entsteht und wie sich das digitale Ergebnis vom ursprünglichen Kulturgut unterscheidet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Begriff&lt;br /&gt;
! Erklärung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Digitalisierung von Kulturerbe'''&lt;br /&gt;
| Digitalisierung bezeichnet in diesem Konzept den gesamten zusammenhängenden Prozess: Kulturgüter erfassen, beschreiben und bewerten, digitale Repräsentationen erzeugen oder übernehmen, ihre Qualität prüfen, sie sichern und für die Nutzung zugänglich machen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;DFG2016&amp;quot;&amp;gt;Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) 2016: Praxisregeln „Digitalisierung“, insbesondere S. 13 und 41-44. URL: https://www.dfg.de/resource/blob/176108/898bf3574ad0ff3b1db525fa7d04c86c/12-151-v1216-de-data.pdf, abgerufen am 16.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bei ursprünglich digital entstandenen Kulturgütern – auch ''born digital'' genannt – entfällt die Überführung aus einem analogen Original; die weiteren Aufgaben bleiben bestehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Digitalisat und digitale Repräsentation'''&lt;br /&gt;
| Ein '''Digitalisat''' ist ein digitales Abbild eines analogen Kulturguts, beispielsweise ein Scan einer Handschrift oder ein Foto eines Museumsobjekts. Der weitere Begriff '''digitale Repräsentation''' umfasst auch Audio-, Video- oder 3D-Dokumentationen einer immateriellen kulturellen Praxis. Die digitale Repräsentation ersetzt weder das materielle Kulturgut noch die lebendige Praxis.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Masterdatei und Nutzungsderivat'''&lt;br /&gt;
| Die '''Masterdatei''' ist die möglichst hochwertige und qualitätsgeprüfte Ausgangsdatei. Sie wird für die langfristige Sicherung und spätere Bearbeitungen aufbewahrt. Ein '''Nutzungsderivat''' ist eine daraus erzeugte, an einen bestimmten Zweck angepasste Datei, beispielsweise ein kleineres Bild für eine Internetseite.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Digitales Objekt'''&lt;br /&gt;
| Als '''digitales Objekt''' wird in diesem Konzept eine zusammengehörige digitale Einheit bezeichnet. Sie kann aus einer oder mehreren Dateien, den zugehörigen Metadaten und ihren Verknüpfungen bestehen. Ein digitales Objekt kann ein Digitalisat oder ein ursprünglich digital entstandenes Kulturgut sein.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
''Beispiel:'' Das verzierte sorbische Osterei bleibt das materielle Kulturgut. Hochauflösende Fotografien, ein 3D-Modell und die dazugehörigen Beschreibungen bilden gemeinsam seine digitale Repräsentation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.3.2 Funktionsbausteine und ihr Zusammenspiel ===&lt;br /&gt;
Die folgende Tabelle erläutert die grundlegenden Funktionen bei der Digitalisierung von Kulturerbe, unabhängig von konkreten Institutionen oder technischen Produkten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Funktionsbaustein&lt;br /&gt;
! Hauptaufgabe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Register oder Katalog'''&lt;br /&gt;
| Weist Kulturgüter nach, beschreibt und verknüpft sie und macht sichtbar, was vorhanden ist, wo es sich befindet und in welchem Zusammenhang es steht. Ein Registereintrag kann bereits bestehen, bevor ein Digitalisat angefertigt wurde.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Digitalisierungsdienst oder Digitalisierungszentrum'''&lt;br /&gt;
| Erzeugt digitale Repräsentationen, bearbeitet und prüft sie und dokumentiert technische Angaben zur Digitalisierung. Es liefert beispielsweise geprüfte Masterdateien und Nutzungsderivate.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Repositorium oder digitales Archiv'''&lt;br /&gt;
| Übernimmt digitale Dateien und Metadaten, speichert und verwaltet sie und sorgt entsprechend seinem Auftrag für ihre Sicherung, Langzeiterhaltung und Bereitstellung.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Präsentations- und Nutzungssystem'''&lt;br /&gt;
| Führt beschreibende Informationen und digitale Medien für Nutzerinnen und Nutzer zusammen. Es ermöglicht beispielsweise Suche, Anzeige, Kontextualisierung, Vermittlung und – soweit zulässig – Nachnutzung.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Bausteine beschreiben zunächst '''Funktionen''' und nicht zwingend getrennte Institutionen oder Systeme. Eine Einrichtung kann mehrere Funktionen übernehmen. Umgekehrt kann eine Funktion auf mehrere Einrichtungen oder technische Systeme verteilt sein. Entscheidend sind klare Zuständigkeiten, verlässliche Übergaben und gemeinsame Standards.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vereinfacht lässt sich das Zusammenspiel so zusammenfassen:&lt;br /&gt;
# Das '''Register oder der Katalog''' beschreibt und verknüpft das Kulturgut.&lt;br /&gt;
# Der '''Digitalisierungsdienst''' erzeugt und prüft seine digitale Repräsentation.&lt;br /&gt;
# Das '''Repositorium oder digitale Archiv''' übernimmt und erhält die Dateien.&lt;br /&gt;
# Das '''Präsentationssystem''' führt Beschreibungen und Medien für die Nutzung zusammen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die konkrete Ausgestaltung kann zentral, dezentral oder als Verbund mehrerer Systeme erfolgen. Welche dieser Funktionen in der sorbischen Welt bereits durch das Sorbische Kulturregister, das Digitalisierungszentrum, Archive, Repositorien und Präsentationsumgebungen erfüllt werden und wo noch Lücken bestehen, wird in der sorbischen IST-Analyse untersucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.3.3 Register: Kulturgüter erfassen, beschreiben und verknüpfen ===&lt;br /&gt;
Die folgende Tabelle erklärt, wie Kulturgüter so beschrieben und bearbeitet werden, dass sie eindeutig zugeordnet, wiedergefunden und nach einheitlichen Regeln weiterverarbeitet werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Begriff&lt;br /&gt;
! Erklärung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Erschließung, Verzeichnung und Registrierung'''&lt;br /&gt;
| '''Erschließung''' ist der übergeordnete Vorgang, bei dem ein Kulturgut identifiziert, beschrieben und in seinen Zusammenhang eingeordnet wird. '''Verzeichnung''' bezeichnet seine strukturierte dokumentarische Beschreibung. '''Registrierung''' bedeutet die Aufnahme in ein konkretes Register, einen Katalog oder ein Sammlungssystem. Ein Kulturgut kann bereits registriert werden, bevor ein Digitalisat vorhanden ist.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Metadaten'''&lt;br /&gt;
| Metadaten sind strukturierte Informationen über ein Kulturgut und seine digitalen Repräsentationen. Dazu gehören beispielsweise Titel, Herkunft, beteiligte Personen, Ort, Zeit, kultureller Kontext, Rechte, Dateieigenschaften und Bearbeitungsschritte. Je nach Zweck werden beschreibende, technische, rechtliche und erhaltungsbezogene Metadaten unterschieden. Sie machen Kulturgüter auffindbar, verständlich, verwaltbar und langfristig nutzbar.&amp;lt;ref name=&amp;quot;PREMIS&amp;quot;&amp;gt;Library of Congress o. J.: PREMIS – Preservation Metadata: Implementation Strategies. Internationaler Standard für Erhaltungsmetadaten. URL: https://www.loc.gov/standards/premis/, abgerufen am 16.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Persistenter Identifikator'''&lt;br /&gt;
| Ein '''persistenter Identifikator''' ist eine dauerhafte und eindeutige Kennung für ein Kulturgut, einen Datensatz oder eine digitale Ressource. Die Kennung bleibt bestehen, auch wenn sich der technische Speicherort oder die Internetadresse ändern. Dadurch können Kulturgüter dauerhaft zitiert und zwischen Systemen verknüpft werden.&amp;lt;ref name=&amp;quot;DFG2016&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Metadaten sind keine bloße Beigabe zu einer Datei. Ohne ausreichende Beschreibungen kann ein Digitalisat zwar technisch vorhanden sein, später aber kaum gefunden, verstanden oder zuverlässig zugeordnet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.3.4 Digitalisierungsdienst und Archiv: Digitalisieren, speichern und langfristig erhalten ===&lt;br /&gt;
Die folgende Tabelle erklärt was erforderlich ist, damit digitale Kulturgüter nicht nur heute gespeichert sind, sondern auch nach technischen und organisatorischen Veränderungen noch gefunden, verstanden und genutzt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Begriff&lt;br /&gt;
! Erklärung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Repositorium'''&lt;br /&gt;
| Ein '''Repositorium''', auch ''Repository'' genannt, ist eine verwaltete technische Umgebung, in der digitale Objekte und ihre Metadaten übernommen, gespeichert, geordnet, verwaltet und bereitgestellt werden. Ein Repositorium kann Teil eines digitalen Archivs sein. Nicht jedes Repositorium erfüllt jedoch automatisch alle Anforderungen der Langzeiterhaltung.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Digitales Archiv oder digitales Langzeitarchiv'''&lt;br /&gt;
| Ein digitales Archiv ist mehr als ein Server oder ein Speicherprogramm. Es verbindet eine verantwortliche Organisation, fachkundiges Personal, Regeln, Arbeitsabläufe und technische Systeme. Es übernimmt die Verantwortung dafür, digitale Informationen langfristig zu erhalten und für festgelegte Nutzergruppen zugänglich zu machen. Das internationale Referenzmodell '''Open Archival Information System''' (OAIS, offenes Archiv-Informationssystem) bietet hierfür einen fachlichen Rahmen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;OAIS2024&amp;quot;&amp;gt;Consultative Committee for Space Data Systems (CCSDS) 2024: Reference Model for an Open Archival Information System (OAIS), CCSDS 650.0-M-3, insbesondere S. 1-1–1-2 und 2-1–2-2. URL: https://ccsds.org/Pubs/650x0m3.pdf, abgerufen am 16.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Ingest oder kontrollierte Übernahme'''&lt;br /&gt;
| '''Ingest''' bezeichnet die kontrollierte Übernahme digitaler Dateien und Metadaten in ein Repositorium oder digitales Archiv. Dabei werden beispielsweise Vollständigkeit, Dateiformate, Metadaten und Dateiintegrität geprüft und die Übernahme dokumentiert.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Langzeitverfügbarkeit und digitale Langzeiterhaltung'''&lt;br /&gt;
| '''Langzeitverfügbarkeit''' ist das Ziel, digitale Inhalte über technische und organisatorische Veränderungen hinweg auffindbar, lesbar, verständlich und nutzbar zu halten. '''Digitale Langzeiterhaltung''' bezeichnet die dafür notwendigen fortlaufenden Maßnahmen. Dazu können mehrere Speicherorte, regelmäßige Prüfungen, Formatüberwachung, technische Migrationen und eine nachvollziehbare Dokumentation gehören. „Langfristig“ bezeichnet dabei keine feste Zahl von Jahren, sondern einen Zeitraum, in dem mit veränderten Technologien, Formaten und Nutzungsanforderungen gerechnet werden muss.&amp;lt;ref name=&amp;quot;OAIS2024&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Datensicherung oder Backup'''&lt;br /&gt;
| Ein '''Backup''' ist eine zusätzliche Sicherungskopie, aus der Dateien nach einem Verlust oder technischen Ausfall wiederhergestellt werden können. Backups sind notwendig, ersetzen aber keine Langzeiterhaltung: Sie regeln allein noch keine dauerhaften Zuständigkeiten, Metadaten, Formatüberwachung, Integritätsprüfungen oder langfristige Zugänglichkeit.&amp;lt;ref name=&amp;quot;DPCStorage&amp;quot;&amp;gt;Digital Preservation Coalition o. J.: Digital Preservation Handbook – Storage. URL: https://www.dpconline.org/handbook/organisational-activities/storage, abgerufen am 16.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Integrität und Authentizität'''&lt;br /&gt;
| '''Integrität''' bedeutet, dass unbeabsichtigte Veränderungen oder Beschädigungen einer Datei erkannt werden können. Dafür werden häufig Prüfsummen verwendet - digitale Kontrollwerte, die regelmäßig verglichen werden. '''Authentizität''' bedeutet, dass Herkunft, Identität und Bearbeitungsgeschichte eines digitalen Objekts nachvollziehbar sind und belegt werden kann, dass es das ist, was es zu sein vorgibt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Dateiformat und Datenformat'''&lt;br /&gt;
| Ein '''Dateiformat''' legt den technischen Aufbau einer einzelnen Datei fest. Ein '''Datenformat''' beschreibt, wie Informationen strukturiert und zwischen Systemen ausgetauscht werden. Gut dokumentierte, verbreitete und möglichst offen beschriebene Formate erleichtern den Austausch und die langfristige Nutzung. Sie ersetzen jedoch keine aktive Langzeiterhaltung.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Merksatz:''' Speichern ist nicht dasselbe wie langfristiges Erhalten. Auch ein vorhandenes Backup ist noch kein digitales Langzeitarchiv.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.3.5 Präsentationssystem: Kulturerbe zugänglich machen und präsentieren ===&lt;br /&gt;
Die folgende Tabelle erklärt, wie aus langfristig gesicherten Dateien ein digitales Kulturerbe wird, das von Menschen gefunden, verstanden und sinnvoll genutzt werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Begriff&lt;br /&gt;
! Erklärung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Zugänglichmachung und Präsentation'''&lt;br /&gt;
| '''Zugänglichmachung''' bedeutet, dass digitale Objekte auffindbar und im rechtlich sowie technisch zulässigen Umfang abrufbar sind. '''Präsentation''' geht darüber hinaus: Inhalte werden ausgewählt, miteinander verknüpft, erklärt und für bestimmte Zielgruppen vermittelt. Dazu gehören verständliche Kontextinformationen, klare Rechteangaben, Mehrsprachigkeit und möglichst barrierearme Zugänge. Abhängig von Rechten, personenbezogenen Daten oder kulturellen Schutzbedarfen kann der Zugang offen oder eingeschränkt sein.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Nutzung und Nachnutzung'''&lt;br /&gt;
| '''Nutzung''' umfasst beispielsweise das Betrachten, Lesen, Anhören, Erforschen oder Vermitteln eines digitalen Kulturguts. '''Nachnutzung''' bedeutet seine weitere Verwendung in einem neuen Zusammenhang, etwa in Bildung, Forschung, Publikationen, Ausstellungen, Anwendungen oder kreativen Werken. Dafür werden geeignete Dateien, verständliche Metadaten und klare Rechteinformationen benötigt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Rechteinformation und Lizenz'''&lt;br /&gt;
| Eine '''Rechteinformation''' beschreibt den rechtlichen Status eines digitalen Objekts und mögliche Einschränkungen seiner Nutzung. Eine '''Lizenz''' räumt durch eine dazu berechtigte Person oder Institution konkrete Nutzungsrechte ein. Ein allgemeiner Rechtehinweis ist daher nicht automatisch eine Lizenz.&amp;lt;ref name=&amp;quot;RightsReuse&amp;quot;&amp;gt;RightsStatements.org o. J.: Standardisierte Rechtehinweise für online verfügbares Kulturerbe. URL: https://rightsstatements.org/de/, abgerufen am 16.07.2026. Creative Commons 2025: Recommended Licenses and Tools for Cultural Heritage Content. URL: https://creativecommons.org/2025/07/09/recommended-licenses-and-tools-for-cultural-heritage-content/, abgerufen am 16.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Interoperabilität'''&lt;br /&gt;
| '''Interoperabilität''' bezeichnet die Fähigkeit von Systemen und Organisationen, Daten auszutauschen und in gleicher Bedeutung zu verstehen. Dafür werden gemeinsame Metadatenmodelle, Begriffe, Identifikatoren und technische Schnittstellen benötigt. So können beispielsweise Register, Repositorien, Präsentationsportale und externe Kulturplattformen miteinander verbunden werden.&amp;lt;ref name=&amp;quot;EuropeanaEDM&amp;quot;&amp;gt;Europeana o. J.: Metadata – Europeana Data Model (EDM, Europeana-Datenmodell). URL: https://pro.europeana.eu/page/metadata, abgerufen am 16.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Digitalisierte Inhalte entfalten ihren kulturellen und gesellschaftlichen Nutzen erst dann vollständig, wenn sie auffindbar, verständlich, rechtlich klar und für unterschiedliche Zielgruppen tatsächlich verwendbar sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der folgende Abschnitt 2.4 beschreibt, wie diese Funktionen innerhalb des gesamten Prozesses der Kulturerbe-Digitalisierung zusammenwirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2.4 Prozess der Digitalisierung von Kulturerbe ==&lt;br /&gt;
Die Digitalisierung von Kulturgut ist kein rein technischer Arbeitsschritt, sondern ein vielschichtiger, oft langfristiger Prozess, der bereits mit der Wahrnehmung und Identifikation einer kulturellen Ausdrucksform beginnt. Ziel dieses Abschnitts ist es, diesen Gesamtprozess systematisch darzustellen: von der gelebten Kultur über das identifizierte Kulturgut bis hin zur digital nutzbaren Repräsentation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die hier entwickelte Prozessdarstellung soll als praxisorientierter Überblick dienen für die Digitalisierung des sorbischen Kulturerbes. Sie berücksichtigt die Anforderungen sorbischer Einrichtungen ebenso wie die international etablierten Referenzmodelle und Standards, darunter:&lt;br /&gt;
* das OAIS-Referenzmodell (ISO 14721) für digitale Archivierung&amp;lt;ref&amp;gt;Consultative Committee for Space Data Systems (CCSDS) 2024: Reference Model for an Open Archival Information System (OAIS), CCSDS 650.0-M-3. URL: https://ccsds.org/Pubs/650x0m3.pdf, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* das DCC Curation Lifecycle Model für kuratorische Entscheidungsprozesse&amp;lt;ref&amp;gt;Higgins 2008: The DCC Curation Lifecycle Model. International Journal of Digital Curation, 3(1), 134-140. URL: https://ijdc.net/index.php/ijdc/article/view/48, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* das Spectrum-Modell für museale Objektverwaltung&amp;lt;ref&amp;gt;Collections Trust 2022. Spectrum 5.1 - The UK Museum Collections Management Standard. URL: https://collectionstrust.org.uk/spectrum/spectrum-5, abgerufen am 01.10.2025. &amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* die UNESCO-Leitlinien zur Inventarisierung immateriellen Kulturerbes&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO 2024: Operational Directives for the Implementation of the Convention for the Safeguarding of the Intangible Cultural Heritage (10.GA). URL: https://ich.unesco.org/doc/src/ICH-Operational_Directives-10.GA_EN.pdf, abgerufen am 01.10.2025. &amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* sowie technische Vorgaben wie die DFG-Praxisregeln Digitalisierung&amp;lt;ref&amp;gt;Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) 2022: Praxisregeln Digitalisierung (aktualisierte Fassung). URL: https://www.ulb.hhu.de/fileadmin/redaktion/ULB/Documents/Infomaterial/DFG_Praxisregeln_Digitalisierung_Aktualisierte_Fassung2022.pdf, abgerufen am 01.10.2025. &amp;lt;/ref&amp;gt; und die FADGI-Richtlinien&amp;lt;ref&amp;gt;Federal Agencies Digital Guidelines Initiative (FADGI) 2023: Technical Guidelines for Digitizing Cultural Heritage Materials – Still Image, 3rd ed. URL: https://www.digitizationguidelines.gov/guidelines/digitize-technical.html, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Folge soll der „Lebenslauf“ eines Kulturguts dargestellt werden, also der Weg, den ein Objekt oder eine kulturelle Praxis vom Zeitpunkt der Entstehung über die Erfassung, Digitalisierung und Archivierung bis zur Veröffentlichung in einem digitalen Präsentationsmodul durchläuft.&lt;br /&gt;
Hierfür erläutert der folgende Abschnitt die einzelnen Prozessschritte im Detail, jeweils mit Akteuren und Beispielen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.4.1 Vorüberlegungen zum Prozess ===&lt;br /&gt;
Im hier vorgestellten Prozess wird auf eine harte, systematische Filterung verzichtet, welche kulturellen Ausdrucksformen „nur“ Kultur und welche bereits Kulturgut sind. Ein solcher Bewertungs- und Abgrenzungsprozess wäre ressourcenintensiv und würde den vorhandenen Kapazitäten in den beteiligten Einrichtungen nicht entsprechen. Stattdessen folgt das Konzept einer inklusiven Logik: Alle dokumentierten Ausdrucksformen werden zunächst als potenzielle Kulturgüter erfasst. Eine feinere Auswahl und Priorisierung erfolgen erst in einem späteren Schritt, nämlich dann, wenn konkret entschieden wird, welche Ausdrucksformen bzw. Kulturgüter in welcher Tiefe digitalisiert, archiviert und präsentiert werden sollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Vorgehen schließt an das SKR-Konzept an, das bewusst auf eine frühe normative Trennung zwischen „kultureller Ausdrucksform“ und „Kulturgut“ verzichtet. Auch hier steht zunächst der möglichst vollständige, strukturierte Überblick über die sorbischen Kulturgüter im Vordergrund. Die differenzierte Bewertung und Schwerpunktsetzung werden als anschließende fachliche Aufgabe verstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.4.2 Prozessschritte im Detail ===&lt;br /&gt;
Das folgende Diagramm gibt einen Überblick über die sechs Kernschritte des Gesamtprozesses der Digitalisierung von Kulturgut – von der ersten Wahrnehmung einer kulturellen Ausdrucksform bis zu ihrer digitalen Präsentation als Kulturgut. Die Abfolge zeigt zugleich die Entwicklungsstufen: von gelebter Kultur zur kulturellen Ausdrucksform, von dort zum Kulturgut und schließlich zum digitalen Kulturgut. Die Schritte sind als generischer Ablauf zu verstehen: Je nach Art des Kulturguts können einzelne Tätigkeiten unterschiedlich aufwendig sein oder parallel erfolgen.&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K3.png|center|600px]]&amp;lt;ref&amp;gt;Mermaid Flowchart Code: [https://mermaid.live/edit#pako:eNplkk1OwzAQha8yGqmbkloxSZs2CyTa8LOphIAVhIVJpolF4iDH4a_qbXqTXgzHFdAKr2y97703lmaNWZMTxriqmvesFNrAfZIqgPPHFIdDzuBO1DVVajhM8QlGozOYO-WUwS0VsjVakqa93Pvmjlk4JmAwp3fS5kCHwQAWjkkcE_Y5WWkIXqrd9jBpT138UIkspBGVbI_7-rwLR146csLgRryQ-U8lMGLwTG1WapLPpHKCZQLMOY9ch7m2VxiSpOAEjJ1TSev_M_bkvv3KtY8ZnOuslG_H9VcOuf4dUO-2LamjGdHDQsscY6M78rAmXYv-ies-IEVTUk0pxvaa00p0lUkxVRtrexXqoWnqH6duuqLEeCWq1r6619zOn0hRaPGH9J_Xi6ZTBuOxS8B4jR8YhxGLeDThkR-EM37KuYefFmHTaOz7fOZHQTidBMHGwy9X6VslnNnDw4jPuB8GHlIuTaOX-7Vy27X5Bh_Osqo hier klicken], abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Prozess zeigt, dass Digitalisierung von Kulturgut mehr ist als das Erstellen digitaler Dateien. Sie umfasst eine Reihe aufeinander bezogener Schritte – von der ersten Wahrnehmung einer kulturellen Ausdrucksform über ihre Erfassung, Bewertung und Digitalisierung bis hin zur langfristigen Sicherung und Präsentation. Dabei sind je nach Schritt unterschiedliche Akteure beteiligt, etwa Gemeinschaften, Museen, Archive, Fachgremien, Digitalisierungsstellen oder IT. Die folgenden Beschreibungen erläutern diese Schritte so, dass nachvollziehbar wird, was jeweils mit einem Kulturgut geschieht, wer daran beteiligt ist und wie sich der Ablauf in der Praxis vorstellen lässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''1. Sammeln &amp;amp; erfassen''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Hier wird eine kulturelle Ausdrucksform erstmals wahrgenommen, benannt und mit ersten Informationen erfasst: Was ist es, wer macht es oder hat es geschaffen, wo kommt es vor, warum ist es bedeutsam für die Gemeinschaft? &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Community, Vereine, Museen, Archive, Forschende, Privatpersonen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Auf einem Dorffest zeigt eine Frau das Verzieren sorbischer Ostereier. Jemand fotografiert dies und notiert Technik, Ort und Namen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''2. Registrieren &amp;amp; beschreiben''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Hier wird aus der ersten Beobachtung ein strukturierter Nachweis. Das Kulturgut oder die kulturelle Ausdrucksform wird in ein Register, eine Sammlung oder einen Katalog aufgenommen und mit strukturierten Metadaten beschrieben, damit es wiedergefunden, zugeordnet und verstanden werden kann. Dazu gehören z. B. Titel, Ort, Zeit, Technik, Funktion, beteiligte Personen und der kulturelle Kontext.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Registerverantwortliche, Kurator:innen, Sammlungsmitarbeitende, Community für Kontextinformationen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Das Osterei erhält einen Eintrag mit Angaben wie „Wachsbatik“, „Schleife“, „Osterei-Verzierung“, Name der Trägerin und Entstehungsjahr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''3. Bewerten &amp;amp; freigeben''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
In diesem Schritt wird entschieden, ob und in welcher Priorität ein Kulturgut oder die kulturelle Ausdrucksform digitalisiert werden soll und ob dies rechtlich und ethisch möglich ist. Dabei spielen fachliche Kriterien wie Bedeutung, Repräsentativität, Seltenheit oder Gefährdung eine Rolle, aber auch Fragen des Urheberrechts, Datenschutzes und möglicher kultureller Sensibilitäten. Am Ende steht eine begründete Entscheidung, ob und in welchem Umfang das Kulturgut weiterbearbeitet und später veröffentlicht werden darf. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Kurator:innen, Fachgremien, Community-Vertretungen, Register/SKR, ggf. Rechteverantwortliche und Behörden. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Es wird entschieden, dass die Osterei-Technik wegen ihrer Bedeutung für die sorbische Identität digital gesichert werden soll; die Kunsthandwerkerin stimmt der Veröffentlichung zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''4. Digitalisieren &amp;amp; prüfen''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nun wird das Kulturgut technisch erfasst, also in eine digitale Form überführt. Das kann je nach Objektart durch Scan, Fotografie, Audio- oder Videoaufnahme oder 3D-Erfassung geschehen. Dabei entstehen hochwertige Master-Dateien und nutzbare Derivate. Die Digitalisierung folgt qualifizierten Standards, um Reproduzierbarkeit, Farbkonsistenz und Nutzbarkeit zu gewährleisten. Anschließend wird geprüft, ob Schärfe, Farbe, Vollständigkeit und Dateiformate den Anforderungen für Archivierung und Nutzung entsprechen. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Digitalisierungszentrum, Foto-/AV-/3D-Spezialist:innen, externe Dienstleister bei Spezialfällen. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Das Osterei wird fotografisch hochauflösend aufgenommen und zusätzlich als 3D-Modell erfasst. Danach werden Schärfe, Farbe und Dateiformate geprüft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''5. Archivieren &amp;amp; sichern''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die entstandenen digitalen Dateien werden geordnet abgelegt, mit den zugehörigen Metadaten verknüpft und für die langfristige Erhaltung gesichert. Dazu gehören sichere Speicherorte, Backups, Integritätskontrollen und – wenn nötig – spätere technische Migration auf neue Systeme. Ziel ist, dass das digitale Kulturgut langfristig erhalten bleibt, auch wenn sich Technik und Formate verändern. Das Original bleibt in der Regel weiterhin am Sammlungs- oder Aufbewahrungsort. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Archiv, Repository, IT-Betrieb, ggf. Sorbisches Kulturarchiv bzw. Digitalisierungszentrum. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Die Bilder und das 3D-Modell des Ostereis werden auf gesicherten Servern gespeichert; das Original bleibt im Museum oder bei der Eigentümerin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''6. Präsentieren &amp;amp; nutzen''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im letzten Schritt werden die digitalen Objekte so bereitgestellt, dass sie gefunden, verstanden und genutzt werden können, z. B. in Portalen, digitalen Sammlungen oder virtuellen Ausstellungen. Dafür reicht es nicht, nur Dateien anzuzeigen: Es braucht auch verständliche Kontexte, Rechteangaben, Mehrsprachigkeit und möglichst barrierearme Zugänge. So wird aus der technischen Digitalisierung eine tatsächliche kulturelle Nutzung. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Kurator:innen, Vermittlung, Web/IT, Museen, Kulturinformationen, Community. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Das Osterei erscheint in einer Online-Ausstellung, kann herangezoomt oder als 3D-Modell gedreht werden und wird mit einem kurzen Text zur Technik erklärt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.4.3 Organisatorische Perspektive ===&lt;br /&gt;
Die folgende Abbildung ist entnommen aus einem Poster des Sorbischen Instituts zu dessen Digitalisierungsstrategie, gefunden auf der Projektseite des Digitalisierungszentrums.&amp;lt;ref&amp;gt;Sorbisches Institut: Digitalisierungszentrum (DZ). URL: [https://www.serbski-institut.de/projekte-zentrale-vorhaben/digitalisierungszentrum-dz/ https://www.serbski-institut.de/projekte-zentrale-vorhaben/digitalisierungszentrum-dz/], abgerufen am 25.03.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Digitalisierungsstrategie des Sorbischen Instituts zeigt die Erfassung, Registrierung, Digitalisierung und Archivierung bis zur Präsentation von Kulturgütern aus '''organisatorischer Sicht'''. Sie basiert auf einem '''3-Säulen-Modell aus Kulturregister, Digitalisierungszentrum und Präsentationsumgebung'''. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K4.png|mini||center|600px|Abbildung: 3-Säulen-Modell der Digitalisierungsstrategie des Sorbischen Instituts. Quelle: Sorbisches Institut, „Digitalizacija serbskich kulturnych datow / Digitalisierung der sorbischen/wendischen Kulturdaten“&amp;lt;ref&amp;gt;Sorbisches Institut 2025: Digitalizacija serbskich kulturnych datow / Digitalisierung der sorbischen/wendischen Kulturdaten (Poster). URL:  [https://www.serbski-institut.de/wp-content/uploads/2021/11/A0-Druck_Digitalisierungsstrategie-SI.pdf  https://www.serbski-institut.de/wp-content/uploads/2021/11/A0-Druck_Digitalisierungsstrategie-SI.pdf], abgerufen am 25.03.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Beide Sichtweisen - die fachliche &amp;quot;Prozess-Sicht&amp;quot; und die &amp;quot;organisatorische Sicht&amp;quot; lassen sich wie folgt in einer Darstellung zusammenfassen:&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K5.jpg|mini||center|600px|Abbildung: Zusammengefasste Sichtweisen auf die Digitalisierung von Kulturerbe.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der &amp;quot;Prozess der Digitalisierung von Kulturerbe&amp;quot; beschreibt, '''was''' mit einem Kulturgut geschieht; das 3-Säulen-Modell zeigt, '''wo''' diese Aufgaben organisatorisch verortet sind. Bezogen auf die oben beschriebenen [[#2.3.2 Prozessschritte im Detail|Prozessschritte der Digitalisierung von Kulturerbe]] steht das '''Sorbische Kulturregister''' für den Prozessschritt „'''2. Registrieren'''“ und dient dabei vor allem der Verzeichnung und Metadatenverwaltung. Das '''Digitalisierungszentrum''' steht für die Prozessschritte „'''4. Digitalisieren'''“ und „'''5. Archivieren'''“ und dient dabei der technischen Erfassung, Bearbeitung und Sicherung der Digitalisate. Die '''Präsentationsumgebung''' steht für den Schritt „'''6. Präsentieren'''“ und dient der öffentlichen oder kuratierten Bereitstellung zur Nutzung. Ergänzende Konzepte des SI machen dabei deutlich, dass die Digitalisierung im Regelfall eine vorherige Verzeichnung im Register voraussetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Prozessschritt&lt;br /&gt;
! Verantwortliche Organisation&lt;br /&gt;
! Funktion im Gesamtsystem&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''2. Registrieren'''&lt;br /&gt;
| '''Sorbisches Kulturregister'''&lt;br /&gt;
| Kulturgüter werden als Entitäten nachgewiesen, beschrieben, mit Metadaten versehen und miteinander verknüpft. Das Register erfüllt damit eine katalogähnliche Funktion: Es macht sichtbar, welche Kulturgüter es gibt, wo sie sich befinden und in welchem Kontext sie stehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''4. Digitalisieren'''&lt;br /&gt;
| '''Digitalisierungszentrum'''&lt;br /&gt;
| Kulturgüter werden technisch erfasst, z. B. durch Scan, Fotografie, Audio-/Videoübertragung oder 3D-Erfassung. Das Digitalisierungszentrum erzeugt und prüft die Digitalisate, ist aber nicht selbst primär ein Präsentationssystem.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''5. Archivieren'''&lt;br /&gt;
| '''Digitalisierungszentrum / Repositorium / Archiv'''&lt;br /&gt;
| Die digitalen Dateien werden geordnet gespeichert, mit Metadaten verbunden und langfristig gesichert. Dazu gehört auch die Sicherstellung der Langzeitaufbewahrung, etwa durch geeignete Speicherorte, Prüfroutinen und spätere Migrationen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''6. Präsentieren'''&lt;br /&gt;
| '''Sorabicon / weitere Präsentationsumgebungen'''&lt;br /&gt;
| Die digitalen Inhalte werden für Nutzer:innen sichtbar, erfahrbar und verständlich gemacht, z. B. in Portalen, digitalen Sammlungen oder virtuellen Ausstellungen. Die Präsentation greift dafür auf Metadaten aus dem Register und auf Digitalisate aus dem Repositorium bzw. dem Digitalisierungszentrum zurück.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Schritt '''1. Sammeln''' liegt vor diesen drei Säulen. Er betrifft die Sammlungsorte selbst, also z. B. Museen, Archive, Heimatstuben, Vereine, Projekte, Gemeinden oder Privatpersonen. Dort entstehen oder befinden sich die Kulturgüter zunächst, bevor sie systematisch registriert, bewertet oder digitalisiert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Schritt '''3. Bewerten''' ist ebenfalls keine eigene technische Säule, sondern ein steuernder Entscheidungsschritt. In ihm wird geklärt, welche Kulturgüter priorisiert digitalisiert werden, welche fachliche Bedeutung sie haben, welche Rechte zu beachten sind und ob eine öffentliche Präsentation möglich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit wird deutlich: Register, Digitalisierungszentrum und Präsentation erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Das '''Register''' beschreibt und verknüpft Kulturgüter, das '''Digitalisierungszentrum''' erzeugt und sichert Digitalisate und die '''Präsentationsumgebung''' macht ausgewählte Inhalte verständlich zugänglich. Gerade diese Trennung schafft klare Zuständigkeiten und erleichtert die Zusammenarbeit zwischen Sammlungsorten, Fachstellen, technischen Dienstleistern und Öffentlichkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2.5 Beispiele anderer Kulturen und Regionen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Digitalisierung des Kulturerbes kleiner, autochthoner, indigener und sprachlicher Gemeinschaften weist häufig vergleichbare Herausforderungen auf: Kulturgüter und Bestände sind auf viele Institutionen, Vereine, lokale Einrichtungen und private Träger verteilt. Personelle und finanzielle Ressourcen sind begrenzt, mehrere Sprachen und Beschreibungstraditionen müssen berücksichtigt werden und nicht alle kulturellen Inhalte dürfen oder sollen ohne Einschränkung öffentlich zugänglich gemacht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einer vergleichenden Recherche wurde daher untersucht, wie andere Gemeinschaften und Regionen ihr Kulturerbe erfassen, beschreiben, digitalisieren, langfristig sichern und zur Nutzung bereitstellen. Dabei wurde nicht nach einer universell „idealen“ technischen Lösung gesucht. Untersucht wurde vielmehr, welche organisatorischen, technischen, rechtlichen und gemeinschaftlichen Modelle unter welchen Rahmenbedingungen funktionieren, welche Schwierigkeiten auftreten und welche übertragbaren Erfolgsfaktoren erkennbar sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die nachfolgenden Beispiele verdeutlichen unterschiedliche Schwerpunkte: gemeinschaftliche Steuerung, institutionsübergreifende Register und Suchsysteme, Digitalisierung verteilter Bestände, Sprach- und Tonarchive, abgestufte Zugänge, Unterstützung kleiner Kulturgutträger sowie die Überführung zeitlich begrenzter Projekte in einen dauerhaften Betrieb.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die daraus abgeleiteten Kriterien bilden einen Referenzrahmen. Anhand dieses Referenzrahmens kann in einer späteren Ist-Analyse geprüft werden, welche Funktionen bereits vorhanden, nur konzeptionell beschrieben, in Pilotprojekten erprobt oder dauerhaft im Regelbetrieb verankert sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ausführlichen Fallprofile, Vergleichsmatrizen und Quellen befinden sich in der [[12.3.A1 Vergleichende Recherche – Digitalisierung des Kulturerbes anderer Kulturen und Regionen|ausführlichen Vergleichsrecherche]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.5.1 RomArchive – Digitales Archiv der Roma ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Roma und Sinti sind eine transnationale Minderheit, die in zahlreichen europäischen Staaten lebt. RomArchive wurde von 2015 bis 2019 mit 3,75 Millionen Euro durch die Kulturstiftung des Bundes gefördert. Weitere Unterstützer waren unter anderem die Bundeszentrale für politische Bildung, das Auswärtige Amt und das Goethe-Institut. Seit 2019 wird das Archiv durch das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg betrieben.&amp;lt;ref name=&amp;quot;vergleich_romarchive&amp;quot;&amp;gt;RomArchive o. J.: Frequently Asked Questions. URL: https://www.romarchive.eu/en/about/frequently-answered-questions/; Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma e. V. o. J.: Imprint. URL: https://www.romarchive.eu/en/imprint/; Kulturstiftung des Bundes o. J.: RomArchive. URL: https://www.kulturstiftung-des-bundes.de/en/programmes_projects/film_and_new_media/detail/romarchive.html, jeweils abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Archiv präsentiert Kunst, Geschichte und Kultur aus der Perspektive der Roma. Kuratorische Teams und Beirat waren überwiegend mit Angehörigen der Minderheit besetzt. Neben öffentlich zugänglichen Inhalten existiert ein internes Archiv mit beschränktem Forschungszugang. Besonders lehrreich ist der bereits zu Projektbeginn geplante und später tatsächlich vollzogene Übergang an einen dauerhaften Betreiber.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren und Learning:''' Angehörige der betreffenden Gemeinschaft sollten nicht nur Inhalte zuliefern, sondern festgelegte Entscheidungsrechte bei Auswahl, Beschreibung, Kontextualisierung und Zugangsregeln besitzen. Ähnliche Vorhaben sollten außerdem bereits zu Beginn einer Projektphase verbindlich klären, welche Institution das Register, Archiv oder Portal nach dem Ende der Förderung dauerhaft betreibt, pflegt und finanziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.5.2 Nuohtti – gemeinsamer Zugang zum Sámi-Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Sámi sind ein indigenes Volk im nordeuropäischen Sápmi, das sich über Teile Norwegens, Schwedens, Finnlands und Russlands erstreckt. Viele historische Sámi-Materialien befinden sich außerhalb der Sámi-Institutionen in europäischen Archiven und Museen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nuohtti ist ein gemeinsamer Suchdienst für digitalisierte Sámi-Materialien. Er wurde von 2018 bis 2021 mit Mitteln des Programms Interreg Nord der EU (Europäische Union) entwickelt. Beteiligt waren unter anderem die Sámi-Archive der finnischen und norwegischen Nationalarchive, das schwedische Reichsarchiv und mehrere Universitäten. Die Sámi-Parlamente Finnlands, Norwegens und Schwedens waren in der Steuerungsgruppe vertreten. Der Dienst führte nach Projektangaben etwa 30.000 Datensätze aus 32 Institutionen zusammen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;vergleich_nuohtti&amp;quot;&amp;gt;Nuohtti o. J.: About Nuohtti. URL: https://nuohtti.com/Content/about; University of the Arctic 2023: The Nuohtti service provides digital access to Sámi material in European archives. URL: https://www.uarctic.org/news/2023/3/the-nuohtti-service-provides-digital-access-to-sami-material-in-european-archives/, jeweils abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nuohtti übernimmt nicht alle Bestände in ein einziges System. Stattdessen werden Metadaten, also strukturierte Beschreibungsdaten zu Objekten und Beständen, aus vorhandenen Einrichtungen zusammengeführt und mit mehrsprachiger Suche, Karte und Zeitleiste zugänglich gemacht. Ethische Hinweise machen darauf aufmerksam, dass viele Bestände unter historischen und teilweise kolonialen Bedingungen gesammelt und beschrieben wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren und Learning:''' Ein gemeinsamer Zugang erfordert nicht die Zentralisierung aller Originale, Dateien und Fachsysteme. Ein Register für Kulturdaten kann als übergreifende Nachweisschicht arbeiten: Größere Einrichtungen liefern Daten über technische Schnittstellen, während kleine Träger zentrale oder gemeinsam bereitgestellte Erfassungsdienste nutzen können. Historische Fremdbeschreibungen sollten ergänzt werden durch Selbstbezeichnungen, eigene Sprachformen, alternative Benennungen und Kontexte der betreffenden Gemeinschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.5.3 People’s Collection Wales / Casgliad y Werin Cymru ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wales ist ein Landesteil des Vereinigten Königreichs mit einer eigenständigen nationalen und walisischsprachigen Identität. People’s Collection Wales ist eine zweisprachige Plattform für institutionelles und gemeinschaftlich getragenes Kulturerbe. Sie wird als Verbund der National Library of Wales, des National Museum Wales und der Royal Commission on the Ancient and Historical Monuments of Wales betrieben und durch die walisische Regierung finanziert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben der technischen Plattform werden kostenlose Beratung und Schulungen zu Digitalisierung, Metadaten, Urheberrecht, Datenschutz und Oral History, also mündlich überlieferter und aufgezeichneter Geschichte, angeboten. Eine unabhängige Evaluation stellte Fortschritte bei der Zusammenarbeit und beim Kompetenzaufbau fest, benannte aber auch begrenzte Wirkungsnachweise, Finanzierungsrisiken und den hohen Personalaufwand für die Unterstützung der beteiligten Gemeinschaften.&amp;lt;ref name=&amp;quot;vergleich_wales&amp;quot;&amp;gt;Vittle, Kate / Haswell-Walls, Fran / Dixon, Tim; ERS Ltd. 2016: Evaluation of the Casgliad y Werin Cymru / People’s Collection Wales Digital Heritage Programme. Impact Report. URL: https://www.gov.wales/sites/default/files/publications/2019-08/evaluation-of-the-peoples-collection-wales-digital-heritage-programme-impact.pdf; People’s Collection Wales o. J.: Community Support. URL: https://www.peoplescollection.wales/about-us/community-support, jeweils abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren und Learning:''' Kleine und ehrenamtlich betreute Sammlungen benötigen nicht nur technische Standards, sondern konkrete und dauerhaft verfügbare Dienstleistungen: Erstberatung, Schulung, Vorlagen, Unterstützung bei Rechtefragen, Qualitätskontrolle und persönliche Ansprechpartner. Ein Digitalisierungszentrum oder ein Verbund koordinierter Digitalisierungsdienste sollte daher als Service- und Kompetenzstruktur ausgestaltet werden und nicht lediglich als technische Produktionsstelle. Der dafür notwendige Beratungs- und Unterstützungsaufwand muss als dauerhafte Betriebsaufgabe eingeplant werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.5.4 Tobar an Dualchais / Kist o Riches ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schottisch-Gälisch ist eine Minderheitensprache, die vor allem in den Highlands und auf den schottischen Inseln gesprochen wird. Tobar an Dualchais macht mehr als 40.000 seit den 1930er Jahren entstandene Tonaufnahmen zugänglich. Die Bestände umfassen Erzählungen, Lieder, Musik, Gedichte und mündlich überliefertes Wissen auf Gälisch, Scots und Englisch. Ein bedeutender Teil der Originalbestände wird in den School of Scottish Studies Archives der Universität Edinburgh verwahrt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;vergleich_tobar&amp;quot;&amp;gt;University of Edinburgh 2024: Tobar an Dualchais / Kist o Riches. URL: https://gaelic.ed.ac.uk/gaelic-collections/tobar-an-dualchais-kist-o-riches; Scottish Government 2025: Rediscovering lost Gaelic words. URL: https://www.gov.scot/news/rediscovering-lost-gaelic-words/, jeweils abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Digitalisierung wird mit Verschriftlichung beziehungsweise Transkription, sprachlicher Erschließung, Freiwilligenarbeit und teilweise automatischer Spracherkennung verbunden. Das Projekt erhält wiederkehrende öffentliche Förderungen, muss Rechteklärung, Transkription und technische Weiterentwicklung jedoch dauerhaft fortsetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren und Learning:''' Gefährdete Ton-, Film- und Videobestände müssen wegen Materialverfall, beschädigungsanfälliger Trägermaterialien und nicht mehr verfügbarer Wiedergabetechnik zeitlich priorisiert werden. Ein geeignetes Pilotprojekt kann Digitalisierung, Rechteklärung, Verschriftlichung, Übersetzung, Metadatenerfassung, Archivierung und Bildungsnutzung entlang einer vollständigen Prozesskette verbinden. Dadurch werden nicht nur einzelne Dateien erzeugt, sondern zugleich die notwendigen Standards, Zuständigkeiten und Aufwände erprobt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.5.5 Euskariana – Portal zum baskischen Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Baskinnen und Basken leben in Gebieten Spaniens und Frankreichs. Euskariana ist das staatlich betriebene Kulturportal der Autonomen Gemeinschaft Baskenland in Spanien. Es wird durch die Digitale Bibliothek Euskadi betrieben und verbindet Daten der baskischen Regierung, der Provinzen, Kommunen, Universitäten sowie öffentlicher, kirchlicher und privater Einrichtungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Portal ist zugleich gemeinsamer Katalog und Zugang zu digitalen Objekten. Es kann Inhalte über ein eigenes Repositorium, also ein institutionell betriebenes digitales Ablage- und Erhaltungssystem, bereitstellen oder zu den Systemen der Partner verlinken. Verwendet werden internationale Standards wie Dublin Core als allgemeiner Metadatenstandard, METS (Metadata Encoding and Transmission Standard) zur Strukturierung und Übertragung digitaler Objekte, PREMIS (Preservation Metadata: Implementation Strategies) für Metadaten zur digitalen Langzeiterhaltung und ALTO (Analyzed Layout and Text Object) für erkannte Texte und Seitenlayouts. Die standardisierten Daten können unter anderem an Europeana weitergegeben werden.&amp;lt;ref name=&amp;quot;vergleich_euskariana&amp;quot;&amp;gt;Gobierno Vasco / Biblioteca Digital de Euskadi o. J.: Acerca de Euskariana. URL: https://www.euskariana.euskadi.eus/euskadibib/es/help/about.do, abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren und Learning:''' Unterschiedliche Kulturgutträger benötigen unterschiedliche Anschlussmöglichkeiten. Kleine Einrichtungen sollten Daten und gegebenenfalls Dateien in zentral bereitgestellten Diensten erfassen und verwalten können. Größere Institutionen sollten ihre vorhandenen Systeme über Datenexporte oder Programmierschnittstellen anbinden können. Dafür ist ein gemeinsamer, bewusst schlank gehaltener Metadatenkern erforderlich, der durch fach- und institutionsspezifische Angaben erweitert werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.5.6 Mukurtu und Plateau Peoples’ Web Portal ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mukurtu ist eine frei verfügbare Software für die gemeinschaftlich kontrollierte Verwaltung digitalen indigenen Kulturerbes. Das Plateau Peoples’ Web Portal verbindet acht indigene Nationen des nordwestlichen Plateaus der USA mit der Washington State University und mehreren Museen und Archiven. Stammesvertreter wählen und beschreiben die Inhalte; die Universität übernimmt wesentliche technische Betriebsaufgaben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mukurtu ermöglicht kulturelle Protokolle, also gemeinschaftlich festgelegte Regeln für Zugang und Nutzung, Traditional Knowledge Labels als Kennzeichnungen für überliefertes gemeinschaftliches Wissen sowie mehrere Beschreibungen zu demselben Objekt. Dadurch kann neben einer institutionellen Museumsbeschreibung eine Beschreibung der Herkunftsgemeinschaft stehen. Zugänge können von vollständig öffentlich bis streng beschränkt reichen. Mukurtu weist ausdrücklich darauf hin, dass die Plattform vor allem dem Zugang und der gemeinschaftlichen Verwaltung dient und ein gesondertes Konzept für Digitalisierung, Langzeiterhaltung, Personal und Finanzierung erforderlich bleibt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;vergleich_mukurtu&amp;quot;&amp;gt;Mukurtu CMS / Washington State University o. J.: About. URL: https://mukurtu.org/about/; Plateau Peoples’ Web Portal. URL: https://mukurtu.org/project/plateau-peoples-web-portal-showcase/, jeweils abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren und Learning:''' Rechte und kulturelle Sensibilität müssen als Bestandteil des Datenmodells behandelt werden und dürfen nicht erst unmittelbar vor einer Veröffentlichung geprüft werden. Sinnvoll sind abgestufte Kategorien wie „nur Metadaten öffentlich“, „öffentliches Nutzungsdigitalisat“, „Zugang nach Rücksprache“, „beschränkter Gemeinschafts- oder Forschungszugang“, „zeitlich gesperrt“ und „nicht zugänglich“. Mehrere Beschreibungen zu demselben Objekt ermöglichen es außerdem, institutionelle Überlieferung und Selbstbeschreibung nebeneinander nachvollziehbar zu dokumentieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.5.7 Indigitization – zentrale Unterstützung für dezentrale Digitalisierung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Indigitization unterstützt First Nations und weitere indigene Gemeinschaften in British Columbia in Kanada. Das Programm wird gemeinsam von indigenen Organisationen, Bibliotheken, Archiven und Hochschulen getragen. Es stellt einen Werkzeugkasten, Schulungen, Musterunterlagen, technische Beratung und Förderhilfen bereit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von 2013 bis 2019 wurden drei Pilotprojekte und 45 weitere Projekte gefördert. Dabei wurden mehr als 11.000 Audiokassetten digitalisiert. Die Digitalisierung erfolgte in den Gemeinschaften; eine allgemeine Veröffentlichung war nicht zwingend. Das frühere Förderprogramm für Audiokassetten befindet sich inzwischen allerdings in einer Pause.&amp;lt;ref name=&amp;quot;vergleich_indigitization&amp;quot;&amp;gt;Indigitization o. J.: About Us. URL: https://www.indigitization.ca/about-2/; Indigitization Toolkit. URL: https://www.indigitization.ca/toolkit/; Audio Cassette Digitization Grant. URL: https://www.indigitization.ca/funding/audio-cassette-grant/, jeweils abgerufen am 20.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Erfolgsfaktoren und Learning:''' Zentral bereitgestellte Kompetenz lässt sich mit dezentraler Verantwortung verbinden. Ein Digitalisierungszentrum oder ein Verbund gemeinsamer Dienste kann Schulungen, Leih- und Mobiltechnik, Qualitätsprüfung, Rahmenverträge, Musterunterlagen, Beratung und Kleinprojektförderung anbieten. Originale, lokales Wissen und kulturelle Beziehungen können grundsätzlich bei den jeweiligen Kulturgutträgern verbleiben. Damit nach Abschluss einzelner Digitalisierungsprojekte keine ungesicherten Dateien zurückbleiben, sollte jedoch von Beginn an ein gemeinsames oder verbindlich angebundenes Repositorium beziehungsweise digitales Archiv vorgesehen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.5.8 Schlussverdichtung: vier Säulen, drei Fundamente und zwei Betriebsregeln ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus den untersuchten Beispielen ergibt sich kein einzelnes Projekt und kein bestimmtes Softwaresystem, das unverändert übernommen werden könnte. Übertragbar ist vielmehr ein funktionaler Referenzrahmen aus vier Säulen, drei gemeinsamen Fundamenten und zwei Betriebsregeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Vier funktionale Säulen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot; style=&amp;quot;width:100%;&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Funktionale Säule&lt;br /&gt;
! Kernaufgabe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''1. Register für Kulturdaten'''&lt;br /&gt;
| Das Register weist nach, welche Kulturgüter, Sammlungen und digitalen Bestände existieren, wo sie sich befinden, wer sie betreut, wie sie fachlich einzuordnen sind, welche Rechte und Zugangsbeschränkungen gelten, ob bereits Digitalisate vorhanden sind und welche Bestände prioritär behandelt werden sollten. Es muss nicht alle Dateien selbst speichern.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''2. Digitalisierungszentrum / Digitalisierungsdienste'''&lt;br /&gt;
| Diese Säule berät Kulturgutträger, unterstützt die Bestandsbewertung und Priorisierung, klärt Anforderungen, organisiert oder übernimmt die Digitalisierung, sichert die fachliche und technische Qualität und bereitet Dateien und Metadaten für die Übergabe an ein Repositorium vor. Die Leistungen können zentral, mobil oder in einem Netzwerk mehrerer Einrichtungen erbracht werden.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''3. Repositorium / digitales Langzeitarchiv'''&lt;br /&gt;
| Das Repositorium übernimmt erhaltungsgeeignete Masterdateien, Nutzungsdateien und zugehörige Metadaten. Es kontrolliert die Dateiunversehrtheit, erstellt getrennte Sicherungskopien, dokumentiert Veränderungen und organisiert spätere Überführungen in neue Dateiformate oder technische Systeme. Es trägt damit die Verantwortung für die langfristige Erhaltung, nicht nur für die kurzfristige Speicherung.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''4. Präsentations- und Nutzungssysteme'''&lt;br /&gt;
| Diese Systeme machen freigegebene Inhalte für unterschiedliche Zielgruppen auffindbar, verständlich, zitierbar und – soweit rechtlich und kulturell zulässig – nachnutzbar. Sie können mehrsprachige Portale, Bildungsangebote, Forschungssysteme, Ausstellungen oder thematische Anwendungen umfassen. Präsentationssysteme verwenden in der Regel freigegebene Nutzungsdateien und ersetzen nicht das Langzeitarchiv.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die vier Säulen müssen technisch und organisatorisch miteinander verbunden, zugleich aber fachlich unterscheidbar bleiben. Sie bedeuten nicht zwingend vier eigenständige Einrichtungen. Auch wenn mehrere Funktionen bei demselben Träger angesiedelt sind, sollten Auftrag, Verantwortung, Budget, Qualitätsanforderungen und Übergabepunkte getrennt beschrieben werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Register beantwortet vor allem die Fragen, '''was vorhanden ist und was priorisiert werden soll'''. Die Digitalisierungsdienste beantworten, '''wie ein Bestand qualitätsgesichert bearbeitet wird'''. Das Repositorium beantwortet, '''wie Dateien und Metadaten dauerhaft erhalten werden'''. Die Präsentationssysteme beantworten, '''welche freigegebenen Inhalte für welche Zielgruppen in welcher Form genutzt werden können'''. Diese funktionale Trennung verhindert insbesondere, dass ein öffentlich sichtbares Portal mit einem digitalen Archiv oder einer nachhaltigen Gesamtinfrastruktur gleichgesetzt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Drei gemeinsame Fundamente ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Gemeinschaftliche Steuerung, klare Entscheidungsrechte und abgestufte Zugänge:''' Angehörige der betreffenden Kultur, Kulturgutträger, Fachinstitutionen und technische Betreiber benötigen nachvollziehbar geregelte Rollen und Entscheidungsrechte. Zu klären ist insbesondere, wer über Auswahl, Priorisierung, Beschreibung, Veröffentlichung, Einschränkung und gegebenenfalls spätere Rücknahme von Inhalten entscheiden darf.&lt;br /&gt;
#* Abgestufte Zugänge bedeuten, dass Inhalte nicht nur als vollständig „öffentlich“ oder vollständig „gesperrt“ behandelt werden. Möglich sind beispielsweise öffentlich sichtbare Metadaten ohne Datei, frei zugängliche Nutzungsdateien, Zugang nach Anmeldung oder Rücksprache, zeitlich begrenzte Sperren sowie ein beschränkter Zugang für bestimmte Gemeinschaften oder Forschungszwecke. Rechtliche Zulässigkeit und kulturelle Angemessenheit sollten getrennt geprüft und gemeinsam dokumentiert werden. Eine rechtlich mögliche Veröffentlichung ist nicht automatisch kulturell angemessen.&lt;br /&gt;
# '''Gemeinsame Metadaten-, Sprach- und Qualitätsstandards:''' Ein einfacher gemeinsamer Pflichtkern sollte alle beteiligten Einrichtungen verbinden. Dazu gehören mindestens eine eindeutige Kennung, Bezeichnung, Kulturgutart, betreuende Einrichtung, Entstehungszeit und -ort, Sprache, Rechte- und Zugangsstatus, Digitalisierungsstatus sowie die Beziehung zu zugehörigen Dateien. Fachinstitutionen können darüber hinaus detailliertere Erschließungsstandards weiterverwenden.&lt;br /&gt;
#* Ein Sprachkonzept sollte mindestens die Sprache des Kulturgutes, die Sprache der Beschreibung, Originaltitel, übersetzte Titel, Selbstbezeichnungen, historische Fremdbezeichnungen und unterschiedliche Schreibvarianten getrennt erfassen können. Bei mehreren Schrift-, Regional- oder Minderheitensprachen dürfen diese nicht lediglich als Übersetzungen der Benutzeroberfläche behandelt werden, sondern müssen als eigenständige Datenwerte in Erfassung, Suche und Anzeige berücksichtigt werden.&lt;br /&gt;
#* Ergänzend werden Qualitätsprofile für unterschiedliche Kulturgutarten benötigt, beispielsweise für Schriftgut, Fotografien, dreidimensionale Objekte, Tonaufnahmen und Filme. Sie sollten unter anderem Dateiformate, Auflösung, Benennung, Farb- und Tonqualität, Master- und Nutzungsdateien, Prüfschritte, dauerhafte Identifikatoren, Datenexporte und technische Schnittstellen festlegen.&lt;br /&gt;
# '''Dauerhafter Betrieb und dauerhafte Finanzierung:''' Aufbaukosten und Betriebskosten müssen voneinander unterschieden werden. Eine zeitlich begrenzte Förderung kann Technik, Pilotprojekte und erste Datenbestände aufbauen, ersetzt aber keine dauerhafte Betreiberverantwortung.&lt;br /&gt;
#* Zu den laufenden Kosten gehören insbesondere Personal, technischer Betrieb, Speicher, Sicherungskopien, Rechtearbeit, Datenpflege, Beratung, Qualitätskontrolle, Informationssicherheit, Softwarepflege, technische Erneuerung und spätere Datenmigrationen. Für jede der vier Säulen muss benannt werden, wer diese Aufgaben nach Projektende übernimmt und aus welchem wiederkehrenden Budget sie finanziert werden. Zusätzlich sollten Mittel für technische Erneuerungen und unvorhergesehene Aufwände eingeplant werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Zwei Betriebsregeln ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# '''Als Projekt erproben, erst mit gesichertem Dauerbetrieb skalieren:''' Pilotprojekte eignen sich dazu, Anforderungen zu klären, Standards zu testen, Aufwände zu messen und die Zusammenarbeit unterschiedlicher Träger zu erproben. Sie sollten jedoch möglichst die vollständige Prozesskette vom Register über Priorisierung und Digitalisierung bis zum Repositorium und zur Präsentation abbilden. Ein Projekt ist ein geeignetes Instrument zur Erprobung und zum Aufbau, aber kein Ersatz für dauerhafte Verantwortung.&lt;br /&gt;
#* Bevor größere Mengen digitalisiert oder ein Portal breit ausgebaut werden, sollten Betreiber, Zuständigkeiten, Repositorium, Personalbedarf, wiederkehrende Finanzierung und die Übergabe aus der Projekt- in die Betriebsphase verbindlich geklärt sein.&lt;br /&gt;
# '''Zentral ermöglichen, dezentral verantworten:''' Zentrale oder gemeinsam getragene Stellen können Infrastruktur, Standards, Beratung, Digitalisierungstechnik, Qualitätssicherung, Rechtehilfe und Langzeiterhaltung bereitstellen. Originale, lokaler Kontext, fachliches Wissen und kulturelle Beziehungen können grundsätzlich bei den jeweiligen Kulturgutträgern verbleiben.&lt;br /&gt;
#* Zentralisierung und dezentrale Trägerschaft sind daher keine Gegensätze. Entscheidend ist eine klare Aufgabenverteilung: Welche Leistungen werden zentral angeboten, welche Entscheidungen verbleiben bei den Trägern, wer pflegt die Metadaten und wer ist für Übergabe, Archivierung und Freigabe verantwortlich? Unterschiedliche Träger müssen entsprechend ihrer personellen und technischen Möglichkeiten auf verschiedenen Wegen an die gemeinsame Infrastruktur anschließen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.5.9 Prioritäten und Prüfkriterien für den Aufbau ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem Vergleich lässt sich eine schrittweise Aufbau- und Prüfstruktur ableiten. Sie ist nicht als vollständig starres Phasenmodell zu verstehen, da einzelne Arbeitsschritte parallel erfolgen können. Bestimmte Abhängigkeiten müssen jedoch beachtet werden: Eine breite Digitalisierung setzt beispielsweise geklärte Standards, Rechte und Archivierungswege voraus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die Ist-Analyse kann jeder Arbeitsschritt auf einer fünfstufigen Skala bewertet werden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* '''Reifegrad 0 – nicht begonnen:''' Es bestehen noch keine abgestimmten Konzepte oder Zuständigkeiten.&lt;br /&gt;
* '''Reifegrad 1 – konzeptionell geklärt:''' Ziele, Rollen und Anforderungen sind beschrieben, aber noch nicht praktisch erprobt.&lt;br /&gt;
* '''Reifegrad 2 – pilotiert:''' Das Vorgehen wurde mit einzelnen Beständen oder Trägern erprobt.&lt;br /&gt;
* '''Reifegrad 3 – teilweise im Regelbetrieb:''' Leistungen werden wiederholt erbracht, decken aber noch nicht alle Träger, Bestandsarten oder notwendigen Funktionen ab.&lt;br /&gt;
* '''Reifegrad 4 – dauerhaft etabliert und überprüft:''' Zuständigkeiten, Finanzierung, technische Verfahren und Qualitätskontrollen sind im Regelbetrieb verankert und werden regelmäßig überprüft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot; style=&amp;quot;width:100%;&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Priorität und Arbeitsschritt&lt;br /&gt;
! Angestrebter Zustand&lt;br /&gt;
! Prüffragen und nachweisbare Ergebnisse&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''1. Auftrag, Zielbild und Verantwortungen klären'''&lt;br /&gt;
| Für die Gesamtaufgabe besteht ein verbindlicher Auftrag. Die vier funktionalen Säulen sind voneinander abgegrenzt und ihre Beziehungen beschrieben. Betreiber, fachlich Verantwortliche, beteiligte Kulturgutträger und gemeinschaftliche Entscheidungsgremien sind benannt.&lt;br /&gt;
| Gibt es ein beschlossenes Zielbild? Sind Verantwortung, Entscheidungskompetenz und Finanzierung für jede Säule benannt? Bestehen eine Rollen- und Verantwortungsmatrix, Regeln für Konfliktfälle sowie ein Verfahren für spätere Änderungen? Ist festgelegt, wer nach einer Projektphase den Betrieb übernimmt?&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''2. Bestände erfassen und priorisieren'''&lt;br /&gt;
| Eine repräsentative Bestandsübersicht wird aufgebaut. Sie berücksichtigt große und kleine Einrichtungen, ehrenamtliche Träger, private oder kirchliche Bestände sowie materielles und immaterielles Kulturerbe. Prioritäten werden nach nachvollziehbaren Kriterien vergeben.&lt;br /&gt;
| Wie viele relevante Kulturgutträger und Bestände sind bereits erfasst? Wie vollständig sind die Pflichtangaben? Gibt es dokumentierte Kriterien für Gefährdung, kulturelle Bedeutung, Nachfrage, Rechteklarheit, technischen Aufwand und Kosten? Existiert eine abgestimmte und regelmäßig aktualisierte Prioritätenliste?&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''3. Metadaten-, Sprach-, Qualitäts- und Rechtekonzept festlegen'''&lt;br /&gt;
| Ein versionierter gemeinsamer Metadatenkern, Sprachregeln, Digitalisierungsprofile, Dateiformate, Qualitätsprüfungen sowie Rechte- und Zugangsstufen sind beschlossen. Vorlagen und Erweiterungsmöglichkeiten für unterschiedliche Bestandsarten stehen zur Verfügung.&lt;br /&gt;
| Liegen veröffentlichte und abgestimmte Standards vor? Können Datensätze technisch geprüft werden? Sind Sprachen, Originalbezeichnungen und Übersetzungen getrennt erfassbar? Ist der Rechte- und Zugangsstatus für jedes Objekt dokumentierbar? Gibt es Muster für Einwilligungen, Lizenzen, Sperren und Zugangsbeschränkungen?&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''4. Die vollständige Prozesskette pilotieren'''&lt;br /&gt;
| Mit drei bis fünf möglichst unterschiedlichen Kulturgutträgern wird der gesamte Ablauf vom Register über Auswahl, Rechteklärung und Digitalisierung bis zur Archivierung und Präsentation erprobt. Einbezogen werden sollten unterschiedliche Materialarten, Einrichtungsgrößen und mindestens ein rechtlich oder technisch anspruchsvoller Bestand.&lt;br /&gt;
| Ist jedes Pilotobjekt über alle Prozessschritte nachvollziehbar? Wurden Zeit, Kosten, Personalaufwand, Fehler, Nacharbeiten und offene Rechtefälle erfasst? Konnten Dateien und Metadaten erfolgreich in das Repositorium übergeben, wiedergefunden und für die Präsentation bereitgestellt werden? Sind ungelöste Schnittstellen und Zuständigkeitslücken dokumentiert?&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''5. Repositorium und dauerhaften Betrieb absichern'''&lt;br /&gt;
| Das Zielrepositorium ist ausgewählt, technisch angebunden und organisatorisch verantwortlich betrieben. Übernahmeverfahren, Prüfsummen zur Kontrolle der Dateiunversehrtheit, Sicherungskopien, Wiederherstellung, technische Überwachung und spätere Format- oder Systemwechsel sind geregelt.&lt;br /&gt;
| Bestehen Betriebs- und Übergabevereinbarungen? Wurde eine Wiederherstellung aus einer Sicherungskopie praktisch getestet? Gibt es eine Speicher- und Kostenprognose? Sind Erhaltungsstrategie, Migrationsverfahren, Informationssicherheit, Personal und wiederkehrendes Budget dokumentiert und finanziert?&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''6. Digitalisierungs- und Beratungsdienste verstetigen'''&lt;br /&gt;
| Ein dauerhaft verfügbarer Leistungskatalog umfasst Beratung, Bestandsbewertung, Priorisierung, mobile oder stationäre Digitalisierung, externe Vergaben, Schulung, Rechtehilfe, Metadatenunterstützung und Qualitätskontrolle. Leistungen und Kapazitäten sind aufeinander abgestimmt.&lt;br /&gt;
| Gibt es feste Ansprechpartner, ein transparentes Antrags- und Priorisierungsverfahren sowie nachvollziehbare Bearbeitungszeiten? Wie viele kleine und ehrenamtliche Träger werden erreicht? Werden Fehler- und Abnahmequoten, Schulungen, Nachfrage, Kapazitätsengpässe und Zufriedenheit regelmäßig ausgewertet?&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''7. Präsentation, Nachnutzung und Wirkung ausbauen'''&lt;br /&gt;
| Freigegebene Inhalte werden zielgruppengerecht, mehrsprachig und möglichst barrierearm bereitgestellt. Präsentationssysteme beziehen ihre Daten aus geregelten Quellen und unterstützen – soweit zulässig – Zitierbarkeit, Download, Datenexport und technische Nachnutzung. Aktualisierung und Rücknahme von Inhalten sind geregelt.&lt;br /&gt;
| Sind Aktualisierungswege und Datenverantwortliche festgelegt? Wie vollständig sind Sprachfassungen, Rechteangaben und Quellenhinweise? Werden Nutzung, Downloads, Bildungs- und Forschungsanwendungen, kulturelle Nachnutzung und Rückmeldungen erfasst? Können fehlerhafte oder nachträglich eingeschränkte Inhalte zuverlässig korrigiert oder zurückgezogen werden?&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Präsentation kann bereits Bestandteil eines Pilotprojektes sein. Der breite Ausbau öffentlich sichtbarer Systeme sollte jedoch erst erfolgen, wenn Datenpflege, Rechteprüfung, Archivierung und dauerhafte Zuständigkeiten ausreichend gesichert sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor dem Übergang in die jeweils nächste größere Ausbaustufe sollten drei Entscheidungspunkte geprüft werden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* '''Vor einer breiten Digitalisierung:''' Sind Priorisierung, Mindeststandards, Rechte- und Zugangsstufen, Zielrepositorium, Qualitätsprüfung und Betreiberverantwortung geklärt?&lt;br /&gt;
* '''Vor einem breiten Ausbau der Präsentation:''' Sind Datenpflege, Aktualisierung, Mehrsprachigkeit, Freigabe, Rücknahme, Beschwerdewege und redaktionelle Verantwortung geregelt?&lt;br /&gt;
* '''Vor dem Ende einer Projektförderung:''' Sind dauerhafte Finanzierung, Personal, Betriebsvereinbarungen, technische Dokumentation, Wissenstransfer sowie die Übergabe von Daten und Rechten verbindlich abgesichert?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der Bewertung sollte nicht lediglich ein Durchschnitt über alle Reifegrade gebildet werden. Entscheidend ist häufig die schwächste kritische Abhängigkeit. Ein weit entwickeltes Präsentationsportal kann beispielsweise ein fehlendes Langzeitarchiv, ungeklärte Rechte oder eine nicht geregelte Betreiberverantwortung nicht ausgleichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusammengefasst gilt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:''Kein Pilot ohne Übergabekonzept, kein Digitalisat ohne Zielarchiv, kein Register ohne Zuständigkeit, kein Portal ohne Datenpflege und keine Veröffentlichung ohne Rechte- und Kulturprüfung.''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine belastbare Gesamtstruktur verbindet damit '''schrittweisen Projektaufbau, dauerhaft gesicherten Betrieb, zentrale oder gemeinsam getragene Dienste, dezentrale kulturelle Verantwortung, gemeinsame Standards und überprüfbare Qualitäts- und Reifegradkriterien'''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Referenzen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Měrko Šenk</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://koncept.serbski-inkubator.de/index.php?title=12.3_Digitalisierung_des_Kulturerbes&amp;diff=1058</id>
		<title>12.3 Digitalisierung des Kulturerbes</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://koncept.serbski-inkubator.de/index.php?title=12.3_Digitalisierung_des_Kulturerbes&amp;diff=1058"/>
		<updated>2026-07-17T10:52:45Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Měrko Šenk: /* 2.4.3 Ergänzende organisatorische Perspektive */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;= 1 Einleitung =&lt;br /&gt;
Die Digitalisierung von sorbischem Kulturerbe ist eine historische Chance für uns Sorben, eine Chance, unser kulturelles Erbe neu zu entdecken, es für kommende Generationen zu erhalten, für eine breitere Öffentlichkeit zugänglich zu machen und dabei die eigene Deutungshoheit zu stärken. Das erfordert neben Mut, einer klaren gemeinsamen Vision, starker Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Akteuren auch die notwendigen Ressourcen in Form von Personal mit entsprechenden Kompetenzen, passender Technik sowie einer nachhaltig gesicherten Finanzierung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im folgenden Abschnitt werden Zielbilder für die Digitalisierung des sorbischen Kulturerbes entworfen mittels lang- und kurzfristiger Visionen sowie konkreter Ziele.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 1.1 Visionen und Ziele für die sorbische digitale Welt ==&lt;br /&gt;
'''Vision 2035'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
''Sorbisches materielles und immaterielles Kulturerbe ist systematisch digital erfasst, rechtssicher und langfristig gesichert, leicht auffindbar, offen nutzbar und wird aktiv von Interessierten genutzt.''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Konkrete Ziele'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bis 2032 ist ein tragfähiges, finanziell und organisatorisch abgesichertes Modell etabliert, das:&lt;br /&gt;
* Ein zentrales (oder föderiertes) digitales Langzeitarchiv nach OAIS-Referenzmodell betreibt,&lt;br /&gt;
* klare Zuständigkeiten, Prozesse und Budgets definiert,&lt;br /&gt;
* regelmäßige Qualitätssicherung und Technik-Updates vorsieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis 2030 sind wichtige sorbische Kulturerbe-Bestände (Kernbestände nach fachlicher Festlegung) in hoher Qualität digitalisiert, beschrieben und im Langzeitarchiv gesichert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis 2028 liegt eine institutionenübergreifende Übersicht über relevante Kulturerbe-Bestände (analog und digital, materiell und immateriell) vor, einschließlich einer Prioritätenliste für die Digitalisierung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis 2028 existiert ein zentrales, nutzerfreundliches „Sorbisches Kulturerbe-Portal“, das:&lt;br /&gt;
* Suchzugang über alle teilnehmenden Institutionen ermöglicht,&lt;br /&gt;
* grundlegende Inhalte frei zugänglich bereitstellt,&lt;br /&gt;
* mehrsprachige Oberflächen anbietet (Deutsch, Obersorbisch, Niedersorbisch, Englisch).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= 2 IST-Analyse „Digitalisierung von Kulturerbe“ =&lt;br /&gt;
Das Ziel in diesem Themenbereich ist es, sorbisches Kulturerbe digital zu verwalten und damit langfristig für Recherche, Nutzung und Präsentation vorzuhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Abschnitt &amp;quot;IST-Analyse“ werden die folgenden Fragen beantwortet: Was ist sorbisches Kulturerbe und was zählt alles dazu? Welche Schritte durchläuft ein Kulturgut, um zum digitalen Kulturerbe zu gehören? Wie können die digitale Verwaltung, Archivierung, Nutzung und Präsentation von Kulturgütern umgesetzt werden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die grundlegenden Terminologien des Kulturerbes sollen im Folgenden festgelegt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2.1 Terminologie – von Kultur zu Kulturerbe ==&lt;br /&gt;
In diesem Abschnitt werden die Begriffe rund um das Kulturerbe grundlegend definiert. Es soll ein Verständnis über die Begriffe Kultur, kulturelle Ausprägung, Kulturgut und Kulturerbe erreicht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K1.png|center|260px]]&amp;lt;ref&amp;gt;Mermaid Flowchart Code: [https://mermaid.live/edit#pako:eNpF0UtuwyAQBuCroFlaTuRHTGMvKuWxq7pqV627IGZso2CIMChtk9ymN-nFimmasmJGfP-AOEGjOUIFrdTHpmfGkudtrWpF_Fq9RtGDk9aZKHojU-_aJ7PZ_bmGgSnR4mgFejaKpidC1XAmq8zDfYAoJZKVG7lxzX5stRl81C0_uwYdheGEubHD4_dXLy1hcpyC1rcLdM4GOLH1Ve2E5Gj9TPLkhgEnsLkBNDsMAmLojOBQWeMwhgHNwKYSTuFBYHucbOW3HFvmcQ21unh2YOpF6-FPGu26HqrW381X7sCZxa1gnWH_R1BxNBvtlIUqTUMEVCd49xVdzpeLMs1pXmRFXiY0hg-o8iyZL_LFXZaVSTJ1LzF8hqHJnBZ5WhZLWt5RmtIsBuTCavP4-2Hh3y4_NXaMmw hier klicken], abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.1 Kultur ===&lt;br /&gt;
Kultur bezeichnet hier die Gesamtheit aller '''vom Menschen geschaffenen und erlernten Ausdrucksformen''' des Lebens, die auf gemeinsamen Werten und Verhaltensweisen beruhen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;wiki-kultur&amp;quot;&amp;gt;URL: https://de.wikipedia.org/wiki/Kultur&amp;lt;/ref&amp;gt; Dazu zählen '''materielle Ergebnisse''' (z. B. Kunstwerke, Technik) ebenso wie '''immaterielle Praktiken''' (Sprache, Bräuche, Wissen). Kultur umfasst laut der UNESCO geistige, materielle, intellektuelle und emotionale Merkmale, die eine Gesellschaft oder soziale Gruppe kennzeichnen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mondiacult&amp;quot;&amp;gt;UNESCO 1982: Mexico City Declaration on Cultural Policies (MONDIACULT). URL: https://www.lacult.unesco.org/docc/1982_MONDIACULT.pdf&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;ref name=&amp;quot;cultureaction&amp;quot;&amp;gt;Culture Action Europe 2024: The State of Culture report. URL: https://cultureactioneurope.org/de/news/the-state-of-culture-report-published, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;  Sie ist dynamisch und wird von jeder Generation neu gestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das deutsche Wort „Kultur“ ist eine Eindeutschung des lateinischen Worts „cultura“. Dieses bedeutet ursprünglich „Bebauung, Bearbeitung, Bestellung, Pflege“ und meinte sowohl die physische Bearbeitung als auch die Pflege geistiger Güter, z. B. der Sprache.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.2 Kulturelle Ausdrucksform ===&lt;br /&gt;
Eine kulturelle Ausdrucksform ist eine '''konkrete, gegenwärtige oder historische, Manifestation von Kultur''', bspw. eine Zeichnung, eine Tracht oder ein Lied: Sie macht die Kultur sichtbar und erlebbar. Im engeren Sinne ist es eine Ausdrucksweise, die aus der Kreativität einer Person, Gruppe oder Gesellschaft entsteht und '''kulturellen Inhalt''' trägt (symbolische Bedeutung, künstlerische Dimension, kulturelle Werte).&amp;lt;ref&amp;gt;Österreichische UNESCO-Kommission 2007: Übereinkommen zum Schutz und zur Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen, Art. 4, Seite 13. URL: https://www.unesco.at/fileadmin/Redaktion/Publikationen/Publikations-Dokumente/2005er_UNESCO-Convention_German.pdf, abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt; Sie wird innerhalb und zwischen Gemeinschaften weitergegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle kulturellen Ausdrucksformen bilden einen wesentlichen Kern von Kultur, aber Kultur enthält auch latente Dimensionen (Werte, Normen, Vorannahmen etc.), die nicht unmittelbar als Ausdrucksform erscheinen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.3 Kulturgut ===&lt;br /&gt;
Ein „Kulturgut“ ist '''eine einzelne kulturelle Ausdrucksform''', der ein '''besonderer kultureller Wert zugemessen wird''' (durch Anerkennung, Schutz, Bedeutung). Es ist somit ein Erzeugnis menschlicher Kreativität oder Zeugnis menschlichen Lebens, welches '''Bedeutung für die Kultur einer Gemeinschaft''' hat und daher '''Bestand haben und bewahrt werden soll'''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die '''Summe aller Kulturgüter''' einer Gemeinschaft wird als dessen '''Kulturerbe''' bezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.4 Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
Kulturerbe ist die '''Summe der materiellen und immateriellen Ausdrucksformen''' (= Kulturgüter) einer Kultur, die als „'''bewahrenswert'''“ anerkannt wurden. International umfasst das u. a. das '''Welterbe''' (Denkmäler, Ensembles, Stätten)&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO (1972), Welterbekonvention, Art. 1. URL: https://www.dnk.de/wp-content/uploads/2021/02/1972_DNK_UNESCO-Welterbekonvention.pdf (abgerufen am 11.09.2025).&amp;lt;/ref&amp;gt; und das '''Immaterielles Kulturerbe''' (Praktiken, Wissen).&amp;lt;ref&amp;gt;Deutsche UNESCO-Kommission o. J.:, Übereinkommen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes (dt. Ausgabe). URL: https://www.unesco.de/assets/dokumente/Deutsche_UNESCO-Kommission/02_Publikationen/Publikation_UNESCO-%C3%9Cbereinkommen_zur_Erhaltung_des_immateriellen_Kulturerbes_01.pdf, (abgerufen am 11.09.2025).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ob etwas „zum Kulturerbe“ zählt, ist Ergebnis von Bewertung, Diskurs und teils formellen Verfahren. Dem Sorbischen Kulturregister (SKR) zufolge ist „sorbisch-wendisches Kulturerbe“ eine Zuschreibung, die durch Gesellschaft, Museen, Archive und Wissenschaft erfolgen kann.&amp;lt;ref&amp;gt;Sorbisches Institut 2025: Konzept für ein Sorbisches Kulturregister (SKR). URL: https://www.serbski-institut.de/wp-content/uploads/2021/11/00_Zweite-aktualisierte-Fassung_Konzept_Sorbisches-Kulturregister_20.11.2025.pdf, abgerufen am 20.11.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.5 Abgrenzung: Kultur und Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
'''Kultur / Kulturelle Ausdrucksform''' sind als Begriffe weiter gefasst als '''Kulturgut / Kulturerbe'''. Kulturelle Ausdrucksformen umfassen alles Gelebte und Gestaltete einer Gemeinschaft in Gegenwart und Vergangenheit, während Kulturgut / Kulturerbe diejenigen kulturellen Güter und Traditionen meint, denen eine Bedeutung beigemessen wurde und die als bewahrens- und weitergebenswert erkannt wurden. Kultur ist der „aktuelle“ kreative Prozess (einschließlich Popkultur, Alltagskultur), Kulturerbe der daraus überkommene Schatz. Dennoch sind die Grenzen fließend: Was heute nur Kultur ist, kann morgen zum Kulturerbe erklärt werden – abhängig von Wertzuschreibung und Diskurs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Rahmen dieses Dokuments werden für den sorbischen Kontext die Begriffe '''„kulturelle Ausdrucksform“''' und '''„Kulturgut“''' weitgehend '''synonym''' verwendet, sofern nicht ausdrücklich anders gekennzeichnet. Hintergrund ist, dass die Gesamtzahl der identifizierbaren kulturellen Ausdrucksformen einer kleinen Minderheit wie der Sorben/Wenden im Vergleich zu großen Mehrheitsgesellschaften überschaubar ist. Zugleich ist der Anteil dieser Ausdrucksformen, denen in der Community ein besonderer Wert beigemessen wird und die daher faktisch als Kulturgut wahrgenommen und behandelt werden, sehr hoch: Ein großer Teil des gelebten kulturellen Repertoires wird als identitätsstiftend und bewahrenswert verstanden und damit dem Kulturerbe zugerechnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2.2 Klassifizierung von Kulturgütern ==&lt;br /&gt;
Im Folgenden soll eine griffige Klassifizierung von Kulturgütern entwickelt werden, so dass pro Kulturgut-Klasse später auf die Besonderheiten ihrer Digitalisierung eingegangen werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K2.png|center|600px]]&amp;lt;ref&amp;gt;Mermaid Flowchart Code: [https://mermaid.live/edit#pako:eNptlM9u00AQxl9ltFWoFDlp_C9OjISU2KSgUCq1BSRIDxt77Syxd6v1mkKjSDwBlThw4YCEeuXOoeLSN-EF4BHYjZOQQG67-32_2ZnZsWco4jFBPqrVZpRR6cNsP8n4ZTTBQu7rHVP66QWOKEvV3nQM2BeYTf8eea35fF6rjdiIrUl4cjJiAMPDV_X6sMxkKdJS1uvnvu9PtRGgp5ReE46wJIKSLIOf779CycbkkqQZjSb1Ovz-cv351_drDWGN9BXS_xfZBj7dLoGxBgIFBE14nOcrZGH68E07Iu0IlSNsQkhTKnGlfvyh1bjKcngIjcYD6G2s-xvrYGMdLuuqAFOXZ0IflzFh0xxn5OBU3t1ISZhqw6KaKpo29k04jSaCJrLq0oZsa9mCAZc8FTihhBnQp1ksxd1NSsS22dFmG3oMZzwl0HveONtlc7XNATtsHI9fk6kkC3nRsKoqnVNgwrFQaUOvLGJRRtMi4SJfZ790WtppQYhFIVV7CYsJDO9uWbEMujbqOgIbTqgsddB7MCD_eXT6gQMvaFEQBlclPMVqcA6eMfqGiKLMt926isCFM4FjKiln-voCHmEWXxIxXZcUVo-jSwrVe3DBGvHqtc83DLqS0FpNAi3wRluiDBdFSBIYQ0KzzN_r265jPjQinnHh7yVJYhRS8ClZKfe3KLyk2oHneuEuqlK2qWhJWYPOwGnvoiplm4qXVMd17V5rF1UpikIGSgWNkS9FSQyUE5FjvUUzHXGE5ITkZIR8tYxJgtVXPEIjNlfYBWYvOc9XpOBlOkF-grNC7cqLWPUupFjNa74-FXo0RMBLJpFvWtYiCPJn6C3yG7bTNO2u6Tidrue0W13HQO_Usdtquuqg1bG6TtvzPNuZG-hqcXGr2baV5NhuyzId13XbBiJqDrg4qn5ni7_a_A_W9oMu hier klicken], abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.1 A. Materiell - unbeweglich 🏛️ ===&lt;br /&gt;
„Materiell - unbeweglich&amp;quot; bezeichnet ortsfeste Kulturobjekte wie Bauwerke, Ensembles, Gebäudekomplexe und Stätten/Kulturlandschaften, wie sie in Art. 1 der UNESCO-Welterbekonvention als Kategorien des kulturellen Erbes definiert sind.&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO World Heritage Centre o. J.: Convention Concerning the Protection of the World Cultural and Natural Heritage, Artikel 1. URL: https://whc.unesco.org/en/conventiontext/, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.2 B. Materiell - beweglich 🖼️ ===&lt;br /&gt;
Die Kategorie „Materiell - beweglich&amp;quot; umfasst bewegliche Sachen bzw. Sachgesamtheiten von kulturellem Wert (z. B. Objekte, Sammlungen), wie sie das deutsche Kulturgutschutzgesetz (§ 2 KGSG)&amp;lt;ref&amp;gt;Deutschland 2016: Kulturgutschutzgesetz (KGSG), § 2. URL: https://www.buzer.de/2_KGSG.htm, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt; als „Kulturgut“ beschreibt.&lt;br /&gt;
* B1 '''Schriftgut''' - Bücher, Zeitungen, Handschriften, Archivgut, Graphiken, Pläne, Karten&lt;br /&gt;
* B2 '''Fotografien &amp;amp; Bildträger''' &lt;br /&gt;
** Fotografisch erzeugte statische Bildträger, auch Stillbildträger genannt, z. B. Positive/Negative auf Film/Platte/Photopapier, Dias, Abzüge, Mikrofilm/-fiche und vergleichbare fotografische Repro-Träger.&lt;br /&gt;
* B3 '''Analoge AV-Träger''' (Audio/Video/Film)&lt;br /&gt;
** Analoge zeitbasierte Medien, z. B. Magnetton (Tonband, Kassette), Schallplatte, Videobänder, Film.&lt;br /&gt;
* B4 '''3D-Objekte''' - Gegenstände, „sachkulturelle Artefakte“&amp;lt;ref&amp;gt;Sorbisches Institut o. J.: Konzept zum Digitalisierungszentrum am Sorbischen Institut, S. 24.&lt;br /&gt;
(Unveröffentlichtes Konzeptpapier; interne Projektunterlage.)&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.3 C. Immateriell 🎭 ===&lt;br /&gt;
Meint lebendige Praktiken, Darstellungen, Ausdrucksformen, Ideen, Werte, Wissen und Fertigkeiten, die von Gemeinschaften getragen und weitergegeben werden, gemäß der folgenden 5 UNESCO ICH-Domänen.&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO o. J.: Intangible Cultural Heritage – Five Domains. URL: https://ich.unesco.org/doc/src/01857-EN.pdf, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* C1 '''Orale Traditionen/Ausdrucksformen''' - Sprache, Gesangstraditionen&lt;br /&gt;
* C2 '''Darstellende Künste''' - Musik, Tanz, Theater&lt;br /&gt;
* C3 '''Rituale &amp;amp; Feste''' - Bräuche und soziale Praktiken des Kalenders und Lebenslaufs&lt;br /&gt;
* C4 '''Wissen &amp;amp; Praktiken''' zu Natur &amp;amp; Universum - Heil- und Sammelkenntnisse, ökologisches und astronomisches Wissen, Glaube, Religion&lt;br /&gt;
* C5 '''Traditionelles Handwerk''' - Techniken, Werkzeuge und Gestaltungsmuster&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.4 D. Digital 💾 ===&lt;br /&gt;
Bezeichnet in digitaler Form vorliegende Ressourcen menschlichen Wissens und Ausdrucks. Diese können sowohl born-digital sein als auch digitalisierte Repräsentationen von materiellen und immateriellen Kulturgütern.&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO 2003: Charter on the Preservation of Digital Heritage. URL: https://www.unesco.org/en/legal-affairs/charter-preservation-digital-heritage, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* D1 '''Born-digital''' (ursprünglich digital erzeugt, kein analoges Original), z. B. Webseiten, Social-Media-Beiträge, Software, Apps, Spiele, digitale Fotos/Audio/Video.&lt;br /&gt;
* D2 '''Digitalisate''' - Digitalisierte Repräsentationen/Derivate aus den Klassen A, B und C.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2.3 Begriffe und Funktionsbausteine der Kulturerbe-Digitalisierung ==&lt;br /&gt;
Die vorherigen Abschnitte haben geklärt, was unter Kulturerbe verstanden wird und welche Arten von Kulturgütern unterschieden werden. Bevor der nachfolgende Abschnitt den Prozess der Kulturerbe-Digitalisierung beschreibt, werden in diesem Abschnitt die dafür wichtigsten Arbeitsbegriffe und Funktionen erläutert. Der Abschnitt soll dabei die Frage beantworten: Welche Arbeitsabläufe und Funktionen sind notwendig, damit Kulturgüter nicht nur digital erfasst, sondern auch gefunden, verstanden, gesichert und genutzt werden können?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erläuterungen sollen eine gemeinsame und leicht verständliche Grundlage schaffen für alle, die an der Digitalisierung von Kulturerbe interessiert sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.3.1 Vom Kulturgut zur digitalen Repräsentation ===&lt;br /&gt;
Dieser Abschnitt erklärt, was bei einer Digitalisierung entsteht und wie sich das digitale Ergebnis vom ursprünglichen Kulturgut unterscheidet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Begriff&lt;br /&gt;
! Erklärung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Digitalisierung von Kulturerbe'''&lt;br /&gt;
| Digitalisierung bezeichnet in diesem Konzept den gesamten zusammenhängenden Prozess: Kulturgüter erfassen, beschreiben und bewerten, digitale Repräsentationen erzeugen oder übernehmen, ihre Qualität prüfen, sie sichern und für die Nutzung zugänglich machen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;DFG2016&amp;quot;&amp;gt;Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) 2016: Praxisregeln „Digitalisierung“, insbesondere S. 13 und 41-44. URL: https://www.dfg.de/resource/blob/176108/898bf3574ad0ff3b1db525fa7d04c86c/12-151-v1216-de-data.pdf, abgerufen am 16.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bei ursprünglich digital entstandenen Kulturgütern – auch ''born digital'' genannt – entfällt die Überführung aus einem analogen Original; die weiteren Aufgaben bleiben bestehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Digitalisat und digitale Repräsentation'''&lt;br /&gt;
| Ein '''Digitalisat''' ist ein digitales Abbild eines analogen Kulturguts, beispielsweise ein Scan einer Handschrift oder ein Foto eines Museumsobjekts. Der weitere Begriff '''digitale Repräsentation''' umfasst auch Audio-, Video- oder 3D-Dokumentationen einer immateriellen kulturellen Praxis. Die digitale Repräsentation ersetzt weder das materielle Kulturgut noch die lebendige Praxis.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Masterdatei und Nutzungsderivat'''&lt;br /&gt;
| Die '''Masterdatei''' ist die möglichst hochwertige und qualitätsgeprüfte Ausgangsdatei. Sie wird für die langfristige Sicherung und spätere Bearbeitungen aufbewahrt. Ein '''Nutzungsderivat''' ist eine daraus erzeugte, an einen bestimmten Zweck angepasste Datei, beispielsweise ein kleineres Bild für eine Internetseite.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Digitales Objekt'''&lt;br /&gt;
| Als '''digitales Objekt''' wird in diesem Konzept eine zusammengehörige digitale Einheit bezeichnet. Sie kann aus einer oder mehreren Dateien, den zugehörigen Metadaten und ihren Verknüpfungen bestehen. Ein digitales Objekt kann ein Digitalisat oder ein ursprünglich digital entstandenes Kulturgut sein.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
''Beispiel:'' Das verzierte sorbische Osterei bleibt das materielle Kulturgut. Hochauflösende Fotografien, ein 3D-Modell und die dazugehörigen Beschreibungen bilden gemeinsam seine digitale Repräsentation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.3.2 Funktionsbausteine und ihr Zusammenspiel ===&lt;br /&gt;
Die folgende Tabelle erläutert die grundlegenden Funktionen bei der Digitalisierung von Kulturerbe, unabhängig von konkreten Institutionen oder technischen Produkten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Funktionsbaustein&lt;br /&gt;
! Hauptaufgabe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Register oder Katalog'''&lt;br /&gt;
| Weist Kulturgüter nach, beschreibt und verknüpft sie und macht sichtbar, was vorhanden ist, wo es sich befindet und in welchem Zusammenhang es steht. Ein Registereintrag kann bereits bestehen, bevor ein Digitalisat angefertigt wurde.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Digitalisierungsdienst oder Digitalisierungszentrum'''&lt;br /&gt;
| Erzeugt digitale Repräsentationen, bearbeitet und prüft sie und dokumentiert technische Angaben zur Digitalisierung. Es liefert beispielsweise geprüfte Masterdateien und Nutzungsderivate.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Repositorium oder digitales Archiv'''&lt;br /&gt;
| Übernimmt digitale Dateien und Metadaten, speichert und verwaltet sie und sorgt entsprechend seinem Auftrag für ihre Sicherung, Langzeiterhaltung und Bereitstellung.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Präsentations- und Nutzungssystem'''&lt;br /&gt;
| Führt beschreibende Informationen und digitale Medien für Nutzerinnen und Nutzer zusammen. Es ermöglicht beispielsweise Suche, Anzeige, Kontextualisierung, Vermittlung und – soweit zulässig – Nachnutzung.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Bausteine beschreiben zunächst '''Funktionen''' und nicht zwingend getrennte Institutionen oder Systeme. Eine Einrichtung kann mehrere Funktionen übernehmen. Umgekehrt kann eine Funktion auf mehrere Einrichtungen oder technische Systeme verteilt sein. Entscheidend sind klare Zuständigkeiten, verlässliche Übergaben und gemeinsame Standards.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vereinfacht lässt sich das Zusammenspiel so zusammenfassen:&lt;br /&gt;
# Das '''Register oder der Katalog''' beschreibt und verknüpft das Kulturgut.&lt;br /&gt;
# Der '''Digitalisierungsdienst''' erzeugt und prüft seine digitale Repräsentation.&lt;br /&gt;
# Das '''Repositorium oder digitale Archiv''' übernimmt und erhält die Dateien.&lt;br /&gt;
# Das '''Präsentationssystem''' führt Beschreibungen und Medien für die Nutzung zusammen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die konkrete Ausgestaltung kann zentral, dezentral oder als Verbund mehrerer Systeme erfolgen. Welche dieser Funktionen in der sorbischen Welt bereits durch das Sorbische Kulturregister, das Digitalisierungszentrum, Archive, Repositorien und Präsentationsumgebungen erfüllt werden und wo noch Lücken bestehen, wird in der sorbischen IST-Analyse untersucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.3.3 Register: Kulturgüter erfassen, beschreiben und verknüpfen ===&lt;br /&gt;
Die folgende Tabelle erklärt, wie Kulturgüter so beschrieben und bearbeitet werden, dass sie eindeutig zugeordnet, wiedergefunden und nach einheitlichen Regeln weiterverarbeitet werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Begriff&lt;br /&gt;
! Erklärung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Erschließung, Verzeichnung und Registrierung'''&lt;br /&gt;
| '''Erschließung''' ist der übergeordnete Vorgang, bei dem ein Kulturgut identifiziert, beschrieben und in seinen Zusammenhang eingeordnet wird. '''Verzeichnung''' bezeichnet seine strukturierte dokumentarische Beschreibung. '''Registrierung''' bedeutet die Aufnahme in ein konkretes Register, einen Katalog oder ein Sammlungssystem. Ein Kulturgut kann bereits registriert werden, bevor ein Digitalisat vorhanden ist.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Metadaten'''&lt;br /&gt;
| Metadaten sind strukturierte Informationen über ein Kulturgut und seine digitalen Repräsentationen. Dazu gehören beispielsweise Titel, Herkunft, beteiligte Personen, Ort, Zeit, kultureller Kontext, Rechte, Dateieigenschaften und Bearbeitungsschritte. Je nach Zweck werden beschreibende, technische, rechtliche und erhaltungsbezogene Metadaten unterschieden. Sie machen Kulturgüter auffindbar, verständlich, verwaltbar und langfristig nutzbar.&amp;lt;ref name=&amp;quot;PREMIS&amp;quot;&amp;gt;Library of Congress o. J.: PREMIS – Preservation Metadata: Implementation Strategies. Internationaler Standard für Erhaltungsmetadaten. URL: https://www.loc.gov/standards/premis/, abgerufen am 16.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Persistenter Identifikator'''&lt;br /&gt;
| Ein '''persistenter Identifikator''' ist eine dauerhafte und eindeutige Kennung für ein Kulturgut, einen Datensatz oder eine digitale Ressource. Die Kennung bleibt bestehen, auch wenn sich der technische Speicherort oder die Internetadresse ändern. Dadurch können Kulturgüter dauerhaft zitiert und zwischen Systemen verknüpft werden.&amp;lt;ref name=&amp;quot;DFG2016&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Metadaten sind keine bloße Beigabe zu einer Datei. Ohne ausreichende Beschreibungen kann ein Digitalisat zwar technisch vorhanden sein, später aber kaum gefunden, verstanden oder zuverlässig zugeordnet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.3.4 Digitalisierungsdienst und Archiv: Digitalisieren, speichern und langfristig erhalten ===&lt;br /&gt;
Die folgende Tabelle erklärt was erforderlich ist, damit digitale Kulturgüter nicht nur heute gespeichert sind, sondern auch nach technischen und organisatorischen Veränderungen noch gefunden, verstanden und genutzt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Begriff&lt;br /&gt;
! Erklärung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Repositorium'''&lt;br /&gt;
| Ein '''Repositorium''', auch ''Repository'' genannt, ist eine verwaltete technische Umgebung, in der digitale Objekte und ihre Metadaten übernommen, gespeichert, geordnet, verwaltet und bereitgestellt werden. Ein Repositorium kann Teil eines digitalen Archivs sein. Nicht jedes Repositorium erfüllt jedoch automatisch alle Anforderungen der Langzeiterhaltung.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Digitales Archiv oder digitales Langzeitarchiv'''&lt;br /&gt;
| Ein digitales Archiv ist mehr als ein Server oder ein Speicherprogramm. Es verbindet eine verantwortliche Organisation, fachkundiges Personal, Regeln, Arbeitsabläufe und technische Systeme. Es übernimmt die Verantwortung dafür, digitale Informationen langfristig zu erhalten und für festgelegte Nutzergruppen zugänglich zu machen. Das internationale Referenzmodell '''Open Archival Information System''' (OAIS, offenes Archiv-Informationssystem) bietet hierfür einen fachlichen Rahmen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;OAIS2024&amp;quot;&amp;gt;Consultative Committee for Space Data Systems (CCSDS) 2024: Reference Model for an Open Archival Information System (OAIS), CCSDS 650.0-M-3, insbesondere S. 1-1–1-2 und 2-1–2-2. URL: https://ccsds.org/Pubs/650x0m3.pdf, abgerufen am 16.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Ingest oder kontrollierte Übernahme'''&lt;br /&gt;
| '''Ingest''' bezeichnet die kontrollierte Übernahme digitaler Dateien und Metadaten in ein Repositorium oder digitales Archiv. Dabei werden beispielsweise Vollständigkeit, Dateiformate, Metadaten und Dateiintegrität geprüft und die Übernahme dokumentiert.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Langzeitverfügbarkeit und digitale Langzeiterhaltung'''&lt;br /&gt;
| '''Langzeitverfügbarkeit''' ist das Ziel, digitale Inhalte über technische und organisatorische Veränderungen hinweg auffindbar, lesbar, verständlich und nutzbar zu halten. '''Digitale Langzeiterhaltung''' bezeichnet die dafür notwendigen fortlaufenden Maßnahmen. Dazu können mehrere Speicherorte, regelmäßige Prüfungen, Formatüberwachung, technische Migrationen und eine nachvollziehbare Dokumentation gehören. „Langfristig“ bezeichnet dabei keine feste Zahl von Jahren, sondern einen Zeitraum, in dem mit veränderten Technologien, Formaten und Nutzungsanforderungen gerechnet werden muss.&amp;lt;ref name=&amp;quot;OAIS2024&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Datensicherung oder Backup'''&lt;br /&gt;
| Ein '''Backup''' ist eine zusätzliche Sicherungskopie, aus der Dateien nach einem Verlust oder technischen Ausfall wiederhergestellt werden können. Backups sind notwendig, ersetzen aber keine Langzeiterhaltung: Sie regeln allein noch keine dauerhaften Zuständigkeiten, Metadaten, Formatüberwachung, Integritätsprüfungen oder langfristige Zugänglichkeit.&amp;lt;ref name=&amp;quot;DPCStorage&amp;quot;&amp;gt;Digital Preservation Coalition o. J.: Digital Preservation Handbook – Storage. URL: https://www.dpconline.org/handbook/organisational-activities/storage, abgerufen am 16.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Integrität und Authentizität'''&lt;br /&gt;
| '''Integrität''' bedeutet, dass unbeabsichtigte Veränderungen oder Beschädigungen einer Datei erkannt werden können. Dafür werden häufig Prüfsummen verwendet - digitale Kontrollwerte, die regelmäßig verglichen werden. '''Authentizität''' bedeutet, dass Herkunft, Identität und Bearbeitungsgeschichte eines digitalen Objekts nachvollziehbar sind und belegt werden kann, dass es das ist, was es zu sein vorgibt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Dateiformat und Datenformat'''&lt;br /&gt;
| Ein '''Dateiformat''' legt den technischen Aufbau einer einzelnen Datei fest. Ein '''Datenformat''' beschreibt, wie Informationen strukturiert und zwischen Systemen ausgetauscht werden. Gut dokumentierte, verbreitete und möglichst offen beschriebene Formate erleichtern den Austausch und die langfristige Nutzung. Sie ersetzen jedoch keine aktive Langzeiterhaltung.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Merksatz:''' Speichern ist nicht dasselbe wie langfristiges Erhalten. Auch ein vorhandenes Backup ist noch kein digitales Langzeitarchiv.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.3.5 Präsentationssystem: Kulturerbe zugänglich machen und präsentieren ===&lt;br /&gt;
Die folgende Tabelle erklärt, wie aus langfristig gesicherten Dateien ein digitales Kulturerbe wird, das von Menschen gefunden, verstanden und sinnvoll genutzt werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Begriff&lt;br /&gt;
! Erklärung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Zugänglichmachung und Präsentation'''&lt;br /&gt;
| '''Zugänglichmachung''' bedeutet, dass digitale Objekte auffindbar und im rechtlich sowie technisch zulässigen Umfang abrufbar sind. '''Präsentation''' geht darüber hinaus: Inhalte werden ausgewählt, miteinander verknüpft, erklärt und für bestimmte Zielgruppen vermittelt. Dazu gehören verständliche Kontextinformationen, klare Rechteangaben, Mehrsprachigkeit und möglichst barrierearme Zugänge. Abhängig von Rechten, personenbezogenen Daten oder kulturellen Schutzbedarfen kann der Zugang offen oder eingeschränkt sein.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Nutzung und Nachnutzung'''&lt;br /&gt;
| '''Nutzung''' umfasst beispielsweise das Betrachten, Lesen, Anhören, Erforschen oder Vermitteln eines digitalen Kulturguts. '''Nachnutzung''' bedeutet seine weitere Verwendung in einem neuen Zusammenhang, etwa in Bildung, Forschung, Publikationen, Ausstellungen, Anwendungen oder kreativen Werken. Dafür werden geeignete Dateien, verständliche Metadaten und klare Rechteinformationen benötigt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Rechteinformation und Lizenz'''&lt;br /&gt;
| Eine '''Rechteinformation''' beschreibt den rechtlichen Status eines digitalen Objekts und mögliche Einschränkungen seiner Nutzung. Eine '''Lizenz''' räumt durch eine dazu berechtigte Person oder Institution konkrete Nutzungsrechte ein. Ein allgemeiner Rechtehinweis ist daher nicht automatisch eine Lizenz.&amp;lt;ref name=&amp;quot;RightsReuse&amp;quot;&amp;gt;RightsStatements.org o. J.: Standardisierte Rechtehinweise für online verfügbares Kulturerbe. URL: https://rightsstatements.org/de/, abgerufen am 16.07.2026. Creative Commons 2025: Recommended Licenses and Tools for Cultural Heritage Content. URL: https://creativecommons.org/2025/07/09/recommended-licenses-and-tools-for-cultural-heritage-content/, abgerufen am 16.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Interoperabilität'''&lt;br /&gt;
| '''Interoperabilität''' bezeichnet die Fähigkeit von Systemen und Organisationen, Daten auszutauschen und in gleicher Bedeutung zu verstehen. Dafür werden gemeinsame Metadatenmodelle, Begriffe, Identifikatoren und technische Schnittstellen benötigt. So können beispielsweise Register, Repositorien, Präsentationsportale und externe Kulturplattformen miteinander verbunden werden.&amp;lt;ref name=&amp;quot;EuropeanaEDM&amp;quot;&amp;gt;Europeana o. J.: Metadata – Europeana Data Model (EDM, Europeana-Datenmodell). URL: https://pro.europeana.eu/page/metadata, abgerufen am 16.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Digitalisierte Inhalte entfalten ihren kulturellen und gesellschaftlichen Nutzen erst dann vollständig, wenn sie auffindbar, verständlich, rechtlich klar und für unterschiedliche Zielgruppen tatsächlich verwendbar sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der folgende Abschnitt 2.4 beschreibt, wie diese Funktionen innerhalb des gesamten Prozesses der Kulturerbe-Digitalisierung zusammenwirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2.4 Prozess der Digitalisierung von Kulturerbe ==&lt;br /&gt;
Die Digitalisierung von Kulturgut ist kein rein technischer Arbeitsschritt, sondern ein vielschichtiger, oft langfristiger Prozess, der bereits mit der Wahrnehmung und Identifikation einer kulturellen Ausdrucksform beginnt. Ziel dieses Abschnitts ist es, diesen Gesamtprozess systematisch darzustellen: von der gelebten Kultur über das identifizierte Kulturgut bis hin zur digital nutzbaren Repräsentation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die hier entwickelte Prozessdarstellung soll als praxisorientierter Überblick dienen für die Digitalisierung des sorbischen Kulturerbes. Sie berücksichtigt die Anforderungen sorbischer Einrichtungen ebenso wie die international etablierten Referenzmodelle und Standards, darunter:&lt;br /&gt;
* das OAIS-Referenzmodell (ISO 14721) für digitale Archivierung&amp;lt;ref&amp;gt;Consultative Committee for Space Data Systems (CCSDS) 2024: Reference Model for an Open Archival Information System (OAIS), CCSDS 650.0-M-3. URL: https://ccsds.org/Pubs/650x0m3.pdf, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* das DCC Curation Lifecycle Model für kuratorische Entscheidungsprozesse&amp;lt;ref&amp;gt;Higgins 2008: The DCC Curation Lifecycle Model. International Journal of Digital Curation, 3(1), 134-140. URL: https://ijdc.net/index.php/ijdc/article/view/48, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* das Spectrum-Modell für museale Objektverwaltung&amp;lt;ref&amp;gt;Collections Trust 2022. Spectrum 5.1 - The UK Museum Collections Management Standard. URL: https://collectionstrust.org.uk/spectrum/spectrum-5, abgerufen am 01.10.2025. &amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* die UNESCO-Leitlinien zur Inventarisierung immateriellen Kulturerbes&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO 2024: Operational Directives for the Implementation of the Convention for the Safeguarding of the Intangible Cultural Heritage (10.GA). URL: https://ich.unesco.org/doc/src/ICH-Operational_Directives-10.GA_EN.pdf, abgerufen am 01.10.2025. &amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* sowie technische Vorgaben wie die DFG-Praxisregeln Digitalisierung&amp;lt;ref&amp;gt;Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) 2022: Praxisregeln Digitalisierung (aktualisierte Fassung). URL: https://www.ulb.hhu.de/fileadmin/redaktion/ULB/Documents/Infomaterial/DFG_Praxisregeln_Digitalisierung_Aktualisierte_Fassung2022.pdf, abgerufen am 01.10.2025. &amp;lt;/ref&amp;gt; und die FADGI-Richtlinien&amp;lt;ref&amp;gt;Federal Agencies Digital Guidelines Initiative (FADGI) 2023: Technical Guidelines for Digitizing Cultural Heritage Materials – Still Image, 3rd ed. URL: https://www.digitizationguidelines.gov/guidelines/digitize-technical.html, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Folge soll der „Lebenslauf“ eines Kulturguts dargestellt werden, also der Weg, den ein Objekt oder eine kulturelle Praxis vom Zeitpunkt der Entstehung über die Erfassung, Digitalisierung und Archivierung bis zur Veröffentlichung in einem digitalen Präsentationsmodul durchläuft.&lt;br /&gt;
Hierfür erläutert der folgende Abschnitt die einzelnen Prozessschritte im Detail, jeweils mit Akteuren und Beispielen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.4.1 Vorüberlegungen zum Prozess ===&lt;br /&gt;
Im hier vorgestellten Prozess wird auf eine harte, systematische Filterung verzichtet, welche kulturellen Ausdrucksformen „nur“ Kultur und welche bereits Kulturgut sind. Ein solcher Bewertungs- und Abgrenzungsprozess wäre ressourcenintensiv und würde den vorhandenen Kapazitäten in den beteiligten Einrichtungen nicht entsprechen. Stattdessen folgt das Konzept einer inklusiven Logik: Alle dokumentierten Ausdrucksformen werden zunächst als potenzielle Kulturgüter erfasst. Eine feinere Auswahl und Priorisierung erfolgen erst in einem späteren Schritt, nämlich dann, wenn konkret entschieden wird, welche Ausdrucksformen bzw. Kulturgüter in welcher Tiefe digitalisiert, archiviert und präsentiert werden sollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Vorgehen schließt an das SKR-Konzept an, das bewusst auf eine frühe normative Trennung zwischen „kultureller Ausdrucksform“ und „Kulturgut“ verzichtet. Auch hier steht zunächst der möglichst vollständige, strukturierte Überblick über die sorbischen Kulturgüter im Vordergrund. Die differenzierte Bewertung und Schwerpunktsetzung werden als anschließende fachliche Aufgabe verstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.4.2 Prozessschritte im Detail ===&lt;br /&gt;
Das folgende Diagramm gibt einen Überblick über die sechs Kernschritte des Gesamtprozesses der Digitalisierung von Kulturgut – von der ersten Wahrnehmung einer kulturellen Ausdrucksform bis zu ihrer digitalen Präsentation als Kulturgut. Die Abfolge zeigt zugleich die Entwicklungsstufen: von gelebter Kultur zur kulturellen Ausdrucksform, von dort zum Kulturgut und schließlich zum digitalen Kulturgut. Die Schritte sind als generischer Ablauf zu verstehen: Je nach Art des Kulturguts können einzelne Tätigkeiten unterschiedlich aufwendig sein oder parallel erfolgen.&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K3.png|center|600px]]&amp;lt;ref&amp;gt;Mermaid Flowchart Code: [https://mermaid.live/edit#pako:eNplkk1OwzAQha8yGqmbkloxSZs2CyTa8LOphIAVhIVJpolF4iDH4a_qbXqTXgzHFdAKr2y97703lmaNWZMTxriqmvesFNrAfZIqgPPHFIdDzuBO1DVVajhM8QlGozOYO-WUwS0VsjVakqa93Pvmjlk4JmAwp3fS5kCHwQAWjkkcE_Y5WWkIXqrd9jBpT138UIkspBGVbI_7-rwLR146csLgRryQ-U8lMGLwTG1WapLPpHKCZQLMOY9ch7m2VxiSpOAEjJ1TSev_M_bkvv3KtY8ZnOuslG_H9VcOuf4dUO-2LamjGdHDQsscY6M78rAmXYv-ies-IEVTUk0pxvaa00p0lUkxVRtrexXqoWnqH6duuqLEeCWq1r6619zOn0hRaPGH9J_Xi6ZTBuOxS8B4jR8YhxGLeDThkR-EM37KuYefFmHTaOz7fOZHQTidBMHGwy9X6VslnNnDw4jPuB8GHlIuTaOX-7Vy27X5Bh_Osqo hier klicken], abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Prozess zeigt, dass Digitalisierung von Kulturgut mehr ist als das Erstellen digitaler Dateien. Sie umfasst eine Reihe aufeinander bezogener Schritte – von der ersten Wahrnehmung einer kulturellen Ausdrucksform über ihre Erfassung, Bewertung und Digitalisierung bis hin zur langfristigen Sicherung und Präsentation. Dabei sind je nach Schritt unterschiedliche Akteure beteiligt, etwa Gemeinschaften, Museen, Archive, Fachgremien, Digitalisierungsstellen oder IT. Die folgenden Beschreibungen erläutern diese Schritte so, dass nachvollziehbar wird, was jeweils mit einem Kulturgut geschieht, wer daran beteiligt ist und wie sich der Ablauf in der Praxis vorstellen lässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''1. Sammeln &amp;amp; erfassen''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Hier wird eine kulturelle Ausdrucksform erstmals wahrgenommen, benannt und mit ersten Informationen erfasst: Was ist es, wer macht es oder hat es geschaffen, wo kommt es vor, warum ist es bedeutsam für die Gemeinschaft? &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Community, Vereine, Museen, Archive, Forschende, Privatpersonen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Auf einem Dorffest zeigt eine Frau das Verzieren sorbischer Ostereier. Jemand fotografiert dies und notiert Technik, Ort und Namen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''2. Registrieren &amp;amp; beschreiben''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Hier wird aus der ersten Beobachtung ein strukturierter Nachweis. Das Kulturgut oder die kulturelle Ausdrucksform wird in ein Register, eine Sammlung oder einen Katalog aufgenommen und mit strukturierten Metadaten beschrieben, damit es wiedergefunden, zugeordnet und verstanden werden kann. Dazu gehören z. B. Titel, Ort, Zeit, Technik, Funktion, beteiligte Personen und der kulturelle Kontext.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Registerverantwortliche, Kurator:innen, Sammlungsmitarbeitende, Community für Kontextinformationen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Das Osterei erhält einen Eintrag mit Angaben wie „Wachsbatik“, „Schleife“, „Osterei-Verzierung“, Name der Trägerin und Entstehungsjahr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''3. Bewerten &amp;amp; freigeben''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
In diesem Schritt wird entschieden, ob und in welcher Priorität ein Kulturgut oder die kulturelle Ausdrucksform digitalisiert werden soll und ob dies rechtlich und ethisch möglich ist. Dabei spielen fachliche Kriterien wie Bedeutung, Repräsentativität, Seltenheit oder Gefährdung eine Rolle, aber auch Fragen des Urheberrechts, Datenschutzes und möglicher kultureller Sensibilitäten. Am Ende steht eine begründete Entscheidung, ob und in welchem Umfang das Kulturgut weiterbearbeitet und später veröffentlicht werden darf. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Kurator:innen, Fachgremien, Community-Vertretungen, Register/SKR, ggf. Rechteverantwortliche und Behörden. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Es wird entschieden, dass die Osterei-Technik wegen ihrer Bedeutung für die sorbische Identität digital gesichert werden soll; die Kunsthandwerkerin stimmt der Veröffentlichung zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''4. Digitalisieren &amp;amp; prüfen''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nun wird das Kulturgut technisch erfasst, also in eine digitale Form überführt. Das kann je nach Objektart durch Scan, Fotografie, Audio- oder Videoaufnahme oder 3D-Erfassung geschehen. Dabei entstehen hochwertige Master-Dateien und nutzbare Derivate. Die Digitalisierung folgt qualifizierten Standards, um Reproduzierbarkeit, Farbkonsistenz und Nutzbarkeit zu gewährleisten. Anschließend wird geprüft, ob Schärfe, Farbe, Vollständigkeit und Dateiformate den Anforderungen für Archivierung und Nutzung entsprechen. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Digitalisierungszentrum, Foto-/AV-/3D-Spezialist:innen, externe Dienstleister bei Spezialfällen. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Das Osterei wird fotografisch hochauflösend aufgenommen und zusätzlich als 3D-Modell erfasst. Danach werden Schärfe, Farbe und Dateiformate geprüft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''5. Archivieren &amp;amp; sichern''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die entstandenen digitalen Dateien werden geordnet abgelegt, mit den zugehörigen Metadaten verknüpft und für die langfristige Erhaltung gesichert. Dazu gehören sichere Speicherorte, Backups, Integritätskontrollen und – wenn nötig – spätere technische Migration auf neue Systeme. Ziel ist, dass das digitale Kulturgut langfristig erhalten bleibt, auch wenn sich Technik und Formate verändern. Das Original bleibt in der Regel weiterhin am Sammlungs- oder Aufbewahrungsort. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Archiv, Repository, IT-Betrieb, ggf. Sorbisches Kulturarchiv bzw. Digitalisierungszentrum. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Die Bilder und das 3D-Modell des Ostereis werden auf gesicherten Servern gespeichert; das Original bleibt im Museum oder bei der Eigentümerin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''6. Präsentieren &amp;amp; nutzen''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im letzten Schritt werden die digitalen Objekte so bereitgestellt, dass sie gefunden, verstanden und genutzt werden können, z. B. in Portalen, digitalen Sammlungen oder virtuellen Ausstellungen. Dafür reicht es nicht, nur Dateien anzuzeigen: Es braucht auch verständliche Kontexte, Rechteangaben, Mehrsprachigkeit und möglichst barrierearme Zugänge. So wird aus der technischen Digitalisierung eine tatsächliche kulturelle Nutzung. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Kurator:innen, Vermittlung, Web/IT, Museen, Kulturinformationen, Community. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Das Osterei erscheint in einer Online-Ausstellung, kann herangezoomt oder als 3D-Modell gedreht werden und wird mit einem kurzen Text zur Technik erklärt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.4.3 Organisatorische Perspektive ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die folgende Abbildung ist entnommen aus einem Poster des Sorbischen Instituts zu dessen Digitalisierungsstrategie, gefunden auf der Projektseite des Digitalisierungszentrums.&amp;lt;ref&amp;gt;Sorbisches Institut: Digitalisierungszentrum (DZ). URL: [https://www.serbski-institut.de/projekte-zentrale-vorhaben/digitalisierungszentrum-dz/ https://www.serbski-institut.de/projekte-zentrale-vorhaben/digitalisierungszentrum-dz/], abgerufen am 25.03.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Digitalisierungsstrategie des Sorbischen Instituts zeigt die Erfassung, Registrierung, Digitalisierung und Archivierung bis zur Präsentation von Kulturgütern aus '''organisatorischer Sicht'''. Sie basiert auf einem '''3-Säulen-Modell aus Kulturregister, Digitalisierungszentrum und Präsentationsumgebung'''. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K4.png|mini||center|600px|Abbildung: 3-Säulen-Modell der Digitalisierungsstrategie des Sorbischen Instituts. Quelle: Sorbisches Institut, „Digitalizacija serbskich kulturnych datow / Digitalisierung der sorbischen/wendischen Kulturdaten“&amp;lt;ref&amp;gt;Sorbisches Institut 2025: Digitalizacija serbskich kulturnych datow / Digitalisierung der sorbischen/wendischen Kulturdaten (Poster). URL:  [https://www.serbski-institut.de/wp-content/uploads/2021/11/A0-Druck_Digitalisierungsstrategie-SI.pdf  https://www.serbski-institut.de/wp-content/uploads/2021/11/A0-Druck_Digitalisierungsstrategie-SI.pdf], abgerufen am 25.03.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Beide Sichtweisen - die fachliche &amp;quot;Prozess-Sicht&amp;quot; und die &amp;quot;organisatorische Sicht&amp;quot; lassen sich wie folgt in einer Darstellung zusammenfassen:&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K5.jpg|mini||center|600px|Abbildung: Zusammengefasste Sichtweisen auf die Digitalisierung von Kulturerbe.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der &amp;quot;Prozess der Digitalisierung von Kulturerbe&amp;quot; beschreibt, '''was''' mit einem Kulturgut geschieht; das 3-Säulen-Modell zeigt, '''wo''' diese Aufgaben organisatorisch verortet sind. Bezogen auf die oben beschriebenen [[#2.3.2 Prozessschritte im Detail|Prozessschritte der Digitalisierung von Kulturerbe]] steht das '''Sorbische Kulturregister''' für den Prozessschritt „'''2. Registrieren'''“ und dient dabei vor allem der Verzeichnung und Metadatenverwaltung. Das '''Digitalisierungszentrum''' steht für die Prozessschritte „'''4. Digitalisieren'''“ und „'''5. Archivieren'''“ und dient dabei der technischen Erfassung, Bearbeitung und Sicherung der Digitalisate. Die '''Präsentationsumgebung''' steht für den Schritt „'''6. Präsentieren'''“ und dient der öffentlichen oder kuratierten Bereitstellung zur Nutzung. Ergänzende Konzepte des SI machen dabei deutlich, dass die Digitalisierung im Regelfall eine vorherige Verzeichnung im Register voraussetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Prozessschritt&lt;br /&gt;
! Verantwortliche Organisation&lt;br /&gt;
! Funktion im Gesamtsystem&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''2. Registrieren'''&lt;br /&gt;
| '''Sorbisches Kulturregister'''&lt;br /&gt;
| Kulturgüter werden als Entitäten nachgewiesen, beschrieben, mit Metadaten versehen und miteinander verknüpft. Das Register erfüllt damit eine katalogähnliche Funktion: Es macht sichtbar, welche Kulturgüter es gibt, wo sie sich befinden und in welchem Kontext sie stehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''4. Digitalisieren'''&lt;br /&gt;
| '''Digitalisierungszentrum'''&lt;br /&gt;
| Kulturgüter werden technisch erfasst, z. B. durch Scan, Fotografie, Audio-/Videoübertragung oder 3D-Erfassung. Das Digitalisierungszentrum erzeugt und prüft die Digitalisate, ist aber nicht selbst primär ein Präsentationssystem.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''5. Archivieren'''&lt;br /&gt;
| '''Digitalisierungszentrum / Repositorium / Archiv'''&lt;br /&gt;
| Die digitalen Dateien werden geordnet gespeichert, mit Metadaten verbunden und langfristig gesichert. Dazu gehört auch die Sicherstellung der Langzeitaufbewahrung, etwa durch geeignete Speicherorte, Prüfroutinen und spätere Migrationen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''6. Präsentieren'''&lt;br /&gt;
| '''Sorabicon / weitere Präsentationsumgebungen'''&lt;br /&gt;
| Die digitalen Inhalte werden für Nutzer:innen sichtbar, erfahrbar und verständlich gemacht, z. B. in Portalen, digitalen Sammlungen oder virtuellen Ausstellungen. Die Präsentation greift dafür auf Metadaten aus dem Register und auf Digitalisate aus dem Repositorium bzw. dem Digitalisierungszentrum zurück.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Schritt '''1. Sammeln''' liegt vor diesen drei Säulen. Er betrifft die Sammlungsorte selbst, also z. B. Museen, Archive, Heimatstuben, Vereine, Projekte, Gemeinden oder Privatpersonen. Dort entstehen oder befinden sich die Kulturgüter zunächst, bevor sie systematisch registriert, bewertet oder digitalisiert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Schritt '''3. Bewerten''' ist ebenfalls keine eigene technische Säule, sondern ein steuernder Entscheidungsschritt. In ihm wird geklärt, welche Kulturgüter priorisiert digitalisiert werden, welche fachliche Bedeutung sie haben, welche Rechte zu beachten sind und ob eine öffentliche Präsentation möglich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit wird deutlich: Register, Digitalisierungszentrum und Präsentation erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Das '''Register''' beschreibt und verknüpft Kulturgüter, das '''Digitalisierungszentrum''' erzeugt und sichert Digitalisate und die '''Präsentationsumgebung''' macht ausgewählte Inhalte verständlich zugänglich. Gerade diese Trennung schafft klare Zuständigkeiten und erleichtert die Zusammenarbeit zwischen Sammlungsorten, Fachstellen, technischen Dienstleistern und Öffentlichkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Referenzen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Měrko Šenk</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://koncept.serbski-inkubator.de/index.php?title=12.3_Digitalisierung_des_Kulturerbes&amp;diff=1057</id>
		<title>12.3 Digitalisierung des Kulturerbes</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://koncept.serbski-inkubator.de/index.php?title=12.3_Digitalisierung_des_Kulturerbes&amp;diff=1057"/>
		<updated>2026-07-17T10:50:22Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Měrko Šenk: /* 2.3 Begriffe und Funktionsbausteine der Kulturerbe-Digitalisierung */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;= 1 Einleitung =&lt;br /&gt;
Die Digitalisierung von sorbischem Kulturerbe ist eine historische Chance für uns Sorben, eine Chance, unser kulturelles Erbe neu zu entdecken, es für kommende Generationen zu erhalten, für eine breitere Öffentlichkeit zugänglich zu machen und dabei die eigene Deutungshoheit zu stärken. Das erfordert neben Mut, einer klaren gemeinsamen Vision, starker Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Akteuren auch die notwendigen Ressourcen in Form von Personal mit entsprechenden Kompetenzen, passender Technik sowie einer nachhaltig gesicherten Finanzierung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im folgenden Abschnitt werden Zielbilder für die Digitalisierung des sorbischen Kulturerbes entworfen mittels lang- und kurzfristiger Visionen sowie konkreter Ziele.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 1.1 Visionen und Ziele für die sorbische digitale Welt ==&lt;br /&gt;
'''Vision 2035'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
''Sorbisches materielles und immaterielles Kulturerbe ist systematisch digital erfasst, rechtssicher und langfristig gesichert, leicht auffindbar, offen nutzbar und wird aktiv von Interessierten genutzt.''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Konkrete Ziele'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bis 2032 ist ein tragfähiges, finanziell und organisatorisch abgesichertes Modell etabliert, das:&lt;br /&gt;
* Ein zentrales (oder föderiertes) digitales Langzeitarchiv nach OAIS-Referenzmodell betreibt,&lt;br /&gt;
* klare Zuständigkeiten, Prozesse und Budgets definiert,&lt;br /&gt;
* regelmäßige Qualitätssicherung und Technik-Updates vorsieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis 2030 sind wichtige sorbische Kulturerbe-Bestände (Kernbestände nach fachlicher Festlegung) in hoher Qualität digitalisiert, beschrieben und im Langzeitarchiv gesichert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis 2028 liegt eine institutionenübergreifende Übersicht über relevante Kulturerbe-Bestände (analog und digital, materiell und immateriell) vor, einschließlich einer Prioritätenliste für die Digitalisierung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis 2028 existiert ein zentrales, nutzerfreundliches „Sorbisches Kulturerbe-Portal“, das:&lt;br /&gt;
* Suchzugang über alle teilnehmenden Institutionen ermöglicht,&lt;br /&gt;
* grundlegende Inhalte frei zugänglich bereitstellt,&lt;br /&gt;
* mehrsprachige Oberflächen anbietet (Deutsch, Obersorbisch, Niedersorbisch, Englisch).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= 2 IST-Analyse „Digitalisierung von Kulturerbe“ =&lt;br /&gt;
Das Ziel in diesem Themenbereich ist es, sorbisches Kulturerbe digital zu verwalten und damit langfristig für Recherche, Nutzung und Präsentation vorzuhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Abschnitt &amp;quot;IST-Analyse“ werden die folgenden Fragen beantwortet: Was ist sorbisches Kulturerbe und was zählt alles dazu? Welche Schritte durchläuft ein Kulturgut, um zum digitalen Kulturerbe zu gehören? Wie können die digitale Verwaltung, Archivierung, Nutzung und Präsentation von Kulturgütern umgesetzt werden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die grundlegenden Terminologien des Kulturerbes sollen im Folgenden festgelegt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2.1 Terminologie – von Kultur zu Kulturerbe ==&lt;br /&gt;
In diesem Abschnitt werden die Begriffe rund um das Kulturerbe grundlegend definiert. Es soll ein Verständnis über die Begriffe Kultur, kulturelle Ausprägung, Kulturgut und Kulturerbe erreicht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K1.png|center|260px]]&amp;lt;ref&amp;gt;Mermaid Flowchart Code: [https://mermaid.live/edit#pako:eNpF0UtuwyAQBuCroFlaTuRHTGMvKuWxq7pqV627IGZso2CIMChtk9ymN-nFimmasmJGfP-AOEGjOUIFrdTHpmfGkudtrWpF_Fq9RtGDk9aZKHojU-_aJ7PZ_bmGgSnR4mgFejaKpidC1XAmq8zDfYAoJZKVG7lxzX5stRl81C0_uwYdheGEubHD4_dXLy1hcpyC1rcLdM4GOLH1Ve2E5Gj9TPLkhgEnsLkBNDsMAmLojOBQWeMwhgHNwKYSTuFBYHucbOW3HFvmcQ21unh2YOpF6-FPGu26HqrW381X7sCZxa1gnWH_R1BxNBvtlIUqTUMEVCd49xVdzpeLMs1pXmRFXiY0hg-o8iyZL_LFXZaVSTJ1LzF8hqHJnBZ5WhZLWt5RmtIsBuTCavP4-2Hh3y4_NXaMmw hier klicken], abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.1 Kultur ===&lt;br /&gt;
Kultur bezeichnet hier die Gesamtheit aller '''vom Menschen geschaffenen und erlernten Ausdrucksformen''' des Lebens, die auf gemeinsamen Werten und Verhaltensweisen beruhen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;wiki-kultur&amp;quot;&amp;gt;URL: https://de.wikipedia.org/wiki/Kultur&amp;lt;/ref&amp;gt; Dazu zählen '''materielle Ergebnisse''' (z. B. Kunstwerke, Technik) ebenso wie '''immaterielle Praktiken''' (Sprache, Bräuche, Wissen). Kultur umfasst laut der UNESCO geistige, materielle, intellektuelle und emotionale Merkmale, die eine Gesellschaft oder soziale Gruppe kennzeichnen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mondiacult&amp;quot;&amp;gt;UNESCO 1982: Mexico City Declaration on Cultural Policies (MONDIACULT). URL: https://www.lacult.unesco.org/docc/1982_MONDIACULT.pdf&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;ref name=&amp;quot;cultureaction&amp;quot;&amp;gt;Culture Action Europe 2024: The State of Culture report. URL: https://cultureactioneurope.org/de/news/the-state-of-culture-report-published, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;  Sie ist dynamisch und wird von jeder Generation neu gestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das deutsche Wort „Kultur“ ist eine Eindeutschung des lateinischen Worts „cultura“. Dieses bedeutet ursprünglich „Bebauung, Bearbeitung, Bestellung, Pflege“ und meinte sowohl die physische Bearbeitung als auch die Pflege geistiger Güter, z. B. der Sprache.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.2 Kulturelle Ausdrucksform ===&lt;br /&gt;
Eine kulturelle Ausdrucksform ist eine '''konkrete, gegenwärtige oder historische, Manifestation von Kultur''', bspw. eine Zeichnung, eine Tracht oder ein Lied: Sie macht die Kultur sichtbar und erlebbar. Im engeren Sinne ist es eine Ausdrucksweise, die aus der Kreativität einer Person, Gruppe oder Gesellschaft entsteht und '''kulturellen Inhalt''' trägt (symbolische Bedeutung, künstlerische Dimension, kulturelle Werte).&amp;lt;ref&amp;gt;Österreichische UNESCO-Kommission 2007: Übereinkommen zum Schutz und zur Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen, Art. 4, Seite 13. URL: https://www.unesco.at/fileadmin/Redaktion/Publikationen/Publikations-Dokumente/2005er_UNESCO-Convention_German.pdf, abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt; Sie wird innerhalb und zwischen Gemeinschaften weitergegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle kulturellen Ausdrucksformen bilden einen wesentlichen Kern von Kultur, aber Kultur enthält auch latente Dimensionen (Werte, Normen, Vorannahmen etc.), die nicht unmittelbar als Ausdrucksform erscheinen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.3 Kulturgut ===&lt;br /&gt;
Ein „Kulturgut“ ist '''eine einzelne kulturelle Ausdrucksform''', der ein '''besonderer kultureller Wert zugemessen wird''' (durch Anerkennung, Schutz, Bedeutung). Es ist somit ein Erzeugnis menschlicher Kreativität oder Zeugnis menschlichen Lebens, welches '''Bedeutung für die Kultur einer Gemeinschaft''' hat und daher '''Bestand haben und bewahrt werden soll'''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die '''Summe aller Kulturgüter''' einer Gemeinschaft wird als dessen '''Kulturerbe''' bezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.4 Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
Kulturerbe ist die '''Summe der materiellen und immateriellen Ausdrucksformen''' (= Kulturgüter) einer Kultur, die als „'''bewahrenswert'''“ anerkannt wurden. International umfasst das u. a. das '''Welterbe''' (Denkmäler, Ensembles, Stätten)&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO (1972), Welterbekonvention, Art. 1. URL: https://www.dnk.de/wp-content/uploads/2021/02/1972_DNK_UNESCO-Welterbekonvention.pdf (abgerufen am 11.09.2025).&amp;lt;/ref&amp;gt; und das '''Immaterielles Kulturerbe''' (Praktiken, Wissen).&amp;lt;ref&amp;gt;Deutsche UNESCO-Kommission o. J.:, Übereinkommen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes (dt. Ausgabe). URL: https://www.unesco.de/assets/dokumente/Deutsche_UNESCO-Kommission/02_Publikationen/Publikation_UNESCO-%C3%9Cbereinkommen_zur_Erhaltung_des_immateriellen_Kulturerbes_01.pdf, (abgerufen am 11.09.2025).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ob etwas „zum Kulturerbe“ zählt, ist Ergebnis von Bewertung, Diskurs und teils formellen Verfahren. Dem Sorbischen Kulturregister (SKR) zufolge ist „sorbisch-wendisches Kulturerbe“ eine Zuschreibung, die durch Gesellschaft, Museen, Archive und Wissenschaft erfolgen kann.&amp;lt;ref&amp;gt;Sorbisches Institut 2025: Konzept für ein Sorbisches Kulturregister (SKR). URL: https://www.serbski-institut.de/wp-content/uploads/2021/11/00_Zweite-aktualisierte-Fassung_Konzept_Sorbisches-Kulturregister_20.11.2025.pdf, abgerufen am 20.11.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.5 Abgrenzung: Kultur und Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
'''Kultur / Kulturelle Ausdrucksform''' sind als Begriffe weiter gefasst als '''Kulturgut / Kulturerbe'''. Kulturelle Ausdrucksformen umfassen alles Gelebte und Gestaltete einer Gemeinschaft in Gegenwart und Vergangenheit, während Kulturgut / Kulturerbe diejenigen kulturellen Güter und Traditionen meint, denen eine Bedeutung beigemessen wurde und die als bewahrens- und weitergebenswert erkannt wurden. Kultur ist der „aktuelle“ kreative Prozess (einschließlich Popkultur, Alltagskultur), Kulturerbe der daraus überkommene Schatz. Dennoch sind die Grenzen fließend: Was heute nur Kultur ist, kann morgen zum Kulturerbe erklärt werden – abhängig von Wertzuschreibung und Diskurs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Rahmen dieses Dokuments werden für den sorbischen Kontext die Begriffe '''„kulturelle Ausdrucksform“''' und '''„Kulturgut“''' weitgehend '''synonym''' verwendet, sofern nicht ausdrücklich anders gekennzeichnet. Hintergrund ist, dass die Gesamtzahl der identifizierbaren kulturellen Ausdrucksformen einer kleinen Minderheit wie der Sorben/Wenden im Vergleich zu großen Mehrheitsgesellschaften überschaubar ist. Zugleich ist der Anteil dieser Ausdrucksformen, denen in der Community ein besonderer Wert beigemessen wird und die daher faktisch als Kulturgut wahrgenommen und behandelt werden, sehr hoch: Ein großer Teil des gelebten kulturellen Repertoires wird als identitätsstiftend und bewahrenswert verstanden und damit dem Kulturerbe zugerechnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2.2 Klassifizierung von Kulturgütern ==&lt;br /&gt;
Im Folgenden soll eine griffige Klassifizierung von Kulturgütern entwickelt werden, so dass pro Kulturgut-Klasse später auf die Besonderheiten ihrer Digitalisierung eingegangen werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K2.png|center|600px]]&amp;lt;ref&amp;gt;Mermaid Flowchart Code: [https://mermaid.live/edit#pako:eNptlM9u00AQxl9ltFWoFDlp_C9OjISU2KSgUCq1BSRIDxt77Syxd6v1mkKjSDwBlThw4YCEeuXOoeLSN-EF4BHYjZOQQG67-32_2ZnZsWco4jFBPqrVZpRR6cNsP8n4ZTTBQu7rHVP66QWOKEvV3nQM2BeYTf8eea35fF6rjdiIrUl4cjJiAMPDV_X6sMxkKdJS1uvnvu9PtRGgp5ReE46wJIKSLIOf779CycbkkqQZjSb1Ovz-cv351_drDWGN9BXS_xfZBj7dLoGxBgIFBE14nOcrZGH68E07Iu0IlSNsQkhTKnGlfvyh1bjKcngIjcYD6G2s-xvrYGMdLuuqAFOXZ0IflzFh0xxn5OBU3t1ISZhqw6KaKpo29k04jSaCJrLq0oZsa9mCAZc8FTihhBnQp1ksxd1NSsS22dFmG3oMZzwl0HveONtlc7XNATtsHI9fk6kkC3nRsKoqnVNgwrFQaUOvLGJRRtMi4SJfZ790WtppQYhFIVV7CYsJDO9uWbEMujbqOgIbTqgsddB7MCD_eXT6gQMvaFEQBlclPMVqcA6eMfqGiKLMt926isCFM4FjKiln-voCHmEWXxIxXZcUVo-jSwrVe3DBGvHqtc83DLqS0FpNAi3wRluiDBdFSBIYQ0KzzN_r265jPjQinnHh7yVJYhRS8ClZKfe3KLyk2oHneuEuqlK2qWhJWYPOwGnvoiplm4qXVMd17V5rF1UpikIGSgWNkS9FSQyUE5FjvUUzHXGE5ITkZIR8tYxJgtVXPEIjNlfYBWYvOc9XpOBlOkF-grNC7cqLWPUupFjNa74-FXo0RMBLJpFvWtYiCPJn6C3yG7bTNO2u6Tidrue0W13HQO_Usdtquuqg1bG6TtvzPNuZG-hqcXGr2baV5NhuyzId13XbBiJqDrg4qn5ni7_a_A_W9oMu hier klicken], abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.1 A. Materiell - unbeweglich 🏛️ ===&lt;br /&gt;
„Materiell - unbeweglich&amp;quot; bezeichnet ortsfeste Kulturobjekte wie Bauwerke, Ensembles, Gebäudekomplexe und Stätten/Kulturlandschaften, wie sie in Art. 1 der UNESCO-Welterbekonvention als Kategorien des kulturellen Erbes definiert sind.&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO World Heritage Centre o. J.: Convention Concerning the Protection of the World Cultural and Natural Heritage, Artikel 1. URL: https://whc.unesco.org/en/conventiontext/, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.2 B. Materiell - beweglich 🖼️ ===&lt;br /&gt;
Die Kategorie „Materiell - beweglich&amp;quot; umfasst bewegliche Sachen bzw. Sachgesamtheiten von kulturellem Wert (z. B. Objekte, Sammlungen), wie sie das deutsche Kulturgutschutzgesetz (§ 2 KGSG)&amp;lt;ref&amp;gt;Deutschland 2016: Kulturgutschutzgesetz (KGSG), § 2. URL: https://www.buzer.de/2_KGSG.htm, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt; als „Kulturgut“ beschreibt.&lt;br /&gt;
* B1 '''Schriftgut''' - Bücher, Zeitungen, Handschriften, Archivgut, Graphiken, Pläne, Karten&lt;br /&gt;
* B2 '''Fotografien &amp;amp; Bildträger''' &lt;br /&gt;
** Fotografisch erzeugte statische Bildträger, auch Stillbildträger genannt, z. B. Positive/Negative auf Film/Platte/Photopapier, Dias, Abzüge, Mikrofilm/-fiche und vergleichbare fotografische Repro-Träger.&lt;br /&gt;
* B3 '''Analoge AV-Träger''' (Audio/Video/Film)&lt;br /&gt;
** Analoge zeitbasierte Medien, z. B. Magnetton (Tonband, Kassette), Schallplatte, Videobänder, Film.&lt;br /&gt;
* B4 '''3D-Objekte''' - Gegenstände, „sachkulturelle Artefakte“&amp;lt;ref&amp;gt;Sorbisches Institut o. J.: Konzept zum Digitalisierungszentrum am Sorbischen Institut, S. 24.&lt;br /&gt;
(Unveröffentlichtes Konzeptpapier; interne Projektunterlage.)&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.3 C. Immateriell 🎭 ===&lt;br /&gt;
Meint lebendige Praktiken, Darstellungen, Ausdrucksformen, Ideen, Werte, Wissen und Fertigkeiten, die von Gemeinschaften getragen und weitergegeben werden, gemäß der folgenden 5 UNESCO ICH-Domänen.&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO o. J.: Intangible Cultural Heritage – Five Domains. URL: https://ich.unesco.org/doc/src/01857-EN.pdf, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* C1 '''Orale Traditionen/Ausdrucksformen''' - Sprache, Gesangstraditionen&lt;br /&gt;
* C2 '''Darstellende Künste''' - Musik, Tanz, Theater&lt;br /&gt;
* C3 '''Rituale &amp;amp; Feste''' - Bräuche und soziale Praktiken des Kalenders und Lebenslaufs&lt;br /&gt;
* C4 '''Wissen &amp;amp; Praktiken''' zu Natur &amp;amp; Universum - Heil- und Sammelkenntnisse, ökologisches und astronomisches Wissen, Glaube, Religion&lt;br /&gt;
* C5 '''Traditionelles Handwerk''' - Techniken, Werkzeuge und Gestaltungsmuster&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.4 D. Digital 💾 ===&lt;br /&gt;
Bezeichnet in digitaler Form vorliegende Ressourcen menschlichen Wissens und Ausdrucks. Diese können sowohl born-digital sein als auch digitalisierte Repräsentationen von materiellen und immateriellen Kulturgütern.&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO 2003: Charter on the Preservation of Digital Heritage. URL: https://www.unesco.org/en/legal-affairs/charter-preservation-digital-heritage, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* D1 '''Born-digital''' (ursprünglich digital erzeugt, kein analoges Original), z. B. Webseiten, Social-Media-Beiträge, Software, Apps, Spiele, digitale Fotos/Audio/Video.&lt;br /&gt;
* D2 '''Digitalisate''' - Digitalisierte Repräsentationen/Derivate aus den Klassen A, B und C.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2.3 Begriffe und Funktionsbausteine der Kulturerbe-Digitalisierung ==&lt;br /&gt;
Die vorherigen Abschnitte haben geklärt, was unter Kulturerbe verstanden wird und welche Arten von Kulturgütern unterschieden werden. Bevor der nachfolgende Abschnitt den Prozess der Kulturerbe-Digitalisierung beschreibt, werden in diesem Abschnitt die dafür wichtigsten Arbeitsbegriffe und Funktionen erläutert. Der Abschnitt soll dabei die Frage beantworten: Welche Arbeitsabläufe und Funktionen sind notwendig, damit Kulturgüter nicht nur digital erfasst, sondern auch gefunden, verstanden, gesichert und genutzt werden können?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erläuterungen sollen eine gemeinsame und leicht verständliche Grundlage schaffen für alle, die an der Digitalisierung von Kulturerbe interessiert sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.3.1 Vom Kulturgut zur digitalen Repräsentation ===&lt;br /&gt;
Dieser Abschnitt erklärt, was bei einer Digitalisierung entsteht und wie sich das digitale Ergebnis vom ursprünglichen Kulturgut unterscheidet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Begriff&lt;br /&gt;
! Erklärung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Digitalisierung von Kulturerbe'''&lt;br /&gt;
| Digitalisierung bezeichnet in diesem Konzept den gesamten zusammenhängenden Prozess: Kulturgüter erfassen, beschreiben und bewerten, digitale Repräsentationen erzeugen oder übernehmen, ihre Qualität prüfen, sie sichern und für die Nutzung zugänglich machen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;DFG2016&amp;quot;&amp;gt;Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) 2016: Praxisregeln „Digitalisierung“, insbesondere S. 13 und 41-44. URL: https://www.dfg.de/resource/blob/176108/898bf3574ad0ff3b1db525fa7d04c86c/12-151-v1216-de-data.pdf, abgerufen am 16.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bei ursprünglich digital entstandenen Kulturgütern – auch ''born digital'' genannt – entfällt die Überführung aus einem analogen Original; die weiteren Aufgaben bleiben bestehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Digitalisat und digitale Repräsentation'''&lt;br /&gt;
| Ein '''Digitalisat''' ist ein digitales Abbild eines analogen Kulturguts, beispielsweise ein Scan einer Handschrift oder ein Foto eines Museumsobjekts. Der weitere Begriff '''digitale Repräsentation''' umfasst auch Audio-, Video- oder 3D-Dokumentationen einer immateriellen kulturellen Praxis. Die digitale Repräsentation ersetzt weder das materielle Kulturgut noch die lebendige Praxis.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Masterdatei und Nutzungsderivat'''&lt;br /&gt;
| Die '''Masterdatei''' ist die möglichst hochwertige und qualitätsgeprüfte Ausgangsdatei. Sie wird für die langfristige Sicherung und spätere Bearbeitungen aufbewahrt. Ein '''Nutzungsderivat''' ist eine daraus erzeugte, an einen bestimmten Zweck angepasste Datei, beispielsweise ein kleineres Bild für eine Internetseite.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Digitales Objekt'''&lt;br /&gt;
| Als '''digitales Objekt''' wird in diesem Konzept eine zusammengehörige digitale Einheit bezeichnet. Sie kann aus einer oder mehreren Dateien, den zugehörigen Metadaten und ihren Verknüpfungen bestehen. Ein digitales Objekt kann ein Digitalisat oder ein ursprünglich digital entstandenes Kulturgut sein.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
''Beispiel:'' Das verzierte sorbische Osterei bleibt das materielle Kulturgut. Hochauflösende Fotografien, ein 3D-Modell und die dazugehörigen Beschreibungen bilden gemeinsam seine digitale Repräsentation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.3.2 Funktionsbausteine und ihr Zusammenspiel ===&lt;br /&gt;
Die folgende Tabelle erläutert die grundlegenden Funktionen bei der Digitalisierung von Kulturerbe, unabhängig von konkreten Institutionen oder technischen Produkten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Funktionsbaustein&lt;br /&gt;
! Hauptaufgabe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Register oder Katalog'''&lt;br /&gt;
| Weist Kulturgüter nach, beschreibt und verknüpft sie und macht sichtbar, was vorhanden ist, wo es sich befindet und in welchem Zusammenhang es steht. Ein Registereintrag kann bereits bestehen, bevor ein Digitalisat angefertigt wurde.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Digitalisierungsdienst oder Digitalisierungszentrum'''&lt;br /&gt;
| Erzeugt digitale Repräsentationen, bearbeitet und prüft sie und dokumentiert technische Angaben zur Digitalisierung. Es liefert beispielsweise geprüfte Masterdateien und Nutzungsderivate.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Repositorium oder digitales Archiv'''&lt;br /&gt;
| Übernimmt digitale Dateien und Metadaten, speichert und verwaltet sie und sorgt entsprechend seinem Auftrag für ihre Sicherung, Langzeiterhaltung und Bereitstellung.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Präsentations- und Nutzungssystem'''&lt;br /&gt;
| Führt beschreibende Informationen und digitale Medien für Nutzerinnen und Nutzer zusammen. Es ermöglicht beispielsweise Suche, Anzeige, Kontextualisierung, Vermittlung und – soweit zulässig – Nachnutzung.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Bausteine beschreiben zunächst '''Funktionen''' und nicht zwingend getrennte Institutionen oder Systeme. Eine Einrichtung kann mehrere Funktionen übernehmen. Umgekehrt kann eine Funktion auf mehrere Einrichtungen oder technische Systeme verteilt sein. Entscheidend sind klare Zuständigkeiten, verlässliche Übergaben und gemeinsame Standards.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vereinfacht lässt sich das Zusammenspiel so zusammenfassen:&lt;br /&gt;
# Das '''Register oder der Katalog''' beschreibt und verknüpft das Kulturgut.&lt;br /&gt;
# Der '''Digitalisierungsdienst''' erzeugt und prüft seine digitale Repräsentation.&lt;br /&gt;
# Das '''Repositorium oder digitale Archiv''' übernimmt und erhält die Dateien.&lt;br /&gt;
# Das '''Präsentationssystem''' führt Beschreibungen und Medien für die Nutzung zusammen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die konkrete Ausgestaltung kann zentral, dezentral oder als Verbund mehrerer Systeme erfolgen. Welche dieser Funktionen in der sorbischen Welt bereits durch das Sorbische Kulturregister, das Digitalisierungszentrum, Archive, Repositorien und Präsentationsumgebungen erfüllt werden und wo noch Lücken bestehen, wird in der sorbischen IST-Analyse untersucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.3.3 Register: Kulturgüter erfassen, beschreiben und verknüpfen ===&lt;br /&gt;
Die folgende Tabelle erklärt, wie Kulturgüter so beschrieben und bearbeitet werden, dass sie eindeutig zugeordnet, wiedergefunden und nach einheitlichen Regeln weiterverarbeitet werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Begriff&lt;br /&gt;
! Erklärung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Erschließung, Verzeichnung und Registrierung'''&lt;br /&gt;
| '''Erschließung''' ist der übergeordnete Vorgang, bei dem ein Kulturgut identifiziert, beschrieben und in seinen Zusammenhang eingeordnet wird. '''Verzeichnung''' bezeichnet seine strukturierte dokumentarische Beschreibung. '''Registrierung''' bedeutet die Aufnahme in ein konkretes Register, einen Katalog oder ein Sammlungssystem. Ein Kulturgut kann bereits registriert werden, bevor ein Digitalisat vorhanden ist.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Metadaten'''&lt;br /&gt;
| Metadaten sind strukturierte Informationen über ein Kulturgut und seine digitalen Repräsentationen. Dazu gehören beispielsweise Titel, Herkunft, beteiligte Personen, Ort, Zeit, kultureller Kontext, Rechte, Dateieigenschaften und Bearbeitungsschritte. Je nach Zweck werden beschreibende, technische, rechtliche und erhaltungsbezogene Metadaten unterschieden. Sie machen Kulturgüter auffindbar, verständlich, verwaltbar und langfristig nutzbar.&amp;lt;ref name=&amp;quot;PREMIS&amp;quot;&amp;gt;Library of Congress o. J.: PREMIS – Preservation Metadata: Implementation Strategies. Internationaler Standard für Erhaltungsmetadaten. URL: https://www.loc.gov/standards/premis/, abgerufen am 16.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Persistenter Identifikator'''&lt;br /&gt;
| Ein '''persistenter Identifikator''' ist eine dauerhafte und eindeutige Kennung für ein Kulturgut, einen Datensatz oder eine digitale Ressource. Die Kennung bleibt bestehen, auch wenn sich der technische Speicherort oder die Internetadresse ändern. Dadurch können Kulturgüter dauerhaft zitiert und zwischen Systemen verknüpft werden.&amp;lt;ref name=&amp;quot;DFG2016&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Metadaten sind keine bloße Beigabe zu einer Datei. Ohne ausreichende Beschreibungen kann ein Digitalisat zwar technisch vorhanden sein, später aber kaum gefunden, verstanden oder zuverlässig zugeordnet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.3.4 Digitalisierungsdienst und Archiv: Digitalisieren, speichern und langfristig erhalten ===&lt;br /&gt;
Die folgende Tabelle erklärt was erforderlich ist, damit digitale Kulturgüter nicht nur heute gespeichert sind, sondern auch nach technischen und organisatorischen Veränderungen noch gefunden, verstanden und genutzt werden können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Begriff&lt;br /&gt;
! Erklärung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Repositorium'''&lt;br /&gt;
| Ein '''Repositorium''', auch ''Repository'' genannt, ist eine verwaltete technische Umgebung, in der digitale Objekte und ihre Metadaten übernommen, gespeichert, geordnet, verwaltet und bereitgestellt werden. Ein Repositorium kann Teil eines digitalen Archivs sein. Nicht jedes Repositorium erfüllt jedoch automatisch alle Anforderungen der Langzeiterhaltung.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Digitales Archiv oder digitales Langzeitarchiv'''&lt;br /&gt;
| Ein digitales Archiv ist mehr als ein Server oder ein Speicherprogramm. Es verbindet eine verantwortliche Organisation, fachkundiges Personal, Regeln, Arbeitsabläufe und technische Systeme. Es übernimmt die Verantwortung dafür, digitale Informationen langfristig zu erhalten und für festgelegte Nutzergruppen zugänglich zu machen. Das internationale Referenzmodell '''Open Archival Information System''' (OAIS, offenes Archiv-Informationssystem) bietet hierfür einen fachlichen Rahmen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;OAIS2024&amp;quot;&amp;gt;Consultative Committee for Space Data Systems (CCSDS) 2024: Reference Model for an Open Archival Information System (OAIS), CCSDS 650.0-M-3, insbesondere S. 1-1–1-2 und 2-1–2-2. URL: https://ccsds.org/Pubs/650x0m3.pdf, abgerufen am 16.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Ingest oder kontrollierte Übernahme'''&lt;br /&gt;
| '''Ingest''' bezeichnet die kontrollierte Übernahme digitaler Dateien und Metadaten in ein Repositorium oder digitales Archiv. Dabei werden beispielsweise Vollständigkeit, Dateiformate, Metadaten und Dateiintegrität geprüft und die Übernahme dokumentiert.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Langzeitverfügbarkeit und digitale Langzeiterhaltung'''&lt;br /&gt;
| '''Langzeitverfügbarkeit''' ist das Ziel, digitale Inhalte über technische und organisatorische Veränderungen hinweg auffindbar, lesbar, verständlich und nutzbar zu halten. '''Digitale Langzeiterhaltung''' bezeichnet die dafür notwendigen fortlaufenden Maßnahmen. Dazu können mehrere Speicherorte, regelmäßige Prüfungen, Formatüberwachung, technische Migrationen und eine nachvollziehbare Dokumentation gehören. „Langfristig“ bezeichnet dabei keine feste Zahl von Jahren, sondern einen Zeitraum, in dem mit veränderten Technologien, Formaten und Nutzungsanforderungen gerechnet werden muss.&amp;lt;ref name=&amp;quot;OAIS2024&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Datensicherung oder Backup'''&lt;br /&gt;
| Ein '''Backup''' ist eine zusätzliche Sicherungskopie, aus der Dateien nach einem Verlust oder technischen Ausfall wiederhergestellt werden können. Backups sind notwendig, ersetzen aber keine Langzeiterhaltung: Sie regeln allein noch keine dauerhaften Zuständigkeiten, Metadaten, Formatüberwachung, Integritätsprüfungen oder langfristige Zugänglichkeit.&amp;lt;ref name=&amp;quot;DPCStorage&amp;quot;&amp;gt;Digital Preservation Coalition o. J.: Digital Preservation Handbook – Storage. URL: https://www.dpconline.org/handbook/organisational-activities/storage, abgerufen am 16.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Integrität und Authentizität'''&lt;br /&gt;
| '''Integrität''' bedeutet, dass unbeabsichtigte Veränderungen oder Beschädigungen einer Datei erkannt werden können. Dafür werden häufig Prüfsummen verwendet - digitale Kontrollwerte, die regelmäßig verglichen werden. '''Authentizität''' bedeutet, dass Herkunft, Identität und Bearbeitungsgeschichte eines digitalen Objekts nachvollziehbar sind und belegt werden kann, dass es das ist, was es zu sein vorgibt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Dateiformat und Datenformat'''&lt;br /&gt;
| Ein '''Dateiformat''' legt den technischen Aufbau einer einzelnen Datei fest. Ein '''Datenformat''' beschreibt, wie Informationen strukturiert und zwischen Systemen ausgetauscht werden. Gut dokumentierte, verbreitete und möglichst offen beschriebene Formate erleichtern den Austausch und die langfristige Nutzung. Sie ersetzen jedoch keine aktive Langzeiterhaltung.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Merksatz:''' Speichern ist nicht dasselbe wie langfristiges Erhalten. Auch ein vorhandenes Backup ist noch kein digitales Langzeitarchiv.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.3.5 Präsentationssystem: Kulturerbe zugänglich machen und präsentieren ===&lt;br /&gt;
Die folgende Tabelle erklärt, wie aus langfristig gesicherten Dateien ein digitales Kulturerbe wird, das von Menschen gefunden, verstanden und sinnvoll genutzt werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Begriff&lt;br /&gt;
! Erklärung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Zugänglichmachung und Präsentation'''&lt;br /&gt;
| '''Zugänglichmachung''' bedeutet, dass digitale Objekte auffindbar und im rechtlich sowie technisch zulässigen Umfang abrufbar sind. '''Präsentation''' geht darüber hinaus: Inhalte werden ausgewählt, miteinander verknüpft, erklärt und für bestimmte Zielgruppen vermittelt. Dazu gehören verständliche Kontextinformationen, klare Rechteangaben, Mehrsprachigkeit und möglichst barrierearme Zugänge. Abhängig von Rechten, personenbezogenen Daten oder kulturellen Schutzbedarfen kann der Zugang offen oder eingeschränkt sein.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Nutzung und Nachnutzung'''&lt;br /&gt;
| '''Nutzung''' umfasst beispielsweise das Betrachten, Lesen, Anhören, Erforschen oder Vermitteln eines digitalen Kulturguts. '''Nachnutzung''' bedeutet seine weitere Verwendung in einem neuen Zusammenhang, etwa in Bildung, Forschung, Publikationen, Ausstellungen, Anwendungen oder kreativen Werken. Dafür werden geeignete Dateien, verständliche Metadaten und klare Rechteinformationen benötigt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Rechteinformation und Lizenz'''&lt;br /&gt;
| Eine '''Rechteinformation''' beschreibt den rechtlichen Status eines digitalen Objekts und mögliche Einschränkungen seiner Nutzung. Eine '''Lizenz''' räumt durch eine dazu berechtigte Person oder Institution konkrete Nutzungsrechte ein. Ein allgemeiner Rechtehinweis ist daher nicht automatisch eine Lizenz.&amp;lt;ref name=&amp;quot;RightsReuse&amp;quot;&amp;gt;RightsStatements.org o. J.: Standardisierte Rechtehinweise für online verfügbares Kulturerbe. URL: https://rightsstatements.org/de/, abgerufen am 16.07.2026. Creative Commons 2025: Recommended Licenses and Tools for Cultural Heritage Content. URL: https://creativecommons.org/2025/07/09/recommended-licenses-and-tools-for-cultural-heritage-content/, abgerufen am 16.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Interoperabilität'''&lt;br /&gt;
| '''Interoperabilität''' bezeichnet die Fähigkeit von Systemen und Organisationen, Daten auszutauschen und in gleicher Bedeutung zu verstehen. Dafür werden gemeinsame Metadatenmodelle, Begriffe, Identifikatoren und technische Schnittstellen benötigt. So können beispielsweise Register, Repositorien, Präsentationsportale und externe Kulturplattformen miteinander verbunden werden.&amp;lt;ref name=&amp;quot;EuropeanaEDM&amp;quot;&amp;gt;Europeana o. J.: Metadata – Europeana Data Model (EDM, Europeana-Datenmodell). URL: https://pro.europeana.eu/page/metadata, abgerufen am 16.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Digitalisierte Inhalte entfalten ihren kulturellen und gesellschaftlichen Nutzen erst dann vollständig, wenn sie auffindbar, verständlich, rechtlich klar und für unterschiedliche Zielgruppen tatsächlich verwendbar sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der folgende Abschnitt 2.4 beschreibt, wie diese Funktionen innerhalb des gesamten Prozesses der Kulturerbe-Digitalisierung zusammenwirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2.4 Prozess der Digitalisierung von Kulturerbe ==&lt;br /&gt;
Die Digitalisierung von Kulturgut ist kein rein technischer Arbeitsschritt, sondern ein vielschichtiger, oft langfristiger Prozess, der bereits mit der Wahrnehmung und Identifikation einer kulturellen Ausdrucksform beginnt. Ziel dieses Abschnitts ist es, diesen Gesamtprozess systematisch darzustellen: von der gelebten Kultur über das identifizierte Kulturgut bis hin zur digital nutzbaren Repräsentation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die hier entwickelte Prozessdarstellung soll als praxisorientierter Überblick dienen für die Digitalisierung des sorbischen Kulturerbes. Sie berücksichtigt die Anforderungen sorbischer Einrichtungen ebenso wie die international etablierten Referenzmodelle und Standards, darunter:&lt;br /&gt;
* das OAIS-Referenzmodell (ISO 14721) für digitale Archivierung&amp;lt;ref&amp;gt;Consultative Committee for Space Data Systems (CCSDS) 2024: Reference Model for an Open Archival Information System (OAIS), CCSDS 650.0-M-3. URL: https://ccsds.org/Pubs/650x0m3.pdf, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* das DCC Curation Lifecycle Model für kuratorische Entscheidungsprozesse&amp;lt;ref&amp;gt;Higgins 2008: The DCC Curation Lifecycle Model. International Journal of Digital Curation, 3(1), 134-140. URL: https://ijdc.net/index.php/ijdc/article/view/48, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* das Spectrum-Modell für museale Objektverwaltung&amp;lt;ref&amp;gt;Collections Trust 2022. Spectrum 5.1 - The UK Museum Collections Management Standard. URL: https://collectionstrust.org.uk/spectrum/spectrum-5, abgerufen am 01.10.2025. &amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* die UNESCO-Leitlinien zur Inventarisierung immateriellen Kulturerbes&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO 2024: Operational Directives for the Implementation of the Convention for the Safeguarding of the Intangible Cultural Heritage (10.GA). URL: https://ich.unesco.org/doc/src/ICH-Operational_Directives-10.GA_EN.pdf, abgerufen am 01.10.2025. &amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* sowie technische Vorgaben wie die DFG-Praxisregeln Digitalisierung&amp;lt;ref&amp;gt;Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) 2022: Praxisregeln Digitalisierung (aktualisierte Fassung). URL: https://www.ulb.hhu.de/fileadmin/redaktion/ULB/Documents/Infomaterial/DFG_Praxisregeln_Digitalisierung_Aktualisierte_Fassung2022.pdf, abgerufen am 01.10.2025. &amp;lt;/ref&amp;gt; und die FADGI-Richtlinien&amp;lt;ref&amp;gt;Federal Agencies Digital Guidelines Initiative (FADGI) 2023: Technical Guidelines for Digitizing Cultural Heritage Materials – Still Image, 3rd ed. URL: https://www.digitizationguidelines.gov/guidelines/digitize-technical.html, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Folge soll der „Lebenslauf“ eines Kulturguts dargestellt werden, also der Weg, den ein Objekt oder eine kulturelle Praxis vom Zeitpunkt der Entstehung über die Erfassung, Digitalisierung und Archivierung bis zur Veröffentlichung in einem digitalen Präsentationsmodul durchläuft.&lt;br /&gt;
Hierfür erläutert der folgende Abschnitt die einzelnen Prozessschritte im Detail, jeweils mit Akteuren und Beispielen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.4.1 Vorüberlegungen zum Prozess ===&lt;br /&gt;
Im hier vorgestellten Prozess wird auf eine harte, systematische Filterung verzichtet, welche kulturellen Ausdrucksformen „nur“ Kultur und welche bereits Kulturgut sind. Ein solcher Bewertungs- und Abgrenzungsprozess wäre ressourcenintensiv und würde den vorhandenen Kapazitäten in den beteiligten Einrichtungen nicht entsprechen. Stattdessen folgt das Konzept einer inklusiven Logik: Alle dokumentierten Ausdrucksformen werden zunächst als potenzielle Kulturgüter erfasst. Eine feinere Auswahl und Priorisierung erfolgen erst in einem späteren Schritt, nämlich dann, wenn konkret entschieden wird, welche Ausdrucksformen bzw. Kulturgüter in welcher Tiefe digitalisiert, archiviert und präsentiert werden sollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Vorgehen schließt an das SKR-Konzept an, das bewusst auf eine frühe normative Trennung zwischen „kultureller Ausdrucksform“ und „Kulturgut“ verzichtet. Auch hier steht zunächst der möglichst vollständige, strukturierte Überblick über die sorbischen Kulturgüter im Vordergrund. Die differenzierte Bewertung und Schwerpunktsetzung werden als anschließende fachliche Aufgabe verstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.4.2 Prozessschritte im Detail ===&lt;br /&gt;
Das folgende Diagramm gibt einen Überblick über die sechs Kernschritte des Gesamtprozesses der Digitalisierung von Kulturgut – von der ersten Wahrnehmung einer kulturellen Ausdrucksform bis zu ihrer digitalen Präsentation als Kulturgut. Die Abfolge zeigt zugleich die Entwicklungsstufen: von gelebter Kultur zur kulturellen Ausdrucksform, von dort zum Kulturgut und schließlich zum digitalen Kulturgut. Die Schritte sind als generischer Ablauf zu verstehen: Je nach Art des Kulturguts können einzelne Tätigkeiten unterschiedlich aufwendig sein oder parallel erfolgen.&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K3.png|center|600px]]&amp;lt;ref&amp;gt;Mermaid Flowchart Code: [https://mermaid.live/edit#pako:eNplkk1OwzAQha8yGqmbkloxSZs2CyTa8LOphIAVhIVJpolF4iDH4a_qbXqTXgzHFdAKr2y97703lmaNWZMTxriqmvesFNrAfZIqgPPHFIdDzuBO1DVVajhM8QlGozOYO-WUwS0VsjVakqa93Pvmjlk4JmAwp3fS5kCHwQAWjkkcE_Y5WWkIXqrd9jBpT138UIkspBGVbI_7-rwLR146csLgRryQ-U8lMGLwTG1WapLPpHKCZQLMOY9ch7m2VxiSpOAEjJ1TSev_M_bkvv3KtY8ZnOuslG_H9VcOuf4dUO-2LamjGdHDQsscY6M78rAmXYv-ies-IEVTUk0pxvaa00p0lUkxVRtrexXqoWnqH6duuqLEeCWq1r6619zOn0hRaPGH9J_Xi6ZTBuOxS8B4jR8YhxGLeDThkR-EM37KuYefFmHTaOz7fOZHQTidBMHGwy9X6VslnNnDw4jPuB8GHlIuTaOX-7Vy27X5Bh_Osqo hier klicken], abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Prozess zeigt, dass Digitalisierung von Kulturgut mehr ist als das Erstellen digitaler Dateien. Sie umfasst eine Reihe aufeinander bezogener Schritte – von der ersten Wahrnehmung einer kulturellen Ausdrucksform über ihre Erfassung, Bewertung und Digitalisierung bis hin zur langfristigen Sicherung und Präsentation. Dabei sind je nach Schritt unterschiedliche Akteure beteiligt, etwa Gemeinschaften, Museen, Archive, Fachgremien, Digitalisierungsstellen oder IT. Die folgenden Beschreibungen erläutern diese Schritte so, dass nachvollziehbar wird, was jeweils mit einem Kulturgut geschieht, wer daran beteiligt ist und wie sich der Ablauf in der Praxis vorstellen lässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''1. Sammeln &amp;amp; erfassen''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Hier wird eine kulturelle Ausdrucksform erstmals wahrgenommen, benannt und mit ersten Informationen erfasst: Was ist es, wer macht es oder hat es geschaffen, wo kommt es vor, warum ist es bedeutsam für die Gemeinschaft? &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Community, Vereine, Museen, Archive, Forschende, Privatpersonen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Auf einem Dorffest zeigt eine Frau das Verzieren sorbischer Ostereier. Jemand fotografiert dies und notiert Technik, Ort und Namen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''2. Registrieren &amp;amp; beschreiben''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Hier wird aus der ersten Beobachtung ein strukturierter Nachweis. Das Kulturgut oder die kulturelle Ausdrucksform wird in ein Register, eine Sammlung oder einen Katalog aufgenommen und mit strukturierten Metadaten beschrieben, damit es wiedergefunden, zugeordnet und verstanden werden kann. Dazu gehören z. B. Titel, Ort, Zeit, Technik, Funktion, beteiligte Personen und der kulturelle Kontext.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Registerverantwortliche, Kurator:innen, Sammlungsmitarbeitende, Community für Kontextinformationen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Das Osterei erhält einen Eintrag mit Angaben wie „Wachsbatik“, „Schleife“, „Osterei-Verzierung“, Name der Trägerin und Entstehungsjahr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''3. Bewerten &amp;amp; freigeben''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
In diesem Schritt wird entschieden, ob und in welcher Priorität ein Kulturgut oder die kulturelle Ausdrucksform digitalisiert werden soll und ob dies rechtlich und ethisch möglich ist. Dabei spielen fachliche Kriterien wie Bedeutung, Repräsentativität, Seltenheit oder Gefährdung eine Rolle, aber auch Fragen des Urheberrechts, Datenschutzes und möglicher kultureller Sensibilitäten. Am Ende steht eine begründete Entscheidung, ob und in welchem Umfang das Kulturgut weiterbearbeitet und später veröffentlicht werden darf. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Kurator:innen, Fachgremien, Community-Vertretungen, Register/SKR, ggf. Rechteverantwortliche und Behörden. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Es wird entschieden, dass die Osterei-Technik wegen ihrer Bedeutung für die sorbische Identität digital gesichert werden soll; die Kunsthandwerkerin stimmt der Veröffentlichung zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''4. Digitalisieren &amp;amp; prüfen''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nun wird das Kulturgut technisch erfasst, also in eine digitale Form überführt. Das kann je nach Objektart durch Scan, Fotografie, Audio- oder Videoaufnahme oder 3D-Erfassung geschehen. Dabei entstehen hochwertige Master-Dateien und nutzbare Derivate. Die Digitalisierung folgt qualifizierten Standards, um Reproduzierbarkeit, Farbkonsistenz und Nutzbarkeit zu gewährleisten. Anschließend wird geprüft, ob Schärfe, Farbe, Vollständigkeit und Dateiformate den Anforderungen für Archivierung und Nutzung entsprechen. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Digitalisierungszentrum, Foto-/AV-/3D-Spezialist:innen, externe Dienstleister bei Spezialfällen. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Das Osterei wird fotografisch hochauflösend aufgenommen und zusätzlich als 3D-Modell erfasst. Danach werden Schärfe, Farbe und Dateiformate geprüft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''5. Archivieren &amp;amp; sichern''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die entstandenen digitalen Dateien werden geordnet abgelegt, mit den zugehörigen Metadaten verknüpft und für die langfristige Erhaltung gesichert. Dazu gehören sichere Speicherorte, Backups, Integritätskontrollen und – wenn nötig – spätere technische Migration auf neue Systeme. Ziel ist, dass das digitale Kulturgut langfristig erhalten bleibt, auch wenn sich Technik und Formate verändern. Das Original bleibt in der Regel weiterhin am Sammlungs- oder Aufbewahrungsort. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Archiv, Repository, IT-Betrieb, ggf. Sorbisches Kulturarchiv bzw. Digitalisierungszentrum. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Die Bilder und das 3D-Modell des Ostereis werden auf gesicherten Servern gespeichert; das Original bleibt im Museum oder bei der Eigentümerin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''6. Präsentieren &amp;amp; nutzen''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im letzten Schritt werden die digitalen Objekte so bereitgestellt, dass sie gefunden, verstanden und genutzt werden können, z. B. in Portalen, digitalen Sammlungen oder virtuellen Ausstellungen. Dafür reicht es nicht, nur Dateien anzuzeigen: Es braucht auch verständliche Kontexte, Rechteangaben, Mehrsprachigkeit und möglichst barrierearme Zugänge. So wird aus der technischen Digitalisierung eine tatsächliche kulturelle Nutzung. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Kurator:innen, Vermittlung, Web/IT, Museen, Kulturinformationen, Community. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Das Osterei erscheint in einer Online-Ausstellung, kann herangezoomt oder als 3D-Modell gedreht werden und wird mit einem kurzen Text zur Technik erklärt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.4.3 Ergänzende organisatorische Perspektive ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die folgende Abbildung ist entnommen aus einem Poster des Sorbischen Instituts zu dessen Digitalisierungsstrategie, gefunden auf der Projektseite des Digitalisierungszentrums.&amp;lt;ref&amp;gt;Sorbisches Institut: Digitalisierungszentrum (DZ). URL: [https://www.serbski-institut.de/projekte-zentrale-vorhaben/digitalisierungszentrum-dz/ https://www.serbski-institut.de/projekte-zentrale-vorhaben/digitalisierungszentrum-dz/], abgerufen am 25.03.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Digitalisierungsstrategie des Sorbischen Instituts zeigt die Erfassung, Registrierung, Digitalisierung und Archivierung bis zur Präsentation von Kulturgütern aus '''organisatorischer Sicht'''. Sie basiert auf einem '''3-Säulen-Modell aus Kulturregister, Digitalisierungszentrum und Präsentationsumgebung'''. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K4.png|mini||center|600px|Abbildung: 3-Säulen-Modell der Digitalisierungsstrategie des Sorbischen Instituts. Quelle: Sorbisches Institut, „Digitalizacija serbskich kulturnych datow / Digitalisierung der sorbischen/wendischen Kulturdaten“&amp;lt;ref&amp;gt;Sorbisches Institut 2025: Digitalizacija serbskich kulturnych datow / Digitalisierung der sorbischen/wendischen Kulturdaten (Poster). URL:  [https://www.serbski-institut.de/wp-content/uploads/2021/11/A0-Druck_Digitalisierungsstrategie-SI.pdf  https://www.serbski-institut.de/wp-content/uploads/2021/11/A0-Druck_Digitalisierungsstrategie-SI.pdf], abgerufen am 25.03.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Beide Sichtweisen - die fachliche &amp;quot;Prozess-Sicht&amp;quot; und die &amp;quot;organisatorische Sicht&amp;quot; lassen sich wie folgt in einer Darstellung zusammenfassen:&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K5.jpg|mini||center|600px|Abbildung: Zusammengefasste Sichtweisen auf die Digitalisierung von Kulturerbe.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der &amp;quot;Prozess der Digitalisierung von Kulturerbe&amp;quot; beschreibt, '''was''' mit einem Kulturgut geschieht; das 3-Säulen-Modell zeigt, '''wo''' diese Aufgaben organisatorisch verortet sind. Bezogen auf die oben beschriebenen [[#2.3.2 Prozessschritte im Detail|Prozessschritte der Digitalisierung von Kulturerbe]] steht das '''Sorbische Kulturregister''' für den Prozessschritt „'''2. Registrieren'''“ und dient dabei vor allem der Verzeichnung und Metadatenverwaltung. Das '''Digitalisierungszentrum''' steht für die Prozessschritte „'''4. Digitalisieren'''“ und „'''5. Archivieren'''“ und dient dabei der technischen Erfassung, Bearbeitung und Sicherung der Digitalisate. Die '''Präsentationsumgebung''' steht für den Schritt „'''6. Präsentieren'''“ und dient der öffentlichen oder kuratierten Bereitstellung zur Nutzung. Ergänzende Konzepte des SI machen dabei deutlich, dass die Digitalisierung im Regelfall eine vorherige Verzeichnung im Register voraussetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Prozessschritt&lt;br /&gt;
! Verantwortliche Organisation&lt;br /&gt;
! Funktion im Gesamtsystem&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''2. Registrieren'''&lt;br /&gt;
| '''Sorbisches Kulturregister'''&lt;br /&gt;
| Kulturgüter werden als Entitäten nachgewiesen, beschrieben, mit Metadaten versehen und miteinander verknüpft. Das Register erfüllt damit eine katalogähnliche Funktion: Es macht sichtbar, welche Kulturgüter es gibt, wo sie sich befinden und in welchem Kontext sie stehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''4. Digitalisieren'''&lt;br /&gt;
| '''Digitalisierungszentrum'''&lt;br /&gt;
| Kulturgüter werden technisch erfasst, z. B. durch Scan, Fotografie, Audio-/Videoübertragung oder 3D-Erfassung. Das Digitalisierungszentrum erzeugt und prüft die Digitalisate, ist aber nicht selbst primär ein Präsentationssystem.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''5. Archivieren'''&lt;br /&gt;
| '''Digitalisierungszentrum / Repositorium / Archiv'''&lt;br /&gt;
| Die digitalen Dateien werden geordnet gespeichert, mit Metadaten verbunden und langfristig gesichert. Dazu gehört auch die Sicherstellung der Langzeitaufbewahrung, etwa durch geeignete Speicherorte, Prüfroutinen und spätere Migrationen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''6. Präsentieren'''&lt;br /&gt;
| '''Sorabicon / weitere Präsentationsumgebungen'''&lt;br /&gt;
| Die digitalen Inhalte werden für Nutzer:innen sichtbar, erfahrbar und verständlich gemacht, z. B. in Portalen, digitalen Sammlungen oder virtuellen Ausstellungen. Die Präsentation greift dafür auf Metadaten aus dem Register und auf Digitalisate aus dem Repositorium bzw. dem Digitalisierungszentrum zurück.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Schritt '''1. Sammeln''' liegt vor diesen drei Säulen. Er betrifft die Sammlungsorte selbst, also z. B. Museen, Archive, Heimatstuben, Vereine, Projekte, Gemeinden oder Privatpersonen. Dort entstehen oder befinden sich die Kulturgüter zunächst, bevor sie systematisch registriert, bewertet oder digitalisiert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Schritt '''3. Bewerten''' ist ebenfalls keine eigene technische Säule, sondern ein steuernder Entscheidungsschritt. In ihm wird geklärt, welche Kulturgüter priorisiert digitalisiert werden, welche fachliche Bedeutung sie haben, welche Rechte zu beachten sind und ob eine öffentliche Präsentation möglich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit wird deutlich: Register, Digitalisierungszentrum und Präsentation erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Das '''Register''' beschreibt und verknüpft Kulturgüter, das '''Digitalisierungszentrum''' erzeugt und sichert Digitalisate und die '''Präsentationsumgebung''' macht ausgewählte Inhalte verständlich zugänglich. Gerade diese Trennung schafft klare Zuständigkeiten und erleichtert die Zusammenarbeit zwischen Sammlungsorten, Fachstellen, technischen Dienstleistern und Öffentlichkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Referenzen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Měrko Šenk</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://koncept.serbski-inkubator.de/index.php?title=12.3_Digitalisierung_des_Kulturerbes&amp;diff=1056</id>
		<title>12.3 Digitalisierung des Kulturerbes</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://koncept.serbski-inkubator.de/index.php?title=12.3_Digitalisierung_des_Kulturerbes&amp;diff=1056"/>
		<updated>2026-07-16T12:21:35Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Měrko Šenk: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;= 1 Einleitung =&lt;br /&gt;
Die Digitalisierung von sorbischem Kulturerbe ist eine historische Chance für uns Sorben, eine Chance, unser kulturelles Erbe neu zu entdecken, es für kommende Generationen zu erhalten, für eine breitere Öffentlichkeit zugänglich zu machen und dabei die eigene Deutungshoheit zu stärken. Das erfordert neben Mut, einer klaren gemeinsamen Vision, starker Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Akteuren auch die notwendigen Ressourcen in Form von Personal mit entsprechenden Kompetenzen, passender Technik sowie einer nachhaltig gesicherten Finanzierung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im folgenden Abschnitt werden Zielbilder für die Digitalisierung des sorbischen Kulturerbes entworfen mittels lang- und kurzfristiger Visionen sowie konkreter Ziele.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 1.1 Visionen und Ziele für die sorbische digitale Welt ==&lt;br /&gt;
'''Vision 2035'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
''Sorbisches materielles und immaterielles Kulturerbe ist systematisch digital erfasst, rechtssicher und langfristig gesichert, leicht auffindbar, offen nutzbar und wird aktiv von Interessierten genutzt.''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Konkrete Ziele'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bis 2032 ist ein tragfähiges, finanziell und organisatorisch abgesichertes Modell etabliert, das:&lt;br /&gt;
* Ein zentrales (oder föderiertes) digitales Langzeitarchiv nach OAIS-Referenzmodell betreibt,&lt;br /&gt;
* klare Zuständigkeiten, Prozesse und Budgets definiert,&lt;br /&gt;
* regelmäßige Qualitätssicherung und Technik-Updates vorsieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis 2030 sind wichtige sorbische Kulturerbe-Bestände (Kernbestände nach fachlicher Festlegung) in hoher Qualität digitalisiert, beschrieben und im Langzeitarchiv gesichert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis 2028 liegt eine institutionenübergreifende Übersicht über relevante Kulturerbe-Bestände (analog und digital, materiell und immateriell) vor, einschließlich einer Prioritätenliste für die Digitalisierung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis 2028 existiert ein zentrales, nutzerfreundliches „Sorbisches Kulturerbe-Portal“, das:&lt;br /&gt;
* Suchzugang über alle teilnehmenden Institutionen ermöglicht,&lt;br /&gt;
* grundlegende Inhalte frei zugänglich bereitstellt,&lt;br /&gt;
* mehrsprachige Oberflächen anbietet (Deutsch, Obersorbisch, Niedersorbisch, Englisch).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= 2 IST-Analyse „Digitalisierung von Kulturerbe“ =&lt;br /&gt;
Das Ziel in diesem Themenbereich ist es, sorbisches Kulturerbe digital zu verwalten und damit langfristig für Recherche, Nutzung und Präsentation vorzuhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Abschnitt &amp;quot;IST-Analyse“ werden die folgenden Fragen beantwortet: Was ist sorbisches Kulturerbe und was zählt alles dazu? Welche Schritte durchläuft ein Kulturgut, um zum digitalen Kulturerbe zu gehören? Wie können die digitale Verwaltung, Archivierung, Nutzung und Präsentation von Kulturgütern umgesetzt werden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die grundlegenden Terminologien des Kulturerbes sollen im Folgenden festgelegt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2.1 Terminologie – von Kultur zu Kulturerbe ==&lt;br /&gt;
In diesem Abschnitt werden die Begriffe rund um das Kulturerbe grundlegend definiert. Es soll ein Verständnis über die Begriffe Kultur, kulturelle Ausprägung, Kulturgut und Kulturerbe erreicht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K1.png|center|260px]]&amp;lt;ref&amp;gt;Mermaid Flowchart Code: [https://mermaid.live/edit#pako:eNpF0UtuwyAQBuCroFlaTuRHTGMvKuWxq7pqV627IGZso2CIMChtk9ymN-nFimmasmJGfP-AOEGjOUIFrdTHpmfGkudtrWpF_Fq9RtGDk9aZKHojU-_aJ7PZ_bmGgSnR4mgFejaKpidC1XAmq8zDfYAoJZKVG7lxzX5stRl81C0_uwYdheGEubHD4_dXLy1hcpyC1rcLdM4GOLH1Ve2E5Gj9TPLkhgEnsLkBNDsMAmLojOBQWeMwhgHNwKYSTuFBYHucbOW3HFvmcQ21unh2YOpF6-FPGu26HqrW381X7sCZxa1gnWH_R1BxNBvtlIUqTUMEVCd49xVdzpeLMs1pXmRFXiY0hg-o8iyZL_LFXZaVSTJ1LzF8hqHJnBZ5WhZLWt5RmtIsBuTCavP4-2Hh3y4_NXaMmw hier klicken], abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.1 Kultur ===&lt;br /&gt;
Kultur bezeichnet hier die Gesamtheit aller '''vom Menschen geschaffenen und erlernten Ausdrucksformen''' des Lebens, die auf gemeinsamen Werten und Verhaltensweisen beruhen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;wiki-kultur&amp;quot;&amp;gt;URL: https://de.wikipedia.org/wiki/Kultur&amp;lt;/ref&amp;gt; Dazu zählen '''materielle Ergebnisse''' (z. B. Kunstwerke, Technik) ebenso wie '''immaterielle Praktiken''' (Sprache, Bräuche, Wissen). Kultur umfasst laut der UNESCO geistige, materielle, intellektuelle und emotionale Merkmale, die eine Gesellschaft oder soziale Gruppe kennzeichnen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mondiacult&amp;quot;&amp;gt;UNESCO 1982: Mexico City Declaration on Cultural Policies (MONDIACULT). URL: https://www.lacult.unesco.org/docc/1982_MONDIACULT.pdf&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;ref name=&amp;quot;cultureaction&amp;quot;&amp;gt;Culture Action Europe 2024: The State of Culture report. URL: https://cultureactioneurope.org/de/news/the-state-of-culture-report-published, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;  Sie ist dynamisch und wird von jeder Generation neu gestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das deutsche Wort „Kultur“ ist eine Eindeutschung des lateinischen Worts „cultura“. Dieses bedeutet ursprünglich „Bebauung, Bearbeitung, Bestellung, Pflege“ und meinte sowohl die physische Bearbeitung als auch die Pflege geistiger Güter, z. B. der Sprache.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.2 Kulturelle Ausdrucksform ===&lt;br /&gt;
Eine kulturelle Ausdrucksform ist eine '''konkrete, gegenwärtige oder historische, Manifestation von Kultur''', bspw. eine Zeichnung, eine Tracht oder ein Lied: Sie macht die Kultur sichtbar und erlebbar. Im engeren Sinne ist es eine Ausdrucksweise, die aus der Kreativität einer Person, Gruppe oder Gesellschaft entsteht und '''kulturellen Inhalt''' trägt (symbolische Bedeutung, künstlerische Dimension, kulturelle Werte).&amp;lt;ref&amp;gt;Österreichische UNESCO-Kommission 2007: Übereinkommen zum Schutz und zur Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen, Art. 4, Seite 13. URL: https://www.unesco.at/fileadmin/Redaktion/Publikationen/Publikations-Dokumente/2005er_UNESCO-Convention_German.pdf, abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt; Sie wird innerhalb und zwischen Gemeinschaften weitergegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle kulturellen Ausdrucksformen bilden einen wesentlichen Kern von Kultur, aber Kultur enthält auch latente Dimensionen (Werte, Normen, Vorannahmen etc.), die nicht unmittelbar als Ausdrucksform erscheinen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.3 Kulturgut ===&lt;br /&gt;
Ein „Kulturgut“ ist '''eine einzelne kulturelle Ausdrucksform''', der ein '''besonderer kultureller Wert zugemessen wird''' (durch Anerkennung, Schutz, Bedeutung). Es ist somit ein Erzeugnis menschlicher Kreativität oder Zeugnis menschlichen Lebens, welches '''Bedeutung für die Kultur einer Gemeinschaft''' hat und daher '''Bestand haben und bewahrt werden soll'''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die '''Summe aller Kulturgüter''' einer Gemeinschaft wird als dessen '''Kulturerbe''' bezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.4 Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
Kulturerbe ist die '''Summe der materiellen und immateriellen Ausdrucksformen''' (= Kulturgüter) einer Kultur, die als „'''bewahrenswert'''“ anerkannt wurden. International umfasst das u. a. das '''Welterbe''' (Denkmäler, Ensembles, Stätten)&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO (1972), Welterbekonvention, Art. 1. URL: https://www.dnk.de/wp-content/uploads/2021/02/1972_DNK_UNESCO-Welterbekonvention.pdf (abgerufen am 11.09.2025).&amp;lt;/ref&amp;gt; und das '''Immaterielles Kulturerbe''' (Praktiken, Wissen).&amp;lt;ref&amp;gt;Deutsche UNESCO-Kommission o. J.:, Übereinkommen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes (dt. Ausgabe). URL: https://www.unesco.de/assets/dokumente/Deutsche_UNESCO-Kommission/02_Publikationen/Publikation_UNESCO-%C3%9Cbereinkommen_zur_Erhaltung_des_immateriellen_Kulturerbes_01.pdf, (abgerufen am 11.09.2025).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ob etwas „zum Kulturerbe“ zählt, ist Ergebnis von Bewertung, Diskurs und teils formellen Verfahren. Dem Sorbischen Kulturregister (SKR) zufolge ist „sorbisch-wendisches Kulturerbe“ eine Zuschreibung, die durch Gesellschaft, Museen, Archive und Wissenschaft erfolgen kann.&amp;lt;ref&amp;gt;Sorbisches Institut 2025: Konzept für ein Sorbisches Kulturregister (SKR). URL: https://www.serbski-institut.de/wp-content/uploads/2021/11/00_Zweite-aktualisierte-Fassung_Konzept_Sorbisches-Kulturregister_20.11.2025.pdf, abgerufen am 20.11.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.5 Abgrenzung: Kultur und Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
'''Kultur / Kulturelle Ausdrucksform''' sind als Begriffe weiter gefasst als '''Kulturgut / Kulturerbe'''. Kulturelle Ausdrucksformen umfassen alles Gelebte und Gestaltete einer Gemeinschaft in Gegenwart und Vergangenheit, während Kulturgut / Kulturerbe diejenigen kulturellen Güter und Traditionen meint, denen eine Bedeutung beigemessen wurde und die als bewahrens- und weitergebenswert erkannt wurden. Kultur ist der „aktuelle“ kreative Prozess (einschließlich Popkultur, Alltagskultur), Kulturerbe der daraus überkommene Schatz. Dennoch sind die Grenzen fließend: Was heute nur Kultur ist, kann morgen zum Kulturerbe erklärt werden – abhängig von Wertzuschreibung und Diskurs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Rahmen dieses Dokuments werden für den sorbischen Kontext die Begriffe '''„kulturelle Ausdrucksform“''' und '''„Kulturgut“''' weitgehend '''synonym''' verwendet, sofern nicht ausdrücklich anders gekennzeichnet. Hintergrund ist, dass die Gesamtzahl der identifizierbaren kulturellen Ausdrucksformen einer kleinen Minderheit wie der Sorben/Wenden im Vergleich zu großen Mehrheitsgesellschaften überschaubar ist. Zugleich ist der Anteil dieser Ausdrucksformen, denen in der Community ein besonderer Wert beigemessen wird und die daher faktisch als Kulturgut wahrgenommen und behandelt werden, sehr hoch: Ein großer Teil des gelebten kulturellen Repertoires wird als identitätsstiftend und bewahrenswert verstanden und damit dem Kulturerbe zugerechnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2.2 Klassifizierung von Kulturgütern ==&lt;br /&gt;
Im Folgenden soll eine griffige Klassifizierung von Kulturgütern entwickelt werden, so dass pro Kulturgut-Klasse später auf die Besonderheiten ihrer Digitalisierung eingegangen werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K2.png|center|600px]]&amp;lt;ref&amp;gt;Mermaid Flowchart Code: [https://mermaid.live/edit#pako:eNptlM9u00AQxl9ltFWoFDlp_C9OjISU2KSgUCq1BSRIDxt77Syxd6v1mkKjSDwBlThw4YCEeuXOoeLSN-EF4BHYjZOQQG67-32_2ZnZsWco4jFBPqrVZpRR6cNsP8n4ZTTBQu7rHVP66QWOKEvV3nQM2BeYTf8eea35fF6rjdiIrUl4cjJiAMPDV_X6sMxkKdJS1uvnvu9PtRGgp5ReE46wJIKSLIOf779CycbkkqQZjSb1Ovz-cv351_drDWGN9BXS_xfZBj7dLoGxBgIFBE14nOcrZGH68E07Iu0IlSNsQkhTKnGlfvyh1bjKcngIjcYD6G2s-xvrYGMdLuuqAFOXZ0IflzFh0xxn5OBU3t1ISZhqw6KaKpo29k04jSaCJrLq0oZsa9mCAZc8FTihhBnQp1ksxd1NSsS22dFmG3oMZzwl0HveONtlc7XNATtsHI9fk6kkC3nRsKoqnVNgwrFQaUOvLGJRRtMi4SJfZ790WtppQYhFIVV7CYsJDO9uWbEMujbqOgIbTqgsddB7MCD_eXT6gQMvaFEQBlclPMVqcA6eMfqGiKLMt926isCFM4FjKiln-voCHmEWXxIxXZcUVo-jSwrVe3DBGvHqtc83DLqS0FpNAi3wRluiDBdFSBIYQ0KzzN_r265jPjQinnHh7yVJYhRS8ClZKfe3KLyk2oHneuEuqlK2qWhJWYPOwGnvoiplm4qXVMd17V5rF1UpikIGSgWNkS9FSQyUE5FjvUUzHXGE5ITkZIR8tYxJgtVXPEIjNlfYBWYvOc9XpOBlOkF-grNC7cqLWPUupFjNa74-FXo0RMBLJpFvWtYiCPJn6C3yG7bTNO2u6Tidrue0W13HQO_Usdtquuqg1bG6TtvzPNuZG-hqcXGr2baV5NhuyzId13XbBiJqDrg4qn5ni7_a_A_W9oMu hier klicken], abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.1 A. Materiell - unbeweglich 🏛️ ===&lt;br /&gt;
„Materiell - unbeweglich&amp;quot; bezeichnet ortsfeste Kulturobjekte wie Bauwerke, Ensembles, Gebäudekomplexe und Stätten/Kulturlandschaften, wie sie in Art. 1 der UNESCO-Welterbekonvention als Kategorien des kulturellen Erbes definiert sind.&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO World Heritage Centre o. J.: Convention Concerning the Protection of the World Cultural and Natural Heritage, Artikel 1. URL: https://whc.unesco.org/en/conventiontext/, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.2 B. Materiell - beweglich 🖼️ ===&lt;br /&gt;
Die Kategorie „Materiell - beweglich&amp;quot; umfasst bewegliche Sachen bzw. Sachgesamtheiten von kulturellem Wert (z. B. Objekte, Sammlungen), wie sie das deutsche Kulturgutschutzgesetz (§ 2 KGSG)&amp;lt;ref&amp;gt;Deutschland 2016: Kulturgutschutzgesetz (KGSG), § 2. URL: https://www.buzer.de/2_KGSG.htm, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt; als „Kulturgut“ beschreibt.&lt;br /&gt;
* B1 '''Schriftgut''' - Bücher, Zeitungen, Handschriften, Archivgut, Graphiken, Pläne, Karten&lt;br /&gt;
* B2 '''Fotografien &amp;amp; Bildträger''' &lt;br /&gt;
** Fotografisch erzeugte statische Bildträger, auch Stillbildträger genannt, z. B. Positive/Negative auf Film/Platte/Photopapier, Dias, Abzüge, Mikrofilm/-fiche und vergleichbare fotografische Repro-Träger.&lt;br /&gt;
* B3 '''Analoge AV-Träger''' (Audio/Video/Film)&lt;br /&gt;
** Analoge zeitbasierte Medien, z. B. Magnetton (Tonband, Kassette), Schallplatte, Videobänder, Film.&lt;br /&gt;
* B4 '''3D-Objekte''' - Gegenstände, „sachkulturelle Artefakte“&amp;lt;ref&amp;gt;Sorbisches Institut o. J.: Konzept zum Digitalisierungszentrum am Sorbischen Institut, S. 24.&lt;br /&gt;
(Unveröffentlichtes Konzeptpapier; interne Projektunterlage.)&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.3 C. Immateriell 🎭 ===&lt;br /&gt;
Meint lebendige Praktiken, Darstellungen, Ausdrucksformen, Ideen, Werte, Wissen und Fertigkeiten, die von Gemeinschaften getragen und weitergegeben werden, gemäß der folgenden 5 UNESCO ICH-Domänen.&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO o. J.: Intangible Cultural Heritage – Five Domains. URL: https://ich.unesco.org/doc/src/01857-EN.pdf, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* C1 '''Orale Traditionen/Ausdrucksformen''' - Sprache, Gesangstraditionen&lt;br /&gt;
* C2 '''Darstellende Künste''' - Musik, Tanz, Theater&lt;br /&gt;
* C3 '''Rituale &amp;amp; Feste''' - Bräuche und soziale Praktiken des Kalenders und Lebenslaufs&lt;br /&gt;
* C4 '''Wissen &amp;amp; Praktiken''' zu Natur &amp;amp; Universum - Heil- und Sammelkenntnisse, ökologisches und astronomisches Wissen, Glaube, Religion&lt;br /&gt;
* C5 '''Traditionelles Handwerk''' - Techniken, Werkzeuge und Gestaltungsmuster&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.4 D. Digital 💾 ===&lt;br /&gt;
Bezeichnet in digitaler Form vorliegende Ressourcen menschlichen Wissens und Ausdrucks. Diese können sowohl born-digital sein als auch digitalisierte Repräsentationen von materiellen und immateriellen Kulturgütern.&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO 2003: Charter on the Preservation of Digital Heritage. URL: https://www.unesco.org/en/legal-affairs/charter-preservation-digital-heritage, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* D1 '''Born-digital''' (ursprünglich digital erzeugt, kein analoges Original), z. B. Webseiten, Social-Media-Beiträge, Software, Apps, Spiele, digitale Fotos/Audio/Video.&lt;br /&gt;
* D2 '''Digitalisate''' - Digitalisierte Repräsentationen/Derivate aus den Klassen A, B und C.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2.3 Begriffe und Funktionsbausteine der Kulturerbe-Digitalisierung ==&lt;br /&gt;
Die vorherigen Abschnitte haben geklärt, was unter Kulturerbe verstanden wird und welche Arten von Kulturgütern unterschieden werden. Bevor der nachfolgende Abschnitt den Prozess der Kulturerbe-Digitalisierung beschreibt, werden in diesem Abschnitt die dafür wichtigsten Arbeitsbegriffe erläutert. Der Abschnitt soll dabei die Frage beantworten: Welche Informationen, Arbeitsabläufe und Funktionen sind notwendig, damit Kulturgüter nicht nur digital erfasst, sondern auch gefunden, verstanden, gesichert und genutzt werden können?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erläuterungen sind pragmatische Arbeitsdefinitionen für dieses Konzept. Sie sollen eine gemeinsame und leicht verständliche Grundlage schaffen für alle, die an der Digitalisierung von Kulturerbe interessiert sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.3.1 Vom Kulturgut zur digitalen Repräsentation ===&lt;br /&gt;
Dieser Abschnitt erläutert, was bei einer Digitalisierung entsteht und wie sich das digitale Ergebnis vom ursprünglichen Kulturgut unterscheidet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Begriff&lt;br /&gt;
! Kurze Erklärung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Digitalisierung von Kulturerbe'''&lt;br /&gt;
| Digitalisierung bezeichnet in diesem Konzept den gesamten zusammenhängenden Prozess: Kulturgüter erfassen, beschreiben und bewerten, digitale Repräsentationen erzeugen oder übernehmen, ihre Qualität prüfen, sie sichern und für die Nutzung zugänglich machen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;DFG2016&amp;quot;&amp;gt;Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) 2016: Praxisregeln „Digitalisierung“, insbesondere S. 13 und 41-44. URL: https://www.dfg.de/resource/blob/176108/898bf3574ad0ff3b1db525fa7d04c86c/12-151-v1216-de-data.pdf, abgerufen am 16.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bei ursprünglich digital entstandenen Kulturgütern – auch ''born digital'' genannt – entfällt die Überführung aus einem analogen Original; die weiteren Aufgaben bleiben bestehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Digitalisat und digitale Repräsentation'''&lt;br /&gt;
| Ein '''Digitalisat''' ist ein digitales Abbild eines analogen Kulturguts, beispielsweise ein Scan einer Handschrift oder ein Foto eines Museumsobjekts. Der weitere Begriff '''digitale Repräsentation''' umfasst auch Audio-, Video- oder 3D-Dokumentationen einer immateriellen kulturellen Praxis. Die digitale Repräsentation ersetzt weder das materielle Kulturgut noch die lebendige Praxis.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Masterdatei und Nutzungsderivat'''&lt;br /&gt;
| Die '''Masterdatei''' ist die möglichst hochwertige und qualitätsgeprüfte Ausgangsdatei. Sie wird für die langfristige Sicherung und spätere Bearbeitungen aufbewahrt. Ein '''Nutzungsderivat''' ist eine daraus erzeugte, an einen bestimmten Zweck angepasste Datei, beispielsweise ein kleineres Bild für eine Internetseite.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Digitales Objekt'''&lt;br /&gt;
| Als '''digitales Objekt''' wird in diesem Konzept eine zusammengehörige digitale Einheit bezeichnet. Sie kann aus einer oder mehreren Dateien, den zugehörigen Metadaten und ihren Verknüpfungen bestehen. Ein digitales Objekt kann ein Digitalisat oder ein ursprünglich digital entstandenes Kulturgut sein.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
''Beispiel:'' Das verzierte sorbische Osterei bleibt das materielle Kulturgut. Hochauflösende Fotografien, ein 3D-Modell und die dazugehörigen Beschreibungen bilden gemeinsam seine digitale Repräsentation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.3.2 Generische Funktionsbausteine und ihr Zusammenspiel ===&lt;br /&gt;
Dieser Abschnitt erläutert die grundlegenden Funktionen bei der Digitalisierung von Kulturerbe, unabhängig von konkreten Institutionen oder technischen Produkten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Funktionsbaustein&lt;br /&gt;
! Hauptaufgabe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Register oder Katalog'''&lt;br /&gt;
| Weist Kulturgüter nach, beschreibt und verknüpft sie und macht sichtbar, was vorhanden ist, wo es sich befindet und in welchem Zusammenhang es steht. Ein Registereintrag kann bereits bestehen, bevor ein Digitalisat angefertigt wurde.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Digitalisierungsdienst oder Digitalisierungszentrum'''&lt;br /&gt;
| Erzeugt digitale Repräsentationen, bearbeitet und prüft sie und dokumentiert technische Angaben zur Digitalisierung. Es liefert beispielsweise geprüfte Masterdateien und Nutzungsderivate.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Repositorium oder digitales Archiv'''&lt;br /&gt;
| Übernimmt digitale Dateien und Metadaten, speichert und verwaltet sie und sorgt entsprechend seinem Auftrag für ihre Sicherung, Langzeiterhaltung und Bereitstellung.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Präsentations- und Nutzungssystem'''&lt;br /&gt;
| Führt beschreibende Informationen und digitale Medien für Nutzerinnen und Nutzer zusammen. Es ermöglicht beispielsweise Suche, Anzeige, Kontextualisierung, Vermittlung und – soweit zulässig – Nachnutzung.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Bausteine beschreiben zunächst '''Funktionen''' und nicht zwingend getrennte Institutionen oder Systeme. Eine Einrichtung kann mehrere Funktionen übernehmen. Umgekehrt kann eine Funktion auf mehrere Einrichtungen oder technische Systeme verteilt sein. Entscheidend sind klare Zuständigkeiten, verlässliche Übergaben und gemeinsame Standards.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vereinfacht lässt sich das Zusammenspiel so zusammenfassen:&lt;br /&gt;
# Das Register oder der Katalog beschreibt und verknüpft das Kulturgut.&lt;br /&gt;
# Der Digitalisierungsdienst erzeugt und prüft seine digitale Repräsentation.&lt;br /&gt;
# Das Repositorium oder digitale Archiv übernimmt und erhält die Dateien.&lt;br /&gt;
# Das Präsentationssystem führt Beschreibungen und Medien für die Nutzung zusammen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die konkrete Ausgestaltung kann zentral, dezentral oder als Verbund mehrerer Systeme erfolgen. Welche dieser Funktionen in der sorbischen Welt bereits durch das Sorbische Kulturregister, das Digitalisierungszentrum, Archive, Repositorien und Präsentationsumgebungen erfüllt werden und wo noch Lücken bestehen, wird in der sorbischen IST-Analyse untersucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.3.3 Register: Kulturgüter erfassen, beschreiben und verknüpfen ===&lt;br /&gt;
Dieser Abschnitt beantwortet die Frage: Wie werden Kulturgüter so beschrieben und bearbeitet, dass sie eindeutig zugeordnet, wiedergefunden und nach einheitlichen Regeln weiterverarbeitet werden können?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Begriff&lt;br /&gt;
! Kurze Erklärung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Erschließung, Verzeichnung und Registrierung'''&lt;br /&gt;
| '''Erschließung''' ist der übergeordnete Vorgang, bei dem ein Kulturgut identifiziert, beschrieben und in seinen Zusammenhang eingeordnet wird. '''Verzeichnung''' bezeichnet seine strukturierte dokumentarische Beschreibung. '''Registrierung''' bedeutet die Aufnahme in ein konkretes Register, einen Katalog oder ein Sammlungssystem. Ein Kulturgut kann bereits registriert werden, bevor ein Digitalisat vorhanden ist.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Metadaten'''&lt;br /&gt;
| Metadaten sind strukturierte Informationen über ein Kulturgut und seine digitalen Repräsentationen. Dazu gehören beispielsweise Titel, Herkunft, beteiligte Personen, Ort, Zeit, kultureller Kontext, Rechte, Dateieigenschaften und Bearbeitungsschritte. Je nach Zweck werden beschreibende, technische, rechtliche und erhaltungsbezogene Metadaten unterschieden. Sie machen Kulturgüter auffindbar, verständlich, verwaltbar und langfristig nutzbar.&amp;lt;ref name=&amp;quot;PREMIS&amp;quot;&amp;gt;Library of Congress o. J.: PREMIS – Preservation Metadata: Implementation Strategies. Internationaler Standard für Erhaltungsmetadaten. URL: https://www.loc.gov/standards/premis/, abgerufen am 16.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Persistenter Identifikator'''&lt;br /&gt;
| Ein '''persistenter Identifikator''' ist eine dauerhafte und eindeutige Kennung für ein Kulturgut, einen Datensatz oder eine digitale Ressource. Die Kennung bleibt bestehen, auch wenn sich der technische Speicherort oder die Internetadresse ändern. Dadurch können Kulturgüter dauerhaft zitiert und zwischen Systemen verknüpft werden.&amp;lt;ref name=&amp;quot;DFG2016&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Metadaten sind keine bloße Beigabe zu einer Datei. Ohne ausreichende Beschreibungen kann ein Digitalisat zwar technisch vorhanden sein, später aber kaum gefunden, verstanden oder zuverlässig zugeordnet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.3.4 Digitalisierungsdienst und Archiv: Digitalisieren, speichern und langfristig erhalten ===&lt;br /&gt;
Dieser Abschnitt beantwortet die Frage: Was ist erforderlich, damit digitale Kulturgüter nicht nur heute gespeichert sind, sondern auch nach technischen und organisatorischen Veränderungen noch gefunden, verstanden und genutzt werden können?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Begriff&lt;br /&gt;
! Kurze Erklärung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Repositorium'''&lt;br /&gt;
| Ein '''Repositorium''', auch ''Repository'' genannt, ist eine verwaltete technische Umgebung, in der digitale Objekte und ihre Metadaten übernommen, gespeichert, geordnet, verwaltet und bereitgestellt werden. Ein Repositorium kann Teil eines digitalen Archivs sein. Nicht jedes Repositorium erfüllt jedoch automatisch alle Anforderungen der Langzeiterhaltung.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Digitales Archiv oder digitales Langzeitarchiv'''&lt;br /&gt;
| Ein digitales Archiv ist mehr als ein Server oder ein Speicherprogramm. Es verbindet eine verantwortliche Organisation, fachkundiges Personal, Regeln, Arbeitsabläufe und technische Systeme. Es übernimmt die Verantwortung dafür, digitale Informationen langfristig zu erhalten und für festgelegte Nutzergruppen zugänglich zu machen. Das internationale Referenzmodell '''Open Archival Information System''' (OAIS, offenes Archiv-Informationssystem) bietet hierfür einen fachlichen Rahmen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;OAIS2024&amp;quot;&amp;gt;Consultative Committee for Space Data Systems (CCSDS) 2024: Reference Model for an Open Archival Information System (OAIS), CCSDS 650.0-M-3, insbesondere S. 1-1–1-2 und 2-1–2-2. URL: https://ccsds.org/Pubs/650x0m3.pdf, abgerufen am 16.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Ingest oder kontrollierte Übernahme'''&lt;br /&gt;
| '''Ingest''' bezeichnet die kontrollierte Übernahme digitaler Dateien und Metadaten in ein Repositorium oder digitales Archiv. Dabei werden beispielsweise Vollständigkeit, Dateiformate, Metadaten und Dateiintegrität geprüft und die Übernahme dokumentiert.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Langzeitverfügbarkeit und digitale Langzeiterhaltung'''&lt;br /&gt;
| '''Langzeitverfügbarkeit''' ist das Ziel, digitale Inhalte über technische und organisatorische Veränderungen hinweg auffindbar, lesbar, verständlich und nutzbar zu halten. '''Digitale Langzeiterhaltung''' bezeichnet die dafür notwendigen fortlaufenden Maßnahmen. Dazu können mehrere Speicherorte, regelmäßige Prüfungen, Formatüberwachung, technische Migrationen und eine nachvollziehbare Dokumentation gehören. „Langfristig“ bezeichnet dabei keine feste Zahl von Jahren, sondern einen Zeitraum, in dem mit veränderten Technologien, Formaten und Nutzungsanforderungen gerechnet werden muss.&amp;lt;ref name=&amp;quot;OAIS2024&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Datensicherung oder Backup'''&lt;br /&gt;
| Ein '''Backup''' ist eine zusätzliche Sicherungskopie, aus der Dateien nach einem Verlust oder technischen Ausfall wiederhergestellt werden können. Backups sind notwendig, ersetzen aber keine Langzeiterhaltung: Sie regeln allein noch keine dauerhaften Zuständigkeiten, Metadaten, Formatüberwachung, Integritätsprüfungen oder langfristige Zugänglichkeit.&amp;lt;ref name=&amp;quot;DPCStorage&amp;quot;&amp;gt;Digital Preservation Coalition o. J.: Digital Preservation Handbook – Storage. URL: https://www.dpconline.org/handbook/organisational-activities/storage, abgerufen am 16.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Integrität und Authentizität'''&lt;br /&gt;
| '''Integrität''' bedeutet, dass unbeabsichtigte Veränderungen oder Beschädigungen einer Datei erkannt werden können. Dafür werden häufig Prüfsummen verwendet - digitale Kontrollwerte, die regelmäßig verglichen werden. '''Authentizität''' bedeutet, dass Herkunft, Identität und Bearbeitungsgeschichte eines digitalen Objekts nachvollziehbar sind und belegt werden kann, dass es das ist, was es zu sein vorgibt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Dateiformat und Datenformat'''&lt;br /&gt;
| Ein '''Dateiformat''' legt den technischen Aufbau einer einzelnen Datei fest. Ein '''Datenformat''' beschreibt, wie Informationen strukturiert und zwischen Systemen ausgetauscht werden. Gut dokumentierte, verbreitete und möglichst offen beschriebene Formate erleichtern den Austausch und die langfristige Nutzung. Sie ersetzen jedoch keine aktive Langzeiterhaltung.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Merksatz:''' Speichern ist nicht dasselbe wie langfristiges Erhalten. Auch ein vorhandenes Backup ist noch kein digitales Langzeitarchiv.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.3.5 Präsentationssysteme: Kulturerbe zugänglich machen und präsentieren ===&lt;br /&gt;
Dieser Abschnitt beantwortet die Frage: Wie wird aus langfristig gesicherten Dateien ein digitales Kulturerbe, das von Menschen gefunden, verstanden und sinnvoll genutzt werden kann?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Begriff&lt;br /&gt;
! Kurze Erklärung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Zugänglichmachung und Präsentation'''&lt;br /&gt;
| '''Zugänglichmachung''' bedeutet, dass digitale Objekte auffindbar und im rechtlich sowie technisch zulässigen Umfang abrufbar sind. '''Präsentation''' geht darüber hinaus: Inhalte werden ausgewählt, miteinander verknüpft, erklärt und für bestimmte Zielgruppen vermittelt. Dazu gehören verständliche Kontextinformationen, klare Rechteangaben, Mehrsprachigkeit und möglichst barrierearme Zugänge. Abhängig von Rechten, personenbezogenen Daten oder kulturellen Schutzbedarfen kann der Zugang offen oder eingeschränkt sein.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Nutzung und Nachnutzung'''&lt;br /&gt;
| '''Nutzung''' umfasst beispielsweise das Betrachten, Lesen, Anhören, Erforschen oder Vermitteln eines digitalen Kulturguts. '''Nachnutzung''' bedeutet seine weitere Verwendung in einem neuen Zusammenhang, etwa in Bildung, Forschung, Publikationen, Ausstellungen, Anwendungen oder kreativen Werken. Dafür werden geeignete Dateien, verständliche Metadaten und klare Rechteinformationen benötigt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Rechteinformation und Lizenz'''&lt;br /&gt;
| Eine '''Rechteinformation''' beschreibt den rechtlichen Status eines digitalen Objekts und mögliche Einschränkungen seiner Nutzung. Eine '''Lizenz''' räumt durch eine dazu berechtigte Person oder Institution konkrete Nutzungsrechte ein. Ein allgemeiner Rechtehinweis ist daher nicht automatisch eine Lizenz.&amp;lt;ref name=&amp;quot;RightsReuse&amp;quot;&amp;gt;RightsStatements.org o. J.: Standardisierte Rechtehinweise für online verfügbares Kulturerbe. URL: https://rightsstatements.org/de/, abgerufen am 16.07.2026. Creative Commons 2025: Recommended Licenses and Tools for Cultural Heritage Content. URL: https://creativecommons.org/2025/07/09/recommended-licenses-and-tools-for-cultural-heritage-content/, abgerufen am 16.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''Interoperabilität'''&lt;br /&gt;
| '''Interoperabilität''' bezeichnet die Fähigkeit von Systemen und Organisationen, Daten auszutauschen und in gleicher Bedeutung zu verstehen. Dafür werden gemeinsame Metadatenmodelle, Begriffe, Identifikatoren und technische Schnittstellen benötigt. So können beispielsweise Register, Repositorien, Präsentationsportale und externe Kulturplattformen miteinander verbunden werden.&amp;lt;ref name=&amp;quot;EuropeanaEDM&amp;quot;&amp;gt;Europeana o. J.: Metadata – Europeana Data Model (EDM, Europeana-Datenmodell). URL: https://pro.europeana.eu/page/metadata, abgerufen am 16.07.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Digitalisierte Inhalte entfalten ihren kulturellen und gesellschaftlichen Nutzen erst dann vollständig, wenn sie auffindbar, verständlich, rechtlich klar und für unterschiedliche Zielgruppen tatsächlich verwendbar sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der folgende Abschnitt 2.4 beschreibt, wie diese Funktionen innerhalb des gesamten Prozesses der Kulturerbe-Digitalisierung zusammenwirken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2.4 Prozess der Digitalisierung von Kulturerbe ==&lt;br /&gt;
Die Digitalisierung von Kulturgut ist kein rein technischer Arbeitsschritt, sondern ein vielschichtiger, oft langfristiger Prozess, der bereits mit der Wahrnehmung und Identifikation einer kulturellen Ausdrucksform beginnt. Ziel dieses Abschnitts ist es, diesen Gesamtprozess systematisch darzustellen: von der gelebten Kultur über das identifizierte Kulturgut bis hin zur digital nutzbaren Repräsentation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die hier entwickelte Prozessdarstellung soll als praxisorientierter Überblick dienen für die Digitalisierung des sorbischen Kulturerbes. Sie berücksichtigt die Anforderungen sorbischer Einrichtungen ebenso wie die international etablierten Referenzmodelle und Standards, darunter:&lt;br /&gt;
* das OAIS-Referenzmodell (ISO 14721) für digitale Archivierung&amp;lt;ref&amp;gt;Consultative Committee for Space Data Systems (CCSDS) 2024: Reference Model for an Open Archival Information System (OAIS), CCSDS 650.0-M-3. URL: https://ccsds.org/Pubs/650x0m3.pdf, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* das DCC Curation Lifecycle Model für kuratorische Entscheidungsprozesse&amp;lt;ref&amp;gt;Higgins 2008: The DCC Curation Lifecycle Model. International Journal of Digital Curation, 3(1), 134-140. URL: https://ijdc.net/index.php/ijdc/article/view/48, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* das Spectrum-Modell für museale Objektverwaltung&amp;lt;ref&amp;gt;Collections Trust 2022. Spectrum 5.1 - The UK Museum Collections Management Standard. URL: https://collectionstrust.org.uk/spectrum/spectrum-5, abgerufen am 01.10.2025. &amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* die UNESCO-Leitlinien zur Inventarisierung immateriellen Kulturerbes&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO 2024: Operational Directives for the Implementation of the Convention for the Safeguarding of the Intangible Cultural Heritage (10.GA). URL: https://ich.unesco.org/doc/src/ICH-Operational_Directives-10.GA_EN.pdf, abgerufen am 01.10.2025. &amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* sowie technische Vorgaben wie die DFG-Praxisregeln Digitalisierung&amp;lt;ref&amp;gt;Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) 2022: Praxisregeln Digitalisierung (aktualisierte Fassung). URL: https://www.ulb.hhu.de/fileadmin/redaktion/ULB/Documents/Infomaterial/DFG_Praxisregeln_Digitalisierung_Aktualisierte_Fassung2022.pdf, abgerufen am 01.10.2025. &amp;lt;/ref&amp;gt; und die FADGI-Richtlinien&amp;lt;ref&amp;gt;Federal Agencies Digital Guidelines Initiative (FADGI) 2023: Technical Guidelines for Digitizing Cultural Heritage Materials – Still Image, 3rd ed. URL: https://www.digitizationguidelines.gov/guidelines/digitize-technical.html, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Folge soll der „Lebenslauf“ eines Kulturguts dargestellt werden, also der Weg, den ein Objekt oder eine kulturelle Praxis vom Zeitpunkt der Entstehung über die Erfassung, Digitalisierung und Archivierung bis zur Veröffentlichung in einem digitalen Präsentationsmodul durchläuft.&lt;br /&gt;
Hierfür erläutert der folgende Abschnitt die einzelnen Prozessschritte im Detail, jeweils mit Akteuren und Beispielen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.4.1 Vorüberlegungen zum Prozess ===&lt;br /&gt;
Im hier vorgestellten Prozess wird auf eine harte, systematische Filterung verzichtet, welche kulturellen Ausdrucksformen „nur“ Kultur und welche bereits Kulturgut sind. Ein solcher Bewertungs- und Abgrenzungsprozess wäre ressourcenintensiv und würde den vorhandenen Kapazitäten in den beteiligten Einrichtungen nicht entsprechen. Stattdessen folgt das Konzept einer inklusiven Logik: Alle dokumentierten Ausdrucksformen werden zunächst als potenzielle Kulturgüter erfasst. Eine feinere Auswahl und Priorisierung erfolgen erst in einem späteren Schritt, nämlich dann, wenn konkret entschieden wird, welche Ausdrucksformen bzw. Kulturgüter in welcher Tiefe digitalisiert, archiviert und präsentiert werden sollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Vorgehen schließt an das SKR-Konzept an, das bewusst auf eine frühe normative Trennung zwischen „kultureller Ausdrucksform“ und „Kulturgut“ verzichtet. Auch hier steht zunächst der möglichst vollständige, strukturierte Überblick über die sorbischen Kulturgüter im Vordergrund. Die differenzierte Bewertung und Schwerpunktsetzung werden als anschließende fachliche Aufgabe verstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.4.2 Prozessschritte im Detail ===&lt;br /&gt;
Das folgende Diagramm gibt einen Überblick über die sechs Kernschritte des Gesamtprozesses der Digitalisierung von Kulturgut – von der ersten Wahrnehmung einer kulturellen Ausdrucksform bis zu ihrer digitalen Präsentation als Kulturgut. Die Abfolge zeigt zugleich die Entwicklungsstufen: von gelebter Kultur zur kulturellen Ausdrucksform, von dort zum Kulturgut und schließlich zum digitalen Kulturgut. Die Schritte sind als generischer Ablauf zu verstehen: Je nach Art des Kulturguts können einzelne Tätigkeiten unterschiedlich aufwendig sein oder parallel erfolgen.&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K3.png|center|600px]]&amp;lt;ref&amp;gt;Mermaid Flowchart Code: [https://mermaid.live/edit#pako:eNplkk1OwzAQha8yGqmbkloxSZs2CyTa8LOphIAVhIVJpolF4iDH4a_qbXqTXgzHFdAKr2y97703lmaNWZMTxriqmvesFNrAfZIqgPPHFIdDzuBO1DVVajhM8QlGozOYO-WUwS0VsjVakqa93Pvmjlk4JmAwp3fS5kCHwQAWjkkcE_Y5WWkIXqrd9jBpT138UIkspBGVbI_7-rwLR146csLgRryQ-U8lMGLwTG1WapLPpHKCZQLMOY9ch7m2VxiSpOAEjJ1TSev_M_bkvv3KtY8ZnOuslG_H9VcOuf4dUO-2LamjGdHDQsscY6M78rAmXYv-ies-IEVTUk0pxvaa00p0lUkxVRtrexXqoWnqH6duuqLEeCWq1r6619zOn0hRaPGH9J_Xi6ZTBuOxS8B4jR8YhxGLeDThkR-EM37KuYefFmHTaOz7fOZHQTidBMHGwy9X6VslnNnDw4jPuB8GHlIuTaOX-7Vy27X5Bh_Osqo hier klicken], abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Prozess zeigt, dass Digitalisierung von Kulturgut mehr ist als das Erstellen digitaler Dateien. Sie umfasst eine Reihe aufeinander bezogener Schritte – von der ersten Wahrnehmung einer kulturellen Ausdrucksform über ihre Erfassung, Bewertung und Digitalisierung bis hin zur langfristigen Sicherung und Präsentation. Dabei sind je nach Schritt unterschiedliche Akteure beteiligt, etwa Gemeinschaften, Museen, Archive, Fachgremien, Digitalisierungsstellen oder IT. Die folgenden Beschreibungen erläutern diese Schritte so, dass nachvollziehbar wird, was jeweils mit einem Kulturgut geschieht, wer daran beteiligt ist und wie sich der Ablauf in der Praxis vorstellen lässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''1. Sammeln &amp;amp; erfassen''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Hier wird eine kulturelle Ausdrucksform erstmals wahrgenommen, benannt und mit ersten Informationen erfasst: Was ist es, wer macht es oder hat es geschaffen, wo kommt es vor, warum ist es bedeutsam für die Gemeinschaft? &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Community, Vereine, Museen, Archive, Forschende, Privatpersonen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Auf einem Dorffest zeigt eine Frau das Verzieren sorbischer Ostereier. Jemand fotografiert dies und notiert Technik, Ort und Namen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''2. Registrieren &amp;amp; beschreiben''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Hier wird aus der ersten Beobachtung ein strukturierter Nachweis. Das Kulturgut oder die kulturelle Ausdrucksform wird in ein Register, eine Sammlung oder einen Katalog aufgenommen und mit strukturierten Metadaten beschrieben, damit es wiedergefunden, zugeordnet und verstanden werden kann. Dazu gehören z. B. Titel, Ort, Zeit, Technik, Funktion, beteiligte Personen und der kulturelle Kontext.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Registerverantwortliche, Kurator:innen, Sammlungsmitarbeitende, Community für Kontextinformationen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Das Osterei erhält einen Eintrag mit Angaben wie „Wachsbatik“, „Schleife“, „Osterei-Verzierung“, Name der Trägerin und Entstehungsjahr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''3. Bewerten &amp;amp; freigeben''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
In diesem Schritt wird entschieden, ob und in welcher Priorität ein Kulturgut oder die kulturelle Ausdrucksform digitalisiert werden soll und ob dies rechtlich und ethisch möglich ist. Dabei spielen fachliche Kriterien wie Bedeutung, Repräsentativität, Seltenheit oder Gefährdung eine Rolle, aber auch Fragen des Urheberrechts, Datenschutzes und möglicher kultureller Sensibilitäten. Am Ende steht eine begründete Entscheidung, ob und in welchem Umfang das Kulturgut weiterbearbeitet und später veröffentlicht werden darf. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Kurator:innen, Fachgremien, Community-Vertretungen, Register/SKR, ggf. Rechteverantwortliche und Behörden. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Es wird entschieden, dass die Osterei-Technik wegen ihrer Bedeutung für die sorbische Identität digital gesichert werden soll; die Kunsthandwerkerin stimmt der Veröffentlichung zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''4. Digitalisieren &amp;amp; prüfen''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nun wird das Kulturgut technisch erfasst, also in eine digitale Form überführt. Das kann je nach Objektart durch Scan, Fotografie, Audio- oder Videoaufnahme oder 3D-Erfassung geschehen. Dabei entstehen hochwertige Master-Dateien und nutzbare Derivate. Die Digitalisierung folgt qualifizierten Standards, um Reproduzierbarkeit, Farbkonsistenz und Nutzbarkeit zu gewährleisten. Anschließend wird geprüft, ob Schärfe, Farbe, Vollständigkeit und Dateiformate den Anforderungen für Archivierung und Nutzung entsprechen. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Digitalisierungszentrum, Foto-/AV-/3D-Spezialist:innen, externe Dienstleister bei Spezialfällen. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Das Osterei wird fotografisch hochauflösend aufgenommen und zusätzlich als 3D-Modell erfasst. Danach werden Schärfe, Farbe und Dateiformate geprüft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''5. Archivieren &amp;amp; sichern''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die entstandenen digitalen Dateien werden geordnet abgelegt, mit den zugehörigen Metadaten verknüpft und für die langfristige Erhaltung gesichert. Dazu gehören sichere Speicherorte, Backups, Integritätskontrollen und – wenn nötig – spätere technische Migration auf neue Systeme. Ziel ist, dass das digitale Kulturgut langfristig erhalten bleibt, auch wenn sich Technik und Formate verändern. Das Original bleibt in der Regel weiterhin am Sammlungs- oder Aufbewahrungsort. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Archiv, Repository, IT-Betrieb, ggf. Sorbisches Kulturarchiv bzw. Digitalisierungszentrum. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Die Bilder und das 3D-Modell des Ostereis werden auf gesicherten Servern gespeichert; das Original bleibt im Museum oder bei der Eigentümerin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''6. Präsentieren &amp;amp; nutzen''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im letzten Schritt werden die digitalen Objekte so bereitgestellt, dass sie gefunden, verstanden und genutzt werden können, z. B. in Portalen, digitalen Sammlungen oder virtuellen Ausstellungen. Dafür reicht es nicht, nur Dateien anzuzeigen: Es braucht auch verständliche Kontexte, Rechteangaben, Mehrsprachigkeit und möglichst barrierearme Zugänge. So wird aus der technischen Digitalisierung eine tatsächliche kulturelle Nutzung. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Kurator:innen, Vermittlung, Web/IT, Museen, Kulturinformationen, Community. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Das Osterei erscheint in einer Online-Ausstellung, kann herangezoomt oder als 3D-Modell gedreht werden und wird mit einem kurzen Text zur Technik erklärt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.4.3 Ergänzende organisatorische Perspektive ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die folgende Abbildung ist entnommen aus einem Poster des Sorbischen Instituts zu dessen Digitalisierungsstrategie, gefunden auf der Projektseite des Digitalisierungszentrums.&amp;lt;ref&amp;gt;Sorbisches Institut: Digitalisierungszentrum (DZ). URL: [https://www.serbski-institut.de/projekte-zentrale-vorhaben/digitalisierungszentrum-dz/ https://www.serbski-institut.de/projekte-zentrale-vorhaben/digitalisierungszentrum-dz/], abgerufen am 25.03.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Digitalisierungsstrategie des Sorbischen Instituts zeigt die Erfassung, Registrierung, Digitalisierung und Archivierung bis zur Präsentation von Kulturgütern aus '''organisatorischer Sicht'''. Sie basiert auf einem '''3-Säulen-Modell aus Kulturregister, Digitalisierungszentrum und Präsentationsumgebung'''. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K4.png|mini||center|600px|Abbildung: 3-Säulen-Modell der Digitalisierungsstrategie des Sorbischen Instituts. Quelle: Sorbisches Institut, „Digitalizacija serbskich kulturnych datow / Digitalisierung der sorbischen/wendischen Kulturdaten“&amp;lt;ref&amp;gt;Sorbisches Institut 2025: Digitalizacija serbskich kulturnych datow / Digitalisierung der sorbischen/wendischen Kulturdaten (Poster). URL:  [https://www.serbski-institut.de/wp-content/uploads/2021/11/A0-Druck_Digitalisierungsstrategie-SI.pdf  https://www.serbski-institut.de/wp-content/uploads/2021/11/A0-Druck_Digitalisierungsstrategie-SI.pdf], abgerufen am 25.03.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Beide Sichtweisen - die fachliche &amp;quot;Prozess-Sicht&amp;quot; und die &amp;quot;organisatorische Sicht&amp;quot; lassen sich wie folgt in einer Darstellung zusammenfassen:&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K5.jpg|mini||center|600px|Abbildung: Zusammengefasste Sichtweisen auf die Digitalisierung von Kulturerbe.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der &amp;quot;Prozess der Digitalisierung von Kulturerbe&amp;quot; beschreibt, '''was''' mit einem Kulturgut geschieht; das 3-Säulen-Modell zeigt, '''wo''' diese Aufgaben organisatorisch verortet sind. Bezogen auf die oben beschriebenen [[#2.3.2 Prozessschritte im Detail|Prozessschritte der Digitalisierung von Kulturerbe]] steht das '''Sorbische Kulturregister''' für den Prozessschritt „'''2. Registrieren'''“ und dient dabei vor allem der Verzeichnung und Metadatenverwaltung. Das '''Digitalisierungszentrum''' steht für die Prozessschritte „'''4. Digitalisieren'''“ und „'''5. Archivieren'''“ und dient dabei der technischen Erfassung, Bearbeitung und Sicherung der Digitalisate. Die '''Präsentationsumgebung''' steht für den Schritt „'''6. Präsentieren'''“ und dient der öffentlichen oder kuratierten Bereitstellung zur Nutzung. Ergänzende Konzepte des SI machen dabei deutlich, dass die Digitalisierung im Regelfall eine vorherige Verzeichnung im Register voraussetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Prozessschritt&lt;br /&gt;
! Verantwortliche Organisation&lt;br /&gt;
! Funktion im Gesamtsystem&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''2. Registrieren'''&lt;br /&gt;
| '''Sorbisches Kulturregister'''&lt;br /&gt;
| Kulturgüter werden als Entitäten nachgewiesen, beschrieben, mit Metadaten versehen und miteinander verknüpft. Das Register erfüllt damit eine katalogähnliche Funktion: Es macht sichtbar, welche Kulturgüter es gibt, wo sie sich befinden und in welchem Kontext sie stehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''4. Digitalisieren'''&lt;br /&gt;
| '''Digitalisierungszentrum'''&lt;br /&gt;
| Kulturgüter werden technisch erfasst, z. B. durch Scan, Fotografie, Audio-/Videoübertragung oder 3D-Erfassung. Das Digitalisierungszentrum erzeugt und prüft die Digitalisate, ist aber nicht selbst primär ein Präsentationssystem.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''5. Archivieren'''&lt;br /&gt;
| '''Digitalisierungszentrum / Repositorium / Archiv'''&lt;br /&gt;
| Die digitalen Dateien werden geordnet gespeichert, mit Metadaten verbunden und langfristig gesichert. Dazu gehört auch die Sicherstellung der Langzeitaufbewahrung, etwa durch geeignete Speicherorte, Prüfroutinen und spätere Migrationen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''6. Präsentieren'''&lt;br /&gt;
| '''Sorabicon / weitere Präsentationsumgebungen'''&lt;br /&gt;
| Die digitalen Inhalte werden für Nutzer:innen sichtbar, erfahrbar und verständlich gemacht, z. B. in Portalen, digitalen Sammlungen oder virtuellen Ausstellungen. Die Präsentation greift dafür auf Metadaten aus dem Register und auf Digitalisate aus dem Repositorium bzw. dem Digitalisierungszentrum zurück.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Schritt '''1. Sammeln''' liegt vor diesen drei Säulen. Er betrifft die Sammlungsorte selbst, also z. B. Museen, Archive, Heimatstuben, Vereine, Projekte, Gemeinden oder Privatpersonen. Dort entstehen oder befinden sich die Kulturgüter zunächst, bevor sie systematisch registriert, bewertet oder digitalisiert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Schritt '''3. Bewerten''' ist ebenfalls keine eigene technische Säule, sondern ein steuernder Entscheidungsschritt. In ihm wird geklärt, welche Kulturgüter priorisiert digitalisiert werden, welche fachliche Bedeutung sie haben, welche Rechte zu beachten sind und ob eine öffentliche Präsentation möglich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit wird deutlich: Register, Digitalisierungszentrum und Präsentation erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Das '''Register''' beschreibt und verknüpft Kulturgüter, das '''Digitalisierungszentrum''' erzeugt und sichert Digitalisate und die '''Präsentationsumgebung''' macht ausgewählte Inhalte verständlich zugänglich. Gerade diese Trennung schafft klare Zuständigkeiten und erleichtert die Zusammenarbeit zwischen Sammlungsorten, Fachstellen, technischen Dienstleistern und Öffentlichkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Referenzen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Měrko Šenk</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://koncept.serbski-inkubator.de/index.php?title=12.3_Digitalisierung_des_Kulturerbes&amp;diff=1055</id>
		<title>12.3 Digitalisierung des Kulturerbes</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://koncept.serbski-inkubator.de/index.php?title=12.3_Digitalisierung_des_Kulturerbes&amp;diff=1055"/>
		<updated>2026-06-05T15:31:22Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Měrko Šenk: /* 2.3.3 Ergänzende organisatorische Perspektive */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;= 1 Einleitung =&lt;br /&gt;
Die Digitalisierung von sorbischem Kulturerbe ist eine historische Chance für uns Sorben, eine Chance, unser kulturelles Erbe neu zu entdecken, es für kommende Generationen zu erhalten, für eine breitere Öffentlichkeit zugänglich zu machen und dabei die eigene Deutungshoheit zu stärken. Das erfordert neben Mut, einer klaren gemeinsamen Vision, starker Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Akteuren auch die notwendigen Ressourcen in Form von Personal mit entsprechenden Kompetenzen, passender Technik sowie einer nachhaltig gesicherten Finanzierung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im folgenden Abschnitt werden Zielbilder für die Digitalisierung des sorbischen Kulturerbes entworfen mittels lang- und kurzfristiger Visionen sowie konkreter Ziele.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 1.1 Visionen und Ziele für die sorbische digitale Welt ==&lt;br /&gt;
'''Vision 2035'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
''Sorbisches materielles und immaterielles Kulturerbe ist systematisch digital erfasst, rechtssicher und langfristig gesichert, leicht auffindbar, offen nutzbar und wird aktiv von Interessierten genutzt.''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Konkrete Ziele'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bis 2032 ist ein tragfähiges, finanziell und organisatorisch abgesichertes Modell etabliert, das:&lt;br /&gt;
* Ein zentrales (oder föderiertes) digitales Langzeitarchiv nach OAIS-Referenzmodell betreibt,&lt;br /&gt;
* klare Zuständigkeiten, Prozesse und Budgets definiert,&lt;br /&gt;
* regelmäßige Qualitätssicherung und Technik-Updates vorsieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis 2030 sind wichtige sorbische Kulturerbe-Bestände (Kernbestände nach fachlicher Festlegung) in hoher Qualität digitalisiert, beschrieben und im Langzeitarchiv gesichert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis 2028 liegt eine institutionenübergreifende Übersicht über relevante Kulturerbe-Bestände (analog und digital, materiell und immateriell) vor, einschließlich einer Prioritätenliste für die Digitalisierung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis 2028 existiert ein zentrales, nutzerfreundliches „Sorbisches Kulturerbe-Portal“, das:&lt;br /&gt;
* Suchzugang über alle teilnehmenden Institutionen ermöglicht,&lt;br /&gt;
* grundlegende Inhalte frei zugänglich bereitstellt,&lt;br /&gt;
* mehrsprachige Oberflächen anbietet (Deutsch, Obersorbisch, Niedersorbisch, Englisch).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= 2 IST-Analyse „Digitalisierung von Kulturerbe“ =&lt;br /&gt;
Das Ziel in diesem Themenbereich ist es, sorbisches Kulturerbe digital zu verwalten und damit langfristig für Recherche, Nutzung und Präsentation vorzuhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Abschnitt &amp;quot;IST-Analyse“ werden die folgenden Fragen beantwortet: Was ist sorbisches Kulturerbe und was zählt alles dazu? Welche Schritte durchläuft ein Kulturgut, um zum digitalen Kulturerbe zu gehören? Wie können die digitale Verwaltung, Archivierung, Nutzung und Präsentation von Kulturgütern umgesetzt werden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die grundlegenden Terminologien des Kulturerbes sollen im Folgenden festgelegt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2.1 Terminologie – von Kultur zu Kulturerbe ==&lt;br /&gt;
In diesem Abschnitt werden die Begriffe rund um das Kulturerbe grundlegend definiert. Es soll ein Verständnis über die Begriffe Kultur, kulturelle Ausprägung, Kulturgut und Kulturerbe erreicht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K1.png|center|260px]]&amp;lt;ref&amp;gt;Mermaid Flowchart Code: [https://mermaid.live/edit#pako:eNpF0UtuwyAQBuCroFlaTuRHTGMvKuWxq7pqV627IGZso2CIMChtk9ymN-nFimmasmJGfP-AOEGjOUIFrdTHpmfGkudtrWpF_Fq9RtGDk9aZKHojU-_aJ7PZ_bmGgSnR4mgFejaKpidC1XAmq8zDfYAoJZKVG7lxzX5stRl81C0_uwYdheGEubHD4_dXLy1hcpyC1rcLdM4GOLH1Ve2E5Gj9TPLkhgEnsLkBNDsMAmLojOBQWeMwhgHNwKYSTuFBYHucbOW3HFvmcQ21unh2YOpF6-FPGu26HqrW381X7sCZxa1gnWH_R1BxNBvtlIUqTUMEVCd49xVdzpeLMs1pXmRFXiY0hg-o8iyZL_LFXZaVSTJ1LzF8hqHJnBZ5WhZLWt5RmtIsBuTCavP4-2Hh3y4_NXaMmw hier klicken], abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.1 Kultur ===&lt;br /&gt;
Kultur bezeichnet hier die Gesamtheit aller '''vom Menschen geschaffenen und erlernten Ausdrucksformen''' des Lebens, die auf gemeinsamen Werten und Verhaltensweisen beruhen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;wiki-kultur&amp;quot;&amp;gt;URL: https://de.wikipedia.org/wiki/Kultur&amp;lt;/ref&amp;gt; Dazu zählen '''materielle Ergebnisse''' (z. B. Kunstwerke, Technik) ebenso wie '''immaterielle Praktiken''' (Sprache, Bräuche, Wissen). Kultur umfasst laut der UNESCO geistige, materielle, intellektuelle und emotionale Merkmale, die eine Gesellschaft oder soziale Gruppe kennzeichnen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mondiacult&amp;quot;&amp;gt;UNESCO 1982: Mexico City Declaration on Cultural Policies (MONDIACULT). URL: https://www.lacult.unesco.org/docc/1982_MONDIACULT.pdf&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;ref name=&amp;quot;cultureaction&amp;quot;&amp;gt;Culture Action Europe 2024: The State of Culture report. URL: https://cultureactioneurope.org/de/news/the-state-of-culture-report-published, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;  Sie ist dynamisch und wird von jeder Generation neu gestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das deutsche Wort „Kultur“ ist eine Eindeutschung des lateinischen Worts „cultura“. Dieses bedeutet ursprünglich „Bebauung, Bearbeitung, Bestellung, Pflege“ und meinte sowohl die physische Bearbeitung als auch die Pflege geistiger Güter, z. B. der Sprache.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.2 Kulturelle Ausdrucksform ===&lt;br /&gt;
Eine kulturelle Ausdrucksform ist eine '''konkrete, gegenwärtige oder historische, Manifestation von Kultur''', bspw. eine Zeichnung, eine Tracht oder ein Lied: Sie macht die Kultur sichtbar und erlebbar. Im engeren Sinne ist es eine Ausdrucksweise, die aus der Kreativität einer Person, Gruppe oder Gesellschaft entsteht und '''kulturellen Inhalt''' trägt (symbolische Bedeutung, künstlerische Dimension, kulturelle Werte).&amp;lt;ref&amp;gt;Österreichische UNESCO-Kommission 2007: Übereinkommen zum Schutz und zur Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen, Art. 4, Seite 13. URL: https://www.unesco.at/fileadmin/Redaktion/Publikationen/Publikations-Dokumente/2005er_UNESCO-Convention_German.pdf, abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt; Sie wird innerhalb und zwischen Gemeinschaften weitergegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle kulturellen Ausdrucksformen bilden einen wesentlichen Kern von Kultur, aber Kultur enthält auch latente Dimensionen (Werte, Normen, Vorannahmen etc.), die nicht unmittelbar als Ausdrucksform erscheinen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.3 Kulturgut ===&lt;br /&gt;
Ein „Kulturgut“ ist '''eine einzelne kulturelle Ausdrucksform''', der ein '''besonderer kultureller Wert zugemessen wird''' (durch Anerkennung, Schutz, Bedeutung). Es ist somit ein Erzeugnis menschlicher Kreativität oder Zeugnis menschlichen Lebens, welches '''Bedeutung für die Kultur einer Gemeinschaft''' hat und daher '''Bestand haben und bewahrt werden soll'''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die '''Summe aller Kulturgüter''' einer Gemeinschaft wird als dessen '''Kulturerbe''' bezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.4 Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
Kulturerbe ist die '''Summe der materiellen und immateriellen Ausdrucksformen''' (= Kulturgüter) einer Kultur, die als „'''bewahrenswert'''“ anerkannt wurden. International umfasst das u. a. das '''Welterbe''' (Denkmäler, Ensembles, Stätten)&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO (1972), Welterbekonvention, Art. 1. URL: https://www.dnk.de/wp-content/uploads/2021/02/1972_DNK_UNESCO-Welterbekonvention.pdf (abgerufen am 11.09.2025).&amp;lt;/ref&amp;gt; und das '''Immaterielles Kulturerbe''' (Praktiken, Wissen).&amp;lt;ref&amp;gt;Deutsche UNESCO-Kommission o. J.:, Übereinkommen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes (dt. Ausgabe). URL: https://www.unesco.de/assets/dokumente/Deutsche_UNESCO-Kommission/02_Publikationen/Publikation_UNESCO-%C3%9Cbereinkommen_zur_Erhaltung_des_immateriellen_Kulturerbes_01.pdf, (abgerufen am 11.09.2025).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ob etwas „zum Kulturerbe“ zählt, ist Ergebnis von Bewertung, Diskurs und teils formellen Verfahren. Dem Sorbischen Kulturregister (SKR) zufolge ist „sorbisch-wendisches Kulturerbe“ eine Zuschreibung, die durch Gesellschaft, Museen, Archive und Wissenschaft erfolgen kann.&amp;lt;ref&amp;gt;Sorbisches Institut 2025: Konzept für ein Sorbisches Kulturregister (SKR). URL: https://www.serbski-institut.de/wp-content/uploads/2021/11/00_Zweite-aktualisierte-Fassung_Konzept_Sorbisches-Kulturregister_20.11.2025.pdf, abgerufen am 20.11.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.5 Abgrenzung: Kultur und Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
'''Kultur / Kulturelle Ausdrucksform''' sind als Begriffe weiter gefasst als '''Kulturgut / Kulturerbe'''. Kulturelle Ausdrucksformen umfassen alles Gelebte und Gestaltete einer Gemeinschaft in Gegenwart und Vergangenheit, während Kulturgut / Kulturerbe diejenigen kulturellen Güter und Traditionen meint, denen eine Bedeutung beigemessen wurde und die als bewahrens- und weitergebenswert erkannt wurden. Kultur ist der „aktuelle“ kreative Prozess (einschließlich Popkultur, Alltagskultur), Kulturerbe der daraus überkommene Schatz. Dennoch sind die Grenzen fließend: Was heute nur Kultur ist, kann morgen zum Kulturerbe erklärt werden – abhängig von Wertzuschreibung und Diskurs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Rahmen dieses Dokuments werden für den sorbischen Kontext die Begriffe '''„kulturelle Ausdrucksform“''' und '''„Kulturgut“''' weitgehend '''synonym''' verwendet, sofern nicht ausdrücklich anders gekennzeichnet. Hintergrund ist, dass die Gesamtzahl der identifizierbaren kulturellen Ausdrucksformen einer kleinen Minderheit wie der Sorben/Wenden im Vergleich zu großen Mehrheitsgesellschaften überschaubar ist. Zugleich ist der Anteil dieser Ausdrucksformen, denen in der Community ein besonderer Wert beigemessen wird und die daher faktisch als Kulturgut wahrgenommen und behandelt werden, sehr hoch: Ein großer Teil des gelebten kulturellen Repertoires wird als identitätsstiftend und bewahrenswert verstanden und damit dem Kulturerbe zugerechnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2.2 Klassifizierung von Kulturgütern ==&lt;br /&gt;
Im Folgenden soll eine griffige Klassifizierung von Kulturgütern entwickelt werden, so dass pro Kulturgut-Klasse später auf die Besonderheiten ihrer Digitalisierung eingegangen werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K2.png|center|600px]]&amp;lt;ref&amp;gt;Mermaid Flowchart Code: [https://mermaid.live/edit#pako:eNptlM9u00AQxl9ltFWoFDlp_C9OjISU2KSgUCq1BSRIDxt77Syxd6v1mkKjSDwBlThw4YCEeuXOoeLSN-EF4BHYjZOQQG67-32_2ZnZsWco4jFBPqrVZpRR6cNsP8n4ZTTBQu7rHVP66QWOKEvV3nQM2BeYTf8eea35fF6rjdiIrUl4cjJiAMPDV_X6sMxkKdJS1uvnvu9PtRGgp5ReE46wJIKSLIOf779CycbkkqQZjSb1Ovz-cv351_drDWGN9BXS_xfZBj7dLoGxBgIFBE14nOcrZGH68E07Iu0IlSNsQkhTKnGlfvyh1bjKcngIjcYD6G2s-xvrYGMdLuuqAFOXZ0IflzFh0xxn5OBU3t1ISZhqw6KaKpo29k04jSaCJrLq0oZsa9mCAZc8FTihhBnQp1ksxd1NSsS22dFmG3oMZzwl0HveONtlc7XNATtsHI9fk6kkC3nRsKoqnVNgwrFQaUOvLGJRRtMi4SJfZ790WtppQYhFIVV7CYsJDO9uWbEMujbqOgIbTqgsddB7MCD_eXT6gQMvaFEQBlclPMVqcA6eMfqGiKLMt926isCFM4FjKiln-voCHmEWXxIxXZcUVo-jSwrVe3DBGvHqtc83DLqS0FpNAi3wRluiDBdFSBIYQ0KzzN_r265jPjQinnHh7yVJYhRS8ClZKfe3KLyk2oHneuEuqlK2qWhJWYPOwGnvoiplm4qXVMd17V5rF1UpikIGSgWNkS9FSQyUE5FjvUUzHXGE5ITkZIR8tYxJgtVXPEIjNlfYBWYvOc9XpOBlOkF-grNC7cqLWPUupFjNa74-FXo0RMBLJpFvWtYiCPJn6C3yG7bTNO2u6Tidrue0W13HQO_Usdtquuqg1bG6TtvzPNuZG-hqcXGr2baV5NhuyzId13XbBiJqDrg4qn5ni7_a_A_W9oMu hier klicken], abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.1 A. Materiell - unbeweglich 🏛️ ===&lt;br /&gt;
„Materiell - unbeweglich&amp;quot; bezeichnet ortsfeste Kulturobjekte wie Bauwerke, Ensembles, Gebäudekomplexe und Stätten/Kulturlandschaften, wie sie in Art. 1 der UNESCO-Welterbekonvention als Kategorien des kulturellen Erbes definiert sind.&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO World Heritage Centre o. J.: Convention Concerning the Protection of the World Cultural and Natural Heritage, Artikel 1. URL: https://whc.unesco.org/en/conventiontext/, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.2 B. Materiell - beweglich 🖼️ ===&lt;br /&gt;
Die Kategorie „Materiell - beweglich&amp;quot; umfasst bewegliche Sachen bzw. Sachgesamtheiten von kulturellem Wert (z. B. Objekte, Sammlungen), wie sie das deutsche Kulturgutschutzgesetz (§ 2 KGSG)&amp;lt;ref&amp;gt;Deutschland 2016: Kulturgutschutzgesetz (KGSG), § 2. URL: https://www.buzer.de/2_KGSG.htm, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt; als „Kulturgut“ beschreibt.&lt;br /&gt;
* B1 '''Schriftgut''' - Bücher, Zeitungen, Handschriften, Archivgut, Graphiken, Pläne, Karten&lt;br /&gt;
* B2 '''Fotografien &amp;amp; Bildträger''' &lt;br /&gt;
** Fotografisch erzeugte statische Bildträger, auch Stillbildträger genannt, z. B. Positive/Negative auf Film/Platte/Photopapier, Dias, Abzüge, Mikrofilm/-fiche und vergleichbare fotografische Repro-Träger.&lt;br /&gt;
* B3 '''Analoge AV-Träger''' (Audio/Video/Film)&lt;br /&gt;
** Analoge zeitbasierte Medien, z. B. Magnetton (Tonband, Kassette), Schallplatte, Videobänder, Film.&lt;br /&gt;
* B4 '''3D-Objekte''' - Gegenstände, „sachkulturelle Artefakte“&amp;lt;ref&amp;gt;Sorbisches Institut o. J.: Konzept zum Digitalisierungszentrum am Sorbischen Institut, S. 24.&lt;br /&gt;
(Unveröffentlichtes Konzeptpapier; interne Projektunterlage.)&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.3 C. Immateriell 🎭 ===&lt;br /&gt;
Meint lebendige Praktiken, Darstellungen, Ausdrucksformen, Ideen, Werte, Wissen und Fertigkeiten, die von Gemeinschaften getragen und weitergegeben werden, gemäß der folgenden 5 UNESCO ICH-Domänen.&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO o. J.: Intangible Cultural Heritage – Five Domains. URL: https://ich.unesco.org/doc/src/01857-EN.pdf, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* C1 '''Orale Traditionen/Ausdrucksformen''' - Sprache, Gesangstraditionen&lt;br /&gt;
* C2 '''Darstellende Künste''' - Musik, Tanz, Theater&lt;br /&gt;
* C3 '''Rituale &amp;amp; Feste''' - Bräuche und soziale Praktiken des Kalenders und Lebenslaufs&lt;br /&gt;
* C4 '''Wissen &amp;amp; Praktiken''' zu Natur &amp;amp; Universum - Heil- und Sammelkenntnisse, ökologisches und astronomisches Wissen, Glaube, Religion&lt;br /&gt;
* C5 '''Traditionelles Handwerk''' - Techniken, Werkzeuge und Gestaltungsmuster&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.4 D. Digital 💾 ===&lt;br /&gt;
Bezeichnet in digitaler Form vorliegende Ressourcen menschlichen Wissens und Ausdrucks. Diese können sowohl born-digital sein als auch digitalisierte Repräsentationen von materiellen und immateriellen Kulturgütern.&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO 2003: Charter on the Preservation of Digital Heritage. URL: https://www.unesco.org/en/legal-affairs/charter-preservation-digital-heritage, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* D1 '''Born-digital''' (ursprünglich digital erzeugt, kein analoges Original), z. B. Webseiten, Social-Media-Beiträge, Software, Apps, Spiele, digitale Fotos/Audio/Video.&lt;br /&gt;
* D2 '''Digitalisate''' - Digitalisierte Repräsentationen/Derivate aus den Klassen A, B und C.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2.3 Prozess der Digitalisierung von Kulturerbe ==&lt;br /&gt;
Die Digitalisierung von Kulturgut ist kein rein technischer Arbeitsschritt, sondern ein vielschichtiger, oft langfristiger Prozess, der bereits mit der Wahrnehmung und Identifikation einer kulturellen Ausdrucksform beginnt. Ziel dieses Abschnitts ist es, diesen Gesamtprozess systematisch darzustellen: von der gelebten Kultur über das identifizierte Kulturgut bis hin zur digital nutzbaren Repräsentation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die hier entwickelte Prozessdarstellung soll als praxisorientierter Überblick dienen für die Digitalisierung des sorbischen Kulturerbes. Sie berücksichtigt die Anforderungen sorbischer Einrichtungen ebenso wie die international etablierten Referenzmodelle und Standards, darunter:&lt;br /&gt;
* das OAIS-Referenzmodell (ISO 14721) für digitale Archivierung&amp;lt;ref&amp;gt;Consultative Committee for Space Data Systems (CCSDS) 2024: Reference Model for an Open Archival Information System (OAIS), CCSDS 650.0-M-3. URL: https://ccsds.org/Pubs/650x0m3.pdf, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* das DCC Curation Lifecycle Model für kuratorische Entscheidungsprozesse&amp;lt;ref&amp;gt;Higgins 2008: The DCC Curation Lifecycle Model. International Journal of Digital Curation, 3(1), 134-140. URL: https://ijdc.net/index.php/ijdc/article/view/48, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* das Spectrum-Modell für museale Objektverwaltung&amp;lt;ref&amp;gt;Collections Trust 2022. Spectrum 5.1 - The UK Museum Collections Management Standard. URL: https://collectionstrust.org.uk/spectrum/spectrum-5, abgerufen am 01.10.2025. &amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* die UNESCO-Leitlinien zur Inventarisierung immateriellen Kulturerbes&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO 2024: Operational Directives for the Implementation of the Convention for the Safeguarding of the Intangible Cultural Heritage (10.GA). URL: https://ich.unesco.org/doc/src/ICH-Operational_Directives-10.GA_EN.pdf, abgerufen am 01.10.2025. &amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* sowie technische Vorgaben wie die DFG-Praxisregeln Digitalisierung&amp;lt;ref&amp;gt;Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) 2022: Praxisregeln Digitalisierung (aktualisierte Fassung). URL: https://www.ulb.hhu.de/fileadmin/redaktion/ULB/Documents/Infomaterial/DFG_Praxisregeln_Digitalisierung_Aktualisierte_Fassung2022.pdf, abgerufen am 01.10.2025. &amp;lt;/ref&amp;gt; und die FADGI-Richtlinien&amp;lt;ref&amp;gt;Federal Agencies Digital Guidelines Initiative (FADGI) 2023: Technical Guidelines for Digitizing Cultural Heritage Materials – Still Image, 3rd ed. URL: https://www.digitizationguidelines.gov/guidelines/digitize-technical.html, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Folge soll der „Lebenslauf“ eines Kulturguts dargestellt werden, also der Weg, den ein Objekt oder eine kulturelle Praxis vom Zeitpunkt der Entstehung über die Erfassung, Digitalisierung und Archivierung bis zur Veröffentlichung in einem digitalen Präsentationsmodul durchläuft.&lt;br /&gt;
Hierfür erläutert der folgende Abschnitt die einzelnen Prozessschritte im Detail, jeweils mit Akteuren und Beispielen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.3.1 Vorüberlegungen zum Prozess ===&lt;br /&gt;
Im hier vorgestellten Prozess wird auf eine harte, systematische Filterung verzichtet, welche kulturellen Ausdrucksformen „nur“ Kultur und welche bereits Kulturgut sind. Ein solcher Bewertungs- und Abgrenzungsprozess wäre ressourcenintensiv und würde den vorhandenen Kapazitäten in den beteiligten Einrichtungen nicht entsprechen. Stattdessen folgt das Konzept einer inklusiven Logik: Alle dokumentierten Ausdrucksformen werden zunächst als potenzielle Kulturgüter erfasst. Eine feinere Auswahl und Priorisierung erfolgen erst in einem späteren Schritt, nämlich dann, wenn konkret entschieden wird, welche Ausdrucksformen bzw. Kulturgüter in welcher Tiefe digitalisiert, archiviert und präsentiert werden sollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Vorgehen schließt an das SKR-Konzept an, das bewusst auf eine frühe normative Trennung zwischen „kultureller Ausdrucksform“ und „Kulturgut“ verzichtet. Auch hier steht zunächst der möglichst vollständige, strukturierte Überblick über die sorbischen Kulturgüter im Vordergrund. Die differenzierte Bewertung und Schwerpunktsetzung werden als anschließende fachliche Aufgabe verstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.3.2 Prozessschritte im Detail ===&lt;br /&gt;
Das folgende Diagramm gibt einen Überblick über die sechs Kernschritte des Gesamtprozesses der Digitalisierung von Kulturgut – von der ersten Wahrnehmung einer kulturellen Ausdrucksform bis zu ihrer digitalen Präsentation als Kulturgut. Die Abfolge zeigt zugleich die Entwicklungsstufen: von gelebter Kultur zur kulturellen Ausdrucksform, von dort zum Kulturgut und schließlich zum digitalen Kulturgut. Die Schritte sind als generischer Ablauf zu verstehen: Je nach Art des Kulturguts können einzelne Tätigkeiten unterschiedlich aufwendig sein oder parallel erfolgen.&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K3.png|center|600px]]&amp;lt;ref&amp;gt;Mermaid Flowchart Code: [https://mermaid.live/edit#pako:eNplkk1OwzAQha8yGqmbkloxSZs2CyTa8LOphIAVhIVJpolF4iDH4a_qbXqTXgzHFdAKr2y97703lmaNWZMTxriqmvesFNrAfZIqgPPHFIdDzuBO1DVVajhM8QlGozOYO-WUwS0VsjVakqa93Pvmjlk4JmAwp3fS5kCHwQAWjkkcE_Y5WWkIXqrd9jBpT138UIkspBGVbI_7-rwLR146csLgRryQ-U8lMGLwTG1WapLPpHKCZQLMOY9ch7m2VxiSpOAEjJ1TSev_M_bkvv3KtY8ZnOuslG_H9VcOuf4dUO-2LamjGdHDQsscY6M78rAmXYv-ies-IEVTUk0pxvaa00p0lUkxVRtrexXqoWnqH6duuqLEeCWq1r6619zOn0hRaPGH9J_Xi6ZTBuOxS8B4jR8YhxGLeDThkR-EM37KuYefFmHTaOz7fOZHQTidBMHGwy9X6VslnNnDw4jPuB8GHlIuTaOX-7Vy27X5Bh_Osqo hier klicken], abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Prozess zeigt, dass Digitalisierung von Kulturgut mehr ist als das Erstellen digitaler Dateien. Sie umfasst eine Reihe aufeinander bezogener Schritte – von der ersten Wahrnehmung einer kulturellen Ausdrucksform über ihre Erfassung, Bewertung und Digitalisierung bis hin zur langfristigen Sicherung und Präsentation. Dabei sind je nach Schritt unterschiedliche Akteure beteiligt, etwa Gemeinschaften, Museen, Archive, Fachgremien, Digitalisierungsstellen oder IT. Die folgenden Beschreibungen erläutern diese Schritte so, dass nachvollziehbar wird, was jeweils mit einem Kulturgut geschieht, wer daran beteiligt ist und wie sich der Ablauf in der Praxis vorstellen lässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''1. Sammeln &amp;amp; erfassen''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Hier wird eine kulturelle Ausdrucksform erstmals wahrgenommen, benannt und mit ersten Informationen erfasst: Was ist es, wer macht es oder hat es geschaffen, wo kommt es vor, warum ist es bedeutsam für die Gemeinschaft? &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Community, Vereine, Museen, Archive, Forschende, Privatpersonen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Auf einem Dorffest zeigt eine Frau das Verzieren sorbischer Ostereier. Jemand fotografiert dies und notiert Technik, Ort und Namen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''2. Registrieren &amp;amp; beschreiben''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Hier wird aus der ersten Beobachtung ein strukturierter Nachweis. Das Kulturgut oder die kulturelle Ausdrucksform wird in ein Register, eine Sammlung oder einen Katalog aufgenommen und mit strukturierten Metadaten beschrieben, damit es wiedergefunden, zugeordnet und verstanden werden kann. Dazu gehören z. B. Titel, Ort, Zeit, Technik, Funktion, beteiligte Personen und der kulturelle Kontext.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Registerverantwortliche, Kurator:innen, Sammlungsmitarbeitende, Community für Kontextinformationen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Das Osterei erhält einen Eintrag mit Angaben wie „Wachsbatik“, „Schleife“, „Osterei-Verzierung“, Name der Trägerin und Entstehungsjahr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''3. Bewerten &amp;amp; freigeben''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
In diesem Schritt wird entschieden, ob und in welcher Priorität ein Kulturgut oder die kulturelle Ausdrucksform digitalisiert werden soll und ob dies rechtlich und ethisch möglich ist. Dabei spielen fachliche Kriterien wie Bedeutung, Repräsentativität, Seltenheit oder Gefährdung eine Rolle, aber auch Fragen des Urheberrechts, Datenschutzes und möglicher kultureller Sensibilitäten. Am Ende steht eine begründete Entscheidung, ob und in welchem Umfang das Kulturgut weiterbearbeitet und später veröffentlicht werden darf. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Kurator:innen, Fachgremien, Community-Vertretungen, Register/SKR, ggf. Rechteverantwortliche und Behörden. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Es wird entschieden, dass die Osterei-Technik wegen ihrer Bedeutung für die sorbische Identität digital gesichert werden soll; die Kunsthandwerkerin stimmt der Veröffentlichung zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''4. Digitalisieren &amp;amp; prüfen''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nun wird das Kulturgut technisch erfasst, also in eine digitale Form überführt. Das kann je nach Objektart durch Scan, Fotografie, Audio- oder Videoaufnahme oder 3D-Erfassung geschehen. Dabei entstehen hochwertige Master-Dateien und nutzbare Derivate. Die Digitalisierung folgt qualifizierten Standards, um Reproduzierbarkeit, Farbkonsistenz und Nutzbarkeit zu gewährleisten. Anschließend wird geprüft, ob Schärfe, Farbe, Vollständigkeit und Dateiformate den Anforderungen für Archivierung und Nutzung entsprechen. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Digitalisierungszentrum, Foto-/AV-/3D-Spezialist:innen, externe Dienstleister bei Spezialfällen. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Das Osterei wird fotografisch hochauflösend aufgenommen und zusätzlich als 3D-Modell erfasst. Danach werden Schärfe, Farbe und Dateiformate geprüft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''5. Archivieren &amp;amp; sichern''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die entstandenen digitalen Dateien werden geordnet abgelegt, mit den zugehörigen Metadaten verknüpft und für die langfristige Erhaltung gesichert. Dazu gehören sichere Speicherorte, Backups, Integritätskontrollen und – wenn nötig – spätere technische Migration auf neue Systeme. Ziel ist, dass das digitale Kulturgut langfristig erhalten bleibt, auch wenn sich Technik und Formate verändern. Das Original bleibt in der Regel weiterhin am Sammlungs- oder Aufbewahrungsort. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Archiv, Repository, IT-Betrieb, ggf. Sorbisches Kulturarchiv bzw. Digitalisierungszentrum. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Die Bilder und das 3D-Modell des Ostereis werden auf gesicherten Servern gespeichert; das Original bleibt im Museum oder bei der Eigentümerin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''6. Präsentieren &amp;amp; nutzen''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im letzten Schritt werden die digitalen Objekte so bereitgestellt, dass sie gefunden, verstanden und genutzt werden können, z. B. in Portalen, digitalen Sammlungen oder virtuellen Ausstellungen. Dafür reicht es nicht, nur Dateien anzuzeigen: Es braucht auch verständliche Kontexte, Rechteangaben, Mehrsprachigkeit und möglichst barrierearme Zugänge. So wird aus der technischen Digitalisierung eine tatsächliche kulturelle Nutzung. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Kurator:innen, Vermittlung, Web/IT, Museen, Kulturinformationen, Community. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Das Osterei erscheint in einer Online-Ausstellung, kann herangezoomt oder als 3D-Modell gedreht werden und wird mit einem kurzen Text zur Technik erklärt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.3.3 Ergänzende organisatorische Perspektive ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die folgende Abbildung ist entnommen aus einem Poster des Sorbischen Instituts zu dessen Digitalisierungsstrategie, gefunden auf der Projektseite des Digitalisierungszentrums.&amp;lt;ref&amp;gt;Sorbisches Institut: Digitalisierungszentrum (DZ). URL: [https://www.serbski-institut.de/projekte-zentrale-vorhaben/digitalisierungszentrum-dz/ https://www.serbski-institut.de/projekte-zentrale-vorhaben/digitalisierungszentrum-dz/], abgerufen am 25.03.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Digitalisierungsstrategie des Sorbischen Instituts zeigt die Erfassung, Registrierung, Digitalisierung und Archivierung bis zur Präsentation von Kulturgütern aus '''organisatorischer Sicht'''. Sie basiert auf einem '''3-Säulen-Modell aus Kulturregister, Digitalisierungszentrum und Präsentationsumgebung'''. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K4.png|mini||center|600px|Abbildung: 3-Säulen-Modell der Digitalisierungsstrategie des Sorbischen Instituts. Quelle: Sorbisches Institut, „Digitalizacija serbskich kulturnych datow / Digitalisierung der sorbischen/wendischen Kulturdaten“&amp;lt;ref&amp;gt;Sorbisches Institut 2025: Digitalizacija serbskich kulturnych datow / Digitalisierung der sorbischen/wendischen Kulturdaten (Poster). URL:  [https://www.serbski-institut.de/wp-content/uploads/2021/11/A0-Druck_Digitalisierungsstrategie-SI.pdf  https://www.serbski-institut.de/wp-content/uploads/2021/11/A0-Druck_Digitalisierungsstrategie-SI.pdf], abgerufen am 25.03.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Beide Sichtweisen - die fachliche &amp;quot;Prozess-Sicht&amp;quot; und die &amp;quot;organisatorische Sicht&amp;quot; lassen sich wie folgt in einer Darstellung zusammenfassen:&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K5.jpg|mini||center|600px|Abbildung: Zusammengefasste Sichtweisen auf die Digitalisierung von Kulturerbe.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der &amp;quot;Prozess der Digitalisierung von Kulturerbe&amp;quot; beschreibt, '''was''' mit einem Kulturgut geschieht; das 3-Säulen-Modell zeigt, '''wo''' diese Aufgaben organisatorisch verortet sind. Bezogen auf die oben beschriebenen [[#2.3.2 Prozessschritte im Detail|Prozessschritte der Digitalisierung von Kulturerbe]] steht das '''Sorbische Kulturregister''' für den Prozessschritt „'''2. Registrieren'''“ und dient dabei vor allem der Verzeichnung und Metadatenverwaltung. Das '''Digitalisierungszentrum''' steht für die Prozessschritte „'''4. Digitalisieren'''“ und „'''5. Archivieren'''“ und dient dabei der technischen Erfassung, Bearbeitung und Sicherung der Digitalisate. Die '''Präsentationsumgebung''' steht für den Schritt „'''6. Präsentieren'''“ und dient der öffentlichen oder kuratierten Bereitstellung zur Nutzung. Ergänzende Konzepte des SI machen dabei deutlich, dass die Digitalisierung im Regelfall eine vorherige Verzeichnung im Register voraussetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Prozessschritt&lt;br /&gt;
! Verantwortliche Organisation&lt;br /&gt;
! Funktion im Gesamtsystem&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''2. Registrieren'''&lt;br /&gt;
| '''Sorbisches Kulturregister'''&lt;br /&gt;
| Kulturgüter werden als Entitäten nachgewiesen, beschrieben, mit Metadaten versehen und miteinander verknüpft. Das Register erfüllt damit eine katalogähnliche Funktion: Es macht sichtbar, welche Kulturgüter es gibt, wo sie sich befinden und in welchem Kontext sie stehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''4. Digitalisieren'''&lt;br /&gt;
| '''Digitalisierungszentrum'''&lt;br /&gt;
| Kulturgüter werden technisch erfasst, z. B. durch Scan, Fotografie, Audio-/Videoübertragung oder 3D-Erfassung. Das Digitalisierungszentrum erzeugt und prüft die Digitalisate, ist aber nicht selbst primär ein Präsentationssystem.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''5. Archivieren'''&lt;br /&gt;
| '''Digitalisierungszentrum / Repositorium / Archiv'''&lt;br /&gt;
| Die digitalen Dateien werden geordnet gespeichert, mit Metadaten verbunden und langfristig gesichert. Dazu gehört auch die Sicherstellung der Langzeitaufbewahrung, etwa durch geeignete Speicherorte, Prüfroutinen und spätere Migrationen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''6. Präsentieren'''&lt;br /&gt;
| '''Sorabicon / weitere Präsentationsumgebungen'''&lt;br /&gt;
| Die digitalen Inhalte werden für Nutzer:innen sichtbar, erfahrbar und verständlich gemacht, z. B. in Portalen, digitalen Sammlungen oder virtuellen Ausstellungen. Die Präsentation greift dafür auf Metadaten aus dem Register und auf Digitalisate aus dem Repositorium bzw. dem Digitalisierungszentrum zurück.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Schritt '''1. Sammeln''' liegt vor diesen drei Säulen. Er betrifft die Sammlungsorte selbst, also z. B. Museen, Archive, Heimatstuben, Vereine, Projekte, Gemeinden oder Privatpersonen. Dort entstehen oder befinden sich die Kulturgüter zunächst, bevor sie systematisch registriert, bewertet oder digitalisiert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Schritt '''3. Bewerten''' ist ebenfalls keine eigene technische Säule, sondern ein steuernder Entscheidungsschritt. In ihm wird geklärt, welche Kulturgüter priorisiert digitalisiert werden, welche fachliche Bedeutung sie haben, welche Rechte zu beachten sind und ob eine öffentliche Präsentation möglich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit wird deutlich: Register, Digitalisierungszentrum und Präsentation erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Das '''Register''' beschreibt und verknüpft Kulturgüter, das '''Digitalisierungszentrum''' erzeugt und sichert Digitalisate und die '''Präsentationsumgebung''' macht ausgewählte Inhalte verständlich zugänglich. Gerade diese Trennung schafft klare Zuständigkeiten und erleichtert die Zusammenarbeit zwischen Sammlungsorten, Fachstellen, technischen Dienstleistern und Öffentlichkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Referenzen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Měrko Šenk</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://koncept.serbski-inkubator.de/index.php?title=12.3_Digitalisierung_des_Kulturerbes&amp;diff=1054</id>
		<title>12.3 Digitalisierung des Kulturerbes</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://koncept.serbski-inkubator.de/index.php?title=12.3_Digitalisierung_des_Kulturerbes&amp;diff=1054"/>
		<updated>2026-06-05T15:25:34Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Měrko Šenk: /* 2.3.2 Prozessschritte im Detail */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;= 1 Einleitung =&lt;br /&gt;
Die Digitalisierung von sorbischem Kulturerbe ist eine historische Chance für uns Sorben, eine Chance, unser kulturelles Erbe neu zu entdecken, es für kommende Generationen zu erhalten, für eine breitere Öffentlichkeit zugänglich zu machen und dabei die eigene Deutungshoheit zu stärken. Das erfordert neben Mut, einer klaren gemeinsamen Vision, starker Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Akteuren auch die notwendigen Ressourcen in Form von Personal mit entsprechenden Kompetenzen, passender Technik sowie einer nachhaltig gesicherten Finanzierung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im folgenden Abschnitt werden Zielbilder für die Digitalisierung des sorbischen Kulturerbes entworfen mittels lang- und kurzfristiger Visionen sowie konkreter Ziele.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 1.1 Visionen und Ziele für die sorbische digitale Welt ==&lt;br /&gt;
'''Vision 2035'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
''Sorbisches materielles und immaterielles Kulturerbe ist systematisch digital erfasst, rechtssicher und langfristig gesichert, leicht auffindbar, offen nutzbar und wird aktiv von Interessierten genutzt.''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Konkrete Ziele'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bis 2032 ist ein tragfähiges, finanziell und organisatorisch abgesichertes Modell etabliert, das:&lt;br /&gt;
* Ein zentrales (oder föderiertes) digitales Langzeitarchiv nach OAIS-Referenzmodell betreibt,&lt;br /&gt;
* klare Zuständigkeiten, Prozesse und Budgets definiert,&lt;br /&gt;
* regelmäßige Qualitätssicherung und Technik-Updates vorsieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis 2030 sind wichtige sorbische Kulturerbe-Bestände (Kernbestände nach fachlicher Festlegung) in hoher Qualität digitalisiert, beschrieben und im Langzeitarchiv gesichert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis 2028 liegt eine institutionenübergreifende Übersicht über relevante Kulturerbe-Bestände (analog und digital, materiell und immateriell) vor, einschließlich einer Prioritätenliste für die Digitalisierung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis 2028 existiert ein zentrales, nutzerfreundliches „Sorbisches Kulturerbe-Portal“, das:&lt;br /&gt;
* Suchzugang über alle teilnehmenden Institutionen ermöglicht,&lt;br /&gt;
* grundlegende Inhalte frei zugänglich bereitstellt,&lt;br /&gt;
* mehrsprachige Oberflächen anbietet (Deutsch, Obersorbisch, Niedersorbisch, Englisch).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= 2 IST-Analyse „Digitalisierung von Kulturerbe“ =&lt;br /&gt;
Das Ziel in diesem Themenbereich ist es, sorbisches Kulturerbe digital zu verwalten und damit langfristig für Recherche, Nutzung und Präsentation vorzuhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Abschnitt &amp;quot;IST-Analyse“ werden die folgenden Fragen beantwortet: Was ist sorbisches Kulturerbe und was zählt alles dazu? Welche Schritte durchläuft ein Kulturgut, um zum digitalen Kulturerbe zu gehören? Wie können die digitale Verwaltung, Archivierung, Nutzung und Präsentation von Kulturgütern umgesetzt werden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die grundlegenden Terminologien des Kulturerbes sollen im Folgenden festgelegt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2.1 Terminologie – von Kultur zu Kulturerbe ==&lt;br /&gt;
In diesem Abschnitt werden die Begriffe rund um das Kulturerbe grundlegend definiert. Es soll ein Verständnis über die Begriffe Kultur, kulturelle Ausprägung, Kulturgut und Kulturerbe erreicht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K1.png|center|260px]]&amp;lt;ref&amp;gt;Mermaid Flowchart Code: [https://mermaid.live/edit#pako:eNpF0UtuwyAQBuCroFlaTuRHTGMvKuWxq7pqV627IGZso2CIMChtk9ymN-nFimmasmJGfP-AOEGjOUIFrdTHpmfGkudtrWpF_Fq9RtGDk9aZKHojU-_aJ7PZ_bmGgSnR4mgFejaKpidC1XAmq8zDfYAoJZKVG7lxzX5stRl81C0_uwYdheGEubHD4_dXLy1hcpyC1rcLdM4GOLH1Ve2E5Gj9TPLkhgEnsLkBNDsMAmLojOBQWeMwhgHNwKYSTuFBYHucbOW3HFvmcQ21unh2YOpF6-FPGu26HqrW381X7sCZxa1gnWH_R1BxNBvtlIUqTUMEVCd49xVdzpeLMs1pXmRFXiY0hg-o8iyZL_LFXZaVSTJ1LzF8hqHJnBZ5WhZLWt5RmtIsBuTCavP4-2Hh3y4_NXaMmw hier klicken], abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.1 Kultur ===&lt;br /&gt;
Kultur bezeichnet hier die Gesamtheit aller '''vom Menschen geschaffenen und erlernten Ausdrucksformen''' des Lebens, die auf gemeinsamen Werten und Verhaltensweisen beruhen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;wiki-kultur&amp;quot;&amp;gt;URL: https://de.wikipedia.org/wiki/Kultur&amp;lt;/ref&amp;gt; Dazu zählen '''materielle Ergebnisse''' (z. B. Kunstwerke, Technik) ebenso wie '''immaterielle Praktiken''' (Sprache, Bräuche, Wissen). Kultur umfasst laut der UNESCO geistige, materielle, intellektuelle und emotionale Merkmale, die eine Gesellschaft oder soziale Gruppe kennzeichnen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mondiacult&amp;quot;&amp;gt;UNESCO 1982: Mexico City Declaration on Cultural Policies (MONDIACULT). URL: https://www.lacult.unesco.org/docc/1982_MONDIACULT.pdf&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;ref name=&amp;quot;cultureaction&amp;quot;&amp;gt;Culture Action Europe 2024: The State of Culture report. URL: https://cultureactioneurope.org/de/news/the-state-of-culture-report-published, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;  Sie ist dynamisch und wird von jeder Generation neu gestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das deutsche Wort „Kultur“ ist eine Eindeutschung des lateinischen Worts „cultura“. Dieses bedeutet ursprünglich „Bebauung, Bearbeitung, Bestellung, Pflege“ und meinte sowohl die physische Bearbeitung als auch die Pflege geistiger Güter, z. B. der Sprache.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.2 Kulturelle Ausdrucksform ===&lt;br /&gt;
Eine kulturelle Ausdrucksform ist eine '''konkrete, gegenwärtige oder historische, Manifestation von Kultur''', bspw. eine Zeichnung, eine Tracht oder ein Lied: Sie macht die Kultur sichtbar und erlebbar. Im engeren Sinne ist es eine Ausdrucksweise, die aus der Kreativität einer Person, Gruppe oder Gesellschaft entsteht und '''kulturellen Inhalt''' trägt (symbolische Bedeutung, künstlerische Dimension, kulturelle Werte).&amp;lt;ref&amp;gt;Österreichische UNESCO-Kommission 2007: Übereinkommen zum Schutz und zur Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen, Art. 4, Seite 13. URL: https://www.unesco.at/fileadmin/Redaktion/Publikationen/Publikations-Dokumente/2005er_UNESCO-Convention_German.pdf, abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt; Sie wird innerhalb und zwischen Gemeinschaften weitergegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle kulturellen Ausdrucksformen bilden einen wesentlichen Kern von Kultur, aber Kultur enthält auch latente Dimensionen (Werte, Normen, Vorannahmen etc.), die nicht unmittelbar als Ausdrucksform erscheinen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.3 Kulturgut ===&lt;br /&gt;
Ein „Kulturgut“ ist '''eine einzelne kulturelle Ausdrucksform''', der ein '''besonderer kultureller Wert zugemessen wird''' (durch Anerkennung, Schutz, Bedeutung). Es ist somit ein Erzeugnis menschlicher Kreativität oder Zeugnis menschlichen Lebens, welches '''Bedeutung für die Kultur einer Gemeinschaft''' hat und daher '''Bestand haben und bewahrt werden soll'''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die '''Summe aller Kulturgüter''' einer Gemeinschaft wird als dessen '''Kulturerbe''' bezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.4 Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
Kulturerbe ist die '''Summe der materiellen und immateriellen Ausdrucksformen''' (= Kulturgüter) einer Kultur, die als „'''bewahrenswert'''“ anerkannt wurden. International umfasst das u. a. das '''Welterbe''' (Denkmäler, Ensembles, Stätten)&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO (1972), Welterbekonvention, Art. 1. URL: https://www.dnk.de/wp-content/uploads/2021/02/1972_DNK_UNESCO-Welterbekonvention.pdf (abgerufen am 11.09.2025).&amp;lt;/ref&amp;gt; und das '''Immaterielles Kulturerbe''' (Praktiken, Wissen).&amp;lt;ref&amp;gt;Deutsche UNESCO-Kommission o. J.:, Übereinkommen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes (dt. Ausgabe). URL: https://www.unesco.de/assets/dokumente/Deutsche_UNESCO-Kommission/02_Publikationen/Publikation_UNESCO-%C3%9Cbereinkommen_zur_Erhaltung_des_immateriellen_Kulturerbes_01.pdf, (abgerufen am 11.09.2025).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ob etwas „zum Kulturerbe“ zählt, ist Ergebnis von Bewertung, Diskurs und teils formellen Verfahren. Dem Sorbischen Kulturregister (SKR) zufolge ist „sorbisch-wendisches Kulturerbe“ eine Zuschreibung, die durch Gesellschaft, Museen, Archive und Wissenschaft erfolgen kann.&amp;lt;ref&amp;gt;Sorbisches Institut 2025: Konzept für ein Sorbisches Kulturregister (SKR). URL: https://www.serbski-institut.de/wp-content/uploads/2021/11/00_Zweite-aktualisierte-Fassung_Konzept_Sorbisches-Kulturregister_20.11.2025.pdf, abgerufen am 20.11.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.5 Abgrenzung: Kultur und Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
'''Kultur / Kulturelle Ausdrucksform''' sind als Begriffe weiter gefasst als '''Kulturgut / Kulturerbe'''. Kulturelle Ausdrucksformen umfassen alles Gelebte und Gestaltete einer Gemeinschaft in Gegenwart und Vergangenheit, während Kulturgut / Kulturerbe diejenigen kulturellen Güter und Traditionen meint, denen eine Bedeutung beigemessen wurde und die als bewahrens- und weitergebenswert erkannt wurden. Kultur ist der „aktuelle“ kreative Prozess (einschließlich Popkultur, Alltagskultur), Kulturerbe der daraus überkommene Schatz. Dennoch sind die Grenzen fließend: Was heute nur Kultur ist, kann morgen zum Kulturerbe erklärt werden – abhängig von Wertzuschreibung und Diskurs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Rahmen dieses Dokuments werden für den sorbischen Kontext die Begriffe '''„kulturelle Ausdrucksform“''' und '''„Kulturgut“''' weitgehend '''synonym''' verwendet, sofern nicht ausdrücklich anders gekennzeichnet. Hintergrund ist, dass die Gesamtzahl der identifizierbaren kulturellen Ausdrucksformen einer kleinen Minderheit wie der Sorben/Wenden im Vergleich zu großen Mehrheitsgesellschaften überschaubar ist. Zugleich ist der Anteil dieser Ausdrucksformen, denen in der Community ein besonderer Wert beigemessen wird und die daher faktisch als Kulturgut wahrgenommen und behandelt werden, sehr hoch: Ein großer Teil des gelebten kulturellen Repertoires wird als identitätsstiftend und bewahrenswert verstanden und damit dem Kulturerbe zugerechnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2.2 Klassifizierung von Kulturgütern ==&lt;br /&gt;
Im Folgenden soll eine griffige Klassifizierung von Kulturgütern entwickelt werden, so dass pro Kulturgut-Klasse später auf die Besonderheiten ihrer Digitalisierung eingegangen werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K2.png|center|600px]]&amp;lt;ref&amp;gt;Mermaid Flowchart Code: [https://mermaid.live/edit#pako:eNptlM9u00AQxl9ltFWoFDlp_C9OjISU2KSgUCq1BSRIDxt77Syxd6v1mkKjSDwBlThw4YCEeuXOoeLSN-EF4BHYjZOQQG67-32_2ZnZsWco4jFBPqrVZpRR6cNsP8n4ZTTBQu7rHVP66QWOKEvV3nQM2BeYTf8eea35fF6rjdiIrUl4cjJiAMPDV_X6sMxkKdJS1uvnvu9PtRGgp5ReE46wJIKSLIOf779CycbkkqQZjSb1Ovz-cv351_drDWGN9BXS_xfZBj7dLoGxBgIFBE14nOcrZGH68E07Iu0IlSNsQkhTKnGlfvyh1bjKcngIjcYD6G2s-xvrYGMdLuuqAFOXZ0IflzFh0xxn5OBU3t1ISZhqw6KaKpo29k04jSaCJrLq0oZsa9mCAZc8FTihhBnQp1ksxd1NSsS22dFmG3oMZzwl0HveONtlc7XNATtsHI9fk6kkC3nRsKoqnVNgwrFQaUOvLGJRRtMi4SJfZ790WtppQYhFIVV7CYsJDO9uWbEMujbqOgIbTqgsddB7MCD_eXT6gQMvaFEQBlclPMVqcA6eMfqGiKLMt926isCFM4FjKiln-voCHmEWXxIxXZcUVo-jSwrVe3DBGvHqtc83DLqS0FpNAi3wRluiDBdFSBIYQ0KzzN_r265jPjQinnHh7yVJYhRS8ClZKfe3KLyk2oHneuEuqlK2qWhJWYPOwGnvoiplm4qXVMd17V5rF1UpikIGSgWNkS9FSQyUE5FjvUUzHXGE5ITkZIR8tYxJgtVXPEIjNlfYBWYvOc9XpOBlOkF-grNC7cqLWPUupFjNa74-FXo0RMBLJpFvWtYiCPJn6C3yG7bTNO2u6Tidrue0W13HQO_Usdtquuqg1bG6TtvzPNuZG-hqcXGr2baV5NhuyzId13XbBiJqDrg4qn5ni7_a_A_W9oMu hier klicken], abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.1 A. Materiell - unbeweglich 🏛️ ===&lt;br /&gt;
„Materiell - unbeweglich&amp;quot; bezeichnet ortsfeste Kulturobjekte wie Bauwerke, Ensembles, Gebäudekomplexe und Stätten/Kulturlandschaften, wie sie in Art. 1 der UNESCO-Welterbekonvention als Kategorien des kulturellen Erbes definiert sind.&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO World Heritage Centre o. J.: Convention Concerning the Protection of the World Cultural and Natural Heritage, Artikel 1. URL: https://whc.unesco.org/en/conventiontext/, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.2 B. Materiell - beweglich 🖼️ ===&lt;br /&gt;
Die Kategorie „Materiell - beweglich&amp;quot; umfasst bewegliche Sachen bzw. Sachgesamtheiten von kulturellem Wert (z. B. Objekte, Sammlungen), wie sie das deutsche Kulturgutschutzgesetz (§ 2 KGSG)&amp;lt;ref&amp;gt;Deutschland 2016: Kulturgutschutzgesetz (KGSG), § 2. URL: https://www.buzer.de/2_KGSG.htm, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt; als „Kulturgut“ beschreibt.&lt;br /&gt;
* B1 '''Schriftgut''' - Bücher, Zeitungen, Handschriften, Archivgut, Graphiken, Pläne, Karten&lt;br /&gt;
* B2 '''Fotografien &amp;amp; Bildträger''' &lt;br /&gt;
** Fotografisch erzeugte statische Bildträger, auch Stillbildträger genannt, z. B. Positive/Negative auf Film/Platte/Photopapier, Dias, Abzüge, Mikrofilm/-fiche und vergleichbare fotografische Repro-Träger.&lt;br /&gt;
* B3 '''Analoge AV-Träger''' (Audio/Video/Film)&lt;br /&gt;
** Analoge zeitbasierte Medien, z. B. Magnetton (Tonband, Kassette), Schallplatte, Videobänder, Film.&lt;br /&gt;
* B4 '''3D-Objekte''' - Gegenstände, „sachkulturelle Artefakte“&amp;lt;ref&amp;gt;Sorbisches Institut o. J.: Konzept zum Digitalisierungszentrum am Sorbischen Institut, S. 24.&lt;br /&gt;
(Unveröffentlichtes Konzeptpapier; interne Projektunterlage.)&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.3 C. Immateriell 🎭 ===&lt;br /&gt;
Meint lebendige Praktiken, Darstellungen, Ausdrucksformen, Ideen, Werte, Wissen und Fertigkeiten, die von Gemeinschaften getragen und weitergegeben werden, gemäß der folgenden 5 UNESCO ICH-Domänen.&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO o. J.: Intangible Cultural Heritage – Five Domains. URL: https://ich.unesco.org/doc/src/01857-EN.pdf, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* C1 '''Orale Traditionen/Ausdrucksformen''' - Sprache, Gesangstraditionen&lt;br /&gt;
* C2 '''Darstellende Künste''' - Musik, Tanz, Theater&lt;br /&gt;
* C3 '''Rituale &amp;amp; Feste''' - Bräuche und soziale Praktiken des Kalenders und Lebenslaufs&lt;br /&gt;
* C4 '''Wissen &amp;amp; Praktiken''' zu Natur &amp;amp; Universum - Heil- und Sammelkenntnisse, ökologisches und astronomisches Wissen, Glaube, Religion&lt;br /&gt;
* C5 '''Traditionelles Handwerk''' - Techniken, Werkzeuge und Gestaltungsmuster&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.4 D. Digital 💾 ===&lt;br /&gt;
Bezeichnet in digitaler Form vorliegende Ressourcen menschlichen Wissens und Ausdrucks. Diese können sowohl born-digital sein als auch digitalisierte Repräsentationen von materiellen und immateriellen Kulturgütern.&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO 2003: Charter on the Preservation of Digital Heritage. URL: https://www.unesco.org/en/legal-affairs/charter-preservation-digital-heritage, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* D1 '''Born-digital''' (ursprünglich digital erzeugt, kein analoges Original), z. B. Webseiten, Social-Media-Beiträge, Software, Apps, Spiele, digitale Fotos/Audio/Video.&lt;br /&gt;
* D2 '''Digitalisate''' - Digitalisierte Repräsentationen/Derivate aus den Klassen A, B und C.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2.3 Prozess der Digitalisierung von Kulturerbe ==&lt;br /&gt;
Die Digitalisierung von Kulturgut ist kein rein technischer Arbeitsschritt, sondern ein vielschichtiger, oft langfristiger Prozess, der bereits mit der Wahrnehmung und Identifikation einer kulturellen Ausdrucksform beginnt. Ziel dieses Abschnitts ist es, diesen Gesamtprozess systematisch darzustellen: von der gelebten Kultur über das identifizierte Kulturgut bis hin zur digital nutzbaren Repräsentation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die hier entwickelte Prozessdarstellung soll als praxisorientierter Überblick dienen für die Digitalisierung des sorbischen Kulturerbes. Sie berücksichtigt die Anforderungen sorbischer Einrichtungen ebenso wie die international etablierten Referenzmodelle und Standards, darunter:&lt;br /&gt;
* das OAIS-Referenzmodell (ISO 14721) für digitale Archivierung&amp;lt;ref&amp;gt;Consultative Committee for Space Data Systems (CCSDS) 2024: Reference Model for an Open Archival Information System (OAIS), CCSDS 650.0-M-3. URL: https://ccsds.org/Pubs/650x0m3.pdf, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* das DCC Curation Lifecycle Model für kuratorische Entscheidungsprozesse&amp;lt;ref&amp;gt;Higgins 2008: The DCC Curation Lifecycle Model. International Journal of Digital Curation, 3(1), 134-140. URL: https://ijdc.net/index.php/ijdc/article/view/48, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* das Spectrum-Modell für museale Objektverwaltung&amp;lt;ref&amp;gt;Collections Trust 2022. Spectrum 5.1 - The UK Museum Collections Management Standard. URL: https://collectionstrust.org.uk/spectrum/spectrum-5, abgerufen am 01.10.2025. &amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* die UNESCO-Leitlinien zur Inventarisierung immateriellen Kulturerbes&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO 2024: Operational Directives for the Implementation of the Convention for the Safeguarding of the Intangible Cultural Heritage (10.GA). URL: https://ich.unesco.org/doc/src/ICH-Operational_Directives-10.GA_EN.pdf, abgerufen am 01.10.2025. &amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* sowie technische Vorgaben wie die DFG-Praxisregeln Digitalisierung&amp;lt;ref&amp;gt;Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) 2022: Praxisregeln Digitalisierung (aktualisierte Fassung). URL: https://www.ulb.hhu.de/fileadmin/redaktion/ULB/Documents/Infomaterial/DFG_Praxisregeln_Digitalisierung_Aktualisierte_Fassung2022.pdf, abgerufen am 01.10.2025. &amp;lt;/ref&amp;gt; und die FADGI-Richtlinien&amp;lt;ref&amp;gt;Federal Agencies Digital Guidelines Initiative (FADGI) 2023: Technical Guidelines for Digitizing Cultural Heritage Materials – Still Image, 3rd ed. URL: https://www.digitizationguidelines.gov/guidelines/digitize-technical.html, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Folge soll der „Lebenslauf“ eines Kulturguts dargestellt werden, also der Weg, den ein Objekt oder eine kulturelle Praxis vom Zeitpunkt der Entstehung über die Erfassung, Digitalisierung und Archivierung bis zur Veröffentlichung in einem digitalen Präsentationsmodul durchläuft.&lt;br /&gt;
Hierfür erläutert der folgende Abschnitt die einzelnen Prozessschritte im Detail, jeweils mit Akteuren und Beispielen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.3.1 Vorüberlegungen zum Prozess ===&lt;br /&gt;
Im hier vorgestellten Prozess wird auf eine harte, systematische Filterung verzichtet, welche kulturellen Ausdrucksformen „nur“ Kultur und welche bereits Kulturgut sind. Ein solcher Bewertungs- und Abgrenzungsprozess wäre ressourcenintensiv und würde den vorhandenen Kapazitäten in den beteiligten Einrichtungen nicht entsprechen. Stattdessen folgt das Konzept einer inklusiven Logik: Alle dokumentierten Ausdrucksformen werden zunächst als potenzielle Kulturgüter erfasst. Eine feinere Auswahl und Priorisierung erfolgen erst in einem späteren Schritt, nämlich dann, wenn konkret entschieden wird, welche Ausdrucksformen bzw. Kulturgüter in welcher Tiefe digitalisiert, archiviert und präsentiert werden sollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Vorgehen schließt an das SKR-Konzept an, das bewusst auf eine frühe normative Trennung zwischen „kultureller Ausdrucksform“ und „Kulturgut“ verzichtet. Auch hier steht zunächst der möglichst vollständige, strukturierte Überblick über die sorbischen Kulturgüter im Vordergrund. Die differenzierte Bewertung und Schwerpunktsetzung werden als anschließende fachliche Aufgabe verstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.3.2 Prozessschritte im Detail ===&lt;br /&gt;
Das folgende Diagramm gibt einen Überblick über die sechs Kernschritte des Gesamtprozesses der Digitalisierung von Kulturgut – von der ersten Wahrnehmung einer kulturellen Ausdrucksform bis zu ihrer digitalen Präsentation als Kulturgut. Die Abfolge zeigt zugleich die Entwicklungsstufen: von gelebter Kultur zur kulturellen Ausdrucksform, von dort zum Kulturgut und schließlich zum digitalen Kulturgut. Die Schritte sind als generischer Ablauf zu verstehen: Je nach Art des Kulturguts können einzelne Tätigkeiten unterschiedlich aufwendig sein oder parallel erfolgen.&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K3.png|center|600px]]&amp;lt;ref&amp;gt;Mermaid Flowchart Code: [https://mermaid.live/edit#pako:eNplkk1OwzAQha8yGqmbkloxSZs2CyTa8LOphIAVhIVJpolF4iDH4a_qbXqTXgzHFdAKr2y97703lmaNWZMTxriqmvesFNrAfZIqgPPHFIdDzuBO1DVVajhM8QlGozOYO-WUwS0VsjVakqa93Pvmjlk4JmAwp3fS5kCHwQAWjkkcE_Y5WWkIXqrd9jBpT138UIkspBGVbI_7-rwLR146csLgRryQ-U8lMGLwTG1WapLPpHKCZQLMOY9ch7m2VxiSpOAEjJ1TSev_M_bkvv3KtY8ZnOuslG_H9VcOuf4dUO-2LamjGdHDQsscY6M78rAmXYv-ies-IEVTUk0pxvaa00p0lUkxVRtrexXqoWnqH6duuqLEeCWq1r6619zOn0hRaPGH9J_Xi6ZTBuOxS8B4jR8YhxGLeDThkR-EM37KuYefFmHTaOz7fOZHQTidBMHGwy9X6VslnNnDw4jPuB8GHlIuTaOX-7Vy27X5Bh_Osqo hier klicken], abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Prozess zeigt, dass Digitalisierung von Kulturgut mehr ist als das Erstellen digitaler Dateien. Sie umfasst eine Reihe aufeinander bezogener Schritte – von der ersten Wahrnehmung einer kulturellen Ausdrucksform über ihre Erfassung, Bewertung und Digitalisierung bis hin zur langfristigen Sicherung und Präsentation. Dabei sind je nach Schritt unterschiedliche Akteure beteiligt, etwa Gemeinschaften, Museen, Archive, Fachgremien, Digitalisierungsstellen oder IT. Die folgenden Beschreibungen erläutern diese Schritte so, dass nachvollziehbar wird, was jeweils mit einem Kulturgut geschieht, wer daran beteiligt ist und wie sich der Ablauf in der Praxis vorstellen lässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''1. Sammeln &amp;amp; erfassen''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Hier wird eine kulturelle Ausdrucksform erstmals wahrgenommen, benannt und mit ersten Informationen erfasst: Was ist es, wer macht es oder hat es geschaffen, wo kommt es vor, warum ist es bedeutsam für die Gemeinschaft? &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Community, Vereine, Museen, Archive, Forschende, Privatpersonen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Auf einem Dorffest zeigt eine Frau das Verzieren sorbischer Ostereier. Jemand fotografiert dies und notiert Technik, Ort und Namen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''2. Registrieren &amp;amp; beschreiben''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Hier wird aus der ersten Beobachtung ein strukturierter Nachweis. Das Kulturgut oder die kulturelle Ausdrucksform wird in ein Register, eine Sammlung oder einen Katalog aufgenommen und mit strukturierten Metadaten beschrieben, damit es wiedergefunden, zugeordnet und verstanden werden kann. Dazu gehören z. B. Titel, Ort, Zeit, Technik, Funktion, beteiligte Personen und der kulturelle Kontext.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Registerverantwortliche, Kurator:innen, Sammlungsmitarbeitende, Community für Kontextinformationen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Das Osterei erhält einen Eintrag mit Angaben wie „Wachsbatik“, „Schleife“, „Osterei-Verzierung“, Name der Trägerin und Entstehungsjahr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''3. Bewerten &amp;amp; freigeben''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
In diesem Schritt wird entschieden, ob und in welcher Priorität ein Kulturgut oder die kulturelle Ausdrucksform digitalisiert werden soll und ob dies rechtlich und ethisch möglich ist. Dabei spielen fachliche Kriterien wie Bedeutung, Repräsentativität, Seltenheit oder Gefährdung eine Rolle, aber auch Fragen des Urheberrechts, Datenschutzes und möglicher kultureller Sensibilitäten. Am Ende steht eine begründete Entscheidung, ob und in welchem Umfang das Kulturgut weiterbearbeitet und später veröffentlicht werden darf. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Kurator:innen, Fachgremien, Community-Vertretungen, Register/SKR, ggf. Rechteverantwortliche und Behörden. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Es wird entschieden, dass die Osterei-Technik wegen ihrer Bedeutung für die sorbische Identität digital gesichert werden soll; die Kunsthandwerkerin stimmt der Veröffentlichung zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''4. Digitalisieren &amp;amp; prüfen''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nun wird das Kulturgut technisch erfasst, also in eine digitale Form überführt. Das kann je nach Objektart durch Scan, Fotografie, Audio- oder Videoaufnahme oder 3D-Erfassung geschehen. Dabei entstehen hochwertige Master-Dateien und nutzbare Derivate. Die Digitalisierung folgt qualifizierten Standards, um Reproduzierbarkeit, Farbkonsistenz und Nutzbarkeit zu gewährleisten. Anschließend wird geprüft, ob Schärfe, Farbe, Vollständigkeit und Dateiformate den Anforderungen für Archivierung und Nutzung entsprechen. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Digitalisierungszentrum, Foto-/AV-/3D-Spezialist:innen, externe Dienstleister bei Spezialfällen. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Das Osterei wird fotografisch hochauflösend aufgenommen und zusätzlich als 3D-Modell erfasst. Danach werden Schärfe, Farbe und Dateiformate geprüft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''5. Archivieren &amp;amp; sichern''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die entstandenen digitalen Dateien werden geordnet abgelegt, mit den zugehörigen Metadaten verknüpft und für die langfristige Erhaltung gesichert. Dazu gehören sichere Speicherorte, Backups, Integritätskontrollen und – wenn nötig – spätere technische Migration auf neue Systeme. Ziel ist, dass das digitale Kulturgut langfristig erhalten bleibt, auch wenn sich Technik und Formate verändern. Das Original bleibt in der Regel weiterhin am Sammlungs- oder Aufbewahrungsort. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Archiv, Repository, IT-Betrieb, ggf. Sorbisches Kulturarchiv bzw. Digitalisierungszentrum. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Die Bilder und das 3D-Modell des Ostereis werden auf gesicherten Servern gespeichert; das Original bleibt im Museum oder bei der Eigentümerin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''6. Präsentieren &amp;amp; nutzen''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im letzten Schritt werden die digitalen Objekte so bereitgestellt, dass sie gefunden, verstanden und genutzt werden können, z. B. in Portalen, digitalen Sammlungen oder virtuellen Ausstellungen. Dafür reicht es nicht, nur Dateien anzuzeigen: Es braucht auch verständliche Kontexte, Rechteangaben, Mehrsprachigkeit und möglichst barrierearme Zugänge. So wird aus der technischen Digitalisierung eine tatsächliche kulturelle Nutzung. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Kurator:innen, Vermittlung, Web/IT, Museen, Kulturinformationen, Community. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Das Osterei erscheint in einer Online-Ausstellung, kann herangezoomt oder als 3D-Modell gedreht werden und wird mit einem kurzen Text zur Technik erklärt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.3.3 Ergänzende organisatorische Perspektive ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die folgende Abbildung ist entnommen aus einem Poster des Sorbischen Instituts zu dessen Digitalisierungsstrategie, gefunden auf der Projektseite des Digitalisierungszentrums.&amp;lt;ref&amp;gt;Sorbisches Institut: Digitalisierungszentrum (DZ). URL: [https://www.serbski-institut.de/projekte-zentrale-vorhaben/digitalisierungszentrum-dz/ https://www.serbski-institut.de/projekte-zentrale-vorhaben/digitalisierungszentrum-dz/], abgerufen am 25.03.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Digitalisierungsstrategie des Sorbischen Instituts zeigt die Erfassung, Registrierung, Digitalisierung und Archivierung bis zur Präsentation von Kulturgütern aus '''organisatorischer Sicht'''. Sie basiert auf einem '''3-Säulen-Modell aus Kulturregister, Digitalisierungszentrum und Präsentationsumgebung'''. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K4.png|mini||center|600px|Abbildung: 3-Säulen-Modell der Digitalisierungsstrategie des Sorbischen Instituts. Quelle: Sorbisches Institut, „Digitalizacija serbskich kulturnych datow / Digitalisierung der sorbischen/wendischen Kulturdaten“&amp;lt;ref&amp;gt;Sorbisches Institut 2025: Digitalizacija serbskich kulturnych datow / Digitalisierung der sorbischen/wendischen Kulturdaten (Poster). URL:  [https://www.serbski-institut.de/wp-content/uploads/2021/11/A0-Druck_Digitalisierungsstrategie-SI.pdf  https://www.serbski-institut.de/wp-content/uploads/2021/11/A0-Druck_Digitalisierungsstrategie-SI.pdf], abgerufen am 25.03.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Beide Sichtweisen - die fachliche &amp;quot;Prozess-Sicht&amp;quot; und die &amp;quot;organisatorische Sicht&amp;quot; lassen sich wie folgt in einer Darstellung zusammenfassen:&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K5.jpg|mini||center|600px|Abbildung: Zusammengefasste Sichtweisen auf die Digitalisierung von Kulturerbe.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Prozess beschreibt, '''was''' mit einem Kulturgut geschieht; das 3-Säulen-Modell zeigt, '''wo''' diese Aufgaben organisatorisch verortet sind. Bezogen auf die oben beschriebenen [[#2.3.2 Prozessschritte im Detail|Prozessschritte der Digitalisierung von Kulturerbe]] steht das '''Sorbische Kulturregister''' für den Prozessschritt „'''2. Registrieren'''“ und dient dabei vor allem der Verzeichnung und Metadatenverwaltung. Das '''Digitalisierungszentrum''' steht für die Prozessschritte „'''4. Digitalisieren'''“ und „'''5. Archivieren'''“ und dient dabei der technischen Erfassung, Bearbeitung und Sicherung der Digitalisate. Die '''Präsentationsumgebung''' steht für den Schritt „'''6. Präsentieren'''“ und dient der öffentlichen oder kuratierten Bereitstellung zur Nutzung. Ergänzende Konzepte des SI machen dabei deutlich, dass die Digitalisierung im Regelfall eine vorherige Verzeichnung im Register voraussetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! Prozessschritt&lt;br /&gt;
! Zugeordnete Systemkomponente&lt;br /&gt;
! Funktion im Gesamtsystem&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''2. Registrieren'''&lt;br /&gt;
| '''Sorbisches/Wendisches Kulturregister''' bzw. Katalog&lt;br /&gt;
| Kulturgüter werden als Entitäten nachgewiesen, beschrieben, mit Metadaten versehen und miteinander verknüpft. Das Register erfüllt damit eine katalogähnliche Funktion: Es macht sichtbar, welche Kulturgüter es gibt, wo sie sich befinden und in welchem Kontext sie stehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''4. Digitalisieren'''&lt;br /&gt;
| '''Digitalisierungszentrum'''&lt;br /&gt;
| Kulturgüter werden technisch erfasst, z. B. durch Scan, Fotografie, Audio-/Videoübertragung oder 3D-Erfassung. Das Digitalisierungszentrum erzeugt und prüft die Digitalisate, ist aber nicht selbst primär ein Präsentationssystem.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''5. Archivieren'''&lt;br /&gt;
| '''Digitalisierungszentrum / Repositorium / Archiv'''&lt;br /&gt;
| Die digitalen Dateien werden geordnet gespeichert, mit Metadaten verbunden und langfristig gesichert. Dazu gehört auch die Sicherstellung der Langzeitaufbewahrung, etwa durch geeignete Speicherorte, Prüfroutinen und spätere Migrationen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| '''6. Präsentieren'''&lt;br /&gt;
| '''Sorabicon / Präsentationsumgebungen'''&lt;br /&gt;
| Die digitalen Inhalte werden für Nutzer:innen sichtbar und verständlich gemacht, z. B. in Portalen, digitalen Sammlungen oder virtuellen Ausstellungen. Die Präsentation greift dafür auf Metadaten aus dem Register und auf Digitalisate aus dem Repositorium bzw. dem Digitalisierungszentrum zurück.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Schritt '''1. Sammeln''' liegt vor diesen drei Säulen. Er betrifft die Sammlungsorte selbst, also z. B. Museen, Archive, Heimatstuben, Vereine, Projekte, Gemeinden oder Privatpersonen. Dort entstehen oder befinden sich die Kulturgüter zunächst, bevor sie systematisch registriert, bewertet oder digitalisiert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Schritt '''3. Bewerten''' ist ebenfalls keine eigene technische Säule, sondern ein steuernder Entscheidungsschritt. In ihm wird geklärt, welche Kulturgüter priorisiert digitalisiert werden, welche fachliche Bedeutung sie haben, welche Rechte zu beachten sind und ob eine öffentliche Präsentation möglich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit wird deutlich: Register, Digitalisierungszentrum und Präsentation erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Das '''Register''' beschreibt und verknüpft Kulturgüter, das '''Digitalisierungszentrum''' erzeugt und sichert Digitalisate und die '''Präsentationsumgebung''' macht ausgewählte Inhalte verständlich zugänglich. Gerade diese Trennung schafft klare Zuständigkeiten und erleichtert die Zusammenarbeit zwischen Sammlungsorten, Fachstellen, technischen Dienstleistern und Öffentlichkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Referenzen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Měrko Šenk</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://koncept.serbski-inkubator.de/index.php?title=Dataja:Wobraz_K5.jpg&amp;diff=1053</id>
		<title>Dataja:Wobraz K5.jpg</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://koncept.serbski-inkubator.de/index.php?title=Dataja:Wobraz_K5.jpg&amp;diff=1053"/>
		<updated>2026-06-05T15:14:12Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Měrko Šenk: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Měrko Šenk</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://koncept.serbski-inkubator.de/index.php?title=12.3_Digitalisierung_des_Kulturerbes&amp;diff=1052</id>
		<title>12.3 Digitalisierung des Kulturerbes</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://koncept.serbski-inkubator.de/index.php?title=12.3_Digitalisierung_des_Kulturerbes&amp;diff=1052"/>
		<updated>2026-03-27T10:47:46Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Měrko Šenk: /* 2.1.4 Kulturerbe */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;= 1 Einleitung =&lt;br /&gt;
Die Digitalisierung von sorbischem Kulturerbe ist eine historische Chance für uns Sorben, eine Chance, unser kulturelles Erbe neu zu entdecken, es für kommende Generationen zu erhalten, für eine breitere Öffentlichkeit zugänglich zu machen und dabei die eigene Deutungshoheit zu stärken. Das erfordert neben Mut, einer klaren gemeinsamen Vision, starker Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Akteuren auch die notwendigen Ressourcen in Form von Personal mit entsprechenden Kompetenzen, passender Technik sowie einer nachhaltig gesicherten Finanzierung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im folgenden Abschnitt werden Zielbilder für die Digitalisierung des sorbischen Kulturerbes entworfen mittels lang- und kurzfristiger Visionen sowie konkreter Ziele.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 1.1 Visionen und Ziele für die sorbische digitale Welt ==&lt;br /&gt;
'''Vision 2035'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
''Sorbisches materielles und immaterielles Kulturerbe ist systematisch digital erfasst, rechtssicher und langfristig gesichert, leicht auffindbar, offen nutzbar und wird aktiv von Interessierten genutzt.''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Konkrete Ziele'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bis 2032 ist ein tragfähiges, finanziell und organisatorisch abgesichertes Modell etabliert, das:&lt;br /&gt;
* Ein zentrales (oder föderiertes) digitales Langzeitarchiv nach OAIS-Referenzmodell betreibt,&lt;br /&gt;
* klare Zuständigkeiten, Prozesse und Budgets definiert,&lt;br /&gt;
* regelmäßige Qualitätssicherung und Technik-Updates vorsieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis 2030 sind wichtige sorbische Kulturerbe-Bestände (Kernbestände nach fachlicher Festlegung) in hoher Qualität digitalisiert, beschrieben und im Langzeitarchiv gesichert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis 2028 liegt eine institutionenübergreifende Übersicht über relevante Kulturerbe-Bestände (analog und digital, materiell und immateriell) vor, einschließlich einer Prioritätenliste für die Digitalisierung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis 2028 existiert ein zentrales, nutzerfreundliches „Sorbisches Kulturerbe-Portal“, das:&lt;br /&gt;
* Suchzugang über alle teilnehmenden Institutionen ermöglicht,&lt;br /&gt;
* grundlegende Inhalte frei zugänglich bereitstellt,&lt;br /&gt;
* mehrsprachige Oberflächen anbietet (Deutsch, Obersorbisch, Niedersorbisch, Englisch).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= 2 IST-Analyse „Digitalisierung von Kulturerbe“ =&lt;br /&gt;
Das Ziel in diesem Themenbereich ist es, sorbisches Kulturerbe digital zu verwalten und damit langfristig für Recherche, Nutzung und Präsentation vorzuhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Abschnitt &amp;quot;IST-Analyse“ werden die folgenden Fragen beantwortet: Was ist sorbisches Kulturerbe und was zählt alles dazu? Welche Schritte durchläuft ein Kulturgut, um zum digitalen Kulturerbe zu gehören? Wie können die digitale Verwaltung, Archivierung, Nutzung und Präsentation von Kulturgütern umgesetzt werden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die grundlegenden Terminologien des Kulturerbes sollen im Folgenden festgelegt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2.1 Terminologie – von Kultur zu Kulturerbe ==&lt;br /&gt;
In diesem Abschnitt werden die Begriffe rund um das Kulturerbe grundlegend definiert. Es soll ein Verständnis über die Begriffe Kultur, kulturelle Ausprägung, Kulturgut und Kulturerbe erreicht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K1.png|center|260px]]&amp;lt;ref&amp;gt;Mermaid Flowchart Code: [https://mermaid.live/edit#pako:eNpF0UtuwyAQBuCroFlaTuRHTGMvKuWxq7pqV627IGZso2CIMChtk9ymN-nFimmasmJGfP-AOEGjOUIFrdTHpmfGkudtrWpF_Fq9RtGDk9aZKHojU-_aJ7PZ_bmGgSnR4mgFejaKpidC1XAmq8zDfYAoJZKVG7lxzX5stRl81C0_uwYdheGEubHD4_dXLy1hcpyC1rcLdM4GOLH1Ve2E5Gj9TPLkhgEnsLkBNDsMAmLojOBQWeMwhgHNwKYSTuFBYHucbOW3HFvmcQ21unh2YOpF6-FPGu26HqrW381X7sCZxa1gnWH_R1BxNBvtlIUqTUMEVCd49xVdzpeLMs1pXmRFXiY0hg-o8iyZL_LFXZaVSTJ1LzF8hqHJnBZ5WhZLWt5RmtIsBuTCavP4-2Hh3y4_NXaMmw hier klicken], abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.1 Kultur ===&lt;br /&gt;
Kultur bezeichnet hier die Gesamtheit aller '''vom Menschen geschaffenen und erlernten Ausdrucksformen''' des Lebens, die auf gemeinsamen Werten und Verhaltensweisen beruhen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;wiki-kultur&amp;quot;&amp;gt;URL: https://de.wikipedia.org/wiki/Kultur&amp;lt;/ref&amp;gt; Dazu zählen '''materielle Ergebnisse''' (z. B. Kunstwerke, Technik) ebenso wie '''immaterielle Praktiken''' (Sprache, Bräuche, Wissen). Kultur umfasst laut der UNESCO geistige, materielle, intellektuelle und emotionale Merkmale, die eine Gesellschaft oder soziale Gruppe kennzeichnen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mondiacult&amp;quot;&amp;gt;UNESCO 1982: Mexico City Declaration on Cultural Policies (MONDIACULT). URL: https://www.lacult.unesco.org/docc/1982_MONDIACULT.pdf&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;ref name=&amp;quot;cultureaction&amp;quot;&amp;gt;Culture Action Europe 2024: The State of Culture report. URL: https://cultureactioneurope.org/de/news/the-state-of-culture-report-published, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;  Sie ist dynamisch und wird von jeder Generation neu gestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das deutsche Wort „Kultur“ ist eine Eindeutschung des lateinischen Worts „cultura“. Dieses bedeutet ursprünglich „Bebauung, Bearbeitung, Bestellung, Pflege“ und meinte sowohl die physische Bearbeitung als auch die Pflege geistiger Güter, z. B. der Sprache.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.2 Kulturelle Ausdrucksform ===&lt;br /&gt;
Eine kulturelle Ausdrucksform ist eine '''konkrete, gegenwärtige oder historische, Manifestation von Kultur''', bspw. eine Zeichnung, eine Tracht oder ein Lied: Sie macht die Kultur sichtbar und erlebbar. Im engeren Sinne ist es eine Ausdrucksweise, die aus der Kreativität einer Person, Gruppe oder Gesellschaft entsteht und '''kulturellen Inhalt''' trägt (symbolische Bedeutung, künstlerische Dimension, kulturelle Werte).&amp;lt;ref&amp;gt;Österreichische UNESCO-Kommission 2007: Übereinkommen zum Schutz und zur Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen, Art. 4, Seite 13. URL: https://www.unesco.at/fileadmin/Redaktion/Publikationen/Publikations-Dokumente/2005er_UNESCO-Convention_German.pdf, abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt; Sie wird innerhalb und zwischen Gemeinschaften weitergegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle kulturellen Ausdrucksformen bilden einen wesentlichen Kern von Kultur, aber Kultur enthält auch latente Dimensionen (Werte, Normen, Vorannahmen etc.), die nicht unmittelbar als Ausdrucksform erscheinen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.3 Kulturgut ===&lt;br /&gt;
Ein „Kulturgut“ ist '''eine einzelne kulturelle Ausdrucksform''', der ein '''besonderer kultureller Wert zugemessen wird''' (durch Anerkennung, Schutz, Bedeutung). Es ist somit ein Erzeugnis menschlicher Kreativität oder Zeugnis menschlichen Lebens, welches '''Bedeutung für die Kultur einer Gemeinschaft''' hat und daher '''Bestand haben und bewahrt werden soll'''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die '''Summe aller Kulturgüter''' einer Gemeinschaft wird als dessen '''Kulturerbe''' bezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.4 Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
Kulturerbe ist die '''Summe der materiellen und immateriellen Ausdrucksformen''' (= Kulturgüter) einer Kultur, die als „'''bewahrenswert'''“ anerkannt wurden. International umfasst das u. a. das '''Welterbe''' (Denkmäler, Ensembles, Stätten)&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO (1972), Welterbekonvention, Art. 1. URL: https://www.dnk.de/wp-content/uploads/2021/02/1972_DNK_UNESCO-Welterbekonvention.pdf (abgerufen am 11.09.2025).&amp;lt;/ref&amp;gt; und das '''Immaterielles Kulturerbe''' (Praktiken, Wissen).&amp;lt;ref&amp;gt;Deutsche UNESCO-Kommission o. J.:, Übereinkommen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes (dt. Ausgabe). URL: https://www.unesco.de/assets/dokumente/Deutsche_UNESCO-Kommission/02_Publikationen/Publikation_UNESCO-%C3%9Cbereinkommen_zur_Erhaltung_des_immateriellen_Kulturerbes_01.pdf, (abgerufen am 11.09.2025).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ob etwas „zum Kulturerbe“ zählt, ist Ergebnis von Bewertung, Diskurs und teils formellen Verfahren. Dem Sorbischen Kulturregister (SKR) zufolge ist „sorbisch-wendisches Kulturerbe“ eine Zuschreibung, die durch Gesellschaft, Museen, Archive und Wissenschaft erfolgen kann.&amp;lt;ref&amp;gt;Sorbisches Institut 2025: Konzept für ein Sorbisches Kulturregister (SKR). URL: https://www.serbski-institut.de/wp-content/uploads/2021/11/00_Zweite-aktualisierte-Fassung_Konzept_Sorbisches-Kulturregister_20.11.2025.pdf, abgerufen am 20.11.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.5 Abgrenzung: Kultur und Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
'''Kultur / Kulturelle Ausdrucksform''' sind als Begriffe weiter gefasst als '''Kulturgut / Kulturerbe'''. Kulturelle Ausdrucksformen umfassen alles Gelebte und Gestaltete einer Gemeinschaft in Gegenwart und Vergangenheit, während Kulturgut / Kulturerbe diejenigen kulturellen Güter und Traditionen meint, denen eine Bedeutung beigemessen wurde und die als bewahrens- und weitergebenswert erkannt wurden. Kultur ist der „aktuelle“ kreative Prozess (einschließlich Popkultur, Alltagskultur), Kulturerbe der daraus überkommene Schatz. Dennoch sind die Grenzen fließend: Was heute nur Kultur ist, kann morgen zum Kulturerbe erklärt werden – abhängig von Wertzuschreibung und Diskurs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Rahmen dieses Dokuments werden für den sorbischen Kontext die Begriffe '''„kulturelle Ausdrucksform“''' und '''„Kulturgut“''' weitgehend '''synonym''' verwendet, sofern nicht ausdrücklich anders gekennzeichnet. Hintergrund ist, dass die Gesamtzahl der identifizierbaren kulturellen Ausdrucksformen einer kleinen Minderheit wie der Sorben/Wenden im Vergleich zu großen Mehrheitsgesellschaften überschaubar ist. Zugleich ist der Anteil dieser Ausdrucksformen, denen in der Community ein besonderer Wert beigemessen wird und die daher faktisch als Kulturgut wahrgenommen und behandelt werden, sehr hoch: Ein großer Teil des gelebten kulturellen Repertoires wird als identitätsstiftend und bewahrenswert verstanden und damit dem Kulturerbe zugerechnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2.2 Klassifizierung von Kulturgütern ==&lt;br /&gt;
Im Folgenden soll eine griffige Klassifizierung von Kulturgütern entwickelt werden, so dass pro Kulturgut-Klasse später auf die Besonderheiten ihrer Digitalisierung eingegangen werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K2.png|center|600px]]&amp;lt;ref&amp;gt;Mermaid Flowchart Code: [https://mermaid.live/edit#pako:eNptlM9u00AQxl9ltFWoFDlp_C9OjISU2KSgUCq1BSRIDxt77Syxd6v1mkKjSDwBlThw4YCEeuXOoeLSN-EF4BHYjZOQQG67-32_2ZnZsWco4jFBPqrVZpRR6cNsP8n4ZTTBQu7rHVP66QWOKEvV3nQM2BeYTf8eea35fF6rjdiIrUl4cjJiAMPDV_X6sMxkKdJS1uvnvu9PtRGgp5ReE46wJIKSLIOf779CycbkkqQZjSb1Ovz-cv351_drDWGN9BXS_xfZBj7dLoGxBgIFBE14nOcrZGH68E07Iu0IlSNsQkhTKnGlfvyh1bjKcngIjcYD6G2s-xvrYGMdLuuqAFOXZ0IflzFh0xxn5OBU3t1ISZhqw6KaKpo29k04jSaCJrLq0oZsa9mCAZc8FTihhBnQp1ksxd1NSsS22dFmG3oMZzwl0HveONtlc7XNATtsHI9fk6kkC3nRsKoqnVNgwrFQaUOvLGJRRtMi4SJfZ790WtppQYhFIVV7CYsJDO9uWbEMujbqOgIbTqgsddB7MCD_eXT6gQMvaFEQBlclPMVqcA6eMfqGiKLMt926isCFM4FjKiln-voCHmEWXxIxXZcUVo-jSwrVe3DBGvHqtc83DLqS0FpNAi3wRluiDBdFSBIYQ0KzzN_r265jPjQinnHh7yVJYhRS8ClZKfe3KLyk2oHneuEuqlK2qWhJWYPOwGnvoiplm4qXVMd17V5rF1UpikIGSgWNkS9FSQyUE5FjvUUzHXGE5ITkZIR8tYxJgtVXPEIjNlfYBWYvOc9XpOBlOkF-grNC7cqLWPUupFjNa74-FXo0RMBLJpFvWtYiCPJn6C3yG7bTNO2u6Tidrue0W13HQO_Usdtquuqg1bG6TtvzPNuZG-hqcXGr2baV5NhuyzId13XbBiJqDrg4qn5ni7_a_A_W9oMu hier klicken], abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.1 A. Materiell - unbeweglich 🏛️ ===&lt;br /&gt;
„Materiell - unbeweglich&amp;quot; bezeichnet ortsfeste Kulturobjekte wie Bauwerke, Ensembles, Gebäudekomplexe und Stätten/Kulturlandschaften, wie sie in Art. 1 der UNESCO-Welterbekonvention als Kategorien des kulturellen Erbes definiert sind.&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO World Heritage Centre o. J.: Convention Concerning the Protection of the World Cultural and Natural Heritage, Artikel 1. URL: https://whc.unesco.org/en/conventiontext/, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.2 B. Materiell - beweglich 🖼️ ===&lt;br /&gt;
Die Kategorie „Materiell - beweglich&amp;quot; umfasst bewegliche Sachen bzw. Sachgesamtheiten von kulturellem Wert (z. B. Objekte, Sammlungen), wie sie das deutsche Kulturgutschutzgesetz (§ 2 KGSG)&amp;lt;ref&amp;gt;Deutschland 2016: Kulturgutschutzgesetz (KGSG), § 2. URL: https://www.buzer.de/2_KGSG.htm, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt; als „Kulturgut“ beschreibt.&lt;br /&gt;
* B1 '''Schriftgut''' - Bücher, Zeitungen, Handschriften, Archivgut, Graphiken, Pläne, Karten&lt;br /&gt;
* B2 '''Fotografien &amp;amp; Bildträger''' &lt;br /&gt;
** Fotografisch erzeugte statische Bildträger, auch Stillbildträger genannt, z. B. Positive/Negative auf Film/Platte/Photopapier, Dias, Abzüge, Mikrofilm/-fiche und vergleichbare fotografische Repro-Träger.&lt;br /&gt;
* B3 '''Analoge AV-Träger''' (Audio/Video/Film)&lt;br /&gt;
** Analoge zeitbasierte Medien, z. B. Magnetton (Tonband, Kassette), Schallplatte, Videobänder, Film.&lt;br /&gt;
* B4 '''3D-Objekte''' - Gegenstände, „sachkulturelle Artefakte“&amp;lt;ref&amp;gt;Sorbisches Institut o. J.: Konzept zum Digitalisierungszentrum am Sorbischen Institut, S. 24.&lt;br /&gt;
(Unveröffentlichtes Konzeptpapier; interne Projektunterlage.)&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.3 C. Immateriell 🎭 ===&lt;br /&gt;
Meint lebendige Praktiken, Darstellungen, Ausdrucksformen, Ideen, Werte, Wissen und Fertigkeiten, die von Gemeinschaften getragen und weitergegeben werden, gemäß der folgenden 5 UNESCO ICH-Domänen.&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO o. J.: Intangible Cultural Heritage – Five Domains. URL: https://ich.unesco.org/doc/src/01857-EN.pdf, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* C1 '''Orale Traditionen/Ausdrucksformen''' - Sprache, Gesangstraditionen&lt;br /&gt;
* C2 '''Darstellende Künste''' - Musik, Tanz, Theater&lt;br /&gt;
* C3 '''Rituale &amp;amp; Feste''' - Bräuche und soziale Praktiken des Kalenders und Lebenslaufs&lt;br /&gt;
* C4 '''Wissen &amp;amp; Praktiken''' zu Natur &amp;amp; Universum - Heil- und Sammelkenntnisse, ökologisches und astronomisches Wissen, Glaube, Religion&lt;br /&gt;
* C5 '''Traditionelles Handwerk''' - Techniken, Werkzeuge und Gestaltungsmuster&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.4 D. Digital 💾 ===&lt;br /&gt;
Bezeichnet in digitaler Form vorliegende Ressourcen menschlichen Wissens und Ausdrucks. Diese können sowohl born-digital sein als auch digitalisierte Repräsentationen von materiellen und immateriellen Kulturgütern.&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO 2003: Charter on the Preservation of Digital Heritage. URL: https://www.unesco.org/en/legal-affairs/charter-preservation-digital-heritage, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* D1 '''Born-digital''' (ursprünglich digital erzeugt, kein analoges Original), z. B. Webseiten, Social-Media-Beiträge, Software, Apps, Spiele, digitale Fotos/Audio/Video.&lt;br /&gt;
* D2 '''Digitalisate''' - Digitalisierte Repräsentationen/Derivate aus den Klassen A, B und C.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2.3 Prozess der Digitalisierung von Kulturerbe ==&lt;br /&gt;
Die Digitalisierung von Kulturgut ist kein rein technischer Arbeitsschritt, sondern ein vielschichtiger, oft langfristiger Prozess, der bereits mit der Wahrnehmung und Identifikation einer kulturellen Ausdrucksform beginnt. Ziel dieses Abschnitts ist es, diesen Gesamtprozess systematisch darzustellen: von der gelebten Kultur über das identifizierte Kulturgut bis hin zur digital nutzbaren Repräsentation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die hier entwickelte Prozessdarstellung soll als praxisorientierter Überblick dienen für die Digitalisierung des sorbischen Kulturerbes. Sie berücksichtigt die Anforderungen sorbischer Einrichtungen ebenso wie die international etablierten Referenzmodelle und Standards, darunter:&lt;br /&gt;
* das OAIS-Referenzmodell (ISO 14721) für digitale Archivierung&amp;lt;ref&amp;gt;Consultative Committee for Space Data Systems (CCSDS) 2024: Reference Model for an Open Archival Information System (OAIS), CCSDS 650.0-M-3. URL: https://ccsds.org/Pubs/650x0m3.pdf, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* das DCC Curation Lifecycle Model für kuratorische Entscheidungsprozesse&amp;lt;ref&amp;gt;Higgins 2008: The DCC Curation Lifecycle Model. International Journal of Digital Curation, 3(1), 134-140. URL: https://ijdc.net/index.php/ijdc/article/view/48, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* das Spectrum-Modell für museale Objektverwaltung&amp;lt;ref&amp;gt;Collections Trust 2022. Spectrum 5.1 - The UK Museum Collections Management Standard. URL: https://collectionstrust.org.uk/spectrum/spectrum-5, abgerufen am 01.10.2025. &amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* die UNESCO-Leitlinien zur Inventarisierung immateriellen Kulturerbes&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO 2024: Operational Directives for the Implementation of the Convention for the Safeguarding of the Intangible Cultural Heritage (10.GA). URL: https://ich.unesco.org/doc/src/ICH-Operational_Directives-10.GA_EN.pdf, abgerufen am 01.10.2025. &amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* sowie technische Vorgaben wie die DFG-Praxisregeln Digitalisierung&amp;lt;ref&amp;gt;Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) 2022: Praxisregeln Digitalisierung (aktualisierte Fassung). URL: https://www.ulb.hhu.de/fileadmin/redaktion/ULB/Documents/Infomaterial/DFG_Praxisregeln_Digitalisierung_Aktualisierte_Fassung2022.pdf, abgerufen am 01.10.2025. &amp;lt;/ref&amp;gt; und die FADGI-Richtlinien&amp;lt;ref&amp;gt;Federal Agencies Digital Guidelines Initiative (FADGI) 2023: Technical Guidelines for Digitizing Cultural Heritage Materials – Still Image, 3rd ed. URL: https://www.digitizationguidelines.gov/guidelines/digitize-technical.html, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Folge soll der „Lebenslauf“ eines Kulturguts dargestellt werden, also der Weg, den ein Objekt oder eine kulturelle Praxis vom Zeitpunkt der Entstehung über die Erfassung, Digitalisierung und Archivierung bis zur Veröffentlichung in einem digitalen Präsentationsmodul durchläuft.&lt;br /&gt;
Hierfür erläutert der folgende Abschnitt die einzelnen Prozessschritte im Detail, jeweils mit Akteuren und Beispielen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.3.1 Vorüberlegungen zum Prozess ===&lt;br /&gt;
Im hier vorgestellten Prozess wird auf eine harte, systematische Filterung verzichtet, welche kulturellen Ausdrucksformen „nur“ Kultur und welche bereits Kulturgut sind. Ein solcher Bewertungs- und Abgrenzungsprozess wäre ressourcenintensiv und würde den vorhandenen Kapazitäten in den beteiligten Einrichtungen nicht entsprechen. Stattdessen folgt das Konzept einer inklusiven Logik: Alle dokumentierten Ausdrucksformen werden zunächst als potenzielle Kulturgüter erfasst. Eine feinere Auswahl und Priorisierung erfolgen erst in einem späteren Schritt, nämlich dann, wenn konkret entschieden wird, welche Ausdrucksformen bzw. Kulturgüter in welcher Tiefe digitalisiert, archiviert und präsentiert werden sollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Vorgehen schließt an das SKR-Konzept an, das bewusst auf eine frühe normative Trennung zwischen „kultureller Ausdrucksform“ und „Kulturgut“ verzichtet. Auch hier steht zunächst der möglichst vollständige, strukturierte Überblick über die sorbischen Kulturgüter im Vordergrund. Die differenzierte Bewertung und Schwerpunktsetzung werden als anschließende fachliche Aufgabe verstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.3.2 Prozessschritte im Detail ===&lt;br /&gt;
Das folgende Diagramm gibt einen Überblick über die sechs Kernschritte des Gesamtprozesses der Digitalisierung von Kulturgut – von der ersten Wahrnehmung einer kulturellen Ausdrucksform bis zu ihrer digitalen Präsentation als Kulturgut. Die Abfolge zeigt zugleich die Entwicklungsstufen: von gelebter Kultur zur kulturellen Ausdrucksform, von dort zum Kulturgut und schließlich zum digitalen Kulturgut. Die Schritte sind als generischer Ablauf zu verstehen: Je nach Art des Kulturguts können einzelne Tätigkeiten unterschiedlich aufwendig sein oder parallel erfolgen.&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K3.png|center|600px]]&amp;lt;ref&amp;gt;Mermaid Flowchart Code: [https://mermaid.live/edit#pako:eNplkk1OwzAQha8yGqmbkloxSZs2CyTa8LOphIAVhIVJpolF4iDH4a_qbXqTXgzHFdAKr2y97703lmaNWZMTxriqmvesFNrAfZIqgPPHFIdDzuBO1DVVajhM8QlGozOYO-WUwS0VsjVakqa93Pvmjlk4JmAwp3fS5kCHwQAWjkkcE_Y5WWkIXqrd9jBpT138UIkspBGVbI_7-rwLR146csLgRryQ-U8lMGLwTG1WapLPpHKCZQLMOY9ch7m2VxiSpOAEjJ1TSev_M_bkvv3KtY8ZnOuslG_H9VcOuf4dUO-2LamjGdHDQsscY6M78rAmXYv-ies-IEVTUk0pxvaa00p0lUkxVRtrexXqoWnqH6duuqLEeCWq1r6619zOn0hRaPGH9J_Xi6ZTBuOxS8B4jR8YhxGLeDThkR-EM37KuYefFmHTaOz7fOZHQTidBMHGwy9X6VslnNnDw4jPuB8GHlIuTaOX-7Vy27X5Bh_Osqo hier klicken], abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Prozess zeigt, dass Digitalisierung von Kulturgut mehr ist als das Erstellen digitaler Dateien. Sie umfasst eine Reihe aufeinander bezogener Schritte – von der ersten Wahrnehmung einer kulturellen Ausdrucksform über ihre Erfassung, Bewertung und Digitalisierung bis hin zur langfristigen Sicherung und Präsentation. Dabei sind je nach Schritt unterschiedliche Akteure beteiligt, etwa Gemeinschaften, Museen, Archive, Fachgremien, Digitalisierungsstellen oder IT. Die folgenden Beschreibungen erläutern diese Schritte so, dass nachvollziehbar wird, was jeweils mit einem Kulturgut geschieht, wer daran beteiligt ist und wie sich der Ablauf in der Praxis vorstellen lässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''1. Sammeln &amp;amp; erfassen''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Hier wird eine kulturelle Ausdrucksform erstmals wahrgenommen, benannt und mit ersten Informationen erfasst: Was ist es, wer macht es oder hat es geschaffen, wo kommt es vor, warum ist es bedeutsam für die Gemeinschaft? &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Community, Vereine, Museen, Archive, Forschende, Privatpersonen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Auf einem Dorffest zeigt eine Frau das Verzieren sorbischer Ostereier. Jemand fotografiert dies und notiert Technik, Ort und Namen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''2. Registrieren &amp;amp; beschreiben''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Hier wird aus der ersten Beobachtung ein strukturierter Nachweis. Das Kulturgut oder die kulturelle Ausdrucksform wird in ein Register, eine Sammlung oder einen Katalog aufgenommen und mit strukturierten Metadaten beschrieben, damit es wiedergefunden, zugeordnet und verstanden werden kann. Dazu gehören z. B. Titel, Ort, Zeit, Technik, Funktion, beteiligte Personen und der kulturelle Kontext.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Registerverantwortliche, Kurator:innen, Sammlungsmitarbeitende, Community für Kontextinformationen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Das Osterei erhält einen Eintrag mit Angaben wie „Wachsbatik“, „Schleife“, „Osterei-Verzierung“, Name der Trägerin und Entstehungsjahr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''3. Bewerten &amp;amp; freigeben''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
In diesem Schritt wird entschieden, ob und in welcher Priorität ein Kulturgut oder die kulturelle Ausdrucksform digitalisiert werden soll und ob dies rechtlich und ethisch möglich ist. Dabei spielen fachliche Kriterien wie Bedeutung, Repräsentativität, Seltenheit oder Gefährdung eine Rolle, aber auch Fragen des Urheberrechts, Datenschutzes und möglicher kultureller Sensibilitäten. Am Ende steht eine begründete Entscheidung, ob und in welchem Umfang das Kulturgut weiterbearbeitet und später veröffentlicht werden darf. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Kurator:innen, Fachgremien, Community-Vertretungen, Register/SKR, ggf. Rechteverantwortliche und Behörden. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Es wird entschieden, dass die Osterei-Technik wegen ihrer Bedeutung für die sorbische Identität digital gesichert werden soll; die Kunsthandwerkerin stimmt der Veröffentlichung zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''4. Digitalisieren &amp;amp; prüfen''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nun wird das Kulturgut technisch erfasst, also in eine digitale Form überführt. Das kann je nach Objektart durch Scan, Fotografie, Audio- oder Videoaufnahme oder 3D-Erfassung geschehen. Dabei entstehen hochwertige Master-Dateien und nutzbare Derivate. Die Digitalisierung folgt qualifizierten Standards, um Reproduzierbarkeit, Farbkonsistenz und Nutzbarkeit zu gewährleisten. Anschließend wird geprüft, ob Schärfe, Farbe, Vollständigkeit und Dateiformate den Anforderungen für Archivierung und Nutzung entsprechen. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Digitalisierungszentrum, Foto-/AV-/3D-Spezialist:innen, externe Dienstleister bei Spezialfällen. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Das Osterei wird fotografisch hochauflösend aufgenommen und zusätzlich als 3D-Modell erfasst. Danach werden Schärfe, Farbe und Dateiformate geprüft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''5. Archivieren &amp;amp; sichern''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die entstandenen digitalen Dateien werden geordnet abgelegt, mit den zugehörigen Metadaten verknüpft und für die langfristige Erhaltung gesichert. Dazu gehören sichere Speicherorte, Backups, Integritätskontrollen und – wenn nötig – spätere technische Migration auf neue Systeme. Ziel ist, dass das digitale Kulturgut langfristig erhalten bleibt, auch wenn sich Technik und Formate verändern. Das Original bleibt in der Regel weiterhin am Sammlungs- oder Aufbewahrungsort. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Archiv, Repository, IT-Betrieb, ggf. Sorbisches Kulturarchiv bzw. Digitalisierungszentrum. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Die Bilder und das 3D-Modell des Ostereis werden auf gesicherten Servern gespeichert; das Original bleibt im Museum oder bei der Eigentümerin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''6. Präsentieren &amp;amp; nutzen''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im letzten Schritt werden die digitalen Objekte so bereitgestellt, dass sie gefunden, verstanden und genutzt werden können, z. B. in Portalen, digitalen Sammlungen oder virtuellen Ausstellungen. Dafür reicht es nicht, nur Dateien anzuzeigen: Es braucht auch verständliche Kontexte, Rechteangaben, Mehrsprachigkeit und möglichst barrierearme Zugänge. So wird aus der technischen Digitalisierung eine tatsächliche kulturelle Nutzung. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Kurator:innen, Vermittlung, Web/IT, Museen, Kulturinformationen, Community. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Das Osterei erscheint in einer Online-Ausstellung, kann herangezoomt oder als 3D-Modell gedreht werden und wird mit einem kurzen Text zur Technik erklärt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Ergänzende organisatorische Perspektive''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die folgende Abbildung ist entnommen aus einem Poster des Sorbischen Instituts zu dessen Digitalisierungsstrategie, gefunden auf der Projektseite des Digitalisierungszentrums.&amp;lt;ref&amp;gt;Sorbisches Institut: Digitalisierungszentrum (DZ). URL: [https://www.serbski-institut.de/projekte-zentrale-vorhaben/digitalisierungszentrum-dz/ https://www.serbski-institut.de/projekte-zentrale-vorhaben/digitalisierungszentrum-dz/], abgerufen am 25.03.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt; Sie zeigt den Prozess der Digitalisierung der sorbischen/wendischen Kulturdaten aus Sicht des Sorbischen Instituts. Im Unterschied zur linearen Prozessgrafik oben bildet sie nicht den Weg eines einzelnen Kulturguts ab, sondern das Zusammenspiel von Kulturregister, Digitalisierungszentrum und Präsentationsumgebung. Sie ergänzt damit den oben beschriebenen Prozess um die Ebenen der Zuständigkeiten und Daten.&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K4.png|mini||center|600px|Abbildung: 3-Säulen-Modell der Digitalisierungsstrategie des Sorbischen Instituts. Quelle: Sorbisches Institut, „Digitalizacija serbskich kulturnych datow / Digitalisierung der sorbischen/wendischen Kulturdaten“&amp;lt;ref&amp;gt;Sorbisches Institut 2025: Digitalizacija serbskich kulturnych datow / Digitalisierung der sorbischen/wendischen Kulturdaten (Poster). URL:  [https://www.serbski-institut.de/wp-content/uploads/2021/11/A0-Druck_Digitalisierungsstrategie-SI.pdf  https://www.serbski-institut.de/wp-content/uploads/2021/11/A0-Druck_Digitalisierungsstrategie-SI.pdf], abgerufen am 25.03.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bezogen auf die oben beschriebenen [[#2.3.2 Prozessschritte im Detail|Prozessschritte der Digitalisierung von Kulturerbe]] steht das '''Sorbische Kulturregister''' vor allem für den Prozessschritt „'''2. Registrieren'''“ und dient dabei vor allem der Verzeichnung und Metadatenverwaltung. Das '''Digitalisierungszentrum''' steht für die Prozessschritte „'''4. Digitalisieren'''“ und „'''5. Archivieren'''“ und dient dabei der technischen Erfassung, Bearbeitung und Sicherung der Digitalisate. Die '''Präsentationsumgebung''' steht für den Schritt „'''6. Präsentieren'''“ und dient der öffentlichen oder kuratierten Bereitstellung zur Nutzung. Ergänzende Konzepte des SI machen dabei deutlich, dass die Digitalisierung im Regelfall eine vorherige Verzeichnung im Register voraussetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Referenzen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Měrko Šenk</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://koncept.serbski-inkubator.de/index.php?title=12.3_Digitalisierung_des_Kulturerbes&amp;diff=1051</id>
		<title>12.3 Digitalisierung des Kulturerbes</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://koncept.serbski-inkubator.de/index.php?title=12.3_Digitalisierung_des_Kulturerbes&amp;diff=1051"/>
		<updated>2026-03-26T10:05:09Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Měrko Šenk: /* 2.3.2 Prozessschritte im Detail */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;= 1 Einleitung =&lt;br /&gt;
Die Digitalisierung von sorbischem Kulturerbe ist eine historische Chance für uns Sorben, eine Chance, unser kulturelles Erbe neu zu entdecken, es für kommende Generationen zu erhalten, für eine breitere Öffentlichkeit zugänglich zu machen und dabei die eigene Deutungshoheit zu stärken. Das erfordert neben Mut, einer klaren gemeinsamen Vision, starker Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Akteuren auch die notwendigen Ressourcen in Form von Personal mit entsprechenden Kompetenzen, passender Technik sowie einer nachhaltig gesicherten Finanzierung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im folgenden Abschnitt werden Zielbilder für die Digitalisierung des sorbischen Kulturerbes entworfen mittels lang- und kurzfristiger Visionen sowie konkreter Ziele.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 1.1 Visionen und Ziele für die sorbische digitale Welt ==&lt;br /&gt;
'''Vision 2035'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
''Sorbisches materielles und immaterielles Kulturerbe ist systematisch digital erfasst, rechtssicher und langfristig gesichert, leicht auffindbar, offen nutzbar und wird aktiv von Interessierten genutzt.''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Konkrete Ziele'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bis 2032 ist ein tragfähiges, finanziell und organisatorisch abgesichertes Modell etabliert, das:&lt;br /&gt;
* Ein zentrales (oder föderiertes) digitales Langzeitarchiv nach OAIS-Referenzmodell betreibt,&lt;br /&gt;
* klare Zuständigkeiten, Prozesse und Budgets definiert,&lt;br /&gt;
* regelmäßige Qualitätssicherung und Technik-Updates vorsieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis 2030 sind wichtige sorbische Kulturerbe-Bestände (Kernbestände nach fachlicher Festlegung) in hoher Qualität digitalisiert, beschrieben und im Langzeitarchiv gesichert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis 2028 liegt eine institutionenübergreifende Übersicht über relevante Kulturerbe-Bestände (analog und digital, materiell und immateriell) vor, einschließlich einer Prioritätenliste für die Digitalisierung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis 2028 existiert ein zentrales, nutzerfreundliches „Sorbisches Kulturerbe-Portal“, das:&lt;br /&gt;
* Suchzugang über alle teilnehmenden Institutionen ermöglicht,&lt;br /&gt;
* grundlegende Inhalte frei zugänglich bereitstellt,&lt;br /&gt;
* mehrsprachige Oberflächen anbietet (Deutsch, Obersorbisch, Niedersorbisch, Englisch).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= 2 IST-Analyse „Digitalisierung von Kulturerbe“ =&lt;br /&gt;
Das Ziel in diesem Themenbereich ist es, sorbisches Kulturerbe digital zu verwalten und damit langfristig für Recherche, Nutzung und Präsentation vorzuhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Abschnitt &amp;quot;IST-Analyse“ werden die folgenden Fragen beantwortet: Was ist sorbisches Kulturerbe und was zählt alles dazu? Welche Schritte durchläuft ein Kulturgut, um zum digitalen Kulturerbe zu gehören? Wie können die digitale Verwaltung, Archivierung, Nutzung und Präsentation von Kulturgütern umgesetzt werden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die grundlegenden Terminologien des Kulturerbes sollen im Folgenden festgelegt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2.1 Terminologie – von Kultur zu Kulturerbe ==&lt;br /&gt;
In diesem Abschnitt werden die Begriffe rund um das Kulturerbe grundlegend definiert. Es soll ein Verständnis über die Begriffe Kultur, kulturelle Ausprägung, Kulturgut und Kulturerbe erreicht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K1.png|center|260px]]&amp;lt;ref&amp;gt;Mermaid Flowchart Code: [https://mermaid.live/edit#pako:eNpF0UtuwyAQBuCroFlaTuRHTGMvKuWxq7pqV627IGZso2CIMChtk9ymN-nFimmasmJGfP-AOEGjOUIFrdTHpmfGkudtrWpF_Fq9RtGDk9aZKHojU-_aJ7PZ_bmGgSnR4mgFejaKpidC1XAmq8zDfYAoJZKVG7lxzX5stRl81C0_uwYdheGEubHD4_dXLy1hcpyC1rcLdM4GOLH1Ve2E5Gj9TPLkhgEnsLkBNDsMAmLojOBQWeMwhgHNwKYSTuFBYHucbOW3HFvmcQ21unh2YOpF6-FPGu26HqrW381X7sCZxa1gnWH_R1BxNBvtlIUqTUMEVCd49xVdzpeLMs1pXmRFXiY0hg-o8iyZL_LFXZaVSTJ1LzF8hqHJnBZ5WhZLWt5RmtIsBuTCavP4-2Hh3y4_NXaMmw hier klicken], abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.1 Kultur ===&lt;br /&gt;
Kultur bezeichnet hier die Gesamtheit aller '''vom Menschen geschaffenen und erlernten Ausdrucksformen''' des Lebens, die auf gemeinsamen Werten und Verhaltensweisen beruhen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;wiki-kultur&amp;quot;&amp;gt;URL: https://de.wikipedia.org/wiki/Kultur&amp;lt;/ref&amp;gt; Dazu zählen '''materielle Ergebnisse''' (z. B. Kunstwerke, Technik) ebenso wie '''immaterielle Praktiken''' (Sprache, Bräuche, Wissen). Kultur umfasst laut der UNESCO geistige, materielle, intellektuelle und emotionale Merkmale, die eine Gesellschaft oder soziale Gruppe kennzeichnen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mondiacult&amp;quot;&amp;gt;UNESCO 1982: Mexico City Declaration on Cultural Policies (MONDIACULT). URL: https://www.lacult.unesco.org/docc/1982_MONDIACULT.pdf&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;ref name=&amp;quot;cultureaction&amp;quot;&amp;gt;Culture Action Europe 2024: The State of Culture report. URL: https://cultureactioneurope.org/de/news/the-state-of-culture-report-published, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;  Sie ist dynamisch und wird von jeder Generation neu gestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das deutsche Wort „Kultur“ ist eine Eindeutschung des lateinischen Worts „cultura“. Dieses bedeutet ursprünglich „Bebauung, Bearbeitung, Bestellung, Pflege“ und meinte sowohl die physische Bearbeitung als auch die Pflege geistiger Güter, z. B. der Sprache.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.2 Kulturelle Ausdrucksform ===&lt;br /&gt;
Eine kulturelle Ausdrucksform ist eine '''konkrete, gegenwärtige oder historische, Manifestation von Kultur''', bspw. eine Zeichnung, eine Tracht oder ein Lied: Sie macht die Kultur sichtbar und erlebbar. Im engeren Sinne ist es eine Ausdrucksweise, die aus der Kreativität einer Person, Gruppe oder Gesellschaft entsteht und '''kulturellen Inhalt''' trägt (symbolische Bedeutung, künstlerische Dimension, kulturelle Werte).&amp;lt;ref&amp;gt;Österreichische UNESCO-Kommission 2007: Übereinkommen zum Schutz und zur Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen, Art. 4, Seite 13. URL: https://www.unesco.at/fileadmin/Redaktion/Publikationen/Publikations-Dokumente/2005er_UNESCO-Convention_German.pdf, abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt; Sie wird innerhalb und zwischen Gemeinschaften weitergegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle kulturellen Ausdrucksformen bilden einen wesentlichen Kern von Kultur, aber Kultur enthält auch latente Dimensionen (Werte, Normen, Vorannahmen etc.), die nicht unmittelbar als Ausdrucksform erscheinen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.3 Kulturgut ===&lt;br /&gt;
Ein „Kulturgut“ ist '''eine einzelne kulturelle Ausdrucksform''', der ein '''besonderer kultureller Wert zugemessen wird''' (durch Anerkennung, Schutz, Bedeutung). Es ist somit ein Erzeugnis menschlicher Kreativität oder Zeugnis menschlichen Lebens, welches '''Bedeutung für die Kultur einer Gemeinschaft''' hat und daher '''Bestand haben und bewahrt werden soll'''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die '''Summe aller Kulturgüter''' einer Gemeinschaft wird als dessen '''Kulturerbe''' bezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.4 Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
Kulturerbe ist die '''Summe der materiellen und immateriellen Ausdrucksformen''' (= Kulturgüter) einer Kultur, die als „'''bewahrenswert'''“ anerkannt wurden. International umfasst das u. a. das '''Welterbe''' (Denkmäler, Ensembles, Stätten)&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO (1972), Welterbekonvention, Art. 1. URL: https://www.dnk.de/wp-content/uploads/2021/02/1972_DNK_UNESCO-Welterbekonvention.pdf (abgerufen am 11.09.2025).&amp;lt;/ref&amp;gt; und das '''Immaterielles Kulturerbe''' (Praktiken, Wissen).&amp;lt;ref&amp;gt;Deutsche UNESCO-Kommission o. J.:, Übereinkommen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes (dt. Ausgabe). URL: https://www.unesco.de/assets/dokumente/Deutsche_UNESCO-Kommission/02_Publikationen/Publikation_UNESCO-%C3%9Cbereinkommen_zur_Erhaltung_des_immateriellen_Kulturerbes_01.pdf, (abgerufen am 11.09.2025).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ob etwas „zum Kulturerbe“ zählt, ist Ergebnis von Bewertung, Diskurs und teils formellen Verfahren. Dem Sorbischen Kulturregister (SKR) zufolge ist „sorbisch-wendisches Kulturerbe“ eine Zuschreibung, die durch Gesellschaft, Museen, Archive und Wissenschaft erfolgen kann.&amp;lt;ref&amp;gt;Sorbisches Institut 2025: Konzept für ein Sorbisches Kulturregister (SKR). URL: https://www.serbski-institut.de/wp-content/uploa ds/2021/11/00_Zweite-aktualisierte-Fassung_Konzept_Sorbisches-Kulturregister_20.11.2025.pdf, abgerufen am 20.11.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.5 Abgrenzung: Kultur und Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
'''Kultur / Kulturelle Ausdrucksform''' sind als Begriffe weiter gefasst als '''Kulturgut / Kulturerbe'''. Kulturelle Ausdrucksformen umfassen alles Gelebte und Gestaltete einer Gemeinschaft in Gegenwart und Vergangenheit, während Kulturgut / Kulturerbe diejenigen kulturellen Güter und Traditionen meint, denen eine Bedeutung beigemessen wurde und die als bewahrens- und weitergebenswert erkannt wurden. Kultur ist der „aktuelle“ kreative Prozess (einschließlich Popkultur, Alltagskultur), Kulturerbe der daraus überkommene Schatz. Dennoch sind die Grenzen fließend: Was heute nur Kultur ist, kann morgen zum Kulturerbe erklärt werden – abhängig von Wertzuschreibung und Diskurs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Rahmen dieses Dokuments werden für den sorbischen Kontext die Begriffe '''„kulturelle Ausdrucksform“''' und '''„Kulturgut“''' weitgehend '''synonym''' verwendet, sofern nicht ausdrücklich anders gekennzeichnet. Hintergrund ist, dass die Gesamtzahl der identifizierbaren kulturellen Ausdrucksformen einer kleinen Minderheit wie der Sorben/Wenden im Vergleich zu großen Mehrheitsgesellschaften überschaubar ist. Zugleich ist der Anteil dieser Ausdrucksformen, denen in der Community ein besonderer Wert beigemessen wird und die daher faktisch als Kulturgut wahrgenommen und behandelt werden, sehr hoch: Ein großer Teil des gelebten kulturellen Repertoires wird als identitätsstiftend und bewahrenswert verstanden und damit dem Kulturerbe zugerechnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2.2 Klassifizierung von Kulturgütern ==&lt;br /&gt;
Im Folgenden soll eine griffige Klassifizierung von Kulturgütern entwickelt werden, so dass pro Kulturgut-Klasse später auf die Besonderheiten ihrer Digitalisierung eingegangen werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K2.png|center|600px]]&amp;lt;ref&amp;gt;Mermaid Flowchart Code: [https://mermaid.live/edit#pako:eNptlM9u00AQxl9ltFWoFDlp_C9OjISU2KSgUCq1BSRIDxt77Syxd6v1mkKjSDwBlThw4YCEeuXOoeLSN-EF4BHYjZOQQG67-32_2ZnZsWco4jFBPqrVZpRR6cNsP8n4ZTTBQu7rHVP66QWOKEvV3nQM2BeYTf8eea35fF6rjdiIrUl4cjJiAMPDV_X6sMxkKdJS1uvnvu9PtRGgp5ReE46wJIKSLIOf779CycbkkqQZjSb1Ovz-cv351_drDWGN9BXS_xfZBj7dLoGxBgIFBE14nOcrZGH68E07Iu0IlSNsQkhTKnGlfvyh1bjKcngIjcYD6G2s-xvrYGMdLuuqAFOXZ0IflzFh0xxn5OBU3t1ISZhqw6KaKpo29k04jSaCJrLq0oZsa9mCAZc8FTihhBnQp1ksxd1NSsS22dFmG3oMZzwl0HveONtlc7XNATtsHI9fk6kkC3nRsKoqnVNgwrFQaUOvLGJRRtMi4SJfZ790WtppQYhFIVV7CYsJDO9uWbEMujbqOgIbTqgsddB7MCD_eXT6gQMvaFEQBlclPMVqcA6eMfqGiKLMt926isCFM4FjKiln-voCHmEWXxIxXZcUVo-jSwrVe3DBGvHqtc83DLqS0FpNAi3wRluiDBdFSBIYQ0KzzN_r265jPjQinnHh7yVJYhRS8ClZKfe3KLyk2oHneuEuqlK2qWhJWYPOwGnvoiplm4qXVMd17V5rF1UpikIGSgWNkS9FSQyUE5FjvUUzHXGE5ITkZIR8tYxJgtVXPEIjNlfYBWYvOc9XpOBlOkF-grNC7cqLWPUupFjNa74-FXo0RMBLJpFvWtYiCPJn6C3yG7bTNO2u6Tidrue0W13HQO_Usdtquuqg1bG6TtvzPNuZG-hqcXGr2baV5NhuyzId13XbBiJqDrg4qn5ni7_a_A_W9oMu hier klicken], abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.1 A. Materiell - unbeweglich 🏛️ ===&lt;br /&gt;
„Materiell - unbeweglich&amp;quot; bezeichnet ortsfeste Kulturobjekte wie Bauwerke, Ensembles, Gebäudekomplexe und Stätten/Kulturlandschaften, wie sie in Art. 1 der UNESCO-Welterbekonvention als Kategorien des kulturellen Erbes definiert sind.&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO World Heritage Centre o. J.: Convention Concerning the Protection of the World Cultural and Natural Heritage, Artikel 1. URL: https://whc.unesco.org/en/conventiontext/, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.2 B. Materiell - beweglich 🖼️ ===&lt;br /&gt;
Die Kategorie „Materiell - beweglich&amp;quot; umfasst bewegliche Sachen bzw. Sachgesamtheiten von kulturellem Wert (z. B. Objekte, Sammlungen), wie sie das deutsche Kulturgutschutzgesetz (§ 2 KGSG)&amp;lt;ref&amp;gt;Deutschland 2016: Kulturgutschutzgesetz (KGSG), § 2. URL: https://www.buzer.de/2_KGSG.htm, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt; als „Kulturgut“ beschreibt.&lt;br /&gt;
* B1 '''Schriftgut''' - Bücher, Zeitungen, Handschriften, Archivgut, Graphiken, Pläne, Karten&lt;br /&gt;
* B2 '''Fotografien &amp;amp; Bildträger''' &lt;br /&gt;
** Fotografisch erzeugte statische Bildträger, auch Stillbildträger genannt, z. B. Positive/Negative auf Film/Platte/Photopapier, Dias, Abzüge, Mikrofilm/-fiche und vergleichbare fotografische Repro-Träger.&lt;br /&gt;
* B3 '''Analoge AV-Träger''' (Audio/Video/Film)&lt;br /&gt;
** Analoge zeitbasierte Medien, z. B. Magnetton (Tonband, Kassette), Schallplatte, Videobänder, Film.&lt;br /&gt;
* B4 '''3D-Objekte''' - Gegenstände, „sachkulturelle Artefakte“&amp;lt;ref&amp;gt;Sorbisches Institut o. J.: Konzept zum Digitalisierungszentrum am Sorbischen Institut, S. 24.&lt;br /&gt;
(Unveröffentlichtes Konzeptpapier; interne Projektunterlage.)&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.3 C. Immateriell 🎭 ===&lt;br /&gt;
Meint lebendige Praktiken, Darstellungen, Ausdrucksformen, Ideen, Werte, Wissen und Fertigkeiten, die von Gemeinschaften getragen und weitergegeben werden, gemäß der folgenden 5 UNESCO ICH-Domänen.&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO o. J.: Intangible Cultural Heritage – Five Domains. URL: https://ich.unesco.org/doc/src/01857-EN.pdf, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* C1 '''Orale Traditionen/Ausdrucksformen''' - Sprache, Gesangstraditionen&lt;br /&gt;
* C2 '''Darstellende Künste''' - Musik, Tanz, Theater&lt;br /&gt;
* C3 '''Rituale &amp;amp; Feste''' - Bräuche und soziale Praktiken des Kalenders und Lebenslaufs&lt;br /&gt;
* C4 '''Wissen &amp;amp; Praktiken''' zu Natur &amp;amp; Universum - Heil- und Sammelkenntnisse, ökologisches und astronomisches Wissen, Glaube, Religion&lt;br /&gt;
* C5 '''Traditionelles Handwerk''' - Techniken, Werkzeuge und Gestaltungsmuster&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.4 D. Digital 💾 ===&lt;br /&gt;
Bezeichnet in digitaler Form vorliegende Ressourcen menschlichen Wissens und Ausdrucks. Diese können sowohl born-digital sein als auch digitalisierte Repräsentationen von materiellen und immateriellen Kulturgütern.&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO 2003: Charter on the Preservation of Digital Heritage. URL: https://www.unesco.org/en/legal-affairs/charter-preservation-digital-heritage, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* D1 '''Born-digital''' (ursprünglich digital erzeugt, kein analoges Original), z. B. Webseiten, Social-Media-Beiträge, Software, Apps, Spiele, digitale Fotos/Audio/Video.&lt;br /&gt;
* D2 '''Digitalisate''' - Digitalisierte Repräsentationen/Derivate aus den Klassen A, B und C.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2.3 Prozess der Digitalisierung von Kulturerbe ==&lt;br /&gt;
Die Digitalisierung von Kulturgut ist kein rein technischer Arbeitsschritt, sondern ein vielschichtiger, oft langfristiger Prozess, der bereits mit der Wahrnehmung und Identifikation einer kulturellen Ausdrucksform beginnt. Ziel dieses Abschnitts ist es, diesen Gesamtprozess systematisch darzustellen: von der gelebten Kultur über das identifizierte Kulturgut bis hin zur digital nutzbaren Repräsentation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die hier entwickelte Prozessdarstellung soll als praxisorientierter Überblick dienen für die Digitalisierung des sorbischen Kulturerbes. Sie berücksichtigt die Anforderungen sorbischer Einrichtungen ebenso wie die international etablierten Referenzmodelle und Standards, darunter:&lt;br /&gt;
* das OAIS-Referenzmodell (ISO 14721) für digitale Archivierung&amp;lt;ref&amp;gt;Consultative Committee for Space Data Systems (CCSDS) 2024: Reference Model for an Open Archival Information System (OAIS), CCSDS 650.0-M-3. URL: https://ccsds.org/Pubs/650x0m3.pdf, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* das DCC Curation Lifecycle Model für kuratorische Entscheidungsprozesse&amp;lt;ref&amp;gt;Higgins 2008: The DCC Curation Lifecycle Model. International Journal of Digital Curation, 3(1), 134-140. URL: https://ijdc.net/index.php/ijdc/article/view/48, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* das Spectrum-Modell für museale Objektverwaltung&amp;lt;ref&amp;gt;Collections Trust 2022. Spectrum 5.1 - The UK Museum Collections Management Standard. URL: https://collectionstrust.org.uk/spectrum/spectrum-5, abgerufen am 01.10.2025. &amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* die UNESCO-Leitlinien zur Inventarisierung immateriellen Kulturerbes&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO 2024: Operational Directives for the Implementation of the Convention for the Safeguarding of the Intangible Cultural Heritage (10.GA). URL: https://ich.unesco.org/doc/src/ICH-Operational_Directives-10.GA_EN.pdf, abgerufen am 01.10.2025. &amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* sowie technische Vorgaben wie die DFG-Praxisregeln Digitalisierung&amp;lt;ref&amp;gt;Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) 2022: Praxisregeln Digitalisierung (aktualisierte Fassung). URL: https://www.ulb.hhu.de/fileadmin/redaktion/ULB/Documents/Infomaterial/DFG_Praxisregeln_Digitalisierung_Aktualisierte_Fassung2022.pdf, abgerufen am 01.10.2025. &amp;lt;/ref&amp;gt; und die FADGI-Richtlinien&amp;lt;ref&amp;gt;Federal Agencies Digital Guidelines Initiative (FADGI) 2023: Technical Guidelines for Digitizing Cultural Heritage Materials – Still Image, 3rd ed. URL: https://www.digitizationguidelines.gov/guidelines/digitize-technical.html, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Folge soll der „Lebenslauf“ eines Kulturguts dargestellt werden, also der Weg, den ein Objekt oder eine kulturelle Praxis vom Zeitpunkt der Entstehung über die Erfassung, Digitalisierung und Archivierung bis zur Veröffentlichung in einem digitalen Präsentationsmodul durchläuft.&lt;br /&gt;
Hierfür erläutert der folgende Abschnitt die einzelnen Prozessschritte im Detail, jeweils mit Akteuren und Beispielen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.3.1 Vorüberlegungen zum Prozess ===&lt;br /&gt;
Im hier vorgestellten Prozess wird auf eine harte, systematische Filterung verzichtet, welche kulturellen Ausdrucksformen „nur“ Kultur und welche bereits Kulturgut sind. Ein solcher Bewertungs- und Abgrenzungsprozess wäre ressourcenintensiv und würde den vorhandenen Kapazitäten in den beteiligten Einrichtungen nicht entsprechen. Stattdessen folgt das Konzept einer inklusiven Logik: Alle dokumentierten Ausdrucksformen werden zunächst als potenzielle Kulturgüter erfasst. Eine feinere Auswahl und Priorisierung erfolgen erst in einem späteren Schritt, nämlich dann, wenn konkret entschieden wird, welche Ausdrucksformen bzw. Kulturgüter in welcher Tiefe digitalisiert, archiviert und präsentiert werden sollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Vorgehen schließt an das SKR-Konzept an, das bewusst auf eine frühe normative Trennung zwischen „kultureller Ausdrucksform“ und „Kulturgut“ verzichtet. Auch hier steht zunächst der möglichst vollständige, strukturierte Überblick über die sorbischen Kulturgüter im Vordergrund. Die differenzierte Bewertung und Schwerpunktsetzung werden als anschließende fachliche Aufgabe verstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.3.2 Prozessschritte im Detail ===&lt;br /&gt;
Das folgende Diagramm gibt einen Überblick über die sechs Kernschritte des Gesamtprozesses der Digitalisierung von Kulturgut – von der ersten Wahrnehmung einer kulturellen Ausdrucksform bis zu ihrer digitalen Präsentation als Kulturgut. Die Abfolge zeigt zugleich die Entwicklungsstufen: von gelebter Kultur zur kulturellen Ausdrucksform, von dort zum Kulturgut und schließlich zum digitalen Kulturgut. Die Schritte sind als generischer Ablauf zu verstehen: Je nach Art des Kulturguts können einzelne Tätigkeiten unterschiedlich aufwendig sein oder parallel erfolgen.&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K3.png|center|600px]]&amp;lt;ref&amp;gt;Mermaid Flowchart Code: [https://mermaid.live/edit#pako:eNplkk1OwzAQha8yGqmbkloxSZs2CyTa8LOphIAVhIVJpolF4iDH4a_qbXqTXgzHFdAKr2y97703lmaNWZMTxriqmvesFNrAfZIqgPPHFIdDzuBO1DVVajhM8QlGozOYO-WUwS0VsjVakqa93Pvmjlk4JmAwp3fS5kCHwQAWjkkcE_Y5WWkIXqrd9jBpT138UIkspBGVbI_7-rwLR146csLgRryQ-U8lMGLwTG1WapLPpHKCZQLMOY9ch7m2VxiSpOAEjJ1TSev_M_bkvv3KtY8ZnOuslG_H9VcOuf4dUO-2LamjGdHDQsscY6M78rAmXYv-ies-IEVTUk0pxvaa00p0lUkxVRtrexXqoWnqH6duuqLEeCWq1r6619zOn0hRaPGH9J_Xi6ZTBuOxS8B4jR8YhxGLeDThkR-EM37KuYefFmHTaOz7fOZHQTidBMHGwy9X6VslnNnDw4jPuB8GHlIuTaOX-7Vy27X5Bh_Osqo hier klicken], abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Prozess zeigt, dass Digitalisierung von Kulturgut mehr ist als das Erstellen digitaler Dateien. Sie umfasst eine Reihe aufeinander bezogener Schritte – von der ersten Wahrnehmung einer kulturellen Ausdrucksform über ihre Erfassung, Bewertung und Digitalisierung bis hin zur langfristigen Sicherung und Präsentation. Dabei sind je nach Schritt unterschiedliche Akteure beteiligt, etwa Gemeinschaften, Museen, Archive, Fachgremien, Digitalisierungsstellen oder IT. Die folgenden Beschreibungen erläutern diese Schritte so, dass nachvollziehbar wird, was jeweils mit einem Kulturgut geschieht, wer daran beteiligt ist und wie sich der Ablauf in der Praxis vorstellen lässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''1. Sammeln &amp;amp; erfassen''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Hier wird eine kulturelle Ausdrucksform erstmals wahrgenommen, benannt und mit ersten Informationen erfasst: Was ist es, wer macht es oder hat es geschaffen, wo kommt es vor, warum ist es bedeutsam für die Gemeinschaft? &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Community, Vereine, Museen, Archive, Forschende, Privatpersonen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Auf einem Dorffest zeigt eine Frau das Verzieren sorbischer Ostereier. Jemand fotografiert dies und notiert Technik, Ort und Namen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''2. Registrieren &amp;amp; beschreiben''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Hier wird aus der ersten Beobachtung ein strukturierter Nachweis. Das Kulturgut oder die kulturelle Ausdrucksform wird in ein Register, eine Sammlung oder einen Katalog aufgenommen und mit strukturierten Metadaten beschrieben, damit es wiedergefunden, zugeordnet und verstanden werden kann. Dazu gehören z. B. Titel, Ort, Zeit, Technik, Funktion, beteiligte Personen und der kulturelle Kontext.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Registerverantwortliche, Kurator:innen, Sammlungsmitarbeitende, Community für Kontextinformationen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Das Osterei erhält einen Eintrag mit Angaben wie „Wachsbatik“, „Schleife“, „Osterei-Verzierung“, Name der Trägerin und Entstehungsjahr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''3. Bewerten &amp;amp; freigeben''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
In diesem Schritt wird entschieden, ob und in welcher Priorität ein Kulturgut oder die kulturelle Ausdrucksform digitalisiert werden soll und ob dies rechtlich und ethisch möglich ist. Dabei spielen fachliche Kriterien wie Bedeutung, Repräsentativität, Seltenheit oder Gefährdung eine Rolle, aber auch Fragen des Urheberrechts, Datenschutzes und möglicher kultureller Sensibilitäten. Am Ende steht eine begründete Entscheidung, ob und in welchem Umfang das Kulturgut weiterbearbeitet und später veröffentlicht werden darf. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Kurator:innen, Fachgremien, Community-Vertretungen, Register/SKR, ggf. Rechteverantwortliche und Behörden. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Es wird entschieden, dass die Osterei-Technik wegen ihrer Bedeutung für die sorbische Identität digital gesichert werden soll; die Kunsthandwerkerin stimmt der Veröffentlichung zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''4. Digitalisieren &amp;amp; prüfen''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nun wird das Kulturgut technisch erfasst, also in eine digitale Form überführt. Das kann je nach Objektart durch Scan, Fotografie, Audio- oder Videoaufnahme oder 3D-Erfassung geschehen. Dabei entstehen hochwertige Master-Dateien und nutzbare Derivate. Die Digitalisierung folgt qualifizierten Standards, um Reproduzierbarkeit, Farbkonsistenz und Nutzbarkeit zu gewährleisten. Anschließend wird geprüft, ob Schärfe, Farbe, Vollständigkeit und Dateiformate den Anforderungen für Archivierung und Nutzung entsprechen. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Digitalisierungszentrum, Foto-/AV-/3D-Spezialist:innen, externe Dienstleister bei Spezialfällen. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Das Osterei wird fotografisch hochauflösend aufgenommen und zusätzlich als 3D-Modell erfasst. Danach werden Schärfe, Farbe und Dateiformate geprüft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''5. Archivieren &amp;amp; sichern''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die entstandenen digitalen Dateien werden geordnet abgelegt, mit den zugehörigen Metadaten verknüpft und für die langfristige Erhaltung gesichert. Dazu gehören sichere Speicherorte, Backups, Integritätskontrollen und – wenn nötig – spätere technische Migration auf neue Systeme. Ziel ist, dass das digitale Kulturgut langfristig erhalten bleibt, auch wenn sich Technik und Formate verändern. Das Original bleibt in der Regel weiterhin am Sammlungs- oder Aufbewahrungsort. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Archiv, Repository, IT-Betrieb, ggf. Sorbisches Kulturarchiv bzw. Digitalisierungszentrum. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Die Bilder und das 3D-Modell des Ostereis werden auf gesicherten Servern gespeichert; das Original bleibt im Museum oder bei der Eigentümerin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''6. Präsentieren &amp;amp; nutzen''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im letzten Schritt werden die digitalen Objekte so bereitgestellt, dass sie gefunden, verstanden und genutzt werden können, z. B. in Portalen, digitalen Sammlungen oder virtuellen Ausstellungen. Dafür reicht es nicht, nur Dateien anzuzeigen: Es braucht auch verständliche Kontexte, Rechteangaben, Mehrsprachigkeit und möglichst barrierearme Zugänge. So wird aus der technischen Digitalisierung eine tatsächliche kulturelle Nutzung. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Kurator:innen, Vermittlung, Web/IT, Museen, Kulturinformationen, Community. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Das Osterei erscheint in einer Online-Ausstellung, kann herangezoomt oder als 3D-Modell gedreht werden und wird mit einem kurzen Text zur Technik erklärt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Ergänzende organisatorische Perspektive''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die folgende Abbildung ist entnommen aus einem Poster des Sorbischen Instituts zu dessen Digitalisierungsstrategie, gefunden auf der Projektseite des Digitalisierungszentrums.&amp;lt;ref&amp;gt;Sorbisches Institut: Digitalisierungszentrum (DZ). URL: [https://www.serbski-institut.de/projekte-zentrale-vorhaben/digitalisierungszentrum-dz/ https://www.serbski-institut.de/projekte-zentrale-vorhaben/digitalisierungszentrum-dz/], abgerufen am 25.03.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt; Sie zeigt den Prozess der Digitalisierung der sorbischen/wendischen Kulturdaten aus Sicht des Sorbischen Instituts. Im Unterschied zur linearen Prozessgrafik oben bildet sie nicht den Weg eines einzelnen Kulturguts ab, sondern das Zusammenspiel von Kulturregister, Digitalisierungszentrum und Präsentationsumgebung. Sie ergänzt damit den oben beschriebenen Prozess um die Ebenen der Zuständigkeiten und Daten.&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K4.png|mini||center|600px|Abbildung: 3-Säulen-Modell der Digitalisierungsstrategie des Sorbischen Instituts. Quelle: Sorbisches Institut, „Digitalizacija serbskich kulturnych datow / Digitalisierung der sorbischen/wendischen Kulturdaten“&amp;lt;ref&amp;gt;Sorbisches Institut 2025: Digitalizacija serbskich kulturnych datow / Digitalisierung der sorbischen/wendischen Kulturdaten (Poster). URL:  [https://www.serbski-institut.de/wp-content/uploads/2021/11/A0-Druck_Digitalisierungsstrategie-SI.pdf  https://www.serbski-institut.de/wp-content/uploads/2021/11/A0-Druck_Digitalisierungsstrategie-SI.pdf], abgerufen am 25.03.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bezogen auf die oben beschriebenen [[#2.3.2 Prozessschritte im Detail|Prozessschritte der Digitalisierung von Kulturerbe]] steht das '''Sorbische Kulturregister''' vor allem für den Prozessschritt „'''2. Registrieren'''“ und dient dabei vor allem der Verzeichnung und Metadatenverwaltung. Das '''Digitalisierungszentrum''' steht für die Prozessschritte „'''4. Digitalisieren'''“ und „'''5. Archivieren'''“ und dient dabei der technischen Erfassung, Bearbeitung und Sicherung der Digitalisate. Die '''Präsentationsumgebung''' steht für den Schritt „'''6. Präsentieren'''“ und dient der öffentlichen oder kuratierten Bereitstellung zur Nutzung. Ergänzende Konzepte des SI machen dabei deutlich, dass die Digitalisierung im Regelfall eine vorherige Verzeichnung im Register voraussetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Referenzen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Měrko Šenk</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://koncept.serbski-inkubator.de/index.php?title=12.3_Digitalisierung_des_Kulturerbes&amp;diff=1050</id>
		<title>12.3 Digitalisierung des Kulturerbes</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://koncept.serbski-inkubator.de/index.php?title=12.3_Digitalisierung_des_Kulturerbes&amp;diff=1050"/>
		<updated>2026-03-26T09:56:32Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Měrko Šenk: /* 2.3.2 Prozessschritte im Detail */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;= 1 Einleitung =&lt;br /&gt;
Die Digitalisierung von sorbischem Kulturerbe ist eine historische Chance für uns Sorben, eine Chance, unser kulturelles Erbe neu zu entdecken, es für kommende Generationen zu erhalten, für eine breitere Öffentlichkeit zugänglich zu machen und dabei die eigene Deutungshoheit zu stärken. Das erfordert neben Mut, einer klaren gemeinsamen Vision, starker Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Akteuren auch die notwendigen Ressourcen in Form von Personal mit entsprechenden Kompetenzen, passender Technik sowie einer nachhaltig gesicherten Finanzierung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im folgenden Abschnitt werden Zielbilder für die Digitalisierung des sorbischen Kulturerbes entworfen mittels lang- und kurzfristiger Visionen sowie konkreter Ziele.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 1.1 Visionen und Ziele für die sorbische digitale Welt ==&lt;br /&gt;
'''Vision 2035'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
''Sorbisches materielles und immaterielles Kulturerbe ist systematisch digital erfasst, rechtssicher und langfristig gesichert, leicht auffindbar, offen nutzbar und wird aktiv von Interessierten genutzt.''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Konkrete Ziele'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bis 2032 ist ein tragfähiges, finanziell und organisatorisch abgesichertes Modell etabliert, das:&lt;br /&gt;
* Ein zentrales (oder föderiertes) digitales Langzeitarchiv nach OAIS-Referenzmodell betreibt,&lt;br /&gt;
* klare Zuständigkeiten, Prozesse und Budgets definiert,&lt;br /&gt;
* regelmäßige Qualitätssicherung und Technik-Updates vorsieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis 2030 sind wichtige sorbische Kulturerbe-Bestände (Kernbestände nach fachlicher Festlegung) in hoher Qualität digitalisiert, beschrieben und im Langzeitarchiv gesichert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis 2028 liegt eine institutionenübergreifende Übersicht über relevante Kulturerbe-Bestände (analog und digital, materiell und immateriell) vor, einschließlich einer Prioritätenliste für die Digitalisierung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis 2028 existiert ein zentrales, nutzerfreundliches „Sorbisches Kulturerbe-Portal“, das:&lt;br /&gt;
* Suchzugang über alle teilnehmenden Institutionen ermöglicht,&lt;br /&gt;
* grundlegende Inhalte frei zugänglich bereitstellt,&lt;br /&gt;
* mehrsprachige Oberflächen anbietet (Deutsch, Obersorbisch, Niedersorbisch, Englisch).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= 2 IST-Analyse „Digitalisierung von Kulturerbe“ =&lt;br /&gt;
Das Ziel in diesem Themenbereich ist es, sorbisches Kulturerbe digital zu verwalten und damit langfristig für Recherche, Nutzung und Präsentation vorzuhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Abschnitt &amp;quot;IST-Analyse“ werden die folgenden Fragen beantwortet: Was ist sorbisches Kulturerbe und was zählt alles dazu? Welche Schritte durchläuft ein Kulturgut, um zum digitalen Kulturerbe zu gehören? Wie können die digitale Verwaltung, Archivierung, Nutzung und Präsentation von Kulturgütern umgesetzt werden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die grundlegenden Terminologien des Kulturerbes sollen im Folgenden festgelegt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2.1 Terminologie – von Kultur zu Kulturerbe ==&lt;br /&gt;
In diesem Abschnitt werden die Begriffe rund um das Kulturerbe grundlegend definiert. Es soll ein Verständnis über die Begriffe Kultur, kulturelle Ausprägung, Kulturgut und Kulturerbe erreicht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K1.png|center|260px]]&amp;lt;ref&amp;gt;Mermaid Flowchart Code: [https://mermaid.live/edit#pako:eNpF0UtuwyAQBuCroFlaTuRHTGMvKuWxq7pqV627IGZso2CIMChtk9ymN-nFimmasmJGfP-AOEGjOUIFrdTHpmfGkudtrWpF_Fq9RtGDk9aZKHojU-_aJ7PZ_bmGgSnR4mgFejaKpidC1XAmq8zDfYAoJZKVG7lxzX5stRl81C0_uwYdheGEubHD4_dXLy1hcpyC1rcLdM4GOLH1Ve2E5Gj9TPLkhgEnsLkBNDsMAmLojOBQWeMwhgHNwKYSTuFBYHucbOW3HFvmcQ21unh2YOpF6-FPGu26HqrW381X7sCZxa1gnWH_R1BxNBvtlIUqTUMEVCd49xVdzpeLMs1pXmRFXiY0hg-o8iyZL_LFXZaVSTJ1LzF8hqHJnBZ5WhZLWt5RmtIsBuTCavP4-2Hh3y4_NXaMmw hier klicken], abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.1 Kultur ===&lt;br /&gt;
Kultur bezeichnet hier die Gesamtheit aller '''vom Menschen geschaffenen und erlernten Ausdrucksformen''' des Lebens, die auf gemeinsamen Werten und Verhaltensweisen beruhen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;wiki-kultur&amp;quot;&amp;gt;URL: https://de.wikipedia.org/wiki/Kultur&amp;lt;/ref&amp;gt; Dazu zählen '''materielle Ergebnisse''' (z. B. Kunstwerke, Technik) ebenso wie '''immaterielle Praktiken''' (Sprache, Bräuche, Wissen). Kultur umfasst laut der UNESCO geistige, materielle, intellektuelle und emotionale Merkmale, die eine Gesellschaft oder soziale Gruppe kennzeichnen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mondiacult&amp;quot;&amp;gt;UNESCO 1982: Mexico City Declaration on Cultural Policies (MONDIACULT). URL: https://www.lacult.unesco.org/docc/1982_MONDIACULT.pdf&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;ref name=&amp;quot;cultureaction&amp;quot;&amp;gt;Culture Action Europe 2024: The State of Culture report. URL: https://cultureactioneurope.org/de/news/the-state-of-culture-report-published, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;  Sie ist dynamisch und wird von jeder Generation neu gestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das deutsche Wort „Kultur“ ist eine Eindeutschung des lateinischen Worts „cultura“. Dieses bedeutet ursprünglich „Bebauung, Bearbeitung, Bestellung, Pflege“ und meinte sowohl die physische Bearbeitung als auch die Pflege geistiger Güter, z. B. der Sprache.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.2 Kulturelle Ausdrucksform ===&lt;br /&gt;
Eine kulturelle Ausdrucksform ist eine '''konkrete, gegenwärtige oder historische, Manifestation von Kultur''', bspw. eine Zeichnung, eine Tracht oder ein Lied: Sie macht die Kultur sichtbar und erlebbar. Im engeren Sinne ist es eine Ausdrucksweise, die aus der Kreativität einer Person, Gruppe oder Gesellschaft entsteht und '''kulturellen Inhalt''' trägt (symbolische Bedeutung, künstlerische Dimension, kulturelle Werte).&amp;lt;ref&amp;gt;Österreichische UNESCO-Kommission 2007: Übereinkommen zum Schutz und zur Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen, Art. 4, Seite 13. URL: https://www.unesco.at/fileadmin/Redaktion/Publikationen/Publikations-Dokumente/2005er_UNESCO-Convention_German.pdf, abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt; Sie wird innerhalb und zwischen Gemeinschaften weitergegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle kulturellen Ausdrucksformen bilden einen wesentlichen Kern von Kultur, aber Kultur enthält auch latente Dimensionen (Werte, Normen, Vorannahmen etc.), die nicht unmittelbar als Ausdrucksform erscheinen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.3 Kulturgut ===&lt;br /&gt;
Ein „Kulturgut“ ist '''eine einzelne kulturelle Ausdrucksform''', der ein '''besonderer kultureller Wert zugemessen wird''' (durch Anerkennung, Schutz, Bedeutung). Es ist somit ein Erzeugnis menschlicher Kreativität oder Zeugnis menschlichen Lebens, welches '''Bedeutung für die Kultur einer Gemeinschaft''' hat und daher '''Bestand haben und bewahrt werden soll'''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die '''Summe aller Kulturgüter''' einer Gemeinschaft wird als dessen '''Kulturerbe''' bezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.4 Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
Kulturerbe ist die '''Summe der materiellen und immateriellen Ausdrucksformen''' (= Kulturgüter) einer Kultur, die als „'''bewahrenswert'''“ anerkannt wurden. International umfasst das u. a. das '''Welterbe''' (Denkmäler, Ensembles, Stätten)&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO (1972), Welterbekonvention, Art. 1. URL: https://www.dnk.de/wp-content/uploads/2021/02/1972_DNK_UNESCO-Welterbekonvention.pdf (abgerufen am 11.09.2025).&amp;lt;/ref&amp;gt; und das '''Immaterielles Kulturerbe''' (Praktiken, Wissen).&amp;lt;ref&amp;gt;Deutsche UNESCO-Kommission o. J.:, Übereinkommen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes (dt. Ausgabe). URL: https://www.unesco.de/assets/dokumente/Deutsche_UNESCO-Kommission/02_Publikationen/Publikation_UNESCO-%C3%9Cbereinkommen_zur_Erhaltung_des_immateriellen_Kulturerbes_01.pdf, (abgerufen am 11.09.2025).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ob etwas „zum Kulturerbe“ zählt, ist Ergebnis von Bewertung, Diskurs und teils formellen Verfahren. Dem Sorbischen Kulturregister (SKR) zufolge ist „sorbisch-wendisches Kulturerbe“ eine Zuschreibung, die durch Gesellschaft, Museen, Archive und Wissenschaft erfolgen kann.&amp;lt;ref&amp;gt;Sorbisches Institut 2025: Konzept für ein Sorbisches Kulturregister (SKR). URL: https://www.serbski-institut.de/wp-content/uploa ds/2021/11/00_Zweite-aktualisierte-Fassung_Konzept_Sorbisches-Kulturregister_20.11.2025.pdf, abgerufen am 20.11.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.5 Abgrenzung: Kultur und Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
'''Kultur / Kulturelle Ausdrucksform''' sind als Begriffe weiter gefasst als '''Kulturgut / Kulturerbe'''. Kulturelle Ausdrucksformen umfassen alles Gelebte und Gestaltete einer Gemeinschaft in Gegenwart und Vergangenheit, während Kulturgut / Kulturerbe diejenigen kulturellen Güter und Traditionen meint, denen eine Bedeutung beigemessen wurde und die als bewahrens- und weitergebenswert erkannt wurden. Kultur ist der „aktuelle“ kreative Prozess (einschließlich Popkultur, Alltagskultur), Kulturerbe der daraus überkommene Schatz. Dennoch sind die Grenzen fließend: Was heute nur Kultur ist, kann morgen zum Kulturerbe erklärt werden – abhängig von Wertzuschreibung und Diskurs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Rahmen dieses Dokuments werden für den sorbischen Kontext die Begriffe '''„kulturelle Ausdrucksform“''' und '''„Kulturgut“''' weitgehend '''synonym''' verwendet, sofern nicht ausdrücklich anders gekennzeichnet. Hintergrund ist, dass die Gesamtzahl der identifizierbaren kulturellen Ausdrucksformen einer kleinen Minderheit wie der Sorben/Wenden im Vergleich zu großen Mehrheitsgesellschaften überschaubar ist. Zugleich ist der Anteil dieser Ausdrucksformen, denen in der Community ein besonderer Wert beigemessen wird und die daher faktisch als Kulturgut wahrgenommen und behandelt werden, sehr hoch: Ein großer Teil des gelebten kulturellen Repertoires wird als identitätsstiftend und bewahrenswert verstanden und damit dem Kulturerbe zugerechnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2.2 Klassifizierung von Kulturgütern ==&lt;br /&gt;
Im Folgenden soll eine griffige Klassifizierung von Kulturgütern entwickelt werden, so dass pro Kulturgut-Klasse später auf die Besonderheiten ihrer Digitalisierung eingegangen werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K2.png|center|600px]]&amp;lt;ref&amp;gt;Mermaid Flowchart Code: [https://mermaid.live/edit#pako:eNptlM9u00AQxl9ltFWoFDlp_C9OjISU2KSgUCq1BSRIDxt77Syxd6v1mkKjSDwBlThw4YCEeuXOoeLSN-EF4BHYjZOQQG67-32_2ZnZsWco4jFBPqrVZpRR6cNsP8n4ZTTBQu7rHVP66QWOKEvV3nQM2BeYTf8eea35fF6rjdiIrUl4cjJiAMPDV_X6sMxkKdJS1uvnvu9PtRGgp5ReE46wJIKSLIOf779CycbkkqQZjSb1Ovz-cv351_drDWGN9BXS_xfZBj7dLoGxBgIFBE14nOcrZGH68E07Iu0IlSNsQkhTKnGlfvyh1bjKcngIjcYD6G2s-xvrYGMdLuuqAFOXZ0IflzFh0xxn5OBU3t1ISZhqw6KaKpo29k04jSaCJrLq0oZsa9mCAZc8FTihhBnQp1ksxd1NSsS22dFmG3oMZzwl0HveONtlc7XNATtsHI9fk6kkC3nRsKoqnVNgwrFQaUOvLGJRRtMi4SJfZ790WtppQYhFIVV7CYsJDO9uWbEMujbqOgIbTqgsddB7MCD_eXT6gQMvaFEQBlclPMVqcA6eMfqGiKLMt926isCFM4FjKiln-voCHmEWXxIxXZcUVo-jSwrVe3DBGvHqtc83DLqS0FpNAi3wRluiDBdFSBIYQ0KzzN_r265jPjQinnHh7yVJYhRS8ClZKfe3KLyk2oHneuEuqlK2qWhJWYPOwGnvoiplm4qXVMd17V5rF1UpikIGSgWNkS9FSQyUE5FjvUUzHXGE5ITkZIR8tYxJgtVXPEIjNlfYBWYvOc9XpOBlOkF-grNC7cqLWPUupFjNa74-FXo0RMBLJpFvWtYiCPJn6C3yG7bTNO2u6Tidrue0W13HQO_Usdtquuqg1bG6TtvzPNuZG-hqcXGr2baV5NhuyzId13XbBiJqDrg4qn5ni7_a_A_W9oMu hier klicken], abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.1 A. Materiell - unbeweglich 🏛️ ===&lt;br /&gt;
„Materiell - unbeweglich&amp;quot; bezeichnet ortsfeste Kulturobjekte wie Bauwerke, Ensembles, Gebäudekomplexe und Stätten/Kulturlandschaften, wie sie in Art. 1 der UNESCO-Welterbekonvention als Kategorien des kulturellen Erbes definiert sind.&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO World Heritage Centre o. J.: Convention Concerning the Protection of the World Cultural and Natural Heritage, Artikel 1. URL: https://whc.unesco.org/en/conventiontext/, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.2 B. Materiell - beweglich 🖼️ ===&lt;br /&gt;
Die Kategorie „Materiell - beweglich&amp;quot; umfasst bewegliche Sachen bzw. Sachgesamtheiten von kulturellem Wert (z. B. Objekte, Sammlungen), wie sie das deutsche Kulturgutschutzgesetz (§ 2 KGSG)&amp;lt;ref&amp;gt;Deutschland 2016: Kulturgutschutzgesetz (KGSG), § 2. URL: https://www.buzer.de/2_KGSG.htm, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt; als „Kulturgut“ beschreibt.&lt;br /&gt;
* B1 '''Schriftgut''' - Bücher, Zeitungen, Handschriften, Archivgut, Graphiken, Pläne, Karten&lt;br /&gt;
* B2 '''Fotografien &amp;amp; Bildträger''' &lt;br /&gt;
** Fotografisch erzeugte statische Bildträger, auch Stillbildträger genannt, z. B. Positive/Negative auf Film/Platte/Photopapier, Dias, Abzüge, Mikrofilm/-fiche und vergleichbare fotografische Repro-Träger.&lt;br /&gt;
* B3 '''Analoge AV-Träger''' (Audio/Video/Film)&lt;br /&gt;
** Analoge zeitbasierte Medien, z. B. Magnetton (Tonband, Kassette), Schallplatte, Videobänder, Film.&lt;br /&gt;
* B4 '''3D-Objekte''' - Gegenstände, „sachkulturelle Artefakte“&amp;lt;ref&amp;gt;Sorbisches Institut o. J.: Konzept zum Digitalisierungszentrum am Sorbischen Institut, S. 24.&lt;br /&gt;
(Unveröffentlichtes Konzeptpapier; interne Projektunterlage.)&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.3 C. Immateriell 🎭 ===&lt;br /&gt;
Meint lebendige Praktiken, Darstellungen, Ausdrucksformen, Ideen, Werte, Wissen und Fertigkeiten, die von Gemeinschaften getragen und weitergegeben werden, gemäß der folgenden 5 UNESCO ICH-Domänen.&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO o. J.: Intangible Cultural Heritage – Five Domains. URL: https://ich.unesco.org/doc/src/01857-EN.pdf, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* C1 '''Orale Traditionen/Ausdrucksformen''' - Sprache, Gesangstraditionen&lt;br /&gt;
* C2 '''Darstellende Künste''' - Musik, Tanz, Theater&lt;br /&gt;
* C3 '''Rituale &amp;amp; Feste''' - Bräuche und soziale Praktiken des Kalenders und Lebenslaufs&lt;br /&gt;
* C4 '''Wissen &amp;amp; Praktiken''' zu Natur &amp;amp; Universum - Heil- und Sammelkenntnisse, ökologisches und astronomisches Wissen, Glaube, Religion&lt;br /&gt;
* C5 '''Traditionelles Handwerk''' - Techniken, Werkzeuge und Gestaltungsmuster&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.4 D. Digital 💾 ===&lt;br /&gt;
Bezeichnet in digitaler Form vorliegende Ressourcen menschlichen Wissens und Ausdrucks. Diese können sowohl born-digital sein als auch digitalisierte Repräsentationen von materiellen und immateriellen Kulturgütern.&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO 2003: Charter on the Preservation of Digital Heritage. URL: https://www.unesco.org/en/legal-affairs/charter-preservation-digital-heritage, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* D1 '''Born-digital''' (ursprünglich digital erzeugt, kein analoges Original), z. B. Webseiten, Social-Media-Beiträge, Software, Apps, Spiele, digitale Fotos/Audio/Video.&lt;br /&gt;
* D2 '''Digitalisate''' - Digitalisierte Repräsentationen/Derivate aus den Klassen A, B und C.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2.3 Prozess der Digitalisierung von Kulturerbe ==&lt;br /&gt;
Die Digitalisierung von Kulturgut ist kein rein technischer Arbeitsschritt, sondern ein vielschichtiger, oft langfristiger Prozess, der bereits mit der Wahrnehmung und Identifikation einer kulturellen Ausdrucksform beginnt. Ziel dieses Abschnitts ist es, diesen Gesamtprozess systematisch darzustellen: von der gelebten Kultur über das identifizierte Kulturgut bis hin zur digital nutzbaren Repräsentation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die hier entwickelte Prozessdarstellung soll als praxisorientierter Überblick dienen für die Digitalisierung des sorbischen Kulturerbes. Sie berücksichtigt die Anforderungen sorbischer Einrichtungen ebenso wie die international etablierten Referenzmodelle und Standards, darunter:&lt;br /&gt;
* das OAIS-Referenzmodell (ISO 14721) für digitale Archivierung&amp;lt;ref&amp;gt;Consultative Committee for Space Data Systems (CCSDS) 2024: Reference Model for an Open Archival Information System (OAIS), CCSDS 650.0-M-3. URL: https://ccsds.org/Pubs/650x0m3.pdf, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* das DCC Curation Lifecycle Model für kuratorische Entscheidungsprozesse&amp;lt;ref&amp;gt;Higgins 2008: The DCC Curation Lifecycle Model. International Journal of Digital Curation, 3(1), 134-140. URL: https://ijdc.net/index.php/ijdc/article/view/48, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* das Spectrum-Modell für museale Objektverwaltung&amp;lt;ref&amp;gt;Collections Trust 2022. Spectrum 5.1 - The UK Museum Collections Management Standard. URL: https://collectionstrust.org.uk/spectrum/spectrum-5, abgerufen am 01.10.2025. &amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* die UNESCO-Leitlinien zur Inventarisierung immateriellen Kulturerbes&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO 2024: Operational Directives for the Implementation of the Convention for the Safeguarding of the Intangible Cultural Heritage (10.GA). URL: https://ich.unesco.org/doc/src/ICH-Operational_Directives-10.GA_EN.pdf, abgerufen am 01.10.2025. &amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* sowie technische Vorgaben wie die DFG-Praxisregeln Digitalisierung&amp;lt;ref&amp;gt;Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) 2022: Praxisregeln Digitalisierung (aktualisierte Fassung). URL: https://www.ulb.hhu.de/fileadmin/redaktion/ULB/Documents/Infomaterial/DFG_Praxisregeln_Digitalisierung_Aktualisierte_Fassung2022.pdf, abgerufen am 01.10.2025. &amp;lt;/ref&amp;gt; und die FADGI-Richtlinien&amp;lt;ref&amp;gt;Federal Agencies Digital Guidelines Initiative (FADGI) 2023: Technical Guidelines for Digitizing Cultural Heritage Materials – Still Image, 3rd ed. URL: https://www.digitizationguidelines.gov/guidelines/digitize-technical.html, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Folge soll der „Lebenslauf“ eines Kulturguts dargestellt werden, also der Weg, den ein Objekt oder eine kulturelle Praxis vom Zeitpunkt der Entstehung über die Erfassung, Digitalisierung und Archivierung bis zur Veröffentlichung in einem digitalen Präsentationsmodul durchläuft.&lt;br /&gt;
Hierfür erläutert der folgende Abschnitt die einzelnen Prozessschritte im Detail, jeweils mit Akteuren und Beispielen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.3.1 Vorüberlegungen zum Prozess ===&lt;br /&gt;
Im hier vorgestellten Prozess wird auf eine harte, systematische Filterung verzichtet, welche kulturellen Ausdrucksformen „nur“ Kultur und welche bereits Kulturgut sind. Ein solcher Bewertungs- und Abgrenzungsprozess wäre ressourcenintensiv und würde den vorhandenen Kapazitäten in den beteiligten Einrichtungen nicht entsprechen. Stattdessen folgt das Konzept einer inklusiven Logik: Alle dokumentierten Ausdrucksformen werden zunächst als potenzielle Kulturgüter erfasst. Eine feinere Auswahl und Priorisierung erfolgen erst in einem späteren Schritt, nämlich dann, wenn konkret entschieden wird, welche Ausdrucksformen bzw. Kulturgüter in welcher Tiefe digitalisiert, archiviert und präsentiert werden sollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Vorgehen schließt an das SKR-Konzept an, das bewusst auf eine frühe normative Trennung zwischen „kultureller Ausdrucksform“ und „Kulturgut“ verzichtet. Auch hier steht zunächst der möglichst vollständige, strukturierte Überblick über die sorbischen Kulturgüter im Vordergrund. Die differenzierte Bewertung und Schwerpunktsetzung werden als anschließende fachliche Aufgabe verstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.3.2 Prozessschritte im Detail ===&lt;br /&gt;
Das folgende Diagramm gibt einen Überblick über die sechs Kernschritte des Gesamtprozesses der Digitalisierung von Kulturgut – von der ersten Wahrnehmung einer kulturellen Ausdrucksform bis zu ihrer digitalen Präsentation als Kulturgut. Die Abfolge zeigt zugleich die Entwicklungsstufen: von gelebter Kultur zur kulturellen Ausdrucksform, von dort zum Kulturgut und schließlich zum digitalen Kulturgut. Die Schritte sind als generischer Ablauf zu verstehen: Je nach Art des Kulturguts können einzelne Tätigkeiten unterschiedlich aufwendig sein oder parallel erfolgen.&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K3.png|center|600px]]&amp;lt;ref&amp;gt;Mermaid Flowchart Code: [https://mermaid.live/edit#pako:eNplkk1OwzAQha8yGqmbkloxSZs2CyTa8LOphIAVhIVJpolF4iDH4a_qbXqTXgzHFdAKr2y97703lmaNWZMTxriqmvesFNrAfZIqgPPHFIdDzuBO1DVVajhM8QlGozOYO-WUwS0VsjVakqa93Pvmjlk4JmAwp3fS5kCHwQAWjkkcE_Y5WWkIXqrd9jBpT138UIkspBGVbI_7-rwLR146csLgRryQ-U8lMGLwTG1WapLPpHKCZQLMOY9ch7m2VxiSpOAEjJ1TSev_M_bkvv3KtY8ZnOuslG_H9VcOuf4dUO-2LamjGdHDQsscY6M78rAmXYv-ies-IEVTUk0pxvaa00p0lUkxVRtrexXqoWnqH6duuqLEeCWq1r6619zOn0hRaPGH9J_Xi6ZTBuOxS8B4jR8YhxGLeDThkR-EM37KuYefFmHTaOz7fOZHQTidBMHGwy9X6VslnNnDw4jPuB8GHlIuTaOX-7Vy27X5Bh_Osqo hier klicken], abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Prozess zeigt, dass Digitalisierung von Kulturgut mehr ist als das Erstellen digitaler Dateien. Sie umfasst eine Reihe aufeinander bezogener Schritte – von der ersten Wahrnehmung einer kulturellen Ausdrucksform über ihre Erfassung, Bewertung und Digitalisierung bis hin zur langfristigen Sicherung und Präsentation. Dabei sind je nach Schritt unterschiedliche Akteure beteiligt, etwa Gemeinschaften, Museen, Archive, Fachgremien, Digitalisierungsstellen oder IT. Die folgenden Beschreibungen erläutern diese Schritte so, dass nachvollziehbar wird, was jeweils mit einem Kulturgut geschieht, wer daran beteiligt ist und wie sich der Ablauf in der Praxis vorstellen lässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''1. Sammeln &amp;amp; erfassen''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Hier wird eine kulturelle Ausdrucksform erstmals wahrgenommen, benannt und mit ersten Informationen erfasst: Was ist es, wer macht es oder hat es geschaffen, wo kommt es vor, warum ist es bedeutsam für die Gemeinschaft? &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Community, Vereine, Museen, Archive, Forschende, Privatpersonen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Auf einem Dorffest zeigt eine Frau das Verzieren sorbischer Ostereier. Jemand fotografiert dies und notiert Technik, Ort und Namen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''2. Registrieren &amp;amp; beschreiben''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Hier wird aus der ersten Beobachtung ein strukturierter Nachweis. Das Kulturgut oder die kulturelle Ausdrucksform wird in ein Register, eine Sammlung oder einen Katalog aufgenommen und mit strukturierten Metadaten beschrieben, damit es wiedergefunden, zugeordnet und verstanden werden kann. Dazu gehören z. B. Titel, Ort, Zeit, Technik, Funktion, beteiligte Personen und der kulturelle Kontext.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Registerverantwortliche, Kurator:innen, Sammlungsmitarbeitende, Community für Kontextinformationen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Das Osterei erhält einen Eintrag mit Angaben wie „Wachsbatik“, „Schleife“, „Osterei-Verzierung“, Name der Trägerin und Entstehungsjahr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''3. Bewerten &amp;amp; freigeben''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
In diesem Schritt wird entschieden, ob und in welcher Priorität ein Kulturgut oder die kulturelle Ausdrucksform digitalisiert werden soll und ob dies rechtlich und ethisch möglich ist. Dabei spielen fachliche Kriterien wie Bedeutung, Repräsentativität, Seltenheit oder Gefährdung eine Rolle, aber auch Fragen des Urheberrechts, Datenschutzes und möglicher kultureller Sensibilitäten. Am Ende steht eine begründete Entscheidung, ob und in welchem Umfang das Kulturgut weiterbearbeitet und später veröffentlicht werden darf. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Kurator:innen, Fachgremien, Community-Vertretungen, Register/SKR, ggf. Rechteverantwortliche und Behörden. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Es wird entschieden, dass die Osterei-Technik wegen ihrer Bedeutung für die sorbische Identität digital gesichert werden soll; die Kunsthandwerkerin stimmt der Veröffentlichung zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''4. Digitalisieren &amp;amp; prüfen''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nun wird das Kulturgut technisch erfasst, also in eine digitale Form überführt. Das kann je nach Objektart durch Scan, Fotografie, Audio- oder Videoaufnahme oder 3D-Erfassung geschehen. Dabei entstehen hochwertige Master-Dateien und nutzbare Derivate. Die Digitalisierung folgt qualifizierten Standards, um Reproduzierbarkeit, Farbkonsistenz und Nutzbarkeit zu gewährleisten. Anschließend wird geprüft, ob Schärfe, Farbe, Vollständigkeit und Dateiformate den Anforderungen für Archivierung und Nutzung entsprechen. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Digitalisierungszentrum, Foto-/AV-/3D-Spezialist:innen, externe Dienstleister bei Spezialfällen. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Das Osterei wird fotografisch hochauflösend aufgenommen und zusätzlich als 3D-Modell erfasst. Danach werden Schärfe, Farbe und Dateiformate geprüft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''5. Archivieren &amp;amp; sichern''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die entstandenen digitalen Dateien werden geordnet abgelegt, mit den zugehörigen Metadaten verknüpft und für die langfristige Erhaltung gesichert. Dazu gehören sichere Speicherorte, Backups, Integritätskontrollen und – wenn nötig – spätere technische Migration auf neue Systeme. Ziel ist, dass das digitale Kulturgut langfristig erhalten bleibt, auch wenn sich Technik und Formate verändern. Das Original bleibt in der Regel weiterhin am Sammlungs- oder Aufbewahrungsort. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Archiv, Repository, IT-Betrieb, ggf. Sorbisches Kulturarchiv bzw. Digitalisierungszentrum. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Die Bilder und das 3D-Modell des Ostereis werden auf gesicherten Servern gespeichert; das Original bleibt im Museum oder bei der Eigentümerin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''6. Präsentieren &amp;amp; nutzen''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im letzten Schritt werden die digitalen Objekte so bereitgestellt, dass sie gefunden, verstanden und genutzt werden können, z. B. in Portalen, digitalen Sammlungen oder virtuellen Ausstellungen. Dafür reicht es nicht, nur Dateien anzuzeigen: Es braucht auch verständliche Kontexte, Rechteangaben, Mehrsprachigkeit und möglichst barrierearme Zugänge. So wird aus der technischen Digitalisierung eine tatsächliche kulturelle Nutzung. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Kurator:innen, Vermittlung, Web/IT, Museen, Kulturinformationen, Community. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Das Osterei erscheint in einer Online-Ausstellung, kann herangezoomt oder als 3D-Modell gedreht werden und wird mit einem kurzen Text zur Technik erklärt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Ergänzende organisatorische Perspektive''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die folgende Abbildung ist entnommen aus einem Poster des Sorbischen Instituts zu dessen Digitalisierungsstrategie, gefunden auf der Projektseite des Digitalisierungszentrums.&amp;lt;ref&amp;gt;Sorbisches Institut: Digitalisierungszentrum (DZ). URL: [https://www.serbski-institut.de/projekte-zentrale-vorhaben/digitalisierungszentrum-dz/ https://www.serbski-institut.de/projekte-zentrale-vorhaben/digitalisierungszentrum-dz/], abgerufen am 25.03.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt; Sie zeigt den Prozess der Digitalisierung der sorbischen/wendischen Kulturdaten aus Sicht des Sorbischen Instituts. Im Unterschied zur linearen Prozessgrafik oben bildet sie nicht den Weg eines einzelnen Kulturguts ab, sondern das Zusammenspiel von Kulturregister, Digitalisierungszentrum und Präsentations¬umgebung. Sie ergänzt damit den oben beschriebenen Prozess um die Ebenen der Zuständigkeiten und Daten.&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K4.png|center|600px|Abbildung]]&amp;lt;ref&amp;gt;Sorbisches Institut 2025: Digitalizacija serbskich kulturnych datow / Digitalisierung der sorbischen/wendischen Kulturdaten (Poster). URL:  [https://www.serbski-institut.de/wp-content/uploads/2021/11/A0-Druck_Digitalisierungsstrategie-SI.pdf  https://www.serbski-institut.de/wp-content/uploads/2021/11/A0-Druck_Digitalisierungsstrategie-SI.pdf], abgerufen am 25.03.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bezogen auf die oben beschriebenen [[#2.3.2 Prozessschritte im Detail|Prozessschritte der Digitalisierung von Kulturerbe]] steht das '''Sorbische Kulturregister''' vor allem für den Prozessschritt „'''2. Registrieren'''“ und dient dabei vor allem der Verzeichnung und Metadatenverwaltung. Das '''Digitalisierungszentrum''' steht für die Prozessschritte „'''4. Digitalisieren'''“ und „'''5. Archivieren'''“ und dient dabei der technischen Erfassung, Bearbeitung und Sicherung der Digitalisate. Die '''Präsentationsumgebung''' steht für den Schritt „'''6. Präsentieren'''“ und dient der öffentlichen oder kuratierten Bereitstellung zur Nutzung. Ergänzende Konzepte des SI machen dabei deutlich, dass die Digitalisierung im Regelfall eine vorherige Verzeichnung im Register voraussetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Referenzen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Měrko Šenk</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://koncept.serbski-inkubator.de/index.php?title=Dataja:Wobraz_K4.png&amp;diff=1049</id>
		<title>Dataja:Wobraz K4.png</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://koncept.serbski-inkubator.de/index.php?title=Dataja:Wobraz_K4.png&amp;diff=1049"/>
		<updated>2026-03-25T12:26:07Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Měrko Šenk: 3-Säulen-Modell der Digitalisierungsstrategie des Sorbischen Instituts. Quelle: Sorbisches Institut, „Digitalizacija serbskich kulturnych datow / Digitalisierung der sorbischen/wendischen Kulturdaten“.

Quelle: Sorbisches Institut 2025: Digitalizacija serbskich kulturnych datow / Digitalisierung der sorbischen/wendischen Kulturdaten (Poster). URL: https://www.serbski-institut.de/wp-content/uploads/2021/11/A0-Druck_Digitalisierungsstrategie-SI.pdf, abgerufen am 25.03.2026.&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Zjeće ==&lt;br /&gt;
3-Säulen-Modell der Digitalisierungsstrategie des Sorbischen Instituts. Quelle: Sorbisches Institut, „Digitalizacija serbskich kulturnych datow / Digitalisierung der sorbischen/wendischen Kulturdaten“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quelle: Sorbisches Institut 2025: Digitalizacija serbskich kulturnych datow / Digitalisierung der sorbischen/wendischen Kulturdaten (Poster). URL: https://www.serbski-institut.de/wp-content/uploads/2021/11/A0-Druck_Digitalisierungsstrategie-SI.pdf, abgerufen am 25.03.2026.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Měrko Šenk</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://koncept.serbski-inkubator.de/index.php?title=12.3_Digitalisierung_des_Kulturerbes&amp;diff=1048</id>
		<title>12.3 Digitalisierung des Kulturerbes</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://koncept.serbski-inkubator.de/index.php?title=12.3_Digitalisierung_des_Kulturerbes&amp;diff=1048"/>
		<updated>2026-03-25T12:24:46Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Měrko Šenk: /* 2.3.2 Prozessschritte im Detail */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;= 1 Einleitung =&lt;br /&gt;
Die Digitalisierung von sorbischem Kulturerbe ist eine historische Chance für uns Sorben, eine Chance, unser kulturelles Erbe neu zu entdecken, es für kommende Generationen zu erhalten, für eine breitere Öffentlichkeit zugänglich zu machen und dabei die eigene Deutungshoheit zu stärken. Das erfordert neben Mut, einer klaren gemeinsamen Vision, starker Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Akteuren auch die notwendigen Ressourcen in Form von Personal mit entsprechenden Kompetenzen, passender Technik sowie einer nachhaltig gesicherten Finanzierung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im folgenden Abschnitt werden Zielbilder für die Digitalisierung des sorbischen Kulturerbes entworfen mittels lang- und kurzfristiger Visionen sowie konkreter Ziele.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 1.1 Visionen und Ziele für die sorbische digitale Welt ==&lt;br /&gt;
'''Vision 2035'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
''Sorbisches materielles und immaterielles Kulturerbe ist systematisch digital erfasst, rechtssicher und langfristig gesichert, leicht auffindbar, offen nutzbar und wird aktiv von Interessierten genutzt.''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Konkrete Ziele'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bis 2032 ist ein tragfähiges, finanziell und organisatorisch abgesichertes Modell etabliert, das:&lt;br /&gt;
* Ein zentrales (oder föderiertes) digitales Langzeitarchiv nach OAIS-Referenzmodell betreibt,&lt;br /&gt;
* klare Zuständigkeiten, Prozesse und Budgets definiert,&lt;br /&gt;
* regelmäßige Qualitätssicherung und Technik-Updates vorsieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis 2030 sind wichtige sorbische Kulturerbe-Bestände (Kernbestände nach fachlicher Festlegung) in hoher Qualität digitalisiert, beschrieben und im Langzeitarchiv gesichert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis 2028 liegt eine institutionenübergreifende Übersicht über relevante Kulturerbe-Bestände (analog und digital, materiell und immateriell) vor, einschließlich einer Prioritätenliste für die Digitalisierung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis 2028 existiert ein zentrales, nutzerfreundliches „Sorbisches Kulturerbe-Portal“, das:&lt;br /&gt;
* Suchzugang über alle teilnehmenden Institutionen ermöglicht,&lt;br /&gt;
* grundlegende Inhalte frei zugänglich bereitstellt,&lt;br /&gt;
* mehrsprachige Oberflächen anbietet (Deutsch, Obersorbisch, Niedersorbisch, Englisch).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= 2 IST-Analyse „Digitalisierung von Kulturerbe“ =&lt;br /&gt;
Das Ziel in diesem Themenbereich ist es, sorbisches Kulturerbe digital zu verwalten und damit langfristig für Recherche, Nutzung und Präsentation vorzuhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Abschnitt &amp;quot;IST-Analyse“ werden die folgenden Fragen beantwortet: Was ist sorbisches Kulturerbe und was zählt alles dazu? Welche Schritte durchläuft ein Kulturgut, um zum digitalen Kulturerbe zu gehören? Wie können die digitale Verwaltung, Archivierung, Nutzung und Präsentation von Kulturgütern umgesetzt werden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die grundlegenden Terminologien des Kulturerbes sollen im Folgenden festgelegt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2.1 Terminologie – von Kultur zu Kulturerbe ==&lt;br /&gt;
In diesem Abschnitt werden die Begriffe rund um das Kulturerbe grundlegend definiert. Es soll ein Verständnis über die Begriffe Kultur, kulturelle Ausprägung, Kulturgut und Kulturerbe erreicht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K1.png|center|260px]]&amp;lt;ref&amp;gt;Mermaid Flowchart Code: [https://mermaid.live/edit#pako:eNpF0UtuwyAQBuCroFlaTuRHTGMvKuWxq7pqV627IGZso2CIMChtk9ymN-nFimmasmJGfP-AOEGjOUIFrdTHpmfGkudtrWpF_Fq9RtGDk9aZKHojU-_aJ7PZ_bmGgSnR4mgFejaKpidC1XAmq8zDfYAoJZKVG7lxzX5stRl81C0_uwYdheGEubHD4_dXLy1hcpyC1rcLdM4GOLH1Ve2E5Gj9TPLkhgEnsLkBNDsMAmLojOBQWeMwhgHNwKYSTuFBYHucbOW3HFvmcQ21unh2YOpF6-FPGu26HqrW381X7sCZxa1gnWH_R1BxNBvtlIUqTUMEVCd49xVdzpeLMs1pXmRFXiY0hg-o8iyZL_LFXZaVSTJ1LzF8hqHJnBZ5WhZLWt5RmtIsBuTCavP4-2Hh3y4_NXaMmw hier klicken], abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.1 Kultur ===&lt;br /&gt;
Kultur bezeichnet hier die Gesamtheit aller '''vom Menschen geschaffenen und erlernten Ausdrucksformen''' des Lebens, die auf gemeinsamen Werten und Verhaltensweisen beruhen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;wiki-kultur&amp;quot;&amp;gt;URL: https://de.wikipedia.org/wiki/Kultur&amp;lt;/ref&amp;gt; Dazu zählen '''materielle Ergebnisse''' (z. B. Kunstwerke, Technik) ebenso wie '''immaterielle Praktiken''' (Sprache, Bräuche, Wissen). Kultur umfasst laut der UNESCO geistige, materielle, intellektuelle und emotionale Merkmale, die eine Gesellschaft oder soziale Gruppe kennzeichnen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mondiacult&amp;quot;&amp;gt;UNESCO 1982: Mexico City Declaration on Cultural Policies (MONDIACULT). URL: https://www.lacult.unesco.org/docc/1982_MONDIACULT.pdf&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;ref name=&amp;quot;cultureaction&amp;quot;&amp;gt;Culture Action Europe 2024: The State of Culture report. URL: https://cultureactioneurope.org/de/news/the-state-of-culture-report-published, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;  Sie ist dynamisch und wird von jeder Generation neu gestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das deutsche Wort „Kultur“ ist eine Eindeutschung des lateinischen Worts „cultura“. Dieses bedeutet ursprünglich „Bebauung, Bearbeitung, Bestellung, Pflege“ und meinte sowohl die physische Bearbeitung als auch die Pflege geistiger Güter, z. B. der Sprache.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.2 Kulturelle Ausdrucksform ===&lt;br /&gt;
Eine kulturelle Ausdrucksform ist eine '''konkrete, gegenwärtige oder historische, Manifestation von Kultur''', bspw. eine Zeichnung, eine Tracht oder ein Lied: Sie macht die Kultur sichtbar und erlebbar. Im engeren Sinne ist es eine Ausdrucksweise, die aus der Kreativität einer Person, Gruppe oder Gesellschaft entsteht und '''kulturellen Inhalt''' trägt (symbolische Bedeutung, künstlerische Dimension, kulturelle Werte).&amp;lt;ref&amp;gt;Österreichische UNESCO-Kommission 2007: Übereinkommen zum Schutz und zur Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen, Art. 4, Seite 13. URL: https://www.unesco.at/fileadmin/Redaktion/Publikationen/Publikations-Dokumente/2005er_UNESCO-Convention_German.pdf, abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt; Sie wird innerhalb und zwischen Gemeinschaften weitergegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle kulturellen Ausdrucksformen bilden einen wesentlichen Kern von Kultur, aber Kultur enthält auch latente Dimensionen (Werte, Normen, Vorannahmen etc.), die nicht unmittelbar als Ausdrucksform erscheinen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.3 Kulturgut ===&lt;br /&gt;
Ein „Kulturgut“ ist '''eine einzelne kulturelle Ausdrucksform''', der ein '''besonderer kultureller Wert zugemessen wird''' (durch Anerkennung, Schutz, Bedeutung). Es ist somit ein Erzeugnis menschlicher Kreativität oder Zeugnis menschlichen Lebens, welches '''Bedeutung für die Kultur einer Gemeinschaft''' hat und daher '''Bestand haben und bewahrt werden soll'''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die '''Summe aller Kulturgüter''' einer Gemeinschaft wird als dessen '''Kulturerbe''' bezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.4 Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
Kulturerbe ist die '''Summe der materiellen und immateriellen Ausdrucksformen''' (= Kulturgüter) einer Kultur, die als „'''bewahrenswert'''“ anerkannt wurden. International umfasst das u. a. das '''Welterbe''' (Denkmäler, Ensembles, Stätten)&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO (1972), Welterbekonvention, Art. 1. URL: https://www.dnk.de/wp-content/uploads/2021/02/1972_DNK_UNESCO-Welterbekonvention.pdf (abgerufen am 11.09.2025).&amp;lt;/ref&amp;gt; und das '''Immaterielles Kulturerbe''' (Praktiken, Wissen).&amp;lt;ref&amp;gt;Deutsche UNESCO-Kommission o. J.:, Übereinkommen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes (dt. Ausgabe). URL: https://www.unesco.de/assets/dokumente/Deutsche_UNESCO-Kommission/02_Publikationen/Publikation_UNESCO-%C3%9Cbereinkommen_zur_Erhaltung_des_immateriellen_Kulturerbes_01.pdf, (abgerufen am 11.09.2025).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ob etwas „zum Kulturerbe“ zählt, ist Ergebnis von Bewertung, Diskurs und teils formellen Verfahren. Dem Sorbischen Kulturregister (SKR) zufolge ist „sorbisch-wendisches Kulturerbe“ eine Zuschreibung, die durch Gesellschaft, Museen, Archive und Wissenschaft erfolgen kann.&amp;lt;ref&amp;gt;Sorbisches Institut 2025: Konzept für ein Sorbisches Kulturregister (SKR). URL: https://www.serbski-institut.de/wp-content/uploa ds/2021/11/00_Zweite-aktualisierte-Fassung_Konzept_Sorbisches-Kulturregister_20.11.2025.pdf, abgerufen am 20.11.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.5 Abgrenzung: Kultur und Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
'''Kultur / Kulturelle Ausdrucksform''' sind als Begriffe weiter gefasst als '''Kulturgut / Kulturerbe'''. Kulturelle Ausdrucksformen umfassen alles Gelebte und Gestaltete einer Gemeinschaft in Gegenwart und Vergangenheit, während Kulturgut / Kulturerbe diejenigen kulturellen Güter und Traditionen meint, denen eine Bedeutung beigemessen wurde und die als bewahrens- und weitergebenswert erkannt wurden. Kultur ist der „aktuelle“ kreative Prozess (einschließlich Popkultur, Alltagskultur), Kulturerbe der daraus überkommene Schatz. Dennoch sind die Grenzen fließend: Was heute nur Kultur ist, kann morgen zum Kulturerbe erklärt werden – abhängig von Wertzuschreibung und Diskurs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Rahmen dieses Dokuments werden für den sorbischen Kontext die Begriffe '''„kulturelle Ausdrucksform“''' und '''„Kulturgut“''' weitgehend '''synonym''' verwendet, sofern nicht ausdrücklich anders gekennzeichnet. Hintergrund ist, dass die Gesamtzahl der identifizierbaren kulturellen Ausdrucksformen einer kleinen Minderheit wie der Sorben/Wenden im Vergleich zu großen Mehrheitsgesellschaften überschaubar ist. Zugleich ist der Anteil dieser Ausdrucksformen, denen in der Community ein besonderer Wert beigemessen wird und die daher faktisch als Kulturgut wahrgenommen und behandelt werden, sehr hoch: Ein großer Teil des gelebten kulturellen Repertoires wird als identitätsstiftend und bewahrenswert verstanden und damit dem Kulturerbe zugerechnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2.2 Klassifizierung von Kulturgütern ==&lt;br /&gt;
Im Folgenden soll eine griffige Klassifizierung von Kulturgütern entwickelt werden, so dass pro Kulturgut-Klasse später auf die Besonderheiten ihrer Digitalisierung eingegangen werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K2.png|center|600px]]&amp;lt;ref&amp;gt;Mermaid Flowchart Code: [https://mermaid.live/edit#pako:eNptlM9u00AQxl9ltFWoFDlp_C9OjISU2KSgUCq1BSRIDxt77Syxd6v1mkKjSDwBlThw4YCEeuXOoeLSN-EF4BHYjZOQQG67-32_2ZnZsWco4jFBPqrVZpRR6cNsP8n4ZTTBQu7rHVP66QWOKEvV3nQM2BeYTf8eea35fF6rjdiIrUl4cjJiAMPDV_X6sMxkKdJS1uvnvu9PtRGgp5ReE46wJIKSLIOf779CycbkkqQZjSb1Ovz-cv351_drDWGN9BXS_xfZBj7dLoGxBgIFBE14nOcrZGH68E07Iu0IlSNsQkhTKnGlfvyh1bjKcngIjcYD6G2s-xvrYGMdLuuqAFOXZ0IflzFh0xxn5OBU3t1ISZhqw6KaKpo29k04jSaCJrLq0oZsa9mCAZc8FTihhBnQp1ksxd1NSsS22dFmG3oMZzwl0HveONtlc7XNATtsHI9fk6kkC3nRsKoqnVNgwrFQaUOvLGJRRtMi4SJfZ790WtppQYhFIVV7CYsJDO9uWbEMujbqOgIbTqgsddB7MCD_eXT6gQMvaFEQBlclPMVqcA6eMfqGiKLMt926isCFM4FjKiln-voCHmEWXxIxXZcUVo-jSwrVe3DBGvHqtc83DLqS0FpNAi3wRluiDBdFSBIYQ0KzzN_r265jPjQinnHh7yVJYhRS8ClZKfe3KLyk2oHneuEuqlK2qWhJWYPOwGnvoiplm4qXVMd17V5rF1UpikIGSgWNkS9FSQyUE5FjvUUzHXGE5ITkZIR8tYxJgtVXPEIjNlfYBWYvOc9XpOBlOkF-grNC7cqLWPUupFjNa74-FXo0RMBLJpFvWtYiCPJn6C3yG7bTNO2u6Tidrue0W13HQO_Usdtquuqg1bG6TtvzPNuZG-hqcXGr2baV5NhuyzId13XbBiJqDrg4qn5ni7_a_A_W9oMu hier klicken], abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.1 A. Materiell - unbeweglich 🏛️ ===&lt;br /&gt;
„Materiell - unbeweglich&amp;quot; bezeichnet ortsfeste Kulturobjekte wie Bauwerke, Ensembles, Gebäudekomplexe und Stätten/Kulturlandschaften, wie sie in Art. 1 der UNESCO-Welterbekonvention als Kategorien des kulturellen Erbes definiert sind.&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO World Heritage Centre o. J.: Convention Concerning the Protection of the World Cultural and Natural Heritage, Artikel 1. URL: https://whc.unesco.org/en/conventiontext/, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.2 B. Materiell - beweglich 🖼️ ===&lt;br /&gt;
Die Kategorie „Materiell - beweglich&amp;quot; umfasst bewegliche Sachen bzw. Sachgesamtheiten von kulturellem Wert (z. B. Objekte, Sammlungen), wie sie das deutsche Kulturgutschutzgesetz (§ 2 KGSG)&amp;lt;ref&amp;gt;Deutschland 2016: Kulturgutschutzgesetz (KGSG), § 2. URL: https://www.buzer.de/2_KGSG.htm, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt; als „Kulturgut“ beschreibt.&lt;br /&gt;
* B1 '''Schriftgut''' - Bücher, Zeitungen, Handschriften, Archivgut, Graphiken, Pläne, Karten&lt;br /&gt;
* B2 '''Fotografien &amp;amp; Bildträger''' &lt;br /&gt;
** Fotografisch erzeugte statische Bildträger, auch Stillbildträger genannt, z. B. Positive/Negative auf Film/Platte/Photopapier, Dias, Abzüge, Mikrofilm/-fiche und vergleichbare fotografische Repro-Träger.&lt;br /&gt;
* B3 '''Analoge AV-Träger''' (Audio/Video/Film)&lt;br /&gt;
** Analoge zeitbasierte Medien, z. B. Magnetton (Tonband, Kassette), Schallplatte, Videobänder, Film.&lt;br /&gt;
* B4 '''3D-Objekte''' - Gegenstände, „sachkulturelle Artefakte“&amp;lt;ref&amp;gt;Sorbisches Institut o. J.: Konzept zum Digitalisierungszentrum am Sorbischen Institut, S. 24.&lt;br /&gt;
(Unveröffentlichtes Konzeptpapier; interne Projektunterlage.)&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.3 C. Immateriell 🎭 ===&lt;br /&gt;
Meint lebendige Praktiken, Darstellungen, Ausdrucksformen, Ideen, Werte, Wissen und Fertigkeiten, die von Gemeinschaften getragen und weitergegeben werden, gemäß der folgenden 5 UNESCO ICH-Domänen.&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO o. J.: Intangible Cultural Heritage – Five Domains. URL: https://ich.unesco.org/doc/src/01857-EN.pdf, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* C1 '''Orale Traditionen/Ausdrucksformen''' - Sprache, Gesangstraditionen&lt;br /&gt;
* C2 '''Darstellende Künste''' - Musik, Tanz, Theater&lt;br /&gt;
* C3 '''Rituale &amp;amp; Feste''' - Bräuche und soziale Praktiken des Kalenders und Lebenslaufs&lt;br /&gt;
* C4 '''Wissen &amp;amp; Praktiken''' zu Natur &amp;amp; Universum - Heil- und Sammelkenntnisse, ökologisches und astronomisches Wissen, Glaube, Religion&lt;br /&gt;
* C5 '''Traditionelles Handwerk''' - Techniken, Werkzeuge und Gestaltungsmuster&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.4 D. Digital 💾 ===&lt;br /&gt;
Bezeichnet in digitaler Form vorliegende Ressourcen menschlichen Wissens und Ausdrucks. Diese können sowohl born-digital sein als auch digitalisierte Repräsentationen von materiellen und immateriellen Kulturgütern.&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO 2003: Charter on the Preservation of Digital Heritage. URL: https://www.unesco.org/en/legal-affairs/charter-preservation-digital-heritage, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* D1 '''Born-digital''' (ursprünglich digital erzeugt, kein analoges Original), z. B. Webseiten, Social-Media-Beiträge, Software, Apps, Spiele, digitale Fotos/Audio/Video.&lt;br /&gt;
* D2 '''Digitalisate''' - Digitalisierte Repräsentationen/Derivate aus den Klassen A, B und C.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2.3 Prozess der Digitalisierung von Kulturerbe ==&lt;br /&gt;
Die Digitalisierung von Kulturgut ist kein rein technischer Arbeitsschritt, sondern ein vielschichtiger, oft langfristiger Prozess, der bereits mit der Wahrnehmung und Identifikation einer kulturellen Ausdrucksform beginnt. Ziel dieses Abschnitts ist es, diesen Gesamtprozess systematisch darzustellen: von der gelebten Kultur über das identifizierte Kulturgut bis hin zur digital nutzbaren Repräsentation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die hier entwickelte Prozessdarstellung soll als praxisorientierter Überblick dienen für die Digitalisierung des sorbischen Kulturerbes. Sie berücksichtigt die Anforderungen sorbischer Einrichtungen ebenso wie die international etablierten Referenzmodelle und Standards, darunter:&lt;br /&gt;
* das OAIS-Referenzmodell (ISO 14721) für digitale Archivierung&amp;lt;ref&amp;gt;Consultative Committee for Space Data Systems (CCSDS) 2024: Reference Model for an Open Archival Information System (OAIS), CCSDS 650.0-M-3. URL: https://ccsds.org/Pubs/650x0m3.pdf, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* das DCC Curation Lifecycle Model für kuratorische Entscheidungsprozesse&amp;lt;ref&amp;gt;Higgins 2008: The DCC Curation Lifecycle Model. International Journal of Digital Curation, 3(1), 134-140. URL: https://ijdc.net/index.php/ijdc/article/view/48, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* das Spectrum-Modell für museale Objektverwaltung&amp;lt;ref&amp;gt;Collections Trust 2022. Spectrum 5.1 - The UK Museum Collections Management Standard. URL: https://collectionstrust.org.uk/spectrum/spectrum-5, abgerufen am 01.10.2025. &amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* die UNESCO-Leitlinien zur Inventarisierung immateriellen Kulturerbes&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO 2024: Operational Directives for the Implementation of the Convention for the Safeguarding of the Intangible Cultural Heritage (10.GA). URL: https://ich.unesco.org/doc/src/ICH-Operational_Directives-10.GA_EN.pdf, abgerufen am 01.10.2025. &amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* sowie technische Vorgaben wie die DFG-Praxisregeln Digitalisierung&amp;lt;ref&amp;gt;Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) 2022: Praxisregeln Digitalisierung (aktualisierte Fassung). URL: https://www.ulb.hhu.de/fileadmin/redaktion/ULB/Documents/Infomaterial/DFG_Praxisregeln_Digitalisierung_Aktualisierte_Fassung2022.pdf, abgerufen am 01.10.2025. &amp;lt;/ref&amp;gt; und die FADGI-Richtlinien&amp;lt;ref&amp;gt;Federal Agencies Digital Guidelines Initiative (FADGI) 2023: Technical Guidelines for Digitizing Cultural Heritage Materials – Still Image, 3rd ed. URL: https://www.digitizationguidelines.gov/guidelines/digitize-technical.html, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Folge soll der „Lebenslauf“ eines Kulturguts dargestellt werden, also der Weg, den ein Objekt oder eine kulturelle Praxis vom Zeitpunkt der Entstehung über die Erfassung, Digitalisierung und Archivierung bis zur Veröffentlichung in einem digitalen Präsentationsmodul durchläuft.&lt;br /&gt;
Hierfür erläutert der folgende Abschnitt die einzelnen Prozessschritte im Detail, jeweils mit Akteuren und Beispielen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.3.1 Vorüberlegungen zum Prozess ===&lt;br /&gt;
Im hier vorgestellten Prozess wird auf eine harte, systematische Filterung verzichtet, welche kulturellen Ausdrucksformen „nur“ Kultur und welche bereits Kulturgut sind. Ein solcher Bewertungs- und Abgrenzungsprozess wäre ressourcenintensiv und würde den vorhandenen Kapazitäten in den beteiligten Einrichtungen nicht entsprechen. Stattdessen folgt das Konzept einer inklusiven Logik: Alle dokumentierten Ausdrucksformen werden zunächst als potenzielle Kulturgüter erfasst. Eine feinere Auswahl und Priorisierung erfolgen erst in einem späteren Schritt, nämlich dann, wenn konkret entschieden wird, welche Ausdrucksformen bzw. Kulturgüter in welcher Tiefe digitalisiert, archiviert und präsentiert werden sollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Vorgehen schließt an das SKR-Konzept an, das bewusst auf eine frühe normative Trennung zwischen „kultureller Ausdrucksform“ und „Kulturgut“ verzichtet. Auch hier steht zunächst der möglichst vollständige, strukturierte Überblick über die sorbischen Kulturgüter im Vordergrund. Die differenzierte Bewertung und Schwerpunktsetzung werden als anschließende fachliche Aufgabe verstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.3.2 Prozessschritte im Detail ===&lt;br /&gt;
Das folgende Diagramm gibt einen Überblick über die sechs Kernschritte des Gesamtprozesses der Digitalisierung von Kulturgut – von der ersten Wahrnehmung einer kulturellen Ausdrucksform bis zu ihrer digitalen Präsentation als Kulturgut. Die Abfolge zeigt zugleich die Entwicklungsstufen: von gelebter Kultur zur kulturellen Ausdrucksform, von dort zum Kulturgut und schließlich zum digitalen Kulturgut. Die Schritte sind als generischer Ablauf zu verstehen: Je nach Art des Kulturguts können einzelne Tätigkeiten unterschiedlich aufwendig sein oder parallel erfolgen.&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K3.png|center|600px]]&amp;lt;ref&amp;gt;Mermaid Flowchart Code: [https://mermaid.live/edit#pako:eNplkk1OwzAQha8yGqmbkloxSZs2CyTa8LOphIAVhIVJpolF4iDH4a_qbXqTXgzHFdAKr2y97703lmaNWZMTxriqmvesFNrAfZIqgPPHFIdDzuBO1DVVajhM8QlGozOYO-WUwS0VsjVakqa93Pvmjlk4JmAwp3fS5kCHwQAWjkkcE_Y5WWkIXqrd9jBpT138UIkspBGVbI_7-rwLR146csLgRryQ-U8lMGLwTG1WapLPpHKCZQLMOY9ch7m2VxiSpOAEjJ1TSev_M_bkvv3KtY8ZnOuslG_H9VcOuf4dUO-2LamjGdHDQsscY6M78rAmXYv-ies-IEVTUk0pxvaa00p0lUkxVRtrexXqoWnqH6duuqLEeCWq1r6619zOn0hRaPGH9J_Xi6ZTBuOxS8B4jR8YhxGLeDThkR-EM37KuYefFmHTaOz7fOZHQTidBMHGwy9X6VslnNnDw4jPuB8GHlIuTaOX-7Vy27X5Bh_Osqo hier klicken], abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Prozess zeigt, dass Digitalisierung von Kulturgut mehr ist als das Erstellen digitaler Dateien. Sie umfasst eine Reihe aufeinander bezogener Schritte – von der ersten Wahrnehmung einer kulturellen Ausdrucksform über ihre Erfassung, Bewertung und Digitalisierung bis hin zur langfristigen Sicherung und Präsentation. Dabei sind je nach Schritt unterschiedliche Akteure beteiligt, etwa Gemeinschaften, Museen, Archive, Fachgremien, Digitalisierungsstellen oder IT. Die folgenden Beschreibungen erläutern diese Schritte so, dass nachvollziehbar wird, was jeweils mit einem Kulturgut geschieht, wer daran beteiligt ist und wie sich der Ablauf in der Praxis vorstellen lässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''1. Sammeln &amp;amp; erfassen''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Hier wird eine kulturelle Ausdrucksform erstmals wahrgenommen, benannt und mit ersten Informationen erfasst: Was ist es, wer macht es oder hat es geschaffen, wo kommt es vor, warum ist es bedeutsam für die Gemeinschaft? &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Community, Vereine, Museen, Archive, Forschende, Privatpersonen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Auf einem Dorffest zeigt eine Frau das Verzieren sorbischer Ostereier. Jemand fotografiert dies und notiert Technik, Ort und Namen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''2. Registrieren &amp;amp; beschreiben''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Hier wird aus der ersten Beobachtung ein strukturierter Nachweis. Das Kulturgut oder die kulturelle Ausdrucksform wird in ein Register, eine Sammlung oder einen Katalog aufgenommen und mit strukturierten Metadaten beschrieben, damit es wiedergefunden, zugeordnet und verstanden werden kann. Dazu gehören z. B. Titel, Ort, Zeit, Technik, Funktion, beteiligte Personen und der kulturelle Kontext.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Registerverantwortliche, Kurator:innen, Sammlungsmitarbeitende, Community für Kontextinformationen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Das Osterei erhält einen Eintrag mit Angaben wie „Wachsbatik“, „Schleife“, „Osterei-Verzierung“, Name der Trägerin und Entstehungsjahr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''3. Bewerten &amp;amp; freigeben''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
In diesem Schritt wird entschieden, ob und in welcher Priorität ein Kulturgut oder die kulturelle Ausdrucksform digitalisiert werden soll und ob dies rechtlich und ethisch möglich ist. Dabei spielen fachliche Kriterien wie Bedeutung, Repräsentativität, Seltenheit oder Gefährdung eine Rolle, aber auch Fragen des Urheberrechts, Datenschutzes und möglicher kultureller Sensibilitäten. Am Ende steht eine begründete Entscheidung, ob und in welchem Umfang das Kulturgut weiterbearbeitet und später veröffentlicht werden darf. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Kurator:innen, Fachgremien, Community-Vertretungen, Register/SKR, ggf. Rechteverantwortliche und Behörden. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Es wird entschieden, dass die Osterei-Technik wegen ihrer Bedeutung für die sorbische Identität digital gesichert werden soll; die Kunsthandwerkerin stimmt der Veröffentlichung zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''4. Digitalisieren &amp;amp; prüfen''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nun wird das Kulturgut technisch erfasst, also in eine digitale Form überführt. Das kann je nach Objektart durch Scan, Fotografie, Audio- oder Videoaufnahme oder 3D-Erfassung geschehen. Dabei entstehen hochwertige Master-Dateien und nutzbare Derivate. Die Digitalisierung folgt qualifizierten Standards, um Reproduzierbarkeit, Farbkonsistenz und Nutzbarkeit zu gewährleisten. Anschließend wird geprüft, ob Schärfe, Farbe, Vollständigkeit und Dateiformate den Anforderungen für Archivierung und Nutzung entsprechen. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Digitalisierungszentrum, Foto-/AV-/3D-Spezialist:innen, externe Dienstleister bei Spezialfällen. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Das Osterei wird fotografisch hochauflösend aufgenommen und zusätzlich als 3D-Modell erfasst. Danach werden Schärfe, Farbe und Dateiformate geprüft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''5. Archivieren &amp;amp; sichern''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die entstandenen digitalen Dateien werden geordnet abgelegt, mit den zugehörigen Metadaten verknüpft und für die langfristige Erhaltung gesichert. Dazu gehören sichere Speicherorte, Backups, Integritätskontrollen und – wenn nötig – spätere technische Migration auf neue Systeme. Ziel ist, dass das digitale Kulturgut langfristig erhalten bleibt, auch wenn sich Technik und Formate verändern. Das Original bleibt in der Regel weiterhin am Sammlungs- oder Aufbewahrungsort. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Archiv, Repository, IT-Betrieb, ggf. Sorbisches Kulturarchiv bzw. Digitalisierungszentrum. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Die Bilder und das 3D-Modell des Ostereis werden auf gesicherten Servern gespeichert; das Original bleibt im Museum oder bei der Eigentümerin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''6. Präsentieren &amp;amp; nutzen''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im letzten Schritt werden die digitalen Objekte so bereitgestellt, dass sie gefunden, verstanden und genutzt werden können, z. B. in Portalen, digitalen Sammlungen oder virtuellen Ausstellungen. Dafür reicht es nicht, nur Dateien anzuzeigen: Es braucht auch verständliche Kontexte, Rechteangaben, Mehrsprachigkeit und möglichst barrierearme Zugänge. So wird aus der technischen Digitalisierung eine tatsächliche kulturelle Nutzung. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Kurator:innen, Vermittlung, Web/IT, Museen, Kulturinformationen, Community. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Das Osterei erscheint in einer Online-Ausstellung, kann herangezoomt oder als 3D-Modell gedreht werden und wird mit einem kurzen Text zur Technik erklärt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Ergänzende organisatorische Perspektive''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die folgende Abbildung ist entnommen aus einem Poster des Sorbischen Instituts zu dessen Digitalisierungsstrategie, gefunden auf der Projektseite des Digitalisierungszentrums.&amp;lt;ref&amp;gt;Sorbisches Institut: Digitalisierungszentrum (DZ). URL: [https://www.serbski-institut.de/projekte-zentrale-vorhaben/digitalisierungszentrum-dz/ https://www.serbski-institut.de/projekte-zentrale-vorhaben/digitalisierungszentrum-dz/], abgerufen am 25.03.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt; Sie zeigt den Prozess der Digitalisierung der sorbischen/wendischen Kulturdaten aus Sicht des Sorbischen Instituts. Im Unterschied zur linearen Prozessgrafik oben bildet sie nicht den Weg eines einzelnen Kulturguts ab, sondern das Zusammenspiel von Kulturregister, Digitalisierungszentrum und Präsentations¬umgebung. Sie ergänzt damit den oben beschriebenen Prozess um die Ebenen der Zuständigkeiten und Daten.&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K4.png|center|600px]]&amp;lt;ref&amp;gt;Sorbisches Institut 2025: Digitalizacija serbskich kulturnych datow / Digitalisierung der sorbischen/wendischen Kulturdaten (Poster). URL:  [https://www.serbski-institut.de/wp-content/uploads/2021/11/A0-Druck_Digitalisierungsstrategie-SI.pdf  https://www.serbski-institut.de/wp-content/uploads/2021/11/A0-Druck_Digitalisierungsstrategie-SI.pdf], abgerufen am 25.03.2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bezogen auf den oben beschriebenen Prozess der Digitalisierung von Kulturerbe steht das '''Sorbische Kulturregister''' vor allem für den Prozessschritt „'''2. Registrieren &amp;amp; beschreiben'''“ und dient dabei vor allem der Verzeichnung und Metadatenverwaltung. Das '''Digitalisierungszentrum''' steht für die Prozessschritte „'''4. Digitalisieren &amp;amp; prüfen'''“ sowie „'''5. Archivieren &amp;amp; sichern'''“ und dient dabei der technischen Erfassung, Bearbeitung und Sicherung der Digitalisate. Die '''Präsentationsumgebung''' steht für den Schritt „'''6. Präsentieren &amp;amp; nutzen'''“ und dient der öffentlichen oder kuratierten Bereitstellung zur Nutzung. Ergänzende Konzepte des SI machen dabei deutlich, dass die Digitalisierung im Regelfall eine vorherige Verzeichnung im Register voraussetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Referenzen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Měrko Šenk</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://koncept.serbski-inkubator.de/index.php?title=12.3_Digitalisierung_des_Kulturerbes&amp;diff=1047</id>
		<title>12.3 Digitalisierung des Kulturerbes</title>
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		<updated>2026-03-25T10:45:10Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Měrko Šenk: /* 2.3.2 Prozessschritte im Detail */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;= 1 Einleitung =&lt;br /&gt;
Die Digitalisierung von sorbischem Kulturerbe ist eine historische Chance für uns Sorben, eine Chance, unser kulturelles Erbe neu zu entdecken, es für kommende Generationen zu erhalten, für eine breitere Öffentlichkeit zugänglich zu machen und dabei die eigene Deutungshoheit zu stärken. Das erfordert neben Mut, einer klaren gemeinsamen Vision, starker Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Akteuren auch die notwendigen Ressourcen in Form von Personal mit entsprechenden Kompetenzen, passender Technik sowie einer nachhaltig gesicherten Finanzierung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im folgenden Abschnitt werden Zielbilder für die Digitalisierung des sorbischen Kulturerbes entworfen mittels lang- und kurzfristiger Visionen sowie konkreter Ziele.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 1.1 Visionen und Ziele für die sorbische digitale Welt ==&lt;br /&gt;
'''Vision 2035'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
''Sorbisches materielles und immaterielles Kulturerbe ist systematisch digital erfasst, rechtssicher und langfristig gesichert, leicht auffindbar, offen nutzbar und wird aktiv von Interessierten genutzt.''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Konkrete Ziele'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bis 2032 ist ein tragfähiges, finanziell und organisatorisch abgesichertes Modell etabliert, das:&lt;br /&gt;
* Ein zentrales (oder föderiertes) digitales Langzeitarchiv nach OAIS-Referenzmodell betreibt,&lt;br /&gt;
* klare Zuständigkeiten, Prozesse und Budgets definiert,&lt;br /&gt;
* regelmäßige Qualitätssicherung und Technik-Updates vorsieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis 2030 sind wichtige sorbische Kulturerbe-Bestände (Kernbestände nach fachlicher Festlegung) in hoher Qualität digitalisiert, beschrieben und im Langzeitarchiv gesichert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis 2028 liegt eine institutionenübergreifende Übersicht über relevante Kulturerbe-Bestände (analog und digital, materiell und immateriell) vor, einschließlich einer Prioritätenliste für die Digitalisierung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis 2028 existiert ein zentrales, nutzerfreundliches „Sorbisches Kulturerbe-Portal“, das:&lt;br /&gt;
* Suchzugang über alle teilnehmenden Institutionen ermöglicht,&lt;br /&gt;
* grundlegende Inhalte frei zugänglich bereitstellt,&lt;br /&gt;
* mehrsprachige Oberflächen anbietet (Deutsch, Obersorbisch, Niedersorbisch, Englisch).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= 2 IST-Analyse „Digitalisierung von Kulturerbe“ =&lt;br /&gt;
Das Ziel in diesem Themenbereich ist es, sorbisches Kulturerbe digital zu verwalten und damit langfristig für Recherche, Nutzung und Präsentation vorzuhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Abschnitt &amp;quot;IST-Analyse“ werden die folgenden Fragen beantwortet: Was ist sorbisches Kulturerbe und was zählt alles dazu? Welche Schritte durchläuft ein Kulturgut, um zum digitalen Kulturerbe zu gehören? Wie können die digitale Verwaltung, Archivierung, Nutzung und Präsentation von Kulturgütern umgesetzt werden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die grundlegenden Terminologien des Kulturerbes sollen im Folgenden festgelegt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2.1 Terminologie – von Kultur zu Kulturerbe ==&lt;br /&gt;
In diesem Abschnitt werden die Begriffe rund um das Kulturerbe grundlegend definiert. Es soll ein Verständnis über die Begriffe Kultur, kulturelle Ausprägung, Kulturgut und Kulturerbe erreicht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K1.png|center|260px]]&amp;lt;ref&amp;gt;Mermaid Flowchart Code: [https://mermaid.live/edit#pako:eNpF0UtuwyAQBuCroFlaTuRHTGMvKuWxq7pqV627IGZso2CIMChtk9ymN-nFimmasmJGfP-AOEGjOUIFrdTHpmfGkudtrWpF_Fq9RtGDk9aZKHojU-_aJ7PZ_bmGgSnR4mgFejaKpidC1XAmq8zDfYAoJZKVG7lxzX5stRl81C0_uwYdheGEubHD4_dXLy1hcpyC1rcLdM4GOLH1Ve2E5Gj9TPLkhgEnsLkBNDsMAmLojOBQWeMwhgHNwKYSTuFBYHucbOW3HFvmcQ21unh2YOpF6-FPGu26HqrW381X7sCZxa1gnWH_R1BxNBvtlIUqTUMEVCd49xVdzpeLMs1pXmRFXiY0hg-o8iyZL_LFXZaVSTJ1LzF8hqHJnBZ5WhZLWt5RmtIsBuTCavP4-2Hh3y4_NXaMmw hier klicken], abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.1 Kultur ===&lt;br /&gt;
Kultur bezeichnet hier die Gesamtheit aller '''vom Menschen geschaffenen und erlernten Ausdrucksformen''' des Lebens, die auf gemeinsamen Werten und Verhaltensweisen beruhen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;wiki-kultur&amp;quot;&amp;gt;URL: https://de.wikipedia.org/wiki/Kultur&amp;lt;/ref&amp;gt; Dazu zählen '''materielle Ergebnisse''' (z. B. Kunstwerke, Technik) ebenso wie '''immaterielle Praktiken''' (Sprache, Bräuche, Wissen). Kultur umfasst laut der UNESCO geistige, materielle, intellektuelle und emotionale Merkmale, die eine Gesellschaft oder soziale Gruppe kennzeichnen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mondiacult&amp;quot;&amp;gt;UNESCO 1982: Mexico City Declaration on Cultural Policies (MONDIACULT). URL: https://www.lacult.unesco.org/docc/1982_MONDIACULT.pdf&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;ref name=&amp;quot;cultureaction&amp;quot;&amp;gt;Culture Action Europe 2024: The State of Culture report. URL: https://cultureactioneurope.org/de/news/the-state-of-culture-report-published, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;  Sie ist dynamisch und wird von jeder Generation neu gestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das deutsche Wort „Kultur“ ist eine Eindeutschung des lateinischen Worts „cultura“. Dieses bedeutet ursprünglich „Bebauung, Bearbeitung, Bestellung, Pflege“ und meinte sowohl die physische Bearbeitung als auch die Pflege geistiger Güter, z. B. der Sprache.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.2 Kulturelle Ausdrucksform ===&lt;br /&gt;
Eine kulturelle Ausdrucksform ist eine '''konkrete, gegenwärtige oder historische, Manifestation von Kultur''', bspw. eine Zeichnung, eine Tracht oder ein Lied: Sie macht die Kultur sichtbar und erlebbar. Im engeren Sinne ist es eine Ausdrucksweise, die aus der Kreativität einer Person, Gruppe oder Gesellschaft entsteht und '''kulturellen Inhalt''' trägt (symbolische Bedeutung, künstlerische Dimension, kulturelle Werte).&amp;lt;ref&amp;gt;Österreichische UNESCO-Kommission 2007: Übereinkommen zum Schutz und zur Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen, Art. 4, Seite 13. URL: https://www.unesco.at/fileadmin/Redaktion/Publikationen/Publikations-Dokumente/2005er_UNESCO-Convention_German.pdf, abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt; Sie wird innerhalb und zwischen Gemeinschaften weitergegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle kulturellen Ausdrucksformen bilden einen wesentlichen Kern von Kultur, aber Kultur enthält auch latente Dimensionen (Werte, Normen, Vorannahmen etc.), die nicht unmittelbar als Ausdrucksform erscheinen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.3 Kulturgut ===&lt;br /&gt;
Ein „Kulturgut“ ist '''eine einzelne kulturelle Ausdrucksform''', der ein '''besonderer kultureller Wert zugemessen wird''' (durch Anerkennung, Schutz, Bedeutung). Es ist somit ein Erzeugnis menschlicher Kreativität oder Zeugnis menschlichen Lebens, welches '''Bedeutung für die Kultur einer Gemeinschaft''' hat und daher '''Bestand haben und bewahrt werden soll'''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die '''Summe aller Kulturgüter''' einer Gemeinschaft wird als dessen '''Kulturerbe''' bezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.4 Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
Kulturerbe ist die '''Summe der materiellen und immateriellen Ausdrucksformen''' (= Kulturgüter) einer Kultur, die als „'''bewahrenswert'''“ anerkannt wurden. International umfasst das u. a. das '''Welterbe''' (Denkmäler, Ensembles, Stätten)&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO (1972), Welterbekonvention, Art. 1. URL: https://www.dnk.de/wp-content/uploads/2021/02/1972_DNK_UNESCO-Welterbekonvention.pdf (abgerufen am 11.09.2025).&amp;lt;/ref&amp;gt; und das '''Immaterielles Kulturerbe''' (Praktiken, Wissen).&amp;lt;ref&amp;gt;Deutsche UNESCO-Kommission o. J.:, Übereinkommen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes (dt. Ausgabe). URL: https://www.unesco.de/assets/dokumente/Deutsche_UNESCO-Kommission/02_Publikationen/Publikation_UNESCO-%C3%9Cbereinkommen_zur_Erhaltung_des_immateriellen_Kulturerbes_01.pdf, (abgerufen am 11.09.2025).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ob etwas „zum Kulturerbe“ zählt, ist Ergebnis von Bewertung, Diskurs und teils formellen Verfahren. Dem Sorbischen Kulturregister (SKR) zufolge ist „sorbisch-wendisches Kulturerbe“ eine Zuschreibung, die durch Gesellschaft, Museen, Archive und Wissenschaft erfolgen kann.&amp;lt;ref&amp;gt;Sorbisches Institut 2025: Konzept für ein Sorbisches Kulturregister (SKR). URL: https://www.serbski-institut.de/wp-content/uploa ds/2021/11/00_Zweite-aktualisierte-Fassung_Konzept_Sorbisches-Kulturregister_20.11.2025.pdf, abgerufen am 20.11.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.5 Abgrenzung: Kultur und Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
'''Kultur / Kulturelle Ausdrucksform''' sind als Begriffe weiter gefasst als '''Kulturgut / Kulturerbe'''. Kulturelle Ausdrucksformen umfassen alles Gelebte und Gestaltete einer Gemeinschaft in Gegenwart und Vergangenheit, während Kulturgut / Kulturerbe diejenigen kulturellen Güter und Traditionen meint, denen eine Bedeutung beigemessen wurde und die als bewahrens- und weitergebenswert erkannt wurden. Kultur ist der „aktuelle“ kreative Prozess (einschließlich Popkultur, Alltagskultur), Kulturerbe der daraus überkommene Schatz. Dennoch sind die Grenzen fließend: Was heute nur Kultur ist, kann morgen zum Kulturerbe erklärt werden – abhängig von Wertzuschreibung und Diskurs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Rahmen dieses Dokuments werden für den sorbischen Kontext die Begriffe '''„kulturelle Ausdrucksform“''' und '''„Kulturgut“''' weitgehend '''synonym''' verwendet, sofern nicht ausdrücklich anders gekennzeichnet. Hintergrund ist, dass die Gesamtzahl der identifizierbaren kulturellen Ausdrucksformen einer kleinen Minderheit wie der Sorben/Wenden im Vergleich zu großen Mehrheitsgesellschaften überschaubar ist. Zugleich ist der Anteil dieser Ausdrucksformen, denen in der Community ein besonderer Wert beigemessen wird und die daher faktisch als Kulturgut wahrgenommen und behandelt werden, sehr hoch: Ein großer Teil des gelebten kulturellen Repertoires wird als identitätsstiftend und bewahrenswert verstanden und damit dem Kulturerbe zugerechnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2.2 Klassifizierung von Kulturgütern ==&lt;br /&gt;
Im Folgenden soll eine griffige Klassifizierung von Kulturgütern entwickelt werden, so dass pro Kulturgut-Klasse später auf die Besonderheiten ihrer Digitalisierung eingegangen werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K2.png|center|600px]]&amp;lt;ref&amp;gt;Mermaid Flowchart Code: [https://mermaid.live/edit#pako:eNptlM9u00AQxl9ltFWoFDlp_C9OjISU2KSgUCq1BSRIDxt77Syxd6v1mkKjSDwBlThw4YCEeuXOoeLSN-EF4BHYjZOQQG67-32_2ZnZsWco4jFBPqrVZpRR6cNsP8n4ZTTBQu7rHVP66QWOKEvV3nQM2BeYTf8eea35fF6rjdiIrUl4cjJiAMPDV_X6sMxkKdJS1uvnvu9PtRGgp5ReE46wJIKSLIOf779CycbkkqQZjSb1Ovz-cv351_drDWGN9BXS_xfZBj7dLoGxBgIFBE14nOcrZGH68E07Iu0IlSNsQkhTKnGlfvyh1bjKcngIjcYD6G2s-xvrYGMdLuuqAFOXZ0IflzFh0xxn5OBU3t1ISZhqw6KaKpo29k04jSaCJrLq0oZsa9mCAZc8FTihhBnQp1ksxd1NSsS22dFmG3oMZzwl0HveONtlc7XNATtsHI9fk6kkC3nRsKoqnVNgwrFQaUOvLGJRRtMi4SJfZ790WtppQYhFIVV7CYsJDO9uWbEMujbqOgIbTqgsddB7MCD_eXT6gQMvaFEQBlclPMVqcA6eMfqGiKLMt926isCFM4FjKiln-voCHmEWXxIxXZcUVo-jSwrVe3DBGvHqtc83DLqS0FpNAi3wRluiDBdFSBIYQ0KzzN_r265jPjQinnHh7yVJYhRS8ClZKfe3KLyk2oHneuEuqlK2qWhJWYPOwGnvoiplm4qXVMd17V5rF1UpikIGSgWNkS9FSQyUE5FjvUUzHXGE5ITkZIR8tYxJgtVXPEIjNlfYBWYvOc9XpOBlOkF-grNC7cqLWPUupFjNa74-FXo0RMBLJpFvWtYiCPJn6C3yG7bTNO2u6Tidrue0W13HQO_Usdtquuqg1bG6TtvzPNuZG-hqcXGr2baV5NhuyzId13XbBiJqDrg4qn5ni7_a_A_W9oMu hier klicken], abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.1 A. Materiell - unbeweglich 🏛️ ===&lt;br /&gt;
„Materiell - unbeweglich&amp;quot; bezeichnet ortsfeste Kulturobjekte wie Bauwerke, Ensembles, Gebäudekomplexe und Stätten/Kulturlandschaften, wie sie in Art. 1 der UNESCO-Welterbekonvention als Kategorien des kulturellen Erbes definiert sind.&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO World Heritage Centre o. J.: Convention Concerning the Protection of the World Cultural and Natural Heritage, Artikel 1. URL: https://whc.unesco.org/en/conventiontext/, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.2 B. Materiell - beweglich 🖼️ ===&lt;br /&gt;
Die Kategorie „Materiell - beweglich&amp;quot; umfasst bewegliche Sachen bzw. Sachgesamtheiten von kulturellem Wert (z. B. Objekte, Sammlungen), wie sie das deutsche Kulturgutschutzgesetz (§ 2 KGSG)&amp;lt;ref&amp;gt;Deutschland 2016: Kulturgutschutzgesetz (KGSG), § 2. URL: https://www.buzer.de/2_KGSG.htm, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt; als „Kulturgut“ beschreibt.&lt;br /&gt;
* B1 '''Schriftgut''' - Bücher, Zeitungen, Handschriften, Archivgut, Graphiken, Pläne, Karten&lt;br /&gt;
* B2 '''Fotografien &amp;amp; Bildträger''' &lt;br /&gt;
** Fotografisch erzeugte statische Bildträger, auch Stillbildträger genannt, z. B. Positive/Negative auf Film/Platte/Photopapier, Dias, Abzüge, Mikrofilm/-fiche und vergleichbare fotografische Repro-Träger.&lt;br /&gt;
* B3 '''Analoge AV-Träger''' (Audio/Video/Film)&lt;br /&gt;
** Analoge zeitbasierte Medien, z. B. Magnetton (Tonband, Kassette), Schallplatte, Videobänder, Film.&lt;br /&gt;
* B4 '''3D-Objekte''' - Gegenstände, „sachkulturelle Artefakte“&amp;lt;ref&amp;gt;Sorbisches Institut o. J.: Konzept zum Digitalisierungszentrum am Sorbischen Institut, S. 24.&lt;br /&gt;
(Unveröffentlichtes Konzeptpapier; interne Projektunterlage.)&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.3 C. Immateriell 🎭 ===&lt;br /&gt;
Meint lebendige Praktiken, Darstellungen, Ausdrucksformen, Ideen, Werte, Wissen und Fertigkeiten, die von Gemeinschaften getragen und weitergegeben werden, gemäß der folgenden 5 UNESCO ICH-Domänen.&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO o. J.: Intangible Cultural Heritage – Five Domains. URL: https://ich.unesco.org/doc/src/01857-EN.pdf, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* C1 '''Orale Traditionen/Ausdrucksformen''' - Sprache, Gesangstraditionen&lt;br /&gt;
* C2 '''Darstellende Künste''' - Musik, Tanz, Theater&lt;br /&gt;
* C3 '''Rituale &amp;amp; Feste''' - Bräuche und soziale Praktiken des Kalenders und Lebenslaufs&lt;br /&gt;
* C4 '''Wissen &amp;amp; Praktiken''' zu Natur &amp;amp; Universum - Heil- und Sammelkenntnisse, ökologisches und astronomisches Wissen, Glaube, Religion&lt;br /&gt;
* C5 '''Traditionelles Handwerk''' - Techniken, Werkzeuge und Gestaltungsmuster&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.4 D. Digital 💾 ===&lt;br /&gt;
Bezeichnet in digitaler Form vorliegende Ressourcen menschlichen Wissens und Ausdrucks. Diese können sowohl born-digital sein als auch digitalisierte Repräsentationen von materiellen und immateriellen Kulturgütern.&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO 2003: Charter on the Preservation of Digital Heritage. URL: https://www.unesco.org/en/legal-affairs/charter-preservation-digital-heritage, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* D1 '''Born-digital''' (ursprünglich digital erzeugt, kein analoges Original), z. B. Webseiten, Social-Media-Beiträge, Software, Apps, Spiele, digitale Fotos/Audio/Video.&lt;br /&gt;
* D2 '''Digitalisate''' - Digitalisierte Repräsentationen/Derivate aus den Klassen A, B und C.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2.3 Prozess der Digitalisierung von Kulturerbe ==&lt;br /&gt;
Die Digitalisierung von Kulturgut ist kein rein technischer Arbeitsschritt, sondern ein vielschichtiger, oft langfristiger Prozess, der bereits mit der Wahrnehmung und Identifikation einer kulturellen Ausdrucksform beginnt. Ziel dieses Abschnitts ist es, diesen Gesamtprozess systematisch darzustellen: von der gelebten Kultur über das identifizierte Kulturgut bis hin zur digital nutzbaren Repräsentation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die hier entwickelte Prozessdarstellung soll als praxisorientierter Überblick dienen für die Digitalisierung des sorbischen Kulturerbes. Sie berücksichtigt die Anforderungen sorbischer Einrichtungen ebenso wie die international etablierten Referenzmodelle und Standards, darunter:&lt;br /&gt;
* das OAIS-Referenzmodell (ISO 14721) für digitale Archivierung&amp;lt;ref&amp;gt;Consultative Committee for Space Data Systems (CCSDS) 2024: Reference Model for an Open Archival Information System (OAIS), CCSDS 650.0-M-3. URL: https://ccsds.org/Pubs/650x0m3.pdf, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* das DCC Curation Lifecycle Model für kuratorische Entscheidungsprozesse&amp;lt;ref&amp;gt;Higgins 2008: The DCC Curation Lifecycle Model. International Journal of Digital Curation, 3(1), 134-140. URL: https://ijdc.net/index.php/ijdc/article/view/48, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* das Spectrum-Modell für museale Objektverwaltung&amp;lt;ref&amp;gt;Collections Trust 2022. Spectrum 5.1 - The UK Museum Collections Management Standard. URL: https://collectionstrust.org.uk/spectrum/spectrum-5, abgerufen am 01.10.2025. &amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* die UNESCO-Leitlinien zur Inventarisierung immateriellen Kulturerbes&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO 2024: Operational Directives for the Implementation of the Convention for the Safeguarding of the Intangible Cultural Heritage (10.GA). URL: https://ich.unesco.org/doc/src/ICH-Operational_Directives-10.GA_EN.pdf, abgerufen am 01.10.2025. &amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* sowie technische Vorgaben wie die DFG-Praxisregeln Digitalisierung&amp;lt;ref&amp;gt;Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) 2022: Praxisregeln Digitalisierung (aktualisierte Fassung). URL: https://www.ulb.hhu.de/fileadmin/redaktion/ULB/Documents/Infomaterial/DFG_Praxisregeln_Digitalisierung_Aktualisierte_Fassung2022.pdf, abgerufen am 01.10.2025. &amp;lt;/ref&amp;gt; und die FADGI-Richtlinien&amp;lt;ref&amp;gt;Federal Agencies Digital Guidelines Initiative (FADGI) 2023: Technical Guidelines for Digitizing Cultural Heritage Materials – Still Image, 3rd ed. URL: https://www.digitizationguidelines.gov/guidelines/digitize-technical.html, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Folge soll der „Lebenslauf“ eines Kulturguts dargestellt werden, also der Weg, den ein Objekt oder eine kulturelle Praxis vom Zeitpunkt der Entstehung über die Erfassung, Digitalisierung und Archivierung bis zur Veröffentlichung in einem digitalen Präsentationsmodul durchläuft.&lt;br /&gt;
Hierfür erläutert der folgende Abschnitt die einzelnen Prozessschritte im Detail, jeweils mit Akteuren und Beispielen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.3.1 Vorüberlegungen zum Prozess ===&lt;br /&gt;
Im hier vorgestellten Prozess wird auf eine harte, systematische Filterung verzichtet, welche kulturellen Ausdrucksformen „nur“ Kultur und welche bereits Kulturgut sind. Ein solcher Bewertungs- und Abgrenzungsprozess wäre ressourcenintensiv und würde den vorhandenen Kapazitäten in den beteiligten Einrichtungen nicht entsprechen. Stattdessen folgt das Konzept einer inklusiven Logik: Alle dokumentierten Ausdrucksformen werden zunächst als potenzielle Kulturgüter erfasst. Eine feinere Auswahl und Priorisierung erfolgen erst in einem späteren Schritt, nämlich dann, wenn konkret entschieden wird, welche Ausdrucksformen bzw. Kulturgüter in welcher Tiefe digitalisiert, archiviert und präsentiert werden sollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Vorgehen schließt an das SKR-Konzept an, das bewusst auf eine frühe normative Trennung zwischen „kultureller Ausdrucksform“ und „Kulturgut“ verzichtet. Auch hier steht zunächst der möglichst vollständige, strukturierte Überblick über die sorbischen Kulturgüter im Vordergrund. Die differenzierte Bewertung und Schwerpunktsetzung werden als anschließende fachliche Aufgabe verstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.3.2 Prozessschritte im Detail ===&lt;br /&gt;
Das folgende Diagramm gibt einen Überblick über die sechs Kernschritte des Gesamtprozesses der Digitalisierung von Kulturgut – von der ersten Wahrnehmung einer kulturellen Ausdrucksform bis zu ihrer digitalen Präsentation als Kulturgut. Die Abfolge zeigt zugleich die Entwicklungsstufen: von gelebter Kultur zur kulturellen Ausdrucksform, von dort zum Kulturgut und schließlich zum digitalen Kulturgut. Die Schritte sind als generischer Ablauf zu verstehen: Je nach Art des Kulturguts können einzelne Tätigkeiten unterschiedlich aufwendig sein oder parallel erfolgen.&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K3.png|center|600px]]&amp;lt;ref&amp;gt;Mermaid Flowchart Code: [https://mermaid.live/edit#pako:eNplkk1OwzAQha8yGqmbkloxSZs2CyTa8LOphIAVhIVJpolF4iDH4a_qbXqTXgzHFdAKr2y97703lmaNWZMTxriqmvesFNrAfZIqgPPHFIdDzuBO1DVVajhM8QlGozOYO-WUwS0VsjVakqa93Pvmjlk4JmAwp3fS5kCHwQAWjkkcE_Y5WWkIXqrd9jBpT138UIkspBGVbI_7-rwLR146csLgRryQ-U8lMGLwTG1WapLPpHKCZQLMOY9ch7m2VxiSpOAEjJ1TSev_M_bkvv3KtY8ZnOuslG_H9VcOuf4dUO-2LamjGdHDQsscY6M78rAmXYv-ies-IEVTUk0pxvaa00p0lUkxVRtrexXqoWnqH6duuqLEeCWq1r6619zOn0hRaPGH9J_Xi6ZTBuOxS8B4jR8YhxGLeDThkR-EM37KuYefFmHTaOz7fOZHQTidBMHGwy9X6VslnNnDw4jPuB8GHlIuTaOX-7Vy27X5Bh_Osqo hier klicken], abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Prozess zeigt, dass Digitalisierung von Kulturgut mehr ist als das Erstellen digitaler Dateien. Sie umfasst eine Reihe aufeinander bezogener Schritte – von der ersten Wahrnehmung einer kulturellen Ausdrucksform über ihre Erfassung, Bewertung und Digitalisierung bis hin zur langfristigen Sicherung und Präsentation. Dabei sind je nach Schritt unterschiedliche Akteure beteiligt, etwa Gemeinschaften, Museen, Archive, Fachgremien, Digitalisierungsstellen oder IT. Die folgenden Beschreibungen erläutern diese Schritte so, dass nachvollziehbar wird, was jeweils mit einem Kulturgut geschieht, wer daran beteiligt ist und wie sich der Ablauf in der Praxis vorstellen lässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''1. Sammeln &amp;amp; erfassen''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Hier wird eine kulturelle Ausdrucksform erstmals wahrgenommen, benannt und mit ersten Informationen erfasst: Was ist es, wer macht es oder hat es geschaffen, wo kommt es vor, warum ist es bedeutsam für die Gemeinschaft? &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Community, Vereine, Museen, Archive, Forschende, Privatpersonen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Auf einem Dorffest zeigt eine Frau das Verzieren sorbischer Ostereier. Jemand fotografiert dies und notiert Technik, Ort und Namen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''2. Registrieren &amp;amp; beschreiben''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Hier wird aus der ersten Beobachtung ein strukturierter Nachweis. Das Kulturgut oder die kulturelle Ausdrucksform wird in ein Register, eine Sammlung oder einen Katalog aufgenommen und mit strukturierten Metadaten beschrieben, damit es wiedergefunden, zugeordnet und verstanden werden kann. Dazu gehören z. B. Titel, Ort, Zeit, Technik, Funktion, beteiligte Personen und der kulturelle Kontext.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Registerverantwortliche, Kurator:innen, Sammlungsmitarbeitende, Community für Kontextinformationen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Das Osterei erhält einen Eintrag mit Angaben wie „Wachsbatik“, „Schleife“, „Osterei-Verzierung“, Name der Trägerin und Entstehungsjahr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''3. Bewerten &amp;amp; freigeben''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
In diesem Schritt wird entschieden, ob und in welcher Priorität ein Kulturgut oder die kulturelle Ausdrucksform digitalisiert werden soll und ob dies rechtlich und ethisch möglich ist. Dabei spielen fachliche Kriterien wie Bedeutung, Repräsentativität, Seltenheit oder Gefährdung eine Rolle, aber auch Fragen des Urheberrechts, Datenschutzes und möglicher kultureller Sensibilitäten. Am Ende steht eine begründete Entscheidung, ob und in welchem Umfang das Kulturgut weiterbearbeitet und später veröffentlicht werden darf. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Kurator:innen, Fachgremien, Community-Vertretungen, Register/SKR, ggf. Rechteverantwortliche und Behörden. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Es wird entschieden, dass die Osterei-Technik wegen ihrer Bedeutung für die sorbische Identität digital gesichert werden soll; die Kunsthandwerkerin stimmt der Veröffentlichung zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''4. Digitalisieren &amp;amp; prüfen''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nun wird das Kulturgut technisch erfasst, also in eine digitale Form überführt. Das kann je nach Objektart durch Scan, Fotografie, Audio- oder Videoaufnahme oder 3D-Erfassung geschehen. Dabei entstehen hochwertige Master-Dateien und nutzbare Derivate. Die Digitalisierung folgt qualifizierten Standards, um Reproduzierbarkeit, Farbkonsistenz und Nutzbarkeit zu gewährleisten. Anschließend wird geprüft, ob Schärfe, Farbe, Vollständigkeit und Dateiformate den Anforderungen für Archivierung und Nutzung entsprechen. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Digitalisierungszentrum, Foto-/AV-/3D-Spezialist:innen, externe Dienstleister bei Spezialfällen. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Das Osterei wird fotografisch hochauflösend aufgenommen und zusätzlich als 3D-Modell erfasst. Danach werden Schärfe, Farbe und Dateiformate geprüft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''5. Archivieren &amp;amp; sichern''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die entstandenen digitalen Dateien werden geordnet abgelegt, mit den zugehörigen Metadaten verknüpft und für die langfristige Erhaltung gesichert. Dazu gehören sichere Speicherorte, Backups, Integritätskontrollen und – wenn nötig – spätere technische Migration auf neue Systeme. Ziel ist, dass das digitale Kulturgut langfristig erhalten bleibt, auch wenn sich Technik und Formate verändern. Das Original bleibt in der Regel weiterhin am Sammlungs- oder Aufbewahrungsort. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Archiv, Repository, IT-Betrieb, ggf. Sorbisches Kulturarchiv bzw. Digitalisierungszentrum. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Die Bilder und das 3D-Modell des Ostereis werden auf gesicherten Servern gespeichert; das Original bleibt im Museum oder bei der Eigentümerin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''6. Präsentieren &amp;amp; nutzen''' &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im letzten Schritt werden die digitalen Objekte so bereitgestellt, dass sie gefunden, verstanden und genutzt werden können, z. B. in Portalen, digitalen Sammlungen oder virtuellen Ausstellungen. Dafür reicht es nicht, nur Dateien anzuzeigen: Es braucht auch verständliche Kontexte, Rechteangaben, Mehrsprachigkeit und möglichst barrierearme Zugänge. So wird aus der technischen Digitalisierung eine tatsächliche kulturelle Nutzung. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Akteure''': Kurator:innen, Vermittlung, Web/IT, Museen, Kulturinformationen, Community. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
'''Beispiel''': Das Osterei erscheint in einer Online-Ausstellung, kann herangezoomt oder als 3D-Modell gedreht werden und wird mit einem kurzen Text zur Technik erklärt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Referenzen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Měrko Šenk</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://koncept.serbski-inkubator.de/index.php?title=12.3_Digitalisierung_des_Kulturerbes&amp;diff=1046</id>
		<title>12.3 Digitalisierung des Kulturerbes</title>
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		<updated>2026-03-20T10:45:25Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Měrko Šenk: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;= 1 Einleitung =&lt;br /&gt;
Die Digitalisierung von sorbischem Kulturerbe ist eine historische Chance für uns Sorben, eine Chance, unser kulturelles Erbe neu zu entdecken, es für kommende Generationen zu erhalten, für eine breitere Öffentlichkeit zugänglich zu machen und dabei die eigene Deutungshoheit zu stärken. Das erfordert neben Mut, einer klaren gemeinsamen Vision, starker Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Akteuren auch die notwendigen Ressourcen in Form von Personal mit entsprechenden Kompetenzen, passender Technik sowie einer nachhaltig gesicherten Finanzierung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im folgenden Abschnitt werden Zielbilder für die Digitalisierung des sorbischen Kulturerbes entworfen mittels lang- und kurzfristiger Visionen sowie konkreter Ziele.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 1.1 Visionen und Ziele für die sorbische digitale Welt ==&lt;br /&gt;
'''Vision 2035'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
''Sorbisches materielles und immaterielles Kulturerbe ist systematisch digital erfasst, rechtssicher und langfristig gesichert, leicht auffindbar, offen nutzbar und wird aktiv von Interessierten genutzt.''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Konkrete Ziele'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bis 2032 ist ein tragfähiges, finanziell und organisatorisch abgesichertes Modell etabliert, das:&lt;br /&gt;
* Ein zentrales (oder föderiertes) digitales Langzeitarchiv nach OAIS-Referenzmodell betreibt,&lt;br /&gt;
* klare Zuständigkeiten, Prozesse und Budgets definiert,&lt;br /&gt;
* regelmäßige Qualitätssicherung und Technik-Updates vorsieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis 2030 sind wichtige sorbische Kulturerbe-Bestände (Kernbestände nach fachlicher Festlegung) in hoher Qualität digitalisiert, beschrieben und im Langzeitarchiv gesichert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis 2028 liegt eine institutionenübergreifende Übersicht über relevante Kulturerbe-Bestände (analog und digital, materiell und immateriell) vor, einschließlich einer Prioritätenliste für die Digitalisierung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis 2028 existiert ein zentrales, nutzerfreundliches „Sorbisches Kulturerbe-Portal“, das:&lt;br /&gt;
* Suchzugang über alle teilnehmenden Institutionen ermöglicht,&lt;br /&gt;
* grundlegende Inhalte frei zugänglich bereitstellt,&lt;br /&gt;
* mehrsprachige Oberflächen anbietet (Deutsch, Obersorbisch, Niedersorbisch, Englisch).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= 2 IST-Analyse „Digitalisierung von Kulturerbe“ =&lt;br /&gt;
Das Ziel in diesem Themenbereich ist es, sorbisches Kulturerbe digital zu verwalten und damit langfristig für Recherche, Nutzung und Präsentation vorzuhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Abschnitt &amp;quot;IST-Analyse“ werden die folgenden Fragen beantwortet: Was ist sorbisches Kulturerbe und was zählt alles dazu? Welche Schritte durchläuft ein Kulturgut, um zum digitalen Kulturerbe zu gehören? Wie können die digitale Verwaltung, Archivierung, Nutzung und Präsentation von Kulturgütern umgesetzt werden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die grundlegenden Terminologien des Kulturerbes sollen im Folgenden festgelegt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2.1 Terminologie – von Kultur zu Kulturerbe ==&lt;br /&gt;
In diesem Abschnitt werden die Begriffe rund um das Kulturerbe grundlegend definiert. Es soll ein Verständnis über die Begriffe Kultur, kulturelle Ausprägung, Kulturgut und Kulturerbe erreicht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K1.png|center|260px]]&amp;lt;ref&amp;gt;Mermaid Flowchart Code: [https://mermaid.live/edit#pako:eNpF0UtuwyAQBuCroFlaTuRHTGMvKuWxq7pqV627IGZso2CIMChtk9ymN-nFimmasmJGfP-AOEGjOUIFrdTHpmfGkudtrWpF_Fq9RtGDk9aZKHojU-_aJ7PZ_bmGgSnR4mgFejaKpidC1XAmq8zDfYAoJZKVG7lxzX5stRl81C0_uwYdheGEubHD4_dXLy1hcpyC1rcLdM4GOLH1Ve2E5Gj9TPLkhgEnsLkBNDsMAmLojOBQWeMwhgHNwKYSTuFBYHucbOW3HFvmcQ21unh2YOpF6-FPGu26HqrW381X7sCZxa1gnWH_R1BxNBvtlIUqTUMEVCd49xVdzpeLMs1pXmRFXiY0hg-o8iyZL_LFXZaVSTJ1LzF8hqHJnBZ5WhZLWt5RmtIsBuTCavP4-2Hh3y4_NXaMmw hier klicken], abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.1 Kultur ===&lt;br /&gt;
Kultur bezeichnet hier die Gesamtheit aller '''vom Menschen geschaffenen und erlernten Ausdrucksformen''' des Lebens, die auf gemeinsamen Werten und Verhaltensweisen beruhen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;wiki-kultur&amp;quot;&amp;gt;URL: https://de.wikipedia.org/wiki/Kultur&amp;lt;/ref&amp;gt; Dazu zählen '''materielle Ergebnisse''' (z. B. Kunstwerke, Technik) ebenso wie '''immaterielle Praktiken''' (Sprache, Bräuche, Wissen). Kultur umfasst laut der UNESCO geistige, materielle, intellektuelle und emotionale Merkmale, die eine Gesellschaft oder soziale Gruppe kennzeichnen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mondiacult&amp;quot;&amp;gt;UNESCO 1982: Mexico City Declaration on Cultural Policies (MONDIACULT). URL: https://www.lacult.unesco.org/docc/1982_MONDIACULT.pdf&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;ref name=&amp;quot;cultureaction&amp;quot;&amp;gt;Culture Action Europe 2024: The State of Culture report. URL: https://cultureactioneurope.org/de/news/the-state-of-culture-report-published, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;  Sie ist dynamisch und wird von jeder Generation neu gestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das deutsche Wort „Kultur“ ist eine Eindeutschung des lateinischen Worts „cultura“. Dieses bedeutet ursprünglich „Bebauung, Bearbeitung, Bestellung, Pflege“ und meinte sowohl die physische Bearbeitung als auch die Pflege geistiger Güter, z. B. der Sprache.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.2 Kulturelle Ausdrucksform ===&lt;br /&gt;
Eine kulturelle Ausdrucksform ist eine '''konkrete, gegenwärtige oder historische, Manifestation von Kultur''', bspw. eine Zeichnung, eine Tracht oder ein Lied: Sie macht die Kultur sichtbar und erlebbar. Im engeren Sinne ist es eine Ausdrucksweise, die aus der Kreativität einer Person, Gruppe oder Gesellschaft entsteht und '''kulturellen Inhalt''' trägt (symbolische Bedeutung, künstlerische Dimension, kulturelle Werte).&amp;lt;ref&amp;gt;Österreichische UNESCO-Kommission 2007: Übereinkommen zum Schutz und zur Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen, Art. 4, Seite 13. URL: https://www.unesco.at/fileadmin/Redaktion/Publikationen/Publikations-Dokumente/2005er_UNESCO-Convention_German.pdf, abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt; Sie wird innerhalb und zwischen Gemeinschaften weitergegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle kulturellen Ausdrucksformen bilden einen wesentlichen Kern von Kultur, aber Kultur enthält auch latente Dimensionen (Werte, Normen, Vorannahmen etc.), die nicht unmittelbar als Ausdrucksform erscheinen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.3 Kulturgut ===&lt;br /&gt;
Ein „Kulturgut“ ist '''eine einzelne kulturelle Ausdrucksform''', der ein '''besonderer kultureller Wert zugemessen wird''' (durch Anerkennung, Schutz, Bedeutung). Es ist somit ein Erzeugnis menschlicher Kreativität oder Zeugnis menschlichen Lebens, welches '''Bedeutung für die Kultur einer Gemeinschaft''' hat und daher '''Bestand haben und bewahrt werden soll'''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die '''Summe aller Kulturgüter''' einer Gemeinschaft wird als dessen '''Kulturerbe''' bezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.4 Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
Kulturerbe ist die '''Summe der materiellen und immateriellen Ausdrucksformen''' (= Kulturgüter) einer Kultur, die als „'''bewahrenswert'''“ anerkannt wurden. International umfasst das u. a. das '''Welterbe''' (Denkmäler, Ensembles, Stätten)&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO (1972), Welterbekonvention, Art. 1. URL: https://www.dnk.de/wp-content/uploads/2021/02/1972_DNK_UNESCO-Welterbekonvention.pdf (abgerufen am 11.09.2025).&amp;lt;/ref&amp;gt; und das '''Immaterielles Kulturerbe''' (Praktiken, Wissen).&amp;lt;ref&amp;gt;Deutsche UNESCO-Kommission o. J.:, Übereinkommen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes (dt. Ausgabe). URL: https://www.unesco.de/assets/dokumente/Deutsche_UNESCO-Kommission/02_Publikationen/Publikation_UNESCO-%C3%9Cbereinkommen_zur_Erhaltung_des_immateriellen_Kulturerbes_01.pdf, (abgerufen am 11.09.2025).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ob etwas „zum Kulturerbe“ zählt, ist Ergebnis von Bewertung, Diskurs und teils formellen Verfahren. Dem Sorbischen Kulturregister (SKR) zufolge ist „sorbisch-wendisches Kulturerbe“ eine Zuschreibung, die durch Gesellschaft, Museen, Archive und Wissenschaft erfolgen kann.&amp;lt;ref&amp;gt;Sorbisches Institut 2025: Konzept für ein Sorbisches Kulturregister (SKR). URL: https://www.serbski-institut.de/wp-content/uploa ds/2021/11/00_Zweite-aktualisierte-Fassung_Konzept_Sorbisches-Kulturregister_20.11.2025.pdf, abgerufen am 20.11.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.5 Abgrenzung: Kultur und Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
'''Kultur / Kulturelle Ausdrucksform''' sind als Begriffe weiter gefasst als '''Kulturgut / Kulturerbe'''. Kulturelle Ausdrucksformen umfassen alles Gelebte und Gestaltete einer Gemeinschaft in Gegenwart und Vergangenheit, während Kulturgut / Kulturerbe diejenigen kulturellen Güter und Traditionen meint, denen eine Bedeutung beigemessen wurde und die als bewahrens- und weitergebenswert erkannt wurden. Kultur ist der „aktuelle“ kreative Prozess (einschließlich Popkultur, Alltagskultur), Kulturerbe der daraus überkommene Schatz. Dennoch sind die Grenzen fließend: Was heute nur Kultur ist, kann morgen zum Kulturerbe erklärt werden – abhängig von Wertzuschreibung und Diskurs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Rahmen dieses Dokuments werden für den sorbischen Kontext die Begriffe '''„kulturelle Ausdrucksform“''' und '''„Kulturgut“''' weitgehend '''synonym''' verwendet, sofern nicht ausdrücklich anders gekennzeichnet. Hintergrund ist, dass die Gesamtzahl der identifizierbaren kulturellen Ausdrucksformen einer kleinen Minderheit wie der Sorben/Wenden im Vergleich zu großen Mehrheitsgesellschaften überschaubar ist. Zugleich ist der Anteil dieser Ausdrucksformen, denen in der Community ein besonderer Wert beigemessen wird und die daher faktisch als Kulturgut wahrgenommen und behandelt werden, sehr hoch: Ein großer Teil des gelebten kulturellen Repertoires wird als identitätsstiftend und bewahrenswert verstanden und damit dem Kulturerbe zugerechnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2.2 Klassifizierung von Kulturgütern ==&lt;br /&gt;
Im Folgenden soll eine griffige Klassifizierung von Kulturgütern entwickelt werden, so dass pro Kulturgut-Klasse später auf die Besonderheiten ihrer Digitalisierung eingegangen werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K2.png|center|600px]]&amp;lt;ref&amp;gt;Mermaid Flowchart Code: [https://mermaid.live/edit#pako:eNptlM9u00AQxl9ltFWoFDlp_C9OjISU2KSgUCq1BSRIDxt77Syxd6v1mkKjSDwBlThw4YCEeuXOoeLSN-EF4BHYjZOQQG67-32_2ZnZsWco4jFBPqrVZpRR6cNsP8n4ZTTBQu7rHVP66QWOKEvV3nQM2BeYTf8eea35fF6rjdiIrUl4cjJiAMPDV_X6sMxkKdJS1uvnvu9PtRGgp5ReE46wJIKSLIOf779CycbkkqQZjSb1Ovz-cv351_drDWGN9BXS_xfZBj7dLoGxBgIFBE14nOcrZGH68E07Iu0IlSNsQkhTKnGlfvyh1bjKcngIjcYD6G2s-xvrYGMdLuuqAFOXZ0IflzFh0xxn5OBU3t1ISZhqw6KaKpo29k04jSaCJrLq0oZsa9mCAZc8FTihhBnQp1ksxd1NSsS22dFmG3oMZzwl0HveONtlc7XNATtsHI9fk6kkC3nRsKoqnVNgwrFQaUOvLGJRRtMi4SJfZ790WtppQYhFIVV7CYsJDO9uWbEMujbqOgIbTqgsddB7MCD_eXT6gQMvaFEQBlclPMVqcA6eMfqGiKLMt926isCFM4FjKiln-voCHmEWXxIxXZcUVo-jSwrVe3DBGvHqtc83DLqS0FpNAi3wRluiDBdFSBIYQ0KzzN_r265jPjQinnHh7yVJYhRS8ClZKfe3KLyk2oHneuEuqlK2qWhJWYPOwGnvoiplm4qXVMd17V5rF1UpikIGSgWNkS9FSQyUE5FjvUUzHXGE5ITkZIR8tYxJgtVXPEIjNlfYBWYvOc9XpOBlOkF-grNC7cqLWPUupFjNa74-FXo0RMBLJpFvWtYiCPJn6C3yG7bTNO2u6Tidrue0W13HQO_Usdtquuqg1bG6TtvzPNuZG-hqcXGr2baV5NhuyzId13XbBiJqDrg4qn5ni7_a_A_W9oMu hier klicken], abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.1 A. Materiell - unbeweglich 🏛️ ===&lt;br /&gt;
„Materiell - unbeweglich&amp;quot; bezeichnet ortsfeste Kulturobjekte wie Bauwerke, Ensembles, Gebäudekomplexe und Stätten/Kulturlandschaften, wie sie in Art. 1 der UNESCO-Welterbekonvention als Kategorien des kulturellen Erbes definiert sind.&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO World Heritage Centre o. J.: Convention Concerning the Protection of the World Cultural and Natural Heritage, Artikel 1. URL: https://whc.unesco.org/en/conventiontext/, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.2 B. Materiell - beweglich 🖼️ ===&lt;br /&gt;
Die Kategorie „Materiell - beweglich&amp;quot; umfasst bewegliche Sachen bzw. Sachgesamtheiten von kulturellem Wert (z. B. Objekte, Sammlungen), wie sie das deutsche Kulturgutschutzgesetz (§ 2 KGSG)&amp;lt;ref&amp;gt;Deutschland 2016: Kulturgutschutzgesetz (KGSG), § 2. URL: https://www.buzer.de/2_KGSG.htm, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt; als „Kulturgut“ beschreibt.&lt;br /&gt;
* B1 '''Schriftgut''' - Bücher, Zeitungen, Handschriften, Archivgut, Graphiken, Pläne, Karten&lt;br /&gt;
* B2 '''Fotografien &amp;amp; Bildträger''' &lt;br /&gt;
** Fotografisch erzeugte statische Bildträger, auch Stillbildträger genannt, z. B. Positive/Negative auf Film/Platte/Photopapier, Dias, Abzüge, Mikrofilm/-fiche und vergleichbare fotografische Repro-Träger.&lt;br /&gt;
* B3 '''Analoge AV-Träger''' (Audio/Video/Film)&lt;br /&gt;
** Analoge zeitbasierte Medien, z. B. Magnetton (Tonband, Kassette), Schallplatte, Videobänder, Film.&lt;br /&gt;
* B4 '''3D-Objekte''' - Gegenstände, „sachkulturelle Artefakte“&amp;lt;ref&amp;gt;Sorbisches Institut o. J.: Konzept zum Digitalisierungszentrum am Sorbischen Institut, S. 24.&lt;br /&gt;
(Unveröffentlichtes Konzeptpapier; interne Projektunterlage.)&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.3 C. Immateriell 🎭 ===&lt;br /&gt;
Meint lebendige Praktiken, Darstellungen, Ausdrucksformen, Ideen, Werte, Wissen und Fertigkeiten, die von Gemeinschaften getragen und weitergegeben werden, gemäß der folgenden 5 UNESCO ICH-Domänen.&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO o. J.: Intangible Cultural Heritage – Five Domains. URL: https://ich.unesco.org/doc/src/01857-EN.pdf, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* C1 '''Orale Traditionen/Ausdrucksformen''' - Sprache, Gesangstraditionen&lt;br /&gt;
* C2 '''Darstellende Künste''' - Musik, Tanz, Theater&lt;br /&gt;
* C3 '''Rituale &amp;amp; Feste''' - Bräuche und soziale Praktiken des Kalenders und Lebenslaufs&lt;br /&gt;
* C4 '''Wissen &amp;amp; Praktiken''' zu Natur &amp;amp; Universum - Heil- und Sammelkenntnisse, ökologisches und astronomisches Wissen, Glaube, Religion&lt;br /&gt;
* C5 '''Traditionelles Handwerk''' - Techniken, Werkzeuge und Gestaltungsmuster&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.4 D. Digital 💾 ===&lt;br /&gt;
Bezeichnet in digitaler Form vorliegende Ressourcen menschlichen Wissens und Ausdrucks. Diese können sowohl born-digital sein als auch digitalisierte Repräsentationen von materiellen und immateriellen Kulturgütern.&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO 2003: Charter on the Preservation of Digital Heritage. URL: https://www.unesco.org/en/legal-affairs/charter-preservation-digital-heritage, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* D1 '''Born-digital''' (ursprünglich digital erzeugt, kein analoges Original), z. B. Webseiten, Social-Media-Beiträge, Software, Apps, Spiele, digitale Fotos/Audio/Video.&lt;br /&gt;
* D2 '''Digitalisate''' - Digitalisierte Repräsentationen/Derivate aus den Klassen A, B und C.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2.3 Prozess der Digitalisierung von Kulturerbe ==&lt;br /&gt;
Die Digitalisierung von Kulturgut ist kein rein technischer Arbeitsschritt, sondern ein vielschichtiger, oft langfristiger Prozess, der bereits mit der Wahrnehmung und Identifikation einer kulturellen Ausdrucksform beginnt. Ziel dieses Abschnitts ist es, diesen Gesamtprozess systematisch darzustellen: von der gelebten Kultur über das identifizierte Kulturgut bis hin zur digital nutzbaren Repräsentation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die hier entwickelte Prozessdarstellung soll als praxisorientierter Überblick dienen für die Digitalisierung des sorbischen Kulturerbes. Sie berücksichtigt die Anforderungen sorbischer Einrichtungen ebenso wie die international etablierten Referenzmodelle und Standards, darunter:&lt;br /&gt;
* das OAIS-Referenzmodell (ISO 14721) für digitale Archivierung&amp;lt;ref&amp;gt;Consultative Committee for Space Data Systems (CCSDS) 2024: Reference Model for an Open Archival Information System (OAIS), CCSDS 650.0-M-3. URL: https://ccsds.org/Pubs/650x0m3.pdf, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* das DCC Curation Lifecycle Model für kuratorische Entscheidungsprozesse&amp;lt;ref&amp;gt;Higgins 2008: The DCC Curation Lifecycle Model. International Journal of Digital Curation, 3(1), 134-140. URL: https://ijdc.net/index.php/ijdc/article/view/48, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* das Spectrum-Modell für museale Objektverwaltung&amp;lt;ref&amp;gt;Collections Trust 2022. Spectrum 5.1 - The UK Museum Collections Management Standard. URL: https://collectionstrust.org.uk/spectrum/spectrum-5, abgerufen am 01.10.2025. &amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* die UNESCO-Leitlinien zur Inventarisierung immateriellen Kulturerbes&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO 2024: Operational Directives for the Implementation of the Convention for the Safeguarding of the Intangible Cultural Heritage (10.GA). URL: https://ich.unesco.org/doc/src/ICH-Operational_Directives-10.GA_EN.pdf, abgerufen am 01.10.2025. &amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* sowie technische Vorgaben wie die DFG-Praxisregeln Digitalisierung&amp;lt;ref&amp;gt;Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) 2022: Praxisregeln Digitalisierung (aktualisierte Fassung). URL: https://www.ulb.hhu.de/fileadmin/redaktion/ULB/Documents/Infomaterial/DFG_Praxisregeln_Digitalisierung_Aktualisierte_Fassung2022.pdf, abgerufen am 01.10.2025. &amp;lt;/ref&amp;gt; und die FADGI-Richtlinien&amp;lt;ref&amp;gt;Federal Agencies Digital Guidelines Initiative (FADGI) 2023: Technical Guidelines for Digitizing Cultural Heritage Materials – Still Image, 3rd ed. URL: https://www.digitizationguidelines.gov/guidelines/digitize-technical.html, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Folge soll der „Lebenslauf“ eines Kulturguts dargestellt werden, also der Weg, den ein Objekt oder eine kulturelle Praxis vom Zeitpunkt der Entstehung über die Erfassung, Digitalisierung und Archivierung bis zur Veröffentlichung in einem digitalen Präsentationsmodul durchläuft.&lt;br /&gt;
Hierfür erläutert der folgende Abschnitt die einzelnen Prozessschritte im Detail, jeweils mit Akteuren und Beispielen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.3.1 Vorüberlegungen zum Prozess ===&lt;br /&gt;
Im hier vorgestellten Prozess wird auf eine harte, systematische Filterung verzichtet, welche kulturellen Ausdrucksformen „nur“ Kultur und welche bereits Kulturgut sind. Ein solcher Bewertungs- und Abgrenzungsprozess wäre ressourcenintensiv und würde den vorhandenen Kapazitäten in den beteiligten Einrichtungen nicht entsprechen. Stattdessen folgt das Konzept einer inklusiven Logik: Alle dokumentierten Ausdrucksformen werden zunächst als potenzielle Kulturgüter erfasst. Eine feinere Auswahl und Priorisierung erfolgen erst in einem späteren Schritt, nämlich dann, wenn konkret entschieden wird, welche Ausdrucksformen bzw. Kulturgüter in welcher Tiefe digitalisiert, archiviert und präsentiert werden sollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Vorgehen schließt an das SKR-Konzept an, das bewusst auf eine frühe normative Trennung zwischen „kultureller Ausdrucksform“ und „Kulturgut“ verzichtet. Auch hier steht zunächst der möglichst vollständige, strukturierte Überblick über die sorbischen Kulturgüter im Vordergrund. Die differenzierte Bewertung und Schwerpunktsetzung werden als anschließende fachliche Aufgabe verstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.3.2 Prozessschritte im Detail ===&lt;br /&gt;
Das folgende Diagramm gibt einen Überblick über die sechs Kernschritte im Digitalisierungsprozess von Kulturgut – von der ersten Entdeckung einer kulturellen Ausdrucksform bis zur Nutzung einer digitalen Repräsentation dieses Kulturguts. Die Abfolge bildet auch die Entwicklungsstufen ab: von gelebter Kultur zur kulturellen Ausdrucksform, von dort zum Kulturgut und schließlich zum digitalisierten Kulturgut.&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K3.png|center|600px]]&amp;lt;ref&amp;gt;Mermaid Flowchart Code: [https://mermaid.live/edit#pako:eNplkk1OwzAQha8yGqmbkloxSZs2CyTa8LOphIAVhIVJpolF4iDH4a_qbXqTXgzHFdAKr2y97703lmaNWZMTxriqmvesFNrAfZIqgPPHFIdDzuBO1DVVajhM8QlGozOYO-WUwS0VsjVakqa93Pvmjlk4JmAwp3fS5kCHwQAWjkkcE_Y5WWkIXqrd9jBpT138UIkspBGVbI_7-rwLR146csLgRryQ-U8lMGLwTG1WapLPpHKCZQLMOY9ch7m2VxiSpOAEjJ1TSev_M_bkvv3KtY8ZnOuslG_H9VcOuf4dUO-2LamjGdHDQsscY6M78rAmXYv-ies-IEVTUk0pxvaa00p0lUkxVRtrexXqoWnqH6duuqLEeCWq1r6619zOn0hRaPGH9J_Xi6ZTBuOxS8B4jR8YhxGLeDThkR-EM37KuYefFmHTaOz7fOZHQTidBMHGwy9X6VslnNnDw4jPuB8GHlIuTaOX-7Vy27X5Bh_Osqo hier klicken], abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kernprozess verdeutlicht, dass Digitalisierung mehr ist als Technik: Sie ist ein komplexer, vielfältig verantworteter kultureller Transformationsprozess. Jeder Schritt kann durch unterschiedliche Akteure getragen sein und erfordert spezifisches Fachwissen. Ziel der nachfolgenden Beschreibung ist es, die Prozessschritte nachvollziehbar und anschlussfähig für die Praxis darzustellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Referenzen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Měrko Šenk</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://koncept.serbski-inkubator.de/index.php?title=12.3_Digitalisierung_des_Kulturerbes&amp;diff=1045</id>
		<title>12.3 Digitalisierung des Kulturerbes</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://koncept.serbski-inkubator.de/index.php?title=12.3_Digitalisierung_des_Kulturerbes&amp;diff=1045"/>
		<updated>2026-03-20T10:39:44Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Měrko Šenk: /* 2.1 Terminologie – von Kultur zu Kulturerbe */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;= 1 Einleitung =&lt;br /&gt;
Die Digitalisierung von sorbischem Kulturerbe ist eine historische Chance für uns Sorben, eine Chance, unser kulturelles Erbe neu zu entdecken, es für kommende Generationen zu erhalten, für eine breitere Öffentlichkeit zugänglich zu machen und dabei die eigene Deutungshoheit zu stärken. Das erfordert neben Mut, einer klaren gemeinsamen Vision, starker Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Akteuren auch die notwendigen Ressourcen in Form von Personal mit entsprechenden Kompetenzen, passender Technik sowie einer nachhaltig gesicherten Finanzierung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im folgenden Abschnitt werden Zielbilder für die Digitalisierung des sorbischen Kulturerbes entworfen mittels lang- und kurzfristiger Visionen sowie konkreter Ziele.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 1.1 Visionen und Ziele für die sorbische digitale Welt ==&lt;br /&gt;
'''Vision 2035'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
''Sorbisches materielles und immaterielles Kulturerbe ist systematisch digital erfasst, rechtssicher und langfristig gesichert, leicht auffindbar, offen nutzbar und wird aktiv von Interessierten genutzt.''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Konkrete Ziele'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bis 2032 ist ein tragfähiges, finanziell und organisatorisch abgesichertes Modell etabliert, das:&lt;br /&gt;
* Ein zentrales (oder föderiertes) digitales Langzeitarchiv nach OAIS-Referenzmodell betreibt,&lt;br /&gt;
* klare Zuständigkeiten, Prozesse und Budgets definiert,&lt;br /&gt;
* regelmäßige Qualitätssicherung und Technik-Updates vorsieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis 2030 sind wichtige sorbische Kulturerbe-Bestände (Kernbestände nach fachlicher Festlegung) in hoher Qualität digitalisiert, beschrieben und im Langzeitarchiv gesichert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis 2028 liegt eine institutionenübergreifende Übersicht über relevante Kulturerbe-Bestände (analog und digital, materiell und immateriell) vor, einschließlich einer Prioritätenliste für die Digitalisierung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis 2028 existiert ein zentrales, nutzerfreundliches „Sorbisches Kulturerbe-Portal“, das:&lt;br /&gt;
* Suchzugang über alle teilnehmenden Institutionen ermöglicht,&lt;br /&gt;
* grundlegende Inhalte frei zugänglich bereitstellt,&lt;br /&gt;
* mehrsprachige Oberflächen anbietet (Deutsch, Obersorbisch, Niedersorbisch, Englisch).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= 2 IST-Analyse „Digitalisierung von Kulturerbe“ =&lt;br /&gt;
Das Ziel in diesem Themenbereich ist es, sorbisches Kulturerbe digital zu verwalten und damit langfristig für Recherche, Nutzung und Präsentation vorzuhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Abschnitt &amp;quot;IST-Analyse“ werden die folgenden Fragen beantwortet: Was ist sorbisches Kulturerbe und was zählt alles dazu? Welche Schritte durchläuft ein Kulturgut, um zum digitalen Kulturerbe zu gehören? Wie können die digitale Verwaltung, Archivierung, Nutzung und Präsentation von Kulturgütern umgesetzt werden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die grundlegenden Terminologien des Kulturerbes sollen im Folgenden festgelegt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2.1 Terminologie – von Kultur zu Kulturerbe ==&lt;br /&gt;
In diesem Abschnitt werden die Begriffe rund um das Kulturerbe grundlegend definiert. Es soll ein Verständnis über die Begriffe Kultur, kulturelle Ausprägung, Kulturgut und Kulturerbe erreicht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K1.png|center|260px]]&amp;lt;ref&amp;gt;Mermaid Flowchart Code: [https://mermaid.live/edit#pako:eNpF0UtuwyAQBuCroFlaTuRHTGMvKuWxq7pqV627IGZso2CIMChtk9ymN-nFimmasmJGfP-AOEGjOUIFrdTHpmfGkudtrWpF_Fq9RtGDk9aZKHojU-_aJ7PZ_bmGgSnR4mgFejaKpidC1XAmq8zDfYAoJZKVG7lxzX5stRl81C0_uwYdheGEubHD4_dXLy1hcpyC1rcLdM4GOLH1Ve2E5Gj9TPLkhgEnsLkBNDsMAmLojOBQWeMwhgHNwKYSTuFBYHucbOW3HFvmcQ21unh2YOpF6-FPGu26HqrW381X7sCZxa1gnWH_R1BxNBvtlIUqTUMEVCd49xVdzpeLMs1pXmRFXiY0hg-o8iyZL_LFXZaVSTJ1LzF8hqHJnBZ5WhZLWt5RmtIsBuTCavP4-2Hh3y4_NXaMmw hier klicken], abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.1 Kultur ===&lt;br /&gt;
Kultur bezeichnet hier die Gesamtheit aller '''vom Menschen geschaffenen und erlernten Ausdrucksformen''' des Lebens, die auf gemeinsamen Werten und Verhaltensweisen beruhen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;wiki-kultur&amp;quot;&amp;gt;URL: https://de.wikipedia.org/wiki/Kultur&amp;lt;/ref&amp;gt; Dazu zählen '''materielle Ergebnisse''' (z. B. Kunstwerke, Technik) ebenso wie '''immaterielle Praktiken''' (Sprache, Bräuche, Wissen). Kultur umfasst laut der UNESCO geistige, materielle, intellektuelle und emotionale Merkmale, die eine Gesellschaft oder soziale Gruppe kennzeichnen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mondiacult&amp;quot;&amp;gt;UNESCO 1982: Mexico City Declaration on Cultural Policies (MONDIACULT). URL: https://www.lacult.unesco.org/docc/1982_MONDIACULT.pdf&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;ref name=&amp;quot;cultureaction&amp;quot;&amp;gt;Culture Action Europe 2024: The State of Culture report. URL: https://cultureactioneurope.org/de/news/the-state-of-culture-report-published, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;  Sie ist dynamisch und wird von jeder Generation neu gestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das deutsche Wort „Kultur“ ist eine Eindeutschung des lateinischen Worts „cultura“. Dieses bedeutet ursprünglich „Bebauung, Bearbeitung, Bestellung, Pflege“ und meinte sowohl die physische Bearbeitung als auch die Pflege geistiger Güter, z. B. der Sprache.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.2 Kulturelle Ausdrucksform ===&lt;br /&gt;
Eine kulturelle Ausdrucksform ist eine '''konkrete, gegenwärtige oder historische, Manifestation von Kultur''', bspw. eine Zeichnung, eine Tracht oder ein Lied: Sie macht die Kultur sichtbar und erlebbar. Im engeren Sinne ist es eine Ausdrucksweise, die aus der Kreativität einer Person, Gruppe oder Gesellschaft entsteht und '''kulturellen Inhalt''' trägt (symbolische Bedeutung, künstlerische Dimension, kulturelle Werte).&amp;lt;ref&amp;gt;Österreichische UNESCO-Kommission 2007: Übereinkommen zum Schutz und zur Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen, Art. 4, Seite 13. URL: https://www.unesco.at/fileadmin/Redaktion/Publikationen/Publikations-Dokumente/2005er_UNESCO-Convention_German.pdf, abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt; Sie wird innerhalb und zwischen Gemeinschaften weitergegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle kulturellen Ausdrucksformen bilden einen wesentlichen Kern von Kultur, aber Kultur enthält auch latente Dimensionen (Werte, Normen, Vorannahmen etc.), die nicht unmittelbar als Ausdrucksform erscheinen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.3 Kulturgut ===&lt;br /&gt;
Ein „Kulturgut“ ist '''eine einzelne kulturelle Ausdrucksform''', der ein '''besonderer kultureller Wert zugemessen wird''' (durch Anerkennung, Schutz, Bedeutung). Es ist somit ein Erzeugnis menschlicher Kreativität oder Zeugnis menschlichen Lebens, welches '''Bedeutung für die Kultur einer Gemeinschaft''' hat und daher '''Bestand haben und bewahrt werden soll'''.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die '''Summe aller Kulturgüter''' einer Gemeinschaft wird als dessen '''Kulturerbe''' bezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.4 Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
Kulturerbe ist die '''Summe der materiellen und immateriellen Ausdrucksformen''' (= Kulturgüter) einer Kultur, die als „'''bewahrenswert'''“ anerkannt wurden. International umfasst das u. a. das '''Welterbe''' (Denkmäler, Ensembles, Stätten)&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO (1972), Welterbekonvention, Art. 1. URL: https://www.dnk.de/wp-content/uploads/2021/02/1972_DNK_UNESCO-Welterbekonvention.pdf (abgerufen am 11.09.2025).&amp;lt;/ref&amp;gt; und das '''Immaterielles Kulturerbe''' (Praktiken, Wissen).&amp;lt;ref&amp;gt;Deutsche UNESCO-Kommission o. J.:, Übereinkommen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes (dt. Ausgabe). URL: https://www.unesco.de/assets/dokumente/Deutsche_UNESCO-Kommission/02_Publikationen/Publikation_UNESCO-%C3%9Cbereinkommen_zur_Erhaltung_des_immateriellen_Kulturerbes_01.pdf, (abgerufen am 11.09.2025).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ob etwas „zum Kulturerbe“ zählt, ist Ergebnis von Bewertung, Diskurs und teils formellen Verfahren. Dem Sorbischen Kulturregister (SKR) zufolge ist „sorbisch-wendisches Kulturerbe“ eine Zuschreibung, die durch Gesellschaft, Museen, Archive und Wissenschaft erfolgen kann.&amp;lt;ref&amp;gt;Sorbisches Institut 2025: Konzept für ein Sorbisches Kulturregister (SKR). URL: https://www.serbski-institut.de/wp-content/uploa ds/2021/11/00_Zweite-aktualisierte-Fassung_Konzept_Sorbisches-Kulturregister_20.11.2025.pdf, abgerufen am 20.11.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.5 Abgrenzung: Kultur und Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
'''Kultur / Kulturelle Ausdrucksform''' sind als Begriffe weiter gefasst als '''Kulturgut / Kulturerbe'''. Kulturelle Ausdrucksformen umfassen alles Gelebte und Gestaltete einer Gemeinschaft in Gegenwart und Vergangenheit, während Kulturgut / Kulturerbe diejenigen kulturellen Güter und Traditionen meint, denen eine Bedeutung beigemessen wurde und die als bewahrens- und weitergebenswert erkannt wurden. Kultur ist der „aktuelle“ kreative Prozess (einschließlich Popkultur, Alltagskultur), Kulturerbe der daraus überkommene Schatz. Dennoch sind die Grenzen fließend: Was heute nur Kultur ist, kann morgen zum Kulturerbe erklärt werden – abhängig von Wertzuschreibung und Diskurs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Rahmen dieses Dokuments werden für den sorbischen Kontext die Begriffe '''„kulturelle Ausdrucksform“''' und '''„Kulturgut“''' weitgehend '''synonym''' verwendet, sofern nicht ausdrücklich anders gekennzeichnet. Hintergrund ist, dass die Gesamtzahl der identifizierbaren kulturellen Ausdrucksformen einer kleinen Minderheit wie der Sorben/Wenden im Vergleich zu großen Mehrheitsgesellschaften überschaubar ist. Zugleich ist der Anteil dieser Ausdrucksformen, denen in der Community ein besonderer Wert beigemessen wird und die daher faktisch als Kulturgut wahrgenommen und behandelt werden, sehr hoch: Ein großer Teil des gelebten kulturellen Repertoires wird als identitätsstiftend und bewahrenswert verstanden und damit dem Kulturerbe zugerechnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2.2 Klassifizierung von Kulturgütern ==&lt;br /&gt;
Im Folgenden soll eine griffige Klassifizierung von Kulturgütern entwickelt werden, so dass pro Kulturgut-Klasse später auf die Besonderheiten ihrer Digitalisierung eingegangen werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K2.png|center|600px]]&amp;lt;ref&amp;gt;Mermaid Flowchart Code: [https://mermaid.live/edit#pako:eNptlM9u00AQxl9ltFWoFDlp_C9OjISU2KSgUCq1BSRIDxt77Syxd6v1mkKjSDwBlThw4YCEeuXOoeLSN-EF4BHYjZOQQG67-32_2ZnZsWco4jFBPqrVZpRR6cNsP8n4ZTTBQu7rHVP66QWOKEvV3nQM2BeYTf8eea35fF6rjdiIrUl4cjJiAMPDV_X6sMxkKdJS1uvnvu9PtRGgp5ReE46wJIKSLIOf779CycbkkqQZjSb1Ovz-cv351_drDWGN9BXS_xfZBj7dLoGxBgIFBE14nOcrZGH68E07Iu0IlSNsQkhTKnGlfvyh1bjKcngIjcYD6G2s-xvrYGMdLuuqAFOXZ0IflzFh0xxn5OBU3t1ISZhqw6KaKpo29k04jSaCJrLq0oZsa9mCAZc8FTihhBnQp1ksxd1NSsS22dFmG3oMZzwl0HveONtlc7XNATtsHI9fk6kkC3nRsKoqnVNgwrFQaUOvLGJRRtMi4SJfZ790WtppQYhFIVV7CYsJDO9uWbEMujbqOgIbTqgsddB7MCD_eXT6gQMvaFEQBlclPMVqcA6eMfqGiKLMt926isCFM4FjKiln-voCHmEWXxIxXZcUVo-jSwrVe3DBGvHqtc83DLqS0FpNAi3wRluiDBdFSBIYQ0KzzN_r265jPjQinnHh7yVJYhRS8ClZKfe3KLyk2oHneuEuqlK2qWhJWYPOwGnvoiplm4qXVMd17V5rF1UpikIGSgWNkS9FSQyUE5FjvUUzHXGE5ITkZIR8tYxJgtVXPEIjNlfYBWYvOc9XpOBlOkF-grNC7cqLWPUupFjNa74-FXo0RMBLJpFvWtYiCPJn6C3yG7bTNO2u6Tidrue0W13HQO_Usdtquuqg1bG6TtvzPNuZG-hqcXGr2baV5NhuyzId13XbBiJqDrg4qn5ni7_a_A_W9oMu hier klicken], abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.1 A. Materiell - unbeweglich 🏛️ ===&lt;br /&gt;
„Materiell - unbeweglich&amp;quot; bezeichnet ortsfeste Kulturobjekte wie Bauwerke, Ensembles, Gebäudekomplexe und Stätten/Kulturlandschaften, wie sie in Art. 1 der UNESCO-Welterbekonvention als Kategorien des kulturellen Erbes definiert sind.&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO World Heritage Centre o. J.: Convention Concerning the Protection of the World Cultural and Natural Heritage, Artikel 1. URL: https://whc.unesco.org/en/conventiontext/, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.2 B. Materiell - beweglich 🖼️ ===&lt;br /&gt;
Die Kategorie „Materiell - beweglich&amp;quot; umfasst bewegliche Sachen bzw. Sachgesamtheiten von kulturellem Wert (z. B. Objekte, Sammlungen), wie sie das deutsche Kulturgutschutzgesetz (§ 2 KGSG)&amp;lt;ref&amp;gt;Deutschland 2016: Kulturgutschutzgesetz (KGSG), § 2. URL: https://www.buzer.de/2_KGSG.htm, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt; als „Kulturgut“ beschreibt.&lt;br /&gt;
* B1 '''Schriftgut''' - Bücher, Zeitungen, Handschriften, Archivgut, Graphiken, Pläne, Karten&lt;br /&gt;
* B2 '''Fotografien &amp;amp; Bildträger''' &lt;br /&gt;
** Fotografisch erzeugte statische Bildträger, auch Stillbildträger genannt, z. B. Positive/Negative auf Film/Platte/Photopapier, Dias, Abzüge, Mikrofilm/-fiche und vergleichbare fotografische Repro-Träger.&lt;br /&gt;
* B3 '''Analoge AV-Träger''' (Audio/Video/Film)&lt;br /&gt;
** Analoge zeitbasierte Medien, z. B. Magnetton (Tonband, Kassette), Schallplatte, Videobänder, Film.&lt;br /&gt;
* B4 '''3D-Objekte''' - Gegenstände, „sachkulturelle Artefakte“&amp;lt;ref&amp;gt;Sorbisches Institut o. J.: Konzept zum Digitalisierungszentrum am Sorbischen Institut, S. 24.&lt;br /&gt;
(Unveröffentlichtes Konzeptpapier; interne Projektunterlage.)&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.3 C. Immateriell 🎭 ===&lt;br /&gt;
Meint lebendige Praktiken, Darstellungen, Ausdrucksformen, Ideen, Werte, Wissen und Fertigkeiten, die von Gemeinschaften getragen und weitergegeben werden, gemäß der folgenden 5 UNESCO ICH-Domänen.&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO o. J.: Intangible Cultural Heritage – Five Domains. URL: https://ich.unesco.org/doc/src/01857-EN.pdf, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* C1 '''Orale Traditionen/Ausdrucksformen''' - Sprache, Gesangstraditionen&lt;br /&gt;
* C2 '''Darstellende Künste''' - Musik, Tanz, Theater&lt;br /&gt;
* C3 '''Rituale &amp;amp; Feste''' - Bräuche und soziale Praktiken des Kalenders und Lebenslaufs&lt;br /&gt;
* C4 '''Wissen &amp;amp; Praktiken''' zu Natur &amp;amp; Universum - Heil- und Sammelkenntnisse, ökologisches und astronomisches Wissen, Glaube, Religion&lt;br /&gt;
* C5 '''Traditionelles Handwerk''' - Techniken, Werkzeuge und Gestaltungsmuster&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.4 D. Digital 💾 ===&lt;br /&gt;
Bezeichnet in digitaler Form vorliegende Ressourcen menschlichen Wissens und Ausdrucks. Diese können sowohl born-digital sein als auch digitalisierte Repräsentationen von materiellen und immateriellen Kulturgütern.&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO 2003: Charter on the Preservation of Digital Heritage. URL: https://www.unesco.org/en/legal-affairs/charter-preservation-digital-heritage, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* D1 '''Born-digital''' (ursprünglich digital erzeugt, kein analoges Original), z. B. Webseiten, Social-Media-Beiträge, Software, Apps, Spiele, digitale Fotos/Audio/Video.&lt;br /&gt;
* D2 '''Digitalisate''' - Digitalisierte Repräsentationen/Derivate aus den Klassen A, B und C.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2.3 Prozess der Digitalisierung von Kulturerbe ==&lt;br /&gt;
Die Digitalisierung von Kulturgut ist kein rein technischer Arbeitsschritt, sondern ein vielschichtiger, oft langfristiger Prozess, der bereits mit der Wahrnehmung und Identifikation einer kulturellen Ausdrucksform beginnt. Ziel dieses Abschnitts ist es, diesen Gesamtprozess systematisch darzustellen: von der gelebten Kultur über das identifizierte Kulturgut bis hin zur digital nutzbaren Repräsentation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die hier entwickelte Prozessdarstellung soll als praxisorientierter Überblick dienen für die Digitalisierung des sorbischen Kulturerbes. Sie berücksichtigt die Anforderungen sorbischer Einrichtungen ebenso wie die international etablierten Referenzmodelle und Standards, darunter:&lt;br /&gt;
* das OAIS-Referenzmodell (ISO 14721) für digitale Archivierung&amp;lt;ref&amp;gt;Consultative Committee for Space Data Systems (CCSDS) 2024: Reference Model for an Open Archival Information System (OAIS), CCSDS 650.0-M-3. URL: https://ccsds.org/Pubs/650x0m3.pdf, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* das DCC Curation Lifecycle Model für kuratorische Entscheidungsprozesse&amp;lt;ref&amp;gt;Higgins 2008: The DCC Curation Lifecycle Model. International Journal of Digital Curation, 3(1), 134-140. URL: https://ijdc.net/index.php/ijdc/article/view/48, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* das Spectrum-Modell für museale Objektverwaltung&amp;lt;ref&amp;gt;Collections Trust 2022. Spectrum 5.1 - The UK Museum Collections Management Standard. URL: https://collectionstrust.org.uk/spectrum/spectrum-5, abgerufen am 01.10.2025. &amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* die UNESCO-Leitlinien zur Inventarisierung immateriellen Kulturerbes&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO 2024: Operational Directives for the Implementation of the Convention for the Safeguarding of the Intangible Cultural Heritage (10.GA). URL: https://ich.unesco.org/doc/src/ICH-Operational_Directives-10.GA_EN.pdf, abgerufen am 01.10.2025. &amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* sowie technische Vorgaben wie die DFG-Praxisregeln Digitalisierung&amp;lt;ref&amp;gt;Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) 2022: Praxisregeln Digitalisierung (aktualisierte Fassung). URL: https://www.ulb.hhu.de/fileadmin/redaktion/ULB/Documents/Infomaterial/DFG_Praxisregeln_Digitalisierung_Aktualisierte_Fassung2022.pdf, abgerufen am 01.10.2025. &amp;lt;/ref&amp;gt; und die FADGI-Richtlinien&amp;lt;ref&amp;gt;Federal Agencies Digital Guidelines Initiative (FADGI) 2023: Technical Guidelines for Digitizing Cultural Heritage Materials – Still Image, 3rd ed. URL: https://www.digitizationguidelines.gov/guidelines/digitize-technical.html, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Folge soll der „Lebenslauf“ eines Kulturguts dargestellt werden, also der Weg, den ein Objekt oder eine kulturelle Praxis vom Zeitpunkt der Entstehung über die Erfassung, Digitalisierung und Archivierung bis zur Veröffentlichung in einem digitalen Präsentationsmodul durchläuft.&lt;br /&gt;
Hierfür erläutert der folgende Abschnitt die einzelnen Prozessschritte im Detail, jeweils mit Akteuren und Beispielen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.3.1 Vorüberlegungen zum Prozess ===&lt;br /&gt;
Im hier vorgestellten Prozess wird auf eine harte, systematische Filterung verzichtet, welche kulturellen Ausdrucksformen „nur“ Kultur und welche bereits Kulturgut sind. Ein solcher Bewertungs- und Abgrenzungsprozess wäre ressourcenintensiv und würde den vorhandenen Kapazitäten in den beteiligten Einrichtungen nicht entsprechen. Stattdessen folgt das Konzept einer inklusiven Logik: Alle dokumentierten Ausdrucksformen werden zunächst als potenzielle Kulturgüter erfasst. Eine feinere Auswahl und Priorisierung erfolgen erst in einem späteren Schritt, nämlich dann, wenn konkret entschieden wird, welche Ausdrucksformen bzw. Kulturgüter in welcher Tiefe digitalisiert, archiviert und präsentiert werden sollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Vorgehen schließt an das RSK-Konzept an, das bewusst auf eine frühe normative Trennung zwischen „kultureller Ausdrucksform“ und „Kulturgut“ verzichtet. Auch hier steht zunächst der möglichst vollständige, strukturierte Überblick über die sorbischen Kulturgüter im Vordergrund. Die differenzierte Bewertung und Schwerpunktsetzung werden als anschließende fachliche Aufgabe verstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.3.2 Prozessschritte im Detail ===&lt;br /&gt;
Das folgende Diagramm gibt einen Überblick über die sechs Kernschritte im Digitalisierungsprozess von Kulturgut – von der ersten Entdeckung einer kulturellen Ausdrucksform bis zur Nutzung einer digitalen Repräsentation dieses Kulturguts. Die Abfolge bildet auch die Entwicklungsstufen ab: von gelebter Kultur zur kulturellen Ausdrucksform, von dort zum Kulturgut und schließlich zum digitalisierten Kulturgut.&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K3.png|center|600px]]&amp;lt;ref&amp;gt;Mermaid Flowchart Code: [https://mermaid.live/edit#pako:eNplkk1OwzAQha8yGqmbkloxSZs2CyTa8LOphIAVhIVJpolF4iDH4a_qbXqTXgzHFdAKr2y97703lmaNWZMTxriqmvesFNrAfZIqgPPHFIdDzuBO1DVVajhM8QlGozOYO-WUwS0VsjVakqa93Pvmjlk4JmAwp3fS5kCHwQAWjkkcE_Y5WWkIXqrd9jBpT138UIkspBGVbI_7-rwLR146csLgRryQ-U8lMGLwTG1WapLPpHKCZQLMOY9ch7m2VxiSpOAEjJ1TSev_M_bkvv3KtY8ZnOuslG_H9VcOuf4dUO-2LamjGdHDQsscY6M78rAmXYv-ies-IEVTUk0pxvaa00p0lUkxVRtrexXqoWnqH6duuqLEeCWq1r6619zOn0hRaPGH9J_Xi6ZTBuOxS8B4jR8YhxGLeDThkR-EM37KuYefFmHTaOz7fOZHQTidBMHGwy9X6VslnNnDw4jPuB8GHlIuTaOX-7Vy27X5Bh_Osqo hier klicken], abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kernprozess verdeutlicht, dass Digitalisierung mehr ist als Technik: Sie ist ein komplexer, vielfältig verantworteter kultureller Transformationsprozess. Jeder Schritt kann durch unterschiedliche Akteure getragen sein und erfordert spezifisches Fachwissen. Ziel der nachfolgenden Beschreibung ist es, die Prozessschritte nachvollziehbar und anschlussfähig für die Praxis darzustellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Referenzen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Měrko Šenk</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://koncept.serbski-inkubator.de/index.php?title=12.3_Digitalisierung_des_Kulturerbes&amp;diff=1044</id>
		<title>12.3 Digitalisierung des Kulturerbes</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://koncept.serbski-inkubator.de/index.php?title=12.3_Digitalisierung_des_Kulturerbes&amp;diff=1044"/>
		<updated>2026-03-20T10:32:48Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Měrko Šenk: /* 2.1.1 Kultur */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;= 1 Einleitung =&lt;br /&gt;
Die Digitalisierung von sorbischem Kulturerbe ist eine historische Chance für uns Sorben, eine Chance, unser kulturelles Erbe neu zu entdecken, es für kommende Generationen zu erhalten, für eine breitere Öffentlichkeit zugänglich zu machen und dabei die eigene Deutungshoheit zu stärken. Das erfordert neben Mut, einer klaren gemeinsamen Vision, starker Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Akteuren auch die notwendigen Ressourcen in Form von Personal mit entsprechenden Kompetenzen, passender Technik sowie einer nachhaltig gesicherten Finanzierung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im folgenden Abschnitt werden Zielbilder für die Digitalisierung des sorbischen Kulturerbes entworfen mittels lang- und kurzfristiger Visionen sowie konkreter Ziele.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 1.1 Visionen und Ziele für die sorbische digitale Welt ==&lt;br /&gt;
'''Vision 2035'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
''Sorbisches materielles und immaterielles Kulturerbe ist systematisch digital erfasst, rechtssicher und langfristig gesichert, leicht auffindbar, offen nutzbar und wird aktiv von Interessierten genutzt.''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Konkrete Ziele'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bis 2032 ist ein tragfähiges, finanziell und organisatorisch abgesichertes Modell etabliert, das:&lt;br /&gt;
* Ein zentrales (oder föderiertes) digitales Langzeitarchiv nach OAIS-Referenzmodell betreibt,&lt;br /&gt;
* klare Zuständigkeiten, Prozesse und Budgets definiert,&lt;br /&gt;
* regelmäßige Qualitätssicherung und Technik-Updates vorsieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis 2030 sind wichtige sorbische Kulturerbe-Bestände (Kernbestände nach fachlicher Festlegung) in hoher Qualität digitalisiert, beschrieben und im Langzeitarchiv gesichert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis 2028 liegt eine institutionenübergreifende Übersicht über relevante Kulturerbe-Bestände (analog und digital, materiell und immateriell) vor, einschließlich einer Prioritätenliste für die Digitalisierung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis 2028 existiert ein zentrales, nutzerfreundliches „Sorbisches Kulturerbe-Portal“, das:&lt;br /&gt;
* Suchzugang über alle teilnehmenden Institutionen ermöglicht,&lt;br /&gt;
* grundlegende Inhalte frei zugänglich bereitstellt,&lt;br /&gt;
* mehrsprachige Oberflächen anbietet (Deutsch, Obersorbisch, Niedersorbisch, Englisch).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= 2 IST-Analyse „Digitalisierung von Kulturerbe“ =&lt;br /&gt;
Das Ziel in diesem Themenbereich ist es, sorbisches Kulturerbe digital zu verwalten und damit langfristig für Recherche, Nutzung und Präsentation vorzuhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Abschnitt &amp;quot;IST-Analyse“ werden die folgenden Fragen beantwortet: Was ist sorbisches Kulturerbe und was zählt alles dazu? Welche Schritte durchläuft ein Kulturgut, um zum digitalen Kulturerbe zu gehören? Wie können die digitale Verwaltung, Archivierung, Nutzung und Präsentation von Kulturgütern umgesetzt werden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die grundlegenden Terminologien des Kulturerbes sollen im Folgenden festgelegt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2.1 Terminologie – von Kultur zu Kulturerbe ==&lt;br /&gt;
In diesem Abschnitt werden die Begriffe rund um das Kulturerbe grundlegend definiert. Es soll ein Verständnis über die Begriffe Kultur, kulturelle Ausprägung, Kulturgut und Kulturerbe erreicht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K1.png|center|260px]]&amp;lt;ref&amp;gt;Mermaid Flowchart Code: [https://mermaid.live/edit#pako:eNpF0UtuwyAQBuCroFlaTuRHTGMvKuWxq7pqV627IGZso2CIMChtk9ymN-nFimmasmJGfP-AOEGjOUIFrdTHpmfGkudtrWpF_Fq9RtGDk9aZKHojU-_aJ7PZ_bmGgSnR4mgFejaKpidC1XAmq8zDfYAoJZKVG7lxzX5stRl81C0_uwYdheGEubHD4_dXLy1hcpyC1rcLdM4GOLH1Ve2E5Gj9TPLkhgEnsLkBNDsMAmLojOBQWeMwhgHNwKYSTuFBYHucbOW3HFvmcQ21unh2YOpF6-FPGu26HqrW381X7sCZxa1gnWH_R1BxNBvtlIUqTUMEVCd49xVdzpeLMs1pXmRFXiY0hg-o8iyZL_LFXZaVSTJ1LzF8hqHJnBZ5WhZLWt5RmtIsBuTCavP4-2Hh3y4_NXaMmw hier klicken], abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.1 Kultur ===&lt;br /&gt;
Kultur bezeichnet hier die Gesamtheit aller '''vom Menschen geschaffenen und erlernten Ausdrucksformen''' des Lebens, die auf gemeinsamen Werten und Verhaltensweisen beruhen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;wiki-kultur&amp;quot;&amp;gt;URL: https://de.wikipedia.org/wiki/Kultur&amp;lt;/ref&amp;gt; Dazu zählen '''materielle Ergebnisse''' (z. B. Kunstwerke, Technik) ebenso wie '''immaterielle Praktiken''' (Sprache, Bräuche, Wissen). Kultur umfasst laut der UNESCO geistige, materielle, intellektuelle und emotionale Merkmale, die eine Gesellschaft oder soziale Gruppe kennzeichnen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mondiacult&amp;quot;&amp;gt;UNESCO 1982: Mexico City Declaration on Cultural Policies (MONDIACULT). URL: https://www.lacult.unesco.org/docc/1982_MONDIACULT.pdf&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;ref name=&amp;quot;cultureaction&amp;quot;&amp;gt;Culture Action Europe 2024: The State of Culture report. URL: https://cultureactioneurope.org/de/news/the-state-of-culture-report-published, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;  Sie ist dynamisch und wird von jeder Generation neu gestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das deutsche Wort „Kultur“ ist eine Eindeutschung des lateinischen Worts „cultura“. Dieses bedeutet ursprünglich „Bebauung, Bearbeitung, Bestellung, Pflege“ und meinte sowohl die physische Bearbeitung als auch die Pflege geistiger Güter, z. B. der Sprache.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.2 Kulturelle Ausdrucksform ===&lt;br /&gt;
Eine kulturelle Ausdrucksform ist eine konkrete, gegenwärtige oder historische, Manifestation von Kultur, bspw. eine Zeichnung, eine Tracht oder ein Lied: Sie macht die Kultur sichtbar und erlebbar. Im engeren Sinne ist es eine Ausdrucksweise, die aus der Kreativität einer Person, Gruppe oder Gesellschaft entsteht und kulturellen Inhalt trägt (symbolische Bedeutung, künstlerische Dimension, kulturelle Werte).&amp;lt;ref&amp;gt;Österreichische UNESCO-Kommission 2007: Übereinkommen zum Schutz und zur Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen, Art. 4, Seite 13. URL: https://www.unesco.at/fileadmin/Redaktion/Publikationen/Publikations-Dokumente/2005er_UNESCO-Convention_German.pdf, abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt; Sie wird innerhalb und zwischen Gemeinschaften weitergegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle kulturellen Ausdrucksformen bilden einen wesentlichen Kern von Kultur, aber Kultur enthält auch latente Dimensionen (Werte, Normen, Vorannahmen etc.), die nicht unmittelbar als Ausdrucksform erscheinen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.3 Kulturgut ===&lt;br /&gt;
Ein „Kulturgut“ ist eine einzelne kulturelle Ausdrucksform, der ein besonderer kultureller Wert zugemessen wird (durch Anerkennung, Schutz, Bedeutung). Es ist somit ein Erzeugnis menschlicher Kreativität oder Zeugnis menschlichen Lebens, welches Bedeutung für die Kultur einer Gemeinschaft hat und daher Bestand haben und bewahrt werden soll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Summe aller Kulturgüter einer Gemeinschaft wird als dessen Kulturerbe bezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.4 Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
Kulturerbe ist die Summe der materiellen und immateriellen Ausdrucksformen (= Kulturgüter) einer Kultur, die als „bewahrenswert“ anerkannt wurden. International umfasst das u. a. das Welterbe (Denkmäler, Ensembles, Stätten)&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO (1972), Welterbekonvention, Art. 1. URL: https://www.dnk.de/wp-content/uploads/2021/02/1972_DNK_UNESCO-Welterbekonvention.pdf (abgerufen am 11.09.2025).&amp;lt;/ref&amp;gt; und das Immaterielles Kulturerbe (Praktiken, Wissen).&amp;lt;ref&amp;gt;Deutsche UNESCO-Kommission o. J.:, Übereinkommen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes (dt. Ausgabe). URL: https://www.unesco.de/assets/dokumente/Deutsche_UNESCO-Kommission/02_Publikationen/Publikation_UNESCO-%C3%9Cbereinkommen_zur_Erhaltung_des_immateriellen_Kulturerbes_01.pdf, (abgerufen am 11.09.2025).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ob etwas „zum Kulturerbe“ zählt, ist Ergebnis von Bewertung, Diskurs und teils formellen Verfahren. Dem Sorbischen Kulturregister (SKR) zufolge ist „sorbisch-wendisches Kulturerbe“ eine Zuschreibung, die durch Gesellschaft, Museen, Archive und Wissenschaft erfolgen kann.&amp;lt;ref&amp;gt;Sorbisches Institut 2025: Konzept für ein Sorbisches Kulturregister (SKR). URL: https://www.serbski-institut.de/wp-content/uploa ds/2021/11/00_Zweite-aktualisierte-Fassung_Konzept_Sorbisches-Kulturregister_20.11.2025.pdf, abgerufen am 20.11.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.5 Abgrenzung: Kultur und Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
Kultur / Kulturelle Ausdrucksform sind als Begriffe weiter gefasst als Kulturgut / Kulturerbe. Kulturelle Ausdrucksformen umfassen alles Gelebte und Gestaltete einer Gemeinschaft in Gegenwart und Vergangenheit, während Kulturgut / Kulturerbe diejenigen kulturellen Güter und Traditionen meint, denen eine Bedeutung beigemessen wurde und die als bewahrens- und weitergebenswert erkannt wurden. Kultur ist der „aktuelle“ kreative Prozess (einschließlich Popkultur, Alltagskultur), Kulturerbe der daraus überkommene Schatz. Dennoch sind die Grenzen fließend: Was heute nur Kultur ist, kann morgen zum Kulturerbe erklärt werden – abhängig von Wertzuschreibung und Diskurs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Rahmen dieses Dokuments werden für den sorbischen Kontext die Begriffe „kulturelle Ausdrucksform“ und „Kulturgut“ weitgehend synonym verwendet, sofern nicht ausdrücklich anders gekennzeichnet. Hintergrund ist, dass die Gesamtzahl der identifizierbaren kulturellen Ausdrucksformen einer kleinen Minderheit wie der Sorben/Wenden im Vergleich zu großen Mehrheitsgesellschaften überschaubar ist. Zugleich ist der Anteil dieser Ausdrucksformen, denen in der Community ein besonderer Wert beigemessen wird und die daher faktisch als Kulturgut wahrgenommen und behandelt werden, sehr hoch: Ein großer Teil des gelebten kulturellen Repertoires wird als identitätsstiftend und bewahrenswert verstanden und damit dem Kulturerbe zugerechnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2.2 Klassifizierung von Kulturgütern ==&lt;br /&gt;
Im Folgenden soll eine griffige Klassifizierung von Kulturgütern entwickelt werden, so dass pro Kulturgut-Klasse später auf die Besonderheiten ihrer Digitalisierung eingegangen werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K2.png|center|600px]]&amp;lt;ref&amp;gt;Mermaid Flowchart Code: [https://mermaid.live/edit#pako:eNptlM9u00AQxl9ltFWoFDlp_C9OjISU2KSgUCq1BSRIDxt77Syxd6v1mkKjSDwBlThw4YCEeuXOoeLSN-EF4BHYjZOQQG67-32_2ZnZsWco4jFBPqrVZpRR6cNsP8n4ZTTBQu7rHVP66QWOKEvV3nQM2BeYTf8eea35fF6rjdiIrUl4cjJiAMPDV_X6sMxkKdJS1uvnvu9PtRGgp5ReE46wJIKSLIOf779CycbkkqQZjSb1Ovz-cv351_drDWGN9BXS_xfZBj7dLoGxBgIFBE14nOcrZGH68E07Iu0IlSNsQkhTKnGlfvyh1bjKcngIjcYD6G2s-xvrYGMdLuuqAFOXZ0IflzFh0xxn5OBU3t1ISZhqw6KaKpo29k04jSaCJrLq0oZsa9mCAZc8FTihhBnQp1ksxd1NSsS22dFmG3oMZzwl0HveONtlc7XNATtsHI9fk6kkC3nRsKoqnVNgwrFQaUOvLGJRRtMi4SJfZ790WtppQYhFIVV7CYsJDO9uWbEMujbqOgIbTqgsddB7MCD_eXT6gQMvaFEQBlclPMVqcA6eMfqGiKLMt926isCFM4FjKiln-voCHmEWXxIxXZcUVo-jSwrVe3DBGvHqtc83DLqS0FpNAi3wRluiDBdFSBIYQ0KzzN_r265jPjQinnHh7yVJYhRS8ClZKfe3KLyk2oHneuEuqlK2qWhJWYPOwGnvoiplm4qXVMd17V5rF1UpikIGSgWNkS9FSQyUE5FjvUUzHXGE5ITkZIR8tYxJgtVXPEIjNlfYBWYvOc9XpOBlOkF-grNC7cqLWPUupFjNa74-FXo0RMBLJpFvWtYiCPJn6C3yG7bTNO2u6Tidrue0W13HQO_Usdtquuqg1bG6TtvzPNuZG-hqcXGr2baV5NhuyzId13XbBiJqDrg4qn5ni7_a_A_W9oMu hier klicken], abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.1 A. Materiell - unbeweglich 🏛️ ===&lt;br /&gt;
„Materiell - unbeweglich&amp;quot; bezeichnet ortsfeste Kulturobjekte wie Bauwerke, Ensembles, Gebäudekomplexe und Stätten/Kulturlandschaften, wie sie in Art. 1 der UNESCO-Welterbekonvention als Kategorien des kulturellen Erbes definiert sind.&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO World Heritage Centre o. J.: Convention Concerning the Protection of the World Cultural and Natural Heritage, Artikel 1. URL: https://whc.unesco.org/en/conventiontext/, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.2 B. Materiell - beweglich 🖼️ ===&lt;br /&gt;
Die Kategorie „Materiell - beweglich&amp;quot; umfasst bewegliche Sachen bzw. Sachgesamtheiten von kulturellem Wert (z. B. Objekte, Sammlungen), wie sie das deutsche Kulturgutschutzgesetz (§ 2 KGSG)&amp;lt;ref&amp;gt;Deutschland 2016: Kulturgutschutzgesetz (KGSG), § 2. URL: https://www.buzer.de/2_KGSG.htm, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt; als „Kulturgut“ beschreibt.&lt;br /&gt;
* B1 '''Schriftgut''' - Bücher, Zeitungen, Handschriften, Archivgut, Graphiken, Pläne, Karten&lt;br /&gt;
* B2 '''Fotografien &amp;amp; Bildträger''' &lt;br /&gt;
** Fotografisch erzeugte statische Bildträger, auch Stillbildträger genannt, z. B. Positive/Negative auf Film/Platte/Photopapier, Dias, Abzüge, Mikrofilm/-fiche und vergleichbare fotografische Repro-Träger.&lt;br /&gt;
* B3 '''Analoge AV-Träger''' (Audio/Video/Film)&lt;br /&gt;
** Analoge zeitbasierte Medien, z. B. Magnetton (Tonband, Kassette), Schallplatte, Videobänder, Film.&lt;br /&gt;
* B4 '''3D-Objekte''' - Gegenstände, „sachkulturelle Artefakte“&amp;lt;ref&amp;gt;Sorbisches Institut o. J.: Konzept zum Digitalisierungszentrum am Sorbischen Institut, S. 24.&lt;br /&gt;
(Unveröffentlichtes Konzeptpapier; interne Projektunterlage.)&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.3 C. Immateriell 🎭 ===&lt;br /&gt;
Meint lebendige Praktiken, Darstellungen, Ausdrucksformen, Ideen, Werte, Wissen und Fertigkeiten, die von Gemeinschaften getragen und weitergegeben werden, gemäß der folgenden 5 UNESCO ICH-Domänen.&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO o. J.: Intangible Cultural Heritage – Five Domains. URL: https://ich.unesco.org/doc/src/01857-EN.pdf, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* C1 '''Orale Traditionen/Ausdrucksformen''' - Sprache, Gesangstraditionen&lt;br /&gt;
* C2 '''Darstellende Künste''' - Musik, Tanz, Theater&lt;br /&gt;
* C3 '''Rituale &amp;amp; Feste''' - Bräuche und soziale Praktiken des Kalenders und Lebenslaufs&lt;br /&gt;
* C4 '''Wissen &amp;amp; Praktiken''' zu Natur &amp;amp; Universum - Heil- und Sammelkenntnisse, ökologisches und astronomisches Wissen, Glaube, Religion&lt;br /&gt;
* C5 '''Traditionelles Handwerk''' - Techniken, Werkzeuge und Gestaltungsmuster&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.4 D. Digital 💾 ===&lt;br /&gt;
Bezeichnet in digitaler Form vorliegende Ressourcen menschlichen Wissens und Ausdrucks. Diese können sowohl born-digital sein als auch digitalisierte Repräsentationen von materiellen und immateriellen Kulturgütern.&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO 2003: Charter on the Preservation of Digital Heritage. URL: https://www.unesco.org/en/legal-affairs/charter-preservation-digital-heritage, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* D1 '''Born-digital''' (ursprünglich digital erzeugt, kein analoges Original), z. B. Webseiten, Social-Media-Beiträge, Software, Apps, Spiele, digitale Fotos/Audio/Video.&lt;br /&gt;
* D2 '''Digitalisate''' - Digitalisierte Repräsentationen/Derivate aus den Klassen A, B und C.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2.3 Prozess der Digitalisierung von Kulturerbe ==&lt;br /&gt;
Die Digitalisierung von Kulturgut ist kein rein technischer Arbeitsschritt, sondern ein vielschichtiger, oft langfristiger Prozess, der bereits mit der Wahrnehmung und Identifikation einer kulturellen Ausdrucksform beginnt. Ziel dieses Abschnitts ist es, diesen Gesamtprozess systematisch darzustellen: von der gelebten Kultur über das identifizierte Kulturgut bis hin zur digital nutzbaren Repräsentation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die hier entwickelte Prozessdarstellung soll als praxisorientierter Überblick dienen für die Digitalisierung des sorbischen Kulturerbes. Sie berücksichtigt die Anforderungen sorbischer Einrichtungen ebenso wie die international etablierten Referenzmodelle und Standards, darunter:&lt;br /&gt;
* das OAIS-Referenzmodell (ISO 14721) für digitale Archivierung&amp;lt;ref&amp;gt;Consultative Committee for Space Data Systems (CCSDS) 2024: Reference Model for an Open Archival Information System (OAIS), CCSDS 650.0-M-3. URL: https://ccsds.org/Pubs/650x0m3.pdf, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* das DCC Curation Lifecycle Model für kuratorische Entscheidungsprozesse&amp;lt;ref&amp;gt;Higgins 2008: The DCC Curation Lifecycle Model. International Journal of Digital Curation, 3(1), 134-140. URL: https://ijdc.net/index.php/ijdc/article/view/48, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* das Spectrum-Modell für museale Objektverwaltung&amp;lt;ref&amp;gt;Collections Trust 2022. Spectrum 5.1 - The UK Museum Collections Management Standard. URL: https://collectionstrust.org.uk/spectrum/spectrum-5, abgerufen am 01.10.2025. &amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* die UNESCO-Leitlinien zur Inventarisierung immateriellen Kulturerbes&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO 2024: Operational Directives for the Implementation of the Convention for the Safeguarding of the Intangible Cultural Heritage (10.GA). URL: https://ich.unesco.org/doc/src/ICH-Operational_Directives-10.GA_EN.pdf, abgerufen am 01.10.2025. &amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* sowie technische Vorgaben wie die DFG-Praxisregeln Digitalisierung&amp;lt;ref&amp;gt;Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) 2022: Praxisregeln Digitalisierung (aktualisierte Fassung). URL: https://www.ulb.hhu.de/fileadmin/redaktion/ULB/Documents/Infomaterial/DFG_Praxisregeln_Digitalisierung_Aktualisierte_Fassung2022.pdf, abgerufen am 01.10.2025. &amp;lt;/ref&amp;gt; und die FADGI-Richtlinien&amp;lt;ref&amp;gt;Federal Agencies Digital Guidelines Initiative (FADGI) 2023: Technical Guidelines for Digitizing Cultural Heritage Materials – Still Image, 3rd ed. URL: https://www.digitizationguidelines.gov/guidelines/digitize-technical.html, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Folge soll der „Lebenslauf“ eines Kulturguts dargestellt werden, also der Weg, den ein Objekt oder eine kulturelle Praxis vom Zeitpunkt der Entstehung über die Erfassung, Digitalisierung und Archivierung bis zur Veröffentlichung in einem digitalen Präsentationsmodul durchläuft.&lt;br /&gt;
Hierfür erläutert der folgende Abschnitt die einzelnen Prozessschritte im Detail, jeweils mit Akteuren und Beispielen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.3.1 Vorüberlegungen zum Prozess ===&lt;br /&gt;
Im hier vorgestellten Prozess wird auf eine harte, systematische Filterung verzichtet, welche kulturellen Ausdrucksformen „nur“ Kultur und welche bereits Kulturgut sind. Ein solcher Bewertungs- und Abgrenzungsprozess wäre ressourcenintensiv und würde den vorhandenen Kapazitäten in den beteiligten Einrichtungen nicht entsprechen. Stattdessen folgt das Konzept einer inklusiven Logik: Alle dokumentierten Ausdrucksformen werden zunächst als potenzielle Kulturgüter erfasst. Eine feinere Auswahl und Priorisierung erfolgen erst in einem späteren Schritt, nämlich dann, wenn konkret entschieden wird, welche Ausdrucksformen bzw. Kulturgüter in welcher Tiefe digitalisiert, archiviert und präsentiert werden sollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Vorgehen schließt an das RSK-Konzept an, das bewusst auf eine frühe normative Trennung zwischen „kultureller Ausdrucksform“ und „Kulturgut“ verzichtet. Auch hier steht zunächst der möglichst vollständige, strukturierte Überblick über die sorbischen Kulturgüter im Vordergrund. Die differenzierte Bewertung und Schwerpunktsetzung werden als anschließende fachliche Aufgabe verstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.3.2 Prozessschritte im Detail ===&lt;br /&gt;
Das folgende Diagramm gibt einen Überblick über die sechs Kernschritte im Digitalisierungsprozess von Kulturgut – von der ersten Entdeckung einer kulturellen Ausdrucksform bis zur Nutzung einer digitalen Repräsentation dieses Kulturguts. Die Abfolge bildet auch die Entwicklungsstufen ab: von gelebter Kultur zur kulturellen Ausdrucksform, von dort zum Kulturgut und schließlich zum digitalisierten Kulturgut.&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K3.png|center|600px]]&amp;lt;ref&amp;gt;Mermaid Flowchart Code: [https://mermaid.live/edit#pako:eNplkk1OwzAQha8yGqmbkloxSZs2CyTa8LOphIAVhIVJpolF4iDH4a_qbXqTXgzHFdAKr2y97703lmaNWZMTxriqmvesFNrAfZIqgPPHFIdDzuBO1DVVajhM8QlGozOYO-WUwS0VsjVakqa93Pvmjlk4JmAwp3fS5kCHwQAWjkkcE_Y5WWkIXqrd9jBpT138UIkspBGVbI_7-rwLR146csLgRryQ-U8lMGLwTG1WapLPpHKCZQLMOY9ch7m2VxiSpOAEjJ1TSev_M_bkvv3KtY8ZnOuslG_H9VcOuf4dUO-2LamjGdHDQsscY6M78rAmXYv-ies-IEVTUk0pxvaa00p0lUkxVRtrexXqoWnqH6duuqLEeCWq1r6619zOn0hRaPGH9J_Xi6ZTBuOxS8B4jR8YhxGLeDThkR-EM37KuYefFmHTaOz7fOZHQTidBMHGwy9X6VslnNnDw4jPuB8GHlIuTaOX-7Vy27X5Bh_Osqo hier klicken], abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kernprozess verdeutlicht, dass Digitalisierung mehr ist als Technik: Sie ist ein komplexer, vielfältig verantworteter kultureller Transformationsprozess. Jeder Schritt kann durch unterschiedliche Akteure getragen sein und erfordert spezifisches Fachwissen. Ziel der nachfolgenden Beschreibung ist es, die Prozessschritte nachvollziehbar und anschlussfähig für die Praxis darzustellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Referenzen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Měrko Šenk</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://koncept.serbski-inkubator.de/index.php?title=12.3_Digitalisierung_des_Kulturerbes&amp;diff=1043</id>
		<title>12.3 Digitalisierung des Kulturerbes</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://koncept.serbski-inkubator.de/index.php?title=12.3_Digitalisierung_des_Kulturerbes&amp;diff=1043"/>
		<updated>2026-03-20T10:30:36Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Měrko Šenk: /* 2 IST-Analyse „Digitalisierung von Kulturerbe“ */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;= 1 Einleitung =&lt;br /&gt;
Die Digitalisierung von sorbischem Kulturerbe ist eine historische Chance für uns Sorben, eine Chance, unser kulturelles Erbe neu zu entdecken, es für kommende Generationen zu erhalten, für eine breitere Öffentlichkeit zugänglich zu machen und dabei die eigene Deutungshoheit zu stärken. Das erfordert neben Mut, einer klaren gemeinsamen Vision, starker Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Akteuren auch die notwendigen Ressourcen in Form von Personal mit entsprechenden Kompetenzen, passender Technik sowie einer nachhaltig gesicherten Finanzierung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im folgenden Abschnitt werden Zielbilder für die Digitalisierung des sorbischen Kulturerbes entworfen mittels lang- und kurzfristiger Visionen sowie konkreter Ziele.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 1.1 Visionen und Ziele für die sorbische digitale Welt ==&lt;br /&gt;
'''Vision 2035'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
''Sorbisches materielles und immaterielles Kulturerbe ist systematisch digital erfasst, rechtssicher und langfristig gesichert, leicht auffindbar, offen nutzbar und wird aktiv von Interessierten genutzt.''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Konkrete Ziele'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bis 2032 ist ein tragfähiges, finanziell und organisatorisch abgesichertes Modell etabliert, das:&lt;br /&gt;
* Ein zentrales (oder föderiertes) digitales Langzeitarchiv nach OAIS-Referenzmodell betreibt,&lt;br /&gt;
* klare Zuständigkeiten, Prozesse und Budgets definiert,&lt;br /&gt;
* regelmäßige Qualitätssicherung und Technik-Updates vorsieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis 2030 sind wichtige sorbische Kulturerbe-Bestände (Kernbestände nach fachlicher Festlegung) in hoher Qualität digitalisiert, beschrieben und im Langzeitarchiv gesichert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis 2028 liegt eine institutionenübergreifende Übersicht über relevante Kulturerbe-Bestände (analog und digital, materiell und immateriell) vor, einschließlich einer Prioritätenliste für die Digitalisierung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis 2028 existiert ein zentrales, nutzerfreundliches „Sorbisches Kulturerbe-Portal“, das:&lt;br /&gt;
* Suchzugang über alle teilnehmenden Institutionen ermöglicht,&lt;br /&gt;
* grundlegende Inhalte frei zugänglich bereitstellt,&lt;br /&gt;
* mehrsprachige Oberflächen anbietet (Deutsch, Obersorbisch, Niedersorbisch, Englisch).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= 2 IST-Analyse „Digitalisierung von Kulturerbe“ =&lt;br /&gt;
Das Ziel in diesem Themenbereich ist es, sorbisches Kulturerbe digital zu verwalten und damit langfristig für Recherche, Nutzung und Präsentation vorzuhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Abschnitt &amp;quot;IST-Analyse“ werden die folgenden Fragen beantwortet: Was ist sorbisches Kulturerbe und was zählt alles dazu? Welche Schritte durchläuft ein Kulturgut, um zum digitalen Kulturerbe zu gehören? Wie können die digitale Verwaltung, Archivierung, Nutzung und Präsentation von Kulturgütern umgesetzt werden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die grundlegenden Terminologien des Kulturerbes sollen im Folgenden festgelegt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2.1 Terminologie – von Kultur zu Kulturerbe ==&lt;br /&gt;
In diesem Abschnitt werden die Begriffe rund um das Kulturerbe grundlegend definiert. Es soll ein Verständnis über die Begriffe Kultur, kulturelle Ausprägung, Kulturgut und Kulturerbe erreicht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K1.png|center|260px]]&amp;lt;ref&amp;gt;Mermaid Flowchart Code: [https://mermaid.live/edit#pako:eNpF0UtuwyAQBuCroFlaTuRHTGMvKuWxq7pqV627IGZso2CIMChtk9ymN-nFimmasmJGfP-AOEGjOUIFrdTHpmfGkudtrWpF_Fq9RtGDk9aZKHojU-_aJ7PZ_bmGgSnR4mgFejaKpidC1XAmq8zDfYAoJZKVG7lxzX5stRl81C0_uwYdheGEubHD4_dXLy1hcpyC1rcLdM4GOLH1Ve2E5Gj9TPLkhgEnsLkBNDsMAmLojOBQWeMwhgHNwKYSTuFBYHucbOW3HFvmcQ21unh2YOpF6-FPGu26HqrW381X7sCZxa1gnWH_R1BxNBvtlIUqTUMEVCd49xVdzpeLMs1pXmRFXiY0hg-o8iyZL_LFXZaVSTJ1LzF8hqHJnBZ5WhZLWt5RmtIsBuTCavP4-2Hh3y4_NXaMmw hier klicken], abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.1 Kultur ===&lt;br /&gt;
Kultur bezeichnet hier die Gesamtheit aller vom Menschen geschaffenen und erlernten Ausdrucksformen des Lebens, die auf gemeinsamen Werten und Verhaltensweisen beruhen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;wiki-kultur&amp;quot;&amp;gt;URL: https://de.wikipedia.org/wiki/Kultur&amp;lt;/ref&amp;gt; Dazu zählen materielle Ergebnisse (z. B. Kunstwerke, Technik) ebenso wie immaterielle Praktiken (Sprache, Bräuche, Wissen). Kultur umfasst laut der UNESCO geistige, materielle, intellektuelle und emotionale Merkmale, die eine Gesellschaft oder soziale Gruppe kennzeichnen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mondiacult&amp;quot;&amp;gt;UNESCO 1982: Mexico City Declaration on Cultural Policies (MONDIACULT). URL: https://www.lacult.unesco.org/docc/1982_MONDIACULT.pdf&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;ref name=&amp;quot;cultureaction&amp;quot;&amp;gt;Culture Action Europe 2024: The State of Culture report. URL: https://cultureactioneurope.org/de/news/the-state-of-culture-report-published, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;  Sie ist dynamisch und wird von jeder Generation neu gestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das deutsche Wort „Kultur“ ist eine Eindeutschung des lateinischen Worts „cultura“. Dieses bedeutet ursprünglich „Bebauung, Bearbeitung, Bestellung, Pflege“ und meinte sowohl die physische Bearbeitung als auch die Pflege geistiger Güter, z. B. der Sprache.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.2 Kulturelle Ausdrucksform ===&lt;br /&gt;
Eine kulturelle Ausdrucksform ist eine konkrete, gegenwärtige oder historische, Manifestation von Kultur, bspw. eine Zeichnung, eine Tracht oder ein Lied: Sie macht die Kultur sichtbar und erlebbar. Im engeren Sinne ist es eine Ausdrucksweise, die aus der Kreativität einer Person, Gruppe oder Gesellschaft entsteht und kulturellen Inhalt trägt (symbolische Bedeutung, künstlerische Dimension, kulturelle Werte).&amp;lt;ref&amp;gt;Österreichische UNESCO-Kommission 2007: Übereinkommen zum Schutz und zur Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen, Art. 4, Seite 13. URL: https://www.unesco.at/fileadmin/Redaktion/Publikationen/Publikations-Dokumente/2005er_UNESCO-Convention_German.pdf, abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt; Sie wird innerhalb und zwischen Gemeinschaften weitergegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle kulturellen Ausdrucksformen bilden einen wesentlichen Kern von Kultur, aber Kultur enthält auch latente Dimensionen (Werte, Normen, Vorannahmen etc.), die nicht unmittelbar als Ausdrucksform erscheinen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.3 Kulturgut ===&lt;br /&gt;
Ein „Kulturgut“ ist eine einzelne kulturelle Ausdrucksform, der ein besonderer kultureller Wert zugemessen wird (durch Anerkennung, Schutz, Bedeutung). Es ist somit ein Erzeugnis menschlicher Kreativität oder Zeugnis menschlichen Lebens, welches Bedeutung für die Kultur einer Gemeinschaft hat und daher Bestand haben und bewahrt werden soll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Summe aller Kulturgüter einer Gemeinschaft wird als dessen Kulturerbe bezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.4 Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
Kulturerbe ist die Summe der materiellen und immateriellen Ausdrucksformen (= Kulturgüter) einer Kultur, die als „bewahrenswert“ anerkannt wurden. International umfasst das u. a. das Welterbe (Denkmäler, Ensembles, Stätten)&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO (1972), Welterbekonvention, Art. 1. URL: https://www.dnk.de/wp-content/uploads/2021/02/1972_DNK_UNESCO-Welterbekonvention.pdf (abgerufen am 11.09.2025).&amp;lt;/ref&amp;gt; und das Immaterielles Kulturerbe (Praktiken, Wissen).&amp;lt;ref&amp;gt;Deutsche UNESCO-Kommission o. J.:, Übereinkommen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes (dt. Ausgabe). URL: https://www.unesco.de/assets/dokumente/Deutsche_UNESCO-Kommission/02_Publikationen/Publikation_UNESCO-%C3%9Cbereinkommen_zur_Erhaltung_des_immateriellen_Kulturerbes_01.pdf, (abgerufen am 11.09.2025).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ob etwas „zum Kulturerbe“ zählt, ist Ergebnis von Bewertung, Diskurs und teils formellen Verfahren. Dem Sorbischen Kulturregister (SKR) zufolge ist „sorbisch-wendisches Kulturerbe“ eine Zuschreibung, die durch Gesellschaft, Museen, Archive und Wissenschaft erfolgen kann.&amp;lt;ref&amp;gt;Sorbisches Institut 2025: Konzept für ein Sorbisches Kulturregister (SKR). URL: https://www.serbski-institut.de/wp-content/uploa ds/2021/11/00_Zweite-aktualisierte-Fassung_Konzept_Sorbisches-Kulturregister_20.11.2025.pdf, abgerufen am 20.11.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.5 Abgrenzung: Kultur und Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
Kultur / Kulturelle Ausdrucksform sind als Begriffe weiter gefasst als Kulturgut / Kulturerbe. Kulturelle Ausdrucksformen umfassen alles Gelebte und Gestaltete einer Gemeinschaft in Gegenwart und Vergangenheit, während Kulturgut / Kulturerbe diejenigen kulturellen Güter und Traditionen meint, denen eine Bedeutung beigemessen wurde und die als bewahrens- und weitergebenswert erkannt wurden. Kultur ist der „aktuelle“ kreative Prozess (einschließlich Popkultur, Alltagskultur), Kulturerbe der daraus überkommene Schatz. Dennoch sind die Grenzen fließend: Was heute nur Kultur ist, kann morgen zum Kulturerbe erklärt werden – abhängig von Wertzuschreibung und Diskurs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Rahmen dieses Dokuments werden für den sorbischen Kontext die Begriffe „kulturelle Ausdrucksform“ und „Kulturgut“ weitgehend synonym verwendet, sofern nicht ausdrücklich anders gekennzeichnet. Hintergrund ist, dass die Gesamtzahl der identifizierbaren kulturellen Ausdrucksformen einer kleinen Minderheit wie der Sorben/Wenden im Vergleich zu großen Mehrheitsgesellschaften überschaubar ist. Zugleich ist der Anteil dieser Ausdrucksformen, denen in der Community ein besonderer Wert beigemessen wird und die daher faktisch als Kulturgut wahrgenommen und behandelt werden, sehr hoch: Ein großer Teil des gelebten kulturellen Repertoires wird als identitätsstiftend und bewahrenswert verstanden und damit dem Kulturerbe zugerechnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2.2 Klassifizierung von Kulturgütern ==&lt;br /&gt;
Im Folgenden soll eine griffige Klassifizierung von Kulturgütern entwickelt werden, so dass pro Kulturgut-Klasse später auf die Besonderheiten ihrer Digitalisierung eingegangen werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K2.png|center|600px]]&amp;lt;ref&amp;gt;Mermaid Flowchart Code: [https://mermaid.live/edit#pako:eNptlM9u00AQxl9ltFWoFDlp_C9OjISU2KSgUCq1BSRIDxt77Syxd6v1mkKjSDwBlThw4YCEeuXOoeLSN-EF4BHYjZOQQG67-32_2ZnZsWco4jFBPqrVZpRR6cNsP8n4ZTTBQu7rHVP66QWOKEvV3nQM2BeYTf8eea35fF6rjdiIrUl4cjJiAMPDV_X6sMxkKdJS1uvnvu9PtRGgp5ReE46wJIKSLIOf779CycbkkqQZjSb1Ovz-cv351_drDWGN9BXS_xfZBj7dLoGxBgIFBE14nOcrZGH68E07Iu0IlSNsQkhTKnGlfvyh1bjKcngIjcYD6G2s-xvrYGMdLuuqAFOXZ0IflzFh0xxn5OBU3t1ISZhqw6KaKpo29k04jSaCJrLq0oZsa9mCAZc8FTihhBnQp1ksxd1NSsS22dFmG3oMZzwl0HveONtlc7XNATtsHI9fk6kkC3nRsKoqnVNgwrFQaUOvLGJRRtMi4SJfZ790WtppQYhFIVV7CYsJDO9uWbEMujbqOgIbTqgsddB7MCD_eXT6gQMvaFEQBlclPMVqcA6eMfqGiKLMt926isCFM4FjKiln-voCHmEWXxIxXZcUVo-jSwrVe3DBGvHqtc83DLqS0FpNAi3wRluiDBdFSBIYQ0KzzN_r265jPjQinnHh7yVJYhRS8ClZKfe3KLyk2oHneuEuqlK2qWhJWYPOwGnvoiplm4qXVMd17V5rF1UpikIGSgWNkS9FSQyUE5FjvUUzHXGE5ITkZIR8tYxJgtVXPEIjNlfYBWYvOc9XpOBlOkF-grNC7cqLWPUupFjNa74-FXo0RMBLJpFvWtYiCPJn6C3yG7bTNO2u6Tidrue0W13HQO_Usdtquuqg1bG6TtvzPNuZG-hqcXGr2baV5NhuyzId13XbBiJqDrg4qn5ni7_a_A_W9oMu hier klicken], abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.1 A. Materiell - unbeweglich 🏛️ ===&lt;br /&gt;
„Materiell - unbeweglich&amp;quot; bezeichnet ortsfeste Kulturobjekte wie Bauwerke, Ensembles, Gebäudekomplexe und Stätten/Kulturlandschaften, wie sie in Art. 1 der UNESCO-Welterbekonvention als Kategorien des kulturellen Erbes definiert sind.&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO World Heritage Centre o. J.: Convention Concerning the Protection of the World Cultural and Natural Heritage, Artikel 1. URL: https://whc.unesco.org/en/conventiontext/, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.2 B. Materiell - beweglich 🖼️ ===&lt;br /&gt;
Die Kategorie „Materiell - beweglich&amp;quot; umfasst bewegliche Sachen bzw. Sachgesamtheiten von kulturellem Wert (z. B. Objekte, Sammlungen), wie sie das deutsche Kulturgutschutzgesetz (§ 2 KGSG)&amp;lt;ref&amp;gt;Deutschland 2016: Kulturgutschutzgesetz (KGSG), § 2. URL: https://www.buzer.de/2_KGSG.htm, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt; als „Kulturgut“ beschreibt.&lt;br /&gt;
* B1 '''Schriftgut''' - Bücher, Zeitungen, Handschriften, Archivgut, Graphiken, Pläne, Karten&lt;br /&gt;
* B2 '''Fotografien &amp;amp; Bildträger''' &lt;br /&gt;
** Fotografisch erzeugte statische Bildträger, auch Stillbildträger genannt, z. B. Positive/Negative auf Film/Platte/Photopapier, Dias, Abzüge, Mikrofilm/-fiche und vergleichbare fotografische Repro-Träger.&lt;br /&gt;
* B3 '''Analoge AV-Träger''' (Audio/Video/Film)&lt;br /&gt;
** Analoge zeitbasierte Medien, z. B. Magnetton (Tonband, Kassette), Schallplatte, Videobänder, Film.&lt;br /&gt;
* B4 '''3D-Objekte''' - Gegenstände, „sachkulturelle Artefakte“&amp;lt;ref&amp;gt;Sorbisches Institut o. J.: Konzept zum Digitalisierungszentrum am Sorbischen Institut, S. 24.&lt;br /&gt;
(Unveröffentlichtes Konzeptpapier; interne Projektunterlage.)&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.3 C. Immateriell 🎭 ===&lt;br /&gt;
Meint lebendige Praktiken, Darstellungen, Ausdrucksformen, Ideen, Werte, Wissen und Fertigkeiten, die von Gemeinschaften getragen und weitergegeben werden, gemäß der folgenden 5 UNESCO ICH-Domänen.&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO o. J.: Intangible Cultural Heritage – Five Domains. URL: https://ich.unesco.org/doc/src/01857-EN.pdf, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* C1 '''Orale Traditionen/Ausdrucksformen''' - Sprache, Gesangstraditionen&lt;br /&gt;
* C2 '''Darstellende Künste''' - Musik, Tanz, Theater&lt;br /&gt;
* C3 '''Rituale &amp;amp; Feste''' - Bräuche und soziale Praktiken des Kalenders und Lebenslaufs&lt;br /&gt;
* C4 '''Wissen &amp;amp; Praktiken''' zu Natur &amp;amp; Universum - Heil- und Sammelkenntnisse, ökologisches und astronomisches Wissen, Glaube, Religion&lt;br /&gt;
* C5 '''Traditionelles Handwerk''' - Techniken, Werkzeuge und Gestaltungsmuster&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.4 D. Digital 💾 ===&lt;br /&gt;
Bezeichnet in digitaler Form vorliegende Ressourcen menschlichen Wissens und Ausdrucks. Diese können sowohl born-digital sein als auch digitalisierte Repräsentationen von materiellen und immateriellen Kulturgütern.&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO 2003: Charter on the Preservation of Digital Heritage. URL: https://www.unesco.org/en/legal-affairs/charter-preservation-digital-heritage, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* D1 '''Born-digital''' (ursprünglich digital erzeugt, kein analoges Original), z. B. Webseiten, Social-Media-Beiträge, Software, Apps, Spiele, digitale Fotos/Audio/Video.&lt;br /&gt;
* D2 '''Digitalisate''' - Digitalisierte Repräsentationen/Derivate aus den Klassen A, B und C.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2.3 Prozess der Digitalisierung von Kulturerbe ==&lt;br /&gt;
Die Digitalisierung von Kulturgut ist kein rein technischer Arbeitsschritt, sondern ein vielschichtiger, oft langfristiger Prozess, der bereits mit der Wahrnehmung und Identifikation einer kulturellen Ausdrucksform beginnt. Ziel dieses Abschnitts ist es, diesen Gesamtprozess systematisch darzustellen: von der gelebten Kultur über das identifizierte Kulturgut bis hin zur digital nutzbaren Repräsentation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die hier entwickelte Prozessdarstellung soll als praxisorientierter Überblick dienen für die Digitalisierung des sorbischen Kulturerbes. Sie berücksichtigt die Anforderungen sorbischer Einrichtungen ebenso wie die international etablierten Referenzmodelle und Standards, darunter:&lt;br /&gt;
* das OAIS-Referenzmodell (ISO 14721) für digitale Archivierung&amp;lt;ref&amp;gt;Consultative Committee for Space Data Systems (CCSDS) 2024: Reference Model for an Open Archival Information System (OAIS), CCSDS 650.0-M-3. URL: https://ccsds.org/Pubs/650x0m3.pdf, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* das DCC Curation Lifecycle Model für kuratorische Entscheidungsprozesse&amp;lt;ref&amp;gt;Higgins 2008: The DCC Curation Lifecycle Model. International Journal of Digital Curation, 3(1), 134-140. URL: https://ijdc.net/index.php/ijdc/article/view/48, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* das Spectrum-Modell für museale Objektverwaltung&amp;lt;ref&amp;gt;Collections Trust 2022. Spectrum 5.1 - The UK Museum Collections Management Standard. URL: https://collectionstrust.org.uk/spectrum/spectrum-5, abgerufen am 01.10.2025. &amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* die UNESCO-Leitlinien zur Inventarisierung immateriellen Kulturerbes&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO 2024: Operational Directives for the Implementation of the Convention for the Safeguarding of the Intangible Cultural Heritage (10.GA). URL: https://ich.unesco.org/doc/src/ICH-Operational_Directives-10.GA_EN.pdf, abgerufen am 01.10.2025. &amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* sowie technische Vorgaben wie die DFG-Praxisregeln Digitalisierung&amp;lt;ref&amp;gt;Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) 2022: Praxisregeln Digitalisierung (aktualisierte Fassung). URL: https://www.ulb.hhu.de/fileadmin/redaktion/ULB/Documents/Infomaterial/DFG_Praxisregeln_Digitalisierung_Aktualisierte_Fassung2022.pdf, abgerufen am 01.10.2025. &amp;lt;/ref&amp;gt; und die FADGI-Richtlinien&amp;lt;ref&amp;gt;Federal Agencies Digital Guidelines Initiative (FADGI) 2023: Technical Guidelines for Digitizing Cultural Heritage Materials – Still Image, 3rd ed. URL: https://www.digitizationguidelines.gov/guidelines/digitize-technical.html, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Folge soll der „Lebenslauf“ eines Kulturguts dargestellt werden, also der Weg, den ein Objekt oder eine kulturelle Praxis vom Zeitpunkt der Entstehung über die Erfassung, Digitalisierung und Archivierung bis zur Veröffentlichung in einem digitalen Präsentationsmodul durchläuft.&lt;br /&gt;
Hierfür erläutert der folgende Abschnitt die einzelnen Prozessschritte im Detail, jeweils mit Akteuren und Beispielen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.3.1 Vorüberlegungen zum Prozess ===&lt;br /&gt;
Im hier vorgestellten Prozess wird auf eine harte, systematische Filterung verzichtet, welche kulturellen Ausdrucksformen „nur“ Kultur und welche bereits Kulturgut sind. Ein solcher Bewertungs- und Abgrenzungsprozess wäre ressourcenintensiv und würde den vorhandenen Kapazitäten in den beteiligten Einrichtungen nicht entsprechen. Stattdessen folgt das Konzept einer inklusiven Logik: Alle dokumentierten Ausdrucksformen werden zunächst als potenzielle Kulturgüter erfasst. Eine feinere Auswahl und Priorisierung erfolgen erst in einem späteren Schritt, nämlich dann, wenn konkret entschieden wird, welche Ausdrucksformen bzw. Kulturgüter in welcher Tiefe digitalisiert, archiviert und präsentiert werden sollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Vorgehen schließt an das RSK-Konzept an, das bewusst auf eine frühe normative Trennung zwischen „kultureller Ausdrucksform“ und „Kulturgut“ verzichtet. Auch hier steht zunächst der möglichst vollständige, strukturierte Überblick über die sorbischen Kulturgüter im Vordergrund. Die differenzierte Bewertung und Schwerpunktsetzung werden als anschließende fachliche Aufgabe verstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.3.2 Prozessschritte im Detail ===&lt;br /&gt;
Das folgende Diagramm gibt einen Überblick über die sechs Kernschritte im Digitalisierungsprozess von Kulturgut – von der ersten Entdeckung einer kulturellen Ausdrucksform bis zur Nutzung einer digitalen Repräsentation dieses Kulturguts. Die Abfolge bildet auch die Entwicklungsstufen ab: von gelebter Kultur zur kulturellen Ausdrucksform, von dort zum Kulturgut und schließlich zum digitalisierten Kulturgut.&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K3.png|center|600px]]&amp;lt;ref&amp;gt;Mermaid Flowchart Code: [https://mermaid.live/edit#pako:eNplkk1OwzAQha8yGqmbkloxSZs2CyTa8LOphIAVhIVJpolF4iDH4a_qbXqTXgzHFdAKr2y97703lmaNWZMTxriqmvesFNrAfZIqgPPHFIdDzuBO1DVVajhM8QlGozOYO-WUwS0VsjVakqa93Pvmjlk4JmAwp3fS5kCHwQAWjkkcE_Y5WWkIXqrd9jBpT138UIkspBGVbI_7-rwLR146csLgRryQ-U8lMGLwTG1WapLPpHKCZQLMOY9ch7m2VxiSpOAEjJ1TSev_M_bkvv3KtY8ZnOuslG_H9VcOuf4dUO-2LamjGdHDQsscY6M78rAmXYv-ies-IEVTUk0pxvaa00p0lUkxVRtrexXqoWnqH6duuqLEeCWq1r6619zOn0hRaPGH9J_Xi6ZTBuOxS8B4jR8YhxGLeDThkR-EM37KuYefFmHTaOz7fOZHQTidBMHGwy9X6VslnNnDw4jPuB8GHlIuTaOX-7Vy27X5Bh_Osqo hier klicken], abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kernprozess verdeutlicht, dass Digitalisierung mehr ist als Technik: Sie ist ein komplexer, vielfältig verantworteter kultureller Transformationsprozess. Jeder Schritt kann durch unterschiedliche Akteure getragen sein und erfordert spezifisches Fachwissen. Ziel der nachfolgenden Beschreibung ist es, die Prozessschritte nachvollziehbar und anschlussfähig für die Praxis darzustellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Referenzen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Měrko Šenk</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://koncept.serbski-inkubator.de/index.php?title=12.3_Digitalisierung_des_Kulturerbes&amp;diff=1042</id>
		<title>12.3 Digitalisierung des Kulturerbes</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://koncept.serbski-inkubator.de/index.php?title=12.3_Digitalisierung_des_Kulturerbes&amp;diff=1042"/>
		<updated>2026-03-04T17:24:39Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Měrko Šenk: /* 2.3.2 Prozessschritte im Detail */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;= 1 Einleitung =&lt;br /&gt;
Die Digitalisierung von sorbischem Kulturerbe ist eine historische Chance für uns Sorben, eine Chance, unser kulturelles Erbe neu zu entdecken, es für kommende Generationen zu erhalten, für eine breitere Öffentlichkeit zugänglich zu machen und dabei die eigene Deutungshoheit zu stärken. Das erfordert neben Mut, einer klaren gemeinsamen Vision, starker Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Akteuren auch die notwendigen Ressourcen in Form von Personal mit entsprechenden Kompetenzen, passender Technik sowie einer nachhaltig gesicherten Finanzierung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im folgenden Abschnitt werden Zielbilder für die Digitalisierung des sorbischen Kulturerbes entworfen mittels lang- und kurzfristiger Visionen sowie konkreter Ziele.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 1.1 Visionen und Ziele für die sorbische digitale Welt ==&lt;br /&gt;
'''Vision 2035'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
''Sorbisches materielles und immaterielles Kulturerbe ist systematisch digital erfasst, rechtssicher und langfristig gesichert, leicht auffindbar, offen nutzbar und wird aktiv von Interessierten genutzt.''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Konkrete Ziele'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bis 2032 ist ein tragfähiges, finanziell und organisatorisch abgesichertes Modell etabliert, das:&lt;br /&gt;
* Ein zentrales (oder föderiertes) digitales Langzeitarchiv nach OAIS-Referenzmodell betreibt,&lt;br /&gt;
* klare Zuständigkeiten, Prozesse und Budgets definiert,&lt;br /&gt;
* regelmäßige Qualitätssicherung und Technik-Updates vorsieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis 2030 sind wichtige sorbische Kulturerbe-Bestände (Kernbestände nach fachlicher Festlegung) in hoher Qualität digitalisiert, beschrieben und im Langzeitarchiv gesichert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis 2028 liegt eine institutionenübergreifende Übersicht über relevante Kulturerbe-Bestände (analog und digital, materiell und immateriell) vor, einschließlich einer Prioritätenliste für die Digitalisierung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis 2028 existiert ein zentrales, nutzerfreundliches „Sorbisches Kulturerbe-Portal“, das:&lt;br /&gt;
* Suchzugang über alle teilnehmenden Institutionen ermöglicht,&lt;br /&gt;
* grundlegende Inhalte frei zugänglich bereitstellt,&lt;br /&gt;
* mehrsprachige Oberflächen anbietet (Deutsch, Obersorbisch, Niedersorbisch, Englisch).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= 2 IST-Analyse „Digitalisierung von Kulturerbe“ =&lt;br /&gt;
Das Ziel in diesem Themenbereich ist es, sorbisches Kulturerbe digital zu verwalten und damit langfristig für Recherche, Nutzung und Präsentation vorzuhalten.&lt;br /&gt;
Im Abschnitt &amp;quot;IST-Analyse“ werden die folgenden Fragen beantwortet: Was ist sorbisches Kulturerbe und was zählt alles dazu? Welche Schritte durchläuft ein Kulturgut, um zum digitalen Kulturerbe zu gehören? Wie können die digitale Verwaltung, Archivierung, Nutzung und Präsentation von Kulturgütern umgesetzt werden?&lt;br /&gt;
Die grundlegenden Terminologien des Kulturerbes sollen im Folgenden festgelegt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2.1 Terminologie – von Kultur zu Kulturerbe ==&lt;br /&gt;
In diesem Abschnitt werden die Begriffe rund um das Kulturerbe grundlegend definiert. Es soll ein Verständnis über die Begriffe Kultur, kulturelle Ausprägung, Kulturgut und Kulturerbe erreicht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K1.png|center|260px]]&amp;lt;ref&amp;gt;Mermaid Flowchart Code: [https://mermaid.live/edit#pako:eNpF0UtuwyAQBuCroFlaTuRHTGMvKuWxq7pqV627IGZso2CIMChtk9ymN-nFimmasmJGfP-AOEGjOUIFrdTHpmfGkudtrWpF_Fq9RtGDk9aZKHojU-_aJ7PZ_bmGgSnR4mgFejaKpidC1XAmq8zDfYAoJZKVG7lxzX5stRl81C0_uwYdheGEubHD4_dXLy1hcpyC1rcLdM4GOLH1Ve2E5Gj9TPLkhgEnsLkBNDsMAmLojOBQWeMwhgHNwKYSTuFBYHucbOW3HFvmcQ21unh2YOpF6-FPGu26HqrW381X7sCZxa1gnWH_R1BxNBvtlIUqTUMEVCd49xVdzpeLMs1pXmRFXiY0hg-o8iyZL_LFXZaVSTJ1LzF8hqHJnBZ5WhZLWt5RmtIsBuTCavP4-2Hh3y4_NXaMmw hier klicken], abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.1 Kultur ===&lt;br /&gt;
Kultur bezeichnet hier die Gesamtheit aller vom Menschen geschaffenen und erlernten Ausdrucksformen des Lebens, die auf gemeinsamen Werten und Verhaltensweisen beruhen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;wiki-kultur&amp;quot;&amp;gt;URL: https://de.wikipedia.org/wiki/Kultur&amp;lt;/ref&amp;gt; Dazu zählen materielle Ergebnisse (z. B. Kunstwerke, Technik) ebenso wie immaterielle Praktiken (Sprache, Bräuche, Wissen). Kultur umfasst laut der UNESCO geistige, materielle, intellektuelle und emotionale Merkmale, die eine Gesellschaft oder soziale Gruppe kennzeichnen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mondiacult&amp;quot;&amp;gt;UNESCO 1982: Mexico City Declaration on Cultural Policies (MONDIACULT). URL: https://www.lacult.unesco.org/docc/1982_MONDIACULT.pdf&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;ref name=&amp;quot;cultureaction&amp;quot;&amp;gt;Culture Action Europe 2024: The State of Culture report. URL: https://cultureactioneurope.org/de/news/the-state-of-culture-report-published, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;  Sie ist dynamisch und wird von jeder Generation neu gestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das deutsche Wort „Kultur“ ist eine Eindeutschung des lateinischen Worts „cultura“. Dieses bedeutet ursprünglich „Bebauung, Bearbeitung, Bestellung, Pflege“ und meinte sowohl die physische Bearbeitung als auch die Pflege geistiger Güter, z. B. der Sprache.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.2 Kulturelle Ausdrucksform ===&lt;br /&gt;
Eine kulturelle Ausdrucksform ist eine konkrete, gegenwärtige oder historische, Manifestation von Kultur, bspw. eine Zeichnung, eine Tracht oder ein Lied: Sie macht die Kultur sichtbar und erlebbar. Im engeren Sinne ist es eine Ausdrucksweise, die aus der Kreativität einer Person, Gruppe oder Gesellschaft entsteht und kulturellen Inhalt trägt (symbolische Bedeutung, künstlerische Dimension, kulturelle Werte).&amp;lt;ref&amp;gt;Österreichische UNESCO-Kommission 2007: Übereinkommen zum Schutz und zur Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen, Art. 4, Seite 13. URL: https://www.unesco.at/fileadmin/Redaktion/Publikationen/Publikations-Dokumente/2005er_UNESCO-Convention_German.pdf, abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt; Sie wird innerhalb und zwischen Gemeinschaften weitergegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle kulturellen Ausdrucksformen bilden einen wesentlichen Kern von Kultur, aber Kultur enthält auch latente Dimensionen (Werte, Normen, Vorannahmen etc.), die nicht unmittelbar als Ausdrucksform erscheinen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.3 Kulturgut ===&lt;br /&gt;
Ein „Kulturgut“ ist eine einzelne kulturelle Ausdrucksform, der ein besonderer kultureller Wert zugemessen wird (durch Anerkennung, Schutz, Bedeutung). Es ist somit ein Erzeugnis menschlicher Kreativität oder Zeugnis menschlichen Lebens, welches Bedeutung für die Kultur einer Gemeinschaft hat und daher Bestand haben und bewahrt werden soll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Summe aller Kulturgüter einer Gemeinschaft wird als dessen Kulturerbe bezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.4 Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
Kulturerbe ist die Summe der materiellen und immateriellen Ausdrucksformen (= Kulturgüter) einer Kultur, die als „bewahrenswert“ anerkannt wurden. International umfasst das u. a. das Welterbe (Denkmäler, Ensembles, Stätten)&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO (1972), Welterbekonvention, Art. 1. URL: https://www.dnk.de/wp-content/uploads/2021/02/1972_DNK_UNESCO-Welterbekonvention.pdf (abgerufen am 11.09.2025).&amp;lt;/ref&amp;gt; und das Immaterielles Kulturerbe (Praktiken, Wissen).&amp;lt;ref&amp;gt;Deutsche UNESCO-Kommission o. J.:, Übereinkommen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes (dt. Ausgabe). URL: https://www.unesco.de/assets/dokumente/Deutsche_UNESCO-Kommission/02_Publikationen/Publikation_UNESCO-%C3%9Cbereinkommen_zur_Erhaltung_des_immateriellen_Kulturerbes_01.pdf, (abgerufen am 11.09.2025).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ob etwas „zum Kulturerbe“ zählt, ist Ergebnis von Bewertung, Diskurs und teils formellen Verfahren. Dem Sorbischen Kulturregister (SKR) zufolge ist „sorbisch-wendisches Kulturerbe“ eine Zuschreibung, die durch Gesellschaft, Museen, Archive und Wissenschaft erfolgen kann.&amp;lt;ref&amp;gt;Sorbisches Institut 2025: Konzept für ein Sorbisches Kulturregister (SKR). URL: https://www.serbski-institut.de/wp-content/uploa ds/2021/11/00_Zweite-aktualisierte-Fassung_Konzept_Sorbisches-Kulturregister_20.11.2025.pdf, abgerufen am 20.11.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.5 Abgrenzung: Kultur und Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
Kultur / Kulturelle Ausdrucksform sind als Begriffe weiter gefasst als Kulturgut / Kulturerbe. Kulturelle Ausdrucksformen umfassen alles Gelebte und Gestaltete einer Gemeinschaft in Gegenwart und Vergangenheit, während Kulturgut / Kulturerbe diejenigen kulturellen Güter und Traditionen meint, denen eine Bedeutung beigemessen wurde und die als bewahrens- und weitergebenswert erkannt wurden. Kultur ist der „aktuelle“ kreative Prozess (einschließlich Popkultur, Alltagskultur), Kulturerbe der daraus überkommene Schatz. Dennoch sind die Grenzen fließend: Was heute nur Kultur ist, kann morgen zum Kulturerbe erklärt werden – abhängig von Wertzuschreibung und Diskurs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Rahmen dieses Dokuments werden für den sorbischen Kontext die Begriffe „kulturelle Ausdrucksform“ und „Kulturgut“ weitgehend synonym verwendet, sofern nicht ausdrücklich anders gekennzeichnet. Hintergrund ist, dass die Gesamtzahl der identifizierbaren kulturellen Ausdrucksformen einer kleinen Minderheit wie der Sorben/Wenden im Vergleich zu großen Mehrheitsgesellschaften überschaubar ist. Zugleich ist der Anteil dieser Ausdrucksformen, denen in der Community ein besonderer Wert beigemessen wird und die daher faktisch als Kulturgut wahrgenommen und behandelt werden, sehr hoch: Ein großer Teil des gelebten kulturellen Repertoires wird als identitätsstiftend und bewahrenswert verstanden und damit dem Kulturerbe zugerechnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2.2 Klassifizierung von Kulturgütern ==&lt;br /&gt;
Im Folgenden soll eine griffige Klassifizierung von Kulturgütern entwickelt werden, so dass pro Kulturgut-Klasse später auf die Besonderheiten ihrer Digitalisierung eingegangen werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K2.png|center|600px]]&amp;lt;ref&amp;gt;Mermaid Flowchart Code: [https://mermaid.live/edit#pako:eNptlM9u00AQxl9ltFWoFDlp_C9OjISU2KSgUCq1BSRIDxt77Syxd6v1mkKjSDwBlThw4YCEeuXOoeLSN-EF4BHYjZOQQG67-32_2ZnZsWco4jFBPqrVZpRR6cNsP8n4ZTTBQu7rHVP66QWOKEvV3nQM2BeYTf8eea35fF6rjdiIrUl4cjJiAMPDV_X6sMxkKdJS1uvnvu9PtRGgp5ReE46wJIKSLIOf779CycbkkqQZjSb1Ovz-cv351_drDWGN9BXS_xfZBj7dLoGxBgIFBE14nOcrZGH68E07Iu0IlSNsQkhTKnGlfvyh1bjKcngIjcYD6G2s-xvrYGMdLuuqAFOXZ0IflzFh0xxn5OBU3t1ISZhqw6KaKpo29k04jSaCJrLq0oZsa9mCAZc8FTihhBnQp1ksxd1NSsS22dFmG3oMZzwl0HveONtlc7XNATtsHI9fk6kkC3nRsKoqnVNgwrFQaUOvLGJRRtMi4SJfZ790WtppQYhFIVV7CYsJDO9uWbEMujbqOgIbTqgsddB7MCD_eXT6gQMvaFEQBlclPMVqcA6eMfqGiKLMt926isCFM4FjKiln-voCHmEWXxIxXZcUVo-jSwrVe3DBGvHqtc83DLqS0FpNAi3wRluiDBdFSBIYQ0KzzN_r265jPjQinnHh7yVJYhRS8ClZKfe3KLyk2oHneuEuqlK2qWhJWYPOwGnvoiplm4qXVMd17V5rF1UpikIGSgWNkS9FSQyUE5FjvUUzHXGE5ITkZIR8tYxJgtVXPEIjNlfYBWYvOc9XpOBlOkF-grNC7cqLWPUupFjNa74-FXo0RMBLJpFvWtYiCPJn6C3yG7bTNO2u6Tidrue0W13HQO_Usdtquuqg1bG6TtvzPNuZG-hqcXGr2baV5NhuyzId13XbBiJqDrg4qn5ni7_a_A_W9oMu hier klicken], abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.1 A. Materiell - unbeweglich 🏛️ ===&lt;br /&gt;
„Materiell - unbeweglich&amp;quot; bezeichnet ortsfeste Kulturobjekte wie Bauwerke, Ensembles, Gebäudekomplexe und Stätten/Kulturlandschaften, wie sie in Art. 1 der UNESCO-Welterbekonvention als Kategorien des kulturellen Erbes definiert sind.&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO World Heritage Centre o. J.: Convention Concerning the Protection of the World Cultural and Natural Heritage, Artikel 1. URL: https://whc.unesco.org/en/conventiontext/, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.2 B. Materiell - beweglich 🖼️ ===&lt;br /&gt;
Die Kategorie „Materiell - beweglich&amp;quot; umfasst bewegliche Sachen bzw. Sachgesamtheiten von kulturellem Wert (z. B. Objekte, Sammlungen), wie sie das deutsche Kulturgutschutzgesetz (§ 2 KGSG)&amp;lt;ref&amp;gt;Deutschland 2016: Kulturgutschutzgesetz (KGSG), § 2. URL: https://www.buzer.de/2_KGSG.htm, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt; als „Kulturgut“ beschreibt.&lt;br /&gt;
* B1 '''Schriftgut''' - Bücher, Zeitungen, Handschriften, Archivgut, Graphiken, Pläne, Karten&lt;br /&gt;
* B2 '''Fotografien &amp;amp; Bildträger''' &lt;br /&gt;
** Fotografisch erzeugte statische Bildträger, auch Stillbildträger genannt, z. B. Positive/Negative auf Film/Platte/Photopapier, Dias, Abzüge, Mikrofilm/-fiche und vergleichbare fotografische Repro-Träger.&lt;br /&gt;
* B3 '''Analoge AV-Träger''' (Audio/Video/Film)&lt;br /&gt;
** Analoge zeitbasierte Medien, z. B. Magnetton (Tonband, Kassette), Schallplatte, Videobänder, Film.&lt;br /&gt;
* B4 '''3D-Objekte''' - Gegenstände, „sachkulturelle Artefakte“&amp;lt;ref&amp;gt;Sorbisches Institut o. J.: Konzept zum Digitalisierungszentrum am Sorbischen Institut, S. 24.&lt;br /&gt;
(Unveröffentlichtes Konzeptpapier; interne Projektunterlage.)&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.3 C. Immateriell 🎭 ===&lt;br /&gt;
Meint lebendige Praktiken, Darstellungen, Ausdrucksformen, Ideen, Werte, Wissen und Fertigkeiten, die von Gemeinschaften getragen und weitergegeben werden, gemäß der folgenden 5 UNESCO ICH-Domänen.&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO o. J.: Intangible Cultural Heritage – Five Domains. URL: https://ich.unesco.org/doc/src/01857-EN.pdf, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* C1 '''Orale Traditionen/Ausdrucksformen''' - Sprache, Gesangstraditionen&lt;br /&gt;
* C2 '''Darstellende Künste''' - Musik, Tanz, Theater&lt;br /&gt;
* C3 '''Rituale &amp;amp; Feste''' - Bräuche und soziale Praktiken des Kalenders und Lebenslaufs&lt;br /&gt;
* C4 '''Wissen &amp;amp; Praktiken''' zu Natur &amp;amp; Universum - Heil- und Sammelkenntnisse, ökologisches und astronomisches Wissen, Glaube, Religion&lt;br /&gt;
* C5 '''Traditionelles Handwerk''' - Techniken, Werkzeuge und Gestaltungsmuster&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.4 D. Digital 💾 ===&lt;br /&gt;
Bezeichnet in digitaler Form vorliegende Ressourcen menschlichen Wissens und Ausdrucks. Diese können sowohl born-digital sein als auch digitalisierte Repräsentationen von materiellen und immateriellen Kulturgütern.&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO 2003: Charter on the Preservation of Digital Heritage. URL: https://www.unesco.org/en/legal-affairs/charter-preservation-digital-heritage, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* D1 '''Born-digital''' (ursprünglich digital erzeugt, kein analoges Original), z. B. Webseiten, Social-Media-Beiträge, Software, Apps, Spiele, digitale Fotos/Audio/Video.&lt;br /&gt;
* D2 '''Digitalisate''' - Digitalisierte Repräsentationen/Derivate aus den Klassen A, B und C.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2.3 Prozess der Digitalisierung von Kulturerbe ==&lt;br /&gt;
Die Digitalisierung von Kulturgut ist kein rein technischer Arbeitsschritt, sondern ein vielschichtiger, oft langfristiger Prozess, der bereits mit der Wahrnehmung und Identifikation einer kulturellen Ausdrucksform beginnt. Ziel dieses Abschnitts ist es, diesen Gesamtprozess systematisch darzustellen: von der gelebten Kultur über das identifizierte Kulturgut bis hin zur digital nutzbaren Repräsentation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die hier entwickelte Prozessdarstellung soll als praxisorientierter Überblick dienen für die Digitalisierung des sorbischen Kulturerbes. Sie berücksichtigt die Anforderungen sorbischer Einrichtungen ebenso wie die international etablierten Referenzmodelle und Standards, darunter:&lt;br /&gt;
* das OAIS-Referenzmodell (ISO 14721) für digitale Archivierung&amp;lt;ref&amp;gt;Consultative Committee for Space Data Systems (CCSDS) 2024: Reference Model for an Open Archival Information System (OAIS), CCSDS 650.0-M-3. URL: https://ccsds.org/Pubs/650x0m3.pdf, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* das DCC Curation Lifecycle Model für kuratorische Entscheidungsprozesse&amp;lt;ref&amp;gt;Higgins 2008: The DCC Curation Lifecycle Model. International Journal of Digital Curation, 3(1), 134-140. URL: https://ijdc.net/index.php/ijdc/article/view/48, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* das Spectrum-Modell für museale Objektverwaltung&amp;lt;ref&amp;gt;Collections Trust 2022. Spectrum 5.1 - The UK Museum Collections Management Standard. URL: https://collectionstrust.org.uk/spectrum/spectrum-5, abgerufen am 01.10.2025. &amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* die UNESCO-Leitlinien zur Inventarisierung immateriellen Kulturerbes&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO 2024: Operational Directives for the Implementation of the Convention for the Safeguarding of the Intangible Cultural Heritage (10.GA). URL: https://ich.unesco.org/doc/src/ICH-Operational_Directives-10.GA_EN.pdf, abgerufen am 01.10.2025. &amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* sowie technische Vorgaben wie die DFG-Praxisregeln Digitalisierung&amp;lt;ref&amp;gt;Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) 2022: Praxisregeln Digitalisierung (aktualisierte Fassung). URL: https://www.ulb.hhu.de/fileadmin/redaktion/ULB/Documents/Infomaterial/DFG_Praxisregeln_Digitalisierung_Aktualisierte_Fassung2022.pdf, abgerufen am 01.10.2025. &amp;lt;/ref&amp;gt; und die FADGI-Richtlinien&amp;lt;ref&amp;gt;Federal Agencies Digital Guidelines Initiative (FADGI) 2023: Technical Guidelines for Digitizing Cultural Heritage Materials – Still Image, 3rd ed. URL: https://www.digitizationguidelines.gov/guidelines/digitize-technical.html, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Folge soll der „Lebenslauf“ eines Kulturguts dargestellt werden, also der Weg, den ein Objekt oder eine kulturelle Praxis vom Zeitpunkt der Entstehung über die Erfassung, Digitalisierung und Archivierung bis zur Veröffentlichung in einem digitalen Präsentationsmodul durchläuft.&lt;br /&gt;
Hierfür erläutert der folgende Abschnitt die einzelnen Prozessschritte im Detail, jeweils mit Akteuren und Beispielen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.3.1 Vorüberlegungen zum Prozess ===&lt;br /&gt;
Im hier vorgestellten Prozess wird auf eine harte, systematische Filterung verzichtet, welche kulturellen Ausdrucksformen „nur“ Kultur und welche bereits Kulturgut sind. Ein solcher Bewertungs- und Abgrenzungsprozess wäre ressourcenintensiv und würde den vorhandenen Kapazitäten in den beteiligten Einrichtungen nicht entsprechen. Stattdessen folgt das Konzept einer inklusiven Logik: Alle dokumentierten Ausdrucksformen werden zunächst als potenzielle Kulturgüter erfasst. Eine feinere Auswahl und Priorisierung erfolgen erst in einem späteren Schritt, nämlich dann, wenn konkret entschieden wird, welche Ausdrucksformen bzw. Kulturgüter in welcher Tiefe digitalisiert, archiviert und präsentiert werden sollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Vorgehen schließt an das RSK-Konzept an, das bewusst auf eine frühe normative Trennung zwischen „kultureller Ausdrucksform“ und „Kulturgut“ verzichtet. Auch hier steht zunächst der möglichst vollständige, strukturierte Überblick über die sorbischen Kulturgüter im Vordergrund. Die differenzierte Bewertung und Schwerpunktsetzung werden als anschließende fachliche Aufgabe verstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.3.2 Prozessschritte im Detail ===&lt;br /&gt;
Das folgende Diagramm gibt einen Überblick über die sechs Kernschritte im Digitalisierungsprozess von Kulturgut – von der ersten Entdeckung einer kulturellen Ausdrucksform bis zur Nutzung einer digitalen Repräsentation dieses Kulturguts. Die Abfolge bildet auch die Entwicklungsstufen ab: von gelebter Kultur zur kulturellen Ausdrucksform, von dort zum Kulturgut und schließlich zum digitalisierten Kulturgut.&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K3.png|center|600px]]&amp;lt;ref&amp;gt;Mermaid Flowchart Code: [https://mermaid.live/edit#pako:eNplkk1OwzAQha8yGqmbkloxSZs2CyTa8LOphIAVhIVJpolF4iDH4a_qbXqTXgzHFdAKr2y97703lmaNWZMTxriqmvesFNrAfZIqgPPHFIdDzuBO1DVVajhM8QlGozOYO-WUwS0VsjVakqa93Pvmjlk4JmAwp3fS5kCHwQAWjkkcE_Y5WWkIXqrd9jBpT138UIkspBGVbI_7-rwLR146csLgRryQ-U8lMGLwTG1WapLPpHKCZQLMOY9ch7m2VxiSpOAEjJ1TSev_M_bkvv3KtY8ZnOuslG_H9VcOuf4dUO-2LamjGdHDQsscY6M78rAmXYv-ies-IEVTUk0pxvaa00p0lUkxVRtrexXqoWnqH6duuqLEeCWq1r6619zOn0hRaPGH9J_Xi6ZTBuOxS8B4jR8YhxGLeDThkR-EM37KuYefFmHTaOz7fOZHQTidBMHGwy9X6VslnNnDw4jPuB8GHlIuTaOX-7Vy27X5Bh_Osqo hier klicken], abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kernprozess verdeutlicht, dass Digitalisierung mehr ist als Technik: Sie ist ein komplexer, vielfältig verantworteter kultureller Transformationsprozess. Jeder Schritt kann durch unterschiedliche Akteure getragen sein und erfordert spezifisches Fachwissen. Ziel der nachfolgenden Beschreibung ist es, die Prozessschritte nachvollziehbar und anschlussfähig für die Praxis darzustellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Referenzen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Měrko Šenk</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://koncept.serbski-inkubator.de/index.php?title=12.3_Digitalisierung_des_Kulturerbes&amp;diff=1041</id>
		<title>12.3 Digitalisierung des Kulturerbes</title>
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		<updated>2026-02-27T14:40:19Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Měrko Šenk: /* 2 IST-Analyse „Digitalisierung von Kulturerbe“ */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;= 1 Einleitung =&lt;br /&gt;
Die Digitalisierung von sorbischem Kulturerbe ist eine historische Chance für uns Sorben, eine Chance, unser kulturelles Erbe neu zu entdecken, es für kommende Generationen zu erhalten, für eine breitere Öffentlichkeit zugänglich zu machen und dabei die eigene Deutungshoheit zu stärken. Das erfordert neben Mut, einer klaren gemeinsamen Vision, starker Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Akteuren auch die notwendigen Ressourcen in Form von Personal mit entsprechenden Kompetenzen, passender Technik sowie einer nachhaltig gesicherten Finanzierung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im folgenden Abschnitt werden Zielbilder für die Digitalisierung des sorbischen Kulturerbes entworfen mittels lang- und kurzfristiger Visionen sowie konkreter Ziele.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 1.1 Visionen und Ziele für die sorbische digitale Welt ==&lt;br /&gt;
'''Vision 2035'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
''Sorbisches materielles und immaterielles Kulturerbe ist systematisch digital erfasst, rechtssicher und langfristig gesichert, leicht auffindbar, offen nutzbar und wird aktiv von Interessierten genutzt.''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Konkrete Ziele'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bis 2032 ist ein tragfähiges, finanziell und organisatorisch abgesichertes Modell etabliert, das:&lt;br /&gt;
* Ein zentrales (oder föderiertes) digitales Langzeitarchiv nach OAIS-Referenzmodell betreibt,&lt;br /&gt;
* klare Zuständigkeiten, Prozesse und Budgets definiert,&lt;br /&gt;
* regelmäßige Qualitätssicherung und Technik-Updates vorsieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis 2030 sind wichtige sorbische Kulturerbe-Bestände (Kernbestände nach fachlicher Festlegung) in hoher Qualität digitalisiert, beschrieben und im Langzeitarchiv gesichert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis 2028 liegt eine institutionenübergreifende Übersicht über relevante Kulturerbe-Bestände (analog und digital, materiell und immateriell) vor, einschließlich einer Prioritätenliste für die Digitalisierung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis 2028 existiert ein zentrales, nutzerfreundliches „Sorbisches Kulturerbe-Portal“, das:&lt;br /&gt;
* Suchzugang über alle teilnehmenden Institutionen ermöglicht,&lt;br /&gt;
* grundlegende Inhalte frei zugänglich bereitstellt,&lt;br /&gt;
* mehrsprachige Oberflächen anbietet (Deutsch, Obersorbisch, Niedersorbisch, Englisch).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= 2 IST-Analyse „Digitalisierung von Kulturerbe“ =&lt;br /&gt;
Das Ziel in diesem Themenbereich ist es, sorbisches Kulturerbe digital zu verwalten und damit langfristig für Recherche, Nutzung und Präsentation vorzuhalten.&lt;br /&gt;
Im Abschnitt &amp;quot;IST-Analyse“ werden die folgenden Fragen beantwortet: Was ist sorbisches Kulturerbe und was zählt alles dazu? Welche Schritte durchläuft ein Kulturgut, um zum digitalen Kulturerbe zu gehören? Wie können die digitale Verwaltung, Archivierung, Nutzung und Präsentation von Kulturgütern umgesetzt werden?&lt;br /&gt;
Die grundlegenden Terminologien des Kulturerbes sollen im Folgenden festgelegt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2.1 Terminologie – von Kultur zu Kulturerbe ==&lt;br /&gt;
In diesem Abschnitt werden die Begriffe rund um das Kulturerbe grundlegend definiert. Es soll ein Verständnis über die Begriffe Kultur, kulturelle Ausprägung, Kulturgut und Kulturerbe erreicht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K1.png|center|260px]]&amp;lt;ref&amp;gt;Mermaid Flowchart Code: [https://mermaid.live/edit#pako:eNpF0UtuwyAQBuCroFlaTuRHTGMvKuWxq7pqV627IGZso2CIMChtk9ymN-nFimmasmJGfP-AOEGjOUIFrdTHpmfGkudtrWpF_Fq9RtGDk9aZKHojU-_aJ7PZ_bmGgSnR4mgFejaKpidC1XAmq8zDfYAoJZKVG7lxzX5stRl81C0_uwYdheGEubHD4_dXLy1hcpyC1rcLdM4GOLH1Ve2E5Gj9TPLkhgEnsLkBNDsMAmLojOBQWeMwhgHNwKYSTuFBYHucbOW3HFvmcQ21unh2YOpF6-FPGu26HqrW381X7sCZxa1gnWH_R1BxNBvtlIUqTUMEVCd49xVdzpeLMs1pXmRFXiY0hg-o8iyZL_LFXZaVSTJ1LzF8hqHJnBZ5WhZLWt5RmtIsBuTCavP4-2Hh3y4_NXaMmw hier klicken], abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.1 Kultur ===&lt;br /&gt;
Kultur bezeichnet hier die Gesamtheit aller vom Menschen geschaffenen und erlernten Ausdrucksformen des Lebens, die auf gemeinsamen Werten und Verhaltensweisen beruhen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;wiki-kultur&amp;quot;&amp;gt;URL: https://de.wikipedia.org/wiki/Kultur&amp;lt;/ref&amp;gt; Dazu zählen materielle Ergebnisse (z. B. Kunstwerke, Technik) ebenso wie immaterielle Praktiken (Sprache, Bräuche, Wissen). Kultur umfasst laut der UNESCO geistige, materielle, intellektuelle und emotionale Merkmale, die eine Gesellschaft oder soziale Gruppe kennzeichnen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mondiacult&amp;quot;&amp;gt;UNESCO 1982: Mexico City Declaration on Cultural Policies (MONDIACULT). URL: https://www.lacult.unesco.org/docc/1982_MONDIACULT.pdf&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;ref name=&amp;quot;cultureaction&amp;quot;&amp;gt;Culture Action Europe 2024: The State of Culture report. URL: https://cultureactioneurope.org/de/news/the-state-of-culture-report-published, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;  Sie ist dynamisch und wird von jeder Generation neu gestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das deutsche Wort „Kultur“ ist eine Eindeutschung des lateinischen Worts „cultura“. Dieses bedeutet ursprünglich „Bebauung, Bearbeitung, Bestellung, Pflege“ und meinte sowohl die physische Bearbeitung als auch die Pflege geistiger Güter, z. B. der Sprache.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.2 Kulturelle Ausdrucksform ===&lt;br /&gt;
Eine kulturelle Ausdrucksform ist eine konkrete, gegenwärtige oder historische, Manifestation von Kultur, bspw. eine Zeichnung, eine Tracht oder ein Lied: Sie macht die Kultur sichtbar und erlebbar. Im engeren Sinne ist es eine Ausdrucksweise, die aus der Kreativität einer Person, Gruppe oder Gesellschaft entsteht und kulturellen Inhalt trägt (symbolische Bedeutung, künstlerische Dimension, kulturelle Werte).&amp;lt;ref&amp;gt;Österreichische UNESCO-Kommission 2007: Übereinkommen zum Schutz und zur Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen, Art. 4, Seite 13. URL: https://www.unesco.at/fileadmin/Redaktion/Publikationen/Publikations-Dokumente/2005er_UNESCO-Convention_German.pdf, abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt; Sie wird innerhalb und zwischen Gemeinschaften weitergegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle kulturellen Ausdrucksformen bilden einen wesentlichen Kern von Kultur, aber Kultur enthält auch latente Dimensionen (Werte, Normen, Vorannahmen etc.), die nicht unmittelbar als Ausdrucksform erscheinen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.3 Kulturgut ===&lt;br /&gt;
Ein „Kulturgut“ ist eine einzelne kulturelle Ausdrucksform, der ein besonderer kultureller Wert zugemessen wird (durch Anerkennung, Schutz, Bedeutung). Es ist somit ein Erzeugnis menschlicher Kreativität oder Zeugnis menschlichen Lebens, welches Bedeutung für die Kultur einer Gemeinschaft hat und daher Bestand haben und bewahrt werden soll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Summe aller Kulturgüter einer Gemeinschaft wird als dessen Kulturerbe bezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.4 Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
Kulturerbe ist die Summe der materiellen und immateriellen Ausdrucksformen (= Kulturgüter) einer Kultur, die als „bewahrenswert“ anerkannt wurden. International umfasst das u. a. das Welterbe (Denkmäler, Ensembles, Stätten)&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO (1972), Welterbekonvention, Art. 1. URL: https://www.dnk.de/wp-content/uploads/2021/02/1972_DNK_UNESCO-Welterbekonvention.pdf (abgerufen am 11.09.2025).&amp;lt;/ref&amp;gt; und das Immaterielles Kulturerbe (Praktiken, Wissen).&amp;lt;ref&amp;gt;Deutsche UNESCO-Kommission o. J.:, Übereinkommen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes (dt. Ausgabe). URL: https://www.unesco.de/assets/dokumente/Deutsche_UNESCO-Kommission/02_Publikationen/Publikation_UNESCO-%C3%9Cbereinkommen_zur_Erhaltung_des_immateriellen_Kulturerbes_01.pdf, (abgerufen am 11.09.2025).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ob etwas „zum Kulturerbe“ zählt, ist Ergebnis von Bewertung, Diskurs und teils formellen Verfahren. Dem Sorbischen Kulturregister (SKR) zufolge ist „sorbisch-wendisches Kulturerbe“ eine Zuschreibung, die durch Gesellschaft, Museen, Archive und Wissenschaft erfolgen kann.&amp;lt;ref&amp;gt;Sorbisches Institut 2025: Konzept für ein Sorbisches Kulturregister (SKR). URL: https://www.serbski-institut.de/wp-content/uploa ds/2021/11/00_Zweite-aktualisierte-Fassung_Konzept_Sorbisches-Kulturregister_20.11.2025.pdf, abgerufen am 20.11.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.5 Abgrenzung: Kultur und Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
Kultur / Kulturelle Ausdrucksform sind als Begriffe weiter gefasst als Kulturgut / Kulturerbe. Kulturelle Ausdrucksformen umfassen alles Gelebte und Gestaltete einer Gemeinschaft in Gegenwart und Vergangenheit, während Kulturgut / Kulturerbe diejenigen kulturellen Güter und Traditionen meint, denen eine Bedeutung beigemessen wurde und die als bewahrens- und weitergebenswert erkannt wurden. Kultur ist der „aktuelle“ kreative Prozess (einschließlich Popkultur, Alltagskultur), Kulturerbe der daraus überkommene Schatz. Dennoch sind die Grenzen fließend: Was heute nur Kultur ist, kann morgen zum Kulturerbe erklärt werden – abhängig von Wertzuschreibung und Diskurs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Rahmen dieses Dokuments werden für den sorbischen Kontext die Begriffe „kulturelle Ausdrucksform“ und „Kulturgut“ weitgehend synonym verwendet, sofern nicht ausdrücklich anders gekennzeichnet. Hintergrund ist, dass die Gesamtzahl der identifizierbaren kulturellen Ausdrucksformen einer kleinen Minderheit wie der Sorben/Wenden im Vergleich zu großen Mehrheitsgesellschaften überschaubar ist. Zugleich ist der Anteil dieser Ausdrucksformen, denen in der Community ein besonderer Wert beigemessen wird und die daher faktisch als Kulturgut wahrgenommen und behandelt werden, sehr hoch: Ein großer Teil des gelebten kulturellen Repertoires wird als identitätsstiftend und bewahrenswert verstanden und damit dem Kulturerbe zugerechnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2.2 Klassifizierung von Kulturgütern ==&lt;br /&gt;
Im Folgenden soll eine griffige Klassifizierung von Kulturgütern entwickelt werden, so dass pro Kulturgut-Klasse später auf die Besonderheiten ihrer Digitalisierung eingegangen werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K2.png|center|600px]]&amp;lt;ref&amp;gt;Mermaid Flowchart Code: [https://mermaid.live/edit#pako:eNptlM9u00AQxl9ltFWoFDlp_C9OjISU2KSgUCq1BSRIDxt77Syxd6v1mkKjSDwBlThw4YCEeuXOoeLSN-EF4BHYjZOQQG67-32_2ZnZsWco4jFBPqrVZpRR6cNsP8n4ZTTBQu7rHVP66QWOKEvV3nQM2BeYTf8eea35fF6rjdiIrUl4cjJiAMPDV_X6sMxkKdJS1uvnvu9PtRGgp5ReE46wJIKSLIOf779CycbkkqQZjSb1Ovz-cv351_drDWGN9BXS_xfZBj7dLoGxBgIFBE14nOcrZGH68E07Iu0IlSNsQkhTKnGlfvyh1bjKcngIjcYD6G2s-xvrYGMdLuuqAFOXZ0IflzFh0xxn5OBU3t1ISZhqw6KaKpo29k04jSaCJrLq0oZsa9mCAZc8FTihhBnQp1ksxd1NSsS22dFmG3oMZzwl0HveONtlc7XNATtsHI9fk6kkC3nRsKoqnVNgwrFQaUOvLGJRRtMi4SJfZ790WtppQYhFIVV7CYsJDO9uWbEMujbqOgIbTqgsddB7MCD_eXT6gQMvaFEQBlclPMVqcA6eMfqGiKLMt926isCFM4FjKiln-voCHmEWXxIxXZcUVo-jSwrVe3DBGvHqtc83DLqS0FpNAi3wRluiDBdFSBIYQ0KzzN_r265jPjQinnHh7yVJYhRS8ClZKfe3KLyk2oHneuEuqlK2qWhJWYPOwGnvoiplm4qXVMd17V5rF1UpikIGSgWNkS9FSQyUE5FjvUUzHXGE5ITkZIR8tYxJgtVXPEIjNlfYBWYvOc9XpOBlOkF-grNC7cqLWPUupFjNa74-FXo0RMBLJpFvWtYiCPJn6C3yG7bTNO2u6Tidrue0W13HQO_Usdtquuqg1bG6TtvzPNuZG-hqcXGr2baV5NhuyzId13XbBiJqDrg4qn5ni7_a_A_W9oMu hier klicken], abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.1 A. Materiell - unbeweglich 🏛️ ===&lt;br /&gt;
„Materiell - unbeweglich&amp;quot; bezeichnet ortsfeste Kulturobjekte wie Bauwerke, Ensembles, Gebäudekomplexe und Stätten/Kulturlandschaften, wie sie in Art. 1 der UNESCO-Welterbekonvention als Kategorien des kulturellen Erbes definiert sind.&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO World Heritage Centre o. J.: Convention Concerning the Protection of the World Cultural and Natural Heritage, Artikel 1. URL: https://whc.unesco.org/en/conventiontext/, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.2 B. Materiell - beweglich 🖼️ ===&lt;br /&gt;
Die Kategorie „Materiell - beweglich&amp;quot; umfasst bewegliche Sachen bzw. Sachgesamtheiten von kulturellem Wert (z. B. Objekte, Sammlungen), wie sie das deutsche Kulturgutschutzgesetz (§ 2 KGSG)&amp;lt;ref&amp;gt;Deutschland 2016: Kulturgutschutzgesetz (KGSG), § 2. URL: https://www.buzer.de/2_KGSG.htm, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt; als „Kulturgut“ beschreibt.&lt;br /&gt;
* B1 '''Schriftgut''' - Bücher, Zeitungen, Handschriften, Archivgut, Graphiken, Pläne, Karten&lt;br /&gt;
* B2 '''Fotografien &amp;amp; Bildträger''' &lt;br /&gt;
** Fotografisch erzeugte statische Bildträger, auch Stillbildträger genannt, z. B. Positive/Negative auf Film/Platte/Photopapier, Dias, Abzüge, Mikrofilm/-fiche und vergleichbare fotografische Repro-Träger.&lt;br /&gt;
* B3 '''Analoge AV-Träger''' (Audio/Video/Film)&lt;br /&gt;
** Analoge zeitbasierte Medien, z. B. Magnetton (Tonband, Kassette), Schallplatte, Videobänder, Film.&lt;br /&gt;
* B4 '''3D-Objekte''' - Gegenstände, „sachkulturelle Artefakte“&amp;lt;ref&amp;gt;Sorbisches Institut o. J.: Konzept zum Digitalisierungszentrum am Sorbischen Institut, S. 24.&lt;br /&gt;
(Unveröffentlichtes Konzeptpapier; interne Projektunterlage.)&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.3 C. Immateriell 🎭 ===&lt;br /&gt;
Meint lebendige Praktiken, Darstellungen, Ausdrucksformen, Ideen, Werte, Wissen und Fertigkeiten, die von Gemeinschaften getragen und weitergegeben werden, gemäß der folgenden 5 UNESCO ICH-Domänen.&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO o. J.: Intangible Cultural Heritage – Five Domains. URL: https://ich.unesco.org/doc/src/01857-EN.pdf, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* C1 '''Orale Traditionen/Ausdrucksformen''' - Sprache, Gesangstraditionen&lt;br /&gt;
* C2 '''Darstellende Künste''' - Musik, Tanz, Theater&lt;br /&gt;
* C3 '''Rituale &amp;amp; Feste''' - Bräuche und soziale Praktiken des Kalenders und Lebenslaufs&lt;br /&gt;
* C4 '''Wissen &amp;amp; Praktiken''' zu Natur &amp;amp; Universum - Heil- und Sammelkenntnisse, ökologisches und astronomisches Wissen, Glaube, Religion&lt;br /&gt;
* C5 '''Traditionelles Handwerk''' - Techniken, Werkzeuge und Gestaltungsmuster&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.4 D. Digital 💾 ===&lt;br /&gt;
Bezeichnet in digitaler Form vorliegende Ressourcen menschlichen Wissens und Ausdrucks. Diese können sowohl born-digital sein als auch digitalisierte Repräsentationen von materiellen und immateriellen Kulturgütern.&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO 2003: Charter on the Preservation of Digital Heritage. URL: https://www.unesco.org/en/legal-affairs/charter-preservation-digital-heritage, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* D1 '''Born-digital''' (ursprünglich digital erzeugt, kein analoges Original), z. B. Webseiten, Social-Media-Beiträge, Software, Apps, Spiele, digitale Fotos/Audio/Video.&lt;br /&gt;
* D2 '''Digitalisate''' - Digitalisierte Repräsentationen/Derivate aus den Klassen A, B und C.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2.3 Prozess der Digitalisierung von Kulturerbe ==&lt;br /&gt;
Die Digitalisierung von Kulturgut ist kein rein technischer Arbeitsschritt, sondern ein vielschichtiger, oft langfristiger Prozess, der bereits mit der Wahrnehmung und Identifikation einer kulturellen Ausdrucksform beginnt. Ziel dieses Abschnitts ist es, diesen Gesamtprozess systematisch darzustellen: von der gelebten Kultur über das identifizierte Kulturgut bis hin zur digital nutzbaren Repräsentation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die hier entwickelte Prozessdarstellung soll als praxisorientierter Überblick dienen für die Digitalisierung des sorbischen Kulturerbes. Sie berücksichtigt die Anforderungen sorbischer Einrichtungen ebenso wie die international etablierten Referenzmodelle und Standards, darunter:&lt;br /&gt;
* das OAIS-Referenzmodell (ISO 14721) für digitale Archivierung&amp;lt;ref&amp;gt;Consultative Committee for Space Data Systems (CCSDS) 2024: Reference Model for an Open Archival Information System (OAIS), CCSDS 650.0-M-3. URL: https://ccsds.org/Pubs/650x0m3.pdf, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* das DCC Curation Lifecycle Model für kuratorische Entscheidungsprozesse&amp;lt;ref&amp;gt;Higgins 2008: The DCC Curation Lifecycle Model. International Journal of Digital Curation, 3(1), 134-140. URL: https://ijdc.net/index.php/ijdc/article/view/48, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* das Spectrum-Modell für museale Objektverwaltung&amp;lt;ref&amp;gt;Collections Trust 2022. Spectrum 5.1 - The UK Museum Collections Management Standard. URL: https://collectionstrust.org.uk/spectrum/spectrum-5, abgerufen am 01.10.2025. &amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* die UNESCO-Leitlinien zur Inventarisierung immateriellen Kulturerbes&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO 2024: Operational Directives for the Implementation of the Convention for the Safeguarding of the Intangible Cultural Heritage (10.GA). URL: https://ich.unesco.org/doc/src/ICH-Operational_Directives-10.GA_EN.pdf, abgerufen am 01.10.2025. &amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* sowie technische Vorgaben wie die DFG-Praxisregeln Digitalisierung&amp;lt;ref&amp;gt;Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) 2022: Praxisregeln Digitalisierung (aktualisierte Fassung). URL: https://www.ulb.hhu.de/fileadmin/redaktion/ULB/Documents/Infomaterial/DFG_Praxisregeln_Digitalisierung_Aktualisierte_Fassung2022.pdf, abgerufen am 01.10.2025. &amp;lt;/ref&amp;gt; und die FADGI-Richtlinien&amp;lt;ref&amp;gt;Federal Agencies Digital Guidelines Initiative (FADGI) 2023: Technical Guidelines for Digitizing Cultural Heritage Materials – Still Image, 3rd ed. URL: https://www.digitizationguidelines.gov/guidelines/digitize-technical.html, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Folge soll der „Lebenslauf“ eines Kulturguts dargestellt werden, also der Weg, den ein Objekt oder eine kulturelle Praxis vom Zeitpunkt der Entstehung über die Erfassung, Digitalisierung und Archivierung bis zur Veröffentlichung in einem digitalen Präsentationsmodul durchläuft.&lt;br /&gt;
Hierfür erläutert der folgende Abschnitt die einzelnen Prozessschritte im Detail, jeweils mit Akteuren und Beispielen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.3.1 Vorüberlegungen zum Prozess ===&lt;br /&gt;
Im hier vorgestellten Prozess wird auf eine harte, systematische Filterung verzichtet, welche kulturellen Ausdrucksformen „nur“ Kultur und welche bereits Kulturgut sind. Ein solcher Bewertungs- und Abgrenzungsprozess wäre ressourcenintensiv und würde den vorhandenen Kapazitäten in den beteiligten Einrichtungen nicht entsprechen. Stattdessen folgt das Konzept einer inklusiven Logik: Alle dokumentierten Ausdrucksformen werden zunächst als potenzielle Kulturgüter erfasst. Eine feinere Auswahl und Priorisierung erfolgen erst in einem späteren Schritt, nämlich dann, wenn konkret entschieden wird, welche Ausdrucksformen bzw. Kulturgüter in welcher Tiefe digitalisiert, archiviert und präsentiert werden sollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Vorgehen schließt an das RSK-Konzept an, das bewusst auf eine frühe normative Trennung zwischen „kultureller Ausdrucksform“ und „Kulturgut“ verzichtet. Auch hier steht zunächst der möglichst vollständige, strukturierte Überblick über die sorbischen Kulturgüter im Vordergrund. Die differenzierte Bewertung und Schwerpunktsetzung werden als anschließende fachliche Aufgabe verstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.3.2 Prozessschritte im Detail ===&lt;br /&gt;
Das folgende Diagramm gibt einen Überblick über die sechs Kernschritte im Digitalisierungsprozess von Kulturgut – von der ersten Entdeckung einer kulturellen Ausdrucksform bis zur Nutzung einer digitalen Repräsentation dieses Kulturguts. Die Abfolge bildet auch die Entwicklungsstufen ab: von gelebter Kultur zur kulturellen Ausdrucksform, von dort zum Kulturgut und schließlich zum digitalisierten Kulturgut.&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K3.png|center|600px]]&amp;lt;ref&amp;gt;Mermaid Flowchart Code: [https://mermaid.live/edit#pako:eNplkk1OwzAQha8yGqmbkloxSZs2CyTa8LOphIAVhIVJpolF4iDH4a_qbXqTXgzHFdAKr2y97703lmaNWZMTxriqmvesFNrAfZIqgPPHFIdDzuBO1DVVajhM8QlGozOYO-WUwS0VsjVakqa93Pvmjlk4JmAwp3fS5kCHwQAWjkkcE_Y5WWkIXqrd9jBpT138UIkspBGVbI_7-rwLR146csLgRryQ-U8lMGLwTG1WapLPpHKCZQLMOY9ch7m2VxiSpOAEjJ1TSev_M_bkvv3KtY8ZnOuslG_H9VcOuf4dUO-2LamjGdHDQsscY6M78rAmXYv-ies-IEVTUk0pxvaa00p0lUkxVRtrexXqoWnqH6duuqLEeCWq1r6619zOn0hRaPGH9J_Xi6ZTBuOxS8B4jR8YhxGLeDThkR-EM37KuYefFmHTaOz7fOZHQTidBMHGwy9X6VslnNnDw4jPuB8GHlIuTaOX-7Vy27X5Bh_Osqo hier klicken], abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kernprozess verdeutlicht, dass Digitalisierung mehr ist als Technik: Sie ist ein komplexer, vielfältig verantworteter kultureller Transformationsprozess. Jeder Schritt kann durch unterschiedliche Akteure getragen sein und erfordert spezifisches Fachwissen. Ziel der nachfolgenden Beschreibung ist es, die Prozessschritte nachvollziehbar und anschlussfähig für die Praxis Einrichtungen darzustellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Referenzen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Měrko Šenk</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://koncept.serbski-inkubator.de/index.php?title=12.3_Digitalisierung_des_Kulturerbes&amp;diff=1040</id>
		<title>12.3 Digitalisierung des Kulturerbes</title>
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		<updated>2026-02-27T12:24:04Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Měrko Šenk: /* 2.3 Prozess der Digitalisierung von Kulturerbe */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;= 1 Einleitung =&lt;br /&gt;
Die Digitalisierung von sorbischem Kulturerbe ist eine historische Chance für uns Sorben, eine Chance, unser kulturelles Erbe neu zu entdecken, es für kommende Generationen zu erhalten, für eine breitere Öffentlichkeit zugänglich zu machen und dabei die eigene Deutungshoheit zu stärken. Das erfordert neben Mut, einer klaren gemeinsamen Vision, starker Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Akteuren auch die notwendigen Ressourcen in Form von Personal mit entsprechenden Kompetenzen, passender Technik sowie einer nachhaltig gesicherten Finanzierung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im folgenden Abschnitt werden Zielbilder für die Digitalisierung des sorbischen Kulturerbes entworfen mittels lang- und kurzfristiger Visionen sowie konkreter Ziele.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 1.1 Visionen und Ziele für die sorbische digitale Welt ==&lt;br /&gt;
'''Vision 2035'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
''Sorbisches materielles und immaterielles Kulturerbe ist systematisch digital erfasst, rechtssicher und langfristig gesichert, leicht auffindbar, offen nutzbar und wird aktiv von Interessierten genutzt.''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Konkrete Ziele'''&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bis 2032 ist ein tragfähiges, finanziell und organisatorisch abgesichertes Modell etabliert, das:&lt;br /&gt;
* Ein zentrales (oder föderiertes) digitales Langzeitarchiv nach OAIS-Referenzmodell betreibt,&lt;br /&gt;
* klare Zuständigkeiten, Prozesse und Budgets definiert,&lt;br /&gt;
* regelmäßige Qualitätssicherung und Technik-Updates vorsieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis 2030 sind wichtige sorbische Kulturerbe-Bestände (Kernbestände nach fachlicher Festlegung) in hoher Qualität digitalisiert, beschrieben und im Langzeitarchiv gesichert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis 2028 liegt eine institutionenübergreifende Übersicht über relevante Kulturerbe-Bestände (analog und digital, materiell und immateriell) vor, einschließlich einer Prioritätenliste für die Digitalisierung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bis 2028 existiert ein zentrales, nutzerfreundliches „Sorbisches Kulturerbe-Portal“, das:&lt;br /&gt;
* Suchzugang über alle teilnehmenden Institutionen ermöglicht,&lt;br /&gt;
* grundlegende Inhalte frei zugänglich bereitstellt,&lt;br /&gt;
* mehrsprachige Oberflächen anbietet (Deutsch, Obersorbisch, Niedersorbisch, Englisch).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= 2 IST-Analyse „Digitalisierung von Kulturerbe“ =&lt;br /&gt;
Das Ziel in diesem Themenbereich ist es, sorbisches Kulturerbe digital zu verwalten und damit langfristig für Recherche, Nutzung und Präsentation vorzuhalten.&lt;br /&gt;
Im Abschnitt &amp;quot;IST-Analyse“ werden die folgenden Fragen beantwortet: Was ist sorbisches Kulturerbe und was zählt alles dazu? Welche Schritte durchläuft ein Kulturgut, um zum digitalen Kulturerbe zu gehören? Wie können die digitale Verwaltung, Archivierung, Nutzung und Präsentation von Kulturgütern umgesetzt werden?&lt;br /&gt;
Die grundlegenden Terminologien sollen im Folgenden festgelegt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2.1 Terminologie – von Kultur zu Kulturerbe ==&lt;br /&gt;
In diesem Abschnitt werden die Begriffe rund um das Kulturerbe grundlegend definiert. Es soll ein Verständnis über die Begriffe Kultur, kulturelle Ausprägung, Kulturgut und Kulturerbe erreicht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K1.png|center|260px]]&amp;lt;ref&amp;gt;Mermaid Flowchart Code: [https://mermaid.live/edit#pako:eNpF0UtuwyAQBuCroFlaTuRHTGMvKuWxq7pqV627IGZso2CIMChtk9ymN-nFimmasmJGfP-AOEGjOUIFrdTHpmfGkudtrWpF_Fq9RtGDk9aZKHojU-_aJ7PZ_bmGgSnR4mgFejaKpidC1XAmq8zDfYAoJZKVG7lxzX5stRl81C0_uwYdheGEubHD4_dXLy1hcpyC1rcLdM4GOLH1Ve2E5Gj9TPLkhgEnsLkBNDsMAmLojOBQWeMwhgHNwKYSTuFBYHucbOW3HFvmcQ21unh2YOpF6-FPGu26HqrW381X7sCZxa1gnWH_R1BxNBvtlIUqTUMEVCd49xVdzpeLMs1pXmRFXiY0hg-o8iyZL_LFXZaVSTJ1LzF8hqHJnBZ5WhZLWt5RmtIsBuTCavP4-2Hh3y4_NXaMmw hier klicken], abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.1 Kultur ===&lt;br /&gt;
Kultur bezeichnet hier die Gesamtheit aller vom Menschen geschaffenen und erlernten Ausdrucksformen des Lebens, die auf gemeinsamen Werten und Verhaltensweisen beruhen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;wiki-kultur&amp;quot;&amp;gt;URL: https://de.wikipedia.org/wiki/Kultur&amp;lt;/ref&amp;gt; Dazu zählen materielle Ergebnisse (z. B. Kunstwerke, Technik) ebenso wie immaterielle Praktiken (Sprache, Bräuche, Wissen). Kultur umfasst laut der UNESCO geistige, materielle, intellektuelle und emotionale Merkmale, die eine Gesellschaft oder soziale Gruppe kennzeichnen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;mondiacult&amp;quot;&amp;gt;UNESCO 1982: Mexico City Declaration on Cultural Policies (MONDIACULT). URL: https://www.lacult.unesco.org/docc/1982_MONDIACULT.pdf&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;ref name=&amp;quot;cultureaction&amp;quot;&amp;gt;Culture Action Europe 2024: The State of Culture report. URL: https://cultureactioneurope.org/de/news/the-state-of-culture-report-published, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;  Sie ist dynamisch und wird von jeder Generation neu gestaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das deutsche Wort „Kultur“ ist eine Eindeutschung des lateinischen Worts „cultura“. Dieses bedeutet ursprünglich „Bebauung, Bearbeitung, Bestellung, Pflege“ und meinte sowohl die physische Bearbeitung als auch die Pflege geistiger Güter, z. B. der Sprache.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.2 Kulturelle Ausdrucksform ===&lt;br /&gt;
Eine kulturelle Ausdrucksform ist eine konkrete, gegenwärtige oder historische, Manifestation von Kultur, bspw. eine Zeichnung, eine Tracht oder ein Lied: Sie macht die Kultur sichtbar und erlebbar. Im engeren Sinne ist es eine Ausdrucksweise, die aus der Kreativität einer Person, Gruppe oder Gesellschaft entsteht und kulturellen Inhalt trägt (symbolische Bedeutung, künstlerische Dimension, kulturelle Werte).&amp;lt;ref&amp;gt;Österreichische UNESCO-Kommission 2007: Übereinkommen zum Schutz und zur Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen, Art. 4, Seite 13. URL: https://www.unesco.at/fileadmin/Redaktion/Publikationen/Publikations-Dokumente/2005er_UNESCO-Convention_German.pdf, abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt; Sie wird innerhalb und zwischen Gemeinschaften weitergegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle kulturellen Ausdrucksformen bilden einen wesentlichen Kern von Kultur, aber Kultur enthält auch latente Dimensionen (Werte, Normen, Vorannahmen etc.), die nicht unmittelbar als Ausdrucksform erscheinen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.3 Kulturgut ===&lt;br /&gt;
Ein „Kulturgut“ ist eine einzelne kulturelle Ausdrucksform, der ein besonderer kultureller Wert zugemessen wird (durch Anerkennung, Schutz, Bedeutung). Es ist somit ein Erzeugnis menschlicher Kreativität oder Zeugnis menschlichen Lebens, welches Bedeutung für die Kultur einer Gemeinschaft hat und daher Bestand haben und bewahrt werden soll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Summe aller Kulturgüter einer Gemeinschaft wird als dessen Kulturerbe bezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.4 Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
Kulturerbe ist die Summe der materiellen und immateriellen Ausdrucksformen (= Kulturgüter) einer Kultur, die als „bewahrenswert“ anerkannt wurden. International umfasst das u. a. das Welterbe (Denkmäler, Ensembles, Stätten)&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO (1972), Welterbekonvention, Art. 1. URL: https://www.dnk.de/wp-content/uploads/2021/02/1972_DNK_UNESCO-Welterbekonvention.pdf (abgerufen am 11.09.2025).&amp;lt;/ref&amp;gt; und das Immaterielles Kulturerbe (Praktiken, Wissen).&amp;lt;ref&amp;gt;Deutsche UNESCO-Kommission o. J.:, Übereinkommen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes (dt. Ausgabe). URL: https://www.unesco.de/assets/dokumente/Deutsche_UNESCO-Kommission/02_Publikationen/Publikation_UNESCO-%C3%9Cbereinkommen_zur_Erhaltung_des_immateriellen_Kulturerbes_01.pdf, (abgerufen am 11.09.2025).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ob etwas „zum Kulturerbe“ zählt, ist Ergebnis von Bewertung, Diskurs und teils formellen Verfahren. Dem Sorbischen Kulturregister (SKR) zufolge ist „sorbisch-wendisches Kulturerbe“ eine Zuschreibung, die durch Gesellschaft, Museen, Archive und Wissenschaft erfolgen kann.&amp;lt;ref&amp;gt;Sorbisches Institut 2025: Konzept für ein Sorbisches Kulturregister (SKR). URL: https://www.serbski-institut.de/wp-content/uploa ds/2021/11/00_Zweite-aktualisierte-Fassung_Konzept_Sorbisches-Kulturregister_20.11.2025.pdf, abgerufen am 20.11.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.1.5 Abgrenzung: Kultur und Kulturerbe ===&lt;br /&gt;
Kultur / Kulturelle Ausdrucksform sind als Begriffe weiter gefasst als Kulturgut / Kulturerbe. Kulturelle Ausdrucksformen umfassen alles Gelebte und Gestaltete einer Gemeinschaft in Gegenwart und Vergangenheit, während Kulturgut / Kulturerbe diejenigen kulturellen Güter und Traditionen meint, denen eine Bedeutung beigemessen wurde und die als bewahrens- und weitergebenswert erkannt wurden. Kultur ist der „aktuelle“ kreative Prozess (einschließlich Popkultur, Alltagskultur), Kulturerbe der daraus überkommene Schatz. Dennoch sind die Grenzen fließend: Was heute nur Kultur ist, kann morgen zum Kulturerbe erklärt werden – abhängig von Wertzuschreibung und Diskurs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Rahmen dieses Dokuments werden für den sorbischen Kontext die Begriffe „kulturelle Ausdrucksform“ und „Kulturgut“ weitgehend synonym verwendet, sofern nicht ausdrücklich anders gekennzeichnet. Hintergrund ist, dass die Gesamtzahl der identifizierbaren kulturellen Ausdrucksformen einer kleinen Minderheit wie der Sorben/Wenden im Vergleich zu großen Mehrheitsgesellschaften überschaubar ist. Zugleich ist der Anteil dieser Ausdrucksformen, denen in der Community ein besonderer Wert beigemessen wird und die daher faktisch als Kulturgut wahrgenommen und behandelt werden, sehr hoch: Ein großer Teil des gelebten kulturellen Repertoires wird als identitätsstiftend und bewahrenswert verstanden und damit dem Kulturerbe zugerechnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2.2 Klassifizierung von Kulturgütern ==&lt;br /&gt;
Im Folgenden soll eine griffige Klassifizierung von Kulturgütern entwickelt werden, so dass pro Kulturgut-Klasse später auf die Besonderheiten ihrer Digitalisierung eingegangen werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K2.png|center|600px]]&amp;lt;ref&amp;gt;Mermaid Flowchart Code: [https://mermaid.live/edit#pako:eNptlM9u00AQxl9ltFWoFDlp_C9OjISU2KSgUCq1BSRIDxt77Syxd6v1mkKjSDwBlThw4YCEeuXOoeLSN-EF4BHYjZOQQG67-32_2ZnZsWco4jFBPqrVZpRR6cNsP8n4ZTTBQu7rHVP66QWOKEvV3nQM2BeYTf8eea35fF6rjdiIrUl4cjJiAMPDV_X6sMxkKdJS1uvnvu9PtRGgp5ReE46wJIKSLIOf779CycbkkqQZjSb1Ovz-cv351_drDWGN9BXS_xfZBj7dLoGxBgIFBE14nOcrZGH68E07Iu0IlSNsQkhTKnGlfvyh1bjKcngIjcYD6G2s-xvrYGMdLuuqAFOXZ0IflzFh0xxn5OBU3t1ISZhqw6KaKpo29k04jSaCJrLq0oZsa9mCAZc8FTihhBnQp1ksxd1NSsS22dFmG3oMZzwl0HveONtlc7XNATtsHI9fk6kkC3nRsKoqnVNgwrFQaUOvLGJRRtMi4SJfZ790WtppQYhFIVV7CYsJDO9uWbEMujbqOgIbTqgsddB7MCD_eXT6gQMvaFEQBlclPMVqcA6eMfqGiKLMt926isCFM4FjKiln-voCHmEWXxIxXZcUVo-jSwrVe3DBGvHqtc83DLqS0FpNAi3wRluiDBdFSBIYQ0KzzN_r265jPjQinnHh7yVJYhRS8ClZKfe3KLyk2oHneuEuqlK2qWhJWYPOwGnvoiplm4qXVMd17V5rF1UpikIGSgWNkS9FSQyUE5FjvUUzHXGE5ITkZIR8tYxJgtVXPEIjNlfYBWYvOc9XpOBlOkF-grNC7cqLWPUupFjNa74-FXo0RMBLJpFvWtYiCPJn6C3yG7bTNO2u6Tidrue0W13HQO_Usdtquuqg1bG6TtvzPNuZG-hqcXGr2baV5NhuyzId13XbBiJqDrg4qn5ni7_a_A_W9oMu hier klicken], abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.1 A. Materiell - unbeweglich 🏛️ ===&lt;br /&gt;
„Materiell - unbeweglich&amp;quot; bezeichnet ortsfeste Kulturobjekte wie Bauwerke, Ensembles, Gebäudekomplexe und Stätten/Kulturlandschaften, wie sie in Art. 1 der UNESCO-Welterbekonvention als Kategorien des kulturellen Erbes definiert sind.&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO World Heritage Centre o. J.: Convention Concerning the Protection of the World Cultural and Natural Heritage, Artikel 1. URL: https://whc.unesco.org/en/conventiontext/, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.2 B. Materiell - beweglich 🖼️ ===&lt;br /&gt;
Die Kategorie „Materiell - beweglich&amp;quot; umfasst bewegliche Sachen bzw. Sachgesamtheiten von kulturellem Wert (z. B. Objekte, Sammlungen), wie sie das deutsche Kulturgutschutzgesetz (§ 2 KGSG)&amp;lt;ref&amp;gt;Deutschland 2016: Kulturgutschutzgesetz (KGSG), § 2. URL: https://www.buzer.de/2_KGSG.htm, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt; als „Kulturgut“ beschreibt.&lt;br /&gt;
* B1 '''Schriftgut''' - Bücher, Zeitungen, Handschriften, Archivgut, Graphiken, Pläne, Karten&lt;br /&gt;
* B2 '''Fotografien &amp;amp; Bildträger''' &lt;br /&gt;
** Fotografisch erzeugte statische Bildträger, auch Stillbildträger genannt, z. B. Positive/Negative auf Film/Platte/Photopapier, Dias, Abzüge, Mikrofilm/-fiche und vergleichbare fotografische Repro-Träger.&lt;br /&gt;
* B3 '''Analoge AV-Träger''' (Audio/Video/Film)&lt;br /&gt;
** Analoge zeitbasierte Medien, z. B. Magnetton (Tonband, Kassette), Schallplatte, Videobänder, Film.&lt;br /&gt;
* B4 '''3D-Objekte''' - Gegenstände, „sachkulturelle Artefakte“&amp;lt;ref&amp;gt;Sorbisches Institut o. J.: Konzept zum Digitalisierungszentrum am Sorbischen Institut, S. 24.&lt;br /&gt;
(Unveröffentlichtes Konzeptpapier; interne Projektunterlage.)&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.3 C. Immateriell 🎭 ===&lt;br /&gt;
Meint lebendige Praktiken, Darstellungen, Ausdrucksformen, Ideen, Werte, Wissen und Fertigkeiten, die von Gemeinschaften getragen und weitergegeben werden, gemäß der folgenden 5 UNESCO ICH-Domänen.&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO o. J.: Intangible Cultural Heritage – Five Domains. URL: https://ich.unesco.org/doc/src/01857-EN.pdf, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* C1 '''Orale Traditionen/Ausdrucksformen''' - Sprache, Gesangstraditionen&lt;br /&gt;
* C2 '''Darstellende Künste''' - Musik, Tanz, Theater&lt;br /&gt;
* C3 '''Rituale &amp;amp; Feste''' - Bräuche und soziale Praktiken des Kalenders und Lebenslaufs&lt;br /&gt;
* C4 '''Wissen &amp;amp; Praktiken''' zu Natur &amp;amp; Universum - Heil- und Sammelkenntnisse, ökologisches und astronomisches Wissen, Glaube, Religion&lt;br /&gt;
* C5 '''Traditionelles Handwerk''' - Techniken, Werkzeuge und Gestaltungsmuster&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.2.4 D. Digital 💾 ===&lt;br /&gt;
Bezeichnet in digitaler Form vorliegende Ressourcen menschlichen Wissens und Ausdrucks. Diese können sowohl born-digital sein als auch digitalisierte Repräsentationen von materiellen und immateriellen Kulturgütern.&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO 2003: Charter on the Preservation of Digital Heritage. URL: https://www.unesco.org/en/legal-affairs/charter-preservation-digital-heritage, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* D1 '''Born-digital''' (ursprünglich digital erzeugt, kein analoges Original), z. B. Webseiten, Social-Media-Beiträge, Software, Apps, Spiele, digitale Fotos/Audio/Video.&lt;br /&gt;
* D2 '''Digitalisate''' - Digitalisierte Repräsentationen/Derivate aus den Klassen A, B und C.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== 2.3 Prozess der Digitalisierung von Kulturerbe ==&lt;br /&gt;
Die Digitalisierung von Kulturgut ist kein rein technischer Arbeitsschritt, sondern ein vielschichtiger, oft langfristiger Prozess, der bereits mit der Wahrnehmung und Identifikation einer kulturellen Ausdrucksform beginnt. Ziel dieses Abschnitts ist es, diesen Gesamtprozess systematisch darzustellen: von der gelebten Kultur über das identifizierte Kulturgut bis hin zur digital nutzbaren Repräsentation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die hier entwickelte Prozessdarstellung soll als praxisorientierter Überblick dienen für die Digitalisierung des sorbischen Kulturerbes. Sie berücksichtigt die Anforderungen sorbischer Einrichtungen ebenso wie die international etablierten Referenzmodelle und Standards, darunter:&lt;br /&gt;
* das OAIS-Referenzmodell (ISO 14721) für digitale Archivierung&amp;lt;ref&amp;gt;Consultative Committee for Space Data Systems (CCSDS) 2024: Reference Model for an Open Archival Information System (OAIS), CCSDS 650.0-M-3. URL: https://ccsds.org/Pubs/650x0m3.pdf, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* das DCC Curation Lifecycle Model für kuratorische Entscheidungsprozesse&amp;lt;ref&amp;gt;Higgins 2008: The DCC Curation Lifecycle Model. International Journal of Digital Curation, 3(1), 134-140. URL: https://ijdc.net/index.php/ijdc/article/view/48, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* das Spectrum-Modell für museale Objektverwaltung&amp;lt;ref&amp;gt;Collections Trust 2022. Spectrum 5.1 - The UK Museum Collections Management Standard. URL: https://collectionstrust.org.uk/spectrum/spectrum-5, abgerufen am 01.10.2025. &amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* die UNESCO-Leitlinien zur Inventarisierung immateriellen Kulturerbes&amp;lt;ref&amp;gt;UNESCO 2024: Operational Directives for the Implementation of the Convention for the Safeguarding of the Intangible Cultural Heritage (10.GA). URL: https://ich.unesco.org/doc/src/ICH-Operational_Directives-10.GA_EN.pdf, abgerufen am 01.10.2025. &amp;lt;/ref&amp;gt;,&lt;br /&gt;
* sowie technische Vorgaben wie die DFG-Praxisregeln Digitalisierung&amp;lt;ref&amp;gt;Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) 2022: Praxisregeln Digitalisierung (aktualisierte Fassung). URL: https://www.ulb.hhu.de/fileadmin/redaktion/ULB/Documents/Infomaterial/DFG_Praxisregeln_Digitalisierung_Aktualisierte_Fassung2022.pdf, abgerufen am 01.10.2025. &amp;lt;/ref&amp;gt; und die FADGI-Richtlinien&amp;lt;ref&amp;gt;Federal Agencies Digital Guidelines Initiative (FADGI) 2023: Technical Guidelines for Digitizing Cultural Heritage Materials – Still Image, 3rd ed. URL: https://www.digitizationguidelines.gov/guidelines/digitize-technical.html, abgerufen am 01.10.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Folge soll der „Lebenslauf“ eines Kulturguts dargestellt werden, also der Weg, den ein Objekt oder eine kulturelle Praxis vom Zeitpunkt der Entstehung über die Erfassung, Digitalisierung und Archivierung bis zur Veröffentlichung in einem digitalen Präsentationsmodul durchläuft.&lt;br /&gt;
Hierfür erläutert der folgende Abschnitt die einzelnen Prozessschritte im Detail, jeweils mit Akteuren und Beispielen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.3.1 Vorüberlegungen zum Prozess ===&lt;br /&gt;
Im hier vorgestellten Prozess wird auf eine harte, systematische Filterung verzichtet, welche kulturellen Ausdrucksformen „nur“ Kultur und welche bereits Kulturgut sind. Ein solcher Bewertungs- und Abgrenzungsprozess wäre ressourcenintensiv und würde den vorhandenen Kapazitäten in den beteiligten Einrichtungen nicht entsprechen. Stattdessen folgt das Konzept einer inklusiven Logik: Alle dokumentierten Ausdrucksformen werden zunächst als potenzielle Kulturgüter erfasst. Eine feinere Auswahl und Priorisierung erfolgen erst in einem späteren Schritt, nämlich dann, wenn konkret entschieden wird, welche Ausdrucksformen bzw. Kulturgüter in welcher Tiefe digitalisiert, archiviert und präsentiert werden sollen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Vorgehen schließt an das RSK-Konzept an, das bewusst auf eine frühe normative Trennung zwischen „kultureller Ausdrucksform“ und „Kulturgut“ verzichtet. Auch hier steht zunächst der möglichst vollständige, strukturierte Überblick über die sorbischen Kulturgüter im Vordergrund. Die differenzierte Bewertung und Schwerpunktsetzung werden als anschließende fachliche Aufgabe verstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== 2.3.2 Prozessschritte im Detail ===&lt;br /&gt;
Das folgende Diagramm gibt einen Überblick über die sechs Kernschritte im Digitalisierungsprozess von Kulturgut – von der ersten Entdeckung einer kulturellen Ausdrucksform bis zur Nutzung einer digitalen Repräsentation dieses Kulturguts. Die Abfolge bildet auch die Entwicklungsstufen ab: von gelebter Kultur zur kulturellen Ausdrucksform, von dort zum Kulturgut und schließlich zum digitalisierten Kulturgut.&lt;br /&gt;
[[Dataja:Wobraz_K3.png|center|600px]]&amp;lt;ref&amp;gt;Mermaid Flowchart Code: [https://mermaid.live/edit#pako:eNplkk1OwzAQha8yGqmbkloxSZs2CyTa8LOphIAVhIVJpolF4iDH4a_qbXqTXgzHFdAKr2y97703lmaNWZMTxriqmvesFNrAfZIqgPPHFIdDzuBO1DVVajhM8QlGozOYO-WUwS0VsjVakqa93Pvmjlk4JmAwp3fS5kCHwQAWjkkcE_Y5WWkIXqrd9jBpT138UIkspBGVbI_7-rwLR146csLgRryQ-U8lMGLwTG1WapLPpHKCZQLMOY9ch7m2VxiSpOAEjJ1TSev_M_bkvv3KtY8ZnOuslG_H9VcOuf4dUO-2LamjGdHDQsscY6M78rAmXYv-ies-IEVTUk0pxvaa00p0lUkxVRtrexXqoWnqH6duuqLEeCWq1r6619zOn0hRaPGH9J_Xi6ZTBuOxS8B4jR8YhxGLeDThkR-EM37KuYefFmHTaOz7fOZHQTidBMHGwy9X6VslnNnDw4jPuB8GHlIuTaOX-7Vy27X5Bh_Osqo hier klicken], abgerufen am 22.09.2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kernprozess verdeutlicht, dass Digitalisierung mehr ist als Technik: Sie ist ein komplexer, vielfältig verantworteter kultureller Transformationsprozess. Jeder Schritt kann durch unterschiedliche Akteure getragen sein und erfordert spezifisches Fachwissen. Ziel der nachfolgenden Beschreibung ist es, die Prozessschritte nachvollziehbar und anschlussfähig für die Praxis Einrichtungen darzustellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Referenzen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Měrko Šenk</name></author>
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